Klöster in Baden-Württemberg

Zisterzienserkloster Schönau/Odenwald

                                                                              Schönau - Zisterzienserkloster Schönau 1142-1560 2016-04-10 16-56-23.JPG

Bischof Burchard (1115-1149), auch Buggo genannt, wurde 115 von Kaiser Heinrich V. (1111-1125) wurde 1115 in Worms auf den verwaisten  Bischofsstuhl gesetzt und war vorher Hofkaplan des Kaisers.

1142 wurde auf seine Initiative das Zisterzienserkloster in Schönau im Odenwald gegründet. Er hatte deshalb beim Generalkapitel der Zisterzienser in Citeaux um die Errichtung einer Abtei in dem zu seiner Diözese gehörenden Steinachtal gebeten.

Dieses beauftragte das 1136 von Citeaux aus gegründete Kloster Eberbach im Rheingau mit dieser Aufgabe. Am 21. März 1145 zogen 12 Eberbacher Mönche und ein Abt ins Steinachtal. Damit wurde Schönau die erste Tochtergründung von Eberbach unter Abt Ruthard (1136-1157),

der rasch weitere folgten. Burchhard gab dem Kloster die Talsohle des Steinachtals.Bischof Burchard starb 1149 und wurde auf eigenen Wunsch im Kloster Schönau beerdigt. Sein Nachfolger Konrad I. von Steinach (1150-1171) war ebenfalls ein großer Förderer der Gründung und erweiterte die Stiftung seines Vorgängers beträchtlich. Konrad war schon in der Stiftungsurkunde als Zeuge aufgetreten.

Im September 1169 nahm Kaiser Friedrich I. (1155-1190) Kloster Schönau mit all seinen Besitzungen in seinen Schutz. (RI IV,2,3 n. D1848.) Das passte auch zu Konrad I. dem Würzburger Bischof, der nicht nur ein bedeutender Förderer des Klosters war sondern auch ein

überzeugter Parteigänger der Staufer. Er war auf dem ersten und zweiten Italienzug des Kaisers dabei und Friedrich Barbarossa war auch öfters in Worms bei Konrad. Der Zisterzienserschutz war Bestandteil der staufischen Hausmachtspolitik. An die Stelle der kaiserlichen Schutzherrschaft trat dann die Schirmherrschaft der Pfalzgrafe bei Rhein, deren Hauskloster Kloster Schönau und die Grablege der Pfalzgrafen wurde. Aber auch die Pfalzgrafen bei Rhein gehörten in dieser Zeit zu den Staufern. So hatte Friedrich Barbarossa seinen Halbbruder Konrad von Staufen 1156 zum Pfalzgrafen (1156-1159)gemacht. Konrad war auch Vogt von Kloster Schönau. 1182 verlegte er seine Hofhaltung von der Burg Stahleck bei Bacharach nach Heidelberg, das auch Sitz seiner Vogtei über Schonau wurde. Konrad starb 1195. Er wurde in Schönau bestattet.

Auch seine Gemahlin Irmingard, die 1197 starb, fand ihre letzte Ruhestätte in Schönau.

Eine erste “Berühmtheit” von Kloster Schönau war Hildegund von Schönau. Sie war die Tochter von Harper von Helpenstein, eines Ministerialen des Erzbischofs von Köln. Sie machte 1183 eine Wallfahrt mit ihrem Vater nach Jerusalem. Dieser starb aber auf der Überfahrt von Brindisi nach Tyrus.

Die Heimreise unternahm sie in Männerkleidern um unterwegs nicht belästigt zu werden und nannte sich Josef. Sie besuchte dann eine Verwandte in Speyer und trat als Novize in Kloster Schönau ein. Mit nur 18 starb sie dort und erst bei der Leichenwäsche wurde entdeckt, dass sie eine Frau war.

Sie wurde im Chor der Klosterkirche von Schönau bestattet und stand bald im Ruf der Heiligkeit.

1180 geschah, was später als “Stiefelrevolte” bezeichnet wurde. Die Konversen spielten eine ganz wichtige Rolle im Funktionieren eines zisterziensischen Klosters. Denn mit ihrer Arbeitskraft wurden die Grangien betrieben. Wie wesentlich sie waren, zeigte sich, als im 13. und 14. Jahrhundert immer

weniger Konversen ins Kloster eintraten, was alle Klöster zwang, die Eigenwirtschaft einzuschränken, auf Verpachtung umzustellen oder neue Geschäftsfelder zu suchen, zum Beispiel Finanzdienstleistungen anzubieten, Patronatsrechte zu erlangen. (siehe Mei Büchle Kloster Eberbach)

Nach der Ordensregel galten Konversen und Mönche als gleichwertig.Die Praxis war aber doch von der Theorie sehr verschieden. Das zeigte sich ja schon in der Baulichkeit. Es gab das Herrenrefektorium und das Laienrefektorium (Beispiel Maulbronn) Mönchschor und Laienchor waren durch die Chorschranke getrennt. Konversen konnten in der Regeln nicht lesen und schreiben. Sie sollten keine Bücher haben. Konversen hatten weniger Feiertage als Mönche. Oft kamen zwei Konversen auf einen Mönch.

Bei der Stiefelrevolte, wie das Herbert Derwein (Das Zisterzienserkloster Schönau mit den Zeichnungen des 16. Jahrhunderts aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg , Frankfurt  1931 S. 35 ff) nennt, geht es darum, dass die Konversen Stiefel  eigentlich tragen sollen, bis sie abgelaufen sind.

In Schönau gab es aber jährlich neue, unabhängig vom Sohlenzustand. Abt Gottfried wollte nun aber, wie es die Ordensregel vorsah, die Stiefel erst ersetzen, wenn es nötig war. Dagegen gab es massiven Widerstand. Die Konversen wollten ihre Stiefel einfach zerschneiden.

Plötzlich starb der Anführer. Damit endete der Aufstand, bevor er richtig losging. Der Funke sprang aber über aufs Mutterkloster. Eberbach hatte mehrfach enorme Probleme mit seinen Konversen. 1241 wurde Abt Rimund verstümmelt und 1261 wurde Abt Werner von einem Laienbruder sogar erschlagen. Auch andere Klöster hatten ähnliche Probleme. In Heilsbronn konnte ein Abt seinen Dienst auch nicht mehr ausführen. (siehe dazu ebenfalls Kloster Eberbach in Mei Büchle)

Abt in Schönau war zur Zeit der Stiefelrevolte Gottfried. Er ist von 1182-1191 belegt. Sein Todestag ist der 5. September. Er gilt auch als Ordensheiliger. Allerdings ist seine Verehrung nicht nachweisbar. Deshalb wird er von den Bollandisten auch übergangen. (Die Gesellschaft der Bollandisten ist eine Arbeitsgruppe, die die Lebensgeschichte der Heiligen der katholischen Kirche in kritischen Ausgaben auf handschriftlicher Grundlage zusammenstellt.

Unter Abt Gerhard fand noch die Gründung von Kloster Bebenhausen statt.

Pfalzgraf Rudolf I. von Tübingen hatte 1183 beim Dorf Bebenhausen ein Kloster gestiftet, das zunächst von Prämonstratenser besiedelt wurde. Diese verließen das Kloster aber schon vor 1189/1190 wieder. Eine Anfrage des Pfalzgrafen in Citeaux wurde durch eine Kommission, die die Örtlichkeit

untersuchte, positiv beschieden und das Kloster Schönau mit der Gründung beauftragt. Schönau war wirtschaftlich und personell in der Lage zur Gründung in der Lage. 1190 wurde der Gründungsabt Diepold  mit 12 Mönchen nach Bebenhausen geschickt.

Bebenhausen war die einziger Schönauer Tochter. Aber die Zisterzienserinnenklöster Ramsau, Lobenfeld und Neuburg unterstanden zeitweilig dem Schönauer Abt.

Nachfolger von Abt Gottfried war Abt Diepold 1196- 1198, danach Abt in Eberbach und dort gestorben 1221. Allerdings gibt es zu Biographia Cisterciensis, die dieser Liste zu Grunde liegt eine Differenz zur Überlieferung von Kloster Eberbach. In  R. Hermann Bärs Diplomatische Geschichte der Abtei Eberbach, Wiesbaden 1855, S.141) wird ein Abt Theobald genannt, der aber 1206 nach Eberbach als Abt berufen wird und dort 15 Jahre Abt bleibt und dort 1221 stirbt. Dann wäre dieser Theobald identisch mit Abt Diebold aus der Biographia Cisterciensis.

Abt Berthold würde dann entfallen. Im Kopialbuch der Abtei Schönau sind für diesen Zeitraum keine Urkunden vermerkt und im Landesarchiv Karlsruhe finde ich auch keine Urkunden mit einem Abt Berthold.

Um 1200 wurden die bisher provisorischen Holzbauten des Klosters durch massive Bauten ersetzt und auch durch eine Ringmauer umgeben.

Am 18. Mai 1204 bestätigte Papst Innozenz III. (1198-1216) Kloster Schönau die Privilegien und Besitzungen des Klosters. Die Privilegien waren weitreichend. Es sollte von allen Zehntabgaben befreit bleiben. Abgaben waren weder von unbebautem noch kultivierten Land zu entrichten.

Auch Fischwasser und Viehbestand blieben davon unberührt. Zwar war das Kloster nicht exemt. Aber es hatte kirchenrechtlich doch eine Sonderstellung. Die Äbte aus Schönau waren von der Teilnahme am von Bischof einberufenen Synoden befreit. Es gab keine Kontrolle durch Diözesanvisitationen.

Auch die Wahlen des Abtes fand ohne Einfluss des Wormser Bischofs statt. dieser nahm nur die Weihe der Novizen vor. (E Nr. 6, Verweisung Generallandesarchiv Karlsruhe)

9 Jahre später hat Papst innozenz eine weitere Bulle erlassen. dieses Mal wird der Erzbischof von Mainz gebeten, Schönau zu schützen. Es hat wohl diesbezüglich Vorfälle gegeben, denn der Papst wurde nur aktiv, wenn etwas passiert ist, bzw. wenn er darum gebeten wurde.

“Papst Innocenz III. befiehlt dem Erzbischof von Mainz, das Kloster Schönau im Besitz seiner Privilegien und Güter zu schützen und ihm die abhandengekommenen Einkünfte durch Androhung eventueller Anwendung von Kirchenstrafen wieder zu beschaffen.” {E Nr. 13, Verweisung}

Generallandesarchiv Karlsruhe. Die Urkunde wurde am 20.Juli 1213 ausgestellt. Erzbischof war zu der Zeit Siegfried II. von Eppstein (1200-1230)

Der er Mißstand scheint allerdings rund 30 Jahre später noch nicht beseitigt gewesen zu sein. Denn sein späterer Nachfolger Innozenz IV. (1243-1254)stellte  am 31. März 1244 eine weitere Urkunde aus. Dieses Mal richtete sie sich an den Erzbischof von Mainz und seine Suffragane. Das sind

die dem Erzbischof unterstellte Diözesanbischöfe. {E Nr. 73, Verweisung} Generallandesarchiv Karlsruhe. Erzbischof war Siegfried III. von Eppstein (1230-1249)der Nachfolger des Empfängers der ersten Urkunde.

Abt Daniel regierte von 1208-1218. Er war erst Domherr in Köln. dann trat er ins Kloster Himmerod ein. Dort wurde er zum Prior gewählt und kam dann nach Schönau, wo er Abt wurde. Er konnte den klosterbesitz vermehren.

er starb 1218 im Ruf der Heiligkeit. Sein Gedenktag ist der 27. Juni (katholisch)

Am 20. Juli 1255 erteilte Papst Alexander (1254-1261) Kloster Schönau das Privileg “in geistlichen Angelegenheiten, welche die zum Kloster gehörigen Orte betreffen, eigenständig Entscheidungen zu treffen”. (Kopialbuch Nr. 18)

Ein weiteres Recht räumte Papst Alexander dem Kloster am 10. Januar 1266 ein, nämlich nach eigenem Ermessen auf seinem Friedhof Bestattungen durchzuführen. (Kopialbuch Nr. 20)

Es waren bereits und wurden eine Reihe nicht Klosterangehörige bestattet. Leute die auf dem Klosterfriedhof beerdigt werden sollten, gaben dem Kloster in der Regel reichlich Spenden dafür.

So wurden die Bischöfe Burchard II. von Worms ( +1149), der Klosterstifter in Schönau beerdigt. Konrad II. von Riesenberg Bischof von Hildesheim von 1221-1246, + 18. Dezember 1249. Er stammte wahrscheinlich aus der Familie der Schenken von Erbach, die eine enge Beziehung zu Kloster Schönau hatten.

Eberhard von Strahlenberg wurde 1291 als Bischof gewählt starb aber schon zwei Jahre später bei einem Romaufenthalt. Auf seinen Wunsch wurde er in Schönau bestatte. Seine Familie war schon vorher als Gönner des Klosters in Erscheinung getreten. So hatten 1250 seine Mutter und seine Brüder

die Weinberge des Klosters von Abgaben befreit.Schönau war vor allem die Grablege der Pfalzgrafen (s.o). Die Schirmherrschaft der Staufer ging ja im 12. Jahrhundert auf die Pfalzgrafen über. Neben Pfalzgraf Konrad von Staufen ist auch Pfalzgraf Heinrich IV. (+1214),

Pfalzgraf Adolf (+ 1327) und Kurfürst Rupprecht II (+ 1398) in Schönau bestattet.

Der Klosterbau war in der Mitte des 13. Jahrhunderts weitegehend beendet. Die Kirche stand an der Nordseite der Klausur und war etwa so groß wie die Kirche in Eberbach und größer als die Kirche in Maulbronn. Von der Klosterkirche, die um 1230 fertig war,

sind nur noch an einer Ausgrabungsstätte die halbrunden Nischen der Seitenkapellen im nördlichen Querschiff der Klosterkirche sowie die freigelegten Fundamente des Westportals der Klosterkirche zu sehen. Ebenfalls erhalten ist das Klostertor.

Das ehemalige Herrenrefektorium wird heut als evangelische Stadtkirche benutzt. Das Brunnenhaus wurde in die katholische Pfarrkirche integriert. die Brunnenschale steht heute auf dem Marktplatz.

Die Hühnerfautei stand außerhalb der Klausur. Sie wurde 1250/1251 errichtet und gilt heute als Deutschlands ältestes Profangebäude. Hier wurden die Steuerleistungen in Geld oder Naturalien entrichtet. Östlich von der Hühnerfautei stand der Wirtschaftshof des

Klosters, ein spätgotischer Speicherbau. In der Staatsgalerie Stuttgart gibt es dazu ein Aquarell aus dem kurpfälzischen Skizzenbuch. Auch die Klosterschmiede existiert noch. Es ist das von den Wallonen aufgestockte “Wallonenhaus”. Zisterzienserklöster waren immer Eigenbetriebe,

wo alles hergestellt wurde, was ein Kloster brauchte. 

Weiter im chronologischen Verlauf.

1256 gestattet Papst Alexander dem Kloster, bewegliche und liegende Güter (Lehen ausgenommen) von Personen, die in das Kloster eintreten, anzunehmen. (Kopialbuch Nr. 21)

1267 erklärte der Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein (1259-1284 ) dass das Kloster Schönau von dem auf die Futtermittel für ihre Tiere in Viernheim zu zahlenden Zehnten befreit ist (Kopialbuch Nr. 8 24. August 1267, Laach)

Am 6. März 1262 kaufte Schönau einen Hof in Worms. Außerdem hatte Schönau Stadthöfe in Speyer und Frankfurt.  Kloster Schönau wurde 1224 von Bischof Beringer von Entringen (1224-1232) von allen Zahlungen befreit und

seine Besitzungen in der Stadt genossen dieselben Rechte, die alle anderen Bürger besitzen. (Kopialbuch 266) Der Schwerpunkt der städtischen Besitzungen lag aber in Heidelberg. Hier besaß das Kloster 40 Häuser, betrieb eine Mühle.

Die Neckarfähre befand sich ebenfalls im Besitz des Klosters. 1218 hatte sich das Kloster das Fährrecht in Heidelberg von Lutfrid von Waibstadt erworben (Kopialbuch 59). Es gab dann noch einige Klagen, aber 1245 waren alle zurückgezogen (Kopialbuch S63)

Auf dem sogenannten Mönchhof in Heidelberg wurden die Überschüsse des Klosters vermarktet. Er wurde zum ökonomischen und administrativen Zentrum des Klosters ausgebaut.

Schon 1225 befreite Pfalzgraf bei Rhein Ludwig I. (1214-1231) Kloster Schönau von Abgaben bei Ein-und Ausfuhr von Gütern nach Heidelberg (Kopialbuch Nr. 47)

Am 21. Dezember 1387 bewilligte Papst Urban VI. (1378-1389) die Einrichtung des Hauses zu St. Jakob für studierende Zisterzienser, Papst Bonifaz IX. (1389-1404) 1390 vollzieht und das Haus St. Jakob unter die Aufsicht des Schönauer Abtes stellte.

Auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung hatte Kloster Schönau etwa 300 Mönche und etwa 300 Konversen (laut kloester-bw.de/klostertexte) das waren mehr als das Mutterkloster Eberbach vorweist, das nach Schätzungen bei etwa 150 Mönchen lag.

Um 1400 gab es in Deutschland etwa 2.800 Städte mit weniger als 1000 Einwohnern.

Schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts ging das Kloster mit seiner Landwirtschaft zunehmend zunehmend von Eigenwirtschaft auf Verpachtung über. Eine Tendenz, die in allen Zisterzienserklöstern zu beobachten ist.

Das hängt vor allem mit dem Rückgang der Konversen zusammen. Die Konkurrenz der Bettelorden, die im 13. Jahrhundert aufkamen, sorgte dafür, dass junge nichtadelige Männer sich vor allem den Franziskanern und den Dominikanern anschlossen.

In der Erwerbspolitik der Klöster führte das dazu, das zunehmend versucht wurde, einträgliche Patronatsrechte und Zehntrechte zu erwerben. (siehe dazu auch Mei Büchle Kloster Eberbach, Kloster Otterberg)

Kloster Schönau hatte im Gegensatz zu vielen Zisterzienserklöstern nie unter feindliche Zerstörung zu leiden,, was daran lag, dass die pfalzgräflich/kurfürstlichen Schirmherren über Jahrhunderte einen wirkungsvollen Schutz boten.

Im Gegenzug dazu griff der Schutzherr der Abtei im Bedarfsfall aber auch auf die finanziellen Ressourcen des Klosters zurück. So musste es in Kriegszeiten “Reiswagen” stellen, das waren Pack-und Frachtwagen für Feldzüge einschließlich der Zugtiere und

Knechte. Das Kloster war auch zur finanziellen Unterstützung der Heidelberger  Universität verpflichtet.

Schönau geriet vor der Reformation in eine Wirtschaftskrise. Die Abtei war zum Verkauf von Klosterbesitz gezwungen. Nach Schaab (Die Zisterzienserabtei Schönau im Odenwald. Heidelberg (2. unveränderte Aufl. ) 1990. ) war diese Krise eher Folge solch externer Beanspruchung als

wirtschaftlicher Zerrüttung. Philipp (1476-1508) war am Landsberger Erbfolgekrieg beteiligt. Sein Nachfolger Ludwig V. (1508-1544) hatte noch mit den folgen dieses Krieges zu kämpfen. Er hatte heftige Kämpfe mit seinen Nachbarn zu führen. (siehe dazu Mei Büchle Kloster Otterberg)

Den Bauernkrieg beendete er mit der Schlacht bei Pfedersheim.

Kurfürst Ottheinrich (1556-1559) führte 1557 die Reformation nach lutherischer Ausrichtung ein. 1558 hob er das Kloster Schönau auf. Die Verwaltung der Liegenschaften und die grundherrlichen Rechte wurden von der bis heute bestehenden Pflege übernommen.

Der letzte Abt Wolfgang Kartheuser 1554–58) ging nach Worms und starb dort am 24. August 1563. Er ist in der Andreaskirche in Worms bestattet.

1562 wurden calvinistische Glaubensflüchtlinge aus Wallonien  in Schönau angesiedelt. Sie waren zwar zum Erhalt der Klosteranlage verpflichtet, nahmen aber zahlreiche Umbauten vor, so dass sich von der ursprünglichen Klosteranlage kaum mehr etwas erhalten hat.

 

Äbte Kloster Schönau nach Biographia Cisterciensis

1. Konrad I. 1152-1153

2. Gottfried I. 1184–1196

3. Diepold 1196–1198  gest. 1221, später Abt von Eberbach

4. Berthold I. 1200

5. Walther 1206–1208

6. Daniel 1208–1218

7. Christian 1218–1222

8. Konrad II. 1222–1223

9. Berthold II. 1223–1232

10. Konrad III. 1233–1240

11. Ulrich 1240–1245

12. Rudolph 1245–1249

13. Heinrich 1249–1258

14. Ebelin 1259–1263

15. Otto 1263–1279

16. Friedrich I. 1279–1281

17. Wernher 1282–1287

18. Johann I. 1287–1299

19. Friedrich II. 1299–1304

20. Peter I. Kleman 1304–1307

21. Hugo 1307–1312

22. Jakob I. 1312–1321

23. Engelbert 1323–1327

24.
Ludold
1341–1343

25.
Trutwin
1350

26.
Johann II.
1356–1360

27. Heilmann 1360–1363

28. Peter II. 1375–1392 gest. 1395 in Eberbach

29. Gottfried II. 1392–1400 aus Schriesheim

30. Eberhard I. 1400–1405

31. Marquard 1405–1406

32. Konrad IV. 1423–1438

33. Johann III. Marstaller 1440

34. Gerhard 1450–1459 Professor der Theologie

35. Peter III. 1461–1464

36. Johann IV. von Lindenfels 1465–1475 gest. als Abt von Eberbach

37. Eberhard II. 1479–1491

38. Nikolaus I. von Neidenstein 1491–1501

39. Jakob II. 1503–1520

40. Markus 1520–1523

41. Nikolaus II. Senger 1523–1526 aus Heidelberg

42. Lorenz Ortt 1527–1529

43. Sebastian Pfungstein 1529–1554 aus Heidelberg; auf dem Grabstein als 50. Abt bezeichnet

44. Wolfgang Kartheuser 1554–1563 aus Worms; ging nach der Aufhebung des Klosters nach Worms, dort gest. 24. Aug. 1563 und in der Andreaskirche begraben

23 Feb 2021

Kloster Bronnbach

                                                                                                                                                                                                                                                                                           Kloster Bronnbach

 

Im Jahre 1151 stifteten 4 Edelfreie aus Franken und dem Taubergebiet das castrum Brunnebach oberhalb des heutigen Klosters wohl nach einer Predigt Bernhard von Clairvaux in Würzburg. Die Adligen waren Billung von Lindenfels,

Sigebot von Zimmern, Erlebold von Krenzheim und Beringer von Gamburg. Die vier waren miteinander verwandt, wobei nicht klar ist wie sie verwandt oder verschwägert waren. Billung von Lindenfels stammte aus der Familie von Lindenfels, die sich nach der frühest erwähnten Burg

im inneren Odenwald benannte. Er war Hauptvasall von Pfalzgraf Konrad von Staufen (um 1134-1195), dem Halbbruder von Friedrich Barbarossa. Billung ist auch im Schutzbrief Friedrichs I. für Bronnbach als Zeuge aufgeführt, allerdings als Letzter in einer langen
Zeugenreihe,  obwohl er der Hauptgründer war. Über Sigebot und Erlebod gibt es in den mir zugänglichen Quellen keine Informationen. Beringer von Gamburg war Lehensmann von  Arnold von Seelenhofen (1153 bis 1160), dem Erzbischof von Mainz. Er erhielt das castrum Camburg als

Lehen von Erzbischof Arnold und überließ diesem im Tausch dafür die “villula Brunnenbach”, das ist der heutige Schafhof bei Bronnbach. Diesen vermachte Erzbischof Arnold den Zisterziensern. Dort entstand dann das Kloster Bronnbach, das zur Ansiedlung eines Klosters besser geeignet war

als die von den Gründern gestiftete Burganlage von Bronnbach. Es sollte eigentlich als Tochterkloster von Maulbronn gegründet werden. Das hatte aber auch wenige Jahre vorher eine räumliche Verlagerung vorgenommen und sah sich nicht in der Lage, die zwölf Mönche, die als Gründungskonvent notwendig waren, nach Bronnbach zu entsenden.

Nur zwei Jahre nach der Gründung nahm Papst Eugen III. (1145 bis 1153) das Kloster in seinen Schutz

R-US 1153 Januar 11 in 1153-1447  “Papst Eugen III. nimmt das Kloster Bronnbach (Brunnebach) und alle seine Besitzungen und Einkünfte in seinen Schutz. “ (Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US)

Die Schenkung des Weilers Brunnenbach an Erzbischof Arnold ermöglichte die Verlegung des Klosters ins Tal der Tauber. Dort sollte nach dem Willen Arnolds auch seine Grablege sein. Er wurde aber am 14. Juni 1160 nach langen Konflikten mit Ministerialen der Stadt Mainz

in der Klosterkirche von St. Jakob ermordet. Erzbischof Arnold wurde nicht in Bronnbach sondern in Mainz bestattet.

Die Umsiedlung wurde 1157 vollzogen. Der Grundstein für die Bronnbacher Kirche wurde gelegt.

Unter Wahrung der Maulbronner Rechte schickte Abt Dieter von Maulbronn den Waldsassener Professen Reinhard von Frauenberg, der sich laut Karl Klunzinger (Urkundliche Geschichte der vormaligen Cisterzienser-Abtei Maulbronn, Stuttgart 1854, S. 129) zu dieser Zeit in Maulbronn aufhielt, mit 12 Mönchen nach Bronnbach. Imselben Jahr wurde auch mit dem Bau der Klosterkirche begonnen. Nach dem Waldsassener Vorbild wurde die Kirche mit einem Staffelchor errichtet. Der Chor wird hierbei von kleiner werdenden Nebenchören flankiert. Die Kirche ist im spätromanischen und frühgotischen Stil erbaut.

Reibungen zwischen den Bistümern Mainz und Würzburg, in deren Grenzgebiet das neue Kloster lag, vor allem aber der Streit zwischen Papst Alexander und dem von Friedrich I. eingesetzten Gegenpapst Victor und der kaiserlichen Partei, in die auch Abt Reinhard hineingezogen wurde, sorgten dafür, dass Abt Reinhard den vom Maulbronner Mutterabt vorgeschlagenen Ausweg der Abdankung annahm.

Abt Dieter schickte nun eine zweite Gruppe unter Wigand Belleri nach Bronnbach.

Am 14. Juni 1165 nimmt FriedrichI.  Kloster Bronnbach in seinen Schutz, bestätigt seine Besitzungen, die aufgeführt werden und gewährt ihm Steuerfreiheit.

In Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US die Urkunde R-US 1165 Juni 14 (Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US)

Von Anfang an wurde Bronnbach vom niederen Adel, vor allem aber von den Grafen von Wertheim unterstützt. Es konnte seinen Klosterbesitz arrondieren.

Seinen ersten Stadthof im Bereich Karmelitenstraße/Bronnbacher Gasse  hatte Kloster Bronnbach schon 170 in Würzburg.

Kaiser Heinrich VI. (von 1169 ab römisch-deutscher König, Kaiser von 1191-1197)nahm 1193 nicht nur das Kloster in seinen Schutz. Er befreite den Bronnbacher Hof

in Würzburg auch davon, kaiserliche Beamte dort beherbergen zu müssen.

1297 erteilte Bischof Mangold von Würzburg (1287 –1303) den Zisterzienserklöstern Ebrach, Heilsbronn, Bronnbach, Langheim und Bildhausen das Privileg, ihre Waren in die Stadt Würzburg frei einführen und damit handeln zu dürfen.

Urkunde R-US 1297 Oktober 8 im Findbuch R-US des Staatsarchiv Wertheim.

Urkunde R-US 1193 Mai 25  Gelnhausen, 1193 Mai 25 „Datum apud Geilenhusen VIII. Kalendas Junii

Kaiser Heinrich VI. nimmt das Kloster Bronnbach (Burnebach) in seinen Schutz und befreit des Klosters Hof zu Würzburg (Wirceburc) von der Verpflichtung, kaiserliche Beamte zu beherbergen.”

Eine weitere kaiserliche Schutzurkunde wurde schon ein halbes Jahr später ausgestellt

R-US 1194 Februar 18 Münnerstadt, 1194 Februar 18 

“Kaiser Heinrich VI. nimmt das Kloster Bronnbach, dessen Insassen und Besitzungen, gegenwärtige und zukünftige, in seinen unmittelbaren Schutz. “

Stadthöfe hatte Bronnbach auch in Miltenberg ( vor 1237), Aschaffenburg (um 1237 ?),Frankfurt (1237) und  Wertheim (1244). Der Stadthof von Aschaffenburg wurde aber schon Mitte des 14. Jahrhunderts

wieder aufgegeben. Um die Wende des 15. Jahrhunderts folgten Miltenberg und Frankfurt. Nur Würzburg und Wertheim blieben bis zuletzt erhalten.

Innerhalb des Zisterzienserordens hatte Kloster Bronnbach eine besondere Beziehung mit dem Papsttum. Das zeigt sich auch an den vielen Schutzurkunden, die Päpste

für das Kloster Bronnbach ausstellten, deutlich mehr als z. B. für das Mutterkloster Maulbronn. Bronnbacher Äbte waren auch immer wieder in päpstlichem Auftrag tätig.

Einige Urkunden dazu wieder aus dem Findbuch R-US des Staatsarchivs Wertheim

R-US 1197 Januar 6  Lateran zu Rom, 1197 Januar 6 

“Papst Cölestin III. nimmt das Kloster Bronnbach in des heil. Petrus und des apostolischen Stuhles besondere Schutz und Schirm (Privilegium maius). “ (Privilegium maius war die feierliche päpstliche Urkunde, später

als Bulle bezeichnet. Es waren wichtige Urkunden, die Rechtsakte des Papstes beurkunden)

R-US 1197 Januar 13 Lateran zu Rom, 1197 Januar 13 

“Papst Cölestin III. nimmt das Kloster Bronnbach in des heil. Petrus und des apostolischen Stuhles Schutz und gewährt ihm besonders auf Gütertausch bezügliche Freiheiten (Privileqium minus)”

(Privilegium minus, das spätere Breve, also eine Beweisurkunde) Mit diesen beiden Urkunden kann Kloster Bronnbach als exemt angesehen werden.

1222 wurde die Kirche geweiht. Neben Maria, er im Zisterzienserorden üblichen Patronin, wurde der Tagesheilige am Tag der Kirchweihe als Patron verehrt. Der Kirchweihtag ist der 28. April und der Tagesheilige ist der

heilige Vitalis. Der Würzburger Weihbischof Wilhelm von Havelsberg (1239-1244), der von 1240-1244 auch Bischof von Havelsberg war, weihte die Kirche.

1233 befreite König Heinrich VII. (1235 von seinem Vater Friedrich II. abgesetzt) Kloster Bronnbach von allen Zollabgaben “bei Verführung ihrer eigen Sachen auf Rhein und Main” (Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US R-US 1233 Januar 9)

1237 vermittelte Abt Sigfried von Maulbronn in einer Streitsache zwischen den Grafen von Wertheim und Kloster Bronnbach.

“S(igfried), Abt von Maulbronn, vermittelt in einem zwischen der Abtei Bronnbach einer- und den Grafen von Wertheim und den Bauern von Reicholzheim andererseits schwebenden Streite in Betreff der Waldung „Balkenstein“, „Sumerliten“ und „Riethelden“ und errichtet eine Waldordnung für dieselben” ( R-US 1237 Findbuch R-US Staatsarchiv Wertheim. Dass der Maulbronner Abt in einer Streitsache des Klosters Bronnbach vermittelt, zeigt dass das Mutterkloster sich um seine Tochtergründung kümmerte.

Zwei Jahre später gewährte der Mainzer Erzbischof Siegfried III. von Eppstein (1230- 1249 ) Kloster Bronnbach Zollfreiheit.(Findbuch R-US, Staatsarchiv Wertheim R-US 1237 Juli 2 in 1414 Mai 28).

Eine weitreichende Schutzerklärung erteilt Papst Innozenz IV. (1243 bis 1254) in einer am 27. Juni 1245 in Lyon ausgestellten Urkunde. Findbuch R-US Staatsarchiv Wertheim R-US 1245 Juni 27. Neben der Bestätigung des Besitzes werden auch die Privilegien wie Zehntfreiheit und freie Abtswahl

bestätigt und die Stellung der Abtei zum Diözesanbischof geklärt. Das war zum Zeitpunkt der Urkunde Heinrich III. von Vinneburg (1328-1343)

Um 1339 war Kloster Bronnbach in finanziellen Schwierigkeiten. Der Bronnbacher Abt Siegfried Duß klagte beim Maulbronner Abt Konrad III. von Talheim (1330-1353) über den Notstand seines Klosters.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten sind aber schon Mitte des 13. Jahrhunderts aufgetreten. Um 1274 war der Bronnbacher Konvent aufgeteilt und auf andere Konvente aufgeteilt worden. Ein durchaus übliches Krisenbewältigungsmittel im Zisterzienserorden.

Der Mainzer Erzbischof Gerlach von Nassau (1346-1371) war an Pfingsten 1360 in Külsheim und Bischofsheim und konnte veranlasst werden, Kloster Bronnbach zu besuchen. Danach veranlasste er ein Treffen der Äbte Johann von Maulbronn (1360–1376) und Abt Reinhold von Schöntal (1321–1365)

in Aschaffenburg, der Zweitresidenz der Mainzer Erzbischöfe. Auch der resignierte Maulbronner Abt Berthold, der von 1358 bis 1359 Abt in Maulbronn war und sich in seiner knapp zweijährigen Regierungszeit in der Verwaltung bewährt hatte, war anwesend. Auf Drängen erklärte er sich bereit,

sich um das darniederliegende Tochterkloster zu kümmern, wenn ihn Maulbronn finanziell und mit Mitarbeitern unterstütze.Der Bitte wurde stattgegeben. Er erhielt 2000 Gulden und bekam drei Maulbronner Mönche zur Seite gestellt. Er ist urkundlich zuerst am 28. März 1363 in Bronnbach belegt.

Er schaffte es, Bronnbach innerhalb von 13 Jahren wieder herzustellen. In Bronnbach resignierte er im Juni 1373. Er kehrte mit zwei der Maulbronner Mönche nach Maulbronn zurück und starb dort im April 1374.

Erzbischof Gerlach unterstützte Kloster Bronnbach auch z.B. durch die Gewährung von Zollfreiheit auf dem Main am 6. November 1361 (Urkunde R-US 1361 November 6)

Die Krise war durch mehrere Gründe verursacht worden. Zum einen war auch Kloster Bronnbach wie im gesamten Zisterzienserorden  der Niedergang der klösterlichen Eigenwirtschaft spürbar geworden, der wohl mit der abnehmenden Zahl der Konversen zusammenhängt.

Das hatte schon zur Auflösung der zwei Grangien in Dörlesberg 1238 und 1251 in Reicholzheim geführt. Zum andern wurde Kloster Bronnbach  in die Auseinandersetzung Kaiser Ludwigs des Baiern (1314-47) mit Papst Benedikt XII. (1334-42) hin eingezogen. Auch Naturkatastrophen haben eine Rolle gespielt.1339 wurde die Klosterbrücke bei Bronnbach zerstört, was sich auch in  Ablassbriefen belegen lässt.

R-US 1339 August 22 in 1339 Juni 14

Würzburg, 1339 August 22 („Datum Herbipoli anno domini millesimo CCøXXXIXø XIø kalendas Septembris, pontificatus nostri anno sexto.“) 

“Otto, Bischof von Würzburg, erteilt zur Gewährung eines Ablasses von 40 Tagen für die zum Bau der Tauberbrücke in Bronnbach Beisteuernden durch 9 Erzbischöfe und Bischöfe, StAWt-R US 1339 Mai 21, Avignon, seine Zustimmung.”

Noch verheerender war das “Magdalenenhochwasser von 1342, was z. B. in Würzburg zum Einsturz der Mainbrücke führte. Auch die Auswirkungen des Erbebens von 1356 machten sich möglicherweise bemerkbar.

In einer Urkunde vom 1.Mai 1354, die von Erzbischof Gerlach aus Mainz ausgestellt ist,geht es zwar um einen Rechtsstreit in einer Pfandsache. Interessant an dieser Urkunde ist aber, dass Graf Eberhard von Wertheim dem Abt von Bronnbach die Zustimmung erteilt haben, 3000 Mark Silber an den

Mainzer Erzbischof zu übergeben. In dieser Urkunde wird erstmals ein Wertheimer Graf als “Schirmer” des Klosters Bronnbach genannt. Urkunde R-US 1354 Mai 1 (Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US) Graf Eberhard wird in dieser Urkunde als Schirmer, nicht als Vogt

bezeichnet, was wohl auch damit zusammenhängt, dass Kloster Bronnbach die Freiheit von Vögten zugestanden worden war, wie auch in untenstehender Urkunde belegt ist. Graf Eberhard regierte schon in den letzten Lebensjahren seines Vaters mit. Nach seinem Tod 1355 regierte er allein bis zu seinem Tod 1373.  Der Aufstieg der Wertheimer Grafen war immer  mit einem besonderen Verhältnis zur jeweiligen Herrschaftsfamilie verbunden. Graf Eberhard nahm Stadt und Schloss Wertheim als Lehen von Kaiser Karl IV. Er wurde Mitte des 14. Jahrhunderts  von Kaiser Karl IV.mit dem Schutz von Kloster Bronnbach betraut. Kloster Bronnbach war die Grablege der Wertheimer Grafenfamilie. sowohl Eberhards Vater Rudolf als auch Eberhard sind in Bronnbach bestattet.

Mit der Urkunde R-US 1367 Januar 21 bestätigte Kaiser Karl IV.(1346-1378) “Karl IV., römischer Kaiser, bestätigt dem Abt und Konvent zu Bronnbach die Privilegien seiner Vorfahren und trifft Bestimmungen über Gerichtsbarkeit, Freiheit von Vögten sowie von Abgaben vom eigenem Wachstum an kaiserliche Zollstätten.”

Abt war in dieser Zeit Abt Berthold, der in seiner Regierungszeit die Grundlage für eine neue Blütezeit des Klosters legte.

1378 inkorporierte Papst Urban VI. (1378-1389) dem Kloster die Pfarrkirche in Wertheim, die Graf Johann und seine  Gemahlin Margarethe am 21. Januar 1379 dem Kloster zusammen mit dem Kirchensatz übergaben. Urkunden R-US 1378 November 19 und R-US 1379 Januar 21

beide im Findbuch R-US im Staatsarchiv Wertheim. Der Kirchensatz räumte dem Kirchherrn, in dem Falle dem Grafen von Wertheim die Pfründe der Kirche sowie das Mitwirkungsrecht bei der Besetzung der Pfarrstelle ein.

Die wirtschaftliche Genesung des Klosters zeigte sich im Bau der steinernen  Tauberbrücke von 1408 sowie der spätgotischen Umgestaltung der Klosteranlage. Das Brunnenhaus wurde erbaut und 1411 die Bibliothek. Brücke, Brunnenhaus und Bibliothek wurden unter Johann III. Hildebrand (1404-1416) errichtet. Die Spannweiten ihrer beiden weitgewölbten Bögen (21,70 m bzw. 22,60 m) weisen nach der Karlsbrücke in Prag die größte

Spannweite gotischer Brücken in Mitteleuropa auf. Ihr Bau kostete angeblich 40.000 Gulden. Auf der Brücke war die Zollstation des Klosters. Sie hat als einzige Brücke des mittleren und unteren Taubertals allen bisherigen Hochwassern standgehalten.

1415 stellte  Kaiser Sigismund (1411-1437) eine Schutzurkunde für Kloster Bronnbach aus.”Kaiser Sigismund nimmt das Kloster Bronnbach (Brunpach) in seinen und des Reiches Schutz, befreit es von Vögten und fremden Gerichten und gewährt ihm Abgabenfreiheit von eigenem Erwachs an den kaiserlichen Zollstätten.” ( R-US 1415 März 22 Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US )

Auch der auf dem Konstanzer Konzil  1417 gewählte Papst Martin V. nahm das Kloster unter seinen Schutz und bestätigte seine Freiheiten. (R-US 1418 Februar 23 Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US )

Im 15. Jahrhundert öffnete sich der Zisterzienserorden für Studium und Wissenschaften. so befahl zum Beispiel der Generalabt von Citeaux  Jacques III. Theuley de Pontailler-sur-Saône (1501– 1516)am 24. Mai 1503 den Äbten von Schönthal und Maulbronn 30 Mönche nach Heidelberg zum Studium

zu schicken (siehe “Mei Büchle, Kloster Maulbronn) Der Bronnbacher Abt Johann Altzheim (1452-1459) ist ein gutes Beispiel für diese Entwicklung. Er hatte von 1415 bis 1433 in Heidelberg studiert und gelehrt. 1434 schrieb er sich an der Wiener Universität ein. Dort lehrte er als Doktor der Theologie.

Von 1437-1439 war er Dekan der Theologischen Fakultät. Das Stift Heiligkreuz im Wienerwald unterhielt ein Studienhaus in Wien, das Nikolauskolleg. Neben seiner Lehrtätigkeit Johann Altzheim dort als Provisor tätig. Bischof Enea Silvio Piccolomini, der spätere Papst Pius II. (1458–1464) bezeichnete  ihn als” theologus perspicax” (scharfsinniger Theologe) Johann Altzheim  wurde 1447 Abt in Heiligkreuz und bekleidete dieses Amt bis 1451. Dann kehrte er zu seiner Mutterabtei nach Bronnbach zurück und war dort von 1451-1459 Abt. Johann Altzheim sich bei der Bekämpfung der hussitischen Lehre einen Namen gemacht.Er starb 1459 und ist im Kapitelsaal von Bronnbach bestattet.

Die 1411 errichtete Bibliothek belegt ebenfalls das Gewicht, das die Bildung der Mönche jetzt hatte. In einem Schreiben von 1510 an seinen Stiefbruder Johannes Butzbach hebt der Novize und später Mönch Philipp Trunck die Bronnbacher Bibliothek hervor.

„Unser Kloster liegt am Ufer der Tauber in anmutiger Einsamkeit, von schönen Gärten umgeben. Wir haben viele und schöne Gebäude für den Abt, für die Brüder und die Gäste, außerdem schöne Werkstätten für allerlei Künste und Gewerbe. Wir besitzen eine große Kirche mit 16 Altären, außerdem haben wir noch fünf Kapellen mit wohlverzierten Altären. Wir besitzen zwei Bibliotheken mit Werken vieler Schriftsteller. Sechs gelehrte Mönche weilen hier, die den Magistergrad erlangt haben. Wir besitzen zwei Orgeln, auf diesen spielt ein Bruder mit höchster Kunstfertigkeit. Mehrere Quellen fließen durch das Kloster, eine in der Kirche, eine zweite in der Wohnung des Abtes und eine dritte im Refektorium.“
online Kultur im Kloster Bronnbach 2013 www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/kloester/zisterz/bronnb/index.htm Johannes Butzbach war von 1509-1516 Prior im Benediktinerkloster Laach, der heutigen Abtei Maria Laach. Er ist ein bedeutender Vertreter des rheinischen Klosterhumanismus

und Nachfolger seines Vorbildes Johannes Trithemius.

Der oben zitierte Brief ist noch länger. Das Original befindet sich auf der Universitätsbibliothek in Bonn (Cod. S. 220. V. c. fol. 139-144)

Die Bronnbacher  Bibliothek wurde allerdings 1631 weitgehend vernichtet. Zur Bibliothek sagt Trunck, dass nur die Professbrüder diese benützen dürfen, die Novizen noch nicht. Bei der Verfassung des Briefes waren es zwei Novizen. Neben den 6 Mönchen mit Magistergrad befand sich ein weiterer im Gymnasium zum heiligen Geist in Heidelberg. auch der Abt Johann VI.  und der Novizenmeister hatten den Magistergrad.

Der Konvent hatte 1510 40 Mitglieder, davon 24 Choralen, das sind die Mönche, die zum Chorgebet verpflichtet sind. 6 waren zu der Zeit in auswärtigen Geschäften unterwegs. 8 Konversen lebten und arbeiteten im kloster. Dazu kamen 2 >Novizen.

1416 wurde Johann IV. Siegemann zum 31. Bronnbacher Abt gewählt. Anlässlich seiner Wahl wurde veranlasst vom Maulbronner Mutterabt Albrecht IV. (1402-1428) eine Aufstellung der Klostereinkünfte erstellt.Der Konvent bestand aus 26 Mönchen und 4 Konversen. Das Klostereinkommen belief sich e 1097 Pfund und 42 1/2 Gulden beständigen und 12 Gulden an beweglichen Zinsen.

Von 1426-1428 wurde das stark schadensanfällige Kirchendach radikal umgebaut. Diesem Umbau fielen die Apsiden des Staffelchors zum Opfer. Der Umbau wurde von einem Meister Berthold, einem Laienbruder aus dem Mutterkloster Maulbronn vorgenommen, der dort für das spätgotische Kreuzrippengewölbe in der Klosterkirche verantwortlich zeichnete.

Nachdem das Kloster in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts wirtschaftlich wieder gesundet war, zahllose Bauvorhaben durchführen konnte und auch kulturell ausstrahlte, kam ab dem 16. Jahrhunderts bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges eine Periode ständigen Niedergangs, die das Kloster an den Rand des Ruins brachte.

Im landwirtschaftlichen Bereich hatte das Kloster drei wichtige Einnahmequellen. Das war einmal die Fischzucht, die in Bronnbach ebenso konsequent und erfolgreich betrieben wurde wie im Mutterkloster Maulbronn. Mit vielen Teichanlagen auch in den Seitentälern der Tauber hatte das Kloster

ein Monopol auf den Fischverkauf. Bei einem Fleischverbot von 1/3 des Jahres war ein entsprechender Bedarf vorhanden.

Natürlich wurde die Wasserkraft genutzt. Das Kloster besaß viel Mühlen oder es besaß einen Mahlgang in der Mühle einer anderen Herrschaft. In den Mühlen herrschte Mahlzwang, das heisst die Bauern durften ihr Getreide nur in der Mühle ihrer Herrschaft mahlen lassen.

Dann war der Weinbau, den die Mönche ins Taubertal gebracht hatten. Die Klosterweinberge wurden von Häckern der Umgebung in Lohnarbeit bearbeitet. Bäuerliche Pächter und Weinbauern waren verdrängt worden. Der Wein konnte zollfrei über den Main verschifft werden. Dazu kam das Recht, in Wertheim Wein steuerfrei ausschenken zu dürfen. Die Überschüsse des Klosters wurden in den Stadthöfen des Klosters (s.o) verkauft.

Im 14./15. Jahrhundert  wurde die Klosterwirtschaft immer mehr auf Einkünfte, auf Zinsen und Gülten umgestellt, eine Reaktion auf den zunehmenden Konversenmangel, der der dem gesamten Orden zu schaffen machte.

Die Besitzverhältnisse und Wirtschaftsweisen, Steuerfreiheiten, Zehnten und Rechte führten immer wieder zu zahlreichen Konflikten mit den jeweiligen Ortsherrschaften, mit der Dorf- und Stadtbevölkerung, den Häckern und Bauern.

Der Konflikt entzündete sich, was sich im Bauernkrieg zeigte. Klöster und Herrschaften waren Ziel der bäuerlichen Angriffe. Bei Klöstern waren die jeweiligen Fischteiche Zielpunkt. Das bäuerliche Ausfischen oder das Wasserablassen der Fischteiche beendete real-symbolisch das Klostermonopol.

Abt war in der Zeit des Bauernkrieges Johann VI. Edler von Boffsheim (Balzheim)(1501-1526) Kurz vor Ostern versammelten sich die Bauern der Klosterdörfer um einen Bund zu schwören. Kloster Bronnbach wurde geplündert, wahrscheinlich die Seitenkapellen und die Vorhalle der Klosterkirche zerstört .

Die zwei Orgeln wurden ebenso zerstört wie zwei Bibliotheken. Abt und Konvent wurden von den Bauern ebenfalls vertrieben. Als Abt Johann VI. am 13. November 1526 verstarb, wurde Konrad Neiff am 24. November als neuer Abt gewählt. Dieser trat aber schon am nächsten Tag wieder zurück.

Die desolate Bausubstanz hatten ihn  wohl ebenso wie die desolaten Klosterfinanzen zu diesem Schritt veranlasst. Auf ihn folgte als 38. Abt Markus Hauck aus Lohr (1526–1548).1530 bestätigte Kaiser Karl V. (1520-1556)

alle Rechte und Freiheiten, die seine Vorfahren Kloster Bronnbach verliehen hatten. Urkunde R-US 1530 Juli 20 Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US .

1530 fielen im Kloster Bronnbach acht Konventualen einer Seuche zum Opfer, das war etwa ein Drittel des Konvents. Im Mutterkloster Maulbronn war Abt Johannes IX. 1534 in den Stadthof von Kloster Maulbronn nach Speyer geflohen, nachdem Herzog Ulrich von Württemberg mit der Säkularisierung

der Klöster in seinem Herrschaftsbereich begonnen hatte. 1535 waren die ersten evangelischen Prediger in Maulbronn tätig.1537 verlegte Abt Johannes die Abtei nach Pairis. 1537 wurde Kloster Bronnbach der fränkischen Zisterzienserabtei Ebrach unterstellt.

Abt Markus war der erste Bronnbacher Abt, der bischöfliche Insignien trug. Die Pontifikalrechte, sowie das Recht, Mitra, Ring und Stab zu führen, wurden ihm am 17. November 1538 von Kardinal Hieronymus Aleander, Erzbischof von Brindisi.(Urkunde R-US 1538 November 17a Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US) gewährt.

Abt Markus starb am 15. November 1548. Am 26. November 1548 wurde Clemens Leusser wohl unter dem Einfluss des Grafen Michael III.von Wertheim zum neuen Abt von Bronnbach gewählt. Am 18. Oktober 1533 war er ins Kloster Bronnbach eingetreten. Am 10. Februar 1535  legte er seine Profess ab.

Er versah einige Klosterämter vor seiner Wahl zum Abt. Der Generalabt von Citeaux Jean XI. Loysier (30. März 1540–26. Dezember 1559 ) bestätigte die Wahl von Abt Clemens am 5. Februar 1549. Er wurde am 28 April 1549 Würzburger Weihbischof Georg Flach OSB (1544- 1564 )

benediziert.  In den ersten beiden Jahren seiner Regierungszeit erwies er sich noch als treuer Anhänger und Verfechter des alten Glaubens. Dann wandte er sich zunehmend der Reformation zu. Ende 1552 meldete er deren Vollzug an den Grafen Michael III.

Die weichen zur Reformation in der Grafschaft Wertheim stellte schon Michaels Vorgänger Graf Georg II. von Wertheim (1509-1539). Er war den Gedanken Luthers gegenüber aufgeschlossen . Schon 1524 forderte er Abt Johann VI. zu einer Stellungnahme zu den strittigen Religionsfragen auf.

Dieser antwortete nur sehr ausweichend. Papst Clemens VII.(1523-1534) beauftragte das Hochstift Würzburg mit der Visitation der Klöster in seinem Bistum. Das Hochstift beobachtete die Vorgänge im Kloster genau. Das Kloster wiederum sah mit der angedrohten Visitation seine Rechte bedroht.

Es wandte sich an den Grafen von Wertheim, der das Kloster als kaiserliches Lehen für sich beanspruchte.Nun zeigte sich, dass das Ganze eben auch eine Machtfrage war. Für Graf Georg ging es hauptsächlich darum, mit Hilfe der Reformation das Kloster unter seine Herrschaft zu bringen.

Die Verhandlungen zwischen Würzburg und Wertheim scheiterten. Das Kloster konnte mit einem Appell an das Reichskammergericht im Januar 1528 die angedrohte Visitation gerade noch abwenden. Dann starb Graf Georg II. 1530 ganz plötzlich. Für die Reformationsbestrebungen bedeutete das einen Aufschub.

1552 ließ Abt Clemens in seinem Kloster in lutherischem Sinn predigen. 1553 wurde erstmals im Kloster Bronnbach und Bronnbacher Pfarreien das Abendmahl in beiderlei Gestalt gereicht. Im Kloster hatte er 24 junge unbemittelte Leute aufgenommen, um sie zu Lehrern oder Predigern der neuen Lehre auszubilden.  Parallel zu den Reformationsereignissen liefen die Ereignisse des 2. Markgrafenkrieges. Zwischen 1552 und 1555 hatte Markgraf von Brandenburg-Kulmbach und Bayreuth Albrecht Alcibiades Raubzüge gegen seine fränkischen Nachbarn unternommen die Hochstifte Würzburg und Bamberg

zwang er, hohe Zahlungen zu leisten oder Landbesitz an ihn abzutreten.Kloster Maulbronn musste Kriegssteuern zahlen oder Naturallieferungen an die Kriegsparteien leisten. 1554 musste der Konvent vorübergehend sein Kloster verlassen.

Der Würzburger Bischof Melchior Zobel (1544 –1558) ging gegen Abt Clemens  vor. 1554 sollte er vom Hochstift Mainz verhaftet werden. Er leugnete seine Identität und konnte sich so der Verhaftung entziehen. Im Kloster fühlte er sich aber nicht mehr sicher. Er nahm das Klosterarchiv und Teile des Klosterschatzes mit und zog nach Wertheim in den Klosterhof um. Er heiratete am 1. Juni 1557. Im Streit um die Abtswürde seine Einkünfte wurde er von Grafen Ludwig von Stolberg, Schwiegervater und Nachfolger Michaels III. von Wertheim, und dem Herzog Christoph von Württemberg unterstützt.

Der neue Würzburger Bischof Friedrich von Wirsberg (1558 –1573) ernannte im August 1558 den früheren Konventualen Johann Pleitner, der jetzt Pfarrer in Königshofen war zum Bronnbacher Abt, da eine vorschriftsmäßige Wahl nicht möglich war. Johann Pleitner war einer der letzten drei katholisch gebliebenen  Mönche nach Einführung der Reformation durch Abt Clemens.

Er benedizierte ihn  am 15. August, 1558 und installierte ihn mit Gewalt in Bronnbach. Abt Clemens hatte am 25. Oktober 1558 zum zweiten Mal geheiratet, nachdem seine erste Frau gestorben war. Aus dieser Ehe gingen mehrere Kinder hervor.

Er arbeitet als Revisor in gräflich Stolbergischen Diensten und starb am 6. Oktober 1572 in Wertheim.

Abt Johann war ein Abt ohne Konvent. Die beiden verbliebenen anderen Konventualen befanden sich auswärts auf anderen Stellen. Pater Johann Knoll war Pfarrer in Rosenberg und Pater Martin Schäfer starb am 22. August 1560.

Viel bewirken konnte er natürlich nicht. 1560 fanden die Ablösung der Ansprüche des gewesenen Abtes Clemens statt. 1562 wird von einer Rücknahme von Kloster Bronnbach durch den Würzburger Fürstbischof berichtet.

Abt Johann starb 23. März 1563.

Am 22. August 1563  führte Fürstbischof Friedrich von Wirsberg den letzten verbliebenen Bronnbacher Konventualen Johann Knoll  ebenfalls mit Waffengewalt in sein Amt als Bronnbacher Abt ein, denn die Abtei hatte Graf

Ludwig von Wertheim-Löwenstein-Stolberg in Besitz.Von seiner Vorgeschichte ist nicht viel bekannt. Sicher ist nur, dass er  1549 in die Abtei Bronnbach eingetreten ist, also nachdem Abt Clemens dort die Reformation eingeführt hatte.

Es ist nicht sicher, ob er immer dem katholischen Glauben treu geblieben ist oder ebenfalls lutherisch geworden ist und später zum katholischen Glauben zurückgekehrt ist. Er hatte zwei Töchter, wobei er möglicherweise vor seinem Eintritt ins Kloster

verheiratet war. Der Fürstbischof kannte seine Vorgeschichte, ernannte ihn aber trotzdem zum Abt, was möglicherweise damit zu begründen ist, dass er der einzige überlebende Konventuale war.

Der Generalabt  Nicolas I. Boucherat (1571-1583) und der Abt von Kloster Ebrach Leonhard Rosen (1563–1591) forderten Abt Johannes auf, Bronnbach wieder für den Zisterzienserorden zu gewinnen. Um wieder zu einem Konvent zu kommen, erbat sich Johannes

Konventualen aus den umliegenden Klöstern.Da diese auch Mangel an Konventualen hatten, erfolgte das nur widerwillig und erst nach Aufforderung des Fürstbischofs. Aus Kloster Schöntal wurde P. Petrus Hasenbein nach Bronnbach gesandt und er wurde dort Prior.

In der Klosterkirche predigte bis 1572 der lutherische Pfarrer von Reicholzheim. Aber 1572 wurde trotz einer beim Reichskammergericht eingereichten Klage Wertheims Kirche, Kapellen und Altäre der Kirche wieder geweiht. Die lutherische Schule, die Graf Michael von Wertheim und Abt Clemens

1558 im Kloster eingerichtet hatten, wurde in eine katholische Schule mit einem jesuitischen Präzeptor umgewandelt. Auch das geschah nur gegen den Widerstand des Grafen von Stolberg.

Am 1. Februar 1572 bestätigte und erneuerte  Kaiser Maximilian II. (1563-1576) die Privilegien des Klosters. Inseriert sind eine Reihe von Privilegien früherer Könige und Kaiser. R-US 1572 Februar 1Fundbuch R-US Staatsarchiv Wertheim.

Am 29. Juli 1573 unterstellte Generalabt Boucherat Bronnbach definitiv Ebrach. Er übertrug dem Ebracher Abt, das war immer noch Leonhard Rosen, die Rechte und Funktionen eines Vaterabtes.Dieser hatte am Vortag Johann Knoll als Abt bestätigt.

Mit der klösterlichen Disziplin gab es einige Schwierigkeiten. Der Prior P. Petrus Hasenbein und der Großkellner Oswald Klockhardt wurden nach Würzburg gebracht und dort inhaftiert. Nach ihrer Freilassung wechselten sie die Konfession und der Wertheimer Graf Ludwig von Stolberg

setzte sie als  lutherische Pfarrer nach Dörlesberg und Nassig. Die Zahlung eines Jahresgehalt durch Kloster Bronnbach wurde aber durch ein kaiserliches Mandat verhindert.

In Würzburg war Julius Echter (1573-1617) Fürstbischof. Auch er unterstützte Kloster Bronnbach sehr und beide Fürstbischöfe hatten einen wesentlichen Anteil an erfolgreichen Wiederherstellung des Klosters Bronnbach.

Am 24. September 1578 legte Abt Johann sein Amt aus Altersgründen nieder. Noch am selben Tag wurde sein Nachfolger Wigand Mayer gewählt. In seiner Regierungszeit erholte sich das Kloster allmählich von den Folgen der Reformation.

Allerdings hatte er einige Schwierigkeiten zu meistern. Da war einmal der Wertheimer Graf Ludwig und gegen den er sein Recht bei Reichskammergericht durchsetzen musste. Am 14. November 1589 nutzte Graf Ludwig die Abwesenheit des Abtes und ließ Kloster Bronnbach militärisch besetzen.

Den Bursar und den Büttner ließ er nach Wertheim bringen. Bischof Echter griff umgehend militärisch ein. Daraufhin klagte Graf Ludwig gegen den Würzburger Fürstbischof. Es entstand die Würzburger Fehde, die allerdings noch weitreichender Gründe hatte. Sie dauerte etwa zwanzig Jahre.

Die vier ehemals wertheimischen Ämter (Karlstadt-)Laudenbach, Remlingen, Freudenberg und Schweinberg wurden  am Ende würzburgisch.

Abt Wigand hatte auch gegen innerklösterliche Opposition zu kämpfen. Konventsmitglieder klagten gegen ihn bei Bischof Julius Echter und warfen ihm vor, Klostergut verschleudert zu haben. Er wurde vorgeladen, konnte sich aber rechtfertigen. Abt Wigand sollte die Wirtschaftsverwaltung nach den Vorgaben des Hochstiftes Würzburg modernisieren. Dass ihm das gut gelang, zeigt eine Quittung aus dem Jahr 1587:

“Bischof Julius zu Würzburg bekennt, dass das Kloster Bronnbach (Brumbach) zu Seminar und Universität zu Würzburg (Wirtzburgk) 2000 Gulden beigesteuert hat.” (R-US 1587 Februar 22 Findbuch R-US Staatsarchiv Wertheim). Wenn das Goldgulden waren,entspricht das immerhin

einem Wert von ca. 75 Euro/Gulden. In seiner Amtszeit wurden über dem romanischen Unterbau des Konversengebäudes im Westflügel zwei Stockwerke aufgeführt und als Abtswohnung eingerichtet. In Allersheim und Hochhausen wurden die Pfarrhäuser wieder hergestellt

und Schafstall auf dem Schafhof neu erstellt. Das Kloster erhielt in seiner Regierungszeit auch wieder Zulauf. Von 1581-1601 erhielten 26 Mönche die Weihen.

Zur Gesundung des Klosters trugen auch die Reformbemühungen des Zisterzienserordens bei, die der Orden nach dem Konzil von Trient in Angriff nahm. 1594 wurden die Äbte von Ebrach als Generalvikare für die fränkischen Klöster, zu denen Bronnbach zählte, bestellt.

1595 beschlossen 17 Äbte aus dem oberdeutschen Raum im Kloster Fürstenfeld die “Fürstenfelder Statuten”. Aus den vier Provinzen Schweiz-Schwaben-Elsaß, Franken, Baiern sowie den Kaisheim unterstehenden Klöster sowie Tiro wurde das oberdeutsches Generalvikariat gebildet.

Zum Generalvikar wurde der Salemer Abt Petrus Müller (1593–1615) ernannt. Nach einer Visitationsreise von Generalabt Nikolaus II. Boucherat im Jahr 1615 wurde 1624 die Oberdeutsche Kongregation gegründet. Darin wurden die oberdeutschen Zisterzienserklöster in einer eigenständigen Verwaltungseinheit zusammengefasst. Bronnbach gehörte der Kongregation von Beginn an an.

Abt Wigand starb am 23. November 1602.

Unter dem Vorsitz von Vaterabt Hieronoymus I. Hölein (1591–1615) wurde der neue Abt Sebastian Ulrich gewählt. Er weigerte sich zunächst, dem Würzburger Bischof den Eid zu leisten, da in die Eidesformel verschiedene Neuerungen aufgenommen worden waren. Gutes Zureden half nichts.

Erst nachdem er dazu genötigt wurde, legte er den Eid ab. 1605 reiste er zum Generalkapitel nach Citeaux.Auf dem Weg traf er sich  in Schweinfurt  mit den Äbten von Ebrach und Bildhausen wegen der Türkensteuer. 1612 weilte Kaiser Matthias (1612-1619) mit seiner Gemahlin Anna in Würzburg.

Abt Sebastian nahm an der Huldigung der Prälaten in Würzburg teil. In der Folge wurden alle kaiserlichen Privilegien Bronnbachs nach der Formel Rudolfs II. bestätigt.

1613 machte der Kurfürst von Trier Lothar von Metternich ( 1599 bis 1623 ) in Bronnbach mit 250 Personen Station und musste verpflegt werden. Das kostete und der Konvent musste sich einschränken, was natürlich Anlass zur  Schon die Reisekosten nach Citeaux hatte Abt Ulrich kaum bestreiten können.

Abt Ulrich wurde für die missliche wirtschaftliche Lage verantwortlich gemacht und es Unfähigkeit und Verschwendungssucht vorgeworfen. Er wurde nach Würzburg vorgeladen und der Verwaltung in Bronnbach enthoben. Fürstbischof Echter setzte den Bursar Jacob Höfer als Administrator ein.

Nachdem der Generalabt Nicolas Boucherat (1604-1625) kurz danach wieder in Franken war, wurde der Abt nochmals nach Würzburg vorgeladen und dankte dann im Beisein von Generalabt Boucherat und dem Ebracher Abt Hieronymus ab.

Am 11. Juli 1618 wurde nach dreijähriger Verwaltung durch Jacob Höfer mit dem Ebracher Bursar Johannes Feilzer ein neuer Abt gewählt. Die Wahl fand unter Leitung des Salemer Abtes Thomas Wunn (1615–1647 ) als Vertreter des Generalabt Nicolas Boucherat  und in

Anwesenheit des Ebracher Vaterabts Johannes Dressel (1618–1637) statt. Der Konvent war total zerstritten und man hatte sich nur sehr schwer auf einen Kandidaten einigen können, der möglicherweise der Neutralität halber aus dem Mutterkloster
Ebrach genommen worden war. Nach der  Bestätigung durch den Generalabt wurde Abt Johannes am Januar 1619 in Ebrach zusammen mit Abt Johannes Dressel in dessen Heimatkloster von dem Würzburger Fürstbischof

Johann Gottfried von Aschhausen (1617-1622) benediziert assistiert von dem Langheimer Abt Peter II. Schönfelder (1608–1620 ).

Der neue Abt setzte nun sein ganzes Augenmerk sowohl auf den geistlichen als auch auf den wirtschaftlichen Wohlstand der wirtschaftlichen Wohlstand der Abtei. Der geistliche Wohlstand lässt sich in
Zahlennatürlich nicht ermessen. Aber wirtschaftlich war Abt Johannes sehr erfolgreich- bis der Dreißigjährige Krieg auch Franken erreichte. In den ersten Jahren seiner Amtsführung hatte er 17.000 Gulden an Schulden abgetragen.

1623 hatte er die Veitsmühle in Bütthardt erworben, 1627 da sogenannte Schneckenhaus in Hochhausen und noch ein weiteres Haus an diesem Ort.

Am 18. Juli 1625 bestätigte Kaiser Ferdinand II. dem Kloster alle Rechte und Privilegien. Auch sicherte er kaiserlichen Schutz zu. Dies nützte Abt Johannes um 1628 mit Hilfe kaiserlicher Reiter die Ortschaften

Reicholzheim, Dörlesberg, Nassig, Ebenheid , die in fremde Hände geraten waren, wieder in den Besitz des Kloster zu bekommen. Er hatte den Neubau des Gästehauses vollendet und große Summen zur

Anschaffung von Kirchenparamenten und Geräten ausgegeben, unter anderem einen neuen Abtstab ausgeben. Dann kam der Krieg in Franken an. Am 15. Oktober 1631 kapitulierte Würzburg und wurde von Gustav Adolf (1611-1632)

Schon am 12. Oktober waren Würzburger Jesuiten und hohe Geistliche auf der Flucht auch in Kloster Bronnbach vorbeigekommen und empfahlen Abt Johannes, das Kloster zu verlassen. Er ließ Kirchenornat und Klosterschatz verpacken

und flüchtete in Begleitung seines Cellerars Johannes Tierlauf zunächst nach Miltenberg, dann über Worms in die Benediktinerabtei Tholey im Saarland. Aber Tholey wurde bald von den nachrückenden Schweden überfallen und geplündert.

Diese brachten den Abt als Gefangenen nach Worms.

Am 15. Oktober 1631 brachten sich die Mönche in Sicherheit. Einige flohen nach Schönthal, andere nach Wettingen, einer ins Zisterzienserkloster Bottenbroich bei Kerpen und einer sogar bis ins Kloster Heiligenkreuz in der Nähe von Wien.

Gustav Adolf hatte das verlassene Kloster dem Grafen Friedrich Ludwig zu Löwenstein-Wertheim-Virneburg geschenkt. Er hatte den gesamten Viehbestand des Klosters, nach Aussagen des Chronisten “vor Vieltausend Reichsthaler Werth”

Ebenso raubte er Wein  und Früchte. Die Altäre schändete er und zerstörte sie. Bilder wurden verbrannt, Statuen zerstört. Die reichhaltige Bibliothek wurde zerstört, die Bücher verstreut, die noch verbliebenen Mönche wurden übel behandelt.

Das Archiv dagegen blieb weitgehend erhalten. möglicherweise wurde es rechtzeitig in Sicherheit gebracht.

Die Klosterchronik endet Ende September. Sie setzt erst 1635 wieder ein.

Abt Johannes kam von Worms irgendwie nach Metz und von dort schließlich nach Köln, wo sich auch der Würzburger Fürstbischof Franz von Hatzfeld (1631 –1642) und der Würzburger Weihbischof Jodokus Wagenhauer sowie der

Abt von Bildhausen Georg Kihn (1618 ?-1639) befanden. Ins Kölner Zisterzienserinnenkloster war auch der Klosterschatz in Sicherheit gebracht worden.

Die Schlacht bei Nördlingen am 5. und 6. September 1634 bescherte den Schweden eine vernichtende Niederlage. Der Schwäbische, fränkische und Bayrische Reichskreis sowie Oberschwaben kam wieder unter kaiserliche Kontrolle.

In der Folge konnten auch die Bronnbacher Mönche wieder in ihr verwüstetes Kloster zurückkehren und mit dem Wiederaufbau beginnen. Abt Johannes starb kurze Zeit nach der Rückkehr aus seinem Kölner Exil in Würzburg am 3. September 1637.

Er wurde am 5. September in der Bronnbacher Kirche beerdigt.

Sein Nachfolger wurde Johannes Tierlauf, der mit dem verstorbenen Abt zusammen im Exil war. 1635 war er auch mit ihm nach Bronnbach zurückgekehrt. Laut der Urkunde R-US 1637 September 10 wird Johannes Tierlauf am 10. September 1637 zum

neuen Abt von Bronnbach gewählt. Die Wahl fand unter Vorsitz des Bildhausener Abtes Georg Kihn und im Beisein des Visitator und Ebracher Abtes Johannes VI. Pfister (1637–1641) statt. Neun Konventuale konnten an der Wahl teilnehmen. Der Rest war noch verstreut.

Der Würzburger Fürstbischof Franz von Hatzfeld bestätigte die Wahl schon am 25. September. Die Benediktion konnte aber erst am 2. Februar 1638 in der Domkirche in Würzburg stattfinden. Gleichzeitig mit Johanes Tierlauf weihte der Würzburger Fürstbischof die neuen Äbte von Ebrach

Johannes Pfister und den Langheimer Abt Johann Gagel (1638.1649) Der neue Bronnbacher Abt hatte hauptsächlich zwei Aufgaben. Zum einen musste er seinen weitverstreuten Konvent wieder zusammenbringen. So forderte er den Bronnbacher Konventualen Friedrich Groß, wieder nach Bronnbach zurück zu kommen. Er war in Heiligkreuz untergekommen. Der dortige Abt Christoph Schäfer (1615-1637) ermöglichte ihm ein Studium an der Universität Wien. Er hatte dort 1635 den Doktorgrad in Philosophie erworben und 1638 wurde er zum Doktor der Theologie promoviert.

In seiner Wiener Zeit schloß er Freundschaft mit Juan Caramel Y Lokowitz, einemscholastischen Universalgelehrten und spanischen Zisterzienser. Er war in das Kloster
Santa Maria de la Santa Espina in der Provinz Valladolid eingetretn. Er schuf mit der “ Theologia regularis” ein umfangreiches Kommentarwerk zur Regula Benedicti, das 607 Seiten umfasste. Die zweite Auflage erschien 1646 in Frankfurt und er widmete einen Teil dieser

Auflage Friedrich Groß. Er machte in Wien auch Bekanntschaft mit Mauritius  Knauer  (1649–1664) dem späteren Abt des Zisterzienserklosters Langheim sowie Gaspar Jongelinx, ab 1640 des nach dem Restitutionsedikt von 1629 wiederhergestellten Klosters Disibodenberg in der Pfalz.

Friedrich Groß kehrte 1639 nach Bronnbach zurück und wurde 1641 nach dem Tod von Abt Johannes Tierlauf neuer Abt in Bronnbach.

Der zweite Schwerpunkt von Abt Johannes Tierlauf war die desolate wirtschaftliche Lage des schwergeschädigten Klosters zu verbessern. Aber es herrschte immer noch Krieg. Man konnte sich im Land kaum bewegen, denn man stieß immer wieder auf umherstreifende Soldaten.

Trotzdem schaffte es das Kloster am 10. März 1638 die Lindenmühle an der Erffmit allen Rechten  samt Zubehör für 300 Reichstaler zu kaufen.  (Findbuch R-S , Staatsarchiv Wertheim: R-US 1638 März 10).

Auch gewährte der Mainzer Erzbischof Anselm Casimir Wamboldt von Umstadt (1629- 1647 )dem Kloster Zollfreiheit für Getreide und Wein, die 1639 nach Frankfurt und Köln verschifft wurden. Der Abt erwirkte auch,  dass die kurfürstlichen Beamten in Bischofsheim, Prozelten und Külsheim angewiesen wurden, ausständige Zehnten und Zinsen des Klosters für dasselbe einzutreiben.

Aber es gab immer wieder Truppendurchzüge, für das Kloster oft eine kostspielige Angelegenheit.General Hans Christoph von Königsmarck  war in die Dienste von König Gustav Adolf getreten. 1639 war er schwedischer Befehlshaber in Westfalen. Von dort aus unternahm er mit einem mobilen Reiterverband Plünderzüge bis in den Süden Deutschlands.1639 musste das Kloster Brandschatzungsgeld an die schwedischen Truppen  zahlen.

Abt Johannes Tierlauf starb am 21. April 1641. Er wurde neben seinem Vorgänger bestattet.

Bei der Wahl des neuen Abtes waren 7 stimmberechtigt Mitglieder anwesend. Sie fand unter Vorsitz des Visitators Johannes Pfister statt. Gewählt wurde Friedrich Groß als Jüngster der anwesenden Mönche, wegen seiner Gelehrsamkeit.

Er wurde am 20. August, am Fest des Heiligen Bernhard, im Auftrag des Fürstbischofs von Würzburg von Abt Valentin Hendinger (1639–1675 ) von Kloster Maria Bildhausen  benediziert.

Das größte Augenmerk legt der Abt nun auf die Gewinnung neuer Konventualen und eine gründliche Ausbildung der neuen Konventsmitglieder. Das war Voraussetzung die inkorporierten Pfarreien der Abtei seelsorgerlich betreuen zu können.

1645 zählte der Konvent schon wieder 16 Mitglieder. Drei davon studierten in Würzburg Philosophie. Gleich bei Amtsantritt ließ er den verwüsteten Chorraum der Kirche wieder herstellen und einen neuen Altar errichten.

1641 wies  Girolamo Farnese(1639-1643), der päpstliche Nuntius in Luzern an, dass alle auswärtigen Konventualen in ihre Professklöster zurückkehren sollten. Daraufhin kamen auch die Bronnbacher Konventualen  zurück,

unter ihnen wohl auch Valentin Mammel, der über Schönthal und Salem, wo er jedes Mal vor den Schweden fliehen musste sich dann in Wettingen aufhielt, wo er zusammen mit Nikolaus Hoffmann war, dem späteren Abt von Neuzelle.

Für den Bronnbacher Hof in Würzburg ordnete Abt Friedrich an, dass dort ein Kapitular aus dem Kloster die Verwaltung führen sollte. Das geschah aus ökonomischen Gründen. Gleichzeitig war ein Ansprechpartner für die in Würzburg studierenden

Mönche auch zur Leitung und Überwachung vor Ort. Aber auch die fürstbischöfliche Kanzlei mischte sich ein. Am 21. November 1645 musste Abt Friedrich einen Revers unterzeichnen und damit die fürstbischöfliche Überwachung seiner Massnahmen anerkennen.

Zwar gab es seit 1643 erste Verhandlungen zwischen dem Reich, Frankreich und Schweden in Münster und Osnabrück über einen möglichen Frieden. Die Kämpfe dauerten aber noch 5 Jahre an, zumal  alle Parteien versuchten, Vorteile zu gewinnen.

Bronnbach war von Kampfhandlungen betroffen. Am 20. Juni 1646 versuchten kaiserliche Reiter ins Kloster einzudringen. Da aber viele Untertanen  aus Reicholzheim und Dörlesberg gerade im Kloster waren, weil sie ihre Habe dort in Sicherheit hatten,

konnte der Angriff abgewehrt werden. Der Abt musste aber noch dreimal nach Würzburg flüchten.

Am 12. November 1647  trat Abt Friedrich von seinem Amt zurück. Er kam damit einer drohenden Ablösung durch die Ordensleitung zuvor. Wenn man der Bronnbacher Überlieferung folgt, waren daran die Zeitumstände aber auch die mangelnde Erfahrung  in wirtschaftlichen Angelegenheiten an

seinem Scheitern schuld. Aber in der Korrespondenz zwischen Thomas Wunn, dem Generalvikar der Oberdeutschen Kongregation und Bernhard Gemelich, dem Abt von Stams und Vizepräses der Kongregration geht es auch um den Lebenswandel des Abtes und Schwierigkeiten zwischen ihm und dem Konvent. Die Wahl fand unter Vorsitz des Vaterabts von Ebrach Peter II. Scherenberger (1646-1658) statt. Gewählt wurde Valentin Mammel. Da ihm Friedrich das Treuegelöbnis nicht ablegen wollte und da er von der “Stabilitas”, der Ortbeständigkeit entbunden war, verließ er die Abtei und ging zuerst nach Stams und von dort nach Maulbronn. Dort war Bernardin Buchinger Abt. Dieser forderte die alten Rechte der Mutterabtei wieder ein,  wie er später sagte von Friedrich Groß falsch informiert. Von Abt Bernardin nicht als Profess in Maulbronn aufgenommen, kehrte er nach Franken zurück.

Dort übernahm er die Pfarrei Bischofsheim. Diese legte  1654  nieder.  Dort war es auch zu Auseinandersetzungen gekommen. Er ging 1654 ins Kloster Bronnbach zurück. Er starb am 26. März 1656  und ist in Bronnbach neben der Kanzel bestattet.

Abt Valentin Mammel wurde  am 13. November 1647 zum Nachfolger von Abt Friedrich gewählt. Am 10. Oktober 1649 musste Abt Valentin die Klosterdörfer Reicholzheim, Dörlesberg und Nassig den Grafen von Wertheim übergeben, da diese im Normaljahr 1624 in deren Besitz gewesen waren.

Er Reiste zweimal zum Reichskammergericht nach Speyer, um die Rechte des Klosters zu wahren. Er nahm auch die Hilfe seines Abtkollegen Christoph Haan (1636-1675)vom Kloster Schöntal in Anspruch, damit der die Sache Bronnbachs bei den Grafen Löwenstein-Wertheim vertrete. Die Streitigkeiten

dauerten bis 1672. Deren Ende erlebte er nicht mehr. Während des Krieges waren dem Kloster viele Besitzungen abhanden gekommen oder wurden jetzt streitig gemacht. Abt Valentin musste sich um den mühevollen Wiedererwerb kümmern. Damit entschuldigte er auch sein Nichterscheinen

beim Generalkapitel 1651.

Er bemühte sich, die im Krieg gelockerte Klosterdisziplin wieder herzustellen. Die Bildung seiner jüngeren Konventualen lag ihm sehr am Herzen. Auf Wusch des Generalkapitels wurde 1652 in Würzburg im Ebracher Hof eine Studienstätte für die fränkische Ordensprovinz eröffnet. Dorthin schickte er

zeitweise einen Bronnbacher  Religiosen . Besonders begabte schickte er nach Bamberg, wo sie unter Leitung des Abtes von St. Michael studierten.

1653 nahm Abt Valentin an der Erhebung der Gebeine des seligen Adams von Ebrach teil.

1657 ließ er in der Klosterkirche den großen Kreuzaltar aufstellen, der sein Wappen trägt.

Im Juni 1654 visitierte Generalabt Claude Vaussin (1645-1670) die fränkischen Klöster und damit auch Bronnbach.

Abt Valentin hatte die Abtei wieder auf eine solide Grundlage gestellt und damit die neue Blütezeit der Abtei eingeleitet.

Mit zunehmenden Alter nahmen seine Kräfte ab. Er resignierte deshalb nach 24-jähriger Regierungszeit am 27. April 1670. Er lebte noch zwei Jahre und starb am 18. Februar 1672. Er wurde am Eingang des Chors der Klosterkirche bestattet.

Sein Nachfolger Franziskus Wundert wurde als Sohn wohlhabenden Ratsherrn Georg Wunder in Grünsfeld geboren. Aus der Stadt Grünsfeld stammen auch die nächsten beiden Bronnbacher Äbte. Seine Eltern bedachten Kloster Bronnbach

mit reichen Spenden und können als große Wohltäter des Klosters angesehen werden. Abt Franziskus studierte in Würzburg. Wann er ins Kloster eingetreten ist, ist nicht bekannt.

In Bronnbach war er Novizenmeister, Lektor der Philosophie und Theologie und fünf Jahre Prior. Er wurde als  am 28. April 1670 einstimmig zum Abt gewählt. Er scheint schon einen guten Ruf gehabt zu haben, denn seine Wahl wurde sowohl vom Würzburger

Bischof Johann Philipp von Schönborn (1642-1673) sowie dem Generalabt Jean XII. Petit (170-1692) sofort bestätigt. Er wurde vom Würzburger Weihbischof Stephan Weinberger am 28. September 1670 benediziert.

Der Rechtsstreit um die Dörfer Reicholzheim, Dörlesberg und Nassig  vor dem Reichskammergericht endete  am 30. September 1730 mit einem Teilsieg für das Kloster. die Dörfer Reichholzheim und Dörlesberg wurden dem Kloster zugesprochen

und rekatholisiert. Den Einwohnern wurde Glaubensfreiheit zugesichert. Die meisten kehrten bald zur katholischen Kirche zurück.

Im September 1763 erlebte das Kloster Bronnbach und die näher Umgebung nochmals einen Schrecken. Der letzte Krieg lag gerade mal 20 Jahre zurück.

1672 erklärten Frankreich und England den Niederlanden den Krieg, nachdem es die Diplomaten von Ludwig XIV. geschafft hatten, die Niederlande politisch zu isolieren. Einer der Hauptschauplätze des Niederländischen Krieges war das Elsass.

Der französische Marschall Henri de Turenne war im August 1673 von der Gegend von Frankfurt und Aschaffenburg aus in Franken eingefallen und hatte  sich auf dem linken Mainufer festgesetzt um dort das kaiserliche Heer zu erwarten, welches sich unter

dem österreichischen Generalleutnant Raimondo Fürst von Montecuccoli, welches von Nürnberg her im Anmarsch war. Die Franzosen wurden abgedrängt und zogen sich in Richtung Philippsburg zurück. Auf seinem Rückzug überließ er aber das Land um Würzburg den Plünderungen und der Gewalt seines Heeres. In Bronnbach wurden die Kornvorräte des Klosters geplündert und das Vieh geraubt. Abt Franziskus war nach Würzburg geflohen.

Dann aber konnte Abt Franziskus mit der barocken Umgestaltung des Klosters beginnen. Wegen seiner Bautätigkeit nannte ihn der letzte Abt von Bronnbach Heinrich Göbhardt den zweiten Gründer von Kloster Bronnbach. Beim Ostflügel des Konventbaus wurde 1674/75 das Obergeschoss abgerissen und neu errichtet.

Den Bau finanzierte der Abt zum Teil aus seinem ererbten Privatvermögen.

Die im dreißigjährigen Krieg zerstörte Bibliothek baute er wieder auf.

Den Bronnbacher Hof in Würzburg ließ er restaurieren. die dortige Kapelle wurde niedergerissen und durch eine neue ersetzt. Der Würzburger Weihbischof Stephan Weinberger weihte sie am 28. September 1692.

Für die Abteikirche schaffte er Paramente und Geräte an, z. B. eine Monstranz, mehrere Kelche und einen Abtsstab. Auch die Ende des Jahrhunderts vom Orden neu herausgegebenen Chorbücher wurden angeschafft.

Die klösterliche Disziplin handhabte er sehr streng. Das schaffte ihm durchaus auch Feinde. Manche Konventuale wollten dem entkommen und versuchten in die Abtei Schöntal im Jagsttal auszuweichen, wie der dortige Abt

Benedikt Knittel in seiner Chronik erwähnt.

Abt Franziskus starb am am 10. September 1699  in Neubrunn in Unterfranken. Er wurde in der Abteikirche beigesetzt.

Josef Hartmann wurde sein Nachfolger. Auch er war aus Grünsfeld und auch seine Familie hatte dort Ratsmitglieder gestellt. 1679 trat er in das Kloster Bronnbach ein. 1684 wurde er zum Priester geweiht.

Ab 1696 war er bis zu seiner Wahl Prior in Bronnbach. Er wurde am 19. September 1699 zum Abt gewählt. Er wurde vom Würzburger Fürstbischof  Johann Philipp II. von Greiffenclau (1699-1719) bestätigt.

Auch Generalabt  Nicolas III. Larcher (1692– 1712 ) bestätigte die Wahl umgehend.

Abt Josef wurde am 23. Mai 1700 vom Würzburger Fürstbischof unter Assistenz des Prälaten von Oberzell und  Abt Benedikt Knittel (1683-1732) benediziert. Wie Abt Benedikt berichtet, hatte der Würzburger Fürstbischof 250 Personen in seinem Gefolge mitgebracht.

Das dürfte dem Kloster ziemliche Ausgaben verursacht haben. Aber die Finanzlage der Abtei hatte sich ja seit Abt Valentin wieder konsolidiert. Die Klosterkasse war so gut gefüllt, dass auch er wie sein Vorgänger ein umfangreiches Bauprogramm realisieren konnte.

Begonnen wurde mit der Renovierung der Inneneinrichtung der Klosterkirche. Die steinernen Chorschranken wurden von 1700-1703 durch ein schmiedeeisernes Gitter ersetzt. Im Langhaus wurden neue Seitenaltäre errichtet, die Abt Josef am 22. April 1703 weihte.

Vor dem Klausurgitter wurden vier Altäre zwischen 1704 und 1706 errichtet. Balthasar Esterbauer zeichnete dafür verantwortlich. Von ihm stammt auch die Kanzel und vier Figuren am Hauptaltar. Der neue Hauptaltar von 1712 trug auch eine Statue des Heiligen Josefs, die auf

den Bauherrn verwies. Der Altar war das Werk des Bronnbahcer Laienbruders Benedikt Gamuth. 1705 wurde der Bau des Infirmariums, also des Krankenhauses mit Kapelle  begonnen. für die Kapelle wurde 1707 ein Altar beschafft. Der Saal im Untergeschoß wurde möglicherweise auch als Kapitelsaal benutz, der im Obergeschoß als Bibliothek. Von 1703 bis 1705 wurde der Schreinereibau mit darunter liegendem Weinkeller errichtet. 1714/1715 wurde ein neues Gasthaus bei der äußeren nördlichen Pforte erbaut. Die Umgestaltung des Refektoriums wurde ab 1722 begonnen

aber erst 1725 unter seinem Nachfolger abgeschlossen. Auch außerhalb des Klosters ließ er bauen. In Reicholzheim (1713) und in Dörlesberg (1721/22) wurde die Kirche neu gebaut.

Die Baulust des Abtes verschlang viel Geld und fand nicht die ungeteilte Zustimmung des Konvents.

Auch wirtschaftliche Belange standen in seinem Blickpunkt. Am 1. März 1716 kaufte er die Ebenmühle in Dörlesberg (R-US 1716 März 1)

Er förderte in seinem Konvent  auch die Wissenschaften. Die Begabteren konnten  studieren. Drei Bronnbacher Mönche promovierten an der Universität Würzburg, darunter sein Nachfolger Engelbert Schäffner.

Die Rechte des Klosters versuchte er zu wahren, was einige Rechtsstreitigkeiten belegen, die er führte.

Mit der Fürstenfamilie Löwenstein pflegte er freundschaftliche Beziehungen.

Als Kaiser Karl VI. (1711-1740) im Dezember 1711 nach Frankfurt reiste, wo er am 22.12 zum Kaiser gekrönt wurde, begrüßte Abt Josef den neuen Kaiser am Hofgut Breitenau im Eftal. Daran erinnert heute noch ein Denkmal mit

der Inschrift: „Carolus VI ist passirt von Barcellona als er marchirt nach Francfurt durch dies Thal, gecrönt zum Keyser nach der Wahl!“

1711 visitierte Abt Stephan Jung (1698-1725) aus Salem im Auftrag von Generalabt Nicolas Kloster Bronnbach wie alle Klöster der Oberdeutschen Kongregation.

1720 zählte Bronnbach 31 Priester und sieben Fratres, darunter einen Oblaten. Laienbrüder waren zu der Zeit nicht im Kloster.

Abt Joseph starb am 19. Dezember 1724 infolge einer Kopfverletzung, die er sich Sturz bei der Besichtigung der Ausgestaltung des Josefsaals durch einen Fall vom Gerüst zugezogen hatte.

Engelbert Schäffner wurde am 28. Dezember 1724 zum Abt gewählt. Er war der letzte der drei Äbten, die aus Grünsfeld stammten.

1705 trat er in die Abtei Bronnbach ein. Am 16. Januar 1707legte er die Profess ab. Am 12. März 1712 wurde er  in Würzburg zum Priester geweiht. Danach wurde er an der Universität Würzburg

er zum Doktor der Theologie promoviert.

Fürstbischof Christoph Franz von Hutten (1724-1729) bestätigte ihn am 30. Januar 1725 in seinem Amt und benedizierte ihn am 13. Mai. Der letzte Abt Heinrich Göbhardt bezeichnete ihn in seiner

“Historica domestica” als ”SS. Theologiae Doctor et insignis Orator, qui in promovendis scientiis multam adhibuit operam “ also als  Doktor der Theologie und ausgezeichneten Redner, der sehr viel

Mühe darauf verwendete, in den Wissenschaften Fortschritte zu machen.

Er schickte mehrere seiner Konventualen nach Würzburg zum Studium.

Den barocken Sommersaal, der nach seinem Vorgänger Josefsaal genannt wurde, ließ er vollenden. Er ließ das innere Tor mit einem Bildnis des heiligen Bernhards von Clairvaux errichten.

Auch mehrere Wirtschaftsgebäude wurden in seiner Zeit erbaut. Das 1742/43 gebaute Bursariat diente als Verwaltungsgebäude und Amtssitz des Klosterverwalters (Bursarius)Am Bursariat ist

das Wappen von Abt Engelbert angebracht. Er ließ einen neuen garten anlegen und mit Skulpturen schmücken. Die umfangreiche Bautätigkeit sorgte allerings zu Unordnung im klösterlichen Leben.

Vor allem aber führte sie zu großer Unzufriedenheit im Konvent. Dem Abt wurde vorgeworfen, dass er große Summen für überflüssige und luxuriöse Bauten ausgebe, vor allem aber, dass er die

Arbeiten unkundigen Baumeistern übertragen habe und dadurch nicht nur schlecht sondern teuer baue. Er scheint tatsächlich vom Bauwesen nicht allzu viel verstanden zu haben. zudem war er wohl zu vertrauensselig

und wurde deshalb oft betrogen.

Auch mit dem Umgang mit dem Hochstift war man unzufrieden.  Die Konventualen bemängelten zu viel Nachgiebigkeit gegenüber dem bischöflichen Ordinariat. Die Auseinandersetzungen wegen der Klosterpfarreien Reicholzheim und Dörlesberg

landeten schließlich sogar vor der Rota in Rom.

Mit Abt Engelbert Klöpfel (1731–1754 ) von Bildhausen nahm er am Generalkapitel 1738 in Clairvaux teil.

1751 beging die Abtei Bronnbach ihr 600-jähriges Jubiläum. Abt  Engelbert ließ dieses mit großem Aufwand feiern.

Am 21. August 1752 nach langer Krankheit.

Sein Nachfolger Ambrosius Balbus stammte aus Volkach. Seine Familie war eine der wohlhabendsten Familien in Volkach. Er besuchte dort die Lateinschule. 1721 begann er an

der Universität Würzburg ein Philosophiestudium. Am 22. April 1725 legte er in Bronnbach die Profess ab. Am 17. April 1729 wurde er zum Priester geweiht.

Er studierte nochmals und schloss als Baccalaureus der Theologie und beider Rechte ab. Er lehrte 1736/1737 Theologie an der Hauslehranstalt. Er hatte verschiedene Klosterämter inne.

Von 1737-1740 war er Prior, von 1741 bis 1748 Granarius, das war der Verwalter des Kornkastens, 1746 bis 1748 Kanzleidirektor und dann noch ein Jahr Bursar.

Danach übernahm er die Verwaltung des Klosterdorfs Dürrhof bei Freudenberg am Main.

Er wurde am 29. August 1752 zum Abt gewählt. Der Fürstbischof von Würzburg Karl Philipp von Greiffenclau zu Vollrads (1749 –1754 ) benedizierte ihn am 9. November 1752.

In seiner Regierungszeit erhielt die Klosterkirche eine barocke Innenausstattung und 1778 ein neues Chorgestühl. Es wurde von Laienbruder Daniel Aschauer fertiggestellt. Er war unter Abt Ambrosius ins Kloster eingetreten und leitete

die Klosterschreinerei. Auch die Konventsgebäude wurden barockisiert und erhielten neue Stukkaturen. In den Jahren 1773 bis 1775 wurde die Orangerie für frostempfindliche Pflanzen errichtet. Auf ihrer Sonnenseite weist ein barockes Fresko auf.

Es wurde zur 50-jährigen Profess von Abt Ambrosius angefertigt und ist das vermutlich das größte Fresko im Freien nördlich der Alpen. Es verherrlicht das Kloster als paradiesischen Kosmos und zeigt in allegorischen Darstellungen die Vier Jahreszeiten,

ein Hinweis auf die Landwirtschaft, die die tragende Säule des zisterziensischen Klosterlebens war.

1765 tätigte die Abtei ihre letzten beiden Gütererwerbungen. So wurde der Weiler Rütschdorf erworben, das ist ganz in der Nähe des Breitenauer Hofes und gehört heute zurselben Gemeinde, nämlich Hardheim im Odenwald.

Am 27. März 1765 kaufte das Kloster von Freiherr Franz Philipp von Bettendorf den Messhof für 21.000 Gulden. (R-US 1765 März 27, Findbuch R-US, Staatsarchiv Wertheim).

Am 26. November 1765 bestätigte Kaiser Joseph II. (1765-1790) die Privilegien des Klosters Bronnbach (R-US 1765 November 26). Eine solche Bestätigung, wohl die letzte vor der Säkularisation, erteilte Kaiser Franz II. (1792-1806) am

5. Dezember 1794 (R-US 1794 Dezember 5).

Abt Ambrosius förderte auch die Musik im Kloster.

Am 27. Juli 1783 resignierte er wahrscheinlich aus Alters-und Gesundheitsgründen. Aber er lebte dann noch elf Jahre. Er starb am am 11. Juni 1794.

Sein Nachfolger und letzter Abt von Bronnbach wurde Heinrich Göbhardt.

                                                                                                                                                             

Er ist in Bamberg geboren und studierte dort Philosophie . Ab November 1763 studierte er Rechtswissenschaft  in Würzburg. Im Frühjahr 1764 trat er ins Kloster Bronnbach ein.

Am 9. Juni 1765 legte er seine Profess in Bronnbach ab. 1768 empfing er die Priesterweihe. Er studierte dann noch Theologie an der Universität Würzburg und schloss 1771 als Lizentiat ab.

Dann folgte nochmals eine juristische Ausbildung. 1773 kehrte er an sein Professkloster zurück, übernahm aber keine Funktion. Nach dem Amtsverzicht von Abt Ambrosius wurde er 5. August 1783

mit 35:44 Stimmen zum Nachfolger gewählt, obwohl er ja kein Amt ausübte.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit waren im Kloster wirtschaftliche Schwierigkeiten spürbar geworden. Er meisterte sie aber bald. Das erreichte er auch dadurch, dass er die Klosterverwaltung sachgerecht organisierte.

Er ließ die Einkünfte des Klosters und den Klosterbesitz erfassen. Dieser wurde sorgfältig vermessen. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Amtstätigkeit war die Erforschung der Geschichte der Abtei Bronnbach.

Er schrieb die von ihm 1795 abgeschlossene “Historia domestica liberae abbatiae Bronnbacensis”. Sie stellt die Geschichte der Abtei bis 1783 dar.

Nach der Französischen Revolution begannen 1792 die Koalitionskriege. Dass waren die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Preußen, Österreich und kleineren deutschen Staaten gegen das revolutionäre Frankreich.

In der Endphase des 1. Koalitionskrieges (1792-1797) war auch Mainfranken zum Kriegsschauplatz geworden. Im September 1796 fand die Schlacht von Würzburg statt. Zu Beginn der Schlacht standen sich

45.000 Österreicher und etwa 41.000 Franzosen gegenüber. die umliegenden Orte waren von Brandschatzung und Plünderungen betroffen. Der Krieg war gefährlich nahe an Kloster Bronnbach herangerückt.

1800 besetzten französische Truppen die Abtei.

Die gravierende Folge der Koalitionskriege aber war, dass das revolutionäre Frankreich seine Grenze bis an den Rhein vorgeschoben hatte. Kaiser Franz II. verzichtete in mehreren
Friedensverträge auf linksrheinisches Reichsland. dadurch verloren viele Fürsten, die dort Herrschaften besaßen, ihren Besitz. Diese solltendie Möglichkeit erhalten, sich Land, Vermögen und Rechte der katholischen Kirche, der freien Reichsstädte und kleinerer Reichsfürsten

anzueignen und so für ihren Verlust entschädigt werden. Die gesetzliche Grundlage sollte der Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 bilden.

Das fürstlich Haus Löwenstein-Wertheim war am Erwerb von Kloster Bronnbach interessiert. Es verhandelte mit eigenen Gesandten ab Februar 1801 in Paris über eine Entschädigung.

Bei den Beratungen zu  der Reichshauptdeputation stand im August 1802 fest, dass Bronnbach an das Haus Haus Löwenstein-Wertheim  fallen sollte.

Am 26. November 1802 wurde Bronnbach für Fürst Dominik Constantin von Löwenstein-Wertheim-Rochefort in Besitz genommen. Nach dem der Hauptschluss verkündet worden war,

verfügte der Fürst am 24. Februar 1803, dass Kloster Bronnbach zum 16. März 1803 aufgelöst wurde. Wie der Reichsdeputationshauptschluss das vorsah, wurden Abt und Mönche mit Pensionszahlungen abgefunden.

Es stand ihnen frei, im Kloster zu bleiben oder weg zu ziehen. Abt Heinrich zog zurück in seine Heimatstadt Bamberg. Dort starb er am 25. Juli 1816 im 74. Lebensjahr. Er ist in der ehemaligen Benediktinerpropstei

Sankt Getreu in Bamberg bestattet.

Die meisten jüngeren Konventualen verließen Bronnbach. Die verbliebenen Mönche wurden in einer Kommunität zusammengefasst. Die Kommunität löste sich nach Übernahme von Seelsorgestellen und auch nach Todesfällen

1831 auf. Der letzte noch in Bronnbach lebende Klosterangehörige verstarb 1832, der letzte ehemalige Konventuale von Bronnbach verstarb 1850.

1855 zog in das nun als Schloss und Residenz ausbebaute ehemalige Abtsgebäude der portugiesischen Exkönigs Miguel I. (König 1828-1834) Er starb 1866 in Bronnbach

Seine Familie Bragança nützte Bronnbach noch bis 1921.

Von der ehemaligen Oberdeutschen Kongregation des Zisterzienserordens nur wenige Klöster, vor allem in der Schweiz übrig geblieben. 1854 übersiedelte die Abtei nach Mehrerau in Bregenz

und nannte sich jetzt Zisterzienserkloster Wettingen-Mehrerau. 1888 entstand die Mehrerauer Kongregation. Die Kongregation fragte 1894 an, ob man bereit sei, die Zisterzienserabtei Bronnbach wieder zu begründen.

Das wurde aber abgelehnt. Dann gründete man 1898 Sittich in Slowenien. Nach dem Zusammenbruch des Habsburger Reiches 1918, verließen die Zisterzienser unter dem deutschen Abt Bernhard Widmann (+ 1934) Sittlich

und gingen 1921 erst an die Birnau und übersiedelten von dort 1922 nach Bronnbach und begründeten dort wieder die Zisterzienserabtei Bronnbach. Allerdings war das Projekt nicht zukunftsfähig. Deshalb baute

Abt Bernhard 1930 im früheren Zisterzienserinnenkloster Seligenporten bei Nürnberg das zukünftige Kloster auf. Die Bronnbacher Mönche zogen 1931 dort ein.

Kapuzinerpatres hielten die Bronnbacher Klostertradition noch bis 1958 aufrecht.

1986 erwarb dann der Main-Tauber-Kreis das ehemalige Kloster, sanierte es und führte es einer angemessenen Nutzung zu.

26 Jan 2021

Kloster Maulbronn

                                                                                                                                                                                                

Um 1138 stiftete der Edelfreie Walter von Lomersheim, das ist heute ein Stadtteil von Mühlacker sein Erbgut Eckenweiher zur Gründung eines Zisterzienserklosters, in das er dann selbst als Laienbruder eintrat. Namentlich bekannt sind auch zwei Geschwister von Walter,

nämlich Konrad und Ita von Lomersheim. Es wurde eine Filialgründung des elsässischen Kloster Neubourg. Der Neuburger Abt Ulrichentsandte Abt Dieter von Morimont wie bei Gründungen der Zisterzienser üblich mit 12 Mönchen in die neue Gründung.

Allerdings scheint der Ort für ein neues Kloster nicht allzu günstig gewesen zu sein. Es war wohl nicht ausreichend Wasser vorhanden. Zur Weihnachtszeit 1146 predigte Bernhard von Clairvaux in Speyer. Sicher hat ihn dort auch der Speyrer Bischof gehört.Bischof Günther von Henneberg (1146-1161) nahm sich persönlich der Sache des Klosters an. Er war gerade Bischof in Speyer geworden.

Er erklärte den vorgesehenen Ort  Eckenweiher für untauglich und schenkte dem Kloster das Bischofslehen zu Mulenbrunnen, wohin das Kloster 1147 verlegt wurde. Hier war eine ehemalige Siedlungsstelle, die bis vor kurzem noch bewirtschaftet worden war.Die Zisterzienser begannen sofort ein System der Wassernutzung und Wasserwirtschaft einzurichten. Darin gelten sie als vorbildlich und meisterhaft. Es gab zwei Bäche, die die Mönche als Kanal fassten. Die Abwasserversorgung war geklärt und sie konnten den Wasserbedarf so steuern, dass damit eine Mühle angetrieben werden konnte,

die sich im Klosterbereich befand. Sie installierten ein Netz von etwa zwanzig Seen und Teichen, die durch ein System von Gräben und Kanälen. Die angelegten Stauseen dienten als Wasserreservoir und wurden auch zur Fischzucht genutzt. Den Zisterziensern war der Fleischgenuss verboten. Aber Fische galten als „Flussgemüse“ und durften verzehrt werden und spielten somit natürlich bei der Ernährung eine wichtige Rolle. Aber nicht nur der Bedarf des Klosters wurde gedeckt. Es wurde auch ein einträglicher Handel getrieben. Karpfen und Hechte wurden gezüchtet, aber auch Barsche, Schleien, Rotaugen und Karauschen. Der fettreiche Aal war im
Mittelalter einer der beliebtesten Fische. Da er aber nicht in Binnengewässern laichen kann, fanden im 15. Jahrhundert Fischtransporte zwischen Maulbronn und Speyer statt. Karpfen wurden in Kisten nach Speyer transportiert und von dort kamen ebenfalls in Kisten Aale, die dann in den Aalkistensee gebracht wurden und dort weiter gezüchtet. Die Karpfenzucht wurde in Maulbronn perfektioniert. Den Mönchen gelang es, Spiegelkarpfen zu züchten, die im Vergleich zu den Wildkarpfen wesentlich weniger Schuppen aufweisen, ein wichtiger Vorteil in Zeiten, in denen  die Zahngesundheit noch sehr mangelhaft war.

Bischof Gunter von Speyer schenkt dem in Eckenweiher gegründeten Zisterzienserkloster den Grund und Boden in Maulbronn und verlegt das Kloster an den dortigen Ort unter Beibehaltung der bischöflichen Vogteirechte und Gewährung des Neubruchzehnten für das Kloster.”

(WUB Band XII., Nr. N1

Ein Jahr später wird die Verlegung des Klosters urkundlich festgehalten. Der Klosterbau war inzwischen auch soweit fortgeschritten, dass die Mönche übersiedeln konnten.

“Bischof Günther von Speyer verpflanzt die von Walter von Lomersheim begonnene Stiftung des Klosters in Eckenweiher nach Maulbronn unter Aufzählung und Bestätigung der dahin abgetretenen Güter und Rechte.” (WUB Band II., Nr. 327, Seite 43-45)

Der Besitz des Kloster wurde rasch vermehrt. Walthers Schwester Ita schenkte dem Kloster 3 1/2 Hufen,  Bertha von Grüningen (dem heutigen Markgröningen) schenkte zusammen mit ihren Söhnen 2 Hufen, Werner von Rosswag schenkte eine Hufe. Die ersten Schenker waren alle überzeugte

Gefolgsleute der Staufer ebenso wie der Bischof Günther zusammen mit seinem Bruder, dem Würzburger Bischof Gebhard von Henneberg zu den Verbündeten Friedrich Barbarossas zählte.
Das Kloster wird sehr schnell in päpstlichen Schutz genommen, was Papst Eugen III. (1145 bis 1153) am 29. März 1148 beurkundete. Papst Eugen war der 1. Zisterzienserpapst, was die rasche Inschutznahme, schon zwei Jahre nach der Gründung verständlich macht.

“Papst Eugen III. nimmt das Kloster Maulbronn mit dessen Besitzungen in seinen Schutz und bewilligt demselben die innen bezeichnete Zehentfreiheit.” (WUB Band II., Nr. 329, Seite 48-49)

1152 schenkte Bischof Gunter dem Kloster einen Hof in Tiefenbach und 1153 sorgte er dafür, dass der Elfinger Hof in Besitz des Klosters kam. Graf Ludwig von Württemberg betrieb das bisher als Afterlehen und überließ es auf Bitten Gunters Kloster Maulbronn.

Kaiser Friedrich hatte der Umwandlung in Eigentum zugestimmt, nachdem er sein bisher freies Gut Brache dem Kaiser zu Lehen überließ. “König Friedrich (I.) genehmigt, dass das Eigengut Brache an Stelle von Elfingen reichslehenbar, und dieses samt der Kirche des Orts Eigentum der Kirche in Maulbronn werde.(WUB Band II., Nr. 344, Seite 74-75) Der Elfingerberg  war eine der ersten Grangien Maulbronns und gehörte zusammen mit dem Weinberg zu den wichtigsten wirtschaftlichen Klostergütern.

Die Mönche legten übereinander liegende Terrassen an. Verkehrswege lassen sich so für die Bearbeitung günstig anlegen. Die Fläche im Weinberg ist weniger geneigt und somit leichter zu bearbeiten. Zudem wurde die Südlage optimal genutzt. Außerdem pflanzten sie Traminerreben an und erzeugten so qualitätvolle Weine, obwohl die Lage nicht unbedingt günstig war.

Gunter  hatte dem Kloster schon früh Zehntfreiheit gewährt, was Papst Eugen in seiner Schutzurkunde bestätigte. Nicht nur mit Schenkungen und Vermittlungen von Schenkungen wirkte Gunter für das Kloster. Er sorgte auch mit klugen Verordnungen dafür, dass die Gründung rasch aufblühte.

In Fülmenbach, das sich in Kirchenbesitz befand und 1152 in Maulbronner Besitz überging, wurde auf seine Initiative hin Schafzucht eingeführt.Schafe waren ein wichtiger Teil des klösterlichen Besitzes. Sie lieferten Wolle, Käse und Milch, aber auch Pergament. Käse und milch waren ein wichtiger Eiweißbaustein in der Ernährung, zumal Fleischgenuss den Zisterziensern verboten war. Auch der Weinbau in Fülmenbach geht auf ihn zurück. Auch regte er eisenbeschlagene Pflüge an.

Kaiser Friedrich I. nahm am 08.01. 1056 das Kloster Maulbronn unter seinen Schutz und er bestätigte den von Papst Eugen II. verliehenen Neubruchzehnt. Auch wurde der Klosterbesitz aufgelistet.(RI IV,2,1 n. 383 ) 1156 wurden schon 11 Grangien gezählt, darunter Eckenweiher,Fülmenbach und Elfingen.

1177 waren es schon 17 Grangien. Friedrich unterstellte Maulbronn ausschließlich der königlichen Vogtei. Die Schutzurkunde erwirkte wohl Gunter. Wahrscheinlich ist es auch kein Zufall, dass Kloster Neubourg

wegen der Gründung Maulbronns angegangen worden ist, denn Neubourg geht auf Friedrich Barbarossas Vater zurück. Friedrich der Einäugige war an der Gründung von Kloster Neubourg beteiligt. Friedrich Barbarossas  Onkel war Otto von Freising. Dieser war 1132 in den Zisterzienserorden im Kloster Morimond eingetreten. 1138 wurde er zu dessen Abt gewählt. Am Tag darauf wurde er aber von König Konrad III. zum Erzbischof von Freising ernannt . Kloster Neubourg ist in der Filiation von Kloster Morimond über Bellevaux,  Lützel. Lützel ist das Mutterkloster von Neubourg.

Maulbronn war in ein Netzwerk von Stauferanhängern eingebunden.Die Schutzurkunde Fridrichs I. kann als Endpunkt der Integration in das staufische Herrschaftssystem angesehen werden.

Maulbronn verzeichnete einen raschen Aufschwung. Schon 1153 wurde von Maulbronn aus Kloster Schöntal im Jagsttal gegründet.Der erste Abt Herwig kam wohl aus Maulbronn. 1163 wurde Maulbronn Mutterkloster des 1153 von Waldsassen aus besiedelten Klosters Bronnbach im Taubertal. Maulbronn schickte den Mönch Wigand als neun Abt nach Bronnbach.

1159 schenkte Bischof Gunter dem Kloster einen Hof in Speyer, aus dem der Maulbronner Hof an der Johannesstraße in Speyer hervorging. Der Stadthof in Speyer war der wichtigste Handelsplatz des Klosters. Seit 1277 gab es auch einen Maulbronner Hof in Heilbronn. Das Kloster gab diesen später als Lehen an die Stadt Heilbronn. In Heidelberg und Stuttgart besaß das Kloster Stadthäuser. Die aufstrebenden Städte wurden zum bedeutenden Handelsplatz. Hier setzten die Mönche ihre über den eigenen Bedarf hinaus erwirtschafteten Waren ab.

Die wichtigsten gehandelten Produkte waren Wein, Getreide, Wolle, Filzschuhe und verarbeitetes Leder. Im Gegenzug erwarben die Zisterzienser andere lebensnotwendige Produkte wie Salz oder Aale und Fischsetzlinge für die Fischteiche.

Die wirtschaftliche Situation erlaubte es nun auch, mit dem Bau der Kirche zu beginnen. Bischof Gunter erlebte die Fertigstellung allerdings nicht mehr. Für den Januar 1160 hatte Kaiser Friedrich I. eine Kirchenversammlung nach Pavia einberufen. Es ging um die Beseitigung des Schismas. Alexander III. war seit 1159 Papst.Der von Friedrich I. gestützte Gegenkandidat Victor IV. ließ sich etwa einen Monat später zum Papst ausrufen und erhielt unter dem Schutz des Kaisers die päpstlichen Weihen. Damit gab es wieder ein Schisma in der Kirche. Victor konnte sich aber außerhalb von Barbarossas Machtbereich keine Anerkennung verschaffen und sich nicht durchsetzen. Mitte Juni 1161 fand in Lodi eine weitere Synode statt, mit der Barbarossa die Anerkennung Victors erreichen wollte. Anlässlich dieser kirchenpolitischen Auseinandersetzungen weilte auch Bischof Gunter in Italien.

Am 16. August 1161 starb er in Italien. Er wurde in der Klosterkirche von Maulbronn beigesetzt. Dort fand auch der  Stifter von Maulbronn, Walter von Lomersheim seine letzte Ruhestätte. Nachfolger von Bischof Gunter wurde Ulrich I. von Dürrmenz von 1159-1163 auch Reichskanzler von Friedrich Barbarossa. Auch er hatte wie sein Vorgänger ein gutes Verhältnis zum Kloster Maulbronn. Er befreite 1162 die Neubrüche vom Zehnten. Ulrich ist ebenfalls in Maulbronn bestattet.

Abt Dieter starb nach 1168. Ob er noch die Einweihung der Kirche erlebt hat, ist zweifelhaft.

1171 nahm Papst Alexander III. das Kloster in seinen Schutz und erklärte, dass die Zehntfreiheit sich nicht auf Neubrüche beschränken dürften und gewährte weitere Vergünstigungen. Die Urkunde wurde am 21. Dezember 1177 in Anagni ausgestellt. (WUB Band II., Nr. 408, Seite 183-184)

1178 war die Klosterkirche fertig und sie wurde von Erzbischof Arnold von Trier (1169, † 25. Mai 1183)geweiht.

Die Klosterkirche ist ungewöhnlich lang, da sie zwei Kirchen in einem Längsschiff vereinigt, die Laienkirche und die Mönchskirche. Ein romanischer Lettner trennt den sogenannten Bruderchor vom sogenannten Herrenchor.

Auf Abt Dieter folgt ein Abt, von dem nur der 1. Buchstabe bekannt ist und es ist nicht sicher, ob es ein B. oder D. ist. (Die Äbteliste ist bei Karl Klunzinger Urkundliche Geschichte der vormaligen Cisterzienser-Abtei Maulbronn, 1854 auf Seite 113 ff, ebenso auch in Beschreibung des Oberamts Maulbronn, H. Lindemann 1870, S.187 abgedruckt). B. oder D. werden bis 1192 geführt. Von 1192 bis 1196 folgt ein Abt. E. oder F. 1196 bis um 1216 folgt Abt Conrad I. In seine Amtszeit fällt um 1201 der Bau der Klosterfront ( der Keller und das Laienrefektorium)Das Laienrefektoriumist nach der Kirche der umfangreichste überwölbte Raum im Kloster. Conrad hatte einen Gegenabt, Johannes von Neipperg. Er stammte aus der Familie der Herren von Neipperg  Er war für vogelfrei erklärt worden und wurde 1212 von seinen Untertanen in Weissach getötet. Es wurde ein Sühnekreuz errichtet. Die Gemeinde Weissach wurde zum Erhalt des Kreuzes verpflichtet.  Das Kloster Maulbronn zahlte über seine Pflege Wiernsheim an die Gemeinde jährlich einen Gulden. Daraus könnte man folgern, dass die Mörder entweder Maulbronner Mönche waren oder wenigstens vom Kloster angestiftet worden sind.

Um 1210 der Bau der Vorhalle (Paradies). Der Meister des Maulbronner Paradies ist ein in der Frühgotik Nordfrankreichs wohl um 1160/70 geschulter Meister  und kam über Burgund, dort hattendie Zisterzienser ihren Ursprung, nach Maulbronn. Typisch für seine Arbeit ist die Summierung der röhrenförmigen, verschieden hohen Dienste und die „Lochform“ der Fenster (Vorformen des Maßwerkes der Hochgotik). Alle Rippen des Gewölbes folgen dem Halbkreis. Der Meister des Maulbronner Paradies wirkte auch in Magdeburg und Halberstadt. Bemerkenswert sind die Portale, die vom Paradies zum Kirchenschiff führen.Die Türblätter stammen aus dem 12. Jahrhundert und sind original erhalten und sogar die Lederbezüge sind noch erhalten. Um 1215 wird die Südhalle des Kreuzgangs gebaut und um 1225 das Herrenrefektorium und der Kapitelsaal. In dieser Zeit (1219-1232) regiert ein Abt mit der Initiale M.

1203 setzte sich wieder ein Speyrer Bischof für Maulbronn ein. Konrad III. von Scharfenberg war 1200 Bischof in Speyer geworden. Ab 1208 war er Reichskanzler und bekam 1212 auch noch das Bistum Metz übertragen. 1203 veranlasste er Walter von Bromberg auf das Patronatsrecht in Knittlingen zu verzichten. Zu diesem Vorgang sind im WUB 3 Urkunden verzeichnet. In der ersten Urkunde  WUB Band II., Nr. 521, Seite 342 wird die Schlichtung durch Bischof Konrad im Streit um das Patronatsrecht an der Kirche in Knittlingen dokumentiert. Das Patronats recht besaß wohl zunächst Walter von Bromberg

aus dem edelfreien Geschlecht der Herren von Bromberg. In der nächsten Urkunde wird der Besitz Pfarrei bestätigt.WUB Band II., Nr. 522, Seite 343-344 und schließlich bestätigt sogar Papst Innozenz III. den Besitz der Einkünfte und Güter an der Pfarrei Knittlingen WUB Band II., Nr. 523, Seite 345.

Auch der Nachfolger von Konrad III. Beringer von Entringen (1224-1232)blieb dem Kloster gewogen. Im August 1224 gestattete er dem Abt und den Brüdern von Maulbronn, die Kirche in Wiernsheim, deren Patronat ihnen zustand, zu inkorpieren. (WUB Band III., Nr. 678, Seite 155-156) Die Inkorporation einer Kirche bedeutete für ein Kloster eine beständige Einnahmequelle, da das Pfründenvermögen dem Inkorporationsbegünstigte zufiel. In einer im August 1227 ausgestellten Urkunde (Band III., Nr. 673, Seite 149-150) nahm Papst Honorius III. (1216 bis 1227) das Kloster Maulbronn in seinen Schutz und bestätigte außerdem den vom Bischof von Speyer überlassenen Besitz der Kirche in Wiernsheim sowie seiner übrigen Güter. 1232 schenkte er seinem Kapitel in Speyer und dem Kloster Maulbronn einen Hof in Öwisheim (WUBBand III., Nr. 808, Seite 303)

Nachdem Papst Honorius III. mit einer am 9. Februar 1222 ausgestellten Urkunde ( WUB Band XII., Nr. 5767) den gesamten Zisterzienserorden betreffend verbot, dass irgendjemand auf Neuäckern von den Zisterziensern Zehnten “abfordert oder erpresst”, stellte er am 27.April 1224 eine Schutzurkunde für das Kloster Maulbronn aus und bestätigte den Besitz der vom Speyrer Bischof überlassenen Kirche von Wiernsheim sowie seine übrigen Güter. (WUB Band III., Nr. 673, Seite 149-150 “Papst Honorius III. nimmt das Kloster Maulbronn in seinen Schutz und bestätigt ihm den vom Bischof von Speyer überlassenen Besitz der Kirche in Wiernsheim sowie seiner übrigen Güter.”)

1215 wurde der Bau der Südhalle des Kreuzgangs begonnen und 1251 mit dem Bau des Herrenrefektoriums und des  Kapitelsaals. Diese drei Bauvorhaben wurden zu Wegbereitern der frühgotischen Architektur im deutschsprachigen Raum. Zu beachten sind im Südflügel des Kreuzgangs im Paradies und im Herrenrefektorium die die hervorragend gearbeiteten Blattkapitelle. Im Kapitelsaal versammelten sich die Mönche jeden Tag um eine Lesung aus den Kapiteln der Ordensregeln zu hören, daher der Name.

Papst Gregor IX. (19. März 1227-22.August 1241) erteilte dem Bischof von Straßburg ,das war zu der Zeit Wilhelm I.(1028/1029 bis 7. November 1047 ) am 20. Januar 1229 den Auftra,g “das Kloster Maulbronn gegen gewalttätige Eingriffe in dessen Rechte zu schützen.” (WUB Band III., Nr. 735, Seite 220-221)

Von 1232 bis 1234 regierte Abt Goswin. Er kaufte im Februar 1232 die Kirche, die Vogtei und Güter mit Zubehör in Wimsheim. (WUB Band III., Nr. 810, Seite 305). Am 2. Oktober 1232 bestätigte König Heinrich VII. (1228-1235 von seinem Vater Friedrich II. abgesetzt) diesen Kauf (WUB Band III., Nr. 819, Seite 315) “König Heinrich (VII.) bestätigt den Ankauf des Ortes Wimsheim durch das Kloster Maulbronn von dem Grafen Gottfried von Vaihingen und verspricht die Reichsvogtei über diesen Ort niemals irgendwie zu veräußern.”Das war ja auch die Bestätigung der Reichsvogtei, die Friedrich I. in seiner Urkunde von 1151 verliehen hatte. In der Sekundärliteratur wird dann meist geschrieben, dass der Konvent von Maulbronn den Speyrer Bischof als Schutzvogt gewählt habe. Einen urkundlichen Beleg dazu habe ich nicht gefunden. Es scheint aber so, dass die Bischöfe von Speyer selbstständig Schirmfunktionen für Kloster Maulbronn wahrgenommen haben, zumal sie enge Beziehungen zum Kloster hatten. Das Kloster war von einem Speyrer Bischof auf Speyrer Besitz gegründet worden und die Speyrer Bischöfe standen ebenfalls unter kaiserlicher Schirmvogtei. Es erwies sich aber als zweckmäßig,  dass ein zuverlässiger Schutzherr in unmittelbarer Nähe ansprechbar war. Die Speyrer Bischöfe setzten deshalb wohl im Einvernehmen mit den Maulbronner Mönchen eine Art Untervogt ein. Das wurde sein Ministerialer Heinrich von Enzberg. In einer 1236 tritt er erstmals urkundlich in Erscheinung. Er siegelt eine Urkunde mit, die Abt Sigfrid ausstellt und in der es um eine Übereinkunft mit den Bauern von Ötisheim geht und zwar “sigillo advocati de Encenberch” also mit dem Siegel des Vogts von Enzberg. (WUB Band III., Nr. 872, Seite 369-370)

Das stärkte Heinrichs Ansehen natürlich beträchtlich. Zugleich brachte es ihn auch in eine Konfliktsituation. Den er selbst war ja in aufstrebender Herrschaftsfunktion und stand damit sowohl in Konkurrenz zum Kloster als auch zum Bistum. Man hat die Gefahr wohl durchaus gesehen, dass Heinrich seine

Befugnisse missbrauchen würde oder die Enzberger erbliche Ansprüche auf die lukrativen Vogteirechte erheben könnten. Wohl auf Druck des Speyrer Bischofs verzichtete Heinrich auf sein Amt als Vogt.”Heinrich der Ältere von Enzberg verzichtet unter Bestätigung des Empfangs des Pfandschillings auf alle ihm verpfändet gewesenen Vogteirechte über das Kloster Maulbronn.(WUB Band IV., Nr. 1231, Seite 300) Er wurde aber 4 Monate später vom Bischof wieder als Beschützer Maulbronns eingesetzt,

allerdings nicht als Vogt (advocatus) sondern nur als Schirmherr (tutor) und das ausdrücklich nur in persönlicher und widerruflicher Eigenschaft. (WUB Band IV., Nr. 1237, Seite 305-306). Bischof in Speyer war in dieser Zeit Heinrich II. (1245-1272). Heinrich von Enzberg starb um 1268.

“Papst Innozenz IV. gebietet dem Erzbischof von Mainz und allen Kirchenobern seines Sprengels, das Kloster Maulbronn gegen Übergriffe durch Verhängung von Kirchenstrafen gegen dessen Bedränger zu schützen.” (WUB Band IV., Nr. 1026, Seite 77-78)Lateran 8. April 1244. Eine ähnliche Urkunde

hatte Papst Gregor IX. ja 1299 ausgestellt, den Auftrag allerdings an den Bischof von Straßburg gegeben

Abt Sigfrid I. regierte von 1244-1251. Am Anfang seiner Regierungszeit erhielt er eine Schutzurkunde, die Papst Innozenz IV. (1243-1254)am 27. Juni 1245 in Lyon ausstellte (WUB Band XI., Nr. N5586, Seite 475-476). Darin bestätigte er den Besitz des Klosters und alle seine Privilegien.

In seiner Urkundliche Geschichte der vormaligen Cisterzienser-Abtei Maulbronn Karl Klunzinger (Stuttgart 1854) erwähnt dieser auf Seite 16 noch zwei Papsturkunden auf Seite 16, eine von Papst Innozenz IV. und eine von
Alexander IV., in denen das Kloster Maulbronn das Recht erhält, dass kein Bischof dort Gericht halten dürfe sowie den Burgfrieden.

Auch königliche Schutzurkunden gibt es für das Kloster wieder. König Wilhelm von Holland ( 1256/57) stellte am 2. Februar 1255 diese Urkunde für Maulbronn aus.

“Der römische König Wilhelm nimmt das Kloster Maulbronn mit allen dessen Gütern in seinen und des Reichs Schutz, verbietet dasselbe irgendwie zu schädigen und verspricht sämtliche dem Reich zuständige Vogteien über Güter des Klosters ohne dessen Bitte nicht zu veräußern.”

WUB (Band V., Nr. 1325, Seite 92)

Am 16. Februar 1255 verspricht er, alle bisher  erteilten Rechtsbegünstigungen aufrecht zu erhalten. Zuwiderhandelnden droht er mit großer Ungnade. (WUB Band V., Nr. 1326, Seite 93)

Am 4. Juli 1256 wird Abt Eggehard (1257-1268) von Papst Alexander beauftragt, “die durch den päpstlichen Kardinallegaten Peter geschehene Einverleibung der Kirchen Gebsattel und Tüngental in das Kloster Comburg zu bestätigen. (WUB Band V., Nr. 1401, Seite 165). Abt Eggehard wurde wegen seiner Rechtschaffenheit gerühmt. 1268 wurde er Abt im Mutterkloster Neubourg. Bischof Heinrich II. (1245-1272) schenkte Kloster Maulbronn Zoll und-Umgeldsfreiheit, weil sich Eggehard auf seinem Maulbronner Abtsstuhl so bewährt hatte.

Um 1268 folgte Heinrich von Enzberg, der gleichnamige Sohn des Maulbronner Schirmherrn in derselben Eigenschaft und demselben Rechtsverhältnis nämlich Schirmherr, widerruflich und nicht erblich. Er aber forderte mit Waffengewalt Vogteirechte und wurde deshalb mit Kirchenbann belegt.

Er starb kurz nachdem er auf seine Ansprüche verzichtet hatte. Seine Söhne Heinrich III., Konrad, Gerhard und Albrecht sowie sein Bruder Konrad führten die bewaffneten Auseinandersetzungen aber weiter. Sie gingen plündernd und sengend gegen das Kloster vor. Nun griff der Bischof ein.

Der Machtantritt Rudolfs und seine Revindikationspolitik, das ist die Rückführung der zur Stauferzeit entfremdeten Reichsgüter,  erleichterten den Maulbronner Mönchen die Durchsetzung ihrer Ansprüche wegen der Vogtei.

Die Brüder mussten am 1. August definitiv auf alle Ansprüchean die Vogtei über Ölbronn, Diefenbach, Elfingen und Füllmenbach verzichten. (WUB Band IX., Nr. 3462, Seite 34-35)

Am 1. Oktober 1273  wurde Rudolf von Habsburg zum neuen Herrscher des Deutschen Reiches gewählt. Damit endete das Interregnum oder wie Schiller in seiner Ballade” Der Graf von Habsburg” sagte “die kaiserlose, die schreckliche Zeit”. Es war aber gar keine kaiserlose Zeit, sondern es herrschte ein Überangebot an Herrschern, von denen sich aber letztendlich keiner durchsetzen konnte. Für Maulbronn wichtig, dass der neue Herrscher dem Kloster schon bald nach seinem Machtantritt eine Schutzurkunde ausstellte. “ König Rudolf nimmt das Kloster Maulbronn in seinen Schutz.”

WUB Band VII., Nr. 2374, Seite 267.

Unter Abt Sigfrid II.(1281-1285) geriet die Tochterabtei Schönthal unter seinem Abt Thomas (1270-1284) in Finanznöte. Kloster Maulbronn konnte zu diesem Zeitpunkt auch nicht einspringen. Das Generalkapitel unterstellte deshalb das in Not geratene Kloster dem wirtschaftlich starken Kaisheim. In der Urkunde liest es sich allerdings wie eine Bitte von Abt Sifrid. “Abt Sifried von Maulbronn bittet den Abt von Kaisheim, die Vaterschaft über das zerfallende Kloster Schöntal zu übernehmen” (WUB Band VIII., Nr. 3119, Seite 331

Abt Trutwin (1266-1287) von Kaisheim kann 1283 schon alle Schulden von Schönthal ablösen. Mit dem Kloster geht es wieder aufwärts. Es verbleibt aber unter dem Patronat von Kaisheim

1299 verlieh König Albrecht (1298-1308) Zollfreiheit für einen jährlichen Schiffstransport auf dem Rhein. “König Albrecht erlaubt dem Kloster Maulbronn alljährlich einmal auf dem Rhein ein mit Wein oder Getreide beladenes Schiff zollfrei tal- und bergwärts führen zu dürfen.” (WUB Band XI., Nr. 5354, Seite 320-321)

Um 1300 wurde die Westhalle des Kreuzgangs begonnen.

Um 1350 wurde mit dem Bau der Nordhalle des Kreuzgangs mit Brunnenkapelle, der Osthalle mit Kapitelsaal und Johanneskapelle begonnen. Die Ordensregel schreibt den Waschraum für die Mönche im Kreuzgang vor. Dort wurde auch die Tonsur vorgenommen. Um 1340 wurden hier fünf Maßwerkfenster errichtet. Die unterste Brunnenschale stammt noch aus dem Mittelalter.

Im frühen 13. Jahrhundert begann die Umfriedung des Klosters. Johann von Rottweil war von 1361 bis 1367 Abt in Maulbronn. Er baute die Umfriedung festungsartig aus. Sie umfasste eine Ringmauer, Wehrgang und Wehrtürme sowie einen mit Wasser füllbaren Zwingergraben.Vor der Befestigung des Klosterareals gab es eine äußere Umfriedung, die aus einer Mauer und zwei Türmen bestand. Diese ist wohl spätestens zur Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Pfalz und Württemberg errichtet worden, also in der 2,Hälfte des 15. Jahrhunderts bis zur Jahrhundertwende.

Als das Kloster befestigt wurde, wurden auch die Pfleg-und Kirchhöfe im “maulbronnischen” Territorium mit Verschanzungen, Wehrtürmen und Mauern befestigt, so z. B. in Knittlingen und Öwisheim.

Maulbronn hatte schon sehr früh einen relativ gering zersplitterten Besitz. Zudem mühten sich die Äbte bis zur Reformationszeit einen nur ihnen unterstehenden Herrschaftsbereich zu gewinnen. Das ermöglichte effizientes Organisieren und

Wirtschaften. Das Gebiet um Rastatt wurde Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts an das 1149 gegründete Zisterzienserkloster Herrenalb veräußert oder gegen günstiger gelegene Gebiete getauscht.

Zwei Schenkungen in  Unteröwisheim (WUB Bd. III Nr. 584 Seite 37 und WUB Band III., Nr. 808, Seite 303) geben den Anlass dort einen kleinen und kompakten Besitzkomplex aufzubauen. Er hatte den Vorteil, dass er jeweils eine Tagesreise vom Kloster und zur Bischofsstadt Speyer entfernt war und war so möglicherweise Zwischenstation zwischen Kloster und dem wichtigen Stadthof in Speyer. Abgerundet wurde das durch einen Kauf am 24.April 1346. der Hälfte von Unteröwisheim samt Kirchensatz vom Markgrafen Hermann IX. von Baden (1333-1353). Am 14. August 1411 wurde Unteröwisheim dem Kloster ganz zugesprochen.

Der Maulbronner Besitz verteilte sich jetzt schwerpunktmäßig auf drei Räume. Das war einmal der Besitz im unmittelbaren Umfeld des Klosters. Der wichtigste und einträglichste Besitzkomplex  war im Umfeld von Speyer auf beiden Seiten des Rheins. Dazu kam der relativ neu erworbene

Besitzkomplex  Unteröwisheim, in dem im heutigen Schloss Unteröwisheim ein Pfleghof errichtet wurde, der 1347 in einem Kaufvertrag mit dem Markgrafen von Baden /(s.o.) erstmals erwähnt wird.

Abt Johann kaufte erstmals eine bedeutende Menge von Gütern vom umliegenden Adel. Das mag zum einen mit der Arrondierung des Maulbronner Territoriums zusammenhängen, deutet aber auch auf eine Änderung der klösterlichen Wirtschaftspolitik. Von der Bewirtschaftung von Eigengütern durch Konversen ging man vermehrt auf Rentengrundherrschaft und den Handel mit Gütern über. Der gesamte Orden stellte sich um. 1244 gestattete die Ordensregel erstmals die Geldwirtschaft als Einkommenszweig der Zisterzienserklöster. (siehe dazu auch Kloster Eberbach in Mei Büchle) In Maulbronn zeigte sich das z. B. in Diefenbach, wo neu umgebrochenes Land gegen einen Zins an Bauern zur Bewirtschaftung abgegeben wurde. Ab dem 13. Jahrhundert trat das Kloster nun als Erwerber  von Zehntrechten auf fremde Güter auf. Das erklärt auch die zeitweise Verschuldung des Klosters. Der Erwerb solcher Rechte hängt damit wohl genauso zusammen wie die Arrondierungsbemühungen des Klosters.

In die Zeit von Abt Johannes fällt auch die Übertragung der Untervogtei an die Pfalzgrafen bei Rhein. Am1. Juni 1372 übertrug Kaiser Karl IV. (1346-1378) die Schutzvogtei von Kloster Maulbronn auf Ruprecht I. (1353-1390) Pfalzgraf bei Rhein. Dadurch wurde es allerdings in den Gegensatz zwischen der Pfalz und Württemberg verstrickt. Dies endete erst mit dem Übergang Maulbronns an Württemberg 1504.

Heinrich II. war Abt von 1384 bis 1402. Er setzte den Güterkauf, den Johann von Rottweil begonnen hatte in großem Maße fort. Dazu kamen noch Schenkungen und Privilegien.Er ließ das Haus des Abtes und des Verwalters erbauen. Herzog Ludwig I. von Württemberg (1568 bis 1593) ließ 1588 darauf

sein Jagdschloss errichten.

1401 erteilte König Ruprecht dem Kloster einen Schutzbrief. König Ruprecht nimmt das Kloster Maulbronn in seinen und des Reichs Schirm und verspricht, die Schirmvogtei nicht zu veräußern; bestätigt auch dessen Privilegien. (Stiftsarchiv St. Paul im Lavanttal, St. Blasien U 319)

Sein Nachfolger war Abt Albrecht IV. von Ötisheim. Er war von 1402-1408 Abt in Maulbronn. Die Einkaufspolitik seines Vorgängers setzte er fort. Auch in Rechtsstreitigkeiten war er erfolgreich. Er ließ die Kirchhöfe seiner Orte befestigen. Die Beschwerden des badischen Markgrafen von Baden gegen die Erlaubnis wies König Rupprecht zurück.

1407 taufte er Jakob von Baden (1407-1453), den Sohn des Markgrafen Bernhard I. von Baden.

1408 erhielt die Kirche einen neuen Altar, den Ludwig von Abolo, Suffragan des Bischofs Raban von Speyer (1388-1430) weihte.

1414 war der Abt auf dem Konzil in Konstanz.Er gewährte dann dem Dominikaner Johannes Mulberg Asyl in Maulbronn.Dieser war in Basel als Ketzer und Schismatiker verurteilt und der Stadt verwiesen worden. In seinem leidenschaftlichen Reformeifer hatte er die Geistlichkeit in Basel schonungslos angegriffen und ihr ein strenges Strafgericht prophezeit. Er hielt an Papst Gregor XII. fest, während in Basel Johannes XXIII. anerkannt war. Er starb am 04.12.1414 in Maulbronn  und ist dort auch begraben. Ein weiteres positives Ergebnis seines Konstanzaufenthalts war die Bestätigung des Schutzbriefes von König Ruprecht durch König Sigismund am 25. März 1415. Darin wurde auch die Vollmacht erteilt, die Befestigung der Kirchhöfe fortzusetzen.

Am 14. März 1418 nahm der neugewählte Papst Martin V. (1417-1431) das Kloster in seinen Schutz. Am 26. Februar 1420 beauftragte er den Maulbronner Abt und den Abt von Neubourg, die Klöster und Stifte im Pfälzer Gebiet zu untersuchen und zu reformieren.

Laut Bruschius (Chronologia Monasteriorum Germaniae Praecipuorum , S.331) erlangte er in Prag die Magisterwürde. Dort soll er auch seinen Kunstsinn gebildet haben. 1424 erfolgte der gotische Umbau der Kirche. Sein Baumeister war der Laienbruder Berthold, als Maler war Ulrich tätig.

Mit Abt Albrecht setzte die Blüte der Abtei ein. Er starb am 30. Mai 1428.

Sein Nachfolger Gerung von Wildberg regierte nur zwei Jahre. In seine Regierungszeit fällt der Bau des Pfründhauses 1430.  Pfründner waren Träger öffentlicher Ämter, die sich ins Kloster einkauften und dafür eine Altersversorgung erhielten.

Auf ihn folgte Johannes II. von Gelnhausen. Er war zuerst Karthäuser Mönch (Bruschius S.331) bevor er zu den Zisterziensern übertrat. Er wurde Prior im Kloster Stams. Von 1430 –1439 war er Abt in Maulbronn.

Gleich zu beginn seiner Regierungszeit ließ er das Krankenhaus erbauen. 1431 erhielt er  vom  Basler Konzil zum einen wegen seiner Beredsamkeit und seiner Gewandtheit zum andern aber auch seiner Vertrautheit mit den örtlichen Gegebenheiten den Auftrag, die Hussitenfrage zu lösen

oder wie es in älteren Darstellungen (Karl Klunzinger, Eduard Paulus) heißt, “die Böhmen in den Schoß der katholischen Kirche zurückzuführen”. Er reiste mir Dominikanerprior Johannes Nider aus Basel nach Nürnberg und setzte sich von dort aus brieflich mit den Hussiten in Verbindung.

Dann reiste er mit mehreren Abgeordneten nach Eger. Von da aus wandte er sich zusammen mit dem Abt Hermann von Ebrach (1430–1437) an den Vorstand des Konzils, den Legaten Giuliano Cesarini und bat um freies Geleit für die Hussiten, die nach Basel kommen wollten. Dabei wurden

30. November 1433 die Basler Kompakten ausgehandelt.Das gestattete, dass das Abendmahl jedem der es wollte in beiden Gestalten, also Brot und Wein gereicht wurde-. Daher nannte sich eine Partei der Hussiten “Kalixtiner” nachdem lateinischen Kalix=Kelch oder Ultraquisten vom Lateinischen communio sub utraque species, also das Abendmahl in beiderlei Gestalt. Die freie Verkündigung Gottes Wortes auch in der Landessprache wurde zugelassen. Diese kirchliche Anerkennung einer abweichenden Gruppierung führt letztlich zur Beendigung der Hussitenkriege.

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg der Verhandlungen hatte der Maulbronner Abt, was große Anerkennung fand. König Sigmund nahm Maulbronn in die Reichsmatrikel auf, das heißt der Abt war Reichsfürst und somit reichsunmittelbar. Das sicherte ihm fast unbeschränkte Landeshoheit.am 31. Juli 1434 bestätigt Sigmund die Privilegien des Cistercienser-Klosters Maulbronn ( RIXI,2 n.10646)

Papst Eugen  (1431-1447) erteilte ihm am 29. Mai 1438 die bischöflichen Insignien und die Vollmacht die 4 niederen Weihen zu erteilen.

Schon vorher war er als Vermittler in einem Streit berufen worden. Dort ging es um die Ratsverfassung der Stadt Mainz und der Beteiligung des Klerus an den städtischen Aufgaben. 1433 hatte sich die gesamte Geistlichkeit, nachdem ihre Steuer- und Abgabenfreiheit beeinträchtigt worden war, aus der Stadt zurückgezogen. Die Seelsorge brach zusammen. Der Klerus kehrte  erst nach 1435 zurück, nach der “Pfaffenrachtung” in Mainz.

Abt Johannes legte 1439 sein Amt nieder und starb 1443 in Maulbronn.

Sein Nachfolger war Johannes III. von Worms. Auch er erweiterte den Grundbesitz des Klosters durch Kauf. 1440 ließ er die große Glocke gießen 1441 ließ er den nördlichen Eckturm und das Gebäude daneben bauen.

1441 befestigte Pfalzgraf Ludwig IV. als Schutzvogt das Kloster mit Mauern, Türmen und Zinnen, wobei das auch so zu verstehen war, dass Maulbronn als Eckpfeiler des kurpfälzischen Territoriums gegen Südosten gesehen wurde.

Am 24. April 1444 erneuerte Friedrich III. den Schutzbrief Sigmunds. Gleichzeitig gab er Maulbronn die Gerichtsbarkeit über das Dorf Mühlhausen an der Enz.

“König Friedrich III. bestätigt dem Kloster Maulbronn alle hiervor ausgebrachten Privilegien und erlaubt demselben, die Obrigkeit zu Mühlhausen wie in anderen Flecken zu gebrauchen. (RI XI,2 n. 10646)

Der Maulbronner Cellerar Gottfried von Otterstätt wurde 1446 Abt von Stift Neukloster in Wiener Neustadt.

Berthold III. von war von 1445 bis 1462 Abt. Das Kloster Pairis in der Nähe von Kaysersberg geriet im Laufe des 15. Jahrhunderts durch Nachlässigkeit seiner Äbte und einige Mönche – von Dekadenz war die Rede- in eine Krise.

Verschärft wurde diese durch äußere Umstände wie Plünderung durch die Engländer im  Hundertjährigen Krieg und die Zerstörung des Klosters beim Einfall der Armagnaken im Jahre 1444. Das Mutterkloster Lützel konnte in dieser Zeit auch nicht einspringen.

Deshalb verzichtete Lützel auf sein Superiotätsrecht auf Pairis zugunsten von Maulbronn. Das Generalkapitel von Citeaux unter Vorsitz von Jean IX. Vion de Gevrey (1440– November 1458 ) bestätigte dies unter der Bedingung, dass Pairis zum Prioriat verwandelt wurde und dass Kloster Maulbronn

dem notleidenden Kloster in geistlicher und weltlicher Hinsicht beistehe. Weltliche Hinsicht bedeutete vor allem, dass Maulbronn die Schulden von Pairis bezahlte. Papst Pius II., mit bürgerlichem Namen Enea Silvio Piccolomini, also der bedeutende Humanist (Papst von 1458 bis 1464) bestätigte beide Massnahmen sofort. Abt Berthold nahm die Angelegenheit tatkräftig in Angriff. Er endsandte einen Prior und einige Mönche nach Pairis. Er und seine Nachfolger zahlten rund 20.000 Gulden für die Sanierung von Pairis. Wenn man aber den weiteren Verlauf der Geschichte betrachtet, war das eine gute Investition, denn die Abtei Maulbronn wurde ja 1536/37 nach Pairis verlegt, also Herzog Ulrich von Württemberg 1534 die Reformation einführte und Kloster Maulbronn säkularisierte (s.u.).

Die letzten Lebensjahre Abt Bertholds wurden getrübt durch den Einfall Ludwigs V. von Württemberg ( der Vielgeliebte) im Badisch-Pfälzischen Krieg (1459-1463). Dabei wurde auch Kloster Maulbronn sowie sein Territorium schwer geschädigt. Kaiser Friedrich III. schaltete sich auch ein

mit seiner Urkunde vom 26. April 1462 Graz.

“K.F. befiehlt den Mgff. Albrecht von Brandenburg und Karl (I.) von Baden sowie den gevettern Gf. Ulrich (V.) und Gf. Eberhard (V.) von Württemberg gemeinschaftlich und einzeln, das im Bistum Speyer gelegene Zisterzienserkloster (des ordens von Cittel) Maulbronn zu unser und des reichs hannden und gewaltsam zu nehmen und bis auf weiteren ksl. Befehl nach bestem Vermögen zu schützen. Damit sollen sie den Feinden, welche etliche eigene Rechte villeicht daselbs vermeinen zu haben, zuvorkommen und die Schädigungen unterbinden, die Kaiser und Reich sowie sie selbst und andere ksl. Hauptleute samt den ihnen Gehorsamen auß dem Kloster und Gotteshaus fortgesetzt erfahren. “ (RI XIII] H. 23 n. 335)

Der Abt  versuchte in mehreren Schreiben sowohl an Kurfürst Friedrich, an den Markgrafen von Baden Karl als auch an Herzog Ludwig von Württemberg den Schaden ersetzt zu bekommen.

Berthold hatte 100 Mönche unter sich.

Berthold verstarb am 6. Mai 1462.

Auf ihn folgte Johann IV. von Wimsheim. Er regierte von 1462-1467. Er war Licentiat der Theologie, also mit der akademischen Lehrbefugnis. Am 5. Oktober 1462 erhielt er zusammen mit Abt Bernhard von Hirsau (1460–1482) von Papst Paul II. (1464-1471) den Auftrag,

das Barfüßerkloster und das Klarkloster in Heilbronn zu reformieren. Seinen Auftrag erfüllte er laut Karl Klunzinger gut (Urkundliche Geschichte der vormaligen Cisterzienser-Abtei Maulbronn S. 121).

In seiner Regierungszeit lebten 135 Mönche in Maulbronn. Er starb am 15. Juli 1467.

Nicolaus von Bretten war von 1467 bis 1472 Abt in Maulbronn. Er legte sein Amt wegen seiner Gichterkrankung nieder. Er starb am 4. Juli 1474.

Auf ihn folgte Abt Albrecht V. Er war Abt von Maulbronn und zugleich von Pairis. 1473 wurde das große steinerne Kruzifix vor der Chorschranke gesetzt. Es ist auf der Rückseite mit CVS signiert und wird als Conrad von Sinsheim gedeutet. Es zählt zu den bedeutendsten spätgotischen Kunstwerken in

Maulbronn. Anfang des 15. Jahrhunderts erhielt Klosterstifter Walter von Lomersheim in dem Bereich, wo sich jetzt das Kreuz befindet, eine neue Grabstätte. Als Laie lag er vorher auf dem Konversenfriedhof südlich der Kirche.

Am 4. Juli 1474 nahm er in Urach an der Hochzeit von Graf Eberhard im Barte mit Barbara Gonzaga, geb. von Mantua teil.

Abt Nicolaus starb am 26. Mai 1475.

Sein Nachfolger Johannes V. Riescher von Laudenburg war zweimal Abt in Maulbronn. Das erste Mal regiert er von 1475-1488. Er ordnet das Verhältnis zu Württemberg und schließt zwei Verträge mit Graf Eberhard V.  Am 30. Juni 1477 Es ging um Weiderechte und Zoll.

Am 14. November 1485 schlossen Abt Johannes und Graf Eberhard einen weiteren Vertrag. Dieses Mal ging es um Leibeigene, die Jagd und ebenfalls um Zoll.

Auch päpstliche Gunsterweise durfte er erfahren. Am 26. August 1479 inkorporierte Papst Sixtus IV. (1471-1484) Kloster Maulbronn wegen erlittener Kriegsschäden und wegen der für Pairis aufgewendeten Kosten die Kirchen von Illingen und Zaisenhausen und am

20 Dezember 1479 erteilte er dem Kloster einige Privilegien, die diese Kirchen betrafen.

Der Generalabt der Zisterzienser Jean X. de Cirey   (1476–November 1501 ) beauftragte  am 14. September 1486  Abt Eberhard II. (1479–1491 ) von Schönau, Abt Johann V. von Eußerthal und den Maulbronner Abt die Rückgabe des Frauen Kloster Ramsen in der Pfalz zu

bewerkstelligen. Ramsen war schon 1146 an das Kloster St. Georgen geschenkt worden. wegen der räumlichen Distanz wurde es 1174 an den Bischof von Worms übergeben. Seit 1267 war es ein Frauenkloster der Zisterzienser und dem Abt von Schönau unterstellt.

1418 wurde es wegen wirtschaftlicher Probleme aufgelöst und von 1477-148 5 nochmals als Männerkloster weitergeführt. Dieses hatte aber nur bis 1485 Bestand.

Auch als Bauherr war Abt Johannes tätig. 1479 wurde die Vorhalle des Klosters gebaut. An der Stelle des Remisengebäudes war ein spätmittelalterlicher Kapellenbau, den Abt Johannes erneuern ließ, wie eine dort vorgefundene Inschrift belegt.

Abt Johannes resignierte vor Dezember 1488. 1497 lebte er in Herrenalb.

Stephan Öttinger war von 1488 bis 1491 Abt. Er resignierte vor Februar 1491. Möglicherweise wurde er zur Resignation gezwungen.

Der nächste Abt war wie sein Vor-Vorgänger zweimal Abt in Maulbronn. Johannes VI. Burrus von Bretten war zum ersten Mal von 1491 bis 1503 auf dem Maulbronner Abtsstuhl. Gleich zu Beginn seiner Regierungszeit leitete er eine Abtswahl in Bronnbach bei der Michael Keller

(1491-1501) zum 35. Abt von Bronnbach gewählt wurde. Im nächsten Jahr schlichtete er einen Rechtsstreit zwischen Kloster Bronnbach und dem Hochstift Mainz wegen des Wagendienstes, Renten und Gülten.1493 wurde das Parlatorium gebaut. Das ist das Zimmer, in dem Mönche Besuche

empfangen durften. Im Parlatorium befindet sich ein Wendeltreppenturm, den Laienbruder Conrad von Schmie erbaut hatte, wie aus der Bauinschrift am Turm hervorgeht. Von ihm stammt auch der Verbindungsgang am Ostflügel des Kreuzgangs. Die Inschrift ist eine hervorragend

gestaltete Kapitalis nach römischen Vorbild und ein Novum im deutschen Sprachbereich für diese Zeit. Von solcher Ausprägung erscheint sie normalerweise erst Jahrzehnte später. Die sprachliche Form dürfte von Conrad Leontorius stammen.  Dieser klassisch gebildete Humanist

war zu derzeit Mönch in Maulbronn.Von 1489 bis 1495 war er Generalsekretär des Ordens und in dieser Eigenschaft häufig im Auftrag des Generalabts auf Reisen gewesen (Frankreich, Italien). Er wirkte auch an großen Druckvorhaben des Basler Buchdruckers, Verlegers und Gelehrten

Johannes Amerbach mit. Er hatte Umgang mit Jakob Wimpfeling , Johannes Trithemius und Johannes Reuchlin. Mit Abt Johannes stand er auf vertrautem fuße, zumal sich ihre wissenschaftlichen Interessen deckten.

Am 14 Juni 1494 “nimmt  (Kaiser Maximilian)Abt und Konvent des Klosters Maulbronn mit all ihren Leuten, Dörfern, Rechten etc. in den besonderen Schutz des Reiches, erneuert und bestätigt ihnen alle ihre Privilegien, Immunitäten und Freiheiten; insbesondere das Recht, in ihrem Dorf Mühlhausen durch ihre weltl. Beamten die Gerichtsbarkeit ausüben zu lassen wie in ihren anderen Dörfern. “  RI XIV, 1n. 787)

1499 lebten 95 Mönche und Konversen in Maulbronn.

1500 will Württemberg das Kloster Maulbronn aus den Reichsmatrikeln, in denen es mit 60 Gulden angelegt war, ziehen. Das war ein erster Versuch die, die Reichsunmittelbarkeit des Klosters zu beenden

1501 ließ er eine Schleuse am See in Marbach bauen.

Abt Johannes war sehr gottesfürchtig. Er verlangte gottesfürchtiges Leben auch von seinen Mönchen. Diese hielten ihn für zu streng und zwangen ihn deshalb zum Rücktritt.  Am 26. Januar 1503 vollzog er diesen.

Auf ihn folgte Johannes VII. von Umbstat. Er regierte nur zwei Jahre und kam. Am 24. Mai 1503 befahl  Generalabt  Jacques III. Theuley de Pontailler-sur-Saône (1501– 1516) den Äbten Eberhard I. 1400–1405 von Schönau und dem Maulbronner Abt

zwei Mönche aus Maulbronn nach Heidelberg in das Kollegium St. Jakob zu schicken und auch dafür zu sorgen, dass von den anderen Zisterzienserklöster 38 Mönche ebenfalls nach Heidelberg geschickt wurden.

Herzog Ulrich von Württemberg wurde von Kaiser Maximilian 1503 vorzeitig für volljährig erklärt und beteiligte sich 1504 als Heerführer im Landshuter Erbfolgekrieg. Im Zuge dieses Krieges besetzte er Maulbronn und einige pfälzische Ämter.

Als Herzog Ulrich auf Maulbronn anrückte, floh Abt Johannes VII. mit seinen Mönchen nach Speyer. Er starb dort. Herzog Ulrich beschoss das Kloster. Die Besatzung ergab sich gegen freien Abzug. Die verbliebenen Mönche und Laienbrüder wurden ins

Augustinerkloster nach Tübingen verwiesen.

Mit einer Urkunde, die Kaiser Maximilian am 1. August 1504 ausstellte “überträgt (Kaiser Maximilian)Hg Ulrich von Würtemberg die Schirmvogtei und weltl. Obrigkeit über das Gotteshaus Maulbronn samt etlichen zugehörigen Dörfern und befiehlt, dem Hg alles das zu leisten, was bisher Pfgf Philipp (bei Rhein) und dessen Vorfahren geleistet wurde.” (RI XIV,4,1 n. 19013). Der Herzog befahl nun dem Abt und den Mönchen nach Maulbronn zurückzukehren. Da der Abt in Speyer verstorben war, war eine Neuwahl erforderlich. Gewählt wurde Johannes VI., der von 1475-1488 schon einmal Abt in Maulbronn war.Ulrich erkannte die Wahl nicht an, obwohl sie rechtmäßig war und obwohl der Konvent und obwohl sich der Konvent beim Kaiser sich gegen diese Einmischung verwahrte. Die Mönche wollten Ulrich auch nicht als Schirmherrn anerkennen.

Um den Streit zu beenden resignierte Johannes. Auf Anraten des Mutterabtes von Neubourg und um größeres Übel abzuwenden, anerkannten die Mönche Ulrich als erblichen Schutz-und Schirmherrn an. Auf Vorschlag Ulrichs wählten sie nun Michael Scholl, der bisher Abt in Herrenalb war.

Abt und Konvent mussten beim Amtsantritt des neuen Abtes ein Revers ausstellen, nachdem sie den Herzog als ihren erblichen Schutz und Schirmherrn unwiderruflich anerkannten. Er behielt sich die weltliche Obrigkeit vor, Wildbann, hohe und niedere Gerichtsbarkeit vor. Dem Kloster behielt er nur das Recht vor, sich in seinen Ortschaften huldigen zu lassen sowie die bisherigen Renten, Gülten und Zinsen. Nach Vidimierung dieses Revers reihte er den
Abt unter die Prälaten ein, die Klosterdörfer aber unter die Städte und Ämter der Landschaft ein. Unter Maximilian wurde ihm das Kloster 1507 vollkommen zugesprochen und übergeben. Die Streichung aus den Reichsmatrikeln setzte er auf den Reichstagen von 1510 und 1512 durch.

Die bisherigen Schirmherren Kurfürst Ludwig V.(1508-1544) und sein Bruder Pfalzgraf Friedrich II.(1482–1556)  verzichteten am 13. November 1513 förmlich auf ihre Rechte an dem Kloster.

Abt Michael setzte den Bau der Kapelle im Kreuzgang fort. 1506 ließ er die mittlere Glocke gießen.

Er legte sein Amt 1512 nieder und kehrte nach Herrenalb zurück.

Auf ihn folgte der bisherige Bursarius Johannes VIII. Entenfuß. Er entwickelte eine rege Bautätigkeit. Er ließ das Fürstengemach, das Herrenbad, den Winterspeisesaal bauen sowie einen Erker und die Wendeltreppe zwischen Herrenhaus und Oratorium . Außerdem vollendete er

die Brunnenkapelle im Maulbronner Kreuzgang. Das kostete alles viel Geld und brachte das Kloster in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Der Alchimist Dr. Faust soll von Abt Johannes zum Goldmachen nach Maulbronn berufen worden sein. Auf jeden fall musste er am 8. Mai 1518 wegen Misswirtschaft abdanken.

Auf ihn folgte nochmals Abt Johannes VI. Burrus. Er ließ die Bibliothek erbauen.

Nach Maximilians Tod 1519 wurde Herzog Ulrich von Georg Truchsess von Waldburg-Zeil aus Württemberg vertrieben und gebannt. Pfalzgraf Wilhelm zeigte sich geneigt, wieder Schirmherr von Kloster Maulbronn zu werden. Der schwäbische Bund lehnte dies aber ab. Maulbronn

solle nicht dem Fürstentum Württemberg entzogen werden. Franz von Sickingen hatte für die Vermittlung mit dem Pfalzgrafen eine erhebliche Summe vom Kloster erhalten. Am 10. Mai 1519 brandschatzte er den Maulbronner Hof in Heilbronn

Herzog Ulrich fiel im sommer 1519 nochmals in sein Land ein. Das Kloster huldigte ihm wieder am 9. August 2019. Dann wurde er wieder vertrieben, bis ihm 1534 die Rückkehr gelang.

Vom Generalabt erhielt er am 11. April 1520 den Auftrag, das Kloster Kirchbach zu reformieren. Diesem Auftrag konnte er nicht entsprechen. Er resignierte am 25. April 1521 und verstarb am 21. November 1521.

Sein Nachfolger wurde Johann IX. von Lienzingen am 25. April 1521. Er war Baccalaureus der Theologie, den er in Heidelberg gemacht hatte. Er war Prior in Lützel und Pairis, vor er Abt in Maulbronn wurde.

1521 wurde die Pfisterei, also die Klosterbäckerei errichtet.

1522 lehnte er den Auftrag ab, das Kloster Kirchbach zu visitieren, bzw. zu reformieren.

Im Bauernkrieg 1525 wurde das Kloster in Mitleidenschaft gezogen, kam aber relativ glimpflich davon. Vom 18.-21.April fiel ein Teil des Stocksberger Haufen ins Kloster ein, aber ohne die Gebäude wesentlich zu beschädigen.

1525 verkaufte das Kloster den Maulbronner Hof in Heilbronn und seine Güter, die es sonst noch dort hatte für 2000 Gulden an den Rat von Heilbronn.

Am 27. Juni 1531 kaufte Abt Johannes von der Familie Schwarzerd in Bretten den Stegersee in der Nähe von Bretten für 590 Gulden.Die Kaufurkunde heute beim Staatsarchiv Stuttgart Urkunde A 502 U 961

Nachdem Landgraf Philipp zusammen mit Herzog Ulrich am 13. Mai 1534 bei Lauffen österreichische Truppen besiegt hatte, wurde die österreichische Statthalterschaft über Württemberg beendet. Ulrich konnte wieder in sein Land zurückkehren.

Schon etwa 10 Jahre vorher war er Anhänger der Reformation und hatte 1519 in der ihm verbliebenen Grafschaft Mömpelgard, dem heutigen Montbeliard, den evangelischen Glauben eingeführt.

Er führte umgehend die Reformation in Württemberg ein. Es  kann natürlich nicht gesagt werden, ob religiöse oder wirtschaftliche Gründe das stärkere Motiv waren. Aber schon Landgraf Philipp hatte vorgemacht, dass das Vermögen der Klöster durchaus zu anderen

Zwecken genutzt werden konnte. Er hatte 1526 Klöster in Hessen aufgehoben. Das eingezogene Klostervermögen floss nicht nur in Armen-und Krankenfürsorge. 1527 wurde die Universität Marburg gegründet, die zweitälteste protestantische Universität nach Liegnitz in Schlesien. Gleichzeitig

wurde das Gymnasium Philippinum in Marburg eingerichtet, das erste humanistische Gymnasium in Oberhessen. Schon vorher als Österreich die Statthalterschaft in Württemberg hatte von 1519-1534, hatte Erzherzog Ferdinand,der Bruder Karls V. und Verwalter Württembergs,

den Besitz der Klöster aufzeichnen und ihr Einkommen veranschlagen. Aufgrund dieser Maßnahme setzte die österreichische Regierung  dann die  Summe fest,die jedes Kloster zu bezahlen hatte und sich an der Schuldentilgung des Landes beteiligen musste.

Herzog Ulrich musste finanzielle Verpflichtungen gegenüber Landgraf Philipp von Hessen für die militärische Unterstützung bei der Wiedereroberung seines Landes bedienen.Er  zögerte deshalb1534nicht,die Klöster dazu heranzuziehen. Der Herzog von Württembergbesaß

zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Landeshoheit über rund 40 Klöster. Darunter waren 15 Männerklöster, alle mit großem Grundbesitz und die meisten mit guten Einnahmen. Er forderte von den Prälaten die Hälfte der jährlichen Einkünfte. Außerdem erließ er noch im November 1534 den Befehl,die Besitzungen,Einkünfte und Wertgegenstände der Klöster zu inventarisieren, damit von ihnen künftig nichts mehr unbemerkt veräußert oder sonst wie beiseite geschafft werden konnte. Zur raschen Durchführung schickte er Kommissionen in die einzelnen Klöster,die in der Regel aus herzoglichen Beamten und dem Vogt des jeweiligen Amtes, in dem das betreffende Kloster lag, bestanden.

Zur Durchführung der Reformation berief er die beiden Geistlichen Erhard Schnepf und Ambrosius Blarer.

Abt Johannes IX. flüchtete am 21. Juli mit Kostbarkeiten, Dokumenten und allem was fortzubringen war nach Speyer. Der Herzog befahl ihm, am24. Juli nach Maulbronn zurückzukehren, was dieser aber nicht tat. Im November ließ Ulrich Kloster Maulbronn inventarisieren. Alles was noch an Wertvollem vorhanden war, ließ er in Gewölbe bringen und dieses mit dem Siegel des Herzogs und des Konvents versiegeln. Herzogliche beamte und der Konvent bekam je einen Schlüssel. so lief das in allen Klöstern (siehe auch Mei Büchle Kloster Herrenalb).

Abt Johannes reichte Klage beim Kammergericht ein, was den Herzog aber nicht daran hinderte, den Abt in seinem Speyrer Exil überfallen zu lassen. Im November 1534 veranlasste er den Konvent einen der Reformation wohl gesinnten Abt zu wählen, womit er aber keinen Erfolg hatte.

Am 4. Juni 1535 erließ herzog Ulrich eine Klosterordnung für Württemberg. Diese schaffte Messen und Beichte ab, ebenso auch das bisher geltende strenge Schweigegebot. Der Austritt aus dem Konvent wurde erlaubt, ja nahe gelegt. Wer austrat erhielt ein Leibgeding von 40 Gulden.

Aufnahme von Novizen war den Klöstern untersagt. Maulbronn wurde eine Einrichtung für Mönche, die nicht aus den Konventen austreten wollten. Sie sollten mit Betten und Büchern ins Kloster Maulbronn gehen und dort zu einem gemeinsamen Haushalt zusammengefasst werden.

Der Generalabt gestattete 1537 Abt Johannes mit seinem verbliebenen Konvent nach Pairis umzusiedeln. Er starb am 20. Juli 17547 in Kloster Einsiedeln in der Schweiz.

Herzog Ulrich war 1536 dem Schmalkaldischen Bund beigetreten und beteiligte sich auch am Schmalkaldischen Krieg 1546. Nach dem Sieg Karls V. bei Mühlberg über die evangelischen Fürsten legte er am15. Mai 1548  das Augsburger Interim zur Abstimmung vor. Für Württemberg bedeutete das, dass die Klöster restituiert wurden.

Die Zisterzienser konnten Kloster Maulbronn wieder in ihren Besitz nehmen. Abt Heinrich III. Reuter von Nördlingen war 1549 wieder in Maulbronn. Er war vorher Prior in Pairis.

Am 6. November 155o starb Herzog Ulrich in Tübingen. Die finanziellen Rücklagen bei seinem Ableben beliefen sich immerhin auf 350.000Gulden. Starke Festungen waren gebaut worden wie Urach, Tübingen,Hohenneuffen und Hohenasperg, Arbeiten am Hohentwiel vorgenommen worden.

So viel nochmals zum wirtschaftlichen Aspekt der Reformation in Württemberg.

Abt Heinrich  ließ 1550 das Gesindehaus in Maulbronn erbauen. Am  Konzil von Trient (zwischen 1545 und 1563) nahm er nicht teil, erklärte sich aber mit allem einverstanden, was dort beschlossen werden würde. 1555 wurde er Generalvikar der Zisterzienser in Deutschland. in dieser Eigenschaft setzte er

einen neuen Abt in Herrenalb ein. Er starb am 16. Juli 1557.

Am 29. Juli 1557 wurde Johannes X. als Abt eingeführt.Er war gleichzeitig Abt in Königsbronn. Er starb noch in demselben Jahr

Christoph von Württemberg (1550-1558), der Sohn Herzog Ulrichs ließ den Äbten und Prälaten zwar  sofort alle Urkunden und Akten aushändigen, die sein Vater zurückgehalten hatte. Nachdem der Passauer Vertrag vom 2. August 1552 das Augsburger Interim aufgehoben hatte,

ging Christoph sofort zielstrebig  an die endgültige Umsetzung der Reformation in Württemberg. Die Aufnahme von Novizen wurde wieder verboten. Bei Neuwahlen verstand er es, Personen zu installieren, die der neuen Lehre anhingen und so seine Absichten unterstützten.

Nach dem Augsburger Religionsfrieden vom 8. August 1555 wandelte er die Klöster in evangelische Klosterschulen um. Von den Prälaten erfuhr er keinen nennenswerten Widerstand mehr.

Abt Valentin Vannius (1495-1567)wurde der erste evangelische Abt von Kloster Maulbronn. Er hat kurze zeit an der Universität Heidelberg studiert und trat dann ins Kloster Maulbronn ein. Nach dem Bauernkrieg verließ er das Kloster.

Zusammen mit württembergischen Reformator Johannes Brenz sollte er im Auftrag von Herzog Christoph auf dem Konzil von Trient die württembergische Konfession öffentlich verteidigen. Wegen der raschen Auflösung des Konzils wurden die beiden nicht mehr gehört.

1558 wurde er Abt in Maulbronn. Er gab die Kanzel in der Klosterkirche in Auftrag, die noch sein Wappen trägt.

1580 wurde der Fruchtkasten für die Naturalienabgaben errichtet. 1588 wurde das herzogliche Jagdschloss auf den mittelalterlichen Grundmauern des Abtshauses gebaut.1600 wurde der Marstall gebaut. Das Ensemble ist in seiner Vollstädndigkeit einmalig in Baden-Württemberg und

Zeugnis für seine Nutzung als saisonaler Herrschaftssitz. Das Klostergut wurde in Klosteramt umgewandelt.

1836 wurde die Gemeinde Maulbronn gegründet. 1886 erhielt diese das Stadtrecht verliehen.

Die 1558 ins Leben gerufene Maulbronner Klosterschule hat einige berühmte Namen aufzuweisen.Der Mathematiker und Astronom Johannes Kepler (1571–1630) besuchte die schule in Maulbronn von 1586 an für drei Jahre, nachdem er von 1484-1586 die Klosterschule in Adelberg absolviert hatte. Dann begann erein Theologiestudium an der Universität Tübingen, studierte dann aber bei dem Mathematiker und Astronomen Michael Mästlin, der ihn mit dem heliozentrischen System des Nikolaus Kopernikus bekannt machte.

Karl Friedrich Reinhard besuchte von 1774 bis 1778 die Evangelischen Klosterschulen in Denkendorf und Maulbronn. Danach studierte er in Tübingen Theologie und Philosophie. Ab 1795 arbeitete er als Diplomat in Frankreichs Diensten und war an vielen Orten Gesandter.

Friedrich Hölderlin (1770-1843) besuchte von 1784-1788 die Evangelischen Klosterschulen in Denkendorf und Maulbronn. Von 1793-1788 studierte er Theologie in Tübingen. Seine ersten Gedichte veröffentlichte er 1792 in Gotthold Stäudlins „Musenalmanach“

Georg Herwegh (1817–1875)  war von 1831 bis 1835 am Maulbronner Seminar und begann danach ein Studium der Theologie und der Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen. Nach nur einem Jahr wurde er wegen Verstoß gegen die Stiftsordnung aus dem Stift entlassen.

Er ging nach seiner Desertion aus dem württembergischen Militärdienst in die Schweiz ins Exil, wo ihm 1841 der literarische Durchbruch gelang. 1848 beteiligte er sich am badischen Aufstand.

Hermann Hesse (1877-1962) hatte 1891 das württembergische Landesexamen in Stuttgart bestanden. Da er Theologe werden sollte, besuchte er darauf das evangelische Seminar in Maulbronn, entwich daraus allerdings schon im März 1892, weil er „entweder ein Dichter oder gar nichts“ werden wollte.

Von 1895-1898 machte er in der Buchhandlung Heckenhauer in Tübingen eine Lehre und arbeitete noch ein Jahr als Sortimentsgehilfe. Sein erster Roman Peter Camenzind erschien 1904. Sein Spätwerk, das Glasperlenspiel wurde 1943 in der Schweiz gedruckt. 1946 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Wie praktisch in allen württembergischen Klöstern gab es während des Dreißigjährigen Krieges nochmals ein Nachspiel von knapp 20 Jahren.

die Protestanten erlitten kurz vor 1630 verheerende Niederlagen in Norddeutschland. Kaiser Ferdinand II. (von 1619- 1637) erließ am 06.03. 1629 das Restitutionsedikt. Dieses besagte, dass säkularisierter protestantischer Besitz der katholischen Kirche zurückerstattet werden sollte.

Daraufhin unternahm auch das Generalkapitel von Citeaux Maßnahmen, um Maulbronn zu restituieren. Der Abt von Kaisheim wurde angewiesen, die Ansprüche auf Maulbronn geltend zu machen. 1629 sprach Kaiser Ferdinand Maulbronn dem Abt von Lützel zu. Am 7. Januar 1630

schreibt die kaiserliche Kommissarien an den Herzog von Württemberg Ludwig-Friedrich von Württemberg-Mömpelgard, der als Vormund von Herzog Eberhard III. Württemberg regierte, er soll innerhalb von 6 Wochen Maulbronn gutwillig abtreten. Da dies offensichtlich nicht geschah,

bemächtigten sich die kaiserliche Kommissarien  am 4. September 1630 des Klosters Maulbronn. Am 14. September 1630 zieht Christoph Schaller aus Sennheim mit einigen Mönchen  aus Lützel in Maulbronn ein. Er war vorher Mönch in Lützel und dann Prior inEeußerthal Er wird Abt von Maulbronn und Lützel. Allerdings ändert sich die politische Lage sehr schnell.

Der schwedische König Gustav Adolf war im Juli 1630 in Usedom gelandet. Schweden griff in den Krieg ein. Im Dezember 1631 waren Lothringer ins Amt Maulbronn eingedrungen und richteten großen Schaden an. Am 7. Januar 1632 wurde Abt Christoph von den Schweden aus Maulbronn vertrieben.

Am 6. September 16334 konnte er nach Maulbronn zurückkehren. Er war auch als Schriftsteller tätig. Er trat vor dem 22. Juli 1942 außer Dienst, nahm diesen aber am 21. August 1642 wieder auf. Vor dem 30. September resignierte er endgültig und starb am 1. Oktober 1642.

Sein Nachfolger war Bernardin Buchinger aus Kiensheim im Elsass. Er war als 9-jähriger in die Klosterschule von Pairis gekommen. Am 25. März 1623 trat er in die Zisterzienserabtei Lützel ein. 1624 legte er die Profess ab. 1630 wurde er zum Priester geweiht. Er war Archivar, Küchenmeister und Großkellner

und Sekretär des Abtes Lorillard. Auch die Klostergemeinschaft von Lützel musste dem Krieg ausweichen. Er ging zunächst nach St. Urban im Kanton Luzern und dann nach Kleinlützel. 1642 hatte er die Wahl zum Abt von Riddagshausen ausgeschlagen. Die Wahl zum Abt von Maulbronn akzeptierte er und trat sein Amt am 30.September 1642 an. 16.46 reiste er an den französischen Hof um das Kloster Pairis zu retten. In Deutschland brachte er die Klöster Lauingen und Bielenhofen an Kaisheim zurück.

Nach dem Friedensschluss vom Oktober 1648 fiel Maulbronn wieder an Württemberg zurück. Er verließ Maulbronn am 25. November 1648 für immer.

Damit endet auch die Klostergeschichte von Maulbronn.

Abt Bernardin hatte unter anderem ein Kochbuch verfasst. 1654 wurde er Abt des verlassenen Pairis. 1656 ernannte dort König Ludwig XIV. den Sekretär des Generalabtes Olivier de Foulongne zum Abt von Pairis. Bernardin ging nach Lützel und baute es rasch und planmäßig wieder auf.Er gilt als 2. Gründer von Lützel.

Maulbronn wurde 1933 in die Liste des Weltkulturerbes der Unesco aufgenommen.

19 Dez 2020

Kloster Lichtental

 Bildergebnis für Kloster Lichtenthal

Markgräfin Irmengard von Baden (um 1200–1260) gründete 1245 das Kloster Lichtenthal im Tal der Oos bei Baden-Baden. Es ist eines der ganz wenigen Klöster in Deutschland, das nie aufgehoben wurde und

eine ununterbrochene Geschichte vorweisen kann.

Irmengard von Baden wurde um 1200  als Tochter von Heinrich I. (um 1173-1227) Herzog von Sachsen und Pfalzgraf bei Rhein und Agnes geboren. Heinrich entstammte dem Geschlecht der Welfen. Agnes war die Tochter

Konrads, Pfalzgraf bei Rhein. Konrad war Staufer. So war sie also mit den beiden wichtigsten Geschlechtern ihrer Zeit verwandt. Sie heiratete um 1220 Heinrich V. Markgraf von Baden. Er war ein treuer Gefolgsmann

von Kaiser Friedrich Barbarossa. Wichtige württembergische Städte waren in seinem Herrschaftsbereich wie Stuttgart, Backnang und Besigheim. Besigheim und Backnang wurden während seiner Regierungszeit zur Stadt ausgebaut,

Stuttgart zur Stadt erhoben und 1229 in einer Urkunde Gregors IX. genannt. Die Stiftskirche in Backnang wurde zur Grablege der Markgrafen von Baden. 1241 folgte er König Wenzel von Böhmen, der Herzog Heinrich von Schlesien im Kampf gegen die Mongolen zu Hilfe eilte. In der Schlacht von Liegnitz wurde er verwundet und starb. Er wurde zunächst in Backnang beigesetzt.

Nach dem Tod ihres Mannes begann Irmengard ihren Plan, ein Kloster zu gründen, umzusetzen. Sie war eine Anhängerin Bernhards von Clairveaux. Sein Orden, der Zisterzienserorden wuchs in dieser Zeit am schnellsten.

Bernhard war als Kreuzugsprediger mehrere Male in Deutschland und bei dieser Gelegenheit soll er der Legende nach auf seinem Weg von Speyer nach Konstanz auch durch das Oostal gekommen sein und verkündet haben

„In diesem lichten Tale will ich meinem Orden ein Kloster bauen.“ Irmengard scheint sehr tatkräftig gewesen zu sein. Allen Widerständen zum Trotz verwirklichte sie ihr Vorhaben. Der Orden weigerte sich lange, Frauenklöster in den Klosterverband aufzunehmen. So gab es 1228 einen Beschluss des Generalkapitels von Citeaux, keine Frauenklöster mehr in den Zisterzienserorden aufzunehmen. Es hat durchaus ein Nebeneinander von von Inkorporationsverboten und integrativen Maßnahmen gegeben. Die Zisterzienser bekamen bald päpstliche Privilegien. Sie konnten  sich oft aus dem Aufsichtsrecht der Bischöfe lösen, in deren Diözesen die Zisterzen waren. Oft  hatten Bischöfe nicht unbedingt Interesse, ein Zisterzienserkloster in ihrer Diözese zu bekommen. So wollte der Straßburger Bischof Heinrich von Stahleck (1245-1260)kein Frauenkloster in seinem Bistumsbereich gestatten.Sein Speyrer Amtskollege Sigibodo (1038 bis 1051) scheint da offener gewesen zu sein. In Lichtenthal  wurde angeblich die Oos, die die Grenze zwischen den Bistümern Straßburg und Speyer bildete, einfach verlegt, so dass das Kloster auf speyrischem Gebiet lag.

Irmengards Söhne Herrmann VI. (um 1222-4.10.1250) und Rudolf I.( -19.11.1288),die nach dem Tod des Vaters gemeinsam die Regierung übernommen hatten, unterstützten das Vorhaben der Mutter. Sie sicherten die Finanzierung des Baus und sorgten auch für den Klosterbetrieb mit zahlreichen Schenkungen. Ein erster Grundstock waren die Dörfer Winden und Beuern, zwei Höfe in Oos, einer in Haueneberstein und ein Anteil am Zehnt zu Iffezheim.

Die beiden Söhne bestätigten mit einer Urkunde (Generallandesarchiv Karlsruhe GLA 35/34) im März 1245 die Stiftung ihrer Mutter und statteten sie mit diesen Gütern besser aus.

Eine Frauengemeinschaft bestand dort wohl seit 1243. Aber diese Bestätigung bedeutete die endgültige Klostergründung Lichtenthals. Eine nachgereichte Gründerurkunde wurde am 3. November 1248 von der Markgräfin Irmingard ausgestellt. Darin übergab sie die Schenkung ihrer Söhne als ewiges Besitztum an die Abtei Lichtenthal.(GLA 35/36). Die Urkunde ist mit dem eigenen Damensiegel der Markgräfin gesiegelt. Neben befreundetet Herrschern wirkten als Zeugen auch die Äbte von Kloster Selz, Schwarzach, Neubourg, Herrenalb und Bronnbach mit sowie der Straßburger Bischof Heinrich von Stahleck.

Irmengard hatte damit mit ihrer Schwester Agnes gleichgezogen. Diese war an der Gründung der Zisterzienserinnenabtei Seligenthal in Landshut beteiligt. Auch ihr Vater Vater Heinrich I. hatte Verbindungen zu den Zisterziensern. Er war 1227 bei der Stiftung des Zisterzienserinnenklosters Wienhausen in Niedersachsen dabei.

Die Markgräfin führte die Stiftung dem Zisterzienserorden zu. Die ersten Nonnen wurden aus dem ebenfalls noch sehr jungen Kloster Wald bei Messkirch berufen. Zum einen, weil diese wohl im Ruf besonderer Frömmigkeit standen, zum andern auch weil die Markgrafen noch im 13. Jahrhundert Stammgüter am Bodensee und in Oberschwaben besaßen.(B. Bauer. Das Frauenkloster Lichtenthal, Baden-Baden 1896,Anmerkung Seite 16) Kloster Wald wurde 1212 von dem Reichsministerialen Burkhard von Weckenstein unter tatkräftiger Mithilfe des Abtes von Salem Eberhard von  Rohrdorf (1191- 1240)gegründet. Es war die erste von 6 Gründungen von Zisterzienserinnen in Oberschwaben, die alle in seiner Regierungszeit gegründet wurden. (Sie dazu auch Mei Büchle Kloster Heggbach, Kloster Gutenzell, Kloster Baindt). Trudlindis von Liebenstein (1247-49) aus Kloster Wald wurde zur Äbtissin der Abtei nahe Hohenbaden, der Stammburg der Markgräfin, berufen. Diese nannte ihre Gründung “Lucida vallis” wohl im Anklang an Clara Vallis, also Clairvaux.

Zusammen mit der Markgräfin Irmengard und ihren Söhnen bat Trudlindis 1247 das das Generalkapitel von  Citeaux schriftlich um die Aufnahme in den Orden. Nach einer Inspektion durch Abt Heinrich I.(letztmals erwähnt 1252) von Kloster Eußerthal und Abt 

Rudolf I. (1226–1256) von Kloster Tennenbach wurde das Kloster in den Orden aufgenommen und der Paternität von Kloster Neubourg unterstellt.

Die erste päpstliche Bestätigung erfolgte sehr schnell. Schon am 4. Juli 1245 stellte Papst Innozenz IV. (1243-1254 dem Kloster eine Schutzurkunde aus. “Papst Innozenz IV. befiehlt den Erzbischöfen, Bischöfen, Äbten etc., das Kloster Lichtenthal gegen dessen Bedränger in Schutz zu nehmen. (GLA E Nr.77)noch im selben Monat  am 24. Juli bestätigte Papst Innozenz IV. den Besitz des Klosters (GLA E Nr.78). Die Aufnahme Lichtenthals in den Zisterzienserorden erfolgte 1248.  Am 3. November 1248 nahm der Straßburger Bischof Heinrich unter Assistenz des Abtes von Neubourg die Weihe der Klosterkirche vor. Sie wurde zu Ehren „Assumptio Mariae“ geweiht (Feiertag 15.August “Mariä Himmelfahrt). Der Leichnam Heinrichs V. wurde von der Stiftskirche in Backnang nach

Lichtenthal überführt und dort vor dem Hochaltar beigesetzt. Das geschah sicher auch unter dem Eindruck der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem deutschen König Heinrich (VII.) und seinem Vater Kaiser Friedrich II. , in die Backnang geraten war und 1235 zerstört worden war. Lichtenthal wurde nun zur Grablege der Markgrafen von Baden.

Mit seiner am 31. Oktober 1256 in Anagni ausgestellten Urkunde bestätigte Papst Alexander IV. (1254-1261) den Besitz der Pfarrkirche in Baden(-Baden).(GLA E Nr.224) Am 7. März 1260 bestätigte er auch eine Entscheidung des Papstes Innozenz die Kirche in Ettlingen betreffend.

“Papst Alexander IV. bestätigt dem Kloster Lichtenthal das Mandat Papst Innozenz IV. von 1251 bezüglich der Kirche zu Ettlingen. Iustis petentium desideriis” (GLA E Nr. 251)

Die Markgräfin lebte nun im Kloster und als sie am 24. Juni 1260 starb, wurde sie an der Seite ihres Mannes vor dem Hochaltar bestattet. Ihr Sohn Rudolf I. stiftete 1288 die Fürstenkapelle, wo auch er und seine Gemahlin Kunigunde von Eberstein und seine Nachkommen bestattet sind.

Die erste Äbtissin Trudlindis legte schon 1249 wegen schwerer Krankheit ihr Amt nieder und starb kurz darauf. Auf sie folgte Mechtild von Liebenstein 1249-1252. Sie war unter ihrer Vorgängerin Priorin. Sie resignierte aber nach drei Jahren. In ihrer Regierungszeit wurde der Klosterneubau vollendet.

Die Weihe des Klosterneubaus nahm der Deutschordenspriester und Bischof Heinrich von Streitberg vor. Wegen unhaltbarer politischer Zustände im Ermland hatte er 1250 resigniert. Während seiner Resignationszeit wirkte er als Weihbischof in Würzburg. Aus dieser Diözese stammte auch die dritte Lichtenthaler Äbtissin Adelheid von Krautheim. Sie war die Tochter von Wolfrad von Krautheim, dessen Burg im Jagsttal lag. Sie war Zisterziensernonne im Kloster Himmelpforten bei Würzburg. Die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Häusern Krautheim und Baden erklären, dass Adelheid von Würzburg nach Lichtenthal kam. Dort wurde sie 1252 zur Äbtissin gewählt. Sie dürfte auch Bischof Heinrich von Streitberg um die Weihe des Kloster gebeten haben.  Bischof Heinrich gewährte mit Zustimmung des Speyrer Bischofs einen jährlich zu gewinnenden Kirchweihablass. Er legte das Kirchweihfest in Lichtenthal auf den Sonntag vor Mariä Geburt fest.Sie wurde bis 1470 an diesem Tag gefeiert. In ihrer Regierungszeit gewährte Markgraf Rudolf I. 1256 die Teilhabe an der Nutzung der Allmenden der Stadt Baden. Papst Alexander IV. (1254-1261) legte am 13. Mai 1256 für das Kloster Lichtenthal eine Höchstzahl von Nonnen fest. “ Papst Alexander IV. stellt fest, dass die Zahl der Nonnen im Kloster Lichtenthal wegen der mäßigen Einkünfte der neuen Stiftung vierzig nicht überschreiten soll, und verbietet unter Androhung des Anathems, dass ohne besondere päpstliche Erlaubnis über diese Zahl hinausgegangen wird. Ne alicuius pretextu /” (GLA E Nr. 194). Der Posten der Äbtissin scheint sehr kräftezehrend gewesen zu sein, denn auch Adelheid sieht sich nach 5 Jahren Regierungszeit den Anforderungen gesundheitlich nicht mehr gewachsen und bat 1257 um Amtsenthebung. Auf sie folgte Mechtild von Wildenstein (1257-1258). Sie wurde 1257 zur Äbtissin gewählt und war vorher Priorin. Sie war eine der Religiosen, die aus Kloster Wald berufen worden war. Metza von Lichtenberg (1258-1263) hatte wohl wieder sehr enge verwandtschaftliche Beziehungen zum Hause Baden. Denn sie soll eine Schwester von Ludwig II. von Lichtenberg gewesen sein, der mit Elisabeth, der Stifterin Irmengards Tochter, vermählt war. In ihrer Regierungszeit wurden wieder mehrere päpstliche Schutzurkunden ausgestellt. Die bisher längste Regierungszeit erreichte Äbtissin Adelheid von Baden 1263-1295. Sie war eine Enkelin der Klosterstifterin und die Tochter des Markgrafen Rudolf I. Ihre Mutter entstammte dem Geschlecht der Grafen von Eberstein. Der Adel und das wohlhabenden Bürgertum aus dem Umfeld von Kloster Lichtenthal statteten ihre Töchter, die ins Kloster eintraten, durch Schenkungen an das Kloster gut aus. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts kam das Kloster so großem Streubesitz. 1281 inkorporierte der Speyrer Bischof Friedrich von Bolanden (1272 –1302)die Pfarrkirche zu Baden-Baden.(Willi,Dominicus in: Brunner, Sebastian, ein Zisterzienserbuch Geschichte und Beschreibung der bestehenden und Anführung der aufgehobenen Cistercienserstifte in Östereich, Ungarn, Deutschland und der Schweiz, Würzburg 1881, S. 654)

1288 schenkte Markgraf das Dorf Geroldsau im Grobbachtal samt allen darauf liegenden Rechten. (GLA  35 Nr.84). In diesem Jahr trat er auch den Zehnten und den Kehlhof in Steinbach ab.

1288 stiftete er die Fürstenkapelle als Begräbnisstätte für sich und seine Nachkommen. Nur wenige Tage nach der Stiftung der Kapelle verstarb Markgraf Rudolf. Seine Gemahlin Kunigunde überlebte ihn um drei Jahre. Wie schon Markgräfin Irmengard

verbrachte Kunigunde ihr Leben nach dem Tode ihres Mannes im Kloster Lichtenthal. Dort verstarb sie am 22. April 1290 und wurde an der Seite ihres Gatten in der Fürstenkapelle bestattet. Ihre Tochter, die Äbtissin Adelheid starb am 16. August 1295.

Die meisten Äbtissinnenverzeichnisse führen Kunigundis Gräfin von Zollern (1295–1310) als 7. Äbtissin von Kloster Lichtenthal. Maria Agnes Wolters schreibt in ihrem “Äbtissinennverzeichnis der Zisterzienserabtei Lichtenthal in den ersten zwei Jahrhunderten seit der Klostergründung” in Freiburger Diözesanarchiv 77,1957 S. 286-302 dass diese Nennung auf eine Verwechslung von Mutter und Tochter zurückzuführen sei. Sie führt als Nachfolgerin von Äbtissin Adelheid Adelheid von Lichtenberg, die auch 1312 urkundlich bezeugt ist. Adelheid stammte aus der Familie Lichtenberg. Die Herren von Lichtenberg waren im 13.und 14. Jahrhundert im unteren Elsass und im Raum Straßburg begütert. Ein Enkel des Stammvaters Ludwig I. der Vogt in Straßburg war, Ludwig II. war mit Elisabeth

Markgräfin von Baden verheiratet. Für sie war es die 2. Ehe. Sie war die Tochter von Markgrafen Hermann V. und der Klostergründerin Irmengard. Diese eheliche Verbindung spiegelt sich auch  bei der Besetzung des Lichtenthaler Äbtissinnenstuhls wider,denn immerhin zwei (oder drei, wenn man Maria Agnes Wolters folgt) Äbtissinnen kommen aus der Familie Lichtenberg Auf Adelheid von Lichtenberg folgt Adelheid von Elisabeth von Lichtenberg (1310–1320). In ihrer Regierungszeit stiftete die Witwe des Markgrafen von Baden Rudolf II. Adelheid von Ochsenstein den Gülthof in Sandweier. 1312 weihte der Speyrer Weihbischof die Fürstenkapelle mit fünf Altären.

Elisabeths Nachfolgerin war ihre leibliche Schwester Agnes von Lichtenberg (1320–1336). 1322 stellte Bischof Emicho von Speyer  (1314- 1328)

dem Kloster ein ganz wichtiges Dokument aus. Darin bestätigte er alle Papsturkunden, die Kloster Lichtenthal seit seiner Gründung erhalten hatte. Am Anfang dieser Bestätigung versicherte der Bischof, alle Urkunden, gesehen, gelesen zu haben und die Echtheit der Bullen überprüft zu haben. (GLA 35/2 und 35/6) Damit wurde Kloster Lichtenthal vom Diözesanbischof als dem Zisterzienserorden zugehörig dokumentarisch anerkannt.Bisher war es de facto als solches nur geduldet.In ihrer Regierungszeit schenkte Markgraf Rudolf III. dem Kloster den Hof in Balg, heute ein Ortsteil von Baden-Baden. In dieser Zeit wurden dem Kloster auch eine Reihe von Zollbefreiungen eingeräumt. Ludwig der Bayer gewährte einmal im Jahr für ein mit Wein oder anderen Gütern beladenes Schiff für das Kloster Lichtenthal auf dem Rhein völlige Zollfreiheit. (RI VII H. 2 n. 173 vom 18. Dezember 1332). Pfalzgraf Ruprecht der Ältere befreite das Kloster Lichtenthal und seine Tante, die Äbtissin Agnes Markgräfin von Baden für  50 Fuder Wein im Jahr von Rheinzöllen. (Ein Fuder entsprach im Großherzogtum Baden 1.500 Liter)(Zollprivileg vom 10. April 1355). Graf Johann von Katzenellenbogen, ebenfalls ein Verwandter von Äbtissin Agnes ,befreite Kloster ebenfalls für 50 Fuder Wein von Rheinzöllen. (11.August 1355)(Alle Zahlenangaben bei B. Bauer das Frauenkloster Lichtentthal, Baden-Baden 1896, S. 51)

Auf Agnes von Lichtenberg folgte Adelheid von Beuchlingen (1336-1338). Sie war die Witwe von Markgraf Friedrich von Baden( + 1333). Sie trat nach dem Tod ihres Mannes zusammen mit ihren Töchtern Agnes,Irmingard und Maria ins Kloster Lichtenthal ein.

1338 wurde Agnes Markgräfin zu Baden Äbtissin. Sie übte das Amt von 1338 bis 1361. In ihrer Regierungszeit blühte der Konvent. Er zählte 80 Mitglieder. Das Kloster wurde auch reich mit Schenkungen bedacht. 1340 schenkte der Edelknecht Wigand zu Berghausen und seine Frau Anna das Patronatsrecht der Kirche in Malsch. Am 3. Oktober zeigte er beim Bischof von Speyer die Schenkung an und bat “um Bestätigung derselben und die Einverleibung der Kirche in das Kloster, damit dieses in den Genuß der Einkünfte jener kommen könne” (J. Dambacher, Urkundenarchiv des Klosters Lichtental (in:Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 7 1856 S. 472)1341 übergab Markgraf Hermann IX. (1333-1353) den Kirchensatz und die Kollatur (das Recht, eine geistliche Stelle zu besetzen)der Kirche von Steinbach. 1342 wurde die Kirche inkorporiert.( Beleg der Daten bei Bauer S. 49, Anmerkungen) 1344 schenkte Markgraf Rudolf IV. († 1361) dem Kloster das Patronatsrecht von Pforzheim. Das Kloster richtete im Gegenzug einen
Jahrtag für den 1332 verstorbenen Rudolf III. ein. Rudolf IV. war in erster Ehe mit Luitgard von Bolanden (gestorben 1324 oder 25)verheiratet. Ihre Schwester Anna lebte als Zisterzienserin im Kloster Kirschgarten in Worms. Anna besaß einen berühmten Deutsch-Lateinischen Psalter, heute als Codex Lichtenthal 37 in der Badischen Landesbibliothek. Dieser kam an Maria von Öttingen, die zweite Gattin von Annas Schwager Rudolf. Nach dessen Tod trat Maria von Öttingen in dass Kloster Lichtenthal ein. So gelangte der Codex in den Besitz des Klosters. Die Pfarrkirche von Pforzheim wurde am 5. Juni 1344 durch Bischof Gerhard von Speyer(1336 –1363 ) in Kloster Lichtenthal inkorporiert.Im Urkundentext wird darauf hingewiesen, dass sich Kloster Lichtenthal in großer Not befand.

“Bischof Gerhard von Speyer inkorporirt dem in großer Noth befindlichen Kloster Lichtenthal bei Beuren die Pfarrkirche in Pforzheim auf Bitten und mit Genehmigung des Patrons dieser Kirche des Markgrafen Rudolfs IV. von Baden, und mit Zustimmung des Domkapitels in Speyer, sammt ihrem ganzen Einkommen, aus welchem jedoch dem von der Äbtissin zu präsentirenden Pfarrverwesers, der ein tauglicher Weltgeistlicher sein muß, seine Congrua gereicht werden soll.” (J. Dambacher S. 490) 1348 schenkten die Markgrafen Friedrich III. (1348-1352) und Rudolf V.(1348-1361) dem Kloster das Patronatsrecht in Haueneberstein. B.Bauer S. 50/51)

Äbtissin Agnes verstarb 1361. Auf sie folgte Adelheid von Tübingen (1361-1367). Maria Agnes Wolters  führt das Äbtissinnenverzeichnis wieder etwas anders weiter. Sie lässt auf Adelheid von Tübingen nicht Adelheid Gräfin von Herrenberg folgen. Sie sagt Adelheid von Tübingen und Adelheid von Herrenberg seien ein und dieselbe Person. Bei ihr folgt Kunigunde von Zollern, 1367-81 (s.o.) Bei der Inkorporationsurkunde der Pfarrkirche von Pforzheim wurde auf die Not des Klosters hingewiesen. Zwar hatte das Kloster einen großen Besitz und gute Einkünfte. Aber es war gezwungen damit haushälterisch um zu gehen. Eine Urkunde illustriert das. “Am 8. Juli 1366 bestimmen Äbtissin Adelheid und der Konvent zu Lichtenthal mit Beratung und Genehmigung ihres Visitators Abts Gottfried von Neuburg, die Anzahl der Personen im Kloster auf 60 nämlich 51 Frauen, die den Schleier haben, und 9 dienende Schwestern, um das Kloster vor Noth und Schulden zu bewahren, da eine grössere Anzahl zu erhalten, dasselbe nicht vermöge. Nur bei Prinzessinnen der fürstlichen Familie solle Ausnahme stattfinden dürfen” (J. Dambacher S. 344).

Der Personalstand unter Äbtissin Adelheid sank dann auch auf 52 Nonnen.

Karl IV. gab Kloster Lichtenthal am 16. April 1361 ein Zollprivileg, in dem ebenfalls auf die Armut des Klosters hingewiesen wird. “Karl IV. tut der Äbtissin und dem Konvent zu Lichtenthal grauen Ordens Speyrer Bistums wegen seiner Armut die Gnade, jährlich 50 Fuder Weins Zollfrei auf dem Rhein zu führen, wofür sie ihm und seinen Vorfahren und Nachkommen am Reich jährlich am St. Wenzelstag eine Singmesse halten sollen.” (RIplus Regg. Karl IV. (Diplome) n. 5313)

Gegen Ende des 13. Jahrhunderts und noch mehr Anfang des 14. Jahrhunderts gingen die Schenkungen spürbar zurück. Ein Niedergang des geistlichen Lebens und der Ordensdisziplin waren ebenfalls zu verzeichnen. Auch dass der Äbtissinnenstuhl über mehrere Jahre nicht besetzt war, deutet auf Schwierigkeiten hin. Nach dem Tod von Adelheid Gräfin von Lichtenberg (1407-1413) trat eine zehnjährige Sedisvakanz ein.Mit Adelheid von Helfenstein (1423-1447)wurde eine neue Äbtissin gewählt. Solche Probleme trafen nicht nur Lichtenthal. Not und Armut vieler Klöster machte diese abhängiger von Wohltaten der Landesherren, dem übrigen Adel und dem wohlhabenden Bürgertum. Dies wieder verpflichtete die Klöster zur vermehrten Aufnahme der nachgeborenen Töchter. Dadurch kamen viele Frauen nicht aus monastischer Berufung sondern aus Versorgungsgründen ins Kloster. Auch führten solche Nonnen mit dem ihnen von ihren Familien zugewiesenen Vermögen ein freies Leben und unterwarfen sich nicht den klösterlichen Leben, was natürlich innerhalb der Konvente zu Spannungen und Zerwürfnissen und dem Zerfall überkommener Ordensgewohnheiten führte.
Dazu kamen die politischen Umstände, Spannungen im Reich und das Schisma der Päpste. Das Generalkapitel in Citeaux beschloss am 14.September 1426  eine Reform von Kloster Lichtenthal. In der Urkunde heißt es: “Wir, Bruder Johannes,Abt von Cisterz, und die übrigen Definitoren des Generalkapitels des Cistercienserordens, tun kund, daß im Jahre 1426, am 14. September, auf genanntem Generalkapitel, das zu Cisterz tagte, folgende Anordnung getroffen worden ist: Das Kapitel überträgt den Äbten von Lützel, Maulbronn und Herrenalb, und im Fall, daß alle drei zugleich in gegenwärtiger Sache nicht frei wären, zweien von diesen mit aller möglichen Pietät des Kapitels und seinen besten und vernünftigen Klauseln die Reformation des Klosters Lichtenthal, wo, wie es dem Generalkapitel zu Ohren gekommen ist, die reguläre Observanz fast gänzlich daniederliegen soll zum Gespött des Volkes, zum Nachteil des Ordens, zum Ärgernis vieler — und zwar die Reformation an Haupt und Gliedern nach vorausgegangener Untersuchung über Unordnungen in Leben, Sitten und Umgang der Nonnen des genannten Klosters Lichtenthal. Und je nachdem, was sie vorgefunden und ihnen nützlich erscheint,werden sie alle Nonnen des genannten Frauenklosters kraft der Autorität des Kapitels in andere Frauenklöster vorerwähnten Ordens schicken, mitsamt ihren beweglichen Gütern, und statt ihrer genanntes Kloster mit Mönchen besetzen, um in Zukunft dort das göttliche Offizium zu verrichten.Gegeben zu Cisterz unter dem Siegel der Definitoren, Jahr und Tag wie oben. (Der Abt) von Clairefontaine.“ (Urkunde Uk. v. 1426, Sept 14; Can. IV, 304; 1426/32; Orig. LKA Nr. 26.) Die Äbte von Kloster Lützel Abt Konrad Holziker (1409-1443), Maulbronn Abt Albrecht von Ötisheim (1402-1428)und Herrenalb Abt Heinrich von Magstadt (urkundete erstmals 1427 letztmals 1452)waren vom Generalkapitel also ganz formell beauftragt worden 1422 hatte Kloster Maulbronn schon die Reform von Kloster Königsbrück im Heiligen Forst bei Haguenau im Elsass übernommen. Jegliches Privateigentum wurde abgeschafft. Der ganze Konvent sollte wieder aus den gemeinsamen Einkünften leben. Auch die Klausur sollte wieder eingehalten werden und das Chorgebet regelmäßig verrichtet werden. Abt Holziker war  der  offizielle Konzilsabgeordnete für das Konstanzer Konzil des Generalkapitels der Zisterzienser. Er hatte sich nachdrücklich für eine Ordensreform und die Wiederherstellung der Ordensdisziplin ausgesprochen. Er hatte auch einen lateinischen
Traktat über die Missbräuche in Klöstern geschrieben und darin regelwidriges Verhalten scharf verurteilt. Abt Albrecht  hatte im März 1407 den Kurfürstensohn getauft.

Nonnen aus dem Kloster Königsbrück halfen bei der inneren Erneuerung. Auch Markgraf Bernhard I. (1364- 1431) unterstützte die Forderungen der Reform nachdrücklich. Er machte auch während der Ordensreform in Lichtenthal seinen Einfluss geltend.

1430 beaufragte das Generalkapitel Abt Johann von Neuburg, den Vaterabt von Lichtenthal mit der weiteren Reform im Kloster Lichtenthal und zwar wie in der Urkunde vermerkt wird, ad requestam domini marchionisBadensis“ (Ca. IV, 350; 1430/44)

Noch 1430 wurden die Äbte von Neuburg, Maulbronn und Bebenhausen als gemeinsame Visitatoren und Reformatoren von Kloster Lichtenthal eingesetzt. Auch das geschah auf ausdrückliche bitte des Markgrafen. (Can. IV, 355; 1430/69)

Markgraf Bernhard I verstarb am 3. Mai 1431. Auf ihn folgte sein Sohn Markgraf Jakob (1431 bis 1453) Auch er unterstützte die Reform von Kloster Lichtenthal weiter. Unter seiner Schutzherrschaft führten die Äbte von Neuburg Johann Ganser (1427 bis 1442)

Bebenhausen Abt Heinrich, Edler von Hailfingen (1412 bis 1432) und Maulbronn Abt Johann von Gelnhausen (1430-1439)die Reform des Kloster Lichtenthals weiter. Abt Johann Ganser vermittelte 1434 auch die Erneuerung des Zollprivilegs für Lichtenthal durch Kaiser Sigmund (GLA 35/3). Abt Johann von Gelnhausen war ursprünglich Karthäuser.Er trat zu den Zisterziensern über, war zunächst Prior in Kloster Stams und wurde 1430 Abt in Maulbronn. Das Konzil von Basel beauftragte ihn 1431 mit den Friedensverhandlungen mit den Hussiten. Er unterrichtete Kaiser Sigmund vom guten Ausgang seiner Verhandlungen, wie dieser an einen Brief wohl am 29. Juni 1434 an den Führer der Taboriten schreibt. (RI XI, 2 N. 9191).

Der neue Markgraf kümmerte sich vor allem um die Sanierung der  wirtschaftlichen Verhältnisse von Kloster Lichtenthal

Um 1440 wurde Elisabeth Wiest von Königsbrück nach Lichtenthal berufen.

Elisabeth wurde 1447 zur Äbtissin (1447-1460) gewählt. Sie war die erste Reformäbtissin aus Königsbrück und die erste bürgerliche Äbtissin. Auch das Augenmerk der neuen Lichtenthaler Äbtissin konzentrierte sich zunächst auf die Bereinigung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Sie kaufte 1467 das Schaffnereihaus mit Scheuer und Hofraite in Pforzheim. Innerhalb des Konventes baute man das Eigentumsdenken allmählich wieder ab und versorgte die Nonnen aus dem gemeinsamen Besitz der Abtei. Auch Markgraf Johann achtete darauf, dass Klosterfrauen zustehende Erbgüter von den Verwandten an die Abtei gegeben wurden.  In ihrer Regierungszeit entstand erstmals eine eigene Schreibstube in Lichtenthal. Mehrere Nonnen beteiligten sich in diesem Skriptorium an der Buchproduktion. Nun konnten Handschriften vor Ort abgeschrieben werden und das Kloster war nicht mehr auf die Lieferung auf die Lieferung von benachbarten Klöstern angewiesen. Das Skriptorium erledigte nun auch Verwaltungsarbeiten. Eine Schreiberin des Klosters ist namentlich bekannt. Sie hieß Margaretha und hatte den Beinamen “Regula”, vielleicht eine Anspielung auf ihre Strenge und ihren Beruf als Schreib-und Lesemeisterin. Möglicherweise kam sie 1440 mit Elisabeth Wiest aus Königsbrück. Regula war nicht nur mit dem Abschreiben von Manuskripten beschäftigt. Sie bearbeitet diese auch, wovon viele ihrer Randnotizen Zeugnis ablegen. Sie überlegte auch, welche Literatur für ein Frauenkloster passen könnte. In ihren Aufgabenbereich fiel auch die Zusammenstellung und die Übersetzung  vom Lateinischen ins Deutsche der täglichen Lesetexte.Handschriften der Schwester Regula befinden sich außer im Lichtenthaler Archiv auch im Generallandesarchiv Karlsruhe und in der Bibliothèke nationale et universitaire in Straßburg. Der vermutlich älteste Codes von Regulas Hand ist eine Sammelhandschrift um 1450 verfasst und war, wie sich aus den Randnotizen erschließen lässt, bis ins 17. Jahrhundert im Kloster Lichtenthal im Gebrauch. Der Codex ist mit 40 meist quadratischen Federzeichnungen ausgeschmückt. Die Ausschmückungen wurden sicherlich in einer elsässischen Werkstatt angefertigt.  (Karlsruhe Badische Landesbibliothek, Cod.Lichtenthal 70). Das Buch von den heiligen Mägden und Frauen (Karlsruhe Badische Landesbibliothek, Cod.Lichtenthal 69) stammt ebenfalls von Regulas Hand. In dieser Sammelhandschrift ist auch das Traktat “Von wahrer Armut” enthalten (Bl. 265 r,266 r).

Die Lichtenthaler Klosterreform hatte als zentrale Forderung auch die stärkere Einhaltung des Armutsgelübdes und so zeigt Regulas Schreibtätigkeit auch  das Bemühen um Neustrukturierung des Gemeinschaftslebens im Sinne der Klosterreform.

Die Reformphase zeigt sich auch am Bestand der nachweisbaren Handschriften im Kloster Lichtenthal. Zunächst ist der Einfluss von Kloster Neubourg innerhalb der liturgischen Handschriften noch sehr stark. Aber zunehmend gewinnen die Konvente von Maulbronn und Herrenalb mehr Gewicht. So finden sich zahlreiche Handschriften des Herrenalber Mönchs Johannes Zürn aus Neibsheim in Lichtenthal (siehe Mei Büchle Kloster Herrenalb).

Der Markgraf sah sich nicht nur als “Schirmer” der Abtei sondern als deren Kastenvogt, wie er in seinem Testament vom 11. April 1453 schrieb. Ein Kastenvogt hatte nicht nur die Schutzaufsicht über ein Kloster inne und dessen Gerichtsbarkeit und die Vertretung vor Gericht, sondern auch bestimmte Aufgaben in der klösterlichen Wirtschaftsführung. Auch verfügte er, dass markgräfliche Töchter, falls sie ins Kloster kommen, diese nur an reformierte Konvente gegeben würde.

Auf Markgraf Johann  folgte Markgraf Karl I. (1453-1475).Er war mit Katharina von Österreich verheiratet, der Schwester des späteren Kaisers Friedrich III. 1456 setzte Karl Grenzen des Klostergebiets fest. (GLA 35/4). In dieser Urkunde bestimmte er auch, dass die Leibeigenen des Klosters bei den Jagden des Markgrafen in den Klosterwaldungen behilflich sein mussten. im Gegenzug befreite er das Kloster von beträchtlichen Abgaben.

In Karls Regierungszeit wird erstmals eine Äbtissin Anna genannt. Sie stammte aus der Familie Strauler. Ihr Wappen deutet auf elsässischen Ursprung. Sie kam wohl auch aus dem Reformkloster Königsbrück.

Die Erneuerung des Kloster zeigte sich auch in der Errichtung des Frauenchors, der am 11. Juni 1470 vom Speyrer Weihbischof Johannes  geweiht.

Am 24. Februar 1475 starb Markgraf Karl ganz unerwartet. Auf ihn folgte Markgraf Christoph I. von Baden (1475-1515). Er hatte im Jahre 1468 zusammen mit  Eberhard im Bart Herzog von  Württemberg-Urach eine Pilgerfahrt nach Jerusalem unternommen, wo er zusammen mit seinen 24 Begleitern zum Ritter vom Heiligen Grab geschlagen wurde. Die engen Beziehungen der Abtei zum Haus Baden zeigten sich auch darin, dass unter Christoph nacheinander zwei Markgräfinnen von Baden Äbtissinnen von Kloster Lichtenthal wurden. Christoph hatte wohl bald nach seinem Amtsantritt mit Äbtissin Anna wegen deren Resignation verhandelt. Anna trat zurück und machte so den Weg frei für Christophs Schwester Margaretha von Baden. Sie urkundete 1476 erstmals als Äbtissin von Lichtenthal. Christoph griff in wirtschaftlichen Angelegenheiten der Abtei immer ordnend ein, wenn es rechtliche Unklarheiten gab.

1473 war eine Gesandtschaft des Generalkapitels bei Papst Sixtus IV (1471-1484). Da Freiheiten und Privilegien durch weltliche und geistliche Gewalten oft missachtet werden, sollte die Delegation beim Papst Abhilfe schaffen. In seiner Bulle vom 13. Dezember 1475 bestätigte er die Rechte  Privilegien des Zisterzienserordens. Er sicherte dem Orden auch seinen Schutz gegen Eingriffe von außen zu. Für alle Angehörigen des Zisterzienserordens gewährte er einen vollkommenen Ablass in der Sterbestunde. In einem nicht an die Klöster weitergegebenen Teil der Bulle erhielt der Generalabt von Papst Sixtus das Recht, in Ausnahmefällen Fleischgenuss zu erlauben. Für Frauenklöster konnte der Vaterabt oder der ihn vertretende Visitator diese Erlaubnis erteilen. In Lichtenthal war 1486 schon Fleischgenuss erlaubt. Die Erlaubnis hatte wohl ein Maulbronner Abt gegeben. In Maulbronn war gelegentlicher Fleischgenuss schon vor dem päpstlichen Erlass geduldet

 

Als Kaiser Friedrich III. im September 1485 für ein paar Tage in Baden weilte, bestätigte er dem Konvent von Lichtenthal und der Äbtissin Margaretha, seiner Nichte, alle Freiheiten und Privilegien der Abtei, wobei die alte Zollfreiheit auf dem Rhein besonders erwähnt wurde. Äbtissin Margaretha starb 1495 in Lichtenthal. Auf sie folgte Christophs Schwester Maria. Sie war von 1496–1519 Äbtissin im Kloster.

Die Bestätigung aller Rechte, die seine Vorfahren der Abtei verliehen hatten, nahm Christoph am 25. Juni 1509 auch vor. (GLA 35/6)

1515 musste Christoph körperlich und geistig geschwächt die Regentschaft an seine Söhne Bernhard, Philipp und Ernst abtreten. 1516 wurde er unter Vormundschaft seiner Söhne gestellt. Er starb 1527 in geistiger Umnachtung.

1508 führte sein Sohn Philipp I. als Statthalter die Regierungsgeschäfte. Als Christoph 1515 entmündigt wurde, kam es zur Landesteilung, die Christoph eigentlich vermeiden wollte. Philipp erhielt die Markgrafschaft Baden und die Orte Altensteig, Beinheim, Neuenburg und Weingarten und die halbe Grafschaft Eberstein und die Herrschaften Lahr und Mahlberg, sein jüngerer Bruder Ernst Hachberg, Rötteln, Sausenberg und Badenweiler, der ältere Bernhard die linksrheinischen Besitzungen. 1515 trat Philipp die Herrschaft in seinem Landesteil  an. Wie sein Vater und sein Großvater schloss er sich eng an Habsburg an.

Mit dem Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 an die Schlosskirche in Wittenberg wurde die Reformation eingeleitet
Am 9. Januar 1519 starb Maria Markgräfin von Baden. Rosula Röder wurde zu Nachfolgerin gewählt. Sie regierte bis 1544. Sie war eine Tochter des badischen Ministerialen Anton Röder von Hohenrodeck. Rosula war zusammen mit ihrer Schwester Eva 1490 ins Kloster Lichtenthal eingetreten. Ihre Regierungszeit war geprägt von der geistigen Auseinandersetzung mit der von Wittenberg ausgehenden neuen Lehre.

Natürlich war es jetzt zu Beginn der Reformation für das Kloster wichtig, welche Position der Landesherr in Religionsfragen einnahm. Margraf Philipp nahm eine völlig eigenständige Position ein. Er sah sich als Verantwortlichen für die kirchlichen Verhältnisse in seinem Territorium. Sein wichtigster Ratgeber für Religionsfragen war der Rechtsgelehrte und Humanist Dr. Hieronymus Vehus. Dieser hatte mit Unterstützung von Markgraf Christoph in Freiburg studiert und dort das weltliche und kirchliche Recht studiert.1510 hatte er in Freiburg promoviert. Bis 1514 hatte er eine Professur an der Universität Freiburg inne. Dann trat er in den markgräflich-badischen Dienst . Als Kanzler bestimmte er nun die badische Politik. 1521 begleitete er Philipp zum Reichstag nach Worms und versuchte dort im Auftrag des Kaisers und der Reichsstände zusammen mit dem Augsburger Humanisten Dr. Konrad Peutinger eine Verständigung mit Martin Luther herbeizuführen. Auch auf dem Nürnberger Reichstag von 1524 war er anwesend und verhandelte dort mit dem päpstlichen Legaten Campeggio. Für den Augsburger Reichstag von 1530 legte er das Augsburger Libell vor, in dem er für eine vorerst  politische Lösung plädierte, bis ein vom Papst einzuberufendes Konzil eine endgültige Entscheidung treffe.

Zum Kloster Lichtenthal hatte Vehus eine besondere Beziehung. Seine Schwester Elisabeth war Nonne in Lichtenthal. Sie starb dort im November 1545 (GLA 64/47) und seine Tochter Barbara war von 1551–1597 Äbtissin in Lichtenthal. Hieronymus Vehus war die absolute Vertrauensperson Philipps, was sich einmal in der langjährigen Dauer seiner Tätigkeit zeigte und auch in den Handlungsspielräumen, die der Markgraf seinem Kanzler einräumte. In der Markgrafschaft konnte Vehus seine religionspolitischen Vorstellungen wie Priesterehe oder die Darreichung des Laienkelches durchsetzen. Er gilt als der Verfasser der Religionsmandate. Darin werden “disputierliche Punkte” zur Sache der Gelehrten erklärt, mit denen Prediger das Volk nicht beunruhigen sollen. Markgraf und Kanzler blieben zeitlebens ihrem alten Glauben treu. Aber auch der Markgraf verhielt sich pragmatisch. Franz Irinikus hatte in Heidelberg studiert. Als Luther in Heidelberg war, wurde er überzeugter Lutheraner. Seit 1519 war er Stiftsherr und Pfarrer in Baden-Baden. Philipp machte ihn zu seinem Hof-und Reiseprediger. Als das Religionsmandat von Philipp die Priesterehe erlaubte, heiratete Irenikus. Er hatte auch gute Beziehungen zu Oekolampadius, dem Basler Reformator. Erließ zu, dass in Baden reformatorische Schriften gedruckt wurden. 1529 veranlasste er selbst in Durlach den Druck eines Teiles der Lutherbibel.

Ende 1524 wurden vor allem in Süddeutschland die Bauern immer unruhiger bis dann Anfang 1525 der offene Aufstand ausbrach. Am 24. Januar 1525 konnte der Antrag der Bauern des Kloster Lichtenthals, einen Weg durch die Rothäcker zum Brunnen noch mit Schiedsspruch gelöst werden. Im April 1525 plünderten die aufständischen Bauern die Klöster Herrenalb, Frauenalb und Gottesaue und Schwarzach. Auch in die Städte Ettlingen und Baden fielen die Bauern ein. Kloster Lichtenthal kam unbeschadet durch den Bauernkrieg, was man im Kloster der Fürbitte und dem vertrauensvollen Gebet vor der Marienstatue der Fürstenkapelle zuschrieb.Schlimmer erging es vielen anderen Klöstern. Nicht nur die benachbarten Abteien kamen zu Schaden. Das Mutterkloster Neuburg (s.u.)wurde genauso geplündert wie dessen Mutterkloster Lützel (siehe Mei Büchle). Aber auch die Zisterzienserinnenklöster Marienau vor Breisach, Wonnenthal bei Kenzingen und Kloster Tennenbach wurden gebrandschatzt. Tennenbach war sogar auf Jahre unbewohnbar.Markgraf Philipp befahl zur Abschreckung die Brandschatzung des Dorfes Berghausen. Doch dadurch kam es erst recht zum Aufruhr und Philipp erkannte dass nur Verhandlungen die Lage beruhigen konnten. Er erließ ein zweites Religionsmandat. Darin kam er den Bauern bezüglich der Geistlichen entgegen. Auch griff er jetzt in die Rechte der Kirche ein und erlaubte Priestern die Ehe. An Karfreitag 1525 hatten Elsässer Bauern das Kloster Neubourg , die Mutterabtei von Kloster Lichtenthal, überfallen und geplündert. Der Aufstand drohte über den Rhein zu schwappen. Dort plünderten aufständische Bauern die Abtei Schwarzach und lagen vor Oberkirch, die Stadt die den Bischöfen von Straßburg gehörten. In Achern trafen sich nun Beauftragte  der Stadt Straßburg, Markgraf von Baden, Bistum Straßburg, Hanau-Lichtenberg, Landvogtei und Ritterschaft regelt in 12 Artikeln die strittigen Punkte mit den Bauern: Aufhebung der Leibeigenschaft, Abschaffung des kleinen Zehnten (der vom Holz, Obst, Rüben und Vieh zu entrichten war), Umwandlung des Hanf- und Heuzehnten in einen Zwanzigsten, zugunsten der Bauern Neuregelung des Jagdrechts und der Waldnutzung. Nun durften Bauern außer schädlichen Tiere auch Wildschweine jagen. Beschränkung der Frondienste auf 4 Tage im Jahr, Aufhebung des Todfalls, Mitwirkung der Gemeinden bei der Besetzung der Pfarreien. Für den Markgrafen verhandelte der badische Kanzler Vehus, für Straßburg der Ritter Bernhard Wormser  und dann noch Kaspar Rommel.

auf der Seite der Aufständischen verhandelte der Willstätter Wirt Wolf Schütterlin . Zwei Tage später traf man sich nochmals in Renchen und schloss am 25.04. 2525 einen Vertrag. Damit konnte Philipp die Lage soweit entschärfen, dass ein Eingreifen des Schwäbischen Bundes vermieden werden konnte. (Der Vertrag beim Generallandesarchiv Karlsruhe unter GLA 74/4321, f)Den Vertrag bestätigten Markgraf Phlipp, der Straßburger Bischof Wilhelm III. von Hohnstein, die Grafen von Hanau-Lichtenberg und Fürstenberg, die Ortenauer Ritterschaft und den für die übrigen Gemeindevorsteher urkundenden Schultheißen von Oberkirch, Stollhofen, Steinbach, Lichtenau, Bühl, Achern, Bischofsheim, Willstätt, Oppenau und Staufenberg. Das Domkapitel von Speyer war mit dem Vertrag von Renchen allerdings nicht einverstanden wegen der Verfügungen Philipps bezüglich des Klerus. Man sah das als Eingriff in die diözesanen Rechte Speyers und klagte dagegen beim beim Statthalter des Erzstiftes Mainz.

Durch den Reichstagsabschied vom Reichstag in Augsburg 1526 sah sich Markgraf Philipp in seiner Haltung bestätigt. In § 4 des Abschieds versprechen die Reichsstände bis zur Einberufung eines Nationalkonzils “für sich also zu leben, zu regieren und zu halten, wie ein jeder solches gegen Gott, und Käyserl. Majestät hoffet und vertraut zu verantworten”. Das bedeutete, dass das  Entscheidungsrecht im Glaubensfragen faktisch auf die einzelnen Reichsstände verlagert wurde. Gegenüber dem Kloster Lichtenthal achtete Philipp auf die Wahrung der Ordensexemtion gegenüber der geistlichen Gewalt,dem jeweiligen Fürstbischof von Speyer. Er ließ einerseits die geistliche und disziplinäre Betreuung Lichtenthals durch den Zisterzienserorden zu. Andrerseits brachte er das Kloster in seine Abhängigkeit, die das Ordensrecht verletzte. So hatte er nach dem Bauernkrieg die Aufnahme neuer Novizinnen und auch die Ablegung der Profess unter seine Kontrolle gestellt. Auch wollte er im Oktober 1525 das Amt des Beichtvaters nicht mehr durch einen Ordensangehörigen, sondern durch einen von ihm bestellten Weltpriester versehen lassen. Erst nach einem schriftlichen Gesuch an Philipp wurde der Herrenalber Mönch Sebastian Metzger, der sich zeitgemäß oft auch in der latinisierten Form seines Familiennamens “Lanius” nannte.Er stammte aus Calw, hatte in Heidelberg studiert (G. Toepke, Die Matrikel der Universität Heidelberg I, Heidelberg 1884, 514 . Im Matrikelverzeichnis wird er als Sebastian Metzger, ex Monasterio Alba dominorum  geführt)In Herrenalb hatte er das Amt des Pförtners versehen, wie dem Protestschreiben des Herrenalber Konvents an Herzog Ulrich zu entnehmen ist, das er mitunterzeichnet hatte und in dem der Konvent wegen der Verwüstungen im Bauernkrieg an den Landesherren gerichtet hatte. Auch wegen der Professen musste Äbtissin Rosula bei Philipp vorstellig werden. Es ging hierbei um die Tochter des Landvogtes von Hagenau

Markgraf Philipp I. von Baden starb am 17. September 1533. Er wurde in der Stiftskirche in Baden-Baden beigesetzt. Da ihn nur seine Tochter Jakobäa überlebt hatte, fiel das Erbe an Philipps Brüder Brüder, Ernst und Bernhard III. Diese teilten das Land in die Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durlach. Die Teilung sollte bis 1771 bestehen bleiben.

Die letzten Regierungs-und Lebensjahre von Äbtissin Rosula waren geprägt von den Auswirkungen der Reformation. Während sich Markgraf Philipp der neuen Lehre gegenüber eher abwartend verhalten hatte und vom Grundsatz aber dem alten Glauben treu blieb,

förderte Bernhard III. die Reformation in seiner nur kurzen Regierungszeit. So führte er den evangelischen Gottesdienst ein. Nur im Kloster Lichtenthal, der Kirche des Franziskanerklosters Fremersberg und der Stiftskirche in Baden-Baden gab es noch regelmäßig katholische Gottesdienste. Eine weitere Schwierigkeit trat ein. Die nahe gelegenen württembergischen Zisterzienserklöster Herrenalb und Maulbronn wurden 1535 durch Herzog Ulrich von Württemberg aufgehoben (siehe Mei Büchle Kloster Maulbronn und Herrenalb).Für Lichtenthal bedeutete es, dass es seine geistliche Betreuung verlor. Denn sowohl Kloster Maulbronn als auch Kloster Herrenalb, beides Tochtergründungen von Kloster Neubourg, schon allein wegen der räumlichen Distanz wurde die Rolle des “pater immediatus” immer wieder vom eigentlichen Mutterkloster Neubourg übertragen. Das verschärfte sich später auch wegen der zunehmenden Spannungen zwischen Frankreich und den Nachbarn im Osten. Schon 1243 hatte sich der Abt von Maulbronn in einer Urkunde von 1243 gegenüber dem Markgrafen von Baden, also noch vor der eigentlichen Gründung des Frauenkonvents in Lichtental “über die geistlichen Frauen zu Lichtenthal väterlich zu wachen” (zitiert in Lucida vallis, Das Kloster Lichtenthal als Zentrum kultureller Überlieferung, Badische Landesbibliothek, Karlsruhe 2018 S.92) Gegen Ende des 15. Jahrhunderts scheint diese Rolle zunehmend der Abt von Herrenalb übernommen zu haben. Zwischen Herrenalb und Lichtenthal gab es außerdem geradezu verwandtschaftliche Beziehungen. Es lassen sich mehrere Geschwisterpaare nachweisen, die zeitgleich in den beiden Klöstern waren. (ebda S. 93).

Für Äbtissin Rosula war es nun wichtig, einen Visitator für das Kloster zu erhalten, denn ohne Visitator wäre der Anschluss an den Orden gefährdet gewesen. Abt Lukas von Herrenalb konnte dieses Amt nicht mehr wahrnehmen, den er war von Herzog Ulrich

auf dem Hohenasperg gefangengesetzt worden unter der Anschuldigung, beschlagnahmtes Klostergut unterschlagen zu haben. Er starb  am 11. September 1546 im Gefängnis. Rosula bat die badische Regierung, Abt Johann Ylin (1533-1543) vom Kloster Neubourg

mit der Visitation Lichtenthals zu beauftragen. Dieser Bitte kam er nach. Einen Beichtvater für Lichtenthal konnte er nicht stellen. Denn das Kloster war ja im Bauernkrieg zerstört worden, wobei auch die kostbare Bibliothek verbrannt war. Man hatte in Neubourg

sicher ganz andere Sorgen. Man musste den Wiederaufbau der zerstörten Abtei bewältigen. P. Sebastian Metzger war 1535 von Äbtissin Rosula in Lichtenthal eingepfründet worden. Dort hatte er seit 1525 als Beichtvater gewirkt.Aus seiner Zeit stammen mehrere Frühdrucke in der Lichtenthaler Bibliothek.

Aus dem aufgehobenen Kloster Bebenhausen waren zwar die dem alten Glauben treu gebliebenen Mönche in Tennenbach geblieben. Da dieses aber ebenfalls im Bauernkrieg zerstört worden war, konnte auch von dort kein Beichtvater abgegeben werden.

Kloster Maulbronn, dessen Konvent nach der Aufhebung des Klosters vom Abt von Citeaux nach Pairis im Elsass verlegt worden war, konnte ebenfalls keinen Priestermönch abstellen, so dass Äbtissin Rosula erstmals einen Weltpriester als Beichtvater anstellen musste. Magister Wolfgang Sparbrot aus Niederschopfheim übernahm dieses Amt bis zum 18. März 1551 . Seine Schwester Barbara war Klosterfrau in Lichtenthal.

Am 30. August 1544 starb Äbtissin Rosula Röder. Aus ihrem Besitz stammt ein lateinischer Psalter mit französischem Anhang. Im Kloster existiert ein kleiner Hausaltar aus der Zeit um 1520.  Der  Flügelaltar zeigt in geschlossenem zustand die beiden für den Zisterzienserorden wichtigsten Heiligen  Benedikt von Nursia und Bernhard von Clairvaux. Die Innenseite zeigen zwei weibliche heilige und zwar die Euphrosyne (rechts) und die heilige Rosula (links). Diese ungewöhnliche Auswahl legt die Vermutung nahe, dass der Altar für Äbtissin Rosula angefertigt worden ist.

Markgraf Bernhard III. von Baden starb am 29. Juni 1536. Aus seiner Ehe zwei Jahre vor seinem Tod mit Franziska von Luxemburg stammten zwei Söhne, Philibert und Christoph. Er hatte noch zahlreiche andere Nachkommen, von denen sechs Söhne bekannt sind.

Für Philibert und Christoph wurde eine Vormundschaftsregierung mit Herzog Wilhelm IV. von Bayern, der Pfalzgraf Johann II. von Simmern und Graf Wilhelm von Eberstein. eingesetzt. Alle drei blieben beim alten Glauben. Nun sollte die katholische Religion in

Baden wieder eingeführt werden.

Nach dem Tod von Äbtissin Rosula war eine schnelle Nachfolgeregelung ebenfalls wichtig. Der Konvent von Lichtenthal bat die Vormundschaftsregierung, den Abt von Eußerthal nach Lichtenthal  kommenzu lassen, um der Wahl einer neuen Äbtissin zu präsidieren.

Abt Weygandt von Eusserthal (1521-1551) wollte nicht in einer fremden Herrschaft tätig werden ohne die Einwilligung seiner eigenen Herrschaft oder deren Amtsleute. Als Georg von Fleckenstein für das Rätekollegium die notwendige Regelung traf, konnte am

8. September 1544 die Wahl stattfinden, aus der Anna von Moersberg (1544–1551) als Äbtissin hervorging. Sie war die letzte adlige Äbtissin von Kloster Lichtenthal und stammte aus der Familie der Freiherren von Moersberg und Belfort. Nach ihr gab es nur noch bürgerliche Äbtissinnen. Sie regierte knapp sieben Jahre und verfasste eine “Schaffnerordnung”. Sie reichte diese dem badischen Kanzler Ulrich Langenmantel, der als bayrischer Vertreter im Vormundschaftsrat für Philibert saß, zur Genehmigung ein. Die Schaffnerordnung regelte die Tätigkeit des Klosterschaffners und hatte zum Ziel, dessen eigenmächtiges Handeln vorzubeugen und ihn zu kluger Aufsicht über das Gesinde anzuhalten. Interessant ist, dass sie den Schaffner verpflichtete, auf die kirchliche Haltung von Handwerkern, Knechten und Mägden des Klosters bei ihrer Anstellung zu verpflichten.

Vom Juli 1546 bis April 1547 fand der Schmalkaldische Krieg statt. Das war die militärische Auseinandersetzung, die zwischen Kaiser Karl V. dem Bündnis der protestantischen Landesfürsten und Städte geführt wurde. Karl siegte erst im Donauraum. Dann wendete er sich gegen Herzog Ulrich von Württemberg und Kurfürst Friedreich von der Pfalz. Beide mussten sich der Übermacht beugen und verpflichteten sich vertraglich zur Neutralität. Am 24. April 1457 siegte Kaiser Karl  gegen den Führer der Protestanten, den sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich. Dieser geriet in Gefangenschaft. Auf dem folgenden “geharnischten Reichstag” 1547 konnte Karl das “Augsburger Interim” verkünden. Dieses machte in einer Reihe von Städten in Süddeutschland die von protestantischer Seite durchgeführten Reformen rückgängig. Kaiser Karl befahl auch dem württembergischen Herzog, den Prälaten von Maulbronn und seinen Konvent wieder in sein Kloster zurückkehren lassen. Abt Heinrich III. Reuter, der in Pairis von seinem aus Maulbronn verlegten Konvent 1547 zum Abt von Maulbronn gewählt wurde, kehrte 1549 nach Maulbronn zurück. Auch Herrenalb hatte seit dem 15. November 1548 mit Georg Tripelmann (1548-1555) wieder einen zisterziensischen Abt. In Bebenhausen wurde Sebastian Lutz, der eine Profess in Bebenhausen abgelegt hatte und seit 1542 Abt in Tennenbach war,1547 zum Abt von Bebenhausen gewählt. Alle drei Äbte versuchten das monastische Leben in ihren Klöstern wieder einzuführen.

Nach dem Tod von Äbtissin Anna setzte sich der Herrenalber Abt Georg Tripelmann entschieden für die zisterziensischen Rechte bei der Wahl einer Äbtissin für Kloster Lichtenthal ein. Er benachrichtigte das badische Rätekollegium vom Tod von Äbtissin Anna und teilte ihm gleichzeitig den geplanten Wahltermin mit. Das Kollegium antwortete, dass es Sache der Regierung sei, diesen nach schriftlicher Eingabe des Visitators festzulegen. Auch der Konvent wandte sich an das Kollegium und legte den Auszug aus dem aus Privilegium commune Cisterciense von Papst Innozenz IV. aus dem Jahre 1245 bei. Auch verwiesen die Klosterfrauen darauf,dass nach den Statuten des Ordens keine weltliche Person ungeachtet deren Standes bei der Wahl anwesend sein dürfe.

Die Wahl fand am ersten Fastensonntag 1551 statt, ohne dass ein Vertreter der Regierung anwesend war. Gewählt wurde Barbara Vehus (1551–1597). Sie war die Tochter des badischen Kanzlers Dr. Hieronymus Vehus. (s.o)Der jetzige Kanzler Johann Varnbühler und seinen Räten anerkannten die Wahl zunächst nicht an, weil sie eben ohne die Anwesenheit eines Regierungsvertreters stattgefunden hatte.

Auf reichspolitischer Ebene hatten sich auch wieder Änderungen ergeben. Nach dem “Geharnischten Reichstag” und dem Augsburger Interim, hatte Kaiser Karl gehofft, die Glaubensspaltung überwinden zu können. Die Stadt Magdeburg aber hatte die Zustimmung zum Interim verweigert. Der sächsische Kurfürst Moritz hatte nach der Niederlage des Schmalkaldischen Bundes dem Kaiser gehuldigt und belagerte nun auf dessen Kosten die Stadt Magdeburg. Durch geheime Zusagen an die Stadt erreichte er deren Kapitulation. Dann aber wandte er sich gegen den Kaiser und verbündete sich mit dessen Feinden. Der französische König Heinrich II. versprach ihm Geld und militärischen Beistand gegen Karl V. Im Gegenzug sollte er die Grenzstädte Metz, Toul, Verdun und Cambrai sowie deren Bistümer bekommen, obwohl Moritz darüber gar nicht verfügen konnte. Im März 1552 begannen Heinrich und Moritz, nun an der Spitze der Fürstenopposition mit dem “Fürstenaufstand”. Die Fürsten eroberten schnell die kaisertreuen Städte im Süden. Heinrich stieß in Richtung Rhein vor und nahm die ihm versprochenen Städte ein.Der überraschte Kaiser floh nach Villach. Nun kündigte Moritz sein Bündnis mit dem französischen König und verhandelte mit dem Bruder des Kaisers Ferdinand. Ergebnis war der Vertrag von Passau von 1552, dem Kaiser Karl widerwillig zustimmte. Es war die formale Anerkennung des Protestantismus, der 1555 mit dem Augsburger Religionsfrieden reichsrechtlich festgeschrieben wurde. Das Augsburger Interim wurde stillschweigen preisgegeben. Für Württemberg und die dortigen Klöster bedeutete das, die dortige monastische Restauration gescheitert war. Herzog Christoph von Württemberg, der am 6. November 1550 seinem Vater in der Regierung gefolgt war,hob die Klöster Herrenalb, Bebenhausen und Maulbronn auf und wandelte sie in Ausbildungsstätten für Prädikanten um.

1556 teilten die beiden Söhne Bernhards ihr väterliches Erbe auf. Philibert übernahm Baden-Baden, Christoph  erhielt den luxemburgischen Erbteil seines Vaters und gründete die Nebenlinie Baden-Rodemachern.

Philibert war von seinem Vormund Wilhelm IV. von Bayern in München katholisch erzogen worden. Als er 1556 mit 20 die Regierung übernahm, legte er sich öffentlich auf keine
Religion fest. Er hatte 1555 am Reichstag in Augsburg teilgenommen, bei dem der sogenannte Augsburger Religionsfrieden geschlossen wurde. Das Kernprinzip “Cuius regio, eius religio” setzte er nicht um. Er erlaubte seinen Untertanen, selbst über ihre Religion zu bestimmen. Er duldete in seinem Herrschaftsbereich die evangelische Predigt. Mit seiner katholischen Gemahlin Mechthild von Bayern, der Tochter seines Vormunds Wilhelm IV.  nahm er am katholischen Gottesdienst in der Stiftskirche von Baden-Baden teil.

Am 26. Januar 1558 bestätigte Philibert der Abtei Lichtenthal alle Rechte und Freiheiten, die ihr  seine Vorfahren gegeben hatten. Auch in Sachen Beichtvater für Lichtenthal war der neue Landesherr erfolgreich. Der Salemer Abt Johannes V. Michel (1553–1558 )

stellte auf Bitten Philiberts einen Priestermönch namens Nikolaus für ein Jahr nach Lichtenthal. 1558 bat sie den Ordenskommissar in Salem um Erlaubnis,den Prälaten der Benediktinerabtei Schwarzach, Martin Schimpfer (1548-1569), zur Einkleidung und Profeß ihrer Novizinnen kommen zu lassen, da Lichtenthal nach wie vor keinen Visitator aus dem Zisterzienserorden bekommen hatte. Die endgültige Aufhebung der in der Nähe liegenden Zisterzienserklöster in Württemberg machte das
Bemühen noch schwieriger. Der Tennenbacher Abt  Friedrich Abstetter (1566–1568) machte den Ordenskommissar in Salem auch darauf aufmerksam, dass es für Lichtenthal sehr wichtig sei, einen Visitator zu haben, denn im
Falle des Todes der Äbtissin müsse ein Visitator die rechtmäßige Wahl einer Nachfolgerin anfordern können. Ganz wichtig sei dies “: „Wann sie dan khein Visitatoren hetten der ordenlicher weis elegieren fiese, mechte vielleicht dem gottshaus ein eingriff beschehen, dan das neuwe Evangelium hat vif dugenden sich um geringe ursachen in frembdes gutt einzutringen .“ (zitiert bei Pia Schindele Die Abtei Lichtenthal in Freiburger Diözesanarchiv 105 1985 S.95). Abt Friedrich schrieb diesen Brief, nachdem er Kloster Lichtenthal besucht hatte und dort zwei Professen abgenommen hatte. Er bescheinigte dem Kloster das vorschriftsmäßige Einhalten der Klausur, das regelmäßige Abhalten der Gottesdienste und die Beachtung der Regel und Ordensbräuche. Er verwies auch auf die Notwendigkeit, dem Kloster einen Seelsorger zu stellen, da sonst die Gefahr bestünde, dass der Gottesdienst nicht mehr abgehalten werden könne und “das neue Evangelium täglich einwurzelt” (ebda)

Aus einem Brief  vom 14. September 1569 an den Salemer Abt geht hervor,dass mittlerweile der Tennenbacher Abt Johannes Schirer (1568–1575)als Visitator von Kloster Lichtenthal eingesetzt war.

Am 2. November 1565 starb Philiberts Gemahlin Mechthild von Bayern. Er selbst starb 4 Jahre später auf einem Feldzug gegen die Hugenotten 1569 in einer Schlacht bei Montcoutour in der Grafschaft Poitou. Er hinterließ 4 Kinder, den 10-jährigem Philipp, den späteren Markgrafen Philipp II., sowie die Schwestern Jakobe, Anna Maria und Maria Salome. Er wurde von seinem Onkel und Vormund Herzog Albrecht V. von Bayern in München erzogen. In der Markgrafschaft Baden-Baden wurde in den Jahren 1570/71 wieder der katholische Ritus eingeführt. Kaiser Maximilian II. erklärte Philipp am 29. August 1571 für mündig.

1570 hatte Graf Heinrich von Fürstenberg bei der Vormundschaftsregierung für Philipp den Antrag gestellt, das von seiner Familie 1123 gestiftete Benediktinerinnenkloster Friedenweiler bei Neustadt mit Lichtenthaler Nonnen neu zu besiedeln.

Zwischen 1123 und 1139 war in Friedenweiler eine “Frauenzelle” entstanden, die mit Benediktinerinnen aus Amtenhausen in der Nähe von Geisingen besiedelt und von einer Meisterin geleitet wurde. Das Dorf Friedenweiler war 1123 durch einen Gütertausch mit Reichenau an Kloster St. Georgen gekommen war. Der eigentliche Herr des Klosters war auch der Abt von St. Georgen. Im Mittelalter war das Kloster eine gut ausgestattete Abtei. Aber im 15. Jahrhundert begann der Niedergang. Um 1560 lebten noch zwei Nonnen in Friedenweiler. Die letzte Meisterin starb 1561. Dann ergriff Graf Heinrich von Fürstenberg  die Initiative zu einer Neugründung. Am 20. Mai 1570 stellten Jakobäa, zusammen mit Herzog Albrecht und dem Grafen Karl von Hohenzollern für die Wiederbesiedelung  die offizielle Genehmigung aus. Daraufhin entsandte Äbtissin Barbara Vehus sechs Schwestern aus Lichtenthal nach Friedenweiler. Die bisherige dortige Priorin  Lucia Bauer wurde zur Äbtissin bestimmt. Durch den Abt von Tennenbach Joseph Weißhaar (1576–1585) wurde der Konvent „uf das kloster Fridenweiler bestättigt“.  Graf Heinrich von Fürstenberg teilte dies am 15. September 1570 dem Salemer Abt Georg II. Kaisersberger (1558–1575) mit, worauf dieser seinen tennenbacher Amtskollegen heftig kritisierte, vor allem auch weil er fälschlicherweise annahm, Friedenweiler sei den Predigern inkorporiert. Aber auch das Kloster St. Georgen musste offiziell auf Friedenweiler verzichten, damit dieses in den Zisterzienserorden inkorporiert werden konnte. Am 4. April 1578 verzichtete der Abt von Sankt Georgen Nikodemus Luitpold(1566–1585)  im Namen des Benediktinerordens auf Friedenweiler. Am 15. April 1578 übergab dann Graf Heinrich Friedenweiler offiziell dem Zisterzienserorden. Als Papst Gregor XIII. (1572-1585) am 1. Juli 1584 das Recht zur Inkorporation gewährte, stand einer rechtlichen Aufnahme Kloster Friedenweiler und mittlerweile auch Neidingen nichts mehr im Wege. Während   der Regierungszeit des Generalabtes Boucherat geschah das auch. Friedenweiler wurde Tennenbach und Neidingen Salem unterstellt. Der Chor von Friedenweiler wurde wieder so hergerichtet, dass er den Ordensvorschriften entsprach und auch die Gebäude wurden so instand gesetzt, dass die Klausur eingehalten werden konnte. Der Konvent beteiligte sich trotz kärglicher Mahlzeiten und geduldig ertragener Mühsal selbst an den notwendigen Arbeiten wie die Chronistin Sr. Maria Ursula Mänerin nach 1790 schreibt.

Die Wiederbesiedlung von Friedenweiler war aus Sicht von Graf Heinrich so gut verlaufen, dass er für das Kloster Maria Hof in Neudingen bei Äbtissin Barbara ebenfalls um Aussendung von Lichtenthaler Nonnen bat. Es war das Hauskloster der Fürstenberger und auch die Grablege des Geschlechts. Graf Heinrich hatte das Kloster 1561 Zisteriensernonnen aus dem Kloster St. Agnes in Lauingen überlassen. Der dortige Herrscher Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken (1532-1569) hatte sich der Reformation angeschlossen und die Nonnen aus Lauingen vertrieben. Nach eingehender Beratung mit dem badischen Statthalter Otto-Heinrich von Schwarzenberg sagte sie unter der Bedingung zu, dass Maria Hof baulich instand gesetzt wurde und der Chor wie in Friedenweiler so hergerichtet würde, dass ein Gottesdienst nach zisterziensischem Brauch abgehalten werden könne. Außerdem sollte die strenge Klausur eingeführt und den Schwestern das Klostervermögen zurückerstattet werden. 1573 sandte sie die Schwestern Sara Baierin und Agnes Heflerin nach Maria Hof in Neudingen. Der Salemer Abt Georg investierte die Schwester aber nicht in Neudingen, mit der Begründung, dass Maria Hof dem Orden nicht inkorporiert sei, verwies aber auf den Generalabt Boucherat ,der gerade zu einer Visitationsreise durch die Schweiz, Oberdeutschland, Bayern und Tirol unterwegs sei. Dieser kam dann auch am 5. Oktober 1573 und verfasste für Kloster Maria Hof eine Visitationscharta. Er wies den Konvent auf die Einhaltung der Trienter Dekrete und der Ordensgesetze hin. Auch bestimmte er, daß die Lichtenthaler Nonnen in Neudingen bleiben sollten. Auch sollte das restaurierte Kloster Friedenweiler von der päpstlichen Kurie als Zisterzienserinnenkloster bestätigt werden. Dies geschah am 1. Juli 1584.

Die beiden Klöster wurden dem Orden eingegliedert und Friedenweiler dem Abt von Tennebach und Neudingen dem Abt von Salem unterstellt.

Die Friedenweiler Nonnen wirkten auch in anderen Klöstern. Die erste Äbtissin in Neudingen wurde Amalia Rennerin aus Friedenweiler, die aus Lichtenthal nach Friedenweiler gekommen war. Sie war auch mit der Durchführung der monastischen Reform in Neudingen beauftragt worden. Auch das Kloster Wonnenthal bei Kenzingen im Breisgau hatte mit  Frau Ursula Spolhaupt und 1590 in Frau Maria Brünn jeweils eine Friedenweiler Nonne zur Äbtissin erhalten. Diese beiden waren ebenfalls 1570 aus Lichtenthal gekommen. Auch in Kloster Olsberg bei Augst, das damals vorderösterreichisch war unterstützten Lichtenthaler Nonnen die Reformbestrebungen.

Die letzten Regierungsjahre der Äbtissin Barbara Veus waren belastet von zunehmenden finanziellen Schwierigkeiten der Abtei. Es gab immer wieder schlechte Erntejahre, was dazu führte, dass das Kloster in solchen Jahren den Zehnten von seinen Untertanen nicht erhielt. Markgraf Karl II. von Baden-Durlach hatte in seinem Landesteil 1556 die Reformation eingeführt. In den dort gelegenen Zehntorten des Klosters zeigte sich eine zunehmende Abneigung, den Zehnten an kirchliche Institutionen zu liefern.

Aber es gab auch Schwierigkeiten mit dem Landesherren. Dieser hatte nämlich seit 1564 begonnen, in der Gemarkung von Pforzheim, den allein ihm zustehenden Novalzehnt, das ist der Zehnt, der auf neugewonnenes, durch Rodung für den Ackerbau nutzbar gemachtes Land entrichtet werden musste, auch von Gütern einzuziehen, deren Zehntertrag dem Kloster Lichtenthal zustanden, die dann mehrere Jahre brach lagen und erst ab 1534 wiedergenutzt wurden. Karl veranlasste eine Neuaufstellung sämtlicher sämtlicher Bann-, Etter- und Novalgüter in der Gemarkung Pforzheim. Nach dieser Aufstellung mußte die Äbtissin von Lichtenthal anerkennen, dass  die umstrittenen Güter zum Neubruch zu rechnen seien. Karl forderte darauf hin eine Rückerstattung sämtlicher Zehnten bis 1534. Man einigte sich dann auf 500 Gulden.

Der neue Herr in Baden-Baden Markgraf Philipp II.  hatte zwar 1572 die Rechte des Kloster bestätigt. Er nahm 1577 in Baden Residenz. Er verhandelte nun ebenfalls mit dem Kloster wegen bisheriger Steuerprivilegien. Er erkannte die Privilegien zwar im Grundsatz an, aber für neu erworbene Gebiete, für die bisher Steuer bezahlt werden musste, wurde dieses auch weiterhin fällig. 1578 verlangte er vom Kloster 900 Gulden Türkensteuer. 1584 forderte er eine außerordentliche Steuer für den Bau und Unterhalt der Festung zu Stollhofen. Das Kloster war in Geldnot und konnte seine Rechnungen nicht mehr bezahlen. Nur eine An leihe vom Markgrafen half weiter. Nach einer Aufstellung der Schulden erhielt das Kloster 3018 Gulden, die jährlich mit 200 Gulden zurück zu zahlen waren.

Ganz plötzlich verstarb Philipp II. 1588. Er war noch unvermählt das Erbe fiel daraufhin an  Eduard Fortunatus, den ältesten der fünf Söhne Christophs von Baden-Rodemachern und der schwedischen Prinzessin Cäcilia Wasa. Nach einer kurzen bayrischen Vormundschaftsregierung nahm er 1589 die Huldigung in Baden entgegen. Seine Brüder fand er ab und verhinderte so eine weitere Teilung der Markgrafschaft. Das belastete das ohnehin verschuldete Land. Dazu kam der verschwenderische Lebensstil. 1591

heiratete er die bürgerliche Maria von Eicken. Die Kinder, die aus dieser Ehe hervorgingen, erkannte sein Vetter Ernst Friedrich von Baden-Durlach nie an.Da nach den badischen Teilungsverträgen eine Linie spätestens im Erbfall für die Schulden der anderen aufkommen musste,  besetzte der protestantische Ernst Friedrich 1594 die Markgrafschaft Baden-Baden. Das verschärfte die konfessionellen Gegensätze am Oberrhein weiter. Eduard Fortunat floh auf die Yburg und starb 1600 nachdem er angeblich betrunken von einer Treppe gestürzt war. Die katholischen Reichsfürsten versuchten den Kindern Eduard Fortunats zu ihrem Erbe zu verhelfen,  damit die katholische Markgrafschaft Baden-Baden nicht an die lutherische Markgrafschaft Baden-Durlach fiele. Aber Ernst Friedrich beharrte auf seinem Rechtsstandpunkt, dass Eduard Fortunat und Maria von Eicken nie eine rechtsgültige Ehe geschlossen hatten, folglich die Kinder auch nicht erbberechtigt waren. Erst nach der Niederlage in der Schlacht von Wimpfen 1622 Georg Friedrichs dem Bruder und Nachfolger des 1604 verstorbenen Ernst Friedrich sprach Kaiser Ferdinand II. die Markgrafschaft Baden-Baden dem Sohn Eduard Fortunats Wilhelm zu. Die protestantische Regierung von Baden-Durlach versuchte Kloster Lichtenthal völlig unter ihre Aufsicht zu bringen. Schon 1596 forderte er die Türkenkontribution ein und berief sich dabei auf den Reichsabschied von 1594, wo ein erneuter Beschluss zur Reichstürkenhilfe gefasst wurde.”Einer Jeden obrigkeit zugelaßen, Ihre Underthannen, Geystlich unndt Weltlich Sie seye Exempt, oder nicht Exempt, gefreyt, oder nicht gefreyet, Niemandt auß genommen, mit Steyr zu belegen“ (in GLA 92/199 vom 11. August 1596). Das war im letzten Regierungsjahr von Äbtissin Barbara, die zu diesem Zeitpunkt schon an schwerer Wassersucht litt und mit Zustimmung  des Markgrafen im Juni 1597 resignierte. Am 7. August 1597 verstarb sie. Die Neuwahl hatte am 25. Juni unter Vorsitz des Abtes von Neuburg, Johann Faber aus Kreuznach (1592-1599) stattgefunden.

Gewählt wurde Margarete Stülzer aus Ettlingen. Sie war die Tochter des Glasers Philipp Stülzer. Ihre Urgroßmutter Walburga war eine natürliche Tochter Trierer Erzbischofs Jakob von Baden, des ältesten Sohn von Markgraf Christoph I. von Baden. Sie wurde 1562 oder 1563 in Ettlingen geboren. Nach dem Tod ihres Vaters wurde sie zur Erziehung und Ausbildung ins Kloster Lichtenthal gegeben. Mit 16 verließ sie das Kloster, kehrte aber kurz danach als Novizin zurück. Mit einer Mitschwester wurde sie ins Kloster Gottesgarten im Aargau geschickt, das von 1535-1558 verwaist war. Margarete sollte an der Reform des Klosters unter der auf Betreiben Erzherzog. Ferdinands berufene Äbtissin Katharina von Hersberg (1558-86) mithelfen. Als die Reform aber scheiterte, auch weil Äbtissin Katharina die Vorschriften des Konzils bezüglich Verzicht sauf persönliches Eigentum und Klausur nicht umsetzte, kehrte Margarete 1594 wieder nach Lichtenthal zurück. Ihr Verwandtschaft zum Hause Baden hat bei ihrer Wahl zur Äbtissin 1597 wohl durchaus eine Rolle gespielt. Denn es mussten ja währen der Oberbadischen Okkupation Verhandlungen mit mit dem calvinistisch gesinnten Landesherrn Ernst Friedrich und dann mit seinem evangelischen Nachfolger Georg Friedrich geführt werden. Da konnten familiäre Verbindungen bestimmt nicht schaden.

Markgraf Ernst Friedrich hatte zwar dem Kaiser die Zusage gegeben, nicht in die konfessionellen Verhältnisse der von ihm besetzten Gebiete einzugreifen. Aber natürlich war ihm nicht an einer langfristigen Sicherung Kloster Lichtenthals gelegen.Das zeigte schon sein erstes Schreibenin  an die neu gewählte Äbtissin. Er tadelte  ihre Vorgängerin Barbara wegen ihrer gegenüber  dem Landesherrn unabhängige Regierungsweise und machte klar, dass er das in Zukunft nicht mehr dulden werde.

Ohne sein Vorwissen  und seine Bewilligung dürfe sie keinen Beichtvater oder Visitator bestellen und auch keine weitere Novizinnen ins Kloster aufnehmen. Auch durfte sie keinen Pfarrherrn in den dem Kloster gehörenden Pfarreien einsetzen. Die Äbtissin und der  Konvent mussten ständig befürchten, dass ihr Kloster aufgelöst würde. Das änderte sich auch nach dem Tode des Markgrafen nicht, denn sein Bruder  Georg Friedrich behielt das baden-badische Territorium weiterhin besetzt. 1605 wurde er sogar mit der gesamten Markgrafschaft Baden von Kaiser Rudolf II. (1576–1612) belehnt. Er musste sich allerdings verpflichten, keine Religionsveränderung vorzunehmen.Außerdem sollte er die Schulden der Markgrafschaft Baden-Baden zu bezahlen. Davon wollte Georg Friedrich drei Teile übernehmen. auf die beiden Markgrafschaften entfielen aber 200.000 Gulden, die zu verzinsen und abzuzahlen waren. Davon musste die Abtei Lichtenthal 4.000 Gulden aufnehmen und die Zinsen dafür 5 Jahre lang bezahlen. Die Äbtissin empfand die Lage der Abtei nach wie vor als kritisch und beklagte sich in einem Schreiben an den Salemer Abt, Petrus II. Müller, daß man ihrem Gotteshaus Lichtenthal seine Freiheiten nehme. Dieser trug das dem Generalkapitel vor. Dieses appellierte dann an Kaiser Matthias (1612-1619). Äbtissin Margarete verzichtete 1616 auf Anraten des Salemer Priors Dr. Johannes Muotelsee auf die Bestätigung der althergebrachten klösterlichen Privilegien und das Präsentationsrecht in den Lichtenthal unterstehenden Pfarreien.

1618 brach der Dreißigjährige Krieg aus. Georg Friedrich war seit 1608 Mitglied der protestantischen Union und bestallter General des Unionsheeres. 1622 griff er in Böhmisch-Pfälzischen Krieg ein. Am 6. Mai 1622 fand die Schlacht von Wimpfen statt. Georg Friedrich wurde verwundet und besiegt. Er konnte sich nach Stuttgart retten, legte aber die Herrschaft zu Gunsten seines Sohnes Markgraf Friedrich (1622–1659) nieder. Kaiser Ferdinand II. (1619-1637) sprach die Markgrafschaft Baden-Baden am 26. August 1622  Markgraf Wilhelm von Baden  zu.  Wilhelm war der Sohn von Eduard Fortunat von Baden-Rodemachern zu. Das geschah, um die Markgrafschaft der katholischen Partei zu sichern. Er betrieb auch sofort eine rigorose Rekatholisierungspolitik. Die protestantischen Pfarrer wurden alle entlassen. Dabei nahm er in Kauf, dass Pfarreien eine Zeit lang nur durch Wanderpriester betreut wurden. Nachdem die Schweden erfolgreich vordrangen  übernahm General Horn die Markgrafschaft Baden-Baden. Wilhelm konnte nach dem Sieg bei Nördlingen 1634 zurückkehren. Definitiv wurde ihm das Land erst im Westfälischen Frieden von 1648 zugesprochen.

Im Orden waren die Reformen weitgehend vorangetrieben worden, wobei hier Lichtenthal wegen der schwierigen Verhältnisse weitgehend außen vor blieb. 1618 wurden die Statuten für  die Oberdeutsche Zisterzienserkongregation festgelegt. 1624

wurde die Kongregation gegründet. Den Vorsitz führte Abt Thomas I Wunn von Kloster Salem. Der Krieg bremste den Reformerfolg zunächst. Der Zusammenhalt der Klöster war für Lichtenthal in seiner schwierigen Zeit eine sehr wichtige Stütze.

Trotz der ständigen Bedrohung und der finanziellen Engpässe fand unter Äbtissin Margarete eine enorme Bautätigkeit statt. Der Marienbrunnen entstand sowie die Kirchenkanzel mit dem Relief des Heiligen Bernhard. Einige von ihr angeschaffte liturgische Geräte sind heute noch vorhanden. Margaret konnte trotz der enormen Belastung den Besitz des Klosters mehren. Sie regierte 28 Jahre und starb am 22. August 1625 in Lichtenthal. Im Kloster waren 50 Nonnen

Ihre Nachfolgerin wurde Margaretha Göll (1625-1640). Ihre Regierungszeit war von den Kriegswirren überschattet.Die ersten 12 Kriegsjahre verliefen für die süddeutschen Klöster relativ unbelastet. Nur Kontributionen zeigten dass Krieg herrschte. Markgraf Wilhelm von Baden unterstützte Kaiser Ferdinand II. stärker als bisher mit Geldmitteln im Kampf gegen die protestantischen Fürsten. Diese versuchte er über die Landstände wieder einzutreiben. Das schlug natürlich auch auf die Klöster durch. So teilte Äbtissin Margaretha 1629 dem Salemer Abt vertraulich mit, dass ihr Kloster unter Schatzungen und Kontributionen schwer zu leiden habe. 1629 war Kaiser Ferdinand auf der Höhe seiner Macht. Er konnte sogar das Restitutionsedikt erlassen. Säkularisationen durch Protestanten nach dem Passauer Vertrag 1552 mussten rückgängig gemacht werden. Nicht nur die Protestanten wehrten sich erbittert dagegen. Auch die katholischen Fürsten, vor allem die Kurfürsten hatten große Bedenken, da es die Machtposition des Kaisers erheblich verstärkte. Besonders betraf es die Reichsstädte, die Markgrafschaft Baden-Durlach und das Herzogtum Württemberg, in dem 50 Klöster restituiert wurden und der Herzog dadurch fast die Hälfte seines Territoriums verlor. Die Lage änderte sich aber rasch und grundlegend durch die Invasion des Schwedenkönigs Gustav Adolf, der 1630 den Kampf gegen den Kaiser und die Liga aufnahm. Unterstützt wurde er durch die öffentliche Meinung der Protestanten und nach anfänglichem Zögern konkret durch die evangelischen Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg. 1632 mussten die Nonnen in die Wälder fliehen. Das Kloster wurde mehrere Male geplündert. Misswuchs und die Pest vergrößerten das Elend.

Die Errettung des Klosters vor den Schweden wird der Sage nach auch dem Schutz der Schlüsselmuttergottes zugeschrieben.

1636 herrschte eine große Hungersnot aus einem handschriftlichen Eintrag in einer Bibel hervorgeht, die 1584 in Köln bei Dietenberger gedruckt wurde. (Bibliothek Lichtenthal S.Scr. 2, Vorblatt)

Margarethe Göll starb am 28. Dezember 1640. am 5. Januar 1641 wurde Rosina Herzog zu ihrer Nachfolgerin gewählt.

Das 1568 von Herzog Christoph aufgehobene Kloster Rechenhofen sowie das Kloster Kirchbach sollten im Zuge der Gegenreformation, die Kaiser Ferdinand II. mit seinem Restitutionsedikt vom 6. März 1629 angestossen hatte, sollten durch Kloster Lichtenthal wiederbelebt werden.

Die Restauration hatte sich aber als undurchführbar erwiesen, da die materiellen Voraussetzungen ungenügend waren und die durch die Kriegsnot rasch aufeinander folgenden Todesfälle auch geeignetes Personal fehlte.

Am 1. Dezember 1642 starb Äbtissin Rosina nach nur zweijähriger Regierungszeit.Die Wahl wurde durch Abt Bernhardin Buchinger geleitet, der am  22.Juli 1642 zum Abt der wieder hergestellten Abtei gewählt worden war. Gewählt wurde Eva Regina Springauf. Sie war die Tochter des Klosterschaffners Matthäus Springauf. Sie war ehemalige Vorsteherin von Rechenhofen und vorher Priorin von Lichtenthal. In den letzten Kriegsjahren musste sie und der Konvent flüchten. Sie fanden Unterschlupf in den Klöstern von Straßburg und Rathausen im Kanton Luzern

während  das Kloster von weimarischen Soldaten geplündert wurde. Das berichtete sie an Abt Wunn in Salem und auch, dass sie sich mit 20 Personen in Ettlingen aufhalte, da es im Kloster zu gefährlich sei. Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich durch die Plünderungen ungemein.Nach der Plünderung Anfang 1643 wurde das Kloster im August 1644 erneut Opfer einer Plünderung. Die Mobilien, sowie Wein und Früchte waren geraubt worden. Die Gebäude waren beschädigt worden und an den Zehntorten waren alle Einkünfte de Klosters durch die Truppen verzehrt worden. Deshalb bat sie den Markgrafen Wilhelm, ihr bei seinen Reisen nach Bayern und Österreich bei den Prälaten des Zisterzienserordens eine Anleihe von 500 Reichstalern zu beschaffen, um den Zerfall des Klosters zu verhindern. Für eine Anleihe oder die Wiederherstellung des Klosters

war die politische Situation aber noch zu ungünstig.

Der Westfälische Friede, das war eigentlich eine Reihe von Friedensverträgen, die zwischen dem 15. Mai und dem 24. Oktober 1648 in Münster und Osnabrück abgeschlossen wurden, beendeten den Dreissigjährigen Krieg. Für den Zisterienserorden bedeutete er allerdings die endgültige Aufhebung, der mit der Einführung der Reformation in Württemberg aufgehobenen Klöster und damit das Ende der mühsamen Restitutionsversuche. Schwierigkeiten erwuchsen auch aus der Tatsache, dass Kloster Lützel seit dem Westfälischen Frieden zu Frankreich gehörte und die Markgrafen von Baden die Prälaten von Lützel nicht mehr ohne Bedenken für eine Visitation  zulassen wollten. Das wurde erst behoben, als das Kongregationskapitel 1668 die Paterneität an den Abt von Tennenbach übergab, was den Wünschen der badischen Markgrafen entgegenkam. Es war aber auch im Sinne von Äbtissin Margarethe,

denn sie war mit der Amtsführung des Lützeler Abtes unzufrieden.

Das Kloster kam nach den Kriegsjahren wieder zur Ruhe, die Äbtissin Eva Maria zur Wiederherstellung der klösterlichen Ordnung nutzte. Auch Neueintritte waren wieder zu verzeichnen.

1656 kam die Abtei in den Besitz des Münzhauses zu Baden und der Pfarrgründe von Iffezheim

Äbtissin  Eva Regina Springauf verstarb am 28. August 1658. Auf sie folgte Margaretha Loys. Sie war Priorin des Klosters Olsberg im Aargau. Am 8. September 1658 wurde sie unter Vorsitz von Abt Bernardin Buchinger aus Lützel zur Äbtissin von Kloster Lichtenau gewählt.

Die neue Äbtissin hatte eine Reihe von Prozessen zu führen, vor allem gegen das Hochstift Speyer um die Exemtion des Klosters. Aber auch gegenüber ihrem Landesherren gab es Klärungsbedarf. Als Äbtissin Margarethe ihr Amt übernahm, regierte Markgraf Wilhelm von Baden.

In den letzten Jahren seiner Regierungszeit unterstützte ihn sein Sohn Hermann bei den Regierungsgeschäften. Am 24. Mai 1674 war in Regensburg ein Reichskrieg wegen der Machtansprüche des französischen König Ludwig XIV. beschlossen worden, was natürlich die Markgrafschaft als

Grenzgebiet wieder gefährdete.Hermann, Feldmarschall und Hofkriegsratpräsident in kaiserlichen Diensten , befahl dem Lichtenthaler Oberschaffner Andreas Widemann zum Schutz gegen Plünderung und Verwüstung die Klosteruntertanen im “Fort Beuren” unterzubringen und dieses auch selbst nicht zu verlassen. Als sein Vater am 22. Mai 1677  starb, stand er auch dem neuen Landesherren, dem Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, dem späteren “Türkenlouis” zur Seite. Beide standen im Dienst Kaiser Leopolds, der das Reich im Südosten gegen die Türken und im Westen gegen Frankreich  verteidigen musste. In dieser Situation handelten die beiden Markgrafen natürlich kriegsorientiert und nahmen wenig Rücksicht auf althergebrachte Rechte. Sie ordneten  im ganzen Land eine Bestandsaufnahme der Vorräte in Kellern und Scheunen an und nahmen Klöster davon nicht aus.

Äbtissin Margaretha  verwahrte sich für Kloster Lichtenthal dagegen und berief sich auf die  cisterciensische Immunität. Markgraf Hermann verlangte nun von der Äbtissin einen Beweis eines „Privilegium Sacri ordinis de non visitando cellam”. Die Äbtissin fragte den Salemer Abt um Rat.

Dieser leitete das an den Generalvikar der oberdeutschen Kongregation  nach Wettingen weiter. Der Generalvikar riet zu einem Vergleich mit der badischen Regierung, da diese eben auch die Kriegsumstände berücksichtigen musste und auch andere Klöster diese Untersuchung über sich ergehen lassen

mussten. Es kam dann zu  einer Konferenz in der markgräflichen Kanzlei in Baden-Baden. Als Vertreter des Klosters war Abt Robert Handtmann von Tennenbach anwesend. Dieser beharrte bei den Ansprüchen der Regierung bezüglich der Erlaubnis zur Novizenaufnahme, Profeßablegung, Wahl und Resignation der Äbtissin, Bestellung des Beichtvaters und des Visitators nachdrücklich auf den Rechten des Ordens. Markgraf Ludwig  wollte weitere Verhandlungen führen allerdings unter Umgehung des Tennenbacher Abtes mit Salem. Beide Markgrafen waren aber zunehmend von der Reichspolitik und da von den Türkenkriegen in Anspruch genommen. Lichtenthal spielte da nicht mehr die wichtige Rolle.

Äbtissin Margaretha hatte in ihrer Regierungszeit viele Kriegsabgaben zu leisten. An vielen Kirchen und Pfarrhäusern waren Reparaturen fällig. So wurde 1660 Kirche und Pfarrhaus in Rastatt auf Kosten des Klosters restauriert. 1675 wurde in Pforzheim auf Ersuchen des Markgrafen die Kirche neu gebaut.

1669 erwarb das Kloster den Quettighof in Baden-Baden. Die beiden badischen Markgräfinnen Magdalena von Oettingen und Franziska von Fürstenberg stifteten 1679 die Einsiedlerkapelle im Klostergarten. Diese wurde 1686 geweiht und dient den Nonnen als Friedhofskapelle.

Äbtissin Margaretha starb nach 28 Regierungsjahren am 25. März 1686 im 76. Lebensjahr . Am 30 März wurde Maria Thekla Schütz aus Baden-Baden als Äbtissin gewählt. Bei der Wahl wollten Vertreter der badischen Regierung dabei sein. Außerdem forderten sie die Übergabe der Schlüssel. Beides wurde vom Tennenbacher Abt zurückgewiesen. Sie war die Tochter des markgräflichen Amtmanns Franz Schütz. Das Juramentum Abbatissa, das Äbtissin Maria Thekla ablegen musste enthielt einen Zusatz, der sie besonders auf die Einhaltung der ordensrechtlichen Vorgaben des Konzils von Trient (Klausur) und die Ordenssatzungen verpflichtete. Sie war kränklich und hatte nur eine Regierungszeit von 20 Monaten. Sie starb am 13. Dez. 1687 . Zu ihrer Nachfolgerin wurde am 18. Dezember 1687 Euphrosina Lorenz aus Baden-Baden gewählt. Sie war die Tochter des Schmiedemeisters Adam Lorenz.  Ihre Amtszeit war geprägt, durch zwei Kriege, die auch ihren Konvent und das Kloster in Mitleidenschaft zogen.

Der Friede von Nimwegen, das war eine Reihe von Friedensverträgen, die 1678/1679 geschlossen wurden, beendete den französisch-niederländischen Krieg. Für das heutige Baden bedeutete er, dass die Städte Freiburg und Kehl an Frankreich fielen. Die speyrische Festung Philippsburg kehrte, nachdem sie 32 Jahre französisch war, wieder an das Reich zurück.

Schon 1688 herrschte wieder Krieg. Am 24. September 1688 marschierten die Truppen des Sonnenkönigs über den Rhein. Die Pfalz wurde schnell besetzt. Die Festungen Philippsburg, Mannheim und Frankenthal wurden in den ersten Kriegswochen erobert. Heidelberg und Mainz ergaben sich.

Französische Truppen griffen bis nach Ulm und Mergentheim aus, um das Land auszuplündern und Kontributionen einzutreiben. Der Wormser Dom brannte aus, der Speyrer Dom wurde stark beschädigt. Es kam zu keiner einzigen Feldschlacht. Ziel Ludwig XIV. war es, durch gezielte Zerstörungen

die Gegenseite so unter Druck zu setzten, dass sie die Bedingungen des französischen Königs akzeptierte. Die Rechnung ging aber nicht auf. Der Reichskrieg wurde erklärt.  Am Rhein wurden Truppen konzentriert. Das zeigte, dass Ludwig nicht mit einer kurzen Kriegsdauer rechnen konnte. Er zog seine Truppen zurück, hielt nur wenige Stützpunkte.

Die Äbtissin beschloss,  ihre Schwestern in Sicherheit zu bringen. Es war gar nicht so einfach, die Nonnen auf andere Klöster vor allem in der Schweiz zu verteilen, da diese schon mit Nonnen überfüllt waren, die ebenfalls geflüchtet waren.

Die Lichtenthaler Nonnen kamen vor allem in Zisterzienserklöstern unter, in der Schweiz in Magdenau, Lilienthal und Feldbach und Wurmsbach, in Frankreich in Lützel und in Deutschland in Lilienthal und Gnadenthal und bei den Benediktinnerinnen in  Holzen und Rothmünster.

Auf dem Rückzug der Truppen Ludwigs XIV ließ er die Pfalz, Kurtrier und die Markgrafschaft Baden systematisch zerstören. Am 15. August 1689 wurde Durlach in Brand gesteckt. Dort blieb lediglich ein halbes Dutzend Häuser stehen. Einen Tag später wurde Ettlingen in Schutt und Asche gelegt. Am 24. August 1689 brandschatzten französische Truppen  unter Führung des Marschalls Duras Baden-Baden. Dabei wurde das markgräfliche Schloss, die Stiftskirche, das Jesuitenkolleg und das und eben zum Einzug fertige Kloster der Chor- und Lehrfrauen vom Heiligen Grab“ und natürlich zahllose Häuserzerstört.Die außerhalb der Stadt liegende Abtei Lichtenthal blieb verschont . Die Ernährungslage in der gesamten Markgrafschaft wurde zunehmend schwieriger. Äbtissin Euphrosina  wollte ihren Konvent schon 1692 wieder nach Lichtenthal zurückberufen. Abt Petrus Tanner von Lützel (1677-1702) riet ihr davon wegen der Kriegsoperationen am Rhein dringend ab. Sie verschob die Rückkehr dann auf Ostern 1693.  Im April kehrte Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden in sein Land zurück. Er hatte vom Kaiser den Oberbefehl im Westen übertragen bekommen. Allerdings war die Armee erschöpft.Es mangelte an Ausrüstung und die Ernährung war ebenfalls sehr schlecht. Angesichts der Übermacht der Franzosen beschränkte sich der Markgraf auf die Defensive. Er ließ auch die Eppinger Linien errichten. Durch die Verschanzung konnte er ein weiteres Vordringen der Franzosen verhindern. Nicht verhindern konnte er aber das Vordringen der Franzosen nach Württemberg und das Land ebenso verwüsteten wie zu Kriegsbeginn die Pfalz.

Für das Kloster war es nicht nur schwierig, die Ernährung des Konvents sicher zu stellen. Auch seinen finanziellen Verpflichtungen konnte es kaum mehr nachkommen,zumal die Zehnteingänge oft ausblieben.

1697 beendete der Friede von Rijswijk war ein Vertragswerk von 4 Verträgen zwischen den ehemaligen kriegsführenden Parteien. Am 30.Oktober 1697 wurde er zwischen Frankreich und Kaiser Leopold I.und dem Heiligen Römischen Reich geschlossen. Frankreich gab alle Reunionen und Eroberungen mit Ausnahme des Elsas zurück.

Markgraf Ludwig nutzte die Zeit nach dem Friedensschluss zum Wiederaufbau und zur Sicherung der Markgrafschaft. Für das Kloster bedeutete das, dass Klosteruntertanen zu Fronarbeiten bei der Wiederherstellung des Baden-Badener Schlosses abgestellt werden mussten. Auch Sachlieferungen wie zwei Wagen voll Eichenholz, das zur Verarbeitung von Fensterrahmen für das Baden-Badener Schloss genutzt werden sollten, mussten dorthin geliefert werden.

Die Friedenszeit dauerte nicht sehr lange. Schon im September 1701 begann der Spanische Erbfolgekrieg. Dieses Mal stand das Reich im Bündnis von Holland und England gegen Ludwig XIV. Dieser hatte die Kurfürsten von Bayern und Köln als Verbündete. Der badische Markgraf kämpfte wieder für Kaiser Leopold. Er eroberte 1702 die Festung Landau. Den wichtigsten Sieg errang er zusammen mit dem englischen Marschall Marlborough, einem Vorfahren von Winston Churchill. Die Franzosen wurden zum Rückzug gezwungen. Nur 14 Tage vorher hatten sie das bayrische Heer bei der Schlacht am Schellenberg besiegt. Markgraf Ludwig erlitt dabei aber eine schwere Verwundung. Diese und 30 Jahre Kriegsdienst mit vielen Schlachten zeigten ihre Folgen. Körperliche Erschöpfung und die schwere Verwundung zwangen ihn im Oktober 1706 sein Amt als Reichsfeldmarschall niederzulegen.

Er starb am 4. Januar 1707 und wurde in der Stiftskirche in Baden-Baden  beigesetz. Sein Herz aber bestattete man in einer silbernen Kapsel vor dem Choraltar der Lichtenthaler Fürstenkapelle. Die letzten Kriegsjahre verliefen für die Markgrafschaft verhältnismäßig ruhig. Ab November 1713 verhandelten Prinz Eugen für das Reich und Marschall Villars für Frankreich im neuen Rastatter Schloss. Am 6. März 1714 wurde der Friede geschlossen.

Die Abtei erholte sich wirtschaftlich langsam. Die Klostergemeinschaft aber wuchs stetig.

Äbtissin Euphrosina starb am 2. März 1720 im 83. Lebensjahr. Auf sie folgte Agnes Polentari . Sie wurde am 8. Merz 1720 zur Äbtissin gewählt. war eine Tochter des Freiburger Ratsherrn, Spital- und Zunftmeisters Johann Wilhelm Polentari. Im Juni 1720 führte der Vaterabt Anton Merz (1719-1725) von Tennenbach im Kloster Lichtenthal die strenge Klausur wieder ein. Er teilte der Markgräfin Sibylla Augusta mit, dass es nur ihr weiterhin erlaubt sei,das Innere des Klosters zu betreten. Daraus ergab sich eine umfangreiche Korrespondenz mit der markgräflichen Kanzlei in Rastatt,Sybila Augusta befand, dass das Sache des Ordens sein und für “den Fürstl. Fundatori “ keinerlei Nachteil entstünde.

1722 wies der Visitator auf den äußerst baufälligen Zustand der Klostergebäude hin. Äbtissin Agnes ließ dann 1723/24 die Kirche unter Leitung des Bezauer Baumeisters Peter Thumb instandsetzen. Sie erhielt einen neuen Dachreiter. Der Frauenchor wurde erhöht und überwölbt. Ein neuer Altar und eine Orgel wurden eingebaut. Ein neuer Fußboden wurde gelegt. Dabei wurden allerdings viele Grabplatten entfernt und die Gräber damit unkenntlich gemacht.

1724 wurde zusammen mit dem Speyrer Domkapitel ein neues Pfarrhaus in Rastatt gebaut. Das Iffezheimer Pfarrhaus baute das Kloster 1725 allein. Auch wurde dort sowie in Pforzheim der Pfarrhof renoviert. Die Schaffnerei in Ettlingen erhielt einen neuen Speicher.

Äbtissin Agnes verstarb am 26. Dezember 1726. Zu ihrer Nachfolgerin wurde am 3. Januar 1727 die bisherige Priorin Maria Euphrosina Wunsch gewählt.

 

Euphrosina ist am 10. April 1678 in Baden-Baden geboren. Über ihre Familie ist nichts bekannt, da die städtischen Akten beim Stadtbrand von 1669 verloren gingen.

In die Regierungszeit von Maria Euphrosina fiel der Polnische Thronfolgekrieg (1733–1738), wobei es neben Thronfolge in Polen in erster Linie ein Machtkampf zwischen Frankreich und Habsburg war. Die Rheingrenze war wieder Kriegsschauplatz.

Französische Truppen überschwemmten wieder das Land.Markgraf Georg Ludwig war mit dem ganzen Hof auf die böhmischen Besitzungen der Markgrafen geflüchtet. Das Kloster hatte während des Krieges mehrere Beschiessungen zu erdulden, musste aber vor allem  immer wieder hohe Kontributionen

zahlen. Außerdem wurden die Ernten durch die durchziehenden Heere vernichtet.

Trotz der Kriegslasten war die Regierungszeit der Äbtissin durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet. Das Klostergebäude war noch auf Holz und worauf der Visitator schon 1722 hingewiesen hatte, baufällig. 1728 wurde es abgetragen und durch einen steinernen Neubau ersetzt.

Baumeisters Peter Thumb führte den Bau wieder aus nachdem er vier Jahre vorher schon die Kirche renoviert hatte. Das machte er, während er gleichzeitig den Neubau des Klosters in Tennenbach durchführte. 1731 war der Konventsbau fertiggestellt. Am 4. März 1734 konnte auch die Äbtissin ihre neue Wohnung beziehen. Am 27. Dezember diesen Jahres brannten die Ökonomiegebäude ab. Sie wurden im Folgejahr aus Stein errichtet.

Den Friedensschluss am  18. November 1738 in Wien erlebte die Äbtissin nicht mehr. Sie starb wenige Monate vorher am 11. Juni 1738.

Auf  Maria Euphrosina folgte Benedikta Grasmaier aus Ellwangen . Bei ihrer Wahl war sie 50. Die Wahl fand unter Vorsitz des Tennenbacher Abtes Leopold Münzer (1724-1754) statt. 1739 kaufte sie ein großes Schaffnereihaus in Steinbach. Kurz nach ihrem Amtsantritt ließ sie das Garten-und Wächterhaus

im Garten außerhalb des Tores erbauen. 1740 musste die Fürstenkapelle restauriert, das Dachwerk neu erstellt und ein Türmchen aufgesetzt werden. In der Kirche ließ sie neue Altäre errichten. Sie schaffte wertvolle neue Geräte an und die Kirche erhielt eine neue Orgel.

1743 erbaute sie ein neues Krankenhaus. Ein Jahr später ließ sie in Malsch ein neues Pfarrhaus samt Scheuer erstellen.

1745 feierte die Abtei ihr 500-jähriges Bestehen. Das Fest wurde in Anwesenheit des Markgrafen Georg Ludwig begangen.

1752 verkaufte sie ein Gut in Essingen in der Pfalz an das bischöfliche Seminar in Bruchsal . Dafür kaufte sie das Hofgut Tiefenau bei Sinzheim und ließ darauf ein kleines Schlösschen erbauen, das 1906 abgerissen wurde.

In ihre Regierungszeit fielen auch langwierige Auseinandersetzungen mit den Bischöfen von Speyer in denen es um Exemtion des Klosters und die Aufsichtsbefugnisse des Bischofs ging. Es gab viel Schriftwechsel zwischen Markgraf, den fürstbischöflichen Kanzleien. Selbst Rom war immer wieder eingeschaltet.

Am 2. September 1769 bewilligte die Ritenkongregation in Rom die Seligsprechung des Markgraf Bernhard von Baden. Diese wurde vor allem vom Markgrafen August Georg von Baden betrieben auch weil er keine männlichen Nachkommen hatte und damit die katholische Linie Baden-Baden an die evangelische Linie Baden-Durlach fallen würde. Die Religionsfreiheit der Baden-Badener Untertanen sollte gesichert bleiben. Der Markgraf verstarb am 21.Oktober 1771. sein Leichnam wurde in der Stiftskirche von Baden-Baden beigesetz, sein Herz aber in der Fürstenkapelle im Kloster Lichtenthal.

Äbtissin Maria Benedicta verstarb am 23.Oktober 1775. Zu ihrer Nachfolgerin wurde Thekla Trück gewählt. Sie wurde am 8. November 1739 als Tochter  des Schullehrers Valentin Trück in Kuppenheim geboren. 1758 legte sie unter Äbtissin Benedicta ihre Profess ab. Die Wahl leitete Abt Maurus Berier (1765-1782).Der Speyrer Bischof Damian August von Limburg-Styrum beanstandete am 28.Oktober, dass man ihm nach dem Tod von Äbtissin Benedicta die Sedisvakanz in Lichtenthal noch nicht mitgeteilt hatte und verlangte unter Androhung kirchlicher Strafen die sofortige schriftliche Mitteilung des Wahltermins, damit er seinen Delegierten zur Leitung der Wahl schicken könne. Als das Schreiben in Lichtenthal eintraf, war Äbtissin am Morgen dieses Tages bereits gewählt worden und durch den Kommissar des Markgrafen Karl Friedrich in die weltlichen Rechte des Klosters eingesetzt worden.

Die Fristsetzung des Bischofs war am 30.10. in Lichtenthal eingegangen. Die neugewählte Äbtissin leitetete da bischöfliche Schreiben umgehend nach Tennenbach weiter. Abt Maurus antwortete dem Speyrer Bischof, die Äbtissin sei vor Eintreffen seines Schreibens dass bisher noch jede Lichtenthaler Äbtissin unter dem Vorsitz eines vom Orden bestimmten „Visitatoris Ordinarii“ und in Anwesenheit eines landesfürstlichen Beauftragten gewählt worden.Er bat den Bischof, es auch dabei zu belassen. Bischof von Styrum schrieb aber dem Abt,Er werde der Widersetzlichkeit des Konvents gegenüber seiner bischöflichen Jurisdiktion mit geeigneten Mitteln entgegentreten und dass er die Wahl nicht genehmige und die ernannte Äbtissin nicht anerkenne. An dem Tag, als der Bischof das schrieb, hatte aber Abt Gregorius Girardin von Lützel, der Generalvikar der oberdeutschen Kongregation die kirchliche Weihe vollzogen. Ihre Konfirmation als Äbtissin von Lichtenthal hatte der Generalabt des Ordens, Frafflis Trouve, am 13. November 1775 ausgestellt. Abt Maurus Berier teilte dies dem Speyrer Oberhirten und wies ihn nochmals darauf hin, dass die Wahl nach bisher von Rom anerkannten Recht stattgefunden habe.Bischof von Styrum wandte sich nun in einem Protestschreiben an Markgraf Karl Friedrich. Der Markgraf ließ ein Gutachten ausarbeiten, aus dem hervorging, dass die Wahl nach einem seit über 200 Jahren üblichen Herkommen erfolgt war. Zunächst gab der Bischof nach.

In Österreich regierte  Maria Theresia seit 1745 de facto, nachdem ihr Mann Franz Stephan von Lothringen zum  Kaiser des römischen Reiches gewählt worden war. Noch während des österreichischen Erbfolgekriegs hatte sie mit ihrer Reformpolitik begonnen, die als „Theresianische Staatsreform“ bezeichnet wurde. Ein zentralistischer, absolutistisch regierte Staat wurde angestrebt. Ihr Sohn Joseph II. von 1765-1780 Mitregent der Mutter, vom Tode der Mutter 1780 übte er die Herrschaft in den Ländern der Habsburgmonarchie als Erzherzog von Österreich alleine aus. Er setzte die Reformpolitik fort. Vor allem in der Religionspolitik wirkte er nachhaltig. Das betraf besonders die Orden. In der Donaumonarchie wurden alle Orden, die nicht in volkswirtschaftlichem sinne produktiv waren, aufgehoben. Nur Orden, die Krankenpflege, Schulen oder andere soziale Aktivitäten betrieben, behielten ihr Daseinsrecht. In Österreich und Ungarn wurden viele Zisterienserklöster aufgehoben. Auch war er ein Gegner der Exemtion, da er sie als eine der Auswirkungen päpstlicher macht sah. Von Seiten der Ordensleitung fürchtete er die Einwirkung ausländischer Ideen. Deutschen Bischöfen kamen solche Gedanken entgegen und sie wurden begreiflicher weise gerne aufgegriffen. In der Emser Punkuation betonten die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Salzburg die Unabhängigkeit der bischöflichen Gewalt gegenüber der päpstlichen. Auch dürfe der Papst die bischöfliche Dispositionsgewalt durch Exemtionen nicht einschränken. Darauf hin meldete der Speyrer Fürstbischof seine Ansprüche beim Markgrafen wieder an. Seine Räte rieten aber ab, die Ordensrechte preiszugeben, da das Kloster möglicherweise in seiner Anhänglichkeit an die Landes-und Schutzherrschaft wankend werden könne.

Bald aber waren andere Ereignisse drängender geworden. Am 14. Juli 1789 war in Frankreich die Revolution ausgebrochen mit enormen Auswirkungen sowohl auf die Diözese Speyer als auch auf die Zisterzienserklöster. Der jenseits der Queich liegende Teil der Diözese Speyer stand unter französischem Hoheitsrecht. Dort wurden geistliche verfolgt und kirchliche Güter eingezogen, was Bischof von Styrum nicht verhindern konnte. Ab 1792 befanden sich Österreich und Frankreich im Kriegszustand. Der Speyrer Bischof hatte daraufhin seine Residenz in Bruchsal verlassen und begab sich nach Freising ins Exil.

!790 wurden im Zuge der französischen Revolution Klöster aufgehoben und säkularisiert. Von den Zisteriensern traf es erst das Mutterkloster Citeaux. Dann wurde La Ferté und Kloster Neuburg, das Mutterkloster von Lichtenthal aufgehoben. 1791 wurde die Primarabtei der meisten deutschen Zisterienserklöster , Morimond, zum Nationaleigentum erklärt und die Mönche vertrieben. 1792 folgten  Lützel, Pontigny und Clairvaux. Die meisten Zisterzienserklöster in Frankreich folgten. Ein Teil des Konvents von Kloster Königsbrück im Haguenauer Forst kam im Kloster Lichtenthal unter.

In den ersten Jahren ihrer Regierungszeit liess die Äbtissin Neubauten im Klosterhof errichten und Reparaturarbeiten sowie die Neuerrichtung der Klostermauer durchführen.1781 erhielt sie aus Rom die Gebeine der Heiligen Pius und Benedictus.

Die Koalitionskriege gefährdeten natürlich auch das Kloster. Der Konvent drängte Äbtissin Thekla sich in Sicherheit zu bringen. Schon vorher hatte sie zwei Koffer mit Gold, Silberwaren und wichtigen Dokumenten ins Kloster Friedenweiler bringen lassen.Sie ging dann erst nach Forbach und logierte dort in der Krone. Von dort floh sie dann nach Ansbach. Die Äbtissin hatte dem Konvent Verbleib im Kloster oder Flucht frei gestellt. die meisten entschlossen sich zur Flucht. Erst als Markgraf Karl Friedrich im August einen Sonderfrieden mit Frankreich geschlossen hatte, konnten die Schwestern zurückkehren.

Den nächsten gravierenden Einschnitt in die Klostergeschichte bedeutete die Säkularisation,die ab  1802 begann. 1801 war der Frieden von Lunéville geschlossen worden, der die rechtliche Eingliederung der 1794 besetzten linksrheinischen Gebiete in das französische Staatsgebiet regelte. Die Fürstentümer des Heiligen Römischen Reiches sollten aber durch Säkularisation geistlicher Territorien und durch Mediatisierung kleiner weltlicher Herrschaften und der Reichsstädte entschädigt werden.Dies wurde durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 umgesetzt. Baden wurde zum Großherzogtum erhoben und erhielt große Entschädigungen, weit mehr als es verloren hatte. Dem Kloster Lichtenthal sicherte er weiteren Bestand zu, auch weil es immer als Grablege des badischen Fürstenhaus gedient hatte Er sicherte den Nonnen den notwendigen Unterhalt und das Wohnrecht im säkularisierten Kloster zu.Ein “Sustentationsvertrag” sprach den Nonnen  das sogenannt Taschengeld zu. Im Vertrag setzte das Kloster durch, dass dieses nur kollektiv ausgezahlt und nach Weisung der Äbtissin für die Kommunität verwendet wurde. Damit war immerhin das wichtige Element klösterlichen Lebens, der Verzicht auf Eigentum erhalten geblieben. Ansonsten griffen die Bestimmungen des Vertrags so stark in das klösterliche Leben ein, dass cisterciensische Lebensweise kaum mehr möglich war. Auch waren die Verbindungen zum Orden gekappt. Die badischen Zisterzienserklöster Salem und Tennenbach waren aufgehoben. Zu “ausländischen Klöstern” war aber jeglicher Kontakt untersagt. Die kirchliche Aufsicht zunächst beim Bischof von Speyer und dem Vikariat in Bruchsal. Es gab ein Verbot der Novizinnenaufnahme. Der Konvent wurde auf zwölf Chorfrauen und drei Laienschwestern beschränkt. die aus Königsbrück geflüchteten Chorfrauen mussten den Konvent verlassen.

Am 11. Januar 1808 verstarb Äbtissin Thekla. Ihre Nachfolgerin wurde Cäcilia Lauf. Sie ist 1760 in Schuttertal geboren, trat ins Kloster Lichtenthal ein und legte dort am 10. Mai 1783 ihre Profess ab. Sie war später Novizenmeisterin. Sie wurde am am 24. Februar 1808 nach zisteriensischem Ritus aber unter dem Vorsitz bischöflicher und landesherrlicher Kommissare zur Äbtissin gewählt. Gemäß der bei der Neuordnung des Klosters getroffenen Bestimmungen hätte eigentlich nur noch eine Priorin gewählt werden dürfen. Aber Großherzog Karl Friedrich (1806-1811) hatte großmütig die Wahl einer Äbtissin gestattet.

1811 erklärten sich Äbtissin Cäcilia und der Konvent bereit, staatsdienliche und gemeinnützige Dienste zu übernehmen, so lange damit er monastische Status der Abtei gestört werde.

Am 10. Juni 1811 verstarb Großherzog Karl Friedrich. Auf ihn folgte sein Enkel Karl Ludwig Friedrich. Seit 1806 war dieser mit Stephanie Beauharnais, der Adoptivtochter Napoleons, verheiratet. Sie brachte der Abtei ein besonderes Wohlwollen entgegen und war immer wieder Anlaufstelle für das Kloster.

Mit ihrem Einsatz trug sie in der schweren Zeit der staatskirchlichen Umordnung der Klöster dazu bei, dass die monastische Struktur Lichtenthals gewahrt blieb.

Der Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 sowie die Gründung des Rheinbundes hatten zu einer Umorganisation der staatlichen und kirchlichen Verhältnisse geführt. Bistums-und Landesgrenzen passten nicht mehr zusammen. Mehrere protestantische Fürsten hatten deshalb mit

Rom Verhandlungen geführt, damit das angepasst wurde. Am 16. August 1821 genehmigte Papst Pius VII. (1800-1823) in seiner Bulle  eine Neueinteilung der betreffenden Diözesangebiete. 1827 wurde das Erzbistum Freiburg gegründet. Es wurde Metropolitansitz und ihm zugeordnet wurde die Suffraganbistümer Rottenburg, Mainz, Fulda und Limburg . Der erste Erzbischof wurde Bernhard Boll, der bis zur Säkularisation Professor für Philosophie in Salem und Tennenbach war. Nun hatte der Erzbischof von Freiburg die geistliche Aufsicht über Kloster Lichtenthal

1811 wurde Beuern zur Pfarrei erhoben und das Fraumünster, die bisherige Klosterkirche zur Pfarrkirche bestimmt. 1815 übernahmen die Klosterfrauen auf Wunsch der Regierung die neu errichtete Mädchenschule in Beuren und den Unterricht dort.

Der neue Freiburger Erzbischof versprach in einem persönlichen Schreiben der Äbtissin, sich immer für das Wohl des Klosters zu verwenden. Nur zehn Tage später schrieb er eigenhändig eine Tagesordnung für den Chordienst in Lichtenthal.

Am 30. März 1830 trat Großherzog Leopold  die Regierung in Baden an. In seinem Auftrag gestaltete Pfarrer Franz-Josef Herr , Halbbruder des Großherzogs und illegitimer Sohn von Karl Friedrich von Baden  aus der “Totenkapelle” eine standesgemäße Gedenkstätte für das Haus Baden, die Fürstenkapelle.

Am  27. Oktober 1832 fand die feierliche Einweihung im Beisein der badischen Herzogsfamilie statt. Pfarrer Herr vertrat den Freiburger Erzbischof, der aus diesem Anlass einen Kelch gestiftet hatte, den er zu seiner Inthronisation erhalten hatte. Dieser Kelch sollte fortan bei den Anniversarien der großherzoglichen Familie verwendet werden. Auch erwarb er 1834 für die Markgräfin Sibylla Augusta nach Rastatt gebrachte Reliquie des seligen Markgrafen Bernhards II. von Baden, die jetzt in Lichtenthal verwahrt wurde.

Äbtissin Cäcilia starb am 18. Mai 1834 an einer „Lungenlähmung“.

Zu ihrer Nachfolgerin wird Friederika Amalia Trenkle aus Ettenheim-Münchweier. Sie hatte am 19. Februar 1816 erstmals ihre Profess abgelegt. Da abgelegten Gelübde von der badischen Regierung nur für drei Jahre gültig erachtet wurden mussten diese all drei Jahre erneuert werden.

Die Wahl  hatte der Freiburger Weihbischof Hermann von Vicari (in Vertretung des Erzbischofs Bernhard Boll) geleitet. Er nahm auch die Benediktion vor.  Amalia war  zunächst Lehrerin an der Klosterschule, später Schaffnerin (Cellerarin) gewesen.

Auf Vorschlag von Äbtissin Amalia wurde das Amt des Pfarrers und Klostergeistlichen in Personalunion besetzt.Vorher hatte es wegen der organisatorischen Trennung von Pfarrei und Kloster immer wieder Schwierigkeiten gegeben.

Am 1. Mai 1845 wurde das 600-jährige Bestehen von Kloster Lichtenthal mit einem feierlichen Hochamt begangen. Aus diesem Anlass schenkte verwitwete Großherzogin Stephanie  der Abtei  ein Pluviale, das sie aus ihrem Brautkleid hatte anfertigen lassen.

Die Unruhen während der Revolution von 1848/49 überstand das Kloster unbeschadet. Es musste nur einmal einen Freischärlertrupp mit Erfrischungen versorgen.

Äbtissin  Amalia starb am 15. November 1852 nach kurzer Krankheit .

Sophia Schell wurde am 21. Januar 1858 zur Äbtissin gewählt. Ihre erste Profess hatte sie am 21. Oktober 1822 . Seit Mai 1857 war sie Priorin.

Die Brüder Maurus und Placidus Wolter waren am 13.Oktober 1860 zu einer Besprechung mit der Fürstin Katharina von Hohenzollern im Kloster Lichtenthal. Sie waren von Papst Pius IX., mit der Neubegründung des monastischen Lebens in Deutschland beauftragt worden. Maurus Wolter

war Gründer und 1. Erzabt von Beuron. Er weilte im September 1865 für mehrere Wochen zur Erholung. Er regte eine zeitgemäße Neufassung der Klosterstatuten an. Diese wurden  1866 von dem Beichtvater Paul Koch, Äbtissin Sophia und einigen Schwestern erarbeitet  (Statuten des ehrwürdigen Gotteshauses Unserer lieben Frau zu Lichtenthal des hl. Cistercienserordens) 

Maurus Wolter überprüfte die Statuten. Der Zisterzienserabt  Leopold Höchle aus Mehrerau konnte sie wegen des Krieges von 1866 nicht überprüfen.Sie wurden von Erzbischof Vicari, dem Nachfolger von Ignaz Anton Demeter  ,

1867 genehmigt.

Zur besseren Versorgung der Wirtschaft nahm Äbtissin Sophia auch Laienschwestern und Oblatenschwestern ins Kloster auf. Oblatenschwestern, das sind Laienschwestern, die in einem kirchlichen Ritus ein Versprechen abgelegt haben, in einem bestimmten Kloster ein christliches Leben

im Geist des Ordensgründers zuführen.

1863 hatten die Einwohner von Beuern beschlossen, sich fortan Lichtental zu nennen. 1869 die katholische Pfarrkirche St. Bonifatius vollendet. Damit wurde die Klosterkirche wieder frei und erhielt wieder ihre ursprüngliche Bestimmung. Die Äbtissin ließ drei neugotische Altäre in der Kirche aufstellen.

Die 1678 errichte Einsiedlerkapelle, die den Nonnen als Friedhofskapelle dient, wurde renoviert.

Sophia starb am 29. Dezember 1875.

Ihre Nachfolgerin wurde Aloysia Schreiber. Sie hatte am 2. Juli 1857  in Lichtenthal ihre Profess abgelegt. Am 8. Februar 1876 wurde sie mit absoluter Stimmenmehrheit zur Äbtissin gewählt. Der Freiburger Weihbischof Lothar von Kübel  benedizierte sie  am 9. Mai 1876.

Äbtissin Aloysia führte ein Tagebuch, das über ihre kurze Regierungszeit in Lichtenthal genauso Auskunft gibt wie über den klösterlichen Alltag.

Schon unter ihrer Vorgängerin hatte der Kulturkampf begonnen. 1842 wurde Hermann von Vicari Erzbischof von Freiburg, nachdem er schon nach dem Tod von Bernhard Boll zwar vom Domkapitel einstimmig gewählt aber an den Einsprüchen der römischen Kurie als auch der badischen Regierung gescheitert war. 1851 hatte er zusammen mit den Bischöfen der oberrheinischen Kirchenprovinz verfasst. Es ging um Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung im Verkehr mit Rom. Geistliche sollten in Zukunft nicht mehr auf den Universitäten, sondern in eigenen kirchlichen Anstalten

ausgebildet werden . Auch die Verwaltung von Kirchenvermögen sollte frei sein von staatlicher Aufsicht. Der Erzbischof wollte diese Forderungen durch ein Ultimatum, aber auch mit kirchlichen Mitteln zu erreichen. Er belegte hohe Beamte mit Kirchenbann und ließ dies von den Kanzeln verlesen.

Erzbischof von Vicari wurde daraufhin unter Hausarrest gestellt. Um eine weiter Eskalation zu vermeiden suchte Großherzog Friedrich I. bei Papst Pius IX. nach einer Klärung. Es kam dann zwischen der Kurie und dem Großherzogtum zu einem Interim. Mit weiteren erheblichen Zugeständnissen an die Kirche wurde 1859 ein Konkordat abgeschlossen. Dagegen protestierten die Liberalen massiv, weil sie der Meinung waren, dass die Stände bei den Verhandlungen zum Konkordat hätten mitwirken müssen.Daraufhin berief Friedrich I. die konservativ-gouvernementalen Minister ab und  ließ in seiner Osterproklamation von 1860 das Konkordat fallen. Der Erzbischof hielt an den Bedingungen des Konkordats fest. So kam es zum offenen Kulturkampf mit sechs vom Landtag verabschiedeten Gesetzen. Sie bezweckten eine Zurückdrängung des kirchlichen Einflusses in der Öffentlichkeit.

1870 wurde die Zivilehe obligatorisch gemacht. Die  kirchliche Schulaufsicht wurde aufgehoben. 1876 wurde  die Simultanschule eingeführt. Ein Staatsexamen für die Theologen wurde eingeführt. 1879 einigte man sich darauf, dass das Staatskirchentum aufgegeben wurde.

Theologenausbildung und weitgehend die Pfarreibesetzungen wurden Sache des Erzbischofs, die Schule und die Wohltätigkeitsfonds blieben dem Staat bzw. den politischen Gemeinden.

Äbtissin Aloysia willigte ein, die Lichtenthaler Mädchenschule in eine gemischte Volksschule umzuwandeln. So sicherte sie den Weiterbestand des Klosters.

Sie am 5. April 1880 .Magdalena Kollefrath wurde am 24. Mai 1880 zur Äbtissin gewählt. Sie ist 20. Dez. 1841 in Hügelsheim geboren. Ihre Profess legte sie am 26. August 1861 in Lichtenthal ab. Neunzehn Jahre war sie Lehrerin an der Klosterschule bis zu ihrer Wahl.

Der Kulturkampf in Deutschland war ja nicht beendet und eine Aufhebung Kloster Lichtenthals war immer noch im Bereich des möglichen. Schon Äbtissin Sophia hatte erwogen, eine Niederlassung im Ausland zu gründen.

Der Lichtenthaler Seelsorger Pfarrer Gutgesell reiste nach Wien, um dort nach einem geeigneten Objekt Umschau zu halten. Er wurde auf einen zum Verkauf stehenden Gutshof im Etschtal hingewiesen. In St. Pauls-Eppan  stand der “Bloshof”. Diesen hatten aus Münster in Westfalen vertriebene Salesianerinnen erworben und zu einem Pensionat ausbauen wollen, konnten das Anwesen aber aus finanziellen Gründen nicht halten. Nachdem Pfarrer Gutgesell Fotos und näher Informationen erhalten hatte, beschloss Äbtissin Magdalena in Verhandlungen einzutreten. Sie war mit der Generaloberin der Kreuzschwestern in Ingenbohl in der Schweiz, Mutter Maria Theresia Scherer, befreundet. Das Vorhaben sollte natürlich nicht vorzeitig bekannt werden. Auf ihre Bitte inspizierte die Generaloberin nun den Bloshof, begleitet von der Lichtenthaler Laienschwester Aloisia Lang.

Erst am Tag vor der Abreise wurde Freiburger Erzbischof Johann Baptist Orbin (1882-1886)in das Vorhaben der Äbtissin eingeweiht. Er zeigte sich überrascht, hatte aber angesichts der schwierigen Zeiten Verständnis und billigte es im Nachhinein. Auch erhoffte er sich von diesem Schritt guten Ordensnachwuchs für die Diözese Freiburg. Am 17. April 1883 reiste Äbtissin Magdalena nach Bozen, wo am 21. April 1831 der endgültige Kaufvertrag unterzeichnet wurde. Noch vor ihrer Abreise den badischen Landeskommissar über die geplante Gründung einer Niederlassung unterrichtet, sich aber ausbedungen, den Großherzog in einer persönlichen Audienz selbst davon zu informieren. Es waren noch einige Hürden zu nehmen. Lichtenthaler Klosterfrauen mussten nach Österreich geschickt werden, um sich österreichische Lehrmethode  vertraut zu machen. Am 8. September 1887 wurde dort in einem Nebengebäude mit provisorischer Genehmigung des k. k. Unterrichtsministeriums das Pensionat eröffnet.Aloisia Lang wurde von Äbtissin Magdalena zur Präfektin des Pensionats bestimmt.Frau Xaveria Vivell hatte das Amt der Priorin inne. Sie hatte den Gutshof weisungsgemäß als Kloster umbauen lassen. Pensionat und Kloster erhielten den Namen Mariengarten.

Die ganze Unternehmung hatte in Kloster Lichtenthal aber zu einem finanziellen Engpass geführt. Deshalb verkaufte sie einen Teil der verbliebenen Handschriften, wozu ihr Professor Fridegar Mone,  der Sohn des Archivdirektor Franz Joseph Mone, riet. Als der landsherrliche Kommissar von dieser Veräußerung Kenntnis erhielt, verlangte er den Rückkauf der Handschriften, was dem kloster aber in seiner finanziellen Zwangslage nicht ohne weiteres möglich war. Nun sprang Großherzog Friedrich I. ein, ließ die kosten von der Hofkasse übernehmen und reihte die Handschriften in den Bestand der badischen Hof- und Landesbibliothek ein.

1894 leitete Äbtissin Verhandlungen wegen der Verselbstständigung der Lichtenthaler Gründung Mariengarten beim Abt von Mehrerau und beim Ordinariat von Trient ein. Der Fürstbischof von Trient sah die Notwendigkeit,dass Mariengarten kanonisch als Kloster errichtet wurde. Das machte  die Ver-schreibung einer genügenden Sustentationssumme notwendig. Das hätte die endgültige Überlassung der bereits in Mariengarten investierten Summe bedeutet. Das Erzbistum Freiburg warnte eindringlich davor auf das in Österreich eingebrachte Vermögen einen unwiderrufbaren Verzicht zu leisten.

Die Reaktion von seiten der großherzoglichen Regierung sei einfach unabsehbar. Das Bistum empfahl, die Gründung im bisherigen Status zu belassen, bis eine wirtschaftliche Konsolidierung erreicht sei.

Das Dekret zur kanonischen Errichtung des selbständigen Priorats Mariengarten wurde dort am 11. Februar 1898 ausgefertigt und das neue Kloster der Jurisdiktion des Fürstbischofs von Trient unterstellt. Die beiden Ordinariate schlossen einen Vergleich ab. Der Konvent von Mariengarten verpflichtete sich, den Lichtenthaler Anteil in jährlichen Raten zurück zu bezahlen. Außerdem erklärte er sich bereit, dem Lichtenthaler Konvent bei einer etwaigen Ausweisung durch den badischen Staat in Mariengarten ein Refugium zu gewähren. Das neue Kloster entwickelte sich sehr gut und konnte schon

am 26. Januar 1904 eine eigene Kirche weihen lassen.

Ein großer Wunsch war in Lichtenthal immer lebendig geblieben, nämlich die Bestätigung der einstigen Eingliederung in den Zisterzienserorden. Allerdings stand Lichtenthal seit der Säkularisation de facto unter der geistlichen Gewalt des Diözesanbischofs stand.

Einem durch den Freiburger Erzbischof Thomas Nörber in Rom eingereichten  Gesuch gab Papst Leo XIII. am am 2. April 1900 statt. Erzbischof Nörber hatte mit Rom verhandelt. Vor seiner Berufung zum Freiburger Oberhirten war er Co0nfesionarius in Lichtenthal und war so bestens in die Materie eingearbeitet. In Rom war nun wieder als Zisterienserinnenkloster bestätigt, allerdings in jurisdirektioneller Hinsicht vom Orden getrennt.Das bedeutete, dass die Exemtion aufgehoben war und damit die Eingliederung in den Orden erschwert. Das päpstliche Schreiben schloss für die zeitliche Gültigkeit

mit „durantibus adjunctis“  also so lange wie die vom Erzbischof geschilderten Zeitumstände andauerten. Auf diese Klausel hoffte man nun in Lichtenthal.

Im ganz normalen klösterlichen Alltag wirkte Äbtissin Magdalena natürlich auch. So ließ sie über dem eigentlichen Frauenchor einen beheizbaren Winterchor bauen und sie ließ die Klosterkirche renovieren.

Sie starb starb am 18. Januar 1909. Ihre Nachfolgerin wurde Gertrudis Molz. Sie wurde wurde am 9. Februar 1909 gewählt.

Gleich zu Beginn ihrer Regierungszeit wurde eine Privatschule in Lichtenthal errichtet. man wollte einfach gewappnet sein für einen eventuellen Entzug der Volksschule. Das Schulgebäude wurde 1913 fertiggestellt. Dann begann man mit der Außenrenovierung der Klosterkirche.

Am 28. Juni 1914 erklärt Österreich-Ungarns  Serbien den Krieg. Am 3. August folgt Deutschland mit der Kriegserklärung an Frankreich.

Das neue Schulhaus konnte nur teilweise mit Schülerinnen belegt werden Waisenkinder waren auch in dem Schulgebäude untergebracht. Das Waisenhaus war zum Lazarett bestimmt worden. Trotz der Kriegszeiten wuchs der Konvent. Sie brachte nicht nur einen wachsenden Konvent gut durch den Krieg, sie war auch sehr freigiebig gegenüber Soldaten. Von der Bevölkerung wurde sie deshalb die “Soldatenmutter” genannt. Die monastische Disziplin wurde im Orden sehr anerkannt.

Am 9. November 1918 hatte  der Kaiser abgedankt und Philipp Scheidemann in Berlin die Republik ausgerufen. Am 11. August 1919 war die Weimarer Verfassung rechtsgültig geworden. Das änderte natürlich auch die Rechtsbeziehungen zwischen
Kirche und Staat. so hob das badische Ministerium des Kultus und Unterrichts am 7. November 1921 das 1811 erlassene Regulativ für die katholischen weiblichen Lehr- und Erziehungsinstitute des Grossherzogtums“ auf.

Die badischen Frauenklöster wurden nun als „Korporationen des öffentlichen Rechts“ geführt.

Auch mit den Lichtenthaler Statuten war man vorangekommen. Am 19. Januar 1922 war der von Erzbischof Karl Fritz beauftragte  Domkapitular Huber  in Mehrerau beim dortigen Erzabt zu Verhandlungen über die Lichtenthaler Statuten. Im 1.Kapitel der Statuten wurde auf die besonderen Verhältnisse
Lichtenthals und die daraus folgende weitgehende finanzielle Abhängigkeit des Klosters vom badischen Staat “ hingewiesen. Auch mit dem langjährigen Gewohnheitsrecht des Freiburger Erzbistums wurde bestätigt, dass das Kloster weiterhin der Jurisdiktion des Erzbischofs unterliegt. Er leitete weiterhin die Wahl der Äbtissin, bestätigte sie und weihte sie. Auch die Bestellung des Beichtvaters blieb ihm vorbehalten. Aber das zweite Kapitel der Statuten sah vor, dass die Visitation des Klosters an den Abt von Mehrerau delegiert wurde, um „eine lebendige Verbindung zwischen dem Kloster und dem Cistercienserorden herzustellen und um das klösterliche Leben im Geiste des Ordens zu regeln“ (Statuten von 1922; LKA 45/1c) Vom 22. bis 25. Juni 1925 visitierte Generalabt Kassian Haid das Kloster Lichtenthal. Er hob das Streben des Konvents,an der alten Ordensgrundlage festzuhalten hervor und

befürworte beim Generlakapitel des Zisterzienserordens  die Angliederung des Klosters Lichtenthal an den Orden.
Am 26. Oktober 1925 stellte Generalabt Kassian Haid in Mehrerau die Urkunde zur Angliederung aus, die Erzbischof Karl Fritz in Freiburg am 6. November 1925 bestätigte.

Am 11. November 1928 verstarb Äbtissin Gertrudis Molz. Ihre Nachfolgerin wurde die bisherige Priorin Bernarda Geiler. Sie ist 1879 in Karlsruhe geboren und war Künstlerin. Sie wurde am 3. Dezember 1928 von Erzbischof Karl Fritz benediziert. Mit Abt Kassian Haid (1917 – 1949) von Kloster Mehrerau und Abt Bernhard Widmann vom Kloster Bronnbach nahmen erstmals wieder Vertreter des Ordens an einer Amtseinsetzung in Lichtenthal teil. Schon vor ihrer Wahl zur Äbtissin hatte Bernarda viel Vorarbeit geleistet zum Wiederanschluss von Kloster Lichtenthal an den Orden und Korrespondenz

geleistet. Die Jahresexerzitien wurden jegtzt wieder durch einen Cistercienser gehalten.

Als Künstlerin lag ihr natürlich auch die Erhaltung der Kunstwerke im Kloster am Herzen.

Der Schlüsselmuttergottes in der Fürstenkapelle fügte Äbtissin Bernarda zu den beiden Schlüsseln den Schlüssel des Klostertors hinzu, in einer Zeit als das Kloster von der Aufhebung des Klosters durch das Naziregime bedroht war.

Am 19. März 1940 schlossen die Nazis die Privatschule. Ab Juli 1940 musste der Konvent Kriegsgefangene verköstigen. Ab 1941 wurden Vertriebene aus der Bukowina im Schulgebäude einquartiert.

Auch der gesamte Orden war betroffen. 1941 wurden die Mönche aus Kloster Mehrerau und Vorarlberg vertrieben.Der  Prior, P.Laurentius Göppel, kam am 13. Oktober 1941 nach Lichtenthal und blieb dort bis zur Freigabe seines Klosters im Mai 1945.

Abt Kassian Haid hatte im schweizerischen Cistercienserinnenkloster Magdenau sein Asyl gefunden.

Am 29. September 1947 starb Äbtissin Bernarda. Zu ihrer Nachfolgerin wurde Adelgundis Lohrmann gewählt. Sie ist 1893 in Krefeld geboren. Sie machte eine Ausbildung zur Lehrerin und trat direkt nach ihrer Ausbildung 1913 ins Kloster Lichtenthal ein.

1928 wurde sie zur Priorin ernannt. Nach dem Tod von Äbtissin Bernarda wurde sie unter Vorsitz von Vaterabt Kassian Heid von Mehrerau zur Äbtissin gewählt. Unter ihrer Regierung wurde die Landwirtschaft in Kloster Lichtenthal schrittweise eingestellt.

Dafür wurden die Kunstwerkstätten für Graphik, Paramentik und Weberei weiter ausgebaut. Eine Goldschmiedewerkstatt für sakrale Kunst kam dazu. Am 27. Juli 1974 starb sie an den Folgen eines Schlaganfalles.

Auf sie folgte Lucia Reiss, 5. Juni 1913 Furtwangen geboren. 1933 trat sie als Postulantin in das Kloster Lihtenthal ein. 1934 wurde sie als Novizin eingekleidet und legte am 6. Januar 1938 ihre Profess ab.

Sie studierte Germanistik, Geschichte und Englisch in Freiburg, Münster und Straßburg . Bei dem Mediävisten Professor Hermann Heimpel wurde sie 1944 mit der„Studie zur Wirtschafts- und Verfassungsgeschichte des Zisterzienserinnen-Klosters Lichtenthal (1245–1803)“ zum Doktor der Philosophie promoviert.   Die neugewählte Äbtissin  Adelgundis Lohrmann ernannte sie 1947 zur Priorin. Sie war technisch interessiert und offen für Neuerungen. Sie ließ die Klosterbuchhaltung auf EDV umstellen. Ende 1970 ließ sie die leerstehenden Ökonomiegebäude umbauen.

Dort entstanden nun neue Werkstätten für die Paramentenstickerei, die Weberei, die Goldschmiede und die Grafikabteilung. Eine umfangreiche Buch- und Kunsthandlung  wurde eröffnet.  Tagungs- und Seminarräume sowie mehrere Gästezimmer wurden eingerichtet.

1979/80 wurde das Oratorium und eine Hauskapelle für die Gäste gebaut.. 1980 wurde die Mädchen-Grund- und Hauptschule zur koedukativen Grundschule umgewandelt .

Äbtissin Lucia starb am 14. August 1989 an akutem Herzversagen.

Ihre Nachfolgerin wurde die aus Düsseldorf stammende Adelgundis Selle. sie trat 1948 in das Kloster Lichtenthal ein. An der Lehrerinnenakademie in Gengenbach hatte sie ihre Ausbildung zur Volksschullehrerin gemacht. Ab 1952 unterrichtete sie

an der Klosterschule. Von 1959 bis 1978 war sie Konrektorin und von 1978 bis 1984 Rektorin der koedukativen Grundschule Lichtenthal. 1974 wurde sie Priorin.Von 1985 bis 2000 war sie Novizenmeisterin. 1989 folgte sie

Lucia als Äbtissin nach. In ihrer Amtszeit wurde der Umbau der alten Ökonomiegebäude zum Gästehaus beendet. die Klosterkirche wurde 1991 renoviert und eine neue Orgel eingebaut.

1993 wurde Kloster Lichtenthal wieder mit allen Rechten in den Orden aufgenommen. 1995 konnte das 750-jährige Bestehen gefeiert werden.

Äbtissin Adelgundis stürzte 1997 schwer. Da ihre Kräfte nachließen, legte sie ihr Amt zum 1. Mai 2001 nieder.

Auf sie folgte die in Koblenz geborene Bernardette Hein. Sie war am 11. Februar 1979 ins Kloster eingetreten und legte ihr Profess am25. März 1980 ab. Am 1. Mai 2001 wurde sie zur 46. Äbtissin von Lichtenthal gewählt.

20 Nov 2020

Kloster Herrenalb

 

Nach der Stiftungsurkunde wurde das Kloster 1148 gegründet. Die Urkunde liegt allerdings nur in einer wohl verfälschten  Abschrift aus dem Jahre 1270 vor. Stifter waren  Berthold III. von Eberstein und seine Gemahlin Uta, Gräfin von Sinsheim.

Die Stiftung erfolgte aus Dankbarkeit für die gesunde Rückkehr aus dem 2. Kreuzzug (1147-1149). Das neue Kloster wurde den Zisterziensern übergeben, die es von Kloster Neuburg (Novum Castrum) in Dauendorf in der Nähe von Haguenau aus besiedelten.

Der Neuburger Abt stand in seelsorgerlicher Beziehung zum Klostergründer

Der 1. Abt Herrenalbs Dieterich(1150) kam wie bei Klostergründungen der Zisterzienser damals üblich mit 12 Mönchen im Albtal an. Kurz vorher, 1138, war von Neuburg aus Maulbronn gegründet worden, das 1147 an einen geeigneteren Standort, dem heutigen, verlegt worden.

Über Kloster Lützel gehört Neuburg und damit Herrenalb der Filiation der Primarabtei Morimond an. Die Stiftung wurde mit Gütern im Albtal und um Ottersweier sowie dem Dorf Dobel ausgestattet. Der Stifter war kurz nach der Stiftung in den Grafenstand aufgestiegen. Die Abschrift der Stiftungsurkunde wurde von Graf Otto III., dem Enkel des Stifters veranlasst, der damit die Stiftung bestätigte. Otto war, als die Abschrift angefertigt wurde angeblich 100 Jahre alt und starb 1279. Er ist in Herrenalb bestattet.

Auch die nächsten drei Äbte, nämlich Ulrich (1147), Konrad und Matthäus kamen aus Neuburg.

Schon 1177, am 21. Dezember erhielt Herrenalb die erste päpstliche Bestätigung und zwar durch Papst Alexander III.(1159-1181).”Papst Alexander III. nimmt das Kloster Herrenalb mit genannten Besitzungen in seinen Schutz, und verleiht ihm weitere ausgedrückte Begünstigungen.” (WUB Bd.II, Nr.407, S.181-182)Bestätigt werden namentlich die Grangien in Rastatt, Ötigheim,Au am Rhein, Malsch, Scheibenhardt, Bretten, Eck, Moosbronn und Ubstadt.

Die erste kaiserliche Schutzbestätigung kam von Kaiser Heinrich VI. 1195 (1191-1197). “Kaiser Heinrich VI. nimmt das Kloster Herrenalb mit allen dessen Angehörigen und rechtmäßigen Besitzungen in seinen Schutz.” (WUB Bd. II, Nr. 493 S. 311)

Päpstliche Schutzurkunden wurden wieder am 24. August 1213 durch Papst Innozenz III. (1198-1216) (WUB Bd IV. Nr.86, S. 388-389)Der Nachfolger  Papst Honorius III. (1216-1217) stellt kurz danach eine weitere Schutzurkunde aus. (WUB Bd. III, Nr. 598 S. 57-60)

Auch Papst Clemens IV. (1265-1268)bestätigt am 30. April 1268 den päpstlichen Schutz für Herrenalb sowie “alle ihm von seinen Vorgängern sowie von Königen, Fürsten und anderen Christgläubigen bewilligten Rechtsbegünstigungen und Befreiungen von weltlichen Abgaben.” (WUB BD. VI. N.2002, S.397)

Am 30. April 1274 bestätigt Papst Gregor X. (1271 – 1276) die Schenkung des Patronatsrechts für die Kirche von Merklingen durch den Edlen Ludwig von Liebenzell. Merklingen im Stroh- und Schlehengäu war zu einem weiteren Schwerpunkt der Besitzungen des Klosters Herrenalb geworden. 1296 war Merklingen der Mittelpunkt eines Klosteramts von Merklingen. Merklingen ist heute der  größte Stadteil von Weil der Stadt.1296 hatte Herrenalb das ganze Dorf Merklingen erworben und dort einen Klosteramtssitz errichtet. Die Verwaltung galt als mustergültig.  In Weil der Stadt hatte das Kloster auch einen Stadthof, der 1275 von König Rudolf von Bede, Steuer und allen Diensten befreite.(WUB Bd.VII, Nr.2545, S. 407-408)Am selben Tag stellt König Rudolf eine Urkunde für das Kloster aus, “König Rudolf nimmt das Kloster Herrenalb, nachdem er die seitherigen Prätendenten zum Verzicht auf das Vogtrecht über dasselbe bewogen hat, in seinen und des Reiches Schutz und erlaubt ihm, sich aus der Familie der Herren von Eberstein einen Schirmherrn zu erwählen”.(WUB Bd.VII, Nr.2544, S. 406-407). Die Familie von Eberstein hatte schon den Höhepunkt ihrer Bedeutung überschritten. Eine Teilung des Besitzes zwischen den Brüdern Berthold IV. und Otto I. verstärkten den Abstieg. Dazu kamen finanzielle Schwierigkeiten des Hauses. 1240 heiratete Kunigunde von Eberstein den Markgrafen Rudolf von Baden. Als ebersteinischer Miterbe erfüllte Kunigundes Gemahl also die Bedingung König Rudolfs als Schirmherr Herrenalbs. 1289 hatten  die Markgrafen von Baden die Vogtei von Herrenalb inne.

Am 18. April 1338 stellte Kaiser Ludwig der Bayer in Frankfurt folgende Urkunde aus “Ks. Ludwig befiehlt Graf Ulrich (III.) von Württemberg, seinem Landvogt, nachdem Abt und Konvent des Zisterzienserklosters Herrenalb durch großen Unfrieden und wegen etlicher Herren, insbesonders wegen Markgraf Hermann (VIII.) von Baden, von denen sie bedrängt werden, in solche Not gekommen sind, daß sie in ihrem Kloster nicht bleiben und ihr Auskommen finden können, sich des Abts und des Konvents anzunehmen, ihr Schirmer zu sein und nicht zu gestatten, daß Markgraf Hermann noch jemand anders sich an ihren Gütern und Leuten vergreifen. Sollte sich der Graf ungehorsam zeigen, möge er wissen, daß er sich gegen den Kaiser vergehe. “( RI VII H.1 n. 287).

Zwar bestätigte Ludwig in einer am 2. Juni 1388 auch in Frankfurt ausgestellten Urkunde die Vogtfreiheit von Kloster Herrenalb ( RI VII H.1 n. 288). Aber die Schutzvogtei lag nun bei dem Grafen von Württemberg. Baden aber gab seine Ansprüche nie auf,

anerkannte aber 1344 die frei Wahl von Ludwigs Söhnen zu Schirmern Herrenalbs. Die ununterbrochene Oberherrschaft bis 1496 war damit eingeleitet.

Herrenalb hatte seinen Besitzschwerpunkt zunächst im Albtal. In der Ortenau hatte es Besitz in und um Ottersweier. In der Rheinebene hatte es auch um Malsch herum ausgedienten Besitz. Am Schwarzwaldrand bildete Langensteinbach einen Besitzschwerpunkt.

Das Dorf kam 1296 durch Kauf vom Markgrafen Friedrich von Baden in den Besitz von Kloster Herrenalb. (WUB Bd. X, Nr.4840, S. 479) Der Verkauf erfolgt im April. Am 21. Juli 1296  wurde in Urkunde Nr. 4868 (WUB Bd. X, S.504-505) beurkundet: “Graf Eberhard von Württemberg verzichtet zugunsten von Kloster Herrenalb auf alle Rechte an den Dörfern Langensteinbach, Ittersbach und Wolmarspach.” Das Kloster richtete in Langensteinbach eine Pflege ein. Von dieser Pflege aus wurden auch die heutigen Teilorte, Auerbach, Mutschelbach, Ittersbach und Spielberg mitverwaltet. Alle Teilorte des heutigen Karlsbad kamen etwa zur selben Zeit an Kloster Herrenalb.

Um 1330 erbauten dort Mönche die St. Barbarakapelle, die sich zu einem Wallfahrtsort der erst nach der Reformation an Bedeutung verlor. Begütert war Herrenalb im Kraichgau und in der Gegend von Bruchsal. In Vaihingen an der Enz hatte es einen Pfleghof und einen Fruchtkasten, in dem die Erträge seiner Besitzungen gelagert wurden. Als Abt regierte zu der Zeit Eberhard (1329-1334).

Das Kloster verfügte auch über eine Ziegelei, die sich im Bereich des heutigen Bahnhofs befand. Im Museum in Herrenalb werden die ältesten in Deutschland gefundenen datierten Ziegel ausgestellt.Sie stammen aus dem Jahr 1452.Großen Besitz hatte das Kloster auch im Kraichgau. Die Dörfer Ober-und Unterderdingen gehörten um 1200 zwei verschiedenen Herrschaften an. Ein Zinsgut wurde schon 1181 an das Kloster vergeben. In der Schutzurkunde von Papst Honorius III. 1216 wird auch schon Besitz in Derdingen erwähnt und in den Schutz einbezogen. 1252 kaufte das Kloster die Vogtei über Derdingen von dem Edlen Luitfried von Helmsheim. Außerdem konnte das Kloster fast den gesamten Derdinger Besitz des Werner von Sternenfels und seines Bruders Konrad kaufen, dazu das Patronatsrecht der Kirche von Derdingen. Im Januar 1256 erlaubt Papst Alexander IV., sich die Kirche von Derdingen einzuverleiben. Um seine Besitzungen in und um Derdingen zu verwalten, richtete das Kloster einen Pfleghof ein.

Schon 1308 wurde das “Steinhaus” errichtet, in dem die Abgaben der zinspflichtigen Bauern gelagert wurden. 1391 wurde der Verwaltungssitz des Klosters erbaut. Heute ist das das evangelische Gemeindehaus.1480 richtete das Kloster in seinem Pfleghof das klösterliche Stabsamt ein. In der Zehntscheune mussten die Bauern ihren Zehnten abliefern. Die Gemeinde baute die Zehntscheune dann zum Rathaus um, das 1985 fertiggestellt wurde. Auch in Pforzheim besaß das Kloster am Marktplatz ein 1336 urkundlich erwähntes Steinhaus.

Keltern betrieb das Kloster in Kürnbach und in Derdingen. Damals herrschte Kelterzwang. die Weingärtner mussten ihren Wein in der klostereigenen Kelter keltern, für das Kloster von doppeltem Nutzen. Einmal sicherte es Einnahmen und abgabepflichtige Bauern waren über das Keltergut einfach zu kontrollieren.

1450 gehörten 37 Dörfer zum Kloster und in 127 Ortschaften erzielte es Einnahmen aus Rechten und Gütern.

Über einen Pfleghof verfügte Herrenalb auch in Vaihingen an der Enz. Er steht in der Mühlstraße und von dort aus wurde Herrenalber Besitz in und um Vaihingen verwaltet. Getreide und Wein aus dem Großen Zehnt wurde im Fruchtkasten gesammelt und verwahrt.

Den wichtigsten Stadthof besaß Kloster Herrenalb in Speyer. Die verkehrsgünstige Lage am Rhein ermöglichte überregionalen Handel. Dies nutzten 16 Klöster für sich, die in der Reichsstadt ihre Stadthöfe hatten, davon 11, die dem Zisterzienserorden angehörten.

Allerdings musste der Herrenalber Konvent seinen Stadthof in Speyer 1446 verkaufen, was die angespannte finanzielle Lage des Klosters zeigt. Die Lage des Klosters wird auch durch ein Entschuldigungsschreiben von Abt Heinrich (1425-1449) aus dem Jahr 1429 an den Generalabt von Citeaux illustriert. (abgedruckt in R.Schmidt,Ein Brief des Abtes Heinrich von Herrenalb In: Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum (1897) S. 105-108)Abt Heinrich entschuldigt sich, weil er nicht am jährlichen Generalkonvent teilnahmen kann und begründet dies, dass  “große und schwere Geschäfte, die seinem Kloster obliegen” zwingen in seinem Kloster anwesend zu sein. Zum einen ist es ein Schiedstermin in dem es um Streitigkeiten mit einem benachbarten Kloster geht (wohl Kloster Frauenalb) Zum andern lasten große Schulden auf dem Kloster und die Gefahr bestünde, dass Gläubiger seine Abwesenheit nutzen könnten, die Güter des Klosters in Besitz zu nehmen.

Herrenalb hat es nie geschafft, seine verstreuten Güter und Rechte zu konzentrieren und so eine wirtschaftlich starke Position zu erreichen.

Als Graf Eberhard im Barte 1496 starb, folgte sein Cousin Eberhard II. auf den württembergischen Thron. Mit diesem kam der Konvent von Herrenalb nicht gut zurecht und berief sich auf sein Recht auf freie Vogtwahl und stellte sich unter den Schutz des Markgrafen

Christoph von Baden. Graf Eberhard ging daraufhin sogar mit Waffengewalt gegen das Kloster vor. Er nahm auch die badischen Dörfer Malsch und Langensteinbach ein und plünderte Langensteinbach. Dem Kloster entstand ein Schaden von 5.000 Gulden. Dargestellt in “ Grund und Acten-mässige Information Worinnen das von dem Hochfürstlichen Haus Baaden-Baaden An das Hochfürstliche Haus Württemberg Vor mehr dann hundert Jahren so wohl judicialiter, als extrajudicialiter gestellte-  und von Zeit zu Zeit wiederolte Restitutions Gesuch die beede Klöster Herrenalb und reichenbach betreffend Eigentlich und jauptsächlich bestehe, mit angeführtem klaren Beweis, daß gedachtes Restitutions-Gesuch vollkommen fundirt und diese Sache lediglich ex jure communi zu dijudizieren sey. s.I. ca 1755 , Der Gewaltakt wird auf den Seiten 3 ff geschildert.

Vom Konvent ließ sich Abt Bartholomäus (1485-1509)eine Vollmacht erteilen und  erschien 1497 auf dem Reichstag in Worms.

Notarielle Vollmacht des Konvents für den Abt Bartholomäus, das Kloster Herrenalb gegen Herzog Eberhard von Württemberg, der ihn „kurz vergangner tagen mit etlicher macht seiner gnaden volke, zu der were zu Roß und auch zu fuße geruft, ein merklichen Schaden und gewalt mit hynnemmung entwerung unnd wüstung des Ihren“ zufügen lassen, auf dem von König Maximilian gesetzten Tag zu Worms zu vertreten” (Urkunde vom  29. März 1497 Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 489 U 63)

  Er beschwerte sich und berief sich erneut auf die freie Vogtwahl.

König Maximilian stellte dann folgende Urkunde aus: “Urtheilbrief des römischen Königs Maximilian I. zwischen Markgraf Christoph und Herzog Eberhard zu Würtemberg, daß jeder über die des Klosters Herrenalb Stück und Güter, die in eines jeden Land sich befänden, auf ihre Lebzeit hin Schirmer sein sollten / 28. September 1497” (Generallandesarchiv Karlsruhe {D 1042 Verweisung})Am Ende einigten sich die beiden Herrscher von Württemberg und Baden schließlich auf einen Vergleich.

“Herzog Eberhard von Württemberg und Markgraf Christoph von Baden vergleichen ihren Streit wegen der Schirmherrschaft über das Kloster Herrenalb dahin, dass ersterem dieses Recht zustehen und bleiben solle, mit Ausnahme der Dörfer: Malsch, Langensteinbach, Uttersburg, Dietenhausen, Auerbach, Spielberg, Stupfenreich halb, Loffenau, Neusatz, Rotensol, Bernbach und Göbrichen.”

1497 Mai 31 (Mittwoch nach St. Urbanstag) (Urkunde vom 31. Mai 1497 Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 489 U 64).

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erlebte das Herrenalber Scriptorium eine Blüte. Der aus Neibsheim stammende Kantor des Klosters, Johannes Zürn, fertigte mehrere Handschriften. Nur wenige sind erhalten. Sie zählen zu den wenigen, die heute überhaupt noch mit dem Kloster Herrenalb in Verbindung gebracht werden können. Eine ist das sogenannte Herrenalber Gebetbuch. Zürn schuf es für den Herrenalber Mönch Ludwig von Bruchsal, der in Merklingen das Klostermat verwaltete. Es wird heute in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin aufbewahrt. Die Badische Staatsbibliothek besitzt das “Breviarium cisterciense”, das auch von Johannes Zürn geschaffen worden ist.Es wird vermutet, dass diese Handschrift von Anfang an für die Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal vorgesehen war. Im Bestand der Lichtentaler sind noch weitere Handschiften aus Herrenalb vorhanden. 6 davon stammen ebenfalls von Zürn.

1525 hatte das Kloster schwer unter den Folgen des Bauernkrieges zu leiden. Im Fürstbistum Speyer brach der Aufstand am 20. April 1925 aus. Die Bauern aus dem Bruhrain, das ist die Gegend um Bruchsal, haben sich auf dem Letzenberg bei Malsch  versammelt.

Von dort zieht der “Bruhrainer Haufe “ ins Albtal, überfällt und plündert  die Klöster Frauenalb und Herrenalb. Die Stiftsdamen flüchten über die Berge nach Gernsbach, die Herrenalber Mönche in die Wälder. Abt Markus (1518-1527) läßt von dem Pforzheimer Stadtschreiber und Notar  Alexander Hug von Calw einen Bericht anfertigen, in dem das Geschehen im Kloster festgehalten ist. Der Schaden wird auf 30.000 Gulden geschätzt. (veröffentlicht in Weech Friedrich von: Die Aufhebung des Klosters Herrenalb durch Herzog Ulrich von Wirtemberg. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 33 (1880) Anhang Herrenalb im Bauernkrieg S. 358-361) Da Kloster wurde schwer beschädigt. Teile der Ausstattung, der Bibliothek und des Archivs gingen dabei verloren.

Der Speyrer Bischof Georg von der Pfalz ( 1513 bis 1529), der während des Aufstands in der Pfalz nach Heidelberg geflohen war, ritt am 29. April 1925 nach Herrenalb und verhandelte mit den Bauern. Für die Bauern sprach der Stadtschreiber von Bruchsal, für den Bischof Bernhard Göler von Ravensburg. Die Bauern anerkannten den Bischof als ihren Landesherren, dieser versprach ihnen, sie dürften nach Belieben Prediger annehmen. Ein idealisiertes Barockgemälde, das die Verhandlungen zeigt,hängt im Schloss Bruchsal.

Das Kloster erholte sich von den Folgen der Plünderung relativ rasch. Aber nur wenige Jahre kam das aus für das Kloster Herrenalb.

Herzog Ulrich von Württemberg (1487 – 1550) wurde bereits 1516 von Kaiser Maximilian mit der Reichsacht belegt und vom Schwäbischen Bund 1519 aus dem Land vertrieben. Nach dem Bauernkrieg versuchte Ulrich sein Land wieder zu gewinnen. Das gelang ihm aber noch nicht. Als er sich 1534 mit dem protestantischen Landgrafen Philipp I. verbündete,und dann in der Schlacht bei Lauffen am 13. Mai 1534 siegte, konnte er nach Württemberg zurückkehren. In Kaaden bei Eger wurden unter Vermittlung des Erzbischof von Mainz und Magdeburg Albrecht und Herzog Georg von Sachsen verhandelt und am 29. Juni 1534  der Friedensvertrag von Kaaden geschlossen. Herzog Ulrich und der säschsische Kurfürst mussten die umstrittene Wahl Ferdinands zum deutschen König anerkennen.Aber Ulrich erhielt den Besitz über Württemberg bestätigt und führte dann die Reformation in Württemberg ein.

Am 5. Juli 1535 kamen zwei Abgesandte von Herzog Ulrich, Edeljunker Hans Friedrich Thum und Meister Erhard Schnepf und verkündeten die neue Klosterordnung. Damit waren alle bisherigen Zeremonien abgeschafft. Der Konvent bat zwar, dass er bei allen Zeremonien und Ordensgebräuchen bleiben wolle. Das und auch eine Bedenkzeit von 4 Wochen wurde abgelehnt. Den Mönchen wurde ein Angebot gemacht, zu studieren, eine (evangelische)Pfarrei zu übernehmen oder zu Heiraten. Das Angebot war auch finanziell untermauert. Wenn ein Mönch heiratete, erhielt er 40 Gulden. Wollte  er studieren oder ein (evangelisches) Pfarramt antreten, standen ihm 50 Gulden zu. Allerdings gingen nur 7 Mönche von den insgesamt 23 Mönchen des Konvent darauf ein. 16 wollten im Kloster Herrenalb bleiben. Er ordnete auch eine Inventur der württembergischen Klöster an. Denn Herzog Ulrich brauchte Geld. Im Sommer 1534 war er mit Landgraf Philipp wegen der Kriegskosten in Streit geraten. Der Geldbedarf war zunächst die Hauptmotivation für die Aufhebung der Klöster. Erst später gewannen die religiösen Gründe Gewicht für dieses Vorgehen. Das zeigt sich auch in der Forderung vom 9. Juni 1535 an den Herrenalber Abt Lukas, den auf dem Landtag auferlegten Betrag von 20.000 Gulden in Gold für das Halbjahreseinkommen bis zum 4. Juli 1535 an die Rentkammer zu bezahlen. Seine Beamten wies er an, “alle aus dem Bereiche des Fürstentums hinweggeführten Barschaften, Kleinodien und Silbergeschirr wieder in ihr Kloster zurückzuführen”. (Edgar Fleig Die Aufhebung des Kloster Herrenalb in Freiburger Diözesanarchiv 47 (1919) S.53) Sie sollten aufgeschrieben und inventarisiert werden und in einem Behältnis verwahrt werden, zu dem der Abt, der Konvent und der Fürst je einen Schlüssel haben sollte. Gleiches galt für alle Titel, Briefe und andere schriftliche Urkunden. Abt und Würdenträger des Klosters sollten das Güterverzeichnis unterschreiben, die Wahrheit und Richtigkeit desselben auf Eid bestätigen und am Ende des Inventars ihr Siegel anbringen. In einem Schreiben vom 5. November 1934 an Abt Lukas erging das Verbot, mit Gütern oder Früchten ohne Wissen und Genehmigung des Fürsten eine Änderung vorzunehmen. Am 3. Dezember 1534 schlossen die Abgesandten Herzog Ulrichs die Inventarisierung ab. Das waren Reinhard von Sachsenheim, Kosmas Wolflin aus Cannstatt der Vogt von Gröningen Philipp Volland und der Vogt von Bietigheim  Sebastian Hornmolt. Sie berichteten, dass Abt und Konvent sich gegenüber der Inventarisierung “gutwillig gezeigt hätten” (Fleig S.55) Den Eid aber verweigerten Abt und Konvent. Auch erhob der Abt Bedenken gegen die Einschließung der Barschaft, des Silbergeschirrs und namentlich der Briefe , da dies für eine geordnete Haushalts hinderlich sei.

Am 23. Oktober des darauffolgenden Jahres erschienen die Abgeordneten Ulrichs  Reinhard von Sachsenheim und Philipp Volland  wieder in Herrenalb mit einem Beglaubigungsschreiben des Fürsten. Sie erklärten, den mündlichen Befehl des Fürsten zu haben,dass alles im Klosterbesitz, das im Dezember 1934 aufgenommen worden war, in die Rentkammer nach Stuttgart zu führen sei. Außerdem teilten sie dem Konvent mit, dass der Fürst beabsichtige, alle Klosterinsassen auf Klosterfuhrwerken in spätestens 14 Tagen an einen Ort zu bringen, der noch mitgeteilt würde. Der Konvent bat inständig, dass  man ihm wenigstens die Briefe lassen solle und die Mönche im Klöster verbleiben könnten. aus eigener Vollmacht konnten die Abgeordneten keine Zustimmung geben, empfahlen aber eine Bittschrift an den Fürsten zu verfassen, bei deren Aufsetzung sie mithalfen. Am 28. Oktober 1535 kamen wieder Beauftragte des Fürsten unter ihnen Ambrosius Blarer, den Herzog Ulrich mit der Durchführung der Reformation in Württemberg beauftragt hatte.

Insgesamt kamen etwa 30 Berittene und etwa 70-80 Mann Fußvolk, alle ausgerüstet mit Hellebarden und Büchsen . Der Konvent musste sich versammeln. Es wurde nochmals befohlen, den Besitz des Klosters nach Stuttgart zu überführen. Der Abt verwies zwar auf die Rechte der Schirmherren, der Markgrafen von Baden und der Grafen von Eberstein. Auch erinnerte er an die päpstlichen und kaiserlichen Schutzbriefe, beugte sich aber schließlich der Gewalt und lieferte die Schlüssel aus. Auch die Glocken waren beschlagnahmt und im Verlauf des Jahres 1536entfernt worden. Den Taglohn für die Abnahme der Glocken musste das Kloster bezahlen. Auch die kosten für die Überführung der beschlagnahmten Güter musste das Kloster tragen. Für Anfang 1536 ordnete Herzog Ulrich eine 2. Inventarisierung an. Sie sollte dem inzwischen ernannten Mitverwalter einen Einblick in Besitz und Verwaltung des Klosters verschaffen. Zum 1. Februar 1536 war dem Kloster sie Selbstständigkeit genommen und der gesamte Besitz in die Hand des Herzogs gegeben worden. Auf die Nachricht der 2. Inventarisierung hatte Graf Wilhelm von Eberstein für das herrenalbische Dorf Langensteinbach “die Früchte verboten”, was wohl do zu verstehen ist, eine Verkaufssperre verhängt, um ein Eingreifen des württembergischen Herzogs zu verhindern. Am 11. Mai 1536 verließen die letzten Mönche Herrenalb. Abt Lukas wurde 1538 unter recht fadenscheinigen Begründung ein Prozess gemacht. Das reichte wohl nicht zur Verurteilung. Vor dem 6. April1540 wurde er

beschuldigt, 30.000 Gulden unterschlagen zu haben und ins Gefängnis geworfen (Crusius Annalaes Sueviae, Pars II Lib-X Cap 8) Dort starb er am 11. September 1546.

Unter Herzog Christoph wurde in Herrenalb ebenfalls eine Klosterschule eingerichtet, die aber 1595 schon wieder geschlossen wurde.

Nach dem Restitutionsedikt 6. März 1629 von Kaiser Ferdinand II. versuchte der Abt von Salem nochmals Mönche in Herrenalb anzusiedeln, allerdings ohne Erfolg. Das Kloster wurde im eiteren Verlauf des Dreißigjährigen Krieges von den Schweden schwer beschädigt. 1649 wurde das Kloster endgültig aufgelöst.

28 Dez 2018

Prämonstratenserabtei Weissenau

 

clip_image001

Gebizo von Ravensburg, der sich selbst all Ministerial Herzogs Welf bezeichnet und Burgvogt auf Neuravensburg war, stiftet in der kleinen Hube Au in der Schusseniederung Au ein Kloster. Sein Vater war Hermann der Reiche und seine Schwester Luitgard. Das Kloster wurde auch Minderau genannt, zur Unterscheidung des Klosters in der Au bei Bregenz Mehrerau. Da die Prämonstratenser ein weißes Ordensgewand trugen, bürgerte sich bald der Name Weissenau ein. Der Stiftungskonvent kam aus Rot an der Rot. Das von einem Propst geleitet Stift war ein Doppelkloster. Zwar starb der Stifter schon 1153 als noch nicht die gesamte vorgesehene Ausstattung übertragen war. Er war bei Streitigkeiten der Marktleute auf dem Markt von Ravensburg von einem Bauern erstochen, als er schlichten wollte. Der 1. Propst war Hermann I.Unter ihm begann man 1156 mit dem Bau der Klosteranlage und am 12. September  1172 konnte die Kirche St. Maria und Peter vom Konstanzer Bischof Otto II. (1165-1174) geweiht werden.Der von Weisenau abhängige Frauenkonvent wurde in Maisental errichtet und blieb dort bis ins 14. Jahrhundert bestehen. Maisental entstand rund 500 m vom ursprünglichen Doppelkloster entfernt. Seine Kirche konnte früher fertig gestellt werden und wurde wurde am 7. November 1166 Maria und Nikolaus geweiht. Auch das Männerkloster entwickelte sich rasch. Am 1. November 1164 stellte Friedrich I. eine Urkunde für das Kloster aus. “ Kaiser Friedrich (I.) nimmt das Kloster Weißenau mit genannten Besitzungen in seinen unmittelbaren und ausschließlichen Schutz und verleiht demselben einige weitere ausgedrückte Begünstigungen.” (WUB Band II., Nr. 383, Seite 147-148)

Das Kloster wuchs rasch weiter und konnte schon 1183 den Gründungskonvent für Schussenried abgeben. Um 1200 zählte es 24 Chorherren und 60 Laienbrüder. Am 31. März 1219 stellte Papst Honorius III. (1216-1227) eine Urkunde für das Stift aus.

“Papst Honorius III. nimmt das Kloster Weißenau in seinen Schutz, bestätigt seine Einrichtungen und Besitzungen, darunter eine Reihe namentlich bezeichneter, und verleiht ihm verschiedene ausgedrückte Begünstigungen.”  (WUB 143 Band III., Nr. 614, Seite 77-80)Unter Besitzungen ist ein Weinberg und ein Haus in Überlingen angeführt. Ob das bereits ein Stadthof ist, lässt sich aus der Papsturkunde nicht ersehen. Die Papsturkunde von 1262 listet auch Häuser in Buchhorn und Lindau auf. In diesen drei Reichsstädten hatte Weissenau jeweils einen Stadthof über die das Kloster seine landwirtschaftlichen Überschüsse absetzte, die auf selbst bewirtschafteten Grangien erzielt wurden (WUB 52 Band VI., Nr. 1650, Seite 50-52).

Der Prämonstratenserorden war immer enger als andere Orden mit seiner jeweiligen Diözese verbunden, was auch mit seiner Eigenart als Priesterorden erklärt wird. Auch die Zugeständnisse an Bischöfe waren eine Eigenart der Prämonstratenser. In den Conseutudines, die 1236 zum wiederholten male revidiert wurden, wurden den Bischöfen große Rechte in den inneren Angelegenheiten des Ordens eingeräumt. Auch in Bezug auf die Filiationen war die Einflussnahme der Bischöfe sehr ausgeprägt.

Das zeigte sich zum Beispiel bei der Zuweisung von Rüti. 1230 erhielt es das Prämonstratenserstift Rüti am Zürcher See als Tochter zugewiesen. Rüti wurde vom Stift Churwalden getrennt und der Konstanze Bischof Konrad von Tegerfelden (1209-1233) wies es dem Kloster Weissenau als Tochter zu. Rüti war von Liutuld von Regensberg gestiftet worden. die Regensberger sind ein bedeutendes Schweizer Adelsgeschlecht und sie bedachten das Kloster mit großzügigen Spenden. Schon als es Weissenau zugewiesen wurde, war es ein sehr wohlhabendes Kloster.

1257 wurde Weissenau vom Generalkapitel zur Abtei erhoben, was auch auf die wirtschaftliche Stärke der bisherigen Propste schließen lässt. Heinrich I. wurde der erste Weissenauer Abt (1257-1266).Mitte des 13. Jahrhunderts war Weissenau eines der reichsten Klöster Schwabens geworden. Das Stift hatte als Mitgift eintretender Männer und Frauen zahlreiche Besitzungen erhalten.Der Wohlstand des Klosters lässt sich auch am Kreuzzugszehnten von 1275  ablesen. Demnach musste in Zehnt auf die Einnahmen nach Selbsteinschätzung gezahlt werden, das waren bei Weissenau 16 Mark Silber. Abgedruckt im Liber decimationis cleri Constanciensispto papa de anno 1275, Freiburger Diözesanarchiv, Bd 1-2 Freiburg 1865, S. 131.  Nach der Blüte in der Stauferzeit setzte mit dem Interregnum ein wirtschaftlicher Niedergang ein, verschärft durch Raub und Plünderungen und Zerstörungen. Der Mangel an Bargeld zwang ab 1266 das Kloster zum Verkauf zahlreicher Lehensgüter und der Aufgabe mehrerer Eigenbetriebe. Als mit Rudolf von Habsburg wieder ein König auftrat, wurde mit dem Eingreifen des Königs gegen den schwäbischen Adel der Talfahrt ein Ende gesetzt. 1283 schenkte Rudolf dem Stift eine Heilig Blut Reliquie, was die wirtschaftliche Lage weiter verbesserte. “schenkt (anno 1283) dem sehr verarmten Kloster Weissenau bei Ravensburg auf bitten des abtes pretiosissimum suum Argentinae acceptum thesaurum sanctissimum Christi Jesu cruorem in pulcro clinodio cum appensis annulis candidis candidissimis patriarchae Norberti” (RI VI, n.1757 a)Der Abt, der sich das Geschenk von Kaiser Rudolf erbat, war Heinrich von Ankenreute (1279-1284) Das Kloster wurde zum Wallfahrtsort. Es konnte einen Teil der verlorengegangenen Besitzungen zurückgewinnen, die alte Wirtschaftskraft aber nicht mehr erreichen, zumal der Rückgang der Laienbrüder das Kloster zur Verleihung der Gutshöfe an Bauern zwang.

clip_image002

Die Verleihung war 1335 abgeschlossen. Die Eigenwirtschaft wurde bis 1803 nur in unmittelbarer Umgebung des Klosters beibehalten.Nun wurde auch in Weissenau ein neuer Schwerpunkt gesetzt, nämlich die Seelsorge. Damit vollzog Weissenau aber nur eine Entwicklung, in der sich der Prämonstartenserorden seit seinen Anfängen befand. Chorherren waren primär Geistliche. Sie empfingen geistliche Weihen, waren aber eben auch zum Dienst in der Gemeinde bestimmt. Sie lebten zwar in einer klösterlichen Gemeinschaft zusammen, wirkten aber in Offenheit zur gesamten Gemeinde und damit zur Welt hin.

1286 beauftragte Kaiser Rudolf “die brüder Ulrich und Marquard von Schellenberg, die güter welche das von ihm in schutz genommene kloster Weissenau in Isenbach und Manzell besitzt, vor gewaltthätigen angriffen zu schützen. “ RI VI, 1 N.2033)

Am 12. März 1373 kaufte das Kloster Weissenau den Kirchensatz in Ummendorf, Besitzungen in Rottum und Ehrensberg sowie den Burgstall in Ummendorf “mit all seiner Zugehördt” von Ulrich von Schellenberg für 2500 Pfund Heller. 1376 wurde die Pfarrei Ummendorf durch eine Bulle Papst Gregors XI.dem Kloster Weissenau inkorporiert. Das Kloster stockte nun seinen Besitz in Ummendorf auf und kaufte einen Hof um den anderen. Zuletzt erwarb es 1440 ebenfalls um für 2500 Pfund auch die Höfe und Güter der Herren von Essendorf. Jetzt ist praktisch ganz Ummendorf im Besitz von Weissenau.

1488 kam es im Klostergebiet von Weissenau zu ersten lokalen Unruhen.Ein Vertrag zwischen Abt Johannes (1483-1495)und Bauern wurde geschlossen. Es ging um die Rechtsform der Güter, um das Erbrecht der Bauern und ihre Verlassenschaft, das sind alle Rechte und Verbindlichkeiten des Verstorbenen,  die im Wege der Gesamtrechtsnachfolge auf den Erben übergehen und schließlich um die persönliche Rechtsstellung, also Leibeigenschaft. Die Vertragspartei der Bauern waren in Weissenau “des Gottshaus aigenen Leuthen, Mannen, Frawen, Knaben und Töchtern, allen gemainlich die denne unnß unndt unserem Gottshaus mit aigenschafft zugehören” (zitiert bei Peter Blickle, Grundherschaft und Agrarverfassungsvertrag, als pdf unter

https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/vuf/article/viewFile/16421/10268 Seite 245)

  In Weissenau wurde der einzige von 15 Verträgen zwischen Herrschaft und Bauernschaft ohne Vermittlung Dritter geschlossen. Der Vertrag zeigte, dass das Kloster im Zugzwang war. Die Städte waren durch die Bevölkerungsverluste durch die Pest für die Landbevölkerung attraktiv geworden und der Wegzug der Bauern war mit dem Verlust der wirtschaftlichen Grundlage der Herrschaft verbunden. Wegzugsverbot bzw. das Verbot der Unterstellung unter eine fremde Herrschaft ebenso wie die Bestrafung “ungenoßsamer Ehen” sollten das Problem für die Herrschaften mildern.

Am Vorabend des Bauernkrieges fühlten sich die Untertanen unter der Klosterherrschaft durchaus wohl, vor allem wenn sie ihre Situation mit den benachbarten Gebieten verglichen. Ihre Güter wurden als Fallehen vom Kloster auf Lebenszeit verliehen.

In der Herrschaft Salem wurden sie als Handlehen jeweils nur für ein Jahr vergeben. Allerdings gab es eine Reihe von Veränderungen, die in der Gesamtheit schließlich zum Großen Bauernkrieg führten. Nach der Pestwelle nahm das Bevölkerungswachstum wieder stark zu. Die daraus resultierende Landknappheit führte dazu, dass immer mehr Menschen von den Erträgen eines Hofes leben mussten. Grundherren erhöhten die Abgaben, was die Lasten ebenfalls steigerten. Im Jahre 1489 kam die “Große Teuerung”. Die Getreidepreise explodierten geradezu und stiegen zum Teil um das Fünffache. Ein anderer Faktor war die Reformation. Die Bibel war zum Maßstab für Glaube und Kirche gemacht worden. Am “göttlichen Recht” sollten nun die konkreten Lebensumstände der Menschen gemessen werden. Gegen 1500 gab es in Süddeutschland immer mehr Konflikte. Im Allgäu gab es Probleme der Kemptener Bauern mit dem Abt. Am Oberrhein waren es die Bundschuhverschwörungen. Schwierigkeiten gab es auch im Herrschaftsbereich von Kloster Salem, wo sich Gemeinden z. B. Bermatingen gegen die Ausweitung und Intensivierung herrschaftlicher Rechte wehrten. 1514 war es der “Arme Konrad”  im Herzogtum Württemberg um Schorndorf. Im Zuge der Reformation kam es ab 1524 immer mehr zu Zehntverweigerungen. Mitte Februar 1524 befand sich bereits das ganze Allgäu im Aufstand. Auch in Oberschwaben breiteten sich die Unruhen aus. Begünstigt wurde das durch die militärische Schwäche der Herrschaften. Das kaiserliche Heer kämpfte in Italien gegen den französischen König und ein zweites Heer in Oberdeutschland konnte so schnell nicht aufgestellt werden. Die Niederlage der Franzosen bei Pavia am 24. Februar ermöglichte dann im Frühjahr die Rückkehr der dort gebunden Kräfte, die
sofort gegen die Bauern eingesetzt wurden. Schon im Januar und Februar bereiteten sich die Herrschaften in Oberschwaben auf einen Aufstand vor. Die Reichsstadt Ravensburg überprüfte ihre Geschütze und sammelte Proviant. Die Klöster Weingarten und Weissenau brachten ihre Wertsachen und Urkunden nach  Ravensburg, weil sie dort sicherer waren. Binnen kurzer Zeit schlossen sich  die Untertanen der Klöster Weissenau und Weingarten, der Reichsstadt Ravensburg und der österreichischen Landvogtei zusammen und bildeten einen eigenen großen Abteilungshaufen im Seehaufen.

In der Herrschaft des Klosters Weissenau lebte Stefan Rahl, Pächter auf dem Hof Herbisreute. Er war einer der vermögendsten  Untertanen Weissenaus und wohl auch ein  sehr guter Redner. Er wurde zum Anführer der Bauern aus dem Weissenauer Klostergebiet. Er zog  mit seinem Bauernhaufen vor das Kloster und forderte den Abt Jacob Murer (1523-1533) auf, sich der Reformation anzuschließen. Das Kloster wurde geplündert und zerstört, was Murer in seiner illustrierten Chronik des Bauernkriegs eindringlich schilderte. Die Mönche hatten sich nach ravensburg geflüchtet. Über Rahl schrieb Murer “Was er redete gefiel den Bauern, hielten ihn für einen Herrgott” 

clip_image003

Kurz nach der Plünderung Weissenaus wurde in Weingarten zwischen den aufständischen Bauern “der Weingartener Vertrag” zwischen dem Heerführer des Schwäbischen Bundes Georg III. Truchseß von Waldburg-Zeil und den Hauptleuten des Seehaufens geschlossen wurde.Dieser Vertrag machte dem “Bauernjörg” den Rücken frei. Er konnte sein Heer aufstocken und dann gegen die anderen Bauernhaufen ziehen und diese nacheinander besiegen. Stefan Rahl überlebte den Bauernkrieg. Allerdings wurde sein Hof an Ostern 1525 niedergebrannt. Dabei kam eines seiner Kinder ums Leben.

Die oberschwäbischen Reichsstädte waren mittlerweile evangelisch geworden, Ravensburg als eine der letzten erst 1545. Zur politischen Absicherung schloss sich die Stadt 1546 dem schmalkaldischen Bund an. Im Juni 1546 eröffnete Kaiser Karl den Krieg gegen den evangelischen Städte. In Oberschwaben waren die Truppen des Schmalkaldischen Bundes zunächst sehr erfolgreich. Neben Kempten und Ottobeuren besetzten sie die Klöster Gutenzell, Heggbach, Weingarten und Weißenau. Diese beiden Klöster wurden Ravensburg unterstellt. die Reichsstadt sollte dort die neue Lehre einführen. Weissenau sollte 4000 Gulden Schatzung zahlen. Das Kriegsglück wendete sich allerdings sehr rasch. Die sächsischen und hessischen Truppen zogen sich nach Norddeutschland zurück, den oberschwäbischen Reichsstädten ging das Geld zum Krieg führen aus und so mussten sie alle dem Kaiser huldigen. Ravensburg hatte alle Weingarten und Weißenau zustehenden Pfarrkirchen mit allen Rechten und Besitzungen zurückzugeben.  Nach dem Sieg bei Mühlburg im April 1547  entzog der Kaiser den Reichsstädten die Schirmvogtei über die Reichsklöster, so Ravensburg für Weissenau übereignete sie Österreich.

1554 verkauft das Kloster unter Abt Andreas Rietmann (1554-1557) seine Ummendorfer Besitzungen an den Königlichen Rat und Augsburger Patrizier Matthias Manlich für 42.500 Gulden. Das entspricht einer heutigen Kaufkraft von über 2  Millionen Euro. Anlässlich des Verkaufs wird  ein genaues  Urbar-Register über Ummendorf anno 1554  erstellt. Es enthält auch eine Aufzählung der zur Herrschaft Ummendorf gehörenden Leibeigenen. Die Urkunde wurde am 20. Juni 1554 erstellt. Für den Verkauf gab es sicher zwei Gründe. Zum einen waren die Plünderungen unter Ludwig dem Bayern noch nicht allzu weit zurück. Die Folgen des Bauernkriegs mit  Plünderung und Zerstörung waren nach kaum 30 Jahren wohl noch kaum bewältigt.  Mit dem im Kupferhandel reich gewordenen Kaufmann Matthias Manlich stand auch ein sehr finanzkräftiger Interessent zur Verfügung.

1596 erhielt  Abt Christian Hablitzel(1595–1599) von Papst Clemens VIII. das Recht, bei der Liturgie eine Mitra zu tragen

Die Reichsstandschaft der Abtei ist seit dem 15. Jahrhundert gesichert. In den Reichsmatrikeln von 1521 wurde Weissenau mit 2 Pferden, 20 Fußsoldaten und dem Betrag von120 Gulden geführt. Das war der Beitrag zur Romzugshilfe.

Johann Christoph I. Härtlin 1616–1654 regierte die Abtei während des gesamten 30-Jährigen Krieges. Lange vor die Kampfhandlungen nach 1630 Oberschwaben erreichten, machte sich der Krieg bemerkbar. Einquartierungen, aber auch Kontributionen, die  die kleineren Herrschaften zahlen mussten, waren spürbar. Schwierig wurde die Lage aber erst, als die Schweden 1630 in den Krieg eingriffen und dann auch nach Süddeutschland vorrückten. 1632 saßen die Schweden in Ulm und forderten von dort aus Monatssteuern auch von Kloster Weissenau. Der Abt hatte sich nach Münsterlingen geflüchtet. Der Konvent flüchtete insgesamt 4 mal. Abt Johann Christoph kehrte im Oktober 1633 nach Weissenau zurück.Härter traf es Klosterdörfer. 1634 zündeten die Schweden Manzell an und bis auf die Kirche brannte das ganze Dorf ab. Der Abzug der Schweden nach der Schlacht von Nördlingen schaffte Oberschwaben nun etwas Ruhe. Allerdings war die Pest ausgebrochen und die beiden folgenden Jahre waren die schlimmsten des Krieges. So starben z.B. in Ravensburg täglich mehr als 40 Menschen. 1648 wurde schließlich nach dreißig Jahren Krieg der “Westfälische Friede” zu Münster und Osnabrück geschlossen.

Schon währende des Krieges hatte Abt Johann Christoph Herdtlin von 1628-31anstelle des  mittelalterlichen Altarhauses einen neuen Langchor erstellenlassen. Als Baumeister war der in Eichstätt ansässige Misoxer Baumeister Martin Barbieri (1583–1633)

1654 verstarb Abt Johann Christoph, der die Abtei während des gesamten Krieges regiert hatte. 6-7mal war das Kloster geplündert worden.Sein Nachfolger wurde Abt Bartholomäus Eberlin (1654–1681). Vorräte gab es im Kloster keine mehr. Bargeld war praktisch keines mehr vorhanden, dafür eine Schuldenlast von 70.000 Gulden. Das Schwäbische Reichsprälatenkollegium, dessen Direktor der Vorgänger von Abt Bartholomäus 34 Jahre lang war, schuldete der Abtei zwar 1700 Gulden. aber da auch die Kassen des Kollegiums leer waren, erhielt der neue Abt nicht mal 600 Gulden. als erum eine schriftliche Bwestätigung der Armut und Zahlungsunfähigkeit des Konvents erbat, erhielt er diese nicht. Die schwäbische Landvogtei stellte ihm dies aus. Damit ging er nach Innsbruck. Von der dortigen Hofkanzlei bekam er immerhin die Zinsen auf ein Kapital von 5000 Goldgulden, die das Haus Habsburg dem Stift schuldete. Er reiste dann weiter nach Wien. Dort wurden die Rückstände auf die Reichsmatrikelsteuer, die sich immerhin auf 7000 Gulden beliefen erlassen. Außerdem wurde der Beitrag von 80 Gulden auf 20 ermäßigt. 1654 bestätigte Kaiser Ferdinand auch sämtliche Privilegien, die seine Vorgänger dem Stift erteilt hatten. 1657 konnte Abt Bartholmäus Streitigkeiten mit dem Fürstbischof von Konstanz beilegen, die über Jahre hinweg vieler dem Stift inkorporierten Pfarreien bestanden hatten. Es gab auch langwierige Streitigkeiten mit einem Konventualen Pater Wilhelm Kayser, der bei der Abtwahl von Bartholomäus unterlegen war. Erst der damalige päpstliche Legat in der Schweiz Kardinal Friedrich Borromeo entschied den Streit zugunsten von Abt Bartholomäus. Positiver Nebeneffekt dieser unschönen Angelegenheit. der Sekretär von Friedrich Borromeo, Dr. Felix Paradiso schenkte 1665 dem Stift die Reliquien des Saturnius, was der Wallfahrt weitere Impulse gab. Die Reunionspoltik Ludwigs XIV. sorgte dafür, dass die Zeiten nicht ruhig blieben. Es gab immer wieder Einquartierungen und hohe Kontributionen, die sich für Weissenau auf 22867 Gulden beliefen (Zahlen nach Wilhelm Fox: Zur Geschichte der Reichsabtei Weißenau, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 43. Jg. 1914, S. 25–37 ) Abt Bartholomäus verstarb 1681 nach 26 Regierungsjahren in seinem 75. Lebensjahr. Er konnte die Schuldenlast des Stiftes um 47000 Gulden mindern. Sein Nachfolger wurde Norbert Schaller 1681–1684, der schon vor seiner Wahl ein enger Mitarbeiter von Abt Bartholomäus war. Auf einer Reise mit ihm nach Roggenburg hatte er 1670 einen Schlaganfall erlitten, der zwar nicht lebensbedrohend war, aber ihn doch beeinträchtigte. So dauerte seine Regierungszeit auch nur drei Jahre, nach denen er resignierte. Seine kurze Amtszeit war hauptsächlich durch Streitereien mit der Landvogtei geprägt, die inzwischen auf das Haus Habsburg übergegangen war. Mit Verweis auf alte kaiserliche und päpstliche Privilegien konnte das Stift schließlich seine Stellung wahren. Michael II. Musacker (1684–1696) wurde am 18. November 1684 zum neuen Abt gewählt und auch hier versuchte die Landvogtei wieder in die Wahl einzugreifen und erklärte diese für ungültig, wurde aber abgewiesen. Kurz nach Beginn seiner Regierungszeit brannte in Grünkraut, die Kirche, der Pfarrhof und das Mesnerhaus vollständig ab. Schon 50 Jahre vorher hatten die Schweden die Kirche in Schutt und Asche gelegt. Die Wiederherstellung kostete das Stift 3378 Gulden, eine große Summe bei noch immer angespannter Finanzlage. Als Mitglied der Reichsstände reiste Abt Michael 1689 nach Augsburg zur Wahl und Krönungsfeier zum deutschen König von Josef I. dem Sohn Leopolds I. Er begleite dann Leopold auf dessen Einladung nach Wien und blieb dort sechs Jahre bis zur Erledigung der Streitsache mit der schwäbischen Landvogtei. Die Amtsgeschäfte führte in dieser Zeit sein Prior Gottfried Schütz. Im Jahr 1696 wurde Abt Michael von einer Krankheit befallen und starb am 15. Juni 1696.

Johann Christoph II. Korros (1696–1708) gewählt. Abt Johann Christoph überließ es seinem Prior Gottfried Schütz, den immer noch schwelenden Rechtshandel weiter zu führen. Aber brachte ihn auch nicht zu ende zumal er 1704 in Wien verstarb. Der Spanische Erbfolgekrieg (1701-1714) brachte wieder Truppendurchzüge und Winterquartiere für das Stift. Die Kriegskosten beliefen sich für Weissenau auf 4000 Gulden. Der Weissenauer Abt erwies sich als nicht sonderlich mutig und floh nach Überlingen, während der Schussenrieder Abt Tiberius Mangold (1683–1710) sich in Weissenau sicher genug fühlte. 1704 resignierte Abt Johann Christoph nach einer für sein Stift nicht allzu glücklichen Regierungszeit. Er war noch 4 Jahre als Pfarrer und ausgezeichneter Prediger in Eschach tätig, wo er nach schmerzhafter Krankheit verstarb.

clip_image005

Sein Nachfolger wurde der 1673 in Wangen geborene Leopold Mauch. Er war der Sohn von Georg Heinrich Mauch und der Anna Stüblin und ist in Wangen geboren. Er trat Prämonstratenserabtei  Weissenau ein und legte dort 1691 seine Profess ab. Er studierte in Dillingen und wurde 1697 zum Priester geweiht. Am 17. Juli 1704 wurde er zum Abt von Weissenau gewählt. Seine Karriere im Orden ging weiter. Von 1708 bis 1721 war er Generalvikar und Visitator der Zirkarie Schwaben der   vom 16. bis zum 18. Jahrhundert folgende Abteien angehörten: Allerheiligen im Schwarzwald, Bellelay (ehemals Zirkarie Burgund), Obermarchtal, Roggenburg, Schussenried, Ursberg, Weissenau. 1707 überzeugte er seinen Konvent von einem Neubau der Klosteranlage, mit der Franz Beer II von der Auer Zunft beauftragt wird. In nur drei Jahren von 1708-1711 wurden die mittelalterlichen zweigeschossigen Konventbauten südlich der Kirche durch die barocken, dreigeschossigen Ost und Südflügel. In seiner Eigenschaft als Visitator des Klosters Bellelay lernte er auch die Stiftskirche kennen, ein Bau auch  von Franz Beer, der 1714 eingeweiht wurde. 1717 gab er die neue Stiftskirche in Weissenau in Auftrag und opferte dafür auch den erst 1623 erneuerten Turm und die mittelalterliche Basilika für die größere neue Kirche. Sein schlechter Gesundheitszustand zwang ihn anfangs 1722 zur Resignation. Im Mai 1722 starb er mit nur 49 Jahren.Kirche und Westflügel sind bis dahin stuckiert und freskiert. Ein Chorneubau war noch von Abt Leopold geplant worden. Neben seiner Tätigkeit als Bauabt belebte er die Heilig-Blut-Verehrung in Weissenau neu. Er gründete eine Fünf-Wunden-Bruderschaft, eine Gebetsverbrüderung, die im Spätmittelalter in Mitteleuropa aufkam. Die Heilig Blut Reliquie ließ er neu fassen und einen Herz-Jesu-Rubin anbringen.

Abt Michael III. Helmling wurde am 2. Januar 1722 gewählt, war aber nur knapp zwei Jahre im Amt. Nach 21 Monaten erlag er einem Schlaganfall.Er schloss mit Wessobrunner Franz Schmuzer (1676–1741) Stukkateur einen neuen Vertrag ab, der schon ab 1719 die Stukkaturen in Weissenau erstellte und dies dann bis 1723 fertigstellte. Auf Abt Michael folgte Anton I. Unold (1724–1765). Er wurde am 8. August 1697 Anton Unold als Sohn des Conrad Unold, Papiermüller in der Höll bei Wolfegg, geboren. Er legte 1713 in Weissenau seine Profess ab. 1721 wurde er zum Priester geweiht und nur drei Jahre später wurde  er mit erst 27 Jahren zum Abt gewählt. Man erwartete nun, dass er den Neubau der Kirche mit dem Chorneubau weiterführte. Er setzte zwar die Ausstattung des Langhauses mit Altären fort, aber dann kümmert er sich erst um die um die Neubauten der Wirtschaftsgebäude im Norden und Westen. Er fand zwar, dass der alte Chor der Stiftskirche disproportioniert sei, aber da er sonst keine Fehler aufweise, sah er keinen Grund für den noch von Franz Beer geplanten Neubau, obwohl der Konvent für einen Neubau war. Damit wurde Abt Anton zum Ausnahmefall in der Barockzeit, denn sonst stellte sich der Konvent immer gegen das Bauvorhaben der Äbte. Dieser Pragmatismus scheint der Leitfaden der Regierung von Abt Anton gewesen zu sein. Dabei war er sicher barocker Lebensfreude nicht abgeneigt, wie sein Porträt, das 1757 gemalt wurde, nahelegt. Als Bauabt war er trotzdem nicht untätig. Er erbaute Gornhofen (1728/46), Taldorf (1746/53), Oberzell (1749|50) und Obereschach (1751/54) neue Pfarrkirchen. Außerdem lies er das Lustschlösschen Rahlen erbauen und terrassierte barocke Gartenanlagen errichten. Der St. Gallener Bibliothekar Nepomuk Hauntinger, der weit herumgekommen war, bezeichnete sie als “Nymphenburg im Kleinen“.  Der fürstlich fürstenbergischer Hofpalier in Meßkirch Franz Singer fertigte die Pläne für das Schlösschen, den Sommersitz der Weissenauer Äbte, ebenso wie für das barocke Torhaus. Er arrondierte das Herrschaftsgebiet von Weissenau. 1761 erhielt der die hohe Gerichtsbarkeit für 40 Jahre als Lehen von Österreich. Abt Anton verstarb am 21. April 1765 im Alter von 68 Jahren.

Der 38. Abt Kloster Weissenaus war Ambrosius John (1765–1773). Er wurde 1714 in Waldsee geboren. Seine Profess legte er 1733 in Weissenau ab. 1765 wurde er zum Abt gewählt. Gleich zu Beginn seiner Regierungszeit fand das für ihn wohl bedeutendste Ereignis statt, nämlich die 100-Jahrfeier der Translation der Reliquien des Saturnius, die unter großer Beteiligung der oberschwäbischen Bevölkerung gefeiert wurde. Auch die Äbte von Rot, Schussenried, Marchtal und Bellelay waren anwesend. Abt Ambrosius verstarb am 26. November 1773 nach achtjähriger Regierungszeit.

Sein Nachfolger wurde Anton II. Unold. Er stammte aus Wolfegg und wurde1736 geboren. Er war ein Neffe von Abt Anton I. Unold. Er regierte nur zwei Jahre. Auf ihn folgte Karl Ummenhofer (1784–1794) . Er ist 1740 in Hayingen geboren.Vor seiner Wahl zum Abt war er Pfarrer in Bodnegg. Er wurde dann auch Generalvikar und Visitator der Schwäbischen Zirkarie des Prämonstratenserordens. Die französische Revolution war ein enormer Schlag für die Struktur und Identität der Prämonstratenser und hatte Auswirkungen auf den gesamten Orden. Übrigens, ein ähnliches Schicksal erlitten die Zisterzienser. Die französische Nationalversammlung löste per Dekret am 13. Februar 1790 alle Ordensgemeinschaften in Frankreich auf, sofern sie sich nicht primär Pflege- oder Schuldiensten widmeten. Das bedeutet das Ende des Gründungsklosters Prémontre,dessen Abt gleichzeitig Generalabt des ganzen Ordens war. Aufgrund dieser neuen Situation sah sich Abt Karl zum Handeln gezwungen. Sie Zisterzienser standen vor denselben Problemen. Da Citeaux aufgehoben worden war, hätte für den Todesfall des Generalabtes des Ordens aufgrund der Aufhebung des Mutterklosters kein Nachfolger auf herkömmlichen Weg bereit gestanden. Damit wären die Abteien unter bischöfliche Jurisdiktion gefallen. Um das zu vermeiden, hatte der Abt des Zisterzienserklosters Salem, Robert Schlecht (*1778, †1802), vom seinem Generalabt in Cîteaux am 14. Januar 1791 umfangreiche Vollmachten für die Oberdeutsche Kongregation erhalten. Diese Übertragung wurde durch ein päpstliches Breve vom 15. Juli 1791 bestätigt. Damit konnte wohl der Übergang unter die bischöfliche Jurisdiktion für die oberdeutschen Zisterzienserabteien  vermieden werden. Ein solches Modell schwebte nun auch Abt Karl vor. Der Salemer Abt Robert Schlecht

stellte sich als Vermittler für eine solche Operation zur Verfügung. Eine Bittschrift mit diesem Anliegen ging nach Rom und wurde am 10. Mai 1793 auf drei Jahre bewilligt, allerdings nichts als päpstliches Breve, also nicht mit einem solchen rechtlichen Gewicht.

Als sich die Situation in Frankreich zunehmend verschärfte, wollte Abt Karl in Rom eine Verlängerung der Bewilligung erreichen, die Hälfte der Laufzeit war schon verflossen. Außerdem sollte die rechtlich stärkere Form eines päpstlichen Breves erreicht werden. Aber Abt Karl starb am 29. Oktober 1794. Es konnte also nichts mehr in die Wege geleitet werden. Als neuer Abt wurde Bonaventura Brem (1794–1803) gewählt. Er ist am 10. Mai 1755 in Kaufbeuren geboren. Er war ab 1780 Bibliotheksgehilfe in Weissenau und von 1783-1789 hauptverantwortlicher Bibliothekar. Außerdem war er Lehrer und Subprior. Nun war das Problem, wer sollte die Abtswahl bestätigen. Der Generalabt war nicht mehr im Amt und der Generalvikar und Visitator, der diese Aufgabe gemäss Vollmacht anstelle des Generalabtes hätte übernehmen sollen, war ausgerechnet sein verstorbener Amtsvorgänger als Abt Weissenaus. Der neue Abt musste daher erst die Wahl eines neuen Generalvikars und Visitators aus den Reihen aller amtierenden Äbte in der Zirkarie abwarten. Abt Robert Schlecht aus Salem informierte die römische Kurie über die Weissenauer Situation und er schaltete sich auch ein und erreichte, dass die Konstanzer Diözesanleitung die Abtwahl Bonaventuras ausnahmsweise bestätigte. Der neue Abt wurde in sein Amt eingeführt, die Abtsweihe und die Übergabe der Insignien durch den Konstanzer Weihbischof vorgenommen. Außerdem erreichte der Salemer Abt, dass von der Konstanzer Diözesanleitung der Status quo nicht in Frage gestellt wurde, also aus diesem Fall kein Recht  bei anderen Abtswahlen für die Zukunft ableiten konnte und das womöglich nicht nur bei den Klöstern der Prämonstratenser. Das war ja der Hauptbeweggrund des Salemer Abtes für seinen Einsatz.

Im Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurde Weissenau zusammen  mit Schussenried der Gräfin Augusta von Sternberg-Manderscheid zugesprochen. Diese trat es 1805 an Österreich ab. Nach dem Zusammenbruch der habsburgischen Position in Schwaben 1806 konnte sich Sternberg als Inhaber der Herrschaft Weißenau behaupten. Nach der Mediatisierung war die Herrschaft 1809-1811 beschlagnahmt, danach als Standesherrschaft anerkannt. 1835 verkaufte das Haus Sternberg die Herrschaften Schussenried und Weißenau an Württemberg. 1840 wurde auf dem Klostergelände eine Bleicherei eingerichtet. 1888 kam eine „Irrenanstalt“ hinzu. Auch heute besteht die Doppelnutzung des ehemaligen Klosters durch Industrie und Psychiatrisches Krankenhaus weiter.

Der ehemalige Abt Bonaventura Brem und weitere Chorherren konnten jedoch bis ans Lebensende in einigen Räumen des Konventsgebäudes wohnen bleiben. Bonaventura Brem starb am 4. August 1818 in Weissenau.

10 Nov 2018

Kartause Güterstein

 

leobild_phptyp=4e6z584tr&nr=528&bild=858_jpg_pv

 

In den nur knapp dreihundert Jahren seines Bestehens hatte das  Kloster Güterstein eine wechselvolle Geschichte. Kardinal Konrad von Urach(um 1180-1227), der auch Generalabt des Zisterzienserordens war,

stiftete im Umkreis seiner Stammburg Hohenurach ein Kloster Zum Stein (ad lapidem). Es sollte ein Zisterzienserkloster sein. Konrads Bruder Johann, Zisterziensermönch in Bebenhausen hatte sich nach 1254

des Projekts angenommen. Die Klostergründung wird in einer am 30. Januar 1254 im Lateran ausgestellten Urkunde von Papst Innozenz IV. gestattet.

“Papst Innozenz IV. gestattet dem Bebenhauser Mönch Rudolf, früheren Grafen von Urach, die von dessen verstorbenem Bruder Bischof Konrad von Porto, damals apostolischem Legaten in Deutschland, begonnene Gründung eines Zisterzienserklosters in Güterstein zu vollenden und mit zweien seiner Ordensbrüder dort den Wohnsitz zu nehmen” (WUB Band V, Seite 50, Urkunde Nr. 1286)

Nach dem Rückzug der Grafen von Urach aus dem Ermstal am Ende der Stauferzeit konnte sich das Projekt aber nie richtig entwickeln. Rund 150 Jahre gibt es keine Quellennachrichten über das Kloster.

Es hatte sich dort aber zu einem nicht bekannten Zeitpunkt eine Marienwallfahrt entwickelt, die eine ständige geistliche Betreuung erforderte. Nach J.D. Memminger, Württembergische Jahrbücher, Jahrgang 1827 S. 353, stand dort eine Wallfahrtskirche,

die 1279 dem Kloster Zwiefalten überlassen wurde. Später richtete dort das Kloster eine rechtlich selbstständige Propstei ein. Zunächst waren dort ein Propst und vier Mönche tätig.Durch Stiftungen der Grafen von Württemberg aber auch durch den regionalen Niederadel entwickelte sich die Propstei sehr rasch. Eberhard der Greiner schenkte der Niederlassung eine einträgliche Pfründe der Pfarrei Dettingen. Die Herren von Steinhilben stifteten Güterstein ein großen Teil ihres Besitzes.

1384/85 wurde der Besitz des Klosters Blaubeuren in Ödenwaldstetten gekauft.1390 kauft die Propstei vom Kloster Allerheiligen in Schaffhausen 6 Lehenshöfe, die es in Bleichstetten besaß, für 210 Gulden. Allerheiligen hatte diesen Besitz 1102 von Eberhard von Metzingen und seiner Gattin Richinza geschenkt bekommen. Sein Sohn Adelbert war seit 1099 Abt des Klosters Allerheiligen.

1439 wurde auf Wunsch der Grafen Ludwig I. und Ulrich V. von Württemberg die bisherige zwiefaltische Propstei in ein Kartäuserkloster umgewandelt. Am 3. Juli 1439 war eine württembergische Abordnung nach Zwiefalten  gekommen und zwar Meister

Heinrich Tegen, studierter Jurist und Kleriker, Stiftsherr und Probst in Sindelfingen und württembergischer Rat, Meister Georg Schienlin, Chorherr in Sindelfingen und dem Vogt in Urach Hans Keppeler. Sie forderten die Übergabe der Propstei Güterstein an die Kartäuser. Zwar wehrte sich Zwiefalten gegen das Ansinnen, aber Abt Johannes III. musste schließlich doch klein beigeben. Zwar hatten die Württemberger Grafen von 1365 die Vogtei über Zwiefalten vertragswidrig teilweise von den Habsburger überlassen

bekommen. De jure hatte Habsburg aber noch immer die Vogtei inne und die Württemberger Grafen befürchteten, dass die Habsburger ihren Machtbereich ausweiten wollten. Dann spielten bei den Reformbewegungen der Zeit die Kartäuser eine wichtige Rolle,

ein Grund für die Grafen Ludwig I. und Ulrich V., die Kartäuser ins Land zu holen. Nach der Landesteilung wurde das Kloster Grablege der in Urach residierenden Grafenfamilie.Die Kartause wurde mit Mönchen aus der Freiburger Kartause Johannisberg besiedelt.

Der erste Prior war Heinrich von Grüningen. Auf ihn folgte Konrad von Münchingen, dessen Amtszeit von 1453 bis 1455 unterbrochen war. In dieser Zeit leitete er die Kartause von Johannisberg. 1455 kehrte er nach Güterstein zurück, was die Generalkapitelsakten.

belegen. Seine Amtszeit endete 1478. Er starb 1481. In der Johannisberger Zeit von Konrad war Albert Rot Prior in Güterstein. Albert Rot ist vermutlich identisch mit einem Albertus Niffen, der 1405 in Heidelberg immatrikuliert war und dort 1407 Bakkalaureus wurde.

Er trat in die Kartause von Buxheim ein und kam etwa 1440 nach Güterstein.Von 1453 bis 1455 war er dann dort Prior. Von dort wurde er dann an die neugegründete Kartause nach Ittlingen geschickt. Er starb 1469 vermutlich in Güterstein. 1466 war Albrecht Hummel aus Donzdorf in Güterstein ins Kloster eingetreten. 1469 wurde er Prior in Nördlingen. 1476 wurde er Prior in Güterstein. Von 1495 bis 1497 war er dann noch Prior in Tückelhausen.Er war seit 1479 Ko-Visitator für die niederdeutsche Ordensprovinz der Kartäuser. Generalvisitator war der Erfurter Prior Heinrich Nemritz. 1482 übernahm Hummel dieses Amt. Sein Ko-Visitator war Johannes Göller aus Nördlingen, der ihn 1486 ersetzte. Albrecht Hummel starb 1501.

Die Gütersteiner Prioren spielten eine wichtige Rolle für die Reform der württembergischen Klöster. Am 6. März 1459 erhielten die beiden württembergischen Grafen Eberhard und Ulrich von Papst Pius II. eine  Reformbulle für die württembergischen Klöster. Darin wurde die Visitation der Klöster den Äbten von Hirsau und Zwiefalten und dem Prior von Güterstein übertragen. Als die Bulle ausgefertigt wurde war das Johannes III. für Zwiefalten, für Hirsau Wolfram Maiser von Berg bis 1460 und dann von 1460-1482 Bernhard aus Gernsbach und für Güterstein Konrad von Münchingen ( + 1481) und später Albrecht Hummel aus Donzdorf (+1501). Das ist durchaus bemerkenswert, wenn man denkt, wie stark der Kartäuserorden auf die Abgeschiedenheit ihrer Mönche achteten.Sie waren ja immer in ihrer Zelle untergebracht, hatten einen eigenen kleinen, abgeschiedenen Garten für sich und die Zelle war so konstruiert, dass das Essen ausgeteilt werden konnte, ohne dass der Mönch jemanden zu Gesicht bekam- schön zu sehen in der Kartause Buxheim. Der Prior durfte sein Kloster eigentlich nur verlassen, wenn er sich zum Generalkapitel begeben musste oder sich um die wirtschaftlichen Angelegenheiten seines Klosters kümmern musste oder als Visitator im Dienst des Ordens unterwegs war.

Das zeigt aber drei Dinge, einmal war der Orden in der Auslegung der Regeln sehr flexibel und passte sich an Anforderungen immer gut an.Die Kartäuser waren von den Stiftern wegen ihres Rufes und des Ansehens, dass der Orden in dieser Zeit genoss und dass sich die württembergischen Grafen viel von den Kartäusern für die Reform der Klöster in Württemberg erhofften und die Berufung durch den Papst unterstreicht auch das Ansehen, das die Oberen des Kartäuserordens genossen.

Weiterer Prioren in Güterstein waren auch Antonius. 1523 war Benedikt Eichel Prior in Güterstein. Zuvor übte er dieses Amt Würzburg und  Astheim, dann Buxheim aus. Seine letzte Station war Güterstein. Thilemann Mosenus war der letzte Gütersteiner Prior. Als das Kloster aufgehoben wurde, ging er nach Buxheim. Dort wurde er ebenfalls Prior. Eichel und Mosenus waren jeweils auch im Definitorium des Ordens vertreten. Es besteht aus acht gewählten Mitgliedern und dem “reverendus Pater”, das ist der Prior der

Großen Kartause und entscheidet über “Personen und Häuser”,wie es heute in den Statuten steht (Buch 4, Kap. 31)

Kartausen haben keine Äbte, sondern nur Prioren., da sich das mit der Demut der Kartäuser nicht verträgt. Der Prior trägt auch kein Zeichen seiner Würde, da das Amt als Bürde und Aufgabe gesehen wird und nicht als Ausdruck seiner Macht. Er ist verpflichtet, in den Grenzen seiner Kartause zu bleiben. Ausnahmen gelten eigentlich nur, wenn er sich zum Generalkapitel begeben muss oder wenn er sich um  wirtschaftliche Angelegenheiten seiner Kartause kümmern muss, die ihn mehr und mehr zwingt, diese zu verlassen.

Er wird gewählt von den Mitgliedern der Kartause, wobei nur die Mönche das Wahlrecht haben. Novizen und Laienbrüder sind ausgeschlossen. Der Kandidat muss seine Profess schon mindestens seit drei Jahren abgelegt haben und ein Mindestalter von 25 Jahren haben.Gewählt werden kann jeder aus jeder Kartause, außer der Prior des Gesamtordens. Der neugewählte Prior muss zur Großen Kartause, wo er bestätigt wird, oder falls das nicht stattfindet durch einen Kandidaten ihrer Wahl ersetzt wird. Der Prior vertritt seine Gemeinschaft während der Sitzung des Generalkapitels. Innerhalb seiner Kartause ist er vor allem für die Disziplin seines Klosters verantwortlich. Er verkörpert die Ordensregel. Der Prior leitet die Novizen an, nimmt die Beichte ab. Deshalb muss er auch Priester sein. Er führt die Mitglieder seiner Gemeinschaft auf ihrem kontemplativen Weg und hilft ihnen Schwierigkeiten zu überwinden. Der Prior muss die Zustimmung zur Profess eines Novizen geben,da nur er die erforderliche Autorität hat, die Reife eines Kandidaten einzuschätzen. Ein wichtiges Instrument des Kartäuserordens ist die Visitation. Jedes Kloster wird in einem Turnus von zwei Jahren vom Visitator und einem Kovisitator besichtigt. Es werden Visitationsprotokolle erstellt, die vor der Sitzung des Generalkapitels an

die Große Kartause geschickt werden. Der Visitator hat zu überprüfen, ob die Normen des Ordens in den Gemeinschaften eingehalten werden eingehalten werden. Bei Regelverstößen kann er Strafen verhängen. Das kann bis zur Absetzung eines Priors gehen.

Auch die Wirtschaftslage eines Klosters wird überprüft. Der Visitator muss auch ein Netzwerk innerhalb seiner Provinz etablieren. Zum Visitator kann jeder Prior aus jeder Gemeinschaft gewählt werden. Wenn ein Kloster den Visitator stellt, strahlt das natürlich

immer auf das einzelne Kloster ab. Güterstein stellte in der relativ kurzen Zeit seines Bestehens drei Visitatoren, oben wurde schon Albrecht Hummel genannt, der das Amt des Visitator für 4 Jahre ausübte. In den Jahren 1523 und 1525 gab es nochmals Visitatoren aus Güterstein, diesmal jeweils für ein Jahr, nämlich erst Benedikt Eichel dann Thilemann Mosenus.

Die Funktion des Priors und der Visitation wurde hier ausführlicher dargestellt, da sie sich doch von anderen Orden unterscheidet, aber für andere Kartausen, z. B. Buxheim natürlich volle Gültigkeit hatte. (siehe dazu Blogbeitrag)

Die neue Kartause sollte auch für das Gedächtnis der Stifter, der “Memoria” sorgen, also für das dauerhafte Totengedenken in Messen und Gebeten für die Stifter. Mit der Stiftung verbunden war eben die Hoffnung verbunden,das ungewisse Los des Gebenden

im Jenseits zum möglichst Positiven zu wenden.  Das Totengedenken für die Klosterangehörigen der Kartäuser war sehr umfassend. So musste nach dem Tod eines Mönches 30 Tage lang eine Messe gelesen werden. Bei dieser Messe sollte jeder Priestermönch

50 Psalmen und jeder Laie 150 Vaterunser beten. Die Statuten legten ausdrücklich fest, dass das auch für Laien gelten sollte. “Nihil pro monacho plus quam per laico”. Der Orden erhielt speziell für das Totengedenken so viele Stiftungen, dass das Totengedenken für

die Stifter bald auch extra in den Statuten festgelegt werden musste. Allmählich konnten  sich außerhalb der Ordensgemeinschaft stehende “extranei” verdiente Wohltäter bald dasselbe Gebetsgedenken verschaffen wie für die Klosterangehörigen.

Besonders intensiv war das Totengedenken, wenn die Wohltäter im Kloster oder sogar in der Kirche bestattet wurde.

Das Kloster war als Grablege für das Grafenhaus vorgesehen. Schneller als das wohl geplant war, musste dieser Aspekt des Stiftungszweckes erfüllt werden.

1443 wurde in Güterstein Ludwigs  neugeborener Sohn Andreas, der kurz nach der Geburt starb, bestattet. aber auch der Vater Ludwig starb früh, nämlich 1450 an der Pest. Auch er fand seine Ruhestätte in der Kartause. Der älteste Sohn, Ludwig II. starb auch sehr jung. Schließlich wurde auch die Gemahlin von Ludwig I. , Mechthild von der Pfalz nach ihrem Tod 1482 an der Seite ihres Mannes bestattet. Auch Prinzessin Anna, die Tochter Herzog Ulrichs,  wurde nach ihrem Pesttod 1530 in Güterstein beigesetzt.

Ludwigs 2. Sohn Eberhard zeigte seine starke Bindung an Güterstein, als er vor seiner Pilgerreise nach Jerusalem im Mai 1468 sein Testament bei den Kartäusern in Güterstein hinterlegte und sich dort vor der Abreise seinen Reisesegen holte.

Die Kartause hatte viele Stiftungen erhalten. Um 1525 wurde das Einkommen des Klosters auf 1400 Gulden geschätzt.Das Kloster durfte zwar selbst keine Seelsorge ausüben. Es hatte aber viele Patronatsrechte inne und konnte so durch die

Besetzung von Pfarrstellen in der Umgebung des Klosters einen großen Einfluss ausüben.

Mechthild%20von%20der%20Pfalz

Werfen wir nun einen Blick auf die Gütersteiner Bibliothek. Ihr Bestand ist im Gütersteiner Bücherkatalog aufgelistet, der sich heut in der Württembergischen Landesbibliothek unter der Signatur Codex theologicus und philosophicus 4°78  befindet.

Der Codex ist wohl von zwei Schreibern während der Amtszeit des ersten Gütersteiner Priors Konrad verfasst worden. Er ist wohl nicht als “klassischer” Bücherkatalog und als Bestandsnachweis verfasst worden, sondern diente wohl eher dazu,

Schenkungen festzuhalten. 13 Personen sind als Schenker aufgeführt. Die Bücherliste wie man sie wohl korrekter nennen sollte verzeichnet Bibelausgaben, Exegese, Predigten und Schultexte. Der Bestand ist vergleichbar mit den Bibliotheken in

Buxheim, Aggsbach und Schnals. Er verzeichnet wohl die Gründungsausstattung des Hauses. Bis zur Auflösung Gütersteins ist er erheblich angewachsen. Bei den Bücherschenkern handelt es sich um Personen mit meist universitärer Bildung, überwiegend

Geistliche.

Natürlich haben auch Gütersteiner Mönche Bücher geschrieben. So gibt es zwei libelli, die in der Bücherliste genannt werden. Sie haben Traktate des Nikolaus von Dinkelsbühl zum Inhalt. Namentlich ist als Schreiber  Johannes von Messkirch auszumachen.

Von ihm stehen heute zwei Handschriften in der Bayrischen Staatsbibliothek in München. Diese Handschrift scheint in Güterstein sehr geschätzt gewesen zu sein, denn die Mönche nahmen sie nach buxheim mit, als sie Güterstein verlassen mussten.

Ein Großteil der Handschriften die, in Güterstein entstanden sind, stammt aus der Amtszeit Konrads. “Geistlichen Gespräch zwischen einer Fürstin und einer Krämerin” wurde 1447 in Güterstein niedergeschrieben.

Eine weitere wichtige Quelle ist für Güterstein vorhanden, nämlich das Gütersteiner Anniversar, ebenfalls in der Württembergischen Landesbibliothek verwahrt. Diese Handschrift ist ebenfalls nach der Gründung der Kartause Güterstein entstanden und dürfte um 1560-1565 angelegt worden sein, da bis dahin eingetragene Jahrtage in chronologisch falscher Reihung erscheinen und erst dann chronologisch korrekt werden, was den Schluss nahelegt, das ab dem Datum, an dem die Einträge korrekt werden, der terminus post quem liegen muss. Das Ende der Laufzeit liegt wohl im Jahr 1533. Zwei Jahre danach werden die Mönche aus Güterstein vertrieben. Das Anniversar nennt eine Vielzahl von Wohltätern

des Klosters und die beiden Quellen lassen sich gut abgleichen. Das Gütersteiner Anniversar führt die Wohltäter nicht alphabetisch wie z. B. Freiburg auf, sondern nach Ständen (sacerdotes, obiles, laiici). Die Mönche werden nach Prioren, Professmönchen,

Konversen, Redditen und Donaten aufgeführt. Im Gütersteiner Anniversar befinden sich etwa 340 Personen, 80 Kartäuser, 10 Benediktiner und etwa 250 Wohltäter.

Roland Deigendesch wertet diese Quelle in seinem Aufsatz “Memoria bei den Kartäusern-Auswertungsmöglichkeit  kartäuser Memorialquellen am Beispiel des Gütersteiner Anniversars 15-16.Jahrhunderts” (Bücher, Bibliotheken und Schriftkultur der Kartäuser Festgabe zum 65. Geburtstag von Edward Potkowski S. 269-287) aus und zieht Rückschlüsse auf die Größe des Konvents. Er gibt für die Jahre vor 1470 eine Konventsstärke von 19 Mitgliedern an,1471-1500 50 und für die Jahre nach 1501 61.

In Güterstein war auch volkssprachliches Schrifttum entstanden so das 1447 niedergeschriebene“Geistlichen Gespräch zwischen einer Fürstin und einer Krämerin”  Es gibt deutsche Heiligenleben und ein gedrucktes Rosenkranzgebet. Diese Bücher zielten darauf ab, gelehrte theologische Inhalte einem Laienpublikum nahezubringen. In Güterstein hatte auch Johannes Mickel seinen Lebensabend verbracht Der ehemalige Augsburger Benediktiner und Prior trat 1482 in die Kartause Buxheim ein. Er starb 1508 in Güterstein.

Er hatte den Traktat "Alphabetum divini amoris" ins Deutsche übertragen (1493 in Memmingen gedruckt). Ebenfalls seine letzten Lebensjahre verbrachte Dr. med. Thomas Finck in Güterstein. Nach dem Tod seiner Ehefrau trat er 1486 in das Benediktinerkloster Blaubeuren ein. Dort schrieb er das Büchlein über die Sieben Tagzeiten, das vor allem für die Nonnenseelsorge gedacht war. Er war einer der bedeutendsten volkssprachigen Schriftsteller Südwestdeutschlands.Zwischen 1506 und 1505 trat er in den Kartäuserorden ein.1515 vertrat er die Kartause Güterstein in einem Rechtsstreit. Er ist 1523  verstorben.

001_nk-1396_wlm-70

Oben wurde auf den guten Draht hingewiesen, den Eberhard im Barte zu Kloster Güterstein hatte. Aber kirchenpolitisch setzte er etwas andere Akzente. 1477 holte er die Brüder vom Gemeinsamen Leben nach Württemberg. Die Kartäuser betrieben ja keine Seelsorge, die Brüder vom gemeinsamen Leben sehr wohl. Sie sollten seelsorgerlich auf das Volk einwirken. 1477 gründete Eberhard auch die Universität Tübingen. Er verlegte das Chorherrenstift in Sindelfingen nach Tübingen. Acht der zehn ehemaligen Stiftsherren lehrten dann an der Universität Tübingen, darunter Johannes Vergenhans nach humanistischer Sitte nannte er sich Johannes Nauclerus. Er war der erste Rektor der Tübinger Universität.

In Urach übertrag Eberhard die Kirche St. Amandus an die die Brüder vom Gemeinsamen Leben. Probst wurde 1479 Gabriel Biel,vorher Probst des Brüderhauses St. Markus in Butzbach. Biel war Gründungsmitglied der Universität Tübingen und übernahm dort den

Lehrstuhl der via moderna.Ebenfalls aus Butzbach kam Wendelin Steinbach nach Urach. Er war ein Schüler von Biel, promovierte in Tübingen zum Doktor der Theologie. Er war sechs mal Rektor der Uni Tübingen und Beichtvater Herzog Eberhards.

Dies alles führte dazu, dass Güterstein nicht mehr die so bestimmende Rolle im kirchlichen Leben Württembergs und bei den Reformen der württembergischen Klöster spielte. Innerhalb des Kartäuserordens hatte das Kloster aber nach wie vor eine bedeutende Stellung inne.

Vor der Reformation hatte 20 Religiosenzellen und nochmals 10 für Laienbrüder. Wie oben gezeigt stellte Güterstein immer wieder  Visitatoren und war auch im Definitorenkollegium vertreten.

1534 wurde in Württemberg die Reformation eingeführt und als Folge davon 1535 die Mönche aus Güterstein vertrieben. 17 gingen nach Buxheim, unter ihnen Thilemann Mosenus, der dann in Buxheim Prior wurde. Zurückgeblieben waren nur wenige kranke Knechte und der Prokurator Johannes Frey, der für die Gütersteiner Klosterökonomie zuständig war. Dieser trat zum lutherischen Glauben über. 1538 wurde er erster evangelischer Pfarrer in Metzingen.

Nach dem Sieg Kaiser Karls V. über den Schmalkaldischen Bund und dem danach stattfindenden Reichstag 1548 in Augsburg schien es kurze Zeit so, als ob das Kloster zu neuem Leben erweckt werden könne. Restitutionsversuche 1550/51 blieben ohne Erfolg.

Kloster Zwiefalten und  der Visitator der niederdeutschen Kartäuserpovinz Dietrich Loher verhandelten zäh mit dem württembergischen Herzog Christoph um eine Rückgabe und um Entschädigungen. Dieser ließ aber gleichzeitig vollendete Tatsachen schaffen.

Die Kartause wurde bis auf die Grundmauern abgetragen. Die Gebeine von Christophs Vorfahren, soweit sie noch aufzufinden waren,sowie die Grabmahle wurden nach Tübingen in die Stiftskirche verbracht. So befindet sich dort heute das Grabbild Mechthilds

von der Pfalz, das Hans Multscher zugeschrieben wird. Nur noch ein Gedenkstein erinnert an das Kloster

1710-1715 ließ HerzogEberhard Ludwig durch den Ulmer Glockengießer Theodosius Ernst ein bemerkenswertes Wasserhebewerk zur Versorgung des Gestütshofes St. Johann errichten, was durchaus ein Vorläufer der Albwasserversorgung ist.

In Urach hat sich noch ein Pfleghof der Kartause erhalten.

Kloster Güterstein

10 Okt 2015

Kloster Heiligkreuztal

imagesCA2OZHPY

 

Um 1140 lebte in dem Dorf Altheim eine Beginengesellschaft, wegen ihres Habits auch “Graue Schwestern” genannt. Das “Grosse vollständige Reallexikon aller Wissenschaften und Künste” von 1733

gibt sogar an, dass dort 60 Nonnen gelebt hätten. Andere Quellen erzählen auch, dass die Frauen unter Kriegswirren gelitten hätten. Deshalb wandte sich diese Gesellschaft  nun an den Abt von Salem, zu der Zeit Eberhard I. von Rohrdorf (1191-1240) und bat um

Aufnahme in den Ordensverband der Zisterzienser. Dieser Bitte wurde 1204 stattgegeben und so kam Heiligkreuztal zu den schwäbischen Zisterzienserinnenklöster, die in kurzer Folge gegründet wurden.

Ausführlicher ist das im Beitrag über Kloster Baindt beschrieben.

Konrad von Markdorf (1227, gefallen 1235 in einer Fehde gegen die Herren von Rhäzüns) verzichte auf seine angestammten Rechten auf ein Hofgut  in dem Ort “Wasserschapf” was auf den Quellreichtum des Ortes hindeutet.Konrad von Markdorf verzichtete auf den

Grund. Die Schwestern kauften 1227 das Gut für 21 Mark Silber von dem Ritter Werner von Altheim.Aber erst eine große finanzielle Schenkung des Grafen Egon von  Grüningen –Landau, der urkundlich nicht genau fassbar ist, ermöglichte dann eine würdige

Unterkunft. Graf Egons Schwester Hailwilgilde wurde erste Äbtissin des Klosters. Sie starb um 1240. Die Herren von Grüningen-Landau nennen sich nach einer Burg, die oberhalb der Donau errichtet wurde und sind eng verwandt mit den Grafen von Württemberg.

Eberhard Ritter von Landau hat die Grafschaft Landau übrigens 1444 samt der Burg für 14409 Gulden an Truchsess Eberhard von Waldburg verkauft. Der Truchsess überließ die Grafschaft dem Kloster, dieses ließ die Burg niederreißen. Aus dieser Grafschaft besaß.

das Kloster noch das Dorf Andelfingen.

Die Stiftungsurkunde ist nicht mehr vorhanden. Die Totenregister des Klosters, aber auch die drei Hirschgeweihe im Klosterwappen weisen auf die Familie Landau hin. Graf Egon soll nun dem Kloster eine Reliquie, nämlich einen Splitter vom Kreuz Jesu geschenkt

haben, die er sich vom Kloster Reichenau verschafft habe. Das sei auch Anlass zur Umbenennung in Heiligkreuztal gewesen sein. Eine andere Herleitung des Namens ist ein Messingkreuz mit einem Christusbild, das bei der Gründung des Klosters von einem

Wildschwein ausgegraben werden sein soll. Beide Reliquien waren um 1800 noch im Kloster vorhanden.

Kommen wir wieder zu den geschichtlich fassbaren Fakten. 1233 nimmt Abt Wilhelm das Kloster in den Zisterzienserorden auf. Zu dieser Zeit war allerdings Gauthier d’Orchies (1219-1236)Abt in Citeaux. In Urkunde 825 des WUB ist der Name entsprechend

in Frater G. abgeändert.

König Heinrich VII.(1222-1242) nimmt das neugegründete  Kloster in einer am 15. Juni 1234 in Nürnberg ausgestellten Urkunde in seinen besonderen Schutz und zwar den Ort selbst und die Personen, mit allem was sie an zeitlichen Gütern

besitzen und er gewährt den Boten des Klosters zum Almosensammeln freies Geleit. Das illustriert auch die guten Beziehungen des Salemer Abtes Eberhard zu den Staufern.

Das finanzielle Wohlergehen des jungen Klosters fördert auch Papst Gregor IX. (1227-1241)  einer am 16.Juni 1237 in Viterbo ausgestellten Urkunde, in der er  die Gläubigen der Erzdiözese Mainz zu Spenden für das Kloster Heiligkreuztal auffordert, wo der Orden der

Zisterzienser eine Kirche und ein Kloster neu errichtet haben “ecclesiam et claustrum inciperint de novo construere” Am 3. März 1238 stellt Papst Gregor eine Urkunde aus, in der den Abt, den Konvent und das Zentralkapitel des Zisterzienserordens beauftragt,

Kloster Heiligkreuztal unter die Obhut des Zisterzienserabtes zu stellen.

1241 schenken die Grafen Eberhard und Ulrich von Württemberg dem Kloster einen Hof in Enslingen.

Am 21. Oktober 1242 weiht Bruder Johannes, Bischof und Meister des Predigerordens einen Altar und den Friedhof in Heiligkreuztal. Dies geschieht mit Einwilligung des Bischofs in Konstanz. Gleichzeitig ordnet er die jährliche Weihegedenkfeier mit Ablasserteilung

auf den Sonntag nach dem St. Gallustag (16. Oktober)an.

1243 schenkt Albert,genannt Schedel von Steußlingen seine Besitzungen in Andelfingen den Schwestern in Heiligkreuztal.

Der übernächste Papst Innozenz IV.(1253-1254) nahm das Kloster in einer am 16. Dezember 1247 in Lyon ausgestellten Urkunde in seinen Schutz. Er bestätigte sämtliche Besitzungen des

Kloster, wobei er einige Orte namentlich angibt, wo die Besitzungen liegen, z.B. Altheim, Langenenslingen, Riedlingen,Markdorf usw.Vor allem aber wird das Kloster in all seinen Rechten, Freiheiten und Immunitäten bestätigt. Es unterstand also nicht mehr

der Gewalt des Bischofs und weltlicher Gerichte.Dies geschah in der Amtszeit der zweiten Äbtissin, Bertha Freiin von Justingen, die auf Hailwilgilde gefolgt war. Im Kloster kamen vor allem Adlige aus der näheren Umgebung unter. So erhielt das Kloster auch rasch

bedeutende Schenkungen und blühte auf.

Aber auch Käufe standen statt. So kaufte das Kloster 1251 das Kloster die Besitzungen des Schwigger von Gundelfingen in Dollendorf.

1252 überträgt Ritter Wolfrad der Jüngere von Veringen dem Kloster ihm überlassene Güter in Huseberg.

Der Konventsbau zog sich bis 1256 hin. Am 4. Juli 1256 erfolgte die feierliche Klosterweihe. Diese nahm der Augsburger Bischof Siboto von Seefeld (1227-1247) vor.

Siboto war 1217 in die Zisterienzerabtei in Kaisheim eingetreten. Und so lässt es sich erklären dass der Konstanzer Bischof Eberhard II. seinem Augsburger Mitbruder, der 1227 Augsburger Bischof geworden war, den Vortritt ließ, obwohl das Kloster in seinem

Sprengel lag. Die Weihe erfolgte zu Ehren der Heiligen Jungfrau und des Kreuzes. Er ordnete die jährliche Feier des Einweihungsfestes an und erteilt für diesen Tag Ablässe.

1257 überlässt  Abt Burkhard von der Reichenau dem Kloster Heiligkreuztal eine Mühle in Altheim gegen einen jährlichen Wachszins.

1263 erhält das Kloster von Anshelm von Justingen und Anselm von Wildenstein eine Schenkung in Neufra.

Im Jahr 1266 baut das Kloster seine Besitzungen in Andelfingen aus und zwar kauft es vom Kapitel der Konstanzer Kirche,dem Dekan und Propst mit Einwilligung Bischof Eberhard einige Höfe um 23 Mark Silber. Außerdem kauft es von Anselm von Justingen dessen

Andelfinger Besitzungen um 5 1/2 Mark Silber. Ob es sich bei Anselm um einen Familienangehörigen der Äbtissin handelt, lässt sich aus der Urkunde nicht ersehen, ist aber nicht von der Hand zu weissen, die Äbtissin ist zu der Zeit Bertha Freiin von Justingen.

1267 erhält das Kloster weitere Güter in Andelfingen. Der Schenkende ist Graf Hartmann von Grüningen. In diesem Jahr werden auch Güter in Wilflingen gekauft und zwar von der Familie von Veringen, von denen das Kloster ja schon 1252 Schenkungen erhalten hat.

1270 ist der gesamte Ort Andelfingen wohl weitgehend im Besitz des Klosters. Graf Hartmann der Ältere hat den Ort mit dem Patronatsrecht mit allem Zubehör für 206 Mark Silber verkauft. Die Kirche in Konstanz wurde mit der Übertragung anderer Lehen für ihre

Lehensrechte in Andelfingen entschädigt.

Auch in Hayingen kam das Kloster zu Gütern.1271 schenkt Ulrich von Gundelfingen genannt von Otterswang Heiligkreuztal einen Hof. 1284 verkauft das Kloster mit Bewilligung seiner Visitatoren und des Abtes von Salems seine Besitzungen in Hayingen an

den Abt und Konvent in Zwiefalten.

1286 kauft das Kloster von Graf Hermann von Veringen dessen Besitzungen in Friedingen mit allem Zubehör und Rechten.

1287 verkaufen die Herren von Grüningen ihre Güter in Binzwangen an das Kloster.

Im Jahr 1299 befiehlt Bischof Heinrich von Konstanz (1293-1306) allen Geistlichen seiner Diözese den besonderen Schutz des Klosters Heiligkreuztal auf Grund der Bulle Gregors IX vom 4. März 1238, deren Wortlaut in die Urkunde aufgenommen ist.

Um 1315 wirkt ein Meister Konrad mit Laienbrüdern in Heiligkreuztal und erbaut eine dreischiffige, flachgedeckte Pfeilerbasilika. Diese wird 1319 von dem Konstanzer Bistumsverweser Johannes VI. geweiht. In der Zeit war der Konstanzer Bischofsstuhl vakant und

erst mit Rudolf II. von Montfort besteigt 1322 wieder ein gewählter Bischof den Stuhl. In Heiligkreuztal war Helena Murzelerin Äbtissin, die von 1312-1326 regierte.

220px-Johannesminne_Heiligkreuztal

Eines der bekanntesten Kunstwerke des Klosters aus dieser Zeit ist die Johannesminne, die noch heute in der Kirche steht. Die Schnitzerei aus Nussbaum ist um 1310 von einem seeschwäbischen Meister geschaffen worden und war von einem Konstanzer Künstler

bemalt worden. Die Johannesminne war vor allem in oberschwäbischen Frauenklöstern eines der beliebtesten Andachtsbilder. Es sind aber nur noch wenige erhalten. Zu den weiteren Kostbarkeiten zählt das spätgotische Kruzifix, das aus der Zeit um 1450 stammt

und wohl von Hans Multscher für das Kloster Heiligkreuztal geschaffen wurde (Siehe auch Blog über Hans Multscher).

72_Kruzifix_jpg_240467Dann ist auch das Chorgestühl sehenswert, das 1532 von Michael Zey, einem Schreiner in Riedlingen geschaffen wurde.Es ist mit Menschen und Tierköpfen verziert und ist 1699 auf die Empore versetzt worden.

In dieser Zeit wirkte Veronika von Rietheim. Sie war von 1520-1551 Äbtissin und gab dem Kloster weitgehend sein heutiges Aussehen. Sie wurde 1472 geboren und war die Tochter des Reichsritters Ulrich von Rietheim und der Veronika von Landau.

Sie veranlasste eine Heiligkreuztal-Reimchronik von Bruschius in der auch die Gründerschaft der Grafen von Landau-Grüningen erzählt wird, für die es in den Urkunden keine Bestätigung gibt. Auch die Bilder der Grafen von Landau-Grüningen im Kreuzgang des

Klosters wurden unter ihrer Aufsicht angefertigt. Unter ihrer Ägide wurde das hochgotische Münster erbaut von dem durch den Uracher Steinmetz und Bildhauer Joseph Schmid, der 1520 die Seitenschiffe und 1532 das Hochschiff einwölbte. Kreuzgang, Kapitelsaal

und Refektorium folgten. Im Obergeschoss gab es Raum für Nonnenzellen. 1549 wurde eine Pfisterei mit Staffelgiebeln erbaut. Darin waren Mühle und Bäckerei. Dank ihrer regen Bautätigkeit kann man sie durchaus als zweite Gründerin des Klosters bezeichnen

zumal sie sich auch um die Reformbestrebungen, die in dieser Zeit der Glaubensspaltung in allen beim alten Glauben gebliebenen Klöstern lebendig wurde,verdient machte. Siehe dazu den Beitrag über Kloster Baindt und Heggbach. Reformation und Bauernkrieg

machten ihre  Aufgabe nicht einfacher. Zwar ging ihr Kloster im Gegensatz zu vielen anderen – Gutenzell  wurde geplündert,Salem musste die Bauern des Seehaufens verpflegen,Baindt und Weissenau gingen in Flammen auf- relativ unbeschadet aus

dem Bauernkrieg hervor, aber es musste doch durchgestanden werden. Äbtissin Veronika starb 1551 .

Anfang des 17. Jahrhunderts ließ Äbtissin Anna Stebenhaber das Münster ausmalen und frühbarock ausstatten. Dann brach der Dreißigjährige Krieg aus. Nach der Schlacht von Rain am Lech wurde Oberschwaben

Kriegsschauplatz. Ulm wurde Stützpunkt der schwedischen Armee. Bis zur Niederlage der Schweden bei Nördlingen hatten schwäbische Städte und Klöster unter schwedischen Überfällen zu leiden. Auch Heiligkreuztal wurde mehrfach von den Schweden überfallen

und ausgeplündert. Der Prager Friede von 1634 brachte zunächst ruhigere Zeiten. Doch kehrte der Krieg 1643 zurück und die Plünderungen setzten aufs neue ein. Heiligkreuztal war auch wieder betroffen. Nach dem Krieg erholte sich das Kloster rasch.

1652 wurde östlich des Konventsbaus ein neues Äbtissinnenhaus errichtet. 1686 entstand eine Apotheke mit Krankenzimmern. Weitere Verwaltungs-und Wirtschaftsgebäude kamen hinzu.

Eine Äbtissin mit langer Amtszeit war Maria Anna von Holzapfel. Sie regierte von 1723-1761. Sie ließ eine Remise errichten, in der die Kutsche der Äbtissin untergebracht war. Durch die Hintertür kam man in den Pferdestall.1744 ließ sie die Bibliothek und das Archiv

im ehemaligen Sommerrefektorium unterbringen.

image360px-Heiligkreuztal_Epitaph_Maria_Josepha_Holzapfel_1761

In der Kirche ließ sie eine zweite Orgel errichten. Bei Joseph Anton Feuchtmayr (1696-1770)dem  bekannten Stukkateur und Bildhauer des Rokoko gab sie einen stuckmarmornen Altar in Auftrag. Stuckmayr hat ja auch für Salem gearbeitet.

Der Honigschlecker auf der Birnau zählt zu seinen bekanntesten Werken. Der bauliche Zustand zeugte von der wirtschaftlichen Stärke des Klosters. Die Klostermauer war fast zwei km lang und umfasste ein Gelände von etwa 16 ha.

Darin waren Münster, ein Kornhaus, eine Pfisterei mit Mühle, eine Brauerei, ein Bauhof, eine Ziegelei, der “Lange Bau”, der als Viehstall und Scheune diente. Im “Verwaltungsbereich” war ein Amtshaus für den Oberamtmann, ein Gästehaus,

ein Beichtigerhaus für den Nonnenseelsorger und das Äbtissinnenhaus.

Reichsunmittelbar war das Kloster nie geworden. Der Konvent umfasste meist etwa 25 Nonnen, fast alle adliger oder patrizischer Herkunft. Der höchste Stand war 1382 mit 125 Nonnen. Bis zur Säkularisation war es unter österreichischer Landeshoheit.

es gehörte zu Vorderösterreich,hatte Sitz und Stimme bei den Landständen. Die Steuern entrichtete es in die schwäbisch-österreichische Kasse. Zu seinem Herrschaftsgebiet zählten acht Dörfer und Weiler und drei Höfe. (Heiligkreuztal,Andelfingen, Binzwangen,

Friedingen,Ertingen,Waldhausen, Beuren und Hundersingen. Es hatte 3279 Einwohner und übte für Teile seines Herrschaftsgebiets sogar die Blutgerichtsbarkeit aus. Die Vogtei hatten seit 1535 die Grafen bzw. Fürsten von Hohenzollern inne.

Kurz vor dem Ende des Klosters wurde es nochmals in Kriegswirren gestürzt. Die nachrevolutionären Kriege hatten 1796 nochmals Oberschwaben voll erfasst. Im Sommer hatten die Franzosen systematisch zur Ernährung und Bezahlung ihrer Armee

die Gegenden Südwestdeutschlands hemmungslos ausgeplündert. Die kleinen  Staaten des schwäbischen Reichskreise mussten horrende Kontributionen für die Unterhaltung der Rhein-Mosel-Armee aufbringen. Viele Landesbewohner dienten im Landsturm,

einer Art Miliz. Das Land zwischen Oberrhein und Oberschwaben befand sich im offenen Aufstand gegen die Franzosen. Österreichische Truppen lagen bei Ravensburg, der französisch General Moreau lag im September in Bad Buchau. Am 2. Oktober  kam es

dann zur Schlacht bei Biberach. Die Heiligkreuztaler Äbtissin  Maria Bernharda Kohlund war  mit ihren Nonnen auf der Flucht. Nur 8 Jahre später kam dann aber das aus für das Kloster.Die Regensburger Reichsdeputation vom August 1802 beendete 650 Jahre

Klostergeschichte. Am 16.Juli 1804 wurde das Kloster Herzog  Friedrich II. von Württemberg übergeben, der als Friedrich I. 1806 zum König aufstieg. Die 36 Nonnen durften zwar im Kloster bleiben, doch wurde ihr klösterliches Leben zunehmend eingeschränkt.

1809 wurde der Chorgesang unterbunden. Das Kloster verwahrloste. Die letzte Äbtissin verstarb 1822. 1843 verließen die letzten Schwestern Heiligkreuztal 1972 erwirbt die 1948 von Alfred Lange in Aulendorf gegründete Stefanusgemeinschaft  Kloster

Heiligkreuztal.Die Gemeinschaft nahm umfassende Renovierungs-und Umbauarbeiten vor und richtete eine Stätte für religiöse und wissenschaftliche Tagungen ein. Das Land restaurierte das Äußere der ehemaligen Abteikirche.

Heute präsentiert sich in Heiligkreuztal eine bestens erhaltene Vierflügelanlage mit Klosterkirche, den ehemaligen Amtshäusern und Wirtschaftshäusern. Sie spiegelt das Klosterbauschema der Zisterzienser , aber auch den Herrschaftsanspruch der Barockzeit

wider.

lmzunbekannt1_jpg_240572

16 Jul 2012

Kloster Baindt

imagesCAIEP2O6

1240 machte Konrad von Winterstetten eine Schenkung. Daraufhin wurde das Kloster Baindt gebaut. Aber man muss eigentlich ein paar Jahre zurückgehen, nämlich ins Jahr 1237. Da taten sich einige Frauen in

Seefelden am Bodensee, heute eine Teilgemeinde von Unteruhldingen-Mühldorf zusammen. Unter geistlicher Aufsicht und Leitung von Eberhard von Rohrdorf, dem 5. Abt der Zisterzienser Abtei Salem, lebten sie in klösterlicher Gemeinschaft

nach der Regel der Zisterzienser. Werfen wir erst einen Blick auf Eberhard von Rohrdorf. Er ist um 1160 vermutlich in Messkirch geboren. Er war der erste deutschstämmige Abt und der erste Salemer Abt, der nicht aus dem Gründungskonvent des

elsässischen Mutterklosters Lützel stammte. Er war der bedeutendste Abt der Frühzeit des Klosters. Er hatte Frauengemeinschaften im oberschwäbischen Raum unterstützt und sie dem Orden der Zisterzienser zugeführt.

So kam es in rascher Folge zu Klostergründungen in Gutenzell, Heggbach, Heiligkreuztal, Wald, Rottenmünster und Baindt. Eberhards Einfluss bei Wald, Rottenmünster und Heggbach war so stark, dass man ihn fast als Mitbegründer

bezeichnen kann. Er vermittelte die Aufnahme der neugegründeten Klöster in den päpstlichen Schutz und die vollberechtigte Integration in den Ordensverband. Dabei hilfreich dürfte es auch gewesen, dass er mit Konrad von Urach verwandt war, der Nachfolger

Bernhards in Clairvaux war und später Abt von Citeaux und zu diesem Zeitpunkt auch schon Generalabt der Zisterzienser war. Er erlangte wie für Wald die Exemtion von der bischöflichen Gewalt, wobei ihm die Verwandtschaft mit dem Konstanzer Bischof Diethelm

von Krenklingen (1189-1206) sicherlich hilfreich war. Die entsprechende Urkunde für Wald ließ er in seiner Abtei schreiben. Eberhard verband religiöse Motive mit Ordensinteressen und politischen Interessen. Er war zeitlebens aktiver und treuer Anhänger der

Staufer, was nicht verwunderlich ist, entstammt er doch einem hochadeligen Familienverband, der zur staufischen Partei in Schwaben zählte. In seinem weiteren Verwandtenkreis waren Graf Gottfried von Helfenstein-Sigmaringen (1210-ca.1240) und dessen Frau

Adelheid, Graf Egino von Urach und Heinrich von Neuffen (1200-1240) mit seinen Söhnen Heinrich und Gottfried und dann natürlich Konrad von Urach (1177/80-1227). Seit der Erbschaft Friedrich Barbarossas war Oberschwaben aus einem welfischen

Herrschaftsgebiet zu einem staufisch beherrschten Raum geworden.Der Zisterzienserorden hatte ja ein besonderes Schutzverhältnis zum Kaiser bzw. König, in das die neuen Frauenabteien eingebunden wurden, was wieder eine weitere Stärkung der

staufischen Herrschaft in Schwaben und damit im  Reich bewirkte. Wenn man die geographische Lage der neuen Klöster betrachtet, lässt sich das sicher so deuten. Baindt befand sich im Zentrum des ursprünglichen welfischen Machtbereichs

zwischen Donau und Bodensee, Heggbach und Gutenzell an dessen nördlichen Rand. Rottenmünster lag vor den Toren der staufischen Stadt Rottweil, die ein alter Vorort des Herzogtums Schwaben war. Wald lag im ehemaligen Herrschaftsbereich der Grafen von

Pfullendorf, der auch über Erbschaft an Friedrich I. gekommen war.

Erste Äbtissin der Seefelder Klostergemeinschaft war Tudecha. Nach sechseinhalb Jahren wurde das Kloster nach Boos bei Saulgau verlegt. 1231 hatten hier Mengener Beginen von dem Edelfreien Adelbert von Bittelschieß und seinen Söhnen für 48 Mark Silber

ein Gut mit Kirche gekauft. Der Kauf wurde unter anderem von Burkhard von Weckenstein bezeugt, der Kloster  Wald gestiftet hatte. Damit laufen die Fäden wieder in  Richtung Salem. Am 20.06.1236 stellt Bischof Gregor IX. (1227-1241) das Kloster unter seinen

besonderen Schutz.Im selben Jahr  erhalten die Äbte von Tennenbach (Rudolf I. von Zähringen) und Wettingen (Konrad)  den Auftrag, das finanziell schlecht gestellte Kloster in Augenschein zu nehmen, es dem Orden anzugliedern und Salem zu unterstellen. Das

Votum der Äbte fiel allerdings nicht sehr günstig aus. Außerdem scheinen die Beginen auch Probleme mit  benachbarten

Edelleuten gehabt zu haben. Auf Vermittlung Salems kam nun Schenk Konrad von Winterstetten ins Spiel, der sich ihrer annahm und versprach ein anderes Kloster zu stiften.

Wer war Konrad Schenk von Winterstetten?

460px-Siebmacher111-Schenk_von_Winterstetten

Konrad war Neffe von Eberhard von Tanne-Waldburg (1170-1234), der als Stammvater des Hauses Waldburg gilt. Beide bekleideten hohe Ämter am staufischen Hof. Eberhard wird erstmals

1225 als Reichstruchsess genannt. Konrad war Schenk. Beide waren von 1220-1225 als Vormünder und Ratgeber König Heinrichs VII. (12111-1242)tätig. Die Beziehungen zu den Staufern waren eng. In der Zeit von 1220-1225 wurden die Reichskleinodien auf der

Waldburg verwahrt. Konrad war an wichtigen politischen Entscheidungen beteiligt. So war er 1223 an den deutsch-dänischen Verhandlungen in Nordhausen beteiligt, als König Waldemar II. (1202-1241) gefangen genommen worden war. Konrad war auch Suevie

procurator und suevie prefectus . Ab 1214 nannte er sich nach der Burg Winterstetten in der Nähe von Biberach. Sicherlich hilfreich für die neue Stiftung war, dass der zuständige Konstanzer Bischof Heinrich von Tanne (1233-1248) ebenfalls aus dem Hause Waldburg

stammte und damit ein enger Verwandter Konrads war.

Konrad  besaß die Hälfte von Baindt als kaiserliches Lehen. Die andere war ihm von den

Grafen Bertold und Konrad zu Heiligenberg verpfändet. Von diesen erwarb er den Weiler Baindt und die Pfarrkirche. Äbtissin war Anna von Frankenberg, die 1232 auf die verstorbene Tudecha gefolgt war.

1240 hatte Propst Wilhelm und der Konvent von Weissenau Schenk Konrad zugesagt, wegen des Weissenauer Hofs in Sulpach gegen seine Klostergründung in Baindt keine Einwände zu machen.

Am 28. Dezember 1240 rief er die Klosterfrauen nach Baindt und übergab ihnen die Güter. Am 21. August 1240 übergaben die beiden Heiligberger Grafen ihr Lehen, das Dorf Baindt samt Kirche und Patronat den von Boos nach Baindt übergesiedelten Schwestern

“sanctimonialibus”  des Zisterzienserordens. Die Übergabe fand zweimal auf öffentlicher Straße statt, einmal vor der Klosterpforte in Salem und dann  nochmals in Altdorf und zwar in Anwesenheit König Konrads IV.

Am 3.1. 1241 weihte der Konstanzer Bischof Heinrich die Kirche und das Kloster in Baindt. Am selben Tag bestätigte der Bischof, dass Schenk Konrad von Winterstetten die Pfarrkirche zu Baindt samt ihrem Wittum, also das unbewegliche Vermögen der Pfarrpfründe

für die Errichtung des Zisterzienserinnenkloster Baindt bestimmt. Nach bischöflichem Spruch sollte er dafür mit der Hälfte eines Gutes im “burgo” Altdorf entschädigt werden.

Am 14. März und 15. Oktober 1241 ließ er die Stiftung durch Friedrich II. und dessen Sohn Konrad bestätigen. Sie unterstellten das Kloster auch dem unmittelbaren Schutz des Reiches.

“genehmigt auf bitte des schenken Conrad von Winterstetten dass dieser das cisterciensernonnenkloster Baindt aus gütern gründe die derselbe vom grafen Heiligenberg kaufte und aus anderen die er vom reiche zu lehen trug, nachdem er diesen gütern andere

vom grafen Gotfrid von Marstetten zu Ursingen erkaufte mittelst aufgabe an könig Conrad und rückempfang derselben zu leben substituirt hat, und nimmt das kloster mit dessen besitzungen in des reiches schutz. “ wie es im Regest 4337 steht.

Im Juli 1241 schloss Schenk Konrad mit Abt Hugo von Weingarten einen Tauschvertrag ab. Kloster Baindt erhielt aus diesem Tausch einen Hof in Holzhäusern sowie den Zehnten in Grünenberg und auf dem Entersberg. Um mögliche spätere Streitereien zwischen

Kloster Baindt und Weingarten auszuschließen, bestätigte Bischof Heinrich diesen Tauschvertrag.

Im Oktober 1241 nimmt König Konrad auf Bitten Konrads von Winterstetten das Kloster nochmals in seinen Schutz und befreit es von jeglicher Vogtei. So erlebte Baindt, der “hortus floridus”, wie es 1478 erstmals genannt wird, gleich zu seiner Gründung eine

Blütezeit.

Schenk Konrad vermachte dem Kloster noch kurz vor seinem Tod die Güter in Wizmannsreuti und Morschweiler. Der Klostergründer verstarb am 24. Februar 1243 auf seinem Schloss in Altenthann.  Er wurde in Baindt bestattet, wo auch seine Gattin Guta von Neuffen

ihre letzte Ruhe fand.

Zu der Zeit war Adelheid von Zusdorf Äbtissin. Sie war 1242 auf Anna von Frankenberg gefolgt. Um 1242 wird auch die Baindter Konventanlage vollendet.

In der Amtszeit Adelheids erfolgen mehrere Stiftungen.  So macht um 1246 Heinrich von Herlazhofen eine Stiftung “zur Abwaschung der Kleider der Schwestern”

1246 übergibt um seines und des Seelenheils seiner Eltern willen und mit Einwilligung seiner Erben Konrad von Zusdorf sein ganzes Gut in Waldhausen dem Kloster Baindt und erhält es dann als Lehen wieder zurück.

Am 12. Oktober 1249 nimmt Papst Innozenz IV. (1243-1254) das Zisterzienserinnenkloster Baindt mit dessen Angehörigen und Besitzungen in seinen Schutz und verleiht ihm zahlreiche Rechte und Begünstigungen.

1255 kaufen Äbtissin Adelheid und der Konvent von Baindt ein Gut in Wänizhofen an der Schussen für 40 Mark Silber.

Im Mai 1257 schenkt Irmengard von Schmalegg dem Kloster Baindt einen Hof in Haidgau. Dies genehmigen die Schenken Heinrich und Konrad von Schmalegg mit Einwilligung ihrer Brüder, die Kanoniker sind. Irmengard ist mit Konrad verheiratet und die

Tochter von Konrad Schenk von Winterstetten, dem Klostergründer.Nach dem Tod ihres Gatten tritt sie ins Kloster Baindt ein, wird dort aber nicht Äbtissin wie in manchen älteren Quellen angegeben. Mit ihrem Gatten hatte sie 6 Söhne und 4 Töchter. Einer

der Söhne ist Ulrich, der sich später von Winterstetten nennt und als Minnesänger bekannt ist.

Am 11. März 1262 nimmt Papst Urban IV. (1262-1264) wie sein Vorgänger Papst Innozenz das Kloster in seinen besonderen Schutz.

Am 3. Dezember 1262 bestätigt Konradin die von seinem Großvater Friedrich (März 1241) und von seinem Vater Konrad (Oktober 1241) erhaltenen Rechte und Freiheiten. Auch billigt er Erwerbungen des Klosters sowohl von denen seiner Vogtei

unterworfenen Kirchen und Klöstern als auch von  seinen Dienstmannen, Bürgern und anderen Leuten.

220px-Konradin

Am 29. Oktober 1268 war Konradin in Neapel hingerichtet worden. Damit endete die Dynastie der Staufer. Es folgte das Interregnum, die “schreckliche,die kaiserlose Zeit”. Als Rudolf von Habsburg (1273-1291)zum Kaiser gewählt wurde, war ein Kloster,  das so stark

auf die Staufer ausgerichtet war, natürlich darauf angewiesen, dass es auch mit dem neuen Herrscher gut zurecht kam.  Schon am 28. Juni 1275 nahm Rudolf das Kloster in seinen Schutz und bestätigte ihm” das allen Cisterzienserklöstern gewährte recht zu

erwerbungen von den unter  königlicher vogtei stehenden klöstern und kirchen, sowie die von ministerialen, bürgern oder andern leuten des reiches herrührenden und alle andern besitzungen”.

1275 stirbt Äbtissin Adelheid wohl schon vor dem Mai. Denn am 8. Mai tritt ihre Nachfolgerin,  Tudecha II. in einer Kaufurkunde auf. Abt Heinrich II. (1270-1279) und der Konvent von Weissenau verkaufen “um ihrer Schulden willen der Äbtissin Tudecha ihren Hof in

Sulpach um 220 Mark Silber. Diesem Verkauf stimmten auch der Roter Abt Berchtold und sein Konvent sowie der Konstanzer Bischof Rudolf I. von Habsburg Laufenburg (1274-1293) zu, wobei die Zustimmung des Roter Abts wohl früher folgte, denn in der mir

vorliegenden Roter Abtsliste wird dieser nur bis 1273 geführt. Der Weissenauer Abt versichert übrigens, dass er das  Geld voll erhalten habe und zum “Bedarf unseres Kloster nützlich ausgegeben habe (in usus nostri monasteri utliter expendisse). Der Kauf wird durch

eine Schuldverschreibung am selben Tag an den Juden Isaak, Sohn des Leo finanziert, der in Schaffhausen  saß. Auch mussten sie die Hilfe von Kloster Weingarten in Anspruch nehmen und verkauften diesem ihre Güter in Eggenreute. 1278 musste dann aber

Weingarten die Restschuld von 51 Mark Silber übernehmen von dem Juden König in Schaffhausen und erhielt dafür von Baindt Güter in Altdorf und Witzmannsreute.

Tudecha regierte nur 4 Jahre. Aus sie folgte Guta I. von Gundelfingen. Sie war wohl die Tochter des Ulrich von Gundelfingen genannt von Otterswang.

1275 und 1320 wurden Hochaltäre errichtet der von 1320 wird am 14.02 von Bischofvikar Recrehensis geweiht wird. 1309 erhielt die Abtei ein frühgotisches Chorgestühl.

1293 richtete das Kloster eine Grangie in Bürgberg ein, also einen wirtschaftlichen Außenbetrieb der Zisterzienser im  Mittelalter, der in Zisterzienserinnenklöstern meist von Konversen bewirtschaftet wurde. Konversen kamen meist aus dem bäuerlichen Umfeld.

Sie mussten wie die Mönchen ein Gelöbnis ablegen, ohne Vollmönch werden zu können. Das band sie ans Kloster, bot ihnen aber lebenslange Versorgung und Sicherheit.

Am 28. Mai erteilte König Heinrich VII., der erste Luxemburger (1308-1313) Holzrechte im Altdorfer Wald. “Äbtissin und Konvent des Zisterzienserinnenklosters Baindt in der Diö­zese Konstanz, seinen Frommen (.. abbatisse et conventui de Bunde, Cystercien. ordinis,

Con­stancien. dyocesis, dilectis devotis nostris), sich aus seinem und des Reiches Forst, ge­nannt »Altdorferwald« (de nemoribus nostris et imperii dictis ›Altdorferwalt‹), mit Holz zum Bauen, Heizen und für ihre und ihrer Höfe Um­zäu­nun­gen zu versorgen und dort

dreihundert Schweine zu weiden. “ Kurze Zeit später erhielt das Kloster von Heinrich die Zollfreiheit gewährt. “

König Heinrich begnadet die Nonnen des Zisterzienserinnenklosters Baindt (religiosas et in Christo nobis dilectas sanctimoniales monasterii in Bunde [!] ordinis Cystercien.) mit dem Ver­bot, daß die Eigen­leute des Klosters (homines proprietatis titulo predicto

monasterio per­ti­nen­tes) von seinen und des Reiches Städten als Bürger (in concives) aufgenommen werden und dort Bürgerrechte er­hal­ten; darüber hinaus befreit er die Nonnen von der Zahlung jegli­chen Zolls und Un­gelds (a solucone [!] thelonii cuiuslibet et ungelti

de rebus suis quibuslibet fa­cien­da)”

Am 30.4. 1215 bestätigte Philipp der Schöne (von 1314-1330 Gegenkönig des Heiligen Römischen Reiches) alle Rechte des Kloster Baindt, auch die Holzrechte im Altdorfer Wald sowie das Recht, dort 300 Schweine zu mästen.

1347 wird Europa von der ersten Pestwelle überrollt. 1349 war die Pest in Süddeutschland ausgebrochen. Man nimmt an, dass in Deutschland jeder 10. Einwohner der Seuche zum Opfer fiel. Das Kloster Baindt wurde auch heftig betroffen. Ein Teil der Konventualinnen

starb. Um 1350 wurde das große Pestkreuz errichtet.

800px-Baindt_Pfarrkirche_Pestkreuz_detail

Von dieser ersten Pestwelle scheint sich das Kloster aber rasch erholt zu haben. Schon 1355 wurde die Priorin Elisabeth von Gundelfingen mit 12 Schwestern nach Oberösterreich entsandt. Dort übernahm sie die neugegründete Abtei

Mariensaal in Schlierbach. Eberhard V. von Walsee hatte das Kloster in diesem Jahr gestiftet. Sein Großvater Eberhard III. (+1288) war ein  Gefolgsmann Rudolfs von Habsburg. Mit ihm schlug seine Familie im Südosten Wurzeln. Er war

mit Adelheid von Waldburg (+1275) verheiratet. Seine Söhne und deren Nachkommen standen bald an der Spitze des Habsburger Hofadels.Aus dieser engen Verwandtschaft heraus ist auch die Beziehung zu Baindt klar.

Am 22. Februar wurde von Eberhard V. und seiner Frau Anna die Stiftungsurkunde ausgestellt. Er war zu der Zeit Landeshauptmann ob der Enns. Einen Tag später gab  Bischof Gottfried von Weißeneck (1342-1362) seine Einwilligung zu der Stiftung.

Herzog Albrecht II übernahm im April 1355 den Schutz des Klosters und die Vogtei. Das Kloster bestand bis 1620 als Frauenkloster und wurde dann von Zisterziensermönchen übernommen. Im Stift steht heute noch die Schlierbacher Madonna (um 1320),

die die Schwestern alter Tradition folgend aus Baindt mitgebracht hatten. Dies geschah in der Amtszeit von Hiltrudis von Königsegg (1345-1358), die ja schon in der schlimmen Pestzeit regiert hatte, aber auch diese Tochtergründung miterleben konnte.

Am 18.10.1374 wurde die Pfarrkirche in Boos dem Kloster Baindt inkorporiert. 1376 wurde Baindt reichsunmittelbar, war aber der Reichsabtei Salem unterstellt.

Am 5. April 1376 stellt Karl IV. (1355-1378)  in Nürnberg eine Urkunde aus in der er “empfängt in des reichs beschirmniss abt und convent von Roth, Weissenau, Schussenried, Weingarten, Baindt, Buchau, sämmtlich in Constanzer diöces, sammt gütern und rechten,

freit sie von allen beschwernissen, wie sie von seinen reichsvorfahren gefreit sind, und gebietet allen reichsständen namentlich in Oberschwaben, deren güter und habe zu schützen.” Anna IV Humpis (1375 –1383) war wohl die erste Baindter Fürstäbtissin und

Mitglied im  Reichsprälatenstand.  1522 war die Abtei im Reichsmatrikelverzeichnis aufgeführt und hatte ebenso wie Heggbach und Gutenzell 5 Fußsoldaten zu stellen.

1437 wurde der Abtei Baindt wie auch Gutenzell von Kaiser Sigismund die niedere Gerichtsbarkeit erteilt. Die Folgejahre scheinen ohne gravierende Ereignisse verlaufen zu sein.

Ein  einschneidendes Ereignis, nicht nur für das Kloster Baindt sondern mit Sicherheit für ganz Süddeutschland war der Bauernkrieg 1525. Das Verhältnis zwischen Abtei und Dorf scheint zu diesem Zeitpunkt nicht mehr das beste gewesen zu sein.

Kurz vor der Vertrag von Weingarten geschlossen wurde (17.04.1525), brannten die Baindter Bauern das Kloster nieder. Anna VII. (1520-1529) war zu der Zeit Äbtissin. Sie ließ aber das Kloster umgehend wieder aufbauen  1529 waren die Gebäude erneuert und 1560

erhielt die Kirche ein spätgotisches Deckengewölbe.

Die Reformation scheint in Baindt weniger Probleme bereitet haben als anderswo. Vielleicht hat sich da die Nähe zum Kloster Weingarten ausgewirkt, in dem mit Abt Gerwig Blarer einer der führenden Köpfe der Gegenreformation tätig war.

Zwei Ereignisse erzwangen eine Reform des Zisterzienserordens. Das eine war die Reformation, die auch viele Zisterzienserklöster erfasste. Das andere war das Konzil von Trient (in vier Sitzungsperioden von 1545 und 1563) Die Filiationskette, das verbindende

Element der Zisterzienserklöster war an vielen Stellen unterbrochen. Nun trat an ihre Stelle wie auch vom Tridentinum gefordert an ihre Stelle Generalvikariate oder Provinzen. Ihnen standen vom Generalkapitel des Ordens ernannte Generalvikare vor.

Das bedeutet eine Beschneidung der Kontrollrechte der Äbte der Primarabteien und eine Ausrichtung der Klöster auf einheitliche Ziele. Im Kloster Fürstenfeld im heutigen Fürstenfeldbruck versammelten sich vom 14. September bis 20. September 1595

17 Äbte aus dem oberdeutschen Raum auf Einladung des Generalabtes Edmond de la Croix (1584-1604). In den Fürstenfelder Statuten wurden die Grundlagen einer Reform festgelegt. Zum ersten Generalvikar wurde der Salemer Abt Petrus Müller (1593-1615)

ernannt. Auch in der Folgezeit war immer der Salemer Abt Generalvikar der Oberdeutschen Zisterzienserkongregation, die 1624 gegründet wurde und auch noch Elsässer und Schweizer Klöster umfasste.

Die oberdeutsche Kongregation war in vier Provinzen gegliedert. In der schwäbischen Provinz waren Salem, Kaisheim, Schöntal und Stams in Tirol. Natürlich gehörten die Nonnenklöster, die ihren

Vaterabteien unterstellt waren, automatisch dazu, so auch Baindt. Papst Urban VIII. (1623-1644) bestätigte die Kongregation am 10.07.1624. Für die Nonnenklöster blieb das System der Vateräbte aufrecht erhalten. Dabei wurde einmal jährliche Visitation durch den

Vaterabt  und alle 4 Jahre durch den Provinzvikar festgelegt. Schon 1573 hatte Nicolas I. Bucherat die deutschen Klöster visitiert und dabei eine strenge Klosterreform gefordert. Gemeinsamer Tisch und strenge Klausur, eigentlich alte zisterziensische Lebensregeln

sollten wieder beachtet werden. Äbtissin Elisabeth IV.Hartmann (1598-1625)führte dies 1607 auch wieder für Baindt ein. 1606 schloss die Äbtissin einen Vertrag mit dem Erbtruchsess Heinrich von Waldburg wegen der beiderseitigen Ansprüche des Klosters in den

erbtruchsessichen Landen. Das Kloster konnte die Lehen mit eigenen Leuten besetzen und diese mit Ehrschatz, Handlohn,Weglöse, Zinsen und Gülten belegen und sonstige Leibeigenschaftsabgaben erheben. Lehensbrief und Reverse mussten vom Truchsessen

oder dessen Beamten besiegelt werden. Für alle übrigen Fälle, hohe und niedere Gerichtsbarkeit, Bußen, Schlaghändel, Gebot und Verbot, forstliche und alle übrige Obrigkeit war die Herrschaft Waldburg zuständig. Frondienste beanspruchte sie in dem bisher

üblichen Maß.

1622 ließ Äbtissin Elisabeth den Langbau erstellen und die Klostermühle umbauen. Das deutet auf wieder prosperierende Verhältnisse. Dann aber suchte der Dreißigjährige Krieg das Land heim.

Unbenannt

Am 14./15. April 1632 verlor Tilly die Schlacht bei  Rain am Lech. Ulm wurde Stützpunkt der schwedischen Armee. Im Mai überfallen erstmals schwedische Truppen Kloster Baindt. Die meisten Klosterfrauen fliehen. Nach der Schlacht bei Rain hatte  Aldringen  den

Oberbefehl über die Truppen der Liga erhalten. 1633 richtete er sein Hauptquartier in Ravensburg ein.Gegen den Befehl Wallensteins vereinigte er sich Am 29. September 1633  in der Nähe von Ravensburg mit den Truppen des Herzogs von Feria. Das heißt ganz in

der Nähe von Baindt lagen  über 10.000 Soldaten. Am 3. Oktober entsetzten sie das von General Horn belagerte Konstanz und am 20. Oktober Breisach. Die Erfolge der beiden habsburgischen Truppenteile verwundern, wenn man weiß, wie heruntergekommen und

ausgehungert diese Truppen waren. Die Schlacht von Nördlingen am 6. September 1634 sah die kaiserlichen Truppen als Sieger über die Schweden und ihre protestantischen deutschen Verbündeten. Das führte in der Folge zum Prager Frieden und

brachte zunächst mal wieder ruhiger Zeiten für Oberschwaben und damit auch für Kloster Baindt. Allerdings war wieder einmal die Pest ausgebrochen, zum zweiten Mal in Baindt. Innerhalb von kurzer Zeit starben 7 Mitglieder des Konvents. Da ein Großteil der

Klosterfrauen ja schon bei dem schwedischen Überfall geflohen waren, war das natürlich ein weiterer gravierender Aderlass. Und der Krieg dauerte ja noch weitere 13 lange und schwere Jahre. 1643 war er wieder mit voller Wucht nach Oberschwaben

zurückgekehrt. Das Kloster wurde dreimal ausgeplündert und war ohne Vieh. Das Kloster wurde wieder größtenteils zerstört. 4 Äbtissinnen hatten das Kloster während des Krieges regiert. Auf Äbtissin Elisabeth war Juliana Rembold gefolgt (1625-1630).

Ihre Nachfolgerin war Katharina III. Rueff. Erst Äbtissin Barbara I. Weglin (1644-1653) durfte den Frieden, der 1648 in Münster geschlossen wurde, erleben.

1649 wurde das Ordensleben wieder aufgenommen und auch mit der Wiederherstellung des Klosters begonnen. 1675 wird ein neuer frühbarocker Hochaltar aufgestellt. Der Salemer Vaterabt Anselm I. (1664-1680) weihte diesen am 02.07. 1675.

Äbtissin ist in dieser Zeit Barbara II. Sauther (1672-1688) Zwei Jahre später wird ein Nebenaltar zu Ehren des Heiligen Joseph geweiht. 1688 herrschte schon wieder Krieg im Lande. Der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688-1697). Im ersten  Kriegsjahr

wurde auch in Südwestdeutschland gekämpft, vor allem in der Pfalz und der Kurpfalz. Er erreichte Oberschwaben und den Bodensee aber nicht mehr, reichte jedoch aus, um die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen. So fliehen die Baindter

Konventualinnen in Richtung Bodensee.

Die Barockisierung der Abtei geht weiter. Um 1700 wird der Nonnenchor auf die Westempore verlegt. 1705 weiht der Salemer Abt Stephan I. Jung (1698-1725) eine Barockglocke für die Pfarrkirche St. Johannes.

In der Abteikirche wird 1720 ein neues Gestühl und eine Tragekanzel eingebaut. Von 1724-1729 wird die Kirche weiter barock ausgestaltet. Das Kloster erhält ein neues Gästehaus,das Äbtissin Maria Magdalena von Dürrheim (1723-1751) 1729 erbauen  lässt.

klosterhof1

 

Doch nicht nur bei der barocken Ausgestaltung der Kirche, die 1742 weitergeführt und 1764 unter der Äbtissin Cäcilia Seitz (1751-1768) 1764 schließlich abgeschlossen wurde, erwarb sie sich Verdienste. Auch auf der politischen Ebene hatte sie Meriten.

Der Habsburger Karl VI. (1711-1740) erneuerte 1735 die 1437 gewährte niedere Gerichtsbarkeit. Schon 1741, also in den Anfangsjahren von Maria Theresia (1740-1780)wurde diese Privileg erneuert.

1742 wurde die Orgel erneuert.

Am 18.7. 1743 werden die beiden Katakombenheiligen Donatus und Bonifatius übertragen. Zwischen dem 16.und 19. Jahrhundert wurden in Rom. Viele Gebeine aus den Katakomben entfernt. Es ist dabei nicht sicher, ob es sich um Christen oder gar um

Märtyrer handelt. Den Gebeinen wurde posthum ein Name zugeordnet und ein schwunghafter Handel vor allem in die deutschsprachigen Gebiete nördlich der Alpen getrieben. Dieser Handel kam erst um 1860 zum Erliegen. So hat auch Gutenzell seine

Katakombenheiligen, nämlich die heilige Märtyrerin Juliana, Schussenried, Rot an der Rot aber auch normale Pfarrkirchen wie Biberach oder Wolfegg und Kisslegg.

800px-Baindt_Pfarrkirche_Katakombenheiliger_Bonifatius120px-Baindt_Pfarrkirche_Katakombenheiliger_Donatus

Am 15.10.1743 wird der neue Choraltar und das Pestkreuz von Abt Konstantin Miller (1725-1745) geweiht. Aber auch auf wirtschaftlichem Gebiet geht es weiter. 1746 wird das Wasch-und Schlachthaus gebaut. Das war noch unter Äbtissin Magdalena.

Ihre Nachfolgerin Cäcilia lässt 1766 das klösterliche Bräuhaus errichten.  1763 werden 3 neue Glocken gegossen  und die Klostermauer erweitert. Ein Jahr später wird der Chorraum stuckiert und 1760 wird durch Abt Anselm II. (1746-1778),

dem Erbauer der Birnau, ein Altar mit einem Geißelheiland geweiht. Noch zwei weitere Altarweihen erlebt das Kloster, nämlich 1777 und 1780.

1788 erwirbt Baindt unter Äbtissin Bernarda von Markdorf (1768-1802) vom Augustinerstift in Waldsee dessen Weingärten in Markdorf, was nicht weiter wundert, den sie stammte ja aus der Familie von Markdorf.

Am 15.01. 1797 wird mit 37 Konventualinnen die seit langem höchste Zahl erreicht.

Am 25.02. 1802 weihte Abt Kaspar Oexle (1802-1804) die letzte Äbtissin Xaveria Lohmiller, die 1836 verstarb.

Der Reichsdeputationshauptschluss vom 25.Februar 1803 regelte die Entschädigung für die durch den Friedensvertrag  von Lunéville 1801  an Frankreich abgetretenen  linksrheinischen Güter deutscher Fürsten. Dies geschah durch die Säkularisation der

geistlichen Herrschaften. Das bedeutet das Ende der Klöster in Süddeutschland. Graf von der Leyden, der in Hohengeroldseck in der Gemeinde Seelbach in der Ortenau ansässig war, nahm das Kloster in Besitz. Von ihm ging es an das Haus Aspermont-Linden

und 1812 ging es schließlich in Privatbesitz über. Die Abteikirche wurde 1817 zur Pfarrkirche erklärt. 1841 wurde mit dem Abriss der Klausurgebäude begonnen. Nur der Ostanbau des Südflügels, das Gästehaus und das um 1600 errichte Amtshaus blieben bestehen

1850 starb die letzte Baindter Klosterfrau.

Die Gebeine des Klostergründers wurden 1842 in die Kirche übertragen und im Südschiff beigesetzt.

1903 wurden Teile des Gebäude, vor allem das Gästehaus von den Franziskanerinnen in Heiligenbronn übernommen und zum  Kinderasyl ausgebaut. Als Kinderheim St. Josef wurde es bis 1980 geführt. 1980 wurde dort eine Heimsonderschule

für Sehbehinderte und Blinde gegründet. Auch ein kleiner Schwesternkonvent im Haus St. Menas besteht noch. Dort werden auch Gäste und Pilger aufgenommen und zu Gespräch und Gebete eingeladen. So wird doch noch eine über 750 dauernde Klostertradition

fortgeführt.

08 Jul 2012

Reichsabtei Heggbach

 

120px-Heggbach_Abbey_church_spire

Heggbach gehört zu den 5 Zisterzienserinnenklöster in Oberschwaben die zwischen 1216 und 1237 kurz hintereinander gegründet worden waren. An den 5

zukünftigen Klosterstandorten hatten sich schon jeweils informelle Frauengemeinschaften gebildet, die von dem Salemer Zisterzienserabt Eberhard von Rohrdorf (1191-1240) tatkräftig unterstützt und ermutigt wurden, eine Klostergemeinschaft zu gründen und sich dem Orden der Zisterzienser anzuschließen. In Maselheim hatten die beiden adeligen Fräulein von Rosenberg und von Laudenburg eine Beginenklause gegründet. Eine Familie Rosenberg ist in der Schweiz seit dem 10. Jahrhundert nachzuweisen, eine andere in Nordbaden und Nordwürttemberg seit 1270. Laudenburg gibt es nicht, es gibt nur Landenburg. Die von Landenburg waren bei Rottweil, Sulz, Oberndorf und Tuttlingen begütert.Diese Familien treten aber in den Urkunden nicht auf. Die Oberamtsbeschreibung nennt eine Frau von Landau. Deren Familie ist jedoch erst seit 1269 erwähnt. Die erste Erwähnung Heggbachs ist 1143. Das Kloster Weingarten hatte in Heggbach ein Gut “Predium at Hegebach, das auch 1155 erwähnt ist, beides im Württembergischen Urkundenbuch (WUB II 20 und 86). Als “Heggbacher Geburtsurkunde” gilt die am 16. April 1231 in Salem ausgefertigte Urkunde. Sie wurde von dem Konstanzer Bischof Konrad von Tegerfelden (1231-1233) ausgestellt. Darin gewährt der Bischof den Schwestern die Wahl des Priesters der Pfarrkirche und auch die Einkünfte der Kirche, damit das Kloster mit notwendigsten ausgestattet werden kann. In der Urkunde wird ausdrücklich erwähnt,dass das von Heinrich VII., dem ältesten Sohn des Kaiser Friedrichs II. an das Kloster Salem gelangt ist. Daraus kann man schließen, dass der Auftraggeber des Kirchenbaus ein Ritter oder Ministerialer der Staufer gewesen sein muss. Man kann aber nicht sagen ob es sich um Grafen wie die von Berg oder Grüningen gehandelt hat oder Baustetter, Maselheimer oder Freyberger Ortsherren handelt. Bereits 1233 oder 1234 wurde das Kloster dem Zisterienserorden inkorporiert. Um das im Aufbau befindliche Neukloster Heggbach zu unterstützen, gewährte Papst Gregor VII. (1227-1241) einen zwanzigtägigen Ablass und forderte die Gläubigen auf, Gaben zu spenden. Gleichzeitig dürften von Adligen aus der Nachbarschaft Gütereinkünfte und Grundstücke gestiftet worden sein. Am 12. April 1234 nahm Papst Gregor das Kloster und seine Besitzungen insbesondere den Klosterort in seinen persönlichen Schutz. Und er bestätigte das Patronatsrecht. 1243 stellte Papst Innozenz IV.(1243-1254) dem Zisterzienserorden das Privileg für Salem aus. Darin belegte er diejenigen mit Exkommunikation die vom Kloster den Zehnten verlangen. Abt Eberhard II. von Wollmatingen (1241-1271) gab dieses Privileg auch an die Frauenzisterzen weiter,die unter der Salemer Paternalität standen.

800px-Kloster_Heggbach_Mühle

1246 schenkte Graf Ulrich von Berg den Nonnen und dem Kloster die Maselheimer Mühle. Der Nachfolger Konrads von Tegerfelden auf dem Konstanzer Bischofsstuhl war Heinrich von Tanne (1233-1248) aus der Familie Waldburg. Er stärkte vor allem die Klöster in seinem Bischof. So wurde Heggbach, nachdem es das große Ordensprivileg erhalten hatte, auch vom Diözesanbischof Heinrich freigestellt. Abt Eberhard II. erhob Heggbach 1248 zur Abtei.

Der Name der ersten Äbtissin ist uns nicht bekannt, die 2. um1250 nur als G. Nach ihr regieren Williburgis, Irmengard, Getrud und Hailwig . Mit der jungen Abtei ging es langsam aufwärts. 1248 gehörte der Ort Heggbach wohl schon dem Kloster und wurde als Grangie betrieben, was ja die vorherrschende Gutsform der Zisterzienser war.

1273 bestellte Äbtissin Irmengard Heinrich von Freyberg zu ihrem Anwalt in der Streitsache gegen Ritter Siefried von Steinbach um einen Hof in Kadeltshofen. Daraus könnte man schließen, dass das Kloster keinen Vogt hatte.

Der klösterliche Grundbesitz vergrößerte sich. Es begann sich ein eigenes Herrschaftsgebiet abzuzeichnen. Der Besitz lag in den im nahen Umkreis gelegenen Dorfschaften des Klosters und zum Teil auch Pfarreien wie Maselheim, Sulmingen und Wennedach, einigen Höfen und Rechten in Baltringen und zwei Drittel von Baustetten. Im weiteren Umfeld, im Bodenseeraum hatte die Abtei noch Rebbesitz in Meersburg, Markdorf und Bermatingen. Bis 1504 verwaltete die Abtei ihre Rebgüter zusammen mit Gutenzell. Auch der Konvent wuchs, so dass ähnlich wie in den anderen 4 oberschwäbischen Frauenzisterzen ein neues Klausurgebäude errichtet werden musste. In Heggbach geschah dies im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts. Die Arbeiten zogen sich aber bis 1320 hin. Für 1288 sind schon eine Marienkirche und für 1294 ein Muttergottesaltar belegt.

Grabungen, die durchgeführt wurden, als nach 1973 Platz für die Behindertenwerkstatt geschaffen wurde, belegen, dass das Mauerwerk bis in die Spätromanik zurückreicht. 1347 wurde ein frühgotische Münster geweiht. Dabei wurde in der Predella des Muttergottesaltars ein Andachtsbild “Maria im Wochenbett” aufgestellt. Wahrscheinlich wurde es über Salem bei einem seeschwäbischen Bildhauer in Konstanz in Auftrag gegeben. Es ist eines der frühesten Andachtsbilder dieser Art. Seit dem Spätmittelalter war das Kloster reichsunmittelbar.

Am 21. April 1429 verlieh Kaiser Sigismund dem Kloster Heggbach die Gerichtsbarkeit über alle seine eigenen Leute sowie über alle Dinge, die auch von fremden Leuten auf seinem Gebiet geschehen mit Ausnahme der Hals- und Blutgerichtsbarkeit, die wie bisher das Kloster Salem ausübt und die 4 Fälle, die dem Landvogt vorbehalten sind.

Am  5. Juli 1481 nahm  Kaiser Friedrich III.(1440-1493) das reformierte Kloster Heggbach als oberster Vogt und Beschirmer in seinen Schutz und setzte den Bürgermeister und Rat der Stadt Biberach, in deren Schutz es seit alters (100Jahren) ist von neuem zu Vögten und Beschirmern an Kaisers statt ein. Das Kloster hatte das Recht, der Stadt Biberach die Vogtei aufzukündigen. Eine Strafe von 40 Mark Gold, in die sich die Stadt und das Kloster teilen, wird denen angedroht, die die Rechte und Freiheiten des Klosters antasten.

800px-Heggbach_Abbey_main_gate_01Die Reformäbtissin Elisabeth Kröhl (1454-1480) oder ihre Nachfolgerin Agnes Sauter (1480-1509) gab bei einem Ulmer Künstler des Multscher-oder Syrlin-Umkreises eine Mondsichelmadonna in Auftrag. Diese Madonna des “Heggbacher Meisters hat alle Stürme der Zeit überdauert und steht heute noch in der Heggbacher Kirche. Seit dem frühen 15. Jahrhundert hatte die Klausurstrenge allgemein nachgelassen,  so auch in Heggbach. Die aus Lindau stammende Äbtissin Elisabeth II. Kröhl hatte 1467 eine grundsätzliche Klosterreform durchgeführt. Ihre Nachfolgerin konnte in Ulm Memmingen und Biberach neue Flügelaltäre in Auftrag geben., die Klosterkirche umgestalten die herrschaftlichen Grabstätten verlegen –die Familien von Freyberg und Baustetten hatten im Kloster ihre Grablegen- , eine Kapitelskapelle errichten, den Kreuzgarten verschönern und höchstwahrscheinlich einen eigenen Äbtissinnenflügel anfügen lassen.

1496 erneuerte Kaiser Maximilian alle Privilegien und Freiheiten, die das Kloster früher erhalten hat und ermahnt alle, insbesondere den Landvogt von Schwaben, das Kloster in der Ausübung seiner Rechte nicht zu behindern.

1504 nahmen die Konvente und Äbtissin Waldpurg von Gutenzell und Äbtissin Agnes von Heggbach ihre im Laufe der letzten Jahrzehnte gemeinsam erworbenen Güter, meist Weinberge zu Markdorfmit Zustimmung des Abtes Johann von Salem in getrennte Verwaltung. Die Teilung erfolgt durch ein unparteiisches Los.

Am 14. Januar 1504 nahm Papst Julius II. (1503-1513) das Kloster in seinen besonderen Schutz und bekräftigte alle ihm von Päpsten, Königen und Fürsten erteilten Privilegien insbesondere das Patronat über die Pfarrkirche in Maselheim und Burgrieden.

1521 wurde das Kloster in der Reichsmatrikel geführt, sichtbares Zeichen der Reichsfreiheit. Wie Gutenzell hatte es keine Abgaben zu entrichten aber 5 Fußsoldaten zu stellen.

Im Frühjahr 1525 erschütterte der Bauernkrieg Süddeutschland. Heggbach lag an exponierter Stelle. Auf seinem Gebiet hatte sich der Baltringer Haufe gebildet. Der Anführer Ulrich Schmid war Klosteruntergebener, wahrscheinlich Leibeigener. Er war aber durchaus gemäßigt und wahrscheinlich ist es seinem Einfluss zu zu- schreiben, dass das Kloster Heggbach im Gegensatz zu anderen Klöstern relativ glimpflich davon gekommen ist. Zwar wurden auch hier die Vorräte weggeführt, aber es wurde nicht geplündert oder gebrandschatzt und vieles einfach zerstört, sowie es zum Beispiel den Klöstern Weissenau, Schussenried, Schönthal oder Steingaden ergangen ist. Das geschah in der Amtszeit von Barbara Ellenbog (1515-1526). Am 27. Oktober 1525 erschienen die Untertanen  aus Mietingen, Sulmingen, Maselheim, Wennedach und zum Stein vor der Gotteshaus des Klosters in Anwesenheit des Vertreter des Schwäbischen Bundes Wilhelm von Stotzingen zu Dischingen, gaben ihre Waffen ab und huldigten ihrer Obrigkeit (dem Kloster Heggbach).

Am 21. Oktober 1527 erteilte Kaiser Maximilian in Speyer dem Kloster Heggbach ein Privileg wider das Leihen und andere Kontrakte der Juden mit Untertanen. Ohne Erlaubnis des Konvents darf kein Jude den Untertanen “leihen oder fürstrecken” und kein Jude darf dagegen klagen.

Ihre Nachfolgerinnen Walburga Bitterler (1526-1532) und  Margarete Hauptmann (1532-1539) sahen sich den Stürmen der Reformation ausgesetzt. 1529 hatte sich in der Reichsstadt Biberach die Reformation durchgesetzt und die biberachischen Reformatoren setzten alles daran, die Nonnen zum Abfall zu bewegen. In Burgrieden sollte die Reformation eingeführt werden. Dort hatte die Stadt die Obrigkeit, das Kloster aber den Kirchensatz inne.

Im Schmalkaldischen Krieg(1546/1547) besetzte die Stadt Biberach 1546 das Kloster, so dass von August bis Dezember kein Gottesdienst möglich war. Nach der Zerschlagung des Bundes verzichtete die Stadt Biberach 1548 auf ihr Besetzungsrecht der Pfarrei Burgrieden.

Wie Gutenzell beteiligten sich die Äbtissinen von Heggbach von 1500 bis 1539 am Schwäbischen Reichsprälatenkolleg . Seit 1562 waren sie in der Kammer vertreten, ließen sich aber meist durch den Abt von Salem vertreten. Nur wenn ganz wichtige Entscheidungen anstanden so z. B. 1768 waren alle Klostervorsteherinnen von Gutenzell, Heggbach, Baindt und Rottenmünster persönlich anwesend als Abt Anselm II. Schwab, der Salemer Abt zum Kollegiumsdirektor gewählt wurde.

Am 27. März 1560 stellte Kaiser Ferdinand I. (Kaiser von 1558-1564) dem Kloster denselben Bestätigungsbrief aus wie schon 1496 Kaiser Maximilian. 1573 hatte Äbtissin Lucia Hildebrand (1559-1590) das Kloster in eine wirtschaftliche Schieflage geführt. So musste Abt Georg II. Kaisersberger (1558-1575) den Haushalt überprüfen und in Ordnung bringen aber nur ein Jahr später lobte der Visitator Nikolaus I. Boucherat von Citeaux die vorbildliche Ordenszucht Heggbachs. Trotz der Wirtschaftskrise konnte das Kloster 5 junge Zisterienserinnen in die unterbesetzten und veräußerlichten Schweizer Klöster Rathausen und Olsberg entsenden.

Veronika von Freyberg(1605-1610) konnte den Kreuzgang einwölben und mit frühbarocken Stuckelementen auszieren. Dann brach der Dreißigjährige Krieg mit seinen katastrophalen Folgen für das ganze Land aus.

Heggbach hatte schwer zu leiden. Mietingen und Äpfingen lagen an der großen Heerstraße Nord-Süd und Äpfingen war ständiges Quartier mal der Kaiserlichen, mal der Schweden. 1632 mussten sich Äbtissin und Konvent vor den heranrückenden Schweden in Sicherheit bringen. Sie weilten bei ihren Mitschwestern in Rohrschach, Magdenau, Feldbach, Kalchrain, Tänikon und Appenzell. Die Zurückgebliebenen wurden überfallen, geschlagen und vergewaltigt. Oft raffte sie der Schwarze Tod hinweg.

Die Stadt Biberach beauftragte in den Jahren 1633/64 den Advokaten Dr. Isaak Andler beim Tübinger Hofgericht mit der Wahrnehmung ihrer Interessen. Dr. Andler war der Schwager des Biberacher Amtsbürgermeisters Joachim Schaupp. Dabei sollten Gebiete der Klöster Gutenzell, Heggbach und Schussenried dem Biberacher Spital übereignet werden. 1633 nahmen aber die Kaiserlichen Biberach wieder ein. Erst bei der neuerlichen Besetzung am 26. März 1634 durch die Schweden konnten die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Zwar bestätigt Gustav Adolf eine Schenkung an Biberach, aber der schwedische Kanzler Oxenstierna hatte am 22. April das von Biberach beanspruchte Schussenried dem schwedischen Obersten Christoph Martin von Degenfeld geschenkt. Die Bemühungen Biberachs, die Schenkung rückgängig zu machen, blieben erfolglos. Auch mit Gutenzell und Heggbach kam man in Biberach nicht voran. Die Schlacht bei Nördlingen am 8. September 1634 ging für die Schweden verloren und für 12 Jahre behielten die Kaiserlichen wieder die Oberhand in Süddeutschland.

Nach Kriegsende kamen die Nonnen zurück. Die Gebäude waren zwar verwahrlost, aber in der Substanz erhalten. Als erstes wurde dann die Abteikirche, die unter dem Kriegsvolk schwer gelitten hatte, wieder instand gesetzt und mit einem frühbarocken Hochaltar unbekannter Herkunft ausgestattet. Unter Äbtissin Maria Scholastika Eberhardt (1636-1663) wurde an Christi Himmelfahrt 1656  die Kirche durch den Konstanzer Bischofsvikar Georg Sigismund Müller wieder geweiht. Auch die übrige Konventsanlage wurde wieder ausgesegnet. Äbtissin Maria Cäcilia I. Vöhlerin (1675-1683) ließ in den achtziger Jahren die Klausurbäckerei und die Klostermühle von Grund auf erneuern, ein eigenes Sägewerk einrichten und den Schlafsaal der Chorfrauen mit Einzelzellen versehen.

Was die Gerichtsbarkeit anging, so gab es allerdings Schwierigkeiten. 1606 übertrug Erzherzog Maximilian III. (1558-1618), Sohn Kaiser Maximilians II.  die hohe und malefizische Gerichtsbarkeit über das gesamte Heggbacher Klostergebiet dem Kloster Salem. Ausführendes Organ war die salemische Pflege in Schemmerberg. Über die Abgrenzung von niederer und hoher Gerichtsbarkeit konnte sich Heggbach und Vaterkloster nicht einigen und hatte damit dasselbe Problem wie das benachbarte Gutenzell. Gemeinsam gingen die beiden Klöster gegen ihr Vaterkloster juristisch vor. Nach jahrzehntelangem Rechtsstreit zunächst vor dem vorderösterreichischen Lehenshof und dann vor dem Reichskammergericht einigte man sich schließlich auf einen Kompromiss. Salem blieb für Totschlag, Notzucht, Brandstiftung und schweren Diebstahl zuständig. Heggbach durfte keine Todesurteile verhängen. Gutenzell unterstellte sich im Einvernehmen mit Generalabt Trouvé dem Kloster Kaisheim, nachdem Abt Anselm Schwab die Paternalität aufgekündigt hatte. Heggbach verblieb beim Vaterkloster Salem.

Heggb-nah-02grZurück zur Erholung nach dem Dreißigjährigen Krieg. Äbtissin Maria Barbara IV. Hager ( 1687-1700) barockisierte die Kirche weiter und versah sie mit einem zwiebelgekrönten Nordturm. Außerdem bekam sie ein neues Orgelwerk. Äbtissin Maria Magdalena Sohler erlebte Licht und Schatten in ihrer Amtzeit 1700-1712. Sie ließ Sankt Pankratius hochbarock ausgestalten, legte einen Abteigarten an und ließ den Pferde-und Mastviehstall umbauen. Wegen des Spanischen Erbfolgekriegs 1700-1714 war der Kirchenschatz mit kostbaren Ornatstücken nach Tirol verbracht worden. Dort fiel er am 23. Mai 1703 der verheerenden Reutter Feuersbrunst zum Opfer. Nicht genug damit. In Heggbach schlug am 8. Juni 1714 der Blitz ein und die meisten Wirtschaftsgebäude brannten nieder. Der Wiederaufbau kostete mehr als 8000 Gulden, die bereits für andere Vorhaben eingeplant waren. Die aus Cham stammende Äbtissin Maria Cäcilia II. Constantina (712-1742) hatte mit dreißig Jahren die längste Amtszeit aller heggbacher Äbtissinnen. Unter ihr hatte das Kloster seine letzte Glanzzeit. Sie setzte, wie die Inschrift unter ihrem Porträt besagt, “daß Gotts-Hauß in einen gueten Stand”. Im Frühjahr 1716 erhielt die Klosterkirche drei neue Barockaltäre mit figürlichem Schmuck des Bildhauers Johann Baptist Hops aus Mietingen. Dieser hatte in Mietingen 1708 seine Werkstatt gegründet. Vorher war er Geselle in der Werkstatt des Ignaz Waibl in Heimertingen bei Memmingen. Zwei Kleinaltäre “Heiland an der Geiselsäule”, zwei Kreuze ohne Signatur, eine heilige Nonne mit Buch und eine heilige Nonne mit Äbtissinenstab, beide in der Klausur aufgestellt, sind in Heggbach noch erhalten. Von dem Sohn des Meisters Johann Adam stammt eine sitzende, händeringende Schmerzensmutter die Johann Adam 22-jährig 1730 schnitzte.

1727 wurde in Biberach das Heggbacher Festgeläute gegossen. Zwei Jahre vorher war der Grundstein zu einem neuen Gästehaus gelegt worden. Mit Maria Aleydis Zech 1742-1773) endete die jahrzehntelange Bautätigkeit mit dem spätbarocken Torhaus von 1753, auf dem noch ihr Wappen prangt. Sie war Oberin über rund 40 Zisterzienserinnen, verwickelte ihre Abtei aber immer wieder in kostspielige Rechtshändel. 1755 gab es nochmals ein großes barockes Fest, als ein Prager Jesuskind, ein Wiesheiland und ein Ruhechristus vom vorderen Klosterhof wurden mit großer Prachtentfaltung in die Kirche übertragen. Auf einem heute verschollenen Kupferstich, der wohl noch lange nach der Säkularisation auf der Chorempore hing und wohl von einem Augsburger Künstler stammte, war der Festzug dargestellt. Unter der vorletzten Äbtissin Maria Juliana Kurz (1773-1792) ließ nur noch eine neue Schmiede erstellen, das Brunnenwerk modernisieren, die Schwesternempore mit klassizistischen Altären versehen und die Barockorgel überholen. Zur Jahrhundertwende mehrten sich die Hiobsbotschaften. Angeblich sollten nach österreichischem Vorbild auch in Süddeutschland zahlreiche Klöster aufgehoben werden. Bald nach dem Amtsantritt der letzten Äbtissin Maria Anna Vogel (1792-1803, + 1835) trafen vertriebene Trappisten in Heggbach ein. Andere Flüchtlinge folgten, so zwei Benediktiner aus Disentis, 5 Thurgauer Zisterienserinnen. 1796 überführte man die wertvollsten Habseligkeiten in die Schweiz. Ständig gab es Truppendurchzüge, Einquartierungen und Requisitionen. 1803 erfolgte die Säkularisation. Der Konvent wurde enteignet. Das klösterliche Herrschaftsgebiet ging wie Buxheim an den Grafen von Waldbott-Bassenheim und Plettenberg über. Das letzte Kapitel überschreibt Ludwig Haas in seinem Buch “750 Jahre Kloster Heggbach” mit “Aufgehoben – ausgeplündert- abgerissen”

Der Konvent war zum Absterben verurteilt. Die 40 Nonnen erhielten ein bescheidenes Kostgeld, das bei jedem Todesfall weiter gekürzt wurde. Was in den Ökonomiegebäuden nicht niet-und nagelfest war, wurde versteigert. Das Biberacher Haus, die Birkendorfer Mühle, das Daisendorfer Rebgut und die landwirtschaftlichen Anwesen gelangten in andere Hände. Der Klosterhof, das Bräuhaus, die Taverne und der Ziegelstadel wurden von Pächtern übernommen.

Gegen 1820 ließ Graf Friedrich Karl von Waldbott-Bassenheim die Bibliothek nach Buxheim schaffen, sein Sohn Hugo Philipp 1836 das Archiv und zehn Jahre später Kostbarkeiten aus Abtei und Kirche: Gemälde, Skulpturen, Musikinstrumente Liturgiegeräte und Paramente. Im Herbst 1834 wurde die hochmittelaterliche Pankratiuskirche abgebrochen und auch der Rest fiel nach und nach der Spitzhacke zum Opfer. Der Maselheimer Pfarrer Vinzenz Henkel versuchte, die aus der Schweiz ausgewiesenen Zisterienserinnen von Tänikon anzusiedeln. Auch sein Plan, die Redemporisten anzusiedeln. Der Konkurs der Stadnesherrschaft verhinderte das Heggbach völlig abgerissen und als Baumaterial verwendet wurde. Es stand einige Zeit unter Gerichtshoheit. Der Maselheimer Pfarrer Johann Georg Mühling erreichte bei Fürst Franz von Waldburg-Wolfegg-Waldsee, dass dieser das ehemalige Klosterterritorium für 1 1/4 Million Gulden ersteigerte und es den Franziskanerinnen von Reute übereignete. Am 1. April 1887 wurde im Einvernehmen mit König Wilhelm II. von Württemberg die vom Stifter gewünschte Pflegeanstalt für geistig und körperliche Behinderte eingerichtet. Am 21. März 1893 brannte das wiederbelebte Kloster aber bis auf die Umfassungsmauern nieder.

Während des Nationalsozialismus wurden 193 Patienten  aus Heggbach und 70 Kinder aus dem Kinderasyl Ingerkingen vergast.

Als Praktikant in Heggbach habe ich noch die Erzählungen von Behinderten gehört, die die Selektionen mitgemacht und überstanden haben.

Heute ist Heggbach eine große und moderne Anstalt für Behinderte, die in einem großen Teil Oberschwabens arbeitet.

auf dem Stock Mittagspause

Peterle Mittagessen

Heggbach anders rumdas Kloster

16 Jul 2011