Klöster in Bayern

Zisterzienserabtei Raitenhaslach

                                                                                                                                                                                                                                         

 

 

1143 wurde Kloster Raitenhaslach Graf Wolfker de Tegerwac (Wolfker von Wasentegernbach) und seiner Frau Hemma von Vohburg gestiftet.

Diese hatten dem Salzburger Erzbischof Konrad I. von Abenberg (1106–1147 ). Die Vita Konrads I. nennt als Gründungsdatum den 27. Oktober 1143. Die Annales Reicherspergenses nennen dasselbe Datum.

Besiedelt wurde Raitenhaslach von der Abtei Salem. Als erster Abt wird Gero (1143-1177/79)eingesetzt. Gegründet wurde das Kloster zunächst in Schützing an der Alz, heute ein Ortsteil von Marktl am Inn.

Zwei Jahre später verlegte Erzbischof das Kloster ins Tal der Salzach. Als Grund für die Verlegung gibt die am 05.1146  (Kloster Raitenhaslach Urkunden (Zisterzienser 1034-1798) 1146 06 05)von Konrad ausgestellte Urkunde an,

dass der Klosterort nicht geeignet sei und er deshalb das Kloster verlegt habe. Außerdem wird in der Urkunde gesagt, dass Konrad Gero zum Abt geweiht habe.

Der Grund für die Verlegung lag aber wohl eher in der Klosterpolitik des Salzburger Erzbischofs. Sie lag in der Idee des Bischofs vom Eigenkirchenrecht. ( Germania Sacra NF 11, Das Erzbistum Salzburg 1Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach , Berlin New York 19777, S 47 ff)

Im Investiturstreit hatte er sich auf die Seite des Papstes gestellt.Wegen Konflikten mit kaiserlichen Beamten musste er 1112 fliehen und konnte erst 1121 nach Salzburg zurückkehren. Das Wormser Konkordat vom 23. September 1122 beendete den Investiturstreit. Er war nun interessiert, die

klösterlichen Institute seiner Diözese  mit neuem Reformgeist zu erfüllen. Hauptsächlich unterstützte er zwar die Augustinerchorherren. Es passte aber gut, dass die salzburgische Eigenkirche in Raitenhaslach unbesetzt war.

Die Pfarrei hatte er von Raitenhaslach nach Marienberg verlegt, da die Zisterzienser in dieser Zeit jegliche Seelsorgetätigkeit ablehnten. Die Kirche von Raitenhaslach übergab er den Mönchen samt dem Zehnten sowie das Stiftungsvermögen.

Obwohl Eigenkirchenherr von Raitenhaslach verzichtete er wohl auf das Recht der Benennung und Einsetzung.Ob die Zisterzienser irgendwelche Bedingungen für die Gründung stellten, geht aus der Urkunde nicht hervor, auch nicht dass Kloster Salem das Mutterkloster von Raitenhaslach

war. Das wird nur daraus geschlossen, dass Salem innerhalb des Ordens immer als Mutterkloster betrachtet wurde und es in Raitenhaslach immer das unangefochtene Visitiationsrecht hatte. Ob der erste Abt Gero erst Mönch in Salem war ist ebenfalls nicht belegt.

Eine päpstliche Urkunde liegt schon vom 28. Januar 1147 vor. Der erste Zisterzienserpapst Eugen III. (1145-1153) nimmt das Kloster in seinen Schutz und bestätigt die aufgeführten Besitzungen. Außerdem gewährt er Zehntfreiheit für alle im Eigenbau stehenden Güter und

für das Nutzvieh. Die Urkunde ist aber eine Fälschung. Das Original wurde wohl bei der Fälschung vernichtet. Es wurde  aber wohl nur “cum capella” eingefügt. Es ging um eine Gutskapelle bei Mosvogel. Um diese Kapelle ging es bei einem Streit mit dem Regensburger Bischof.

Die Mönche wollten mit dieser Urkunde ihren Anspruch auf diese Kapelle untermauern. Der Fälschung war aber kein Erfolg beschieden, denn das Kloster mußte später  die Abhängigkeit der Gutskapelle von der zuständigen Pfarrkirche, also mittelbar vom Bischof selbst, anerkennen.

(1147 01 28) Eine weiter Urkunde nur ein paar Tage später gebot der Papst dem Regensburger Bischof Heinrich I. (1132- 1155)  von den Besitzungen des Klosters Raitenhaslach innerhalb seiner Diözese keine Zehnten zu fordern. (1147 02 01)

Die erste Königsurkunde stellte König Konrad III. (1138-1152) aus. Am 23. Mai 1149 nahm er Kloster Raitenhaslach in seinen Schutz und bestätigte besonders den Besitz zweier Hufen, eine in Schönberg (Landkreis Altötting) und eine in Waltendorf (Landkreis Bogen),

die das Kloster vom Reichsministerialen Raffold von Schönberg geschenkt bekommen hatte. Dieser wiederum hatte diese für seine treuen Dienste von König Konrad zu freiem Eigen erhalten. (RI Konrad III. – RI IV,1,2 n. 596 und 1149 05.23)

Bischof Heinrich I. von Regensburg gestand am 26. Mai 1152 Kloster Raitenhaslach für die im Eigenbetrieb stehenden Güter und für das Zuchtvieh Zehntfreiheit zu. Außerdem bestätigte dessen Rechte an den Kapellen seiner Diözese, unbeschadet der Rechte der Pfarrkirche (1152 05 26)

Das war wohl als Reaktion auf die Aufforderung von Papst Eugen III. zu sehen, von Kloster Raitenhaslach keinen Zehnten zu fordern.

Graf Berthold III. von Andechs (um 1110/15-1188) gewährte Kloster Raitenhaslach Zollfreiheit in Neuburg am Inn Zollfreiheit für seine aus Österreich kommenden Schiffe. (1158 08 05).

Das war für das Kloster durchaus von Interesse, denn in der Gegend um Krems verfügte es über umfangreichen Weinbergbesitz. Sein Hauptweinbaugebiet war in und um Krems. Schon 1156 hatte es dort seinen ersten Weinberg.

Durch weitere Schenkungen baute das Kloster seinen Weinbergbesitz um Krems schnell aus. In Feuersbrunn hatte es Besitz in der Lage Talland. Feuersbrunn ist einer der ältesten und bedeutendsten Weinorte in Niederösterreich. Weiteren Besitz hatte es in Rohrendorf bei Krems und Murstetten

bei Krems. Der Passauer Bischof Konrad I. von Babenberg (1148-1164) gewährte dem Kloster am 5. Oktober 1161 für seine Regierungszeit Zehntfreiheit für die klösterlichen Weinberge in Österreich und Mautfreiheit in Passau. (1161 10 05)

Der Besitz an Weinbergen um Krems nahm im Laufe der Zeit so zu, dass sich Herzog Rudolf III. von Österreich (1298-1307) 1304 genötigt sah, dem Kloster in diesem Gebiet weitere Erwerbungen zu verbieten.

Die Betreuung der Weinberge erfolgte durch einen vom Abt ernannten Hofmeister den “ Magister Curie in Chremsa”. Seit dem 17. Jahrhundert nannte er sich “Provisor vinearum in Austria” Zunächst waren es Konventsangehörige. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden mit dem

Amt Laien, meist Bürger aus Krems betraut. (Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach Kapitel 11 Weinbau S 196 ff)

Im September 1165 stellte Kaiser Friedrich I. (1152-1190) Kloster Raitenhaslach eine Urkunde aus, mit der das Kloster in seinen Schutz nahm, dessen Besitz bestätigte, insbesondere die Schenkungen des Ministerialen Rafolds, die dieser mit Zustimmung Herzog Heinrichs dem Löwen (1156-1180)

in Schönberg und Waltendorf gemacht hatte. (1165 09 19/24) Diese Urkunde zeigt, dass Abt Gero und sein Konvent in den kirchenpolitischen Auseinandersetzungen jener Zeit keinerlei antikaiserliche Haltung gezeigt hatten.

Sophia, Gräfin von Burghausen und Gemahlin von Gebhard I, der um 1170 verstarb, schenkte Kloster Raitenhaslach zwischen 1176 und 1180 ihre Fischerei in Grabenstätt (heute Landkreis Traunstein) sowie ihren Anteil einer Salzpfanne in Reichenhall (1176-1180)

Anlass auf zwei weitere Wirtschaftszweige von Kloster Raitenhaslach zu blicken. Da war einmal der Salinenbetrieb. Das Kloster hatte Salinenanteile auf bayerischen wie salzburgischen Gebiet. Schon Sophias Gemahl Gebhard I. hatte dem Kloster einen jährlichen Anteil an einer Salzpfanne in Reichenhall

geschenkt.Seine Gemahlin schenkte dann einen weiteren Anteil. In Hallein bekam das Kloster 1207 von dem Salzburger Erzbischof Eberhard II. von Regensberg (1200-1246) einen Salinenanteil geschenkt. Außerdem schenkte der Erzbischof dem Kloster einen Salinenanteil in Mühlbach bei Hallein.

Dazu gab er zwei Hofstätten zur Erbauung von Salzpfannen gleichzeitig übertrug er Beholzung-, Trift- und Salinenrechte. Außerdem bekam das Kloster alle Rechte der Salzgewerke. Es durfte Salz entsprechend dem ihm überlassenen Pfannenanteil verkaufen und verfrachten.

(1207 04 20) . König Philipp (1198-1208) bestätigte diese Schenkung ein halbes Jahr später sowie die dabei durch Erzbischof Eberhard verliehenen Rechte und er nahm das Kloster in seinen Schutz. (1207 08 03)

Wie lange Raitenhaslach in Reichenhall Rechte und Anteile an der Saline hatte, lies sich bisher nicht ermitteln Man kann aber annehmen, dass die Entwicklung ähnlich verlief wie in Hallein.

Spätestens Anfang des 16. Jahrhunderts nahm der bayrische Herzog die Salzgewinnung in seine Hand und monopolisierte sie.

In Hallein gab es 9 Sudhäuser. Es gab 4 klösterliche Mitsieder. Ende des 14. Jahrhunderts bemühte sich der Erzbischof erfolgreich, die einzelnen Salinenanteile wieder in seiner Hand zu vereinen. Die Klöster, auch Raitenhaslach, mussten sich eine “Restringierung” des Sudbetriebes auf ein Viertel

gefallen lasen. Später überließen sie den gesamten Salinenanteil dem Erzbischof entweder auf Zeitpacht oder auf Lebenszeit. Die ersten Pachtverträge von Kloster Raitenhaslach stammen aus dem Jahr 1379.

Im Jahr 1454 verzichtete Kloster Raitenhaslach endgültig auf eine eigene Salzproduktion und trat all seine dortigen Rechte gegen eine Salzlieferung jeweils zu Georgi und Ruperti an den Salzburger Erzbischof ab.

Eine praktische Auswirkung davon war, dass der klostereigene Salzstadel in Neuötting 1859 verkauft wurde. (Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach 9, Salinenbetrieb S. 192 f.)

Die erste Mühle bekam das Kloster  am 22. Dezember 1164 von Markgraf Engelbert von Istrien (+ 1188) und Gebhard von Sulzberg (um 1144-1188). Sie stammte aus dem Anteil des Erbes von Engelberts Gemahlin Mathilde, der Schwester Gebhards.

In der Urkunde wird eine Mühle zu Holzehvsen genannt (1146 12 22)

Von besonderer Bedeutung für ein Zisterzienserkloster waren Mühlen. Ursprünglich war jeglicher Fleischgenuss bei den Zisterziensern verboten. Das bedingte natürlich einen hohen Mehlverbrauch.

1313 verbrauchte die Klosterbäckerei 134 Mutt Roggen. ( 1 Mutt hatte 133 2% Liter) Roggen und 124 Mutt und 23 Metzen Hafer. 16 Metzen waren 1 Mutt.

Neben der Deckung des Eigenbedarfs an Mehl waren Mühle auch eine gute Einnahmequelle für die Klöster, denn sämtliche Insassen eines Dorfes durften ihr Getreide nur in der Klostermühle mahlen lassen.

Die Raitenhaslacher Mühlen waren mit Ausnahme der Klostermühle schon Ende des 12. Jahrhunderts alle in Pacht ausgegeben.

Neben dem realen Mahlrecht hatte das Kloster auch Säge-und Ölschlagrecht, also die Berechtigung zum Betrieb einer Sägemühle und zur Ölgewinnung aus ölhaltigen Früchten.

Darüberhinaus besaß das Kloster Mühlen zur Papier-, Kupfer-, Eisen-und Tucherzeugung.

In den 30-iger Jahren des 14. Jahrhunderts waren 20 Mühlen im Besitz des Klosters. Im späten 18. Jahrhundert war der Betrieb auf 30 angewachsen.

Die Papiermühle in Raitenhaslach war die einzige Papiermühle im heutigen Oberbayern, die von einem Kloster unterhalten wurde. (Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach 5 Mühlen S. 188 ff)

Graf Gebhard von Burghausen (+ 4.12. 1163) schenkte Kloster Raitenhaslach eine Schwaige in Ried mit zugehörigem Anteil an einer Salzpfanne in Reichenhall.

Herzogin Agnes von Bayern (um 1201-1267), Gemahlin von Herzog Otto II. stiftete am 23. April 1262 die Schwaige zu “Werde”, das ist die Göbelschwaig in Neumühl, heute eine Wüstungin der Gemeinde Moosburg am Inn.

Dies geschah zum Seelenheil ihres verstorbenen Gemahls Otto. (1262 04 23)

Das Kloster hatte auch Schwaighöfe in seinem Besitz und zwar in den Gebirgsgegenden von Tirol und Salzburg. Das waren fast ausschließlich auf Milchwirtschaft eingestellte Betriebe. Sie mussten üblicherweise 300 Käselaibe pro Jahr ans

Kloster abgeben. Nach dem Urbar von 1334 erhielt Kloster Raitenhaslach jährlich 9500 Stück Käse. Neben Rinderzucht wurde in den Schwaigen vor allem im Pinzgau auch Schafzucht betrieben. Das wichtigste Erzeugnis war hier die Wolle, aus denen Bekleidungsstoffe

hergestellt wurde. (Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach 10 Schwaigenwirtschaft S. 195)

Die Gräfin von Burghausen hatte neben ihrem Anteil an der Salzpfanne in Reichenhall auch ihre Fischerei in Grabenstett geschenkt. Eine ausgedehnte Fischzucht war für die Zisterzienser sehr wichtig, denn sie ernährten sich ja weitgehend fleischfrei.

Kloster Waldsassen hatte eine ausgedehnte Teichwirtschaft, die ja bis heute nachwirkt, ebenso Maulbronn. Die wasserreiche Lage in Raitenhaslach eignete sich ebenso für die Fischzucht und noch heute sind viele damals angelegte Fischteiche

in Klosternähe erhalten. Fischrechte so wie die in Grabenstett zu denen bald zahlreiche weitere dazu kamen, wurden vom Kloster nicht selbst genutzt sondern gegen Zins an Fischer abgegeben. Je nach Größe ihres Fischlehens hatten die Fischer

im Jahr zwischen 100 und 1000 Chiemseerenken an den Abt zu liefern. Aber der Fischfang des Klosters reichte nie aus, um den Bedarf zu decken, so dass Fisch, Krebs und Frösche mit bis zu 1000 Gulden im Jahr zugekauft werden mussten.

(Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach 3 Fischereiwesen S. 184 f)

Abt Gero stand über 30 Jahre an der Spitze seiner Abtei. Das Kloster hatte in seiner Regierungszeit viele Schenkungen erhalten und stand so auf einer soliden Grundlage.

Er genoß ein hohes persönliches Ansehen, was sich zum Beispiel darin zeigt, dass er im Gefolge des abgesetzten Salzburger  Erzbischofs Adalbert III. (1168-1174 und 1183-1200) war.

Kardinal Walther von Albano hatte ihn nach Raab bestellt, um im Auftrag von Papst Alexander III. (1159-1181) den bayrisch-salzburgischen Kirchenstreit zu beenden.

Abt Gero stand auch in Korrespondent mit Hildegard von Bingen. Sie soll ihn von seinem Vorhaben wieder in sein Mutterkloster Salem zurückzukehren, abgebracht zu haben.

Schon unter Abt Gero lässt sich die Führung eines eigenen Abtsiegels nachweisen.

Als Todestag nennen die Necrologien fast einhellig den 3. Juni. Sein Todesjahr ist nicht genau bekannt. Für alle Äbte der Frühzeit gilt, dass die Daten von Wahl und Weihe nicht bekannt sind und auch die Lebenszeiten kaum belegt sind.

Sein Nachfolger Adalbert erscheint in zwei Urkunden. Mit dem Register 1180-1190 beurkundete Abt Konrad  Jahrtagsstiftungen und Schenkungen an Kloster Raitenhaslach durch Burggraf Meingoz von Salzburg.

In dem Privileg von Papst Alexander III. für Kloster Raitenhaslach vom 13. Februar 1180 (1180 02 13) wird Abt Adalbert in der Grußformel namentlich erwähnt. Das ist der einzige zeitliche Anhaltspunkt für Abt Adalbert.

Abt Konrad I. (1183-1188) hat nach den Raitenhaslacher Traditionsnotizen eine verhältnismäßig große Zahl von Rechtsgeschäften vorgenommen. Möglicherweise hat Abt Konrad I. viele Traditionen seiner Amtszeit selbst niedergeschrieben

und zwar in der Mehrzahl als unmittelbare Eintragungen, was sich weder vor noch nach der Amtszeit von Abt Konrad wiederfindet.

Abt Otto erscheint weder in einer Abtsliste noch in den Necrologien noch im Traditionsbuch des Klosters. In einer Urkunde für das Stift Baumburg heute Landkreis Traunstein bezeugt er mit zwei Mönchen  die Übertragung von Besitzungen der Gräfin

Elisabeth von Ortenburg in  Angath. Diese Urkunde stammt aus dem Archiv von Baumburg und wurde als Regest aufgenommen, da sie der einzige urkundliche Beleg für Abt Otto ist. (1190)

Auch für die nächsten beiden Äbte ist die Urkundenlage dünn. Abt Richer (110´94-1198) wird in einer Urkunde vom Juni 1194 genannt, in der Herzog Berthold IV. von Dalmatien (+ 1204) die von seinem Vater Berthold III. von Andechs ( + 1188) zugestandene Mautfreiheit  in Neuburg heute

Landkreis Passau erneuert. (1194 06)

Am 13. März 1195 nahm Papst Cölestin III. (1191-1198) Kloster Raitenhaslach in seinen Schutz und bestätigte ihm die Kapelle “Cidelare” (Margarethenberg, Landkreis Altötting) (1195 03 13). In dieser Urkunde wird der Abt als “Dilectus filius Riccerius) in der Grußformel genannt.

In späteren Necrologien wir der 31. Januar als Todestag genannt.

Auch der nächste Abt ist nur in einer Urkunde belegt. In dieser Urkunde gewährte Bischof Wolfker von Passau (1191-1204) dem Kloster Raitenhaslach Mautfreiheit in Passau. (1203) In dieser Urkunde wird gesagt, dass das auf Bitten des Abtes Konrad geschah.

Für Abt Berthold (vor 1205-1217/19) ist die Quellenlage wieder günstiger. In seine Regierungszeit fällt die Schenkung des Salinenanteils in Mühlbach durch den Salzburger Erzbischof Eberhard (s.o.) Das war der Beginn der Salinentätigkeit in Hallein durch Kloster Raitenhaslach.

Mehrere Male wurde er von Papst Innozenz III. (1198-1216) in Streitsachen zum Richter eingesetzt. (2 Urkunden 1205 11 17 in der Streitsache Saline Tuval).

Seine Teilnahme an der Diözesansynode in Laufen an der Salzach 1205 ist bezeugt. (Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach S. 259). In diesem Jahr weihte Erzbischof  Eberhard von Salzburg einen Emporenaltar in Kloster Raitenhaslach.

Der Kirchenbau im Kloster war nun auch nach Westen abgeschlossen.

Der Passauer Bischöfe Poppo (1204-1206) gewährt Kloster Raitenhaslach Mautfreiheit in Passau (1205 12 26). In dieser Urkunde ist Abt Berthold namentlich genannt.

Bischof Manegold (1206-1215) erneuerte die Mautfreiheit (1206-1209) und bestätigte sie in einer Urkunde  vom 06. Juni (1206/1215 06 09)

Herzog Leopold VI. von Österreich (1198-1230) bestätigte 1207 die von seinem Vater Leopold V. (1177-1194) verliehenen Mautfreiheiten in Krems und Persenbeug, beides Niederösterreich und Mauthausen Oberösterreich verliehene Mautfreiheiten (1207).

Abt Berthold erscheint auch in einer undatierten Kaufurkunde, in der er sich “servus pauperum Christi” nennt. (1207-1219)

Von Abt Berthold sind verschieden von ihm verfaßte geistliche Gespräche (sermones) erhalten.

Eine päpstliche Bestätigung der Einkünfte an der Saline in Hallein erteilte Papst Innozenz III. am 18. April 1209. (1209 04 18)

Am 26. März 1214 stellte dieser Papst dem Kloster eine Schutzurkunde aus, bestätigte den namentlich aufgeführten Besitz und gewährte Zehntfreiheit für alle im Eigenbau stehenden Güter wie vom Zuchtvieh und weitere Rechte. (1214 03 26)

Auch Bischof Ulrich II. von Passau (1215-1222) bestätigte die Mautfreiheit von Kloster Raitenhaslach in Passau. (1215/1221 10 31)

Am 15. Juli 1216 stellte Kaiser Friedrich II. (1212-1250) eine Schutzurkunde für Kloster Raitenhaslach aus. Er bestätigte alle Schenkungen, insbesondere einer Salzpfanne in Mühlbach durch Erzbischof Eberhard. (1216 07.15)

Diese Urkunde ist bei den Raitenhaslacher Urkunden  nochmals aufgeführt und zwar unter 1222 11 13. In dieser Urkunde ist Abt Berthold auch namentlich genannt.

Abt Konrad III. (1222 –1228) ist nur in einer Urkunde in einer Urkunde von Kloster Raitenhaslach vertreten. In einer undatierten Urkunde vor dem 30. Dezember 1225 ist er an einem Vergleich mit Propst Heinrich von Ranshofen

wegen einer Kapelle in Neukirchen an der Alz beteiligt. Dreimal ist er in einer Zeugenreihe belegt. In zwei Urkunden geht es um Vereinbarungen zwischen Erzbischof Eberhard und einmal dem Zisterzienserkloster in Viktring und einmal

zwischen Erzbischof Eberhard und dem Kloster Kaisheim. Einmal war der Abt Zeuge bei einer Übertragung der Pfarrei Sieghartskirchen an das Stift Baumburg durch Bischof Gebhard I von Passau ( 1222-1232).

Weder der Todestag noch die Begräbnisstätte des Abtes sind überliefert.

Abt Dietmar 1239/1240 scheint ebenfalls nur eine sehr kurze Regierungszeit gehabt zu haben. Bei Papst Gregor IX. (1227-1241) stand Abt Dietmar wohl in hohem Ansehen, denn mit Urkunde vom März 1240 ernannte ihn der Papst zum Beichtvater von

Herzog Otto II. dem Erlauchten von Bayern (1231-1253). Außerdem gab er ihm die Vollmacht, Otto II. gegebenfalls von der Exkommunikation zu lösen.

Am 24. September 1240 weilte Abt Dietmar am Hof Friedrichs II. der Streitbare, Herzog von Österreich (1230-1246, mit ihm starben die Babenberger im Mannesstamm aus) in Mödling. Bei dieser Gelegenheit bestätigte der Herzog Kloster Raitenhaslach

ebenso wie dem Stift St. Nikola in Passau die von seinen Vorfahren verliehenen Mautfreiheiten. (Urkunde 1240 09 24)

Unter Abt Dietmar begannen die langjährigen Auseinandersetzungen von Kloster Raitenhaslach mit den Herren von Wald, weil diese die Vogtei auf die Klostergüter im Zeitlarngau, das ist der Gau zwischen Alz und Salzach, beanspruchten.

Aktenkundig wurde dieser Streit mit der Urkunde von Herzog Otto II. vom 26. Dezember 1240, in der Otto  den Gebrüdern Otto und Ortlieb von Wald (LK Altötting) jegliche Rechte auf Leute und Besitzungen des Klosters abspricht. Dies geschah auf Klage des Abtes Dietmar.

(1240 12 26). Das scheint allerdings wenig bewirkt zu haben.1242 exkommunizierte Erzbischof Eberhard von Salzburg die beiden Brüder, was sie aber auch nicht sonderlich beindruckt zu haben scheint. (1242 11 23)Die beiden betrieben von ihrer Burg aus ihren Herrschaftsausbau weiter.

In einer Urkunde von 1241 gewährte Otto II. dem Kloster Zollfreiheit für zwei Wagen mit Lebensmitteln. (1241)

Abt Dietmar verstarb wohl am 8. März 1242.

Eine längere Regierungszeit hatte Abt Walther nämlich von 1242-1257. wie auch seine Vorgänger erfreute er sich der besonderen Gunst des Salzburger Erzbischofs Eberhard, was viele Schenkungen belegen.

1242 erlaubte er dem Kloster, in den Städten Salzburg, Laufen, Tittmoning, Mühldorf und Werfen je ein von allen Abgaben und Steuern freies Haus samt Zugehör zu haben. Außerdem durfte das Kloster durch dies Städte

Salz und andere Güter mautfrei zu Wasser und zu Land führen (1242).

Im September 1242 beauftragte das Generalkapitel den Abt von Kloster Heilsbronn Ulrich 1241-1244)und Walther ein Frauenkloster zu besuchen, das auf Wunsch von Otto II von Andechs, Herzog von Meranien dem Orden inkorpiert werden sollte (1242 09)

Für Raitenhaslach wichtig war die Urkunde vom 15. März 1143, in der Erzbischof Eberhard die vollständige Freiheit jeglicher seiner Güter im Erzstift bestätigt. (1243 03 15)

Am 28. November 1244 versprach Pfalzgraf Rapoto III., Pfalzgraf von Bayern, die dem Kloster Raitenhaslach von Päpsten und Kaisern verliehenen Rechte, vor allem dessen Niedergerichtsbarkeit, zu achten. (1244 11 28)

Am 13. Juli 1245 erhielt Abt Walther einen päpstlichen Auftrag. Papst Innozenz IV. (1243-1254) trug ihm auf, die Klage des Domkapitels von Salzburg gegen das Stift St. Peter daselbst wegen der Zugehörigkeit der Kapellen St. Laurenz und St. Michael zur Stadtpfarrkirche zu untersuchen und zu entscheiden.

(1245 07 13)

Im Juli 1246 erhielt das Kloster von Konrad von Wasserburg (+1259) Mautfreiheit auf Burg Vichtenstein (1246 07 23)in Oberösterreich und Herzog Otto II.gewährte Zollfreiheit in Obernberg an Inn. (1246 07 26)

Das Generalkapitel erteilte den Äbte von Heilsbronn Edelwin (1245-1252) und Walther wieder einen Besuchsauftrag. Dieses Mal sollte das Frauenkloster Lilienthal in Tänikon (heute Kanton Thurgau)in der Schweiz besucht werden. Auch hier ging es um Inkorporation in den Orden. (1246 09)

Auch der Nachfolger von Erzbischof Eberhard von Salzburg Philipp von Spanheim ( 1247-1257) blieb Kloster Raitenhaslach gewogen. Sein direkter Nachfolger Burkhart I. von Ziegenhain war nur wenige Monate im Amt.

Erzbischof Philipp bestätigte am 27. Dezember 1249 alle von seinen Vorgängern verliehenen Schenkungen und Freiheiten, namentlich die von Eberhard II. (1249 12 27). Etwa zwei Monate später stellte er dem Kloster eine Schutzurkunde aus und nahm es mit all seinen Besitzungen in seinen Schutz.

(1250 02 06)

1249 kaufte Abt Walther ein Haus in Krems. (1249 09 06)

Im April 1253 erhält Kloster Raitenhaslach zum ersten Mal Besitzrechte und Zinsverschreibungen in der Stadt München (1253 04 09 und 1253 04 11)

Wie viele Zisterzienserklöster verkaufte Raitenhaslach abgelegenes und damit unwirtschaftlich zu betreibende Klostergüter. 1253 verkaufte Abt Walther das Klostergut Sachrang bei Aschau im Chiemgau

Während der Regierungszeit von Abt Walther nahm die Zahl von Adligen zu, die in Kloster Raitenhaslach eine Begräbnisstätte erhielten. In der Regel war das dann auch mit Schenkungen an das Kloster verbunden. So vermachte z. B. ein Ulrich Chalb

aus Burghausen Kloster Raitenhaslach ein Gut in Überacker (in Oberösterreich) gegen ein Begräbnis im Kloster. (1250-1257)

Von Abt Walther stammt das erste erhaltene Siegel eines Raitenhaslacher Abtes.

Als Todesjahr ist das Jahr 1259 überliefert. Der Todestag schwankt in den Nekrologien zwischen dem 05.und 08. April.

Der nächste Abt ist Heinrich I. von Güntering (1259-1261). Er entstammte einer Ministerialenfamilie und war vor seiner Wahl zum Abt Cellerar. Er erscheint deshalb wiederholt in der Zeugenreihe von Urkunden.

Der Salzburger Bischofstuhl war seit Philipp I. umstritten. Dieser war 1257 vom Domkapitel 1257 abgesetzt und gebannt worden. Zu seinem Nachfolger wurde Ulrich von Seckau gewählt. Er war zwar 9 Jahre Regent in Salzburg, regierte aber das Bistum

eher nur nominell. Denn das Bistum hatte die Auswirklungen des Interregnums in Deutschland (1256-1273) und Österreich (1246-1278) zu erfahren. Nach dem Tod seines Gönners Herzog Friedrich II. von Österreich hatte er weder Macht, Geld noch Geschick

sich mit seinem gebannten Vorgänger zu messen. Abt Heinrich ergriff aber Partei für Erzbischof Ulrich, was dieser mit der Schenkung des Fischteichs bei Mittermühl dankte (1261 03 19).

Am 7. April 1261 gewährte er der Kirche in Marienberg heute Landkreis Altötting einen Ablass (1261 04 07) und drei Tage später bestätigte er die Schenkungen seiner Vorgänger für Kloster Raitenhaslach. (1261 04 10)

Das Todesjahr von Abt Heinrich ist nicht überliefert.

Sein Nachfolger Rudolph ist vermutlich personengleich mit einem 1253 als Priester und 1250 als Custos des Klosters. Er hatte eine sehr kurze Regierungszeit und ist nur in einer Urkunde belegt. (1263 03 17)

Frater Thomas, Bischof von Squillace (Kalabrien),der  vom apostolischen Stuhl zur Reform der Salzburger Kirche nach Deutschland entsandt worden war, erlaubte dem Abt von Raitenhaslach bei bestimmten Voraussetzungen,  auf 24 Personen beschränkt Brandleger, Laienmörder und Räuber zu absolvieren. Die dabei der Kurie entstehenden Kosten wies er dem Kloster zu.

Wohl in die Regierungszeit diesen Abts fällt die Verleihung des großen Zisterzienser-Schutzprivilegs durch Papst Urban IV. (1261-1264) am 24. Juni 1264. In dieser Urkunde werden  namentlich erwähnte Besitzungen bestätigt. (1264 06 24)

Sein Nachfolger war Konrad IV. Hallerbrucker. (1267-1297) Er entstammte dem Geschlecht der Hallabrucker, die im 12./13. Jahrhundert zu den Kraiburg-Ortenburger Ministerialen zählten.

Urkundlich erscheint er erstmals am 20. März 1267 (Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach S. 263). Er hatte eine über dreißigjährige Regierungszeit. Nur Abt Emanuel I. Scholz (1700-1733) regierte länger.

Abt Konrads Regierungszeit war durch eine rege Bautätigkeit gekennzeichnet, die auch durch ein großes Brandunglück 1275 bedingt war.  Raitenhaslach teilte dieses Schicksal mit sehr vielen Klöstern, den für fast alle mittelalterliche Klöster sind Brände überliefert.

Die Weihe der Klosterkirche wurde auf das Georgsfest  also den 23. April 1275 festgesetzt.  Bischof Hermann  von Augsburg (1248-1286) (1275 04 08), Bischof  Berthold von Bamberg (1257-1285)(1275 04 11) und Bischof Hildebrand von Eichstätt (1261-1279) (1275 04 16)

gewährten dazu einen Ablass von 40 bzw. 80 Tagen vorbehaltlich der Zustimmung des Bischofs, der die Weihe vollzog.

Ein weiterer Brand ereignete sich 1485, bei dem der mittlere Teil des Klosters zerstört wurde. Die Kirche blieb bei diesem Brand verschont.

Am 7. Dezember 1283 wurde der St. Michaelsaltar in der Klosterkirche geweiht.

Laut “Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach “S. 263 wurde zu Ehren des Ortspatrons von Raitenhaslach St. Georg bei der Pforte eine Kapelle errichtet und diese 1294 geweiht. Es gibt allerdings aus dem Jahr 1277 4 Urkunden von insgesamt 9 Bischöfen die

aus Anlass der Weihe der Pfortenkapelle Ablässe verleihen. Die Weihe der Pfortenkapelle 1294 nahm der Bischof von Lavant  Heinrich von Helfenberg (1291–1299) vor.1275 ließ Abt Konrad in der Klosterkirche einen neuen  Estrich legen. 11 Altäre, die unter Feuchtigkeitserscheinungen litten, ließ er höher setzen. Das Refektorium wurde ebenfalls erhöht.

1283 drohte das Dormitorium in die Salzach abzurutschen. Es wurde durch entsprechende Baumassnahmen gesichert.

Das hohe Ansehen, in dem Kloster Raithausen und vor allem Abt Konrad stand, zeigte sich in mehrfacher Art. Zum einen erhielt das Kloster in seiner Abtszeit sehr viele und auch vielfältige Schenkungen. Ein Stadthaus in Passau (1268 03 11) wurde im März 1268 geschenkt.

Mehrfach  bekam das Kloster Schwaigen. Im November 1270 bekam das Kloster ein Haus, sowie zwei Badstuben in Tittmoning und vom selben Schenker ein Gut in “Chraegelingen” (abgegangen Landkreis Laufen) (1270 11 29)

In Hallein bekam das Kloster eine Fleischbank (1275 03 23).

Ein weiteres Indiz für das Ansehen der Abtei sind die Wünsche nach Grabstätten vieler adliger Herren. Der Chronist Tachler führt für die Regierungszeit von Abt Konrad über 20 Erbbegräbnisse auf.

(Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach 9, Salinenbetrieb S. 264 ) Von dem reichen Wiener Bürger Paltram vor dem Freithof (* um 1220-1287/88) wurde zwar nur ein Finger zur Bestattung nach Raitenhaslach. überführt. Paltram hatte in Wien eine einem Bürgermeister ähnliche Funktion.

Er war ein großer Gönner von Zisterzienserklöstern. Er unterstützte in Österreich Zwettl und Heiligenkreuz, wo er nach einer möglichen Überführung seiner Gebeine aus Akkon, wo er bei einer Pilgerfahrt starb, vielleicht sogar seine letzte Ruhestätte fand.

In Raitenhaslach hatte er den dortigen Michaelsaltar gestiftet. Für Paltram wurde er auch als Testamentsvollstrecker eingesetzt, als dieser seine Pilgerreise nach Akkon antrat. (1287 05 25) Zwei Testamentsurkunden wurden ausgefertigt, wovon eine in Raitenhaslach verbleiben sollte.

Schon vorher hatte Herzog Philipp von Kärnten und Krain die Äbte Dietmar II. (1270–1288)von St. Peter in Salzburg, Albert I. (1270 – 1280) vom Zisterzienserkloster Viktring und Abt Konrad als Testamentsvollstrecker eingesetzt. (1279 07 19)

Auch zu Schiedsvereinbarungen wurde er oft herangezogen. So war er bei der Vorbereitung des Grenzvertrages zwischen Bayern und dem Erzstift Salzburg dabei, der am 20. Juli 1275 in Erharting abgeschlossen wurde. Es gab immer wieder Unstimmigkeiten, weshalb im Dezember 1283 in Raitenhaslach nach verhandelt wurde. Ein Protokoll dazu wurde am 9. Dezember 1283 unterzeichnet.

Abt Konrad war wohl mindestens drei mal beim Generalkapitel dabei und zwar 1272, 1274 und 1294. Er erhielt auch immer wieder Visitationsaufträge.

Beim Generalkapitel von 1272 erhielt er zusammen (1272 09) mit Abt Conrad (Prudentia) ( 1268–1286) vom Kloster Lützel den Auftrag, den Ort zu besichtigen, wo Graf Meinhard II. von Tirol (1258-1295) und seine Frau Elisabeth von Bayern ( * um 1227-1273) in Stams ein Kloster gründen wollten.

Elisabeth war die Witwe König Konrad IV.(1237-1254) Kloster Stams wurde 1273 als Tochterkloster von Kloster Kaisheim gegründet und besteht heute noch. Im Februar 1273 zeigten die beiden Äbte dem Generalkapitel an, dass sie Stams besichtigt und die Einkünfte für ausreichend befunden

hätten. (1273 02 02)

Im September 1276 wurde Konrad und der Abt von Kaisheim Trutwin (1267–1287) vom Generalkapitel beauftragt, das Kloster Kirchheim am Ries zu visitieren. Kirchheim war ein Tochterkloster von Kloster Kaisheim. (1276 09)

Abt Konrad starb 1297. sein Todestag ist der 1. April

Kloster Raitenhaslach stützte sich  vor allem auf die Erzbischöfe von Salzburg. Das Kloster erfreute sich ihrer uneingeschränkten Förderung. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts verschob sich das politische Gewicht im Inn-Salzach-Raum immer mehr zu Gunsten der bayrischen Herzöge.

Nach der ersten Teilung Bayerns 1255 wurde Burghausen die zweite Residenz der niederbayrischen Herzöge. Nun gestalteten sich die Beziehung des Kloster und dieser Teillinie des bayrischen Herzogtums besonders eng. Herzog Heinrich XIII. von Niederbayern (1255-1290)

stellte am 5. Juli 1258 einen für die Rechtsstellung des Klosters wichtigen Schutzbrief aus.(1258 07 05) In dieser Urkunde bestätigte er dem Kloster Raitenhaslach die von Päpsten, Kaisern und bayerischen Herzögen verliehenen Vorrechte und Freiheiten, insbesondere die Freiheit von genannten Abgaben und Dienstleistungen, sowie die niedere Gerichtsbarkeit.  Der Bereich, in dem das Kloster die niedere Gerichtsbarkeit innehatte, wird auch als Hofmark bezeichnet, Dieser Bereich war für Raitenhaslach allerdings sehr klein.

Die Söhne Herzog Heinrichs Otto III. (1290-1312), Ludwig III. (1294-1296) und  Herzog Stephan I. (1294-1310) erneuerten am 13. April 1295 das von ihrem Vater erlassene Hofmarksprivileg (1295 04 13)

1297 folgte Abt Friedrich I auf Abt Konrad. Vor seiner Wahl war er wahrscheinlich Prior. Dieser wird vor dem 1. April 1296/1297 erwähnt. Es gibt aber auch einen namensgleichen und am 13. Oktober 1286 erwähnten Subcellerar.  Es ist nicht klar, welcher von beiden dann zum Abt gewählt wurde.

Äbtissin Herburg von Frauenchiemsee (+ 1307) und ihr Konvent schlossen am 1. Juni 1298 eine Gebetsverbrüderung mit Abt Friedrich von Raitenhaslach ( 1298 07 01).

Vor die Hauptfassade der Klosterkirche ließ Abt Friedrich eine Vorhalle, ein Paradies errichten, wie dies in Zisterzienserkirchen üblich ist. Darin wurden zwei Altäre aufgestellt, die durch Bischof Heinrich III. (1298-1326) von Gurk im Beisein des Salzburger Erzbischofs Konrad IV. (1291-1312)

und Bischof Albert II. (1293-1322) von Chiemsee geweiht. In der Pfortenkapelle wurde in der Regierungszeit Friedrichs ein weiterer Altar auf der Empore aufgestellt.

Am 25. Juni 1299 kaufte Abt Friedrich von den Herzögen Otto III. und Stephan I. zwei Salzpfannen in Reichenhall die noch das Stift Baumburg innehatte. (1299 06 25)

Im September kaufte der Abt ein Gut ein Gut in “Chraegelingen”, das scheint wohl eine Abrundung des Besitzes gewesen sei, denn am 29. November 1270 bekam das Kloster ja dort ein Gut geschenkt. Dieses Mal war es aber ein Kauf.

Diese beiden Käufe scheinen den finanziellen Spielraum des Klosters eingeengt zu haben. Wohl zur Beschaffung der Kaufsummen verkaufte er das Klostergut zu Hub im Weilhart an den Richter Chunrat den Grans, Richter in Uttendorf für 25 Pfund Regensburger Pfennige,

das entspricht nach heutiger Währung von der Kaufkraft her etwa 18.000 €. In der Urkunde(129910 27) heißt es “wegen Verschuldung des Klosters”

In seine Regierungszeit fällt auch eine ansehnliche Pitanzstiftung des Heinrich von Hochholding. Eine Pitanzstiftung war eine Stiftung von zusätzlichen Portionen von Nahrungsmitteln für Mönche. Die Hochholdinger waren Lehensleute der Grafen von Leonberg, die ihren Sitz im Schloss Gangkofen hatten.

Die zwei Urkunden die zu dieser Stiftung ausgestellt wurden (1300) tragen auch das Siegel des Salemer Vaterabtes Ulrich II.(1282-1311), der zu dieser Zeit in Raitenhaslach weilte und dessen  Kloster von dem Stifter ebenfalls bedacht wurde.

Abt Friedrich starb am 27. Mai 1302.

Sein Nachfolger wurde Abt Ulrich I. (1302-1307)

In Ehring, heute Teilgemeinde von Poling, hatte das Kloster großen Besitz, der später ein eigenes Klosteramt wurde. Abt Konrad IV. errichte dort ein kleines Kirchlein für die Klosteruntertanen. Es wurde zu Beginn der Regierungszeit von Abt Ulrich von

Bischof Albert II. von Chiemsee (1293-1322) geweiht. In den folgenden Tagen weihte Bischof Albert auch den Emporenaltar in der Pfortenkapelle sowie drei Altäre in der Klosterkirche, die wegen Feuchtigkeitsschäden neu errichtet worden waren.

Abt Ulrich konnte den Klosterbesitz beträchtlich vermehren. Aus seiner kurzen Regierungszeit liegen 10 Urkunden mit Verzichtserklärungen zugunsten des Kloster sowie 7 Kaufurkunden vor.

Auch Seelgerätestiftungen und Pitanzstiftungen erhielt das Kloster.

Herzog Rudolf III. von Österreich (1298-1307) bestätigte am 28. Oktober 1303 bestätigte Kloster Raitenhaslach die Mautfreiheiten für Salz, die seine Vorfahren erteilt hatten und verlieh dem Kloster außerdem diesselben Mautfreiheit, die die

Bürger von stein (GB Krems Niederösterreich) innehaben.(1303 10 28)

Am 9. Januar 1304 gewährte Herzog Rudolf dem Kloster Steuerfreiheit für sein Haus in Krems. (1304 01 09)

Leuthold von Kuenring (*1243-1312), der auch ein großer Förderer des Zisterzienserstifts Zwettl war, versprach die Besitzungen des Klosters Raitenhaslach in Ybbs, Sarling und Krottental wie seine Vorfahren nach Vogtrecht zu schützen. (1304 01 06)

Am 23. Juli 1304 bestätigte Erzbischof Konrad IV. von Salzburg (1291-1312) die wörtlich aufgeführte Urkunde seines Vorgängers Erzbischof Eberhard II. (1200-1246) wegen der Zehntfreiheit der namentlich aufgeführten Klostergüter Raitenhaslachs in der Diözese Salzburg.

(1304 07 23)des Klosters wird der 13. Februar 1307 als Todestag von Abt Ulrich bezeichnet.

Sein Nachfolger wurde Gebhard der Chalb. (1307-1311). Abt Gebhard entstammte einer angesehen Burghausener Familie. Die Ritter von Chalb hatten 1242 Schloss Haimling vom Passauer Bischof Otto von Lonsdorf (1254-1265) gekauft.

Der Bruder von Abt Gebhard Eberhard der Chalb wird 1345 als Herr von Haimling bezeugt. Er ist in Urkunden häufig genannt und wurde 1345 in Raitenhaslach bestattet.

Gebhard wird am 13.02.1302 erstmals al Konventuale erwähnt. 1304 und 1306 erscheint er in Urkunden als Subprior. In seine Regierungszeit fallen die ersten Auseinandersetzungen zwischen Ludwig dem Bayern und Friedrich dem Schönen von Österreich, damals noch

beide Herzöge. Wegen der Wahrnehmung der Vormundschaft für die unmündigen Kinder des Herzogs Stephan I. von Bayern (1290-1310) kam es zu Streitigkeiten zwischen Ludwig und Friedrich, die auch militärisch geführt wurden.

Am 23. April 1311 stellte Herzog Friedrich Kloster Raitenhaslach eine Urkunde aus, in der er dem Kloster  zur Wiedergutmachung seiner Kriegsschäden für sieben Jahre eine Ermäßigung an der Maut zu Linz (OÖ)gewährte. (1311 04 23)

Am 22. Januar 1311 schloss Propst Gottschalk von Kloster Herrenchiemsee (+1320) und Abt Gebhard eine Gebetsverbrüderung mit den Augustiner-Chorherren von Herrenchiemsee ab. (1311 01 23)

1311 resignierte Abt Gebhard vorzeitig. In einer Urkunde vom 04.04.1313 erscheint er als Zeuge und wird dort “der alte Abt” von Raitenhaslach genannt. (1313 04 04)

In einer Urkunde vom 19. November 1326 erscheint er zum letzten Mal und wird dort nur Gebhard der Chalb genannt (1326 11 19)

Sein Todesjahr ist nicht überliefert.

Sein Nachfolger wurde Abt Ilsung  (1311- 1327) Über seine Herkunft ist nichts bekannt. Vor seiner Wahl war er mehrere Jahre Prior.

Am 09.Dezember 1313 bestätigte Herzog Ludwig IV. von Bayern als Vormund der Kinder von Herzog Stephan I. die von diesem und  Herzog Otto III. von Bayern (1290-1312 und von 1305-1307 auch König von Ungarn) verliehenen Freiheiten für

Kloster Raitenhaslach. (1313 12 09)

Am 12. Juni 1313 bevollmächtigten die Äbte von 14 Zisterzienserklöstern und von 5 Zisterzienserinnenklöster Abt Konrad I. von Stams (res.1316) als Prokurator in allen Geschäften besonders bei der Erhebung von Zehnten. (1313 06 12)

Das geschah bei einem Ordenskapitel im Juni 1313 in Passau.

Eine Bestätigung der Rechte des Klosters erteilte Ludwig der Bayer jetzt in seiner Eigenschaft als König. Besonders bestätigte er die Rechte an den Häusern des Klosters in Burghausen und in Neuötting. (1315 04 14)

Eine weitere Bestätigung der Freiheiten von Kloster Raitenhaslach stellte König Ludwig 1315 aus. (1315 05 17)

Am 8. Mai 131t schlossen Abt Ilsung und der Konvent eine Gebetsverbrüderung mit Abt Konrad II. von St. Peter in Salzburg (1313–1346) und dem Konvent. (1317 05 08)

1317 war Abt Ilsung auch auf dem Generalkapitel was auch die Urkunde 1317 09 belegt, einer der wenigen Belege für die Anwesenheit des Abtes von Raitenhaslach auf dem Generalkapitel.

Am Georgtag 1320 war Abt Ilsung zusammen mit dem Ebracher Abt Friedrich Landgraf von Leuchtenberg (1306-1328) und Abt Heinrich IV. Praendl (1316-1331) von Kloster Wilhering in Kloster Aldersbach, als das Aldersbacher Tochterkloster zur selbständigen Abtei

erhoben wurde und der bisherige Propst Berthold zum Abt in Gotteszell eingesetzt wurde (1320- 1343)

Erzbischof Friedrich III. von Salzburg (1315-1338) beauftragte Abt Ilsung die Herzöge  Heinrich XIV. (1310-1339) und Otto IV. (1310-1334) vom Banne und Interdikt loszusprechen,mit dem sie wegen Erhebung der “Klauensteuer” belegt worden waren.

Das war eine auf das vierfüßige Hornvieh erhobene Steuer analog der von jeder Person zu zahlenden Kopfsteuer. In Bayern wurde sie wohl nur einmal erhoben und ist nur für Ludwig von Bayern 1313 belegt. (1323 06 10)

In einer weiteren Urkunde zeigt Abt Ilsung an,dass er den Auftrag erledigt habe und im Kloster Seligenthal bei Landshut im Beisein mehrerer Prälaten und in Gegenwart König Ludwigs und des ganzen Konvents die Herzöge freigesprochen habe. (1323 06 11)

Abt Ilsung verstarb 1327.

Sein Nachfolger Heinrich II. Ölar. In der Urkunde (1313 04 04), in der Abt Eberhard als “der alte Abt” genannt wird (s.o.) ist Abt Heinrich in der Zeugenreihe als Subprior aufgeführt.

Dreimal erfolgte die Exkommunikation von Kloster Raitenhaslach.Diese hatte jedes Mal politische Gründe und deutete nicht auf einen innerklösterlichen Verfall.

Schon zu Ende der Regierungszeit von Kaiser Heinrich VII (1308-1313, Kaiser ab 29. Juni 1312) war es zu theoretischen Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst gekommen. In seiner Krönungsenzyklika vom Juni 1312 hatte Heinrich VII.

den kaiserlichen Universalanspruch und die Unabhängigkeit vom Papsttum betont.Papst Clemens V.(1305-1314)  erließ kurz nach dem Tod Heinrichs die Bulle “Romani Principes”, die den Kaiser praktisch zum Vasallen des Papstes degradierte.

Auch sein Nachfolger Johannes XXII. (1316-1334) betonte den Herrschaftsanspruch des Papsttums auch in weltlichen Fragen. Als sich König Ludwig IV. am 17. Januar 1328 zum Kaiser krönen ließ und zwar von drei Bischöfen aber auch von römischen Adligen und

eben nicht vom Papst, war das natürlich ein Affront. Schon vor der Kaiserkrönung hatte Papst Johannes die Königswürde abgesprochen und ihn und seine Anhänger exkommuniziert. Da Kloster Raitenhaslach weiter Zu Ludwig stand, verfiel es ebenfalls  dem Kirchenbann.

Erst 1335 änderte sich die Situation wieder. Papst Benedikt XII. (1334-1342) bestätigte dem Kloster alle von seinen Vorgängern wie von weltlichen Fürsten verliehenen Freiheiten und Rechte. (1335 10 18) und wenige Tage später löste Bischof Gaucelinus von Albano (1327-1348)

Abt und Konvent von Kloster Raitenhaslach vom Kirchenbann (1335 10 25).

Die normalen Geschäfte des Klosters waren aber trotz Kirchenbann weitergegangen. Herzog Otto der Fröhliche von Österreich (1330-1339) erneuerte am  15. März 1331 die Steuervergünstigungen für das Haus des Kloster Raitenhaslach in Krems. Außerdem erlaubte er dort den

Ausschank einer bestimmten Menge Wein im Jahr (1331 03 25)

Wichtig für Abt Heinrich war die genaue Fixierung des Klosterbesitzes sowie die dem Kloster daraus zufließenden Einnahmen. Aus seiner Regierungszeit stammen die drei ältesten vollständig erhaltenen Grundbücher des Klosters.

Abt Heinrich starb am 16. April 1338.

Sein Nachfolger wurde Abt Ulrich II.  (1338-1349) Er erscheint erstmals in einer Urkunde vom 12.Juli 1338 (1338 97 12) In besonderer Gunst stand das Kloster wohl bei Kaiser Ludwig IV. Er stellte ihm 7 Urkunden aus, die

Rechtsstellung des Klosters und Mautfreiheiten bestätigten. Am 10. September 1341 nahm er das Kloster in seinen Schutz. (1341 09 10)

Nach dem Ludwig am 11. Oktober 1347 in Puch bei Fürstenfeldbruck auf der Jagd verstarb, bestätigte seine Gemahlin Margarethe von Holland (* um 1307-1310 –1356) die von ihrem Gemahl und seinen Vorfahren dem Kloster verliehenen Freiheiten. (1348 09 08)

Abt Ulrich verstarb am 21. September 1349.

Auf ihn folgte  Abt Friedrich II. (1350-1356). Die Kaiserinnenwitwe Margarethe stellte dem Kloster noch zwei Urkunden aus. In der einen (1351 09 29) erlaubte sie dem Kloster, aus dem landesherrlichen Weilhartsforst, der heute in Österreich liegt, 300 Fuder Holz unentgeltlich zu holen, das sind etwa 420 cbm.

Die zweite Urkunde bestätigte dem Kloster Besitz der Leite und des Gries bei Schützing an der Alz. (1352 09 21)

Schon ihr Gemahl hatte dem Kloster erlaubt, aus dem Weilharsforst “windfälliges und liegendes” Holz zu entnehmen. (1347 05 31)

Abt Friedrich verstarb am 16. November 1356.

Sein Nachfolger ist Abt Jakob (1356-1363) Er dürfte identisch sein mit dem in der Urkunde 151 01 01 in der Zeugenreihe aufgeführten Bruder Jakob, Hofmeister in Krems. Er resignierte wohl 1363 in Raitenhaslach, wird aber in einer 1364 von der Äbtissin Elsbeth von Maissau ausgestellten

Verkaufsurkunde als ehemaliger Abt von Raitenhaslach und jetzigen Hofmeister in Krems erwähnt.

Am 1. August 1362 nahm Herzog Stephan II von Bayern (1347-1375) Kloster Raitenhaslach in seinen besonderen Schutz. (1362 08 01)

Die Grafen Ulrich (+1398) und Heinrich (1322-1390) von Schaunberg erneuerten auf Bitten  von  Abt Jakob die Mautfreiheit in Aschau, das ist eine Marktgemeinde im Bezirk Eferding in Oberösterreich, für ein Salzschiff im Jahr, ferner für Wein und Getreide von dessen Eigenbau in Österreich, sowie für Zimmerholz und andere Dinge, deren das Kloster auf seinen Höfen bedarf. (1363 01 17)

Abt Jakob starb vermutlich in Krems und ist wohl dort auch beigesetzt worden.

Auf ihn folgte  Abt Andreas Pfarrkircher (1364-1367) Am 6. Dezember 1364 wird er erstmals in einer Urkunde erwähnt, in der es um die Übergabe einer Hube in Hallebruck geht. (1364 12 06)

In seine Regierungszeit fallen die Bestätigung von Zollfreiheiten seiner Vorgänger (1366 01 03) durch Herzog Albrecht von Österreich (1365-1390) sowie die Bestätigung eines Mautprivilegs (1366 05 10) durch Bischof Albert III. von Passau (1363-1380).

Auch die Herzöge  Stephan II. und Friedrich bestätigten die von ihren Vorfahren verliehenen Rechte des Kloster. (1366 10 04)

Eine größere Schenkung fiel noch in die Regierungszeit von Abt Andreas. Für seine Tante (Muhme) Agnes stiftete er eine ewige Messe und gab dafür seine Mühle mit allen Rechten in Prading bei Vilsbiburg. ( 1367 08 14)

Das Todesjahr von Abt Andreas soll 1368 gewesen sein.

Sein Nachfolger war Abt Wilhelm I. Schrailk. Im Kloster Raitenhaslach hat er allerdings keine Spur hinterlassen und ist auch in keiner Urkunde nachzuweisen. Erwähnt wird er nur in Äbtelisten.

Abt Wilhelm wurde ins Mutterkloster Salem berufen und dort Nachfolger von Abt Berthold ÍI. Tutz (1358-1373). Dieser resignierte 1373 in Salem. Als Abt von Salem erhielt Wilhelm 1384 die Pontifikalien verliehen. Die guten Beziehungen Salems zum Heiligen Stuhl zeigten sich auch darin,

dass Salem das selten verliehen Privileg erhielt, die Pontifikalinsignien Mitra, Brustkreuz und Papstring in das Wappen des Klosters und seiner Filiationen aufzunehmen. Abt Wilhelm verstarb 1395 in Salem.

Sein Nachfolger in Raitenhaslach war Abt Seyfried (1371- 1375) Er stammte aus Nürnberg und wird als Cellerar im Niederhof bei Hallein 1362 zweimal erwähnt. Am 10. Mai 1366 legte er in Wien Bischof Albert III. von

die Passau das Mautprivileg von Bischof Gottfried (1342 –1362) vom 22. Juli 1342 vor, das Bischof Albert dann bestätigte und erneuerte. (s.o.)

Am 7. Februar 1373 nahm Herzog Friedrich von Bayern (1375-1393) Abt und Konvent von Kloster Raitenhaslach als “obrister pfleger” in seinen besonderen Schutz. (1373 02 07) Das war schon zwei Jahre bevor er seine Herrschaft antrat.

Abt Seyfried vergab im Namen des Klosters größere Darlehen, nämlich 13 Pfund Wiener Pfennige, das sind nach heutiger Währung etwa 2050 Euro.(1374 01 01)

1372 kaufte Abt Seyfried im Umland von St.Radegund für 86 Pfund Wiener Pfennige, also etwa 13560 € mehrere Höfe sowie eine Mühle.( 1372 04 24) Der Abt versuchte den Klosterbesitz im Gebiet jenseits der Salzach planmäßig zu mehren.

Am  19. Dezember 1375 bestätigte Graf Heinrich von Schaunburg die Mautfreiheit in Aschau (s.o.) (1375 12 19)

Abt Seyfried verstarb am 22. Mai 1376.

Auf ihn folgte  Abt Johann I.(1377-1384). unter seiner Regierung vergrößerte sich der Klosterbesitz im Alzgern, teils durch Schenkung der bayrischen Herzöge, teils durch Zukauf (1379 04 23)

Am 22. November 1382 wurde im Klosteramt Westerndorf am Inn eine Kapelle geweiht.

1379  musste Kloster Raitenhaslach seine Tätigkeit im Salzsieden in Hallein einschränken. Es überließ die Nutznießung seiner Salzquellen in Hallein auf Lebenszeit an Erzbischof Pilgrim II. von Salzburg. (1365-1396)

Im April 1383 und im Juli 1384 traf sich der Bischof in Kloster Raitenhaslach mit den bayrischen Herzögen zur Beilegung von Differenzen. Auch in späterer Zeit gab es immer wieder solche Treffen in Raitenhaslach.

Sein Nachfolger Wilhelm II. wird nur einmal in einer Seelgerätestiftung am 7. März 1385 erwähnt.

Mit seinem Nachfolger Johann II. Stempfer (1385-1409)steht man dann wieder auf sicherem Boden.

Am 5. Mai 1385 verkauften Abt Johann und der Konvent ihr Haus in Mühldorf am Inn “ des gotshaus grosser ehaftiger not wegen“ an Erzbischof Pilgrim von Salzburg. (1385 05 05)

Dieser Verkauf scheint nicht aus Finanznot geschehen zu sein, sondern weil das Haus einfach nicht mehr genug einbrachte. Dagegen wurden die Aktivitäten in Burghausen verstärkt.Die Stadt erlebte nach dem Einzug

der herzoglichen Hofhaltung in Burghausen eine Blütezeit. Zu seinen dortigen Besitzungen erwarb das Kloster noch eine Badstube sowie Wiesen und Äcker außerhalb der Stadt. Das spricht für den wirtschaftlichen Weitblick des Abtes.

Der Versuch, die ertragreiche Stadtpfarrei auch in die Hände des Klosters zu bringen, scheiterte aber am Widerstand der Bürgerschaft.

Papst Bonifaz IX. (1389-1404) bestätigte am am 19. November 1394 Kloster Raitenhaslach die ihm von den Päpsten und weltlichen Fürsten verliehenen Freiheiten. (1394 11 19) Papst Bonifaz residierte während des abendländischen
Schismas in Rom.

Bischof Georg von Passau (1390-1423)bestätigte Kloster Raitenhaslach die Mautfreiheiten bei Oberberg am Inn und Passau. (1395 07 01)

Graf Ulrich von Schauberg erneuerte 1396 die  von seinen Vorfahren verliehene Mautfreiheit für Aschau. Dafür mussten Abt und Konvent versprechen, am Agathetag (5.Februar) einen Jahrtag mit Vigil, Seelenamt und 2 Beimessen abzuhalten. (1396 03 26)

Am 27. September 1397 erhielt Abt Johannes für sich und seine Nachfolger von Papst Bonifaz IX. das dingliche Recht für den Gebrauch der Pontifikalien innerhalb seines Klosters und der inkorporierten Kirchen zugestanden und er gestattete den feierlichen Segen nach der Messe, Vesper und Matutin.

(1397 09 27). Er war der erste Zisterzienserabt in Bayern, dem dieses Recht erteilt wurde.

Abt Johann gehörte zu den baufreudigen Äbten von Kloster Raitenhaslach. In der Klosterkirche ließ er schon 1387  verschieden Feuchtigkeitsschäden aufwiesen.

Am 10. und 11. November 1398 wurden die im Auftrag  von Abt Johann gebauten Pfarrkirchen in Marienberg und Halsbach geweiht. Diese waren im März 1203 dem Kloster vom Salzburger Erzbischof Eberhard II. geschenkt worden. Die Weihe

nahm Fr. Leonardo de Villaco, Titularbischof von Tiflis vor. Er zeigte dem Salzburger Erzbischof Gregor (1396-1403) an, dass er die beiden Kirchen geweiht und “um einen starken Besuches Willen” und zum Unterhalt der Kirche  einen  Ablass von 40

Tagen verliehen habe.( zwei Urkunden (1398 11 11))

Er hatte ein Gelübde abgelegt, das Grab der Apostelfürsten in Rom zu besuche, konnte dieses Gelübde aber aus gesundheitlichen Gründen nicht erfüllen. Papst Innozenz VII. (1404-1406) beauftragte ihn statt des Rombesuchs “in reponsam dicti voti”

die Krankenkapelle im Kloster neu zu erbauen. Er beauftragte auch den Salzburger Erzbischof Eberhard III. (1403- 1427) dafür zu sorgen,  daß dieser Bau mit den Mitteln, die der Abt auf seiner Romreise gebraucht hätte, auch durchgeführt würde. „Humilibus supplicum“. (1404 04 22)

Bischof Englmar Chrel von Chiemsee gab die Erlaubnis zur Weihe, die Titularbischof Albert von Salona am 09.01. 1407 vornahm. Er gewährte ebenfalls einen vierzigtägigen Ablass. (1407 01 09) Die Kapelle wurde zur Ehre der Apostelfürsten, der heiligen Magdalena und St.

Blasius geweiht.

Papst Bonifaz IX. gab Abt Johannes und seinen Nachfolger am 15. Mai 1400  die Erlaubnis, Kelche und andere zum kirchlichen Kultus gehörige Ornamente zu weihen. (1400 05 15)

Am 14. August 1401 schlossen Abt Johannes und Abt Johann III. (1379-1405) mit dem Konvent des Zisterzienserstiftes Baumgartenberg im Bezirk Perg in Oberösterreich eine Gebetsbrüderschaft.(1401 08 14)

Auch in der Regierungszeit von Abt Johannes war Kloster Raitenhaslach wiederholt Ort für Besprechungen zwischen den bayrischen Herzögen und dem Erzbischof von Salzburg, um Differenzen auszuräumen.

In seiner Regierungszeit gibt es im Raitenhaslacher Archiv erstmals Quittungen über die Zahlung der Ordenskontribution. Die Patres Petrus von Ebrach, Perchtold von Heilsbronn und Johann von Kaisheim waren vom Orden beauftragt, die Gebühren einzutreiben.

(1398) Für Raitenhaslach betrugen diese 7 Dukaten, das entspricht 1.348,00 €.

Eine Bestätigung der Zahlung erfolgte auch 1406 und zwar durch die Äbte Berthold Stromair von Heilsbronn (1386-1413), Johann III. von Walkenried und Johannes II. von Altenkamp (1402- 1423). Die Gebühr betrug wieder 7 Dukaten.

Abt Johannes war der erste Abt von Raitenhaslach, der in einer Urkunde als Prälat bezeichnet wurde.

Abt Johannes verstarb am 4. September 1409.

Auf ihn folgte Johann III. Zipfler (1409-1417). Er stammte aus einer angesehenen Burghausener Familie. Vor seiner Wahl war er Pfarrvikar in Halsbach.

Als Abt nahm er am Konstanzer Konzil (1414-1418) teil. Von diesem erhielt er 1416 den Auftrag,  gegen Leute, die Güter dessen Klosters entfremden wollen, mit kirchlichen Zensuren vorzugehen. (1416 05 02)

Abt Johann schloss eine Reihe von Gebetsverbrüderungen mit anderen Gemeinschaften. In seiner Regierungszeit habe ich 5 Urkunden mit solchen Verbrüderungen gesehen.

Seine Einkaufspolitik zielte erfolgreich darauf, den Klosterbesitz zu arrondieren.

Ein größerer Ankauf von Kleinodien von Oswald dem Mautner in Wasserburg im  Jahre 1415 diente der Mehrung der Kirchenzier (Näher beschrieben in Monumenta Boica 3 Nr. 111 S. 213)

Von  der herzoglichen Familie in Burghausen wurde ihm große persönliche Wertschätzung entgegengebracht. Er nahm 1417 die Taufe von Ludwig, dem späteren Herzog Ludwig IX, der  Reiche (* 23.2.1417-1479) vor

Auch die Zehntfreiheit für einen großen Teil der Weinberge um Krems durch Bischof Georg von Passau. Dies verdankte er der Fürsprache von Herzog Friedrich.

Abt Johann III. starb am 20. Juli 1417.

Sein Nachfolger wurde Abt Johann IV. Pfluog. (1418-1435) Über seine Herkunft ist nichts bekannt. Seine Regierung zeichnete sich auch durch eine rege Bautätigkeit aus.

In Schupfing bei Halsbach  wurde im dortigen Pfarrhof eine Pfarrhofkapelle gebaut, die mit drei Altären ausgestattet war.Bischof Englmar von Chiemsee weihte sie am 16. April 1422.

Erzbischof Eberhard III. von Salzburg und Bischof  Ulrich IV. von Seckau (1417-1431) gewährten einen Ablass von 40 Tagen (1422 06 01 und 1422 06 21)

St. Radegund im Weilhart wurde von Abt Johann IV. neu erbaut und mit drei Altären ausgestattet. Bischof Englmar von Chiemsee weihte sie am 15. April 1422 und gewährte einen Ablass von 40 Tagen (1422 04 15)

Die Kirche in Ehring bei Mühldorf wurde unter Abt Johann umgestaltet. Am 25. Mai 1427 wurde sie durch Albert von Salona, Weihbischof von Passau eingeweiht.

Papst Martin V.(1417-1431) bestätigte am 30.Juni 1420 Kloster Raitenhaslach alle von seinen Vorgängern verliehenen Freiheiten. Da in der Urkunde steht “cum a nobis petitur” (1420 06 30), ist davon auszugehen, dass diese

Urkunde auf Bitten des Abtes ausgestellt wurde. Vom Konzil zu Basel (1431-1449) ließ sich Abt Johannes die seinem Kloster von den Päpsten gewährten Immunitäten, Vorrechte, Ablässe und Privilegien, sowie die ihm von weltlichen Fürsten verliehenen Freiheiten

bestätigen. (1433  12 03)

Auch bei König Sigismund ( 1411-1433, ab 1433 Kaiser-1437) stand der Abt in Ansehen. In seinem Auftrag überbrachte er im November 1430 einen Ladbrief an Heinrich IV. Graf von Görz-Tirol (1385-1454), das war eine Vorladung vor das Hofgericht auf Klage des Herzog Heinrich in Baiern

(1390-1450) .  Sigmund – RI XI,2 n. 7974 . Er meldete dem König dann auch am 20. November 1430, dass er den Brief an Heinrich in seinem Dorf Velach übergeben habe. (Regesta Boica 13 S. 187 f.)

Herzog Albrecht V. von Österreich (1404-1439) bestätigt Abt Johann am 21. September 1420 die maut-und zollfreie Einfuhr von Lebensmittel nach Österreich (1420 09 21). Eine Woche später bestätigte er dies nochmals und erhöhte auf Bitte seines Schwagers Heinrich XVI. von Bayern die mautfreie Einführung von Wein von 50 auf 60 Dreilinge Wein. Ein Dreiling beinhaltete 24 Eimer, das sind 1358,16 Liter. (1420 09 28)

Von Johann Graf von Schaunberg (+ 1453) ließ sich Abt Johann die Mautfreiheit in Aschach erneuern (1423 11 09)

Bischof Leonhard von Passau (1423-1451)ließ er sich die Mautfreiheiten in Obernberg und Passau bestätigen durch Vorlage der Urkunde seines Vorgängers Georg (1390-1423) durch die Konfessen Johannes und Georg. (1430 01 26)

Der Abt von Citeaux Jean VII. de Martigny (1405–1428 ) hatte Abt Johann am  13. September 1426 den Auftrag erteilt, für 7 Jahre das Amte eines Vistators im Frauenkloster Seligenthal in Landshut zu übernehmen.

Die Amtszeit von Abt Johann endete 1435. Er verstarb im Januar 1438.

Sein Nachfolger wurde Leonhard Schellenstein (1438-1444) Vor er zum Abt gewählt wurde, war er fast 30 Jahre Pfarrvikar in Halsbach gewesen. Der Pfarrhof von Halsbach war vorher ein Schloss im Besitz der Herren von Hellenstein. Diese verkauften es Anfang des 15. Jahrhunderts an Kloster Raitenhaslach. Als Vikar begann der später Abt  eine Pfarrhofkapelle zu bauen. (s.o.) Leonhard gehörte wohl auch der Familie Schellenberg an. Allerdings hatte er einen “defectus natalium”. Sein Vater war nämlich Priester, seine Mutter eine Freie (“soluta”

Das wurde aber erst bei seiner Abtswahl ein Problem. Das Konzil von Basel beauftragte den Erzbischof von Salzburg Johann II. (1429-1441), dafür zu sorgen, dass  er trotz dieses defectus sein Amt als Abt von Raitenhaslach antreten konnte (1438 04 29).

Er war zum Abt gewählt worden und Abt  Thomas von Fürstenzell (1427-1438) hatte die Wahl bestätigt.

Unter Abt Leonhard wurde der Kirchenbau von Halsbach vollendet. Auch die Kirche von Thal unweit von Marienberg und Neukirchen an der Alz wurde von Abt Leonhard erbaut.

Beide Kirchen wurden 1443 von Bischof Silvester von Chiemsee ( 1438-1453) geweiht.

In Weinzierl an der Donau, heute ein Stadtteil von Krems hatte Raitenhaslach einen Klosterhof. Dort befand sich eine eigene Kapelle- Beim Hussiteneinfall in Österreich 1429 wurde diese niedergebrannt.

Abt Leonhard ließ eine neue Kapelle erbauen. Diese wurde am 27. Juni 1438 vom Passauer  Weibischof Albert zu Ehren der heiligen Apostel Andreas und Johannes geweiht.

Abt Leonhard ließ  erstmals Kanzleiunterlagen in die deutsche Sprache übertragen. 1438 war es ein Grundzinsbuch. 1439 folgten die von den Päpsten, sowie den Salzburger Erzbischöfen dem Kloster verliehenen Privilegien.

Auch das 1442 Kopialbuch “Buech der Grebnuzz zu Raitenhaslach” dürfte auf Veranlassung Leonhards angelegt worden sein.

Eine weitere Gebetsverbrüderung gab es mit den Benediktinern von St. Michael in  Attel, heute Stadtteil von Wasserburg am Inn. (1440 08 15)

Abt Leonhard starb am 4. Januar 1445.

Auf ihn folgte Abt Georg I. Schäppinger (1445-1463) Über seine Herkunft ist nichts Näheres bekannt.

Herzog Ludwig von Bayern-Ingolstadt, “der Gebartete” (1413-1447) wurde am 1. Mai 1447 in Kloster Raitenhaslach bestattet. Allerdings war er gebannt wegen seiner “gravamina”, also Schädigungen von verschiedenen Klöstern.

Damit verfielen aber auch alle geistlichen Personen, die an diesem Trauerakt teilgenommen hatten, also auch der Abt dem Bann. Papst Nikolaus V. (1447-1455) löste den Bann wieder und beauftragte den Propst von Kloster Baumburg,

Caspar Ebenhauser (1436–1479), alle geistlichen und weltlichen Personen, die an der Absolvierung und Beisetzung Ludwigs teilnahmen, von allen kirchlichen Strafen zu lösen. (1447 06 28)

Dreimal lässt sich in der Regierungszeit Abt Georgs der Abt von Morimond als Visitator nachweisen. Jedes Mal nutze Abt Jean VII. de Graille (1449–1459) die Gelegenheit die Ordenskontribution einzukassieren.  (1448 07 04) betrug sie 5 Dukaten pro Jahr,

das sind etwa 963,00 €. Die beiden Jahre danach kassierte der Konventuale aus Kloster Schöntal die Kontribution im Auftrag von Abt Jean VII. Im Juli 1453 war der Abt aus Morimond wieder zur Visitation in Raitenhaslach. (1453 07 09)

Zwei päpstliche Bestätigungen der Freiheiten des Klosters Raitenhaslach erhielt Abt Georg in seiner Regierungszeit. Die Betätigung von Papst Nikolaus V. erfolge wohl wieder auf Bitten von Abt Georg. denn in der Urkunde heißt es “cum a nobis petitur” (1450 04 21)

Die letzte Visitation durch Abt Jean VII. von Morimond erfolgte im März 1458 (1458 03 12)

Am 25. Juni 1454  verzichtete Kloster Raitenhaslach gegenüber Erzbischof Sigmund I. (1452-1461) von Salzburg endgültig auf seinen Salinenanteil in Hallein.(1454 06 25) Es überließ in der Urkunde genannte Güter samt deren Gülten und Zinsen und erhielt dafür

eine bestimmte Menge Salz in jedem Jahr. Vaterabt Georg I. Münch von Kloster Salem (1441-1458) genehmigte dies. (1454 07 11)

Bischof Ulrich (1451-1479) von Passau erneuerte Kloster Raitenhaslach die Mautfreiheit (1455 06 10)

Auch weltliche Herrscher bestätigten die Freiheiten des Kloster.

1450 hatte Herzog Ludwig IX. von Bayern (1450-1479) bestätigte das dem Kloster verliehene Privileg der Herzoge Heinrich, Otto und Heinrich sowie eine Reihe weiterer Vergünstigungen, wie Mautfreiheit, Steuerfreiheit für einige Häuser des Klosters,

alles aufgelistet in der Urkunde 1450 10 04.

König Ladislaus  von Böhmen und Ungarn (+1451) bestätigte dem Kloster zwei von seinem Vater König Albrecht II. ausgestellte Urkunden über maut-und zollfreie Einfuhr von Lebensmitteln (s.o)

Kurz nach seiner Wahl zum Papst stellte Pius II. (1458-1464) diese Bestätigung aus. (1458 10 31)

Auch eine Reihe von Gebetsbrüderschaften wurden in der Regierungszeit Abt Georgs abgeschlossen, so mit dem Augustiner-Eremiten-Orden (1448 05 12), mit dem Observanten-Orden (1451 07 25), dem Benediktinerkloster Michaelbeuren ( 1451  12 02),

mit dem Augustinerchorherren Stift Au am Inn (1453 01 09) und dem Benediktinerkloster Neumarkt-St. Veit (1455 11 20)

Kaiser Friedrich III.  (1440- Kaiser ab 1452-1493) bestätigte Kloster Raitenhaslach die von den verstorbenen Fürsten von Österreich verliehenen Freiheiten. (1459 04 07)

Abt Georg hatte eine Reihe langwieriger Prozesse um die Rechte seines Kloster zu führen.

1462 bestätigte Herzog Ludwig Abt und Konvent den Empfang von 600 Dukaten, das entspricht immerhin  etwa 115.533,00 €, Kriegssteuer, die dem Kloster zu Lichtmess (2. Februar) auferlegt worden sind.

Abt Georg starb am 3. Mai 1464.

Sein Nachfolger wurde Abt Egidius Stainer (1465-1474). Er war schon unter Abt Johann Pfluog in Kloster Raitenhaslach eingetreten. Als Bursner tritt er in der Urkunde auf, in der Abt Leonhard dem Salzburger Erzbischof Friedrich IV. (1441-1452)

den Klosteranteil am Salzsieden in Hallein für weitere  10 Jahre überlässt. (1444 05 14) In den Urkunden 1447 08 22 und 1451 12 11 wird er als Pfarrvikar von Niederbergkirchen genannt.

In der Regierungszeit des Abtes entstanden zwar zwei neue Kapellen, eine im Kreuzgang des Klosters zu Ehren des heiligen Sebastians und eine auf dem Klosterhof von Moosvogl. In Gumattenkirchen wurde der heute noch stehende gotische Chor errichtet. Bischof

Bernhard von Chiemsee (1467-1477) weihte diesen am 4. Oktober 1472. In Westerndorf am Inn wurden zwei neue Altäre errichtet, die ebenfalls Bischof Bernhard weihte.

Die Regierungszeit von Abt Egidius scheint aber nicht sehr glücklich gewesen zu sein. Er führte eine Reihe langwieriger Prozesse, die zum Teil vor dem Hofgericht in Landshut ausgetragen wurden.

Auch scheint es zur Entfremdung von Klosterbesitz gekommen zu sein. Abt Egidius hatte deshalb in Rom geklagt. Papst Paul II. (1464-1471) beauftragte 1468 den Erzbischof von Salzburg, Bernhard von Rohr (1466-1482), den Bischof von Passau, Ulrich von Nußdorf (1451-1479)

und den Dompropst von Passau gegen Personen die  Güter des Klosters beschlagnahmt hätten,  mit kirchlichen Zensuren vorzugehen. (1468 01 21).

Außerdem ließ er zur Wahrung der Rechte des Klosters eine Reihe von päpstlichen und landesherrlichen  Privilegien durch Notare transsumieren und neu beglaubigen.

Im Juli 1466 wurde Kloster Raitenhaslach durch Abt Ulrich von Fürstenfeld (1457-1467) visitiert. Diese wurde wohl vom Abt von Morimond und dem Generalkapitel veranlasst und da sie so ziemlich am Anfang der Regierungszeit von Abt Egidius lag, war es wohl eine eher turnusmäßige Visitation.

Anders war es bei der Visitation vom August 1474. Diese geschah auf Veranlassung des Landesherren Herzog Ludwig von Bayern-Landshut. Er erbat sich Generalabt Humbert von Citeaux (1462-1476) den Abt von Fürstenfeld Jodokus (1467-1480),

da er eine Reform in Raitenhaslach für dringend erforderlich hielt. Als Jodokus in Raitenhaslach ankam, hielt er Abt Egidius zur Durchführung einer Reform für wenig geeignet. Er legte ihm deshalb einen Rücktritt nahe.

In Anbetracht seines “defectus senium”, das ist (Alters-)Demenz, seiner “invalitudo corporis”, das ist körperliche Schwäche und anderer “latentes infirmitates” also noch nicht offenkundigen Schwächen.

Abt Egidius ging darauf ein, resignierte und übergab Schlüssel und Siegel an den Visitator.

Sein Todestag ist aber erst der 13. August 1481.

Abt Jodokus legte den Wahltermin auf den 9. August 1474 fest. Neben ihm als Wahlleiter war noch Abt Georg (1466-1486) aus Kloster Aldersbach sowie Pater Bernhard aus Maulbronn, der als Beichtvater im Kloster

Seligenthal in Landshut tätig war, anwesend. Einstimmig gewählt wurde der Konventuale Johannes Holczner (1474-1482)aus Kloster Fürstenfeld, der ebenfalls Beichtvater in Seligenthal war.

Am 8. Januar des Folgejahres waren die beiden Äbte aus Fürstenzell und Aldersbach auf Verlangen des bayrischen Herzogs in Raitenhaslach, um die “redemptio” des  zurückgetretenen Abtes durchzuführen.

Abt Egidius war bisher im Kloster gefangen gehalten worden. Der neue Abt wurde gebeten, Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Es wurde ein Protokoll angefertigt. Er unterschrieb dieses, versprach, hinterzogene Gelder und

Steuern zurückzuerstatten, entfremdete Bücher zurückzuschaffen und Machenschaften oder Konspiration im Konvent zu unterlassen.

Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

Abt Johannes stammte aus Neuburg, wobei sich nicht feststellen lässt, welches Neuburg das ist. Auch wann er Profess in Fürstenfeld abgelegt hat, ist unbekannt.

Seine Berufung nach Raitenhaslach war aber eine gute Wahl. Er schaffte es, die erforderlichen Reformen durchzuführen und er stellte auch en guten Ruf des Klosters wieder her.

1478 beschloss das Generalkapitel, Ordenshäuser in Ungarn wiederzubesetzen. Einzelne Konvente sollten Konventsangehörige dorthin übersenden. Raitenhaslach sollte sechs Konventuale senden.

Herzog Georg der Reiche (1479-1503) von Bayern Landshut bestätigte Kloster Raitenhaslach alle von seinen Vorgängern verliehenen Freiheiten und Privilegien. (1483 07 08)

Abt war ein kunstsinniger Prälat. In Raitenhaslach ließ er eine eigene Abtskapelle erbauen. Sie enthielt drei Altäre und wurde am 15. Juni 1477 vom Passauer Weihbischof Alber von Salona (1473-1493) geweiht. (1473 06 15)

Die Kirchen in Burgkirchen an der Alz, Niederbergkirchen, Gumattenkirchen und Moosvogl ließ er baulich umgestalten.

Von dem Münchner Maler Gabriel Mälesskircher (in München nachgewiesen seit 1461-um 1495) ließ er für die Kirche in Marienberg ein Tafelbild erstellen. Die Quittung über 114 Gulden und 60 Pfennige, das sind etwa 21.959,00 € liegt vor.

(1482 10 04)

Er sorgte für eine Bereicherung des Kirchenschatzes, wobei eine Monstranz besonders erwähnt wird.

Auch um die Bibliothek kümmerte er sich. Aus seiner Regierungszeit haben sich Buchbindearbeiten erhalten. Dank seiner Beziehungen zu Seligenthal konnte Abt Johannes einen Straßburger Frühdruck des “Fortalitum fidei” (Feste des Glaubens)

Der Franziskaner aus Salamanca verstarb 1491. Es war also ein hochmodernes Buch,das Johannes der Klosterbibliothek beifügen konnte.

Abt Johannes am 13. November 1483

Zu seinem Nachfolger wurde am 15. Dezember 1483 Abt Georg II. Lindmaier (1483- 1497) gewählt. Unter Abt Egidius hatte er in Raitenhaslach die Profess abgelegt. 1467 war er Provisor grangiae in austria, also Verwalter eines

Klostergutes in Österreich.

1477 war er Pfarrvikar von Niederbergkirchen. Dort hatte er auch den Umbau der Kirche durchgeführt (s.o.)

Die Abtswahl am 15.12. 1483 leite im Auftrag des Salemer Vaterabts Johannes I. Stantenat (1471-1494) Abt  Georg von Aldersbach unter Assistenz von Abt Johann von Fürstenzell.

Die Kirche von Niederbergkirchen wurde am 18. Mai von Bischof Georg von Chiemsee (1477-1495) geweiht. Abt Georg erwirkte einen Ablass für die Kirche. (1484 05 18)

Am 13. Mai 1485 wurde das Kloster ein zweites mal von einer Brandkatastrophe getroffen. Durch die Nachlässigkeit eines Dieners brach in der Konventsküche ein Band aus, der den mittleren Teil des Kloster zerstörte. Die Klosterkirche

wurde wohl nicht geschädigt.

Generalabt Johannes X. von Citeaux (1476-1502) sowie die Definitoren des Generalkapitels befreiten Abt Georg für zwei Jahre vom Besuch des Generalkapitels. Auch gaben sie  ihm die Erlaubnis , einen Beichtvater zu bestellen, der innerhalb dieser 2 Jahre von allen dem Generalkapitel vorbehaltenen schweren Fällen lossprechen dürfe. (1486 09 14)

Am 1. April 1487 stellte Papst Innozenz VIII. (1484-1492)dem Kloster eine Urkunde aus, nahm es unter seinen Schutz und bestätigte seine Reche und Freiheiten und die Privilegien der Fürsten. Insbesondere  bestätigte er die der dem Kloster nach kanonischem Recht inkorporierten Pfarrkirchen St. Martin in Halsbach, St. Blasius in Niederbergkirchen und Sankt Marienberg(1487 04 01)

Um den großen Türkenablass, den Kardinal Raymond Peraudi, päpstlicher Legat und Ablassprediger für den Kreuzzug gegen die Türken in Deutschland verkündete, mühte er sich. Die Urkunde erhielt er 1489 ausgestellt. (1489 12 14)

Auch im Auftrag des Generalkapitels war er tätig. Zusammen mit dem Abt von Fürstenzell sollte er 1486  die Wahl des neuen Abtes Simon von Aldersbach (1486-1501)  überprüfen. Er hatte die Wahl im Auftrag des Landesherren Georg geleitet.

Zusammen mit drei weiteren Zisterzienseräbte beauftragte ihn das Generalkapitel 1490, die unguten zustände in der Zisterze Viktring zu untersuchen. Innere Zwistigkeiten hatten das Kloster an den Rand der Auflösung geführt.

Fürstbischof Friedrich V. von Salzburg (1489-1494) forderte Abt Georg auf, am 18. Oktober 1490 auf der Provinzialsynode in Mühldorf zu erscheinen. Ob er dieser Aufforderung Folge leistete, ist nicht bekannt. Es hätte aber der Exemtion des Ordens widersprochen.

Am 26. Dezember 1490 ernannte Kaiser Friedrich III. Georg zum Kaiserlichen Kaplan. Er war der erste Raitenhaslacher Abt, dem diese Ehre zuteil wurde.

Kloster Raitenhaslach wurde im Juli 1488 im Auftrag des Generalabtes von Abt Simon von Kloster Aldersbach (1486-1501) visitiert. Es gab keine Beanstandungen.

Auch Abt Jakob ( 1495-1503)von Morimond war wohl zwei mal in Raitenhaslach. sein Besuch ist aber nur durch zwei Quittungen nachgewiesen. (1494 04 26 und 07 06)

Der neue König Maximilian I. (1493-1519) bestätigte Kloster Raitenhaslach die von den Fürsten  von Österreich und seinem Vater Friedrich III. verliehenen Privilegien. (1496 09 22)

Auch Abt Georg hatte einige Gebetsbruderschaften abgeschlossen.

Abt Georg versuchte durch den Erwerb von Ewiggeldern den Klosterbesitz zu mehren. Das war die Bezahlung einer Geldrente für ein auf ein Grundstück versichertes Kapital.

Eine weitere Einnahmequelle war die Beglaubigung von Urkunden für dritte Personen. Von Abt Georg ist eine Reihe solcher Vidimierungen bekannt.

Abt Georg verstarb am 27. Dezember 1497.

Auf ihn folgte Abt Johann VI. Goutgeld (1498-1502)

Prior und Konvent baten den Salemer Vaterabt Johannes II. Scharpfer (1494-1510) zur Wahl zu kommen. Dieser setzte die Neuwahl auf den 23. Januar 1498 fest. sie fand unter seinem Vorsitz und unter Assistenz des Abtes Pankratius (1492-1512)

aus Fürstenzell statt. Von ihm ist wenig bekannt.

Im Februar 1502 bestattete er Hedwig von Burghausen (1457-1502), die verstorbene Gemahlin von Herzog Georg dem Reichen, in der Klosterkirche von Raitenhaslach.

Vom Salzburger Erzbischof erhielt Abt Johann den Auftrag, die aus Altötting gemeldeten wunderbaren Erscheinungen zu untersuchen.

Sein Todestag ist der 16. August 1502.

Sein Nachfolger wurde Abt Ulrich III. Molczner (1503-1506).

Er war am 28. Februar 1479 als Novize in Kloster Raitenhaslach aufgenommen worden. Ein Jahr später legte er seine Profess ab.

Als Diakon fertigte er eine Abschrift des Kommentars  des Johannes de Turrecremata zur Regel des Heiligen Benedikts an. Er war spanischer Kardinal und Dominikaner. Dieser Kommentar war zu jener Zeit sehr geschätzt.

Von 1493 bis 1495 war er an der Universität Heidelberg immatrikuliert. Ein sehr freundschaftliches Verhältnis hatte er zu seinem Heidelberger Lehrer Adam Werner, der mehrere Mönche als Schüler hatte und  zu denen er ein besondere Vertrauensverhältnis pflegt.

Er hatte einen stetigen Austausch vor allem mit den oberrheinischen Humanisten. Ulrich studierte in Heidelberg zusammen mit Wolfgang Marius dem späteren Abt von Aldersbach. Ulrich wird auf Seite 408  Toepke, Gustav [Hrsg.]Die Matrikel der Universität Heidelberg,

Heidelberg 1844 aufgeführt. Das sind die Matrikel von Oktober 1493- 7. April 1494.

Das Studium in Heidelberg und vor allem ihr Lehrer Adam Werner hat beide sehr geprägt und beide werden ja zu den Humanistenäbten in den altbayrischen Konventen gezählt. Adam Werner verfasste für Abt Ulrich ein Abschiedsgedicht. Auch sein Studiengenosse

Wolfgang Marius, von dem ja über 80 Gedichte überliefert sind, widmete Ulrich mehrere Gedichte.

Gravierendsten Ereignis in der kurzen Regierungszeit Ulrichs war sicher der Landshuter Erbfolgekrieg.

1496 hatte  Georg der Reiche ein Testament verfasst, in dem er gegen alle Hausverträge seine Tochter Elisabeth von Bayern (1476-1504) und deren Ehemann zum Erben einsetzte.

Die Wittelsbacher Hausverträge von 1329 legten  außerdem ein „Vorkaufsrecht“ sowie ein gegenseitiges Erbrecht zwischen den beiden Linien fest, das die jeweils überlebende Linie (im Falle eines Aussterbens im Mannesstamm) als Universalerben bestimmte.

Dieser Vertrag wurde 1329 zwischen Ludwig dem Bayern und Rudolf II.,dem Blinden (1329-1353) und Ruprecht I. dem Roten  (1329-1390), den Söhnen von Rudolf I. (1274–1319), dem Bruder Ludwigs des Bayern geschlossen.

Georgs Tochter heiratete 1499 Ruprecht von der Pfalz (1481-1504). Georg setzte diesen kurz vor seinem Tod 1503 ernannte er seinen Schwiegersohn zum Statthalter von Niederbayern. Als Georg am 1. Dezember 1503 starb, trat Ruprecht sein Erbe an.

Herzog Albrecht IV. von Bayern München, der ja gemäß den Hausverträgen erbberechtig gewesen wäre, focht das Testament sofort an.Darauf folgte der Landshuter Erbfolgekrieg 1504.

Der Krieg wurde beendet durch den Kölner Schiedsspruch von Kaiser Maximilian (1486 König – ab 1508-1519 deutscher Kaiser).

Im Krieg wurde Kloster Raitenhaslach schwer geschädigt,worauf umfangreiche Arbeiten an Dach, Fenstern und Wehrgang sowie der völlige Neubau des Torhauses hindeuten.

Der Klosterchronist Tachler vermerkt schwere Schäden im Kloster. Finanziell wurde das Kloster ebenfalls schwer geschädigt. Den beide Kriegsparteien legten dem Kloster hohe Kontributionen aufbringen

und auch Anleihen gewähren, so zum Beispiel 1000 Gulden, das entspricht etwa 166.995,00 € an Herzog Albrecht IV. 1506.

1503 beauftragte das Generalkapitel Abt Ulrich sowie Abt Georg II. Kastner (1490–1509) von Kaisheim, die zwischen den Äbten von Fürstenfeld  Abt Peter (1502–1505) und Aldersbach  Johann IV. Riemer (1501–1514)

aufgetretenen Misshelligkeiten zu bereinigen.

Auf Grund einer Vollmacht des Abtes von Citeaux Jakob III. (1501-1516) visitierte Abt Ulrich am 22. November 1503 den Konvent von Seligenthal.

Der Raitenhaslacher Vaterabt Johannes II. Scharpfer (1494–1510 ) aus Salem visitierte das Kloster 1505. Am 2. Januar 1507 bestätigte er Abt und Konvent diese Visitation. Die Urkunde ist noch auf Abt Ulrich ausgestellt, obwohl er ja schon im November 1506 verstorben ist.

(1597 01 02)

In der Umgebung des Klosters gab es umfangreiche Tuffsteinvorkommen, die die Mönche nicht nur als Baustoff für die eigenen Bauvorhaben nutzten. Es war auch ein begehrtes Handelsgut. Abt Ulrich entschloss sich deshalb 1505

eine eigene Steinbrechordnung herauszugeben.

Der neue Landesherr Albrecht IV. (ab 1467 Herzog  von Bayern, nach dem Schiedsspruch von 1505, von ganz Bayern bis 1508) bestätigte, nachdem er Herzog von ganz Bayern geworden war , alle “alle den einzelnen Prälaten, Pfarrern usw. in Bayern von Seiten seiner Vorfahren verliehenen Privilegien, insbesondere die große Handveste König Ottos von Ungarn. (1506 07 20)

Der Passauer Bischof Wiguleus (1500-1517) bestätigte Abt Ulrich von seinen Vorgängern verliehenen Privilegien.(1506 08 08)

Abt Ulrich verstarb am 11. November 1506.

Auf ihn folgte Abt Georg III. Wankhauser (1507-1526). Er wurde unter Leitung des Salemer Vaterabtes Johannes II. gewählt.

Im Auftrag des bayrischen Herzogs  Wilhelm IV. (1508-1550) assistierte er 1514 dem Abt von Ebrach Johannes II. Leiterbach (1503-1531) bei der Wahl des neuen Abtes von Kloster Aldersbach Wolfgang Marius (1514-1544)

Zwei mal visitierte er Kloster Seligenthal und zwar 1516 und 1518. Das zweite Mal wurde er von Abt Kaspar Harder (1513-1522) von Kloster Fürstenfeld begleitet.

Die Regierung von Abt Georg stand unter keinem glücklichen Stern. Er hatte sich rasch in große Schulden verstrickt Schon im September 1510 waren Klostergüter in Gastein an das dortige Spital verkauft worden.

1524 wurden Kleinodien im Wert von 86 Mark Silber verkauft. Das entspricht etwa 25.170,00 €. Aber trotz der bestehenden Schuldenlast wurde der Kirchenschatz und die Bibliothek weiter vermehrt.

Natürlich bedeutete auch die Reformation von 1517 einen Einschnitt. In Kloster Raitenhaslach machten sich die Auswirkungen zunächst aber noch kaum bemerkbar. Die innerklösterliche Disziplin war in Ordnung und das Kloster stand auch deshalb

in gutem Ruf am herzoglichen Hof in München. Auf Veranlassung Herzog Wilhelms und seines Bruders Ludwig X. (1514-1545) mit dem er gemeinsam regierte, gehörte Raitenhaslach zu den bayrischen Klöstern, die 1523 von Papst Hadrian VI. (1522-1523)

mit Sondervollmachten zur Bekämpfung der neuen lutherischen Lehre ausgestattet wurde. Papst (1523-1534)erneuerte diese Vollmachten am 5. Februar 1526.

Die Vermögensverhältnisse des Klosters verbesserten sich aber nicht und der Abt wurde sogar in Burghausen gefangengesetzt. Die Urbare und Giltbücher des Klosters waren ebenfalls nach Burghausen zur Überprüfung  durch die Regierung

gebracht worden. Der Herzog ordnete die Rückgabe der Bücher an. der Abt aber blieb gefangen.

Am 25. Januar 1526 musste Abt Georg seinen Rücktritt erklären. Auf Anordnung von Herzog Albrecht und mit Erlaubnis des Vaterabtes visitierte der Fürstenfelder Abt Georg I. (1522-1531)zusammen mit dem Herzoglichen Rat Caspar Pardt das Kloster.

Sein Nachfolger Abt Christoph  genehmigte mit Erlaubnis des Landesherren wegen seines Alters und der Mühen, die er mit seiner Prälatur hatte, einen genau fixierten Austrag. (1526 05 11)

Abt Georg starb am 11. Mai 1542.

Sein Nachfolger wurde Christoph Fürlauf. (1526-1553) Seine Profess hatte er unter Abt Georg abgelegt. 1510-1511 war er Pfarrvikar in Niederbergkirchen. Seit 1518 war er Bursner in Raitenhaslach.

Die Wahl leitete Abt Georg von Fürstenfeld. Der herzogliche Kommissar Caspar Pradt wohnte der Wahl ebenfalls bei. Der Salzburger Erzbischof Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg (1519-1540)

beauftragte Bischof Berthold von Chiemsee (1508-1526), den gewählten Abt Christoph in seinem Amt zu bestätigen und zu weihen . (1526 02 08)

Warum ein Bischof und kein Zisterzienserabt die Weihe vornahm, ist nicht klar. Es könnte aber sein, dass das damit zusammenhängt, dass das Erzbistum Salzburg  im Zuge der notwendig gewordenen Reformen

immer stärker versuchte, auf das Salzachkloster Einfluß zu nehmen. So wurde auch Abt Christoph wiederholt zu Provinzialsynoden nach Salzburg zitiert. Allerdings nie. Er entschuldigte sein Fehlen meist mit seinem

schlechten Gesundheitszustand, 1549 auch mit dem schlechten Wetter.

Kurz nach seiner Wahl bestätigten die Herzöge Albrecht und Ludwig Kloster Raitenhaslach die von ihren Vorfahren verliehenen Privilegien. (1526 04 30).

Der Chiemseer Bischof Berthold Pürstinger hatte kurz nach der Weihe von Abt Christoph resigniert und sich ins Kloster Raitenhaslach zurückgezogen. Dort vollendete er sein

Hauptwerk, die „Tewtsche Theologey“, die eine umfassende katholische Glaubenslehre enthielt.

Die Regierung von Abt Christoph wurde belastet durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Klosters. Diese wurden auch mitverursacht durch die landesherrlichen Steuererhebungen.

Das Kloster versuchte sich mit Geldaufnahmen einerseits und Güterverkäufen andrerseits zu helfen.

Wegen der Türkensteuer verkaufte das Kloster 1527 seine Güter in Weng an das Stift St. Peter in Salzburg. Die Herzöge von Bayern erlaubten diesen Verkauf (1527 03 21)

Ein Jahr später wurde das Weingut in Altweiding an  Abt Matthias II. (1516-1532) von Göttweig abgetreten.

Die Verschuldung des Klosters stieg seit dem Amtsantritt von Abt Christoph von 3000 Dukaten, das sind etwa 579.785,00 € auf 8000 Dukaten, also etwa 1.546.093,00 €.

Das hinderte Abt Christoph allerdings nicht daran, den Kleinodienschatz des Kloster zu vermehren.

Abt Christoph starb am 18. April 1553.

Auf ihn folgte Abt Sebastian Harbeck.(1553-1569)

Er stammte aus Landshut. Er wurde am 14. Juni 1553 unter Vorsitz des vom Salemer Vaterabts abgeordneten Abtes Bartholemäus Madauer (1552-1577) gewählt.( Bei seiner Wahl war er 28 Jahre alt und Prior.

Die Folgen der Reformation zeigten sich auch an der Zahl der wahlberechtigten Mitglieder Sebastian Harbekh, Prior, Johann Lettnthaler, Subprior, Christoph Canczler, Cellerar, Theobald, Senior, Wenzeslaus Spieß, Georg Hinttermeir, Wolfgang Rambrester, Wolfgang Manhauser, Georg Kherner. Wolfgang (1553 06 14)  Der Konvent bestand nur noch aus 9 Mönchen.

Am 8. Oktober 1553 wurde er von Bischof Hieronymus Meitting (1536 –1557 ) von Chiemsee geweiht.

Herzog Albrecht bestätigte die Privilegien des Klosters kurz nach der Weihe des neuen Abtes. (1553 12 07)

Der Salzburger Erzbischof Michael von Kuenburg (1554–1560) bestätigte die Privilegien des Klosters (1555 09 10) ebenso  wie der Passauer Bischof Wolfgang von Closen (1555 –1561) (1557 09 29)

Auch Kaiser Maximilian II. (1564-1576) bestätigte die dem Kloster durch seine Vorfahren verliehenen Privilegien, namentlich die seines verstorbenen Vaters Ferdinand (1531-1564) (1565 11 25)

Wie auch sein Vorgänger wurde Abt Sebastian mehrfach zu den Provinzialsynoden nach Salzburg geladen und hat ebenso wie dieser wohl nicht teilgenommen.

Abt Sebastian verstarb völlig unerwartet am 25. Februar 1569. Sein leiblicher Bruder Georg war zu dieser Zeit Prior in Kloster Raitenhaslach. Er zeigte dem Vaterabt von Salem Georg II. Kaisersberger
(1558–1575 )den Tod seines Bruders an. Als Wahltermin war der 20. April 1569 vorgesehen.

Wolfgang Manhauser (1569-1590) wurde zum neuen Abt gewählt. Er stammte aus Eching bei Laufen im Erzstift Salzburg. Urkundlich erscheint er erstmals auf der Wahlurkunde von Abt Sebastian (s.o.)

Die Wahl wurde dann verschoben auf den 5. Mai 1569 und fand unter Vorsitz von Abt Bartholomäus aus Aldersbach statt. Als herzögliche Kommissäre waren der Hauptmann von Burghausen Wiguläus Zenger und

der Kanzler von Burghausen Thomas Widmann anwesend. (1569 05 05)

Der Abt von Citeaux Nicolas I. Boucherat (1571-1583) schrieb für den 19. April 1573 nach langer Zeit wieder ein Generalkapitel aus.  Abt Woflfgang nahm daran nicht teil und entschuldigte sein Fernbleiben

“aus vielen wichtigen Ursachen”. Im Sommer 1573 visitierte der Generalabt die Klöster in Süddeutschland. Am 18. August 1573 war Abt Nicolas zusammen mit Abt Nicolas Marechal von Kloster Loc-Dieu

zur Visitation in Raitenhaslach. Damit weilte erstmals ein Generalabt in Raitenhaslach. Abt Wolfgang wurde in seinem Amt bestätigt. Bemängelt wurde allerdings die geringe Zahl der Religiosen, die keinen

Chordienst nach den Satzungen des Ordens gestatte. “im Kloster wären 8 Religiösen [Priester] einschließlich des Abtes, 2 Professen, die Nicht-Priester sind, und 4 Novizen; 5 Priester sind davon zur Seelsorge außerhalb des Klosters, so daß nur der Abt mit 2 Religiösen im Kloster ist, weshalb kein Chordienst nach dem Ritus des Ordens mehr abgehalten werden kann; der Abt wird daher zur Aufnahme von Novizen beauftragt; darüber hinaus werden Bestimmungen für die Gestaltung des Gottesdienstes und des inneren Klosterlebens gegeben und Abt und Konvent ermahnt, des Papstes Gregor XIII. und des Herzogs von Bayern wie dessen Familie im Gebete zu gedenken. Die Charta soll mindestens viermal im Jahr im Kapitel verlesen werden.” (1573 08 20)

Die Reformbeschlüsse des Konzils von Trient hatten zur Folge, dass bald weitere Visitationen stattfanden.

Im September 1581 weilte Abt Edmund von Kloster Chatillon zusammen mit dem Abt von Aldersbach, Andreas Haydecker (1579–1586 ) zur Visitation in Raitenhaslach. Es wurden einige Mängel festgestellt. So wurde die Visitationscharte die Generalabt Nicolas 1573 ausgestellt hatte

in vielen Punkten nicht eingehalten Außerdem waren nach wie vor nur 2 Religiosen im Kloster. Der vorgeschriebene Chordienst war also immer noch nicht möglich. Es sollten daher Novizen aufgenommen werden und aus anderen Klöstern Brüder als Gäste.

(1581 09 19). Anschließend visitierte Abt Edmund Kloster Seligenthal. Möglicherweise als Reaktion auf den Mißstand übertrug er die Paternität von Seligenthal, die bisher Raitenhaslach innehatte, auf Kloster Aldersbach.

Im Auftrag des Generalabtes erfolgte 1586 eine weitere Visitation, dieses Mal durchgeführt von Abt Beat Papst (1583-1597) aus Kloster Lützel.

In München regierte mittlerweile Herzog Wilhelm V. (1579-1597), der maßgeblich für den Erfolg der Gegenreformation in Deutschland verantwortlich war.

In München häuften sich die Klagen , dass in “ in zeitlich sonderlich,in geistlich gar ärgerlich und widerlich gehaust werde” (Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach S. 300). Der Geistliche Rat von München wandte 1589

sich an den Salemer Vaterabt Christian II Fürst (1588-1593) und bat, dass dieser schnellstmöglich in Raitenhaslach visitiere oder damit den Abt von Aldersbach  beauftrage.

Im Februar fand dann die Visitation durch Abt Johannes Dietmair (1587-1612) von Aldersbach zusammen mit dem Aldresbacher Subprior sowie drei herzoglichen Räten statt.

Abt Wolfgang erklärte sich schließlich zur Resignation bereit. Der geistliche Rat hatte bereits Matthias Stoßberger, der seit 1580 Abt in Gotteszell war, als Nachfolger ausersehen.

Mit Abt Wolfgang wurde ein genauer Austrag vereinbart.

Er starb, nachdem er zuletzt an Podagra gelitten hatte, am 26. August 1594.

Matthias lehnte zunächst ab, Abt von Raitenhaslach zu werden. Der Geistliche Rat und auch der Vaterabt brachten ihn  aber dazu, das Amt anzunehmen.

Abt Johannes erklärte, dass er die Resignation von Abt Wolfgang im Kloster entgegengenommen habe und dass der Konvent anschließend einstimmig Matthias zum neuen Abt gewählt habe. (1590 05 21)

Am 26. Juni 1590 zeigte Abt Matthias (1590-1601) dem Vaterabt seine Wahl an und bat um dessen Bestätigung.

Am 14. Dezember 1590 war Claudius Germain, Prior von Citeaux und Generalkommissar des Ordens zur Visitation in Raitenhaslach. Er stellte zwei Urkunden aus. Die erste war ein Visitationsbericht (1590 12 11).

Mit der zweiten Urkunde bestätigte die Wahl von Abt Matthias. (1590 12 14)

Schon im Februar 1591 wurde Kloster Raitenhaslach wieder visitiert, dieses mal von Abt Johannes aus Aldersbach. (1591 02 17) Die Matutin wurde zur Pflicht gemacht, was schon der Generalabt Nicolas Boucherat bei seiner Visitation 1573 angeordnet hatte.

Abt Matthias hatte kein leichtes Erbe. Der Schuldenstand des Klosters betrug fast 5000 Dukaten, das sind etwa 969.315,00 €.

Abt Matthias konnte diese Summe allmählich abbauen. Dazu brauchte er aber neues Kapital und musste mehrmals um Zustimmung des Geistlichen Rates ersuchen. Dort galt er aber als gute Haushälter, wie der Rat dem bayrischen Herzog berichtete.

Er verkaufte aber auch, so die Schwaigen im Pfinzgau (1597 01 01), das am Kai in Salzburg, ein kleineres haus in Krems und die Badstube in Burghausen. Die Verkäufe brachten 3000 Dukaten ein, das sind etwa 581.589,00 €.

Er kaufte aber, wenn er Gelegenheit bekam, günstig Grundbesitz zu erwerben oder legte Geld zu einem günstigen Zinssatz an.

Abt Matthias war auch ein großer Bauherr. Die Klosterkirche erhielt einen neuen Glockenturm, auch eine neue Orgel und ein neues Chorgestühl. Mehrere Altäre wurden so verändert,dass der Weihbischof von Freising Bartholomäus Scholl (1581-129)

im Oktober 1596 die Altarweihe vornahm. (1596 10 08)

Die gesamte Klosteranlage wurde unter Abt Matthias weitgehend erneuert.

1595 hatte Abt Matthias in der Pfarrkirche Marienberg den Rosenkranzbund eingeführt. Der wachsende Zulauf erforderte eine Vergrößerung der Kirche . Weihbischof Andreas Hofmann (1597- 1604 ) weihte die Kirche und drei Altäre 1600 neu. (1600 09 03)

Innerhalb des Konventes erwuchs Abt Matthias eine Opposition. Sie warf ihm kostspieliges und unnötiges Bauen sowie Begünstigung von Verwandten und Freunden vor. Dies fand zwar Gehör in Burghausen. In München glaubte man allerdings nicht so recht daran. Bei Herzog

Maximilian I von Bayern (1597-1651) fanden die Anschuldigungen aber kein Gehör.

Abt Matthias starb am 18. November 1601 an einem Schlaganfall.

Am 16. Februar 1602 fand die Wahl des neuen Abtes unter Vorsitz von Abt Johannes aus Kloster Aldersbach und Assistenz von Abt Stephan Lanio von Kloster Fürstenzell und in Gegenwart herzoglicher Kommissare  statt.

Gewählt wurde Abt Philipp Perzel (1602-1620). Er stammte aus Landshut und hatte seine Profess 1573 in Raitenhaslach abgelegt. Er war Pfarrvikar in Halsbach und 1587 Prior in Raitenhaslach. Bei seiner Wahl war er Cellerar.

Abt Matthias hatte die wirtschaftlichen Verhältnisse des Kloster konsolidiert und versetzte so seinen Nachfolger in die Möglichkeit, den Grundbesitz des Klosters erheblich zu vergrößern. Aus seiner Regierungszeit liegen fast 30

Kaufbriefe vor. Abt Philipp hatte für 15530 Dukaten, also etwa 3.010.692,00 €  Liegenschaften gekauft. Die bedeutendsten Käufe waren die um Munderfing, heute im Bezirk Braunau am Inn gelegenen Besitzungen von Kloster Mondsee von Abt Johann Christoph II. Wasner (1592-1615)

und Konvent. (1602 04 09) sowie der Kauf von 12 Anwesen in Herrenbachham in der Nähe von Vilsbiburg. Abt Philipp kaufte aber nicht nur einfach Liegenschaften, sondern mit Weitblick solche, die dem Kloster wirtschaftliche Erwerbsmöglichkeiten sicherten.

Er errichtete eine klostereigene Papiermühle. Es war die einzige Papiermühle im heutigen Oberbayern, die von einem Kloster betrieben wurde. Zwar bestand in Braunau bereits eine Papiermühle, die das landesherrliche Privileg besaß,

dass innerhalb von 6 Meilen Umkreis keine neue Papiermühle errichtet werden durfte. Ungeachtet der Einwände der Stadt Braunau erhielt der Abt am 19. April 1616 eine Konzession für den Betrieb der inzwischen fertiggestellten Mühle.

Zu den Kunden zählten vor allem die Behörden in Burghausen sowie die umliegenden Klöster.

In unmittelbarer Nähe zur Papiermühle ließ Abt Philipp auch einen Kupfer und Eisenhammer errichten. Auch eine Hammer-und eine Klingenschmiede wurden in seiner Regierungszeit errichtet. Dazu kamen noch Stallungen und ein Getreidespeicher beim

Scheuerhof.

Auch an Kirchenzier und Ornaten sowie Musikinstrumenten wurden größer Anschaffungen getätigt.

Das Kloster wurde dreimal visitiert. Im Januar visitierte Abt Jean Martin (1604-1631) von Kloster Clairlieu zusammen mit dem Prior von Kloster Barbeaux Franz Burgesius im Auftrag des Generalabtes Kloster Raitenhaslach. (1609 01 30)

bemängelt wurde der immer noch zu geringe Personenstand.

Abt Michael Kirchberger (1612-1635) von Kloster Aldersbach visitierte das Kloster  1613 (1613 04 01)Abt Michael mahnte, die bisherigen Visitationsprotokolle genau zu beachten. Außerdem hatte er eine Anordnung zur Beschränkung

der Instrumentalmusik auf die höchstkirchlichen Feiertage erlassen. Abt Michael visitierte das Kloster nochmals 1618. (1618 06 28)

Eine Visitation des Dekans des Stifts der Liebfrauenkirche Jakob Golla im Auftrag des bayrischen Herzogs konnte Abt Philipp unter Hinweis auf die Exemtion des Ordens abwenden.

Zu den Generalkapitel reiste Abt Philipp nicht selbst. Aber er sandte als Vertreter jedes Mal (1605, 1609 und 1613)seinen Cellerar Johann Conrad Tachler nach Citeaux.

Unter Abt Philipp begann der Dreißigjährige Krieg. Gleich zu Beginn des Krieges verursachte der Einfall aufständischer Böhmen große Verwüstung auf den Weinbergen des Kloster rund um Krems.

der dortige Hofmeister Johann Conrad Tachler musste fliehen. Schäden erlitt das Kloster auch 1632 beim Vordringen der Schweden an den Inn.

Die Münzabwertung von 1623/1624 traf das Kloster hart. Zu schaffen machte ihm auch die Pest.

Beim Vordringen der Schweden wurde Raitenhaslach aber auch Zufluchtsstätte vieler Ordensleute, die vor den Schweden fliehen mussten. Auch in den letzten Kriegsjahren konnte Raitenhaslach wieder viele Ordensleute aufnehmen.

Abt Philipp verstarb am 19. Dezember 1620.

Sein Nachfolger wurde Abt Christoph II. Mayrhofer (1621-1624)

Er stammte aus Radstatt im Erzstift Salzburg. 1602 legte er in Raitenhaslach seine Profess ab. Er studierte an der Universität Ingolstadt und ab 1606 Dillingen.

Er war viele Jahre Prior gewesen. Seit 1617 war er Pfarrvikar in Niederberghausen.

Am 9. Februar 1621 wurde er unter Vorsitz von Abt Michael aus Aldersbach zum Abt gewählt. Der Generalabt Nicolas II. Boucherat (1604-1625) bestätigte ihn  vier Monate  später. (1621 04 19)

Die Weihe zum Abt setzte der Salemer Vaterabt  Thomas I Wunn (1615-1647) zusammen  mit der des Abtes von Neubourg Adolf Braun (1621-1635) beim Provinzialkapitel 1621 fest.

1622 wurde er  von der Landschaft in München zum Prälatensteuerer erwählt. Dieser hatte die die Landschaftsteuern von den Landständischen Klöstern einzutreiben.

1623 nahm er an der Sitzung de Landtags in Straubing teil.

In seiner Regierungszeit waren die ersten Kriegseinwirkungen zu spüren. Das Kloster musste zwei Pferde und einen Knecht zum Palisadenbau nach München schicken.

Aus Österreich fielen die Weinlieferungen aus.  In der Jahresrechnungen tauchen 11 814 Dukaten für die Weinlieferung von zwei Jahren auf, das sind  etwa 2.288.626,00 €

In Burghausen war  ein Lebensmittelmangel aufgetreten und im Dezember 1623 versorgte das Kloster die Stadt mit Getreide und Bier.

Die zu entrichtende Landsteuer war auf 1064 Dukaten festgesetzt worden, das sind etwa 206.120,00 €

Trotz dieser Belastungen  baute Abt Christoph aufwändig, zu teuer und teils ohne Wissen des Konvents, so der spätere Vorwurf. Die Klosterkirche erhielt eine neue Inneneinrichtung. Am Kreuzgang wurde eine Kapelle  mit drei Altären errichtet.

An Zweckbauten wurden ein neuer Marstall und eine Apotheke errichtet. Beim Scheuerhof wurden neue Stallungen und eine Umfassungsmauer gebaut.

Dazu kamen noch einige Gütererwerbe.

Abt Christoph verstarb am 17. Februar 1624 nach nur drei Jahren Regierungszeit.

Auf ihn folgte  Abt Daniel Adam Rempold (1624-1640)

Abt Daniel stammte aus Aspern an der Zaya. Seine Profess hatte er 1620 in Raitenhaslach abgelegt. Er war in der Pfarrseelsorge in Marienberg  und Niederbergkirchen tätig.

Bei seiner Wahl zum Abt war er 34 Jahre alt. Er wurde unter Vorsitz von Abt Michael aus Aldersbach gewählt. Er wurde am 9. März 1625 geweiht. Die Bestätigung durch Generalabt Nicolas war schon vorher erfolgt. 1624 10 01.

Schon ein Jahr nach der Abtswahl kam es auf Verlangen von Kurfürst Maximilian zu einer Visitation durch Abt Michael. Begleitet war er vom Rentmeister von Burghausen, Philipp Sickenhauser. Dieser erstattete dem Kurfürsten

auch den Bericht. Die Rechnungsführung war schlecht, die Ämterbesetzung wenig glücklich. Im übrigen befand der Überprüfende die Umstände “bei weitem nicht so übl beschaffen”  (Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach S. 309)

wie das dem Kurfürsten berichtet worden war.

Am 15. Juli 1635 führte er den Vorsitz bei der Abtswahl in Aldersbach, die nach der Resignation von Abt Michael am 14.07. 1635 notwendig geworden war. Gewählt wurde Abt Matthäus Gschwendt (1635-1651)

1624 und 1627 fanden Provinzkapitel in Salem statt, bei denen Abt Daniel zugegen war. Beim Provinzkapitel in Kaisheim ließ er sich von seinem Konventualen Johannes Kromer vertreten.

In Marienberg ließ Abt Daniel eine Rosenkranzbrüderschaft einrichten. (1627 05 01)

Ein Jahr später bestätigte Fürsterzbischof Paris Graf von Lodron (1619–1653 )die auch in Marienberg 1621 eingerichtete 14 Nothelfer Brüderschaft. (1628 05 17)

Kaiser Ferdinand II. (1619-1637) bestätigte dem Kloster die Privilegien und Freiheiten. (1629 09 16)

Trotz der widrigen Zeitumstände konnte der Abt den Grundbesitz des Klosters mehren.

Die Einrichtung der Klosterapotheke verbesserte er.

1631 wurde dem Kloster  von Kurfürst Maximilian eine Kriegskontribution von 6000 Dukaten, das sind etwa 1.169.120,00 € auferlegt. Diese beachtliche Summe war binnen sechs Wochen zu entrichten. Außerdem sollte alles entbehrliche Silber

zur Münze nach München gebracht werden.

1632 waren die Schweden weit nach Süden vorgedrungen. Die Schwedengefahr brachte wieder viele Ordensflüchtlinge nach Raitenhaslach, darunter die Äbtissin Barbara Lung (1597-1637) von Kloster Niederschönenfeld.

Sie verstarb am 20. Mai 1637 in Raitenhaslach. Dort wurde ihre Nachfolgerin gewählt.

1634 kam die Pest nach Raitenhaslach. ein eigener Friedhof musste angelegt werden. Der Konvent blieb aber verschont.

Abt Daniel verstarb am 3. Februar 1640.

Bei seinem Ableben betrug der Schuldenstand des Klosters auch bedingt durch die Kriegszeiten 12.184 Dukaten, das sind 2.374.093,00 €.  Die Jahreseinnahmen des Klosters betrugen 16150 Dukaten, das sind etwa 3.185.852,00 €.

(alle Zahlen (Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach S. 311)

Sein Nachfolger wurde Abt Johann VII. Molitor (1640-1665)

Er stammte aus Markdorf am Bodensee und legte 1611 seine Profess in Raitenhaslach ab. 1618 wurde er in Eichstätt zum Diakon geweiht.

Er war fast ausschließlich in der Seelsorge tätig.

Am 11. März 1640 wurde er einstimmig zum Abt gewählt unter Vorsitz von Abt Matthäus aus Aldersbach unter unter Assistenz von Abt Wolfgang aus Kloster Fürstenzell

Der Vaterabt Thomas Wunn aus Salem bestätigte ihn zugleich im Namen des Ordens, da in Kloster Citeaux der Abtstuhl zu der Zeit unbesetzt war. 1640 04 02.

Im Oktober 1642 fand in Kloster Schönthal das Provinzkapitel statt, bei dem sich Abt Johann durch den Prior von Aldersbach Gerard Hörger (1640-1643) vertreten ließ.

Am Generalkapietl in Cietaux 1651 nahm er nicht teil. er entschuldigte sich wegen Armut und der Reisegefahren.

An den Provinzialkapitel in Donauwörth 1652 und 1654 in Rottweil nahm er teil.

1653 weilte Kaiser Ferdinand III. (1637-1657) und seine Gemahlin Eleonora Magdalena Gonzaga (1630-1686) in Altötting. Beim Empfang des Kaiserpaars war Abt Johann zugegen.

Am 7. Juli 1654 vollzog er die Grundsteinlegung des Kapuzinerklosters in Burghausen. Zu den Kapuzinern in Burghausen hatte Kloster Raitenhaslach ein gutnachbarliches Verhältnis.

Dagegen gestalteten sich die Beziehungen zu den Jesuiten in Burghausen zunehmend frostig, was wohl auch damit zusammenhing, dass diese ein Auge auf den Klosterkomplex von

Raitenhaslach geworfen zu haben scheinen.

Bei dem Provinzialkapitel in Rottenmünster war Generalabt Claude Vaussin (1645-1670) anwesend. 1654 07 22. Im August 1654 visitierte er Kloster Raitenhaslach. Bei dieser Wahl bestätigte er Abt Johannes, bemängelte aber,

dass ihm die bereits 1640 stattgefundene Wahl nicht angezeigt worden war. 1654 08 03

Die Zustände in Raitenhaslach wurden nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges immer wieder beklagt. Der Abt von Aldersbach war mehrere Male als Visitator im Kloster Raitenhaslach.

Der Vaterabt von Salem Thomas II. Schwab  (1647-1664) entsandte zwei mal Angehörige seines Konvents als Priore nach Raitenhaslach, Eugen Grass 1650 und 1654 Benedikt Staub.

Ende Januar 1658 visitierte Abt Gerard (1651-1658)von Aldersbach Kloster Raitenhaslach. Nach der Visitation resignierte Abt Johannes, nachdem er vor allen in seinen letzten Regierungsjahren seinem Amt

offensichtlich nicht mehr gewachsen war. Er starb am 15. Mai 1665.

Auf ihn folgte Abt Johann Baptist Lanzinger. (1658-1670) Er wurde am 27. November 1613 in München geboren.

Dort besuchte er das Jesuitengymnasium. 1633 trat er in das Kloster Raitenhaslach ein. Er besuchte die Universitäten in Ingolstadt und Salzburg. 1649 feierte er in der Kirche von Marienberg seine Primiz.

Von 1647 bis 1649 war er Vikar in Marienberg und betreute dort gleichzeitig als Präses die Rosenkranzbruderschaft.

1651 bis 1653  war er Vikar in Margarethenberg.

1653 wurde er zum Prior ernannt. Als Prior hatte er oft Auseinandersetzungen mit seinem Abt. Er soll sogar tätlich geworden sein. Er wurde deshalb 1656 nach Fürstenfeld geschickt.

1657 begab er sich ins Kloster Engelszell im Innviertel in Oberösterreich. Dann ging er zurück nach Raitenhaslach und wurde dort kurz nach seiner Rückkehr zum Abt gewählt.

Davor bekleidete er wieder das Amt des Priors. Abt Gerard von Aldersbach hatte die Wahl unter Assistenz der Äbte Martin (1640-1690) von Fürstenfeld und Abt Wolfgang (1634-1666) geleitet.

Am 24. Februar 1658 wurde er in Alderbach zum Abt geweiht. Vor seiner Benediktion musste er ein feierliches Oboedienzversprechen ablegen. 1658 02 24

Die Bestätigung durch den Generalabt Claude Vaussin erfolgte schon ein halbes Jahr später 1658 09 03

Im September 1658 kam Kaiser Leopold I. (1658-1705) nach Altötting. Abt Johann empfing ihn an Stelle des abwesenden Stiftspropst Franz Wilhelm von Wartenberg, der auch Kardinal und Bischof von Regensburg war.

Am 6. September 1658 zelebrierte er in Altötting die Pontifikalmesse anläßlich des Kaiserbesuchs.

Kardinal Franz Wilhelm verstarb am 1. Dezember 1661. Am 22. Dezember 1661 hielt er die feierlichen Exequien für den Verstorbenen ab.

Noch im Jahr seiner Abtswahl wurde Johann zum verordneten Prälatensteuerer des Rentamts Burghausen gewählt.

Nach dem Tod von Abt Gerard aus Aldersbach am 9. Oktober 1669 hatte man Abt Johann sogar das Amt des Generalvikars für Bayern angeboten.

Das hatte er aber mit Verweis auf sein Alter abgelehnt.

Die Zustände in Raitenhaslach hatten sich auch unter Abt Johann nicht gebessert. Bei Abt Johann kam dazu, dass er ein einem guten Trunk nicht abgeneigt war.

Auf Veranlassung von Vaterabt Thomas II. war Abt Gerard von Kloster Aldersbach wieder zu einer Visitation in Kloster Raitenhaslach.  Er bekam die Weisung wieder für Ordnung in Raitenhaslach zu sorgen.

Auch 1665 visitierte er Kloster Raitenhaslach noch einmal.

Eine neuerliche Visitation erfolgte 1668. Dieses Mal hatte Vaterabt Anselm I. Muotelsee (1664-1680) Abt Martin aus Fürstenfeld und Abt Bonifaz (1658-1689) nach Raitenhaslach geschickt.

Für die Provinzialkapitel in Salem 1668 und Kaisheim 1670 ließ er sich entschuldigen.

Am 4. Juli 1670 resignierte Abt Johann Baptist “hohen Alters und Leibschwachheit halber” (Die Zisterzienserabtei Raitenbhaslach S. 315.)

Er lebte aber noch sechs Jahre. Als sein Nachfolger Abt Gerard an den Folgen eines Schlaganfalls darniederlag, nahm er an Allerheiligen 1675 und am Dreikönigstag 1676 noch die Profess neueingetretener Novizen ab.

Er starb am 10. Februar 1676 nur wenige Wochen vor Abt Gerard.

Wie bei der anlässlich seiner Resignation vorgenommenen Inventur durch Abt Anselm aus Salem und Abt Malachias Niederhofer (1669-1683) aus Aldersbach hinterließ er 1939 Dukaten, das sind etwa 390.920,00 €. Bei seinem

Amtsantritt hatte er keine Barschaft übernommen.

Den Grundbesitz des Klosters hatte er vermehrt. Wirtschaftlichen Weitblick zeigt auch die Errichtung eines Eisenhammers nahe der Pulvermühle des Klosters.

Nachdem Vaterabt Anselm die Resignation von Abt Johann Baptist entgegengenommen hatte, fand unter seinem Vorsitz die Wahl des neuen Abtes am 22. Juli 1670 unter Assistenz von Abt Malachias aus Aldersbach statt.

Gewählt wurde Gerard Höss (1670-1676). Er hatte bisher das Amt des Kastners inne. Der Kastner verwaltete die Einnahmen des Klosters. Er ist am 3. Oktober 1631 in München als Sohne eines Hoflakaien geboren.

Bei den Jesuiten in München und Burghausen erhielt er seine Gymnasialausbildung. Er trat in Kloster Raitenhaslach ein und legte 1654 seine Profess ab. 1653 war an der Universität Salzburg immatrikuliert.

Nach schweren Hochwasserschäden durch die Salzach ließ Abt Gerard 1670 einen neuen Damm für 4000 Dukaten errichten, das sind etwa 806.436,00 €.

Im Auftrag von Vaterabt Anselm visitierte  Abt Malachias  1674 das Kloster. Abt Gerard war da schon gesundheitlich schwer angeschlagen und ließ die Zügel schleifen.

1675 erlitt er einen Schlaganfall und war eigentlich nicht mehr in der Lage, sein Amt auszuführen. Abt Anselm setzte am 18. August 1675 den bisherigen Prior Pater Malachias Lachmayr zum Administrator ein. Gleichzeitig beauftragte er den Abt von Aldersbach

eine Neuwahl vorzubereiten, obwohl dann das Kloster nebenzwei resignierten Äbten noch einen dritten aufweise. Aber man befürchtet nach wie vor eine Übernahme der Jesuiten in Raitenhaslach.

Eben deshalb drängten auch der Generalabt in Citeaux  Jean XII. Petit (1670– 1692 ) und der Generalprokurator in Rom auf eine Neuwahl.

Die Schlaganfälle wiederholten sich und am 9. April 1676 resignierte Abt. Gerard. Er verstarb am 26. Mai 1676.

Die Neuwahl hatte am 12. April 1676 stattgefunden. Zum Nachfolger war einstimmig Malachias Lachmayr (1676-1688) gewählt worden. Er stammte aus dem Lachmairhof in Moosach, heute ein Stadtteil von München.

Bei seinem Regierungsantritt war er 41 Jahre alt. Seine Ausbildung hatte er bei den Jesuiten in München erhalten.

Mit der Urkunde 1676 10 26 bestätigte Generalabt Jean XII. Petit Abt Malachias. Die ihn ihn gesetzten Hoffnungen hat er wohl nicht erfüllt. Es gab immer wieder Klagen in Salem.

1680 hatte Abt Malachias dem Bruderhaus in Burghausen, das war eine frühe soziale Einrichtung in Burghausen, die die mittellosen Bürgern freie Unterkunft gewährte eine Brotspende gebilligt, aus der die Bewohner viermal jährlich

vom Kloster das sogenannte Knappenbrot bekamen. Diese bestand bis zur Aufhebung des Klosters.

Das Kloster wurde mehrere Male visitiert. Die Annalen lobten aber seine kluge Wirtschaftsführung. Trotz Türkensteuer, Schuldentilgung, Auslagen für Flüchtlinge aus anderen Ordenshäusern und mehrmaligen Weinbergschäden hinterließ

er bei seinem Tod 8966 Dukaten Bargeld, das sind etwa 1.807.626,00 €.

Auch fand während seiner Regierungszeit eine rege Bautätigkeit statt.Er ließ ein Atrium bei der Salzach errichten,das zum Aufenthalt für erkrankte Konventsmitglieder bestimmt war. Im Rekreationsraum wurde eine Heizung eingerichtet sowie ein Bad.

Der Abt betrieb ebenfalls eine eifrige Kunstpflege.

Der berühmteste Gast in seiner Regierungszeit war der französische Benediktiner Jean Mabillon (1632-1707). Er war Gelehrter und gilt als Begründer der Historischen Hilfswissenschaften. 1701 wurde er zu einem Gründungsmitglied der  Académie des inscriptions et belles-lettres

(Akademie der Inschriften und Literatur) ernannt. Zwischen 1682 und 1685 reiste er durch Europa, um in Archiven zu forschen und mittelalterliche Handschriften für die königliche Bibliothek, die heutige Bibliothèque nationale de France  in Paris, zu erwerben.

1683 bereiste er Deutschland und war in dieser Zeit  auch in Raitenhaslach.

Abt Malachias starb am 28. Januar 1688 an einem Schlaganfall.

Sein Nachfolger Candidus Wenzl (1688-1670) wurde am 4. März 1655 in Salzburg als Sohn eines Rosshändlers geboren. In den Salzburger Universitätsmatrikeln erscheint er 1667 Er trat in das Kloster Raitenhaslach ein und legte am 15. August 1678 seine Profess ab.

1680 wird er am Jesuitenkolleg in Ingolstadt immatrikuliert. Der Tag seiner Priesterweihe ist nicht bekannt.

1686/1687 war er Pfarrvikar in Marienberg und Präses der Rosenkranzbrüderschaft.

Am 24. März 1688 fand unter Vorsitz vom Salemer Vaterabt Emanuel Sulger (1680-1698) die Wahl zum neuen Abt statt. Ebenfalls bei der Wahl dabei war Abt Martin Dallmayr von Kloster Fürstenfeld und Abt Engelbert Fischer(1683-1705)von Kloster Aldersbach

Abt Martin war zu derzeit Generalvikar der bayrischen Ordensprovinz. Problem bei dieser Wahl war, dass alle drei Äbte gerne ein Mitglied ihres jeweiligen Konvents als Nachfolger von Abt Malachias gesehen hätte.

Abt Emanuel wollte Pater Ferdinand Holl aus Salem, der Sekretär der Oberdeutschen Kongregation war. Die kurfürstlichen Wahlkommissare wollten, dass ein Konventualer aus Raitenhaslach gewählt wurde und konnten ihren Wunsch schließlich durchsetzen.

Am 16. Mai 1688 bestätigte Generalabt Jean XII.Petit bestätigte Abt Candidus. Die Weihe fand am 1. August 1688 in Kloster Kaisheim zu Beginn des dortigen Provinzialkapitels statt.

Abt Candidus Wenzl wurde der baufreudigste Barockprälat von Kloster Raitenhaslach. Noch im Jahr seiner Wahl wandte er sich an den Geistlichen Rat in München mit der Bitte “Paumängel” im Kloster beheben zu dürfen.

Die Kirche wurde im Antrag als “Paufellig und fünster” (Süddeutscher Barock, Kloster Raitenhaslach Anmerkung 9)

Obwohl das Kloster finanziell gut dastand, dauerte es fast 2 Jahre, bis die Genehmigung aus München eintraf.

1694 begann Abt Candidus mit einem radikalen Umbau. Als Baumeister wurde Maurermeister Joseph Vilzkotter aus dem Braunauer Umland gewonnen.

Vorbild war wohl die Zisterzienserabtei Schlierbach. Sie liegt auf halber Wegstrecke zu den Raitenhaslacher Weingütern in Krems. Abt Candidus war dort 1689.

Die Schlierbacher Kirche wurde zwischen 1680 und 1683 als Wandpfeiler-Emporenkirche  von Carlo Antonio Carloni gebaut. Der Abt kannte sicher auch die Wandpfeilerkirchen von Traunstein (165-1690) und Weyarn (1687-1693), die

Lorenzo Sciascia erbaut hatte.

Joseph Vilskotter war ein offensichtlich im Gewölbebau erfahrener Meister. Er brach das omanische Langhaus mit seinen Gewölben und Pfeilern bis auf die Seitenschiffwände ab. An seine Stelle baute er eine Wandpfeilerhalle  mit sechs Jochen.

Den Hochaltar verlegte er in das Joch vor dem romanischen Chor. Der alte Chor und die Apsiden blieben bestehen, wurden aber zum «Oberen Chor» und zur Sakristei unterteilt. Vilzkotter mustes die Aussenmauern der Seitenschiffe um fünf Meter erhöhen. Die Erhöhung bedingte

auch eine Neugestaltung der Kirchenfront.Diese betonte er mit zwei aufgesetzten kleinen Türmen.

1696 konnte der Abt sie “mit gewöhnlichen Zeremonien reconsecrieren” (Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach S. 321)

Nicht nur die Bautätigkeit ist hervorzuheben. Kirchliche Feste wurden groß gefeiert. Anlass war zum Beispiel die 600-jährige Wiederkehr der Gründung der Mutterabtei Citeaux im Jahre 1698.

Das wurde mit einer Oktav begangen.  Täglich zelebrierte  ein anderer Prälat aus einem benachbarten Kloster das Hochamt. Höhepunkt war die Überführung der Leiber von drei römischen Katakombenheiligen.

Auch die Ausstattung der Kirche war zum Jubeljahr fertig geworden.

Abt Candidus war der erste und einzige Abt von Raitenhaslach, der Generalvikar der Bayrischen Ordensprovinz wurde. 1690 wurde er zum Nachfolger von Abt Martin Dallmayr aus Fürstenfeld bestimmt, der dieses Amt von 1685-1689 innehatte.

Er visitierte fast alle bayrischen Ordenshäuser.

1696 leitete er die Abtswahl in Kloster Kaisheim, in der Judas Thaddäus Mayr (1696–1698).Er weihte den neugewählten Abt mit Vollmacht des Generalabtes Nicolas III. Larcher ( 1692–1712 ) auch.

Da Abt Judas Thaddäus nach nur zwei Jahren Regierungszeit verstarb, war in Kaisheim schon 1698 wieder eine Wahl fällig, die ebenfalls Abt Candidus leitete. In dieser Wahl wurde Roger I. Röls (1698-1723)als neuer Abt von Kaisheim gewählt und auch von Candidus benediziert.

Mit Sonderauftrag visitierte er 1699 auch Kloster Stams in Tirol. Das Kloster und die Kirche hatten 1689 bei einem Erdbeben erhebliche Schäden erlitten.Der dortige Abt Edmund Zoz(1690-1699) ließ einen Neubau in barockem Stil ausführen, der allerdings erhebliche

Mittel verschlang. Abt Edmund wurde 1699 zur Resignation gezwungen. Er wählte dann Kloster Raitenhaslach als Aufenthaltsort, musste aber 1701 nach Stams zurückkehren, weil er vom bayrischen Kurfürsten Maximilian II. Emanuel (1679-1726) nicht in Bayern geduldet wurde.

Abt Candidus war auch ein Förderer der Wissenschaften. Für die Bibliothek kaufte er wertvolle Bücher an.

Für die “Historia Salisburgensis” des Priors der Abtei St. Peter in Salzburg liefert Abt Candidus auf Bitten des dortigen Konsistoriums entsprechende Unterlagen.

Innerhalb seines eigenen Konvents hatte der Abt aber eine starke Gegnerschaft. Man klagte über seine Selbstherrlichkeit, nicht zuletzt bei seinen Bauvorhaben über seine schnelle Erregbarkeit und seine Härte bei Bestrafungen.

Sowohl der Konvent als auch der Abt baten den Salemer Vaterabt Stefan I. Jung (1698-1725) um eine Visitation. Er kam am 15. Mai 1700 nach Raitenhaslach, was der Geistliche Rat in München nur mit Bedenken hinnahm, denn der Salemer Abt war ja ein ausländischer Prälat.

Abt Candidus resignierte. Der Geistliche Rat zweifelte die Freiwilligkeit der Resignation an und forderte von der Regierung in Burghausen einen Bericht an.

Abt Candidus gab dazu eine eigene Erklärung ab. Der ausbedungene Austrag wurde vom Geistlichen Rat genehmigt.

Mit seinem Nachfolger kam es aber in der Folgezeit zu unguten Auseinandersetzungen.

Der eremitierte Abt wurde am 17. Februar 1717 tot in seinem Bett aufgefunden. Er hatte an katharischen Beschwerden gelitten

Die Neuwahl fand am 3. Juni 1700 unter Vorsitz des Salemer Abtes Stefan und unter Assistenz der Äbte Engelbert Fischer (1683-1705) von Kloster Aldersbach und Abundus Arleth (1700-1707) von Kloster Fürstenzell statt.

Gewählt wurde Emanuel I. Scholz (1700-1733)

Er wurde 1669 als Sohn des kurfürstlichen Peter Scholz in München geboren.

1686 absolvierte er das Jesuitengymnasium. Er trat in Kloster Raitenhaslach ein und legte am 27. November 1688 seine Profess ab.

1689 und 1695 war er an der Universität Ingolstadt immatrikuliert.

1699 war er Vikar an der Wallfahrtskirche Margarethenberg.

Die Wahl am 3. Juni 1700 wurde schon im Juli 1700 durch Generalabt Nicolas III. Larcher bestätigt. 1700 07 20

Es dauerte allerdings bis Es dauerte allerdings bis Herbst 1701, bis er zusammen mit den Abt Abundus I von Fürstenzell  von Vaterabt Stefan I. in Raitenhaslach benediziert wurde.

1704 wurde er Landsteuerer für Oberbayern. Außerdem bekleidete er die Würde eines päpstlichen Notars, was ihn befugte, ein Notariatssignet zu führen.

Seine Amtszeit war wenig glücklich. In seine ersten Regierungsjahre fiel der Spanische Erbfolgekrieg 1701-1714.

Der Spanische Erbfolgekrieg war eine dynastische Auseinandersetzung zwischen dem Hause Bourbon und Habsburg.

Der letzte Habsburger auf dem spanischen Thron Karl II. (1665-1700) war kinderlos- Als Erben kamen nur Philipp von Anjou, Enkel von Frankreichs König Ludwig XIV. und Erzherzog Karl von Österreich, Sohn von Kaiser Leopold in Frage.

Philipp war auch der Enkel von Maria Teresa von Spanien, woraus sich seine Erbansprüche ableiteten.  Es ging auch um das Mächtegleichgewicht in Europa.

Als Karl II. kinderlos starb, nahm Ludwig XIV. für seinen Enkel Philipp von Anjou das spanische Erbe an, nachdem kurz vor seinem Tod Karl II. testamentarisch Philipp von Anjou zum Erben der gesamten spanischen Monarchie eingesetzt hatte.

Der Kaiserhof in Wien entschloss sich, das Testament nicht uneingeschränkt anzuerkennen. Die Kämpfe brachen dann in Oberitalien aus.

Für Kloster Raitenhaslach wurde die Situation noch schwieriger durch die Position des Kurfürsten  Max Emanuel II. dieser hatte sich nämlich mit König Ludwig XIV. verbündet und kehrte damit der großen Allianz – bestehend aus den Niederlanden, Österreich und Großbritannien – den Rücken zu.

Im September 1702 überfiel er mit seinem Heer die Reichsstadt Ulm und kämpfte damit auch gegen das Reich. In der Folge besetzten kaiserliche Truppen Bayern.

Zwar hatte Kloster Raitenhaslach von Kaiser Leopold I. (1658-1705) eine Salva Guardia erhalten, das ist ein Schutzbrief des Kaisers durch den der Empfänger mit  seiner ganzen Habe in des Kaisers und des Reichs besonderen Schutz und Schirm genommen wurde.

Außerdem wurde das Kloster ermächtigt, zum Zeichen des kaiserlichen Schutzes den kaiserlichen Adler anzuschlagen.1703 03 11 Das bewahrte das Kloster aber nicht vor Kontributionen und Einquartierungslasten.

Am 29. Juli 1704 war ein österreichisches Lager vor Raitenhaslach.

Dazu kam, dass Raitenhaslach auch Zuflucht für viele vor dem Feind geflohene Ordensangehörige wurde.

Bei der 2. Schlacht von Höchstädt am 17. August 1704 wurde die bayrische Armee nahezu vernichtet. Max Emanuel ging ins Exil. Bayern wurde von Österreich besetzt.

Die Klostergüter in Österreich und Tirol wurden sequestriert.

Der Abt hatte während seiner ganzen Regierungszeit immer wieder Probleme mit seinem Konvent. Besonders schwierig war das Verhältnis mit seinem Vorgänger.

Das Kloster wurde mehrfach visitiert, aber praktisch immer ohne Folgen. 1709 setzte der Vaterabt einen Prior und einen Subprior in Raitenhaslach ein.

Probleme bereitete dem Abt auch das Auftreten einer “Seelenbetrügerin” in Burgkirchen an der Alz, bei dem der Abt eine wenige glückliche Rolle spielte.

Im Juni 1733 erlitt Abt Emanuel einen Schlaganfall und resignierte am 29. Juni 1733. Er verstarb am 15. Dezember 1733.

Am 6. Juli 1733 fand unter der Leitung von Vaterabt Konstantin Miller (1725–1745) und unter Assistenz der Äbte Theobald I. (1705-1734) und Stephan III. (1727-1761) statt.

Gewählt wurde Kilian Waltenberger (1733-1734). Er stammte aus Mühldorf am Inn und ist am 13. Juli 1679 geboren. Am 2. Juli 1699 legte er in Raitenhaslach die Profess ab.

Am 30.September 1703 wurde er in Salzburg zum Priester geweiht. 1709 war er Küchenmeister,und im selben Jahr Vikar in Burgkirchen an der Alz. Ab 1723 war er  Pfarrvikar von Marienberg und Präses der dortigen Rosenkranzbrüderschaft.

Die Bestätigung durch Generalabt Nicolas III. Larcher  erfolgte am 31. August 1733. Abt Theobald von Kloster Aldersbach weihte ihn als Generalvikar von Bayern  im September 1733 in Kaisheim im Anschluss an das dort stattfindende Provinzialkapitel.

Abt Kilian regierte nicht einmal 15 Monate. Er starb am 3. Oktober 1734 an Asthma und Herzwassersucht.

Sein Nachfolger wurde Robert Pendtner. (1734-1756) Sein Vater ist der Feldwebel Christoph Pendtner in Diensten des Erzbischofs von Salzburg.

Auf einem Soldatenmarsch, bei dem auch seine Mutter dabei war, wurde er in Schussenried geboren. Sein Taufeintrag ist jedoch im Dompfarramt in Salzburg.

Dort wuchs der Junge auch auf.

Auf einer Wallfahrt nach Altötting brach er sich 1719 bei einem Sturz aus einer Kutsche das Schienbein. Man ließ ihn in Kloster Raitenhaslach zurück.

Ein Jahr später bat er um Aufnahme ins Kloster Raitenhaslach. Dort legte er am 29. September 1721 seine Profess ab.

Am 30. September 1725 feierte er seine Primiz. 1731/1732 war er Kooperator, das ist der Pfarrvikar, in Niederbergkirchen.

Bei seiner Wahl bekleidete Robert das Amt des Küchenmeisters.

Durch den Tod von Abt Kilian war eine Wahl notwendig geworden, die am 8. November 1734 stattfand. Abt Paulus Genzger (1734-1745) von Kloster Aldersbach leitete die Wahl in Vertretung des erkrankten Vaterabtes von Salem Konstantin.

Ihm assistierten Abt Stephan von Fürstenzell sowie Abt Gregor Kirmayr (1721-1764) von St. Veit in Neumarkt. Er war Benediktinerabt.

Die Bestätigung durch Generalabt Andoche Pernot des Crots (1727– 1748 ) erfolgte einen Monat später. 1734 12 13

Die Weihe erfolgte an Maria Lichtmess 1735 durch Abt Eugen Schmid (1724-1744), der damals Generalvikar der Bayrischen Ordensprovinz war.

Drei Jahre nach seiner Wahl begann er mit der völligen Neugestaltung der   1696 geweihten Klosterkirche. Wahrscheinlich war er selbst an der Planung beteiligt. Er war wohl in der Baukunst erfahren, wie Zeitgenossen berichten.

Er zeichnet selbst und ist in der Kartographie bewandert Der Entwurf zum Heiligen Grab im Vorraum der Klosterkirche stammte von ihm.

Die Fresken in der Kirche stammen von Johann Zick. Möglicherweise hat dieser auch die Gesamtleitung für die Arbeiten in der Klosterkirche.

Johann Zick (1702-1761)ist am 10. Januar 1702 in Lachen im heutigen Landkreis Unterallgäu geboren. Lachen ist etwa 10 Kilometer von der damaligen Reichsstadt Memmingen und gehörte bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 zum Fürststift Kempten.

1721-24 machte er eine Ausbildung bei Jacob Carl Stauder, der 1721 in Ottobeuren tätig war. Die Technik des “fresco buono” erlernte er bei bei  dem Venezianer Jacopo Amigoni, der von 1719-1728 in Deutschland tätig war, vor allem in München aber auch in Ottobeuren.

Johann Zick war seit 1732 Hofmaler des Johann Theodor von Bayern wird. Dieser ist Fürstbischof von Regensburg , später noch zusätzlich von Freising und Lüttich. Ab 1746 wird er Kardinal.

In Raitenhaslach versieht Johann Zick die Klosterkirche mit Fresken aus dem Leben des Heiligen Bernhard. Er malt in Raitenhaslach auch die Altarblätter vom Hauptaltar mit Mariä Himmelfahrt und dem Benediktsaltar.

Zwar fand 1741-1748 der österreichische Erbfolgekrieg statt, der Raitenhaslach wieder schwer in Mitleidenschaft zog. In dem Krieg ging es zunächst mal um die “Pragmatische Sanktion”, die im April 1713 von Kaiser Karl VI. (1711-1740) veröffentlicht worden war.

Sie legte die Unteilbarkeit und Untrennbarkeit aller habsburgischen Erbkönigreiche und Länder fest und sah zu diesem Zweck auch eine einheitliche Erbfolgeordnung vor. Bei einem Aussterben im Mannesstamm sah sie eine weibliche Erbfolge war.

Der bayrische Kurfürst Karl Albrecht von Bayern (und von 1742-1745 auch deutscher Kaiser) erkannte die pragmatische Sanktion nicht mehr an und legte 1732 und legte mit der Wittelsbachischen Kurpfalz und Kursachsen dagegen Protest ein.

Als 1740 Karls VI 1740 ohne Sohn verstarb, sollte sein einziges Kind Maria Theresia Nachfolgerin werden, allerdings nur in den habsburgischen Landen, da die Pragmatische Sanktion nur dort galt.

1740/41 hatte der preussische König Friedrich II. (1740-1786) das bisher österreichische Schlesien erobert. 1741 schloss Karl Albrecht ein Bündnis mit Spanien und Preussen und kurze Zeit späte mit Frankreich.

Im September 1741 besetzte Karl Albrecht mit seinen bayrischen Truppen Passau und die Veste Oberhaus und marschierte von dort über das bayrische Innviertel  in Oberösterreich ein. Er konnte sich dort aber nicht halten. Im Januar 1741 nahmen die Österreich Passa und die Veste Oberhaus ein. Im Februar musste sich Braunau ergeben. Dann wurde Burghausen eingenommen. Das Pandurenregiment von Franz Freiherr von der Trenck (1711-1749) war in Bayern eingefallen, brandschatzte und trieb Kontributionen ein.

Freund und Fein bezogen Quartier in Kloster Raitenhaslach. Kontributionen wurden erhoben. Die zum Kloster gehörende Kirche St. Radegund wurde von den Panduren geplündert.

Im November 1744 war Raitenhaslach Aufmarschgebiet der bayrischen Truppen unter Prinz Ludwig Friedrich von Sachsen-Hildburghausen (1710-1759).

Im Oktober 1743 konnte die 600-Jahrfeier zur Klostergründung nur mit einem Triduum gefeiert werden.

Trotz all dieser Schwierigkeiten wahrte Abt Robert Normalität.

Im Oktober 1743 hatte er der nunmehrigen Landesfürstin Maria Theresia den Treueid geleistet. Daraufhin wurde die Sequestration für die in Österreich gelegenen Güter des Klosters aufgehoben werden.

Das Kloster konnte nun wieder ungehindert Weinlesen und keltern und auch nach Bayern ausführen. 1743 10 18

1743 ließ er die Emporenorgel umbauen. Das Orgelwerk von 1697 blieb bestehen, wurde aber erweitert. Die Orgel wurde mit einem neuen, nun zur Spätbarock passenden Prospekt versehen.

1749 begann Abt Robert mit der Neugestaltung der Klosteranlage. Ein aus zweigeschossigen Arkaden-Terrassen gebildeter  u-förmiger Kirchhof wurde vor die Kirchenwestfront gelegt.

Zwei Pavillongebäude bildeten den symmetrischen Hofabschluss.

Wahrscheinlich nach Plänen von Abt Robert wurde auch die Kirchenfront neu gestaltet. Die beiden Kirchtürme wichen einem einzigen Mittelturm.

Mit dem Bau des Kirchhofes wurde auch der sogenannte Prälatenstock begonnen, dessen Fertigstellung Abt Robert allerdings nicht mehr erlebt.

Mit dem Bau hatte er  den Trostberger Baumeister Franz Alois Mayr (1723-1771) und Schüler des Münchner Hofbaumeisters Johann Baptist Gunetzrhainer und dessen Bruders Ignaz Anton Gunetzrhainer beauftragt.

Abt Robert vermehrte auch den Kirchenschatz und die Paramentenkammer.

1742 erwarb er aus Rom die Relqien der heiligen Olympia.

Die Annalen des Klosterchronisten Conrad Tachler von 1612/13 ließ er durch P. Sebastian Feller ergänzen und fortführen.

Auch andere Kirchen wurden von dem kunstliebenden Prälaten bedacht. Die Kapelle in Krems wurde 1747-54 auf Veranlassung von Abt Robert verschönert und erhielt einen neuen Turm.

1751 wurde die Kirche von Margarethenberg barock umgestaltet. Hochaltarblatt und Deckengemälde wurden von Johann Baptist Zimmermann (1680-1758), dem älteren Bruder von Dominikus angefertigt.

Die Kirche von Niederbergkirchen wurde 1751 von Franz Alois Mayr umgebaut und innen mit Rokokozier ausgestattet, die vonden ebenfalls im Kloster tätigen Maler Johann Rabensteiner und Bildhauer

Johann Georg Kapfer stammte.

Auch das Kirchlein von Oberhofen wurde ebenfalls durch den Baumeister Franz Alois Mayr neugestaltet.

Das Kirchlein von St.Radegund erhielt unter Abt Robert ebenfalls eine neue Ausstattung.

Die vielen Bauvorhaben, Verschönerungen und Anschaffungen fanden keineswegs den ungeteilten Beifall des Konvents.

Aber Abt Robert hatte volle Rückendeckung durch die Vateräbte Stephan II. Enroth (1745–1746)  und Anselm II. Schwab (1746-1778), die ja mit dem Beschluss und Bau der Wallfahrtskirche Birnau

ebenfalls ihre Baufreude unter Beweis gestellt hatten.

Abt Robert war zwar sehr prunkliebend, in seinem eigenen Lebensstil aber einfach und von tiefer Frömmigkeit.

Im September 1754 und im Juli 1755 erlitt er einen Schlaganfall. Die Schlaganfälle hinderten ihn aber nicht an der Ausübung seiner Amtsgeschäfte. Der Chronist vermerkt, dass sich Abt Robert bis zum Schluss

mit Planen und Bauen beschäftigt habe.

Er verstarb am 28. Februar 1756.

Abt Anselm II. von Salem setzte den Termin für die Neuwahl auf den 23. März 1756 fest. Die bayrische Regierung genehmigte den Termin am 20. März 1756.

Den Wahlvorsitz führte der Vaterabt unter Assistenz von Abt Theobald II. (1745-1779) von Aldersbach der Generalvikar für Bayern war.

Im 2. Wahlgang wurde Abundus Tschan (1756-1759) mit 16 von 24 Stimmen als neuer Abt gewählt. Generalabt François Trouvé ( 1748– 1797 ) bestätigte die Wahl im April 1756. 1756 04 10.

Bei seiner Wahl war er Pfarrvikar in Niederbergkirchen.

Abt Abundus ist der einzige Abt, der aus Raitenhaslach stammt. Dort wurde er am 20. Oktober 1711 als Sohn des Klosterbaders Andreas Tschan geboren.

Er absolvierte seine Gymnasialzeit bei den Jesuiten in Burghausen.

1729 trat er ins Kloster Raitenhaslach ein. Am 8. Dezember 1730 legte er seine Profess ab. Bei der Abtswahl von 1733 war er Subdiakon und bei der von 1734 Diakon.

Im November 1734 immatrikulierte er sich an der Universität Salzburg. Im November 1737 wurde er zum Priester geweiht. 1742 war er Subprior und 1747 wurde er zum Prior ernannt.

Ein Bruder des Abtes war als P. Kasimir Angehöriger des Augustinerklosters in Tittmoning.

In der Pfortenkapelle von Raitenhaslach ließ Abt Abundus drei neue Altäre und ein neues Gestühl errichten.

Abt Abundus regierte nur knapp drei Jahre. Überschattet wurde seine Regierung durch die Ermordung des Priors P. Georg Dunkel im Kreuzgang des Klosters am 4. Dezember 1758.

Die näheren Umstände der Mordtat blieben ungeklärt.

Im Januar 1729 wurde er zum Prälatensteuerer ernannt. Auf der Rückkehr von der 1. Sitzung in München erlitt er in Mettenham bei Mühldorf einen Schlaganfall, an dem er am 19. Januar 1759 im

nahen Klosterpfarrhof von Niederbergkirchen verstarb.

Die Wahl des neuen Abtes fand am 8. März 1759 statt und wurde vom Salemer Vaterabt  Anselm geleitet, obwohl auf Ansuchen des Geistlichen Rates in München bei Generalabt Francois Trouvé dieser

damit den Abt von Aldersbach beauftragt hatte. Darüber hatte es Auseinandersetzungen gegeben. Aber der diplomatisch kluge Salemer Abt konnte die Wogen glätten.

Auch hatte der bayrische Kurfürst über die Wahlkommissare den Wunsch vorgebracht, es möge ein Landeskind zum Abt von Raitenhaslach gewählt werden.

Gewählt wurde Emanuel II. Mayr (1759-1780). In der Urkunde 1760 03 08 von Abt Anselm sind alle Wahlteilnehmer auch mit ihren Ämtern aufgelistet.

Emanuel war in Dillingen geboren und das gehörte zum Hochstift Augsburg. Emmanuel galt also als Ausländer. Aber er war bei seinem Paten in Moosbach aufgewachsen und man betrachtete

ihn als “naturalisierten” Bayern.

Abt Emanuel wurde am 7. Dezember 1717 in Dillingen als Sohn der Taglöhnereheleute Andreas und Anastasia Mayr geboren. Er wuchs aber bei seinem Paten Felix Baron von Burgau auf, der

Pfarrer in Mooskirchen war. Er besuchte das Jesuitengymnasium in Burghausen. Am 8. Dezember 1739 trat er in das Kloster Raitenhaslach ein. Ein Jahr später legte er seine Profess ab.

Am 23. November 1743 immatrikulierte er sich an der Universität Salzburg. Am 21. Januar 1745 wurde er zum Priester geweiht.

Im Kloster war er zunächst als Archivar und Bibliothekar tätig. Außerdem hatte ihn  Abt Robert mit der Fortführung der Annalen beauftragt. Von 1751-1755 war er Cellerar. Danach war er Subprior, Novizenmeister und Konventsbeichtvater.

Im Dezember 1758 wurde er zum Prior bestellt und Nachfolger des ermordeten Priors P. Georg Dunkel. Das war er dann auch bei seiner Abtswahl.

Sein Oboedienzversprechen leistete er sowohl dem Generalabt als auch den Äbten von Salem und Aldersbach.

Generalabt Francois Trouvé bestätigte die Wahl im April 1759 (1759 04 02)

Abt Theobald von Aldersbach benedizierte ihn unter Assistenz des Abtes von Seeon Benedikt II. Reicherseder (1753-1760) und des Propstes des Chorherrenstiftes Ranshofen Ubald (1749-1766)

Der Rokokoprälat wurde einer der bedeutendsten Prälaten seiner Zeit. Er Bauherr, Förderer der Wissenschaften und Ehrenmitglied der von Kurfürst Maximilian III. Joseph (1745-1777) gegründeten kurfürstlichen Akademie der Wissenschaften

und auch Politiker. Er war Mitglied der Ständeversammlung, seit 1760 Prälatensteuerer und seit 1762 Provinzialsteuerer.

Als Bauherr setzte er die von Abt Robert geplanten und von Abt Abundus begonnenen Baumassnahmen mit der Fertigstellung des Innenausbaus fort und vollendete sie.

Mit dem Baumeister Franz Alois Mayr setzte er mit dem Neubau des Festsaaltraktes die Erweiterungen fort. Im Muldengewölbe malte Johann Martin Heigl das große Fresko mit einer Darstellung menschlicher Arbeit  zur Kultivierung des Landes.

Johann Marin Heigl (um 1730-1794) war ein Gehilfe und Mitarbeiter von Johann Baptist Zimmermann.

Er hatte schon 1763 mit der Ausmalung der Wallfahrtskirche Marienberg begonnen. Das mariologische Programm zur Wallfahrtskirche entwickelte Abt Emanuel selbst.

Der Neubau Wallfahrtskirche Marienberg machte Abt Emanuel zum eigentlichen Rokokoprälaten.

Mit dem Neubau des Refektoriums und der Bibliothek schloss er den südlichen Gebäudekomplex und schloss noch das “Gartenstöckl”, die südliche Verlängerung des Westflügels an.

1772 begann er mit den Ökonomiegebäuden als Südabschluss des Klosterhofes und 1777 –1780 baute er den östlichen und südlichen Konventflügel neu.

Nicht nur Baulust und Prunkliebe veranlassten diese große Bautätigkeit. Am 5. August 1766 stürzte der Konventstrakt samt Klausurmauer 300 Schritt ab und machten einen Neubau

erforderlich.

Neben Bauten in Raitenhaslach und Marienberg erfolgten noch Umgestaltungen in Kirchisen, Wald an der Alz, Burgkirchen und Gumattenkirchen.

Diese Bautätigkeit hatte natürlich ihren Preis. Die Schulden der Abtei stiegen rasant und hatten beim Tode Abt Emanuels 54.000 Gulden erreicht, das sind etwa 10.894.526,00 €

Kloster Raitenhaslach war damit aber nicht allein. Alle bayrischen Zisterzen waren um 1780 herum hochverschuldet.

Das Kurfürstentum hatte immer noch über 9 Millionen Gulden Schulden und war eigentlich bankrott. Kurfürst  Maximilian III.Joseph ließ keine Gelegenheit aus, die Klosterfinanzen zu schröpfen.

Schon 1764 hatte ein stetiger Finanztransfer zum hochverschuldeten bayrischen Staat begonnen, der bis zur Säkularisation anhielt.

Als Abt war Emanuel sehr erfolgreich. In seiner Regierungszeit gab es 26 Professen und bei seinem Tod hatte sich der Personalstand von 29 auf 38 Konventsmitglieder erhöht.

Er hatte ein gutes Verhältnis zum Salzburger Erzbischof Sigismund Graf von Schrattenberg. (1753-1771) Dieser weilte mehrere Male in Raitenhaslach und weihte 1762 die Abteikapelle und 1765

die Wallfahrtskirche Marienberg. (1762 10 22 und 1765 05 10) Die Weihe war ein großes Fest, bei “dem ein solcher Prunk entfaltet ward, wie Raitenhaslach und Marienberg wohl noch nie gesehen hatte und auch kaum mehr sehen wird”

(Kalender für katholische Christen auf das Jahr 1866, Sulzbach 1866. S. 67)

1761 und 1762 ließ Abt Emanuel zwei weitere Katakombenheilige aus Rom nach Raitenhaslach bringen.

Abt Emanuel war wohl der einzige Abt von Raitenhaslach, der sich ein Kupferportrait anfertigen und eine Silbermedaille schlagen ließ

Abt Emanuel verstarb am 20. Juli 1780.

Sein Herz ruht in der von ihm errichteten Wallfahrtskirche von Marienberg.

Kurz vor dem Tod von Abt Emmanuel hatte der Bayrische Erbfolgekrieg (Juli 1788-Mai 1779) stattgefunden. Er endete mit dem Frieden von Teschen am 13. Mai 1779. Der Bayrische Kurfürst Karl Theodor (bayrischer Kurfürst von 1777-1799)

hatte in diesem Friedensvertrag die östlich des Inns und Salzach gelegenen Gebiete des Rentamtes Burghausen abgetreten. Kloster Raitenhaslach verlor damit Einnahmen und erst Abt Emanuels Nachfolger Theobald konnte 1791 eine Übereinkunft mit

Wien mit Vorteilen für das Kloster erzielen.

Die Wahl des Nachfolgers von Abt Emanuel II. fand am 27.November 1780 unter Leitung des Salemer Vaterabts Robert Schlecht (1778-1802) statt. Er hatte von Generalabt Francois Trouvé auch die Vollmacht erhalten, den neuen Abt zu benedizieren.

Deshalb blieb der Generalvikar für Bayern, Abt Otto Doringer (1779-1797), der die Vornahme der Weihe für sich beanspruchte, dieser Wahl auch fern. Erstmals in der Geschichte von Raitenhaslach  hatten kurfürstliche Kommissare am Scrutinium, dem eigentlichen Wahlakt teilgenommen.

Gewählt wurde im 2. Wahlgang Abt Theobald Weißenbach (1780-1792). Sein Vater war der bürgerliche Bierbrauer Jakob Weißenbach aus Wemding im Ries.

Die Familie war vermögend und so konnte der Sohn am Jesuitengymnasium in Neuburg an der Donau seine Schulausbildung absolvieren und anschließend an der Jesuitenuniversität in Ingolstadt studieren.

1756 trat er in das Kloster Raitenhaslach ein. Dort legte er 1759 seine Profess ab. Im gleichen Jahr immatrikulierte er sich an der Universität Salzburg.

1761 promovierte er zum Doktor der Theologie und 1762 zum Priester geweiht. Dann unterrichtete er an der Hauslehranstalt in Raitenhaslach. Daneben  bekleidete er  verschiedene Klosterämter. Er war erst Küchen-und Kellermeister und

dann Subprior. Danach war er in der Seelsorge tätig, zuerst als Vikar in Gumattenkirchen und ab 1775 in Halsbach.

Abt Theobald ist durch die Aufklärung geprägt. Er hatte aber auch die zunehmenden Repressionen des Kurfürsten gegen die landständischen Klöster erlebt.

1773 wurde der Jesuitenorden aufgehoben. Für Bayern bedeutete das, dessen Schulen durch die alten Klöster weiter betrieben werden mussten. Kloster Raitenhaslach hatte das

Jesuitengymnasium in Burghausen zu übernehmen. Abt Theobald wurde 1781 in das neugebildete General-Schulen-Directorium berufen. Er musste deshalb oft nach München.

Dazu kam die Zugehörigkeit des Prälaten zur Landschaftsversammlung.

Abt Theobald förderte vor allem die Naturwissenschaften an seinem Kloster. Er ließ ein mathematisches Museum einrichten.

1781 reiste er nach Salem, um dort beim Mutterabt Robert ein Darlehen über 30.000 Gulden, das sind  etwa 6.045.087,00 € ,aufzunehmen.

Damit wurde der neue Bibliotheksaal in Verlängerung des alten Nordflügels erbaut. Auch wurde die Bibliothek bereichert. Die Ausgestaltung des Bibliotheksaals übernahm

Januarius Zick (1730- 1797), der Sohn von Johannes Zick, der ja die Fresken in der Klosterkirche gestaltet hatte.

Diese Bauten kamen beim Konvent und späteren Kritikern wegen der Kosten schlecht an. Die Kritik ist aber nicht ganz berechtigt, denn diesen Schulden stand ein große Aktivbestände bei Untertanen und vor allem bei der

Bayrischen Landschaft gegenüber.

1801 inventarisierte die kurfürstliche Kommission das Kloster und stellte dabei nebst einem Gesamtvermögen von rund 253 000 Gulden ein Aktivsaldo von 50 782 Gulden fest.

Auch ein Zeichen der Aufklärung, Abt Theobald machte sich um die Einführung von Blitzableitern in der Umgebung des Klosters verdient.

Zwei Konventsmitglieder schickte er auf die Hohe Kameralschule nach Kaiserslautern. Diese wurde 1774 in Kaiserslautern gegründet. Dort wurde praxisnah Wirtschaftswissenschaft gelehrt.

Kameralistik wurde bis dahin nur an den Universitäten in Halle und Frankfurt/Oder gelehrt.

Der oben erwähnte Friede von Teschen hatte dem Kloster finanziell schwere Zeiten bereitet, da durch die Abtretung des Innviertels dem Kloster namhafte Einkünfte entgingen. Abt Theobald versuchte,

der Finanznot mit verschiedenen Mitteln zu begegnen. Er bemühte sich um die Inkorpierung verschiedener Pfarreien, unter anderem Burghausen, dies allerdings erfolglos.

Schließlich reiste er 1790 an den Kaiserhof nach Wien, um dort die Freigabe beschlagnahmter Einkünfte zu erreichen. Das bedingte allerdings eine monatelange Abwesenheit von Raitenhaslach und entfremdete ihn von

seinem Konvent und das bei einem ohnehin angespannten Verhältnis. Die Verhandlungen zogen sich sehr lange hin und wurden vom Abt mit “tarditas” charakterisiert, also mit Langsamkeit, wie er in einem Brief an den Vaterabt mitteilte.

(Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach S. 337, Anmerkung 11)

Am 29. November 1791 hatte er endlich ein Abkommen erreicht. Allerdings waren seine Kräfte am Erliegen. Er starb am 30. Juni 1792 im Dominikanerkloster in Wien, wo er untergekommen war.

Er ist auf dem Dorffriedhof von Penzing bestattet.

Die Wahl des neuen Abtes fand am 22. August 1792 unter Vorsitz des Salemer Vaterabtes Robert statt. Den Wahltermin hatte der Geistliche Rat in München festgelegt. Auch bei dieser Wahl nahmen die kurfürstlichen Kommissare am Scrutinium teil.

Gewählt wurde Eugen III. Rund (1792-1801.) Abt Robert hatte von Generalabt Francois Trouvé die Vollmacht erhalten, den neuen Abt zu bestätigen.  1792 08 24 Die Weihe übertrug er dem Aldersbacher Abt Otto. Zwei Tage später weihte Abt Otto Eugen

als neuen Abt unter Assistenz des Asbacher Abtes Amandus Arnold (1787-1803) und dem Propst Franz I. Krump (1790-1801) von Kloster Baumburg.

Eugen wurde  am 17. Januar 1744 in Geisenhausen im Landkreis Landshut geboren. Sein Vater  war Pfleg-und Kastenamtsverweser. Eugen besuchte das Jesuitengymnasium in Landshut. Danach studierte er die Humaniora und Philosophie in Regensburg.

Am 8. September 1765 legte er in Raitenhaslach seine Profess ab. 1769 mwar er zum Studium der Theologie an der Universität Salzburg immatrikuliert. Der Salzburger Erzbischof Siegmund Graf von Schrattenbach (1753-1771) weihte ihn am 10. August 1769

zum Priester.

1771 wurde er in Raitenhaslach Chor-und Seminardirektor. 1774 war er Cellerar. Ab 1779 lehrte er an der Hauslehranstalt Moral-und Patoraltheologie.

1784 wurde er erneut Cellerar und zugleich Kastner.

1788 übertrug ihm Abt Theobald das Amt des Priors und zugleich Novizenmeisters.

Ein Jahr nach seiner Wahl zum Abt wurde er Prälatensteuerer für das Rentamt Burghausen.

Drei Jahre vor seiner Wahl zum Abt war 1789 in Frankreich die Revolution ausgebrochen,die dann sowohl auf Kloster Raitenhaslach als auch auf den Ziesterzienserorden erhebliche Auswirkungen hatte.

In Frankreich wurden am 13. Februar 1790 die Klöster aufgehoben. Die Abtei Citeaux wurde enteignet und 1791 an Spekulanten verkauft. Generalabt Francois Trouvé hatte sich bei der Aufhebung des Klosters zu

Verwandten nach Vosne in der Nähe von Dijon begeben. Dort verstarb er am 25. April 1797 über 85-jährig.

Nach Deutschland kamen immer mehr französische Emigrantenpriester. Diese wurden von den Behörden den Klöstern zugewiesen. 1794 erhielt Kloster Raitenhaslach die Zuweisung eines Emigrantenpriesters, obwohl Eugen am 25. Februar 1794

den Geistlichen Rat in München gebeten hatte, auf die Zuweisung zu verzichten, da es schon einen Jesuiten, sowie zwei Titulanten zu versorgen habe.  Das Kloster hatte aber in der Folgezeit immer wieder Emigrantenpriester aufzunehmen.

Bei dem Jesuiten handelte es sich um den Jesuiten Professor Dr. Johann Evangelist Helfenzrieder vom ehemaligen Jesuitenkolleg Burghausen.

1799 musste Abt Eugen Klostersilber  für 9000 Gulden verkaufen.

Am 3. Dezember 1800 fand die Schlacht von Hohenlinden statt. Nach dem Sieg der Franzosen unter General Moreau kam es zum Franzoseneinfall auch in der Gegend von Raitenhaslach. Abt Eugen musste sich in Burghausen verstecken.

Die Klosterpfarrhöfe in Halsbach und Niederbergkirchen wurden geplündert.

Abt Eugen verstarb am 19. August 1801 an Abzehrung. (Die Zisterzienserabtei Raitenhaslach S.339)

Am  2. September 1801 mussten auf Befehl des Geistlichen Rats in München 2 Administratoren für das Kloster gewählt werden.

Der bisherige Prior Guido Wichtl und der Kastner Edmund Stöckl wurden zu Adminstratoren bestimmt. Der Geistliche Rat erteilte dieser Wahl seine Zustimmung.

Abt Urban (1797-1803) von Kloster Aldersbach zeigte dem Geistlichen Rat am 11. September 1801 an, dass er vom Salemer Vaterabt Robert mit der Durchführung der Wahl sowie der Benediktion beauftragt

worden war. Auch damit zeigte sich der Rat einverstanden.

Die Wahl fand am 1. Oktober 1801 unter Vorsitz von Abt Urban unter Assistenz der Äbte Gebhard (1798-1803) von Fürstenzell und Lambert Neusser (1793-1803) von Kloster Seeon statt.

Gewählt wurde Ausanius Detterle(1801-1803). Am 4. Oktober wurde er benediziert. Noch am Tag seiner Weihe erstellte er zusammen mit der kurfürstlichen Wahlkommision und Abt Urban ein Inventar über das Vermögen des Klosters. (s.o.)

Ausanias wurde am  22. August 1755 in Aspach im Innviertel als Sohn des Organisten und Schullehrers Franz Anton Detterle  geboren

Bei seiner Profess am 15. August 1777e erhielt er den ungewöhnlichen Ordensnamen Ausanias.

Am 15. Oktober 1780 feierte er seine Primiz.

Von 1793 bis 1797 war er Pfarrvikar in Margarethenberg. 1796 wurde er als Pfarrvikar in Hadersorf, das mittlerweile österreichisch war, als Pfarrvikar präsentiert. Da sein Geburtsort Aspach jetzt ebenfalls österreichisch war,konnten die k.u.k. Behörden

keine Bedenken gegen seine Person erheben. In Hadersrof war Ausanias bis zu seiner Wahl zum Abt.

Im Spätherbst 1802 kam es zu einer ersten Einschränkung der Verfügungsgewalt des Abtes.

Am 18. März 1803 verkündete Franz Graf von Armannsperg, der Landrichter in Burghausen war, Konvent und Abt die Aufhebung ihres Klosters durch den bayrischen Kurfürsten Maximilian IV. (1799-1806 dann als Maximilian I. bis 1825 bayrischer König).

Abt Ausanias blieb in Raitenhaslach.Ihm war eine Pension von 3 Dukaten pro Tag zu erkannt worden, das sind etwa 589,00 €. Er kaufte das Abteistöckl und später auch etwas Mobiliar zurück.

Er machte sich um die Förderung der Obstbaumzucht und des Safrananbaus im Salzachtal verdient.

Er führte auch Pontifikialhandlungen wie z. B. Glockenweihe aus.

Er starb am 20. Februar 1829 an Schleimschlag, das ist ein Schlaganfall, der auf übermäßige Schleimbildung , der auf Überfluss an Schleim im Körper zurückgeführt wird.

Er wurde auf dem Friedhof von Marienberg beerdigt.

Ein Großteil der Gebäude wurde abgerissen, da sie für private Nutzung überdimensioniert waren. Die übrigen Gebäude wurden an die Meistbietenden verkauft.

Der nicht nur aus heutiger Sicht wertvolle Buchbestand wurde bis auf wenige Ausnahmen zum Kilopreis an Altpapierhändler verkauft.

Die Klosterkirche wurde 1806 zur Pfarrkirche. Die restlichen Klostergebäude wurden als Pfarrhof, Schule, Brauerei, Gaststätte und als private Wohnungen genutzt.

Ein Versuch von Zisterziensermönchen aus Ossegg in Böhmen wieder anzusiedeln, scheiterte nach dem 2. Weltkrieg

                                                                 

04 Feb 2023

Zisterzienserkloster Bildhausen

                                                                                                                                                

 

Hermann III. Graf von Stahleck, erstmals erwähnt 1128 war der Sohn des Grafen Goswin IV. von Stahleck und der Luitgard von Hengebach. Er war verheiratet mit Gertrud von Schwaben(ca 1104-1191), der Tochter Herzog Friedrichs I.

Über Gertrud war er mit König Konrad III. (1138-1152) verschwägert. Von seinem Vater Goswin erbte er Besitz in Ostfranken und den Titel Graf von Bildhausen. Aus dem Erbgut seiner Mutter erhielt er die Burg Stahleck oberhalb von Bacharach am Rhein.

Von seinem Schwager Konrad wurde er 1142/1143 mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt. Seine Ehe war kinderlos geblieben. So beschloss er wohl schon um 1155 , ein Kloster zu gründen und selbst ins Kloster zu gehen.

In seinem letzten Lebensjahr scheint er sein Hauptaugenmerk auf die Gründung und Ausstattung von Kloster Bildhausen gerichtet zu haben.Zur Vorbereitung seiner Gründung zog er sich in das Kloster Ebrach zurück, wo er die Gründung von Bildhausen vorbereitete.

Ebrach sollte auch die Gründung des neuen Klosters vornehmen. Das war sicher kein Zufall. Hermann hatte wohl vor, in das Kloster Ebrach einzutreten.Es gibt eine Nachricht, die besagt,dass er in Ebrach bereits das Mönchsgelübde abgelegt habe.

(Werner Goez, Hermann von Stahleck, Fränkische Lebensbilder Band 8,1978, S.19)

  Das Kloster war  von Berno und Richwin gegründet worden, beide Lehensleute von Goswin IV., Hermanns Vater.

Die Stifter konnten nur mit dessen Erlaubnis einen Teil ihrer Lehen für die Ausstattung der Zisterze einbringen. Außerdem war dort seine Schwägerin Gertrud, die Gemahlin Konrads III., seit 1146 bestattet. (Zu Kloster Ebrach siehe Mei Büchle Zisterzienserabtei Ebrach)

Er stiftete das Kloster 1156. Neben der Ausstattung mit Gütern war auch Bargeld für die Gründung nötig.

Zu diesem Zweck verkaufte er  1156 dem Grafen Poppo III. von Irmelshausen die Habesburg bei Meiningen für 400 Mark Silber, das sind etwa 59.930,00 €.  Da Poppo nicht genug Geld aufbringen konnte, lieh er sich von Kloster Wechterswinkel das fehlende Geld

und übertrug im Gegenzug verschiedene Güter und Einkünfte an das Kloster. Wechterswinkel war das Kloster, in das Hermanns Gemahlin eintrat, als sie ebenfalls den Schleier nahm. Das Kloster war eine Gemeinschaftsgründung ihres Bruders zusammen mit

dem Würzburger Bischof Embricho (1127 –1146).

Hermann beabsichtigte, seinen ganzen Besitz für die Gründung von Kloster Bildhausen zu verwenden. Das war nicht ganz einfach, denn Lehen musste von Eigengut getrennt werden. Auch das Witwengut und Pfandnahme musste davon ausgeschieden werden.

Hermann von Stahleck starb am 2. Oktober 1157 in Ebrach. Da war die Klostergründung noch nicht ganz abgeschlossen. Hermanns Leichnam wurde dann von Ebrach nach Bildhausen überführt.

Der Ebracher Mutterabt Adam (1126–1166 o. 1167) hatte den Ebracher Mönch Heinrich mit dem Beinamen Bruno(1156-1190) mit dem Gründungskonvent nach Bildhausen geschickt.

Im März 1157 nahm Kaiser Friedrich I. (1152-1190) auf Bitten Abt Adams von Ebrach Kloster Bildhausen in seinen Schutz  (RI IV,2,1 n. 440). Er achtete so den letzten Willen seines Onkels und sorgte dafür, daß die Gründung Bildhausens erfolgreich zu Ende geführt und rechtlich wie wirtschaftlich
abgesichert wurde. Er bestätigte die angeführten Besitzungen in Bildhausen , Hollstadt , Reinfeldshof, Uttenhausen, Rappershausen, Löhriet , Klein-Wenkheim und Junkershausen.

Die erste Dotation der Würzburger Bischöfe erfolgte 1161 durch Bischof  Heinrich II. von Stühlingen (1159 –1165). Er schenkte dem Kloster einen Mansus in Kollertshof, heute Ortsteil von Schönau in der Brend. Eine Manse ist ein anderes Wort für Hufe und entspricht knapp 12 Hektar.

Im Dorf Brend, heute Brendlorenzen erhielt es 30 Acker, das entspricht ebenfalls einer Hufe. Es erhielt die Nutznießung im Salzforst, das ist ein  Forst im Gebiet der Brend und im Quellgebiet der Sinn.

Abt Heinrich verstarb 1190 nachdem er 36 Jahre regiert hatte. Auf ihn folgte Abt Werner (1190-1216)

1190 schenkten die Söhne eines “Wiger von Rodahusen”, der 1152 in einer Urkunde als Vasall von Kloster Fulda genannt wir, Kloster Bildhausen das Dorf Rothausen. Otto IV. (1198-1218) bestätigte diese Schenkung am 5. September 1215 (RI V,1,1 n. 488)

In einer weiteren Urkunde ebenfalls am 5. September 1215 (RI V,1,1 n. 487) beauftragte Kaiser Otto IV. den Grafen Poppo VII. von Henneberg (regiert seit 1190, 1245), da Kloster Bildhausen  keinen Vogt hatte und unter Gewalttätigkeiten zu leiden hatte, das Kloster an seiner Stelle zu schützen.

1207  machte der Würzburger Bischof Heinrich IV. von Heßberg (1202- 1207 ) mit dem Beinamen Caseus Kloster Bildhausen eine Schenkung mit dem Ziel, Arme im Bildhausener Hospital besser zu verpflegen. 1207 wurde im Kloster ein Spital für arme Pfründner eingerichtet.

Als Spitalkapelle diente später die 1354 von Heinrich von von Königshofen gestiftete Pfortenkapelle.

Auf Abt Werner folgte Abt Heinrich II (1216-1230). Unter ihm machte das Kloster zwei wichtige Erwerbungen, die seine Macht und sein Einkommen beträchtlich steigerten. Er kaufte von Konrad von Trimberg (urkundlich 1182-1230) für 140 Mark Silber, das sind etwa 21.303,00 €,die Dörfer Brünn und Friedritt, heute Ortsteile von Münnerstadt mit allem Zubehör.

Von Otto Graf von Bodenlauben (+ vor 1245), der auch als Minnesänger bekannt war, mit Erlaubnis des Abtes von Fulda Kuno (1217-1221)erhielt Kloster Bildhausen sein Gut in Kleinwenkheim. Die Erlaubnis des Fuldaer Abtes brauchte er, da es sich dabei um ein Fuldisches Lehen handelte.

Dafür machte er seine freieigenen Güter in Greßthal, heute Landkreis Schweinfurt Kloster Fulda lehenbar.

Kloster Bildhausen hatte in dieser Zeit schon einen Notar namens Petrus, der auch als Sekretär des Abtes fungierte (Jost S.11)

Sein Nachfolger war Abt Wilhelm II. (1230-1242). Er kaufte 1237 Güter in Großwenkeim für 32 Mark Silber, das entspricht etwa 4.869,00 €.

1234 stiftete Otto von Botenlauben, nachdem er vom Kreuzzug zurückgekehrt war,zusammen mit seiner Frau Frau Beatrix von Courtenay das Kloster Frauenroth. Im selben Jahr wurde Kloster Heiligenthal gestiftet.

Die geistige Leitung wurde dem Abt von Bildhausen übertragen. Diese bekam er auch für Kloster Wächterswinkel. So hatte Bildhausen kaum 50 Jahre nach seiner Gründung schon drei Tochterklöster unter seiner Leitung.

Dazu kam nach 1237 das von der Stifterin von Heiligenthal gegründete Kloster Mariaburghausen und dazu kam noch Kloster Johanniszell.

Auf Abt Wilhelm folgte Abt Heinrich III. (1242-1249), wobei bei diesem Abt die Datierung nicht ganz gesichert ist. In seine Regierungszeit fällt eine Fehde des Würzburger Bischofs Hermann I. von Lobdeburg (1225- 1254) und dem Abt von Fulda

Konrad III. von Malkos (1221–1249) Es ging um die Befestigung der Stadt Hammelburg. Bischof Hermann wurde bei Hammelburg zurückgeschlagen und nahm dann sein Quartier zwischen Neustadt und Blidhausen. In dieser Zeit verkehrte er oft mit dem Bildhausener Abt.

1246 gibt Graf Heinrich III. von Henneberg (1230-1262) Kloster Bildhausen Zollfreiheit in allen hennebergischen Städten, Burgen und Dörfern. (Jost S.16)

Nach Jost ist die zeitliche Einordnung der Äbte noch unklarer. Diese hatte auch der letzte Abt von Bildhausen Nivard Schlimbach in Zweifel gezogen.

Auf Abt Heinrich III. folgte Abt Reinherus (Reinhard)(1249-1262). Nach Jost regierte Abt Reinhard 11 Jahre und zwar von 1251-1262. Er starb am 19. Dezember 1262.

Als 7. Abt folgte Abt Ludwig (1262-1278). Vor seiner Wahl war er Beichtvater in Kloster Mariaburghausen. Er regierte 16 Jahre und starb am 19. Dezember 1278.

Der 8. Abt war Abt Herden (1278-1287). Er starb am 5. März 1287.

1279 schenkte Graf Konrad von Wildberg, der letzte Wildberger (+ 1305) Kloster Bildhausen seinen Gaden-und Schenkhof in Großwenkheim.

Auf Abt Herden folgte Abt Hermann II. (1287-1307).

Er kaufte 1281 vom Propst und Konvent des Prämonstratenserklosters Vessra, heute Kreis Hildburghausen, sein Allod in Hollstadt,das eine Gült von 20 Malter Korn und ebenso viel Hafer zu entrichten hatte.

1287 schenkte der Würzburger Bischof Berthold von Sternberg (1274 –1287) dem Kloster seine Mühle in Hollstadt.

Auffallend ist schon zu dieser Zeit, dass das Kloster bestrebt war, dort Güter zu erwerben, wo es bereits Güter und Gefälle besaß. Das war in dieser Zeit vor allem in Hollstadt.

So kaufte das Kloster in dieser Zeit von Dietrich von Lebenhan, das war ein Forstmeister im Dienste des Würzburger Bischofs, 6 Morgen Weinberg in Hollstadt.

Von Johann und Otto Voit von Salzburg kaufte das Kloster 2 Huben in Hollstadt, das 60 Morgen also 5.000 Quadratmeter. Zur selben Zeit kaufte das Kloster von Bischof Manegold von Neuenburg (1287 –1303) die Fischerei in Hollstadt.

1299 kaufte das Kloster von Heinrich genannt Hellgraf seine drei Höfe in Wargoldshausen für 23 Mark Silber, das sind etwa 3.500,00 €. Die Grafen von Henneberg gaben ihre lehensherrlichen Rechte an diesen Gütern auf.

Auf Abt Hermann I., der am16. November 1307 verstarb,  folgte Abt Sigfried (1307-1318) als 10. Abt.

Anfang des 14. Jahrhunderts erwarb das Kloster viel Besitz in Großwenkheim.

Der Nachfolger Abt Siegfrieds, Abt Konrad regierte bis 1352.

Gleich zu Beginn seiner Regierungszeit bestätigte Papst Johannes XXII. (1316-1334) am 7. Mai 1318 die Rechte und Freiheiten von Kloster Bildhausen.

Nach den Klosterchroniken sind 1313 in ganz Deutschland die Fluren durch Hagelschlag zerstört worden. Im Gefolge entstand eine große Hungersnot. Getreide musste sogar aus Sizilien importiert werden.

Weiter gab es eine große Pestwelle, bei der allein in Würzburg über 5000 Menschen starben.

Kloster Bildhausen ordnete die Verhältnisse zu seinen Frauenklöstern und festigte die Verbindungen.

1320 leitete Abt Konrad die Wahl einer Äbtissin in Kloster Heiligenthal.

1322 schlichtete er einen Streit in Kloster Mariaburghausen.

Er bestätigte Schenkungen und Verkäufe von Kloster Frauenrot.

Eine Haupterwerbung in der Regierungszeit von Abt Konrad war der Weigler Wald, das ist ein Waldgebiete am namengebenden Berg Weigel im heutigen Landkreis Rhön-Grabfeld zwischen Hollstadt und Höchheim.

Das Gebiet war lehensrechtlich an Kloster Fulda gebunden. Der Fuldaer Abt Heinrich VI. von Hohenberg (1315–1353) löste diese Bindung gegen eine jährliche Gabe von 4 Pfund Wachs an Fulda durch Kloster Bildhausen.

Auf der Markung von Neustadt an der Saale hatte Bildhausen bereits den Weinzehnt. Um diesen besser zu schützen, erwirkte Bildhausen 1327 vom Würzburger Bischof Wolfram Wolfskeel von Grumbach (1322- 1333)

den Befehl, dass die Neustädter die Weinlese nicht beginnen durften, vor der Abt von Bildhausen seine Erlaubnis gegeben hatte.

Auf Abt Konrad folgte Abt Friedrich (1352-1360) als 12. Abt.

Am 1. Juni 1359 nahm Kaiser Karl IV. (1346-1378)Kloster Bildhausen in seinen besonderen Schutz, bestätigte dessen Privilegien, Freiheiten und Besitzungen besonders die Pfarrkirche in Brenden, die Dörfer Junkershausen usw. (RI VIII n. 2957)

Der 13. Abt war Johannes (1360-1366)

Große Erwerbungen machte das Kloster ab 1327 in Großwenkheim. Abt Johannes gab in nur  drei Jahren die für die damalige Zeit beachtliche Summe von 2400 Pfund Heller zum Erwerb von Gütern in Großwenkheim aus. Das entspricht

346.896,00 €. In seiner Regierungszeit war  Kloster Bildhausen dort praktisch Alleinherr geworden. Nur Kloster Theres hatte dort noch die Pfarrei.

Auf Abt Johannes folgte Abt Hermann III. er wurde am 18. Oktober 1366 zum 17. Abt gewählt. 1346 war er Pfarrer in Neustadt/Saale. Er erscheint nur 4 mal in Urkunden.

1370 kaufte Kloster Bildhausen von dem Würzburger Bischof Albrecht II. von Hohenlohe (1345-1372) den halben Wein-und Getreidezehnt, den Zoll und den halben Zehnten auf die Rothühner in Münnerstadt für 5000 Pfund Heller,

das entspricht 722.700 €.

Im September 1370 verpfändete Bischof Albrecht dem Kloster seinen Hof in Münnerstadt mit dem Recht zur Wiedereinlösung innerhalb von fünf Jahren für 200 Pfund Heller, das sind etwa 14.454,00 €.

Am 21. Juli 1377 kaufte das Kloster vom Würzburger Bischof Gerhard von Schwarzburg (1372-1400) das das Zentgrafenamt in Saal an der Saale für 240 Pfund Heller, das entspricht 17.345,00 €.

Das Hochstift Würzburg hatte von 1368 bis 1803 die Landesherrschaft in Saal inne.

Bischof Gebhard übertrug den kaiserlichen Schutz für das Kloster, der mittlerweile wirkungslos geworden war, an Konrad von Bibra.

Abt Hermann regierte bis 1379. Auf ihn folgte Abt Heinrich V., der bis 1384 regierte. Dann folgte Abt Theoderich, der nach Rost am 22.Dezember 1384 gewählt wurde. Er starb am 23. Januar 1394.

Außer dass die Herren von Henneberg für die 1366 verkauften Güter in Großwenkheim und Wargoldshausen nachträglich eine größere Kaufsumme zu erreichen suchten, was ihnen aber nicht gelang, ist laut Rost

in den Chroniken nichts vermerkt.

Am 22.September 1394 wurde Johann II. Wynker zum 20. Abt von Kloster Bildhausen gewählt. Vorher war er Prior in Bildhausen. Er erwirkte eine Reihe von Schutzurkunden für das Kloster.

Am 18. Oktober 1397 ließ Abt Johann von König Wenzel (1376-1400) den Schutzbrief bestätigen, den das Kloster 1359 von Kaiser Karl IV. erhalten hatte. Am 21. Mai 1398 bestätigte Papst Bonifaz IX.(1389-1404) die von Karl und Wenzel erteilten Privilegien.

(Rost S. 32)

Von König Ruprecht (1400-1410) erhielt das Kloster 4 Urkunden ausgestellt. Am 29. Februar 1404 bestätigte der König die Urkunde von Kaiser Karl, die Privilegien und Freiheiten des Klosters, nahm das Kloster mit dem genannten Besitz in seinen Schutz,

bestätigte seine Abgabenfreiheit, die niedere Gerichtsbarkeit und die geistliche Jurisdiction. (Pfalzgraf Ruprecht III. – [Regg. Pfalzgrafen 2] n. 3390)

Da sich Abt Johannes  über die Kosten der vielen Gerichtstage beim König beklagt hatte, gestattete dieser, dass das Kloster nur noch vier Rechtstage mit Schultheiss und Schöffen abhalten musste und zwar jeweils zu jeder Goldfasten,

das waren die Fastentage von Invocavit, Pfingsten, Kreuzerhöhung und Lucie. (Pfalzgraf Ruprecht III. – [Regg. Pfalzgrafen 2] n. 4507)

Am 27. Oktober 1408 befreite der König das “verarmte”Kloster “auf drei jahre von aller gastung, atzung, allen diensten oder andern beschwernissen”.(Pfalzgraf Ruprecht III. – [Regg. Pfalzgrafen 2] n. 5546)Ebenfalls am 27. Oktober trug der König

dem Würzburger Bischof Johann I. von Egloffstein (1400-1411)  auf, das Kloster zu schützen. (Urkunde 5547)

Neben der Absicherung des Klosters war Abt Johann aber auch bestrebt, den Klosterbesitz zu mehren. 1403 schenkte ein Heinrich Bedes dem Kloster in Münnerstadt sein Haus mit allem Zubehör. Bischof Johann freite dieses Haus 1405 und machte Friedrich Graf von Henneberg

(1403-1422) von allen Lehensbindungen frei.

1405 kaufte Abt Johann eine öde Hofstatt in Königshofen, die Bischof Johann 1405 beth-und steuerfrei machte.

In Neustadt an der Saale besaß Kloster Bildhausen den Weinzehnt, der aber immer wieder Anlass zu Irrungen gab. Deshalb ordnete Bischof Gerhard 1397 an, dass die Neustädter ohne Erlaubnis des Abtes von Bildhausen nicht mit der Weinlese beginnen durften. Wer dagegen verstieß. konnte exkommuniziert werden.

Bischof Gerhard von Schwarzburg (1372-1400)hatte von seinem Vorgänger eine Schuldenlast von 300.000 Gulden übernommen. Der Bischof fügte durch Eroberung der Stadt Würzburg und des Stiftes 1372/73, sowie viele Fehden und Verpfändungen noch 100.000 Gulden zu, lag also bei 400.000 Gulden,

was der stolzen Summe von 79.158.060,00 € entspricht. Papst Innozenz VII. (1404-1406) nannte am 18. Mai 1406 einen Gesamtschuldenbetrag von 2,5 Millionen Gulden für das Stift, das sind kaum glaubliche 1 Milliarde 484.216 630 € ! ( Alfred Wendehorst, Das Bistum Würzburg 2,

Die Bischofsreihe von 1254-1455, Berlin,New York 1969 S.113 f.)Auf Grund der finanziellen Lage des Stiftes stand es ohnehin mit Kloster Bildhausen in ständigem Verkehr. Allein für Korn und Wein schuldete das Hochstift Kloster Bildhausen 520 Gulden in Gold (102.905,00 €),

wofür Bischof und Hochstift dem Kloster die Vogtei in Großwenkheim und Wargoldsheim mit allen Nutzungen, Zugehörungen und Freiheiten in Dorf und Flur mit dem Recht aus Wiedereinlösung überließen.

1416 gab es einen Streit mit Karl Truchsess Amtmann zu Wildberg wegen der Beth von Großwenkheim und Wargoldsheim. Diesen schlichtete Bischof Johann zusammen mit dem Ebracher Abt Heinrich III. Heppe (1404–1426). Kloster Bildhausen sollte dem Truchsess jährlich 45.–

Gulden, das entspricht 8.905,00 €, zahlen.

1420 kaufte das Kloster von Ott Voit von Salzburg dessen Freihof in Poppenlauer für 300 Gulden, das entspricht etwa 59.369,00 €.

Abt Johann II. verstarb am 26. September 1422.

Auf ihn folgte als 21 Abt Johann III. (1422-1449). Er stammte aus Hollstadt. Er wurde am 8. Oktober 1422 gewählt.

In seiner Regierungszeit ergab sich eine beträchtliche Veränderung. Das Kloster hatte mittlerweile so viel Grundbesitz erworben, dass es diesen nicht mehr selbst bebauen oder bebauen lassen konnte.

Da auch die Bevölkerung gewachsen war, war das Kloster gezwungen, Güter zu vererben. Die Übernehmer mussten eine jährliche Gült an das Kloster zahlen. Die Übernehmer vererbten dann den übernommenen Hof mit der jeweiligen Zahlungsverpflichtung  weiter.

Die Vererbungserlaubnis wurde meistens vom Bischof erteilt.

1429 musste Bildhausen das erste Mal das Subsidium Caritativum zahlen an das Hochstift Würzburg zahlen, das war eine Steuer, die der Klerus zahlen musste. Papst Gregor XI. (1370-1378) gestattete Bischof Gerhard 14. Juli 1373 ein solches Subsidium zu erheben (Wendehorst S.114),

wegen der desolaten Finanzlage des Hochstifts. Bischof Johann von Brunn (1411-1440) musste Kloster Bildhausen 1000 Gulden zahlen, das sind immerhin etwa 202.281,00 €.

1433 ließ sich Kloster Bildhausen von Kaiser Sigismund (1411-1437) der auf dem Basler Konzil weilte von dort aus seine Privilegien bestätigen. (Rost S. 37)

Abt Johann scheint ein guter Haushälter gewesen zu sein. In seiner Regierungszeit kaufte er insgesamt für 2.500 Gulden, also etwa 505.703,00 €, Liegenschaften. Die größte Erwerbung war von Kloster Theres der Theresische Hof in Großwenkheim sowie den Großen und Kleinen

Zehnten und alle Gerechtigkeiten von Kloster Theres in Großwenkheim.

Abt Johann III. starb am 2. August 1449.

Sein Nachfolger wurde Abt Johann IV. Römild (1449-1456). Er legte nach nur 5 Jahren Regierungszeit 1456 die Abtswürde nieder und starb am 5. Mai 1460.

Abt Johann arrondierte den Klosterbesitz vor allem durch zweckmäßigen Tausch.

Ein besonderes Ereignis fällt in seine Zeit. An Weihnachten 1449 fiel Graf Sigmund von Gleichen (+1494) in Kloster Bildhausen ein, brandschatzte es und beraubte es um 600 Gulden, das entspricht etwa 121.369,00 €.

Das Kloster erholte sich aber rasch wieder, denn schon 1522 konnte es vom Deutschen Orden Gefälle für 220 Gulden in Löhriet, heute Ortsteil Von Neustadt/Saale kaufen (Rost S. 39).

Nach seinem Rücktritt wurde Abt Johannes V.Herr (1456-1490) zum 23. Bildhausener Abt gewählt. Er stammte aus Neustadt an der Saale.

Abt Johann V. kaufte 1460 für 60 Gulden Güter in Großwenkheim. Auch er fuhr mit der Praxis der Vererbung fort.

Es wurden verschiedene Streitigkeiten gelöst.

Als 1459 die Äbtissin von Kloster Frauenroth zurücktrat, siegelte Abt Johann eine Urkunde über den Aktivstandes und führte die neue Äbtissin in ihr Amt ein.

1462 ließ der Abt ein Vogtgericht in Großwenkheim abhalten und verfügte, dass dieses drei mal jährlich im Thereser Hof in Großwenkheim abgehalten werden sollte.

Die Einwohner mussten den Abt als ihren rechten Vogtsherren anerkennen

Abt Johann V. verstarb am 25. Februar 1490 nach 34 Regierungsjahren.

Sein Nachfolger Johann VI. Heigler (1490-1497) wurde am 8. März 1490 unter Vorsitz des Ebracher Abtes Nikolaus II. Engel (1489–1495)gewählt.

In seiner Regierungszeit ist Rudolf II. von Scherenberg (1466-1495) Bischof in Würzburg. Unter ihm rückte das Hochstift wieder näher an Kloster Bildhausen. Er hatte von Graf Otto von Henneberg die Ämter Aschach

und Münnerstadt wieder an sich gebracht. Am 12. Januar 1492 ließ er die Einwohner von Münnerstadt  von Dompropst Kilian von Bibra ( 1483-1494), Domherr Albrecht von Vestenberg (1503-1505 Domherr)und seine Räten Tittelbach und Bartholomäus

von Herbstadt huldigen. Abt Johann hatte sich mit seinem Bursar Pater Bartholomäus (+1505)und mehreren Priestern auch nach Münnerstadt begeben und protestierte gegen diese Huldigung, da seine Bauern nur dem Abt die Huldigung schuldig seien. Diesem Protest schloss

sich auch der Komtur des Deutschen Ordens von der Kommende Münnerstadt Nikolaus Molitor (1461-1516)hinsichtlich der deutschherrlichen Untertanen an. Der Dompropst bestand auf der Huldigung.Graf Otto von Henneberg räumte dann aber ein, dass weder er

noch seine Vorfahren auf einer solchen Eidesleistung bestanden, da diese Orte dem Kloster bzw. der Deutschordenskommende gehörten.

Der Propst wollte die Sachlage nun überprüfen lassen. Dabei blieb es.

Die Berichte über nachlassende Ordenszucht wurden häufiger. 1495 visitierte der Abt von Morimond Jacques II. de Pontailler (1495–1503 ) Kloster Bildhausen.

Abt Johann VI. starb am 14. März 1497.

Der Ebracher Vaterabt Veit Vendt (1495–1503) hatte den Wahltermin auf den 24. März 1497 festgelegt. Gewählt wurde der bisherige Prior Lorenz Faust (1497-1511). Er stammte aus Mellrichstadt. Er wurde von Abt Veit installiert.

Nach Rost zeichnete sich Abt Laurentius vor allem durch seine Eifer für die Religion und für die Ordenszucht in den Filialklöstern aus (S.47)

Abt Laurentius führte das System der Vererbung weiter. In seiner Regierungszeit wurde nur ein Kauf getätigt. 1498 kaufte das Kloster von Truchsessin Cäcilia von Sternberg

Kloster Heiligenthal geriet schon im Laufe des 14. Jahrhunderts in Schwierigkeiten, wurde vom Würzburger  Fürstbischof Lorenz von Bibra (1495-1519) reformiert und 1500 in ein männliches Priorat umgewandelt.

1q579 säkularisierte es Bischof Julius von Echter (1573-161) zugunsten des Juliusspitals in Würzburg.

Abt Lorentz verstarb am 22. Oktober 1511.

Unter Vorsitz des Ebracher Abtes Johannes II. Leiterbach (1503–1531) und unter Assistenz seines Priors Johann Nibling (+1526) wurde am 2. November 1511 wurde Kilian Wohlfahrt zum 26. Abt von Bildhausen gewählt.

Er stammte aus Neustadt und war vor seiner Wahl Beichtvater im Kloster Frauenroth.

Auch er setzte das System der Vererbungen fort.

1514 kaufte Abt Kilian ein en Steinbruch in Kleinwenkheim für 7 Gulden.

Sein wichtigstes Verdienst ist ein 1517 nach Orten ausgeschiedenes Verzeichnis aller Urkunden, das zugleich auf das Kopialbuch verwies.

Abt Kilian starb am 10. Februar 1519.

Sein Nachfolger wurde Abt Johannes VII. Störcher. (1519-1520)

Er stammte aus Weichtungen. Er wurde am26. Februar 1519 zum Abt gewählt. Vor seiner Wahl war er Prior. Er starb aber schon knapp 1 1/2 Jahre nach seiner Wahl am 30. September 1520.

Am 17. Oktober 1520 wurde Valentin I. Maiersbach zum28. Abt von Bildhausen gewählt. Er stammte aus Mellrichstadt. Seine Regierungszeit war von zwei schwerwiegenden Ereignissen geprägt.

Da war einmal die Reformation, die am 31.Oktober mit dem Thesenanschlag von Martin Luther an die Schlosskirche ihren Anfang genommen hatte und die letztendlich auch zur Absetzung von Abt Valentin

geführt hatte. Das andere war der Bauernaufstand im Frühjahr 1525, der Kloster Bildhausen praktisch doppelt getroffen hatte.

Schon 1460 zeigten sich Bauernunruhen 1460 in der Bundschuhbewegung. Das war eine Vielzahl von Aufständen gegen Unterdrückung und Leibeigenschaft. Im Elsass war es vor allem in Schlettstadt. Im Fürstbistum Speyer führte Joss Fritz (um1470 – +1525) aus Untergrombach an.

Nachdem er in Untergrombach verraten worden war und der Bundschuh auch auf eine Befehl von  Kaiser Maximilian verfolgt wurde, verlagerte er seine Aktivitäten nach Lehen im Breisgau und an den Oberrhein.

Im Fürstbischof Würzburg sorgte der Pfeifer Hans Böhm in Niklashausen mit seinen  Predigten 1476 für großes Aufsehen. Bis zu 40.000 Bauern kamen zu seinen Predigten. Bischof  Rudolf von Scherenberg ließ ihn verhaften und am 19. Juli 1476 wegen Ketzerei auf dem Scheiterhaufen verbrennen.

1524 begannen die Aufstände im Wutachtal bei Stühlingen.

Im März 1525 versammelten sich die oberschwäbischen Bauern in Memmingen und veröffentlichten dort die 12 Artikel, die als eine der ersten niedergeschriebenen Forderungen nach Menschen- und Freiheitsrechten in Europa in die Geschichte eingingen.

In Franken versammelten sich an Palmsonntag, das war der. April 1525 versammelten sich Bauern aus Burglauer in einer Schenke in Münnerstadt. Hier entstand der Bildhausener Haufen, nach dem Taubertaler und dem Lichten oder Odenwälder Haufen der dritte große

fränkische Bauern Haufen. Hans Schnabel, ein Schreiner oder Leineweber aus Münnerstadt und Hans Scharr, ein Bauer aus Burglauer waren die “Hauptleut” des Haufens. Den Schriftverkehr erledigte Michael Schrimpf,Pfarrer in Wermerichshausen.

Der Bildhausener Haufen war straff durchorganisiert.Den Hauptleuten war ein Bauernrat zur Seite gestellt, ohne den sie nichts entscheiden konnten. Sie waren verpflichtet, alle Vorhaben mit dem Bauernrat zu besprechen. Der Haufen hatte auch sogenannte Schultheissen, die als Richter im

Bauernhaufen fungierten. Ihnen standen weiter Feldrichter zur Seite. Schultheiss war Heinrich Krumbfuß, ein Goldschmid aus Römhild.

Bei dieser Versammlung wurde wohl auch beflügelt durch reichlichen Weingenuss beschlossen, Kloster Bildhausen zu überfallen. Die Klöster mit ihren Zehntscheuern,ihren Fischteichen, ihren Weinkellern waren natürlich Angriffsziel der Bauernhaufen. Zum einen ließen sich dort die

großen Mengen der Aufständischen am besten ernähren. Zum andern waren sie wegen der auferlegten Frondienste und wegen des Zehntens, der in den Klöstern abgeliefert werden mussten als immer drückender empfunden worden.

Auf Bitten von Abt Valentin legte Amtmann Hans von Wildberg 150 Mann in das Kloster, um es zu schützen. Am Mittwoch nach Palmsonntag erschien 300 Leute vor dem Klostertor. Die Knechte des Amtmanns öffneten das Tor und ließen den Haufen ein und liefen zu den aufständischen Bauern über.

Abt Valentin und die meisten Mitglieder seines Konvents waren geflüchtet. Abt Valentin hatte sich nach Königshofen begeben, wo das Kloster einen Hof besaß.

Das Kloster wurde geplündert. Die Öfen wurden mit Gült-und Zinsbriefen geheizt.Wege und Stege wurden befestigt. Die Bauern nahmen die Verwaltung des Kloster in ihre eigenen Hände.

Der Bauernhaufen hatte großen Zulauf und zählte schließlich über 7000 Mann.

Der Würzburger Fürstbischof Konrad II. von Thüngen (1519-1540) hatte für den 1. Mai einen Landtag ausgeschrieben. Um sich dafür zu besprechen trafen sich Abgeordnete der Städte und Dörfer am 22. April 1525 in Neustadt. Der Bildhausener Haufen hatte seinen Kanzler Michael Schrimpf

abgeordnet.Man beschloss, den Landtag abzuwarten und bis dahin nichts zu unternehmen. Ein geschickter Schachzug des Bischofs,denn er verschaffte ihm eine Atempause. Die Zeit arbeitete für die Obrigkeit. Aus dem Süden näherte sich das Heer des Schwäbischen Bundes mit einigen Tausend

Landsknechten unter Waffen unter Führung ihres Hauptmannes Georg von Waldburg-Zeil (1488-1531), der “Bauernjörg”. Aus dem Westen näherte sich der Landgraf von Hessen  Philipp I. von Hessen (1518-1567) mit seinem Heer und aus dem Norden

Kurfürst Johann von Sachsen (1525-1532).

Der versprochene Landtag am 2. Mai blieb ohne Ergebnis. Der Würzburger Bischof war nach Heidelberg geflüchtet. Auch nach einer Tagung in Neustadt gingen Vertreter der Städte und der Bauern ergebnislos auseinander.

Einige Adlige sahen sich gezwungen, sich den Bauern anzuschließen wie z.B. Götz von Berlichingen (um 1480-1562) oder Graf Wilhelm von Henneberg (1478-1559). Dieser geriet zwischen zwei Bauernhaufen den Werra-Haufen und den Bildhäuser Haufen. Bei dem Werrahaufen

schwor er am 3. Mai 1525 auf die Zwölf Artikel, was ihm den Vorwurf des Verrats einbrachte,da er dem Würzburger Fürstbischof nicht helfen konnte, obwohl er dazu vertragsgemäß verpflichtet war. Graf Wilhelm machte das Angebot zu schwören

auch dem Bildhauser Haufen. Dieser blieb aber misstrauisch und lehnte das Angebot erst einmal ab.

Die Lage der Bauernhaufen verschlechterte sich. Die Vorräte der Klöster und Klosterhöfe waren aufgebraucht.

Am 10. Mai 1525 räumte der Bildhausener Haufen sein Lager in Bildhausen und zog in Richtung Schweinfurt.Die Aufständischen wollten weiter nach Würzburg um gemeinsam mit den anderen Bauernhaufen die Festung Marienberg in Würzburg einzunehmen.

Von Münnerstadt aus zog der Haufen nach Mellrichstadt, weil er von dort dringend zur Hilfe gerufen wurde. Dort lagerte man am 14. Mai in Erwartung der Truppen des Landgrafen von Hessen.Als dieser sich nach Thüringen wendete, meinten die Bauer, er würde vor ihnen fliehen.

Der Landgraf wollte aber nach Mühlhausen in Thüringen ziehen, wo Thomas Münzer predigte. Am 15. Mai 1525 fand dort in der Nähe die Schlacht von Frankenhausen statt, bei der die Thüringer Bauern vernichtend geschlagen wurden. Thomas Münzer geriet in Gefangenschaft und wurde am 27. Mai 1525 in Mühlhausen enthauptet.

Der Bildhausener Haufen hatte sich wegen seiner Fehleinschätzung geteilt. Ein Teil blieb in Mellrichstadt, die anderen zogen unter Führung ihrer Hauptleute Schnabel und Scharr in Richtung Würzburg weiter. Zwischenstation war Schweinfurt. Dort lagerten sie auch die geraubten Kleinodien des Kloster

Bildhausen ein.Das waren Kelche, Monstranzen, Kreuz, Stab und anderes. Der Haufen zog aber nicht nach Würzburg weiter sondern schwenkte Richtung Bamberg. Das wurde bisher als zielloses Marodieren interpretiert. Aber das Land um Würzburg war verwüstet und alles Essbare verzehrt.

Aber 7000 Mann unter Waffen mussten ernährt werden, wollten Beute machen. Der Schwenk machte also durchaus Sinn. Am 27. Mai vereinte sich der Bildhausener Haufen wieder vor Mellrichstadt.

Die Lage der Bauern wird zusehends schwieriger. Kurfürst Johann der Beständige von Sachsen (1468-1532) und Graf Wilhelm von Henneberg erschienen am 3. Juni 1525 gut gerüstet vor Meiningen. sie bezogen zwei strategisch wichtige Punkte der Stadt.

Der Bildhausener Haufen war mit 3000 Mann ausgerückt um der Stadt Meiningen zu helfen, wurde aber geschlagen. Hans Schnabel und seine Männer werden gefangen genommen.

Am 20. Juni 1525 brach der Würzburger Bischof Konrad, der in Würzburg wieder die Oberhand gewonnen hatte und dort den Aufstand niedergeschlagen hatte, zu einem Zug durch das Hochstift auf, um die Unterwerfung der Städte und Ämter entgegenzunehmen und Gericht zu halten.

Dieses fiel sehr blutig aus. Schon vorher hatte er die Amtmänner aufgefordert, ihm Namen und Vermögensverhältnisse der am Aufstand Beteiligten zu nennen. In jeder Stadt fanden Hinrichtungen statt. Hans Schnabel und Hans Schnarr wurden am 3. Juli 1525 in Mellrichstadt hingerichtet.

In Meiningen ließ der Bischof 14 Männer, in Neustadt 15 und in Münnerstadt 12 Männer hinrichten. Insgesamt ließ er auf diesem Zug 211 Aufständische hinrichten (Wendehorst s.u. S.85).Vom Papst ließ er sich Ende 1527 eine Absolutionsvollmacht für alle am Aufstand Beteiligten geben, aber auch für sich wegen der Umstände bei der Niederwerfung des Aufstandes, damit “sein gewissen zu ruhe und frieden wiederumb bracht werde” (Alfred Wendehorst, Das Bistum Würzburg 3: Die Bischofsreihe von 1455-1617 Germania Sacra NF 13, Berlin/New York 1978, S. 86)

Papst Clemens VII. (1523-1534) beglückwünschte ihn schon 1525 zur Niederwerfung des Aufstandes. Seine Zeitgenossen verurteilten das harsche Vorgehen des Bischofs einhellig.

Der Bauernkrieg war eine Folge der allgemeinen Krise der Zeit und einer tiefgreifenden Veränderung der spätmittelalterlichen Gesellschaft gewesen, was sich schon vorher in der Reformation gezeigt hatte. Zwar hatte sich Luther eindeutig vom Bauernkrieg distanziert. Aber die

Standpunkte der Reformation waren doch eine wesentliche Rechtfertigung für den Bauernaufstand.

Die Reformation war die größte und wesentlich folgenschwerere Herausförderung für die katholische Kirche und die Klöster. Der Ebracher Prior Johannes Nibling (um 1463-1526) hatte beobachtet, dass die Reformation zuerst in den Städten im Nordosten des Bistums Eingang fand,

dann aber sehr rasch auch in der Ritterschaft in den weltlichen Territorien, dann aber auch in Würzburg und den Hochstiftsstädten. Im Kloster Bildhausen gab es 1524/25 nur 4 Mönche, die jünger als 40 Jahre waren. Von 15 jungen Mönchen, die zwischen 1520 und 1524 geweiht worden waren, verließen 11

das Kloster, erfasst von der neuen Lehre (Zahlen nach Das Grabfeld Nr. 19 S. 11). Der Mönch Johann Ruck verließ 1522 Kloster Bildhausen und ging nach Wittenberg, wo Martin Luther lehrte. Unterstützt wurde er von Moritz Marschalk von Osthausen. Mit ihm  trat schon 1522 eines der ersten Adelsgeschlechter der Reformation bei. Über Johann Ruck bezog er die neuesten Bücher aus Wittenberg. In der Kirche St.Georg von Waltershausen wurde ab 1523 evangelisch gepredigt.

Bischof Konrad hatte sich von Anfang an entschieden gegen die Reformation gestellt. Eine Folge des Bauernkrieges war aber auch eine Bulle von Papst Clemens VII. Der Würzburger Bischof hatte dem Papst geschildert, dass viele Klöster in seinem Bistum durch den Krieg verwüstet, abgebrannt und ausgeraubt seien und Mönche und Nonnen vertrieben seien und in weltlichen Kleidern umherirrten. Er unterstellte darauf hin alle Klöster für fünf Jahre sowohl in spiritualibus auch als temporalibus dem Würzburger Bischof, auch die Prämonstratenser-und Zisterzienserklöster, die ja

exemt waren mit der Befugnis, diese an Haupt und Gliedern zu reformieren. Schon 1527 ließ er Kloster Bildhausen durch den Dekan des Stiftes Neumünster in Würzburg Matthias Main (1516-1548) und durch den Domherren und Erzdiakon Michael von Seinsheim visitieren.

Die beiden fanden, dass Abt Valentin seinen Pflichten zu wenig nach gekommen sei´. Daraufhin setzte Bischof Konrad Abt Valentin ab. Der abgesetzte Abt lebte noch 18 Jahre, überlebte drei Äbte und starb am 21. April 1546.

Die Oberaufsicht des Ebracher Abtes Johannes II.Leiterbach (1503-1531 – auch von Bischof Konrad abgesetzt)wurde dadurch gewahrt, dass dieser den bisherigen Kämmerer von Kloster Bildhausen als Amtsverweser einsetzte und einen Termin zur Wahl eines neuen Abtes

festlegte. Diese fand am 10. März 1528 statt.

Abt Johannes II. aus Ebrach leitete die Wahl unter Assistenz des bischöflichen Kommissars, dem Dekan des Stiftes Neumünster Matthias Main. Der bisherige Abtsverweser Bartholomäus Streit wurde zum 29. Abt von Bildhausen mit Stimmenmehrheit gewählt. 15 Konventuale nahmen an der Wahl teil.

Er stammte aus Oberstreu. Er wurde vom Würzburger Weihbischof Paul Huth (+1532) unter Assistenz des Ebracher Vaterabtes und des Abtes von Kloster Aura Georg (+1549) benediziert.

Abt Bartolomäus war sehr pflichtbewusst. Kurz nach seiner Abtsweihe visitierte er persönlichalle Bildhausen untergebenen Frauenklöster. 1531 erbat er vom Würzburger Bischof Weltgeistliche, um diese als Kapläne und Beichtväter in den Frauenklöstern einzusetzen.

Das Kloster hatte für diese Aufgabe nicht mehr genügend taugliche Religiose.

Am 2. Oktober 1529 installierte er die neugewählte Äbtissin Gertraude von Garz in Kloster Wechterswinkel.

Im Herrschaftsbereich des Klosters achtete er auf die Einhaltung der Gerechtsamen und Einkünfte. Er suchte solche, die während des Bauernkrieges oder schon vorher dem Kloster abhanden gekommen waren, wieder in Klosterbesitz zu bekommen.

Er verkaufte ein Viertel des Zehnten in Neustadt und in den vier Ortschaften Brend, Mühlbach, Salz und Herschfeld  für 1000 Gulden an das Hochstift Würzburg, das sind etwa 196.374,00 €. Zum einen erhielt das Kloster durch diesen neuen Zehntpartner

kräftigen Schutz. Zum andern konnte das Kloster wegen der Verluste im Bauern krieg Barmittel auch gut gebrauchen.

Abt Bartolomäus verstarb am 6. September 1540.

Der Ebracher Vaterabt Johannes III. Wolf(1531-1540) legte den Wahltermin auf den 22. September 1540 fest.Die Wahl leitete dann mit spezieller Vollmacht der Langheimer Abt Konrad I. Haas (1538-1556). Da Abt Johannes erkrankt war.  Er starb dann auch 25. September 1540.

11 Konventuale wählten dann Philipp Hofstatter zum neuen Abt.(1540-1545). Er stammte aus Karbach, war zunächst Backmeister und später Prior in Bildhausen. Am 8. Dezember 1541 wurde er zusammen mit dem neu gewählten Ebracher Abt Konrad II. Hartmann (1540-1551)

vom Würzburger Weihbischof  Augustin Maier (1536-1543) benediziert.

1541 fand in Schweinfurt eine Zusammenkunft aller Äbte statt. Durch die Reformation hatte sich die Situation aller Klöster drastisch geändert. So war zum Beispiel im Kloster Mariaburghausen nach dem Tod der Äbtissin nur noch eine Nonne im Kloster. Bischof Konrad von Würzburg empfahl dem Abt, diese Ursula von Rosenbach zur Äbtissin zu ernennen und ihr die Verwaltung der Klostergüter zu übertragen. Die Urkunden des Kloster sollten getrennt aufbewahrt werden.

Abt Philipp verstarb am 9. Juni 1545

Sein Nachfolger  Abt Johannes VIII. Greve wurde am 24. Juni 1545 unter Vorsitz des Abtes  Konrad II.Hartmann (1540-1551) von 12 Konventualen  gewählt. Er starb aber schon nach fünfmonatiger Regierung noch bevor er infuliert wurde.

Auch die nächste Wahl fand unter Vorsitz von Abt Konrad aus Ebrach statt. Gewählt wurde Abt Johannes IX. Herbert als 31. Abt. Er stammte aus Neustadt.Er wurde am 6. Januar 1546 von dem Würzburger Weihbischof Georg Flach (1544-1564) benediziert.

1548 nahm er an der Synode teil, die der Würzburger  Fürstbischof Melchior Zobel von Giebelstadt (1544-1458) nach Würzburg einberufen ließ.

In die Regierungszeit von  Abt Johannes fallen die beiden Markgrafenkriege, die das Kloster schwer schädigten und fast zu seiner Auflösung geführt hätten.

Fürstbischof Melchior Zobel wies den Bildhausener Abt daraufhin, dass Krieg ausbrechen würde und er empfahl ihm, alle Privilegien, Freiheitsbriefe und andere Dokumente in Sicherheit zu bringen und bot an, diese in Würzburg zu

verwahren. Abt Johannes nahm dieses Angebot an und ließ die Dokumente nach Würzburg bringen.

Im Ersten Markgrafenkrieg hatte Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach (1541-1554) Krieg gegen seine Nachbarn, vor allem die Reichsstadt Nürnberg geführt. Er wollte seinen Einfluss in Franken ausweiten und Ansprüche gegenüber Nürnberg geltend machen.

Das Kloster verlor ein bedeutendes Vermögen. Vieh Getreide und Wein wurden geraubt. Die Kirche und alle Klostergebäude wurden geplündert, das Grabmal und das Bild des Stifters wurden zerstört. Abt und Konventuale konnten sich nicht mehr im Kloster halten.

Sie begaben sich nach teils nach Königshofen und Römhilt, teils nach Neustadt und Mellrichstadt. Der Abt flüchtete mit 300 Gulden, das sind etwa 59.602,00 € nach Schweinfurt. Er wurde aber von hessischen Reitern gefangen genommen, nachdem er schon unterwegs beraubt worden war.

1547 bezogen kaiserliche Truppen ein Lager bei Nürnberg. Das Kloster musste drei Wagen mit Brot und Hafer ins Lager liefern, ohne deshalb von Einquartierungen frei zu sein. Der Reiter-Kapitän Georg von Riedesel rückte mit 100 Reitern ins Kloster ein und blieb dort 3 Tage.

Im zweiten Markgrafenkrieg 1552- 1554 eroberte Albrecht Alcibiades 1553 Schweinfurt. Dabei brannte der Bildhausener Hof in Schweinfurt ab und als Bischof Melchior Schweinfurt belagerte, musste das Kloster Getreide ins Lager nach Königshofen liefern.

Die kriegerischen Ereignisse hatten auch zur Folge, dass die Klosterdisziplin nachgelassen hatte. Konventuale hatten ihren Habit abgelegt und irrten herum, da ihnen das Kloster ja keine Zuflucht mehr sicherte. Einige Konventuale hatten ein Eheverhältnis eingegangen, so zum Beispiel

Pater Franz Fischer, Provisor und Frühmesser in Rothausen. Er wurde von Abt Johannes schriftlich aufgefordert, seine inzwischen geschlossene Ehe wieder aufzulösen, was er umgehend tat.

Als die Zeiten wieder etwas ruhiger geworden waren, rief Abt Johannes 1555 seine verstreuten Konventualen wieder ins Kloster Bildhausen zurück.

Er ließ die zerstörten Klosterbauten wieder herrichten und die Kirche und das Stiftergrabmal restaurieren.

Unter seiner Leitung fand im Kloster Frauenroth die Wahl von Äbtissin Amalia von Rumrod 1550 als Nachfolgerin der verstorbenen Äbtissin Ursula statt. Er investierte sie mit Schlüssel und Stab.

Im April 1558 wurde Fürstbischof Melchior am Fuße des Marienberges in Würzburg ermordet.

Abt Johannes nahm an der Beerdigung teil. Er selbst starb am 2. Januar 1560.

Zu seinem Nachfolger wurde am am 23. Januar 1560 Abt Valentin II. Reinhard aus Mellrichstadt (1560-1574)von nur 9 Wählern  als 33. Abt gewählt. Er wurde am 28.04. 1560 vom Würzburger Weihbischof Georg Flach unter Assistenz des Ebracher Abtes Johannes IV.(1551-1562) und Abt Leonhard(1560-1564)

von Kloster Aura benediziert. Nur 3 Tage nach seiner Weihe nahm er an der Diözesansynode in Würzburg teil.

Wie sein Vorgänger war er mit der Wiederherstellung der Klostergebäude beschäftigt. 1561 ließ er das Stiftergrabmal restaurieren und 1567 die Orgel wieder herstellen.

Zweimal musste er außerordentliche Abgaben von jeweils 600 Gulden zahlen, das sind jedes Mal 119.862,00 €. Für das schwer geschädigte Kloster war das eine enorme Summe. Das eine betraf einen Beitrag, den das Kloster zur Errichtung des Jesuitenkollegs in Würzburg zu leisten hatte.

Als die fürstbischöfliche Residenz 1572 auf dem Marienberg abgebrannt war, wurde das Kloster ebenfalls mit 600 Gulden zur Kasse gebeten.

Er war 1563 bei der Wahl des Ebracher Abtes Leonhard Rosen (1563-1591) dabei und präsentierte diesen dem Würzburger Fürstbischof Friedrich von Wirsberg (1558-1573)

Auch bei der Wahl des Langheimers Abtes Magnus Hofmann (1572–1582) war er anwesend. Im Jahr darauf visitierte der Generalabt von Citeaux Nicolas I. Boucherat (1571–1583) die fränkischen Zisterzienserklöster.

In der Regierungszeit von Abt Valentin wurden zwei Konvente der fränkischen Äbte abgehalten, nämlich 1563 und 1565.

Der Würzburger Bischof versuchte zweimal in die klösterlichen Rechte einzugreifen. 1563 wollte er dem Kloster einen Gegenschreiber, das war ein Beamter der Finanzverwaltung, namens Adam Bart aufzudrängen. Damit sollte das Kloster in weltlichen Dingen kontrolliert werden.

Unter Mitwirkung des Ebracher Abtes Leonhard, wurde dies dann zurückgenommen. 1563 musste das Kloster dem Fürstbischof eine Anleihe von 1000 Gulden geben, das sind etwa 199.770,00 €. Davon sah das Kloster natürlich nichts mehr.

Rost interpretiert das so, dass sich das Kloster mit diesem Betrag praktisch frei gekauft. hatte (S.69)

Er sah sich im Einklang mit den Bestimmungen des Konzils von Trient (1545-1563) über das Recht der bischöflichen Visitation und griff in die Rechte auch exemter Klöster ein.

1565 ließ der Kloster Bildhausen durch die geistlichen Räte Anton Aestig und Georg Fischer, beide Chorherren am Stift Neumünster visitieren. Abt Leonhard von Kloster Ebrach protestierte sofort dagegen. Als der Protest ohne Erfolg blieb, wandte er sich an alle fränkischen Zisterzienseräbte.

Mit Zustimmung des Generalabtes von Citeaux wandten sich die Äbte zusammen an das Konzil von Trient. Mit einem päpstlichen Entschluss vom 5. Januar 1579 wurde Bischof Friedrich dieses untersagt (Rost S. 69)

Das Kloster litt auch unter den Grumbachschen Händel. Das war eine lehensrechtliche Auseinandersetzung zwischen den Fürstbischöfen und Wilhelm von Grumbach, der als Geheimer Rat in den Diensten Fürstbischof Konrad von Bibra (1540-1544)gestanden war.

In den Mord an Fürstbischof Melchior Zobels von Giebelstadt war Wilhelm von Grumbach auch verwickelt. Während den Händeln musste sich Abt Valentin 1563 nach Mellrichstadt, der Konvent nach Neustadt flüchten.

Das Kloster hatte wohl auch Schwierigkeiten, Pfarrstellen angemessen zu besetzen, da es immer mehr Mangel an gebildeten Konventualen hatte. So mussten Pfarrerstellen oft mit völlig ungeeigneten  Männern besetzt werden, was zum Beispiel in Neustadt zu geradezu skandalösen Zuständen führte.

Schließlich empfahl er den Karmeliter Provinzial Pater Leonhard Gramar als Prediger nach Neustadt. Das Kloster musste dafür jährlich 200 Gulden, das sind etwa 39.954,00 €, aufbringen.

Abt Valentin II. starb am 5. Juli 1574. Ihm wurde eine Neigung zum Luthertum nach gesagt. Dafür spricht, dass er in seiner Regierungszeit zweimal nach Würzburg zitiert. 1566 rief ihn der Fürstbischof nach Würzburg. in dieser Zeit bewachten 2 adelige Hofbeamte und 7 Berittene das Kloster.

1571 musste er wieder nach Würzburg gebracht und dort eingesperrt. Er kam nur auf Fürbitten einiger Domherren, unter ihnen der spätere Fürstbischof Julius von Echter und nach Ausstellung entehrender Reversbriefe wieder frei.

Der Wahltag war von Abt Leonhard auf den 27. Juli 1574 festgelegt. Er leitete die Wahl unter Assistenz des Langheimer Abtes Magnus Hofmann (1572–1582). Gewählt wurde von 10 Konventualen Abt Valentin III. Steinmüller aus Mellrichstadt. Vor seiner Wahl war er Prior.

Die Wahl hatte nur nach heftigen Protesten von Abt Leonhard stattgefunden. Denn der Würzburger Bischof Julius Echter von Mespelbrunn (1573-1617), der inzwischen auf Friedrich von Wirsberg gefolgt war,  hatte mit den Domherren Wilhelm von Milchling und von 1577-1591 Propst von St. Burkhard in Würzburg und Sebastian Faber, Dekan des Stiftes Haug in Würzburg zusammen mit dem Notar Rochus (Rost S. 76) Die Mönche befürchteten aber, Bischof Echter könnte sogar einen Administrator einsetzen und so das Kloster in die Hand des Bischofs kommen. Man einigte sich schließlich auf den Kompromiss, dass die Kommissare zwar bei der Wahl anwesend waren, sicher aber nicht einmischten und  auch keine Stimme abgaben. Abt Leonhard reiste am 30. Juli 1574 mit dem neugewählten Abt nach Würzburg, um diesen Bischof Julius vorzustellen. Dabei wiederholte er seinen Protest.

Der Bischof ging aber noch einen Schritt weiter und legte Abt Valentin eines Eidesformel vor, die nach Ansicht des Ebracher Abtes weit über das hinausging, was die Vorschriften und Definitionen zuließen. Der Bischof verwies aber auf die Bestimmungen des Konzils von Trient und leitete daraus seín Recht ab. Außerdem erklärte er, dass mehrere Mönche in Bildhausen Lutheraner seien, andere Beischläferinnen hätten und andere andere Gebrechen und außerdem sei die Klosterzucht völlig verfallen.

Endlich wurde Abt Valentin am 21.September 1574 vom Würzburger Weihbischof Anton Resch (1567-1583) unter Assistenz der Äbte von Langheim Magnus Hofmann (1572–1582) Michael II. Bernhart (1560–1581 ) vom Würzburger Kloster St. Stephan geweiht.

Schon im ersten Amtsjahr ergaben sich Schwierigkeiten. 1366 hatte das Kloster die Höfe von Großwenkheim und Wargoldshausen für 2.500 Pfund Heller,  das entspricht etwa 166.988,00 €, wiederkäuflich von den Grafen von Henneberg gekauft. Diese hatten aber

das Recht des ewigen Wiederkaufes an den Bischof und das Hochstift von Würzburg verkauft.  1574 machte Bischof Julius von diesem Wiederkaufsrecht Gebrauch und sandte den Amtmann von Königshofen Georg von  Masbach mit 2000 Dukaten , das sind etwa 395.790,00 €,

nach Bildhausen um diese Güter wieder einzulösen. Dem Abt schien das zu wenig und er nahm das Geld nur unter Protest an. –daraufhin ließ Bischof Julius das Geld wieder abholen. 1575 einigte man sich schließlich auf folgende Lösung. Das Kloster versprach 6.000 Dukaten zu zahlen,

etwa 1.187.371,00 €. Dafür verzichtete Bischof auf das Wiederverkaufsrecht, behielt sich lediglich vor, dass das Hochstift vom Kloster das Vorkaufsrecht erhalten sollte, falls sich das Kloster einmal zu einem Verkauf entschließen sollte.

Bischof Julius versuchte wie in vielen Klöstern die Hoheitsrechte des Stiftes auszuweiten.

Die Zustände in der Pfarrei Neustadt hatten sich nicht gebessert. Auch die wirtschaftliche Lage des Klosters verschlechterte sich beständig. Daraufhin schickte er im Einvernehmen mit Abt Leonhard eine Kommission nach Kloster Bildhausen. Aus Kloster Ebrach war der Prior

dabei. Es erfolgte eine Zurechtweisung, die Abt Valentin aber nicht beachtete. 1581 wurde nochmals eine Kommission nach Bildhausen geschickt, die das Archiv und die Rechnungen überprüfte. Daraufhin wurde Abt Valentin abgesetzt. Er flüchtete und starb nach Rost (S. 81) “in größtem Elende”.

Am 20. November 1581 wurde sein Nachfolger Abt Michael Christ aus Mellrichstadt von 12 Konventualen einstimmig gewählt. Vor seiner Wahl war er von 1574-1581 Prior in Bildhausen. Abt Leonhard von Ebrach leitete die Wahl, bei der wieder bischöfliche Kommissare anwesend waren.

Abt Michael wurde am 28. Januar 1582 als 35. Abt von Bildhausen unter Assistenz der Äbte Leonhard aus Ebrach und Magnus aus Langheim benediziert. Er war einer der besten Äbte, die Bildhausen hatte, wie Otto Schnell in “Personalstand der Abtei Bildhausen während der Zeit ihres Bestandes,

Würzburg  1887 S.150 feststellt. Rost nennt ihn sogar “zweiten Stifter des Klosters”. S.82.

Bei seinem Regierungsantritt war Bildhausen verarmt und verschuldet. Viele Gefälle und Güter waren versetzt oder verpfändet. Die Gebäude waren verfallen und zum Teil öde. Er stellte alles wieder her, meist  in besserem Zustand. Er baute neue Gebäude.Güter und Gefälle

löste er wieder ein. In der Kirche ließ er neue Statuen aufstelle, die Gemälde, die unter Feuchtigkeit gelitten hatten ließ er restaurieren. Er ließ die Orgel reparieren. 1616 ließ er die Konventsmessglocke gießen und die große Kapitelsglocke mit einer Inschrift versehen.

1592 kaufte er die freie Fischerei an der Brend für 200 Dukaten, das sind etwa 39.579,00 €.  1598 kaufte Abt Michael von Christoph von Burdian die sogenannte Burdiansmühle in Altshausen, einem Stadtteil von Münnerstadt für 2.700 Dukaten, das sind etwa 534.317,00 €.

Schon vier Jahre vorher hatte er von Wolfgang von Erlach, Amtmann in Neustadt und Münnerstadt, das Gut Allershausen für 4000 Dukaten gekauft, das sind etwa 791.581,00 €. Das Gut bestand aus zwei Hofstätten Wiesen, Weinbergen, Krautfeldern und einem Baumgarten.

Die Kaufsumme wurde 1596 bar entrichtet. Insgesamt hatte Abt Michael für 11.437 Dukaten, das sind etwa 2.263.327,00 €.  Abt Michael löste auch das oben berichtete Wiederkaufsrecht für die Höfe in Großwenkheim und Wargoldshausen ein.

Er ließ die Pfarrhöfe in Heustreu, Salz, Brendlorenzen, Neustadt und Steinach neu erbauen. Zum Pfarrhausbau in Königshofen steuerte er bei. Trotz der Akquisitionen und vielen Neubauten konnte Abt Michael zu anderen Unternehmungen seinen Beitrag leisten.

so gab er 1582 zur Gründung der Universität Würzburg, bei der ein geistliches Seminar errichtet wurde, einen Beitrag von 3000 Dukaten, das sind etwa 593.685,00 €. Für die abgebrannte Residenz gab er 600 Dukaten, das sind etwa 118.737,00 €.

1591 wohnte Abt Michael der Einweihung der Universität Würzburg bei. An der Einweihung des Schlosses Marienberg 1605 nahm er ebenfalls teil.

Abt Michael starb am 19. Februar 1618. in seiner Regierungszeit stieg auch die Zahl der Konventualen wieder an und zwar von 12 auf 20. Obwohl er viel gebaut hatte und dafür zwischen 8.0000 und 10.000 Gulden, also  1.583.161,00 €. und etwa 1.978.952,00 €. , Güter und Gerechtsame ausgelöst hatte,

hinterließ er bei seinem Tode noch eine bedeutsame Summe an Bargeld. (Rost S. 95)

Zu seinem Nachfolger wurde am 2. März 1618 einstimmig Georg Kihn (1618-1639)aus Würzburg zum 36. Abt gewählt. Vor seiner Wahl war er Prior in Bildhausen. Wahlberechtigt waren 20 Konventualen. Die Wahl fand unter Vorsitz des Ebracher Abtes Kaspar Brack (1615-1618) statt.

Dieser stellte ihn gleich nach seiner Wahl dem Würzburger Fürstbischof Johann Gottfried I. von Aschhausen vor. Er wurde aber erst nach Abschluss des Landtage, den Fürstbischof Johann Gottfried auf den 09.08.1618 in Würzburg einberufen hatte vom Würzburger Weibischof

Eucharius Sang (1597-1620) unter Assistenz der Äbte von Ebrach und  Abt Peter (1608-1620) von Kloster Langheim benediziert und infuliert.Abt Georgs Regierungszeit fiel in den Dreißigjährigen Krieg, der im Mai 1618 mit dem Prager Fenstersturz begonnen hatte.

Seine erste Amtshandlung war Wolf Adam von Steinau genannt Steinrück (1572-1652) am 19. Juni 1618 mit dem Klosterhof in Stralungen zu belehnen.

Bei seiner Rückkehr von Bischofsheim am Rhein übernachtete Fürstbischof Johann Gottfried mit großem Gefolge im Kloster Bildhausen.

Mit Kloster Theres hatte Bildhausen lange Jahre wegen des Pfarrhausbaues in Großwenkheim im Streit gelegen. Am 14. Juli 1622 verglichen sich die beiden Klöster im Beisein des Bildhausener Abtes und Abt Thomas II. Höhn(1619-1637).

Im selben Jahr kam Weihbischof Jodokus Wagenhauer (1620-1635) nach Bildhausen, weihte die entweiht gewesen Kirche in Großeibstadt neu ein. Auf dem Rückweg weihte er in der Klosterkirche den neu erstellten Marmoraltar, den die Schweden zehn Jahre später entweihten.

Am 29. Dezember 1622 verstarb Fürstbischof Johann Gottfried auf dem Regensburger Fürstentag. Abt Georg nahm am Leichenbegängnis teil, das am 20. Januar 1623 stattfand.

Vor der Krieg Bautätigkeiten unmöglich machte, war Abt Georg als eifriger Bauherr tätig. Er erneuerte die sogenannte Torkirche von Grund aus, die Weihbischof Jodokus am 14. November 1624 weihte. 1625 baute er das Abtsgebäude und das Kanzleigebäude.

Dann erbaute er die Konventsküche.

1626 machte sich der Krieg erstmals in Bildhausen bemerkbar. Wallenstein rückte in Bamberg ein. Er nahm mit seinen Generälen und Obristen Quartier in Bildhausen. Sein Heer wurde in der Umgebung einquartiert.

Noch zweimal gab es große Übernachtungen in Bildhausen. Am 20. Oktober 1627 übernachtete Fürstbischof Philipp Adolf (1623-1631) von Ehrenberg mit seinem Hof im Kloster.

1630 übernachtete Fürstabt Johann Bernhard Schenk zu Schweinsberg (1623–1632), der aus Regensburg kam in Kloster Bildhausen.

1630 griff der schwedische König Gustav Adolf (1611-1632) in den Krieg ein. Am 6. Juli 1630 landete er mit seinem Heer in Usedom. Am 17.September 1631 schlug er den Ligageneral Tilly (+30. April 1632) in der Schlacht von Breitenfeld vernichtend.

1632 marschierten die Schweden in Franken ein. An 7. Oktober 1631 stand Gustav Adolf vor der Festung Königshofen, die man als Schlüssel zum nördlichen Franken ansah. Am 10. Oktober wurde die Festung übergeben.

Der Würzburger Fürstbischof Franz von Hatzfeld (1631-1642) flüchtete nach Köln und blieb dort bis Ende 1634 im Exil. Auch Abt Georg hatte sich nach Köln geflüchtet. Die Schweden hatten Kloster Bildhausen eingenommen und dort einen Administrator eingesetzt. Die Mönche wurden vertrieben,

einige von ihnen misshandelt sowie der Bursar Johannes Carl.

Am 23. Januar 1632 schenkte Gustav Adolf der Stadt Schweinfurt die Klosterhöfe von Ebrach und Bildhausen in Schweinfurt mit sämtlichen Gefällen, Gülten und Zinsen. Einige Klostergeistliche legten dagegen zwar schriftlichen Protest ein, der aber nicht beachtet wurde.

Nach der Niederlage der Schweden bei Nördlingen im September 1634 traten fast alle protestantischen Reichsstände aus dem Bündnis mit Schweden aus.

In Königshofen setzten die Schweden einen protestantischen Pfarrer ein.

Ende 1634 konnte Fürstbischof Franz aus Köln zurückkehren. Auch Abt Georg  kam zurück. Er hatte in Köln viele Schulden machen müssen. Abt Georg blieb zunächst in Würzburg, begab sich dann aber nach Königshofen, wo er sich überwiegend aufhielt.

1637 leitete er die Wahl des Ebracher Abtes, bei der Johann VI. Pfister als Nachfolger seines Vorgängers Johannes Dressel (1618-1637) gewählt wurde. Auch bei der Benedikation durch Fürstbischof Franz am 2.Februar 1638 nahm er teil.

Abt Georg starb am 6. November 1639 auf der Festung Königshofen und wurde in der Pfarrkirche von Königshofen beigesetzt.

Er hatte alle noch vorhandenen Klosterdokumente sammeln und kopieren lassen und so dafür gesorgt, dass diese der Nachwelt erhalten blieben.

Kloster Bildhausen war noch besetzt, als Abt Georg verstarb. 6 Konventuale hielten sich  derzeit in Königshofen auf. Sie versammelten sich zu einer außerordentlichen Abtswahl, in der Valentin IV. Hendinger (1639-1675) einstimmig gewählt zum Abt gewählt wurde.

Wann Konventuale und Abt nach Bildhauswen zurückkehren konnten, ist nicht überliefert. Aber 1644 lebten sie wohl wieder im Kloster. Denn 1644 ließ Abt Valentin das Muttergottesbild an der Toreinfahrt erneuern und einer Zeittafel versehen.

1644 geriet das Kloster aber auch in Schwierigkeiten. Klosteruntertane hatte nämlich in Junkerhausen einen schwedischen Offizier gefangengenommen und getötet. Der schwedische Obrist von Kandelberg erfuhr davon und drohte dem Kloster mit heftigsten Konsequenzen, wenn es nicht eine bedeutende Summe zahlen würde. In seiner Not verkaufte das Kloster seinen Hof in Würzburg an das Karthäuserkloster in Astheim bei Volkach. Die Karthäuser zahlten die Kaufsumme bar und sandten diese nach Bildhausen. Als sie dort ankam, war der schwedische Obrist bereits vertrieben,

das Geld also gerettet. Der Abt wollte das Geld sofort zurückschicken. Die Karthäuser verweigerten aber den Kauf rückgängig zu machen.

Zwischen dem 15. Mai 1648 und dem 24.Oktober 1648 wurden in Münster und Osnabrück eine Reihe von Verträgen geschlossen, die als “Westfälischer Friede” in die Geschichte eingingen und den den Dreißigjährigen Krieg beendeten.

Von dem Krieg und seinen Folgen erholte sich das Kloster erst allmählich. Abt Valentin konnte aber viele Schulden zurückzahlen.

Den Klosterhof in Neustadt an der Saale erbaute er neu. Auch viele verpfändete Zehnten brachte er wieder ans Kloster zurück.

1660 erbaute er die Zehntscheuer in Hollstadt.

Neben den eingelösten Pfändern konnte Abt Valentin für insgesamt 3000 Gulden Neuerwerbungen tätigen, das sind etwa 583.287,00 €

Ein sehr gutes Verhältnis hatte er zum Würzburger Fürstbischof Johann Philipp I. von Schönborn (1642-1673). Dieser handelte für sein schwer geschädigtes Bistum mit den verschiedenen Kriegsparteien Entlastungen aus. Wegen seiner umsichtigen Rolle bei

den Verhandlungen wurde er 1647 auch Erzbischof von Mainz und 1663 noch Bischof von Worms. Er besuchte das Kloster mehrfach und übernachtete auch dort.

1672 wohnte Abt Valentin dem Landtag bei.

In diesem Jahr wurde Kloster Bildhausen auch in die Oberdeutsche Zisterzienserkongregation aufgenommen, die im September 1624 in Salem gegründet worden war.

Am 12. Februar 1673 starb Fürstbischof Johann Philipp. Bei dem Leichenbegängnis war Abt Valentin auch anwesend.

Am 11. Februar 1675 verstarb Abt Valentin im Alter von 81 Jahren, nachdem er 36 Jahre Abt und 53 Jahre Priester gewesen war.

In Würzburg war inzwischen Peter Philipp von Dernbach (1675-1683) Fürstbischof.  Bei der Abtswahl, die nun anstand griff er gleich massiv ein, um seine Rechte zu wahren.

Der Ebracher Vaterabt Alberich Degen (1658–1686) hatte den Wahltag für den neuen Abt auf den 26. Juli gelegt. Der Konvent meldete den Tod von Abt Valentin auch nach Würzburg. Der Geistliche Rat in Würzburg setzte nun den 29. Juli

als Wahltermin fest, was ja nicht in seiner Kompetenz lag. Abt Alberich protestierte nicht dagegen und verkündete den 29. Juli als Wahltermin.

Am 28. Juli kamen die bischöflichen Kommissare, Weihbischof Stephan Weinberger (1667-1703) und der Domherr Johann Georg Specht von Bubenheim (1665-1688) in Bildhausen an.

Der Weihbischof hielt nun eine Ansprache und verlangte folgendes: Vorrang der würzburgischen Kommissare, Mitdirektorium beim Wahlvorgang, Installation des neu zu wählenden Abtes, das Recht ihn ins Konklave zu führen,

die Schlüssel zu übergeben und als erster zu gratulieren. Dagegen protestierte der Abt sofort und erklärte, das sei nicht mit den Ordensstatuten und den Exemtionen vereinbar. Er drohte, selbst lieber unverrichteter Dinge abzureisen

als sein Gewissen zu beschweren. Die bischöflichen Kommissare erklärten, dass sie nicht “einen Nagel breit” (Rost S. 122). Daraufhin begab sich der Abt ins Konklave zurück und machte Anstalten, abzureisen.

Als die Kommissare merkten, dass der Abt Ernst machte, baten sie den Abt zu bleiben, bis sie neue Instruktionen aus Würzburg eingeholt hätten. Man einigte sich schließlich auf folgenden Modus. Im Kapitel und bei der Wahl hat der Abt den Vorsitz,

bei Tische aber die Kommissare. Sie versprchen sich nicht einzumischen und nur die Stimmzettel einzusehen. Das Recht, als erste zu gratulieren, behielten sie sich vor.

27 Konventuale waren wahlberechtigt. Gewählt wurde Robert Metzel aus Volkach. Vorher war er Bursar. 1672-1675 war er Pfarrer in Brendlorenzen und zugleich Ökonom n Neustadt. Damit war die Wahl zum 38. Abt von Bildhausen abgeschlossen.

Aber auch für die Weihe gab es neue Vorschriften. Der Konvent müsse schriftlich um die Konfirmationen nachsuchen. Der Neugewählte würde 8 Tage lang an der Kirchentür angeschlagen. Dann erst würde der Bischof den Konfirmationstermin bekannt geben.

Der Neugewählte müsse dann vom Prior und zwei Patres präsentiert werden und dann die Professio fidei ablegen. Dies ängstigte den neugewählten Abt alles und er fragte Abt Alberich in Ebrach um rat, wie er sich verhalten solle. Dieser empfahl ihm, nur

mit einem Konventualen nach Würzburg zu reisen , um sich dem Bischof zu präsentieren und falls dieser auf mehreren bestand, dem Bischof zu sagen, man habe dies nicht gewusst und auch in allen Klosterurkunden nichts gefunden.

Am 6.Oktober 1675 wurde Abt Robert schließlich von Weibischof Stephan Weinberger in der Klosterkirche von Bildhausen benediziert.

In seiner Regierungszeit zahlte Abt Robert Schulden zurück. Er kaufte kostbares Silbergerät. Er baute 1676 den oberen Pferde-und Kuhstall.  Er löste den Keltenhof in Stralungen für 400 Gulden, das sind ungefähr 4000,00 €.. Auch zahlte er an den Schulden, die Abt Georg

in Köln gemacht hatte, 1100 Gulden ab, das entspricht ungefähr 11.000 €. In der Klosterkirche ließ 1679 er den Hauptaltar errichten und vergolden. Die Zahl der Konventualen nahm wieder zu, bei seinem Tod waren es 29.

Er legte den Grundstein zu dem noch erhaltenen dreistöckigen Dormitorium legen. Abt Robert litt an Wassersucht. Er erlebte noch, wie ein Marienbild, das er in Augsburg in Auftrag gegeben hatte und das 2959 Gulden also

ungefähr 1.720.383,00 € gekostet hatte, in Bildhausen ankam. Er verstarb am 8. Oktober 1689.

Als Abt Ludwig gestorben war, schickte der Konvent sofort einen reitenden Boten nach Ebrach, um den Tod zu melden. Aber Abt Ludwig Ludwig (1685-1696) befand sich in Kloster Langheim, wo ein neuer Abt gewählt wurde.

Der Abt wurde dort von bambergischen Soldaten fast wie ein Gefangener behandelt. Durch Vermittlung eines langheimischen Bediensteten konnte der Bildhausener Bote schließlich zum Abt vordringen. Dieser beauftragte den

Bronnbacher Abt Franz Wundert ( 1670-1699) die Wahl in Bildhausen vorzunehmen und erteilte ihm die nötige Vollmacht. Dieser setzte den 24. Oktober als Wahltermin fest. Der Würzburger Fürstbischof Johann Gottfried II. von Guttenberg
(1684 –1698) hatte allerdings schon den 22.10. als Termin festgelegt. In Anwesenheit des bischöflichen Kommissars Johann Franz Karl von Ostein (1681-1718) wurde Friedrich Agricola zum 39. Abt von Bildhausen gewählt. Er ist am 9. Oktober  1643

in Würzburg geboren. 1664 trat er in das Kloster Bildhausen ein. 1671 wurde er zum Priester geweiht. 1677 war er Ökonom in Neustadt. Ab 1687 bis zu seiner Wahl zum Abt war er Prior in Bildhausen.

Er wurde von Weihbischof Stephan Weinberger unter Assistent der Äbte Franz Wundert aus Bronnbach und  Benedikt Knittel (1650-1732) aus Schöntal in der Klosterkirche von Bildhausen benediziert.

Nach den Klosterchroniken war Abt Friedrich bei seinen Konventualen sehr beliebt. Er regierte 14 Jahre, in denen er sehr viel baute.

1691 und 1692 ließ er auf dem Rindhof in Münnerstadt 2 neue Bauernhöfe mit Ställen erbauen. 1694 baute er den Pfarrhof in Brend und gab dafür  1400 Gulden aus, das sind immerhin ungefähr 814.076,00 €.

Im selben Jahr setzte er die vom Einsturz bedrohte Burdiansmühle in Münnerastadt-Althausen in Stand und gab dafür 1340 Gulden aus, also ungefähr 779.187,00 €.

1695 ließ er das Bauernhaus in Brend von Grund auf neu herstellen.

1697 folgte der Pfarrhof in Heustreu mit einem Aufwand von 1006 Gulden, also ungefähr 10.006,00 €.

1701 wurde das baufällige Baderhaus in Großwenkheim wiederhergestellt.

Gegen Ende seines Lebens bekam Abt Friedrich ein Übel im Gesicht, was ihn verunstaltete und dazu veranlasste, sich aus der Öffentlichkeit zurück zu  ziehen.

Er nahm deshalb auch nicht an den Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen Würzburger Fürstbischof Johann Gottfried II. teil Auch bei der Weihe des neugewählten Fürstbischof

Johann Philipp von Greiffenclau (1699-1719) war er nicht dabei. Als dieser aber die Huldigung seiner Untertanen in Neustadt entgegennahm, ließ ihn Abt Friedrich durch seinen Bursarius einladen.

Daraufhin kam der neugewählte Fürstbischof mit einer großen Anzahl seiner Hofleute nach Bildhausen und nahm dort ein Mittagessen ein.

Abt Friedrich erlag seinem Leiden am 11. August 1703 im Alter von 56 Jahren.

Die Wahl für den neuen Abt wurde auf den 18. August 1703 gelegt. Sie fand dann unter ziemlich turbulenten Umständen statt. Ein Kompetenzstreit den Installationsakt betreffend  zwischen dem Ebracher Vaterakt

Paulus Baumann (1702–1714) und den bischöflichen Kommissaren Ignaz Theobald Hartmann von Reinach (1662–1727) führte zu einem Gerangel und sogar Handgreiflichkeiten. Die Kommissare waren in der Abteikirche eingesperrt worden.

Der Fürstbischof und seine Regierung nahmen dies sehr übel. Der neugewählte Abt erhielt erst nach Ausstellung eines beschwerlichen Revers eine Audienz beim Bischof. Er musste Abbitte leisten

und der Installationsakt musste im Kloster wiederholt werden, dieses Mal in Anwesenheit der bischöflichen Kommissare. Er wurde erst am 21. November bestätigt und am 4. März 1704 vom Fürstbischof selbst unter Assistenz

der Äbte Benedikt Knittel und Joseph Hartmann (1699–1724) aus Bronnbach benediziert.

Zum 40. Abt von Bildhausen war Augustin Stapf (1704- 1731 gewählt worden.

Abt  Augustin ist am 25.Dezember 1659 in Wermerichshausen (heute Münnerstadt)  geboren. Er ist der Sohn eines Bauern, trat 1681 in Kloster Bildhausen ein und wurde 1684 zum Priester geweiht. Von 1698 bis zu seiner Wahl 1703

war er Pfarrer in Großwenkheim.

In Großwenkheim ließ er 1723 das klostereigene baufällige Schankhaus “Zum Adler” mit Pferdeställen neu errichten.

Aus seiner Regierungszeit sind mehrere Rechtsgeschäfte überliefert. So schloss er mit den Freiherren von Rosenbach wegen angrenzender Jagdbezirken, was immer wieder zu Streit geführt hatte.

Die Schwierigkeiten  bei seiner Installation scheinen das Verhältnis zwischen Fürstbischof und Kloster nicht weiter belastet zu haben. Er besuchte das Kloster mehrmals und speiste auch dort.

Der Abt war beim feierlichen Einzug Kaiser Karls VI. (1711-1740) in Würzburg zugegen.

Am Leichenbegängnis von Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau  am 28. August 1719 dabei, ebenso wie bei der Weihe des neugewählte Würzburger Fürstbischofs Christoph Franz von Hutten (1724-1729).

Im selben Jahr assistierte er bei der Benediktion des Abtes Engelbert Schäffner (1724–1752) von Bronnbach.

Abt Augustin verstarb am 19. August 1731. Er war ein guter Haushälter. Bei seinem Tode befanden sich 66.000 Gulden, das sind ungefähr 660.000,00 € in der Klosterkasse. (Rost S. 141)

Am 10.September 1731 fand die Wahl des Nachfolgers von Abt Augustin statt. Die Wahl wurde geleitet vom Ebracher Vaterabt Wilhelm Söllner (1714–1741), bei der auch drei fürstbischöfliche Kommissare anwesend waren.

Gewählt wurde im zweiten Wahlgang Engelbert Klöpfel (1731-1754) mit knappen Mehrheit. Das Ergebnis lautete 19 von 35 Stimmen.

Engelbert ist am 17. Januar 1675 in Weichtungen bei Münnerstadt geboren. wie sein Vorgänger war auch er ein Bauernsohn. Er trat am 7.September 1695 in das Kloster Bildhausen ein. Am 17. Mai 1699 feierte er seine erste Heilige Messe.

Danach war er vor allem in der Seelsorge tätig. Von 1705-1731 war er Pfarrer in Hollstadt. Dann wurde er zum Abt gewählt.

Er war ein sehr baufreudiger Abt. Für den Ausbau und die Verschönerung der Klosterkirche gab er 10.000 Gulden aus, also ungefähr 5.826.500,00 €. Die Hauptorgel ließ er aus dem Chor in das Hauptschiff der Kirche versetzen.

Neben der Ausschmückung der Kirche kaufte er auch viel kostbare Gefäße. Einen bedeutenden Teil des Konventbaus ließ er neu errichten. Auch der Bibliotheksaal wurde neu erstellt.

Zu Beginn seiner Regierungszeit ließ er 1732  das Ökomiegebäude in Hollstadt erbauen. 1746 ließ er die neue Sepultur, also Grablege errichten.

1735 musste der Besitzer der den Kloster lehnbare Steinmühle in Saal diese wegen Schulden verkaufen. Abt Engelbert kaufte die Mühle für 3.000 Dukaten, das sind ungefähr 1.747.950,00 € und verkaufte sie gegen

Vorbehalt des Kaufs- Tausch- und Teilungs-Handlohn weiter und dies mit einem Revers, dass er die Mühle an keinen Adligen, kein Kloster oder Spital und keine Gemeinde verkaufen dürfe.

1744 kaufte er Güter und Gülten für 2070 Gulden, also ungefähr 1.206.086,00 € in Großbardorf.

1733 fand der polnische Erbfolgekrieg statt., in dem Frankreich gegen Österreich kämpfte. 1733 sollte das Generalkapitel in Citeaux tagen. Wegen des Krieges besuchte Abt Engelbert anstelle des erkrankten Ebracher  Abtes

Wilhelm zusammen mit Abt Martin Wolf (1728-1734) aus Langheim und Pater Josef aus Ebrach das Kloster Kaisheim.

Am 8. August 1734 nahm er an der Amtseinführung des Langheimer Abtes Stephan Mössinger (1734-1751) teil.

Eine Reise zum Generalkapitel nach Citeaux erfolgte dann zusammen mit Abt Engelbert Schäffner (1724-1752) vom Kloster Bronnbach im April 1738.

Am 29.April 1741 fand in Ebrach das Leichenbegängnis von Abt Wilhelm statt. Der Salemer Abt Konstantin Miller (1725-1745) hatte als Vorsitzender der Oberdeutschen Kongregation dazu Abt Cölestin I. Meermoos (1739–1771)

von Kloster Kaisheim delegiert. Die Würzburgischen Kommissare hatten dies aber nicht gestattet, da Abt Cölestin nicht aus der Diözese war.

Also übernahm Abt Engelbert diese Aufgabe.

Am 10. September 1741 assistierte er bei der Benediktion des neuen Abtes von Ebrach Hieronymus Held (1741-1773), der in der Domkirche in Würzburg geweiht wurde. Am 15. September 1743 wurde die Hofkirche in Würzburg  von Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn (1729-1746) eingeweiht. Dazu waren alle Äbte eingeladen. sie erhielten dann eine Gedenkmünze

im Wert von 17 Dukaten, das sind immerhin ungefähr 9.905,00 €.

1744 fand in Schweinfurt ein Kreistag abgehalten.Bischof Friedrich Karl bat Abt Engelbert dazu zwei Konventuale abzuordnen, die dort im Rathaus die Messe lesen sollten. Abt Engelbert schickte dazu die Patres

Bonifatius, den späteren Abt und Gregor (+1753)

Natürlich hatte die Abtei auch immer wieder hohe Besuche. So weilte Herzog Friedrich von Sachsen-Meiningen (1729-1743) am 3. Mai 1735 in Bildhausen. Fürstbischof Friedrich Karl übernachtete am 17. November 1735 in Kloster Bildhausen.

1739 war Elisabeth  Sophie, Herzogin von Sachsen –Meiningen und Schwester des Preussenkönigs Friedrich II. für einen Tag zu Gast in Bildhausen.

Im Alter litt Abt Engelbert an Wassersucht. Daran starb er schließlich im Alter von fast 80 Jahren am 27. April 1754.

Am 28. Mai 1754 fand die Wahl zum neuen Abt statt.

Gewählt wurde Bonifatius Gessner (1754-1770) Er ist am 17. November 1699 in Großwenkheim geboren. Er war der dritte Bauernsohn in Folge, der später Abt in Bildhausen wurde.

Er trat im Mai 1721 in das Kloster Bildhausen ein. Seine Primiz feierte er am 2. November 1727. Noch vor seiner Priesterweihe sandte ihn das Kloster zum Theologiestudium nach Würzburg.

Im Kloster übernahm er dann die Stelle eines Lektors für Philosphie und Theologie. Schon mit 39 Jahren wurde er zum Kanzleidirektor.

1738 begleitete er Abt Engelbert auf seiner Reise zum Generalkapitel nach Citeaux.

In seinem Wappen führte führte er u.a. eine strahlende Sonne. Das führte zu seinem Beinamen “Sonnenabt”.

Die Regierungszeit von Abt Bonifatius war eine Glanzzeit der Abtei. Gleichzeitig waren die Zeitumstände sehr ungünstig. Der Siebenjährige Krieg von 1756-1763 ging auch an Kloster Bildhausen nicht spurlos vorüber.

Daneben gab es eine Reihe von Naturkatastrophen. Einmal wurden die Scheunen des Klosterhofes in Neustadt vom Blitz getroffen und die Scheunen brannten ab.

Am 28. Mai 1768 setzte eine große Überschwemmung auch die Klosterkirche unter Wasser. Er ließ dann die Wasserschäden beseitigen

Um seine Heimatgemeinde Großwenkheim kümmerte er sich immer stark. Noch vor seinem Amtsantritt hatte er dort die Wahl  seines Verwandten Johann Nikolaus Geßner zum Schultheißen geleitet.

Vom Landesherren erwirkte er für Großwenkheim die Erlaubnis, jährlich 4 Märkte abhalten zu dürfen. In Großwenkheim ließ er die barocke Kirche Maria Himmelfahrt erbauen. 1765 legte er den Grundstein zur Kirche.

Der aus Münnerstadt stammende Kirchenmaler Johann Peter Herrlein (1722-1799) fertigte die Deckengemälde. Dort ist auch Abt Bonifatius in der weissen Kukulle der Zisterzienser verewigt. Als sich 1770 eine

Unterdeckung von mehreren tausend Gulden abzeichnete, schoss er den Betrag vor, der erst 1775 zurückbezahlt werden musste.  Die Weihe der Kirche, die auch Dom der Vorröhn benannt wird, erlebte er nicht mehr.

Der Würzburger Weihbischof Daniel von Gebsattel (1748-1788) weihte die Kirche am 23. August 1728.

Auch den Kirchenbau der Augustiner in Münnerstadt unterstützte er mit beträchtlichen Summen.

Gütererwerbungen wurden wenige erwähnt.

Er kaufte den Zehnten von Mittelstreu. 1756 kaufte er vom Würzburger Damenstift den Hof zur Güldenen Pforte den das Kloster 1774 an den Würzburger  Buchhändler Johann Jacob Stahel für 5000 Gulden, also ungefähr 2.839.504,00 €.

Im Kloster erbaute er 1765/66 als Sommerrefektorium das Gartensalett . In der 1625 unter Abt Georg Kihn errichteten Prälatur ließ er eine Rokokotreppe anfertigen und reiches Stuckwerk in der Abtswohnung.

Abt Bonifatius verstarb am 11. Juni 1770 mit 71 an der Gicht.

Am 3. Juli 1770 wurde Abt Edmund Martin (1770-1786) zum Nachfolger Bonifatius gewählt. Er ist am 23. Dezember 1718 als Sohn bürgerlicher Eltern in Neustadt an der Saale geboren

Im Februar 1741 trat er in das Kloster Bildhausen ein. Seine Primiz feierte er am 16. Mai 1745. Nachdem er zum Abt gewählt worden war, wurde er am 14. Oktober 1770 in der Hofkirche in Würzburg zum Abt geweiht.

Von den Klosterchronisten wurde er als liebenswürdiger Abt geschildert. Allerdings ging dieser Ruf wohl auf Kosten der Wirtschaftlichkeit und des Klosterhaushaltes.

In wirtschaftlichen Dingen war er hoffnungslos überfordert, was sich vor allem bei der Bewirtschaftung der Klosterwälder zeigte. Diese wurden völlig planlos einfach abgeholzt. Auch war das Kloster unter Abt Martin

schnell überschuldet.

Dass die Abtei sich wieder erholte, war vor allem Nivard Schlimbach, dem späteren Abt, der bis zu seiner Abtswahl Kanzleidirektor war und dem Bursar und Subprior Joseph Dettelsbacher (+ 1788) zu verdanken.

Diese erstellten in den 1780-Jahren einen systematischen Aufforstung-und Abholzungsplan.

Im September 1786 erkrankte Abt Martin und verstarb nach einem siebenwöchigen Krankenlager am 23. September 1786.

Am 17. Oktober 1786 fand die Abtswahl statt.

Gewählt wurde Nivard Schlimbach(1786-1803) als 40. und letzter Abt von Kloster Bildhausen.

Er wurde am 25. März 1747 als jüngster Sohn des Wundarztes und Schultheißen Johann Schlimbach in Althausen, heute ein Ortsteil von Bad Königshofen im Grabfeld geboren.

Er absolvierte das Gymnasium in Bamberg und besuchte dann den philosophischen Kurs in Bamberg. Dann wechselte er 1764 nach Würzburg, wo er das Philosophie- und Theologiestudium beendete.

1767 trat er in das Kloster Bildhausen ein. Am 18. September 1768 legte er die Profess ab und wurde 1771 zum Priester geweiht.

Nach der Primiz schickte ihn Abt Edmund zum Studium der Rechtswissenschaften nach Würzburg. Dort wohnte er bei Professor Josef Maria Schneidt. Dieser war ab 1754 für 11 Jahre Konsulent, das ist ein Rechtsberater, der Abtei Bronnbach.

Schneidt war dort orendtlicher Professor der Pandekten und des fränkischen Rechts. Der spätere Abt erwarb sich dort bedeutende Kenntnisse in der Rechtswissenschaft und der fränkischen Geschichte.

Unter der Anleitung von Professor Schneidt legte er eine Sammlung von Kopien von Urkunden an, die sich auf die fränkische Geschichte bezogen.

Diese Sammlung mit dem Titel “Antiquitates Herbipolensis” setzte er bis an sein Lebensende fort.

Nach drei Jahren kehrte er nach Bildhausen zurück, wurde dort Gehilfe des Kanzleidirektors, dann Gehilfe des Ökonoms in Hollstadt. Danach erhielt er die erledigte Stelle des Kanzleidirektors in Bildhausen, die

er bis zu seiner Wahl zum Abt behielt.

Bei seinem Regierungsantritt fand er das Kloster hoffnungslos überschuldet vor. Gleich zu Beginn musste er aufgrund gerichtlicher Anordnung 12.000 Gulden auszahlen, das sind etwa 120.00 Euro auszahlen.

Er baute die hohe Verschuldung zügig ab, verkaufte unprofitable Weinberge. Auch die Zahl der Mönche reduzierte er, um kosten zu sparen. Brachliegende Flächen ließ er urbar machen.

Den Petersberg ließ er roden und mit Obst und Hopfenanlagen bepflanzen. Der neuerbaute Rindhof wurde bald zu einem Ökonomiegut, dessen Erträgnisse die Einkünfte des Klosters bedeutend erhöhten.

Er ließ einen neuen Gästebau und das Pfortenhaus errichten.

In Unsleben errichte er eine Zehntscheuer.

Im Juli 1789  hatte in Frankreich die Revolution stattgefunden. 1792 begannen die Koalitionskriege, also kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und den europäischen Machtrivalen.

Schon im 1. Koalitionskrieg 1792-1799 fanden Kämpfe in Franken statt.

1795 errichten die Österreicher ein Lazarett in Kloster Bildhausen. 1796 rückten die Franzosen unter General Jean-Baptiste Jourdan zum zweiten Mal über den Rhein vor und drangen von der Lahn bis in die Oberpfalz vor.

Nachdem die Österreicher abgerückt waren, kamen die Franzosen auch vor Kloster Bildhausen. Nur die Zahlung einer beträchtlichen Geldsumme und die Lieferung von Lebensmitteln bewahrte das Klosterdavor,

geplündert und gebrandschatzt zu werden. Da die Lage zu unsicher war, flüchtete sich Abt Nivard erst nach Coburg und dann nach Cronach und schließlich nach Ebersberg im Vogtland.

Zu allem Unglück wurde die Gegend auch von einer verheerenden Viehseuche heimgesucht.

Die Franzosen kamen noch einmal nach Bildhausen. Dieses Mal lag der Stab im Kloster.

Die Gegend war so unsicher geworden, das selbst die Abteikirche vor Einbruch und Diebstahl nicht sicher war. In der Nacht vom 15. auf 16. Oktober 1801 versuchten Diebe in der Sakristei einzubrechen. Sie wurden aber gehört und

vertrieben. Erfolgreich war ein Diebstahl am 29. Januar 1803. In der Kirche wurde der Tabernakel aufgebrochen, das silberne Ciborium gestohlen und die Hostien auf dem Boden verstreut.

Die letzte Visitation von Kloster Bildhausen nahm der Ebracher Vaterabt Eugen Montag (1791–1803) und seinem Sekretär Wigand Weigand, von dem die “Geschichte der fränkischen Cistercienserabtei Ebrach (Landshut 1834) stammt,

am 15.0ktober 1801 statt.

Die militärischen Erfolge Napoleons hatten zur Folge, dass die französische Ostgrenze verschoben wurde. Einige Territorien des Heiligen Römischen Reiches verloren ihre linksrheinischen Gebiete. Als Entschädigung dafür wurde ihnen

im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 die kirchlichen Reichsstände zugeschlagen. Reichsstände waren diejenigen Personen und Korporationen, die Sitz und Stimme im Reichstag besaßen.

Am 2. Mai 1803 erschien in Kloster Bildhausen eine kurfürstliche Kommission unter Amtskeller Papius von Königshofen und Amtmann Bauer als Aktuar. Sie nahmen das Kloster in Besitz, um es aufzulösen.

Was sich eigentlich niemand vorstellen konnte, nämlich dass der Kurfürst von Pfalz-Bayern ein von einem Pfalzgrafen selbst gestiftete Kloster aufheben würde, war eingetreten.

Der Abt händigte die Schlüssel aus. Die Kommission setzte den seitherigen Syndikus der Abtei Franz Krais als kurfürstlichen Lokalkommissar ein.

Die Ökonomie und die Küche wurde allmählich aufgelöst. Ab dem 11. Mai erhielt jeder Mönch täglich einen Gulden , um sich selbst zu verpflegen. Jeder erhielt die Genehmigung, seinen Wohnsitz selbst zu wählen.

7  Patres verblieben zunächst im Kloster und führten einen gemeinschaftlichen Tisch. Pater Ägidius war ihr Prokurator . Im Winter 1803 waren praktisch alle ausgezogen. Nur Pater Alberich  war nicht zum Auszug zu bewegen.

Er verstarb am 19. November 1803. Damit war kein Zisterzienser mehr in Bildhausen.

Abt Nivard erhielt eine Jahrespension von 6.000 Gulden, also etwa 60.000 €, jeder Konventuale 600 Gulden, also 6.000 € und jeder Laienbruder 400 Gulden, also 4000 € als Pension.

Abt Nivard bekam den _Rindhof als Ruhesitz zugewiesen und pachtweise überlassen. Dorthin nahm er auch seine Sammlung fränkischer Münzen mit, die er seit 1776 systematisch aufgebaut hatte.

Sie umfasste 1157 Einzelstücke. Nach dem Tod des Abtes erwarb Großherzog Ferdinand von Toskana, der damalige Landesherr des Großherzogtums Würzburg, die Münzsammlung von Schlimbachs Erben und nahm sie 1814 mit nach Florenz, wo sie noch heute liegt.

Am 23. Oktober 1811 feierte er im Beisein aller noch lebenden Konventualen sein 25-jähriges Abtjubiläum.

Er starb am 5. Mai 1812 auf dem Rindhof. Er ist in Großwenkheim begraben, wo sein Grabmal bis heute erhalten ist.

Auf der Gemarkung des Kloster gab es insgesamt 7 Seen, die alle zur Fischzucht genutzt worden waren. Dazu hatte das Kloster noch den Fischzehnt am großen Hermannsfelder See inne.

Äußerst bedeutend waren die Waldungen des Klosters. Auf seiner eigenen Gemarkung waren das 5423 Morgen und in anderen Gemarkungen weitere 2377, also insgesamt 7.800 Morgen Wald.

Heute wird ein Morgen mit dem preussischen Morgen gleichgesetzt, das sind etwa 25 Aar, bzw. 2500 Quadratmeter.

Bildhausen hatte insgesamt 5 Klosterhöfe, von denen aus Liegenschaften des Klosters außerhalb seiner Gemarkung verwaltet und Abgaben einkassiert wurden.

Die Höfe waren in Königshofen, der 1403 entstand. In Königshofen war immer ein Kastner, also ein weltlicher Beamter.

In Neustadt an der Saale war ebenfalls ein Klosterhof, dem immer ein Konventuale vorstand, der immer Amtmann oder Kastner und Ökonom zugleich war.

Im Hof in Münnerstadt war ein weltlicher Kastner angestellt.

Dem Klosterhof in Schweinfurt stand ebenfalls ein weltlicher Kastner vor.

Das Kloster verfügte über ein beträchtliches Einkommen.  Im Jahresdurchschnitt der letzten 10 Jahre seines Bestehens  nahm das Kloster 71.275 Gulden ein, also etwa 712.750 €. Dem standen Lasten

von 10.144 Gulden, also 101.440 € gegenüber. Daraus mussten die Pensionen finanzziert werden. Da einige Patres starben, 1812 auch der Abt und 6 Patres in die Seelsorge übertraten, also auch keine

Pensionen mehr benötigten, sank die Pensionslast für die Amortisationskasse bis 1814 auf 600 Gulden.

Zum Zeitpunkt der Säkularisation, also 1803, befanden sich noch 30 Konventuale im Kloster.

Der Vermögenswert des Klosters konnte 1803 aus etwa 3 Millionen Gulden, oder 30 Millionen € geschätzt werden.

(alle Zahlen nach Rost ab Seite 187)

1818 wurde die Hälfte des Klostergutes an eine Mennoniten-Brüder-Gemeinschaft verkauft, die bis zum Ende des Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert war.

1897 erwarb Pfarrer Dominikus Ringeisen, der Begründer der Urberger Anstalten, die Klosteranlage. In die erhaltenen Gebäude zogen Schwestern der St. Josefs Kongregation aus Ursberg ein.

Seit 1996 wird eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung vom Dominikus-Ringeisen-Werk (ZU Ringeisen siehe auch Mei Büchle Kloster Ursberg) weitergeführt.

                                                                                                                                                              

                                                                                                                                                               Nivard Schlimbach, letzter Abt

                                                                                                                                                               von Kloster Bildhausen

10 Mai 2022

Kloster Aldersbach

 

 

                                                                                                                                                                                    Die ehemalige Abteikirche Maria Himmelfahrt

Der Ort Aldersbach hat schon lange vor dem Zisterzienserkloster bestanden. Bayern Herzog Odilo(736-748) hatte kurz vor seinem Tod das Kloster Mondsee im Salzkammergut gegründet. Diesem schenkte er Aldersbach mit allem Zubehör an Grund und

Boden und den Bewohnern. Diese Schenkung ist im sogenannten “Mondseer Traditionscodex” überliefert. Bischof Engilmar von Passau (875-899) weihte einen Altar in der Peterskirche.

Wohl 1120 wurde dann ein Augustiner-Chorherrenstift vom lokalen Adel gegründet. Aber Bischof Otto von Bamberg (1102-1139) wird als “fundator” bezeichnet. Er hat das Kloster von Beginn an tatkräftig unterstützt und wohl 1120 auch gegründet.

Dieses Datum vermutet auch Abt Wolfgang Marius in seinen Annales, der Klosterchronik. Dieses Datum wird auch von der modernen Geschichtsforschung gestützt. (Zu Bischof Otto siehe Mei Büchle Kloster Heilsbronn)

Aus dem Jahr 1139 liegen zwei Urkunden vor (alle Urkunden in  Kloster Aldersbach Urkunden (Zisterzienser 1139-1791)Fonds > DE-BayHStA > KUAldersbach in monasterium net)

Die erste wurde von Bischof Otto von Bamberg ausgestellt, in der er die Gründung von Kloster Aldersbach bestätigt. (Urkunde 00001), die zweite stammt von dem Passauer Bischof Reginbert (1139-1148)

Der Bischof bestätigte im selben Jahr die Gründung des Klosters und die Überlassung der bischöflichen Eigenkirche St. Peter. (Urkunde 00002).

1146 wurde das Augustiner-Chorherrenstift von den Zisterziensern übernommen. Der Chorherrenkonvent wurde von dem Bamberger Bischof Egilbert (1139-1146) nach Reichersberg transferiert.

Warum der Observanzwechsel stattfand,ist nicht überliefert. Möglich ist, dass dahinter die Überlegung stand, das Moorgebiet im Tal der Vils von Mönchen des im Landbau erfahrenen Zisterzienserordens kultivieren und wirtschaftlich erschließen zu lassen.

Aus Ebrach kam als Abt Sigfrid, der in Ebrach seine Profess abgelegt hatte.

Er bekam von Alram von Cham (1135-1163) sowie von Rapoto, Graf von Ortenberg (+ 1186) Güter in Aldersbach geschenkt. Ein drittes Gut kam von Bischof Reginbert.

Am 13.8. 1147 bestätigte  Papst Eugen III. (1145-1153) das Kloster und nahm es in seinen Schutz  (Urkunde 00004) und bestätigte die Güter in Aldersbach, Gumbrechting, Liessing (heute Ortsteil von Vilshofen)

und Gundlfing. Auch gewährte er Zehntfreiheit für seinen Besitz.

Nachfolger von Abt Sigfrid wurde Eberhard (1183-1199), den Sigfrid als seinen Nachfolger empfohlen hatte.

Die Herren von Kamm traten nicht nur als Schenker auf. Sie waren Bamberger Hochstiftsvögte in Niederbayern und hatten als solche die Vogteirechte in Kloster Aldersbach inne.

Aber es gab Streitigkeiten wegen der Vogteirechte. Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) beurkundete am 13.3. 1183 ein Urteil des Hofgerichts, das dem Alram von Kamm die Vogtei des Zisterzienserklosters Aldersbach aberkannte und gewährte Abt Eberhard das Recht, sich mit dem Rat des Bischofs von Bamberg einen Schirmvogt zu wählen.  (Urkunde das dem Alram von Kamm die Vogtei des Zisterzienserklosters Aldersbach aberkennt und gewährt dem Abt Eberhard das Recht, sich mit dem Rat des Bischofs von Bamberg einen Schirmvogt zu wählen. das dem Alram von Kamm die Vogtei des Zisterzienserklosters Aldersbach aberkennt und gewährt dem Abt Eberhard das Recht, sich mit dem Rat des Bischofs von Bamberg einen Schirmvogt zu wählen.  (Urkunde 00005-1). Kurz danach erließ  der Bamberger Bischof Eberhard II. von Otelingen (1146-1170 )

Bestimmungen zur Vogtei von Kloster Aldersbach. Allerdings scheint das Problem nicht definitiv gelöst zu sein, denn nur 5 Jahre später am 9.7. 1188 gebot Papst Clemens III. (1187-1191) den Bischöfen zu Regensburg Konrad III. von Laichling (1186-1204)

und Freising Otto II. von Berg (1184-1220), das Kloster Aldersbach gegen Albert von Cam (Cham), der sich widerrechtlich die Vogtei hierüber anmaßte, zu schützen. (Urkunde 00007)

Am 25. 8. 1190 bestätigte Herzog Leopold V. von Österreich (1177-1194) die von seinen Vorfahren erteilte Mautfreiheit für Kloster Aldersbach. (Urkunde 00009)

Nachfolger von Abt Eberhard wurde Ludwig (1199- 1221).

In “Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern,Bd 15, Landshut 1870” ist auf den Seiten 85-104 eine Geschichte des Klosters Aldersbach. Darin heisst es über Abt Ludwig “er war gelehrt  für seine Zeit .” (S. 88)

Am 18.3.1200 nahm sich auch König Philipp von Schwaben (1198-1208) des Vogteirechtstreits an. Er schloss die Herren von Cham “auf ewig” vom Vogteirecht über Kloster Aldersbach aus.

Der Konvent hatte ihn offensichtlich zum Vogt gewählt und er übernahm nun die Vogtei mit dem Versprechen, die Vogtei nie dem Reich zu veräußern. (Urkunde 00009-1)

In einer weiteren Urkunde bestätigte Philipp dem Kloster seinen Vogt selbst wählen zu dürfen (00010)

Am 26. November 1207 weihte der Passauer Bischof Manegold von Berg (1206-1215) die Aldersbacher Klosterkirche, eine dreischiffige romanische Basilika.

Am 23. 3. 1214 bestätigte Papst Innozenz III. (1198-1216) auf Veranlassung von Abt Ludwig die Freiheiten und Besitzungen von Kloster Aldersbach. Genantt werden schon 4 Grangien,nämlich die von Gumbrechting, die schon in der ZUrkunde von 1147 aufgezählt wird,

die von Atzenberg, heute ein Ortsteil von Aldersbach, Brennburg,  und Gneissendorf. (Urkunde 00013).

Nach dem Tod von Kaiser Otto IV. (1198-1218, unangefochten jedoch nur von 1208-1213) wählte der Konvent Graf Heinrich I. von Ortenburg (+ 1241) als seinen neuen Vogt.

Die Grafen von Ortenburg spielten eine wichtige Rolle. Der Münchner Historiker Richard Loibl sieht Kloster Aldersbach im 13. Jahrhundert sogar als Hauskloster des Hauses Ortenberg, obwohl sich die Grablege der Familie im Passauer Dom befand.

Abt Ludwig urkundete bis 1221.

Sein Nachfolger wurde Abt Nikolaus I. (1222-1232).Herzog Ludwig I. von Bayern (1183-1231) überließ dem Kloster die Zehnten, die zu Framering, Landau und Deggendorf gehörten.Allerdings zog sein Sohn Herzog Otto II. (1231-1253) diesen wieder ein.

Nach Michael Härtl (Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern S. 89) kam Kloster Aldersbach unter Abt Nikolaus unter den Schutz Bayerns.

Unter Abt Nikolaus bestand bereits eine Schule für Knaben und Mädchen in Kloster Aldersbach

Abt Nikolaus starb am 17.09. 1232.

Auf ihn folgte Abt Anselm (1232-1239)

Von dem Passauer Bischof Rüdiger von Bergheim (1233- 1249 ) erhielt das Kloster Mautfreiheit für Schiffe zu, die Viktualien transportierten. (Urkunde  00019)

Auch bestätigte Kaiser Friedrich II. (1220-1251) die von Herzog Leopold von Österreich erteilte Mautfreiheit. (Urkunde 00018)

Auf Abt Anselm folgte Abt Theoderich I. (1239-1253 res).

Am 1.08. 1246 schenkte der Salzburger Erzbischof Eberhard II. von Regensberg (1200–1246 )Kloster Ebersbach jährlich ein halbes Fuder Salz (Ein Fuder waren z. B. in Bamberg  941,4 Liter) (Urkunde 00024)

Herzog Ottokar (+ 1278) von Österreich und der Steiermark sicherte am 27.September 1253 dem Kloster für das österreichische Gebiet Mautfreiheit zu (Urkunde 00029)

Die Zoll-und Handelsfreiheit, die viele Territorialherren dem Kloster gewährten, trugen zum wirtschaftlichen Aufschwung des Klosters bei.

Abt Theoderich resignierte 1253.

Sein Nachfolger wurde Abt Albert I. (1253-1258). Er war vorher Prior in Raitenhaslach.

Herzog Heinrich I. (1253-1290), ab 1255 Herzog von Niederbayern sicherte Kloster Aldersbach am 11.12. 1256 zu, dass seine Viktualien in Vilshofen mautfrei bleiben sollten. (Urkunde 00032).

Am 12. 2. 1257 genehmigte Papst Alexander IV.(1254-1261) die Schenkung der Pfarrei Niederhausen, die vorher durch Bischof Rüdiger von Passau erfolgt war. (Urkunde 00034)

Abt Albert verstarb 1258.

Auf ihn folgte Abt Theoderich II. (1258-1277)

1263 gründete  Herzog Ludwig der Strenge (1253-1294) das Kloster Fürstenfeld. Seinen Beinahmen verdankte er der wohl ungerechtfertigten Hinrichtung seiner 1.Ehefrau Maria von Brabant wegen des Verdachts des Ehebruchs.

Die Klostergründung war wohl Teil der Sühne, die er von der Kirche auferlegt bekam. Das Kloster wurde von Aldersbach aus besiedelt. Abt Theoderich schickte den Konventualen Anshelm (1261-1270) als Gründungsabt nach Fürstenfeld.

Es war das erste von drei Tochterklöstern von Aldersbach und es wurde eines der ersten Hausklöster der Wittelsbacher.

Herzog Heinrich I. verlieh am 09.1.1264 Kloster Aldersbach das Privileg, dass es nur vom herzoglichen Richter in Landau belangt werden durfte (Urkunde 00042) 1233 erst hatte der Herzog im “Amt” Landau einen Richter als

seinen persönlichen Stellvertreter eingesetzt.

1273 gründete der  Passauer Domherr Magister Hartwig, der auch Hofkaplan Heinrichs I. von Niederbayern war, mit dessen Hilfe das Kloster Fürstenzell in der Diözese Passau. Auf ihn bezog sich auch der Name Fürstenzell.

Es wurde 1274 von Kloster Aldersbach besiedelt und war damit das zweite Tochterkloster. 1275 wurde der Mönch Walter zum ersten Abt gewählt.

Von dem Passauer Bischof Petrus von Passau (1265- 1280 ) sicherte am 23. s. 1273 Kloster Aldersbach für seine Viktualien im Passauer Gebiet Mautfreiheit zu. (Urkunde 00057).

Theoderich starb am 14.11.1277.

Sein Nachfolger Abt Albert II. (1277-1280) wurde aus Kloster Fürstenzell, wo er Cellerar war, nach Aldersbach berufen. Er resignierte in Aldersbach nach nur drei Jahren und kehrte dann nach Fürstenzell zurück.

Dort wurde er Prior. Er starb in Fürstenzell nach 1291.

Nach Michael Härtl (Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern S. 89) herrschte unter den Aldersbacher Mönchen eine solche Demut,dass sich keiner für die Abtwürde wert hielt. Deshalb wurde der

Ebracher Profess Heinrich I. von Bamberg (1280-1295) aus Ebrach nach Aldersbach zum Abt berufen.

Am 12.6. 1281 bestätigte König Rudolf von Habsburg (1273-1291) die von Herzog Leopold für das österreichische Gebiet verliehene Mautfreiheit (Urkunde 00069)

Herzog Heinrich befreite das Kloster für ganz Bayern von der Maut. (Härtl S. 89)

Am 1.09. 1281 verlieh Erzog Heinrich dem Kloster Zollfreiheit für das von ihm eingeführte Salz.

1290 bekam das Kloster das Patronatsrecht für die Kirche in Thaya (Urkunde 00107), was Bischof Wernhard von Passau 1291 bestätigte. (Urkunde 00107)

Auch Papst Nikolaus IV.(1288-1292) bestätigte diese Schenkung (Urkunde 00128).

Ritter Heinrich von Pfelling hatte seinen Maierhof in Achslach zur Gründung eines Klosters verschenkt. Kloster Aldersbach hatte Rechte in dieser Gegend und gründete dort das Kloster Gotteszell.

Das war das dritte Tochterkloster von Aldersbach.

Am 26.II. 1294 erteilte Herzog Otto von Bayern (1290-1312) dem Kloster Zollfreiheit für Salz. (Urkunde 00130-1)

Am 23.4. 1295 bestätigten die Herzöge Otto, Ludwig (1269-1296) und Stefan (1290-1310) in Bayern  Kloster Aldersbach alle Freiheiten. (Urkunde 00134)

Abt Heinrich führte ein sehr gottesfürchtiges Leben, so  dass viele Domherren aus Passau nach Aldersbach kamen, um dort ihr Lebensende zu verbringen. (Härtl S. 90)

1295 erkrankte Abt Heinrich plötzlich schwer und starb 26.09. 1295.

Schon in den frühen Jahren seines Bestehens gab es in Aldersbach ein sehr produktives Skriptorium. Auch eine umfassende Büchersammlung ist vorhanden.

42 Handschriften aus der 2. Hälfte des 12. und etwa 70 Bände aus dem 13. Jahrhundert haben sich erhalten. 51 dieser Codices stammen sicher aus dem Aldersbacher Skriptorium.

Was es im Kloster Aldersbach auch gab, war eine beachtliche Goldschmiedekunst.1280 ist der Mönch Heinrich als Goldschmied urkundlich nachzuweisen.

Der Mönch Konrad fertigte 1301 ein vergoldetes und mit Edelstein geschmücktes Kreuz für Abt Hugo. 1311 folgte ein silberner Becher und später ein silbernes Rauchfass.

Sein Nachfolger wurde Abt Hugo von Straubing (1295-1308). Er stammte aus Straubing und war von  1276-1280 Abt in Wilhering in Oberösterreich und von 1285-1295 Abt in Fürstenzell.

Er ließ die Wasserleitung von Gumbrechting zum Kloster in einem gewölbten Gang bauen. Er renovierte die vom Einsturz bedrohte Kirche St. Peter,  Bei den Renovierungsarbeiten wurden Reliquien gefunden,

die von der Passauer Bischof Engelmar (875-895) unter den Altarstein legen lassen hatte und diese besiegelte, was ermöglichte, die Kirche auf die Regierungszeit von Bischof Engelmar zu datieren.

Abt Hugo vermehrte auch die Klosterbibliothek sehr stark. Es befanden sich für die damalige Zeit moderne Autoren darunter die erst einige Jahrzehnte tot waren, so die Chronik Ottos von Freising (+ 1158),

die scolastica historia von Petrus Comestor (+ 1178), ein “Albertus de naturis rerum”. Seit 1291 lässt sich die Rechnungslegung im Kloster verfolgen und da werden bereits namhafte Schreib-und Pergamentkosten

vermerkt.

Im Kloster ließ Abt Hugo die Schlafsäle und Gastzimmer wölben und baute den Kreuzgang neu.

1300 war Herzog  Stefan  mit seiner Gemahlin Jutta von Schweidnitz samt Gefolge zu Besuch in Aldersbach. Als sie in die Kirche kamen, löschten die Mönche ohne Rücksicht auf die hohen Gäste sofort alle Lichter. Staub wurde in der Kirche gestreut,

alle Altäre enthüllt. Frauen war zu dieser Zei der Zutritt ins Gotteshaus strengsten verboten und die Kirche galt als entweiht.

Unter Abt Hugo  war Landgraf Friedrich von Leuchtenberg Mönch in Aldersbach. Er wurde dann Abt in Langheim (1304-1306) und von 1306 bis 1328 von Ebrach. 1328 wurde er von Papst Johannes XXII. (1316-1334)

gegen das Wahlrecht des Konvents zum Bischof von Eichstätt bestimmt . Friedrich konnte sein Amt nicht antreten, da ihm Klerus und Volk den Einzug in die Stadt verwehrten.

Er starb ein Jahr später, ohne in den Besitz seiner Bischofstadt gelangt zu sein und ohne die Bischofsweihe erhalten zu haben.

1308 war Abt Hugo mit seinem Heilsbronner Abtskollegen Konrad von Brundelsheim (1303–1321) beim Generalkapitel in Citeaux. Auf der Rückreise verstarb er im Kloster Heilsbronn.

Er ist auch dort bestattet.

Sein Nachfolger wurde Abt Konrad Snabel von Budweis (1308-1330) Er war zuvor Abt in Fürstenzell (1308)

Er förderte die Wissenschaften in seinem Kloster. Er stattete die Bibliothek weiter aus. Auch erwarb er viele Silbergeräte.

Er baute die Marienkirche von Weng, die zur selben Zeit wie das Kloster um 1184 erbaut worden ist, aber inzwischen baufällig geworden war, wieder auf. Möglicherweise steht damit ein 40 und 80 tägiger Ablass in Verbindung,

den Bischof Kunrad von Amiens  der Marienkirche von Weng am 25.10.1312 verlieh. (Urkunde 00188).

Am 4. 1315 bestätigte  Ludwig der Bayer (1314-1328 König dann bis zu seinem Tod 1347 Kaiser) dem Kloster die Handfesten und Freiheiten. (Urkunde 00199)

Am 29.4. 1315 erteilten die Herzöge Heinrich II. (1305-1339)und Otto II. (1307-1334) in Bayern Kloster Aldersbach einen Schirmbrief  für Pfründen und Urbare. (Urkunde 00200)

Ein ähnliches Erlebnis wie sein Vorgänger hatte Abt Konrad mit Königin Agnes von Ungarn (+1281-1364). Sie machte auf dem Weg nach Kloster Königsfelden, das ihre Mutter zum Gedenken an ihren ermordeten Mann und den Vater

von Agnes König Albrecht I. (1298-1308) 1309 gestiftet hatte. Auch bei ihr unterblieb das Glockenläuten und die Altäre wurden abgedckt. Erzürnt reiste sie nach drei Tagen ab, obwohl ihr der Abt erklärte, dass sie nach ihrer Ordensregel gar keine

andere Wahl hätten.  Aber am 10.8. 1220 bestätigte sie dem Kloster seine alten Handfesten. (Urkunde 00247)

Die Erfüllung der Ordensregeln ging den Mönchen über die Gunst der Fürsten.

Der Aufstieg wurde in der Regierungszeit von Kaiser Ludwig dem Bayerngebremst.  Ludwig geriet bald in Konflikt mit dem Papst und wurde 1324 mit dem Kirchenbann belegt und blieb bis zu seinem

Tod gebannt. Aldersbach hatte sich auf die Seite Ludwigs gestellt. Es wurde zwar dafür von dem Passauer Bischof Gottfried von Weisseneck (12142-1262), der wohl auch ein Parteigänger Ludwigs war, mit der Schenkung des Patronatsrecht der Kirche

von Rotthalmünster, zu der auch die spätere Wallfahrtskirche Kößlarn gehörte, belohnt. Aber Aldersbach wurde auch mit dem Interdikt belegt.

Abt Konrad ließ einen großen Teil der Stadtmauer von Vilshofen auf Kosten des Klosters errichten.

Er starb am 13.04. 1330.

Die wirtschaftliche Entwicklung von Aldersbach war bis dahin  ausgesprochen gut. Die Landwirtschaft spielte  für die Klosterwirtschaft die wichtigste Rolle. Aber auch die Weinwirtschaft  war bedeutend. Die Brautätigkeit lässt sich zwar schon 1261 nachweisen. Sie war aber von untergeordneter Bedeutung und wurde erst im 17.und 18. Jahrhundert zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor.

Im hohen Mittelalter bewirtschaftet man 46 Grangien. Stadthäuser hatte das Kloster in Passau, Straubing, Landau an der Isar und in Vilshofen.

Das nahe Aidenbach hatte schon 1268 Marktrechte und entwickelte sich bald zu einem wichtigen Handelsplatz für das Kloster.

Im 17. und 18. Jahrhundert, als die Brauwirtschaft zu einem immer bedeutenderen Wirtschaftsfaktor für das Kloster wurde, betrieb es Braustätten in Passau und  Vilshofen. In Liessing, heute ein Ortsteil hatte es eine Taverne und betriebt dort auch eine Braustätte.

Auf ihn folgte Abt Heinrich II. von Vilshofen (1330-1338). Er war von 1327-1330 Abt in Fürstenzell und wurde von dort nach Kloster Aldersbach berufen.

Am 19.2. 1332 nahm Herzog Heinrich II. Kloster Aldersbach in Schutz und Geleit. (Urkunde 00298)

In der Regierungszeit von Abt Heinrich waren  Kriegszeiten. Es herrschte Teuerung und Krankheiten. Obwohl er sehr sparsam war, konnte er das Kloster nicht vorwärtsbringen.

Er starb am 25.08. 1338.

Sein Nachfolger war Abt Christian (1336-1338).

Er erbaute die Kapelle zu Ehren des Heiligen Philipp und Jakob. Er ließ neue Chorstühle errichten.

Er zahlte viele Schulden zurück.

Er starb nach nur zwei Jahren Regierungszeit am 27.07. 1338.

Auf ihn folgte Abt Ulrich der Stetinger (1338-1340.)

Er hatte schlecht gewirtschaftet und trat 1340 zurück.

Sein Nachfolger wurde Abt Herold (1340-1343).

Am 29.1. 1343 nahm Kaiser Ludwig Kloster Aldersbach mit dem Zehnten zu Landau und Deggendorf und  mit der Kirche in Geiersthal und Egglham in seinen besonderen Schutz. (Urkunde 00338)

Unter Abt Herold wurde Kloster Aldersbach exkommuniziert, weil es dem exkommunzierten Kaiser Ludwig Gastfreundschaft erwiesen und ihm die schuldige Ehrfurcht entgegengebracht habe.

Die Exkommunikation wurde erst unter Abt Liebhard durch Papst Innozenz VI. (1352-1362) wieder aufgehoben.

Am 10. 2.1343 schenkte Kaiser Ludwig dem Kloster das Patronatsrecht der Kirche zu Münster im Gericht Griesbach. (Urkunde 00348)

Abt Herold starb am 18.19.1343 in Passau, wo er sich wegen seiner angeschlagenen Gesundheit ausgehalten hate.

Auf ihn folgte Abt Konrad II. von Landau (1343-1361)

Er war bei Herzog Stefan II. von Bayern (1347-1375) sehr angesehen und der Pate seiner Söhne,

1349 tauschte Abt Konrad mit Bischof Gottfried von Weisseneck die Pfarrkirche von Thaya gegen die in Schönau im Rottal (Urkunde 00373)

Der Bischof behielt aber das Präsentationsrecht für Schönau.

Das Kloster bekam 1351 von zwei Edelfrauen, eine aus Aheim, Reliquien geschenkt und zwar einen Arm der heiligen Ursula und sechs Häupter ihrer Jungfrauen.

Abt Konrad starb am 28.01. 1361.

Die folgende Abtswahl führte zu Auseinandersetzungen, die erst nach 5 Jahren beendet wurden. Auf keinen der beiden angetreten Bewerbern entfiel die ausreichende Zahl von Stimmen.

Deswegen bestimmte der Ebracher Vaterabt Otto Jäger(1349–1385), der die Wahl leitete, Liebhart Milt, der bisher Bursar in Ebrach war zum Abt. (1361-1367)

Dagegen stellte sich der Cellerar von Kloster Aldersbach, Heinrich Libunch.Beide Seiten reisten wiederholt nach Avignon, um die päpstliche Anerkennung zu erreichen. Heinrich reiste über Rom nach Avignon. Als er dort weilte, verstarb Papst Innozenz VI., so dass

er unverrichteter Dinge zurückkehren musste. Erst 1365 erlangte Abt Liebhart die päpstliche Anerkennung. Papst war in dieser Zeit Urban V. (1362-1370.) Dem Kloster hatte dies Zeit nicht bekommen. Es war wirtschaftlich ruiniert.

Abt Liebhart resignierte 1367.

Wie schwierig die Zeit für das Kloster geworden war, zeigte sich auch darin, dass in der Folge alle Äbte nur kurz regierten und fast alle resignierten.

Auf Abt Liebhart folgte Abt Heinrich III. (1367-1371). Er war sehr gelehrt. Am Schuldenstand des Kloster aber konnte er nichts ändern. Er resignierte 1371, wobei er sich das Recht ausbedungen hatte,

sich einen Ruheort auswählen zu dürfen. Er wurde noch Hofmeister in der Grangie Gneixendorf, wo er auch verstarb.

Sein Nachfolger wurde Abt Nikolaus II. (1371-1395). Er schaffte einen scheren Bischofsstab an. Einen großen Gönner fand er in Ritter Heinrich Tuschl von Söldenau (+ 1376)

Nach Härtl resignierte Abt Nikolaus 1395 aus Gram darüber, dass es ihm nicht gelungen war, die Schulden zu mindern und dass das Kloster so abgewirtschaftet war, dass es nur

noch 5 Mönche ernähren konnte. (S. 94)  Er starb am 13.09. 1407.

Zu seinem Nachfolger wurde Abt Andreas I. (1395-1398) aus Gotteszell berufen, wo er 1394 Abt war. Herzog Albrecht II. von Bayern (1387-1397) wurde ihm Eglof Schermer als Verwalter zur Seite gestellt.

Dieser war 1387 Richter in Griesbach und 1394 Kastner in Landshut. Aber das Kloster kam wirtschaftlich nicht vorwärts. Beim Tod von Abt Andreas 1398 konnte es nicht einmal die Kosten für einen Grabstein für den

Verstorbenen aufbringen.

Auf ihn folgte Heinrich IV. von Eggerting (1398-1408) Das Kloster blieb verschuldet. Abt Heinrich starb nach 10 Jahren.

Sein Nachfolger wurde Abt Heinrich V. von Osterhofen (1408-1422). Er ließ entgegen der Zisterzienserregel einen hohen Turm errichten. Er verreiste viel, verpfändete Güter und verkaufte einige unter Wert.

Er wurde 1422 als “Verschwender” abgesetzt und im Kloster Heiligkreuz eingesperrt.

Sein Nachfolger wurde Jakob von Osterhofen. (1422-1431) Das Kloster hatte 8000 Gulden Schulden, das entspricht einem heutigen Wert von 1.379.131,00 €. Deshalb bekam er

mit Georg Aichberger aus Soldenau und Wilhelm Fraunberger aus Weimting zwei weltliche Verwalter zur Seite gestellt. Georg Aichberger war bischöflicher Marschall in Passau. Wilhelm Fraunberger war Hofmarksherr.

Auch Abt Jakob schaffte die Trendwende nicht. Es wurde einiges verkauft. Aber machte weitere 8000 Gulden Schulden. Im oberen Hauptoratorium wurde eine Täfelung angebracht.

Abt Jakob verstarb am 28.02. 1441.

Sein Nachfolger wurde Abt Gotthard (1431-1434). Er bekam Aussatz und musste deshalb 1434 resignieren. Er starb vor 1440.

Bei der erforderlichen Neuwahl war der Abt von Fürstenzell durch einen Kaplan vertreten. Die Äbte von Engelzell und Gotteszell waren ebenfalls anwesend. Den Vorsitz führte Abt Johann II. v. Spanberg (1417-1435).

Da es nicht gelang, sich auf einen Kandidaten zu einigen, bestimmte der Vorsitzende Abt Johann den Kaplan aus Fürstenzell zum Abt.

So wurde Johannes I.Landauer (1434-1442)zum 26. Abt von Aldersbach. Auch er brachte das Kloster nicht vorwärts, resignierte 1442 und kehrte nach Fürstenzell zurück.

Dort war er dann Pfarrer in Irsham, wo er am 4.07.1443 verstarb.

Sein Nachfolger wurde Abt Johannes II. Pluetl von Hofkirchen (1442-1448). Er stammte aus Ostfranken und war vor seiner Wahl im Konvent von Aldersbach.

Nach Härtl (S.95) war er “ein wahres Glück für das Kloster”. Er nahm am Konzil von Basel (1431-1449) teil. Dort erhielt vom Basler Konzil das Recht die Pontifikalien zu tragen (Urkunde 00842). Er war damit der erste infulierte Abt

von Kloster Aldersbach

Er hatte gegen den Passauer Bürger Völkl geklagt, der das Kloster um große Summen betrogen hatte. Infolge dieser Klage bekam er für das Kloster eine große Summe zurück. (Härtl S. 95)

Abt Johannes verstarb am 10.03. 1448.

Als 28. Abt folgte ihm Johannes III. Pluer(1448-1463) nach. Er hatte seine Profess in Kloster Ebrach abgelegt.

Schon sein Vorgänger hatte das Kloster wieder auf Kurs gebracht. Abt Johannes III. wird in den Chroniken auch 2. Gründer von Kloster Aldersbach genannt.

Er war darauf bedacht die klösterliche Disziplin zu heben. Er orientierte sich an den Reformbestrebungen des päpstlichen Gesandten und Kardinals Nikolaus von Kues (1401-1361).

Nikolaus war von Papst  Nikolaus V. (1447-1455) 1450 zum Kirchenreformator in Deutschland bestimmt worden. Er hatte die Vollmacht,Synoden und Provinzialkonzilien abzuhalten.

Anfangs Februar 1451 hielt er in Salzburg eine Provinzialsynode ab. Durch sie erstrebte er die Wiederherstellung der verfallenen
Kirchenzucht, sowohl beim Ordens- wie Weltklerus. Von den Klöstern forderte er eine strenge Einhaltung der Benediktregel. Die Stenge der Reformvorschriften blieb nicht ohne Widerspruch

Der Aldersbacher Abt unterstützte sie.

Die Bibliothek in Aldersbach erlebte unter Abt Johannes einen neuen Aufschwung, der ebenso wie sein Nachfolger Vitus eine großzügige Einkaufspolitik betrieb. Von ihm ist auch ein 1451 verfasster

Katalog der Handschriften des Klosters vorhanden.

Abt Johannes verstarb am 14.09. 1463.

Sein Nachfolger wurde Abt Vitus (1463-1466).

Herzog Ludwig IX von Bayern (1450-1479) war von 1461-1463 mit Kaiser Friedrich III. (1440 König ab 1452-1493 Kaiser in einen Krieg verwickelt, der erst 1463 durch den Frieden von Prag beendet wurde.

Für Kloster Aldersbach hatte das die Auswirkung, dass das Kloster 1000 Dukaten Kriegssteuer leisten musste das sind etwa 198.744,00 € .

Abt Vitus, kaum im Amt musste für diese Forderung Schulden machen. Er war schon alt, regierte nur drei Jahre und verstarb am 4.05. 1466.

Sein Nachfolger wurde als 30. Abt Georg von Osterhofen (1466-1486).

Er war nach Härtl (S. 96) ein ausgezeichneter Abt und hatte ein besonderes Glück. Als Abt Johannes III. sein Ende herannahen sah, ließ er den von ihm ersparten Geldschatz des Klosters in

einer Mauer  verwahren. Er setzte nur einen Mönch namens Stephanus davon in Kenntnis mit dem Auftrag, dieses Wissen  nur einem frommen und gut wirtschaftenden Abt weiter zu geben.

Nach Meinung von Stephanus traf das auf Abt Georg zu. Er konnte nun dieses Geld für das Kloster nutzbar machen. Er ließ die Kirche zu St. Peter vor der Mauer von einer Mauer umgeben, ebenso die

Frauenkirche in Weng. Er ließ die die Hör-und Besuchssäle täfeln.

1469 hatte das Kloster 32 Mönche. Seine Zinseinnahmen beliefen sich auf 1700 Pfund Wiener Münze, das entspricht etwa 271.779,00 €.  An jährlichem Zins musste man etwa 125 Pfund Wiener Münzen aus, das

sind 1.998,00 €. Die verpfändeten Höfe warn mit 4137 Pfund Wiener Münzen belastet, das sind 661.382,00 €.

Das Kloster hatte große Getreidevorräte, nämlich 86 Scheffel Roggen, 48 Scheffel Weizen, 4 Scheffel Gerste und 67 Scheffel Hafer. Ein Scheffel entsprach in Bayern etwa 2,2 Hektoliter und auch beachtliche Weinvorräte.

Sie umfassten 10 Weinfässer, wobei ein Fass 1356 Liter Inhalt hatte, also 13.560 Liter Wein. Diese Zahlen stammten von Abt Marius in seinen Annales. (alles www.aldersbach.de: Forschungswebsite zur Klostergeschichte, hier Geschichte)

Abt Georg wurde von einer Krankheit befallen. Er ließ sich zu Ärzten nach Passau bringen, wo er am 27.01.1486 verstarb, ohne dass man ihm helfen konnte.

Sein Nachfolger wurde Abt Simon von Kasten (1486-1501. Er ist 1431 in Kasten, heute ein Ortsteil von Osterhofen geboren.

Nach Härtl war er ein strenger Ordensmann (S. 96). Er ließ sich als erster eine große Inful und einen schönen Pastoralstab anfertigen. Er verstarb am 11.09. 1501.

1488 wurde Abt Simon vom Generalkapitel mit der Visitation der Zisterzienserklöster in Bayern und Österreich beauftragt..

Auf ihn folgte Abt Johannes IV. Riemer (1501-1514). Er ist um 1444 in Vilshofen geboren.

In seine Regierungszeit fällt der Landshuter Erbfolgekrieg 1504/1505. Die Truppen Herzog Albrecht IV. (1465-1505 Herzog von Bayern-München und bis 1508 Herzog von Bayern) fielen 1504 auch in Kloster Aldersbach ein

und “mordeten dort Freund und Feind” (Härtl S. 96) und zerstörten und plünderten.

Abt Johannes starb am 5.5. 1514 in Passau, wo er längere Zeit residiert hatte.

Sein Nachfolger wurde Abt Wolfgang Marius (1514- 1544). Seinen Namen hatte er der Mode der Zeit entsprechend von Mayer zu Marius latinisert.

Er wurde am18.10.1469 in Dorfbach bei Passau als Sohn eines Häuslers geboren. Seine Eltern waren arm, aber Lehrer erkannten seine Begabung.Sie förderten seine schulische Ausbildung zunächst in der Klosterschule in Fürstenzell, dann in der Domschule von Passau.

1490 trat er mit 21 Jahren in das Kloster Aldersbach ein. Abt Simon,der humanistischen Studien zugetan war, schickte Wolfgang an die Universität in Heidelberg, wo die Zisterzienser seit 1386 das Kolleg St. Jakob unter Aufsicht des Schönauer Abtes unterhielten.

Dort waren Mönche aus den süddeutschen Zisterzen untergebracht, die  von ihren Klöstern zum Studium nach Heidelberg geschickt worden waren. Wolfgang studierte drei Jahre in Heidelberg Theologie, Sprachen und kanonisches Recht.

Zu seinen Sprachlehrern zählten wohl Rudolph Agricola, der  niederländische Frühhumanist, der in Heidelberg Latein, Griechisch und Hebräisch lehrte und Johannes Reuchlin, der aus Pforzheim stammende bedeutende Hebraist. Sein Geschichtslehrer war

Jacob Wimpfeling, der in Heidelberg  Poetik und Rhetorik lehrte. Wolfgang schloss sein Studium in Heidelberg ab. zu seinen Studienkollegen zählten Konrad Reutter, von 1509–1540 Abt in Kaisheim und Ulrich Moltzner von 1502–1506 Abt in Raitenhaslach.

1497 wurde er in Passau zum Priester geweiht. 1498 wurde er Priester in St. Peter in Aldersbach. Er wurde auch Sekretär des Abtes Simon. Nach dem Tod Simons 1501 wurde er Pfarrer in Kößlarn und ab 1504 in Rotthalmünster. Zu dieser Pfarrei gehörte Kößlarn zu dieser Zeit,

die sehr unter dem Landshuter Erbfolgekrieg litt. Seine Erfahrungen aus dieser Zeit beschrieb er in dem langatmigen Hexameter-Gedicht “ Carmen de bello Norico” (Das Lied vom Bayrischen Krieg- noricum stand im Mittelalter für Bayern).

Am 2. Juni 1514 wurde er unter dem Vorsitz des Ebracher Vaterabts Johannes II. Leiterbach (1503–1531) zum 33. Abt von Kloster Aldersbach gewählt.

Abt Wolfgang machte sich in verschiedener Weise um das Kloster verdient. Er kümmerte sich konsequent um die monastische Disziplin, was seine Vorgänger oft versäumt hatten. Auch kümmerte er sich um die Erziehung der jungen Mönche.

Begabte Mönche schickte er auf die Universitäten nach Ingolstadt oder Wien, zu seiner Zeit Zentren des Humanismus. Sie studierten dort Philosophie, Theologie aber auch naturwissenschaftliche Fächer.

Er selbst gilt als hervorragender Vertreter des bayrischen Klosterhumanismus. Sein Zeitgenosse, der Humanist und Dichter Caspar Bruschius (1518-1559), nannte ihn einen herausragenden Versemacher “versificator insignis”.

Er hatte sich immer wieder in Kloster Aldersbach zu Studienzwecken aufgehalten. Aus der Zeit stammt vermutlich auch seine Kurzchronik von Kloster Aldersbach.

Abt Wolfgang schrieb Gedichte und Gebete auch für Freunde wie seine ehemaligen Studienkollegen Abt Konrad Reutter und Abt Ulrich Moltzner.

Auf Abt Simon schrieb er nach dessen Tod ein Gedicht und verfasste die Inschrift auf seinem Grabstein.

Er sammelte auch Gedichte von anderen Dichter wie seinem benediktinischen Freund und Abt von Kloster Vornbach Angelus Rumpler (1501-1513). Sein Rotulus  Ausgabe die Totenrolle des Formbacher Abtes Angelus Rumpler (Edition in BayHStA, Formbach KL 24)

erweist sich als Monument des Klosterhumanismus.(Gabriela Signori in Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, 2018 Band 81 S.519)

Wolfgang sammelte auch Gedichte von Adam Werner von Themar, dem Heidelberger Humanisten, der zu seiner Zeit in Heidelberg lehrte.

Daneben ließ er historische Werke von anderen Autoren kopieren. Das Leben des heiligen Bischofs Otto von Bamberg in drei Büchern des  Benektinermönchs und Biographen von Otto aus dem Stift Michelsberg in Bamberg zählt dazu.

Er war auch sehr bewandert in der Kunst der Buch-Illumination, wie sein Carmen de bello Norico belegt. Mit diesem Bericht eines Augenzeugen  gilt er als wichtige Quelle für Lokalgeschichte.

Für das Kloster selbst sind zwei Werke von ihm wichtig. Er fasste 1518 die Besitzungen des Klosters zusammen. Außerdem verfasste er die Klostergeschichte in 62 Kapitel, die bis 1542 noch um 5 Kapitel ergänzt wurden.

Sie tragen den Titel Annales sive Cronicon alderspacensis.

Um 1542 verfasste er eine Liste der Päpste und römischen Kaiser. Aus derselben Zeit stammt auch eine Liste der Mönche von Aldersbach von 1460 – 1541. Seine Darstellungen der Abtei und der Bischöfe werden  als kompetente

Geschichtsdarstellungen auch nach modernen Kriterien betrachtet.

(siehe zu Wolfgang Marius auch Franz Posset: Renaissance Monks Monastic Humanism in Six Biographical Sketches, Brill Leiden Boston 2005, darin Kap. 3 A Historiographer and Distinguished Versemaker: Bolfgangus Marius,

Monk of Aldersbach Bavaria S.93-108)

Abt Wolfgang hatte sich in hohem Maß um die Klosterbibliothek verdient gemacht.

Er stellte Kloster Aldersbach auch wieder auf eine wirtschaftlich solide Basis. Ab 1528 erneuerte er zunächst die Mühle von Grund auf, dann die Stallungen. Es folgte Teile der Konventsgebäude, so das innere Konventhaus, bisher nur ein Holzbau. Das Schlafhaus der Mönche, das schon vom Einsturz bedroht war, baute er. Das Krankenhaus und mehrere Gebäude wurden saniert.

Daneben fielen Kriegsauslagen an. Aber auch weitere Auslagen waren fällig, so zum Beispiel 200 Dukaten, das sind 39.537,00 €.  Das waren Auslage, die Abt Wolfgang an “die Ketzerischen machte, um von ihrer Vertilgungswut verschont zu bleiben. (Härtl S. 97)

In Abt Wolfgangs Regierungszeit fiel die Reformation, die mit dem Thesenanschlag Martin Luthers an die Schlosskirche von Wittenberg am 31. Oktober 1517 ihren Anfang nahm.

Kloster Aldersbach spürte die Reformation sehr schnell. Während seiner Regierungszeit, immerhin 30 Jahre gab es nur  17 Klostereintritte, von denen 5 das Kloster wieder verließen.

Erneuerung des monastischen Lebens war eines der Ziele von Abt Wolfgang. Dies stand aber auch auf der Agenda der politischen Führer Bayerns, die Herzöge von Bayern Wilhelm IV.(1508-1550) und Ludwig X. ( 1514-1545) Herzog von Bayern aber nur im Bezirk Landshut regierend.

Die Herrschaft Herzog Wilhelms begründete die Stellung Bayerns als Zentrum der Gegenreformation, was ihm auch den Beinamen “der Standhafte” einbrachte.

Abt Wolfgang wurde auf Empfehlung von Papst Hadrian VI. (1522-1523) 1522 von Herzog Wilhelm in die Reformkommission aufgenommen, die mit der Visitation von bayrischen Klöstern beauftragt wurde und mit Gegenaktion zu der Infiltration

von Luthers Lehren. Er hatte auch mehrere schriftliche Empfehlungen zu der Bischofssynode der Diözese Salzburg gemacht, die 1522 in Mühldorf, einer Salzburger Enklave abgehalten wurde.

Bei dieser Synode war der Fürstbischof von Salzburg Matthäus Lang von Wellenburg (1519–1540) anwesend. Abt Wolfgang war der einzige monastische Vertreter der Diözese Passau. Außerdem war Johann von Staupitz dabei.

Er war Ordensoberer von Martin Luther. Er wechselte dann zu den Benediktiner und war Abt im Kloster St. Peter in Salzburg.

Spätestens seit dem Abbatiat von Wolfgang kann man in Aldersbach auch von einer mehrstimmigen Musikpraxis in der Liturgie ausgehen.

Abt Wolfgang hatte gerne Gelehrte um sich. Im Kloster zählte zu seinen Freunden Bartholomäus Madauer. Er war Mathematiker und Astronom. Seine von ihm entworfene Sonnenbecheruhr wird heute im Britischen Museum aufbewahrt.

Abt Wolfgang starb am 11.10. 1544.

Sein Nachfolger wurde Johannes V. Zanker von Gumperting (1544-1552)

Er sollte wie alle Klöster den dreijährigen Ertrag des Zehnten an die Universität an die Universität Ingolstadt abgeben, die in Schwierigkeiten war. Papst Julius III. (1550-1555) verbot dies aber nach der ersten Zahlung.

Abt Johannes starb am 7. Juli 1552 ganz plötzlich an einem Fieber.

Auf ihn folgte Abt Bartholomäus Madauer. (1552-1557).

Er war wie oben erwähnt mit Abt Wolfgang befreundet. Er zwar ein Gelehrter, aber hatte wohl nicht die Fähigkeit zur Klosterführung. Außerdem wurde das Kloster in seiner Regierungszeit von der Pest heimgesucht.

Von den zehn Konventualen, die das Kloster zählte, starben neun. In seiner Regierungszeit sickerte auch die neue Lehre ins Kloster ein. Der Passauer Bischof Wolfgang II.von Closen (1555 –1561 ) eröffnete 1557 ein Verfahren

gegen ihn wegen Verdachts der Häresie. Mit Andreas Heydecker, der Oberbursner in Kloster Kasisheim war, wurde Abt Bartolomäus ein Administrator zur Seite gestellt. Nach Haindl (S. 98) resignierte Abt Bartholmäus

In seiner Regierungszeit lässt sich erstmals eine weltliche Musikpraxis im Kloster nachweisen.

Nach der Forschungswebsite hier Pröpste, Äbte und Priore des Kloster Aldersbach wurde er 1577 wegen Häresieverdachts abgesetzt. Er ging zunächst nach Passau, dann nach Vilshofen, wo er am 25.8. 1578 verstarb. Er wurde aber im

Kloster Aldersbach bestattet.

Als Andreas II. (1579-1566) folgte ihm der bisherige Administrator als Abt nach. Er hatte wieder Neueintritte im Kloster zu verzeichnen. Einige der Konventualen schickte er zum Studium nach Ingolstadt, um wieder gelehrte Mönche unter seinen Patres zu haben.

Er schaffte einen silbernen Stab, ein Rauchfass und ein Lavobo an. Er gehörte dem Landtag an. Im Großen Ausschuss waren seit 1429/1430 64 Mitglieder, von denen die Hälfte vom Adel und je ein Viertel von Prälaten und den Städten bestimmt wurde.

Als er älter und schwächer wurde, nahm er vom Kloster Fürstenfeld den gelehrten Mönch Johannes Dietmair als Adminstrator auf.Dieser stammte aus Diessen am Ammersee. Dort ist er um 1550 geboren.

Seine Eltern brachten ihn an die Klosterschule nach Fürstenzell. Nach der Priesterweihe schickte ihn der Fürstenzeller Abt Leonhard Treutwein (1566—1595) zum Studium nach Ingolstadt. Dort machte er 1577 seinen Abschluss mit Auszeichnung.

Schon in Ingolstadt wurden seine Beredsamkeit und seine Kenntnis der Heiligen Schrift gerühmt. Er kehrte nach Fürstenfeld zurück und wurde dort zum Professor der Hauslehranstalt bestellt.

1579 nahm Johannes an einer Disputation in Ingolstadt teil und wurde dafür zum Bakkalaureus der Theologie promoviert, Doktor der Philosophie war er schon  seit 1577. Er wurde auch zum Pfarrer des Liebfrauenmünsters, der Pfarr- und Universitätskirche, bestellt.  Abt Leonhard hatte

die Bestallung zum Pfarrer nur für kurze Zeit gestattet und auch nur unter der Bedingung, dass er in Ingolstadt auch den “Cursus” absolvierte, das war eine Lehrveranstaltung der Ingolstädter, ein theologischer Cursus nach der der „Summa theologica“ Thomas von Aquins.

Er kehrte bald als Lizentiat der Theologie. und Magister liberalium artium wieder nach Fürstenzell zurück.

1581 übernahm er die Leitung des Seminarium Religiosorum in Ingolstadt. Dieses war auf Initiative Herzog Wilhelms V.(1579-1597) gegründet worden. Es sollte vor allem die Ordensgeistlichkeit stärken und es wurde im Laufe der Zeit zu einem ausstrahlenden Bildungszentrum

für die kirchliche Reform. In der Regierungszeit Wilhelms waren insgesamt rund 150 Konventuale am Seminarium, die einen Teil ihres Studiums inIngolstadt verbrachten und im Mönchsseminar lebten. Nach der Rückkehr in ihre Klöster

trieben sie dort die Reform voran.

Auf Befehl Wilhelms ging er 1583 als Prediger nach Parsberg in der Herrschaft Waldeck, um dort lutherische Einflüsse zurückzudrängen. Noch 1583 verfolgte er eine gleiche Mission in Straubing, 1584 erst in Miesbach und dann in Schliersee.

1585 war er Stadtprediger in Aichach und 1586 berief ihn Herzog Wilhelm als Berater nach München.

Im Sommer erbat sich Abt Andreas Johannes Dietmair als Adminstrator für Kloster Aldersbach, da er sich  aus Alters- und Gesundheitsgründen mit Resignationsabsichten trug. Am 15. Oktober 1586 resignierte Abt Andreas und übergab die

Amtsgeschäfte an Johannes Dietmair. Abt Andreas verstarb am 10. August 1587. Johannes (1588-1612)wurde Anfang 1588 einhellig zum 37. Abt von Aldersbach gewählt.

Abt Andreas hatte das Kloster gut hinterlassen. Die durch die Misswirtschaft seines Vorgängers entstandene Schieflage war behoben und auch der Konvent war durch Neueintritte nach der Pestepidemie gestärkt.

Abt Johannes begann mit der Instandsetzung der Klostergebäude, die zum Teil baufällig waren. Das Langschiff der Stiftskirche ließ er durchgängig wölben. Stallungen, das Richterhaus daneben wurden ebenso wie

Bibliothek, Sakristei und Abteiwohnung  neu erstellt, schöner und größer als zuvor. Für die Bibliothek besorgte er Werke zum Teil selbst. Ihr bestand wurde erheblich vermehrt.

Er schaffte neue Messgewänder und mehrere Ornate in verschieden Farben an.

Auch das Klostergut konnte er vermehren. 1591 erwarb er einen großen Hof in Aufham (Urkunde 01482), heute Gemeinde Altfraunhofen. Einen Monat später kam die Hofmark Wallerdorf dazu, die er von Graf Heinrich von Ortenburg  (1600-1603)

erwarb. Dazu gehörte eine Taverne, ein Haus, ein Hof und einen cker sowie die Freiheit der Hofmark (Urkunde 01483). Eine weitere wichtige Erwerbung war die Hofmark in Abtshofen, die über das Stift Ebersberg an das Jesuitenkolleg in München

gegangen war. Dann erwarb er die Hofmarken in Thurm bei Frontenhausen und Piegendorf.

Ende 1611 war das Kloster schuldenfrei und hatte ein Vermögen von 116.750 Gulden das entspricht etwa 22.984.505,00 €. Davon hatte er 13.750 Gulden nach Fürstenfeld in Verwahrung gebracht. Das entspricht 2.706.955,00 €.Zu der Zeit waren Kriegsvölker in

der Gegend von Aldersbach unterwegs und um das Geld vor Plünderung zu schützen brachte er einen Teil des Barbestandes in Sicherheit.

Am 7. Juli 1595 starb Abt Leonhard Treutwein von Fürstenfeld. Der Konvent von Fürstenfeld setzte Abt Johannes auf eine Kandidatenliste, die bei der Regierung in München eingereicht werden musste. Abt Johannes  verzichtete auf eine Kandidatur in Fürstenfeld

auch aus Rücksicht auf sein Kloster. Zu dieser Zeit weilte Generalabt Edmond I. de la Croix (1584–1604) in Fürstenfeld. Er ernannte Abt Johannes zum Generalkommissar und Visitator aller Zisterzienserklöster in Bayern. Außerdem  übertrug ihm die Vollmacht alle Äbte und Äbtissinnen

dieser Provinz zu bendizieren. (Urkunde 01495)

Auch in politische Ämter wurde er berufen. Die Regierung bestellte ihn zum ersten Landschaftsverordneten des Rentamts Landshut.

Abt Johann war vor allem um eine gründliche Ausbildung des Klosternachwuchses bemüht. In seiner Regierungszeit lassen sich 13 Mönche als Studierende an der Universität Ingolstadt nachweisen.

Aber jetzt zeichnete sich schon ab, dass die vielfältige Inanspruchnahme ihn hinderte, allen seinen Verpflichtungen nachzukommen. So entsandte er zum Generalkapitel von 1605 den Raitenhaslacher Großkellner Konrad Tachler (+1634) und den Subprior von Fürstenfeld

Sebastian Thoma als seine Vertreter nach Citeaux. 1609 war Konrad Tachler wieder als Vertreter von Abt Johann beim Generalkapitel. Vielleicht wegen Krankheit aber auf jeden Fall wegen Arbeitsüberlastung ließ er sich einen Koadjutor an die Seite stellen.

Mit Zustimmung von Herzog Maximilian I. (1597-1651) und des Ebracher Vaterabtes Hieronymus I. Hölein (1591–1615) wurde der Kellermeister von Kloster Aldersbach Michael Kirchberger  zu seinem Koadjutor bestellt. (Urkunde 01502).Da nicht alle Mönche  mit dieser

Regelung einverstanden waren, untersuchte Abt Johann Martin von Clairlieu, dem Zisterzienserkloster in der Gemeinde Villers lès Nancy bei Nancy, der  Visitator des Zisterzienserordens für den Bereich von Oberdeutschland, Schweiz, Böhmen und Polen war,

den Vorgang. Er hatte nichts einzuwenden und bestätigte die Bestellung am 25.1. 1608. (Urkunde 01507) Mit gleichem Datum stellte er eine Urkunde für Abt Johannes aus, mit der er ihn mit der Visitation von Kloster Raitenhaslach und Seligenthal beauftragte

(Urkunde 01506)

1612 fand eine Versammlung der Landstände in München statt, an der Abt Johannes teilnahm. Er erkrankte und starb am 22. Januar 1612 in München. Sein Leichnam wurde nach Kloster Aldersbach gebracht und dort bestattet.

Die Wahl des neuen Abtes fand am 19. Mai 1612 statt. Sein Nachfolger wurde der bisherige Koadjutor Michael Kirchberger (1612-1635)

Am 08.10 1612 ernannte ihn Generalabt Nicolas II. Boucherat (1604–1625) zum Generalvikar für das bayrische Gebiet.  (Urkunde 01517) Zwei Monate später verlieh er ihm das Recht, Äbte und Äbtissinnen zu weihen. (Urkunde 01519)

Am 17.V. 1616 visitierte Generalabt Nicolas Kloster Aldersbach. (Urkunde 01535)

1617 liess er den Chor der alten Abteikirche einreißen und den heute noch erhaltenen Chor neu erbauen. Er ließ neue Altäre, eine Kanzel und das Chorgestühl erstellen.

Unter Abt Michael studierten von 1616-1618 sieben Mönche in Dillingen. Von 1621-1646 studierten neun Mönche in Ingolstadt.

1622 führte er die Rosenkranzbruderschaft ein (Urkunde 01546)

1619 brannte ein Bauerngut in Sammarai nieder.Dabei fielen brennende Äste auf die daneben stehende hölzerne Kapelle aus der Zeit vor 1521. Sie nahm aber keinen Schaden. Auch der ausgedörrte Apfelbaum daneben trug im nächsten Jahr wieder Früchte.

Abt Michael schickte Kurfürstin Elisabeth (1595-1635) einige dieser Äpfel mit der Bitte, um die Kapelle herum eine Kirche  zu bauen. Nachdem er diese erhalten hatte, beauftragte er den Münchner  Baumeister und Stuckateur Isaak Bader(+1635), der wohl aus Wessobrunn stammte,

mit dem Bau der Kirche. Am 1. April 1629 legte Abt Michael zusammen mit dem Baumeister feierlich den Grundstein. Die Kirche wurde am 22. September 1631 von dem Regensburger Weihbischof Otto Heinrich Pachmair (1622-1634) geweiht.

Um 1630 kaufte Kloster Aldersbach die Hofmark in Schmiedorf von einem Daniel Plittersdorfer.

Vor dem Einfall der Schweden scheint also, wie der Bau der Wallfahrtskirche und der Güterwerwerb zeigt, ein durchaus normales Leben möglich gewesen zu sein.

Der Dreißigjährige Krieg war zwar schon 1618 ausgebrochen. Aber er hatte zunächst kaum Auswirkungen auf Kloster Aldersbach. Aber 1620 ließ Abt Michael alles Wertvolle wie Bibliothek, Archiv, Gold und Silber und die Ornate in die Festungsstadt Ingolstadt und nach Burghausen

in Sicherheit bringen. In Aldersbach hatten zeitweilig die Zisterzienserkonvente von Fürstenfeld, Oberschönenfeld und Seligenthal sowie Prämonstratensermönche aus Kloster Windberg und Benediktinermönche aus Kloster Metten Zuflucht gefunden.

Als der schwedische König Gustav Adolf 1630 in Deutschland eingriff, änderte sich die Lage für Kloster Aldersbach. Ein erstes Eindringen der Schweden in Franken konnte Tilly noch abwehren. Aber nach der Schlacht bei Rain am Lech am 14.und 15. April 1632 wurde Tilly

von der schwedischen Hauptmacht geschlagen und so schwer verwundet, das er am 30.04 starb. In den Jahren 1632 bis 1634 plünderten und brandschatzten schwedische Truppen Niederbayern. Die Aldersbacher Sterbematrikel verzeichnen 1632 die ersten kriegsbedingten

Todesopfer. Am 10. Mai 1632 hatte Gustav Adolf Landshut eingenommen, am 17. Mai kampflos die Landeshauptstadt München.

Nach der Besetzung Münchens sollte die Stadt eigentlich zerstört werden, was die schwedische Heerführung auch als Vergeltung für die Zerstörung Magdeburgs forderte. Aber Karl Gustav entschied, dass München und auch Landshut von der Zerstörung verschont blieben.

Kurfürst Maximilian ließ zum Dank für “das Wunder von München”  auf dem Münchner Marienplatz die Mariensäule errichten.

Sie wurde am 7. November 1638 von dem Freisinger Bischof Veit Adam von Gepeckh (1618-1651) geweiht.

Der Aldersbacher Konvent war größtenteils geflüchtet. Der Aldersbacher Nekrolog berichtet, dass der 1634 verstorbene Kastner Pater Simon Centius mit nur wenigen im Kloster verblieben war.

Abt Michael legte 1634 eine detaillierte Aufstellung über die Schäden, die dem Kloster bis dahin entstanden waren vor und bezifferte sie mit 12.247 Gulden, das entspricht etwa 2.411.060,00 €.

Aus Altersgründen resignierte Abt Michael im Juli 1635 und starb schon am 8. Oktober 1635.

Am 15. Juli 1635 wurde Matthäus Gschwendt (1635-1651) unter Vorsitz des Raitenhaslacher Abtes Daniel Adam von Rembold (1624–1640) und im Beisein des Fürstenzeller Abtes Wolfgang Gattermayr (1635-1660)einstimmig zum 39. Abt von Kloster Aldersbach gewählt.

Er stammte aus Kempten. In seiner Klosterlaufbahn war er Kaplan in der Wallfahrtskirche Sammarai. Vor seiner Wahl zum Abt war er Prior, wie auf seinem Grabstein vermerkt ist. (Kloster Grabsteinbuch fol. 34 v)

Im selben Jahr wie die Münchner Mariensäule wurde in Aldersbach eine hölzerne Kapelle zu Ehren Marias und des Heiligen Bernhard erbaut. Es war eine Pest-Votivkirche mit Klause, die sich wegen der dort erfahrenen Gnaden

bald zum Wallfahrtsort für die umliegenden Pfarreien entwickelte.

Die Schlacht bei Nördlingen am 5. September 1634 und die Niederlage der beiden schwedischen Heere unter Bernhard von Sachsen-Weimar und dem schwedischen General Gustaf Horn führte zum Verlust der schwedischen Machtstellung und

schließlich zum Prager Frieden vom 30. Mai 1635 und neuen Bündnissen. Frankreich war an der Seite Schwedens in den Krieg eingetreten. Franken und damit auch Kloster Aldersbach verschaffte die neue Situation eine Atempause.

Im Januar 1641 kam ein französisch-schwedisches Heer kurzzeitig vor Regensburg. Da das Eis der zugefrorenen Donau aber brach und eine bayrische Kavallerie rechtzeitig in Regensburg eintraf, konnte das Heer den dort tagenden Reichstag nicht sprengen.

Auf die niederbayrischen Klöster machte dieses Ereignis allerdings einen nachhaltigen Eindruck. Die Äbte entließen ihre Mönche, damit sich diese in Sicherheit brachten. Abt Matthäus suchte im Kloster Raitenhaslach Zuflucht und blieb dort, bis wieder

Sicherheit eingekehrt war.

Nachdem Niederbayern durch das französisch-schwedische Heer erneut bedroht war, entschlossen sich Abt Matthäus und sein Konvent zu einer erneuten Flucht aus dem Kloster. Nur der Kastner Pater Robert Daiser soll während des etwa zweijährigen Exils als einziger zurückgeblieben sein, um sich um das Kloster zu kümmern. Beim Einfall der schwedisch-französischen Truppen oder kaiserlich-bayrischen Truppen soll er sich in die Wälder geflüchtet haben.

Die letzten beiden Kriegsjahre hatten verheerende Auswirkungen auf das Kloster und seine Untertanen. Für die Zeit von 1646-1649 fehlen Urkunden, was darauf schließen lässt, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten in dieser Zeit weitgehend zum

Erliegen gekommen waren. Außerdem nahm die Soldateska alles hinweg und zehrte alles Essbare auf. Äcker und Wiesen wurden in einen erbarmungswürdigen Stand gesetzt.

Der Gutshof Straß (Schwaig) in Aldersbach scheint völlig zerstört worden zu sein.

Noch als Kriegsfolge ist eine Pestepidemie zu werten, die in den Jahren 1648-1649 wütete und nach den Sterbematrikeln von St. Peter 110 Todesopfer forderte.

Als Abt Matthäus und die Religiosen zurückkehrten, hatten sie kaum etwas zu essen. Sie appellierten an die österreichischen Klöster und baten um Hilfe. Diese ist wohl reichlich geflossen.

Der Abt konnte das Kloster bald wiederherstellen  und die Hofmarken Maming, Gottfrieding, Rating, Vilshofen und andere Güter erwerben.

In der Wallfahrtskirche Sammarai, in der er Kaplan gewesen ist, ließ er eine neue Orgel aufstellen.

Auch war er Generalvikar der bayerischen Provinz der Oberdeutschen Zisterzienserkongregation.

Abt Matthäus verstarb am 1.02. 1651.

Sein Nachfolger wurde Gerhard Hörger (1651-1669). Er stammte wie sein Vorgänger aus Kempten. Er wurde schon als Chorknabe in das Kloster Aldersbach aufgenommen.

Unter Abt Michael Kirchberger trat er sein Noviziat an. Später wurde er Michaels Beichtvater. 1640-1643 war er Prior in Aldersbach. 1642 vertrat er Abt Johann Molitor (1640-1658) vom Kloster Raitenhaslach beim Provinzialkapitel

in Kloster Schöntal. Am Zisterzienserinnenkloster Seligenthal wirkte er mehrere Jahre als Beichtvater.

Der Gotteszeller Abt Christoph Lehen (1638-1651) war wegen seiner Amtsführung in Gotteszell in Misskredit geraten. Der Alderbacher Vaterabt Matthias untersuchte die Angelegenheit und kam zu dem Schluss, dass dieser seinem Amt nicht gewachsen sei.

Er teilte dies dem Ordensvisitator Bernhard Gemelich (1638-1660) Abt von Stams mit. Abt Matthäus betrieb nun mit dessen Einverständnis die Absetzung des Gotteszeller Abtes. Nach Vorliegen des landesfürstlichen Einverständnisses resignierte Abt Christoph

am 7. Januar 1651 und wanderte nach Österreich aus.

Unter dem Vorsitz von Abt Matthäus und im Beisein des Fürstenzeller Abtes Wolfgang Gattermayr wurde Gerhard Hörger von den wenigen nach dem Krieg verbliebenen Konventualen zum Abt von Gotteszell gewählt.

Kurz daraus starb Abt Matthäus. Unter dem Vorsitz des Fürstenzeller Abtes Martin Dallmayr (1640-1690) und in Gegenwart des Abtes Johann Molitor von Raitenhaslach wurde Gerhard Hörger zum Abt von Aldersbach postuliert.

Er lehnte zunächst ab, weil er Gotteszell nicht aufgeben wollte. Generalabt Claude Vaussin (1643-1670) erteilte ihm aber Dispens und nun leitete Gerhard in Personalunion beide Abteien. Abt von Gotteszell war er von 1651-1658 und von Aldersbach

von 1651 bis zu seinem Tod 1669. Abt Gerhard war ein sehr fähiger Abt. Es gelang im rasch in beiden Klöstern die Kriegsfolgen abzumildern. Das in Ruinen liegende Kloster Gotteszell baute er bis 1654 wieder auf.

Zum Regensburger Fürstbischof Franz Wilhelm Graf von Wartenberg (1649-1661) hatte er ein gutes Verhältnis.Von ihm bekam er am 21.4. 1655 einen Armknochen des Heiligen Roberts von Molesme, dem Gründer des Zisterzienserordens , als Reliquie und Franz Wilhelm

bestätigte die Echtheit der Reliquie (Urkunde 01585). Dafür stiftete Abt Gerhard einen ewigen Jahrtag für den Bischof. (Urkunde 101586)

In Aldersbach ließ er einen Ordenspriester für Gotteszell ausbilden und dort einige Novizen aufnehmen. Wie gut er in Gotteszell gewirtschaftet hat zeigt die Tatsache, dass er dem am 2. Mai 1654 zum Prior mit allen Stellvertreterbefugnissen ernannten Prior

Bonifaz Hiltprant trotz der Baukosten eine Barschaft von 1906 Gulden, das sind 375.233,00 €, übergeben konnte. Der Prior wirkte vorher als Professor für Theologie und Kirchenrecht in Aldersbach.

Im Sommersemester 1646 hatte er zusammen mit Pater Candidus Mändl (+ 1695) und Pater Raimund Edelmann diese Fächer in Ingolstadt studiert.

Nachdem Gotteszell wieder auf eigenen Füßen stehen konnte, resignierte Abt Gerhard am 18. Februar 1658 und leite am nächsten Tag die Wahl von Bonifaz Hiltprant (1558-1689) zum Abt von Gotteszell.

Er führte dort auch höhere Studien ein.

Am 9. Mai 1667 übertrug Generalabt Claude Vaussin Abt Gerhard das Generalvikariat für Bayern (Urkunde 01595)

Auf Initiative von Kurfürst Maximilian II. Emanuel (1679-1726) kaufte Abt Gerhard das 1563 im Zuge der Reformation aufgehobene Zisterzienserkloster Walderbach, heute Landkreis Cham und richte es als Superiorat ein.

Während seiner Regierungszeit besaß das Kloster über 600 Anwesen in  17 bayerischen Landgerichten von Dachau bis ins Innviertel.

Abt Gerhard verfasste im Auftrag des Fürstbischofs eine handgeschriebene Chronik von Kloster Alderbach, die mit dem Tod des Abtes Michael Kirchberger endet.

Am 7. Oktober 1669 erlitt Abt Gerhard bei der Visitation von Kloster Seligenthal einen Schlaganfall. Er verstarb zwei Tage später ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.

Auf ihn folgte Malachias Niderhofer (1669-1683). Er war Sohn eines Taglöhners und ist in Landshut geboren. Sein Klostereintritt ist nicht bekannt. Im Wintersemester 1638 war er an der medizinischen Fakultät in Ingolstadt eingeschrieben. Ma kann

davon ausgehen, dass er von der Förderung durch Abt Matthäus profitierte, denn anders wäre ihm als Sohn eines Tagelöhners kaum der Weg zur höheren Bildung möglich gewesen. Er hatte Philosophie studiert. Er war Professor für Philosophie in Kloster Aldersbach

und von 1651-1653 dort Prior und von 1652-1653 ein Jahr Spiritualadministrator in Kloster Gotteszell.

Der Kaisheimer Abt Georg IV. Müller (1637–1667) berief ihn 1653 für zwei Jahre ins dortige Kloster, wo er Philosophie unterrichtete und Disputationen über Physik und Logik abhielt, zu der auch Klosterfremde, vor allem Jesuiten eingeladen waren.

Von August 1669 bis November 1699 verwaltete er als erster Verwalter das als Subpriorat von Abt Gerhard wieder eingerichtete Kloster Walderbach.

Am 24. November wurde er im Beisein des Fürstenzeller Abts Melchior Korn (1666-1684) zum 41. Aldersbacher Abt gewählt (Urkunde 01596).

Abt Malachias wohl seinem eigenen Werdegang geschuldet förderte die höheren Studien im Kloster. Er richtete eine Hauslehranstalt im Kloster ein, die auch von Klöstern aus der Umgebung beschickt wurde.

Über die Organisation und Ausprägung der Lehranstalt ist wenig bekannt. Man orientierte sich wohl am jesuitischen Bildungssystem und teilte die höheren Studien in Lyzeum (Philosophie) und Hochschule

(Theologie) auf. Einen akademischen Grad konnte man in Aldersbach nicht erreichen. Die Schule hatte wohl eher vorbereitenden Charakter für ein späteres (verkürztes) Hochschulstudium. Die Schule war wohl

eine dauerhafte Einrichtung, was auch der Bau des Seminargebäudes (heutiges Ratshaus) um das Jahr 1767 erkennen lässt.

Am 16.5. 1672 übertrug der Generalabt Jean XII. Petit ( 1670–1692 ) Abt Malachias das Generalvikariat für das bayrische Gebiet. (Urkunde 01598).

Gegen Ende seiner Amtszeit ließ Abt Malachias den südlichen Stichflügel mit dem Rekreationssaal bauen.

Abt Malachias starb am 12. Januar 1683.

Sein Nachfolger wurde Engelbert Vischer (1683-1705). Er ist um 1647 in Gossersdorf bei Konzell geboren und am 07.10.1647 in Konzell(heute Landkreis Straubing-Bogen) getauft.

Über seinen Klostereintritt und seine Klosterlaufbahn ist nichts bekannt. 1682 war er Prior in Kloster Aldersbach.

Er wurde am 21. Februar 1683 in Gegenwart des Abtes von Raitenhaslach Malachias Lachmayr (1676-1688) zum 42. Aldersbacher Abt gewählt. (Urkunde 01602) Generalabt Jean Petit bestätigte die Wahl am

10.5. 1683 (Urkunde 01603)

1690 begann er mit dem Bau des Wallfahrtspriesterhaus in Sammarei.

Wie sein Vorgänger Malachias förderte er die wissenschaftliche Ausbildung des Klosternachwuchs.

Er verfasste auch eigene Schriften unter anderem eine Beschreibung der „Gnadenerzeigungen“ im Wallfahrtsort Sammarei.

Auch er war Generalvikar für das bayrische Gebiet und kümmerte sich um die Ordensdisziplin.

Abt Engelbert begann im Jahr 1700 den barocken Neubau des Klosters.

Allerdings brach 1701 der Spanische Erbfolgekrieg (bis 1714)aus. Am  13. August 1304 fand in Höchststadt die 2. Schlacht von Höchstadt statt, bei der Bayern und Kurfürst Maximilian II. Emanuel eine verheerende Niederlage erlitt.

Er  wurde des Landes verwiesen. Kaiser Joseph I. (1705-1711) Er besetzt Kurbayern mit brutaler Gewalt. Es sollte in den Habsburger Staatsverbund eingegliedert werden. Eine enorme Steuerlast wurde dem Landvolk aufgebürdet.

Mit Zwangsrekrutierungen sollten die kriegstauglichen Männer in die kaiserliche Armee eintreten. Die Repressalien führten zu der Bayrischen Volkserhebung. Mit der “Bauernschlacht bei Aidenbach” am 8. Januar 1706 war der Aufstand schließlich niedergeschlagen.

Kloster Aldersbach war von der Volkserhebung in vielfältiger Weise betroffen. Zum einen gab es Beinträchtigungen bei den Kampfhandlungen im direkten Umfeld des Klosters. Beim Volksaufstand starben viele Angehörigen der Klosterpfarreien.

Bei der Bauernschlacht hatten sich flüchtende Bauern im Pfarrhof von Tödling, heute Gemeinde Egglham verschanzt. Er gehörte dem Kloster und wurde von dem kaiserlichen Heer in Brand gesetzt. Nach der Schlacht war Kloster Aldersbach für zwei Tage

Hauptquartier des hier lagernden österreichischen Heeres. Das Kloster war in dieser Angelegenheit in einer moralischen Zwangslage.Die fast ausschließlich  nichtadeligen Konventualen mit bayrischen Wurzeln brachte der aufständischen Landbevölkerung

großes Verständnis entgegen. Aber das Kloster war ein Wirtschaftsunternehmen. Es war existentiell auf die Einnahmen aus den umfangreichen österreichischen Besitzungen des Klosters angewiesen. Man konnte es sich also nicht leisten,

es mit Habsburg zu verderben. Die kaiserliche Regierung in München nahm durchaus Einfluss auf das Kloster und war nicht unbeteiligt an der Resignation von Abt Engelbert am 17.10.1705. Auch die verspätete Anerkennung des Nachfolgers von Abt Engelbert

Theobald I. Grad (1705-1734) verweist auf den Münchner Einfluss.

Abt Engelbert lebte nach seiner Resignation in Sammarai, zu dem er 1690 den Grundstein gelegt hatte. Er starb dort am 19.07. 1723 und ist in Kloster Aldersbach bestattet.

Abt Theobald ist 29. 3. 1661 in Engkofen heute Ortsteil von Adlkofen im Landkreis Landshut geboren.  1682 legte er seine Profess in Aldersbach ab und wurde 1687 zum Priester geweiht.

Er war 8 Jahre Hausgeistlicher im Kloster Seligenthal, das er dann als Vaterabt mindestens einmal jährlich besuchte.

Vor seiner Wahl zum Abt war er Prior.

Mit ihm begann das “Goldene Zeitalter” von Kloster Aldersbach.

Er förderte die Studien seiner jungen Mönche, in dem sie nach Ingolstadt an die Universität schickte.

Er begründete die barocke Bibliothek. Vor allem wurde er zum eigentlichen Bauabt von Kloster Aldersbach.

Er ließ anstelle des romanischen Langhauses von Domenico Mazio (um 1650/65- bis nach 1728) die Klosterkirche neu errichten.

Er baute ab 1715 eine grosszügige Wandpfeilerhalle mit fünf Jochen. Um den Chor legt er einen Kapellenkranz. 1719 ist der Neubau eingewölbt.

Abt 1720 waren die Gebrüder Asam in der Kirche tätig, Equid Quirin (1692-1750) als Stuckateur und Cosmas Damian (1686-1739) als Freskant.

Equid Quirin erstellte die freiplastische Orgelbühne.

Den Hochaltar errichtete der Bamberger Altarbauer Joseph Matthias Götz (1696-1760) Das Altarblatt und die Mondsichelmadonna des alten Altares wurde wieder verwendet.Die beiden Seitenaltäre wurden in den 1720-iger Jahren auch von der Werkstatt Götz erstellt.

Die Kanzel, die Kirchenbänke, die Beichtstühle und das Chorgestühl entstehen  der Rokokoperiode unter Abt Theobald II.

Abt Theobald setzte neue Orgelwerke in die Kirche.

In Frauentödling förderte er den Bau der Marienkirche.

Auch er war Generalvikar des Ordens in Bayern.

Er verlegte die Rosenkranzbruderschaft von Weng in die Klosterkirche nach Aldersbach.

Er erlitt einen Brandunfall, an dem er am 21. 1734 qualvoll verstarb.

Sein Nachfolger wurde Paulus Genzger (1734-1745). Er ist 1681 in Frontenhausen  heute Landkreis Dingolfing-Landau geboren.

Er war Pfarrer, Professor und 1721, 172-1724 sowie 1730-1732 Prior in Aldersbach. Zuletzt war er Beichtvater im Kloster Seligenthal. Von dort aus wurde er am 29. März 1724 zum Abt gewählt.

Auch er förderte die Studien seiner Religiosen. Zwei Mönche schickte er zum Studium an die Universität Prag. Allerdings starben diese sehr früh.

Er vermehrte die Bibliothek mit vielen Büchern, die er selbst angeschafft hatte.

Die Sakristei stattete er mit neuen Ornaten aus.

Die Reliquien der Katakombenheiligen Felicianus und Clara ließ er neu fassen und ausstellen. Die Heilige Clara ist erst unter Abt Paulus nach Aldersbach gekommen.

Unter Abt Paulus entstanden die Neubauten der   Ökonomiegebäude. Das waren Bräuhaus, Kastnerei, Mühle und Bauhof. Im Bräuhaus war wohl auch die Pfisterei untergebracht.

Er legte den Grundstein zu einer Lorteokapelle, die schon Abt Theobald I. geplant hatte und die ein österreichischer Edelmann bezahlt hatte.

Das Kloster hatte zu dieser Zeot ein Hausorchester und Abt Paulus musizierte selbst und komponierte.

Schwer zu schaffen machte Kloster und Abt der Österreichische Erbfolgekrieg (1740-1748).

Kaiser Karl VI. (1711-1740) starb 1740 ohne männlichen Erben. Die Pragmatische Sanktion, die Kaiser Leopold (1658-1705) 1703 mit seinen Söhnen Joseph und Karl geschlossen hatte, regelte, dass weibliche

Familienmitglieder nur erben konnten, wenn alle männlichen Familienmitglieder ausgestorben waren. Mit dem Tod Karls war dies nun eingetreten. Seine Tochter Maria Theresia (1711-1780) bestieg nun den österreichischen

Erzherzogsthron. Allerdings machten nun drei weitere Verwandte Erbansprüche geltend und zwar Karl Albrecht von Bayern (1726-1745) als Ehemann von Amalie von Österreich (1701-1756),Tochter von Kaiser Joseph I.(1705-1711)

und  der Nichte des verstorben Kaisers, Philipp V. von Spanien für die erloschene Linie der spanischen Habsburger und Friedrich II. August von Sachsen (1733-1763), dem Ehemann von Maria Josepha von Bayern (1699-1759)

der ältesten Tochter von Joseph I.

1741 begannen die Kampfhandlungen in Deutschland. Niederbayern war von Juli 1741 bis zum Frieden von Füssen am 22. April 1745 fast durchgehend von massiven kriegerischen Handlungen und Truppenbewegungen betroffen.

Auch Kloster Aldersbach wurde nun unmittelbar in das Geschehen einbezogen. Es erlitt zwar Verwüstungen, kam aber einigermaßen glimpflich davon., auch weil es ausreichend Kapital hatte, Schutzgelder zu bezahlen.

1742 befand sich ein habsburgisches Hauptquartier für mehrere Wochen in Kloster Aldersbach.  Das 8.habsburgische Infanterieregiment unter dem Kommando des Generalfeldmarschalls Joseph Friedrich von Sachsen–Hildburghausen (1702-1787)

verbrachte mit 2000 Mann die Wintermonate von 1743/44 in Aldersbach. Das Heer musste natürlich verpflegt werden, was auf Kosten des Klosters ging. Das machte Abt Paulus so zu schaffen, dass er am 15.10.1745 resignierte. Er zog sich nach Sammarai zurück, wo er

10.04.1746 verstarb.

Der Ebracher Vaterabt Hieronymus II. Held (1741–1773) Hatte die Resignation von Abt Paulus entgegengenommen und auch den Vorsitz bei der Wahl seines Nachfolgers Theobald II. Reitwinkler (1745-1779) geführt,

die am 25. Oktober 1745 stattfand.

Er wurde am 5. November 1705 als Sohn des Hochstiftischen Braumeisters Johann Georg Reitwinkler († 1734) in Passau–Hackelberg geboren

Er besuchte das Gymnasium in Passau. Bis 1725 studierte er Theologie in Freising.

1726 legte er in Aldersbach seine Profess ab. Dann studierte er in Ingolstadt weiter Theologie und auch Rechtswissenschaften.

1731 wurde er zum Priester geweiht.  Danach war er Professor für Theologie in Aldersbach.

Von 1738 bis 1745 war er Beichtvater und Ökonom in Kloster Seligenthal.

Die feierliche Benediktion nahm Abt Hieronymus II.  am 5. Juni 1746 vor. Sie war eingebettet in die großen Jubiläumsfeiern, die zum 600-jährigen Bestehen der Abtei abgehalten wurden und die sich über mehrere Tage erstreckten.

Nachdem das Kloster wieder friedliche Zeiten erlebte, konnte Abt Theobald das Kloster wirtschaftlich wieder sanieren und er zahlte alle Schulden zurück.

Nach Härtl erreichte er die Exemption für das Kloster. (S.100)

Schon 1746 ließ er durch den in Fürstenzell tätigen Maler Johann Jakob Zeiller (1708–1783) neue Fresken in der Sakristei und in der Chorscheitelkapelle malen. Er kaufte hochwertige Paramenten.

1748 schuf der Bildhauer  Joseph Deutschmann (1717–1787) aus Imst die Kanzel und die Beichtstühle.

1755 wurde die Westfassade und der Glockenturm erneuert. Dabei wurde der Turm erhöht und in die neugestaltete Fassade integriert.

1761/62 wurde das Chorgestühl erneuert und mit der neuen Orgel,die der Passauer Orgelbaumeister Philipp Schmid (1711–1763) erstellte, ist die Ausstattung des Kirchenraums abgeschlossen.

Die Orgel wurde  auf 26 Register erweitert.

1767 wurde eine neue Portenkapelle von dem Passauer Baumeister Johann Michael Schneitmann (von 1720 bis 1795 in Passau nachweisbar) errichtet. Ursprünglich war die Portenkapelle für Frauen bestimmt, da diese

nach der Zisterzienserregel den Klosterbereich nicht betreten durften.

Die Pfarrhöfe von Neuhofen, Schönau und Nöham Abt Theobald neu erbauen.ließ er neu erbauen.

Junge Religiose schickte er zum Studium nach Ingolstadt und Salzburg.

Vor 1767 ließ er das Seminargebäude im Kloster erbauen (s.o.)

Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1763 durch Papst Clemens  XIV.(1769-1774) waren Aldersbacher Mönche auch als Professoren an der Landesuniversität Ingolstadt und an den Gymnasien in Burghausen und Landshut tätig.

Allerdings wurden die Aldersbacher Mönche als Professoren durch aus auch angefeindet. So war Pater Amadeus Primbs (Profess in Aldersbach am 11.11. 1782) 1793 Professor für Logik, Metaphysik und Philosophie an der Universität Ingolstadt.

Er wurde aber 1794 auf kurfürstlichen Befehl wieder entlassen, wobei die Gründe nicht klar sind. So wurde er der Mitgliedschaft im Illuminatenorden, einer Geheimgesellschaft, verdächtigt.

Pater Stephan Wiest (Profess in Aldersbach 1768) war von 1791 bis 1794 Professor an der Universität Ingolstadt und dort von 1787/88 Rektor. Er war zwischen  1781 und 1794 einer der herausragenden Theologen der Universität Ingolstadt.

Pater Stephan Wiest (Profess in Aldersbach am 28.10.1768) war von 1788-94  Professor für Dogmatik und Patrologie an der Universität Ingolstadt. 1788 war er dort Rektor. Er verfasste 43 Werke und ist einer der bedeutendsten

katholischen Theologen in Deutschland im 18. Jahrhundert.

Auch um die Bibliothek  kümmerte sich Abt Theobald. Am Ende seiner Regierungszeit umfasste sie 30.000 Bände. Darunter waren etwa 300 mittelalterliche Handschriften, die zum Teil im klostereigenen  Skriptorium angefertigt worden

und mit wertvoller Buchmalerei ausgestattet worden waren.

Bibliothekar und Klostersekretär in der Regierungszeit von Abt Theobald war Michael Mannstorf (Profess 1733). Er schrieb eine Kurzfassung der Klostergeschichte, die auf der Chronik von

Abt Wolfgang Marius basierte, die “Excerpta quaedam ex Annalibus Marii Wolfgangi” und “Epitome Chronicorum Alderbachensium” . Er verstarb 1766.

Auch Abt Theobald II. war  Generalvikar und Visitator der bayerischen Zisterzienserprovinz.

Abt Theobald verstarb am 07.02. 1779.

Sein Nachfolger wurde Abt Otto Doringer (1779-1797) als vorletzter Abt von Kloster Aldersbach.

Er ist am 22. März 1728 in Höhnhart, Bezirk Braunau, Oberösterreich geboren. Mit 23 Jahren trat er in Kloster Aldersbach ein, wo er 1751 die Profess ablegte.

1754 wurde  er zum Priester geweiht. Zunächst war er als Priester und Beichtvater in Sammarai tätig. Dann ging er als Priester und Beichtvater nach Seligenthal. Dort war er auch als Bibliothekar tätig.

1773 wurde nach Aldersbach zurückberufen, wo er bis 1774 Prior war.Am 10.4. 1779 wurde er zum Abt gewählt. Talentierte Religiose schickte er auf die Universität nach Ingolstadt.

Er selbst war” ein umfassender Gelehrter” (Biographia Cisterciensis /www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Doringer,_Otto)

Er war seit 1779 Generalvikar der bayrischen und pfälzischen Zisterzienserklöster.

Durch den Tod von Abt Theobald Weißenbach (1780-1792) von Kloster Raitenhaslach war die Stelle als Direktor im Generalstudiendirektorium in Ingolstadt freigeworden.

Er bewarb sich dafür. Die Zisterzienser gingen sehr selbstbewusst vor, um die Rechte ihrer Prälaten zu wahren. Abt Otto bekam den Zuschlag. Allerdings  versuchten die staatlichen Behörden dann die Demission von Abt Otto zu betreiben,

was auch mit der Entlassung des Aldersbacher Professor Amadeus Primbs (s.o.) zusammenhing. Er hatte sich wegen der “Denunciationssache” (Winfried Müller, Universtität und Orden, Berlin 1986, S. 200). Die Entlassung von Primbs nicht mehr rückgängig machen.

Aber seine eigene Position im Generalstudiendirektorium konnte er immerhin halten. Wenige Jahre später bat er dann aber altershalber um Entlassung. Dieses Amt versah dann der Fürstenzeller Abt Edmund Bachmaier (1702-1803) bis zur Säkularisation 1803.

Abt Otto hatte ein lateinisches Tagebuch über seine Regierungszeit verfasst, das nicht nur für die Klostergeschichte sondern auch sehr viele Informationen zu Bayern enthält (nach zu lesen in Kloster Aldersbach digital Das Tagebuch des Zisterzienserabtes Otto Doringer

von Aldersbach 1779-1797). Man kann darin auch sehr schön die sich anbahnende Klosteraufhebung nachverfolgen.

Abt Otto verstarb am 15. Oktober 1797.

Sein Nachfolger wurde Abt Urban Treml (1797-1803)

Er wurde am 8. Mai 1743 in Strachendorf geboren.

1769 wurde er zum Priester geweiht. Er war dann Pfarrer in der dem Kloster inkorporierten Pfarrei Geiersthal im Landkreis Regen.

Nach dem Tod von Abt Otto wurde er am 18.Dezember zu dessen Nachfolger und letzten Abt von Kloster Aldersbach gewählt. Mönche von Kloster Aldersbach hatten immer noch Lehrstühle an der Universität Ingolstadt inne.

Am 1. April 1803 wurde im Zuge der Säkularisation die Aufhebung des Klosters verkündet. Das Kloster wurde entschädigungslos enteignet. Zum Zeitpunkt der Aufhebung waren noch 41 Mönche und 30 Studenten in Aldersbach. Sie

mussten das Kloster sofort verlassen. Abt Urban erhielt eine Pension von 1800 Gulden, das entspricht etwa 38.276 €. Er ging nach Straubing, wo er 13. August 1808 verstarb.

1802 wurden die Anlagewerte des Klosters auf 626 536 Gulden geschätzt, das sind etwa 13.323.056,00 €. Der Aktivsaldo betrug 134 564 Gulden, also etwa 2.861.453,00 €. Der Barbestand lag bei 24 882 Gulden, das sind etwa

605.659,00 €. Die Jahreseinnahmen betrugen 55 287 Gulden, also 1.175.870,00 €. Das Kloster war durchaus ein Wirtschaftsunternehmen. Es beschäftigte 110 ständige Arbeitnehmer, denen es einen Jahreslohn von 123 Gulden zahlte, das sind

etwa 2.615,00 € im Jahr. Damit war das Einkommen eines Klosterbeschäftigten etwa 23 % höher als das damalige bayrische Durchschnittseinkommen.

Über 7000 ausgewählte Werke der Bibliothek werden nach München gebracht. 2043 Bände erielt die Provinzialbibliothek Straubing. Der grosse Rest der bedeutenden Bibliothek von ursprünglich über 30 000 Bänden wurde 1807 als Makulatur verkauft.

(alle Zahlen nach Süddeutscher Barock, Kloster Aldersbach) Die mobilen Wertsachen verschwanden. Auch das Klosterarchiv ist nicht mehr vorhanden.

Stiftsgebäude, Bräuhaus und Mühle wurde Eigentum des Freiherrn von Aretin auf Haidenburg.Adam von Aretin (1769-1822) war bayrischer Vizekanzler.

180 Jahre war das Kloster dem Verfall preis gegeben. 1893 wurde mit der Renovierung der herunter gekommenen Konventsgebäude begonnen. Mehrere Versuche der Wiederbesiedelung durch Zisterziensermönche schlugen fehl.

                                                                                                                                                   

10 Apr 2022

Zisterzienserkloster Langheim

                                                                                     

Am 1. August 1133  wurde Kloster Langheim als drittes Tochterkloster von Kloster Ebrach nach Rein und Heilsbronn gegründet. Als Gründer trat Bischof Otto I. von Bamberg  (1102 –1139 ) auf (zu Bischof Otto siehe Mei Büchle, Kloster Heilsbronn)

Drei Brüder aus dem Ministerialenstand, nämlich ein Hermann, Wolfram und Gundeloh stellten das Gelände zur Verfügung, auf dem das Kloster gegründet werden sollte. Gundeloh ist wohl der Ministeriale, der in  der Urkunde  StABa Kloster Langheim, Urkunden 13 genannt wird.  Bischof Otto gab noch das “predium” Trieb im oberen Maintal  dazu. Gundeloh wurde später mit seiner Gattin in Kloster Langheim bestattet. Das ist das erste bekannte Laienbegräbnis in Langheim.

Trieb wurde später einer der wichtigsten Klosterhöfe Langheims. Das Wort “predium” deutet daraufhin, dass es sich bei der Schenkung nicht um unbebauten Boden handelte.

Abt Adam von Ebrach (1127–1167/69 ) schickte einen gleichnamigen Abt Adam (1132–1180/81 ) nach Langheim. Langheim übernahm auch die Patrone von Kloster Ebrach  Maria, Johannes Evangelist und Nikolaus.

Nach der “Historischen und topographischen Beschreibung des kaiserlichen Hochstifts und Fürstentum Bamberg” von Johann Baptist Roppelt,Nürnberg 1801, S. 218 kaufte Abt Adam von Langheim 1153 vom Kloster Michelfeld in der Oberpfalz mehrere Güter in Tambach und erbaute dort ein Schloss.

1156 bekam das Kloster dort den Zehnten geschenkt und 1158 erwarb es das Dorf Untertambach. Durch weitere Käufe und Schenkungen sowie Tausch entwickelte sich 1180 der Klosterhof Tambach, der im 13. Jahrhundert zum Klosteramt erhoben wurde. Dieses wurde von einem

geistlichen Hofmeister verwaltet. Den Hof nahm der Würzburger Bischof Reginhard von Abenberg (1171-1186) 1180 in seinen Schutz.(StABa, Kloster Langheim, Urkunden 17) Mit dem Schutz von Tambach wurde auf Wunsch von Abt Adam Berthold (um 1110/1115-1180)Graf von Istrien, dem Bruder von Graf Poppo I.(+1148) und Bischof Otto II. betraut.

Zu den frühen Gönnern des Kloster zählte Cuniza, die Frau des Grafen Poppo von Andechs-Plassenburg (um110-1115-1148) die an Langheim zwischen 1137 und 1139 mehrere Güter überließ.

Schon 1144, also gerade 11 Jahre nach der eigenen Gründung, wurde der erste Gründungskonvent nach Kloster Plasny in Westböhmen entsandt. Gegründet wurde das Kloster von Herzog Wladislaw II. (1140-1172)

1147 erfolgte die erste päpstliche Bestätigung durch Papst Eugen III. (1145-1153). Er nahm das Kloster in seinen päpstlichen Schutz, bestätigte die Zehntfreiheit für die Güter im Eigenbau und zählte den Besitz im einzelnen auf.

(F. Geldner Besitz und wirtschaftliche Entwicklung der ehemaligen Cisterzienserabtei Langheim bis zum Ende des 14. Jahrhunderts, Jahrbuch für fränkische Landesforschung 5, 1939, S. 26)

1152 bekam Kloster Langheim vom Bamberger Bischof Eberhard II. von Otelingen (1146 –1170 )  im Weiler Lindenau (heute ein Ortsteil von Heldburg im Kreis Hildburghausen in Thüringen) zu gemeinsamen Nutzung mit Kloster Ebrach eine Salzquelle. Konrad III.(1138-1152) bestätigte dies mit seiner Urkunde vom 2. Februar 1152. (RI Konrad III. – RI IV,1,2 n. 787). Außerdem bestätigte Papst Eugen III. 1145-1153)diese Schenkung. StABa Langheim 1152 V 16.

1154 scheint die erste Klosterkirche fertiggestellt worden zu sein.

Am 11. Juni 1155 nahm Kaiser Friedrich I. (1152-1190) Kloster Langheim in seinen Schutz.

Ab 1180 wurde die Familie  der Andechs-Meranier zu den großen Gönnern von Kloster Langheim. Langheim wurde neben Diessen am Ammersee zum Hauskloster der Familie. Auch die Grablege wechselte von Diessen nach Langheim.

Abt Adam von Langheim verstarb 1180 oder 1181.  (nach Ussermann  schon 1173 (Episcopatus Bambergensis sub metropoli Moguntina chronologice ac diplomatice illustratus ( 1801 ) S. 362)

Auf ihn folgte Abt Rapoto (1181-1207) (nach Ussermann 1173)

Um 1193 war die mittelalterliche Klosteranlage fertiggestellt.

Im Jahr 1197 bekam Kloster Langheim von dem Ministerialen Gundeloh ein Anwesen in Bamberg  in der Oberen Karolinenstraße 8 geschenkt. Es war zunächst von den drei fränkischen Zisterzen Ebrach, Heilsbronn und Langheim gemeinsam zu nutzen.

Das war der Grundstock zum Langheimer Klosterhof in Bamberg. ( Die Urkunde zur Schenkung: 1154 VI Bamberg, Staatsarchiv- Kloster Langheim Urkunden(Fond) “Bischof Eberhard von Bamberg schenkt den Klöstern Langheim, Heilsbronn und Ebrach einen Hof und eine Kapelle in Bamberg beim St. Jakobs-Tor zur gemeinsamen Nutzung durch die Zisterzienser.

Kloster Langheim erwarb als letzte der fränkischen Zisterzen einen Stadthof in Würzburg. 1287 erhielt Kloster Langheim eine Schenkung, aus der sich der Würzburger Stadthof entwickelte. Neben diesen beiden Höfen errichtete das Kloster noch einen Stadthof in Kulmbach

Der Kulmbacher Amtshof ist wohl aus der Katharinenkapelle entstanden, die im Wohnhaus des Geistlichen Albrecht, dem Schreiber des Grafen Otto VII. von Orlamünde (+ 1340) war. Die Abgabepflichtigen des Klosters gaben dort ihre Abgaben ab. Der Klosterhof oder Mönchshof wie er auch genannt wurde, wurde 1553 wie die gesamte Stadt ein Raub der Flammen. 1691 wurde dort ein Barockbau nach den Plänen des bambergischen Hofbaumeisters Leonhard Dientzenhofer begonnen. Er war eine katholische Oase im protestantischen Kulmbach.

Nicht nur in den Städten mit zentraler Wirtschaftsfunktion wie in Würzburg hatten die Zisterzienser Höfe errichtet, sondern auch  wichtige Wirtschaftshöfe wurden zu Märkten ausgebaut. Kloster Langheim richtete in seinen “Eigen” in Teuschnitz und Leugast Märkte ein.

Allerdings musste sie diese 1380 an den Bischof von Bamberg verkaufen. (s.u.) Die Bischöfe hatten die Ansiedlung der Stadthöfe wohl bewusst gefördert und es war durchaus eine win win Situation für beide. Den aufblühenden Markt der Bischofstädte konnten die Zisterzienser beliefern,

was wiederum en Handelsinteressen der Zisterzienser entgegen kam. Wichtig war für die Klöster auch der Stadthof als günstiger Absatzmarkt, um dort Geld für den Erwerb fehlender Produkte und mehr noch  für den Kauf von Land und die Ablösung von Rechten anderer

zur Abrundung des Besitzkomplexes und zur Konsolidierung der Klosterwirtschaft zu verdienen. Die Ausweitung der Pachtwirtschaft stärkte die Stadthöfe in ihrer Funktion als Verwaltungszentren und als Hebestelle für Geld und Naturalabgaben aus der Stadt oder in der Umgebung.

Mit Bischof Otto II (1177-1196)bestieg das erste Mitglied aus der Familie der Andechs-Meranier den Bamberger Bischofsstuhl. Seine beiden Vorgänger Bischof Eberhard II. (1146 –1 70) und Hermann II.(1170 –1177 ) hatten nur wenig zur Besitzmehrung von Kloster Langheim beigetragen.

Bischof Hermann hatte dem Kloster eine Mühle an der Weismain bei Altenkunststadt geschenkt sowie Güter im Frankenwald. Bischof Otto II. hatte das Kloster eine beträchtliche Mehrung des Besitzes zu verdanken. Nicht umsonst wurde er von Zeitgenossen mit dem dem Beinamen

“der Freigiebige” bedacht

1186 schenkte Bischof Otto die Hälfte des Dorfes Hochstadt am Main. (StABa, Kloster Langheim, Urkunden 25). Von  dem Edelfreien Eberhard von Reiffenberg  kaufte Kloster Langheim unterstützt durch Rat und Hilfe Ottos die andere Hälfte.

1187 löste Otto Lehensansprüche eines Heinrich von Lautenberg bei einem Wald um Windheim, heute im Landkreis Kronach, ab, so dass eine Schenkung seines Vorgängers jetzt erst rechtskräftig wurde. Er vergrößerte das Gebiet und schenkte noch eine Reihe weiterer Dörfer im Umkreis dazu,

so wie die Einöde Teuschnitz. Dort hatte Abt Rapoto eine Kirche gegründet und neu errichtet. Otto II. erhob die Kirche zur freien Pfarrei.

Erst nach dem Tode Ottos II erhielt Kloster Langheim wieder bedeutendere Schenkungen.

Nach C.A. Schweitzer im Copialbuch der Cistercienser-Abtei Langheim von 1142-1150 im Zweiundzwanzigsten Bericht über das Wirken und den Stand des historischen Vereins zu Bamberg im Jahre 1858/59 nimmt er das Todesjahr von Abt Rapoto das Jahr 1207 an, da er  dort in einer Urkunde

noch als Zeuge auftritt.

1204 sollte ein zweites Filialkloster errichtet werden. Kalhoch von Falkenstein berief Zisterzienser aus Langheim nach Schlägl im Mühlviertel. Unter extremen klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen kam Abt Theoderich mit seinem Gründungskonvent nach Schlägl.

Bischof Wolfger von Erla (Bischof von Passau 1191-1204 Bischof von Passau, bis 1218 Patriarch von Aquileja) bestätigte 1209 Kloster und Abt alle Rechte und Freiheiten. Im Winter 1214/1215 starb Abt Theoderich an Entkräftung. Die Brüder gaben das Kloster auf und kehrten

nach Langheim zurück. Am 9. Juli 1218 übergab Kalhoch von Falkenstein das gestiftete Kloster an die Prämonstratenser aus dem Kloster Mühlhausen in Böhmen. Diese begannen um 1250 mit der Errichtung der heutigen Klosteranlage.

1207 erhielt Kloster Langheim wieder eine wichtige Schenkung. Ein Hildebrand vom Stein schenkte dem Kloster alle seine Güter in Wülfingen, heute ein Stadtteil von Haßfurt. Das waren vor allem Weinberge und es war die erste Erwerbung von Weingütern in Weinfranken (F.Geldner S. 33)

1207 erfolgte der Erwerb von Döringstadt, heute Gemeindeteil von Ebensfeld, zum Teil durch Kauf, zum Teil durch Schenkung (StABa, Kloster Langheim, Urkunden 32)

In diesem Jahr bestätigte Herzog Otto VII. von Meranien (1205-1234) alle Besitzungen, die seine Eltern Kloster Langheim geschenkt hatten.  (StABa, Kloster Langheim, Urkunden 31)

Am 21. Juni 1208 nahm der deutsche König Philipp von Schwaben (1198-1208) an der Hochzeit von Herzog Otto I. und Beatrix von Burgund, das war die Enkelin von Friedrich Barbarossa, in Bamberg teil. Diese fand am Hofe des Bischofs von Bamberg Ekbert von

Bamberg (1203-1237) statt. Ekbert, aus dem Hause Andechs-Meranien war der Bruder von Otto VII. Bei dieser Hochzeit wurde Philipp von Otto VII. von Wittelsbach ermordet. Ekbert wurde verdächtigt, von den Plänen gewusst zu haben, was nie bewiesen wurde.

Von 1208-1211 war er in Reichsacht. Durch Vermittlung von Papst Gregor X. (1210-1216) erreichte er eine genauere Untersuchung der Angelegenheit von kirchlicher Seite. Er wurde dann 1211 wieder in sein Amt eingeführt. Herzog Otto war der mächtigste Laienherr der Diözese, sein Bruder Ekbert der Bischof. 1253 hatten die Wittelsbacher die Herzogswürde in Oberbayern erlangt. Der Schwerpunkt der meranischen Interessen rückte in der Folge nach Franken.  Die beiden letzten Meranier wählten die Klosterkirche von Langheim als ihre letzte Ruhestätte. Otto starb zwar in Besancon, wurde aber von dort nach Langheim überführt. Nach der Bestätigung der Schenkungen der Meranier schenkte Otto VII. dem Kloster 1207 das Predium Langenstat (StABa, Kloster Langheim, Urkunden 36) und 1223 die Dörfer Langenstat und Euben bei Bayreuth.

Schenkungen von Bischof Ekbert gibt es erstmals 1230. Da stiftete er mit Gütern in Wirkheim (heute Burkheim Gemeinde Altenkunststadt und in Jutenrut (heute Geutenreuth bei Weismain) einen Jahrtag für sich.

In Marienweiher übereignete er die dortige Kirche an Kloster Langheim.

Abt Heinrich I. der dritte Langheimer Abt erschien erstmals in einer Urkunde im Jahre 1215. Es ging um einen Gütertausch mit Kloster Fulda.  (StABa, Kloster Langheim, Urkunden 34)

Die Äbteliste von Cistopedia führt vier Äbte mit dem Namen Heinrich auf, der letzte Heinrich IV. von 1238-1248 C. A. Schweitzer (s.o) führt nur zwei Heinriche auf. Dann folgt bei beiden Abt Ludwig I. (1248-1256)

Am 20.09. 1245 nahm Papst Innozenz IV. (1243-1254) Kloster Langheim in seinen Schutz und bestätigte seinen Besitz.

Otto VIII., der letzte Meranier-Herzog beschenkte Kloster Langheim reichlich. Am 27. Juni 1247 schenkte er dem Kloster  das “Eigen Leugast”, das waren 5 Dörfer im heutigen Marktleugast. (F. Geldner S. 34).

Am 15. Juni 1248 traf Otto seine letzte Verfügung. Er übertrug dem Kloster den Besitz von Mistelfeld. Das hatte durchaus eine strategische Bedeutung, denn dort lag eine Burg, die den Eingang zum oberen Maintal sperren konnte. (F. Geldner S. 34).

4 Tage später starb er. Er wurde im Kloster Langheim bestattet.

F. Geldner führt auf Seite 46 für das Jahr 1249 eine päpstliche Urkunde von Papst Innozenz IV. auf. In dieser Urkunde bestätigt er den Besitz von Kloster Langheim. Ob es eine andere ist wie die oben für den 20.09.1245 erwähnte Urkunde ist, kann ich nicht überprüfen.

Sie müsste auf jeden Fall auf Bitten  von Abt Ludwig ausgestellt worden sein.Ludwig erscheint erstmals in einer Schenkungsurkunde als Zeuge in der Otto VIII. Kloster Banz den ganzen Zehnt in Coburg vermachte.

Geldner sieht als möglichen Grund für die Bitte um die Besitzbestätigung, das Ende des Hauses Meranien und die unsicheren Rechtsverhältniss im Hochstift auch bedingt durch den Meranischen Erbfolgekrieg, der ab 1249 stattfand und erst 10 Jahre später durch einen Vergleich

zwischen den Bambergischen Bischöfen und den meranischen Erben beigelegt wurde.

Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Meranier wurden die Grafen von Truhendingen und die von Orlamünde zu wichtigen Stiftern für Kloster Langheim. Margarete von Andechs – Meranien, die Tochter von Otto VII. hatte in zweiter Ehe um 1240 den Grafen Friedrich von Trüdingen

(+1290) geheiratet und das Erbe in die Ehe mitgebracht. Das Haus Orlamünde war über die Tochter Ottos VII. Beatrix mit dem Hause Andechs-Meranien verwandt. Sie hatte Herrmann II. von Weimar-Orlamünde geheiratet.

Neben einem  Hof in Köttel, heute ein Stadtteil von Lichtenfels,  Gütern in Oberküps bei Staffelstein, wo Langheim schon begütert war, Wattendorf, heute das kleinste Dorf im Landkreis Bamberg. dem Dorf Eichich bei Arnstein vermachten die Truhendinger Kloster Langheim auch im Laufe der Jahrzehnte immer wieder größere Geldbeträge.

Etwas weniger erhielt Kloster Langheim von den Grafen von Orlamünde. 1279 gründete Graf Otto III. von Weimar-Orlamünde (+ 1285) das Kloster Himmelskron. Aus dem Erbteil seiner Mutter hatte er die Herrschaft Plassenburg erhalten, in der Schloss und Dorf Prtezendorf lag. Dieses schenkte er

zur Gründung eines Zisterzienserinnenklosters. Zum Visitator des Klosters wurde der Abt von Langheim bestimmt. Abt war zu dieser Zeit Hermann ( 1278–1290, 1290 Abt von Ebrach ). Himmelskron wurde das Hauskloster der Orlamünder und damit natürlich bevorzugt mit Spenden bedacht.

Abt  Marsilius regierte von 1262–1278. Er resignierte und ging nach Livland.

1274 stellte Rudolf von Habsburg eine Urkunde für Kloster Langheim aus “befiehlt dem butiglar von Nürnberg das von ihm in schutz genommene kloster Langheim (ord. Cist. nordöstl. Bamberg) zu schirmen. RI Rudolf – RI VI,1 n. 137. Reichsbutigler war Hermann von Stein.Danach hatte das amt des Reichsbutiglers keine Bedeutung mehr.

Das Kloster konnte im 13. und 14. Jahrhundert seinen Besitz stetig ausweiten. Es verfügte insbesondere Streubesitz in rund 300 Ortschaften. Nur die Abteien Banz und Ebrach konnten sich mit Langheim messen.

Allerdings setzte das Bistum Bamberg setzte dem Streben seines Eigenklosters nach Reichsunmittelbarkeit jedoch stets Widerstand entgegen. Probleme scheint es auch so um 1290 gegeben haben. 1288 forderte König Rudolf den Bamberger Bischof Arnold von Solms (1286 –1296) auf,

von der Bedrückung Kloster Langheims abzulassen. (RI  Rudolf – RI VI,1 n. 2204). Papst Nikolaus IV (1288–1292) wird (als littere speciales) erwähnt, der den Propst von Rebdorf, den dieser  beauftragte den Bischof zu ermahnen und zur Entschädigung aufzufordern, widrigenfalls ihn nach Rom vorzuladen.

(Urkundentext) Rebdorf ist ein Augustiner Chorherrenstift im Bistum Eichstätt. Papst Nikolaus verbot auch am 28.11.1289 die Güter des Klosters Langheim ohne Recht zu besetzen oder anderweitig zu schädigen. (Urkunde 1289 II 28 Bamberg, Staatsarchiv – Kloster Langheim Urkunden  (Fond)

Am 28.03. 1289 bestätigte Papst Nikolaus dem Kloster alle Rechte, die es von seinen päpstlichen Vorgängern erhalten hatte. StABa, Kloster Langheim, Urkunden 133

1290 wurde  Hartmann (1290-1303) Abt von Kloster Langheim. Er erhielt als erster Abt von Langheim, das Recht, die bischöflichen Insignien zu tragen.

Kloster Langheim hatte die geistliche Aufsicht über fünf Zisterzienserinnenklöster, die aber alle während der Reformation aufgelöst wurden.

Schon 1232 wurde das Zisterzienerinnenkloster Maidbrunn gegründet. Es wurde nie formell in den Zisterzienserorden inkorporiert aber zunächst dem Abt von Ebrach, später dem Abt von Langheim unterstellt.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten führten dazu, dass dort 1513 ein männliches Priorat von Langheim errichtet wurde und  ein Zisterzienser von Langheim zum Propst von Maidbronn bestellt.  Pröpste aus Langheim, seit 1543 durch den Fürstbischof von Würzburg bestimmt, verwalteten die Liegenschaften, bis Fürstbischof Julius Echter (1573-1617) die Einkünfte einzog und damit unter anderem das Juliusspital und die Universität Würzburg dotierte.

Kloster Sonnefeld wurde 1260 von Heinrich II. von Sonneberg (+ 1288) zunächst in Ebersdorf  bei Coburg gegründet. Es wurde von Kloster Maidbronn besiedelt. 1524 setzten die Nonnen gegen den Willen der letzten Äbtissin Margaretha von Zedtwitz einen lutherischen Prediger ein.

Kloster Sonnefeld war dem Abt von Langheim unterstellt.

Um 1280 stiftete Gottfried von Schlüsselberg (+ 1308) das Kloster Schlüsselelau. 1295 wurde es in den Zisterzienserorden inkorporiert. Der Abt von Ebrach wurde als Visitator bestimmt und später von  dem Abt von Langheim als Visitator abgelöst.

1343 stiftete Kunigundis, die Witwe des Grafen Otto VII. von Orlamünde, das Kloster Himmelsthron. sie nannte es in Erinnerung an Kloster Himmelskron, das ja ebenfalls von den Grafen von Orlamünde gegründet worden war.

Bis auf Maidbronn wurden alle Nonnenklöster, die Kloster Langheim unterstanden, im Zuge der Reformation aufgelöst. Zu Maidbronn s.o.

Von 1304-1306 war Friedrich von Leuchtenberg Abt von Langheim Dann wurde er Abt in Ebrach und war dies, bis er 1328 von Papst Johannes XXII gegen das Wahlrecht des Domkapitels zum Bischof von Eichstätt bestimmt wurde (siehe auch Mei Büchle Kloster Ebrach)

Am 21. Juli 1329 bestätigte Kaiser Ludwig IV. (1314-1347) Kloster Langheim die Blutgerichtsbarkeit in den Besitzungen Teuschnitz und Marktleugast und darüber hinaus die Zentgerichtsbarkeit ohne Blutgerichtsbarkeit in den Gütern Baunach, Seßlach,Ebern, Medlitz, Weismain, Lichtenfels, Woffendorf und Königsfeld. (StABa – Langheim Urkunde 1329 VII 21). Das war in der Regierungszeit von Abt Heinrich VII. Hünerer (1323–1344 )

Am 10. April 1331 nahm Kaiser Ludwig Kloster Langheim in seinen Schutz und befahl “dass sich niemand erlauben möge, des Klosters Besitz, Rechte oder Gerichtsbarkeiten zu verletzen.”  (StABa – Langheim Urkunde 1331 IV 10).

Auch eine Papsturkunde konnte Abt Heinrich für Kloster Langheim erhalten. Am 30.01. 1336 bestätigte Papst Benedikt XII. (1334-1342) Kloster Langheim alle päpstlichen undweltlichen Rechte, Freiheiten und Privilegien. (StABa, Kloster Langheim, Urkunden 400)

Am 22. Juli 1337 übertrug Kaiser Ludwig dem Kloster Langheim “alle Rechte und Gerichtsrechte an Watzendorf, Neuses an der Eichen, Gossenberg, zwei Höfezu „Hawried“ (Großheirath ?), dann auf einen Hof zu Rossach haben möchten,
sei es Totschlag oder anderes. (StABa – Langheim Urkunde 1337 VIII 22).

Am 30 September erlaubte Kaiser Ludwig dem Kloster “alles Gold, Silber, Messing, Kupfer, Zinn, Blei und dergleichen, das in Marktleugast oder Teuschnitzgefunden wird, zu verarbeiten (und damit auch das Bauen von Bergwerken) (StABa – Langheim Urkunde 1344 XI 30 (a))

Dies hatte durchaus eine wirtschaftliche Bedeutung für das Kloster.

Schon ab 1250 hatte Kloster Langheim den größten Teil seines Besitzzuwachses nicht mehr aus Schenkungen sondern durch Kauf erzielt. Zum Teil mussten auch  Gelder aufgenommen werden, um Ankäufe zu finanzieren. Das erhöhte natürlich die Schuldenlast des Klosters.

1364 spricht Abt Friedrich davon, dass die Schuldenlast des Klosters sehr drückend geworden sei und gibt als Grund dafür die hohen Zahlungen an die päpstliche Kurie an. (Geldner S. 48). Gleichzeitig verschlechterte sich das Verhältnis zu den Bamberger Bischöfen.

Nach 1300 sind kaum mehr Schenkungen der Bamberger Bischöfe  zu verzeichnen. Die Urkunden Ludwigs sind auch so zu sehen, dass das Kloster bestrebt war, seine Rechtssicherheit zu wahren.

Auch die von Kaiser Karl VI. (1346-1378) 26.2.1354 ausgestellte Urkunde geht in diese Richtung. Neben der Inschutznahme standen Besitz,Rechte und Gerichtsbarkeit in der Urkunde. “dass sich niemand erlauben möge, des Klosters Besitz, Rechte oder
Gerichtsbarkeiten zu verletzen”  (StABa – Langheim 1354 II 26). Schon zwei Jahre später folgte eine weiter Urkunde Karls IV.  Er verbot in dieser Urkunde, “dass irgend jemand Vogteirechte über Untertanen des Klosters ausübt oderdiese, außer in Dingen der Blutgerichtsbarkeit, vor ein Zentgericht lädt und bestätigt dem Kloster die volle Gerichtsbarkeit sowie das Bergwerksrecht in Teuschitz (Teuschnitz, Lk Kronach), Leubgast (Marktleugast, Lk Stadtsteinach)und Tambach (Lk Coburg)” (StABa – Langheim 1356 I 18 (a)).

Im Februar 1365 wurde Abt Friedrich II. (wohl zwischen 1363 und 1367) zum kaiserlichen Kaplan Kaiser Karls IV. ernannt. In dieser Urkunde ordnete er auch an, “dass niemand das Kloster oder seine Güter für den Bischof oder das Hochstift Bamberg verletzen oder pfänden soll. (StABa – Langheim 1365 II Die Die Pest suchte ab 1347 Mitteleuropa heim. Bevölkerungsverluste und Wüstungen waren die Folge. Auch das Gebiet von Kloster Langheim war davon betroffen. Dazu kam Misswirtschaft, was dazu führte, dass das Kloster in die Krise geriet.

Kloster Langheim war nicht das einzige Kloster, das im 14. Jahrhundert in Schwierigkeiten geriet. Alle Zisterzienserklöster spürten die Konkurrenz der Bettelorden, die auch zu einem Rückgang der Konversen führte.  Da gleichzeitig eine starke Verteuerung der ländlichen  Arbeitskräfte zu verzeichnen war, wurden die Klöster gezwungen, ihre Wirtschaft umzustellen

Lamprecht von Brunn (1374-1399) war zu dieser Zeit Bischof von Bamberg. Er war ein sehr enger Berater von Kaiser Karl IV. und später Kanzler von dessen Sohn Wenzel (1376-1400).

Abt Heinrich IX. Holzschuher (1280-1282) und der Konvent mussten am 25. August 1380 alle Güter des Klosters dem Bischof übergeben und ihm außerdem versprechen nichts ohne seinen Willen zu tun. er verpflichtete das Kloster zu jährlicher Rechnungslegung. (Einundzwanzigsten Bericht über das Wirken und den Stand des historischen Vereins zu Bamberg im Jahre 1857/58 S. 13). Die  nachgiebige Haltung Abt Heinrichs führte wohl zu Spannungen im Konvent, so das dass er bald resignierte. aber auch sein Nachfolger Friedrich III. Wolf (1382–1390) hatte keinen besseren Stand gegen den Bamberger Bischof. Er musste die Güter Teuschnitz und Leugast an das Bistum Bamberg verkaufen. Der Konvent sollte sich verpflichten, unter dem weltlichen Schirm des Bischofs zu verbleiben.

Abt Friedrich resignierte 1390.

Nikolaus II. Heidenreich (1405–1433 ) war der übernächste Abt. Er trat schon früh ins Kloster Langheim ein. Ihm wurde „ungewöhnliche Gelehrsamkeit und Weltbildung“ nachgesagt. Unter seiner Regierung erholte sich Kloster Langheim wieder. Er konnte die wirtschaftlichen Verhältnisse wieder ordnen

Er legte ein Urbar an, dass die Einkünfte des Kloster genau fixierte.

An dieser Stelle nochmals ein kurzer Blick auf die wirtschaftliche Lage und Ausrichtung des Klosters.  Um 1250 wurde der größte Teil des Klosterbesitzes im Eigenbau genützt.Bis 1400 hatte sich das völlig gewandelt. Eigenwirtschaft wurde nur noch in Langheim selbst und in Trieb,

Hochstadt und Tambach betrieben. die übrigen Grangien waren ausgeliehen oder verpachtet. Das Bestreben, alle zum Leben benötigten Dinge selbst zu erzeugen, war stark zurückgegangen. Im aufblühenden Handel ließ sich nun vieles einfacher durch Kauf erwerben.

Der Weinbau wurde in Langheim zwar gefördert, erreichte aber nie die Bedeutung wie in Mainfranken. Der Hopfenanbau hatte aber durchaus Bedeutung für das Kloster. Schon um die Mitte des 14. Jahrhunderts hatte das Kloster ausgedehnte eigene Pflanzungen. Das Kloster förderte den Anbau gezielt.

Seinen Hintersassen gewährte das Kloster für neuangelegte Hopfenkulturen für die Dauer von 15 Jahren Steuer-und Zehntfreiheit. Die langheimische Brauerei zählte sicher zu den ersten Brauereien Oberfrankens.

Ein wichtiges Standbein war die Fischzucht. In der nächsten Umgebung des Klosters und in Hochstadt und Tambach wurden Fischteiche angelegt. Man ließ sich auch gerne das Fischrecht schenken besonders in der Nähe von Mühlen, die

ebenfalls ein Wirtschaftsfaktor waren. Um 1400 Besaß Kloster Langheim über 20 Mühlen.

Schafhaltung spielte ebenfalls eine Rolle.  In Roth,Oberlangheim und Fankental-Vierzehnheiligen unterhielt das Kloster große Schafshaltungen. Im 15. Jahrhundert wurde die Wolle direkt nach Nürnberg verkauft.

Auch Pferdezucht wurde betrieben. Auch die Ausbeutung von Bodenschätzen spielte eine Rolle. (siehe dazu  oben die Erlaubnis von Kaiser Ludwig)

König Ruprecht von der Pfalz (1400-1410) stellte Abt Nikolaus II. 1408 eine Schutzurkunde aus. RI Pfalzgraf Ruprecht III. – [Regg. Pfalzgrafen 2] n. 5532

Darin hieß es “Nimmt das kl. Langheim in seinen und des reiches schirm. Innerhalb der klostermauern hat kein weltlicher richter irgendwelche rechte, sondern alleiniger richter ist der abt oder der orden von Citeaux. Niemand darf im kloster pöne, schatzung oder busse erheben. Der kg. bestätigt alle freiheiten des kl. (rechte, herkomen, privilegia, hantfesten und briefe von kaisern und königen und anderen fürsten). “

Das war eine weitgehende Rücknahme der von Bischof Lamprecht erzwungenen Zugeständnisse. Die Schutzurkunde von Ruprecht  zeigt auch, dass Abt Nikolaus II. Mit den mächtigen gut klar kam.

Er nahm auf dem Konstanzer Konzil 1414-1418 teil. Er war wohl auch bei den Verhandlungen gegen Johannes Hus dabei, der ja in Konstanz als Ketzer verurteilt und verbrannt worden war. Das nahmen die Hussiten in den Hussitenkriegen 1429/30 zum Anlass, Kloster Langheim

anzugreifen, angeblich weil Abt Nikolaus  in Konstanz für den Tod des Johannes Hus gestimmt hatte. Das Kloster wurde 1430 völlig zerstört, aber bald wieder aufgebaut.

1417 stellte der neugewählte Papst Martin V. (1417-1431) noch auf dem Konzil eine umfassende Bestätigung der klösterlichen Privilegien aus.

Am 17. März 1429 stellte Kaiser Sigmund (1411-1437) drei Urkunden für Kloster Langheim aus. RI Sigmund – RI XI,2 n. 7187 und 7187 A und B. In der ersten bestätigte er die Privilegien des Klosters und erteilte ihm das Bergwerkregal (passt zu der Ausbeutung von Bodenschätzen s.o.)

Die zweite Urkunde verbot das Abhalten von Jagden auf dem klostergebiet und die dritte war die wichtigste. Sie kassierte den Schutzbrief von Bischof Lamprecht von Brun und nach Heidenreich, Nicolaus“ in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 250-251 [Online-Version]

erklärte Sigmund Kloster Langheim zum Reichskloster. Diese Privilegien konnten die Nachfolger von Abt Nikolaus II. allerdings nicht halten.

Auch im Orden wurde Nikolaus beachtet. 1422 wurde er vom Generalkapitel der Zisterzienser zum Generalvisitator aller Klöster des deutschen Sprachgebietes ernannt.

Im Auftrag des Generalkapitels visitierte er schon am 31. Mai 1417 das Kloster Leubus. (Waldemar P. Könighaus Die Zisterzienserabtei Leubus in Schlesien von ihrer Gründung bis zum Ende des 15. Jahrhundert

Am 6. Juni 1431 ernannte Kaiser Sigmund Abt Nikolaus zu seinem Kaplan RI Sigmund – RI XI,2 n. 8604. Das war verbunden mit der Verleihung von Zoll-und Steuerfreiheit.

Abt Nikolaus II verstarb 1433.

Auf ihn folgte Abt Friedrich IV. Hügelein (Heugelein) gen. Goldschmied (1433–1449 ). In seine Regierungszeit fielen die insgesamt 4 Erscheinungen, die der Langheimer Schafhirte Hermann Leicht, wie ihn die Legende hieß, angeblich hatte. Obwohl Abt Friedrich IV. und seine Klostergeistlichen dies

als Erzeugnis der Einbildungskraft des Schäfers einschätzten, wurde an diesem Ort 1447 eine Kapelle erbaut, zumal dort angeblich mehrere Wunder geschehen waren. 1448 weihte sie der Bamberger Fürstbischof Anton von Rotenhan (1431 –1459) am Sontag nach St. Georg zu Ehren

der Seligen Jungfrau und der 14 Nothelfer. Es wurden auch schnell Ablässe verteilt. Schon zur Weihe der Kapelle erteilte Bischof Anton einen Ablass. Kardinallegat Juan de Carjaval (1448) erteilte einen Ablass ebenso wie Papst Nikolaus V. (1447-1455).

Verstärkt wurde der Zulauf der Wallfahrt durch die Errichtung einer Bruderschaft zu den 14 Heiligen, in die sich auch viele fürstliche Personen aufnehmen ließen. Kaiser Friedrich III.(1440-1493) gelobte eine Wallfahrt nach Vierzehnheiligen, die er 1485 von Nürnberg aus unternahm.

Im Bauernkrieg wurde die Kapelle und die daneben liegende Probstei, die Ökonomiegebäude und das Wirtshaus ausgeraubt und in Brand gesteckt. Später wurde dort die Wallfahrtskirche von Balthasar Neumann errichtet.

Der 28. Abt von Langheim wurde Johann III. von Guttemberg, gen. Dinstleben (1449–1475 ) Es war der letzte Langheimer Abt adeliger Herkunft.

Johann IV. Schad Abt von Langheim (1476–1494 ) hat in Heidelberg studiert und schickte auch Langheimer Mönche zum Studium nach Heidelberg. So zahlte er zum Beispiel 1491 7 Gulden für die Unterbringung von zehn langheimischen Studenten, das sind 1.102,00 €.

Emmeram Teuchler (1494–1510 ) war der 30. Abt von Langheim. In seine Regierungszeit fiel das Graduale Cisterciense, das 1496 von dem Mönch Amandus geschrieben wurde. Auch eine Vita der seligen Euphemia (+1180), der Schwester Mathilde von Andechs (+ 1160)

entstand in seiner Zeit.

Am 9.8. 1497 erhielt Abt Emmeran eine Urkunde von Papst Alexander VI. (1492-1503) ausgestellt. Darin beschirmt er das Kloster Langheim vor Exkommunikation, Suspension und Interdikt und erlaubte Abt Emmeram Teuchler zu Langheim,
gottesdienstliches Gerät zu segnen sowie seinen Mönchen die niederen Weihen zu erteilen. (Urkunde: 1497 VIIII 9 Bamberg, Staatsarchiv – Kloster Langheim Urkunden)

Unter Abt Emmeran war Eberhard von Redwitz aus dem Adelsgeschlecht der Redwitz Konventuale in Langheim. Er wurde 1494 Weihbischof in  Mainz und war dies bis 1504.

Abt Emmeran verstarb 1510.Auf ihn folgte Johann V. Fabri genannt Strauß (1510–1538 ) in seine Regierungszeit fielen zwei gravierende Ereignisse. Das war einmal die Reformation, die nach dem Thesenanschlag Martin Luthers an der Wittenberger Schlosskirche 1517

allmählich einsetzte. Diese ging an keinem der Klöster spurlos vorüber. Sowohl im Mutterkloster Ebrach als auch in Langheim war die Ordensdisziplin desolat. Oft wurde der Mönchshabit nicht mehr getragen. Gottesdienste und kanonische Horen wurden nicht mehr eingehalten.

Die durch die Ordensregeln gebotenen Pflichten wurden nicht mehr eingehalten. Die meisten Mönche hatten Privateigentum. Einige Konventuale verließen den Orden,da sie sich der neuen Lehre zuwandten. Der Langheimer Konventuale Marcus Rost wurde vom Bamberger Rat als Prediger

im Klarissenkloster in Bamberg eingesetzt und von der dortigen Äbtissin ein äußerst schlechtes Zeugnis erhielt. “ Man gab uns einen lutherischen Prediger, einen ausgeloffenen, abtrünnigen meineidigen Mönch von Langheim..”  (in G. Dippold, Das Zisterzienserkloster Langheim

im Zeitalter von Reformation und Gegenreformation in Zeitschrift für bayrische Kirchengeschichte 58 (1989) S. 96) Im Zuge der Reformation verlor Kloster Langheim die Aufsicht über alle ihm unterstellten Frauenklöster sowie elf vom Kloster besetzten Pfarrerstellen.

Das zweite Ereignis, das Langheim traf, war der Bauernaufstand von 1525. Die Aufständischen hatten Kloster Langheim besetzt und forderten, dass es aufgelöst wurde. Kurz vorher hatte ein Teil des Konvents das Kloster verlassen, ihren Habit abgelegt und in ihren Heimatorten Zuflucht genommen.

Abt Johann V. Fabri ging nach Bamberg und nahm dort das Bürgerrecht an. Die Aufständischen brannten das Kloster nieder. Auch die Wallfahrtskapelle Vierzehnheiligen fiel dem Aufstand zum Opfer (s.o.) Nach der Niederschlagung des Aufstandes befahl der Bamberger Bischof

Weigand von Redwitz (1522 –1556) die Rückkehr  ins Kloster. Er ließ das zerstörte Kloster wieder aufbauen und die Kirche und die Altäre wieder erneuern. Diese wurden 1530 wieder geweiht.

Für kurze Zeit konsolidierte sich das Klosterleben wieder. 1537 erhielten sechs Mönche in Langheim geistliche Weihen.

Abt Johann V. verstarb 1538 Sein Nachfolger wurde Konrad I. Haas (1538–1556 ). Er war vorher Amtsverweser in Kulmbach. Die geistliche Situation im Kloster verschlechterte sich wieder. 1540 flohen nachts drei Konventualen aus dem Kloster und setzten sich nach Coburg ab.

Aber auch materiell wurde das Kloster wieder geschädigt. Im Zweiten Markgrafen wurde das Kloster beschädigt, aber auch wieder die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen ebenso wie Kulmbach und damit der Langheimer Amtshof in Kulmbach.

Abt Konrad starb 1556. Sein Nachfolger wurde Friedrich V. Marschalk (1556–1562 ) Er war 1540 zum Priester geweiht worden und war ein Bamberger Bürgersohn. Er war vorher Hofmeister in Tambach. Als Abt war er aber eine totale Fehlbesetzung. Sein Lebenswandel sprach zisterziensischen Idealen Hohn.

Das Konzil von Trient (1545-1563). Das in der Sitzungsperiode von 1562 erlassene Dekret gegen Misstände im Diözesanbereich hatte den Bischöfen eine jährliche Visitation  aller Pfründen erlaubt.

Der Bamberger Bischof  Georg IV. Fuchs von Rügheim (1556 –1561) ging gegen Abt Friedrich V. vor und sein Nachfolger  Veit II. von Würtzburg (1561 –1577) setzte den Abt wegen unmoralischen Lebenswandel und Misswirtschaft 1562 ab. Er hatte auf klösterlichen Pfarreien lutherische geistliche eingesetzt.

An einer Vergrößerung seines Konvents lag ihm nichts. Er hatte keinen Mönch mehr aufgenommen. In einem Bericht an den Bamberger Fiskal, das war ein Vertreter der staatlichen Finanzverwaltung, der vor Gerichten die vermögenswerten (fiskalischen) Rechte des Kaisers oder eines Landesherrn vertrat,  heisst es, er sei “tag und nacht voll, schwermbt, flucht und lestert  Gott.” Ferner sei er “allenthalben mit weibern in unzucht behengt” (G. Dippold, S. 96) Die Verwaltung des Klosterbesitzes wurde zwei Konventualen übergeben. Der Abt wurde zeitweilig gefangen gesetzt. Schließlich setzte Bischof Veit II. setzte Ludwig II. Fuchs  (1562–1572 ) als Nachfolger ein. Außerdem bestand der Bamberger Bischof seither darauf, vor einer Abtswahl die Geld-und Getreidevorräte des Klosters zu visitieren. In der Geschichte des Klosters galt er  als

so unrühmlich,dass er in der Porträtreihe der Äbte im 18. Jahrhundert unterschlagen wurde. Bischof Veit II setzte den neuen Abt am 26. V. 1562 in sein Amt ein und belehnte ihn mit allen dem Kloster Langheim
zustehenden (Hoheits-) Rechten, Spiritualien und Temporalien ( Urkunde: 1562 V 26 Bamberg, Staatsarchiv- Kloster Langheim Urkunden)

Abt Ludwig II. erhielt am 18. 2. 1569 von Kaiser Maximilian II. (1564-1576) wieder eine kaiserliche Urkunde. (StABa – Langheim 1569 II 18.) “Kaiser Maximilian II. bestätigt und bekräftigt für Abt Ludwig II. Fuchs zu
Langheim ein (inseriertes) Privileg Kaiser Ludwigs IV., ausgestellt 1337VIII 22 in Bamberg, worin Letzterer dem Kloster Langheim alle Rechteund Gerichtsrechte, inklusive der Hohen Gerichtsbarkeit, an den Dörfern
Watzendorf, Neuses an der Eichen und Gossenberg und an zwei Höfen bei“Hawried“ (= Großheirath?) sowie an einem Hof bei Rossach überträgt.”

In Tambach erbaute Abt Ludwig ein neues Gebäude, in dem er am 1. Mai 1572 verstarb.

Sein Nachfolger wurde Abt Magnus Hofmann (1572–1582 )Kurz nach seiner Wahl visitierte Generalabt Nikolas I. Boucherat (1571-1583) Kloster Langheim. Er nannte Abt Magnus einen “vir probum und devotum”Der Abt war entschlossen, die Reformdekrete des Konzils von Trient zu beachten und umzusetzen.Allerdings blieben seine Bemühungen, den Konvent zu vergrößern und zu reformieren, im Ansatz stecken.Schon bei seinem Nachfolger Konrad Holzmann (1584-1592) kam es wieder zu einem Rückfall. Abt Konrad scheint keine entschiedene Haltung gegen den Protestantismus

eingenommen zu haben.

Konrad Holzmann war vor seiner Wahl zum Abt von Langheim auch Hofmeister in Tambach.

Am 10.10. 1585 schloss er mit Bischof Ernst von Mengersdorf  (1583 –1595) einen Vertrag, der die vogteilichen Rechtein den Zehngerichtsbezirken Niesten und Weismain regelte.  (1585 X 10Bamberg, Staatsarchiv – Kloster Langheim Urkunden)

Nachfolger von Abt Konrad wurde Johann Bückling (1592-1608) Er bemühte sich von Beginn seiner Amtszeit, seine wohl durchweg evangelischen Hintersassen zur Konversion zu bewegen. Früher als der Bamberger Bischof  Neidhardt von Thüngen (1591 –1598 )

aber mit dessen Einverständnis begann  er mit einer Gegenreformation nach dem Vorbild des Würzburger Fürstbischof Julius von Echter (1573-1617). Den evangelischen Hintersassen wurde geboten, katholisch zu erden oder das Hochstift zu verlassen.

Allerdings kam eine große Zahl der Aufforderung nicht nach, da sie weder konvertieren noch das Hochstift verlassen wollten. Oft konnten sie auch nicht wie gefordert ihre Güter verkaufen, weil sie in der Kürze der Zeit keinen Käufer finden konnten.

Der Abt hatte sich dabei auf das “ius reformandi”gestützt.

1601 verkaufte Achatz von Giech zu Giechkröttendorf seine Güter in und um  Scheßlitz an Kloster Langheim. In dem ehemaligen Rittergut wurde eine Verwalterstelle für den reichen und umfangreichen Besitz des Klosters in und um Scheßlitz eingerichtet.

Abt Johann verstarb 1608.

Sein Nachfolger wurde Peter II. Schönfelder (1608–1620 ) Er hatte in Rom studiert und dort die Doktorwürde erhalten. Er war wegen seiner Gelehrsamkeit berühmt.

Er stammte aus Weismain und hatte eine Stiftung mit 1250 Gulden Kapital eingerichtet, das sind 196.209,00 €. Daraus sollten arme Studenten aus Weismain unterstützt werden.

In Altenkunst hatte er das Schulhaus und das Pfarrhaus 1610 erbauen lassen. ER kaufte 1610 auch den Langheimer Hof in Bamberg zurück, den sein Vorgänger 1603 verkauft hatte.

Er ließ ihn 1610 neu erbauen.

Die Bruderschaft zu den 14 Heiligen erreichte durch Abt Peter am 27. November 1610 die päpstliche Bestätigung von Papst Paul V. (1605-1621) sowie mehrere Ablässe erhielt, was natürlich der Wallfahrt in Vierzehnheiligen sehr förderlich war.

Abt Peter erlebte noch die beiden ersten Kriegsjahre des Dreissigjährigen Krieges. In den ersten Kriegsjahren hatte Franken nur kurz unter Truppendurchzügen zu leiden, als Herzog Maximilian von Bayern (1597-1651)mit seinen Truppen die Pfalz besetzte

Auf Abt Peter folgte Johann VII. Weiger (Wiegand) (1620–1626 ) Er regierte nu6 Jahre und verstarb 1626. Er wurde in der von ihm errichten Grabkapelle bestattet.

Nur fünf Jahre regierte Erasmus Behm (Böhm) (1626–1631) Auf ihn folgte Nikolaus Eber (1631-1637) Er stammte aus Weismain  war zunächst Konventuale in Langheim und Pfarrer in Merkershausen, ein Ortsteil von Bad Königshofen.

Er unterstützte seinen ebenfalls aus Weismain stammenden Verwandten Mauritius Knauer, den späteren Abt von Langheim. Am 24. April 1631 wurde er zum Abt gewählt von Fürstbischof Johann Georg von Bamberg (1623-1633) mit den Temporalien und Regalien belehnt.

Bald darauf erreichte der Krieg den Obermain. Die Abtei wurde mehrfach von schwedischen Soldaten überfallen und geplündert. Die Mönche mussten flüchten. Zwei Mönche, P. Lorenz Reuß und P. Jodocus Wilmuth, wurden getötet, als sie sich nach Kronach zu retten versuchten.

Andere Mönche kamen auf ihrer Flucht bis nach Österreich. Mauritius Knauer und zwei weitere Konventuale wurden von Abt Nikolaus nach Wien zum Studium geschickt. Er selbst hielt sich zunächst in Abenberg auf. Später flüchtete er weiter, zunächst nach Eichstätt und Ingolstadt.

Im Oktober ging er weiter nach Bamberg und dann nach Kronach. Zuletzt war er in seiner Vaterstadt Weissmain, wo er am am 26. März 1637 starb und in der Pfarrkirche begraben wurde.

Sein Nachfolger wurde Johann VIII. Gagel (1638–1649 ). Er stammte aus Lichtenfels und am 8. Juni 1637 zum Abt gewählt. Die Benediktion fand durch den Fürstbischof Franz von Hatzfeld (1633 –1642 ) zusammen mit den Äbten Johann Pfister (1637-1641) von Kloster Ebrach

und Johann Tierlauf (1637-1641) im  Würzburger Dom statt. Fürstbischof  Franz von Hatzfeld war in Personalunion Bischof von Bamberg und Würzburg.

Auch Abt Johann VII. war zunächst wegen der Schweden ständig auf der Flucht. Bamberg wurde 1632 von den Schweden eingenommen. Die Schlacht bei Nördlingen am 6.9. 1634 führte zur Rückeroberung Süddeutschlands durch das kaiserliche Heer.

1618 hatte Kloster Langheim das Rittergut Giechkröttendorf endgültig erworben. Darauf wurde eine Kapelle errichtet, die Abt Johann 1644 weihte. 1646 führte Abt Johann den Vorsitz bei der Wahl des Abtes Petrus Scherenberger (1646-1658) von Kloster Ebrach

Die letzten drei Kriegsjahre brachten nochmals schwerste Verwüstungen in Süddeutschland mit sich, bis schließlich nach 30 Jahren Krieg der Westfälische Frieden vom 24. Oktober 1648 endlich Friede einkehrte.

Der Krieg hatte tiefe Spuren hinterlassen, Zerstörungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Es gab einen Bevölkerungsrückgang um 30- 40 % vor allem verursacht durch Seuchen. Es gab Verödungen, fallende Agrarpreise und auch eine große Verschuldung des grundbesitzenden Adels

und auch der Klöster.

Abt Johann verstarb am Fest von Peter und Paul 1649 nach dem Pontifikalamt in Vierzehnheiligen. Auf ihn folgte Mauritius Knauer

Mauritius Knauer wurde am 14. März 1613 in Weismain geboren. Sein Vater Moritz war dort Bürgermeister.  Er wurde zunächst vom Ortpfarrer unterrichtet. Von  1628 bis 1629 das Collegium Ernestinum in Bamberg.  Da sich der Vater die Studiengebühren nicht

leisten konnte, unterstützte ihn der damalige Ortspfarrer von Merkershausen und späteren Abt Nikolaus Eber. Wohl aus Dankbarkeit gegen ihn trat er in den Zisterzienserorden ein und nicht in den Jesuitenorden, was ihm seine Lehrer anboten.

Er trat 1630 in Langheim ein. Als die Schweden in Langheim einfielen, schickte ihn Abt Nikolaus zusammen mit zwei Konventualen in das Kloster Heiligkreuz im Wienerwald. 1636 wurde er an der Wiener Schottenkirche zum Diakon geweiht. Dann

schrieb er sich an der Universität Wien ein. Er studierte Philosophie, Theologie, Mathematik, Astrologie. 1639 wurde er zum Magister promoviert. Im September 1640 wurde er im Stephansdom zum Priester geweiht. Neben seinem Studium ordnete er

das Heiligkreuzer Stiftsarchiv, das sich damals ebenfalls in Wien befand. Er war dann noch vier Jahre in inkorporierten Pfarren des Stiftes Heiligenkreuz tätig.

1644 kehre er nach Langheim zurück. 1645 wurde er Subprior und 1646 Prior. Der Bamberger Fürstbischof Melchior Otto Voit von Salzburg (1642-1653) wollte das stark vom Krieg betroffene Kloster Langheim unterstützen und gab ihm die Pfarrei Weismain.

Dort war Mauritius bis 1650.

Fürstbischof Melchior Otto erweiterte im November 1647 das Jesuitenkolleg in Bamberg um die Fakultäten Philosophie und Theologie zur Academia Ottoniana. Sie wurde benannt nach dem Heiligen Otto Bischof von Bamberg, der auch der Namenspatron des Fürstbischofs war.

Der 14. November 1647 gilt als Gründungstag der Universität Bamberg, die von Friedrich Karl von Schönborn (1729 -1746) Fürstbischof von Bamberg und Würzburg zur Vier-Fakultäten Universität ausgebaut wurde. Am 2. September 1648 wurde Mauritius zum ersten

Doktor der Theologie der neugeschaffenen Lehranstalt promoviert.

Nach dem Tod von Abt Johann wurde Mauritius Knauer (1649-1664) einen Monat später unter Vorsitz des Ebracher Vaterabtes Petrus Scherenberger  zum Nachfolger gewählt. Die fürstbischöflichen Kommissare waren bei der Wahl anwesend. Sie versuchten die Wahl zu beeinflussen.

Sie hatten auch selbst Stimmen abgegeben. Aber Mauritius wurde mit nur drei Gegenstimmen zum Abt gewählt. Am 29. Juli 1649 von Fürstbischof Melchior Otto investiert.

Schon  Bischof Veit II. hatte seit der Absetzung von Abt Friedrich V. darauf bestanden, vor der Abtswahl, die Geld-und Getreidebeständes des Klosters zu kotrollieren. Bischof Melchior Otto verlangte für die fürstbischöfliche Bestätigung der Wahl noch deutlich mehr.

Abt Mauritius musste jährlich über den Vermögensstand des Klosters berichten, durfte  ohne bischöfliche Genehmigung nichts  bauen und ohne sein Wissen keinen Mönch auf eine auswärtige Hochschule schicken. Außerdem sollte an allen Klostergebäuden das Wappen des Bischofs angebracht werden.

Abt Mauritius war aber durchaus streitbar. Er weigerte sich, die Hoheit des Bischofs anzuerkennen, da er auf der angenommenen oder wirklichen  Reichsunmittelbarkeit bestand. Immerhin hatte Kaiser Sigmund am 17. März 1429 zum Reichskloster erklärt. (s.o.)

Das Provinzialkapitel der oberdeutschen Zisterzienserkongregation forderte den Bischof auf, die Rechte Langheims zu respektieren und drohte mit einer Klage beim Kaiser.

Er ließ sich von dem Ebracher Abt in Ebrach infulieren. In Schesslitz hielt er im bischöflichen Ornat eine Messe und ließ sich von seinen Schesslitzer Untertanen huldigen .

Der Abt wurde vom Bischof nach Bamberg einbestellt und als der Abt nicht erschien, ließ der Bischof das Kloster militärisch besetzen. Der Abt reiste nach Prag und erwirkte dort bei Kaiser Ferdinand III. (1637-1557) ein Reskript gegen den Bischof. Das war eine schriftliche Antwort des Kaisers auf eine Eingabe öffentlicher oder privater Personen und war so etwas wie eine dienstliche Weisung. Als der Abt zurückkam, wurde er vom Bischof 9 Wochen und 5 Tage in Bamberg inhaftiert. Als sich dann aber auch der Vaterabt auf die Seite des Bischofs stellte,

musste Abt Mauritius nachgeben und  den Bischof 1652 als Landesfürsten und Protektor anerkennen.Der Bischof scheint durchaus an einer Aussöhnung interessiert gewesen zu sein. Er war in Forchheim von einer schweren Krankheit befallen worden.

Abt Mauritius besaß großes Interesse an Mathematik, Astronomie – er baute eine eigene kleine Sternwarte – und Medizin. Er hatte fünf Jahre zuvor den Bischof von einer Krankheit geheilt, die von allen damit befassten Ärzten für unheilbar gehalten worden war. (Roppelt S. 380)

Er rief dann Abt Mauritiusnach Forchheim. Bevor dieser aber dort eintraf, verstarb der Bischof.

Als sein Nachfolger Fürstbischof Philipp Valentin Voit von Rieneck (1653 –1672 ) das Schloss Kronach neu befestigt ließ, legte Abt Mauritius im bischöflichen Ornat den Grundstein. (Roppelt ebda)

Abt Mauritius war ein guter Verwalter. Es gelang ihm, die Schäden aus dem 30jährigen Krieg zu beseitigen. Den Besitz des Kloster konnte er gegenüber dem Hochstift behaupten und durch Käufe sogar weiter vergrößern.

Er belebte die Wallfahrt nach Vierzehnheiligen. 1653 ließ er neues Gebet- und Mirakelbuch für die Wallfahrer drucken .

In Stublang, heute ein Teilort von Staffelstein, ließ er in der dortigen Oberen Mühle einen Eisenhammer errichten, in dem das Eisenerz aus dem nahe gelegenen Uetzinger Bergwerk verhüttet und anschließend zu Blech verarbeitet wurde.

Besonders bekannt gemacht hat ihn das Verfassen des  “100 jährigen Kalenders”, den er aber „Calendarium Oeconomicum practicum perpetuum, das ist beständiger Hauskalender“ nannte. Dieser Kalender belegt zwei Dinge, einmal seine

Kenntnisse und sein Interesse an Naturwissenschaft und auch seinen Einsatz für die ökonomischen Belange seines Klosters. Gedacht war der Kalender nämlich für die Landwirtschaft seines Klosters, nach wie vor eine wichtige Stütze der

Klostereinnahmen. Der Kalender geht zurück auf seine  meteorologischem und astronomischen Beobachtungen. Dem Kalender liegt die Vorstellung zu Grunde, daß die sieben Ptolemäischen Planeten – Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und Mond – der Reihe nach das Wetter je eines Jahres bestimmen. Das ergibt einen Zyklus von sieben Jahren, der sich wiederholt. Allerdings betonte er, das Ausnahmen und Verschiebungen im Ablauf des Zyklus möglich seien. Abt Mauritius dachte nie an eine Veröffentlichung. Aber sehr geschäftstüchtige Herausgeber haben

dafür gesorgt, dass der 100 –jährige Kalender das beliebteste und wohl am meisten gelesene meteorologische Volksbuch im deutschen Sprachraum wurde. Allerdings gab es Lesefehler, willkürliche Auslassungen und Missverständnisse.

So wurde der Kalender auch zum verspotteten Zeugnis des Aberglaubens gemacht.

Abt Mauritius verstarb am 9. November 1664 an den Folgen eines Schlaganfalles.

Sein Nachfolger wurde Alberich Semmelmann (1664–1677 ) aus Kronau. Vorher war er Hofmeister in Tambach. Ähnlich wie sein Amtsvorgänger wurde Abt Alberich inhaftiert. Der letzte Landtag der Bamberger Landstände, der auch Mitbestimmungsrecht zum Staatshaushalt hatte, fand unter Fürstbischof

Philipp Valentin Albert Voit von Riemeck (1653-1672) 1654 statt. In der Folge gelang es ihm, den Einfluss der Landstände auf das Finanzwesen des Hochstifts auszuschalten. Sein Amtsnachfolger Peter Philipp von Dernbach (1672-1683) unterdrückte die Versuche

einen Landtag einzuberufen, um das Recht der Stände auf Steuerbewilligung auszuüben. Er vermutete die Äbte von Michelsberg Roman Knauer (1667-1689), Abt Alberich von Langheim sowie Otto de la Bourde (1664–1677) von Kloster Banz als Urheber dieser Bestrebungen.

Bischof Peter Philipp reagierte scharf. Er bezeichnete die Prälaten als Rebellen und nahm den Michelberger Abt 19 Wochen in Arrest, zeitweilig auch den Langheimer Abt und den Prior von Kloster Banz.

In seiner Regierungszeit trug Abt Alberich  dazu bei, dass Kloster Langheim schuldenfrei  wurde.

Auf ihn folgte Thomas Wagner (1677–1689) als 46. Abt. Bischof Peter Philipp von Dernbach investierte den gewählten Abt am  3.2. 1677 und belehnte ihn mit allen dem Kloster Langheim zustehenden (Hoheits-) Rechten, Spiritualien und Temporalien. (DE-StABa – Langheim 1677 II 3)

Wegen kriegsähnlicher Einfälle des Bamberger Militärs beschwerte sich Abt Thomas beim Papst. Daraufhin ließ der Bischof den Abt verhaften und ließ ihn erst nach dessen Widerruf wieder frei. Nun Flüchtete der Abt in den Langheimer Klosterhof nach Kulmbach außerhalb des Bamberger Machtbereichs.

Schon Abt Mauritius war ein Verfechter der Reichsunmittelbarkeit Langheims. Der Konflikt mit den Bamberger Bischöfen eskalierte aber unter Abt Thomas. Der Finanzbedarf der Bischöfe war groß. Außerdem warten sie hochadeliger Herkunft und sie traten als absolutistische Herrscher auf.

Zwar sammelten die Langheimer Äbte die Rechtsgutachten  der römischen Kurie und des Kaiserhofes zugunsten Langheims.

1685 unterbreitete Abt Thomas dem Bischof seine Beschwerden gegen die bischöflichen Finanzbehörden und untermauerte dies mit Belegen der römischen Kurie. “Dominicus Maria Cursius, apostolischer Protonotar, bestätigt die dem Kloster Langheim erteilten Privilegien, speziell die Exemtion des Klosters von derJurisdiktion der Bamberger Bischöfe.” (StABa – Langheim 1685 II 9) Fürstbischof Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1683 –1693 ) setzte daraufhin eine Kommission ein, die die umstrittene Frage nach dem Gründer klären sollte.

Für Bamberg war Bischof Otto der Gründer, während das Kloster das Haus Andechs-Meranien als Gründer  ansah. In einer umfangreichen Druckschrift fasste Kloster Langheim die Ablehnung der Bambertgischen Stellungnahme zusammen und reichte diese beim Reichhofrat ein.

Das Kloster  argumentierte, dass alle Zisterzienserklöster immediat seien unter apostolischem Schutz stünden, von der bischöflichen Ordinariatsgewalt aber exemt und von Abgaben befreit seien.

Da Bischof Marquard Sebastian darin eine Frage sah, die auch landesherrliche Rechte beträfe, bat er den bayrischen Kurfürsten Max Emanuel (1679-1726) um Mitteilung, wie dieser in seinem Land mit den Temporalien verfahre, besonders bei den vor 1152 errichteten und vom Heiligen Stuhl

approbierten Abteien.

Abt Thomas erlebte den Ausgang aber nicht mehr. Er verstarb 1689. Neben seiner Auseinandersetzung mit dem Bamberger Bischof war Abt Thomas auch als Bauherr tätig.

Der Langheimer Klosterbaumeister Jakob Blös  (vor 1640–1685) baut den östlichen Konventflügel und das Noviziat.

Als Abt Thomas verstorben war, ließ Bischof Marquard Sebastian  während der Abtswahl das Kloster wieder besetzen. Gewählt wurde Candidus Bergmann aus Oberlangheim. Vor seiner Wahl war er Lektor für Philosophie und Theologie im Kloster und wurde Hofmeister in Tambach.

Erschüttert und wohl auch eingeschüchtert durch die Gewalt und den Eingriff in die klösterlichen Rechte wollte die Candidus die Wahl nicht annehmen. Seine Wahl hatte er (nach Jäck) seiner ausgezeichneten Gelehrsamkeit zu verdanken.

Er gab dem Drängen seiner Mitbrüder schließlich nach und wurde 12. November 1689 durch Fürstbischof Marquard Sebastian als Abt bestätigt und mit den Temporalien belehnt.

Abt Candidus konnte sein Amt aber nicht sehr lange ausüben. Am 22. Juni 1690 erlitt er auf dem Weg nach Vierzehnheiligen einen Schlaganfall, an dem er verstarb.

Um 1700 besaß das Kloster immer noch abgabenpflichtige Höfe in rund 230 Orten. Das war auch eine solide Basis für die Bautätigkeit der nachfolgenden Äbte.

Sein Nachfolger von Abt Candidus wurde Gallus Knauer (1690–1728). Er stammte wie sein Onkel Mauritius aus Weissmain. Er war ein Sohn des Weismainer Stadtschreibers und Notars Ambrosius Knauer .

Er besuchte das Bamberger Gymnasium, schloss seine Ausbildung mit Auszeichnung ab und trat in das Kloster Langheim ein. Er studierte Philosophie und schloss nach drei Jahren mit dem  Bakkalaureat ab und erhielt auch die Magisterwürde.

Er war Verwalter des Langheimer Hofes in Schmachtgenberg, heute ein Ortsteil von Zeil am Main. Der Langheimer Hof in Schmachtenberg bestand von 1656-1803. Gallus versorgte von Schmachtenberg aus auch die Pfarrei Zeil.

Am 13. Juli 1690 wurde er in Anwesenheit des   Ebracher Abts und Visitator des Zisterzienserordens Ludwig Ludwig (1686  -1696) zum Abt gewählt. Bei der Wahl hatten die fürstbischöflichen Kommissare mehrere Neuerungen vorgenommen,

die wieder tief in die Rechte des Klosters eingriffen. So musste der neue Abt dem Fürstbischof jährlich die Rechnungsbücher vorlegen, ihm anzeigen, wenn er das Bistum verließ oder der Ordensvisitator das Kloster besuchte.

Abt Gallus wurde am 15.07. 1690 von Bischof Marquard Sebastian  investiert und mit den dem Kloster zu stehende Rechten und den Temporalien belehnt. (Bamberg, Staatsarchiv -Kloster Langheim Urkunden 1690 VII 15)

Zunächst wehrte sich das Kloster und der Ordensvisitator vergeblich gegen die neuen Vorgaben. Die Beschränkungen wurden aber am 2. April 1691 durch kaiserliches Reskript wieder aufgehoben. Kaiser war Leopold I. (1698- 1705)

Am 6.11. 1693 bestätigte der Apostolische Gesandte Carolus de Marinis Abt und Kloster Langheim Rechte und Freiheiten (StABa – Langheim 1693 XI 6)

1693 wurde  Lothar Franz von Schönborn (1693 –1729 ) Bischof in Bamberg. Er war wie alle Bischöfe von Schönborn von dem “Bauwurmb “ befallen, wie das Volk von Bruchsal über seinen Neffen Damian Hugo von Schönborn (1721-1743), den Fürstbischof von Bruchsal sagte.

Abt Gallus teilte mit ihm die Baufreude und er hatte ein sehr entspanntes Verhältnis zum Fürstbischof.

In Kulmbach ließ er nach den Plänen von Leonhard Dientzenhofer (1660-1707)(siehe Mei Büchle Kloster Ebrach, Kloster Schöntal) den Langheimer Amtshof errichten. Bis zur Fertigstellung dauerte es  aber gut vier Jahre, was auch durch das Misstrauen durch den Markgrafen und den markgräflichen Hofbaumeister verursacht wurde. Dieser, Bourdin de la Fond, besichtigte die Baustelle und erachtete den Prälatenbau als eine Gefahr für die Stadt und die Plassenburg. Es ging vor allem um die dicken Mauern. Auch der Felsenkeller mit einem verzweigten Gängesystem zur Wassergewinnung, das  weit unter die markgräfliche Plassenburg reichte,sorgte für Zwistigkeiten mit dem Markgrafen.

In Trieb, das ja zu den Gründungsgütern von Kloster Langheim gehörte, ließ Abt Gallus 1692/93 ebenfalls von Leonhard Dientzenhofer den zumindest in Bayern einmaligen  Rundbau Naßanger als Vieh- und Ökonomiehaus aber auch als Altenheil des Abtes errichten.

Er war mit Wassergraben und dicken Mauern versehen und sollte auch als Fluchtburg bei Übergriffen des Bamberger Fürstbischofs dienen. Solche Übergriffe hatte ja seit Abt Mauritius praktisch jeder Langheimer Abt erduldet.

In Langheim erbaute Dientzenhofer, seit 1690 von Lothar Franz von Schönborn zum bambergischen Hofbaumeister ernannt worden, von 1691 bis 1704  den vorgelagerten, dreigeschossigen Südflügel der «Alten Abtei».

Die Planung Dientzenhofers für Langheim ist nicht mehr vorhanden. Sie dürfte aber alle nachfolgenden Arbeiten beeinflusst haben.

Kontributionen, die im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) von Kloster Langheim zu zahlen waren, sowie Unsicherheit beenden die Bautätigkeit Dientzenhofers in Langheim.

Am 30 Mai 1696 fand nach dem Tod des Ebracher Abtes Ludwig Ludwig unter Vorsitz von Abt Gallus in Ebrach die Wahl des Nachfolgers Candidus Pfister (1696–1702) statt. (StAW – EbrachOCist 1696 Mai 30)

Ab 1697 ließ er in Tambach (s.o), das im Dreißigjährigen Krieg fast völlig zerstört worden war, den Ostflügel des Tambacher Schlosses, ein mächtiges Barockschloss neu errichten und außerdem das stattliche Backhaus, das 1700 abgebrannt war.

Ende des 17. Jahrhunderts unternahm Gallus eine kostspielige längere Reise nach Rom. Von dort brachte er architektonische Anregungen für den Bau des Schlosses in Trieb mit.

1723 ließ er an der Kirche in Altenkunstadt einen Chor anbauen und 1724 das Schiff der Kirche in Isling vergößern

1727 ließ er die zerstörte alte Hofmeisterei zusammen mit einer Hauskapelle nach den Plänen des Coburger Baumeister und Hofmaurer Johann Georg Brückner neu errichten.

Im Torhäuschen des Schlosses befindet sich das Epitaph von Abt Gallus.

37 Jahre hat Abt Gallus regiert. Trotz seiner regen Bautätigkeit ersparte er große Geldsummen und Naturalvorräte. 1691 konnte er dem Markgrafen Christian Ernst zu Brandenburg-Kulmbach (1655-1712) gegen Verpfändung des ehemaligen Klosters Himmelkron,

damals Jagdschloss des Markgrafen ein Darlehen von 15.000 Taler geben, das entspricht 2.391.769,00 €.

In Verhandlungen war er durchaus flexibel. Aber die Rechte der Abtei gegen das Fürstbistum Bamberg und der Markgrafschaft Brandenburg-Kulmbach  vertrat er aber entschlossen, wenn es um offene Rechtsverletzungen ging. So bewilligte er die ungerechtfertigten Ansprüche des Bambergischen Vikariats auf die Opfergelder von Vierzehnheiligen, Isling und Altenkunstadt. Den Rechtsstreit mit Bamberg, den sein Vorgänger begonnen hatte, versuchte Abt Gallus durch gütlichen Vergleich zu beenden.

1701 durfte Abt Gallus den Wallfahrtsbuch, das sein Onkel 1653 herausgegeben hatte, den „Frankenthalischen Lustgarten“ (Wallfahrtsführer) wieder auflegen. Dagegen hatte sich das Vikariat Wien gewehrt. Außerdem gestattete Kaiser Leopold I. es nur dem Abt und dem Kloster

Nachdrucke anfertigen zu lassen und diese zu verkaufen. Die Erlaubnis war zunächst auf zwölf Jahre befristet (StABa – Langheim 1701 VIII 4) Kaiser Karl VI. (1711-1740) bestätigte dies am 21.10. 1727 und verlängerte die Erlaubnis um weitere 12 Jahre

StABa – Langheim 1727 X 21)

1702 erhielt er das Recht, von Langheimischen Untertanen in Kulmbach steuern zu erheben und 1703 verweigerte er die Mitwirkung bei Schanzarbeiten an der Festung Plassenburg.

Abt Gallus starb am 3. Februar 1728  und wurde in der Abteikirche bestattet.

Nach dem Tod von Abt Gallus ließ Bischof Lothar Franz von Schönborn  Kloster Langheim für neun Tage militärisch besetzen. Martin Wolf (1728- 1734) wurde am 4. März 1728 zum Abt von Langheim gewählt. Er war der einzige Abt, der nicht aus der unmittelbaren Nähe

des Klosters stammte, sondern aus Neumarkt in der Oberpfalz. Er wurde am 10. März 1728 von Franz Konrad Graf von Stadion dem Statthalter des Fürstbischofs investiert. Die Wahl wurde am 8. 5. 1728 durch Generalabt Andoche Pernot des Crots (1727–1748 )

bestätigt. ( Bamberg, Staatsarchiv – Kloster Langheim Urkunden 1728 V 8)

Die Belehnung mit den Temporalien erfolgte am 5. Juni 1728.

Nach Langheim berief Abt Martin kurz nach seiner Wahl Weimarer Landbaumeister Gottfried Heinrich Krohne (1703–1756) nach Langheim. Dort errichtete die “Neue Abtei”, auch Fürstentrakt genannt.

1730 baute Krohne am auch am Süd- und Westflügel der Konventbauten.

Langheim hatte enge Beziehungen zur Residenzstadt Coburg. Der Tambacher Klosterhof lag vor den Toren Coburgs. Das Schloss in Trieb wurde ja von seinem Vorgänger Brückner errichtet (s.o.)

In Trieb ließ Abt Martin 1733 das von Abt Gallus errichtete Schloss erweitern.

Abt Martin Wolf starb am 3. Januar 1734. Zu seinem Nachfolger wurde am 26. Januar 1734 Stephan Mösinger  aus Haßfurt  unter der Leitung von Abt Wilhelm Söllner (1714–1741 ) gewählt. (StABa – Langheim 1734 I26)

Schon die Wahlen  letzten Äbte Langheims wurden immer von militärischen Drohgebärden der Fürstbischöfe von Bamberg begleitet. Das war auch bei Abt Stephan nicht anders. Fürstbischof war inzwischen Friedrich Karl von Schönborn (1674–1746) , der Neffe von

Lothar Franz von Schönborn. Dieser investierte Abt Stephan am 25. Februar 1734 und belehnte ihn mit den Kloster Langheim zustehenden Hoheitsrechten und Temporalien.

Abt Stephan wurde am 19. März 1697 als Sohn des Müllers Johann Mössinger geboren. Er immatrikulierte sich 1713 an der Universität Würzburg und studierte als “pauper” gebührenfrei Philosophie.

1717 trat er unter Abt Gallus in das Kloster Langheim ein. 1718 legte er seine Profess ab und wurde 1722 zum Priester geweiht. 1728 wurde er Subprior und dann Novizenmeister. Ab 1731 war er Lektor für Philosophie und Theologie an der Hauslehranstalt.

Der Fürstbischof war von seinem Onkel 1703/1704 als kurmainzischer Gesandter an den Kaiserhof nach Wien geschickt worden. 1705 war er auch mit Protektion seines Onkels von Kaiser Joseph I. (1705-1711) 1705 zum Reichsvizekanzler ernannt worden.

1729 wurde er in Bamberg Nachfolger  des 1729 verstorbenen Lothar Franz. Ein knappes halbes Jahr später wurde er auch in Würzburg zum Bischof gewählt.

Abt Stephan assistierte mit dem Abt von Kloster Michaelsberg Anselm Geisendorfer (1724-1743) bei der Weihe  des Bamberger Weihbischofs von Hahn zum Bischof von Arad, die Fürstbischof Friedrich Karl vornahm. Weibischof von Hahn war am 27. März 1723 von

Papst Clemens XII (1730-1740) zum Titularbischof von Arad ernannt worden. Fürstbischof Friedrich Carl ernannte ihn zum Weihbischof von Bamberg und auch zum Generalvikar.

Ob die Teilnahme an der Weihe auch als Versuch der Entkrampfung des Verhältnisses zwischen Bistum und Kloster zu sehen ist, kann ich nicht beurteilen.

Fürstbischof Friedrich Karl machte aber klar, dass er gegen die von Langheim beanspruchte Reichsunmittelbarkeit ist, war aber zu Verhandlungen bereit. Die Reichsunmittelbarkeit bestand zwar de jure, aber die realen Machtverhältnisse waren eben anders. Abt

Stephan sah das so, akzeptierte es und verzichtete auf die Reichsunmittelbarkeit endgültig.  Man verhandelte und Fürstbischof Friedrich Karl schloss am 20.Juni 1741 folgenden Rezess mit dem Kloster: “Langheim  erkennt den Bischof als  Ordinarius in spiritualibus und als

Landesherrn in temporalibus  an. Bei der Abtswahl darf ein bischöflicher Vertreter teilnehmen. Der gewählte Abt hat die Benediktion durch den Fürstbischof oder seinen Weihbischof zu empfangen.” In einem Nebenrezess wurde die Vogteilichkeit

des Kloster über seine Lehen geregelt. Die Landeshoheit und die Blutgerichtsbarkeit bleiben beim Hochstift. Abt Stephan und der Konvent bestätigten den Vergleich  am 1. Dezember 1741.

Der Fürstbischof überliess Kloster Langheim ein Drittel der in Vierzehnheiligen eingehenden Opfergelder. Im Gegenzug musste Kloster Langheim die Kirche in Viertzehnheiligen einrichten und unterhalten. Außerdem behielt sich Friedrich Karl das Recht vor, die Baupläne zu genehmigen.

Abt Stephan erhielt außerdem das Recht auf die Hohe Jagd. Das war ihm wohl sehr wichtig, denn es war ein adeliges Statussymbol. Er war wohl begeisterter Jäger und hatte eine Sammlung von 35 unterschiedlichen Gewehren und 10 Paar Pistolen.

Seine Stellung gegenüber dem adeligen Herrscher als gleichwertig demonstrierte durchaus selbstbewusst. So fuhr er er am Bamberger Hof mit sechsspännigem Kutsche  vor, mit drei Bedienten zu Pferd und drei Bedienten zu Fuß.

Auch die Vorliebe für repräsentative Bauten teilte er mit dem Bamberger Fürstbischof. Allerdings standen ihnen ganz unterschiedliche Etats zur Verfügung.

Abt Stephan konnte jährlich um die 5000 fränkische Gulden aufbringe, das sind etwa 805.995,00 €. Der Fürstbischof gab allein für die Würzburger Residenz das Zehnfache aus.

Von seinem Vorgänger Abt Martin übernahm er den Baumeister Krohne, der ab 1728 die Neue Abtei gebaut hatte. Er erstellte nun die Konventflügel neu. 1742 sind die Bauten fertig und demonstrieren mit ihrer repräsentativen und residenzähnlichen

Architektur schon einen fürstenähnlichen Anspruch.

Auch in Bamberg  ließ Abt Stephan bauen. Dort erhielt der Langheimer Hof einen neuen Nordflügel.

Über Fürstbischof Friedrich Karl kommt er mit mit dem fürstlich würzburgischen Ingenieur-Hauptmann Balthasar Neumann in Kontakt. Von Lothar Franz von Schönborn stark gefördert war er jetzt für dessen Neffen Friedrich Karl tätig.

Beim Bau der Würzburger Residenz hatte er die planerische Leitung inne, die laufende Ausführungsplanung und die Organisation der Baustelle.

1741 lieferte Balthasar Neumann dem Langheimer Abt einen Plan für einen Kirchenneubau in Langheim. Aber es bleibt  beim Projekt, denn Fürstbischof Friedrich Karl wollte den Bau einer Wallfahrtskirche in Vierzehheiligen. Das war ja 1741 im

Zusammenhang mit der teilweisen  Überlassung der dortigen Opfergelder so vereinbart worden. Für den Fürstbischof eigentlich ein geniales Modell. Er bestimmte die Planung und Langheim musste finanzieren. Das kostete jährlich zwischen 2000

und 4000 Gulden, so dass für Langheimer Baupläne kein Geld mehr übrig war. Es hatte im Vorfeld verschiedene Planungen gegeben. Abt Stephan hatte seinen in Langheim arbeitenden Baumeister Krohne mit der Planung der Wallfahrtskriche Vierzehnheiligen beauftragt.

Die vorgeschlagenen Pläne hatten günstige Kosten versprochen.Deshalb wollte der Abt diese Pläne durchsetzen. Denn er wollte sein Geld vor allem für einen Kirchenneubau in Langheim ausgeben.

Eigenmächtig hatte Fürstbischof Friedrich Karl seinen Hofbaumeister Johann Jakob Michael Küchel (1703–1769) mit einem Projekt für Vierzehnheiligen beauftragt, das 1742 vorlag. Nun lehnte Abt Stephan ab, weil ihm das Projekt nach Küchels Plänen zu teuer sei.

Er hatte inzwischen Balthasar Neumann mit der Planung von Vierzehnheiligen beauftragt. Als die Pläne eintrafen, ließ er diese vom Fürstbischof genehmigen, dachte aber immer noch nicht daran, diese auch durchführen zu lassen.

Er beauftragte Krohne mit der Planung einer Sparversion basierend auf Neumanns Plänen und erteilte ihm sofort den Auftrag zur Durchführung. Nun schickte der Fürstbischof Neumann und Küchel auf eine Inspektionsreise nach Vierzehnheiligen.

Abt Stephan ließ  nun Baumeister Krohne fallen um sein Gesicht zu wahren. Der Fürstbischof übernahm  nun die Regie und überzeugte Neumann von der Neuplanung, wobei der begonnene Grundriss Krohnes übernommen werden sollte.

Sein Neubauprojekt in Langheim musste der Abt zurückstellen. Trotz der verpfuschten Planung zu Baubeginn entstand neben ein weiteres Meisterwerk von Balthasar Neunmann. Zentral war nun der Gnadenaltar. 14 Säulen tragen nun symbolisch für die 14 Nothelfer

das Gebäude. Die Kirche passt sich sich der Landschaft an, ist auf Fernsicht angelegt und eine Antwort auf die Fassade des gegenüberliegenden Kloster Banz.

Meisterlich ergänzt wird die Kirche durch die Stukkaturen des Wessobrunners Johann Michael Feichtmayr (1696–1772) und seiner Werkstatt. Sie waren sein letztes großes Werk. die Malereien besorgte Joseph Ignaz Appiani (1706–1785)  Der Maler stammte aus Porto Ceresio war seit 1745 kurmainzischer

Hofmaler.

Keiner der am Bau von Vierzehnheiligen Beteiligten erlebte die Fertigstellung der Wallfahrtskirche.

Am 23.04. 1743 hatten Abt Stephan und Fürstbischof Friedrich Karl den Grundstein gelegt. Der Fürstbischof starb 1747. Abt Stephan starb 1751 und  Balthasar Neumann starb 1753. Maurermeisters Thomas Nissler aus Staffelstein erstellte die Gewölbe und war auch für die

die Zweiturmfassade. Der Rohbau wurde 1763 fertiggestellt. Am 16. 09. 1772 wurde die Kirche nach 29-jähriger Bauzeit wurde die Kirche geweiht. Gekostet hatte die Kirche  130.000 fränkische Gulden, das wären heute gut über 20 Millionen Euro.

Abt Stephan starb am 3. September 1751 im Alter von 54 Jahren.

Er hinterließ eine gut verwalte Klosterherrschaft und diese war trotz reger Bautätigkeit schuldenfrei.

Sein Nachfolger wurde Abt Malachias Limmer (1751–1774 ) Er wurde am 12. April 1712 als Sohn des Hochstiftvogts Johannes Limmer  in Kronach geboren. Er besuchte ab 1724 das Gymnasium in Bamberg. 1731 trat er in das Kloster Langheim ein und legte ein Jahr später die Gelübde ab.

Nach der Priesterweihe schickte ihn Abt Stephan 1736 zum Jurastudium nach Bamberg. Nach seinem Jurastudium wurde er Kanzleidirektor der Abtei Langheim, das war das höchste weltliche Amt des Klosters.

Am 16. September 1751 wurde er   mit 34 von 60 Stimmen zum Abt gewählt.  Fürstbischof Johann Philipp Anton zu Frankenstein (1746-1753) investierte Abt Malachias 1752. Bei der Wahl hatte Weihbischof Heinrich Joseph von Nitschke (1749-1778) als Wahlkommissar fungiert.

Als Diplomat war Abt Malachias so geschickt wie sein Vorgänger. Er konnte die bischöflichen Einmischungen neutralisieren. Die Reibereien zwischen Bistum und Kloster nahmen ab.

Er konnte sich auf die wirtschaftliche Führung seiner Abtei konzentrieren. Er kümmerte sich um die Ausbildung seiner Konventualen. Einige schickte er auch auf die Universität nach Prag.

Er stattete auch die Klosterbibliothek aus.

In Langheim errichtete er östlichen Krankenflügel. Seine wichtigste Aufgabe war die Vollendung der Wallfahrtskirche in Vierzehnheiligen. Gegen die aufkommende Mode des französischen Klassizismus der Aufklärung verpflichtete er den Stukkateur Johann Michael Feichtmayr und den

Auch der Siebenjährige Krieg (1756-1763) belastete das Kloster schwer. 1758 waren die Preussen in Franken eingefallen, vor allem um Kontributionen und Nahrungsmittel zu erpressen. Kloster Langheim war zwar nicht von einem Truppeneinmarsch betroffen, aber es musste enorme Kontributionen aufbringen. Der Bau von Vierzehnheiligen aber lief weiter.

den Maler Joseph Ignaz Appiani. Nur zwei Jahre nach der Weihe starb Abt Malachias mit 61 auf dem Langheimer Schloss Trieb.

Sein Nachfolger wurde Johann Nepomuk Pitius (1774–1791 ). Er wurde am 2. Juni 1744 in Bamberg geboren. Sein Vater war Buchbinder und wohl nicht sonderlich wohlhabend. Er trat 1761 in das Kloster Langheim ein.

Am 24. Oktober 1762 legte er seine Ordensgelübde ab.

Er studierte Mathematik und Philosophie an der Bamberger Universität. 1770 wurde er zum Priester geweiht. Mit seinem späteren Nachfolger Candidus Hemmerlein studierte er von 1771 bis 1773 in Prag Rechtswissenschaften.

Dieses Fach lehrte er auch einige Monate im Kloster

Nach dem Tod von Abt Malachias wurde er wegen seiner Beredsamkeit und seiner Beredsamkeit (Zehnter Bericht über das Bestehen und Wirken des historischen Vereins zu Bamberg, Bamberg  1847, S. 23) am

31. Januar 1774 unter Vorsitz des Ebracher Abts Wilhelm II. Roßhirt (1773–1791) zum Abt gewählt. (StABa – Langheim 1774 I 31) Am 16. März 1774 belehnte Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (1757-1779) mit allen dem Kloster zustehenden Rechten,

Spiritualien und Temporalien. (StABa – Langheim 1774 III 16) Der Fürstbischof setzte dabei dem gewählten Abt ein erstmals verwendetes rotes Birett mit goldenem Knopf auf. (Dieter J. Weiß, Das exemte Bistum Bamberg 4: Die Bamberger Bischöfe von 1693 bis 1802 (Germania Sacra. Dritte Folge 12),

Berlin/Boston 2016 S.286).

1780-1786 ließ er in Schloss Tambach den Westtrakt und Mitteltrakt erbauen. Zwischen 1789 und 1792 entstanden in Langheim  die Konsulensie und der Ostpavillon.

Außerdem beschaffte Abt Johann ein Astrolabium sowie elektrische Apparate auf seinen Reisen nach Paris und Augsburg.

Abt Johann wurde vom Bamberger Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal am 3. April 1787 Gehorsam gegenüber dem Vaterabt befohlen, nach dem dieser gegen ein Verbot des Abtes Wilhelm Ankäufe zu tätigen und Bauten zu erstellen verstoßen hatte. Am 22. Juli 1787  suspendierte ihn der Bischof von seinem Amt. Allerdings belegen die Zahlen die Vorwürfe nicht.  So umfasste der Konvent 1792 59 Konventuale und drei Konversen. Zwar waren mit 17000 Fränkischen Gulden 1792 die höchsten Bauausgaben in einem Jahr getätigt worden,

das sind etwa 2.715.363,00 € Aber trotz der Baumassnahmen betrugen die Überschüsse 8000 fränkische Gulden,also etwa 1.277.818,00 €, also knapp die Hälfte der ausgaben für Baumassnahmen.

Es scheint dass durch ungeschickte Amtsführung des Abtes ein Geist der Unruhe im Kloster aufgekommen ist, der zu Vorwürfen führte und letztlich in der Suspendierung gipfelte. Bis zum Tod von Abt Johann am 5. Mai 1791 hatte ein Triumvirat des Konvents die Leitung der Abtei inne.

Die Neuwahl des neuen und letzten Abts von Langheim fand am 25. Mai 1791 unter Vorsitz des Ebracher Vaterabtes Eugen Montag (1791-1803) statt. (StABa – Langheim 1791 V 25) Gewählt wurde Candidus Hemmerlein. Er gehörte dem Triumvirat an, dass die Verwaltungsgeschäfte des Klosters führte.

Die Wahl wurde am 1. Juli 1791 von dem Salemer Abt Robert Schlecht (1778–1802) im Namen des Zisterzienserordens bestätigt. (StABa – Langheim 1791 VII 1)

Candidus Hemmerlein wurde am 30. Juni 1743 als Sohn armer Eltern in Kronach geboren.  Er war ein Verwandter des Langheimer Abtes Malachias Limmer. Seinen ersten Unterricht erhielt vom Kronacher Rektor. Dann besuchte er das Gymnasium in Bamberg.

1761 trat er in die Zisterzienserabtei Langheim ein. 1762 legte er seine Profess ab. Danach absolvierte er dort von 1763 bis 1768 unter der Leitung des Novizenmeisters und Professors Willibald Schlecht den philosophischen und theologischen Lehrkurs und feierte am 8. Dezember 1767 seine Primiz.

Dann studierte er zusammen mit seinem Vorgänger Johann Nepomuk Pitius auch Rechtswissenschaften in Prag.

Nach seiner Rückkehr aus Prag wurde er Kanzleidirektor in Langheim. In diesem Amt führte er eine genaue Buch- und Aktenführung ein.

Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal  investierte Abt Candidus am 22. November 1791 und belehnte ihn mit allen dem Kloster Langheim zustehenden  Rechten, Spiritualien und Temporalien. (StABa – Langheim 1791 XI 22)

Der Bamberger Weihbischof Johann Adam Behr (1778-1805) wies in einer Eingabe an den Erzbischof auf den Ungehorsam des suspendierten Langheimer Abtes hin. (Weiß, S. 352).

Abt Candidus konnte die Unruhe, die im Konvent unter seinem Vorgänger aufgetreten war abbauen und die Spannungen, die in der Klostergemeinschaft aufgetreten waren ausgleichen. Er machte verhaltene Zugeständnisse, die der ursprünglichen Strenge des Zisterzienserordens

eigentlich widersprachen. Er kam damit auch dem Zeitgeist näher, der bessere Lebensbedingungen und mehr Wissen anstrebte. Er war eine integrierende Persönlichkeit, bestimmt vom Geist der gemäßigten Aufklärung. Er besaß die Eigenschaft, die Talente seiner

Untergebenen zu erkennen und diese zu fördern. Zwei Mönche ließ er Rechtswissenschaft an der Universität Würzburg studieren und diese dann im Kloster dieses Fach unterrichten. Zugunsten des Studiums kürzte er den Chorgesang.

Er ließ die Ländereien des Klosters vermessen und genaue Karten anlegen, auch um seit Jahrzehnten bestehende Grenzstreitigkeiten beizulegen.

Franken und damit auch Kloster Langheim waren von den Koalitionskriegen betroffen, die 1792 (1. Koalitionskrieg) und 1799-1802 (2. Koalitionskrieg).Langheim musste Truppendurchzüge, Plünderungen, Kontributionen und auch Zerstörungen erdulden.

Aber dieses konnte er durch gute ‘Wirtschaftsführung, wobei er sich auch von unrentablen Gütern trennte ausgleichen, so dass er sogar noch einen neuen Konventsbau errichten lassen. Für die Bibliothek hatte er Bücher angeschafft.

Mit großem Kostenaufwand legte er ein Kunst- und Naturalienkabinett und  eine Münzsammlung an. Dies wurde nach der Säkularisation zerstreut.

Der neue Konventsbau brannte aber in der Nacht vom 6. auf den 7. Mai 1802 vollständig aus. Gleich nach dem Brand, der die Prälatur,den Konventbau, die wertvolle Bibliothek sowie einen Teil der Kirche zerstört hatte, begann er mit dem Wiederaufbau.

Aber dann kam mit der Säkularisation 1803 das Ende des Klosters. Am 10. Mai 1803 erließ der bayrische Kurfürst Kurfürsten Maximilian IV. Joseph (1799-1825) einen Aufhebungsbeschluss. Das Kloster wurde verstaatlicht, die verwertbaren Besitztümer der Abtei verkauft und die brandgeschädigten Gebäude samt der Kirche wurden abgerissen.

Abt Candidus erhielt den Langheimer Hof in Bamberg sowie Schloss Trieb. Eine gute häusliche Einrichtung beide mit zwei Wagen und vier Pferden wurden ihm gestellt, außerdem ein Keller voll Wein. Er erhielt den Höchstsatz, der nach dem Reichsdeputationshauptschluss vorgesehen war. Darüberhinaus durfte er seine Pektoralien (Brustkreuze) und Ringe behalten. Seine Pension betrug 8000 Gulden, das entspricht immerhin etwa 164.900 Euro.

Den größten Teil seiner Pension verbrachte er aber, wie man aus seinen Abrechnungen ersehen kann zur Unterstützung bedürftiger ehemaliger Klosteruntertanen und Konventualen.

Auf seinen Bamberger Wohnsitz verzichtete er. Er nahm sich stattdessen eine Wohnung in Lichtenfels, wo er am 19. März 1814 verstarb.

Er ist in der Pfarrkirche von Lichtenfels bestattet.

                                                                                                                                                                                                                     Bad Staffelstein - Vierzehnheiligen

29 Jan 2022

Kloster Heilsbronn

                                                                                                                                                                          image de l'abbaye             

 

1132 stiftete  Bischof Otto  von Bamberg (um 1065-1139)sowie die beiden Grafen Adalbert III. von Abenberg (belegt 1093 und 1132) sowie Rapoto I. (belegt von 1114-1172) das  Zisterzienserkloster Heilsbronn bei Ansbach im Bistum Eichstätt.

Muck sieht eine verwandschaftliche Beziehung Abt Rapotos zu den Grafen von Abenberg als eine Legende, um den Glanz des Kloster aufzuhellen ((Muck Geschichte von Kloster Heilsbruck, Nördlingen 1879, S. 42)

In “Die Grafen von Abenberg-Frensdorf in Franken” von Heinz Dopsch und Franz Machilek, beide Mediävisten, schreiben die beiden über die Familie der Grafen von Abenberg, die eine wesentliche Rolle bei der Stiftung von Kloster Heilsbronn spielten.

Rapoto I. war Hochstiftsvogt in Bamberg. Damit ist auch die Verbindung zum Bamberger Bischof  und Klosterstifter gegeben. Der Sohn Rapotos I. war nach diesem Aufsatz Rapoto II. (1132-1157), der der 1. Abt von Kloster Heilsbronn war. (S. 24 und Stammtafel auf Seite 27)

Wikipedia und Wikiwand gehen allerdings davon aus, dass eine Verwandtschaft von dem Heilsbronner Abt mit den Grafen von Abenberg nicht nachzuweisen ist. Der Aufsatz von Dopsch und Machilek ist in den Mitt(h)eilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde

146,2006 auf den Seiten 9-50 erschienen.

Otto von Bamberg ist um 1065 am Albbuch geboren, das ist die Gegend um Steinheim bei Heidenheim. Er stammte aus einer Familie von Edelfreien. Möglicherweise war seine Mutter Adelheid die Tochter des Friedrich von Büren. Dieser war der Stammvater der Staufer im

11. Jahrhundert. Wenn diese Annahme stimmen würde, wäre Otto ein Cousin von Herzog Friedrich II. von Schwaben, der Einäugige (1105-1147) und König Konrad III. (1138-1152).

Otto wurde in Eichstätt erzogen.

1088 heiratete Judith, die Schwester Heinrichs IV. (1056-1105) den polnischen Herzog Wladyslaw I. Hermann. Otto ging  mit ihr als Hofkaplan an den polnischen Herzoghof. Um 1092 holte ihn Kaiser Heinrich an seinen Hof. Er wurde Mitglied der Hofkapelle. Dann wurde er Bauleiter

am Dom von Speyer, später Kanzler. 1102 setzte ihn Heinrich als 8. Bischof von Bamberg ein. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit waren Klöster.Auf ihn gehen fast 30 Neu-und Wiedergründungen zurück. Vor allem förderteer  die monastischen Reformrichtungen, erst die Cluniazenser

und Hirsauer, dann die Augustinerchorherren und dann eben auch die Zisterzienser.

Kloster Heilsbronn war die zweite Tochtergründung der Zisterzienserabtei Ebrach unter ihrem Abt Adam (1126-1162). Nach Muck (S.44) wurde Abt Rapoto vom Klosterstifter Bischof Otto vom Mutterkloster Ebrach nach Heilsbronn berufen. Besiedelt wurde es auf jeden Fall von Ebrach. Bereits 4 Jahre nach der Gründung wurde die Klosterkirche eingeweiht. (Muck S. 44)

Die erste königliche Schutzurkunde erhielt das Kloster von dem neugewählten König Konrad III. (1138-1152) am 31. März 1138 ausgestellt, als sich der König in Nürnberg aufhielt. RI Konrad III. – RI IV,1,2 n. †88. Er nahm das Kloster und den namentlich aufgezählten Besitz in seinen und

den Schutz des Reiches.

Am 3.3.1142 stellte Papst Innozenz II. (1130-1143) die erste Schutzurkunde für Kloster Heilsbronn aus. Mit der am selben Tag für Kloster Ebrach ausgestellten Urkunde stimmt sie bis auf die Inscriptio und die Aufzählung der Liegenschaften überein. Deshalb kann man annehmen, dass

Gesandte der Abteien Ebrach, Heilsbronn und Pforte gemeinsam in Rom anwesend waren, zumal zwei Tage später ein ebenfalls gleichlautendes Dokument für das im heutigen Sachsen-Anhalt liegend Kloster Pforte ausgestellt wurde. ( Miriam Montag-Erlwein

Heilsbronn Von  der Gründung  1132 – 1321, Göttingen 2011, S.14 f.) Diese Urkunde ist wichtig für Heilsbronn. Sie bestätigte die Gründung des Klosters, seinen Besitz und den päpstlichen Schutz, was seine materiell rechtliche Stellung sicherte. Das Kloster wurde verpflichtet, nach der Benediktregel zu leben. Ergänzt wurde dies mit der Verpflichtung auch gemäß den Statuten des Zisterzienserordens zu leben. Damit ist diese Urkunde auch der erste schriftliche Beleg für Zisterzienser in Heilsbronn. Weitere Bestimmungen waren die Festlegung der Zehntfreiheit
über alle Güter, die der Konvent selbst bewirtschaftete, sowie die Abgabenfreiheit aller Einkünfte. Als einzige der Heilsbronner Papsturkunden erhält Urkunde auch ein Verbot für die Bischöfe, den Statuten  des Zisterzienserordens zuwider zu handeln.

Dieser Passus spricht aber nicht für Spannungen zwischen dem Bamberger Bischof und dem Kloster. Auch aus der Heilsbronner Quellenüberlieferung lassen sich solche Spannungen nicht belegen. Es war wohl eher eine fürsorgliche Abgrenzung zwischen Abtei und Ordinarius.

In dieser Urkunde wird schon ein Stadthof in Würzburg mit zugehörigen Weinbergen erwähnt. Das war die erste Erwerbung von Kloster Heilsbronn in Würzburg.  Zur selben Zeit wie das erste Weingut in Randersacker wurde der Besitz in Würzburg erweitert. Das Kloster erwarb ein Haus innerhalb der Stadt Würzburg, genannt der große Baumgarten. Bei Muck in Band II findet sich diese Beschreibung „Ein weitläuftiges Gebäu mit Hofrait, Keller, Kalter und Stallung für 150 Pferde, nahe beim Barfüsserkloster gelegen” S.412. Das belegt schon in der Frühzeit Heilsbronns eine Hinwendung zum Handel und Weinbau.

1144 bekam das Kloster von Gräfin Adelheid von Harburg, die nach Muck sicher eine Gräfin von Oettingen war (Bd. II, S. 206) das Patronatsrecht in der Kirche von Großhaslach, heute ein Gemeindeteil von Petersaurach. Das war das erste Patronat für das Kloster.

Patronatsrechte waren ebenfalls eine wichtige Einnahmequelle für Klöster. Denn die Einnahmeüberschüsse aus Stiftungen kamen dem Kloster zugute.

So lag es auch im ständigen Bestreben des Klosters Patronatsrechte zu erhalten. Zuletzt war das Kloster im Besitz von 37 Patronatsrechten in Pfarreien. (Muck, II S. 119)

Im Mai 1147 schenkte Konrad als Seelgerät für seine kürzlich verstorbene Gemahlin Gertrud ein Gut im Gau Bruck. Außerdem genehmigte er das Recht des Viehtriebs in dem angrenzenden Wald. ( Konrad III. – RI IV,1,2 n. 386)

1148 stellte Papst Eugen III. (1145-1153), der erste Zisterzienserpapst, für die Zisterzen Ebrach und Heilsbronn eine fast identische Bestätigung der Urkunde von Papst Innozenz II. aus. Man kann also davon ausgehen, dass es auch in diesem Fall eine gemeinsame Gesandtschaft der beiden Klöster gegeben hat. Bei den Zisterziensern war die Vorlage eines Privilegienkatalogs in Rom übliche Praxis. Es kann also nicht verwundern, dass die Urkunden praktisch wieder wortgleich sind.

Graf Rapoto I. von Abenberg hatte Kloster Heilsbronn Güter gestiftet, die aus dem Besitz des ehemaligen Klosters in Abenberg stammten. Er hatte schon vor der Gründung von Heilsbronn in Abenberg ein Benediktinerkloster gegründet, das wohl das Hauskloster der Abenberger werden sollte.

Es erlangte schnell den Status einer Abtei. Schon bald nach dem Beginn des monastischen Lebens in Heilsbronn wurde die Klostergründung in Abenberg aufgegeben, möglicherweise unter dem Einfluss von Bischof Otto. Graf Rapoto war ja Hochstiftsvogt in Bamberg und erhielt bei der Gründung von Heilsbronn von Bischof Otto die Schirmvogtei über Kloster Heilsbronn zugestanden. Graf Rapoto I übertrug nun die zunächst der Klosterstiftung in Abenberg zugedachten Ausstat­tungsgüter an Kloster Heilsbronn. Kloster Heilsbronn war als Hauskloster der Abenberger gedacht und sollte auch die

Grablege der Familie werden. Mehr als 40 Abenberger sind in der Grabkapelle des Heilsbronner Münsters bestattet.

1151 visitierte der päpstliche Legat Oktavian von Monticelli die Bistümer Augsburg, Eichstätt und Würzburg. Er ermittelte wohl auch gegen Abt Rapoto wegen des Vorwurfs der Simonie und Unsittlichkeit und hielt sich deshalb 1151 in Kloster Heilsbronn auf. (Montag-Erlwein S 21 f). Der Mutterabt Adam von Ebrach setzte sich für Rapoto ein. Die Untersuchung erbrachte aber wohl keine Ergebnisse. Dagegen gab es eine Reihe von Klagen in Rom wegen einer Reihe von Oktavian ungerechtfertigt verhängter Strafen. Oktavian  wurde 1159 zum von Friedrich Barbarossa unterstützen Gegenpapst Viktor IV. (1159-1164) gewählt.Die Haltung von Kloster Heilsbronn zu Viktor IV. war wohl auch durch diese Untersuchung geprägt.

Die Besitzbestätigung dieser gestifteten Güter erhielt Kloster Heilsbronn 1152 ebenfalls von Papst Eugen. (StAN, Brandenburg-Ansbach, U 10)Es schien Kloster Heilsbronn wohl sicherer, sich den Besitz vom Papst und nicht von einem der drei in die Klosterauflösung von Abenberg involvierten Bischöfe von Eichstätt, Bamberg und Würzburg oder vom Erzbischof von Mainz bestätigen zu lassen. Möglicherweise hat Abt Adam von Ebrach die Urkunde aus Rom mitgebracht, da er sich um diese Zeit  zur Überbringung der Wahlanzeige von Friedrich I. Barbarossa (1152-1190) dort aufhielt.

König Konrad hatte ausgezeichnete Beziehungen zu Kloster Heilsbronn. Konrad stand dem Zisterzienserorden sehr nahe. Während seiner Regierungszeit förderte er viele Zisterzienserabteien. Außerdem war er dem Klostergründer Otto von Bamberg sehr verbunden. Schließlich war seine Gemahlin

im Mutterkloster von Heilsbronn in Ebrach bestattet. Auch sein Sohn Friedrich IV. (1152-1167) von Rothenburg wurde nach seinem Tod in Ebrach bestattet. In dem Zeitraum um 1165 hat Heilsbronn wohl Liegenschaften von Friedrich erhalten, die zu einem geschlossenen Besitzkomplex in Schußbach,

heute Teilgemeinde der Gemeinde Trautskirchen im Landkreis Neustadt an der Aisch, führten.

Von Kaiser Friedrich I. (1152-1190) hatte Kloster Heilsbronn keine Privilegien erhalten, was vielleicht auch daran liegt, dass die Fronten zwischen dem Kaiser und dem Zisterzienserorden verhärtet waren. Schon 1160 hatte sich das Generalkapitel für Papst Alexander III. (1159-1181) ausgesprochen,

während Friedrich den Gegenpapst Viktor IV. (1159-1164) und nach dessen Tod Paschalis III. (1164-1168) unterstützte.

Es gibt nur eine Urkunde Friedrichs I. für Heilsbronn, in der er nach dem 18. Juni 1169 einem Gütertausch zwischen der bischöflichen Kirche in Eichstätt und Kloster Heilsbronn zustimmt.( Friedrich I. – RI IV,2,3 n. 1841)

Rapoto war bis 1157 Abt in Heilsbronn. Wikiwand führt ihn danach als 2. Abt von Langheim und von etwa 1166 bis zu seiner Resignation 1170 als 2. Abt von Ebrach. Die Biographia Cisterciensis führt allerdings als 2. Abt von Langheim auch einen Rapoto, allerdings von 1181-1207, was aufgrund der Lebensdaten aber schlecht möglich ist. Die Biographia Cisterciensis führt Rapoto ebenfalls als 2. Abt von Kloster Ebrach mit Sterbedatum nach 1170.

Auf ihn folgte als 2. Abt Abt Nikolaus (1157-1168). Er erweiterte den Klosterbesitz und arrondierte ihn. Sein Hauptaugenmerk legte er auf die Zenngegend. In seine Zeit fällt der Erwerb um Schußbach.

Außerdem versuchte er weiter entfernten Besitz gegen klosternähere Grundstücke zu tauschen um so eine effizientere Bewirtschaftung zu erreichen und die Verwaltung des Besitzes zu gewährleisten.

Kloster Heilsbronn hielt die Kontakte während des Schismas zum staufertreuen Adel aufrecht, vor allem zu den Grafen von Abenberg.

Der 3. Abt war Konrad (1169-1181). Auch er erwarb Besitz vor allem in der Zenngegend, so in Zennhausen. Heute ist dort nur noch eine Wüstung bei Neuhof an der Zenn im Landkreis Neustadt Aisch. 1249 hatte das Kloster dort noch einen neuen Klosterhof gegründet.

Abt Konrad setzte die Politik seines Vorgängers erfolgreich fort. Der oben erwähnte Tauschvertrag fällt in die Regierungszeit von Abt Konrad.

Sein Nachfolger als 4. Abt wurde Arnold (1182-1210). Gleich bei seinem Regierungsantritt erwirkte er von Papst Lucius III. (1181-1185), der mit dem Zisterzienserorden in einer Gebetsbrüderschaft verbunden war, am 3. Mai 1182 eine Bulle. (Lucius III. – RI IV,4,4,1 n. 216)Sie war wieder fast identisch mit der am gleichen Tag für Kloster Ebrach ausgestellten Urkunde. Sie nahm das Kloster in den päpstlichen Schutz, befreite sie vom Zehnten für Neubrüche bei Eigenbau und für Tierfutter und bestätigte  den Besitz.

Er legte den Grundstein zur Propstei Altmühl, der einzigen Propstei in der das Kloster nach und nach eine ganze Stadt erwarb, nämlich Merkendorf bei Ansbach. König Wenzel gestattete am 26. Juli 1398 dem Kloster Heilsbronn das Dorf zu befestigen und in
Merkendorf einen  Jahrmarkt abzuhalten. RI Wenzel – [RIplus] Regg. Wenzel [n. 3467]. Dort erwarb er auch den Mönchswald. In der Propstei Altmühl besaß das Kloster 1650 Morgen Wald.

Ein weiteres Augenmerk richtete Abt Arnold auf die Weinbesitzungen am Main. Das Kloster hatte bereits Besitzungen in Sommerhausen.Abt Arnold erwarb 1198 ein erstes Weingut in Randersacker. Von dem Würzburger Kanoniker Benno erwarb er das Gut Velletor in Randersacker.

In Randersacker wurde dann auch eine Propstei errichtet. Von dort aus verwaltete Kloster Heilsbronn seinen Weinbesitz in der Maingegend.

Das erste päpstliche Mandat, das ein Heilsbronner Abt erhielt, wurde 1197 von Papst Cölestin III. (1191-1198)erteilt.

Gemeinsam mit den Äbten von Ebrach  Hermann I (1194-1200) und Langheim  Rapoto (1181–1207)sowie den Bischöfen von Augsburg Udalschalk (1184-1202), Eichstätt Hartwig Graf von Grögling- Dollnstein (1196-1223) und Würzburg Konrad I. von Querfurt (1198-1202) sollte Abt Arnold die Verdienste und Wunder der Kaiserin Kunigunde (um 980-1033) zwecks ihrer Heiligsprechung überprüfen.

Mit dem Tod von Graf Friedrich II. von Abenberg 1200 starb die Familie der Abenberger, die bisher die Vogtei über Kloster Heilsbronn innehatten, aus. Die schwierige Lage, die durch das Aussterben der Grafenfamilie für die Abtei entstand, spiegelt sich auch in der Ausstellung mehrerer

Schutzurkunden für das Kloster durch Papst Innozenz III. (1198-1216) wieder. Er beauftragte am 2. Februar 1203 den Mainzer Erzbischof Siegfried II. von Eppstein (1200-1230) und seine Suffragane das Kloster Heilsbronn in seinen Schutz zu nehmen. (RI Sigfrid II. (1200-1230) – RIplus Regg. EB Mainz 2 [n. 664])

Allerdings nutzten die Urkunden wenig. Die Lage scheint für das Kloster so problematisch geworden zu sein, dass man allen Ernstes daran dachte, das Kloster aufzugeben. So ist es einem Schreiben von Friedrich II. (1212-1220 König  dann bis 1250 Kaiser) zu entnehmen.

„Unsere Lieben und Getreuen in Halsprunne erleiden, wie wir aus einer Klageschrift entnehmen, von Malefactoren so große  Schädigungen, daß sie fast gezwungen sind, jenen Ort zu verlassen. Da aber jene Abtei keinen andern Schirmvogt hat, als den römischen König, so gebieten wir unter Androhung unserer Ungnade, daß sich Niemand unterfange, ihre Höfe zu schädigen Wer sie schädigt und deßhalb vorgeladen wird, hat vor unserem Putilarius Cunrad in Nürnberg zu erscheinen, welcher Ort und Tag bestimmen wird.“ (Muck  I S.57 f.)

1220 zog Friedrich II. nach Italien. Es scheint, dass der mit dem Klosterschutz beauftragte Reichsbutigler Konrad von Kornburg  nicht erfolgreich war, denn die Mönche baten 1221 Papst Honorius III. (1216-1227) um Hilfe. Dieser beauftragte am 12. März 1221

wieder den Mainzer Erzbischof Siegfried von Eppstein mit dem Schutz des Klosters Heilsbronn (RI Sigfrid II. (1200-1230) – RIplus Regg. EB Mainz 2 [n. 1024])

Abt Arnold erscheint 1210 noch zwei Mal in Urkunden.

Sein Nachfolger wird als 5. Abt Albert (1211-ca.1227) Er tätigte den ersten Erwerb für Kloster Heilsbronn in Petersaurach, das allmählich ganz in den Besitz des Klosters überging.

Vor ich in der Chronologie weitergehe, ein kurzer Überblick über die Klosterwirtschaft.

Ein wesentlicher Teil des Mönchtums war nach Ansicht der Zisterzienser der eigenen Hände Arbeit.(Canivez Statuta I 1134/, S. 14). Sie bewirtschafteten ihre Güter überwiegend mit Laienbrüdern, den Konversen. Diese waren in der Regel weniger gebildet und wurden auch nicht zu Priestern geweiht.

Sie bewirtschafteten die Bauernhöfe oder waren in Handwerksberufen tätig. Die Zisterzienserklöster strebten eine weitest gehende Autarkie an. Die Konversen hatten aber auch wichtige Positionen inne, im Handel, in Stadthöfen oder als Baumeister oder auch Spezialisten wie Fischmeister oder Winzer.

Die bewirtschafteten Höfe, die Grangien waren keine Erfindung der Zisterzienser, wurden aber von diesen perfektioniert. Manche waren spezialisiert wie eben in der Fischzucht oder im Weinbau Bei der Viehzucht wurde der Dünger gezielt dann z. B. beim Weinbau eingesetzt.

In einem Schutzbrief von Papst Innozenz werden bereist 19 Grangien in Heilsbronn genannt.

Die erste und bedeutendste war der Bonnhof. Dorthin wurde auch die Verwaltung aller Klostergüter gelegt. Eine solche Verwaltungszentrale war eine Propstei von der das Kloster schließlich 5 hatte.

Die Propstei Bonnhof umfasste 73 Ortschaften und hatte 200 abhängige Bauern, sogenannte Grundholden.(alle Zahlen für alle Propsteien nach Muck II Kapitel über den Mönchsstaat ab S. 119)

Die Propstei Zenn oder Neuhof war die waldreichste des Klosters. Mit 3869 Morgen Wald lag in dieser Propstei der größte Waldbesitz des Klosters. In der Propstei Neuhof wurde auch die Schafzucht betrieben. Dort waren 749 Schafe, die neben Wolle auch 348 Käse p.a. an das Kloster lieferten.

In Katterbach bei Neuhof wurden 474 Schafe gehalten, die ebenfalls 348 Käse im Jahr produzierten

Die Propstei Randersacker war für den Weinbau zuständig während in den beiden obigen Propsteien überwiegend Ackerbau und Viehzucht getrieben wurde.In Randersacker wurde der Weinbesitz des Klosters in der Maingegend verwaltet.

Die Propstei Altmühl. Der Grundstein wurde von Abt Arnold gelegt. Sie umfasste 63 Ortschaften und den Mönchswald. Hier hatte das Kloster 1640 Morgen Wald.

Das Amt Nördlingen Dort hatte das Kloster seinen ersten Besitz, das Patronat der Pfarrkirche, ein Geschenk von Kaiser Heinrich VII.(1308-1313) (RI Peter von Aspelt (1306-1320) – RIplus Regg. EB Mainz 1,1 n. 1579)

Aus dem Ries bezog das Kloster Butter, Schmalz und Öl.

Da Getreide das wichtigste Grundnahrungsmittel im Mittelalter war, spielte der Getreideanbau für alle Klöster natürlich eine besondere Rolle. Angebaut wurde überwiegend Roggen, den man zu Brot verarbeitete und Hafer überwiegend als Futtergetreide für

Pferde. Gerste kam wohl ab dem 14. Jahrhundert dazu, das zum Brauen gebraucht wurde. Weizen wurde spät angebaut, als man dazu überging, Weissbrot zu essen. Das Getreide wurde an den Granuarius geliefert, den Verwalter des Kornkastens und im Speicherhaus gegenüber der Klostermühle

gelagert.

Den Zisterziensermönchen war Fleischgenuss nur im Krankheitsfall gestattet. So war vor allem die Milchviehhaltung wichtig für die Käse und Butterproduktion. die Tiere wurden in der Regel geschlachtet und das Fleisch verkauft. Eine wichtige Rolle spielten aber die Schafe.

Wie alle Zisterzienserklöster hielt man auch in Heilsbronn große Schafherden, Zahlen siehe oben. Die Wolle wurde zur Bekleidung der Mönche verarbeitet, Überschüsse verkauft. Um 1410 verkauften die Heilsbronner Mönche zwischen 15 und 40 Zentner Wolle im Jahr. im Kloster

wurde immer ein Vorrat von bis zu 22 Zentnern gehalten. (Zahlen nach Stefan Huppertz-Wild Heilsbronn Geschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters, Freising 2001) Die Häute wurden zur Pergamentherstellung und für Schuhe und Sättel verwendet.

Es gab wohl auch eine gewisse Pferdezucht. Im Nördlinger Hof wurden 1412 28 Pferde und 17 Fohlen gehalten.

Heilsbronn war ein beliebtes Absteigeziel für hohe Gäste bei Reisen zwischen Nürnberg, Ansbach und Würzburg, so dass immer eine gewisse Zahl von Pferden zum Wechseln vorgehalten wurden.

Im Spätmittelalter wurden Pferde auch zunehmend als Ackerpferde eingesetzt.

Eine wichtige  Rolle spielte wie bei allen Zisterzienserklöstern die Fischzucht, man denke nur an Kloster Waldsassen und die Teichlandschaft in Oberfranken oder Maulbronn mit einem ausgefeilten Wasserwirtschaftssystem (siehe dazu die entsprechenden Klöster in Mei Büchle)

Für das Jahr 1567 sind im Wirtschaftsbuch 274 Zentner Karpfen, 22 Zentner Hechte und 11 Zentner Weissfische festgehalten (Huppertz). Aber auch Meeresfische wurden gehandelt. Diese wurden gekauft und in Salzwasser eingelegt. Wegen ihrer enormen Haltbarkeit

waren sie ein beliebtes Handelsgut.

In Nürnberg kaufte man außerdem Fischtunken,(Heringsmayonnaisen), Flundern, Stockfische, Aale, Lachse und Krebse und handelte damit.

Die Zisterzienser hatten eine enge Verbindung zu ihren Mutterklöstern in Frankreich und das war damals führend im Obstbau. Kenntnisse über den Anbau und Sorten sowie Edelreiser wurden so an die Tochterklöster weitergegeben. So kamen Sorten wie die Graue Renette oder

der Borsdorfer nach Deutschland. Die Heilsbronner Mönche legten zahllose Obstgärten an.

Weinbau. Das war ebenfalls ein wichtiges Standbein der Klosterwirtschaft. Das Kloster erwarb in und um Randersacker einen beachtlichen Weinbesitz und besass schließlich Weinberge in Würzburg, Randersacker,  Sommerhausen, Eibelstadt bei Randersacker, Iphofen, Leinach und Mainbernheim.

Für den Weinbau gilt gleiches wie für den Obstbau. Die Zisterzienser  führten Reben aus Burgund ein, profitierten von dem dortigen Wissen um Weinbau, führten neue Techniken ein und hatten so einen bedeutenden Einfluss auf Mainfranken.

Die Waldwirtschaft war in erster Linie für die Gewinnung von Brennholz aber auch für Bauzwecke wichtig.

Neben diesen traditionellen Erwerbsquellen gewannen allmählich andere eine wichtige Rolle.

Da war einmal das schon  bei Großhaslach erwähnte Patronatsrecht.

Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts betätigten sich Klöster zunehmend als Bankiers. Das Kloster hatte große Überschüsse und verlieh diese. Um 1500 wurde das kanonische Zinsverbot aufgeweicht und es war üblich geworden Geld gegen Zins zu verleihen.

Auch das Depositengeschäft war für die Zisterzienser interessant geworden. Ihre Stadthöfe lagen innerhalb der sicheren Stadtmauern und verfügten natürlich über große Lagerflächen. So bot es sich an, Wertgegenstände gegen Gebühr dort einzulagern.

Platz war vorhanden, Sicherheit durch den Schutz der Stadtmauer auch. Ein lohnendes Geschäft also für beide Seiten. Siehe zu den Finanzgeschäften der Klöster Mei Büchle Kloster Eberbach.

Kloster Heilsbronn hatte drei Stadthöfe. Der Würzburger Stadthof war der 1. Hof, den Kloster Heilsbronn besass.  (s.o.) Den 2. Stadthof hatte das Kloster in Bamberg. 1154 erhielten die frei fränkischen Zisterzen Ebrach, Langheim und Heilsbronn in Bamberg

oberhalb des Westtores eine Kapelle und einen Hof samt Zubehör geschenkt, den sich die drei Klöster teile mussten. Er sollte den Mönchen, wenn sie nach Bamberg kamen, als Unterkunft dienen. Urkundlich erwähnt ist der

Bamberger Hof 1196 in einer Urkunde des Bamberger Bischof Timo (1196 –1201) in der es um eine Streitschlichtung ging. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 26). Den dritten und wichtigsten Stadthof hatte Kloster Heilsbronn in Nürnberg.

Zwischen 1254 und 1296 erwarb oder erhielt das Kloster  als Schenkungen Häuser innerhalb der Stadt Nürnberg. 1254 erhielt das Kloster das erste Haus und Gefälle von zwei Witwen geschenkt. (Muck II, S. 247.

Einen wichtigen Besitz bekam das Kloster von Adolf von Nassau (1292-1298) geschenkt. Er war überhaupt ein Gönner von Kloster Heilsbronn. Während seiner Feldzüge in Thüringen nach Meissen und Thüringen bei denen Klöster Abgabe leisten mussten, um die Verpflegung des Heeres zu gewährleisten,

war Kloster Heilsbronn ausdrücklich davon befreit (Montag-Erlwein S.96). Außerdem erhielt das Kloster vom König insgesamt 4 Urkunden ausgestellt. (Muck I, S. 81). Das von König Adolf geschenkte Haus befand sich direkt hinterm Chor der St. Lorenzkirche

auf dem Lorenzer Platz zwischen Bankgasse und Pfarrgasse.Es diente während der Aufenthalte Adolfs in Nürnberg als königliche Unterkunft und verfügte über einen großen Stall, in dem 40 Pferde Platz hatten. Daraus wurde der Heilsbronner Hof in Nürnberg.

Er enthielt Lagerräume, Schlafzimmer, Küche, Gästestube– und Krankenstube und später eine eine Zahlstube mit vergitterten Fenstern und eine Zahlbank, einen länglichen Tisch zum aufzählen des Geldes.  Hier wurden die Geldgeschäfte des Kloster abgewickelt (s.o.)Das war die erste Bank in der Reichsstadt Nürnberg (Huppertz) Eine weitere Schenkung erhielt das Kloster von Graf Emich von Nassau (erstmals nachgewiesen 1289, +  1334). Emich war ein Vetter von König Adolf. Er ist in Heilsbronn bestattet. Diese Haus stand an der Stelle des jetzigen neuen Rathauses.

Das Kloster überließ dieses Haus der Stadt Nürnberg gegen einen Ewigzins. Nach den Ordensstatuten durfte das Kloster Liegenschaften zwar vermieten oder verpachten, aber nicht verkaufen.Abt Heinrich von Hirschlach erbaute beim Heilsbronner Hof die Nikolaikapelle beim Heilsbronner Hof.

Nach diesem Exkurs zur Klosterwirtschaft wieder weiter mit der Klostergeschichte

Auf Abt Albrecht folgte als 6. Abt als Werner ( ca.1227-ca.1233). König Heinrich VII. (1212-1235), der Sohn Kaiser Friedrichs II. weilte wiederholt in Kloster Heilsbronn. Er nahm am 18. September 1227 in Onolzbach, das ist ein Bach bei Ansbach, Kloster Heilsbronn mit Personen und Sachen in seinen

besonderen Schutz. Außerdem verbot er, dass Personen vom Kloster Pferde geliehen bekamen, es sei denn dies war ausdrücklich vom Reichsbutiger angeordnet.( RI Heinrich (VII).  RI V,1,2 n. 4076) Da hatte es wohl immer wieder Problem gegeben.

Auch der 7. Abt Walter (ca. 1233-ca.1240) regierte wie sein Vorgänger nur relativ kurz, nämlich knapp 8 Jahre  Er erhielt von König Heinrich zwei Urkunden. In der ersten vom 15.August 1234 ging es um den Streit der Witwe des Cunrad von Anindorf mit dem Kloster (RI Heinrich (VII). – RI V,1,2 n. 4341 ) und in der zweiten vom 3. Februar 1235 verlieh Heinrich die vom Abt mit seiner Genehmigung  von Rudolf Ritter von Lewenrode gekauften Güter.  (RI Heinrich (VII). – RI V,1,2 n. 4371)

Auf ihn folgte Abt Ulrich (1241–44) als 8. Abt. Er regierte nur 4 Jahre. Aus seiner Regierungszeit gibt es nur wenige Urkunden.

Die Tatsache, dass er nur 4 Jahre regierte, dürfte einem Vorfall zugrunde liegen, bei dem Abt Ulrich so schwer verletzt wurde, dass er dienstunfähig wurde. Vermerkt wird, dass der Täter dauerhaft in Haft blieb. Nach Montag-Erlewein ( S. 144) kommt als betroffener Abt nur Ulrich in Frage. Kloster Heilsbronn und Abt Ulrich waren mit so einem Vorfall nicht allein. Der Orden hatte zwischen 1190 und 1295 mit rund 100 solchen Vorfällen zu tun, die in den Generalkapitelsbeschlüssen “conspirationes” genannt wurden. (siehe dazu Mei Büchle Kloster Schönau und Kloster Eberbach). In Schönau kam es 1188 zur “Schuhrevolte” und in Eberbach wurde Abt Rimund (1228-1241) verstümmelt  “enormiter multilavit” wie es  bei Cannivez in Statuta Capitulorom generalium ordinis Cisterciensis ab anno 1116 ad annum 1786 heißt. (Cannivez 2. S.233 Nr. 19.) Abt Werner(1258-1261) in Kloster Eberbach wurde 1261

sogar erschlagen und auch er teilt dieses Schicksal mit weiteren 8 Zisterzienseräbten

Abt Edelwin war der 9. Abt. Er hatte allerdings zwei Regierungsperioden, nämlich von 1245-1252. Dann folgte als 10. Abt  Otto für 4 Jahre . Warum es zu dieser Zwischenregierungszeit kam, ist nicht bekannt.

Mit Hilfe von Abt Edelwin wurde auch das Kloster Seligenporten im Markt Pyrbaum in der Diözese Eichstätt in den Zisterzienserorden aufgenommen. 1242 hatte Gottfried der Ältere von Sulzbürg (+ 1259) und seine Frau Adelheid von Hohenfels das Kloster

als Nonnenkloster gegründet. Es war eine Gemeinschaft von 45 Frauen. Die Leitung hatte eine gewisse Adelheid. Da die Frauen unter keiner Regel lebten, wandte sich dies Frau an Abt Edelwin in Kloster Heilsbronn.

Abt Edelwin war vorher schon drei Mal vom Generalkapitel mit Untersuchungen  beauftragt worden, die sich mit der Inkorporation  von Frauenzisterzen  befassten, so  untersuchte er zusammen mit dem Abt von Raitenhaslach Walther (1242–1257) 1242

ein namentlich nicht genanntes Zisterzienserinnenkloster (Statuta capitulorum generalium 2, S. 414 f. n. 24 (1255). 1244 inspizierte er die Abtei Campo Virginium. Canive vermutet, dass Campo Virginum die Abtei Nieder/Oberschönenfeld ist.

Statuta capitulorum generalium 2, S. 286 n. 56 (1244). Zusammen mit dem Eberbacher Abt Rimund (1228–1247 ) untersuchte er eine Abtei Lilienthal, wobei nicht klar ist, welche Abtei Lilienthal damit gemeint ist. (Statuta capitulorum generalium 2, S. 322 n. 37 (1247).

Das Aufnahmgesuch von 1247 kam nicht von Abt Edelwin sondern von dem Mainzer Erzbischof Siegfried III. von Eppstein (1230-1249). Das machte Sinn, denn seit 1228 wurde die Unterstützung eines Aufnahmeantrags durch Ordensleute streng geahndet.

Seit 1244 war außerdem für eine Inkorporation die Zustimmung durch den zuständigen Bischof notwendig. Durch den Antrag durch den Bischof wurde gleichzeitig seine Zustimmung signalisiert. Abt Edelwin hatte ja schon geraten, das Kloster in Pilsach wegzuverlegen, wo die Gemeinschaft beheimatet war. Die Lage des Klosters war auch eine Voraussetzung zur Inkorporation. Die Äbte von Ebrach Heinrich I. (1244-1252) und Kaisheim Richard (1239–1251) erhielten 1247 vom Generalkapitel den Auftrag, das Kloster zu überprüfen. Aus dem Zisterzienserinnenkloster Maidbronn bei Würzburg wurde

eine Nonne Fedran oder Fridron wurde nach  Seligenporten geschickt. Sie sollte die Frauen in die Regeln und Consetudines  des Ordens einführen. Sie stand dem Konvent als Äbtissin vor. 1249 bestätigte Bischof Heinrich IV. (1247-1259)von Eichstätt die Gründung von Kloter Seligenporten.

In Ottos Regierungszeit fällt das Königtum von Wilhelm von Holland. Er war von 1248-1254 Gegenkönig der Staufer und von 1254-1256 deutscher König. Er nahm am 27. März 1255 Kloster Heilsbronn in seinen Schutz und befreite es von weltlicher Gewalt.

(RI Wilhelm – RI V,1,2 n. 5253)(1244-1252)

Von 1257-1260 regierte Abt Edelwin ein zweites Mal. Der mangelnde Schutz des Klosters durch den König im Interregnum machte sich wiederbemerkbar. Die Mönche sahen sich gezwungen, wieder beim Papst um Hilfe nach zu suchen.

Papst Alexander IV. (1254-1261) beauftragte am 30. Januar 1260  den Mainzer Erzbischof Werner, das Kloster Heilsbronn in seinen Schutz zu nehmen. (RI Wernher (1259-1284) – RIplus Regg. EB Mainz 2 [n. 2286])

Als Schädiger der Zisterze sind vor allem die Burggrafen von Nürnberg Konrad (1218-1261) und Friedrich III. von Nürnberg (1261-1297) zu nennen.Beide lagen auch im Rechtsstreit mit dem Kloster und mussten dem Kloster Schadenersatz leisten.

Das Problem nicht nur mit den Burggrafen war, dass der Adel das Interregnum und damit das geschwächte Königtum zum Aufbau eines eigenen Territoriums nutzte und damit natürlich zum Konkurrenten des Klosters wurde, das ja zahlreiche Güter hatte, die meistens mit

vielen Privilegien ausgestattet waren. Nach Muck ( I, S.62) ist Konrad der erste Zollerngraf, der in Heilsbronn bestattet wurde. Wikipedia führt seinen Sohn Friedrich als 1. Zollern auf, der in Heilsbronn bestattet ist. Über 20 Familienmitglieder fanden dort ihre Ruhestätte.Der  11. Abt Friedrich (1261-1262) regierte nur zwei Jahre. Sein Nachfolger wurde als 12. Abt Rudolf (1263-1281). Er erlebte das Ende des Interregnums. Rudolf von Habsburg (1273-1291) wurde 1273 zum deutschen König gewählt. Abt Rudolf erbat wie alle seine Vorgänger vom neuen König

die Bestätigung der klösterlichen Rechte. Diese erfolgte am 12. Januar 1275 in Nürnberg. König Rudolf bestätigte die (gefälschte) Urkunde von König Konrad III. von 1138. (RI Rudolf – RI VI,1 n. 318) Rudolf stellte für das Kloster noch 4 weitere Urkunden aus. 1287 beauftragte er

den Grafen Ludwig III. von Oettingen (+1313) mit dem Schutz von Kloster Heilsbronn. (RI Rudolf – RI VI,1 n. 2125). Er war aber nur mit dem Schutz des Klosters beauftragt und hatte keine vogteilichen Rechte inne. Diese Urkunde wird auch mit den Diensten des Klosters für König Rudolf begründet.

Insgesamt weilte er 269 Tage in Nürnberg und es ist anzunehmen, dass das Kloster oft zum servitium regis herangezogen wurde (Montag-Erlewein S.94)

Es gibt 20 Erwerbsurkunden dieses Abtes, die belegen, dass er das Klostergebiet ausdehnen konnte.

Abt Rudolf erweiterte auch die Klosterkirche. Er ließ die Chorabschlüsse von 1132 abbrechen und verlängerte den Chor. In diesem Chorausbau wurde Burggraf Friedrich III. 1297 bestattet.

Der 13. Abt war Heinrich von Hirschlach (1282-1317). Er regierte insgesamt 31 Jahre lang. Aber auch bei ihm gab es eine Regierungsunterbrechung von 1303-1306. In diesen drei Jahren war Konrad von Brundelsheim als 14. Abt tätig.

Abt Heinrich erweiterte das Klostergebiet kräftig wovon 41 Schenkungsbriefe und 67 Kaufbriefe zeugen. Er erwarb Besitzungen im Klostergebiet um Heilsbronn. Aber auch den Besitz im Würzburger Raum konnte er mehren. Auf den wichtigen Zuwachs in Nürnberg wurde oben verwiesen.

In seine Regierungszeit fiel der erste Besitz in Nördlingen. Kaiser Heinrich VII. (1308-1313), der Abt Heinrich und dem Kloster Heilsbronn sehr gewogen war, schenkte dem Kloster 1310 das Patronatsrecht der Pfarrkirche in Nördlingen.  RI Heinrich VII. – RI VI,4,2 n. 553

Begründet wurde die Schenkung so  dass das “ verehrungswürdige Zisterzienserkloster Heilsbronn in der Eichstätter Diözese in weltlichen Dingen so wohlhabend bleibe, wie es in geistlichen blühend ist.” Das Patronatsrecht in Nördlingen war der Ausgangspunkt für den Besitzausbau der Abtei in Schwaben.

Der Mainzer Erzbischof Peter von Aspelt bestätigte diese Schenkung am 4. Mai 1313. (RI Peter von Aspelt (1306-1320) – RIplus Regg. EB Mainz 1,1 n. 1579). Auch im Jahr 1313 kaufte der Abt dann von Graf Ludwig von Oettingen das sogenannte Steinhaus in Nördlingen. Den Kauf finanzierte er durch den Verkauf von Gütern in Lenkersheim an Burggraf Friedrich IV. von Nürnberg(1300-1332). Insgesamt von 9 Persönlichkeiten holte sich die Abtei die Zustimmung zu diesem Rechtsakt bzw. die Bestätigung ein (Montag-Erlwein S. 105)

Abt Heinrich erlebte in seiner Regierungszeit 5 Könige. Zu allen hatte er gute persönliche Beziehungen, was sich wie wir sehen sowohl in Urkunden als auch in Schenkungen niederschlug. König Rudolf stellte 5 Urkunden für Heilsbronn aus.

Allerdings scheint der Klosterschutz nicht vollständig gewährleistet gewesen zu sein, denn das Kloster erbat sich in den Jahren  1288,1289 und 1291 von Papst Nikolaus IV. (1288-1292) insgesamt 6 Urkunden. Drei Bullen hatten eine Bestätigung aller Freiheiten und Privilegien, die Heilsbronn von den Päpsten, Königen und principibus aliis erhalten hatte. In einer wurde der Propst des Stifts Herrieden vom Papst beauftragt, widerrechtlich enteignete Güter der Zisterze wieder zurückzuholen.

In der Bulle von 1289 untersagte der Papst Klerikern und Laien. dass diese Mönche, Konversen, Vieh oder Güter dem Kloster zu pfänden,  zu entwenden oder zurückzuhalten, sofern sie keine Jurisdiktion über die Abtei hatten. In dieser Zeit häuften sich die Rechtsstreitigkeiten, in denen es vor allem um Testamentsanfechtungen ging. In dieser Urkunde wurde der Abtei auch gestattet, dass bewegliche und unbewegliche Güter einer Person trotz ihres Klostereintritts weiterhin in
ihrem Besitz verbleiben dürfen.

Von Adolf von Nassau erhielt Abt Heinrich 4 Urkunden.

Von Adolfs Nachfolger Albrecht (1298-1308) erhielt Heilsbruck 8 Urkunden, wovon eine in Heilsbronn ausgestellt wurde, die übrigen in Nürnberg.

1289 weilte Albrecht zum Hoftag wo auch seine Gemahlin Elisabeth von Görz zur Königin (1298-1309) gekrönt wurde. In diese Zeit fällt der erste nachweisliche Besuch eines Herrschers im Kloster Heilsbruck. Sie machte eine Jahrtagsstiftung von 8 Talenten, die noch im Nekrolog

der Zisterze von 1483 vermerkt ist. (Montag-Erlewein S. 98)

Auch König Heinrich VII.  stellte Abt Heinrich mehrere Urkunden aus. Zwei 1309 ausgestellte Urkunden regelten Rechtsfälle. Die am 14. März 1310 in Nürnberg ausgestellte Urkunde gilt als besonderer Gunsterweis von König Heinrich.

RI Heinrich VII. – RI VI,4,2 n. 396  Es wurde deutlich hervorgehoben, dass die Abtei unter königlichem Schutz steht. Dann befreite sie die Grangie von Heilsbronn in Sommerhausen nicht nur von allen Steuern und Abgaben sondern auch von der Beherbungspflicht königlicher Amtsleute.

Die Schenkung des Patronatsrecht für Nördlingen wurde oben erwähnt. Eine letzte Urkunde für Heilsbronn stellte Heinrich im Juni 1313 in Pisa aus. In dieser Urkunde bestätigte er wieder den Klosterschutz,. Außerdem bestätigte er jedes Königsdiplom
gleich welchen Inhalts, das der Konvent bis zu diesem Zeitpunkt erhalten hatte. Auch eine Besitzbestätigung des Nördlinger Besitzes war in der Urkunde, darin das erst vor wenigen Tagen vom Grafen von Oettingen erworbene Steinhaus. (s.o) (Montag-Erlwein S. 107 und Muck S. 82)

Kurz vor seinem Tod am 24. Juli 1317 war er noch am 28. April 1317 bei König Ludwig (1314 König ab 1328-1347 Kaiser) in Windsheim, wo er zwei Urkunden erhielt. (RI Ludwig – [RI VII] H. 5 n. 25 und n.21). Darin ging es um den Gerichtsstand für das eigen von Klosterleuten.

Nicht nur den Klosterbesitz mehrte er. Auch um die Klosterbibliothek kümmerte er sich. Er kaufte Handschriften, ließ sie aber auch von Mönchen abschreiben.

In der Regierungszeit von Abt Heinrich war auch Lupold III. von Weiltingen als Mönch. Zuvor war er Domkanoniker in Würzburg, 1285 erstmals genannt. Er war Meister der Rechtskunde und diente sowohl Rudolf von Habsburg als auch von Albrecht von Habsburg. Johann von Viktring, mittelalterlicher Geschichtsschreiber und von 1312 bis zu seinem Tod 1347 Abt des Zisterzienserklosters Viktring bezeichnete ihn als Vertrauten von König Albrecht. auch zum Würzburger Bischof, wohl Manegold (1287-1303) unterhielt er beste Beziehungen.

Er war Probst des Stifts Haug in Würzburg 1296 hatte er ein Visionserlebnis mit der heiligen Katharina. Er resignierte als Stiftsprobst und wurde Zisterziensermönch in Heilsbronn. Dort ist er bis 1323 nachweisbar. Als er ins Kloster Heilsbronn eintrat, brachte er seine Rechtshandschriften

mit ins Kloster, die einen Wert von 200 Pfund Heller hatte, kaufkraftmäßig entspricht das etwa 46.647,00 €.. Nach der obigen Papstbulle ging das in den Klosterbesitz über. Er wirkte oft als Schiedsrichter und auch als Zeuge in Urkunden. Er beteiligte sich auch an der Reform von Kloster Münsterschwarzach.

Offensichtlich hat er auch in der Heilsbronner Bibliothek Spuren hinterlassen. In der Erlanger Universitätsbibliothek sind 34 Heilsbronner Pergamenthandschriften kanonischen und weltlichen Rechts überliefert, deren Entstehungszeit ins 13. und 14. Jahrhundert fallen.

Das Heilsbronner Skriptorium und die Klosterbibliothek sind seit 1770 in der 1743 gegründeten Universität Erlangen. Eine Buchbinderei existierte in Heilsbronn, die seit der Mitte des 14. Jahrhunderts belegt ist. Ihre Blütezeit erlebte diese zwischen 1467 und 1528.

In der Heilsbronner Bibliothek sind ältere Texte als das Kloster alt ist. Prachtstücke sind ein Evangeliar aus dem 9. Jahrhundert,  eine theologische Handschrift aus dem 10. Jahrhundert und das sogenannte Reichenauer Evangeliar aus dem 10. Jahrhundert.

Auch die Werke des Eichstädter Bischofs Philipp von Ratsamshausen (1306-1322), vorher Abt der Zisterze Pairis im Elsass kamen in die Heilsbronner Bibliothek und sind jetzt in Erlangen.

Das älteste Bücherverzeichnis, das aus dem 13. Jahrhundert stammt, führte schon 162 Werke auf. Mitte des 18. Jahrhunderts waren über 2000 Werke in der Bibliothek. Der Bücherbestand wurde von der nach 1582 gegründeten Fürstenschule genutzt und sogar noch erweitert.

Nach dem Tod von Abt Heinrich übernahm nochmal Konrad von Brundelsheim das Amt des Abtes, das er schon von1303-1306 während der Regierungsunterbrechung von Abt Heinrich innehatte. Er regierte dann nochmals von 1317-1321. Er hatte wohl wie auch Abt Heinrich in Paris studiert.

Die Heilsbronner Äbte waren immer bemüht, wissenschaftlich gebildete Mönche als potentielle Äbte heran zu ziehen und liessen besonders talentvolle Mönche studieren, bis Mitte des 14. Jahrhunderts nicht in Deutschland, da es zu dieser Zeit hierzulande noch keine Universitäten gab. Ein bevorzugter Studienort war Paris. Dort hatte der Abt von Clairvaux Stephan von Lexington (1242-1255) 1245 das Collège des Bernardins gegründet, wo Studierende aus dem Zisterzienserorden, die an der Universität Paris studierten, untergebracht waren. Der spätere Papst Benedikt XII. (1334-1342)

war als Student ebenfalls dort untergebracht. 1311 wurde er Abt des Zisterzienserklosters Fontfroide bei Narbonne. Er leitete auch das Kolleg. Er verfügte, dass Abteien mit einer Konventsgröße ab 30-40 Mönchen einen Studenten ins Collège schicken musste bzw. zu finanzieren hatte.

Abt Konrad stand sowohl mit König Albrecht als auch mit König Ludwig in persönlichem Verkehr. In seiner ersten Amtszeit erhielt er von Albrecht 4 Urkunden, eine davon in Heilsbronn ausgestellt.

König Albrecht war 1304 wieder in Kloster Heilsbronn. Dabei bestätigte  er die Stiftung einer Hofstatt in Windsheim durch seinen Notar Hademar. (Muck II, S. 392)

Abt Konrad verfasste auch lateinische Sermonen die belegen,”daß ihr Verfasser klassisch gebildet war, lateinisch sprachgewandt, vertraut mit der lateinischen Bibel” (Muck S. 107). Sie finden sich auch gedruckt in der Erlanger Universitätsbibliothek.

Abt Konrad verstarb im November 1321.

Sein Nachfolger Konrad Suppanus (1321-1328) regierte sieben Jahre. Er vergrößerte den Klosterbesitz. So erwarb er 1322 vom Benediktinnerinnenkloster in Kitzingen einen Hof mit Weinbergen und Äckern. Das Kloster Kitzingen litt in dieser Zeit an innerklösterlichen Konflikten.

Am 23. April 1328 bestätigte Kaiser Ludwig in Rom alle  Privilegien, Rechte, Freiheiten, Immunitäten und Gnaden und gebot die Einhaltung dieses Privilegs unter Strafandrohung von 100 Goldmark. RI  Ludwig der Bayer – [RI VII] H. 10 n. 182.

Von Papst Johannes XXII. (1315-1334) ließ sich Abt Konrad den Klosterbesitz bestätigen. (Muck S. 111)

Der Abt starb am´15. November 1328.

Auf ihn folgte als 16. Abt Johann Gamsfelder (1328-1345) Er stammte aus Gammesfeld, heute ein Ortsteil von Blaufelden. Er regierte 17 Jahre. Aus seiner Regierungszeit sind zwischen 80 und 90 Erwerbsurkunden vorhanden, die belegen, dass auch Abt Johann den Klosterbesitz stark mehrte.

1332 überließ er der Stadt Nürnberg das von Graf Emich geschenkte Haus gegen einen Ewigzins. (s.o.)

Das Kloster wurde immer wieder angefochten Abt Johann wandte sich deshalb an Ludwig als seinen Schutzvogt. Dieser nahm das Kloster und seine Leute am 19. Dezember 1333 in seinen Schutz und beauftragte die Burggrafen Johann II. 1332-1357 und Konrad III. (+1334) mit dem Schutz des Klosters

für 4 Jahre. (RI Ludwig der Bayer – [RI VII] H. 10 n. 275)

Am 4. April 1334 bestätigte er dem Kloster, dass es das Steinhaus in Nördlingen vom Grafen von Oettingen als freies Eigentum gekauft hatte und gebot der Stadt, das Kloster nicht weiter in seinem Eigentum zu behindern. außerdem verbot er Stadt,

in Nördlingen ein weiteres  Kaufhaus zum Schaden des Klosters zu errichten. (RI Ludwig – [RI VII] H. 5 n. 181)

Am 28. Oktober 1336 stellte Ludwig dem Kloster eine Urkunde aus in der er das Kloster in Schutz nahm und alle seine Privilegien bestätigte. (RI Ludwig der Bayer – [RI VII] H. 10 n. 316)

Am gleichen Tag stellte er eine weitere Urkunde für Kloster Heilsbronn aus, mit der er erklärte, dass kein Vogt, Richter oder Amtmann von den Leuten des Klosters Güter, Besitzungen oder Steuern oder Abgaben verlangen darf. (RI Ludwig der Bayer – [RI VII] H. 10 n. 317)

Am 31. August 1337 gestattete er dem Kloster seinen Hof in Bonhof mit Mauern oder Gräben zu befestigen. Außerdem untersagte er jedem, die Leute darin zu belästigen. (RI Ludwig der Bayer – [RI VII] H. 10 n. 337)

Am 1. November 1339  beauftragte er Burkhard von Seckendorf einen ministerialen der Burggrafen von Nürnberg den Schutz von Kloster Heilsbronn zu übernehmen, falls Burggraf Johann II. verhindert war. (RI Ludwig der Bayer – [RI VII] H. 10 n. 360)

Am 23. 1336 wurde das Kloster durch ein Naturereignis geschädigt. Ein Wolkenbruch verursachte eine Überschwemmung. Die Bäckerei, die Mühle und die Gerberei waren betroffen. Im Krankenhaus und in der Kirche wurden eigen Bücher vernichtet.

Im Speisegewölbe gingen Butter, Käse, Eier und Anderes zugrunde. Die Klostermauer wurde fast 40 Fuss weit eingerissen, das sind etwa 12 Meter.

Abt Johann starb am 12. Juni 1245.

Sein Nachfolger wurde als 17. Abt Friedrich von Hirschlach (1345-1350). Er war bäuerlicher Herkunft und vor seiner Wahl zum Abt Prior.

1346 schenkten die beiden Pfalzgrafen Ruprecht I. (1229-1390) und Ruprecht II. (1390-1398) Kloster Heilsbronn das Patronat von Hirschau, heute im Landkreis Amberg-Sulzbach. Abt Friedrich ließ sich diese Schenkung von Friedrich von Regensburg (1340-1365) und Papst Clemens VI. (1342-1352) bestätigen.

Karl VI. bestätigte diese Schenkung am 15. Mai 1355 ebenfalls. (RI Karl IV. – RI VIII n. 2652)Im Gegenzug stiftete Abt Friedrich und der Konvent von Heilsbronn zwei Seelenmessen für die Grafen. (RI Ruprecht I. – RIplus Regg. Pfalzgrafen 1 n. 2563)

Burggraf Albrecht der Schöne (+ 1361) führte Kaiser Ludwig 1347 nach Heilsbronn. Zwei Monate später starb der Kaiser. Er war ein großer Gönner des Klosters. Aber auch sein Nachfolger Karl IV. (1346-1355, ab 1355 Kaiser-1378) erwies sich bald auch als Förderer von Kloster Heilsbronn.

Er besuchte das Kloster schon im November 1347, also kurz nach Ludwigs Tod.

Am 6. November 1347 befahl er den Burggrafen Johann und Albrecht von Nürnberg, Abt und Konvent von Kloster Heilsbronn zu schützen. (RI Karl IV. – RI VIII n. 416)

Am 7. November 1347 bestätigte er dem Kloster die Urkunde von Heinrich VII von 1313.  (RI Karl IV. – RI VIII n. 417) Am 15. Dezember 1347 bestätigte Karl IV. dem Kloster, was es in Nördlingen erworben hatte, nämlich das von Hermann dem Stegherrn gekaufte Haus. (RI Karl IV. – RI VIII n. 499)

Im Jahr 1348 schenkte Pfalzgraf Rudolf (1329-1353) Kloster Heilsbronn das Patronat von Kirchtumbach, heute im Landkreis Neustadt an der Waldnaab. (RI Rudolf II. – RIplus Regg. Pfalzgrafen 1 n. 2317). Rudolf war der Neffe von Kaiser Ludwig dem Bayer und der Schwiegervater von

Karl IV.. Er war oft in Heilsbronn und laut Muck Abt Friedrich sehr gewogen (S. 565). Papst Clemens VI. bestätigte diese Schenkung zusammen mit der Schenkung von Hirschau 1352.

Abt Friedrich starb am 22. August 1350.

Sein Nachfolger wurde Abt Gottfried Büchelberger (1350-57) als 18. Abt. Er stammte aus Büchelberg, heute ein Ortsteil von Gunzenhausen. Er war ein Bauernsohn. Wie auch seine Vorgänger hatte er vor allem in Nördlingen immer wieder Auseinandersetzungen zu führen. Er hatte aber in Karl IV. eine zuverlässige Stütze. In den 7 Regierungsjahren des Abtes war Karl IV. 6 mal in Heilsbronn. Auch seine Gemahlin war mehrere Male in Heilsbronn. Am 12. Mai 1357 war Karl IV. in Heilsbronn und bestätigte bei dieser Gelegenheit die Freiheiten und Privilegien des Klosters.

(RI Karl IV. – RI VIII n. 2649) 3 Tage später stellte er in Miltenberg drei Urkunden für das Kloster aus, in den er die Schenkung des Kirchensatzes von Hirschau und Kirchentumbach, bestätigte sowie die durch Papst Clemens vorgenommene Inkorporierung.

(RI Karl IV. – RI VIII n. 2652-54) Kurz vor dem Tod von Abt Gottfried kam es zu einem Vergleich mit dem Rat der Stadt Nördlingen und Abt Gottfried. (Muck II S. 533).

Abt Gottfried starb am 21. Juni 1357.

Auf ihn folgte als 19.Abt Arnold (1357-1385. ) Sein Geburtsdatum und wann er ins Kloster eintrat ist nichts bekannt. Auch über seine Familie oder seinen Geburtsort wird nichts berichtet. Vermutlich studierte er wie auch seine Vorgänger in Paris, denn in dieser Zeit kommen in den

Abrechnungen immer Ausgaben für Heilsbronner Mönche vor.

In seiner Regierungszeit war Karl IV. oft zu Gast im Kloster, aber auch der Nürnberger Burggraf Friedrich V. (1357-1398). Er selbst war 1359 in Böhmen und bekam dort am 29. Januar 1359 die Garantien des Kaisers bestätigt. (Muck S. 127) Zwei weitere Bestätigungen erhielt das Kloster

am 12. September 1359( RI Karl IV. – RI VIII n. 2994) und kurz danach  am 4. Oktober 1359 nochmals in Prag. (RI Karl IV. – RI VIII n. 3001). Der Hofrichter Kaiser Karls Bolko III. von Oppeln ( 1356-1382) stellte am 22.Oktober 1359 in Karlstein 2 Urkunden für Kloster Heilsbronn aus.

(RI Karl IV. – RI VIII n. 3010a) Der Hofrichter bestätigte an Hand vorgelegter Briefe und Handfesten die Freiheiten des Kloster. außerdem bestätigte er, dass das Kloster  mit seinem Wein, senem Getreide und allen anderen Früchten seiner Güter sowie mit aller anderer Handelsware, soweit diese zur Versorgung des Kl. erworben wird, überall in seinen und des Reiches Städten zollfrei handeln dürfen. (RI Karl IV. – RIplus URH 7 n. 501)

Persönlich lebte Abt Arnold sehr sparsam. Er setzte sein Geld ein zur Beseitigung von Notständen zum Beispiel in den Heilsbronner Höfen in Randesacker und Sommerau, als dort Dürre und Misswuchs eingetreten war. In anderen Gegenden unterstützte er Klosteruntertanen, die durch Krieg

gelitten hatten.

Das geht auch aus einem Visitationsprotokoll von 1359 des Ebracher Abtes  Otto Jäger (1349-1385) hervor. Aus seiner Privatkasse zahlte er 400 Goldgulden für die Restaurierung der Klostermühle, das sind etwa 65.044,00 €, nach heutiger Kaufkraft allerdings ungefähr 195.132,00 €.

Am 6. Dezember 1360 befreite Kaiser Karl das Kloster von aller Gastung im Kloster und auf allen Gütern, da es auf seiner Heerfahrt gegen Schwaben großen Schaden genommen hatte. (RI Karl IV. – [RIplus] Regg. Karl IV. (Diplome) [n. 5080)

Abt Arnold war auch Taufpate von Kindern der Großen des Reiches. Der bedeutendste war der Sohn von Kaiser Karl IV. Wenzel, geboren am 26. Februar 1361 in Nürnberg, der von 1376 bis zu seiner Absetzung 1400 deutscher König war.

Bei den Nürnberger Burggrafen war er Taufpate von Johann III geboren um 1369 und Friedrich I., geboren um 1371, dem späteren Kurfürsten von Brandenburg. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe anderer Kinder von Adligen. (Muck S. 129)

Zu Wenzel hatte er zeitlebens ein gutes Verhältnis

Im Sommer 1385 resignierte Abt Arnold. Er starb am 19. August 1386.

Sein Nachfolger wurde als 20. Abt Berthold Stromair. Die Familie Stromair, später Stromer war eines der ältesten Nürnberger Patriziergeschlecht. Er war neben dem Abt Johann Gamsfelder der einzige adlige Abt im Kloster Heilsbronn. Vor seiner

zum Abt bekleidete er das Amt des Subcellerars, der den Cellerar, den obersten Wirtschaftverwalter des Klosters unterstützte. Der Cellerar hatte die Oberaufsicht über die Grangien und Stadthöfe inne.

In den ersten Wochen seiner Wahl reiste Abt Berthold nach Rom zum dortigen Papst Urban VI. (1378-1389) Kurz nach der Wahl von Urban, der eine von vielen geforderte Rückkehr nach Avignon kategorisch ablehnte, wurde in Fondi Clemens VII. (1378-1396)

zum Gegenpapst gewählt. Dieser residierte dann in Avignon. Der Konvent fand es für richtig, mit beiden Päpsten im Gespräch zu bleiben. Die Reise kostete das Kloster insgesamt 550 Gulden, das entspricht 88.693,00 €.  Man muss allerdings sehen, dass die Summe

427 Gulden an die päpstliche Kammer und an Kardinäle enthielt. Wie sich aus der Ausgabenrechnung ergibt wurde der Mönch Konrad von Heidenheim, der schon mit dem Abt in Rom war, kurze Zeit später nochmals nach Rom geschickt. In dieser Rechnung finden sich auch Ausgaben für einen Studierenden in Heidelberg. Das ist der Beleg, dass Heilsbronn Mönche auch auf die Universität Heidelberg, die 1386 auf Anweisung von Papst Urban VI. von Kurfürst Ruprecht I. von der Pfalz (1329-1390) gegründet wurde, geschickt wurden.

1387 brach der Städtekrieg aus. Das war ein Konflikt zwischen dem Schwäbischen Städtebund und und den bayrischen Herzögen. Auch Burggraf Friedrich V. war in den Krieg verwickelt. Dem Kloster entstanden dadurch Ausgaben und Verluste vor allem durch die Truppendurchzüge

Friedrichs, vor allem aber durch Zerstörungen, Raub und Brand auf dem Klostergebiet. Klosterbauern, die ihre Habe verloren hatten, konnten ihre Abgaben nicht mehr zahlen sondern mussten im Gegenteil mit Geld und Getreide unterstützt werden.

Im Juli 1398 stellte König Wenzel seine beiden letzten Urkunden für Kloster Heilsbronn aus. Am 16. Juli 1388 bestätigte er das Gerichtsstandprivileg von Karl IV.  (RI Wenzel – [RIplus] Regg. Wenzel [n. 3453]) und eine Woche später am 26. Juli 1386 erlaubte er dem Kloster sein

Dorf Merkendorf mit Gräben zu befestigen und einen Jahrmarkt in Merkendorf abhalten zu dürfen.( RI Wenzel – [RIplus] Regg. Wenzel [n. 3467] )

Burggraf Friedrich V. starb am 21. Januar 1398 auf der Plassenburg. Er wurde im Kloster Heilsbronn beigesetzt.

König Wenzel wurde im August 1400 abgesetzt. Sein Nachfolger Ruprecht von der Pfalz (1400-1410) besuchte Kloster Heilsbronn schon vor seiner Wahl zum König oft, was nicht verwundert. Er war ja der Schwiegersohn von Burggraf Friedrich.

Auch als König war er oft in Heilsbronn. Am 9. Februar 1401 stellte er in Nürnberg ein Urkunde aus, in der er das Kloster in den Schutz des Reiches nahm und verlieh ihm die gleichen Rechte wie Kloster Kaisheim in einer ebenfalls am 9. Februar 1401 ausgestellten

Urkunde( RI Pfalzgraf Ruprecht III. – [Regg. Pfalzgrafen 2] n. 502)

Abt Bertold stand auch gut mit den Grafen Ludwig XI. (+ 1440) und Friedrich von Oettingen (1367-1423). Bei Graf Friedrich war er 1394 Taufpate. Beide Grafen erteilten dem Kloster eine Zollbefreiung beim Transport seiner Güter von und nach seinem Hof in Nördlingen. (Muck S. 142)

Er erweiterte den Klosterbesitz zielstrebig. Auch die Bibliothek erhielt Zuwachs. Er ließ zwei Codizes abschreiben. Für kostspielige Bauten gab er kein Geld aus, wenig für Gemälde und Standbilder. Die Erbauung eines Marstalles ließ er sich dagegen Geld kosten.

Die von den Päpsten zugestandene Befreiung vom Zehnten in der Gegend von Königshofen war Gegenstand vieler Rechtsstreitigkeiten. Der Abt wendete sich deshalb an Rom. Papst Gregor XII. (1406-1415) kassierte alle Gerichtsentscheide gegen Heilsbronn und erteilte 1406 und 1408 Bullen, die die Zehntfreiheit für Königshofen festschrieben.

Abt Berthold starb 1413. Auf ihn folgte als 21. Abt Arnold Waibler (1413-1433) Er ist wahrscheinlich in Iphofen geboren und war bürgerlicher oder bäuerlicher Herkunft. Seine Familie lebte in und um Würzburg. Abt Arnold genoss eine akademische Ausbildung. Es ist aber nicht bekannt wo.

Die Heilsbronner Mönche studierten in dieser Zeit entweder in Prag, Wien oder Heidelberg. Auch nach der Einrichtung dieser drei Universitäten bestanden aber nach wie vor Verbindungen zu Paris. So schenkte Kloster Heilsbronn 1414 einem abgebrannten Kloster in Paris einen Ornat.

Vor seiner Wahl zum Abt bekleidete er verschiedene Klosterämter. Er war Probst in Bohnhof, Verwalter der Besitzungen von Heilsbronn in der Maingegend und auch Bursarius, das ist der Hauptkassier der Klosterdomänen.

Bald nach Beginn seiner Regierungszeit fand in Konstanz das Konzil von 1414-1418 statt. Es wurde am 5. November 1414 eröffnet.

Heilsbronn war keine gefürstete Abtei und der Abt war bei den Kirchenversammlungen nicht stimmberechtigt, musste also auch nicht anwesend sein. Was für ein – auch gesellschaftliches Ereignis- das Konzil war, zeigt die Zahl der

Gäste, die auf dem Weg zum Konzil in Heilsbronn Station machten. Burggraf Johann III. (1397-1420) war  Gast, dann seine Schwägerin Elisabeth von Bayern-Landshut (1383-1442), die Gattin von Burggraf Friedrich VI. (1415-1440), den späteren Kurfürsten von Brandenburg Friedrich I.

König Sigmund (König von 1411-1433, dann Kaiser – 1437) und seine Gemahlin Barbara von Cilli (1405-1451) waren die hochrangigsten Gäste. Diese Gästezahl verhinderte wahrscheinlich die Anwesenheit des Abtes bei der Eröffnung des Konzils.

Er war später in Konstanz. Er betrieb dort einen Prozess wegen Kelheim. Schon Kaiser Ludwig der Bayer hatte Heilsbronn das Patronat von Kelheim geschenkt. Es gab aber immer wieder Probleme und auch Prozesse wegen der Zahlungen. Das Konzil entschied schließlich

1417 im Sinne von Heilsbronn. Allerdings hatte das einige Kosten verursacht. 115 Gulden mussten an die apostolische Kammer entrichtet werden. Das entspricht 18.210,00 €. Der rechtskundige Mönch Friedrich Gleiser führte den Prozess für das Kloster. Seine Ausgaben betrugen

235 Gulden, das entspricht 37.212,00 €. Noch weitere Kosten entstanden dem Kloster während des Konzils. Zur Reise nach Konstanz stellte das Kloster dem Burggrafen ein Kontingent von Wagen. Außerdem lieferte das Kloster dem Kurfürsten Friedrich I. zwei Wagenladungen

Roggen und Weizen nach Konstanz.

Die Verurteilung und Verbrennung von Johannes Hus am 6. Juli 1415 in Konstanz lösten in der Folge die Hussitenkriege aus. Zwar wurde Kloster Heilsbronn durch den Krieg nicht geschädigt. Aber es wurde während des gesamten Krieges mit laufenden Ausgaben belastet.

Geld, Naturalien, Fuhren und Waffen mussten geliefert werden. 1427 beschaffte das Kloster durch Anleihen 1.230 Goldgulden für die Hussitensteuer, das entspricht 194.767,00 €.

1420 verstarb Burggraf Johann III. und wurde in Heilsbronn bestattet.

Am 5. September 1422 nahm König Sigmund in Nürnberg das Kloster in seinen besonderen Schutz, bestätigte ihm alle Rechte besonders das Gericht über die Eigenleute und  die Befreiung vom weltlichen Gericht, von Steuern, Auflagen usw. (RI Sigmund – RI XI,1 n. 5136)

In seinen letzten 6 Regierungsjahren kümmerte sich Abt Arnold vor allem für die Baulichkeiten des Klosters. Bis 1427 hatte das Kloster den Zisterziensergepflogenheiten entsprechend keinen Kirchturm sondern nur einen kleinen Dachreiter. Er ließ einen steinernen Sattelturm erbauen.

1430 begann er mit dem Bau der Neuen Abtei. Wegen der ständigen Erweiterung des Klosterterritoriums und wegen der ständigen Stiftung neuer Seelenmessen hatte die Zahl der Mönche stetig zugenommen. Inzwischen lag sie bei 72. Es bestand also Raumbedarf. Deshalb wurde

eine Wohnung für den Prior gebaut und das Dormitorium, das Schlafhaus. Auch das südliche Seitenschiff der Kirche wurde erweitert, da auch raum für neue Grabstätten geschaffen werden musste, die sehr begehrt waren.Abt Arnold resignierte 1433 und starb zwei Jahre später.

Der 22. Abt wurde Ulrich Kötzler (1433-1462). Er regierte 29 Jahre. Er stammte aus Volkersgau, heute Teilort der Gemeinde Kammerstein im Landkreis Roth. Wann er ins Kloster eingetreten ist und wo er studiert hat, ist nicht bekannt. Vor seiner Wahl zum Abt hatte er verschiedene

Klosterämter inne, so Pistor, Ortulanus und Hospitalarius, also Bäcker, Gärtner und Verwalter des Pfründnerhauses. Vor und nach 1428 war er Granuarius, also Verwalter des Kornkastens.

Am 29. Juli 1431 hatte in Basel das Konzil begonnen. Es dauerte bis April 1449. Abt Ulrich war schon vor seiner Abtwahl nach Basel zum Konzil geschickt worden. Als Abt war er vier mal in Basel, vor allem in den ersten Jahren. Sein letzter Aufenthalt in Basel war 1436. Da war nochmals 10 Tage in Basel.

Wie schon das Konzil in Konstanz  nutzten die Heilsbronner Äbte vor allem um anhängende Prozesse vorwärts zu bringen. Es ging einmal um den “Güldenzoll”, das war eine Abgabe, die entrichtet werden musste, die Kloster Heilsbronn aber mit Verweis auf seine privilegierte Zollfreiheit immer

verweigerte. Dann ging es in Nördlingen, Kelheim und Großhaslach um die Patronate und die Fixierung dessen was Abt und Pfarrer einander jährlich leisten sollten. In Nördlingen übertrug er die Prozessführung seinem Mönch Petrus Wegel, der im später als Abt nachfolgte. Er war zwar kein Jurist,

hatte die Doktorwürde in Philosophie und Theologie erreicht, war aber einer der fähigsten Mönche unter Abt Ulrich. Er war “kundig und gewandt” (Muck S.170) und wurde in vielen verschiedenen Missionen eingesetzt.

Einen weiteren Erfolg hatten die Bemühungen von Abt Ulrich. 1437 beauftragte das Konzil die Bischöfe von Würzburg Johann II. von Brunn (1411-1440) und Eichstätt Albrecht II. von Hohenrechberg (1429-1445) und den Abt von Kloster Sankt Egidien in Nürnberg Georg Möringer (1435–1465)

die Klöster Ebrach und Heilsbronn gegen Personen, die sie in der Ausübung ihrer hergebrachten Rechte und bei der Ausführung der vom Konzil erlassenen Statuten und Mandate behindern, in Schutz zu nehmen. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 903)

Im Januar 1439 gestattete die Kirchenversammlung dem Abt und seinen Nachfolgern den Gebrauch der bischöflichen Mitra, des Ringes und des Bischofstabes. (Muck S. 163) Dadurch wurden die Äbte selbstständiger und machten sie weniger abhängig von den Bischöfen.

Er vollendete den Hauptbau der neuen Abtei, den Abt Arnold begonnen hatte sowie die Erweiterung des südlichen Kirchenschiffes.

1440 starb Kurfürst Friedrich I von Brandenburg und wurde in Kloster Heilsbruck beigesetzt genauso wie seine Gemahlin Elisabeth, die 1442 starb.

1439 bestieg Friedrich III. den deutschen Thron (Kaiser 1440-1493). Auch er war Kloster Heilsbronn sehr gewogen und in seiner langen Regierungszeit öfters in Heilsbronn. Am 4. Dezember 1443 bestätigte er alle Privilegien, die das Kloster von allen römischen Kaisern und Königen und anderer Fürsten

namentlich der Markgrafen von Brandenburg erhalten hatte. Inseriert wurde auch die Urkunde von König Ruprecht vom 9. Februar 1401.  (RI Friedrich III. – [RI XIII] H. 14 n. 220 )

1444 weilte Kaiser Friedrich auf dem Reichstag in Nürnberg. Abt Ulrich besuchte ihn  in Nürnberg und überreichte ihm “eine kleine Monstranz von Krystall nebst einigen Reliquien eigenhändig als Geschenk”, wie der Kustos in seiner Jahresrechnung vermerkte. (Muck S. 167)

1449/1450 fand der erste Markgrafenkrieg oder auch Süddeutscher Städtekrieg statt. Das war eine Auseinandersetzung zwischen dem Markgrafen   Albrecht „Achilles“ von Brandenburg-Ansbach ( 1440-1486) und der Stadt Nürnberg. Im weiteren Sinne war es aber

ein Machtkampf zwischen den Fürsten und Reichsstädten im Spätmittelalter. Es war ein wechselseitiges Brennen, Rauben und Plündern und  währte ein Jahr. Das betraf vor allem die Klosteruntertanen. Diesen mussten oft Getreiderückstände wegen Verarmung erlassen werden.

Abt Ulrich resignierte 1462 und starb am 11. März 1463.

Auf ihn folgte als 23. Abt Petrus Wegel (1463-1479). Er stammte aus Westheim, heute ein Ortsteil von Aurach. Er trat wohl 1413 ins Kloster Heilsbronn ein. Da in den Rechnungsbüchern von 1432 Ausgaben für Studenten in Prag vermerkt sind, ist anzunehmen, dass Petrus in

Prag studierte. (s.o.) Nach seinem Studium war er in verschiedenen Klosterämtern tätig. Er war Subcellerar, dann Granuarius und dann Bursarius. Danach stieg er in der Verwalterlaufbahn auf, erst in Nördlingen. 1456 war er für das ausgebreitete Weingeschäft des Kloster zuständig

und ab 1461 war er Verwalter des Heilsbronner Hofs in Nürnberg. Schon früh wurde er immer wieder für besondere Aufgaben eingesetzt. Er war an einem Schiedsspruch zwischen dem Kloster und 5 Bauern im Volkersgau beteiligt. Dann war er in eine Schlichtung involviert, die der Augsburger

Bischof Petrus (I.) v. Schaumberg (1424-1469) vornahm, um einen langjährigen Rechtsstreit zwischen der Stadt Nördlingen und dem Klosterbeizulegen. 1453 wurde er nach Regensburg und  Wien geschickt. Der Zweck dieses Auftrages ist den Klosterunterlagen nicht zu entnehmen.

Danach reiste er zum Generalkapitel und 1458 war er in Augsburg. Dabei ging es nochmals um Nördlingen. Der Schiedsspruch von 1452 war nicht nachhaltig.

Am 22. Februar 1463 wurde er unter Leitung des Ebracher Abts Burkard II. Scheel (1455–1474) zum 23. Abt von Heilsbronn gewählt.

Gleich zu Beginn seiner Regierung wurde er von Markgraf Albrecht Achilles um ein Darlehen in Höhe von 2000 Goldgulden, das sind 314.916,00 €.  angegangen. Nach heutiger Kaufkraft entspricht das ungefähr 944.749,00 €. Der Markgraf bestätigte zwar den Empfang des Darlehens, verweigerte aber die Rückzahlung. Der Barbestand des Klosters reichte nicht aus, um das Darlehen auszuzahlen. Abt Petrus finanzierte das über festverzinsliche Anleihen. Schon nach Jahresfrist hatte er das weitgehend zurückgezahlt.

Bald nach seiner Wahl nahm er den Umbau des neuen Kreuzganges in Angriff. Da dieses Vorhaben voraussichtlich kostspielig wurde, verteilte er den Umbau und damit die Kosten auf sieben Jahre. Die Arbeiten führte Meister Hans Kremer aus. Neben dem Arbeitslohn erhält er jährlich ein Kleid und er wurde samst seiner Frau verköstigt. Der Kreuzgang wurde mit Glasgemälden geschmückt und gepflastert. Im 4. Baujahr wurde auch die Große Bibliothek gebaut, die Abt Petrus großzügig austattete. Muck verzeichnet Ausgaben von 126 Goldgulden, das sind  24.563,00 €.

Das war zur Anfangszeit des Buchdruckes und da wurde einiges angeschafft. Clemens romanus, Hieronymi epistolae waren die ersten Drucke In den Jahren 1470 bis 73 folgten Werke von Chrysostomus, Terrenz, Livius, Plinius, Strabo, Sueton, Silius Italicus, Gellius, Cicero (Reden)

Tacitus (über die alten Deutschen), Boccaccio, auch eine deutsche Bibel (biblio tewtonica ligata), jedenfalls eines der ersten Erzeugnisse der Druckkunst.  Aber ließ auch weiter Abschriften anfertigen und gab dafür insgesamt 120 Goldgulden aus, das sind 18.895,00 € (alle zahlen nach Muck S. 179) Daneben gab es noch laufende Kosten für Zinnober und Lasurblau sowie Schlösser und Ketten für die Bücher.

Die Bautätigkeit wurde fortgesetzt mit dem Umbau des Siechhauses. Von 1475-1478 ließ er das Dormitorium erweitern, da es schon wieder zu klein geworden war.

Heilsbronn war reich ausgestattet mit Schnitzwerken, Skulpturen und da es nie im Krieg geschädigt wurde, ist fast alles noch vorhanden, darunter ein Veit Stoss zugeschriebenes Kreuz.

Abt Petrus starb am 21. Dezember 1479.

Auf ihn folgte als 24. Abt Konrad von Haunolt (1479-1498) Er stammte aus der näheren Umgebung des Kloster. Er studierte um 1463 in Heidelberg. Bei dieser Gelegenheit erwarb für das Kloster einige Manuskripte von Terrenz, Cicero und Albertus.

Nach seiner Rückkehr aus Heidelberg bekleidete er einige Klosterämter. Er wurde schon zehn Tage nach dem Tod seines Vorgängers gewählt und zum Abt geweiht. Abt Konrad ließ an der südlichen Front der Abtei einen Anbau anfügen. Das Innere des ganzen Gebäudes ließ er ausschmücken.

1490 bis 1492 wurde die Nikolaikapelle am Heilsbronner Hof in Nürnberg restauriert. Die Kapelle wurde von dem Maler Hans von Speyer mit einem Bildnis des Heiligen Nikolaus ausgestattet.  Das ist wohl der Sohn des aus Speyer stammenden Malers Hans Traut, der 1477 das Nürnberger Bürgerrecht erwarb. Die Kapelle wurde von dem Eichstätter Bischof  Wilhelm von Reichenau (1464 –1496 ) geweiht. Auch ein Marienbild ließ er von Hans von Speyer malen. Außerdem stiftete er den 14 Nothelfer-Altar um 1498. Er ist auf der Predella des Altars kniend dargestellt.

Auch ließ er die Hauptorgel erneuern,  wofür er 96 Goldgulden, das sind 15.116,00 € (kaufkraftmäßig etwa 45.348,00 €.), aus seiner Privatschatulle ausgab.

In seinem 3. Regierungsjahr ließ er ein Totenverzeichnis anfertigen und die Tafel im vorderen Kreuzgang aufstellen. In der Kaiserkapelle ließ er  zwei Tafeln aufstellen, die die Zisterzienserklöster verzeichneten. Über 800 Klöster waren aufgelistet.

Auch um die Bibliothek kümmerte er sich. 1489 schickte er den späteren Abt Sebald Bamberger zum Erwerb von Büchern nach Heidelberg.

Die Primarabtei Citeaux befand sich zu der Zeit in finanziellen Schwierigkeiten erwirkten der Generalabt und das Generalkapitel einen päpstlichen Erlass, der die Zisterzienserklöster verpflichtete, das Stammkloster durch milde Beiträge zu unterstützen.

Abt Konrad wurde nun vom Generalkapitel zum Kommissarius ernannt. Er hatte in ihm benannten Klöster Beiträge zu erheben und den Gesamtbetrag nach Rechnungsausweis nach Citeaux zu liefern.

Seine letzten 4 Lebensmonate verbracht Abt Konrad im Heilsbronner Hof in Nürnberg, wo er von Doktor Schedel behandelt wurde. Das ist wohl der Verfasser der Schedelschen Weltchronik.

Abt Konrad verstarb am 25. April 1498 in Nürnberg.

Sein Nachfolger wurde Sebald Bamberger (1498-1518). Er stammte, was sein Name vermuten lässt aus Bamberg. Er studierte in Heidelberg und erlangte dort 1493 die Doktorwürde in Philosophie. Nach seiner Rückkehr ins Kloster bekleidete er verschiedene Ämter.

Er war Novizenmeister und vor seiner Wahl zum Abt war er Prior. In seinem Regierungsjahr begann der 7. Abrechnungsband des Klosters. Abt Sebald bereicherte die nüchterne Jahresrechnung durch historische Zutaten, was den Band auch unter diesem Aspekt wertvoll macht.

Er war ein Freund der Wissenschaft und der Kunst. Er war ein gewandter Diplomat und leistete dem Markgrafen Friedrich V. (1486.1515) wertvolle Dienste. Markgraf Friedrich, der Sohn von Albrecht Achilles, hatte einen sehr verschwenderischen Lebensstil. Aber er übernahm auch viele Dienstleistungen

für Maximilian (1486-1508, dann Kaiser bis 1519). Das führte zu einer rasch anwachsenden Verschuldung der Markgrafschaft. Friedrich war in ständiger Geldnot und verlangte immer wieder Geld oder Getreidelieferungen vom Kloster, meist ohne die Lieferungen zu bezahlen.

Das zunehmende cholerische Temperament Friedrichs machte die Sache für die Beteiligten nicht einfacher. 1515 entmachteten ihn seine beiden Söhne Kasimir (1515-1527) und Georg (1514-1543) und setzten ihn ab. Bis zu Kasimirs Tod war Friedrich auf der Plassenburg. Dann durfte er nach Ansbach zurückkehren, wo er 1536 starb. Kasimir beabsichtigte, Abt Sebald an die Spitze einer markgräfli9chen Regierung zum setzen. Der Abt war nicht abgeneigt, stieß aber innerhalb seines Konvents auf erhebliche Opposition. Allerdings legte der Abt das Projekt ganz ad actas.

Die Regierungszeit Abt Sebalds fiel weitgehend mit der Regierung König Maximilians zusammen. Laut Muck war Maximilian der erste Herrscher seit Rudolf von Habsburg, der nicht nach Heilsbronn kam. Aber Abt Sebald besuchte in am 2. April 1500. (Muck S. 238)

Er bekam die Privilegien des Klosters bestätigt. Die Bestätigung war speziell an den Abt gerichtet und Abt Sebald bezahlte dafür 90 Goldgulden (entspricht14.019,00 €. )  aus seiner Privatschatulle.

Maximilians Regierungszeit hatte aber einige Auswirkungen auf das Kloster.

Im Jahre 1499 führte Maximilian den Schweizerkrieg, einen Reichskrieg gegen die Eidgenossen. Das führte zu einer empfindlichen Besteuerung der Klosteruntertanen besonders in Schwaben und im Ries. Auch weiter militärische Unternehmungen sorgten immer wieder für eine hohe Steuerlast.

Unter Abt Sebald entstand zwischen 1510 und 1518 der Peter und Pauls-Altar der dem Nördlinger Bildschnitzer Peter Strauß (nachweisbar 1480-1520) zugeschrieben wird. Die Tafelmalereien stammen von dem Dürerschüler Wolf Traut (um 1480-1520)

1514/1515 ließ Abt Sebald die zweite Orgel restaurieren. Dies war noch kostspieliger als die oben erwähnte Orgelrestaurierung. Der Granuarius bezifferte die Barauslagen  mit 332 Goldgulden, das entspricht  51.716,00 €. (Muck S. 230)

Zwischen 1501 und 1504 ließ Abt Sebald den Röhrenbrunnen errichten. Der muss ihm am Herzen gelegen sein, denn das Bild zierte sein Abtssiegel. Noch heute ziert er das Stadtwappen von Heilsbronn. Der Abt gab dafür 597 Goldgulden aus (Muck S. 223),

das sind 92.996,00 €. .

Am 31.Oktober 1517 schlug Martin Luther seine Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg an. Die Folgen ahnte damals wahrscheinlich noch niemand.

Abt Sebald starb am 9. Juli 1518.

Auf ihn folgte als 26. Abt Johann Wenk (1518- 1529). Er wurde 5 Tage nach dem Tod seines Vorgängers gewählt. Er stammte aus Ansbach und war nach eigenen Angaben bei seinem Amtsantritt 39 Jahre alt.

1517 war ein Missjahr und so herrschte beim Regierungsantritt des Abtes überall Leere. Da aber 1518 wieder eine gute Ernte erfolgte, war er voller Tatendrang.

1519 und 1520 studierten in Heidelberg die Heilsbronner Mönche Johann Werkmann und Johann Schopper. Sie promovierten 1519 und 1520.

Im April 1518 fand das Generalkapitel des Augustinereremitenordens statt dem auch Luther angehörte. Im Begleitprogramm fand eine Disputation unter Leitung des Wittenberger Professors statt. Luther lehrte nach seiner Promotion zum Doctor Theologiae an der Wittenberger Universität.

Es ist anzunehmen, dass die beiden Heilsbronner Studenten bei dieser Veranstaltung dabei waren. Johann Schopper, der Nachfolger von Johann Wenk, kannte Luthers Lehre genau und bekannte sich dann auch zu ihr. Nach seiner Rückkehr aus Heidelberg wurde er zum Prior gewählt.

Schon jetzt hatten eine Reihe lutherisch gesinnter Mönche das Kloster verlassen. Bald waren über die Hälfte der 72 Mönche ausgetreten. Abt Johann Wenk stand an der Spitze einer antilutherischen Minorität. Abt Johann hielt trotzdem nach wie vor auf strenger Klosterzucht.

Zurückgeblieben waren überwiegend ältere Mönche, die zur Ausübung eines bürgerlichen Gewerbes meist zu alt waren, aber auch sie in ihrer Mehrzahl lutherisch gesinnt.

Pfalzgraf Ludwig V. forderte Abt Johann auf, Studierende an das Jakobskollegium in Heidelberg zu senden, wo die Studierenden aus den süddeutschen Zisterzienserklöstern untergebracht waren, weil sich dort ein Studentenmangel bemerkbar gemacht hatte. In seinem Antwortschreiben

machte er klar, dass er keine jungen Leute mehr zum Studium finde wegen “der argen lutherischen Bewegung” (Muck S. 256). Das Schreiben war auch von den Äbten von Ebrach, Langheim, Kaisheim, Schönthal, Bildhausen und Bronnbach unterzeichnet, da sie alle mit denselben Problemen zu kämpfen hatten. Nicht nur Personalprobleme wurden durch die Reformation verursacht. Durch sie erlitt Heilsbronn den ersten Gebietsverlust. Das Patronat des Klosters in Nördlingen hatte immer für Probleme gesorgt, seit es Heinrich VII. dem Kloster geschenkt hatte. Die Besoldung der Geistlichen, die in Nördlingen als Seelsorger fungierten, war sehr gering so dass meist zu diesem Beruf Ungeeignete tätig waren. Dazu kam ein beständiger Stellenwechsel. Das sorgte für zunehmende Erbitterung in der Bevölkerung. Die Stadt bat um Abhilfe, zumal die Stimmung durch die aufkommende Reformation

immer gereizter wurde. Die nur noch  wenigen Mönche im Kloster waren dort selbst unentbehrlich. Abt Johann trat deshalb folgerichtig nach reiflicher Überlegung und in Abstimmung mit seinem Kapitel am 7. März 1523 das Patronat an die Stadt Nördlingen ab. Die Stadt verlangte, dass die

Abtretung sowohl vom Abt in Citeaux als auch vom Papst bestätigt wurde. Abt Johann sagte dies zu. Citeaux machte keine Probleme aber Rom stellte sich quer. Abt Johann wandte sich auch an den beim Reichstag 1524 in Nürnberg anwesenden Kardinallegaten Lorenzo Campeggi, der von

Papst Clemens VII. (1523-1534) dorthin geschickt worden war. Abt Johann verhandelte dort mit dem Zeremonienmeister des Legaten, Johann Cochläus (1479-1552). Er sagte ihm, dass Kirchengüter vor allem in dieser Zeit nicht verkauft oder abgetreten werden und sagte, dass der Papst da nicht einwilligen könne. Er solle doch die Abtretung widerrufen. Er wollte aber weiter zu seinem Wort stehen. Die Stadt verzichtete schließlich auf die päpstliche Bestätigung. Citeaux erteilte die Bestätigung und Nördlingen gab sich zufrieden, wenn der Bischof von Augsburg diese auch bestätigt.

1523 setzte er Johann Hartung aus Ansbach als Richter im Bonhof ein. Er hatte das Kloster schon mehrfach vertreten auch zuletzt in der Nördlinger Angelegenheit. Er war auch kaiserlicher öffentlicher Notar. Vorher waren immer Mönche als Richter tätig.

Da aber immer weniger Mönche zur Verfügung standen und diese meist wegen ihres vorgerückten Alters nicht mehr als Richter tätig sein konnten, war auch das eine folgerichtige Entscheidung.

1524 brachen in Thüringen, Sachsen und im süddeutschen Raum Bauernunruhen aus, zunächst hauptsächlich ökonomisch motiviert,bald aber auch religiös untermauert. Bald gab es auch Bezugspunkte zur Reformation. Man begann, die mit dem „Willen Gottes“ gerechtfertigten Ansprüche von Adel und Klerus zu hinterfragen.  Nach dem sich die Proteste auch zunehmend gegen die Klöster richteten, bat Abt Johann den Markgrafen Kasimir um Schutz. Er kam selbst nach Heilsbronn. Er empfahl den Mönchen sich auswärts aufzuhalten, bis wieder ruhigere Zeiten einkehrten.

Sie sollten nicht mehr die verhasste weisse Mönchskutte tragen, sondern ein einfaches schwarzes Priestergewand. Im Kloster zurück blieben nur der Prior, der Bursarius und der Granuarius. Abt Johann ging in den Heilsbronner Hof nach Nürnberg.

Die Verwaltung der Klostergüter übernahm der Markgraf und verwendete die Einnahmen nach eigenem Gutdünken. Als Administratoren bestellte er den Richter Hartung, Prior Schopper und seinen Beamten Sebastian Funk.

Abt Johann war ein Jahr abwesend. In dieser Zeit galt uneingeschränkt der markgräfliche Wille.

Im Mai 1525 schlug Markgraf Kasimir den Aufstand blutig nieder. In Kitzingen hielt er ein grausames Strafgericht. Sein Vorgehen im Krieg und danach brachte ihm den Namen “Bluthund” ein.

Abt Johann kehrte 1526 nach Heilsbronn zurück. Das Kloster hatte durch die aufständischen Bauern keinen Schaden genommen, wohl aber durch seine Beschützer.

Markgraf Kasimir hatte 1527 noch an dem Feldzug im ersten Türkenkrieg teilgenommen. Er starb im Juli 1527 in Ofen an der Ruhr.

Sein Bruder Georg der Fromme verwaltete die Markgrafschaft für den unmündigen Sohn Albrecht Alcibiades seines Bruders Kasimir.

1529 kam er vom Reichstag in Speyer zurück, wo er zu den Unterzeichnern der Speyrer Protestation zählte.

Abt Johann trat am 6. September 1529 als Abt zurück.Zuvor hatte er dem Abt von Ebrach Johannes II. Leiterbach (1503–1531), der die Wahl leitete, seine Rücktrittsgründe erläutert.

Bei der Wahl des neuen Abtes waren noch 19 Wahlmänner inclusive des zurückgetretenen Abtes wahlberechtigt.

Man setzte sein Ruhegehalt auf 300 Gulden bar, das sind 46.731,00 € fest. Außerdem  sollte er 3 Fuder Randersacker Wein bekommen. In Franken entsprach ein Fuder 900 Litern.

Abt Johann starb am 18.September 1538 in Nürnberg.

Sein Nachfolger wurde Johannes Schopper 1529-1540 als 27. Abt. Über sein Studium in Heidelberg s.o. Er kannte Martin Luther wohl nicht persönlich. Aber er kannte seine Schriften sehr genau. Er stimmte in vielen Punkten mit Luther überein und sprach sich auch

für eine Reformation der Kirche im Sinne Luthers aus. Aber er war auch dafür, die lateinische Messe, die Totenmesse, die Ohrenbeichte und die Fronleichnamsfeier beizubehalten

Schon im August 1524 hatte Markgraf Kasimir Abt Johann Wenk aufgefordert, ein Gutachten über 23 strittige Lehrmeinungen zur Glaubenslehrer vorzulegen, da im November 1524 auf dem Reichstag über die strittige Lehrer gesprochen werden sollte.

Dieses Gutachten sollte am 21. September 1524 in Ansbach von einer aus geistlichen und weltlichen Abgeordneten bestehenden Versammlung beraten werden. An diesem Gutachten war Abt Johannes Schopper als Verfasser beteiligt.

Nach dem Bauernkrieg und dem Tod Kasimirs hielt Markgraf Georg in Ansbach 1527 einen Landtag ab. Neben der prekären Finanzlage der Markgrafschaft ging es vor allem um die Religionsfrage. Johann Schopper nahm an diesem Landtag noch als Heilsbronner Prior teil.

Auch auf diesem Landtag sprach sich Johann reformatorisch aus. Er gewann die Achtung von Markgraf Georg. Er verkehrte viel mit ihm und holte sich oft Rat.

1528 führte Georg eine Kirchenvisitation in der Markgrafschaft Ansbach ein, die Johann Schopper vom Grund her befürwortete, in der Durchführung als zu stürmisch und radikal empfand. Er unterstützte die reformatorischen Bemühungen Georgs, “ um das religiös-sittliche Volksleben zu verbessern”.

(Muck S. 327) Bald erkannte, dass Georg nicht nur die Kirchenverbesserung ging, sondern dass er auch eine Gebietserweiterung auf Kosten des Klosters anstrebte. Diese Erkenntnis dämpfte seinen reformatorischen Eifer. Er trat Georg energisch entgegen, um die Rechte des Klosters zu wahren.

Seine Opposition zeigte Wirkung, allerdings so, dass er nicht mehr so oft wie bisher zu Gutachten die Reformation betreffend aufgefordert wurde. 1530 legte er Georg seine Klosterprivilegien vor. Georg  anerkannte diese 1531 förmlich und erhielt im

Gegenzug “eine dreijährige Hilfe des hundertsten Pfennigs”, das waren jährlich 1000 Goldgulden oder in Euro 156.017,00 €. Abt Johann fügte ein Schreiben bei, in den erklärt wird, die Zahlung erfolge als “eine getreue unterthänige Gutwilligkeit “ (Muck S. 338) und nicht auf Grund eines Rechtsanspruches.

Abt Johann lies diese Erklärung Georgs 1532 von Karl V. (1519-1556) auf dem Reichstag von Regensburg bestätigen.

Sowohl Abt Johann als Markgraf verstanden es, die Sache von der Person  zu trennen, so dass sie zwar immer hart gegeneinander vorgingen, aber sich beide achteten.

Markgraf Georg hatte in Onolzbach eine Schule eingerichtet. Dort lehrten zwei des Lateinischen, griechischen und hebräischen kundige Lehrer. Abt Johannes unterstützte die Schule mit jährlich 150 Goldgulden also etwa 23.403,00 €.

Er gründete nun 1536 in Heilsbronn ebenfalls eine Schule, aus der 1581 die Fürstenschule hervorging. Dahinter steckte auch das Ziel, Novizen auszubilden und die Zahl seiner Mönche, die inzwischen auf 17 gesunken war, wieder zu mehren.

Abt Johann resignierte am 25. Oktober 1540.

Sein Nachfolger wurde als 28. Abt  Sebastian Wagner (1540-1543) er stammte aus Abenberg und hatte wohl in Heidelberg studiert. 1517 verließ er Heilsbronn, wohl auch weil er mit Abt Sebald nicht klar kam. Er begab sich nach Ungarn ins dortige Zisterzienserkloster

Pleis. Dort wurde er sehr geschätzt und bald nach seinem Eintritt als Prior gewählt. Sebastian blieb nur bis 1519 in Pleis und kehrte nach dem Tod von Abt Sebald nach Heilsbronn zurück. Dort war  er in vielen Missionen unterwegs.

1524 schickte ihn Abt Johannes Wenk zum Generalkapitel nach Citeaux, da er wegen der reformatorischen Bewegung  nicht abkömmlich war, auch um die Genehmigung des Generalkapitels für die Abtretung des Nördlinger Patronats zu erwirken.

Erfolgreich war auch seine Mission 1529 nach Rom, wo es um die Wiedereinführung der Ordenstracht ging.

Er sah voraus,dass falls der kränkelnde Abt Johannes Schopper zurücktreten sollte, kein anderer als er als Abt in frage käme. Um wegen seiner Entfernung aus dem Kloster nach Ungarn keine Schwierigkeiten zu bekommen, ließ er sich von

dem im Ruhestand weilenden Abt Johann Wenk ein Zeugnis ausstellen, das sein damaliges Verhalten rechtfertigte.

In seiner ersten Regierungszeit wurde die Not im Land immer drückender, das Volk aber auch immer roher.

Markgraf Georg annektierte das Klostergut zwar nicht direkt. Er arbeitete aber zielstrebig auf eine Selbstauflösung des Klosters hin. Der Markgraf empfahl seinen Prälaten, sich wie Luther zu verehelichen. Die praktische Folge wäre dann auch aus dem Kloster auszutreten.

Abt Johann Schopper ging da nicht darauf ein, anders Abt Sebastian Wagner. Er resignierte an Ostern 1543 und heiratete. Dann lebte er in Ansbach, wo er 1546 starb.

Georg der Fromme starb 1543. In Brandenburg-Kulmbach hatte Albrecht-Alcibiades, der Sohn Kasimirs, die Regierung übernommen, nachdem er 1541 volljährig geworden war. Er trat früh in die Dienste von Kaiser Karl V. ein.

Eineinhalb Jahre nach dem Rücktritt von Abt Sebastian gestatteten die Räte des Markgrafen die Neuwahl eines Abtes. So lange war das Kloster ohne Abt geblieben. Die lange Zeit ohne Abt war durch den Tod von Markgraf Georg, die Abwesenheit von Markgraf Albrecht und dann natürlich

durch die Heirat Abt Sebastians verursacht worden. Dass eine Wahl stattfinden konnte, war ganz im Sinne von Markgraf Albrecht-Alcibiades, der ja im Dienst des Kaisers stand

und zu mindestens nach außen hin den Fortbestand des Klosters sicherte. Gewählt wurde Georg Greulich (1544–48) als 29. Abt. Er stammte aus Markt Erlbach, hatte und in  Heidelberg studiert und dort 1514 promoviert. Nach seiner Rückkehr nach Heilsbronn hatte

er verschiedene Klosterämter verwaltet. So war er Subcellerarius, Verwalterin Randersacker und Probst in Bonhof.

Das Kloster und vor allem die von Abt Johann Schopper waren beim Regierungsantritt des neuen Abtes in keinem guten Zustand. Das Kloster war verschuldet. Die Schule war von Beginn an mit evangelisch gesinnten Mönchen besetzt gewesen.

1546 brach der Schmalkaldische Krieg aus. Im ersten Kriegsjahr blieb Heilsbronn verschont. Am 24. April 1547 schlugen die Truppen Karls V. die Truppen des Schmalkaldischen Bundes. Dann kam das siegrieche Heer unter Herzog Alba in die Gegend von Heilsbronn. Allerdings verbreitete es vor allem . Schrecken. Es wurde geplündert, Häuser angezündet, Geld und Vieh geraubt und die Menschen grausam behandelt.

Kaiser Karl war auf dem Höhepunkt seiner Macht und konnte 1548 in Augsburg das “Interim” erlassen. Es sollte für eine  Übergangszeit die kirchlichen Verhältnisse regeln, bis ein allgemeines Konzil die Wiedereingliederung der Protestanten geregelt hatte. Es war allerdings sowohl auf protestantischer als auch katholischer Seite sehr umstritten. Auch Abt Georg stand dem Interim kritisch gegenüber. So hatte er einen sehr freundlichen Umgang  mit dem ehemaligen   Nürnberger Prediger Peter Osiander, der auch Hauptverfasser der Kirchenordnung, die 1533 in Nürnberg und gleichzeitig

in der benachbarten Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach ein geführt wurde.

Abt Georg  starb 1548.     Markgraf Albrecht-Alcibiades, der sich auf dem Reichstag in Augsburg befand, bei dem das Interim verkündet wurde, wurde benachrichtigt.

Als 30. Abt wurde Johannes Wirsing (1548–52) gewählt. Er stammte aus Abenberg. Unter seinen beiden Vorgängern war er Prior. Er wurde im Juli 1548 unter Vorsitz des Ebracher Abtes Konrad II. Hartmann (1540-1551) gewählt.

Gleich in den ersten Regierungsmonaten musste er das Interim umsetzen. Die Ordenstracht und die Tonsur wurde wieder eingeführt. Die lateinische Sprache war in Heilsbronn nie abgeschafft worden.

Die finanzielle Lage des Klosters war nicht rosig. Es war stark belastet durch Zinszahlungen aus vielen tausend Gulden Schulden. Dazu mussten verarmte Klosteruntertanen unterstützt werden.

Im Dezember 1551 erkrankte Abt Georg und verstarb am 11. Januar 1552.

Sein Nachfolger wurde Philipp Heberlein  (1552–54) Er stammte aus Ochsenfurt und war Mönch in Kloster Ebrach. Von dort wurde er als einer der  Restauratoren in Vollzug des Interims nach Kloster Heilsbronn geschickt.

Die Wahl des neuen Abtes fand sehr rasch statt. Den Vorsitz führte der Ebracher Abt Johannes IV. Beck (1551–1562)

1552 hatten sich protestantische Fürsten unter Führung von Moritz von Sachsen im “Fürstenaufstand” gegen Kaiser Karl V. erhoben. Auch Achilles-Alcibiades erhob sich gegen den Kaiser. Aus dem Fürstenaufstand heraus entwickelte sich der 2. Markgrafenkrieg.

Die Kampfhandlungen richteten sich zunächst gegen die unmittelbaren Nachbarn des Markgrafen, vor allem die Reichsstadt Nürnberg. Das Umland wurde erheblich verwüstet.

Am 1. Dezember 1553 wurde der Markgraf mit der Reichsacht belegt. Am 8. Dezember  wurde das Kloster besetzt. Abt Philipp war da schon scher krank. er wurde dann in den Heilsbronner Hof nach Ansbach zu ärztlicher Behandlung gebracht. Er starb am 17. März 1554 in Ansbach.

Sein Nachfolger Theophil Dörner starb bereit nach sechs Wochen.

Sein Nachfolger Friedrich Schörner (1554–58) trat die Regierung am 2. Mai 1554 an. Er war ebenfalls einer der 6 Restauratoren. Vor er nach Heilsbronn geschickt wurde, war er Mönch in Langheim. In Heilsbronn war er er Kustos, dann Subprior. Vor seiner Wahl zum Abt war er Prior.

1555 wurde Markgraf Georg Friedrich I. von Brandenburg aus der Vormundschaft entlassen. Seine Mutter Aemilia von Sachsen (1516–1591) hatte Georg Friedrich nach dem Tod seines Vaters 1543 erzogen.  Die Regierungsgeschäfte führte der Landvogt von Ansbach

Friedrich von Knobelsdorf. Georg Friedrich trat nun die Regierung an. Um diese Zeit tagte der Reichstag in Augsburg. Der Augsburger Religionsfriede sollte beschlossen und verkündet werden. Die Probleme sollten nur juristisch und nicht theologisch geklärt werden.

Die Kompromissformel lautete “Cuius regio, eius religio”. Also, wer das Land regiert, der solle auch den Glauben bestimmen. Heilsbronn hatte bisher im Prinzip zwei Landesherren, aber Albrecht-Alcibiades war außer Landes und in Reichsacht.

Georg Friedrich und seine Mutter nahmen nun alle Änderungen wieder zurück, die Albrecht im Zuge des Interims vorgenommen hatte. Die Markgräfin Aemilia, Georg Friedrich und seine Räte waren am 17. September 1555 in Heilsbronn. Die Ordenstracht sollte wieder verboten werden.

Die Privatmsse sollte abgeschafft werden und im übrigen habe die Brandenburgische Kirchenordnung zu gelten. Der Abt wollte sich erst mit den Äbten von Ebrach und Langheim beraten. Der Abt berief sich darauf, dass er von Albrecht nach Heilsbronn geschickt worden war um Kloster Heilsbronn gemäß der zisterziensischen Statuten “wieder aufzurichten” (Muck S. 470) und wollte zurücktreten. Nach dem ihm versichert worden war, dass die Privilegien des Klosters nicht angetastet würden, gab er schließlich nach

Am 14. Juli 1558 erschien Markgraf Georg Friedrich mit seine Räten in Heilsbronn, erklärten Abt Friedrich für abgesetzt und setzte den Bisherigen Prior Beck als Abt ein. Von einer Wahl wie bisher unter Vorsitz des Heilsbronner Mutterabtes konnte keine Rede sein.

Markgraf Georg Friedrich begründete sein Vorgehen mit eigener Machtvollkommenheit gerechtfertigt durch den Reichsabschied von Augsburg von 1555.

Der neue Abt Georg Beck (1558- 1561 war ebenfalls als Restaurator aus Langheim gekommen. Dem Abt waren in allem die Hände gebunden und er musste für alles die Genehmigung von Markgraf Georg Friedrich bzw. seinen Räten einholen. Im Kloster waren außer dem Abt nur noch 4 Mönche.

Abt Georg verstarb 1561. Nach dem Tod von Abt Georg blieb das Kloster fast ein Jahr ohne Abt. Es wurde ein Verwaltungskollegium bestellt, bestehend aus dem markgräflichen Rentmeister Peter Proll, dem Richter Weikersreuter und Prior Melchior Wunder. Dieser wurde erst

am 9. Juli 1562 von Markgraf Georg Friedrich zum Abt bestellt. Als Abt Melchior Wunder am 13. Juli 1578 starb, war auch der Zeitpunkt der Selbstauflösung des Klosters gekommen.

                                                                             

02 Dez 2021

Zisterzienserabtei Ebrach

                                                                                                                                  

Möglicherweise im Jahre 1119 hatten sich die fränkischen Brüder Berno und Richwin entschlossen, ein Kloster zu gründen. Es waren wohl Edelfreie und Lehensleute von Gozwin von Höchstädt. Dieser war auch Graf von Stahleck und von seinem Schwager,

dem Staufer Konrad III. (1138-1152) mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt worden. Enge Beziehungen hatten sie auch zu dem Würzburger Bischof Embricho (1127-1146). Sie waren in der Gesandtschaft Konrads III. mit Bischof Embricho dabei, wo es dank Embrichos geschickter Verhandlungsführung

zur Ehe mit Konrads Schwägerin Berta von Sulzbach kam (RI Konrad III. – RI IV,1,2 n. 334) und sie waren  auch in seinem Gefolge, als dieser Berta von Sulzbach (+1158/60) die Schwester der Königin

Gertrud zu ihrer Hochzeit mit dem byzantinischen Kaiser Michael I. Komnenos (1143 bis 1180 ) nach Byzanz  begleitete. Sie waren auch Zeugen in der Urkunde vom 2. März 1147 für Waldsassen, in der König Konrad der Abtei den königlichen Schutz gewährte.(RI Konrad III. – RI IV,1,2 n. 442)

Falls 1119 die Vorverhandlungen geführt wurden, könnte der Würzburger Bischof Erlung (1105-1121) in den Gründungsvorgang involviert gewesen sein.

Im Einverständnis mit ihrem Lehensherrn Gozwin und dem Würzburger Bischof Gebhard von Henneberg (1121-1127) wandten sie sich an das in Citeaux tagende Generalkapitel, um die Klostergründung in Gang zu bringen. Nachdem das Generalkapitel überprüft hatte,

ob der vorgesehene Platz die Voraussetzungen erfüllte, die die Zisterzienser an ihre Klosterorte stellten, wurde 1127 ein Gründungskonvent nach Ebrach entsandt. Dieser bestand gemäß den Statuen aus 12 Mönchen und einem Gründungsabt. Die Klöster sollten fern von menschlichen Siedlungen oder großen Straßen liegen. Nach Möglichkeit sollte es an einem Bach-oder Flusslauf liegen, da die Mönche am fließenden Wasser ihre Kleider waschen und ihr Geschirr abspülen mussten. Die Gegend sollte sich zur Landwirtschaft eignen, da die Ordensstatuten verlangten,dass die Mönche von ihrer Hände Arbeit lebten.(Josephus-Maria Canivez, Statuta capitulorum generalia ordinis Cisterciensis ab anno 1116 ad annum 1786, Bd. 1, Namur 1933,Statuta I,1134/V, S. 14)

Kloster Ebrach wurde nach Kamp (1123) und Lützel (1123) die dritte Zisterzienserabtei im deutschsprachigen Raum. Gründungsabt war Abt Adam. Adam trat wohl in Kloster Citeaux ein, vor er dann Mönch in Morimond war. Er stammte wahrscheinlich  aus dem Raum Köln wie auch der

erste Abt von Kloster Morimond, Arnold. Adam war auch in der Gruppe von Mönchen um Abt Arnold, die um1124 Kloster Morimond verließen, um ein neues Kloster im Heiligen Land zu gründen. Nach Arnolds Tod am 3. Jan. 1126 forderte Bernhard von Clairvaux Adam

brieflich auf, nach Morimond zurückzukehren. Das zeigte, dass Bernhard ein großes Vertrauen in Adam hatte und die Tatsache, dass er annahm, dass die Gefährten Adams mit ihm zurückkehrten, deutete auf eine Führungsbegabung Adams hin.

Der 2. Abt von Morimond Walter (1125-1137 oder 38)entsandte Adam als Gründungsabt nach Ebrach. Das sollte sich als Glücksfall für das neue Kloster erweisen.

Abt Adam war mit Bernhard von Clairvaux (1115-1153) befreundet, der ihn 1146/47 mit der Kreuzzugspredigt in Süddeutschland beauftragte. Seine Tätigkeit als Kreuzzugsprediger wird auch in einer Urkunde Konrads (1138-1152) dokumentiert. “ Konrad hält einen Hoftag ab, auf dem Abt Adam von Ebrach als Vertreter Bernhards von Clairvaux durch Verlesung von Briefen desselben und des Papstes und eine kurze Ermahnung fast alle Anwesenden, die wegen der herrschenden Erregung sich ohnedies dazu drängen, zur Kreuznahme bewegt” (RI Konrad III. – RI IV,1,2 n. 437) Er unterhielt Kontakte zu Hildegard von Bingen (*1098-1179) und Gerhoh von Reichersberg (* 1092-1169).

Er hatte auch einen Draht zu den  Mächtigen. Zu König Konrad hatte er ein besonderes Vertrauensverhältnis. Konrads Gemahlin Gertrud (* um 1110-1146) ist in der Klosterkirche von Ebrach bestattet, ebenso wiederen Sohn, Friedrich IV. (Herzog von Schwaben 1152-1167)

Konrad bestätigte einige Schenkungen an Kloster Ebrach.

Adam ist auch vielfach in der Umgebung von Friedrich Barbarossa (1152-1190) bezeugt. 1152 wurde er von Friedrich als Mitglied einer Gesandtschaft zu Papst Eugen III. (1145-1153)benannt, die diesem Friedrichs Wahlanzeige überbrachte. Papst Eugen war übrigens der erste Papst aus dem Zisterzienserorden und vor seiner Wahl zum Papst als Bernhard von Pisa Gründerabt der  Zisterzienserabtei Tre Fontane bei Rom. (RI Friedrich I. – RI IV,2,1 n. 72)

Die beiden Gründer waren nicht reich und so war die Grundausstattung des neuen Klosters eher spärlich. Aber es gab schon sehr früh Geldschenkungen. So schenkte der Bamberger Domherr Konrad Kloster Ebrach 40 Talente, die er für eine Pilgerreise

zum Heiligen Grab gespart hatte. Sie sollten zum Klosterbau, zum Kirchenbau und zum Kauf für Ackerland verwendet werden. (Elke Goez Das Zisterzienserkloster Ebrach in seiner fränkischen Umwelt ,Sonderdruck aus dem 98. Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelfranken 1996/99 ,

Anmerkung 12) Kaufkraftmäßig entspricht das heute etwa 36.000 €. Er kaufte Ackerland günstig ein. So erwarb  Kloster Ebrach 1140 vom Würzburger Kloster St. Burchhard 5 Mansen in Stockheim, die für dieses Kloster sehr ungünstig lagen für 24 Pfund. Das sind 125 Ar zu einem heutigen Preis von

etwa 7120 € . (Goez Anmerkung 14) Außerdem vergrößerte er den Ebracher Besitz durch geschickten Gütertausch. Es gelang ihm so, den Besitz  nicht nur räumlich zu vergrößern, sondern auch wirtschaftlich zu nutzen. Er schaute, dass die Liegenschaften an einem Tag erreichbar waren. Er mühte sich geschlossene Besitzkomplexe zu schaffen, da zusammen hängendes Land besser zu bearbeiten war. So tauschte er 1136 mit dem Abt von Fulda Grundbesitz in Alitzheim gegen Besitz in Schwanfeld und Brünnstadt. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1)

Schon 1134 konnte die erste Klosterkirche von Bischof Embricho geweiht werden. Aus diesem Anlass stiftete er dem Kloster mehrere Güter.

1142 nahm Papst Innozenz II. (1130-1143) Kloster Ebrach und seine Besitzungen in den Schutz der Römischen Kirche. Dabei wird ausdrücklich der Klosterhof in Würzburg erwähnt. Abt Adam richtete 1141 eine “Curia” in Würzburg ein.

Dieser Schritt stand eigentlich im Widerspruch zur Ordensregel. Denn diese untersagte den zisterziensischen Mönchen Besitz und Aufenthalt in Städten. Aber alle Zisterzienserklöster hatten dasselbe Problem. Sie bewirtschafteten ihren landwirtschaftlichen Besitz in Grangien.

Sie waren befähigte Verwalter und die Laienmönche, die Konversen, geschickte und oft spezialisierte Landwirte. Dazu kam neben Gehorsam, Keuschheit und Armut, zudem die Mönche verpflichtet waren, das Schweigegebot.

Keine Zeit sollte mit unnützem Geplauder vergeudet werden. Auch auf dem Feld sollte nur das unbedingt für den Fortgang der Arbeit Notwendige gesprochen werden. Es gibt sogar Hinweise auf eine spezielle Zeichensprache, die unter Konversen verwendet wurde. Selbst an bestimmten Feiertagen durften verschiedene Tätigkeiten nicht ruhen. Sie nutzten agrarische Innovationen und erwirtschaften praktisch zwangsläufig Überschüsse, die irgendwie vermarktet werden mussten. Die Grangien waren keine Erfindung der Zisterzienser. Sie wurden wohl in Hirsau erstmals eingerichtet. Neu war, dass die Wirtschaftshöfe Teil eines Verbundsystems aus ländlichen Produktionsstätten und städtischer Vermarktung (Stadthöfe) wurden.  Die Grangien waren oft auch auf Güter ausgerichtet, die am jeweiligen Standort besonders gut zu produzieren waren, z. B. Fische in Waldsassen, Wein in Eberbach.

Der Stadthof in Würzburg war der erste zisterziensische Stadthof auf deutschem Boden und wurde zu einem Vorbild für die anderen Konvente. Auch Ebrach richtete noch eine Reihe weiterer Stadthöfe ein.

Der Ebracher Hof in Würzburg wurde von Konrad III. schon 1146 von allen Abgaben befreit.(RI  Konrad III. – RI IV,1,2 n. *381)Auch Kaiser Friedrich erteilte dem Ebracher Hof in Würzburg eine Steuerbefreiung (RI Friedrich I. – RI IV,2,4 n. 3284 ) Die Urkunde ist nicht genau datiert und wurde ausgestellt zwischen zwischen dem 9. März 1152 – Ende Mai 1189. Heinrich VI. (1169-1194) bestätigte in einer Urkunde, die zwischen 1185 und 1191 ausgestellt wurde, die Steuerbefreiung des Ebracher Hofs in Würzburg ebenfalls. (RI Heinrich VI. – RI IV,3 n. D633). König Philipp von Schwaben (1198-1208) bestätigte im Mai 1205 ( StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 30) diesen Sachverhalt nochmals. Er bezog sich dabei auf die drei Vorgänger. Zusätzlich ordnete er an, dass von den Weinen, die das Kloster selbst erzeugt, weder die Klosterbrüder noch Personen, die diese Weine verkaufen, irgendwelche Abgaben zu entrichten haben.

Der Pfleghof in Bamberg war der zweite Stadthof von Kloster Ebrach. Zunächst aber teilte sich das Kloster den Hof mit Kloster Langheim und Kloster Heilsbronn. Urkundlich erwähnt ist der gemeinschaftlich betriebene Hof  schon 1196. Der Bamberger Bischof Timo (1196 –1201) beurkundete eine Streitschlichtung zwischen den drei Klöstern auf der einen Seite und seinem Ministerialen Gundeloch auf der anderen Seite.  August 1196 (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 26)

Am 27. März 1301 verkaufte der Nürnberger Bürger Rüdiger Soreich  mehrere Häuser sowie einen Garten und einen Baumgarten in der Pfannenschmiedgasse in Nürnberg an Kloster Ebrach (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 331)

Das war die Keimzelle des Ebracher Hofs, der ständig erweitert wurde. Abt Johannes I. Kaufmann von Würzburg (1474–89) errichte 1480 an der südlichsten Ecke des Hofes die St. Michaelskapelle,

Der Pfleghof in Schweinfurt ist seit 1431 nachgewiesen. Unter Abt Hermann III. von Kottenheim (1430-1437) kaufte Kloster Ebrach am 17. Oktober 1431 einen Hof in der Stadt Schweinfurt zur “Lagerung von Gütern des Klosters in dem Haus sowie den Verkauf von Klostergütern in der Stadt” (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 874)

Neben den Stadthöfen betrieb das Kloster Amtshöfe. Dort wurden Erträge und Abgaben eingesammelt und die Grangien verwaltet. Aber sie dienten nicht der Vermarktung. Manche Amtshöfe wurden später schlossähnlich ausgebaut wie in Burgwindheim, Sulzheim, Oberschwappach und Mainstockheim.

Am 28. Januar 1148 nahm Papst Eugen III. Kloster Ebrach in den Schutz der Römischen Kirche. Hatte Papst Innozenz zusammen mit dem Hof in Würzburg 6 Besitzungen namentlich erwähnt, so waren es in dieser Urkunde schon 15. Bis zum Jahr 1300 erhielt Kloster Ebrach 59 Papstprivilegien. (Elke Goez,

Anmerkung 44). Aber auch die deutschen Herrscher stellten Schutzurkunden für das Kloster aus, erteilten Abgabenbefreiungen, bestätigten Nutzungsrechte oder Privilegien und bestätigten Besitz. So wird Schwabach mehrfach bestätigt. Elke Goez führt in ihrer Anmerkung 45 aus,

dass Ebrach bis zum Tod von Friedrich III. (+ 19. August 1493) 38 Kaiserurkunden vorweisen kann, die der Absicherung des Klosters dienten, worunter sich allerdings auch vidimierte und transumierte Urkunden befanden.

Die Zisterze wurde rasch von vermögenden Personen aus angesehenem Stand gefördert.

Im September 1151 urkundete Konrad III., dass er auf Bitten von Abt Adam seinen Sohn veranlasst hatte , dem Kloster den Steigerwald zu schenken. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 9)

Kurz nach der Stiftung von Gütern anlässlich der Kirchweihe übergab im Februar 1152  der Bamberger Bischof Eberhard II. von Otelingen (1146 –1170 ) Kloster Langheim im Weiler Lindenau (heute ein

Ortsteil von Heldburg im Kries Hildburghausen in Thüringen) zu gemeinsamen Nutzung mit Kloster Ebrach eine Salzquelle. Konrad III. bestätigte dies mit seiner Urkunde vom 2. Februar 1152. (RI Konrad III. – RI IV,1,2 n. 787)

Der rasche Aufstieg der Abtei zeigt sich auch in den schnell folgenden Tochtergründungen. Nach den Statuten (Canivez, Statuta I , 1134/XII) waren zur Gründung eines Filialkloster 12 Mönche und ein Abt vorgeschrieben.

Die erste Tochtergründung wurde Kloster Rein in der Steiermark 1129, also nur zwölf Jahre, nachdem die Mönche aus Morimond in Ebrach eingetroffen waren. Der steirische Markgraf Leopold der Tapfere (1122-1129) hatte 1129 das Kloster

gegründet. Der erste Abt war Gerlach (1129- ca. 1164). Rein ist das weltälteste Zisterzienserkloster, wie es sich auf seiner homepage  selbst bezeichnet. Rein ist auch eine der frühesten Zisterzen, die sich auch um Seelsorge bemühte, was ursprünglich kein Anliegen des Ordens war.

Nur vier Jahre später wurden zwei Zisterzen in Franken gegründet, das Kloster Heilsbronn in Mittelfranken am 21.4.1133 und Langheim am 1.8.1133. Bischof Otto I. (1102 –1139 ) stiftete 1132 Kloster Heilsbronn. Es wurde schon 1139 als bischöflich-bambergisches Eigenkloster von Papst Innozenz II. bestätigt. Von 1297 bis 1625 war das Münster die Grablege der Fränkischen Hohenzollern. Der 1. Abt war Rapotho (1132–1157 ). Dann wurde er 2. Abt von Langheim und von 1166-1170 ist er als Nachfolger von Abt Adam in Ebrach nachgewiesen.

Kloster Langheim wurde 1132/1133 von drei Bambergern Ministerialen gegründet, hinter denen aber Bischof Otto von Bamberg stand. Der erste Abt war Adam (nicht identisch mit Abt Adam aus Ebrach) (1132–1180/81).

1145 wurde Kloster Nepomuk im Dorf Klášter gegründet.  Eine Mitwirkung des böhmischen Herzogs Vladislav II. (*um 1100-1174) gilt als wahrscheinlich. Der Gründungsabt ist nicht belegt. Für das Jahr 1177 ist ein Abt Konrad nachgewiesen.

Bischof Otto I. von Bamberg war auch in Aldersbach aktiv.  1120 war dort vom lokalen Adel ein Augustinerchorherrenstift gegründet worden. Bischof Otto unterstützte das Stift kräftig. Ottos Nachfolger in Bamberg, Bischof Egilbert (1139-1146) transferierte den Konvent 1146

nach Reichersberg und wandelte Aldersbach in ein Zisterzienserkloster um. Dahinter stand vielleicht die Überlegung, das Moorgebiet im Tal der Vils von Mönchen des im Landbau erfahrenen Zisterzienserordens kultivieren und wirtschaftlich erschließen zu lassen.  Erster Abt war

Siegfried (1146–1182) und Aldersbach die fünfte Tochter von Ebrach.

Das dritte Filialkloster in Franken wurde 1158 gegründet. Es wurde 1156 von Hermann von Stahleck gestiftet. Hermann war der Sohn von Goswin, dem Lehensherr der Gründer von Ebrach. Hermann wurde von seinem Schwager König Konrad III. 1142/43 mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein  belehnt.

Kurz vor seinem Tod stiftete er Kloster Bildhausen, das erst 1158 mit Mönchen aus Ebrach besiedelt wurde. Der erste Abt war Heinrich,, der von 1158-1190 regierte. Herrmann wurde zunächst in Ebrach bestattet und nach der Fertigstellung der Kirche von Bildhausen fand er dort seine letzte

Ruhestätte.

1146 wurde in Wilhering im heutigen Oberösterreich an der Donau ein Zisterzienserkloster als Filiale von Kloster Rein besiedelt. Allerdings drohte nach knapp 40 Jahren schon das Ende des Klosters. Das in Citeaux tagende Generalkapitel beschloss, das Kloster von Ebrach aus neu zu besiedeln.

Das war in der Regierungszeit des 4. Abtes von Ebrach, Burkhard I. (1182-1187). Er schickte Heinrich mit einem Gründungskonvent nach Wilhering, der dort aber nur ein Jahr im Amt war. Wilhering wurde Ebrach als Filialkloster unterstellt. Die nächsten 4 Äbte hatten ihre Profess alle in Ebrach abgelegt.

Abt Otto von Niest regierte in Wilhering von 1193 bis 1201. Er resignierte 1201 und kehrte dann nach Ebrach zurück. Abt Eberhard (1208-1215) hatte seine Profess ebenfalls in Ebrach abgelegt. Er wurde 1215 als Abt nach Ebrach abberufen. Dort resignierte er 1219 und starb kurz danach

Im Jahr 1342 wurde das niederländische Kloster Eytheren (Ysselstein) ins Leben gerufen, allerdings gehörte das Kloster nur bis 1412 zur Ebracher Filiation, denn damals trat Ebrach die Zisterze an den Abt von Kloster Altenberg im Bergischen Land ab. Abt in Ebrach war bei der Gründung

des holländischen Klosters Albert von Anfeld (1328-1344). Die Übergabe an Kloster Altenberg geschah im Abbatiat von Heinrich Heppe  (1404 bis 1426), der gezwungen war einen rigiden Sparkurs zu fahren, der möglicherweise auch zur Übergabe von Eytheren an Altenberg geführt hatte.

Als letztes Kloster kam Kloster Bronnbach in die Filiation von Ebrach. Zwar war Bronnbach schon 1151 als Tochterkloster von Maulbronn gegründet worden. Als Herzog Ulrich von Württemberg (1498-1519 und 1534-1550) in Württemberg 1534 die Reformation einführte und in der weiteren Folge die Württembergischen Klöster aufhob, verlegte der Maulbronner Abt Johannes IX. von Maulbronn (1521-1547) am 28. September 1537 die Abtei nach Pairis im Elsass. Kloster Bronnbach wurde der Abtei Ebrach unterstellt. (siehe dazu auch Mei Büchle, Kloster Maulbronn und Kloster Bronnbach)

Ebrach hatte auch die Aufsicht über die Zisterzienserinnen in den Klöstern Schönau (Gemünden am Main), Birkenfeld (Neustadt an der Aisch), Himmelspforten (Würzburg-Zellerau) und Maidbronn (Ortsteil von Rimpar in Bayern).

Der Klosterbesitz mehrte sich ständig. Nach der
Stiftung des Steigerwaldes schenkte Friedrich von Rothenburg dem Kloster auch das Dorf Schwabach und die dortige Pfarrkirche. Die Stiftungsurkunde ist zwar verloren. Sie wird aber in mehreren Kaiserurkunden bestätigt, erstmals von Heinrich VI. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 24)

Abt Adam hatte neun Jahre nach der Gründung den klösterlichen Grundbesitz in 4 Grangien organisiert und bewirtschaftet. Den vier Grangien Mainstockheim, Alitzheim, Kaltenhausen bei Volkach und Morsbach folgten zu Adams Lebzeiten noch drei weitere, nämlich

Mönchherrnsdorf bei Burgwindheim, Waldschwind und Sulzheim. Warum waren die Zisterzienser so erfolgreich? Bei den Zisterziensern war nicht nur die Kontemplation sondern der eigenen Hände Arbeit Ordensideal. (Canivez Statuta I 1134/, S. 14).

Sie hatten auch das Institut der Konversen optimiert und so die Frage der Arbeitskräfte zu mindestens in ihrer Anfangszeit bestens gelöst. Auf die Schaffung geschlossener Besitzkomplex wurde oben schon hingewiesen. In der täglichen  Arbeit griffen sie agrarische Innovationen auf.

Sie brachten neue Düngemethoden zum Einsatz. Z. B. diente eine Grangie in Kloster Eberbach,der Neuhof, wo Viehzucht betrieben wurde, nicht nur der Nahrungsversorgung des Klosters sondern vor allem zur Erzeugung von Dünger für die Weinberge. (siehe Mei Büchle Kloster Eberbach)

Sie waren Spezialisten in der Wasserwirtschaft, was man sowohl in Ebrach als auch in Waldsassen hervorragend sehen kann. Sie kümmerten sich um die Verbesserung des Getreideanbaus. Sie kümmerten sich um die Obstkulturen. So führten sie Waldsassen zum Beispiel die Sorte Reinette ein,

die sie aus Burgund mitgebracht hatte. Gleiches gilt für den Weinbau. In Eberbach wurde die Burgunderrebe angesiedelt. Die Silvanerrebe wurde in Franken von Abt Alberich Degen 1665 in Franken eingeführt. Nach Maulbronn wurde die Traminerrebe gebracht. Dort arbeiteten

die Zisterzienser mit Terassenweinbau und zum Weinbau im Elsass siehe Pfleger, Lucien: Die Zisterzienserabtei Neuburg im Heiligen Forst und der Weinbau im unteren Elsass. In: Bulletin de la Société d´Histoire et d´Archéologie de Haguenau, 1930-32. S. 101-110.

In fast allen Zisterzienserklöstern spielte die Schafzucht eine Rolle. Einmal waren die Schafe natürlich Nahrungsquelle. Aber auch die Wolle für die Kutten wurde gebraucht. Und die Schreibstuben der Klöster brauchten Pergament. Die Schafhaltung schlug sich auch in der Bepflanzung nieder.

Es wurden z. B. Pflanzen angebaut, die dem Schafsverbiß widerstehen.

Abt Adam starb an einem 23. November, frühestens 1167, spätestens 1169. Seine Gebeine ruhen seit 1697 im Mausoleum der Ebracher Abteikirche.

Auf Adam folgte Rapotho als 2. Ebracher Abt. Er stammte wohl aus dem Geschlecht der Grafen von Abenberg. Ihr Stammsitz ist Burg Abenberg in Abenberg im heutigen Landkreis Roth. Diese hatten im Auftrag von Bischof Otto I. Kloster Heilsbronn gegründet.

Dort war Rapotho von 1132-1157 der erste Abt. Dann wechselte er nach Kloster Langheim, wo er  zweiter Abt wurde. (diese Angaben aber  bei wikiwand und wikipedia. die Biographia Cisterciensis führt  einen Abt Rapoto von 1181-1207, was aber von den Lebensdaten nicht passt.

In Ebrach wir Rapotho von 1160-1170 geführt. Er erwarb mehrere Güter für Ebrach. Er resignierte 1170 und starb nach 1170.

Der dritte Abt wurde Konrad.I (1178-1180). Von ihm weiss man nur wenig. Arnold Truchsess von Rothenburg erhielt von den Staufern die Erlaubnis, zur Sicherung von seinem und seiner Familie Seelenheil einen den Staufern gehörenden Hof in Elgersheim dem Zisterzienserkloster Ebrach im Steigerwald zu stiften. Dies geschah 1178 in der Amtszeit von Abt Konrad I. Kloster Ebrach richtete später in Elgersheim einen Amtshof ein.

Sein Nachfolger wurde Burkard I. (1182-1187).Er wurde in drei Papsturkunden erwähnt.Papst Lucius III.(1181-1185) nahm  am 3. Mai 1182 Kloster Ebrach mit all seinen Besitzungen in den Schutz der Römischen Kirche. (RI Lucius III. – RI IV,4,4,1 n. 21)Am 22. November 1183 gewährte er Abt und Konvent 

die Befreiung von der Entrichtung des Zehnten an die Würzburger Archidiakone.(RI Lucius III. – RI IV,4,4,1 n. 860)

1185 geriet das Kloster Wilhering in Oberösterreich in Not. Das in Citeaux tagende Zentralkapitel beschloss, das Kloster von Ebrach aus neu zu besiedeln. Es wurde Kloster Ebrach unterstellt. Abt Burkhard schichte Abt Heinrich und einen neuen Gründungskonvent nach Wilhering (s.o.)

In einer Papsturkunde von Papst Gregor VII.(Okt.1187-Dez 1187) stellte am 30.10.1187 eine Urkunde aus, die an Burkard gerichtet war und in der er Kloster Ebrach von den Zehnten befreit. (RI Gregor VIII. – RI IV,4,4,3 n. 1308). Burkard starb wohl im Jahr 1187.

Auf ihn folgte Abt Herrmann I.(1194-1200). Am 2. Januar 1194 musste der Würzburger Bischof Heinrich von Berg (1191-1197) Kloster Ebrach Güter zurückerstatten, die er dem Kloster widerrechtlich entzogen hatte. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 22) Kaiser Heinrich VI. beurkundete diesen Vorgang auch am 2. Januar 1194. (RI Heinrich VI. – RI IV,3 n. 330) Heinrich VI. erstattete am 16. Juli 1195 die Pfarrei Schwabach dem Kloster Ebrach zurück, die Friedrich von Rothenburg Kloster Ebrach geschenkt hatte und die Friedrich I. dem Kloster entfremdet hatte. (RI Heinrich VI. – RI IV,3 n. 463).

König Philipp von Schwaben bestätigte diese Schenkung am 15. März 1200. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 25)

1200 wurde der Grundstein zur gotischen Stiftskirche und zur Michaelskapelle gelegt.

Abt Hermann starb an einem 20. Mai. Das Jahr liegt nicht fest. Er ist bis 1200 nachgewiesen. Sein Nachfolger Meingoth ist 1204 zum ersten Mal erwähnt.

Am 13. Oktober 1204 nahm Papst Innozenz III. Kloster Ebrach mit allen seinen Angehörigen und Besitzungen in den Schutz der Römischen Kirche.Die Besitzungen wurden aufgezählt und Papst Innozenz bestätigte auch die von seinen Vorgängern verliehenen Privilegien und Freiheiten.

(StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 28)

In Meingoths Regierungszeit fiel auch die Abgabenbefreiung des Ebracher Hofs in Würzburg an (s.o. Mai 1205).

Am 24. Februar 1209 bestätigte Kaiser Otto IV. (1209-1218)den Besitz der Pfarrei von Schwabach. (RI Otto IV. – RI V,1,1 n. 271)

Abt Meingoth resignierte 1212. Sein Sterbedatum 24. Mai 1219 ist gesichert.

Sein Nachfolger wurde Abt Eberhard I. (1215-1219).  Er trat wohl schon früh in die Abtei Ebrach ein. Er wurde von Kloster Ebrach ins Stift Wilhering geschickt, um dort die Abtsstelle anzunehmen. Nach der Resignation von Meingoth wurde er

nach Ebrach zurückgerufen, nachdem dort der Abtsstuhl seit 1212 verwaist war. Am 14. April 1219 kaufte Abt Eberhard von dem Würzburger Diakon Konrad den Hof Sonderhofen in Würzburg für 61 Mark. Hier richtete dann Abt Winrich ein Studienhaus des Zisterzienserordens ein

(StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 45) Der Verkauf wurde von dem Würzburger Bischof Otto von Lobdeburg (1207-1223) beurkundet.

Abt Eberhard resignierte im Jahr 1219 und starb kurz darauf.

Zu seinem Nachfolger wurde 1220 Abt Engelbert (1220-1236) gewählt.

Die Grafen von Castell zählten im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts und Anfang des 13. Jahrhunderts mit zu den großzügigsten Stiftern von Kloster Ebrach. So befreite Graf Rupert II. (+ um 1234)alle Weingüter, die aus Casteller Besitz an Ebrach gelangt sind, von der Vogtei (Goez Anmerkung 50)

Außerdem wurden 1225 länger schwelende Streitigkeiten zwischen dem Grafen und Kloster Ebrach beendet. Es ging um einige Weinberge und Güter in Kaltenhausen , Ober- oder Untereisenheim , Fahr  und Elgersheim , die der Graf dem Kloster zu Unrecht entzogen hatte. Der Graf verzichtete auf

seine Ansprüche und gab die Güter dem Kloster zurück.(StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 58)

Im Juni 1235 bestätigte Kaiser Friedrich II. (1212-1250) die von ihm am 24. Februar 1213 in Nürnberg ausgestellte Urkunde (RI Friedrich II. – RI V,1,1 n. 694) wegen  des Besitzes der Pfarrei Schwabach.(StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 68)

Abt Engelbert resignierte im Jahr 1236 und starb später an einem unbekannten Ort.

Abt Alhard (1238-1244) taucht 1238 in einem Vergleich zwischen dem stiftischen Schultheißen in Fahr  Lenther sowie Abt Alhard und dem Konvent des Klosters Ebrach. Außerdem wird ein Gütertausch vorgenommen. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 74).

Im November 1240 nimmt Konrad IV.(1237-1250) auf Bitten von Abt Alhard Kloster Ebrach und seine Besitzungen in seinen und des Reiches Schutz. Besonders hervorgehoben wird das Gut Schwabach und die dazu gehörende Pfarrkirche. (RI Conrad IV. – RI V,1,2 n. 4433)

1243 beurkundet der Würzburger  Bischof Hermann I. von Lobdeburg (1225-1254)den Verkauf von Gütern in Brünnstadt für 300 Mark Silber, das sind nach heutigem Wert etwa 48.459,00 €, an Abt Alhard und den Konvent von Ebrach. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 79)

Abt Alhard resignierte 1244.

Auf ihn folgte Heinrich I. (1244-1252). Er taucht in 2 Schenkungsurkunden auf (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 91 und 92) und 1251 in der Übertragung des Zehnten in Großgressingen durch Bischof Hermann I. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 95)

Abt Heinrich resgnierte 1252 und starb im selben Jahr.

Auf ihn folgte Abt Berthold (1252-1262). Er wurde 1252 zum ersten  Mal erwähnt. Im 13. Jahrhundert erhielt das Kloster oft Güter geschenkt, für deren Übereignung sich die Ordensbrüder zu einem Jahrtag verpflichteten oder der Stifter machte die Zusicherung einer

Begräbnisstätte in Ebrach als Bedingung. So erhielt das Kloster am 24. November 1254 von Hermann von Lisberg und seiner Ehefrau, aus einer fränkischen Adelsfamilie stammend, die vor allem im Aurachgrund begütert war, “einen Hof, eine Mühle sowie Äcker, Wiesen und Weinberge in Mainbernheim (Bernheim). Dafür sollen die Mönche das Jahrgedächtnis von Hermanns Vater Eberhard von Lisberg sowie der Eheleute begehen. Sollte Hermann von Lisberg ein Begräbnis im Kloster wünschen, dann ist ihm ein solches zu gewähren” (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 99)

Am17. Februar 1260 bestätigte Papst Alexander IV.(1254-1261) Abt und Konvent von Ebrach den Besitz der Pfarrkirche in Schwabach. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 118)

1260 übertrug der Bamberger Bischof Berthold Graf  von Leiningen (1257-1285) Kloster Ebrach den Zehnten von Köttmannsdorf, heute Teil vom Markt Hirschaid in Oberfranken. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 120).

1262 löste Abt Berthold die Vogtei über das Dorf Kaltenhausen von den Grafen Heinrich (1253- um 1289) und Hermann (+ um 1289) von Castell aus.(StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 125)

Abt Berthold resignierte im Jahr 1262.

Sein Nachfolger wurde Abt Nikolaus I. (1262-1271).

Am 26. März 1286  verkauften Hermann I. von Castell (s.o.) und seine Frau  Sophia zur Linderung ihrer Schuldenlast ihre Güter in dem Dorf  Schallfeld, heute Ortsteil der Gemeinde Lülsfeld. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 133).

Am 9. Juni 1268 bestätigte Papst Clemens IV. (1265-1268)Abt und Konvent von Kloster Ebrach alle Privilegien, Freiheiten und Immunitäten, die seine Vorgänger dem Kloster verliehen haben, sowie alle Befreiungen von weltlichen Abgaben, die der Abtei von Königen, Fürsten oder anderen Gläubigen gewährt wurden. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 134).

Am 23. Februar 1269 schenkte Eberhard von Thüngveld, aus einem fränkischen stifts-und ritterbürtigem Geschlecht Kloster Ebrach das Dorf Haag mit allen Zugehörungen sowie den Zehnt- und Vogteirechten. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 135)

Auch Bürger begannen dem Kloster Stiftungen zu übereignen. So schenkte der Würzburger Bürger Albert von Dinkelsbühl Kloster Ebrach seinen Hof in Würzburg. Dafür sollte sein Jahresgedächtnis begangen werden und er eine Begräbnisstätte in Ebrach erhalten.

Eine weitere interessante Bedingung enthielt die Stiftungsurkunde : “Sollte der Schenker unverschuldet in Not geraten, dann wird er vom Kloster bis zu seinem Lebensende mit allem Notwendigen versorgt.” Gesiegelt wurde die Urkunde vom Würzburger Dompfarrer und der Stadt Würzburg.

(StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 137) Daraus kann man ersehen, dass die Stadt durchaus daran interessiert war, dass ihr ihre Bürger, wenn sie bedürftig waren, nicht zur Last fielen

Abt Nikolaus resignierte 1271 und starb noch im selben Jahr.

In den letzten drei Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts erfolgten fast jährlich Käufe von Kloster Ebrach . Außerdem erhielt das Kloster verschiedene größere Schenkungen und Vermächtnisse und so konnte es in dieser Zeit seinen Besitz fast verdoppeln.

1272 wurde der Ort Siegendorf, heute Ortsteil des Marktes Oberschwarzach im Kreis Steinfurt, teils durch Kauf, teils durch Tausch aus der Hand mehrerer Besitzer erworben. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 142

Abt Berengar (1271-1276) wurde als 13.  Abt zum Nachfolger von Abt Nikolaus  gewählt. In einer Tauschurkunde vom 22. April 1371 ist Berengar als Prior  und Zeuge genannt. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 141)

Am 18. Mai 1274 bestätigte Papst Gregor X. (1271-1276) Abt und Konvent  von Ebrach alle ihnen von seinen Vorgängern verliehenen Privilegien, Freiheiten und Immunitäten sowie die dem Kloster von Königen, Fürsten und anderen Gläubigen gewährten Befreiungen von weltlichen Abgaben.

(StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 152)

Am 15. Dezember 1274 bestätigte König Rudolf von Habsburg dem Kloster die Schenkung des Gutes Schwabachs und der Pfarrkirche durch Herzog Friedrich von Rothenburg. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 154)

Eine größere Schenkung erhielt das Kloster am 31. Dezember 1274. Heinrich von Zavelstein, mit dem das Geschlecht 1298 ausstarb, schenkte Kloster Ebrach den Gangolfsberg in der Rhön mit allen dazugehörigen Wäldern, Gütern und einer Kirche, die dem heiligen Gangolf geweiht war. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 155)

Am 29. November 1275 kaufte Abt Berengar vom Würzburger Bischof Berthold von Sternberg (1274-1287) die Burg Spiesheim mit allen Zugehörungen und Rechten in den Dörfern Ober- und Unterspiesheim für 190 Mark Silber. (das entspricht etwa 30.691,00 €, kaufkraftmäßig aber

ungefähr 92.072,00 €.) (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 161)

Abt Berengar resignierte 1276. Er starb am 20. August 1276.

Sein Nachfolger wurde Abt Winrich (1276-1290) Er hatte seine Profess in Kloster Waldsassen abgelegt. Von 1262-1276 war er Abt im Zisterzienserkloster Žďár (deutsch Kloster Saar), das 1252 von Mönchen des Klosters Nepomuk in Böhmen besiedelt.

1262 war er dort von den Mönchen von Žďár zum Abt gestimmt worden. Eine seiner ersten Amtshandlungen, die überliefert sind, war der Besuch des Generalkapitels in Citeaux 1263. Im Jahr 1263 rissen die Mönche von Žďár ihre alten Behausungen im Tal ab

und zogen in ein neues Kloster, das auf dem Berg lag. Unter Abt Winrich vollendete man den neuen Kapitelsaal. Sein größtes Werk war aber die Fertigstellung der steinernen Kirche. Nach der Vollendung wurde der Chor ausgemalt. 1264 weihte man den Hochaltar und die Gebeine

von Boček von Jaroslavice und Zbraslav wurden in die neue Kirche umgebettet. Er hatte 1252 das Kloster gegründet. 1264-1276 wurde das Langhaus der Kirche gebaut.

Nachdem Abt Berengar resigniert hatte und kurz danach verstarb, wurde in Ebrach ein Nachfolger gebraucht. Gegen den Willen des Konvents von Žďár wurde Abt Winrich  nach Ebrach geschickt. Dort wurde seit 1200 an der neuen Kirche gebaut. Sie stand kurz vor der Fertigstellung.

In Žďár hatte Winrich seine Fähigkeiten ja bereits unter Beweis gestellt. 1285 wurde die Kirche von dem Würzburger Bischof Berthold II. von Sternberg (1274- 1287) geweiht.

Aber nicht nur um den Kirchenbau kümmerte sich Abt Winrich. Er sorgte auch tatkräftig für den Klosterbesitz.

Am 6. Oktober 1278 beurkundete Bischof Berthold II. , dass Ludwig von Windsheim ins Kloster Ebrach eintreten will und deshalb seine Burg Burgwindheim mit den Dörfern Burgwindheim und weiteren Dörfern Kloster Ebrach schenkte. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 175)

Am 2. November 1281 verzichtete Sibeck von Windsheim, der Onkel von Ludwig von Windsheim ebenfalls auf alle Rechte an Burg und Dorf Burgwindheim. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 191)1279 kaufte Abt Winrich von Heinrich von Stollberg eine Mühle in Beitbach (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 180) 1282 tätigte er mit Heinrich von Stollberg auch den Teilerwerb von Mittelsteinach. (Hildegard Weiss, Die Zisterzienserabtei Ebrach, Stuttgart 1962, S.12)

Am 20. August 1281 verkaufte er an König Rudolf von Habsburg das Gut Schwabach mit den zugehörigen Gütern, Rechten und Untertanen. Ausgenommen sind die Pfarrkirche mit ihren Ausstattungsgütern, die Zehnten und der Klosterhof mit seinen Zugehörungen. Der König bezahlt dafür dem Kloster 750 Pfund Heller in festgelegten Raten. Das entspricht kaufkraftmäßig etwa 331.030,00 €. Dafür stellte er mehrere Bürgen, unter anderem den Burggrafen Friedrich III. von Nürnberg (1260-1297) (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 190).

Am 13. März 1283 verkaufte der Würzburger Bischof Berthold II “wegen drängender Schulden” die hochstiftischen Güter und Rechte in Herlheim sowie den Forst Hörnau  an Abt Winrich und den Konvent des Klosters Ebrach für 800 Pfund Heller(kaufkraftmäßig etwa 353.100 €.)(StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 195)

Nicht nur durch Kirchenbau und Güterverwaltung war die Regierungszeit von Abt Winrich geprägt. 1242-1255 war Stephen von Lexinton Abt von Clairvaux. Vorher war er Abt im englischen Stanley Abbey in Wiltshire. Aufgrund seiner Erfahrungen in Irland und England war er überzeugt, dass die

Novizen des Zisterzienserordens besser geschult sein müssen. Er griff die Pläne seines Vorgängers Abt Evrard (1235–1238) auf, in Paris eine Schule des Zisterzienserordens einzurichten. Das Collège des Bernardins nahm 1250 seine Arbeit auf. Es stand unter der Aufsicht der Äbte von Clairvaux, die auch die Schulleiter ernannten. 1245 überzeugte er das Generalkapitel nach dem Vorbild des Dominikanerordens ein Ausbildungs- und Lehrkonzept für den Zisterzienserorden einzuführen. Nach dem Beschluss des Generalkapitels sollte jeder Abt nach Möglichkeit eine Schule für seine Mönche gründen.

Darauf aufbauend sollte jede Ordensprovinz ein spezialisiertes Theologiestudium anbieten , das für begabte Mönche offenstehen sollte.

Abt Winrich kam diesem Beschluss nach und richtete 1284 in Würzburg im Hof Suderhofen ein Collegium . Der Generalabt Jean II. de Ballon (1266– 1284  förderte dieses und räumte ihm die gleichen Rechte ein, wie es das Collège des Bernardins in Paris hatte.

1285 war die neue Kirche in Ebrach fertiggestellt und der Würzburger Bischof Berthold II. weihte sie am 9. September 1285 feierlich ein.

Die dreischiffige Gewölbebasilika mit Querhaus ist ein Meisterwerk der Frühgotik in Deutschland.Sie  hat einen gerade geschlossenen Chor mit Umgang und Kapellenkranz und verweist auf das Vorbild Cîteaux, wo 1193 diese Chorlösung entstand.

Am 14. Januar 1286 kaufte Abt Winrich in Nürnberg  ein Haus am Fischbach mit Zubehör für 130 Pfund Heller. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 216)

Als Bischof Berthold II. 1287 starb, wurde sein Herz in der Klosterkirche von Ebrach bestattet. Möglicherweise wurde auch schon das Herz von Bischof Siegfried (*1150) in Ebrach bestattet. Mit Bischof Berthold hatte sich dieser Brauch aber eingebürgert.

Erst mit dem Nachfolger von Julius Echter (1573-1617) Johann Gottfried (I.) von Aschhausen ( 1617-1622) endete diese Tradition. Die Herzen von mindestens 37 Würzburger Oberhirten wurden also in Ebrach beigesetzt, möglicherweise ein sichtbares Zeichen

für das Bemühen der Würzburger Bischöfe, die Hand nach Ebrach auszustrecken.

Eine der letzten Käufe Abt Winrichs waren die Güter des Konvents von Münsterschwarzach in Untersambach. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 243) Abt in Münsterschwarzach war Sifrid (1288–1316 ). Er musste die in Auseinandersetzungen kleinerer Adelsgeschlechter und den Fürstbischöfen von Würzburg zerstörten Baulichkeiten der Abtei wieder herstellen und Klosterschulden abtragen, wohl ein Grund für den Verkauf. Schon zwischen 1248 und 1271 (Datierung der Urkunde) war Kloster  Münsterschwarzach zu einem Güterverkauf wegen großer Schäden, die es erlitten hatte, gezwungen.

(StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 144)

Abt Winrich starb am 11. April 1290 . Er wurde im südlichen Querhaus der Klosterkirche bestattet.

Sein Nachfolger wurde Abt Hermann II. (1290-1306). Von 1278-1290 war er Abt in Kloster Langheim.

Einen großen Kauf tätigte er im März 1296, als er von Abt Ekkehard von Schwabsberg (1278-1309) und dem Konvent von Ellwangen die Pfarrei Katzwang mit der Pfarrkirche und deren Patronatsrecht für 470 Pfund Heller kaufte. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 295). Das ist heute ein Stadtteil von Nürnberg

und wurde früher im Klosteramt Katzwang zusammengefasst.

Am 30. September 1297 verbriefte Bischof Manegold von Neuenburg (1287-1303) den fränkischen Zisterzienserklöstern das Recht, ihre Güter und Waren frei und ohne Abgaben in die Stadt Würzburg zu bringen, dort zu lagern und zu verkaufen. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 307)

Abt Hermann starb 5. Oktober 1306.

Auf ihn folgte Friedrich III. von Leuchtenberg (1306-1328) Er war der älteste Sohn des Landgrafen Friedrichs II. von Leuchtenberg (1244-1284). Die Familie war ein mittelalterliches  Adels-und Herrschergeschlecht in der Oberpfalz. Die Landgrafschaft Leuchtenberg, heute ein Markt im Landkreis

Neustadt an der Waldnaab, war damals das größte nicht-wittelsbachische und nicht geistliche Territorium in Bayern.

Friedrich trat in die Zisterzienserabtei Aldersbach ein. 1304-1306 war er Abt im Kloster Langheim. 1306 wurde er Abt in Ebrach.

Am 9. Juni 1308 vermachte Konrad Burggraf, genannt der Fromme (1220-1314) in seinem Testament Kloster Ebrach seine vier Güter in Clarsbach und seinen Hof in Büchenbach. Außerdem vermachte er dem Kloster 10 Pfund Heller für die Exequien. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 364)

Er hatte  sein Begräbnis in Kloster Ebrach gewählt.

1309 bekam das Kloster einen Hof mit Garten und mehreren Weinbergen geschenkt. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 367).

Insgesamt erhielt Kloster Ebrach viele Stiftungen und tätigte auch Käufe, so z.B. mit dem Stift St. Gangolf zu Theuerstadt, das ist das vierte Bamberger Stift. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 386)

1315 kaufte das Kloster eine Mühle bei Marktbreit. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 411-413).

Am 13. April 1328 setzte Papst Johannes XXII.(1316-1334), gegen den  es in Deutschland wegen des starken französischen Einfluss an der Kurie sowie seine Politik gegen gegenüber Ludwig IV. (Kaiser von 1328-1347) eine stark antipäpstliche Stimmung gab, Friedrich zum Bischof des Bistums Eichstätt

ein. Das geschah allerdings gegen das Wahlrecht des Domkapitels und gegen den Willen des Volkes und des Klerus. Zwar war Friedrich der 1. von zwei Bischöfen, die aus Ebrach kamen. Volk und Klerus verweigerten ihm den Einzug in der Stadt. So hielt er sich abwartend auf der Burg Holnstein

bei Berching auf. Er starb 1329 ohne die Bischofsweihe erhalten zu haben.

Nach der Berufung von Friedrich zum Bischof wurde Albert von Anfeld (1328-1344) zum 17. Abt von Kloster Ebrach gewählt.

Von der Deutschordenskommende in Würzburg kaufte Abt Albert Weinberge in Ochsenfurt. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 489)

Von Papst Johannes XXII. erhielt Kloster Ebrach die Genehmigung ein “subsidium karitavium” von deutschen Zisterzienserklöstern einzufordern. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 495-499)

Abt Albert kaufte mehrere Höfe in der Umgebung, sowie eine Reihe von Weinbergen am Main

Abt Albert verstarb am 13. August 1344.

Auf ihn folgte Abt Heinrich II. (1344-1349). Auch er mehrte den Klosterbesitz und kaufte eine Reihe von Gütern. Er starb nach fünfjähriger Regierungszeit am 6. Mai 1349.

Sein Nachfolger wurde Abt Otto Jäger. Er stammte aus Deutsch-Matrei, heute Matrei am Brenner. Er trat unter Abt Konrad I. Walder von Füssen in die Zisterzienserabtei Stams ein. Dort studierte er Theologie und erreichte akademische Grade.

1349 wechselte er in die wesentlich größere Abtei Ebrach, die ihm mehr Entfaltungsmöglichkeiten bot. Im Jahr seines Wechsels wurde er zum Ebracher Abt gewählt.

Am 4. Mai 1352 bestätigte König Karl IV. (1346-1378- Kaiser war er ab 1355) Kloster Ebrach dass es nur dem Reich unterworfen ist und allein seinem Schutz untersteht, alle von seinen Vorgängern verliehen Freiheiten und Privilegien sowie seinen gesamten Besitz.

(StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 613). Besonders hob er dabei die Pfarrei Schwabach hervor. Die Pfarrei war  1212 durch den Eichstätter Bischof Hartwig von Grögling–Dollnstein (1196-1223) Kloster Ebrach inkorporiert worden. Die Einkünfte, die das Kloster aus der Pfarrei bezog,

scheinen später die Begehrlichkeit von dritten geweckt worden. 1299 gelangte Emich I. Graf von Nassau-Hadamar (+1334) in den Besitz von Schwabach. Seinen Söhne Johann (+1365) und Emich II.(+ 1359), beide wegen zahlreicher Fehden ständig in Geldnot, war es wohl gelungen,

sich gegen geltendes Recht in den Besitz der Rechte an der Pfarrei Schwabach zu bringen.  Am 19. August 1353 folgte eine weitere Urkunde von Karl IV. Darin befahl er den beiden Grafen, die Pfarrei Schwabach mit allen Zugehörungen und den zur Pfarrei gehörenden Zehnten an Ebrach zurückzugeben

(StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 620). Auf Bitten von Gräfin Anna von Nassau, der Mutter der beiden Grafen, genehmigte Abt Otto 1355 den Bürgern von Schwabach, eine Stiftung einzurichten, damit ein Priester täglich die Frühmesse liest.67 Die Bürgerdurften den Geistlichen bestimmen, dessen Einsetzung erfolgte jedoch durch das Kloster. Finanzielle Verpflichtungen übernahm Ebrach nicht, die Besoldung des Geistlichen muss demnach über die Stiftung der Bürgerschaft erfolgt sein. (Kirche in Schwabach im Mittelalter1- Wolfgang Dippert, Stadtarchiv, 2021, S.11)

Endgültig gelöst waren die Probleme damit noch nicht, wie eine Urkunde vom 6. Juli 1379 von Kardinal Pileus belegt. “Auf Bitten der Empfänger befiehlt der Aussteller den Pfarrvikaren an den dem Kloster inkorporierten Pfarreien Schwabach, Katzwang, Erlenbach und Burgebrach mit den ihnen zugeteilten Pfründen und Einkünften zufrieden zu sein und keinerlei weitergehende Forderungen an die Empfänger zu stellen. Kardinal Pileus war 1379 päpstlicher Legat in Deutschland
Aussteller: Kardinal Pileus” (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 695)

Papst Urban VI. (1378-1389) erlaubte am 11. Dezember 1379 Abt Otto und seinen Nachfolgern das Tragen von Mitra, Rind und anderen bischöflichen Insignien.(StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 697)

Auch Otto mehrte den Klosterbesitz. Von den Päpsten Urban V. (am 23.5.1369) und Gregor XI.(am 4.2.1372) erhielt Abt Otto die Privilegien des Kloster bestätigt.

Abt Otto starb am 8. Juni 1385 .

Zum seinem Nachfolger wurde Peter I. (1385 bis 1404) gewählt. Seine Regierungszeit war aber überschattet vom Würzburger Städtekrieg. Es ging hier um Auseinandersetzungen zwischen dem Bürgertum und dem Bischof in Würzburg. Im 13. Jahrhundert wurde dieser Konflikt langjährig

und regelmäßig und blutig ausgetragen. 1296 hob der Bischof Manegold (1287-1303)den Rat der Stadt auf. Er versuchte auch die Klosterhöfe der Zisterzienser zu besteuern, was die Klöster unter anderem mit dem Hinweis auf die Bulle von Papst Bonifaz VIII. (1294-1303) Clericis laicos

vom 25. Februar 1296 zurückwiesen. Darin geht es um eine Steuererhebung für den Klerus. Darauf griffen die Bürger die Stadthöfe an. Bischof Manegold verhängte dann ein Interdikt. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts schien der Bischof gesiegt zu haben. Die bürgerlichen Eliten

verließen sukzessive die Stadt, was deren Wirtschaftskraft minderte. Bischof Gerhard von Schwarzburg (1372-1400) versuchte das verschuldete Hochstift zu sanieren, was den fiskalischen Druck auf die Stadt verstärkte. Der Konflikt eskalierte erneut.

Auch auf Ebrach wirkte sich das konkret aus. König Wenzel (1376-1400) erließ am 08.0ktober 1397 folgende Urkunde: “Da der von Reichs wegen zum Schirmer des Klosters Ebrach ernannte Bischof Gerhard von Würzburg aufgrund seines Krieges mit den Städten seines Hochstifts zur Ausübung dieser Aufgabe nicht in der Lage ist, nimmt der Aussteller die Empfänger mit ihren Gütern und Untertanen in den besonderen Schutz des Reiches und gibt ihnen als Schirmer den königlichen Hauptmann in Bayern und Landvogt im Elsass Borziwoy von Swinar. Falls dieser aufgrund anderer Geschäfte diese Aufgabe nicht wahrnehmen kann, sollen die jeweiligen Reichsamtleute in Schweinfurt und Prichsenstadt, derzeit sind dies Weiprecht von Grumbach und Wilhelm von Thüngen, den Schutz des Klosters übernehmen.” (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 741)

Am 24. Juli 1396 schlossen Würzburg und 14 weitere Städte des Hochstifts mit Genehmigung von Bischof Gerhard zu einem Städtebund zusammen. Am 13. 0ktober  1397 nahm König Wenzel Würzburg und 10 weitere Bundesstädte in den Schutz des Reiches auf. RI Wenzel – [RIplus] Regg. Wenzel [n. 3037]

Ab 1399 kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Bischof Gebhard und einigen Bundesstädten. Diese zogen auch das Gebiet der Abtei in Mitleidenschaft. Schon 1394 musste Abt Peter das Würzburger Collegium schließen. Es wurde nach Erfurt verlegt.

Trotz dieser Belastungen konnte Abt Peter noch Erwerbungen tätigen. So konnte er 1503 die Hälfte aller Güter in Ober-und Unterspiesfeld kaufen, die Berthold von Heidingsfeld hinterlassen hatte. (Kloster Ebrach Urkunden 1403 Januar 2 / II)

Abt Peter starb am 24. Februar 1404.

Sein Nachfolger wurde Heinrich III. Heppe (1404 bis 1426). 1405 konnte er das Schloss und das Dorf Grüngresen(heute Kleingressingen, ein Ortsteil von Markt Ebrach) kaufen(StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 765). Verkäufer war schon   Bischof Johann I. von Egloffstein (1400-1411), der Nachfolger von Bischof Gerhard. Dieser hatte von seinem Vorgänger eine Schuldenlast von 300.000 Gulden übernommen. Durch seine Fehden und Kriege wurden diese noch beträchtlich erhöht. Papst Innozenz VII. nannte am 18.05. eine Gesamtschuld von 2,5 Millionen Gulden. (Alfred Wendehorst, Das Bistum Würzburg 2: Die Bischofsreihe von 1254 bis 1455 (Germania Sacra N. F. 4), Berlin 1969, S .113 f.) Da das Bistum alle Ressourcen abgezogen hatte, hatte das auch auf Kloster Ebrach harte Auswirkungen. Es verarmte völlig. Abt Heinrich konnte den Unterhalt für seine Mönche nicht mehr aufbringen und musste deshalb 1411 33 Mönche in andere Klöster des Ordens schicken.

Das Tochterkloster Eyteren wurde dem Kloster Altenberg im Bergischen Land unterstellt.

Durch kluges Wirtschaften hatte sich das Kloster soweit erholt, dass er schon 1414 die Mönche wieder zurückrufen konnte.

Am 29. Januar 1414 bestätigte Kaiser Sigmund (1411-1437) die Privilegien von Kloster Ebrach. Am gleichen Tag stellte er dem Kloster eine Urkunde aus, mit der es von allen Bewirtungspflichten und anderen Lasten befreite, da “es sich in Not befand” (RI Sigmund – RI XI,1 n. 922 und 923)

Er besuchte mit  5 Mönchen das Konstanzer Konzil (1414-1418). Auf dem Konzil anwesend war auch  Bartholomäus Fröwein. Er hatte zwischen 1360 und 1370 seine Profess in Ebrach abgelegt. Er hielt Vorlesungen an der jungen Universität von Würzburg und wechselte dann Wien. Dort übernahm er die

Leitung des Zisterzienserkollegs St. Nikolaus. Als dessen Vertreter war er auch auf dem Konstanzer Konzil. Dort wurde er am 17. April 1415 Mitglied im neuen Ausschuss, der über den Prediger Jan Hus urteilen sollte. Zusammen mit den anderen Professoren des Ausschusses entschied er, den Böhmen als Ketzer zu verbrennen.

1418 erwarb Abt Heinrich das Dorf Scherb, heute der kleinste Ortsteil von Markt Ebrach.

1420 kaufte Abt Heinrich das Dorf Großbirkach sowie das schloss Winkel mit der Wüstung Oberwinkel von Heinrich von Thüngsfeld (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 837). Ebrach besaß jetzt ein von fremdherrschaftlichem Einfluss völlig freies Kerngebiet.

Abt Heinrich starb am 19. November 1426.

Sein Nachfolger wurde der oben erwähnte Bartholomäus Fröwein (1426 bis 1430 ). Er kehrte schon 1416 nach Wien zurück und ist dort bis 1424 als Dekan der Theologischen Fakultät nachgewiesen. 1426 wurde er zum Abt von Ebrach gewählt.

1429 war er auf der Tagung des Generalkapitels. Die Jahre davor hatte Bischof Johann II. von Brunn (1411-1440)immer wieder Geldforderungen an Kloster Ebrach gestellt, 1428 Beisteuer zum Hussitenfeldzug  und 1429, wo er 2600 Gulden erhielt (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 867).

Papst Martin V. (1417-1431) rief 1429 zum Konzil von Basel (1431-1449)auf. Abt Bartholomäus endsandte  dazu zwei Ebracher Konventualen, Albert Kirchenloher und den späteren Abt Hermann von Kottenheim.

Abt Bartolomäus verstarb am 25. Juli 1430.

Auf ihn folgte Hermann III. von Kottenheim (1430 bis 1437).Er stammte  aus Kottenheim, heute Teilort des Markt Nordheim in Mittelfranken. Er trat wohl früh ins Kloster Ebrach auf. Er stieg innerhalb der Klosterhierarchie auf und wurde schließlich Verwalter des Ebracher Hofs in Nürnberg.

1429 wurde er von Abt Bartolomäus zum Konzil von Basel geschickt. Auch war er öfters im Auftrag des Abtes in böhmischen Klöstern um diese zu visitieren aber auch, um den Austausch unter den Abteien zu fördern.

Nach dem Tod von Abt Bartolomäus wurde er zu seinem Nachfolger gewählt. Vom Generalkapitel wurde er von der Kurientaxe befreit. Das ist die Gebühr die zur Bestätigung der Wahl zu entrichten war. Auch das Basler Konzil räumte die Befreiung ein, “falls die wirtschaftliche Lage des Klosters eine Bezahlung nicht zulässt. StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 896

Am 17. Oktober 1431 erteilte der Bürgermeister und der Rat der Stadt Schweinfurt dem Abt, Prior und Konvent des Klosters Ebrach die Zustimmung, in Schweinfurt ein Haus zu kaufen. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 874) Damit konnte der Ebracher Hof in Schweinfurt errichtet werden.

Am 10. Mai 1434 bestätigte Kaiser Sigmund alle Privilegien, die Kloster Ebrach von seinen Vorgängern erhalten hat. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 889).

Am 31. Juli 1434 erlaubte Sigmund Kloster Ebrach, die Klosterdörfer und -höfe mit Zäunen, Schranken, Planken und Gräben zu befestigen. Außerdem erlaubt er ihnen den Bau einer neuen Brücke über die Rednitz bei ihrem Dorf Katzwang sowie den Ausbau der Straße hinter dem Dorf.

(StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 892)

Abt Hermann resignierte 1437. Er lebte dann auf dem Ebracher Hof in Nürnberg. Kurz vor seinem Tod besuchte er Kloster Heilsbronn und verstarb dort 1447.

Der nächste Abt war Heinrich IV. Wild (1437-1447). Am 2. März 1440 gaben Bürgermeister und rat der Stadt Volkach ihre Zustimmung zum Kauf eine Hauses vom Kloster Münsterschwarzach. Dieses hatte in dieser Zeit schwer unter der Misswirtschaft seines Abtes

Nikolaus I. von Gleißenberg (1431-1444) zu leiden. Der Verkauf wurde möglicherweise dadurch mit verursacht. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 910).

Er kaufte auch Güter in Buchbrunn und Mainstockheim. Dort wurde 1500 ein Klosteramt von Ebrach gegründet. Gleichzeitig wurde die Mainfähre eingerichtet, die den direkten Weg nach Ebrach ermöglichte.

Er resignierte 1447. Da war er bereits taub. Er starb 1454.

Sein Nachfolger Heinrich V. Blumentrost stammte aus Burgwindheim. Über ihn ist wenig bekannt. Sein späterer Werdegang lässt aber vermuten, dass er ein Universitätsstudium absolviert hat. Er war Baccalaureus der Theologie. Er galt als sehr redegewandt

und hatte einen guten Ruf als Geistlicher. 1447 wurde er zum Abt gewählt.

Auch im Gesamtorden übernahm er Funktionen. so wurde er wohl als Visitator der Zisterzienserklöster in Ostfranken eingesetzt. Auch ernannte man ihn zum Aufseher über die bayrischen und ungarischen Klöster.

In Aldersbach leitete er nach dem Tod des dortigen Abtes Johannes II Pluetl (1442–1448) er die Wahl. Nachdem sich der Konvent nicht auf einen Kandidaten einigen konnte, setzte er den Ebracher Konventualen Johannes Plüer, der in Ebrach seine Profess abgelegt hatte,

als 20. Abt von Aldersbach ein. (Johann III. Pluer 1448–1463)

1451 leite er im Auftrag des Abtes von Morimond, Jean VII. de Graille (1449–1459 ) nach der Resignation des Abtes von Stift Heiligenkreuz Johann III. Altzheim (1447-1451 ) auch die Wahl des neuen Abtes. Gewählt wurde der Ebracher Konventuale Johannes Poley.

Er hatte Abt Heinrich V.nach Heiligenkreuz begleitet und wurde dem dortigen Konvent vom Ebracher Abt vorgeschlagen und zum Abt von Heiligenkreuz gewählt (Johannes IV Poley von 1451-1459).

Am 29. Mai 1452 nahm Johannes Soret der Generalprior des Karmelitenordens (1451-1471) Abt und Konvent von Kloster Ebrach in die Gebetsbruderschaft des Ordens auf. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 952).

Abt Heinrich starb am 16. Januar 1455 infolge eines Sturzes.

Auf ihn folgte Abt Burkard II. Scheel(1455-1474). Er hatte wohl ein Universitätsstudium absolviert. Laut Wikiwand war er für mehrere Äbte in Zisterzienserklöstern zuständig. Aber in Aldersbach und Heiligkreuz war sein Vorgänger Heinrich V. für die Wahl zuständig

und die Äbte Johannes Plüer und Johannes Poley (s.o.) wurden auf seinen Vorschlag gewählt. Der Abt Heinrich Scholl im ungarischen Kloster Szentgotthárd wurde wohl erst von seinem Nachfolger Johannes I. Kaufmann nach Ungarn geschickt (s.u.)

Abt Burkard begann sofort nach seinem Amtsantritt die Klosterkirche  neu auszustatten. Auch schaffte er mehrere Kleinodien und Monstranzen an.

Bei der Fronleichnamsprozession 1465 ereignete sich in Burgwindheim das “Hostienwunder”, was den fränkischen Ort zum Wallfahrtsort machte.

Auf einem Altar fiel „ohne fremdes Zutun und ohne Einwirkung des Windes“ die Monstranz um, die Hostie fiel zu Boden. Der Priester konnte sie mit aller Kraft nicht vom Boden lösen. Es wurde ein hölzerner Verschlag errichtet, um die Hostie zu schützen. Der Ebracher Konvent bereitete sich in einem achttägigen Gebet darauf vor, die Hostie wieder aufzuheben. Es gelang dann auch und der Abt von Ebrach Burkhard brachte sie wieder in die Pfarrkirche zurück. Das Ereignis wurde als Wunder betrachtet, und schon zwei Jahre später entstand eine Kapelle zum Heiligen Blut. Die Zahl der Wallfahrten nahm noch zu, als 1625 eine Quelle entsprang, die bald als wundertätig galt. Der Würzburger Bischof Rudolf II. von Scherenberg (1466-1495)gab am 11. Juni 1467 die Erlaubnis zum Bau einer Kapelle und verlieh dieser einen Ablass. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1001) Weihbischof Johannes Hutter (1451-1478) weihte sie am 4. Oktober 1467 ein. am 3. Januar 1468 bestätigten 5 Adlige in einer Urkunde das Hostienwunder. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1005)

Abt Burkard starb am 13. Dezember 1474.

Sein Nachfolger wurde Abt Johannes I. Kaufmann. (1474- 1489). Er ist in Würzburg geboren. Über seine Familie und seine Ausbildung sagen die Quellen nichts aus. 1466 wurde er Leiter der theologischen Fakultät in Wien. Dieses Amt hatte er 18 Jahre inne. In dieser Zeit

war er auch Beichtvater und Erzieher des späteren Kaiser Maximilian(1493-1519). 1474 wurde er zum 27. Abt des Klosters Ebrach gewählt. Aus seiner Regierungszeit als Abt ist kaum etwas überliefert, nur dass er viel Geld für Bauten ausgab, aber auch viel Geld ansammelte, das er nach seinem Tod Kloster

Ebrach überließ. Er starb 5. März 1489  und wurde in der Klosterkirche von Ebrach bestattet.

Sein Nachfolger wurde Nikolaus II. Engel (1489-1495). Er studierte und wurde später als Professor und Magister der Philosophie tituliert. Auch bei ihm ist die Quellenlage dünn. Er resignierte 1495 und lebte dann noch 14 Jahre in der Krankenabteilung der Abtei. Er starb 20. November 1509.

Sein Nachfolger wurde Veit Vendt (1495- 1503) Er ist in Iphofen geboren und nach dem Iphofener Stadtheiligen Vitus benannt. Wahrscheinlich studierte er in Würzburg.

Nach seiner Wahl ließ er für 1000 Gulden eine Sakristei an die Klosterkirche anbauen. Da er erkrankt war, pilgerte er nach Bamberg um von seinem Leiden erlöst zu werden. Er starb 1503.

Im Auftrag des Abtes von Morimond Rémy de Brasey (1503–1517 )wurde der neue Ebracher Abt unter dem Vorsitz der Äbte Sebald Bamberger (1498-1518) Kloster Heilsbronn und Emmeran Teuchler (1494-1510) Kloster Langheim gewählt.

Der 30. Abt wurde der bisherige Bursar Johannes II. Leiterbach (1503-1531) (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1105) Er wurde auch von den beiden Äbten in sein Amt eingeführt. Abt Johannes ist in Burgwindheim geboren.

Quellenmäßig wird er erst wieder mit seiner Wahl greifbar.Seine Regierungszeit wurde von seiner Auseinandersetzung mit dem Würzburger Bischof Konrad II. von Thüngen (1519-1540)

(1519-1540) geprägt. Eine weitere wichtige Komponente war die Reformation, die Martin Luther mit seinem Thesenanschlag von Wittenberg 1517 auslöste. Ein weiteres wichtiges Ereignis war der Bauernkrieg im Jahre 1525.

Um 1500 war der aus Volkach stammende Johannes Nibling Prior in Ebrach geworden, ein Amt, das er bis etwa 1524 bekleidete, also 24 Jahre. Er hatte in Heidelberg studiert, erwarb dort einen Abschluss in den Freien Künsten. Danach absolvierte er

sein Bakkalaureat in Theologie. Zusammen mit Propst Johannes Pandler von St. Gangolf wurde er 1510 zum Reichstag nach Augsburg geschickt, wo ihm von Kaiser Maximilian die Rechte Ebrachs bestätigt wurden.

Auf dem Reichstag zu Worms 1521 bestätigte Kaiser Karl V. (1519-1556) die kaiserlichen Privilegien. Beide Urkunden sind in” Inserierte Urkunden römisch-deutscher Herrscher des Mittelalters (bis einschließlich KarlV.) in den Reichsregistern Ferdinands I.und Maximilians II.des HHStA Wien”

aufgelistet. (Laufende Nummer 851 und 979)Die Urkunde Maximilians ist außerdem in einer Bestätigung vom 3. Mai 1510 erwähnt, in der 2 Urkunden von Bischof Peter von Augsburg (1424 – 1469) ausgestellte Urkunden den Zehnten von Mainstockheim und Buchbrunn betreffend, sowie

eine von Maximilians Vater Friedrich III.  am 20. Juli 1448 ausgestellte Urkunde (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 934), in der dieser die Rechte von Kloster Ebrach bestätigt. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1116 A)

1511 begleitete er Abt Johannes zu einer Visitation nach Bildhausen. Er stellte auch den Bildhausener Abt Kilian dem Würzburger Bischof Lorenz von Bibra (1495 –1519 ) vor.

Schon unter diesem Fürstbischof scheint es Probleme zwischen Kloster Ebrach und Fürstbischo gegeben zu haben, was eine Urkunde  nahelegt. “Abt und Bursar des Klosters Ebrach erheben Protest gegen die Beeinträchtigung der Rechte des Klosters durch den Bischof von Würzburg und seine Amtleute, insbesondere der Rechte, die das Kloster von Bischof Gerhard von Würzburg käuflich erworben hat. “ (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1140)

Zum Amtsantritt von Abt Johannes zählte der Konvent von Ebrach 95 Mönche. Die Reformation im Bistum Würzburg breitete sich nach Beobachtung des Ebracher Priors Johannes Nibling zuerst in den Städten im Nordosten des Bistums aus, dann aber sehr rasch in der Ritterschaft,

in den weltlichen Territorien, dann aber auch in Würzburg und den Hochstiftstädten. (Alfred Wendehorst, Das Bistum Würzburg 3: Die Bischofsreihe von 1455 bis 1617 (Germania Sacra N. F. 13), Berlin/New York 1978. S 88 f.)

In Ebrach verließen nur 15 Patres den Konvent. Sie scharten sich um Andreas Figuli, einen Bekannten Martin Luthers. (Elke Goez, Das Zisterzienserkloster Ebrach in seiner fränkischen Umwelt,  Sonderdruck aus dem 98. Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelfranken 1996/99 S. 20).

Er war Ebracher Professe und 1516 an der Universität Heidelberg immatrikuliert. (Gustav Toepke, Die Matrikel der Universität Heidelberg (1. Teil) von 1386-1553, Seite 507)

Das waren weniger, als viele andere Klöster zu Beginn der Reformation zu verzeichnen hatte. Allerdings genoss Ebrach keinen guten Ruf mehr. Gerüchte über eine verlotterte Lebensweise der Mönche gingen um. Das Schweigegebot wurde praktisch nicht mehr eingehalten.

Fast jeder Mönch besaß Privateigentum und junge Mönche hatten eklatante Wissenslücken in Bezug auf die Ordensregeln.

Unabhängig davon ernannte der Generalabt von Citeaux Guillaume VI. Le Fauconnier ( 1521– 1540 )am 22. April 1524  Abt Johannes zum Visitator für die Klöster Ebrach, Langheim, Bildhausen, für das Priorat Heiligental, Schöntal , Bronnbach, Heilsbronn, Kaisheim, Rottenmünster, Heiligkreuztal, Heggbach , Wald, Baindt, Feldbach, Kalchrain, Seldenau , Tänikon , Rathhausen , Fraubrunnen, Breisach, Wonnetal , Günterstal , Gnadental, Wurmsbach und Frauental. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1160)

Abt Johannes war 1521 auf dem Reichstag in Worms.

Den Ebracher Bauern ging es unmittelbar vor dem Bauernkrieg nicht schlechter als den Bauern in anderen Grundherrschaften. Aber es herrschte zwischen Maindreieck und der Regnitzfurche eine Mißstimmung, die dem lokalen Adel und den Bischöfen durchaus gelegen kam,

die auch teilweise bewusst geschürt wurde. Die Klöster waren Konkurrenten von Bauern und städtischen Händler und genossen darüber hinaus handfeste Vorteile wie Befreiung von Straßenzöllen, Stand- und Marktabgaben durch päpstliche, kaiserliche und bischöfliche Gnadenbriefe.

In Franken hatte der Bauernaufstand seinen Ausgang in Rothenburg genommen. Die Aufständischen von Geroldshofen und Hassfurth plünderten kurz vor Ostern die Klosterhöfe von Ebrach in Sulzheim und  Elgersheim. Sulzheim und Elgersheim waren total geplündert und in Elgersheim auch die Gebäude zerstört  und der Brunnen unbrauchbar gemacht. Völlig zerstört wurden auch die Amtshöfe in Mainstockheim. Völlig zerstört wurde auch der Hof in Waldschwind. Dort nahmen die Bauern auch Scheitholz mir und die Backsteine verwendeten sie zum Bau ihrer eigenen Häuser.

Vom Hof in Herresdorf wurde sämtliches Vieh und Getreide gestohlen, aber auch Geld, Hausrat und Kelche. Den Ebracher Hof in Schweinfurt nahmen Schweinfurter Bürger “in Verwahrung”.Der Prior und zwei nach Schweinfurt geflüchtete Patres durften den Hof nicht mehr verlassen.

Auch mussten sie nach Schweinfurt in Sicherheit gebrachte Ebracher Kirchenkleinodien herausgeben, die die Bürger verkauften, ebenso wie Wein und Getreide. Den Erlös teilten sie sich.

An Ostern 1525, das war der 16. April musste Abt Johannes nach Schwabach aufbrechen. Dort war im Frühjahr 1524 die Reformation eingeführt worden. Der letzte katholische Stadtpfarrer Johannes Linck musste im Juni 1524 sein Amt niederlegen.

Der Rat der Stadt Schwabach beanspruchte die Stelle des Leutpriesters in der Kirche von Schwabach zu besetzen, die Kloster Ebrach gehörte und über die es die Patronatsrechte hatte. Darüber sollte verhandelt werden. Eingesetzt wurden zwei neue evangelische Geistliche Hans Hofmann (1524/25) und Hans Feyelmeyer. Sie setzten die Reformation in Schwabach fort. Er reiste in Begleitung von zwei Mönchen und zwei Laien ab. Da die Gegend bereits voller Aufständischen war, tauschten sie unterwegs den Zisterzienserhabit gegen schwarze Kittel. Unterwegs wurde er erkannt und festgesetzt und musste zahllose Schmähungen erdulden. Er kam schließlich gegen Lösegeld frei und konnte sich in Begleitung von 15 Bauern zu seinem Kloster begeben. da aber war bereits besetzt und der Eintritt wurde ihm verwehrt. Als er schließlich in sein Kloster zurückkehrte, kam ein Bote des Würzburger Bischofs, der ihm befahl, das Kloster vor dem Eintreffen des großen Bauernhaufen zu verlassen. Er flüchtete dann erst nach Bamberg. Da er dort auch nicht sicher war, ging er schließlich weiter nach Nürnberg. Er war dort zwar in Sicherheit. Der Rat der Stadt Nürnberg genehmigte aber nur zwei weiter Konventuale aus Ebrach in Nürnberg. Die Lage wurde immer unhaltbarer. Deswegen gab er jedem seiner Mönche 100 Gulden in Gold, da “er es lieber sah, dass die patres und fratres die Gelder verzehrten, als dass sie schlechten Menschen in die Hände fielen” (Johannes Jaeger, Die Zisterzienserabtei zur Zeit der Reformation, Erlangen 1895 S. 10)

Im September 1525 waren die Aufstände niedergeschlagen und Abt Johannes konnte in sein Kloster zurückkehren. Die Abtei war niedergebrannt worden. Das Vieh war geschlachtet worden, alle Speise und Weinvorräte waren entwendet. Die Bücher der Bibliothek waren vernichtet oder geraubt worden,

die Kirche völlig ausgeplündert. Der gesamte Hausrat war gestohlen. Der Abt schätzte die Schäden auf  2.000 Gulden in der Bibliothek 500 Gulden verlorenen Bücher für den Kultus, 1.500 Gulden in der Kirche. Dann waren fast alle Amtshöfe betroffen. Der Schweinfurter Stadthof wurde oben erwähnt.

(alle Zahlen in Johannes Jaeger S. 11)

Nach der Niederschlagung des Bauernaufstandes hielten die weltlichen Herren ein fürchterliches Blutgericht ab und vor allem  der Würzburger Bischof Konrad. Bischof Konrad musste sich wegen seiner Härte sogar an Rom wenden und dort um Absolution bitten. (Alfred Wendehorst, S. 86)

Kloster Ebrach und Abt Johannes verzichtete auf allzu grausame Rache. Möglicherweise trat er sogar als Vermittler und Fürsprecher auf. (Elke Goez Anmerkung 76)

Schon vor dem Bauernkrieg gab es vor allem unter den fränkischen Reichsrittern Überlegungen, ihre prekäre Finanzlage durch durch eine Säkularisierung der fränkischen Klostergüter wieder ins Lot zu bringen. Da sie im Bauernkrieg schwer geschädigt wurden, verstärkte sich diese Tendenz natürlich.

Sebastian von Rotenhan (+ 1534), Hofmeister des Würzburger Bischofs und 1525 Kommandant der Festung Marienberg, trat mit diesem Vorschlag an die Öffentlichkeit. Vor allem dem Verhandlungsgeschick von Abt Johannes war es zu verdanken, dass dieser Vorschlag nicht umgesetzt wurde und die fränkischen Konvente ihren Besitz behalten durfte. Das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen dem Würzburger Bischof und dem Ebracher Abt verschlechterte sich weiter und brachte Abt Johannes die persönliche Feindschaft des Würzburger Bischofs ein.

Schon mit dem Einritt der Reformation begann Bischof Konrad II. gegen Kloster Ebrach vorzugehen. Durch seine vielen Privilegien war es nicht mehr würzburgisch. Aber es war nicht reichsunmittelbar.

Auf dem Reichstag in Worms ließ sich Abt Johannes die kaiserlichen Privilegien durch Karl V. (1519-1556) bestätigen. (StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1157). Er konnte auch eine Beschwerde gegen Bischof Konrad vortragen. Eine Entscheidung wurde aber auf den nächsten Reichstag 1522 in Nürnberg vertagt. Bischof Konrad war auch nicht untätig gewesen. Er hatte sich seine Rechte gegenüber dem Kloster ebenfalls zusichern lassen. Die Pattsituation blieb so bestehen. Bischof Konrad wollte den aufrührerischen Abt absetzen lassen. Auf der Heimreise von Worms verfolgte er Abt Johannes. Dieser entkam zunächst über Kloster Bronnbach. Über den Klosterhof in Würzburg und Kloster Heiligenthal kam er schließlich in den Ebracher Hof in Schweinfurt. Er weigerte sich, von dort nach Ebrach zurückzukehren, da Bischof Konrad dort inzwischen mit Soldaten erschienen war. Konrad ließ dann das Klosteramt in Mönchherrendorf plündern. Johannes hatte sich nach Bayreuth geflüchtet und strengte von dort einen Prozess gegen Würzburg  an. 1523 wurde dieser durch einen Kompromiss beigelegt. Der Bischof musste Feindseligkeiten gegen das Kloster unterlassen.

Nach dem Bauernkrieg (s.o) versuchte auch Papst Clemens VII. (1523-1534) die klösterliche Ordnung wieder herzustellen. Er begann deshalb vermehrt Visitationen in den Abteien vornehmen zu lassen. 1525 beauftragte er Peter Faut (1519-1525), den Abt des Würzburger Benediktinerkloster Sankt Stephan mit der Visitation des Klosters Ebrach. Diese erste Visitation wurde als nicht effektiv erachtet. Deshalb wurde 1529 eine neue Visitation angesetzt. Der Würzburger Bischof Konrad wurde jetzt mit der Visitation betraut. Er hatte zwar die Berechtigung erhalten, alle Klöster jeden
Ordens in seiner Diözese zu visitieren. Aber in Ebrach war man natürlich nicht glücklich, dass ausgerechnet der Würzburger Bischof das Kloster visitieren sollte. Zum einen bestand ja eine regelrechte Feindschaft zwischen Abt Johannes und Bischof Konrad. Zum andern versuchte Bischof Konrad

praktisch seit seinem Amtsantritt die Bemühungen Kloster Ebrachs um Exemtion und Reichsunmittelbarkeit zu bekämpfen, wo immer es ging. Der Visitationsbericht von 1531 von Konrad fiel entsprechend aus. (abgedruckt in J. Jaeger Die Zisterzienserabtei zur Zeit der Reformation, Erlangen 1895 S. 30-100). Bischof Konrad setzte Abt Johannes am 20. Januar 1531 ab. Zwar legte Prior Johannes Wolf sofort Berufung dagegen ein. Auch der Abt hatte sich direkt an Kaiser Karl V. gewandt und darauf verwiesen, dass gemäss der Statuten der Zisterzienser ein Zisterzienserkloster nur vom Orden selbst geprüft werden kann. Es war alles vergebens.

Der Konvent bewilligte dem Abt aber eine Rente von 200 Gulden jährlich. Das entspricht etwa 30.136 € und 4 Fuder Wein. In Franken entspricht ein Fuder 900 Liter, also immerhin 3.600 Liter im Jahr! StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1168

Mit der Urkunde 1170 vom Jahre 1531 trat Abt Johannes von seinem Amt als Abt des Klosters Ebrach zurück und “gibt seine Abtwürde in die Hände des Bischofs von Würzburg als vom Papst bestellter Visitator des Klosters bzw. seiner Kommissare.”

Er starb am 3. August 1533.

Sein Nachfolger wurde Johannes III. Wolf, genannt Lupi. Er stammte aus Zeil am Main. Er war ins Kloster Ebrach eingetreten. Er hatte Philosophie und Theologie studiert. Er galt als guter Prediger. Vor seiner Wahl zum Abt war er Prior.

Auch nach seiner Wahl zum Abt beschäftigte er sich weiter mit philosophischen Kommentaren. Er beschäftigte sich mit den Werken des mallorquinischen Philosophen, Logikers und Theologen Ramon Llull (um  1232 bis Anfang 1316) und den

Sentenzen des Petrus Lombardus (1095/1100 bis  Juli 1160), einem scholastischen Theologen und Leiter der Kathedralschule von Notre Dame in Paris. Johannes wird auch in “Teutscher Nation warhaffte Helden” dem Werk des Basler Arzt und Späthumanisten

Heinrich Pantaleon (1522-1595) erwähnt und zwar im Dritten Band auf Seite 215. Pantaleon erwähnt, dass Johannes “von jugent auff fleißig gestudieret/ und in der geschrifft einen ziemlichen verstand bekommen” hat. Er sagt auch, dass Johannes das Kloster nach dem Bauernkrieg

wieder erneuert und “der jugent ein lobliche schul auffgerichtet” hat.

Er ließ die verfallenen Gebäude wieder herrichten. 1539 gab er für seine Gerichtsstellen eine neue Gerichtsordnung heraus.

In seiner Regierungszeit lebten 35 Konventualen in Kloster Ebrach,davon einige, die im Zisterzienserorden Karriere machten, so die beiden späteren Ebracher Äbte Joannes Beck und Paulus Zeller. Philipp Heberlein(1552–1554) wurde 1552 Abt in Heilsbronn.

Abt Johannes  starb  am 25. September 1540.

Zu seinem Nachfolger wurde Konrad II. Hartmann (1540-1551) als 32. Abt von Ebrach gewählt.Die Wahl erfolgte unter Vorsitz des Langheimer Abtes Konrad I. Haas (1538–1556 ) und im Beisein des Bildhausener Abtes Philipp. StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1196

Konrad stammte aus Schweinfurt. Über seine Jugend und Ausbildung ist nichts bekannt. Er trat um 1511 ins Kloster Ebrach ein. Er weilte während des Bauernkrieges in Ebrach.

Er hatte gute Beziehungen zu König Ferdinand I. (1531 römisch-deutscher  König von 1558-1564 deutscher Kaiser) Dieser bestätigte am 7.April 1543 den 1543 mit der Stadt Schweinfurt geschlossenen Vertrag (Urkunde 1203), nachdem die Stadt Schweinfurt entgegen dem 1543

geschlossenen Vertrag die Einfuhr, gelagerte Früchte und Weine mit einem Aufschlag belegte. 1544 ließ sich Abt auch alle Urkunden über die von Kaisern und Königen erteilten Privilegien vidimieren.

Nach dem Tod des Würzburger Bischofs Bischof Konrad von Thüngen  hatten sich die Beziehungen zwischen Bistum und Kloster etwas entspannt. Das änderte sich aber wieder als dessen übernächster Nachfolger Melchior Zobel von Giebelstadt (1544-1558) den Würzburger Bischofsstuhl bestieg.

Er ließ die Dörfer von Ebrach besetzen und erpresste von Kloster Ebrach innerhalb von zwei Jahren eine Summe von 21.000 Gulden, das sind nach heutiger Währung immerhin 3.159.802,00 €. (Wigant Weigand, Geschichte der frankischen Cistercienser Abtei Ebrach, Landshut 1834 S. 58)

Er hatte allerdings von seinem Vorgänger eine große Schuldenlast übernommen, die aber unter ihm noch anwuchs und deren Tilgung das Domkapitel noch jahrelang beschäftigen sollte. (Alfred Wendehorst S. 121).

Diese Geldforderungen störten natürlich den Wiederaufbau der Abtei. Abt Konrad beschwerte sich bei Kaiser Karl V. Dieser verwarnte den Würzburger Bischof. “Der Aussteller befiehlt dem Empfänger, das Kloster Ebrach weder persönlich noch durch seine Amtleute und Untergebenen zu bedrängen oder dessen hergebrachte Rechte und Freiheiten einzuschränken.” StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1216. Bischof Melchior hielt sich nicht daran und unterbrach die Bauarbeiten weiter. Daraufhin strengte Abt Konrad einen Prozess beim Reichskammergericht in Speyer an.

1548 leitete er als Vaterabt die Wahl des Heilsbronner Abtes Johannes Wirsing (1548-1552). Neben zwei weiteren Zisterzienseräbten waren 4 markgräfliche Räte anwesend. Abt Konrad hatte vom Hauptmann und den Räten des Markgrafen

Albrecht von Brandenburg einen Geleitbrief bekommen, damit er in  Heilsbronn die Wahl leiten konnte.

Die zerstörten Gebäude konnte Abt Konrad wieder errichten lassen. Er starb am 9. Januar 1551.

Sein Nachfolger Johannes IV. Beck (1551-1562) stammte aus Rothenfels bei Lohr. Über sein Studium wird in den Quellen nichts erwähnt. Die Reformation hatte dem Kloster zugesetzt. Nur noch wenige Mönche lebten im Kloster. Er hatte den Prozess seines Vorgängers Konrad beim Reichskammergericht weiter zu führen. Außerdem sah er sich weiteren Geldforderungen des Würzburger Bischofs Melchior ausgesetzt. Abt Johannes erklärte sich erst nach der Drohung, Kloster Ebrach Kloster Ebrach unter markgräflichen Schutz zu stellen und gegen das Versprechen Melchiors,

Kloster Ebrach niemals zu reformieren, bereit dem Bischof Geld zu leihen. (Wendehorst S. 126)

Abt Johannes versuchte, die zerstörten Klostergebäude durch Neubauten zu ersetzen.

Zwischen 1552 und 1554 fand der Markgrafenkrieg statt. nachdem Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach (1522-1557) 1552 Nürnberg belagert und das Umland von Nürnberg verwüstet hatte, belagerte und besetzte er Forchheim. Von den Fürstbischöfen Melchior von Würzburg und

Weigand von Redwitz (1552-1556) erpresste er hohe Summen und zwang sie, erheblichen Landbesitz abzugeben. Kaiser Karl V. erkannte diese Verträge allerdings nicht an und verhängte die Reichsacht über Albrecht Alcibiades . Am 9. Juli 1553 verlor er die Schlacht von Sievershausen gegen ein bundesständisches Heer. Die Sieger fielen und in das Stammland des Markgrafen ein und verheerten die Region. 1554 wurde das nur behelfsmäßig wieder aufgebaute Kloster geplündert.

Bischof Melchior übernahm 1556 nicht mehr länger den Schutz des Konvents von Ebrach. Deshalb verließen die Mönche 1556 Kloster Ebrach und ließen sich erst im Klosterhof von Bamberg und später von Nürnberg nieder.

Im Februar kam Bischof Melchior mit 70 Reitern nach Ebrach und nahm den Klosterschlüssel an sich. Er wollte Abt Johannes zur Abdankung zwingen, was aber nicht gelang.

Der Augsburger Bischof und Kardinal Otto Truchseß v. Waldburg (1543 – 1573) erzielte einen Vergleich zwischen dem Bistum Würzburg und Kloster Ebrach. Der Vergleich umfasste eine Reihe von Punkten, die Ebrach berührten,

unter anderem Erbschutz und Schirm über Kloster Ebrach, die geistliche und weltliche Gerichtsbarkeit der Würzburger Bischöfe über die Abtei Ebrach sowie Gerichtsrechte des Hochstifts Würzburg im Territorium des Klosters Ebrach, eine

Reihe weiterer Punkte und nicht zuletzt die Einstellung aller Prozesse, die von beiden Parteien gegeneinander geführt wurden. StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1276

Allerdings hatte der Vergleich nicht lange Bestand. Der Würzburger Bischof Melchior fiel 1558 im Zuge einer Fehde mit Wilhelm von Grumbach (1503-1567) einem Attentat zum Opfer. Sein Nachfolger Friedrich von Wirsberg (1558 –1573 ) kündigte den

Vergleich ein Jahr nach Melchiors Tod schon wieder auf. Am 26. August 1561 wurde ein neuer Vertrag zwischen dem Fürstbistum und Kloster Ebrach geschlossen. StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1299. Nun erst konnte Abt Johannes aus seinem Exil in  Nürnberg ins

Kloster Ebrach zurückkehren.

Die Streitigkeiten mit Würzburg hatten hohe Prozesskosten verursacht. Das Kloster hatten sich hoch verschulden müssen. Die Schulden konnten aber größtenteils schon in der Regierungszeit von Abt Johannes zurückgezahlt werden.

Abt Johannes starb am 7. Januar 1562 im Ebracher Hof in Mönchsherrnsdorf.

Im Auftrag des Generalabtes Louis I. de Baissey (1560-1564) fand die Wahl des Nachfolgers von Abt Johannes am 20. Januar 1562 unter Vorsitz des Langheimer Abtes Friedrich Marschalk (1556-1562) und im Beisein des Bildhausener Abtes Valentin II Reinhard (1560 ?-1574) statt.

Zum 34. Abt von Kloster Ebrach wurde Paulus I. Zeller (1562-1563) gewählt. Er stammte aus Heidingsfeld. Über seine Familie und seine Ausbildung ist nichts überliefert. Wahrscheinlich besuchte er die Lateinschule in Würzburg und studierte an der Würzburger Universität.

Er promovierte zum Professor. Im Kloster Ebrach war Paulus zunächst Amtmann on Oberschwappach, danach übernahm er das Amt Oberschwarzach. Dann leitete er den Ebracher Hof in Würzburg. Er kehrte ins Kloster zurück und wurde dort Prior. Sein Amt konnte er nur 17 Monate versehen, denn

er starb am 29. Juni 1563.

Die nötig gewordene Wahl leitete Abt Ludwig II. Fuchs (1562–1572 ) von Langheim im Beisein des Bildhausener Cellerars Nikolaus Amling. StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1308.

Gewählt wurde Leonhard Rosen (1563-1591), der um 1532 im unterfränkischen Willanzheim, heute Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Iphofen, geboren wurde. Über seine Eltern, seine Ausbildung ist den quellen nichts zu entnehmen. Auch über  seinen Eintritt in Kloster Ebrach und seine klösterliche Laufbahn bis zu seiner Wahl zum Abt ist nichts bekannt. Als er sein Amt antrat, lebten nur noch 19 Mönche im Konvent. In seiner Amtszeit kamen wieder 32 neue Mitglieder dazu (Weigand S. 68) Er bestimmte Johann Koch zum Prior, der dieses Amt 29 Jahre versah.

Er schickte einige Mönche zum Studium nach Würzburg und er sorgte auch dafür, dass wer nicht nach Würzburg geschickt wurde, zur Seelsorge im Kloster ausgebildet wurde. Er sorgte auch dafür, dass die Pfarreien der Kuratie Theinheim wieder mit Seelsorgern aus Kloster Ebrach versorgt wurden.

Er ließ den abgebrannten Klosterhof in Schweinfurt wieder aufbauen und regelte in einem Vertrag mit dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt Schweinfurt die Rechtsstellung und Abgabenpflicht des Hofes. StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1354

1573 bestimmte der Generalabt von Citeaux Nicolas I. Boucherat (1571-1573) den Abt von Ebrach als Vaterabt und Visitator von Kloster Bronnbach, da dessen Vaterabtei Maulbronn von Herzog Ulrich von Württemberg aufgehoben worden war und die Mönche 1537 in ihr Priorat in
Pairis übersiedelt waren. Auch sollte der Abt von Ebrach bei der Abtswahl in Bronnbach den Vorsitz führen, den gewählten Abt bestätigen und in sein Amt einführen.  StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1356

Er wurde auch zum Vaterabt sämtlicher fränkischer Zisterzienserkloster ernannt. Und er wurde  Visitator der Klöster beiderlei Geschlechts.

Wegen der Reichsunmittelbarkeit von Kloster Ebrach strengte Abt Leonhard nochmals einen Prozess beim Reichskammergericht in Speyer an, der aber nach 10 Jahren ohne Ergebnis endete.

1583 kam es zu einem großen Unglück. Das Dormitorium der Mönche und die Bibliothek brannten völlig ab und waren zum zweiten mal in kurzer Zeit völlig zerstört. Aber in nur 5 Jahren war der Wiederaufbau geschafft und auch neue Bücher waren wieder angeschafft worden.

Außerdem richtete Abt Leonhard eine Singschule ein. Das alles hatte sehr viel Kraft gekostet und Abt Leonhard wollte zweitweise resignieren. Er bekam aber vom Konvent einen Koadjutor mit dem Recht zur Nachfolge zur Seite gestellt.

Hieronymus Hölein hatte an der Jesuitenuniversität Ingolstadt Philosophie studiert.

Am 1. Februar 1591 hatte der Generalkommissar des Zisterzienserordens Claudius Germain, Prior von Citeaux im Auftrag des Generalabtes Edmond I. de la Croix (1584-1604) Kloster Ebrach visitiert und reformiert. Er erließ Vorschriften für den Kultus und das Zusammenleben. StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1409

Abt Leonhard starb am 6. Oktober 1591.

Hieronymus Hölein (1591-1615) wurde nach Leonhards Tod zum 36. Abt von Ebrach gewählt. In seiner Regierungszeit traten 31 Mönche ins Kloster Ebrach ein, darunter seine beiden Nachfolger in Ebrach, Kaspar Brack (1615-1618) und Johannes Dressel (1618-1637).

Johann Feilzer wurde 1618 nach Bronnbach als Abt postuliert und versah dieses Amt bis 1638.

Besonders begabte Mönche wurden sogar nach Rom zum Studium geschickt, so Caspar Brack,  der in Rom zum Doktor der Theologie promovierte. Nach ihm kam Johann Gres nach Rom. Dieser starb allerdings gleich nach seiner Rückkehr nach Ebrach.

Nikolaus Hofmann promovierte in Ingolstadt zum Doktor der Theologie.

In Würzburg war Julius Echter (1573-1617) Bischof geworden. Sein Hauptaugenmerk lag auf der Gegenreformation. Auf Klöster wollte er wieder starken Einfluss haben. Er ersuchte 1574 Papst Gregor VIII. (1572-1585) um ein päpstliches Mandat zur Visitation aller Klöster in seinem Bistum

(Wendehorst S. 210) Auf die Abtswahl von 1574 im Kloster Bildhausen versuchte er allerdings wohl ergebnislos durch seine Kommissare Einfluss zu nehmen. Kloster Ebrach warf er 1575 vor, es habe sich 1551 von einem Reformversuch von Bischof Melchior freigekauft.

Schwere Vorwürfe gegen Ebrach erhob er auch in seinem Limina-Bericht von 1590. Deutsche Bischöfe müssen alle 4 Jahre zu den Apostelgräbern in Rom “ad limina” fahren und dem Papst einen Bericht über den Zustand ihres Bistums vorlegen.

Der immer noch schwelende Streit um die Reichsunmittelbarkeit von Kloster Ebrach konnte am 19.Januar 1594 mit zwei Rezessen beigelegt werden. StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1425 und 1426 .Diese sollten auch als Richtlinien für spätere Auseinandersetzungen gelten.

Darin  einigte man  sich über den Modus für die Bezahlung der Türken- und anderer Reichssteuern sowie der Landsteuern durch das Kloster Ebrach. Außerdem wurde festgelegt, dass das Kloster künftig gegen Urteile der würzburgischen Centgericht zunächst an das Brückengericht in Würzburg und danach erst an das Reichskammergericht appellieren soll.

Nachdem der Streit beigelegt war, konnte das Kloster neue Bautätigkeiten in Angriff nehmen. Die Klosterkirche wurde neu ausgestattet. Neue Altäre und neue Bilder wurden angeschafft. Auch in den Klosterdörfern wurde gebaut. Die Blutskapelle in Burgwindheim wurde errichtet.

Nach dem schweren Pestjahr von 1611 liess Abt Hieronymus die Rochuskapelle bei Ebrach errichten. Um 1600 ließ Abt Hieronymus in Rödelsee den Klosterhof der Abtei, der zu klein oder baufällig geworden war, neu errichten.

Nicolas II Boucherat (1604-1625) ernannte Abt Hieronymus am 13. Juni 1605 zum Generalvikar des Zisterzienserorden für Franken. Dieses Amt war seit dem Tod seines Vorgängers Leonhard erledigt. Damit erhielt er das Recht, alle neugewählten Äbte und Äbtissinnen einzusegnen und ihnen

den Ordenseid abzunehmen gegenüber dem Orden und den Ordensoberen abzunehmen.StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1467 und 1468. Die letzte überlieferte Benediktion ist die von Abt Michael Kirchberger (1612-1635) in Kloster Aldersbach.

Mit Bischof Johann Gottfried I. von Aschhausen,der von 1609 Bischof in Bamberg und ab 1617 als Nachfolger von Julius Echter in Personalunion Bischof von Würzburg bis zu seinem Tod 1622 war, verband ihn Freundschaft.

Abt Hieronymus starb am 25. November 1615 in Ebrach.

Kaspar Brack ist in Gerolzhofen im Landkreis Schweinfurt geboren. Er besuchte die Jesuitenschule in Bamberg. Er trat schon früh ins Kloster Ebrach ein. Abt Hieronymus schickte ihn ans Germanikum in Rom, wo er zum Doktor promovierte.

Er wurde Seelsorger in Burgebrach. Nach dem Tod von Abt Hieronymus wurde er zum Nachfolger gewählt. Er wurde von Fürstbischof Julius Echter am 2. Februar 1616 benediziert. Er starb schon nach knapp zweieinhalb Jahren Amtszeit am

2. Mai 1618 im Kloster in Ebrach.

Sein Nachfolger Johannes V. Dressel. Er ist in Hollfeld im heutigen Landkreis Bayreuth geboren. Über seine Familie und seine Ausbildung ist nichts bekannt.Er trat unter Abt Hieronymus ins Kloster Ebrach ein, wurde dort Subprior und stieg dann zum Prior auf.

Im Frühjahr 1618 wurde er unter Vorsitz des Salemer Abtes Thomas I. Wunn (1615-1647) zum 38. Ebracher Abt gewählt. Die Bestätigungsurkunde von Abt Thomas datier vom 27. Mai 1618. Darin bittet Abt Thomas gleichzeitig den Generalabt Nicolas II. um die Bestätigung der Wahl. StAWü, KlosterEbrach Urkunden 1526

Am 20. August 1618 ernannte Generalabt Nicolaus II. Johannes wie dessen Vorvorgänger Abt Hieronymus zum Generalvikar des Zisterzienserordens in Franken. StAWü, KlosterEbrach Urkunden 1527. Ebenfalls am 20. August bestätigte er die Wahl von Abt Johannes. Urkunde 1528.

In Mainstockheim erbaute er den Ebracher Hof als schlossartiges Gebäude neu auf. Als Bauzeit kommen die Jahre 1618-1630 in Frage. Ebenso erneuerte er den Amtshof in Rödelsee.

1627 erwarb Abt Johannes das Rittergut Koppenwind von den Herren von Rotenhan. StAWü, KlosterEbrach Urkunden 1578. In der Klosterkirche ließ er den Bernhardsaltar neu errichten.

Kaiser Ferdinand II. (1619-1637) befand sich im Frühjahr 1629 auf dem Höhepunkt seiner Macht. Er hatte ganz Deutschland seiner Gewalt unterworfen. Er sah sich in der Lage, seine gegenformatorischen Ziele auf das ganze Reich zu übertragen.

Am 6. März 1629 erließ er das Restitutionsedikt. Ohne Einverständnis der evangelischen Reichsstände sollte der Status Quo des geistlichen Besitzstandes im Reich wieder auf das Jahr 1552, also drei Jahre vor dem Augsburger Religionsfrieden gebracht werden.

Wäre das Edikt befolgt worden, hätte das enorme Konsequenzen für das Reich gehabt. Enteignungen und Rückübertragungen wären die Folge gewesen. so hatte das Edikt wenig Aussichten auf Erfolg, fachte aber den Konflikt zwischen dem katholischen Kaiser und den evangelischen Fürsten erneut an und trug zur weiteren Eskalation des Krieges bei.

In Bayern ernannte er Abt Johannes V. und den Bamberger Bischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim (1623-1633) zu Kommissaren für die Rückgewinnung der an die Lutheraner verloren gegangenen Güter. Mit der Karthause Grünau, die zwischen Schollbrunn und Hasloch am Main lag, war er erfolgreich. Diese konnte den Karthäusern zurückgegeben werden. Die anderen Projekte konnten nicht verwirklicht werden. Sie Lage hatte sich total geändert.

Im Juli 1630 landete der schwedische König Gustav Adolf (1611-1632) mit 13.000 Mann auf Usedom. Seine Streitmacht brachte er durch Anwerbungen schnell auf 40.000 Mann. In der Schlacht bei Breitenfeld nördlich von Leipzig wurden die Truppen der katholischen Liga unter Tilly, der von 1630-1632

ligistischer und kaiserlicher militärischer Oberbefehlshaber war, vernichtend geschlagen. Der Vormarsch der Schweden nach Süddeutschland konnte nicht mehr aufgehalten werden. Am 11.Oktober floh Fürstbischof Franz von Hatzfeld (1631-1642) aus Würzburg.

Am 12. Oktober 1631 besetzten die Schweden Schweinfurt. Am 18. Oktober 1631 eroberten die Schweden Würzburg. Dann setzte König Adolf eine königliche Landesregierung ein. Die Hochstifte Würzburg und Bamberg wurden schwedische Erblehen und 1633 dem General im Schwedischen Heer Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar als Herzogtum Franken geschenkt. Allerdings eroberten die Kaiserlichen unter Ottavio Piccolomini (1599-1656) Würzburg 1634 zurück.

Abt Johannes hatte schon kurz vor die Schweden eintrafen, den Kirchenschatz und einige Kleinodien nach Würzburg geflüchtet. 30 Konventuale hatte er in andere Klöster geschickt, die meisten nach Ungarn, Österreich und Böhmen, wo sie als Seelsorger zur Aushilfe arbeiteten und sich so durchzubringen suchten. Abt Johannes und der Prior Christoph Kramer blieben in Ebrach. Der Abt unterwarf sich den Schweden, um Schäden am Kloster zu verhindern. Die Abtei wurde zunächst auch unter schwedischen Schutz gestellt. Im Winter 1631  quartierten sich drei Regimenter unter dem

Obristen Veit Ulrich Truchsess von Wetzhausen ein. Er war auch schwedischer königlicher Statthalter in Franken mit Sitz in Würzburg. Die Schweden forderten eine Kontribution von 30.000 Gulden. Da der Abt sich nicht in der Lage sah, diese zu bezahlen, begab er sich ins Hauptquartier der Schweden

nach Bamberg und versuchte die Summe herunter zu handeln. Als dies nicht gelang, begab er sich ins Kloster zurück, wurde aber unterwegs von schwedischen Reitern eingeholt und nach Schweinfurt zurückgebracht und dort festgesetzt. Es wurde sogar ein Verfahren wegen Hochverrats gegen ihn eingeleitet aber in Donauwörth wurde er vom schwedischen König freigesprochen (Weigand S. 73 f.) Als die Schweden mit dem Herren von Künsberg einen eigenen Verwalter für Kloster Ebrach einsetzten floh er ins Schwesterkloster Himmerod in der Eifel. Unterwegs wurde er in Mainz festgesetzt, weil man Klosterdokumente bei ihm vermutete. Von Himmerod reiste er weiter nach Koblenz. Nach der Schlacht von Nördlingen hielt er sich in Köln auf. Dort traf er auch den Würzburger Bischof Franz von Hatzfeld, der ihn finanziell unterstützen konnte.

Nach dem Frieden von Prag 1635 zogen sich die Schweden nach Norddeutschland zurück. Abt Johannes konnte 1636 in sein Kloster zurückkehren. Es war inzwischen völlig verarmt. Die meisten der wenigen in Ebrach zurückgebliebenen Konventualen waren ermordet worden.

Abt Johannes starb am 5. April 1637.

Unter Vorsitz des Abtes Georg Kihn (1618-1639) aus Bildhausen wurde von den wenigen verbliebenen Mönchen Johannes VI.Pfister (1637-1642) zu seinem Nachfolger gewählt. StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1608. Die Wahl wurde vom Salemer Abt Thomas Wunn bestätigt.

Er ist in Würzburg geboren. Dort hat er wohl die Lateinschule besucht. Später studierte er an der Universität Würzburg und promovierte dort in Jura.

Seinen Nachfolger bekleidete er ins Exil in die Pfalz und ins Rheinland. Er kehrte mit ihm zusammen nach Ebrach zurück

Nach seiner Wahl wurde der neue Abt in Würzburg von Bischof Franz von Hatzfeld am 2. Februar 1638 benediziert.

Das Kloster hatte nach wie vor unter den Truppendurchzügen zu leiden. Er konnte sein Kloster erhalten und hatte nach Weigand “eine feine Art”  (S. 76) mit den durchziehenden Soldatenrotten umzugehen. Das kam natürlich auch dem Kloster zugute.

Er holte noch während des Krieges einige seiner Konventualen zurück und konnte sogar zwei Neuzugänge vermelden. Er starb schon nach vier Jahren Amtszeit am 20. September 1641 .

Unter Vorsitz von Abt Johann VIII. Gagel (1638-1649) wurde Heinrich VI.Pörtner zum Abt von Ebrach gewählt. Die Wahl wurde wieder von Abt Thomas Wunn bestätigt.  StAWü, KlosterEbrach Urkunden 1615

Heinrich VI. stammte aus dem unterfränkischen Unterspiesheim, heute Teil der Gemeinde Kolitzheim. Über seine Familie geht aus den Quellen nichts hervor. Er besuchte wahrscheinlich eine Lateinschule, wahrscheinlich in Schweinfurt.

Er trat schon früh ins Kloster Ebrach ein. Als die Schweden Kloster Ebrach besetzten floh er ins Primarkloster Clairvaux. Er blieb dort vier Jahre und kehrte dann wieder nach Franken zurück. In der Klosterhierarchie stieg er schnell auf. Er wurde Subprior

und war Pfarrvikar im Klosterdorf Burgwindheim. Bei seiner Wahl war er Cellerar StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1613

In Clairvaux hatte er sich wohl eine sehr strenge Lebensart angewöhnt. Nach seiner Wahl zum Abt versuchte er die Klosterzucht wieder zu stärken. Diese hatte in den Kriegswirren doch sehr gelitten. Er führte einen Bußgürtel für Mönche ein. Er ließ auch

Nachtwachen aufstellen. Auch er erreichte wieder einen Zuwachs. 4 neue Mönche traten zu den  bisherigen 9 Konventualen ins Kloster ein.

Er wurde von einer Krankheit befallen und starb nach drei Wochen Krankenlage am 5. Oktober 1646.

Die wieder notwendig gewordene Wahl wurde am 21. Oktober 1646 ebenfalls von dem Langheimer Abt Johann VIII. Gagel geleitet.StAWü, KlosterEbrach Urkunden 1634.

Gewählt wurde Peter II. Scherenberger (1646-1658) Bei seiner Wahl war er Bursar.  Er ist in Brückenau geboren. 1628 wurde er zum Studium nach Dillingen geschickt. Sein Studium musste er kriegsbedingt unterbrechen. Er floh nach Salem.

Als er nach Franken zurückkam, fand er sein Kloster noch immer öde vor. Er nahm deshalb eine Feldpredigerstelle im österreichischen Regiment des Grafen Melchior von Hatzfeld (1593-1658) an. Danach war er in einer Pfarrei in Böhmen. Um 1640 kam er nach Ebrach zurück.

Er versah erst die Pfarrei Burgebrach. Danach wurde er Bursar.Er wurde von dem Würzburger Bischof Johann Philipp von Schönborn (1642-1670)zusammen mit dem Abt Remigius Winckel (1646-1654) von Kloster Schwarzach benediziert.

1648 war endlich Friede eingekehrt. Zwischen dem 15. Mai und dem 24. Oktober waren in Münster und Osnabrück eine reihe von Friedensverträgen geschlossen worden. Ein neues Reichsreligionsrecht war festgelegt worden. Die Rechte der Reichsstände gegenüber dem Kaiser in ihren eigenen Territorien wurden festgeschrieben. Auf kirchlicher Ebene wurde der Passauer Vertrag von 1552 und der Augsburger Religionsfrieden von 1555 bestätigt. Das Restitutionsedikt von 1629 wurde aufgehoben  und das Jahr 1624 wurde als Normaljahr festgelegt.

Der evangelische und katholische Besitzstandsollte  so bleiben oder wiederhergestellt werden, wie er am 1. Januar 1624 gewesen war.

Das Normaljahr hatte für Kloster Ebrach zur Folge, dass es die an Schweinfurt verlorenen Gebiete wieder zurückbekam. Die zerstörten oder verfallenen Gebäude wurden instand gesetzt. Verödete Güter wurden wieder angebaut.

Abt Peter begann mit dem Bau des großen Kellers und des Speichers, der dann unter seinem Nachfolger vollendet wurde.

Am 14. Juli 1649 genehmigte der päpstliche Legat Fabius Chigi, Bischof von Nardo,(1644-1649) die Einrichtung einer Bruderschaft des Heiligen Blutes in Kloster Ebrach. StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1646

Im Juni 1654 wurde Kloster Ebrach von Generalabt Claude Vassin(1645-1670) visitiert. Der Generalabt erließ auch Statuten für Kloster Ebrach. StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1669

Abt Peter war auch im Orden aktiv. 1651 nahm er am Generalkapitel teil. 1653 besuchte er das Nationalkapitel in Donauwörth und 1654 in Rottweil. Dort schlichtete er Streitigkeiten zwischen dem Bronnbacher Abt Valentin Mammel (1647-1670) und dem Konvent und von Neuburg und Abt Bernhard.

Er weihte auch den Abt von Langheim Mauritius Knauer (1649-1664) und im Auftrag des Bischofs von Bamberg  Melchior Otto Voit von Salzburg (1642-1653) den Abt von Kloster Banz Michael Stürzel (1648–1664)Auch den Konvent vergrößerte er beachtlich. Bei seinem Amtsantritt waren

noch 6 Mönche im Kloster. Er verzeichnete 28 Neueintritte und berief aus anderen Klöstern, die für die Schulung der neuen Mönche eingesetzt wurden, so den früheren Prior in Fulda, Placidus Braun und den Subprior aus Bildhausen, Joseph Agricola. In Ebrach richtete er eine

philosophische und theologische Schule ein.

Trotz der Kriegsschäden und der Lasten aus dem Krieg schaffte er es, noch 8000 Gulden schulden abzutragen.

Abt Peter starb am 1. Juni 1658.

Am 6. Juni 1658 wurde unter Vorsitz von Abt Mauritius Knauer (1649–1664 ) aus Kloster Langheim wurde Alberich Degen(1658-1686) zum 42. Abt von Kloster Ebrach gewählt. Er stammte aus Zeil am Main und trat 1647 in das Kloster Ebrach ein. Er studierte Theologie und wurde 1649

zum Priester geweiht. 1654 wurde er zum Verwalter des Amtshofes in Würzburg bestimmt. Bei seiner Wahl war er außerem Beichtvater im Kloster Seligenpforten. StAWü, KlosterEbrach Urkunden 1679

Schon kurz nach seiner Wahl ernannte ihn Generalabt Claude Vassin zum Visitator und Generalvikar des Zisterzienserordens in Franken. Urkunde 1680. Nach dem Tod von Abt Thomas II. Schwab aus Salem, der auch Vorsteher der Oberdeutschen Zisterzienserkongregation war, wurde Abt Alberich

1664 Generalvikar der Oberdeutschen Zisterzienserkongregation. StAWü, KlosterEbrach Urkunden 1725

1659 nahm er in Überlingen am Kapitel und 1670 in Salem teil. 1667 war er beim Generalkapitel in Citeaux dabei.

Er stattete die Klosterkirche großzügig mit Bildern, Leuchter Kelchen und anderen Kirchengerätschaften aus und gab dafür 17.000 Gulden aus.

Er erwarb den Zehnten in verschiedenen Dörfern, kaufte von Samuel von Thüngen das Schloss und das Dorf Oberschwappach. Er legte ein Kapital von 20.000 Gulden zur Unterstützung von Ebracher Untertanen an. Außerdem tilgte er 50.000 Gulden der Schulden von Kloster Ebrach und machte dieses somit schuldenfrei.

Er sorgte auch weiter für die Pflege der Wissenschaften. Am Kloster wurden Theologie und Philosophie gelehrt. Aber auch die Jurisprudenz wurde ausbaut. So konnten die Klosterämter immer mit gut ausgebildeten Verwaltern besetzt werden. Die Bibliothek wurde von Ludwig Ludwig, dem Nachfolger von Abt Alberich geleitet und mit Werken auch aus anderen Wissenschaften wie Geschichte, Mathematik, Geographie und anderen versehen.

Er wirkte über das Kloster hinaus. Für Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn (1642-1673) war er ein persönlicher Berater. Die Mutter von Abt Alberich wurde angeblich nach einem Hexenprozess hingerichtet. Fürstbischof Johann Philipp ließ in allen drei Bistümern, in denen er (gleichzeitig) Bischof war, nämlich Würzburg. Mainz und Worms, nachhaltig von Friedrich von Spee beeinflusst, die Hexenprozesse abschaffen.

Abt Alberich soll auch 1655 die Silvanerrebe erstmals in Franken am Stein anbauen lassen haben. Dafür wurde ihm ein Denkmal errichtet,das heute im Keller des Brügerspitals in Würzburg zu besichtigen ist.

Abt Alberich starb am 24. November 1686.

Der Konvent meldete den Tod von Abt Alberich ordnungsgemäß an den Würzburger Bischof Johann Gottfried von Guttenberg (1684-1689). Dieser sandte sofort eine Kommission unter Weihbischof Stephan Weinberger (1667-1703) und dem Kanoniker des Stiftes Haug in Würzburg Andreas Hartmann

nach Kloster Ebrach. Diese verlangten entgegen dem Herkommen einen anderen Wahltermin, um an der Wahl teilzunehmen. Auch ließen sie Schlösser gewaltsam öffnen, um eine Inventur der Abtei, des Kellers und des Speichers vorzunehmen.

Der Konvent wählte aber unter Vorsitz des Langheimer Abtes Thomas Wagner (1677-1689) Ludwig Ludwig zum Nachfolger des verstorbenen Abtes und 43. Ebracher Abt Ludwig Ludwig (1686-1696).

Er ist am 5. September 1640 in Oberschwarzach in Unterfranken, heute Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Gerolzhofen geboren. 1662 trat er in das Kloster Ebrach ein. Er hat wohl Theologie und Philosophie studiert.  1565 feierte er seine Primiz.

Unter seinem Vorgänger war er Bibliothekar, bei seiner Wahl zum Abt Prior. StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1875

Kurz nach der Wahl kam eine bischöfliche Kommission und ließ ein Revers unterzeichnen, in dem der Bischof wegen der durch die Wahl gezeigte Widersetzlichkeit um Nachsicht gebeten wurde. Als der Abt dieses unterzeichnete, kehrte zunächst Ruhe ein.

Es gab auch Schwierigkeiten mit dem Nachbarbistum Bamberg. Als Vaterabt leitete Abt Ludwig in Kloster Langheim die Wahl von Gallus Knauer (1690-1728) zum Abt von Kloster Langheim. bei dieser Gelegenheit er einigen jungen geistlichen die Niederen Weihen.

Der Bamberger Bischof Marquard Sebastian Schenck von Stauffenberg (1683-1693) sah sich dadurch in seinen Rechten verletzt und wandte sich sogar an Rom und erwirkte dort die “suspensio ab officium”, als die Amtsablösung.  Abt Ludwig legte darauf

das päpstliche Privileg vor, solche Weihen auch in seinem Kloster abstammenden Filialklöstern auch in fremden Diözesen vorzunehmen. Daraufhin wurde der Streit beigelegt.

Wegen des Investiturrechts kam es zu einem Streit mit dem Bistum Würzburg, der zu einem Prozess vor dem Reichskammergericht führte und erst durch die Vermittlung des deutschen Orden und des Eichstätter Bischofs Johann Euchar Schenk von Castell (1685-1697)

wurde dieser beigelegt.

Im Kloster wurde Theologie, Philosophie, Geschichte und Geographie gelehrt. Er schickte seine Geistlichen auf Hochschulen und konnte auch andere Klöster mit Lehrern und Professoren versehen.

Nach seiner von ihm hinterlassenen Rechnung gab er 100.000 Gulden für Bauten und Kirchengeräte aus. 1688 begann er mit dem Konventsbau, den aber erst seine Nachfolger fertigstellten. Für den Konventsbau beauftragte er Johann Leonhard Dientzenhofer, der vorher in Kloster Waldsassen tätig war. Von Balthasar Neumann (*1687-1753) sind Rechnungen vorhanden. Er lieferte Entwürfe für Treppenhaus, Saaltrakt und Flügel um den Ehrenhof. Die Projekte sind verloren. Engagiert wurde dann  der aus Vorarlberg

stammende Baumeister Joseph Greissing (* 1664-1721) und spätere Würzburger Hofbaumeister, der durch  Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn gefördert worden war.

In Nürnberg erlitt er eine schwere Lungenentzündung, an der er dort am 24. Mai 1696 verstarb.

Unter Vorsitz von Abt Gallus Knauer  aus Kloster Langheim wurde sein Nachfolger Candidus Pfister (1696-1702) aus Sulzfeld am Main zum 44. Abt von Ebrach gewählt. StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1912

Er war schon sehr früh in das Kloster Ebrach eingetreten und hatte verschiedene Klosterämter innegehabt. Er war Bursar, Cellerar. Bei seiner Wahl war er Kanzleidirektor. Er war Ratgeber und Gefährte seines Vorgängers Ludwig.

Als Mönch unternahm er im Auftrag der Abtei weite Reisen.

Schon am 12. August 1696 wurde er von Generalabt  Nicolas III. Larcher (1692-1712) zum Visitator und Generalvikar des Zisterzienserorden in Franken ernannt. (Urkunde 1914)

170 kaufte er von dem Dompropst Otto Philipp von Guttenberg den Klebheimer Hof. StAWü, KlosterEbrach Urkunden 1927

Mit dem Würzburger Bischof Johann Philipp von Greiffenclau zu Vollraths (1699-1719)kam ein Kompromiss über die Stellung der Abtei zustande. Am 11. Juni 1701 wurde ein Vertrag “über verschiedene zwischen ihnen strittige Punkte” abgeschlossen.

StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 1928. Geklärt wurde allerdings nichts. Die Spannungen zwischen Bistum und Abtei blieben bis zum ende des Klosters bestehen.

Abt Candidus resignierte 1702. Er hatte mehrere Schlaganfälle, er war zeitweilig gelähmt und seine Sprache war schwer gestört. Nach seinem Amtsverzicht lebte er weiter in seiner Wohnung. Er starb am 26. Februar 1704.

Nach der Resignation von Abt Candidus wurde Paulus II. Baumann (1702-1714) zum 45. Abt von Ebrach gewählt. Generalabt Generalabt  Nicolas III. Larcher bestätigte die Wahl am 13. Januar 1703. StAWü, KlosterEbrach Urkunden 1933

Zwei Tage später ernannte er ihn zum Generalvikar und Visitator für die Fränkischen Zisterzienserklöster.Urkunde 1934

Abt Paulus II. ist am 4. September 1644 in Würzburg geboren. Er besuchte dort die Lateinschule und studierte an der Universität Würzburg. Er trat in das Kloster Ebrach ein. Am 20. August 1663 legte er sein ewiges Gelübde ab. Am 9. November 1670 feierte er

seine Primiz. Er stand zunächst dem Klosteramt in Sulzfeld vor. Dann wurde er Amtmann in Mönchherrnsdorf. Im Kloster Ebrach war er Bursarius und dann Kanzleidirektor.

Er begann die Klosterkirche neu auszustatten. In Würzburg wurde der Bau des Klosterhofes vollendet. Er entstand wohl unter Mitwirkung von Joseph Greissing in den Jahren 1710-1712. In Waldschwind wurde das Hofgut vollendet. Im 18. Jahrhundert trafen sich die Fürstbischöfe von Schönborn

mehrmals und veranstalteten zusammen mit den Ebracher Äbten Jagden. Den Hof in Gochsheim-Eyer baute er von Grund auf neu. Er dient heute als Pfarrhaus. Die Renovierung Ebracher Hofs in Rödelsee war schon unter Abt Hieronymus begonnen werden. Abt Paulus vollendete sie

und ließ 1712 dort sein Wappen anbringen.

Auch Abt Paulus hatte Gesundheitsprobleme. Er litt unter Nierenstein . Er bat 1714 beim Generalvikar der Oberdeutschen Zisterzienserkongregation  Stephan I. Jung (1698–1725 ) um Resignation. diese wurde genehmigt. Er lebte dann weiter im Kloster.

Er starb am 1. April 1725.

Auf ausdrücklichen Wunsch des emeritierten Abtes Paulus wurde Wilhelm Sölner (1714-1741) zu seinem Nachfolger gewählt. Generalabt Edmond II. Perrot (1712-1727) bestätigte die Wahl am 8. Oktober 1714. StAWü, KlosterEbrach Urkunden 1968

Einen Tag später ernannte er ihn zum Generalvikar und Visitaror für die Fränkischen Zisterzienserklöster. Urkunde 1969

Abt Wilhelm wurde am 30. Dezember 1671 in Gerolzhofen im heutigen Landkreis Schweinfurt geboren. Mit 5 wurde er schon auf die Zisterzienserschule in Würzburg geschickt um eine solide Ausbildung zu erhalten. Er schloss mit der Matura ab.

Dann studierte er an der Universität von Ingolstadt, die wie fast alle katholischen Universitäten von Jesuiten geleitet wurde. Er studierte Theologie. Er trat ins Kloster Ebrach ein und legte am 21. November 1691 seine Gelübde ab.

Dann ging er ins Kloster Waldsassen. Dort wurde er in Rhetorik geschult und schrieb mehrere Disputationen. Seine akademische Ausbildung schloss er an der Universität Prag ab. Dort hatte er Geschichte, Staatskunde und Rechtswissenschaften studiert.

Er promovierte und lehrte dort anschließend kirchliches Recht. Seine akademische Laufbahn musste er abbrechen, weil er ins Kloster zurückberufen wurde. Dort wurde er Kanzleidirektor. In seiner Amtszeit verfasste er eine kurze Streitschrift gegen das Bistum Würzburg,

das die Reichsunmittelbarkeit von Kloster Ebrach bezweifelte

Er wurde von dem Würzburger Fürstbischof Bischof Johann Philipp von Greiffenclau zu Vollraths  am 2. Juni 1715 benediziert. Die Regierung dieses Fürstbischofs bedeutete eine kurze Entspannungsphase im Verhältnis von Bistum und Abtei.

Doch schon mit seinem Nachfolger Johann Philipp Franz von Schönborn (1719-1724) ging der Kampf um die Unabhängigkeit von Würzburg weiter und prägte auch die gesamte Regierungszeit von Abt Wilhelm.

Bei seinem Amtsantritt waren 50 Religiose und 6 Konversen im Kloster Ebrach. Während seiner Regierungszeit wurden 65 Religiose neu aufgenommen.

Sofort nach seiner Wahl beschloss er die Weiterführung der seit 1702 unterbrochenen arbeiten am “Neuen Bau”. Es ist nicht der barocke “Bauwurmb”, der ihn antreibt, wie das Fürstbischof Damian Hugo von Schönborn von Speyer genannt hat.

Es ist die gebaute Legitimation der beanspruchten Reichsunmittelbarkeit als Triebfeder seiner Bautätigkeit, für die er 600.000 Gulden ausgeben wird (Der Gulden um 1750 wäre heute etwa 10.—€ wert) Also hat Abt Wilhelm etwa 6 Mio € für die

Bautätigkeit seines Kloster ausgegeben und das ohne Schulden zu machen! Es wurde nun aber nicht die von dem inzwischen verstorbenen Johann Leonhard Dientzenhofer zweigeschossige Klosteranlage weitergeführt  werden. Es sollte ein

Schloss-Stift gebaut werden ähnlich wie das nahe schloss Pommersfelden, das gerade fertig geworden ist.

1720 wurden die Arbeiten in Ebrach unterbrochen. Nun wurden die Amtshöfe in Burgwindheim (1720–1725), Sulzheim (bis 1729), Mainstockheim (1727–1734) und Oberschwappach (bis 1738) ebenso repräsentativ als Amtsschlösser umgebaut. Schon 1730 wurde in Ebrach weitergebaut.

Um das Kloster entstand ein Rokokopark.

Dann wurden die Ökonomiegebäude in der sogenannten Klostervorstadt gebaut. Auch ein Krankenhaus entstand, um den immer wieder auftretenden Seuchen in der Klosterumgebung entgegen zu wirken.

Er förderte die Wissenschaft im Kloster. Die Bibliothek erweiterte er. Im Ebracher Hof in Würzburg richtete er wieder ein Studienkolleg ein,in dem Studenten aus allen fränkischen Klöstern aufgenommen wurden.

Im Auftrag des Generalkapitels verfasste er die “Brevis Notitia” über das Kloster. Darin waren die Rechte und Privilegien, die in der langen Geschichte des Ebracher Klosters gesammelt worden waren, zusammengefasst.

Der Würzburger Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim (1729-1746) bezeichnete das Schriftstück als  “Schandwerk” und ließ es in Würzburg öffentlich verbrennen. Als Antwort ließ Abt Wilhelm in Rom eine zweite Auflage drucken.

Abt Wilhelm plante eine zweite Schrift, die seine Absichten erläutern sollten. vor der Vollendung starb er aber 24. April 1741.

Am 16. Mai 1741 fand unter Vorsitz von Abt Cölestin I. Mermos (1739–1771 ) die Wahl von Wilhelms Nachfolger statt.StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 2040. Gewählt wurde Hieronymus II. Held (1741-1773) Noch im Mai wurde er

von Generalabt Andoche Pernot des Crots (1727-1728) zum Visitator und Generalvikar des Zisterzienserordens in Franken ernannt. Urkunde 2042

Er stammte wie sein Vorgänger  ebenfalls aus Gerolzhofen und ist dort am 2. Februar 1694 geboren. Er trat in Kloster Ebrach ein. In seinen jüngeren Jahren war er dort als Professor der Philosophie tätig. Dann wurde er Amtmann im Ebracher Hof in

Würzburg und war dort auch Präses des dortigen Studienkollegs der Zisterzienser.

Im Auftrag  von Abt Wilhelm reiste er nach Rom, um bei der Congregatio super negotiis episcoporum et regularium, über seine “Brevis notitia” zu verhandeln. Diese Kongregation ist für Untersuchungen von Streitigkeiten der Bischöfe und Ordensgeistlichen zuständig.

Hieronymus Held erreichte, dass die Schrift in Rom anerkannt wurde und eine Neuauflage in Rom gedruckt wurde.

Als Abt war Hieronymus bemüht, das angespannte Verhältnis zum Hochstift Würzburg zu entkrampfen. Er stoppte den Nachdruck der “Brevis Notitia”, obwohl er ja die Druckgenehmigung bewirkt hatte. Aber auch Fürstbischof Friedrich Karl suchte die Streitigkeiten zu beenden.

Eine Reihe kleinerer Unstimmigkeiten wurden ausgeräumt, so zum Beispiel zwischen dem Würzburgischen Hofrat Röthlein und dem Klosteramtmann  in Burgwindheim StAWü, KlosterEbrach Urkunden 2068 oder ein Vergleich in Forstbezirken StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 2069.

Aber auch langwierige Streitigkeiten wie das Patronatsrecht auf die Pfarrei Burgebrach wurden 1752 mit einem Vergleich beigelegt. (Weigand S. 100 f.)

Nach dem Tod des bisherigen Generalvikars der Oberdeutschen Zisterzienserkongregation, des Salemer Abtes Konstantin Miller (1725-1745) ernannte Generalabt Andoche Pernot am 6. März 1645 Abt Hieronymus zum Generalvikar.StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 2054

Es fanden aber wegen des Siebenjährigen Krieges 1756-1763 aber auch wegen interner Streitigkeiten im Zisterzienserorden (Weigand S. 101)

1760 wurden Abt Hieronymus und der Abt von St. Urban Augustin Müller (1751–1768) zu Kommissaren ernannt, die Streitigkeiten zwischen dem Salemer Konvent und dem Abt Anselm II. Schwab (1713-1778) untersuchen und entscheiden sollten.

Die Kommission suspendierte Abt Anselm und beauftragte den Prior und einige Geistliche mit der Verwaltung des Klosters. (Weigand S. 101) Abt Anselm hatte aber beste Beziehungen zum Wiener Hof. Von
Maria Theresia war er 1748 zum  «Kaiserlichen und Königlichen Wirklichen Geheimen Rat» ernannt worden. Er wehrte sich und konnte die Intrige, an der  auch der Konstanzer Bischof Kardinal Franz Conrad von Rodt (1750-1775)beteiligt war,

abwehren. Er erwirkte einen Königlichen Hofratsbeschluss, der die Kommissionsentscheidung aufhob, da sie nicht berücksichtigt habe, dass Abt Anselm ein Reichsstand sei. Nur mit Bewilligung der königlichen Majestät könnte eine solche Suspendierung vorgenommen

werden.  Auch dem Generalabt wurde vorgeworfen, dass dieses Verfahren rechtswidrig sei.

Der Siebenjährige Krieg machte dem Kloster zu schaffen. Es kam zu Einquartierungen sowohl von preussischen als auch österreichischen Truppen. Insgesamt musste das Kloster 300.000 Gulden an Kontributionen bezahlen, an der Kaufkraft gemessen als etwa 3 Millionen €.

Trotzdem konnte eine neue Orangerie und ein Hirschgarten errichtet werden. In Bamberg wurde 1768 der neue Ebracher Hof fertiggestellt und in Koppenwind wird der Amtshof neu erbaut. Er ließ die Hauptorgel und zwei vom Würzburger Hoforgelbauer Johann Philipp Seuffert (1693-1780)erstellen.

Die Wissenschaft blühte. Die Bibliothek unter Pater Äquilin wurde gepflegt und die Abtei konnte sich wirtschaftlicher Prosperität erfreuen.

In seiner Amtszeit traten insgesamt 58 Novizen in Kloster Ebrach ein.

Im letzten Jahr seiner Regierung erkrankte er an Gicht Er starb am 20. Oktober 1773.

Am 13. Dezember 1773 wurde Wilhelm II. Roßhirt (1773-1791) zum Nachfolger von Abt Hieronymus und vorletzten Abt von Kloster Ebrach gewählt. Die Wahl fand unter Vorsitz des Abtes Fortunat Hartmann(1755-1779) von Kloster Plass statt, der gleichzeitig Generalvikar von Böhmen war.

StAWü, KlosterEbrach Urkunden 2096 und Urkunde 2099 Der letzte Generalbt des Zisterzienserordens François Trouvé (1748-1797) ernannte Abt Wilhelm am 21. November 1774 zum zum Generalvikar des Ordens für Franken mit dem Recht zur Visitation und Beaufsichtigung der Männerklöster Bildhausen, Bronnbach und Langheim sowie des Frauenklosters Himmelspforten. StAWü, Kloster Ebrach Urkunden 2100.

Zur Wahl im Dezember gab es auch ein Glückwunschschreiben von Gräfin Johanna von Schönborn. StAWü, KlosterEbrach Urkunden 2098. Sie war die Gattin des Grafen Hugo Damian Erwein von Schönborn, der die Herrschaft Wiesentheid im Fränkischen Reichskreis innehatte.

Da es im Urkundenbestand des Staatsarchivs Würzburg zu Kloster Ebrach die einzige dieser Art ist, erwähne ich sie der Kuriosität halber.

Abt Wilhelm ist am 4. Februar 1714 in Neustadt an der Saale geboren. Er stammt aus einer Beamtenfamilie in Neustadt. Über seine schulische Ausbildung ist in den Quellen nichts zu erfahren. Er trat ins Kloster Ebrach ein und legte dort am 18. Juli 1734 sein Gelübde ab.

1738 wurde er zum Priester geweiht. In der Laufbahn der Klosterämter war er Kanzleirat, dann Subprior. 5 Jahre war er Prior. Danach wurde er nach Würzburg berufen, wo er den Ebracher Klosterhof leitetete. Bis 1773 war er dann Amtmann am Sulzheimer Hof.

Dann wurde er zum Abt gewählt. Eine seiner ersten Amtshandlungen war, die durch Ebrach verlaufende Landstraße zu erhöhen. Das bewirkt bis heute den Eindruck, dass die Kirche niedriger liegt.

Er schickte viele seiner Konventualen zum Studium nach Würzburg, neben Theologie auch juristische Fächer. So konnte er die Lehrstühle in Ebrach belegen, hatte aber auch für die Ämter fachlich ausgebildetes Personal.

In seiner Eigenschaft als Vaterabt musste er in Langheim eingreifen. Dort gab es Misshelligkeiten zwischen Konvent und Abt.Abt Johann Nepomuk Pitius (1774-1787)hatte dem Kloster durch Ankäufe und Neubauten hohe Kosten verursacht,

obwohl das Kloster noch an den Kontributionen aus dem Siebenjährigen Krieg zu tragen hatte. Abt Wilhelm hatte diese Ausgaben untersagt. Der Bamberger Bischof Franz Ludwig von Erthal (1779-1779 in Personalunion auch Bischof von Würzburg)befahl Abt Nepomuk Pitius am 3. April 1787 Gehorsam gegenüber dem Vaterabt. Am  22. Juli 1787 suspendierte er ihn wegen Verschwendung vom Amt.

Im Kloster ließ er die Kirche neu gestalten. sie war bereits reich barock ausgestattet. sie hatte 27 Altäre in Chor und Schiff und drei Altäre in der Michaelskapelle. Der Würzburger Hofstuckateur Materno Bossi (1739–1802) gestaltete den frühklassizistischen Umbau.

Er verfremdete den mittelalterlichen Raum, wahrte aber seine Tektonik. Er ersetzte die gotischen plastischen Werkstücke. nun stehen hier korinthische Säulen. Die Farblosigkeit puristischer gotischer Innenräume wird durch lichte Farbigkeit ersetzt. Es ist ein

echtes Meisterwerk, das hier zu bewundern ist. Für die Erneuerung der Kirche hat Abt Wilhelm 100.000 Gulden ausgegeben.

Wegen einer Schrift des Paters  Christian Baumann flammte der Streit mit dem Bischof von Würzburg wieder auf. Es handelte sich zwar um eine Schrift mit wirtschaftlichem Inhalt. Aber auf dessen Titel nannte sich der Verfasser “Mitglied der unmittelbaren Reichsabtei Ebrach”

Der Würzburger Bischof Franz Ludwig von Erthal  bezeichnete die Schrift  als „Arroganz“ der Mönche und ließ es öffentlich verrufen. Daraufhin strengte Roßhirt einen neuerlichen Prozess am Reichskammergericht an, den er schließlich auch gewann.

1788 konnte im Kloster ein letztes großes Fest gefeiert werden. Abt Wilhelm beging sein 60-jähriges Priesterjubiläum, was mit großen von seinem Nachfolger Eugen Montag geplanten viertägigen Festlichkeiten begangen wurde. Abt Wilhelm war wegen seiner Mildtätigkeit bekannt und geliebt.

Bei einer Überschwemmungskatastrophe in Bamberg hatte er mehrere Wagen mit Brot und Mehl nach Bamberg geschickt, um die Not zu lindern.

Nach einem Prunkfrühstück gab es den ganzen Tag Wein und Brot für die Bevölkerung. Der Abt speiste mit 340 Gästen. Es gab ein Konzert mit einer berühmten Sopranistin. Am nächsten Tag gab es ein Feuerwerk und die Aufführung eines Singspiels. Am Folgetag stand ein Komödientheater mit modischen Kostümen auf dem Programm. Am Folgetag wich die Gesellschaft auf den Ökonomiehof nach Waldschwind aus, weil an diesem Tag im Kloster kein Fleisch gegessen werden durfte und Abt Wilhelm seinen Gästen eine solche Enthaltsamkeit nicht zumuten wollten. Es war ein barockes Fest, wie man es sich vorstellt und die letzten unbeschwerten Tage in der Abtei. Dieses Fest wird bei Elke Goez auf Seite 24 ff ausführlich beschrieben.

Die Abtei hatte eine letzte große Phase. Sie erlebte eine Blüte ihres Bauwesens und der Klostermusik.

Auch Abt Wilhelm nahm eine Reihe von Novizen auf. Unter den letzten 4 Äbten waren noch fast 170 neue Mönche ins Kloster eingetreten.

Abt Wilhelm II. Roßhirt starb am 15. Januar 1791 sechsundsiebzigjährig.

Sein Nachfolger wurde Abt Eugen Montag. (1791-1803, +1811) Er ist am 5. März 1741 in Ebrach als Sohn des Rechtskonsulenten von Kloster Ebrach Georg Wilhelm Montag  geboren. Er ging in Würzburg zur Schule

Am 16.11.1760 legte er in Kloster Ebrach seine Profess ab. Dann studierte er in Würzburg Theologie, beide Rechte sowie Geschichte. 1765 wurde er zum Priester geweiht. Im Kloster stieg er über den Subprior, Kanzleirat und schließlich

Kanzleidirektor von Kloster Ebrach. Er war also der weltliche Regent im Abteiland. Auch für den Orden war er tätig. Er war jahrelang Sekretär der Oberdeutschen Zisterzienserkongregation und hatte sich als solcher mit diffizilen  Rechtsangelegenheiten im Orden

zu befassen.

Unter Vorsitz von Abt Robert Schlecht (1778-1802) wurde er am 21.1791 zum 49. und letzten Abt von Kloster Ebrach gewählt. Einen Monat später wurde er von Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal benediziert.

Er war ein hochgerühmter Staatsrechtsfachmann seiner Zeit und schrieb mehrere Werke.

Disquisitio de ducatu et judicio provinciali episcopatus Wirzeburgensis, 1778;
Frage, ob d. Abtei Ebrach … d. Prädikat „reichsunmittelbar“ rechtmäßig gebühre, u. ob dieselbe als Herrschaft ihrer Untertanen d. Regel d. Reichsfreyheit gegen d. hochfürstl. Würzburg. Ansprüche e. vollkommenen Landeshoheit zu behaupten befugt seye, 1786;
De milite nobili et ingenuo saeculi XI. et XII. una cum vindiciis Marquardi de Grumbach dynaste, 1794;
Historiae diplomaticae Ebracensis Monasterii Saeculi primi Epocha prima ab anno 1126-1166 sive de rebus gestis sub Adamo Abbate I.

Die diplomatische Geschichte beschrieb die Geschichte von Kloster Ebrach seit seiner Gründung.

Noch nach seinem Tod erschien eine von F. A. Frey überarbeitete Auflage von Geschichte der deutschen  staatsbürgerlichen  Freyheit

Er vollendete die Ebracher Schulordnung, die sein Vorgänger begonnen hatte.

Noch vor seiner Wahl war am 14.Juli 1789 in Frankreich die Revolution ausgebrochen. Ordensgemeinschaften wurden aufgehoben, natürlich auch der Zisterzienserorden. Viele Patres gingen ins Exil.

Der letzte Abt  des Mutterklosters von Ebrach Morimond  Antoine Remy Chautan de Vercly (1778-1791) ging nach der Aufhebung seines Klosters nach Ebrach ins Exil.

Antikirchliche Stimmungen, die auch den Weg zur Säkularisation ebneten, breitete sich aus.

Unter den Koalitionskriegen hatte Kloster Ebrach nochmals schwer zu leiden. in Amtshöfen wurden Lazarette eingerichtet. Kontributionen mussten gezahlt werden. 1796 und 1800 besetzten und plünderten das Kloster. 1800 musste

der Abt fliehen.um nicht als Geisel genommen zu werden. Preussen nutzte die Lage zur Okkupation ebrachischer Besitzungen.

Zwar wurde im Reichskammergerichtskalender und 1802 im Reichsdeputationshauptschluß Kloster Ebrach als reichsunmittelbar bezeichnet.

Aber es war bereits überholt.

1801 wurde in Lunéville Frieden geschlossen. Darin bestätigte Kaiser Franz und das Reich Frankreich das Recht auf die Inbesitznahme  linksrheinischer Gebiete. Dafür sollten deutsche Staaten im Gegenzug mit rechtsrheinischem Kirchenbesitz entschädigt werden.

Abt Eugen verhandelte mit Bayern, um das Kloster als Kollegium einzurichten. Vergeblich. Er hatte auch auf die enorme Bedeutung von Kloster Ebrach für sein Umland hingewiesen.

Von den Jahreseinnahmen10 wurde mindestens die Hälfte für die Besoldung von Angestellten, Priestern und Pfarrern – in Katzwang, Schwabach und Leerstetten unterhielt die Abtei sogar evangelische Pfarrer- das Schulwesen, Künstlerhonorare, Kredite für die Landbevölkerung und Almosen ausgegeben. Doch das interessierte niemanden.

Am 11.12.1802 forderte der bayerische Kommissar Klinger den Treueid auf den Kurfürsten. Bald begann die Inventarisierung, und am 2.5.1803 verkündete der ehemalige Ebracher Syndikus Stupp die Auflösung der ältesten rechtsrheinischen  Zisterze. 

Nur einige  Konzessionen erreichte Abt Eugen: Die Klosterkirche durfte als Pfarrkirche stehen bleiben, die 47 Priestermönche, vier Diakone, zehn Laienbrüder, auch Abt Eugen  selbst erhielten höhere Pensionen als vorgesehen. Aber sämtlicher Besitz der Abtei verfiel dem Staat, wurde z. T. versteigert oder verkauft. Abt Eugen verzichtete auf eine Wohnung im Kloster und zog mit einem Hauskaplan und einigem Personal, mit einer Pension von 8000 Gulden und mit seiner privaten Gemäldesammlung, um die er prozessieren und für die er zahlen mußte, in den ehemaligen Amtshof Oberschwappach. Er beschäftigte sich dort dann  wieder mit rechtshistorischen Fragen.

Er starb am 5. März 1811, genau an dem Tag, an dem er das 70. Lebensjahr vollendet hatte.

  • Werke
  • 23 Aug 2021

    Zisterzienserabtei Waldsassen

                                                                  

    Der Markgraf des Nordgau Diepold III. von Vohburg (* 1075; † 8. April 1146)gründete um 1133 Das Zisterzienserkloster Waldsassen. Es wurde besiedelt aus Kloster Volkenroda, dem ersten Zisterzienserkloster in Thüringen und gehörte über Kloster

    Kamp zur Filiation von Morimond. Diepold III. war der älteste Sohn  von Diepold II. Markgraf auf dem Nordgau und von Giengen. Im Gefolge von Lothar von Supplinburg(1125-1137) traf er 1131 in Lüttich mit Papst Innozenz (1130-1143) zusammen. Hier begegnete er auch

    Bernhard von Clairvaux (um 1090-1153). Er war Mitbegründer des Kloster Kastls in der Oberpfalz. 1118 gründete er das Benediktinerkloster Reichenbach am Regen und schließlich 1133 das Zisterzienserkloster Waldsassen.

    Diepold war auch Schwiegervater von Kaiser Friedrich Barbarossa (1152-1190). Seine Tochter Adela aus 1. Ehe mit Adelajda von Polen (* 1090/91, † 1127)heiratete 1147 in Eger Friedrich. Die Ehe wurde allerdings 1153 wieder geschieden, da sie bis dahin kinderlos geblieben war.

    Markgraf Diepold förderte den gezielten Landesausbau in seiner Markgrafschaft. Die Gründung von Klöstern war ein Baustein dazu. Kloster Waldsassen sollte bei der Kultivierung der Regio egere aktiv werden. Zu dieser Aufgabe eignete sich der Orden der Zisterzienser besonders.

    Einmal war körperliche Arbeit ein wichtiger Bestandteil der Ordensregel. Das Kloster sollte sich aus eigener Arbeit ernähren können. Zur Ansiedlung war eine kaum erschlossene Flusslandschaft vorgesehen wie es die Ordensregeln vorschreiben.

    Allerdings kann man Waldsassen zur Zeit seiner Gründung nicht als entlegenen Ort bezeichnen, was die Zisterzienser ja bevorzugten. Es hatte schon im Mittelalter eine außerordentlich gute Verkehrslage. Es liegt am Egerer Weg. Dieser stellte die Hauptverkehrsader von Regensburg nach Böhmen dar.

    Kloster Volkenroda bestimmte die Leiter für die Vorbereitungsarbeiten. Das war zunächst Heinrich (1133), dann Ulrich (1134) und schließlich Adeodat (1135). Diese drei Äbte dankten jeweils nach einem Jahr ab. Sonst ist über sie nichts bekannt. Aber

    Brenner, Johann B. Geschichte des Klosters und Stiftes Waldsassen, Nürnberg 1837, schließt aus dieser Tatsache “dass sie eine glückliche Regierung geführt, ihren Pflichten obgelegen seien, und für die meisten Äbte ein würdiges Vorbild hätten sein können” (S. 16)

    Auf diese drei Äbte folgte Gerlach, der als der eigentliche erste Abt von Waldsassen gilt.

    Es gab keine Gründungsurkunde von Waldsassen, aber eine Beurkundung der Schenkung durch Bischof Heinrich von Regensburg vom 20.08.1132 “Bischof Heinrich von Regensburg beurkundet, dass Markgraf Diebaldus auf seinem eigenen Grund in Waldsassen („in loco qui Waltsassen dicitur“) für sein, seiner Gattin sowie ihrer Kinder und Vorfahren Seelenheil eine Zelle für Mönche aus dem Orden der Zisterzienser gegründet und ihr sowie dem hl. Petrus und der Regensburger Kirche von seinen Gütern und Rechten geschenkt hat den Ort Waldsassen selbst und die Dörfer Brunne [Brunn, Stadt Tirschenreuth], Vro{v}wenruth [Frauenreuth, Markt Mähring] und Sloppan [Schloppach, Stadt Waldsassen, alle drei Lkr. Tirschenreuth] mit allen Zugehörungen unter der Bedingung, dass weder der Markgraf noch einer seiner Nachfolger die dortige Vogtei oder ein anderes Recht innehaben sollen. Der Bischof gibt daraufhin auf Bitte des Abtes und der Brüder und mit Zustimmung seines Klerus das Dorf Frauenreuth an den Markgrafen zurück und empfängt dafür im Tausch 5 an die Zelle grenzende Dörfer, nämlich die zwei Dörfer („duas uillas“) Berhtoldisruth [Pechtnersreuth, Stadt Waldsassen], Netsdal [Netzstahl, Stadt Waldsassen] und die zwei Dörfer („duas uillas“) Paphenruth [Pfaffenreuth, Gde. Leonberg, alle drei Lkr. Tirschenreuth], mit allen Zugehörungen.” (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 1)

    Nur 9 Jahre nach seiner eigenen Gründung folgte schon das erste Tochterkloster und zwar in Sedlec in Mittelböhmen einem Stadtteil von Kutna Hora (Kuttenberg). Das geschah mit Zustimmung des Herzogs Vladislav II (um 1110-1174), der 1158 König von Böhmen wurde und des Bischofs von Prag

    (1140-1148) Otto sowie des Bischofs von Olmütz Heinrich Zdik (1126-1150).

    Am 2. März 1147 nahm König Konrad (1138-1152) in Tauberbischofsheim Kloster Waldsassen in seinen Schutz, bestätigte die Ausstattung der Gründung durch den Markgrafen Diepold und bestimmte, “daß nur die Mönche das Recht besitzen, sich einen Vogt zu wählen”.  RI Konrad III. – RI IV,1,2 n. 442

    Das Kloster war nun reichsunmittelbar.

    1143 wurde das um 1140 von Burggraf Otto I. von Riedenburg (*1142) aus dem Haus der Babonen als Augustinerchorherrenstift gegründete Kloster Walterbach am Regen in ein Zisterzienserkloster umgewandelt und mit Mönchen aus Waldsassen besiedelt.

    1146 starb der Klostergründer Diepold. Er wurde in Kloster Reichenbach am Regen bestattet.

    1157 schickte der Maulbronner Abt Dieter unter Wahrung der Maulbronner Rechte den Waldsassener Konventualen Reinhard von Frauenberg nach Bronnbach, der dort mit Waldsassener Mönchen das Kloster gründete. Abt Reinhold dankte in Bronnbach ab, nachdem er in den Streit von Papst Alexander

    und dem von Friedrich Barbarossa ernannten Gegenpapst Victor hineingezogen worden war. Maulbronn schickte nach der Abdankung einen neuen Abt nach Bronnbach.

    1165 verstarb Abt Gerlach. Sein Nachfolger wurde Daniel (1165–1194). Vor er Abt wurde, war er wissenschaftlich tätig. Er schrieb ein Wörterbuch über das Wort Papst oder Papsttum, in Zeiten des Schisma wohl ein aktuelles Buch. Die Schrift wurde in der Waldsassener Chronik 1507 erwähnt und war zu diesem Zeitpunkt noch vorhanden. Abt Daniel war auch kaiserlicher Rat von Friedrich Barbarossa und war mit ihm in der Lombardei, in Apulien und Sizilien unterwegs. Von dort brachte er Kleinode und Reliquien nach Waldsassen zurück.

    1179 weihte der Regensburger Bischof Konrad II. von Raitenbuch (1167 –1185 ) die dreischiffige romanische Basilika ein. Auch Kaiser Friedrich Barbarossa war anwesend und wie aus der Urkunde vom 12. Juni 1179 (RI Friedrich I. – RI IV,2,3 n. 2495)

    hervorgeht “fast der gesamte kaiserliche Hof”

    Am 11. März 1185 nahm Papst Lucius III. (1181-1185) Kloster Waldsassen unter den Schutz der römischen Kurie (RI Lucius III. – RI IV,4,4,2 n. 1522), bestätigte die Freiheit vom Zehnten für Neubrüche bei Eigenbau und für Tierfutter und bestätigte den Besitz des Klosters, der 1185

    schon beachtlich war. Dem Kloster gehörte Münchenreuth, Pechtnersreuth, Hundsbach, Schloppach, Mammersreuth, Groppenheim, Pfaffenreuth, Mähring, Schönthann, Konnersreuth, Poppenreuth, Redenbach und Hofteich.

    Am 29. Januar 1194 nahm Kaiser Heinrich VI. (König von 1169, ab 1191-1194 Kaiser) in seinen Schutz nach dem Vorbild König Konrads (s.o.) RI Heinrich VI. – RI IV,3 n. 332

    1194 wurde Kloster Osek am Fuße des Erzgebirges  in Nordböhmen gegründet.

    Abt Daniel starb 1194. Sein Nachfolger wurde Erkenbert (1194/1196–1212). Er unterstütze das noch junge Kloster in Sedlec.

    In seiner Regierungszeit erhielt das Kloster Schenkungen von König Philipp. (1198-1208). Auch erteilte dieser Steuerbefreiungen. Das Steinerne Haus in Eger am 21. Februar 1203. RI Philipp – RI V,1,1 n. 74, das ab 1242 in Urkunden Steinernes Haus genannt wurde.

    Dort betrieb Kloster Waldsassen seinen Handel. Es war der einzige Stadthof, den das Kloster hatte. In Eger hatte das Kloster eine Fleischbank, die es zusammen mit Kloster Speinshart führte und dort seine Metzgereiprodukte verkaufte.

    Fleischgenuss war den Zisterziensermönchen ja nur als Ausnahme im Krankheitsfall erlaubt.

    Eine weitere Steuerbefreiung erteilte Philipp für ihren Hof in Heidingsfeld, heute ein Stadtteil von Würzburg. RI Philipp – RI V,1,1 n. 84.In Heidingsfeld hatte Waldsassen eine Grangie. Von Heidingsfeld aus wurde auch der Weinbesitz von Kloster Waldsassen verwaltet.

    Dort war um 1300 Marquard von Heidingsfeld Grangarius. Er hatte wie auch andere Waldsassener Mönche in Paris studiert, wohl zusammen mit dem späteren Papst Benedikt XII. (1334-1342). In Heidingsfeld war Marquard nicht nur mit Verwaltungsaufgaben beschäftigt.

    Er verfasste auch Bücher z. B. De dignitate sacerdotali und De vita contemplativa. Diese Werke gelten allerding als verschollen.Das Gut in Heidingsfeld war 1199 durch eine Schenkung von Herold (1188–1199), dem Abt von Kloster St.Peter und St. Stephan in Besitz von

    Waldsassen gekommen.

    Ottokar I. Přemysl (+ 1230) schenkte dem Kloster 1209 6 Höfe in Pilsen sowie das Patronatsrechte der Kirche in Königsberg in Westböhmen. König Wenzel(1230-1253) von Böhmen erneuerte diese Schenkung am 20.2.1238. (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 36)

    Abt Erkenbert starb 1212. Sein Nachfolger wurde  Abt Hermann (1212-1220)

    Hermann war auch schriftstellerisch tätig. Er verfasste eine Abhandlung über die Engel.

    Im Juni 1214 erteilte Friedrich II. (1212-1250) Kloster Waldsassen ein Privileg und in einer Urkunde, die am 3. Januar 1215 ausgestellt wurde, verweist er darauf. Aus dieser Urkunde kann auch erschlossen werden,was er in Eger gewährt hatte.

    Friedrich “schreibt dem H. richter und den übrigen dienstmannen von Eger dass er wolle, dass dem kloster Waldsassen sein zu Eger (am 10 iuni 1214) gegebenes privileg unverbrüchlich eingehalten werde; dass wie er seinen beamten verboten in den dörfern des klosters das gewohnte gericht zu halten, er ihnen gleiches bezüglich ihrer vogteien befehle; dass er dem kloster die freiheit seines von seinem oheim könig Philipp geschenkten hauses zu Eger und die von ihnen oder ihren eltern geschenkten lehenstücke bestätige “ RI Friedrich II. – RI V,1,1 n. 775.

    1223 nahm Friedrich II. Kloster Waldsassen mit all seinen Besitzungen in seinen und des Reiches Schutz. RI Friedrich II. – RI V,1,1 n. 1436

    1217 erwarb Abt Hermann Tirschenreuth samt dem Oberen Teich. Schon die ersten slawischen Siedler  8./9.Jahrhundert lebten  in erster Linie wohl von der Fischerei in Flüssen und Bächen. Dann begannen Adelsgeschlechter wie die Ortenberger mit der Anlage von Teichen.

    Der Erwerb des Oberen Teichs war der Einstieg der Zisterzienser in die Teichwirtschaft. Aber schon mit der Klostergründung begannen die Zisterzienser mit gezielter Wasserwirtschaft. Es wurden Mühlen gebaut. Für deren Betrieb wurden Teiche angelegt.Ein Kanalsystem

    und Brunnen wurden angelegt. Teiche wurden auch zum Hochwasserschutz gebaut. Die Teichwirtschaft wurde natürlich auch forciert durch das Fastengebot der Zisterzienser. Ihnen war der Verzehr von Fleisch mit Ausnahme von Fisch untersagt.

    Ausgeprägte Fischzucht deckte sich also mit ihrem Konzept der Eigenversorgung. Im Oberen Stadtweiher in Tirschenreuth wurde auf einer Insel der Fischhof gebaut. Das wurde eine Grangie mit dem Schwerpunkt Fischzucht und von hier aus wurde die klösterliche Fischwirtschaft gesteuert.

    Im Fischhof arbeitete kein Verwalter sondern ein „magister piscium“, also ein Fischmeister, der die Stadtteiche sachkundig bewirtschaften sollte. Waldsassen wurde das Zisterzienserkloster mit der umfangreichsten Fischzucht. Weinbau war aus klimatischen Gründen nicht möglich.

    Für den Klosterwein sorgten die Weinberge um Heidingsfeld.

    Abt Hermann war 1220 bei einem Ordenskapitel in Citeaux. Dort starb er und wurde in der Kirche von Citeaux bestattet.

    Sein Nachfolger wurde Eberhard (1220–1246). Er ließ in Waldsassen viele Werkstätten errichten. Auch ließ er ein Verzeichnis erstellen, wie die Klostergüter an das Kloster gekommen sind.

    König Heinrich VII.(1212-1242) stellte eine Reihe von Urkunden für Kloster Waldsassen aus. Am 10. November 1223 beurkundete er in Eger, dass in der Nähe des Klosters oder auf seinen Gütern zu ihrem Nachteil keine Burg errichtet werden dürfe. RI Heinrich (VII). – RI V,1,2 n. 3912.

    Am 28. September schenkte Heinrich dem Kloster 5 Jauchert (ein Jauchert entspricht 25 Ar) Weinberge in Bachleit bei Heidingsfeld. RI Heinrich (VII). – RI V,1,2 n. 4119

    Am 26. November 1230 “verleiht dem Kloster Waldsassen alle adern oder gruben von gold silber oder anderm metall welche sich in dessen besitzungen finden”  RI Heinrich (VII). – RI V,1,2 n. 4170.

    1244 schloss Eberhard mit Bischof Heinrich I. von Bilversheim (1242-1257) einen Vergleich nach dem die Weinwagen des Klosters durch Bamberg ohne die Abgabe von Zoll passieren konnten.

    Abt Eberhard resignierte 1246, starb aber bald darauf und wurde im Kapitelhaus in Waldsassen beigesetzt.

    Auf ihn folgte Abt Johannes I.(1246–1266). In seiner Regierungszeit begann mit dem Tod Friedrichs II. das Interregnum. Auch in Böhmen gab es Probleme. Als König Wenzel I. 1253 starb, übernahm Ottokar die Krone in Böhmen.

    Sein erklärtes Ziel war es die deutsche Kaiserwürde zu erhalten. 1266 besetzte er das reichsunmittelbare Egerland. Die Güter des Klosters Waldsassen, die in Böhmen lagen, erlitten durch diese Kriegsunruhen großen Schaden.

    Abt Johannes resignierte im Jahr 1266. Er starb 1273 hochbetagt.

    Auf ihn folgte Abt Giselbert 1267–1270. Giselbert war erst Mönch in Waldsassen und wurde dann als Abt nach Ossek berufen. Dort war er von 1265-1267 Abt. Dann wurde er nach Waldsassen berufen. Aber auch das war nur eine

    Zwischenstation für ihn. Seine letzte Station war das Kloster Kamp, das erste Zisterzienserkloster im damaligen deutschsprachigen Raum. In der Äbteliste der Biographia Cisterciensis ist er dort als Abt von 1274 bis 1298 geführt.

    Am 5. 3. 1269 stellte Ottokar dem Kloster folgende Urkunde aus: “Ottokar, König von Böhmen, nimmt das Kloster Waldsassen mit allen Gütern und Personen in seinen besonderen Schutz und verbietet allen seinen Vasallen, Ministerialen, Richtern, Amtleuten usw., sich auf irgendwelchem Besitz des Klosters das Vogteirecht anzumaßen oder eine richterliche Gewalt auszuüben. Er gestattet dagegen dem Kloster, sich gegebenenfalls selbst einen Schirmvogt zu wählen, gibt seine Zustimmung zu allen bisherigen Schenkungen an das Kloster und bestätigt alle dessen Privilegien.”

    (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 64)

    Statt des Hochaltars hatte Giselbert einen Reliquienkasten anfertigen lassen, der aber 1504 samt den Reliquien verbrannte. Auch in Eger hatte sich 1269 eine Brandkatastrophe ereignet, bei der 150 Menschen ums Leben kamen. (Brenner S. 40) Abt Giselbert half hier tatkräftig.

    Nachdem Abt Giselbert nach Kamp gewechselt war, wurde Lambert (1270 bis 1274)  sein Nachfolger. Er war Cellerar vor er zum Abt gewählt wurde. Er starb nach 4 Jahren Amtszeit.

    Auf ihn folgte Johannes II. (1274–1286). In seiner Amtszeit erhielt das Kloster viele Schenkungen, so von den Landgrafen FriedrichII. (1244–1284) und Gebhardt VI. (1279–1293) von Leuchtenberg und zwei Meierhöfe in Pischofstorf (heute Pischeldorf Gemeinde Pirk) am 5.5. 1279.

    (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 80) Im November 1279 bekam das Kloster ebenfalls in Pischofstorf zwei Höfe (Urkunde 81).

    1279 bekam Waldsassen von den beiden Landgrafen von Leuchtenberg das Gut in Kolbitz geschenkt. das aus 4 Höfen und einer Mühle bestand. Diese hatte bisher Ulrich II. von Pfreimd (+1283 nach Brenner) zu Lehen. Auf seinen  Vorschlag wurde das Gut verschenkt. Er selbst

    schenkte noch drei Höfe in Kurbenthan und bekam dafür für sich, seine Gemahlin und seine zwei Töchter einen Begräbnisort in Waldsassen (Brenner S. 50)

    König Rudolf von Habsburg  nahm Kloster Waldsassen in seinen Schutz und bestätigte ihm alle von seinen Vorgängern ausgestellten Privilegien Diese Urkunde wurde am 16. April 1280 ausgestellt. RI Rudolf – RI VI,1 n. 1191a Eine weitere Inschutznahme folgte am

    15. Juli 1283. In dieser Urkunde verbot es Rudolf außerdem das Kloster im Besitz seiner Güter zu belästigen, besonders im Besitz der Dörfer Wondreb und Beidl. RI Rudolf – RI VI,1 n. 1795

    In der Regierungszeit von Abt Johannes gab es eine Hungersnot in der Gegend von Waldsassen und die Pest grassierte. Als er 1286 starb, wurde seine Freigiebigkeit in diesen Notzeiten gerühmt. (Brenner S. 50)

    Zu seinem Nachfolger wurde Abt Theoderich (1286–1302) gewählt. Von 1221-1234 steht er auch in der Äbteliste vom Tochterkloster Ossek.

    Theoderich war einer der Ratgeber von König Wenzel II. (1297-1305). Theoderich war auf Taufpate von König Wenzel.

    Am 23. Februar 1291 verpfändete Burggraf Friedrich III. von Nürnberg (von etwa 1260/1261 bis 1297)Burg Falkenberg an das Kloster Waldsassen. Diese war ihm von Landgraf Gebhard von Leuchtenberg verpfändet worden. (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 118)

    Auch Konrad von Paulsdorf (um 1280 nachgewiesen) hatte wohl Rechte an der Burg Falkenburg, auf die er gegen eine Geldsumme verzichtete. (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 126) Um 1309 waren Burg und Umgebung dann voll im Besitz von Kloster Waldsassen.

    Die Kurfürsten Erzbischof Gerhard von Mainz, König Wenzel von Böhmen, Markgraf Otto (mit dem Pfeile) von Brandenburg und Herzog Albrecht von Sachsen gaben in einem Willebrief die Zustimmung zu einer Schenkung der Dörfer Hohenthan, Griesbach und Bärnau , die

    König Adolf (1292-1298)plante. RI Adolf – RI VI,2 n. 840. König Albrecht (1298-1308) bestätigte diese Schenkung 1304.

    Von Sedlec aus wurde Kloster Königsaal 1292 besiedelt. König Wenzel II. hatte es gegründet. Nach einer Verschwörung gegen seinen Stiefvater Zawisch von Falkenstein starb dieser 1290 nach zweijähriger Kerkerhaft durch das Schwert. Die Klostergründung soll als Sühne für

    seine Mitverantwortung erfolgt sein. Abt Theoderich schickte 70 Mönche aus Sedlec nach Königsaal.

    1298 verkaufte Diettrich von Parsberg, Richter in Waldeck (um 1300)(Brenner S. 61) die Burg Liebenstein an Kloster Waldsassen. Pfalzgraf bei Rhein Rudolf (1294-1317) stimmte diesem Verkauf zu unter der Bedingung, “dass der Verkäufer die Burg vor der Übertragung von Grund auf zerstört und sich verpflichtet, die Burg nicht wieder aufzubauen” (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 139)

    Theoderich resignierte 1302 und starb kurz danach.

    Sein Nachfolger Otto (1302–1304) regierte nur zwei Jahre. Vor seiner Wahl war er Cellerar und Prior. Landgraf Ulrich von Leuchtenberg (+1334) verzichtete am 2.7. 1302 alle Ansprüche, Eigentums- und Lehenrechte an den Burgen  Falkenberg, Neuhaus und Schwarzenschwal

    und übertrug sie gegen eine Geldsumme dem Kloster Waldsassen (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 159). Abt Otto starb 1304.

    Zu seinem Nachfolger wurde Heinrich Heidenreich aus Sedlec berufen. Er war dort seit 1281 Abt. In Sedlec stand er beim Volk in höchsten Ansehen. Außerdem wurden seinen Verdiensten der Fund und die Ausbeutung der Silberminen von Kutna Horam zugeschrieben, die den

    Wohlstand der Bergmannsiedlung ausmachte und man befürchtete, dass die Bergwerke nicht weiter florieren würden, wenn er von Sedlec wegging. Er gab dem inständigen Bitten des Konvents von Sedlec, der Vornehmen von Kutna Hora und des Volkes nach und gab sein

    Amt in Waldsassen zurück und kam wieder nach Sedlec, wo er noch bis 1320 Abt war.

    Auf ihn folgte Abt Udalrich (1304-1310) Er war Novizenmeister der Laienbrüder in Kloster Königsaal, vor er als Abt nach Waldsassen berufen wurde. Außerdem war er Magister.

    Er war erfolgreich bemüht, dem Kloster neue Besitzungen zu erwerben. Am 7.11. 1304 kaufte er von Ulrich von Herteneck sechs Höfe in Seysen , zwei Höfe in Lorenzreuth, eine dortige Mühle, die Fischerei, drei Höfe in Bukban  und Sokolova und die Hälfte der Lehen des ganzen Dorfes in Watzkenreut .

    Den Verkauf tätigte er zusammen mit seiner Frau aus deren Mitgift Teile von Burg Liebenstein stammten. (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 168).

    1306 verlieh er dem Klosterort Tirschenreuth das Marktrecht

    Am 7. Juli 1309 nahm König Heinrich VII. (1308-1313) Kloster Waldsassen in seinen und des Reiches Schutz, nachdem er nur 4 Tage vorher nach dem Vorbild König Adolfs die Privilegien, die Friedrich II. erteilt hatte, bestätigt und erneuert hatte. RI Heinrich VII. – RI VI,4,1 n. 214# und. n 205 #

    1310 resignierte Abt Udalrich und kehrte nach Königsaal zurück, wo er Cellerar wurde.

    Sein Nachfolger wurde Abt Johannes III. von Elbogen (1310–1323). Er war der erste Egerländer Abt von Kloster Waldsassen. Er stammte aus der Familie der Ellenbogner zu Künsberg (Brenner S. 69), die im Egerer und Ellbogener Kreis begütert waren und seit dem Jahr 1163 bekannt ist.

    Abt Johannes war Chronist des Klosters Waldsassen und er schrieb auch “Taten und Beispiele berühmter Waldsassener Mönche”. Er war befreundet mit dem Abt aus Königsaal Peter von Zittau. (1316-1339). Er hat wohl auch den Luxemburger Johann von Böhmen (1311-1346) bei

    dessen Thronbesteigung des Königsthron von Böhmen unterstützt.

    Zwei mal war sein Kloster in eine Fehde verwickelt. Zu Beginn seiner Amtszeit hatten Klosteruntertane den Bärnauer Amtsrichter Konrad von Haslau getötet. Ein Schiedsspruch vom 31.10.1311 beendete die Fehde.

    (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 188) 1317 wurde Heinrich Rorer von erbuntertänigen Bauern des Klosters getötet. Die Familie Rorer ist 1272 in einer Waldsassener Urkunde erstmals erwähnt. Der Streit wurde am 22.April 1317 durch einen Vergleich geklärt.

    (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 210)

    Der Nürnberger Burggraf Friedrich IV.(1300-132)hatte Kloster Waldsassen verwüstet. Abt Johannes klagte dagegen bei Kaiser Ludwig IV. (1314-1347). Zum Ausgleich übertrug ihm dieser das Patronatsrecht der Kirche in Berngau im Bistum Eichstätt. RI Ludwig der Bayer – [RI VII] H. 9 n. 4

    Außerdem wurde Friedrich wegen“den Privilegien des Klosters Waldsassen angetanen Unrechts” am 3.1.1315 exkommuniziert (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 200)

    Am 4. April 1318 bestätigte Kaiser Ludwig Kloster Waldsassen alle Rechte, Freiheiten und zugestandene Gnaden. RI Ludwig der Bayer – [RI VII] H. 9 n. 108

    Am 9. Januar 1319 erhielt Abt Johannes von Kaiser Ludwig dem Bayern die Erlaubnis,  das Dorf Schönbach (heute Luby im Kreis Cheb) zur Stadt zu erheben und dort einen Wochenmarkt abzuhalten. RI Ludwig der Bayer – [RI VII] H. 9 n. 124

    1323 resignierte Abt Johannes und zog sich nach Hardeck zurück, wo er 1329 starb.

    Sein Nachfolger wurde Abt Johannes IV. Grübel  (1323–1337). Er war von seinem Vorgänger nach Paris geschickt worden, wo er an der Sorbonne seinen Doktor machte. Nach seiner Rückkehr wurde er sofort nach Ossek delegiert, wo er von 1319an die vakante Abtstelle einnahm.

    Von dort wurde er 1323 auf den Abtsstuhl in Waldsassen berufen. Er übernahm das Kloster in gutem Zustand, doch nach Brenner begann mit ihm der Wohlstand des Kloster zu sinken “weil er der Großthuerei und der daraus erfolgenden Verschwendung ergeben war” (S.82).

    Er stand in der Gunst der Königin Elisabeth von Böhmen (1311-1330). Sie machte dem Kloster kostbare Geschenke. In seiner Regierungszeit wurde das Steinhaus in Eger, das bisher vorwiegend als Handelshaus diente, zum Ordenshaus umgebaut und erhielt Turm, Glocken und eine Kapelle.

    Im Kloster errichte er vom Bräuhaus bis zum Krankenhaus eine Mauer mit einem festen Turm und neben dem Krankenzimmer eine feste Wohnung. In Tirschenreuth begann er mit dem Burgenbau und das Dorf ließ er mit einer Mauer mit einem niederen Turm umgeben.

    Unter Abt Johannes begannen die finanziellen Schwierigkeiten des Klosters. Es wurden nun hauptsächlich entfernter liegende Besitzungen verkauft.

    Er resignierte schwer krank 1397 im Jahre 1340.

    Sein Nachfolger wurde Franz Kübel (1337–1349). Er stammte aus Eger und studierte wie sein Vorgänger ebenfalls an der Sorbonne in Paris und kehrte mit einem Doktortitel nach Waldsassen zurück. Er kommt bei Brenner noch schlechter weg als sein Vorgänger.

    Für die böhmischen Könige Johann und Karl war er oft in Rom. Da das immer mit Pomp verbunden war, kostete das außer Zeit auch viel Geld. Er begann mit der Verschuldung des Klosters vor allem bei jüdischen Geldgebern.

    Als die Verschuldung immer gravierender wurde kam ein Visitator aus Morimond und Franz wurde 1349 wegen Verschwendung seines Amtes enthoben. Er lebte dann noch 20 Jahre und starb 1370.

    Auf ihn folgte Heinrich I. Rulb (1349–1357). Kurz vor der Amtsenthebung von Abt Franz hatten unzufriedene Mönche Nikolaus Henkel zum Abt gewählt. Der Visitator aus Morimond setzte beide ab und berief Heinrich I. zum Abt. Er wurde

    aus Kloster Sedlec berufen. Die Mönche wurden auf andere Klöster verteilt. Die im Kloster verbliebenen mussten in Genügsamkeit und Sparsamkeit leben.

    Am 28. November 1355 stellte Kaiser Karl IV. (1346-1378) folgende Urkunde aus “befreit das kloster Waldsassen von allen schuldverpflichtungen gegen die Juden, welche durch gottes verhängniss zu Nürnberg, Eger und anderswo erschlagen und verderbt worden sind.”

    RI Karl IV. – RI VIII n. 2287. Es gelang Abt Heinrich zwar die Schuldenlast zu mildern. Aber es war sicher keine einfache Aufgabe. Der Konvent hatte ihn beim Generalkapitel verklagt. Dort wurde er aber losgesprochen. Zwei Jahre später resignierte Abt Heinrich 1357.

    Zu seinem Nachfolger wurde Abt Nikolaus I. Steinkelner (1357–1360)gewählt. Er stammte aus Eger und wurde nach Sedlec geschickt, um dort böhmisch zu lernen. Ein Waldsassener Mönch musste neben deutsch und lateinisch auch böhmisch beherrschen.

    Er war ein sorgfältiger und sparsamer Haushälter. Er verkaufte zwar einige Güter. Aber andere löste er wieder ein, so z.B. Falkenberg weil es dem Kloster näher und nützlicher war. Er besserte die finanzielle Situation des Klosters weiter, starb aber nach nur zwei Jahren an einer Krankheit.

    Sein Nachfolger wurde Nikolaus II.  1360–1362. Auch er regierte nur zwei Jahre. Er stammte aus Tachau und starb auf eine Reise nach Prag. Er baute den vorderen Teil des Steinhauses in Eger wieder auf, da dieser baufällig war.

    Der nächste Abt war Johannes V. von Wirsberg (1362- 1371) Er ist der einzige bekannte adlige Abt von Kloster Waldsassen. Die Familie von Wirsberg waren eine Ministerialenfamilie der Andechs –Meranier. Sie waren im heutigen Oberfranken verbreitet.

    1364 wurden die Stadtrechte an Tirschenreuth verliehen. Die Freiheitsbriefe des Klosters waren verpfändet und Abt Johannes konnte sie nicht einlösen, weil er nach wie vor von Gläubigern bedrängt wurde. Dies gelang erst seinem Nachfolger im Jahre 1384.

    Abt Johann starb 1371 nach fast neunjähriger Regierung.

    Auf ihn folgte Konrad I. Heidenreich (1371- 1393). Vor seiner Wahl hatte er schon einige Klosterämter inne. Er konnte einige Schulden abzahlen. Er kümmerte sich vor allem um die Teichwirtschaft und gab dafür auch viel Geld aus.

    Am 4.8.1382 unterstellte König Wenzel von Böhmen (1363-1419 König von Böhmen, von 1376-1400 römisch-deutscher König) Kloster Waldsassen dem Schutz seines Pflegers Hintzik Pflug zum Rabenstein(+1401) auf Burg Störnstein

    (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 492) 1386 kaufte Abt Konrad von Hintzik Pflug zum Rabenstein das befestigte Domizil Freienstein bei Beidl, heute ein Ortsteil von Plößberg

    Am 05.09.1396 befreite König Wenzel Kloster Waldsassen von  aller Bede, das sind landesherrliche Abgaben und Steuern. RI Wenzel – [RIplus] Regg. Wenzel [n. 2715]

    Abt Konrad starb 1393 nach 23-jähriger Regierungszeit.

    Sein Nachfolger wurde Abt Konrad II. (1393–1417) Vor seiner Wahl war er Cellerar. Er hatte zwar keine großartige Schulbildung, war aber bei Fürsten und beim König sehr beliebt und als Ratgeber gefragt. Bei einem Nachhauseritt wurde er

    am Bein vom Bltiz getroffen, worauf ihm das Bein abgenommen werden musste. Er war mit großem Gefolge beim Konzil von Konstanz (1414-1418) anwesend. Brenner spricht von einem Gefolge von 300 Adeligen, alle Vasallen des Klosters. (S. 99)

    Die Mönche von Waldsassen waren mit der häufigen Abwesenheit ihres Abtes nicht einverstanden und beschwerten sich beim Mutterabt. 1411 untersuchte er die Angelegenheit in Absprache mit dem Abt von Langheim Nikolaus II. Heidenreich (1405–1433)

    und dem Abt von Walkenried. Natürlich sollte Abt Konrad auch angehört werden. Dieser wich der Untersuchung aber aus. Er wurde für abgesetzt erklärt und Bartholomäus Ermesreither eingesetzt. Abt Konrad wehrte sich dagegen und suchte Unterstützung bei Pfalzgraf Johann(1410-1443)

    Bartholomäus Ermesreither suchte Unterstützung beim Burggrafen von Nürnberg Johannes III. (1397-1420). Abt Johannes wohnte auf Burg Falkenberg, Bartholomäus Ermesreither in Tirschenreuth. Burggraf Johann hatte Soldaten nach Tirschenreuth gelegt, die der Pfalzgraf vertrieb und die Stadt einnahm.

    Er tauschte es später gegen die Stadt Schwandorf aus. Das Generalkapitel versuchte, die Ordnung wieder herzustellen und setzte einen Visitator aus Morimond ein. Dieser erklärte die beiden Äbte für abgesetzt und setzte als neuen Abt Johannes Gold aus Langheim ein. Da keiner der Beteiligten nachgab, hatte Waldsassen jetzt drei Äbte. Der Streit war in Rom und Citeaux anhängig und kostete eine Menge Geld, das das Kloster nicht hatte. Erst auf dem Konstanzer Konzil wurde am 7. Februar 1415 eine Lösung gefunden. Der Generalabt Jean VII. de Martigny (1405–1428 ) war ohnehin auf dem Konzil.

    Unter seiner Leitung kam man zu folgender Lösung. Konrad blieb Abt. Ihm wurde aber als Koadjutor Bartholomäus zur Seite gestellt. Abt Johannes Gold wurde abgefunden.

    Abt Johann erhielt 1416 ein Freiheitsbrief von Kaiser Sigismund (1411-1437) einen Freiheitsbrief. (Brenner S. 103) Abt Johannes starb im Juni 1417 und hinterließ dem Kloster eine große Schuldenlast und das wenige Geld, das noch vorhanden war, wurde von seinen

    Dienern gestohlen. (Brenner ebda).

    Sein Nachfolger wurde Abt Nikolaus III. Eppenreither (1417-1433). Abt Nikolaus hatte ein total darniederliegendes Kloster übernommen. Es waren nur drei oder vier Mönche im Kloster und die konnte es kaum ernähren. Aber er konnte die wirtschaftliche Situation verbessern. Er konnte sogar wieder Käufe tätigen. Mit Hilfe von Kaiser Sigismund konnte er 1422 wieder einige Lehen zurückgewinnen, die Pnoth von Eylburk zu Elbogen im Besitz hatte. (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 603)

    Aus Furcht vor den Hussiten erbaute er den Turm in Tirschenreuth und auch in Falkenberg. Auch verfallene Gebäude im Kloster und an anderen Orten stellte er wieder her.

    Novizen schickte er auf Schulen und Lehranstalten

    Nachdem Johannes Hus am 6. Juli 1415 auf dem Scheiterhaufen während des Konstanzer Konzils verbrannt wurde, kam es in der Folge zu den Hussitenkriegen (1419-1436)

    In dieser Zeit war Nikolaus Abt. Er war in ständigem Kontakt mit dem Rat der Stadt Eger, um sich über die Pläne der Hussiten auszutauschen und im Falle einer Bedrohung sich gegenseitig beizustehen.

    1430 wurde das Kloster überfallen und zwar von Hynek Krušina von Schwanberg und seinen Anhängern im Zuge einer Fehde. Er plünderte das Kloster, raubte Inventar und Nutzvieh. Die Orte in der Umgebung wurden niedergebrannt.In dieser Zeit hatte sich auch der Rat von Elbogen

    über den Ritter beschwert, der die Rechtlosigkeit in der Zeit der Hussitenkriege für seine Zwecke nutzte. Abt Nikolaus brachte das dem Kloster widerfahrene Unrecht auf dem Reichstag von Nürnberg zur Sprache. Die anwesenden Fürsten rieten ihm aber nur,

    sich für künftige Sicherheit von den Räubern frei zu kaufen. Er lebte dann auf der Falkenburg. Im Jahre 1433 verstarb er.

    Auf ihn folgte Abt Johannes VI. Wendel (1433– 1461). Er stammte aus Weiden und war vorher Priester in Redwitz. Gleich im ersten Jahr seiner Regierungszeit kam es zum schon lange befürchteten Übergriff der Hussiten. Jakoubek von Vřesovice einer der Hussitenhauptmänner

    plünderte Kloster Waldsassen, nach dem er noch 1432 als Vertreter der Hussiten mit Vertretern des Basler Konzils in Eger verhandelt hatte. Personen kamen bei dem Überfall nicht zu schaden. Auch das Kloster erholte sich rasch wieder nicht zuletzt dank seiner Förderer.

    Kaiser Sigismund bestätigte am 13.3.1434 Kloster Waldsassen alle Privilegien, Rechte, Freiheiten und Immunitäten. (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 635) Von Egerer Bürger bekam das Kloster 400 Goldstücke.

    1437 erlaubte Kaisers Sigismund auf Widerruf die Erlaubnis, den böhmischen Wald zu versperren. da das Kloster aus dem Wald heraus oft mit Ausfällen belästigt worden war. (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 658)

    Papst Felix V. (1439-1449) erteilte Abt Johannes und seinen Nachfolgern das Recht, Mitra, Stab und Ring zu tragen.

    Am 8.12,1449 stellte sein Nachfolger Nikolaus  V. (1447-1455) dem Kloster folgende Urkunde aus:  “Papst Nikolaus [V.] nimmt Leute und Besitz des Klosters Waldsassen in seinen Schutz und bestätigt dem Kloster alle von Päpsten, Königen, Fürsten und Gläubigen gestifteten Vorrechte und Gnaden”.

    (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 691)

    1442 brachte er die Propstei Hohenstein für 1800 Gulden  in Besitz von Waldsassen. Sie war zwar im Hussitenkrieg stark zerstört worden. Abt Johann liess sich den Kauf von Friedrich dem III. (13440-1493) am 17.09. 1444 und die gekaufte Propstei ausdrücklich als freies Eigen bezeichnet wurde.

    RI Friedrich III. – Chmel n. 1748 Er resignierte nach 28 Jahren Amtszeit 1461. Zwei Jahre später starb er.

    Auf ihn folgte Nikolaus IV.Peisser 1461-1479. Er stammte aus Eger. Vor seiner Wahl zum Abt war er Pfarrer in Tirschenreuth. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit wurde er mit einem schweren Problemkonfrontiert. Der böhmische Adlige Burian von Guttenstein (1418—1462) wollte Schutzherr von

    Kloster Waldsassen werden. Die Herren von Guttenstein gehörten zur böhmischen Kriegsaristokratie, die die Zeiten der inneren Umstürze und die Hussitenkriege zur Machtexpansion und nachfolgendem Besitzzuwachs ausnutzten. Abt und Konvent lehnten das Schutzansinnen Burians ab, was dieser mit Krieg beantwortete.  Er schickte Soldaten in die Gegend von Waldsassen. Diese überfielen die Dörfer, plünderten, brandschatzten und verschleppten Bewohner.Außerdem nahmen sie Stadt und Schloss Bärnau in Besitz. Der Abt suchte Hilfe bei Pfalzgraf Otto (1448-1461) und Ludwig IX.von Bayern (1450-1479). Diese griffen die böhmischen Soldaten an

    und Pfalzgraf Otto legte auf Kosten des Klosters eine Besatzung nach Tirschenreuth. Diese übten Vergeltung und zündeten 24 Dörfer an und hausten so barbarisch, dass 16 Ortschaften verlassen wurden (Brenner S. 112) Es kam schließlich zu einem Friedensschluss.

    Einen Schadenersatz erhielt das Kloster nicht, obwohl es wohl um eine Forderung von 120.000 Gulden ging.

    Am 4.12.1463 bestätigte Papst Pius II. (1458-1464) alle von seinen Vorgängern und von Königen, Fürsten und Gläubigen gewährten Freiheiten und Vorrechte. (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 739)  Zwei Jahre später bestätigte Papst Paul II. (1464-1471) Dies ebenfalls. Außerdem

    nahm er das Kloster in seinen Schutz (Urkunde 745)

    Am 7.2.1470 fällte Herzog Ludwig von Bayern  einen Spruch in der Sache Bärnau und Waldsassen. Die Güter mussten an Pfalzgraf Otto zurückgegeben werden, der sie besaß vor Burian  sie erobert hatte  und Burian verzichtete auf die beanspruchte Schutzherrschaft über Kloster Waldsassen. (Urkunde 772)

    Abt Nikolaus war wie sein Vorgänger Franz immer wieder in diplomatischen Missionen unterwegs. Allerdings anders als bei Franz litten seine Amtsplichten als Abt nicht darunter. Er trug zur territorialen Abrundung des Klosterbesitzes bei und bildete so das Stiftsland aus.

    Um Jakobi, das ist der 25. Juli, 1475 brannte Tirschenreuth zur Hälfte ab.

    1479 wurde er vom Vogt von Plauen Heinrich III. (+1519) zu einer Hochzeitszeremonie in Königswart im Kreis Eger bestellt. Dort starb er.

    Sein Nachfolger wurde Abt Udalrich II. Birker (1479–1486). Als Abt Udalrich sein Amt antrat, hatte es schon mehrere unfruchtbare Jahre gegeben, denen weitere folgten. Das führte zu einer Teuerung. Der Abt verkaufte die Getreidevorräte günstiger als es an anderen Orten geschah.

    Das führte dazu, dass er schnell als Wohltäter gepriesen wurde. Als aber die unfruchtbaren Jahre anhielten und das Kloster selbst in Not geriet, schlug die öffentliche Stimmung um und er wurde als Tor beschimpft. Er hatte aber für das Kloster wertvolle Paramente gekauft. Er verbesserte das

    Bräuhaus, wölbte Keller und ließ alles Baufällige wiederherstellen. 1481 veränderte der die Zins- und Zehntzahlung in Tirschenreuth. Außerdem erlaubte er den Bürgern, ihre Güter teilen und verkaufen zu können.

    Am 15.3. 1487 bestätigte König Vladislav II. (1471-1516) von Böhmen Vladislav II. dem Abt Erhard und dem Konvent des Klosters Waldsassen die von den Königen von Böhmen gewährten Privilegien. (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 859)

    Nach sieben Amtsjahren resignierte Abt Udalrich 1486. Er nahm sich Falkenberg zu seinem Sitz und lebte dort noch 18 Jahre.

    Auf ihn folgte Erhard I. Jakobi (1486–1493). Er stammte aus Weiden, hatte in Leipzig Theologie studiert und mit dem Bacchalaureus abgeschlossen. Er war Prior in Sedlec und dann Abt vor er nach Waldsassen zum Abt berufen wurde.

    Er war sehr streng, so dass er bald den ganzen Konvent gegen sich hatte. Als er merkte, dass er nichts mehr ausrichten konnte, resignierte  er. Er zog sich ins Steinhaus nach Eger zurück. Nach dem Tod seines Nachfolgers wollte er den neugewählten Abt

    Georg I. Engel nicht anerkennen. Daraufhin wurde ihm sein Gehalt entzogen. Er wirkte als Beichtvater in Brünn, war drei Tage Abt des Klosters Skalitz und kehrte 1503 nach Waldsassen zurück.

    Sein Nachfolger wurde Erhard II. Spede (1493–1494). Er stammte aus Eger. Vor seinem Amtsantritt war er 20 Jahre Cellerar in Waldsassen. Als er zum Abt gewählt wurde, war er schon alt. Er starb nach nur einem Dreivierteljahr Regierungszeit.

    Der nächste Abt wurde Georg I. Engel (1494–1512). Georg I. war Sohn eines Zinngießers aus Tachov in der Pilsner Region. Er war Professor in Leipzig, erfahren in Arithmetik und Astronomie. Er sprach deutsch und tschechisch.

    Sein Augenmerk lag nach Amtsantritt erst mal auf der Schuldentilgung. Er kümmerte sich um die Verwaltung, sah dass die Einkünfte kaum zum Unterhalt der Mönche und zur Zinsbedienung reichten. Er wirtschaftete also äußerst sparsam und konnte den schuldenstand des Klosters von 9000

    auf 4000 Gulden senken. Im Mai gaben Abt  und Konvent dem Dorf Mitterteich das Marktrecht. (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 980).

    Abt Georg war nicht baulustig. Er baute nur, wenn es notwendig war. 1499 wurde die Kirche vom Blitz getroffen und richtete einigen Schaden an. Vor allem Fenster wurden zertrümmert.

    1504 brach der Landshuter Erbfolgekrieg aus, in den Kloster Waldsassen verwickelt wurde. Da Herzog Georg der Reiche (1479-1503) keine männlichen Nachkommen hatte, setzte er in seinem Testament 1496 seine Tochter Elisabeth und ihren zukünftigen Gemahl Rupprecht von der Pfalz (+1504)

    als Erben für sein Herzogtum Bayern-Landshut ein. Das widersprach allerdings dem Wittelsbacher Hausvertrag. Dieser sah vor, dass beim Aussterben einer männlichen Linie deren Besitzungen an die jeweils andere Linie fallen sollte. Herzog Albrecht IV. von Bayern (1467-1508) machte natürlich seinen

    Anspruch geltend. Als Georg der Reiche dann 1503 starb, fand 1503 ein Landtag statt, den Georg noch einberufen hatte. Ruprecht hatte schon Schloss Landshut übernommen. Die niederbayrischen Landstände bildeten einen Regentschaftsrat . Sie wandten sich ans Reichskammergericht.

    Nun kam König Maximilian (1486-1519) ins Spiel. Er lud beide Parteien für den 5. Februar 1504 ins Augsburger Rathaus. Für seine Vermittlungsbemühungen machte er Gebietsansprüche bei beiden Seiten geltend. Herzog Albrecht ging darauf ein und erklärte sich bereit, Kufstein, Kitzbühel

    und Rattenstein abzutreten. Dafür sagte Maximilian 10.000 Mann Hilfstruppen und Geldunterstützung zu. Ruprecht stand  plötzlich ziemlich alleine einer großen Übermacht gegenüber. Es kam tatsächlich zum Krieg.Ruprecht kämpfte im Raum Kufstein. Er nahm es ein und später auch noch

    Braunau.. Er starb am 20. August 1504 an der Ruhr. Die pfälzischen Räte führten im Namen der unmündigen Söhne Ruprechts den Krieg aber weiter. Sie hatten böhmische Söldner angeworben, die durch die Oberpfalz zogen. Sie lagerten bei Tirschenreuth und schwärmten auch  in der Umgebung

    umher und fügten den Klosteruntertanen mehr Schaden zu als die Feinde. Nachdem sie 3 Wochen in Kloster Waldsassen zugebracht hatte, zogen sie weiter. Am 11. September 1504 bei Enzenbach eine große Schlacht statt, bei der die böhmischen Truppen vernichtend geschlagen wurden.

    Über 1600 fielen und  600 wurden gefangen genommen.

    In der Oberpfalz kämpften die Truppen von Markgraf Friedrich V. von Brandenburg (1486-1515) auf Seiten von Herzog Albrecht IV. Der Markgraf gab seinem Statthalter Konrad von Wirsberg (1493-1504) und dem Wunsiedler Amtmann Alexander von Lüchau (+ vor 1530) den Auftrag,

    Raubzüge  in der dem Kurfürsten gehörenden “Obere Pfalz” zu unternehmen. Amtmann von Lüchau hatte das einzige lohnende Ziel für einen Überfall ausgesucht: Kloster Waldsassen. Die Wertsachen des Klosters waren schon nach Eger in Sicherheit gebracht worden, als

    sich der Konflikt abzeichnete.  Am 5. August 1504 griffen 3000 Mann unter Führung von Balthasar Pybriczs, einem berüchtigten Räuber, Kloster Waldsassen an. Sie raubten alles Essbare, luden Getreide auf Wagen und plünderten das Schloss des Abtes. Bei dem Sturm

    geriet das Kloster in Brand und wurde völlig zerstört.

    Balthasar Pybriczs kam 4 Tage später bei der Schlacht von Ebnath ums Leben. Der Abt war nach Tirschenreuth geflohen. Er kehrte kurz de Zeit später zum Wiederaufbau der Klostergemeinschaft  zurück. Die Zeiten wurden ruhiger. 12 Mönche und 3 Laienbrüder waren noch in Waldsassen

    und begannen sofort mit dem Wiederaufbau. Sie erhielten die Reliquien des Klosters von Leuten, die sie an sich genommen hatten, zurückerstattet.

    Der Krieg endete am 30. Juli 1505 mit dem Kölner Schiedsspruch durch König Maximilian. Abt Georg hatte das Kloster wieder aufgebaut und hinterließ bei seinem Tod 1512 24.000 Goldgulden und reiche Getreidevorräte.

    Der Nachfolger von Abt Georg wurde Andreas Metzl (1512-1524) Abt Andreas stammte aus Heidingsfeld. Er setzte die angefangenen Bauten fort und vollendete sie. auch. Im Kreuzgang ließ er einen Brunnen errichten. Er erbaute eine Bibliothek, ein bescheidener Vorläufer

    der späteren Stiftsbibliothek.

    Die Kirche war wieder hergestellt und konnte 1517 von dem Regensburger Weihbischof Peter Krafft (1501-1530) geweiht werden.

    Am 30. November 1513 bestätigte Maximilian (ab 1508 römisch-deutscher Kaiser) Abt Andreas und dem Konvent von Waldsassen die von Kaiser Sigismund und Kaiser Friedrich erteilten Privilegien.(Porta Fontium Kloster Waldsassen Urkunde 1073)).Diesen Freiheitsbrief ließ

    sich Abt Andreas auf dem Reichstag in Worms 1521 von Kaiser Karl V. (1530-1556) bestätigen. (Urkunde 1164)  Kurfürst Friedrich II.(1544-1556) und sein Bruder Pfalzgraf Ludwig V.(1508-1544) hatten 1518 an Kaiser Maximilian geschrieben, dass einige Äbte sich unrechtmäßig dem Schutz der Pfalzgrafen entziehen wollten. Kaiser Maximilian antwortete ihnen am 13. September 1518, dass “die Klöster in der Pfalzgrafen Land und Schutze auch unter dem Schutz derselben bleiben sollten, und dass die Pfalzgrafen und Klöster genau beobachten sollten, was von alters her herkömmlich wäre.” (Brenner S. 139). Kurfürst Friedrich ließ dieses Schreiben von Kaiser Karl am 4. November 1520 bestätigen. Friedrich schickte daraufhin Kommissäre zu Abt Andreas, er solle sich diesem Schreiben unterwerfen. Abt Andreas weigerte sich und verwies auch auf die Bestätigungsschreiben anderer Kaiser und besonders auf das von Kaiser Maximilian. Auf dem Reichstag in Worms klärte Abt Andreas den Sachverhalt und erhielt von Kaiser Karl recht. Die Briefe, die Maximilian und er bestätigt hätten, seien erschlichen und deshalb nichtig.  Die Pfalzgrafen gaben aber nicht klein bei, sondern schickten Kommissäre zu Abt

    Pfalzgraf Friedrich schickte Kommissäre zu Abt Andreas und verlangte die Herausgabe des “Konradschen Schutzbriefes” , der die kurfürstliche Position stützte, notfalls mit Gewalt. Abt Andreas widerstand auch der Gewaltdrohung und die Kommisssäre gingen wieder, nachdem sie der Abt von der Unbilligkeit ihrer Forderung überzeugt hatte.

    Abt Andreas war schon krank. Die Fürsten beschlossen einfach abzuwarten, Nach Pfingsten 1524 verstarb er. Da die kurpfälzischen Fürsten Kloster Waldsassen beobachten ließen, ließ der Pfalzgraf das Kloster besetzen, schnitt für drei Wochen die Lebensmittelzufuhr ab und riß die

    Verwaltung des Klosters an sich. Erst nachdem der Konvent eine Vereinbarung unterschrieben hatte, dass sie die pfälzische Schutzherrschaft anerkannten, sich keinen anderen Schutzherren suchen würden und alle auch zukünftige Äbte unterschreiben müssen, sich nur vor pfalzgräflichen

    Gerichten zu verantworten . Außerdem durfte das Kloster keine Gnade beim Kaiser suchen und eine angebotene Gnade, auch nicht vom Papst anzunehmen. Die Kloster beamten mussten den Treueid den pfälzischen Kurfürsten leisten. (Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 1189).

    Nikolaus V. Seber (1524-1526) folgte auf Abt Andreas. Er war vorher Abt in Volkenroda. Nachdem er die Erklärung, die ja der Konvent unterschrieben hatte, seinerseits unterzeichnete wurde er von Pfalzgraf Friedrich akzeptiert

    Pfalzgraf Friedrich und Kurfürst Ludwig hatten sich die mit dem Konvent erzwungene Einigung von Kaiser Karl bestätigen lassen. Der neue Abt wurde schon 1525 aufgefordert, alle Kleinode des Stiftes, der Kirche und des Konvents

    und alle Kostbarkeiten, Gold und Silber bei der Münze in Regensburg einzuliefern, Privilegien, Briefe und Dokumente nach Amberg zu bringen und Getreide, Lebensmittel, Bier und Wein bis auf einen Monatsbedarf in die Pfalz zu verfrachten, das alles

    unter dem Vorwand, dass Bauern am Rhein aufrührerisch waren. Die Pfleger von Bernau und Waldhof und andere Kommissäre wurden dazu aufgefordert, die Klosteruntertanen von ihrem Lehenseid zu entbinden. Der Abt wertete das wohl nicht zu Unrecht als Versuch,

    das Stift selbst einzuziehen. Mit Einverständnis des Konvents floh der Abt am 11. Mai 1525 nach Eger. Das Silbergeschirr hatte er vorher dem Bürgermeister von Tirschenreuth übergeben. Urkunden und Pretiosen nahm er mit nach Eger und suchte Zuflucht im Steinhaus.

    Die Flucht des Abtes war das Signal zum offenen Empörung. 2000 Bauern nahmen am 20. Mai das Kloster ein. Genau darauf hatte Pfalzgraf Friedrich gewartet. Er ließ das Stift militärisch besetzen. Er setze Christoph von Gleissenthal (+1535), den Pfleger von Bärnau als Landvogt ein

    und verlangte die Huldigung der Bauern. Der Abt protestierte dagegen und entband die Untertanen nicht von ihrem Eid. Trotzdem nahm Friedrich die Huldigung der Stadt Tirschenreuth persönlich entgegen. Den Bauern machte er Zugeständnisse. Allerdings wurde der Kleine Zehnt

    weiter erhoben. Daraufhin rotteten sich die Bauern wieder zusammen. Da er eine Vereinigung der Aufständischen mit den benachbarten markgräflichen Bauern befürchtete, gab er nach und gewährte die Befreiung vom Großen Zehnten.

    In die Klosterverwaltung hatte er massiv eingegriffen. Abt und Prior erklärte er für abgesetzt. Die Verwaltung wurde ausschließlich weltlichen Beamten Friedrichs übertragen. Die Zahl der Mönche wurde auf zwölf beschränkt. Prior Urban Geier und Kantor Maier von Peidl ließ er nach Amberg

    ins Gefängnis bringen. Drei Mönchen war es gelungen, mit dem Klostersiegel zum Abt nach Eger zu fliehen. Der Abt wandte sich ans Reichsregiment. Dieses verlangte von Kurfürst Friedrich eine Stellungnahme, worauf Friedrich antwortete, er habe nur zum Besten des Klosters gehandelt.

    Die Verhandlungen zogen sich. Am 15. März 1526 befahl das Regiment unter Androhung  einer Strafe von “100 Mark lotiges Gold” binnen drei Wochen die Wiedereinsetzung von Abt und Konvent. Der Kurfürst kümmerte sich nicht darum. Da sich nun auch der Konvent über die Behandlung des Priors beschwerte , erfolgte am eine Vorladung Friedrichs vor das Kaiserliche Gericht in Esslingen. Am 9. September 1526 traf ein Schiedsgericht mit dem Markgrafen Philipp von Baden (1515-1533), dem Herzog Erich von Braunschweig und Lüneburg (1495-1540) und Abt Gerwig (1520-1567) aus Weingarten folgenden Beschluss “ Abt Niclas resigniert freiwillig und erhält vom Kloster eine jährliche Rente. Die vom Pfalzgrafen in Eidespflicht genommenen Amtleute des Klosters werden wieder daraus entlassen. Abt Niclas soll alle Urkunden, Kleinodien und Silbergeschmeide des Klosters, die er beim Verlassen des Klosters mitgenommen hat, zurückgeben und u.U. darüber Rechnung ablegen. Der in Amberg gefangengehaltene Prior wird nach Urfehde entlassen und wieder zum Konvent zugelassen. Pfalzgraf Friedrich wird über die ihm vom Kloster unter Abt Niclas geliehenen Gelder mit dem Kloster einen Vergleich schließen.”(Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 1214). Abt Nikolaus wurde eine Jahrespension von 225 Gulden und eine freie Wohnung im Klosterhof in Eger zugestanden.

    Am 23. Oktober wurde in Anwesenheit der Äbte von Volkenroda und  Walderbach ein neuer Abt gewählt. Entgegen der Bestimmungen des Schiedsspruchs behielt sich Friedrich eine Art Oberaufsicht über das Kloster und die Stiftsuntertanen vor. Nikolaus ging erst nach Volkenroda und dann nach

    Erfurt. Dort legte er das Ordenskleid ab und heiratete.

    Zum neuen Abt wurde der von Friedrich empfohlene ehemalige Küchenmeister Valentin Fischer 1526–1529gewählt. Mit der Rückgabe des Stiftes ließ sich Friedrich Zeit. Auch beließ er entgegen der Bestimmungen des Schiedsspruchs  Truppen in den stiftischen Pflegämtern Neuhaus und Falkenberg.

    Der erste Streitpunkt mit Abt Valentin war die Türkensteuer. Zu der Türkensteuer sollte auch das Kloster und dessen Untertanen beitragen. Dagegen verwahrte sich Abt Valentin, da das Kloster solche Abgaben nur dem Reich schuldig wäre, nicht ab dem Landtag, der die Steuer umlegen wollte.

    Er bot eine Abfindung  von 850 Gulden an. Nach Verhandlungen mit Kurfürst Friedrich einigte man sich schließlich am 5. Juli 1529, dass das Kloster der Regierung in Amberg innerhalb von 5 Jahren 2500 Gulden als “Anlage und Steuer “zahlt. (Dr. J.B. Götz, Die religiöse Bewegung in der Oberpfalz von 1520-1560, Freiburg  1914, S. 65) Der Prior unter Abt Valentin, Georg Schmucker wollte wohl selbst gerne Abt werden . Er war nach “der Prälatur lüstern” (Brenner S. 151). Nach Götz hatte er den Abt seit 1528 schon mehrfach beim Pfalzgrafen verklagt. Im Herbst 1529 erhielt er vom Pfalzgrafen die Erlaubnis, gegen den Abt vorzugehen. Am 20. September 1529 drang er in die Abtei ein. Er nahm  den Abt und den Cellerar Sebastian Maier gefangen. Die Klosterverwaltung übernahm wieder Christoph von Gleissenthal . Die Regierung in Amberg befürchtete ein Einschreiten von böhmischer Seite.

    Abt Valentin war zur Resignation bereit. Am 16. Oktober 1529 resignierte er. Er bekam eine kleine Pension und eine Wohnung im Steinhaus in Eger. Dort lebte er nach Brenner (S.151) noch 44 Jahre.

    Sein Nachfolger wurde erwartungsgemäß Georg II. Schmucker (1529–1531). Abt und Konvent leisteten die selben Unterschriften wie schon Abt Valentin. Von Abt Georg wird berichtet, dass er einen schwelgerischen Lebenswandel führte. Er starb nach kurzer Regierungszeit im März 1531.

    Als neuer Abt wurde Georg III. Agmann (1531–1537). Es war der letzte gewählte Abt vor der ersten Aufhebung des Klosters. Er hatte An der Universität  Leipzig studiert die Magisterwürde erworben.

    1537 weigerte er sich, Stiftsbeamte auf den Pfalzgrafen vereidigen zu lassen. Auch hatte er insgeheim mit dem böhmischen Kanzler (1533-1537) Johannes Pflug Verhandlungen geführt, weil er den böhmischen König als Schutzherren anerkennen wollte. Das wurde Friedrich bekannt.

    Er ließ ihn gefangen nehmen und setzte ihn im Mai 1537 ab. Im November entließ er ihn aus dem Gefängnis und man erlaubte ihm, Zuflucht im Kloster Walderbach zu nehmen. Dort wurde er Abt. Er starb 1547 an der Pest.

    König Ferdinand (ab 1531 König 1556-1564 Kaiser) hatte  Johannes von Weeze (+ 1548) als Administrator des Stiftlandes eingesetzt und übernahm auch Kloster Waldsassen.(Porta Fontium, Kloster Waldsassen Urkunde 1297). Er war der bedeutendste Diplomat des Kaisers seiner Zeit, war auch Bischof von Lund und Fürstbischof von Konstanz. Pfalzgraf versuchte weiter, seinen Einfluss gegenüber  Kloster Waldsassen auszubauen. Er war als eine vom König eingesetzte Person weitgehend geschützt und konnte Friedrichs Forderungen umgehen.So nahm er nicht wie von Friedrich gefordert an den Landtagen in Amberg teil. Auch verweigerte er die Zahlung von pfälzischen Steuern. Er ließ sich auch gleich von Kaiser Karl V. am 25.11.1538 “ alle Regalien, Lehen und Mannschaften, geistliche und weltliche Herrlichkeiten, Lehenschaften, hohe und niedere Gerichte, Zehnten, Zinsen usw”  bestätigen. Kaiser Karl V. nahm das Kloster in seinen Schutz (Urkunde 1300) .Johannes von Weeze war allerdings bedingt durch seine zahleichen Ämter selten in Waldsassen. Trotzdem mühte er sich, die Ordensdisziplin wieder zu erneuern. Auch schaffte er es,das Eindringen der Lehre Luthers vom Stiftland und vom Kloster fern zu halten. In Tirschenreuth begann er die Burg von Grund auf neu zubauen. Dazu zahlte er aus eigener Tasche 3287 Gulden (Brenner S.162) 1545 wurde der Enkel seiner Schwester Heinrich Rudolf von Weeze als Koadjutor bestellt. Heinrich Rudolf war Doktor beider Rechte, galt als gelehrt und stand

    mit dem Humanisten Joachim Camerarius dem Älteren in regem Briefwechsel.

    Johannes von Weeze starb unerwartet mit 59 Jahren auf dem Reichstag in Augsburg am 14. Juni 1548. Er wurde in Mittelzell auf der Reichenau bestattet.

    Friedrich hatte nachdem sein Bruder Ludwig, Kurfürst von der Pfalz, 1544 gestorben war, am 16. März 1544 dessen Nachfolge als Kurfürst angetreten. Er war jetzt Pfalzgraf bei Rhein und Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

    1546 führte er die Reformation in der Pfalz ein. Als Johannes von Weeze gestorben war folgte ihm sein Neffe als Waldsassener Abt nach. Friedrich ließ sofort Kloster Waldsassen besetzen . Heinrich Rudolf sollte Kurfürst Friedrich von der Pfalz als seinen Landesherrn anerkennen,

    jedem anderen weltlichen Schutz zu entsagen und alle Lasten, steuern und Abgaben an die Pfalz entrichten. Er hatte zwar eine Klageschrift wegen des Unrechts und der Gewalt verfasst, aber umgeben von Soldaten und mit Drohungen blieb ihm nichts anderes, als zu unterschreiben.

    Er versuchte so gut es ging, das Kloster zu verwalten. Er ließ die Bäckerei, das Bräuhaus und eine Malz-und Schneidemühle in Waldsassen errichten. 1550 wurde eine neue Kanzlei errichtet. Das alles kostete 10.000 Gulden.

    Kurfürst Friedrich starb am 26. Februar 1556. Nachfolger wurde sein Neffe Ottheinrich (1556-1559). Dieser ließ 1556 den Klosterbesitz inventarisieren. Heinrich Rudolf und andere wichtige Personen wurden nach Amberg gebracht und dort festgehalten. Im Stiftland gab es einen Bildersturm.

    Heinrich Rudolf resignierte zugunsten  von Pfalzgraf Reichard von Simmern (1569-1598), dem jüngeren Bruder von Kurfürst Friedrich III.  Als Heinrich Rudolf resignierte, waren noch 13 Mönche im Kloster. Pfalzgraf Reichard trat 1561 zur lutherischen Lehre über. Von den Mönchen nahmen 6

    die Lehre Luthers an. 1569 wurde Kloster Waldassen lutherisch. Reichard hatte es geschafft, bis 1571 77.606 Gulden Schulden zu machen. Er trat 1571 Kloster Waldsassen an seinen Bruder Friedrich ab. Dieser übernahm die aufgelaufenen Schulden.

    Durch die Nachlässigkeit eines Schaffners brannte 1576 das Kloster mit Ausnahme des Schlosses und der Kanzlei ab.

    Das Stiftland wurde Teil der Oberpfalz, Waldsassen ein kurpfälzisches Pflegamt.

    1628 wurde die Oberpfalz wieder dem bayrischen Staatsverband angegliedert. Kurfürst Maximilian I. (1623-1653) wurde neuer Landesherr in der Oberpfalz. Er begann mit der Rekatholisierung, deren Träger die Jesuiten waren.

    1661 begann die Wiederbesiedlung des Klosters Waldsassen durch das Zisterzienserkloster Fürstenfeld.

    Martin Dallmayr (in Waldsassen 1669-1690)war 1640 Abt des nicht zuletzt dank des Dreißigjährigen Krieges völlig verschuldeten und ruinierten Klosters Fürstenfeld geworden. Auf seine Initiative ging die Wiederbesiedlung von Kloster Waldsassen zurück. 1669 wurde er dort als Administrator installiert.

    Am 1. August 1669 wurde Kloster Waldsassen mit päpstlicher Zustimmung an den Zisterzienserorden zurückgegeben. Abt Martin starb am 22. April 1690. In Fürstenfeld wurde Abt Balduin Helm (1690–1705) zu seinem Nachfolger gewählt. Dieser hielt es für das Beste, wenn auch Waldsassen wieder einen eigenen Abt erhielt. Er reiste deshalb nach München zu Kurfürst Max Emanuel (1669-1726) und bat um Genehmigung der Wahl ein es Abtes für Waldsassen, was dieser gewährte.

    Gewählt wurde Albert Hausner (1690–1710 ). Er war mit 18 ins Zisterzienserkloster Fürstenfeld eingetreten und hatte dort 1665 seine Profess abgelegt und den Klosternamen Albert angenommen. Abt Martin ermöglichte ihm

    ein vierjähriges Studium der Theologie in Ingolstadt. Im Oktober 1668 verlängert er es um ein Jahr für das Studium der Philosophie und Mathematik . 1674 wird er zum Priester geweiht. Von 1676-1790  war er Pfarrvikar in Waldsassen und Volksprediger in Amberg, Eger, Weiden und Neumarkt.

    Am 20. Juni 1690 wurde er zum Abt von Waldsassen gewählt und durch Schlüsselübergabe installiert. Am 6. Februar 1691 wurde er in Kloster Kaisheim benediziert.

    Abt Martin hatte 1681 schon mit einem Bau begonnen und drei neue Klosterflügel schon fertig. Der Prager Baumeister Abraham Leuthner erhielt 1681 den Auftrag für die Stiftsbauten in Waldsassen. Er bildete eine Baumannschaft, in denen 5 Brüder aus der Familie Dientzenhofer unter Führung von Georg

    Dientzenhofer  sind. Georg wurde 1686 gleichberechtigter Partner von Abraham Leuthner , seinem Schwager. Er entwarf die Pläne für die Stiftskirche.1689 starb er völlig überraschend. Die Bauten wurden aber nach seinen Plänen von seinen Brüdern fertiggestellt. Die Fundamente wurden 1690 gelegt und die Kirche 1704  von Franz von  von Rumel, damals Bischof von Knin geweiht.

    In Kappl bestand seit dem Mittelalter eine Wallfahrt zur Verehrung der Heiligen Dreifaltigkeit. In der Friedenszeitnach dem Dreissigjährigen Krieg nahm die Wallfahrt stark zu.  Also wurde ein Neubau erstellt. 1685 wurde er begonnen und 1689 wurde die
    Kirche fertiggestellt. 1710 erfolgte die Weihe durch den Regensburger Weihbischof Albert Ernst von Wartenberg (1662-1715).

    Während des Spanischen Erbfolgekriegs 1701-1714  waren Truppen des kaiserlichen Generalfeldmarschalls, des  Grafen Hermann Otto von Limburg-Styrum, im Stiftland unterwegs und verursachten dem Kloster hohe Kosten.

    1707 und 1709 versuchte Abt Albert in Wien die Reichsunmittelbarkeit zu erlangen, aber vergebens. Zwei mal wollte er auch zurücktreten, aber seine Konventualen hielten ihn davon ab. Schon 1708 erlitt er in Wien einen
    Schlaganfall. Am 30. Oktober 1710 starb er mit 63 Jahren in Waldsassen. Er wurde 1710 als erster Abt in der Gruft der neuen Stiftskirche bestattet.

    Sein Nachfolger Anselm Schnaus (1710 bis 1724) wurde im Beisein der Äbte von Fürstenfeld Casimir Cast (1705-1714), Walderbach und Reichenbach am Regen Bonaventura Oberhuber (1698-1735) am 19. November 1710 zum neuen Abt gewählt.

    Er ist in Amberg geboren und kam aus Fürstenfeld.

    Der Aldersbacher Abt Theobald I. Grad (1705-1734) benedizierte ihn. Er brachte die Pfarreien Tirschenreuth, Wondreb und Leonberg, die vor der Aufhebung dem Kloster inkorporiert waren, in den Kriegszeiten aber verloren gingen wieder an das Kloster zurück. Das erforderte kostspielige Prozesse gegen den Bischof und das Domkapitel von Regensburg. Er schickte seine Mönche zum Studium teils nach Prag teils nach Rom. Papst Clemens XI. (1700 bis 1721) erteilte Abt Anselm die Erlaubnis, dass ein Religiose aus Waldsassen in Rom am Deutschen Seminar kostenlos Philosophie und Theologie studieren

    durfte. Auch die Schulen in Waldsassen, die Abt Albert errichtet hatte, verbesserte er und gab ihnen gelehrte Professoren.

    In dem immer noch in Wien anhängenden Verfahren wegen der Reichsunmittelbarkeit suchte Abt Anselm einen Vergleich. Er reichte eine Bittschrift an Kaiser Joseph I. ( 1705 – 1711) ein. Sein Nachfolger Karl VI. (1711 –1740) war mit dem Prozessgegner dem Kurpfälzischen Haus befreundet,

    was die Erfolgsaussichten natürlich praktisch auf Null brachten.  Der Kampf um die Reichsunmittelbarkeit endete 1714 mit der Wiedereinsetzung des bayrischen Kurfürsten in die alten Rechte endgültig und ohne Gerichtsentscheid zu Gunsten von Bayern

    Kurfürst Max Emanuel hatte nach der Niederlage von Höchstädt  1704 im Erbfolgekrieg Bayern verlassen müssen und erhielt sein Land erst mit dem Frieden von Rastatt wieder zurück. Abt Anselm überreichte ihm ein freiwilliges Willkommensgeschenk der Abtei von 80.000 Gulden.

    Das zeigt, dass die Finanzlage des Klosters am Ende der Regierungszeit von Albert nicht so desolat sein konnte, wie sie immer wieder dargestellt wir.

    Abt Anselm hatte verschieden Baumassnahmen beendet und auch für einen Zuwachs an Novizen gesorgt. Er starb am 2. Januar 1724 und wurde auch in der Gruft unter der Stiftskirche bestattet.

    Eugen Schmid (1724 – 1744) wurde der nächste Waldsassener Abt. Er ist in Fürstenfeld geboren. 1707 schloss er das Jesuitengymnasium in München ab. 1709 trat er in Waldsassen ins Kloster ein. 1714 wurde er zum Priester geweiht.

    Er war erst Pfarrer in Münchenreuth und dann Prediger in Tirschenreuth. am 14. Februar 1724 wurde er einstimmig zum Abt gewählt. Gleich nach seiner Wahl ließ er die Bibliothek, die schon 1688 durch Georg Dienztenhofer nach der Planung von Abraham Leuthner gebaut wurde,

    ausstatten. Fresken und Stuck im Bibliotheksraum werden schon 1724 vollendet. Die zweigeschossigen Regale wurden zusammen mit einem Schreiner von dem Holz-und Steinbildhauer Karl Stilp  (1668–1735/36) aus Eger gebaut.

    Noch zur Regierungszeit von Abt Eugen erreicht die Bibliothek einen Bestand von 12.000 Bänden.

    1734 wurde er vom Generalkapitel in Citeaux zum Generalvikar und Visitator der Provinz Bayern ernannt. 1738 nahm er am Generalkapitel in Citeaux teil.

    In Waldsassen wurde bisher Philosophie und Theologie gelehrt. Er richtete auch ein Lehrstuhl für Recht ein.

    Abt Eugen trat war auch als Bauherr tätig. In Beidl wurde die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt gebaut. Die Dreifaltigkeitskirche in Kappl stattete er mit einer Orgel aus.

    1741 brach der Österreichische Erbfolgekrieg aus. Der deutsche Kaiser Karl VI. hatte bereits 1713 die Pragmatische Sanktion erlassen. Sie sollte die Erbfolge regeln, die aber nur für die habsburgischen Erbländer galt.

    Beim Fehlen eines männlichen Nachkommens ließ sie die weibliche Erbfolge zu. Der bayrische Kurfürst Karl Albrecht (1726-1745) heiratete am  5. Oktober 1722 die Habsburgerin Amalia Maria Josepha Anna, der Tochter von Karls Bruder und Vorgänger Joseph I.

    Bayern hatte zwar auf auf Thronansprüche gegenüber Habsburg durch diese Heirat offiziell  verzichtet. Als aber Karl VI. kinderlos starb, machte er trotzdem Erbansprüche geltend. Bayern hatte schon 1714 einen Geheimvertrag mit Frankreich für den Fall künftiger Erbauseinandersetzungen

    abgeschlossen. Diesen Vertrag erneuerte Karl Albrecht 1727.Im Mai 1741 schloss er sich der antiösterreichischen Koalition an. Im Juli 1741 kam es zum Krieg. Vor allem Niederbayern litt unter dieser Auseinandersetzung.

    Auch Kloster Waldsassen wurde stark betroffen. In den letzten beiden Regierungsjahren von Abt Eugen mussten Kloster und Untertanen ständig Zahlungen leisten, Lebensmittellieferungen erbringen, Brandschatzungen zahlen und Plünderungen erleiden.

    Es herrschte Lebensmittelknappheit. Verschlimmert wurde das durch eine Seuche, die um Waldsassen kursierte. Eugen starb am 8. Januar 1744.

    Sein Nachfolger wurde Abt Alexander Vogel (1744 –1756) Er ist am 22. Mai 1698 in Sagan in Niederschlesien geboren. 1717 trat er in das Kloster Waldsassen ein. 1722 wurde er zum Priester geweiht. Er studierte zunächst im Kloster Theologie und wurde dann drei Jahre

    nach Salzburg und Ingolstadt geschickt, wo er Jura studierte. Dann war er zwei Jahre Lektor für Kirchenrecht im Kloster. Danach wurde er Abtsekretär und kümmerte sich um das Archiv.Sein letztes Klosteramt war das eines Bursarius. Dann war er Pfarrvikar in Wondreb . Am 14. April 1744

    wurde er zum Abt gewählt. Der Ebracher Abt Hieronymus II. Held  (1741–1773) infulierte ihn.

    Er ließ von  Baumeister Philipp Muttone  zwischen 1748 und 1750 die Fischhofbrücke in Tirschenreuth erbauen. Sie hat zehn Joche, ist 92 Meter lang und der Steinernen Brücke von Regensburg nachempfunden.

    Die Stiftsbasilika stattete er mit vier weiteren Katakombenheiligen aus.

    1750 wurde eine falsche und haltlose Vaterschaftsklage gegen Abt Alexander angestrengt. Er ließ sein Amt ruhen. 1754 wurde er völlig rehabilitiert. Er war aber gesundheitlich angeschlagen und begab sich zur Kur nach Wondreb. Dort starb er am 19. September 1756.

    Sein Nachfolger wurde Wigand Deltsch (1756 – 1792) Er ist 15. April 1708 in Neuhaus im Naabtal geboren.Sein Bruder war der kurfürstliche Rat und Oberhauptmann von Waldsassen Stephan Franz von Deltsch.

    Wigand besuchte das Jesuitengymnasium in Amberg. Er trat 1725 in Waldsassen ein. 1732 wurde er zum Priester geweiht. Im Kloster war er Philosophie- und Theologieprofessor. Er behielt dieses Amt auch noch sechs Jahre nach seiner Abtswahl inne.

    Im Siebenjährigen Krieg 1756-1763 wurde Kloster Waldsassen auch tangiert. Zwei Winter hatte die bayrische Armee unter Graf Franz Ludwig von Holnstein (+ 1780), dem Oberkommandierenden des bayrischen Reichskontingent, ihr Quartier in Waldsassen.

    Da musste die Verpflegung der Offiziere gestellt werden. Als die preussische Armee 1761 Eger beschoss, kam auch ein preussischer Offizier Offizier mit vielen Reitern nach Waldsassen und verlangte Brandschatzung. Abt Wigand trat dem Offizier unerschrocken entgegen und verhandelte

    mit ihm. Der Offizier zog mit seinem Trupp unverrichteter Dinge wieder ab.

    Die Jahre 1770-1772 waren gekennzeichnet durch Extremwetterlagen. Das Jahr 1771 blieb den Zeitgenossen als „zweite Sintflut“ in Erinnerung. Die Winter waren sehr kalt und sehr lang. Die Folge waren Missernten, große Teuerung und eine Hungersnot,

    die Europa von Frankreich bis in die Ukraine heimsuchte. Dank der klugen Verteilungspolitik der Vorräte durch Abt Wigand kam das Kloster und das Stiftsland relativ unbeschadet durch die Hungerkrise. Er verkaufte die Klostervorräte auch nach Bayern ohne Aufschläge,

    wobei oft der fünffache Preis verlangt und gezahlt wurde. Er rettete so laut Brenner (S. 228) viele Hunderte vor dem Hungertod.

    Abt Wigand war auch als Bauherr tätig. Nach Plänen von Philipp Muttone ließ er zwischen 1776 und 1778 den Wurzer Pfarrhof errichten. Er sollte als Sommerresidenz der Waldsassener Äbte dienen. Diese Funktion konnte er allerdings nur knapp 25 Jahre ausüben, denn dann

    beendete die Säkularisation das Klosterleben.Weiter Pfarrhöfe baute er in Windischeschenbach, Konnersreuth, Leonberg und in Wernersreuth. In Stein ließ er ebenfalls nach einem Entwurf von Muttone eine Kirche bauen. In Waldsassen erbaute er im Jahr 1765 ein Schulhaus.

    Im Orden war er ebenfalls tätig.  1765 nahm er am Generalkapitel in Citeaux teil. Danach wurde er als Visitator für Oberdeutschland aufgestellt.

    Während seine Regierungszeit erhielt Waldsassen immer wieder Besuch. Verschiedene Fürstbischöfe waren zu Gast aber auch weltliche Herrscher wie Friedrich Christian Markgraf von Bayreuth.

    In den Zeiten der Aufklärung standen die Klöster nicht mehr in besonders gutem Ruf und schon vor der Säkularisation wurden immer wieder Gesetze erlassen, die den Klöstern Schwierigkeiten bereiteten.

    1773 wurden die Jesuiten aufgehoben. 1781 mussten die Klöster an ihren Schulen gestellte Professoren einstellen und für deren Unterhalt aufkommen. 1790 wurden sie per Gesetz verpflichtet, die Kosten für die Kommissäre

    beim der nächsten Kaiserwahl zu übernehmen. Im gleichen Jahr mussten  die Klöster den Bieraufschlag, von dem sie bisher befreit waren, bezahlen. Kloster Waldsassen  hatte jährlich 3000 Eimer (ein Eimer = 10-15 Liter) nach Brenner (S. 253)

    also durchaus eine beachtliche Größenordnung.

    Ein weiteres Gesetz verbot jegliche Verbindung mit der Ordensleitung von Citeaux. Jegliche Visitation wurde verboten. Novizen durften ihre Profess nicht mehr vor dem 21. Lebensjahr ablegen. Unzufrieden Religiose durften gegen ihre Oberen vor weltlichen Gerichten klagen.

    Der Druck des Staates auf die Klöster nahm beständig zu.

    Abt Wigand, geschwächt durch Alter und Krankheit bekam am 1786 zu Unterstützung in der Amtsführung drei Mönche zur Seite gestellt. Er starb am 23. September 1792.

    Sein Nachfolger Athanasius Hettenkofer (1793–1803 ) wurde mit Verzögerung am 23. März 1793 unter Vorsitz von Abt  Otto Doringer (1779–1797) von Kloster Aldersbach zum letzten Waldsassener Abt gewählt und am 26. Mai 1793 benediziert.

    Die Wahlverzögerung  war entstanden, weil  eine kurfürstlich-bayerische Kommission die Wahl blockierte  und viele Originale und Manuskripte wegschaffte und erst nach Zahlung von 22.000 Gulden an den Kommissar Pettschard die landesherrliche Erlaubnis zur Abtwahl gab.

    Allerdings wurde Pettschard noch im selben Jahr in einen Prozess verwickelt. Der Kurrfüst sah den Betrug und die Strafbarkeit des Kommissars ein und Kloster Waldsassen erhielt 1794 die Hälfte zurückerstattet, die andere Hälfte behielt allerdings die Regierung in Amberg ein.

    Abt Athanasius hatte seine Profess am 23. Dezember 1760  in Waldsassen abgelegt und hatte 27. Dezember 1767 seine Primiz gefeiert.

    In Bayern hatte Kurfürst Maximilian Joseph I. (1799-1825) die Regierung angetreten. Einen Tag nach seinem Eintreffen in München ernannte er Maximilian Montgelas, mit dem er zusammen arbeitete, seit er 1795 das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken von seinem Bruder geerbt hatte

    zum Minister der Auswärtigen Angelegenheiten und des Landesherrlichen Hauses.

    Im Gefolge der Französischen Revolution 1789 kam es 1792 zu den Koalitionskriegen. Am 20. April 1792 hatte Frankreich gegenüber Kaiser Franz II. und dem Reich die Kriegserklärung ausgesprochen. 1796 hatte sich das auch in Bayern und der Oberpfalz ausgewirkt. Das betraf noch Kurfürst

    Karl Theodor (1777-1799) 1796 war das französische Revolutionsheer in die Oberpfalz und bis an die Isar vorgestoßen. Karl Theodor hatte sich und seinen Hofstaat in Lockwitz in Sachsen in Sicherheit gebracht. Vom Kloster Waldsassen wurden Kontributionen und Getreidelieferungen

    gefordert. Die Franzosen unter Revolutionsgeneral François-Joseph Lefebvre ( +1820) hatten Amberg besetzt und den Liefertermin für die Getreidelieferung schon festgesetzt.  Da kamen Truppen des Erzherzogs Karl von Österreich-Teschen (+ 1847) mittlerweile Reichsfeldmarschall und Oberbefehlshaber über sämtliche Reichstruppen an der Rheinfront aus Eger heran und er  verbot die Lieferung unter schwerer Strafe. Er eroberte Amberg zurück und vertrieb die französischen Truppen aus der Oberpfalz. Beim Rückzug aus Amberg schleppten die Franzosen allerdings Geiseln mit und verlangten eine hohe Lösegeldsumme. Dazu sollte Kloster Waldsassen 25.000 Gulden beitragen. Karl verbot auch das und versprach die Geiselbefreiung, was ihm gelang.

    1799 wurde eine zweite Koalition gegen Frankreich geschlossen, der sich Kurfürst Maximilian Joseph I. lieber versagt hätte, was aber nicht möglich war. An der Seite von Österreich verlor Bayern am 3. Dezember 1800 die Schlacht von Hohenlinden.

    Im Frieden von Lunéville am 9. Februar 1801 musste Maximilian Joseph I. auf seine linksrheinischen Besitzungen verzichten. Er bekam aber einen Ausgleich über  Gebiete aus einer Mediatisierung und Säkularisation zugesprochen.

    Als erstes wurden 1801 in Bayern die Klöster der Bettelorden aufgehoben. Alle anderen Klöster wurden aufgesucht. Sie mussten Güterverzeichnisse anlegen. Am 29. Dezember 1802 erließ der Kurfürst den Befehl, Kloster Waldsassen aufzuheben.

    Am 10. Januar 1803 erschien der kurfürstliche Kommissär und überbrachte den Aufhebungsbefehl.

    Abt Athansius bekam eine Pension von 4000 Gulden jährlich zugebilligt, konnte sie aber kaum genießen. Er starb am 12. Juni 1803.

    Der Grundbesitz des Stiftlands umfasste 715 km². Es zählte 20.000 Einwohner. Die Klostergebäude gingen in bayrischen Staatsbesitz über. Die Stiftskirche wurde Pfarrkirche von Waldsassen.

    1828 wurde von dem Egerer Kaufmann Wilhelm Rother eine Kattunfabrik eingerichtet, die dort aus Filz und Tuch Fußbekleidung herstellte und so eine Beschäftigungsgrundlage bot in einer Gegend, die bisher ausschließlich vom Arbeitgeber Kloster abhängig war.

    Die Marktgemeinde Waldsassen und das Bistum Regensburg setzten sich in dieser Zeit für eine Wiederbesiedlung des Klosters durch Ordensangehörige ein.

    Am 18. Dezember 1863 wurde das Kloster als Priorat der Zisterzienserinnen von Bischof Ignatius von Senestrey (1858-1906)Regensburg neugegründet. Die 1835 wiedergegründete Abtei Seligenthal in Landshut ebnete den weiteren Weg. Die dortige Priorin Cäcilia Schmid

    führte die Kaufverhandlungen mit dem Fabrikanten Rohrer. Man einigte sich auf einen Kaufpreis von 37.000 Gulden.Der Kaufvertrag wurde m Januar 1864 notariell beurkundet. Eine wichtige Rolle spielte dabei Pfarrer Michael Lorenz (1828-1901).

    1860 war er als Provisor an der Stadtpfarrei St. Nikola in Landshut und auch Beichtvater in Kloster Seligenthal. Er ging dann mit nach Waldsassen, um das aufgehobene Kloster Waldsassen wieder zu beleben. Das Klostergebäude und mehrere Anwesen  wurden auf den Namen von Pfarrer Lorenz gekauft, wobei dieser hohe Schulden aufnahm. Er gründete dann auch noch einen genossenschaftlichen christlichen Bauernverein und eine Marianische Kongregation.

    Am 17. Mai 1864 entsandte sie die ersten vier Schwestern nach Waldsassen und übernahm im Juni 1865 selbst die Leitung der Niederlassung. Diesen stand eine harte Arbeit bevor. Die russgeschwärzten Fabrikräume mussten wieder in wohnliche Klosterräume umgestaltet werden.

    Auch das Erziehungshaus musste in einen ´Zustand versetzt werden, dass es seine Aufgabe, ein brauchbares Schulgebäude zu sein, erfüllen konnte. Pfarrer Lorenz war Beichtvater, geistlicher Leiter, Leiter der zu gründenden Schulen und Erziehungsinstitute, sowie als Administrator (bis 1884, dann 1891 bis 1901) des 1865 mit 15 Schwestern besiedelten Klosters (einschließlich Noviziat). Am 1. Oktober 1865 wurde die Klausur geschlossen, am folgenden Tag die Unterrichtstätigkeit aufgenommen. Mit der Eröffnung eines eigenen Noviziats am 17. Februar 1867 war  der Aufbau des Klosters abgeschlossen.

    Am 27. September 1868 konnte  Bischof Senestrey die erste Profess abnehmen.

    Um die Neugründung in der Zisterziensertradition zu verwurzeln, kaufte Priorin Cäcilia Schmid  Chorbücher aus der belgischen Trappisten-Abtei Westmalle. Auch ließ  mehrmals Patres aus der Abtei Mehrerau zur Schulung der Schwestern im Zisterzienserrituale und Ordenszeremonielle kommen.

    Die Zisterzienserinnen konnten einige in der Säkularisation verloren gegangene klösterliche Besitzungen  wieder zurückkaufen,so 1880 zwei Mühlengrundstücke- Papiermühle und Adlermühle  und 1888 das sogenannte Beichtvaterhaus. 1874 ließ Priorin Cäcilia Schmid auf Kosten

    des Klosters ein neues Schulhaus für Jungen bauen, das heutige Rathaus. Der Ostflügel des Konvents wurde gebraucht, denn dieser umfasste 1893 schon 54 Mitglieder, 59 Chorfrauen und 35 Laienschwestern.

    1894 wurde Waldsassen zum selbstständigen Priorat erhoben.

    Priorin Cäcilia verstarb am 2. Oktober 1895.

    Als Pfarrer Lorenz am 30. Oktober 1901 starb, lebten schon über 100 Nonnen in Waldsassen.

    Richmunda Herrnreither wurde am 9. Dezember 1868 in Magersdorf bei Vilsbiburg geboren. Sie kam 1881 als Schülerin nach Waldassen,um sich auf den Lehrerberuf vorzubereiten. Von 1886 an war sie Lehrerin.

    1893 trat sie in das Kloster ein und legte am 16. September 1894 ihre Profess ab. In diesem Jahr wurde Waldassen zum selbstständigen Priorat erhoben.

    Im Juli 1911 wurde sie zur regierenden Priorin gewählt.

    Im ersten Weltkrieg wurde sie 1916 für “Heimatverdienste während der Kriegszeit” mit dem König Ludwigs Kreuz ausgezeichnet. Der Orden war für Personen gestiftet, die während des Krieges durch freiwillige Tätigkeit in der Heimat besondere Verdienste um die bayerische Armee oder um die Wohlfahrt des Landes erworben haben.

    1925 erhob der Regensburger Bischof Anton von Henle (1906-1927)die beiden Klöster Seligenthal und Waldsassen zu Abteien. Am 26. Januar 1925 zur ersten Äbtissin gewählt.

    Im Auftrag der österreichischen Zisterzienseräbte Alois Wiesinger(1917-1955) Kloster Schlierbach, Gabriel Fazeny (1915-1938) Kloster Wilhering und Justinus Wöhrer (gründete 1929 das Zisterziensernnenkloster Apolo in Bolivien, wo er 1943 starb)

    reiste Äbtissin Richmunda zusammen mit Zisterzienserinnen aus dem Kloster Thyrnau nach Apolo.Sie entsandte auch Waldsasser Schwestern in die neue Gründung.

    In der Regierungszeit von Äbtissin Richmunda hatte Kloster Waldsassen einen Personalstand von 125 Schwestern und war damit die größte Zisterzienserinnenabtei weltweit.

    Am 15. Juli 1933 zerstörte ein Brand die Klostermühle.

    Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung mussten 1938 die klösterlichen Lehrkräfte abgezogen werden.Die  klösterliche Mädchenmittelschule wurde  1941 geschlossen.

    Nach dem Krieg wurde der Schulbetrieb wieder aufgenommen. 1950 zählte der Konvent noch 70 Ordensschwestern.

    Äbtissin Richmunda legte im Oktober 1951 ihr Amt als Äbtissin nieder. Sie starb am 12. Mai 1959.

    Ihre Nachfolgerin Raphaela Beck ist am 9. November 1901 in Würzburg-Heidingsfeld geboren. Ihre Ausbildung machte sie bei den Ursulinen in Würzburg.

    Im Kloster Waldsassen war sie Fachlehrerin, Präfektin und Novizenmeisterin. 1951 wurde sie Äbtissin in Waldsassen. Bei ihrer Benediktion war Generalabt Matthäus Quatember (1950-1953) anwesend.

    In ihrer Regierungszeit war Äbtissin Raphaela mit zwei Problem konfrontiert.Das war einmal die wirtschaftliche Lage der Abtei. Sie konnte zwar verschiedene Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen am Kloster umsetzen. Aber die wirtschaftliche Situation erforderte die Einstellung der Klosterbrauerei und der Klostermühle.

    Das zweite Problem war der Nachwuchsmangel. Die Mädchenvolkschule konnte nicht mehr mit einer Ordensfrau besetzt werden.

    Im Zeichen des 2. Vatikanischen Konzils (11. Oktober 1962 bis zum 8. Dezember 1965 ) wurden Reformen eingeleitet.

    Äbtissin Raphaela wurde mit dem Bayrischen Verdienstorden ausgezeichnet.

    Sie starb am 17. August 1974 und ist auf dem Klosterfriedhof bestattet.

    Ihre Nachfolgerin Immaculata Baumann (1974 -1992) wurde am 16. Mai 1907 in Bruchsal geboren. Dort besuchte sie das humanistische Schönborn-Gymnasium. Danach studierte sie Philosophie und Pädagogik und trat 1932

    in das Kloster Waldsassen ein. Während der NS-Zeit konnte sie nicht mehr Lehrerin sein. Sie war dann Verwalterin der Klostermühle, Präfektin des Internats, Priorin und Cellerarin. Am 24. August 1974 wurde sie zur dritten Äbtissin gewählt.

    Der Regensburger Bischof Rudolf Graber (1962-1981)weihte sie im Beisein von Generalabt Sighard Kleiner (1953-1985)

    Sie ließ verschiedene Renovierungsarbeiten vornehmen, darunter am Bibliothekssaal. Ihre Bemühungen um den Erhalt des Klosters wurden mit vielen Auszeichnungen gewürdigt.

    So erhielt sie das Bundesverdienstkreuz am Bande, die Medaille “für vorbildliche Heimatpflege” und den Bayrischen Verdienstorden. Außerdem wurde ihr das Ehrenbürgerrecht von Waldsassen verliehen.

    Am 8. März 1987 wurde die bis dahin unter bischöflicher Jurisdiktion stehende Abtei durch Aufnahme in die Mehrerauer Kongregation dem Zisterzienserorden inkorporiert.

    Äbtissin Immaculata starb 23. Oktober 1992.

    Von 1992 bis 1995 blieb der Äbtissinnenstuhl in Waldsassen unbesetzt.

    Von 1992-1994 war Columba Baumgartner als Adminstratorin tätig. Sie war von 1958-1987 Äbtissin in Seligenthal und hatte nach ihrer Resignation diese Aufgabe übernommen.

    Von 1994-1995 war Benedikta Schedl aus Marienkron Administratorin.

    Laetitia Fech (seit 1995) wurde am 21. Mai 1957 in München geboren. 1979 trat sie in die Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal ein. Am 25. März 1980 legte sie dort ihre Profess ab. In Lichtenthal war sie Meisterin in der Paramentenstickerei.

    Seit 1994 lebt sie in Waldsassen. Dort wurde sie am 26. August 1995 zur Äbtissin gewählt. Der damalige Regensburger Bischof Manfred Müller (1982-2002) benedizierte sie am 3. Oktober 1995 im Beisein von Generalabt Maurus Esteva Alsina (195-2010)

    Ihr Wahlspruch lautet „Die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft.“ (Jesaja 40,31). Und in großem Gottvertrauen meistert sie ihre Aufgabe, was Presse und Fernsehen entsprechend würdigen. Sie schaffte es, eine Finanzierung für eine umfassende Sanierung

    des Klosters auf die Beine zu stellen. Der Konvent hat wieder junge Schwestern gewonnen. Er verdient ein Zubrot durch Aufnahme und Versorgung von Gästen im Gästehaus. Kunsthandwerk wie Paramentik wird angefertigt und verkauft.

    Eigene Erzeugnisse werden im Klosterladen verkauft. Auch Lätitia Fech hat bereits eine Reihe von Auszeichnungen bekommen, mit denen der Erhalt der Gebäudesubstanz des Klosters und die Leistungen im Denkmalschutz gewürdigt werden.

                                                                                                                                                                                                   Die Stiftsbasilika, das Wahrzeichen von Waldsassen

    20 Mai 2021

    Reichsstift Kaisheim

     

                                                                                                                                                                                      

    Graf Heinrich II. von Lechsgmünd, dessen Abstammung nicht mit Sicherheit zu klären ist, stiftete 1135 das Zisterzienserkloster Kaisheim. Er war wohl ein Sohn von Otto von Lechsgemünd.

    Verheiratet war er mit Liutgard, die ebenso wie sein Sohn Volkrad in der Kaisheimer Stiftungsurkunde von 1135 genannt sind. Der Augsburger Bischof Walther I.(1133 – 1152) gab seine Einwilligung zur

    Klostergründung und empfahl sich an das Zisterzienserkloster Lützel im Bistum Basel zu wenden. Abt Christian (1131 ? – 1175 )schickte 1134 mit Ulrich den Gründungsabt nach Kaisheim, wie bei den Zisterziensern üblich begleitet von 12 Mönchen. Lützel war

    über sein Mutterkloster Bellevaux in der Filiation von Morimond, das das Mutterkloster von Bellevaux war.Kaisheim war die dritte Gründung von Kloster Lützel. Bischof Walther bestätigte die Klosterstiftung in seiner Urkunde vom 20. September 1135.

    Er schenkte dem Kloster auch eine Inful des heiligen Ulrichs.

    Der Klostergründer verstarb am 11. März 1142 und wurde in der noch nicht ganz fertiggestellten Klosterkirche beigesetzt. Gründerabt Ulrich starb im Mai 1155. Zum zweiten Abt wurde einstimmig Konrad I. (1155–1165) gewählt.

    Im Juni 1156 nahm Kaiser Friedrich I. (1152-1190) das von “Bischof Walter von Augsburg, Graf Heinrich von Lechsgemünd, seiner Gemahlin, der Gräfin Luicardis, und seinem Sohn Volchrad gegründete Zisterzienserkloster Kaisheim unter Abt Ulrich in seinen Schutz und bestätigt ihm die Besitzungen”.

    RI IV,2,1 n. 405 Bei den Besitzungen wurden namentlich genannt Kaisheim, Bergstetten, Wolfsbrunnen, Beuerfeld, Leitheim , Ronheim, Anhausen, Weilheim, Birkach , Wineden, Aichen mit den Kirchen und allem Zubehör. Kaisheim hatte in den knapp 20 Jahren seines Bestehens schon Besitz in 14 Orten.

    Es setzte Konversen zum Bauen ein. Wer handwerklich nicht ausreichende Fähigkeiten hatte, wurde in der Landwirtschaft eingesetzt. Abt Konrad starb nach 10 Jahren Regierungszeit. Sein Nachfolger wurde Diethelm (1165–1174 ). Er konnte den Klosterbesitz

    weiter mehren. Auf ihn folgte Konrad II.  der urkundlich 1185 auftritt. In seiner Amtszeit wurde das Schlafhaus fertiggestellt und die Kirche kam unter Dach. Da der Gottesdienst nun in der Kirche gefeiert werden konnte, ließ Abt Konrad die Kirche von

    dem Augsburger Bischof Hartwig (I.) v. Lierheim (1167-1184) 1183 weihen. Da das Kloster an der Grenze der beiden Bistümer Augsburg und Eichstätt lag, war auch der Eichstätter Bischof Otto (1182 –1196) bei der Weihe anwesend.

    Am 4. März 1185 nahm Papst Lucius III. (1181-1185) Kloster Kaisheim, Abt Konrad und den Konvent in den päpstlichen Schutz, befreite  sie vom Zehnten bei Eigenbau und für Tierfutter, bestätigte wie Innocenz (II.), Eugen (III.) und Alexander (III.), daß niemand sie zu Synoden und vor Gerichte zwingen

    darf. Das heisst, dass schon die drei Vorgängerpäpste Schutzurkunden für Kaisheim ausgestellt haben müssen. Außerdem bestätigte Lucius den Klosterbesitz. Lucius III. – RI IV,4,4,2 n. 1513. Papst Lucius erwähnt Klosterbesitz an 19 Orten, auch in Krimml in Tirol. Das sind immerhin rund 300 Kilometer

    Entfernung, für mittelalterliche Verhältnisse also eine enorme Distanz.

    Unter Abt Konrad II. wurde das Schlafhaus vollendet, das Refektorium gebaut. Die Bibliothek wurde aufgeführt und eingeweiht. Einen Wärmeofen gab es schon. Ein Gewölbe zur Aufbewahrung von Butter und Käse wurde errichtet und eine Krankenküche wurde gebaut.

    Der 5. Abt war Ebbo (1198–1210). In seiner Amszeit wurde öfters Geld gespendet, mit der Auflage ein bestimmtes Gut zu kaufen, so z. B. als Ritter  Gebhardus dem Kloster 24 Mark schenkte, um ein Gut in Neuweiler und eines in Biberbach zu kaufen. 24 Mark sind etwa 3.820 € und nach Kaufkraft

    etwa 11.462 €. 1204 wurde ein Haus in Giengen für 90 Pfund Heller gekauft. Das entspricht etwa 14.327 € oder nach heutiger Kaufkraft 42.981 €.

    Abt Ebbo starb 1210.  Martin Schaidler   führt in seiner Chronik des ehemaligen Reichsstift Kaiserheim(Kaisheim), Nördlingen 1867,

    als nächsten Abt Conradus auf, die Biographia Cisterciensis dagegen als 6. Abt Albert (urkundlich 1214 und 1216). In seiner Anmerkung auf Seite 12 erwähnt er allerdings

    auch Abt Albert. 1211 gründete Adalbert III. Graf von Dillingen das Frauenkloster Oberschönenfeld. Dieses wurde dem Abt in Kaisheim unterstellt. (siehe dazu Mei Büchle Kloster Oberschönenfeld)

    Am 20. August 1214 nahm Kaiser Friedrich II. (1212 –1220 deutscher König danach bis 1250 Kaiser ) Kloster Kaisheim in seinen Schutz und genehmigte alle Zuwendungen, die seine Ministerialen sowie Leute anderer Botmäßigkeit dem Kloster machen wollen. Friedrich II. – RI V,1,1 n. 719.

    1217 hatte Kaiser  Friedrich das Kloster selbst besucht und im Kloster (in cenobio Kaisheim) eine Urkunde ausgestellt, mit der er seinen Beamten verbot, von den Häusern des Klosters in Werd, das ist das heutige Donauwörth Abgaben zu erheben.

    Friedrich II. – RI V,1,1 n. 903 In einer Folgeurkunde vom Mai/Juni 1217 hatte er die Abgabe “gnadenhalber” erlassen. Friedrich II. – RIplus URH 2 n. 87

    1216 starb Abt Albert. Auf ihn folgte  Abt Konrad III. (1217–1237 ), der es auf eine Amtszeit von 20 Jahren brachte. Heinrich errichtete Wohnungen für die Beamten, damit diese nicht mehr hin und herlaufen mussten. Er konnte den Besitz  des Kloster spürbar mehren.

    1231 hatte es die Patronatsrechte der Kirche von Ostheim  an der Wörnitz von dem Augsburger Bischof Siboto von Seefeld (1227 –1247 ) zugesprochen bekommen.  Auch 1231 hatte Markgraf Heinich zu Burgau (wahrscheinlich + 1242) dem Kloster das Patronatsrecht über die Kirche von Wittislingen

    sowie einige Güter dort geschenkt.  1236 hatte Bischof Siboto zwei seiner Lehensmänner erlaubt, die Mühle in Druisheim , die ein Lehen von ihm war, zu verkaufen.

    Am 7. Oktober 1239 verstarb Abt Konrad. Zu seinem Nachfolger wurde einstimmig Abt Richard (1240–1252 ) gewählt. Richard mutete seine Mönchen eine sehr strenge Lebensweise zu und insbesondere in der Fastenzeit bekamen sie nur das Notwendigste.

    Deshalb schenkte Friedrich Minister zu Nördlingen in Uhlenberg eine Wiese, aus deren Erträgen Abt und Konvent jährlich 4000 Heringe gegeben werden sollten.

    1241 stiftete Graf Berchthold III. von Lechsgemünd/Graisbach (1193–1253) das Frauenkloster Niederschönenfeld in der Diözese Augsburg. Er unterstellte es dem Abt von Kaisheim. Der Augsburger Bischof bestätigte die Gründung am 9. Januar 1241.

    1246 inkorporierte Bischof Siboto  die Kirche von Volkmarstetten dem Kloster.

    1252 starb Abt Richard. Zu seinem Nachfolger wurde Abt Volkwich (1252–1262) gewählt. 1255 resignierte  Bischof Siboto von Augsburg. Er ging ins Kloster Kaisheim, wo sein Bruder Heinrich Mönch war. Siboto starb1262.

    Als Konradin nach Italien zog, schenkte Heinrich, Ritter von Hunsperch dem Kloster einen Hof.  Reichssachen (Deutsche 1198-1272) – RI V,2,4 n. 12035 Konradin selbst schenkte dem Kloster sein Erbgut Pirchach. Conradin – RI V,1,2 n. 4824.

    Abt Volkwich starb am 10. Dezember 1262.  Sein Nachfolger wurde Heinrich II. (von Hohenstädten) (1263–1267) Er stammte möglicherweise aus Hohenstadt heute im Ostalbkreis. Er resignierte in Kaisheim 1267. In Stams in Tirol

    gründete  der Landesherr Graf Meinhard II. von Tirol (1258-1295) und seine Frau Elisabeth von Bayern, die Witwe des Staufers Korad IV. (deutscher König von 1235-1254) ein Zisterzienserkloster. Kaisheim wurde das Mutterkloster.

    Das Kloster Stams sollte auch die Grablege der Tiroler Landesfürsten werden. Von 1347-1350 wurden die Reichsinsignien in Kloster Stams aufbewahrt. Die Stifter von Klosters Stams hatten nach Martin Schaidler “eine besondere Affektation für

    den heiligen Cisterzienserorden” (S 30 f.)Kloster Kaisheim hatte auch wegen “strenger Observanz der Regul und Ordenszucht” (ebda) einen Ruf der sogar bis in Tirol bekannt war. Deshalb wandten sich die Stifter an Kloster Kaisheim. Stams musste

    übrigens jährlich zwei Fässern”weissen und dunkeln Wein” nach Kaisheim schicken, obwohl es im Zisterzienserorden ja keine finanziellen Verpflichtungen zwischen Mutter-und Töchterklöstern gab.

    Als resignierter Abt wurde Heinrich II. vor der Übersiedlung ins neue Kloster von seinen 12 Mitbrüdern, die für die Übersiedlung ausgewählt worden waren, in kanonischer Wahl zum Gründerabt bestimmt. In Stams war er dann Abt bis 1279.

    Nach der Resignation von Heinrich II. wurde Abt Trutwin (1267–1287) zum Nachfolger gewählt.

    1268 verlieh Graf Ulrich von Helfenstein (1241-1294) Kloster Kaisheim Zollfreiheit in seinem ganzen Gebiet. In einer am 17. März 1294 in Ulm ausgestellten Urkunde urkundete er auch für Kloster Kaisheim. Adolf – RI VI,2 n. 383

    1268 bestätigte Papst Clemens IV. (1265-1268) die Inkorporation der Kirche von Stein.

    1275 und 1277 kaufte das Kloster die Weinberge  des Esslinger Bürger Heinrich Holzhuser. 1293 stiftete der Esslinger Arzt Trutwin den Kaisheimer Pfleghof in Esslingen. Esslingen wurde so zum Zentrum des Kaisheimer Weinbaus.

    Neben dem Pfleghof wurde eine große Kelter erstellt. In dieser Kelter wurde 1826 die Sektkellerei G.C. Kessler und Compagnie gegründet. 1509 lagerten in den Kellern der Esslinger Kelter 70.000 Liter Neckarwein.

    “Abt und Konvent von Kaisheim übernehmen die Versehung der Kapelle, die Meister Trutwin der Arzt in Esslingen neben dem ihnen im Jahr 1293 geschenkten Haus erbaut hat, und bekennen, dass im Fall ihrer Nachlässigkeit der Abt von Salem das Recht haben soll, einen tauglichen Priester dafür anzustellen.  (WUB Band XI., Nr. 5133, Seite 143-144)”

    Zwischen 1250 und 1287 erhielt die Zisterze Kaisheim allein 122 Schenkungen und nahm selbst 69 Güterankäufe vor. Kaisheim fasste so in 90 weiteren Orten Fuß

    Mitte des 13. Jahrhunderts hatte Kloster Kaisheim 17 Grangien, die es mit Konversen bewirtschaftete und die unter Leitung eines Verwalter standen. Die erste  Grangie war der Neuhof in der Gemeinde Bergstetten, heute ein Ortsteil von Kaisheim. Abt Ulrich kaufte das Hofgut Bergstetten

    einigen Ministerialen von St. Willibald in Eichstätt ab. Bischof Gebhard II. Graf von Grögling (1125- 1149)  gab zu diesem Kauf 1137 seine Einwilligung. Im Neuhof hatte das Kloster eine große Schafzucht. Nach der Säkularisation übernahm das bayrische Königshaus 1816 das Gut und führte es als Hofgestüt.

    Die Grangie Leitheim  findert sich erstmals als Litun in einer päpstlichen Urkunde aus dem Jahre 1147 (Papst Eugen III., 1145-1153), in der die Grangie als zu dem 1133/1135 gegründeten Zisterzienserkloster in Kaisheim gehörig bestätigt wurde. Leitheim hatte schon im Mittelalter den Schwerpunkt seines

    Wirtschaften als klösterliches  Weingut. Abt Leonard Weinmayr hatte das Potential Leitheims erkannt und ließ dort 1427 ausgedehnte Weinberge anlegen, die in guten Jahren 50 000 Liter Wein hervorbrachten. 1542 wurde dort das sogenannte Weingärtnerhaus im Renaissancestil erbaut. Unter Abt

    Abt Cölestin I. Mermos (reg. 1739-1771)  baute um 1690 in Leitheim ein Schloss als Sommerresidenz der Kaisheimer Äbte.

    Selbst in Tirol betrieb das Kloster 4 Schwaigen, also auf Viehzucht ausgerichtete Wirtschaftsbetriebe, die aber wegen der großen Entfernung aufgegeben wurden.

    Kloster Kaisheim war  stark im Weinbau engagiert. Das hatte Tradition im Zisterzienserorden, denn schon Kloster Citeaux erzielte die meisten Einnahmen aus dem Weinbau. Im Elsass waren es die Klöster Neubourg und Pairis, die einen Schwerpunkt im Weinbau hatten.

    In Deutschland waren es Eberbach, das mit dem Steinberg einen der ältesten Weinberge Deutschlands betrieb. Dort wurde ein Kleinklima erzeugt, das heute noch vorbildlich ist. Der Steinberg ist noch heute „einer der wertvollsten Lagen der Welt“ so die Webseite des Weinguts(Hessische Staatsweingüter). In Maulbronn wurde in der Grangie Elfingen mit dem Elfinger nicht nur ein hervorragender und noch heute sehr beliebter Wein erzeugt. Auch mit dem Terassenbau waren die Maulbronner Mönche vorbildlich.

    Kloster Bebenhausen hatte mit seinem Pfleghof in Ulm geradezu eine Monolpolstellung im Weinhandel Ulms. Kaisheim hatte das Zentrum seines Weinbaus neben der Grangie Leitheim in unmittelbarer Nähe des Klosters vor allem in Esslingen  und Heilbronn s.u.

    Ein wichtiges Element zisterziensischen Wirtschaftens ist die Fischzucht. Fische waren ein wichtiges Nahrungsmittel der Mönche. So haben praktisch alle Klöster eine umfangreiche Teichwirtschaft. Die Gegend um Waldassen und Tirschenreuth ist heute noch ein wichtiges Zentrum der oberfränkischen Fischzucht.  Maulbronn hat ein Teichsystem von rund 20 Teichen angelegt. Auch Schöntal und Bronnbach können auf eine umfangreiche Teichwirtschaft verweisen. Ein interessantes Detail dazu auch der Fischkalender, der um 1493 im Kloster Himmerod entstanden ist und jetzt

    in der Schatzkammer der Stadtbücherei Trier zu sehen ist.

    Kaisheim hatte bis 1400 13 Stadthöfe hier Liste in der Reihenfolge des Erwerbs: Donauwörth, Höchstädt, Augsburg, Ingolstadt, Ulm, Geislingen an der Steige, Esslingen, Giengen an der Brenz, Lauingen, Nördlingen, Ehringen, Heilbronn, Eichstätt.

    Donauwörth war das erste Stadthaus der Abtei und aus der oben erwähnten Urkunde von Friedrich II. von 1217 geht hervor, dass Kaisheim in Donauwörth schon mehrere Häuser hatte.

    1238 schenkte Ulrich, ein Diener des Abtes Konrad von Au Kloster Kaisheim ein Haus in Höchstädt. (Schaidler S. 17)

    Unter  der Augsburger Bischof Hartmann von Dillingen (1248 –1286) gab das Augsburger Domkapitel 1283 zur Erweiterung des Kaisheimer Kastenhauses ein daran stehendes Haus mit Garten. (Schaidler S. 87) Ein Kastenhaus war ein Haus in dem das Getreide aufbewahrt wurde, das pflichtgemäß abgeliefert worden war.

    1278 kaufte Kloster Kaisheim ein Haus in Nördlingen von Ritter Friedrich genannt Schonarius. (Schaidler S. 34)

    1293 erhielt der Abt und Konvent von Kloster Kaisheim das Bürgerrecht in Giengen. Außerdem erhielt das Kloster die Befreiung von allem Zoll und Abgaben. Dafür sollte jährlich ein Pfund Haller gezahlt werden, das sind etwa 360,00 €. Außerdem sollte in dem Kaisheimer Haus jeder aufgenommen werden. Für Giengener Bürger bedurfte es jedoch der Erlaubnis des Rats (Schaidler S. 46)

    Dazu auch die Urkunde der Stadt Giengen vom 27. Januar 1293 :”Die Stadt Giengen nimmt das Kloster Kaisheim in ihr Bürgerrecht auf.” (WUB Band X., Nr. 4329, Seite 107-108) der lateinische Text der Urkunde entspricht der Zusammenfassung bei Schaidler

    1296 verspricht die Stadt Nördlingen “ aus besonderem Wohlwollen” dass Kloster Kaisheim für das Haus und den Garten (In Nördlingen) keine andere Last als die allgemeine Steuer zu tragen habe. (Schaidler S. 48)

    1360 scheint es in Nördlingen Probleme mit dem Bürgerrecht gegeben zu haben, denn Kaiser Karl IV. (1346 deutscher König ab 1355-1378 deutscher Kaiser) gebot der Stadt Nördlingen, es beim Bürgerrecht für Abt und Konvent des Klosters Kaisheim zu lassen. RI Karl IV. – [RIplus] Regg. Karl IV. (Diplome) [n. 4640]

    Bereits seit 1307 besaß Kloster Kaisheim nördlich des Lauinger Schlosses ein Haus und eine Hofreite. 1498 wurde dieses Haus verlegt. 1610 wurde dann der heutige Kaisheimer Kasten, ein dreigeschossiges Haus errichtet. Von den Nebengebäuden ist nichts mehr erhalten.

    Die Herzöge Rudolf und Ludwig von Bayern schenkten 1309 Kloster Kaisheim ihr Haus in Ingolstadt und schenkten ihm vollkommene Steuerfreiheit. 1309 wurde es um Stadel und Hofstatt erweitert.

    1314 kann Kloster Kaisheim in Esslingen seinen Besitz stark erweitern, weil die Stadt wegen Unstimmigkeiten mit dem Grafen von Württemberg in Schwierigkeiten geraten war. Bürgermeister Rudger Ruprecht sowie der Rat der Stadt verkaufen 5 1/2 Morgen Weinberge bei der Burg gelegen

    an das Kloster. Das passt, denn das ist in der Nähe, wo das Kloster schon seinen Pfleghof und die Kelter besaß. Außerdem war der gekaufte Weinberg von aller Steuer befreit unter der Bedingung, dass das Kloster ohne Genehmigung der Stadt dort keine Befestigung errichtet.

    (Schaidler S. 56)

    Interessant für die Esslinger Besitzungen war auch die Zollfreiheit, die Graf Ulrich der Jüngere von Helfenstein beim Durchfahren seiner Herrschaft gewährte. Das war die Gegend von Geislingen. Weintransporte konnten so weitgehend unbelastet von Esslingen auf Kaisheimer Gebiet

    durchgeführt werden Die Genehmigung wurde 1359 erteilt und ist mit der Nummer 551/52 im Ulmischen Urkundenbuch 2/2 veröffentlicht.

    1324 verkaufte Abt Heinrich von Kloster Hirsau 60 Jauchert Weingarten, Behausung, Keller, Kelter und Hofstatt in Heilbronn. Ein Jauchert entsprach in Württemberg 33,09 Ar. Der Kaufpreis betrug 800 Pfund Haller (Schaidler S. 62)

    Dazu auch die Kaufurkunde im Staatsarchiv Ludwigsburg “Bruder Heinrich, Abt, und der Konvent in Maulbronn, die vom Abt und Konvent in Hirsau, deren Hof in Heilbronn bei der Mauer mit allen Zugehörden um 2500 Pfund Heller erworben haben, verkaufen davon wieder an Abt und Konvent von Kaisheim (Cesarea) 60 Morgen Weingarten auf Heilbronner Markung nebst Behausung um 800 Pfund Heller.” B 189 III U 211 Maulbronn, 1324 März 25 Findbuch B 189 III  Heilbronn, Reichsstadt: Klöster und Klosterhöfe

    Am 19. November 1338 bestätigte Kaiser Ludwig der Bayer (1328-1347) Abt und Konvent des Zisterzienserklosters Kaisheim, Diözese Augsburg, den Besitz ihrer bisherigen und jetzigen Güter in und um seine Stadt Heilbronn, besonders der Häuser und Gebäude, die ehemals zum Hof von Abt und Konvent des Benediktinerklosters Hirsau gehörten. Aufgeführt sind noch weiteres Zubehör, wie Kellerei, Kelter und alle Weinberge in Heilbronn.  RI Ludwig – [RI VII] H. 5 n. 238

    1363 wird das gekaufte Haus von Bürgermeister und Rat der Stadt Heilbronn gefreit. Staatsarchiv Ludwigsburg B 189 III U 215.

    Der Hof besaß allerdings keinen geeigneten Keller. Des wegen verkaufte Kloster Kaisheim diesen Hof und erwarb 1462 in der Schulgasse einen neuen.

    “Bürgermeister und Rat der Stadt Heilbronn beurkunden, dass sie dem Abt und Konvent des Klosters Kaisheim den Erkauf eines Hauses in Heilbronn bewilligt und daran wegen Verkaufs und Ausschanks des Klosterweins gewisse Bedingungen geknüpft haben.”

    Staatsarchiv Ludwigsburg B 189 III Bü 39. Der Hof wurde mehrfach zerstört, sowohl im Bauernkrieg als auch durch eine französische Plünderung im Jahre 1688.

    1370 kaufte Kloster Kaisheim in Ulm ein Haus samt Garten, Stadel und Hofraite.  Abt Johann II.  handelte mit Bürgermeister und Rat der Stadt aus, dass dafür 5 Pfund Heller jährliche Steuer zu zahlen sind. (Urkunde Nr. 827 im Ulmisches Urkundenbuch / 2,2: Die Reichsstadt : 1356 bis 1378)

    In der Folgeurkunde wird das nochmals etwas ausgeführt.

    1357 nahm der Eichstätter Bischof Berthold von Zollern (1351 –1365) Kloster Kaisheim in seinen Schutz und genehmigten den Kauf eines Hofes in Eichstätt.

      Wichtige Güter, die Kloster Kaisheim verhandelte, waren Getreide und hier besonders Hafer, Salz, Schafwolle und Esslinger Wollwaren, Neckarwein und Vieh.

    Nicht nur in den Stadthöfen betrieb Kloster Kaisheim Handel. Auch auf den Wochenmärkten von Donauwörth,  Ulm und Augsburg war Kloster Kaisheim präsent. Auch die Jahrmärkte in diesen Städten und die Pfingstmesse in Nördlingen wurden beschickt.

    Nach diesem Exkurs in die wirtschaftliche Seite des Kloster wieder weiter im chronologischen Verlauf.

    1282 konnte Kloster Schöntal an der Jagd und sein Abt Thomas (1270-1284) seine Schuldenlast nicht mehr schultern. Da auch das Mutterkloster Maulbronn, das ebenfalls von Finanzproblemen geplagt war, wandte sich der Maulbronner Abt Siegfried II. (1281-1285)  deshalb

    an seinen Amtskollegen den Kaisheimer Abt Trutwin (1267-1287). Dieser konnte einspringen und übernahm die Schöntaler Schulden. Dafür musste Maulbronn seine Paternalität abgeben. Diese ging an Kloster Kaisheim über.

    “Abt Johann von Citeaux und die Diffinitoren und Äbte des Generalkapitels des Zisterzienserordens bestätigen den Übergang der Vaterrechte an Kloster Schöntal von Maulbronn an Kaisheim.” WUB Band VIII., Nr. 3172, Seite 362-363.

    Der Generalbt von Citeaux Jean II. de Ballon (1266– 1284) bestätigte dies mit seiner Urkunde vom 13-15. September 1282. Es spricht für die Wirtschaftskraft von Kloster Kaisheim, dass die Schulden schon nach einem Jahr getilgt waren.

    Der Schöntaler Abt starb zwei Jahre nach dem Wechsel der Paternität.

    Am 8. Juli 1286 schlug der Blitz in die Klosterkirche ein. Der Turm und der Chor brannten ab. Der übrige Teil konnte nur mit großer Mühe gerettet werden.

    1287 war Abt Trutwin  auf dem Weg nach Kloster Morimond. Er starb in Morimond und ist dort am Eingang der Kirche bestattet. Zu seinem Nachfolger wurde Heinrich III. (1288–1303 ) gewählt. Er stammte aus der Familie der Pappenheimer und war vor seiner Wahl Prior.

    Die Biographia Cisterciensis führt Abt HeinrichIII auch als Bischof von Chalecedon und Augsburger Weihbischof. Bei Schaidler ist das Abt Heinrich II..Als mögliches Todesdatum gibt Schaidler 1315 an. Der Weihbischof könnte also auch Abt Heinrich III. sein, dessen Todesdatum Schaidler mit

    1302 angibt. Vordringlichste Aufgabe von Abt Heinrich III. war auf jeden Fall das durch den Blitzschlag geschädigte Kloster wieder in Ordnung zu bringen. 1292 wurde der abgebrannte Turm und beschädigte Chor repariert. Zwei neue Glocken wurden auf dem Turm angebracht.

    Am 20. Mai 1302 starb Abt Heinrich. Sein Nachfolger wurde Johann I. Konold (1304–1321). Abt Johann musste sich zunächst gegen Ansprüche wehren, die an das Kloster gemacht wurden besonders von Graf Berthold II. von Graisbach (+ 1308). Es ging um einen Hof in Wailheim und 6 Huben, die das Kloster gekauft hatte. Gegen eine Zahlung von 60 Pfund Heller wurde das geklärt. 1306 bestätigte Papst Clemens V. (1305-1314) alle Privilegien des Klosters. Außerdem wurden zwei Conservatoren über das Gotteshaus erwählt und zwar der Dompropst in Augsburg und der Propst in Rebdorf, das ist ein Augustiner Chorherrenstift in der Diözese Eichstätt. (Schaidler S. 51).

    1309 befreiten Bürgermeister und Rat der Stadt Ingolstadt den dortigen Klosterhof und den Stadel von allen Zöllen, allerdings mit dem Vorbehalt, dass dort kein Wein ausgeschenkt werden durfte. Auch von bürgerlichen Pflichten wie Wachdienst wurde das Kloster befreit. Es gab deshalb zur Verbesserung der Stadtmauer 15 Pfund Haller.

    Die Grafen Konrad von Öttingen (+ 1313) und sein Onkel Graf Eberhard von Württemberg (1279 –1325) empörten sich gegen König Heinrich VII. (1308-1313). Graf Konrad wurde 1310 mit der Reichsacht belegt. Er fand aber Aufnahme im Kloster Kaisheim. Im Kloster wurde ihm ein Zimmer eingerichtet,

    das dann als Grafengemach bezeichnet wurde. Er erhielt einen Diener, der ihn mit Speise und Trank versorgte. Zum Dank schenkte der Graf dem Kloster später verschiedene Güter.

    In der kleinen Siedlung Weihengäu östlich  von Lauingen schloss sich Ende des 13. Jahrhunderts eine Beginengemeinchaft zusammen. Aus Sicherheitsgründen übersiedelten sie in die Stadt Lauingen. Von dem Lauinger Bürger Cunrat Münster und dessen Bruder Heinrich erwarben sie ein Anwesen ,

    gründete das Kloster St. Agnes in Lauingen, nahmen die Zisterzienserregel an und wurden dem Abt von Kaisheim unterstellt.

    Abt Johann I. starb am 24. November 1321. Sein Nachfolger wurde Ulrich II. Zoller (1321–1340 ). Auch Abt Ulrich hatte gleich zu seiner Regierungszeit Schwierigkeiten zu überstehen. So hatte er Ansprüche des Grafen Heinrich von Wertenberg abzuwehren. Es ging um eine Schenkung,

    die Graf Heinrich von Burgau, sein Vorfahr, dem Kloster gemacht hatte. Der Abt konnte allerdings mit Brief und Siegel beweisen, dass seine Ansprüche rechtens waren. Auch die Grafen von Graisbach belästigten das Kloster wieder. Ludwig der Bayer erreichte am 29. Mai 1329 in Ingolstadt einen Vergleich zwischen den Parteien. RI Ludwig der Bayer – RIplus URH 5 n. 47

    Am 20. September 1323 rief Kaiser Ludwig Abt Ulrich nach München, nahm das Kloster in seinen und des Reiches Schutz und ernannte Abt Ulrich zu seinem Hofkaplan. RI Ludwig – [RI VII] H. 5 n. 51.

    Graf Bertold VII. von Graisbach genannt von Neuffen (+ 1342) einer der wichtigsten Räte Kaiser Ludwigs schenkte dem Kloster 1329 dem Kloster das Patronatsrecht in Weissenhorn. Kurz danach kaufte das Kloster in Weissenhorn mit Wissen und Billigung des Grafen eine Hostatt oder Grund

    um dort ein Haus zu bauen. Am 24.  September 1330 bestellte Kaiser Ludwig den Grafen “zum Pfleger des [Zisterzienser]klosters Kaisheim, seiner Leute, Güter und allen Zubehörs, um es in allen Angelegenheiten und gegen jedermann zu schützen und zu vertreten, weil Berthold und seine Vorfahren die Stifter des Klosters sind, (2) bestimmt, daß das Kloster weder für ihn noch für Berthold pfandbar ist.” RI Ludwig – [RI VII] H. 5 n. 114.

    1335 gab es zwei Inkorporationen für das Kloster. Bischof Ulrich (II.) v. Schönegg (1331 – 1337) von Augsburg inkorporierte die Pfarrkirche in Berg dem Kloster unwiderruflich. Bischof Philipp von Eichstätt inkorporierte die Kirche von Berkheim (nach Schaidler S. 67 nach Wikipedia ist Heinrich V. Schenk

    von Reicheneck von 1329-1344 Bischof in Eichstätt. Als Bischof Philippwird dort nur Philipp von Ratsamhausen 1306-1322 geführt).

    Am 4.September 1339 starb Abt Ulrich. Zu seinem Nachfolger wurde Ulrich III. Niblung (1340–1361 ) gewählt.

    1346 hielt Kaiser Ludwig seinen Reichstag in Augsburg ab. Abt Ulrich III. bat um Bestätigung des Stiftungsbriefes und der Privilegien, die er  am 12. Mai erhielt. RI Ludwig – [RI VII] H. 5 n. 328

    Im Frühjahr 1349 grassierte in Deutschland die Pest. In der Zeit vom April bis Mai starben in Kaisheim 14 Patres zwei Novizen und sechs Konversen.

    Das Kloster hatte bis 1352 genügend finanzielle Reserven gesammelt, so dass Abt und Konvent beschlossen,die alte und baufällige und vom Feuer geschädigte Kirche abzubrechen und diese von Grund auf neu zu erbauen.

    1352 legte Abt Ulrich den Grundstein zur neuen Kirche. Glücklicherweise waren gerade zu dieser Zeit Meister, Handwerker und Steinmetze ins Kloster eingetreten waren, so dass es nicht an Bauarbeitern fehlte. Auch erhielt

    das Kloster viele Almosen.

    1353 weilte Kaiser Karl IV. (1355-1378) in Prag, was Abt und Konvent nutzten, um um Bestätigung ihrer Privilegien zu bitten. Am 10. Mai 1353 stellte Karl in Prag eine Bestätigungsurkunde aus. Er bestätigte darin auch ausdrücklich den

    Heilbronner Besitz des Klosters.

    “König Karl (IV.) nimmt Abt und Konvent des Klosters zu Kaisheim in seinen Schutz und bestätigt demselben alle Briefe, Rechte, und Besitzungen, insbesondere ihre Güter und Weingärten in Heilbronn und auf der Markung diese Stadt, nämlich 2 Häuser, 2 Keller und 60 Morgen Weingarten.”

    RI B 189 III Bü 38

    Am 25. Juli 1355 befahl er den Städten des Landfriedens in Schwaben Augsburg, Ulm, Esslingen, Heilbronn und Nördlingen Kloster Kaisheim zu schützen. RI Karl IV. – RI VIII n. 2196.

    Abt Ulrich war altersschwach und krank geworden und resignierte deshalb im Jahre 1360. Sein Nachfolger wurde Johann II. Zaer/Zauer (1361–1379)

    Abt Johann setzte gleich den Kirchenbau fort.

    1364 inkorporierte der Augsburger Bischof Markward v. Randegg (1348 – 1365) dem Kloster die Kirche von Blindheim.

    1364 hatten sich die Einwohner des Dorfes Haffengeraith gegen den Abt aufgelehnt. Sie hatten auch

    ihre Güter schlecht bestellt. Sie wurden vor das Landgericht Monheim geladen. Ihre Güter wurden für dem Kloster verfallen erklärt.

    Auf das Versprechen einer besseren Ausführung erteilte sie der Abt 1365 erneut zu Lehen.

    Am 18. Februar 1370 bestätigte Kaiser Karl Abt und Konvent von Kaisheim in Prag noch einmal die Privilegien und Handfesten, das war eine zur Sicherung eines Rechts ausgefertigte Urkunde des Klosters. RI  Karl IV-RI VIII n. 4819

    Abt Johann starb am 3. März 1379. Sein Nachfolger wurde Johann III. Molitor (Müller) (1380–1400/01) In Der Amtszeit von Abt Johann III: war der Konvent sehr groß. Er bemühte sich deshalb besonders um die Ordenszucht.

    Auch der Kirchbau beschäftigte ihn weiterhin.

    Am Tag nach Allerseelen 1387 konnte die neue Klosterkirche eingeweiht werden. Die Weihe nahm Bischof Burkhard v. Ellerbach (Erbach) (1373 – 1404) aus Augsburg vor. Außerdem nahmen der Augsburger Weihbischof sowie mehrere Äbte an der Feier teil.Am 10.05. 1397 bestätigte Kaiser Karls Nachfolger Wenzel (1376-1400) die Privilegien, die Karl IV. 1370 Kloster Kaisheim bestätigt hatte. RI Wenzel – [RIplus] Regg. Wenzel (n. 3015) Ein knappes halbes Jahr später, nämlich am 13.10. nahm  Wenzel Kaisheim in seinen Schutz und versprach, es nicht zu verpfänden. RI Wenzel – [RIplus] Regg. Wenzel [n. 3038]

    1395 wurde der Kreuzgang gewölbt und im Kreuzgang ein Weinkeller errichtet und gewölbt. Außerdem wurde die Pfisterei und das Gasthaus gebaut. Um das Kloster herum wurde ein gedeckter Gang gebaut.

    Abt Johannes starb am 24. Juni 1401. Sein Nachfolger wurde Johann IV. Scherb (Scharb) (1401–1423 ). Er hatte eine schwierige Amtszeit. Bairischer Herrscher war Ludwig VII, der Bärtige, der von 1413-1447 regierte. Es entwickelte sich ein veritabler Familienstreit zwischen den bayrischen Vettern in München und Landshut, der bis zum Mordanschlag auf Ludwig führte, den Heinrich XVI. der Reiche von Bayern-Landshut auf Ludwig verüben ließ. Nach seinem Regierungsantritt  geriet er mit einer Reihe von bayrischen Klöstern in Streit um Steuern und Abgaben aller Art. Er wurde in eine Reihe von

    Prozessen verwickelt. Diese wurden vor der Kurie in Rom, den Konzilen von Konstanz und Basel und vor dem Kaiser geführt. Kaisheim klagte in Konstanz. Auf Antrag des Klosters gebot das Konzil von Konstanz Ludwig und seinem gleichnamigen Sohn, Ludwig dem Höckrigen (reg. 1443-1445), am 26. März 1417 unter Androhung der Exkommunikation, von allen Einquartierungen und aller Wegnahme von Feldfrüchten und Einkünften des Klosters abzulassen. Das Konzil exkommunizierte Ludwig und seinen Sohn auf Antrag des Klosters. Ermuntert durch den Erfolg von Kaisheim klagten auch

    die Klöster  Fürstenfeldbruck, Indersdorf, Geisenfeld, Hohenwart, Münchsmünster, Scheyern und Ettal.

    Vor diesen prozessualen Auseinandersetzungen hatte Kloster Kaisheim 70 Mönche und 40 Laienbrüder. Jetzt konnte es kaum noch 7 Mönche unterhalten (Schaidler S. 97).

    Am 7. Juni 1415 bestätigte König Sigismund (1411-1437) alle Rechte und Privilegien. RI Sigmund – RI XI,1 n. 1740. Eine noch weiter gehende Bestätigung erteilte Sigismund am 5. Oktober 1418.

    “bestätigt auf Bitten seines Kaplans des Abtes Johann dem Benedictinerkloster [sic!] Kaisheim alle vom Konstanzer Konzil gegen die Feinde u. Bedränger des Klosters erlassenen Sentenzen” RI Sigmund – RI XI,1 n. 3620.

    An dieser Urkunde ist mehreres interessant. Zum einen wird Kaisheim als Benediktinerkloster bezeichnet. Dann wird auf die Urteile des Konzils  die im Streit gegen Ludwig VII. ergangen sind verwiesen. außerdem wird in der Urkunde

    Abt Johannes als Kaplan von Sigismund bezeichnet. Kaiser Sigismund hatte 1418 den Markgrafen Friedrich I. von Brandenburg-Ansbach zum Schutzherrn von Kloster Kaisheim eingesetzt.

    1423 wurde das neue Refektorium fertiggestellt.

    Abt Johannes verstarb am 23. September 1423. Sein Nachfolger wurde Kraft von Hochstadt (Krafto von Höchstädt) (1423–1427 abgesetzt). Vor seiner Wahl war er Bursarius in Kaisheim. Außerdem war er bevollmächtigter Anwalt von Abt Johannes

    in den Auseinandersetzungen mit Ludwig gewesen. 1425 ernannte Abt Kraft  Leonhard Weinmayr/Weinman zum Bursarius. Nach Schaidler war er damit aber nicht zufrieden, da er selbst Abt werden wollte (S. 109). Er verleumdete ihn beim Konvent

    und Abt Kraft wurde 1427 tatsächlich abgesetzt. Zum Nachfolger wurde Abt Leonhard Weinmayr/Weinman (1427–1440 abgesetzt ) gewählt. Er kümmerte sich vor allem um die zeitlichen Angelegenheiten der Abtei. Er ließ an vielen Orten bauen. Er wölbte

    das Kapitel und das Schlafhaus ein. In der Grangie Leitheim legte er Weinberge an und ließ in Leitheim eine Kapelle errichten.

    Am 4. Februar 1430 starb der abgesetzte Abt Kraft und wurde auf dem Klosterfriedhof bestattet.

    In diesem Jahr ließ Abt Leonhard eine Orgel bauen und in den Kirchenchor einsetzen.

    1434 wurde Abt Leonhard zum Konzil nach Basel geladen und erhielt dort das Recht, die Inful zu tragen. Am 21. September 143 bestätigte Kaiser Sigismund die Privilegien des Klosters. RI Sigmund – RI XI,2 n. 10819

    1435 wurde Kloster Kaisheim mit der Verwaltung des Zisterzienserinnenklosters Pielenhofen betraut.

    1440 geriet Abt Leonhard auch beim Schirmherrn, dem Markgrafen von Ansbach in Verruf. Dieser brachte seine Vorbehalte beim Abt Ulrich Kötzler (1433–1462) von Heilsbronn vor. Er war der Ordenskommissar der fränkischen Provinz.

    Abt und Markgraf kamen überein, einen Heilsbronner Mönch als Kaisheimer Abt zu installieren. Der Markgraf kam nach Kaisheim ins Kloster. Leonhard wurde verhört und danach gebunden aus dem Kloster geführt. Was aus ihm geworden ist, ist unbekannt.

    (Schaidler S. 112) Als neuer Abt wurde Nikolaus Kolb (1440–1458 ) Doktor der Theologie aus Heilsbronn installiert.

    Das Kloster geriet in die Auseinandersetzungen der bayrischen Herzöge in den auch Kaiser Friedrich III. (1440-1493) Partei ergriffen hatte. Die Einwohner von Lauingen, die auf der Seite von Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt standen, verlangten vom

    Abt, dass dieser die Güter des Klosters von denen des Grafen Johann von Oettingen (+1449) trennen solle, da er sonst viel Unheil zu erwarten habe. (Schaidler S. 113). In der Tat ging es Kloster Kaisheim so schlecht, dass die Zisterzienseräbte von Schwaben und Franken,

    die in Frankfurt einen Konvent abhielten, eine Abordnung ans Generalkapitel schickten, um von dort Hilfe für Kloster Kaisheim zu erlangen (Schaidler ebda).

    Als Abt Michael I. Pistorius (1454–1457) aus Kloster Fürstenfeld starb, bat der dortige Konvent über Herzog Albrecht III. von Bayern-München (1438–1460) den Bursarius von Kaisheim Ulrich ins Kloster Fürstenfeld zu schicken. Kloster Kaisheim kam dieser Bitte nach.

    Er wohnte in der Pfisterei und hatte ja auch Zugriff auf die Klosterfinanzen. Als er Kaisheim verließ, hatte er eine schwere Kiste mit sich. Er wurde Abt in Fürstenfeld und konnte dort sofort Schulden abtragen. Fürstenfeld erholte sich, während Kaisheim noch mehr

    verarmte. Das wurde noch schlimmer, da auch der neue Bursarius Geld für sich sammelte und auch er mit dem aus Heilsbronn aufgezwungenen Abt nicht klar kam. (Schaidler ebda).

    Abt und Konvent wandten sich 1449 an Kaiser Friedrich, weil sie durch das bisherige Schenkraum im Kreuzgang empfindlich gestört worden waren.

    Daraufhin erließ er diese Anordnung: ”Kg. F. gestattet dem Abt des Klosters Kaisheim, sein Schenkhaus an einen beliebigen Ort vor das Klostertor zu verlegen, da in dem jetzigen Schenkhaus, das im Kloster nahe dem Kreuzgang gelegen ist, mancherlei unfur geschray, Aufläufe und andere Unzucht vorgekommen ist, was für geistliche Personen unziemlich ist und den Gottesdienst behindert. Der Kg. gebietet allen Untertanen bei einer Pön von 6 Mark Gold, halb in die Kammer und halb dem Abt, Konvent und Kloster zu zahlen und befiehlt, in dem Schenkhaus keinerlei Unzucht und Frevel zu treiben”

    RI Friedrich III. – [RI XIII] H. 2 n. 32

    1458 wurde mit Abt Georg I. Schmidlin (1458–1479 ) der 23. Kaisheimer Abt eingesetzt.

    Als Graisbach an Herzog Heinrich XVI. der Reiche von Bayern-Landshut (1393–1450) gefallen war, wurden die Klosteruntertanen von den bayrischen Gerichten in Graisbach, Monheim, Reichertshofen und Neuburg wieder bedrängt, weshalb sich das Kloster wieder an Friedrich III. wandte.

    Dieser beauftragte den Markgrafen Albrecht von Brandenburg, Burggraf zu Nürnberg “an seiner Statt  Abt und Konvent des Klosters Kaisheim sowie deren Leute und Besitzungen zu beschirmen, beschützen und handhaben.” RI Friedrich III. – [RI XIII] H. 2 n. 29

    Außerdem befahl er dem bayrischen Herzog Heinrich XVI. direkt, seine Amtsleute anzuhalten, die Beschwernisse gegen die Klosteruntertanen einzustellen. RI Friedrich III. – [RI XIII] H. 2 n. 31

    Zwar war 1450 ein allgemeiner Friede verkündet worden. Aber es herrschte praktisch Kriegszustand im Land, bei dem das Kloster schweren Schaden erlitt und zwar sowohl von Fürsten als auch von Städten. Schaidler führt auf den Seiten 116 ff

    eine “Specifikation unterschiedlicher dem Gotteshaus zugefügter Schäden” auf.

    1463 wurde ein Vergleich in Landshut erzielt. Herzog Ludwig IX. der Reiche (1450–1479)von Bayern-Landshut und sein Sohn Georg der Reiche (1479–1503) wurden auf Lebenszeit als Schutzherren des Klosters anerkannt. Beschlagnahmte Güter wurden wieder herausgegeben.

    Die von den bayrischen Herzögen gegebenen Privilegien wurden vom Reichskammergericht in Rottweil bestätigt.

    1473 berief Kaiser Friedrich den Kaisheimer Abt wie einen Reichsstand auf den Reichstag nach Augsburg. (Schaidler S. 124)

    1477 wurde die neue Bibliothek gebaut. Auch mehrere Krankenzimmer wurden eingerichtet. In der Kirche wurden an 6 Pfeilern Altäre errichtet. 1479 wurde neben der Abtei ein neuer Turm von Meister Knebel errichtet, dessen Sohn Mönch im Kloster war.

    Am 8. Dezember 1479 starb Abt Georg. Auf ihn folgte Abt Johann V. Visches (1480–1490 ), den Schaidler als 23. Abt, die Biograhia Cisterciensis als 24. Abt zählt. Er stammte aus Kempten und war bei seinem Amtsantritt schon bejahrt. Er hatte gleich die

    Ernährung seiner Konventualen verbessert, die bis dahin nicht als üppig bezeichnet werden konnte. Diese Anordnung hat er 1480 in Rom bestätigen lassen und dabei für sich und seine Nachfolger das Recht die Inful zu tragen beantragt. Dies wurde genehmigt.

    1481 wurde das Kloster von einem großen Hochwasser heimgesucht. In diesem Jahr ließ er die Bräuküche errichten, in der Gäste, das gemeine Volk, Handwerker und Taglöhner verköstigt wurden. Er ließ den Füllstadel und den Siechturm errichten.

    Er schaffte einen silbernen Abtstab, eine Inful und silbernes Geschirr an.

    In Ingolstadt erbaute er einen Kornstadel, in Heilbronn erneuerte er das dortige Haus, die Kelter und den Keller. In Nördlingen erbaute er ebenfalls einen
    Kornstadel.

    Bis 1486 erbaute er ein neues Gästehaus im Kloster. In Weissenhorn vollendete er das dortige Haus und kaufte noch ein weiteres dazu.

    1488 wurde die Bibliothek vollendet. Der Kreuzgang wurde ebenfalls verschönt. Das Haus in Augsburg wurde von Grund auf erneuert.

    Am St. Blasiustag, am 3. Februar hatte Abt Georg den Abt von Lützel Ludwig Jäger (1471–1495 )in Leitheim zu Gast. Als die beiden zurückkehrten, brannte wegen einer Unvorsichtigkeit des Schreiners das Haus dort und die Kirche völlig ab.

    1490 wurde in dem Benediktinerkloster Thierhaupten am Lech auf ersuchen des herzoglichen Rentmeisters Johannes Hofmann der Kaisheimer Supprior und Kustos Johannes Secherlein zum Abt in Thierhaupten eingesetzt. Dazu musste er mit päpstlicher Dispens erst Benediktiner werden.

    Gesundheitlich stark angeschlagen begab sich Abt Johann nach Augsburg, um dort seine geschwächte Gesundheit wieder herzustellen. Er verstarb allerdings in Augsburg.

    Sein Nachfolger wurde der bisherige Prior Georg II. Kastner (1490–1509).

    1491 ließ der Abt im Kloster einen Wärmeofen bauen. 1493 wurde die Bibliothek vollends eingerichtet und mit eichenen Sitzen und Fußschemeln versehen. Eine große Anzahl neuer Bücher wurde angeschafft.

    Der Bücherbestand der Bibliothek stammte natürlich schon aus den Anfängen des Klosters. Die frühen Generalkapitelstatuten hatten die zisterziensische Grundausstattung einer Klosterbibliothek festgelegt. Jedes Kloster musste über das Missale, das Epistolar,Evangeliar, Kollektar, Graduale,

    Antiphonar, die Regel, das Hymnar, das Psalterium, das Lektionar und das Kalendarium verfügen und laut Statuten mussten diese übereinstimmen. Die Einheitlichkeit der Texte und damit die Lebensform  garantierten die Konvente der Mutterabteien. nicht nur die liturgischen Bücher waren vorhanden,

    sondern Bibelkommentare und Literatur der Kirchenväter. Allerdings überholte die Dominikaner und Franziskaner, sowie die Schriften der Universitätsgelehrten die Zisterzienser bald, die schon  im frühen 13. Jahrhundert als ungelehrt verspottet wurden. Ab Anfang des 13. Jahrhunderts versuchte man gegenzusteuern.  In Paris wurde ein Generalstudium mit Bezug zur Universität aufgebaut. Auch sollten die Klöster angehalten werde, Mönche fürs Studium abzustellen. Im 15. Jahrhundert ist eine Zuwendung zur humanistischen Literatur festzustellen. Dem beginnenden Buchdruck wenden sich manche Klöster sehr früh zu, allerdings weniger als Produzenten. Sie waren überwiegend Käufer.

    In Kaisheim sind erste Handschriften schon um 1170-1180 nachweisbar. Dazu brauchte man Pergament, d.h. genügend geeignete Tiere mussten zur Verfügung stehen und die Mönche mussten auch das Rohmaterial verarbeiten können. Außerdem mussten sie sich mit der Herstellung von Tinte auskennen.

    Auch war eine Lese-und Schreibfähigkeit unabdingbar. Die Gründung von Tochterkloster Stams und die Übernahme von Schöntal, sowie die Betreung der Frauenzisterzen von Oberschönenfeld, Niederschönenfeld, Kirchhdeim am Ries, Pielenhofen, Seligenthal  und Zimmern am Ries machten eine

    Erhöhung der Buchproduktion notwendig. Während des Baus der gotischen Klosterkirche und ein vorübergehender  wirtschaftlicher Einbruch bremsten die Buchproduktion ab.

    1493 starb Kaiser Friedrich III. und natürlich wurde auch in Kaisheim ein großer Gedenkgottesdienst gefeiert zumal Friedrich ein Freund des Klosters war.

    1494 kaufte Abt Georg in Lauingen ein Haus mit Stadel und Garten für 675 Gulden. 1498 wurde es gefreit.

    1496 ließ der Abt Bilder von allen Äbten malen mit Angabe der Wahl und des Todesdatums.

    Am 14. Juli 1498 bestätigte Kaiser Maximilian Georg und dem Konvent auf ihre Bitte eine Reihe von Privilegien von Bischof Walter von Augsburg, den Pfalzgrafen bei Rhein, die von Karl IV. gemachten sowie die Bestätigungen von Sigismund. RI Maximilian I. – RI XIV,2 n. 6408.

    Als Kaiser Maximilian 1501 mit seiner Gattin Maria von Burgund in Donauwörth war, besuchte die Kaiserin auch Kaisheim.

    1502 ließ der Abt Georg in Augsburg einen Altar malen, an dem auch Holbein und Dürer mitgemalt hatten. Der Abt ließ auch eine große Orgel erbauen und schickte den Konventbruder Leonhard Frank zu einem berühmten Organisten Johannes Jubilate zur weiteren Ausbildung nach Heilsbronn.

    1503 setzte Papst Julius II. (1503-1513) die Bischöfe von  Augsburg Friedrich (II.) Graf v. Zollern (1486 – 1505)und Gabriel von Eyb (1496 –1535) sowie den Rektor der Universität Ingolstadt Hieronymus von Croaria (1460/63–1527 ) als Konservatoren und Handhaber der Freiheiten des Klosters ein.

    Am 1. Dezember 1503 starb Georg der Reiche Bayern-Landshut. Da Herzog Georg keinen männlichen erben hinterlassen hatte, erlosch auch das Schutzverhältnis von Bayern-Landshut über das Kloster. Am 25. November 1503 hatte Kaiser Maximilian erklärt, dass Kloster Kaisheim frei sei und

    keinen anderen Schutzherren habe als den Kaiser und das Reich (Schaidler S. 189).

    Nach dem Tod Georgs wurde ein Streit um die Erbfolge ausgelöst, die in den Landshuter Erbfolgekrieg 1504-1505 mündete. In diese Auseinandersetzung wurde auch Kloster Kaisheim verwickelt. 1504 ermordeten Buchdorfer (heute Verwaltunsgemeinschaft Mondorf) Bauern einen kaiserlichen Boten,worauf Maximilian das Dorf, in dem Kloster Kaisheim ein beutender Grundherr war, niederbrennen ließ. Obwohl das Kloster damit nichts zu tun hatte, war es immer wieder Ziel von Racheakten. So wurde zum Beispiel die Grangie Neuhof beschädigt und geplündert.

    Abt Georg starb nach 19 Jahren Regierungszeit 1509. Sein Nachfolger wurde Konrad III. Reuter (1509–1540). Ein Mächtiger am kaiserlichen Hof hatte seine Ambitionen auf den Abtsstuhl in Kaisheim geäußert. Der Ordensregel gemäß wurde zwar der Abt von Lützel Theobald (Thiébaut) Hillweg
    (1495–1532) benachrichtigt. Da aber sozusagen Gefahr im Verzug war, wurden die Äbte von Salem Johannes II. Scharpfer (Schürpfer) (1494–1510), Heilsbronn Berthold Stromair (1386–1413) und Abt Emeran Thiem von Kloster Königsbronn (1507-1513) eingeladen. Unter ihrer Leitung wurde

    der bisherige Prior Konrad III. Reuter ( 1509–1540 ) zum 26. (Biograhia cisterciensis) Abt von Kaisheim gewählt. Die Bestätigung aus Citeaux traf bald ein, so dass der Augsburger Weihbischof Heinrich Negelin(1506-1520) Konrad III. zum Abt weihte.

    Konrad stammte aus Nördlingen und war Sohn eines Metzgers. Er ist um 1460 geboren und studierte in Heidelberg. Dort studierte auch Wolfgang Marius, der von 1514- 1544 Abt am Zisterzienserkloster Aldersbach war und Ulrich Molzner, der von 1503-1506 Abt am Zisterzienserkloster
    Raitenhaslach war. In der Zeit lehrten Konrad Celtis und Antonius  de Clapis,  Rudolph Agricola und Johannes Reuchlin an der Heidelberger Universität. Konrad Celtis wurde später an die Universität Ingolstadt berufen, die ja schon in räumlicher Nähe zu Kaisheim war. Natürlich hatte Abt Johannes auch Kontakt zu den Humanisten Pirckheimer und Peutinger. Ebenso hatte er Kontakt zu dem Heilsbronner Abt Sebald Bamberger (1498–1518). Mit dem Lutherkontrahenten  Johannes Eck stand er in Briefkontakt. Er hatte schon in Heidelberg einen Codex von Vergil mit Texten aus der Aeneis, der Bucolica und der Georgica zusammengestellt. Abt Johannes war auch von Geschichtsbewusstsein geprägt. In seiner Amtszeit wurde die Klosterchronik von Johann Knebel ausgearbeitet. Abt Johann ließ auch die Archive neu ordnen und in seiner Zeit wurden umfangreiche Kopialbücher aller Urkunden angelegt.

    Abt Johann war auch ein Vertrauter von Kaiser Maximilian.

    Als Reichsstand wurde Abt Johann zu den Reichstagen in Augsburg 1510 und  Trier 1512  eingeladen.

    1511 wurden angefangene Gebäude im Kloster fertiggestellt, unter anderem die Abtei, das Gemach des Bursarius, die Bibliothek des Abtes mit seiner Wohnung darunter und Vorratsräume.

    Herzog Ulrich von Württemberg hatte 1517 seinen Stallmeister Hans von Hutten ermordet. Darauf begann dessen Vater Ulrich eine Fehde gegen den württembergischen Herzog und legte mit Erlaubnis des bayrischen Herzogs Wilhelm IV. (1508-1550) 1500 Reiter nach Wemding.

    Dabei kam das Kloster auch zu Schaden.

    1519 starb Kaiser Maximilian. Sein Nachfolger Karl V. (1520-1556) bestätigte 1521 die Rechte des Klosters. (Schaidler S. 146). Kaisheim wurde auch in den Reichsmatrikeln von 1521 geführt und wurde mit 4 Reitern und 67 Mann zu Fuß angesetzt.

    1522 baute der Abt die Häuser des Klosters in Donauwörth, Ulm und Augsburg neu, danach die Häuser in Esslingen und Heilbron. Im Kollegium St. Jacob in Heidelberg, das war die Unterkunft der süddeutschen Zisterzienserklöster  baute er ein Zimmer und eine Kammer für die Kaisheimer

    Mönche an der Universität Heidelberg.

    1525 brach der Bauernkrieg aus. Abt Johann führte die Abtei sicher durch den Bauernkrieg. Was er nicht verhindern konnte, war die Zerstörung des Kaisheimer Hofs in Heilbronn durch aufständische Bauern unter
    Führung von Jäcklein Rohrbach.

    1532 wurde Abt Johannes von Kaiser Karl V. zum kaiserlichen Kaplan ernannt.

    Abt Johann starb 1540. Sein Nachfolger wurde Johann VI. Sauer (1540–1575). Er stammte aus Donauwörth und hatte ebenfalls in Heidelberg studiert.

    1542 umgab Abt Johannes den Wei9nberg in Leitheim mit einer Mauer. Außerdem wurde das Weingärtnerhaus erbaut, von dem aus man eine herrliches Aussicht auf Augsburg hat. Das kostete 4000 Dukaten, das entspricht etwa 343.000 Euro.

    1542 war Ottheinrich von der Pfalz (1552-1559) zum Luthertum übergetreten. In der Folge wurden dann die Frauenklöster in Neuburg, Monheim und Bergen und danach Lauingen und Mödlingen aufgehoben. Auch Waldsassen, Pielenhofen und Gnadenburg erlitten dasselbe Schicksal.

    Waldsassen war von 1571-1669 ein kurpfälzisches Pflegamt. Kaisheim blieb zwar katholisch, aber zwischen 1544 und 1562 war der Konvent mehrmals gezwungen, das Kloster zu verlassen.

    1544 trat Ottheinrich dem Schmalkaldischen Bund bei. Kaiser Karl V. befahl Abt Johannes und dem Konvent die alte Religion beizubehalten.

    1546 unterwarfen sich Prior Matthias Nachbauer dem Fürsten von Neuburg mit dem Vorbehalt des Lebensunterhalts. Kaiser Karl V. führte das Reichsheer gegen Neuburg. Er erklärte die Reichsacht über Ottheinrich. Dieser flüchtete in die Pfalz.

    Abt und Konvent befahl der Kaiser, wieder ins Kloster zurückzukehren.

    1548 nahm Abt Johannes am Reichstag in Augsburg teil.

    1550 ließ der Abt kostbare Paramenten anfertigen.

    1551 verlieh Kaiser Karl V. dem Kloster die Halsgerichtsbarkeit.

    Nach dem Passauer Vertrag vom 15. August 1552 befahl Kaiser Karl V. Abt Johann, das Kloster wieder zu beziehen und den alten Gottesdienst aufzunehmen.

    1556 wurden die Klosterhöfe in Giengen und Donauwörth renoviert.

    1556 trat Kaiser Karl V. von allen Herrscherämtern zurück. in Deutschland übernahm sein Bruder Ferdinand I. (1568-1564) die Regierung. 1559 nahm er Kloster Kaisheim in den Schutz des Reiches.

    Auf Ferdinand I. folgte Maximilian II. (1564-1576). Er bestätigte 1566 den Reichsschutz für Kloster Kaisheim.

    1568 ließ der Abt außerhalb der Sakristei ein neues Uhrwerk errichten.

    1572 war Abt Johannes sehr alt und wünschte einen Coadjutor. Der Konvent wählte am 19. März 1572 einstimmig den Unterbursner Ulrich Köllin aus Wiesensteig mit dem Recht der Nachfolge.

    1573 nahm Maximilian II. Kloster Kaisheim in seinen Schutz und da es weder dem bayrischen noch dem schwäbischen Kreis zugewiesen war, ernannte er den Bischof von Augsburg Johann Eglof von Knöringen (1573 –1575) und

    Herzog Albrecht V. (1550-1579) von Bayern als Konservatores des Kloster.

    Am 19. Juli 1573 visitierte der Generalabt Nicolas I. Boucherat (1571– 1583) aus Citeaux Kloster Kaisheim.

    Am 28. November 1575 starb Abt Johannes  VI. sauer nach 35 –jähriger Regierungszeit. Sein Nachfolger wurde der bereits 1572 zum Koadjutor bestellte Ulrich IV. Köllin (1575–1586 )

    Abt Ulrich wurde am 8. Januar 1576 von dem Augsburger Weihbischof Ulrich Geislinger (1474 1493 ) geweiht und im Beisein der Äbte von St. Ulrich in Augsburg, Fürstenfeld, Neresheim, Thierhaupten Heilig Kreuz in Donauwörth und Mönchsdeggingen

    in sein Amt eingeführt.

    Kaiser Rudolf II. (1576-1612) bestätigte 1577 die Privilegien von Kloster Kaisheim.

    1577 verlangte das Kloster Aldersbach in der Diözese den bisherigen Oberbursner Andreas Heydecker, der dort Abt wurde.

    1580 bestellte Kaiser Rudolf den Augsburger Bischof Marquard II. vom Berg (1576-1591) und Herzog Wilhelm V. (1579-1597) von Bayern zu Konservatoren von Kloster Kaisheim.

    Abt Ulrich renovierte die Abtei innen und außen. Er ließ viele Bilder und Figuren anbringen. Außerdem wurden auch viele Sonnenuhren angebracht.

    1582 wurde der gregorianische Kalender eingeführt.

    Abt Ulrich starb am 14. August 1586. Sein Nachfolger wurde Georg III. Futterknecht (1586–1589) Er stammte aus Dillingen und war bisher Oberbursner.

    1588 erbaute er die Kanzlei mit Registratur. nach nur drei Jahren Regierungszeit starb er am 11. Februar 1589 in Nördlingen.

    Auch der nächste Abt Dominikus Steichele (1589–1594 ) war nur relativ kurz im Amt. Er war Professor. Neben der Kanzlei ließ er ein weiteres Gebäude erbauen, in dem unten Stallungen für die Hofpferde waren.

    Oben war ein Ratszimmer eingerichtet. Daneben wurde später von Abt Molitor ein weiteres Zimmer eingebaut. Er nannte es die “kleine Abtei”, denn er nutzte es, wenn die Herzöge von Neuburg mit Damen zu Besuch kamen,

    denen er dann immer ehrenhalber die Abtei räumte. Nach längerer Krankheit starb Abt Dominikus am 6. Januar 1594. Bei seinem Tod war zufälligerweise  Generalabt Nicolas I. Boucherat zur Visitation in Kaisheim.

    Er leitete dann am 8.Januar 1594 die Wahl des neuen Abtes Sebastian Faber (1594–1608) und benedizierte diesen auch.

    Am 14. September 1595 wurde in Fürstenfeld ein Provinzialkapitel abgehalten. Durch die Reformation im Deutschen Reich war die Filiationskette als das verbindende Element der Klöster des Ordens  dadurch in vielen Fällen unterbrochen.

    Generalabt Edmond de la Croix (1584–1604) strebte ein die einzelnen  Territorien übergreifendes Generalvikariat für den oberdeutschen Raum zu schaffen. Außerdem sollten so auch die Reformen, die das tridentinische Konzil verlangt hatte, gesichert werden.

    Die 17 Äbte, die zu diesem Provinzkapitel zusammen gekommen waren, beschlossen die Fürstenfelder Statuten. Zum Generalvikar wurde Abt Petrus Müller (1593–1615) von Salem ernannt. 1619 wurde die Oberdeutsche Kongregation dann endgültig gegründet und am

    22. Januar 1619  vom Abt von Cîteaux bestätigt.  1624 wurde die Kongregation auch vom Papst bestätigt.

    1598 ließ Abt Sebastian die alten Chorstühle renovieren. 1600 ließ er die von Johann Knebel verfasste Klosterchronik von Pater Martin Held ins Lateinische übertragen.

    1600 gab Kaiser Rudolf dem Kloster auch einen Doppeladler mit dem Wappen des Kaisers, der als Schutzschild am Klostertor befestigt wurde.

    1602 belästigte Herzog Philipp Ludwig von Neuburg (1569-1614) Kloster Kaisheim, was ihm große Nachteile verschaffte. 1607 reiste Abt Sebastian deshalb an den Hof von Kaiser Matthias (1612-1619) nach Prag auch um dem Kloster und seinen Angehörigen

    Frieden zu verschaffen. Er wurde ehrenvoll aufgenommen und seine Reise war von Erfolg gekrönt. Er reiste dann weiter zum Reichstag nach Regensburg. Die Reise war wohl sehr anstrengend. Erschöpft wurde er krank und starb mit nur 43 Jahren am  15. April 1608

    in Regensburg, wo er auch beerdigt ist. Sein Nachfolger wurde Abt Johann VII. Beck (1608–1626 ). Er wurde am 17. April gewählt und kurz danach inthronisiert. Abt Sebastian hatte den Ausgang des Streits mit Herzog Philipp Ludwig von Neuburg  nicht mehr erlebt.

    Abt Johann gab eine Druckschrift heraus, in der er darlegte, dass Kloster Kaisheim nie der Pfalzgrafschaft unterworfen war und diese deshalb auch kein erbliches Schutzrecht beanspruchen könne und
    Kaisheim sich seinen Protektor frei wählen könne. Der Neuburger Herzog verfasste eine Gegenschrift, nach der Kaisheim der Grafschaft Graisbach unterworfen sei und damit Pfalz-Neuburg.

    1610 ließ Abt Johann die Pfistererei umbauen. 1611 wurde sie vollendet. Sie hatte zwei Backöfen, eine Mühle sowie Gewölbe zur Aufbewahrung des Brotes. Über der Bäckerei waren Wohnungen und Gesindestuben für Bäcker und Müller. Darüber

    waren große Getreidekästen.

    1612 griff Herzog Philipp Ludwig Kloster Kaisheim an, entfernte den Doppeladler über dem Tor und ließ diesen nach Neuburg bringen, dies allerdings unter großen Ehrbezeugungen und mit entblößtem Haupt.

    Nach dem Tod von Herzog Philipp Ludwig von Neuburg  1614 hatte sein Sohn Wolfgang Wilhelm 15. Mai 1614 feierlich seine Konversion zum Katholizismus bekannt gegeben.

    Am 30. September 1615 visitierte Generalabt Nicolas II. Boucherat  (1604–1625 ) Kloster Kaisheim. 1619 übertrug er alle hohe Generalsgewalt dem Präsidenten der oberdeutschen Ordensprovinz.

    Er erhielt auch vom Papst die Vollmacht, alle Prälaten seines Ordenszu ermächtigen neue Äbte und Äbtissinnen zu weihen.

    Der Abt ließ 1620 die Krankenkapelle restaurieren und bestimmte sie zu seinem Begräbnisplatz.

    1621 bestätigte Kaiser Ferdinand II. (1619-1637) die Privilegien des Klosters.

    1626 bat Abt Johann den Abt von Salem Thomas I. Wunn (1615–1647) nach Kaisheim zu kommen. Altersbedingt und erschöpft legte er am 17. Januar 1626 sein Amt nieder. Er starb am  16. Februar 1627.

    Unter Abt Thomas wurde am Tag des Rücktritts von Abt Johann der neue Abt gewählt.Sein Nachfolger als 33. Abt wurde Jakob Mosbach (1626–1637). Er wurde von Abt Thomas Wunn 8 Tage später benediziert.

    1627 kaufte Abt Jakob von der Freifrau Anna von Fugger aus Kirchberg in Ingolstadt für 4300 Gulden ein von allen Lasten befreites Haus, heute das Kaisheimer Haus und ließ es für Studierende einrichten.

    In Kaisheim ließ er mehrere Gebäude fertigstellen, die von seinen Vorgängern begonnen worden waren.

    In diesem Jahr wurde er auch vom Generalabt zum Generalvisitator aller in Sachsen gelegenen Zisterzienserklöster ernannt. Er begab sich deshalb mit einigen Mönchen nach Sachsen. Dort übernahm er das Kloster Walkenrode

    und setzte Pater Christoph Kölich als Abt ein.

    Kaiser Ferdinand II. ernannte Abt Jakob zum Kaiserlichen Rat und Kaplan (Schaidler S.176)

    Zwar herrschte schon seit 1618 Krieg im Deutschen Reich Aber Kloster Kaisheim war bisher verschont geblieben. Das änderte sich, als Gustav Adolf (1611-1632) 1631 in Franken einfiel. An Palmsonntag 1632 besetzte er Kloster Kaisheim.

    Der Konvent konnte sich mit Mühe nach Ingolstadt retten.  Nur zwei Mönche blieben zurück, Georg Molitor (latinisert Müller), der spätere Abt und Franziskus Glepser. Der König und sein Heer verpflegten sich im Kloster und auch als sie nach Donauwörth

    weiterzogen, bezogen sie ihre Nahrungsmittel aus dem Kloster. Dank einer Schutzerklärung des schwedischen Königs blieb das Kloster zwar von Brand und Zerstörung bewahrt, aber das Kloster verarmte. Der Konvent blieb zwei Jahre in Ingolstadt.

    Der Abt verbrachte diese Zeit in Clairvaux und Venedig. Er kehrte 1637 aus seinem Exil nach Kaisheim zurück. Da die Versorgungslage des Klosters sehr prekär war, schickte er die Mönche in österreichische Klöster, wo sie unterkamen.

    Abt Jakob war krank und starb am 4. November 1637. Der Salemer Abt Thomas I. war benachrichtigt worden. Er war bei der Wahl anwesend, bei der Georg IV. Müller (1637–1667) als 34. Abt gewählt wurde.

    Der Krieg kehrte nochmals zurück. Abt Georg flüchtete nach St. Gallen, die Konventualen wurden auf verschiedene Klöster verteilt, nur drei blieben in Kaisheim zurück.

    1640 war ein Reichstag in Regensburg. Auch Abt Georg nahm daran teil und erhielt eine Audienz von Kaiser Ferdinand III. (1637-1657).

    1645 kehrte Abt Georg aus dem Exil zurück,hielt sich aber im Kloster Oberschönenfeld auf. Am 25. März 1648 besetzte Carl Gu8staf Wrangel Kloster Kaisheim, blieb dort 5 Tage und plünderte es aus.

    1649 visitierte Abt Georg das Kloster Stams. Er kehrte nach Kaisheim zurück. Nur zwei Konventsmitglieder waren noch im Kloster. Er holte die überall verstreuten Mönche zurück und nahm auch wieder Novizen  auf, da einige Mönche verstorben waren.

    1653 schickte Abt Georg drei Mönche zum Studium nach Ingolstadt.Nach Kaisheim verpflichtete er den Professor der Philosophie Malachius Niederhofer,Prior in Kloster Aldersbach und später dort  Abt (1669–1683). Er lehrte zwei Jahre Philosophie in Kaisheim und hielt auch Disputationen

    über Physik und Logik.

    An Pfingsten 1654 visitierte Generalabt Claude Vaussin ( 1643–1670 ) das Kloster und erteilte die niederen Weihen.

    Abt Georg versuchte die Kriegsfolgen für das Kloster und seine Besitzungen zu beheben. Abgebrannte Dörfer und Maierhöfe wurden wieder aufgebaut und bevölkert. Auch um Klosternachwuchs bemühte er sich.

    Das Kloster erholte sich wirtschaftlich und personell sehr schnell, was sich auch in umfangreichem Gütererwerb zeigte. So kaufte es 1655 das in der Reformation aufgehobene Kloster Pielenhofen und besiedelte es als Priorat von Kaisheim wieder.

    1656 erreichte Abt Georg einen Vergleich mit Herzog Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1653-1690) in dem jahrelang schwelenden Streit. Der Pfalzgraf verzichtete auf Rechte. Damit war die Reichsunmittelbarkeit von Kloster Kaisheim endgültig gesichert.

     

    Kaisheim1720W

    1659 ernannte Kaiser Leopold (1658-1705) Abt Georg zum Kaiserlichen Rat und Kaplan.

    1669 bekam das Kloster eine neue Orgel.

    Abt Georg starb am 11. Februar 1667. Er hatte eine sehr erfolgreiche Regierungszeit hinter sich gebracht. Im Krieg zum Abt gewählt konnte das Kloster am Kriegsende gerade noch 5 oder 6 Mönche ernähren.

    Bei seinem Tod waren 34 Patres, 13 Fratres Clerici, 7 Konversen,3 Oblaten und 8 Novizen im Kloster, zusammen also 65. Wirtschaftlich hatte sich das Kloster ebenfalls bestens erholt.

    Unter Vorsitz von Abt Martin Dallmayr ( 1640–1690) aus Fürstenfeld und in Anwesenheit des Priors von Lützel wurde Benedikt Hein (1667–1674) zum 35. Kaisheimer Abt gewählt.

    1667 ernannte Kaiser Leopold Abt Benedikt zum Kaiserlichen Rat und Kaplan.

    1672 weilte Pater Benedikt Sanner als Gast im Kloster. Er kam aus Rom und brachte einige Reliquien mit. Er versprach auch einen heiligen Leib aus Rom beizubringen, falls Kaisheim die

    Kosten übernehme. Er brachte dann tatsächlich den Leib des Heiligen Candidus, eines Märtyrers mit. dieser wurde dann feierlich in die Kirche von Kaisheim überführt.

    1673 brannten in Augsburg die Gebäude des Klosters Kaisheim ab. Sie wurden aber schöner wieder aufgebaut.

    1674 ließ Abt Benedikt die Kirche renovieren. Die gotische Einrichtung musste weichen.

    Er starb am 20. August 1674 unerwartet.

    Unter Vorsitz von Abt Edmont Quiquerez (1673–1677 ) wurde Hieronymus Winter (1674–1681) zum 36. Abt gewählt. Er stammte aus Höchstädt. Bei seiner Wahl war er 38 Jahre alt.

    Im Holländischen Krieg, der von 1672-1678 dauerte, war auch das Deutsche Reich involviert. Kaisheim musste als Reichskloster 1675 monatlich 300 Gulden, das sind etwa 22.000 € an Kriegskosten aufbringen.

    Als Vorsichtsmaßnahme ließ der Abt wertvolle Gegenstände und wichtige Dokumente nach Augsburg und Ingolstadt bringen. Trotz dieser widrigen Zeitumstände konnte Abt Hieronymus einige Zukäufe für das Kloster machen.

    1676 wurden in Bergstetten abgerannte Häuser und ein Stadel wieder errichtet. Auch der Weinberg in Leitheim wurde wiederhergestellt. Der Abt ließ ein neues Brauhaus bauen.

    1678 wurde das Uhrwerk auf dem Turm eingebaut.

    Als Kaiser Leopold 1676 Eleonore Magdalene Therese von Pfalz-Neuburg heiratete, gingen Abt und Prior nach Neuburg, gratulierten und brachten ein silbernes Mutter Gottes Bild als Geschenk. Im Gegenzug erhielt

    der Abt eine silberne Uhr und der Prior einen silbernen Becher.

    1677 wurde dem Abt von Kaiser Leopold der Titel eines Kaiserlichen Rats verliehen und er wurde zum Kaplan ernannt.

    Am 22. September 1680 wurde das Kloster von dem Mutterabt Petrus Tanner (1677–1702 ) aus Lützel visitiert.

    Am 28. Mai 1681 war Abt Hieronymus zur Abnahme einer Profess in Oberschönenfeld, erkrankte dort und verstarb noch am selben Nachmittag. Seine Eingeweide wurden in Oberschönenfeld bestattet,

    sein Körper in der neuen Gruft in Kloster Kaisheim.

    Am 26. Juni 1681 wurde Elias Götz (1681–1696) einstimmig zum neuen Abt gewählt. Er stammte aus Schwanheim bei Frankfurt. 1661 trat er in das Kloster Kaisheim ein. Er studierte in Ingolstadt zu seinen Kommilitonen zählte der spätere

    Abt von Fürstenfeld Balduin Helm (1690–1705). Abt Elias wurde 1669 Priester und 1670 Sekretär des Abtes Benedikt Hein. Er wurde Kellermeister, dann Prior und war Spiritual und Beichtvater im Kloster Oberschönenfeld. Bei der Wahl seines Vorgängers Hieronymus

    stand er ebenfalls zur Wahl und es gab Stimmengleichheit. Nur weil eine Stimme zurückgezogen wurde, wurde dann Hieronymus Abt.

    Am 8. 1681 wurde er von Abt Martin Dallmayr von der Abtei Fürstenfeld benediziert. Es assistierten die Äbte Franziskus Kraft (1675–1683 ) aus Schöntal und Andreas Hausmann OSB (1669–1688)von Kloster Heilig Kreuz aus Donauwörth.

    Er straffte die Klosterverwaltung und setzte neue Offizialen ein. Er konsolidierte die Klosterfinanzen und hatte so 100.000 Gulden für neue Investitionen übrig.Er legte Streitigkeiten mit der Stadt Heilbronn bei.

    Noch im Jahr seiner Inthronisation ernannte ihn  Kaiser Leopold I. zum kaiserlichen Rat und Kaplan  und bestätigte die Privilegien des Klosters.

    1682 übertrug Kaiser Leopold die Schutzpflicht für das Kloster auf den Kurfürsten von Bayern, das war zu der Zeit Maximlian Emanuel (1679-1726) und den Bischof von Augsburg, das war Johann Christoph von Freyberg (1666- 1690).

    Am 26. Januar 1690 wurde Joseph I., der älteste Sohn Kaiser Leopolds in Augsburg zum König gekrönt. Abt Elias sprach bei Tisch den Segen. Dazu hatte sich allerdings der Abt von St. Ulrich Roman Daniel (1674–1694) krank gemeldet, um ihm den Vorrang zu lassen.

    1692 wurde in Sulzdorf, heute Teilgemeinde von Kaisheim das Präfektenhaus gebaut, das nach der Säkularisation zum Pfarrhof wurde. Der Pfleger überwachte Einnahmen und Ausgaben und übte im Auftrage des Abtes die niedrige Gerichtsbarkeit aus.

    1702 lieh das Kloster dem bayrischen Kurfürsten Maximlian Emanuel 50.000 Gulden gegen Verpfändung der Einnahmen von Donauwörth. Da Donauwörth aber sehr verschuldet war, waren die Aussichten auf Zinsen sehr schlecht und ob das Kloster die

    geliehene summe je wieder zurückerhalten würde, war auch mehr als fraglich.

    In Esslingen kaufte Kloster Kaisheim ein Gut, den Oberhof außerhalb von Ettlingen für 10.000 Gulden, das vorher dem St. Katherina Spital gehört hatte. Da aber der Konsens des Herzogs von Württemberg Eberhard Ludwig (1677–1733) als Landesherr nicht

    eingeholt worden war, beschlagnahmte dieser den Hof und verlangte dass ihm die Summe und zwar in französischen Talern oder Dukaten zu 4 Gulden bezahlt wurde. An die Herzogin mussten 3200 Gulden bezahlt werden. Dazu kamen noch weitere 600 Gulden dazu.

    Da das Gut aber für den Kaisheimer Hof in Esslingen von großem Vorteil war, kaufte das Kloster trotzdem. Allerdings kam ihm der Kauf auf 15.523 Gulden zu stehen. Aber das Kloster erweiterte seinen Besitz noch, denn es konnte in Esslingen vortreffliche Weinberge

    für weitere 3.500 Gulden erwerben.

    1696 ließ Abt Elias in Leitheim eine Kapelle und die Hofanlage, die während des Dreißigjährigen Krieges zerstört worden war, zur  Sommerresidenz des Klosters Kaisheim ausbauen. Es sollte auch einen Zufluchtsort bilden, falls Kaisheim von einer Krankheit heimgesucht wurde.

    Außerdem wurde dort fürstlicher Besuch empfangen und untergebracht. Das störte dann den klösterlichen Alltag nicht.

    Beim Kurfürsten stand Abt Elias in höchstem Ansehen. Er äußerte sich einmal über ihn, wenn er an einem fürstlichen oder kaiserlichen Hof einen  tüchtigen Agenten brauche, würde er sein Vertrauen auf Abt Elias richten. (Schaidler S. 208)

    Abt Elias war ein ausgezeichneter Redner und Dichter.

    Im Juni 1696 ritt er von Leitheim zurück, stürzte dabei vom Pferd und brach sich den Fuß. Er wurde zwar geheilt. Es gab aber Komplikationen, an denen er am 4. Juni 1696 verstarb.

    Sein Nachfolger wurde Judas Thaddäus Mayr (1696–1698 ) als 38. Kaisheimer Abt. Er wurde am 25. November 1648 als Sohn armer Eltern geboren und schon als Jugendlicher ins Kloster Kaisheim aufgenommen, zunächst als Messdiener und dann als Küchenhilfe.

    Da ihm der Dienst nicht gefiel, floh er aus dem Kloster und ging nach Eichstätt und begann ein Studium. Er wandte sich nun an Abt Georg Molitor, der ihn unterstützte. 1666 wurde er als Novize aufgenommen. Er studierte in Ingolstadt Philosophie. 1675 wurde er zum Priester geweiht.

    Er war Vikar in Leitheim. 1678 wurde er Professor der Kasuistik, 1679 Professor der Philosophie und 1681 Direktor in Ingolstadt. 1686 wurde er Oberbursner. In diesem Amt ließ er alle Güter der Untertanen beschreiben.

    Zweimal wurde er nach Citeaux geschickt. Der Generalabt Nicolas III. Larcher (1692– 1712 )bewunderte die große Gelehrsamkeit und soll gesagt haben, wie es möglich sei, dass in einem solch kleinen Körper so große
    Gelehrsamkeit sei. (Schaidler S. 209) Auch bei den Professoren in Ingolstadt und Dillingen stand er in höchstem Ansehen. 1698 war er bei einer Professablegung in Niederschönenfeld. Dabei platzte ihm die Blase. An dem dadurch hervorgerufenen Brand starb er.

    Als 39. Abt wurde Roger I. Röls (1698–1723) gewählt. Er war ein Bruder ein Bruder des Augsburger Weihbischofs Kasimir Röls (1708- 1715) und des Benediktinerabtes Amandus Röls (1691–1748) von Heiligkreuz in Donauwörth. Ein weiterer Bruder, Georg (1652–1719), wurde Bürgermeister

    von Schwandorf, dem Geburtsort von Abt Roger. Er besuchte das Jesuitengymnasium in Dillingen. 1679 trat er in das Kloster Kaisheim ein. Bis 1681 studierte er bei dem späteren Abt Judas Thaddäus Mayr Philosophie und dann drei Jahre Theologie. 1685 wurde er zum Priester geweiht. Im selben Jahr wurde er Unterbursar. Schon ein Jahr vorher war er zum Inspektor der Novizen und Repetitor der Philosophie ernannt worden. 1689 ging er als Kaplan in die Zisterzienserinnenabtei Kircheim am Ries. 1691 wurde er dort Beichtvater. Dann wurde er nach Kaisheim zurückberufen und dort
    Oberbursier. Nach dem frühen Tod von Abt Judas Thaddäus wurde er am 15. April 1698 unter Vorsitz von Abt Candidus Wenzl (1688–1700) aus Raitenhaslach einstimmig zum Abt gewählt. Bei seiner Benediktion waren auch seine beiden Brüder anwesend.

    Wie sein Bruder Amandus ging er seine neue Aufgabe sofort zielbewusst und unbeirrt an. Vor seiner Wahl war er Bursarius, also Hauptkassier der Domänenverwaltung. Er hatte den notwendigen wirtschaftlichen Sachverstand. Wie sein Bruder in Donauwörth, der das dortige Kloster in kurzer Zeit entschuldet hatte, tilgte er sofort die hohen Schulden in Kaisheim. Als das geschafft war, ließ er die Kirche mit Altären, Skulpturen und Bilder ausstatten. Auch ein prächtiges neues Chorgestühl kam in die Kirche. Außerdem  schaffte er kostbare Ornate an. Besonders zu erwähnen  ist  eine vier Fuß hohe und 32 Mark schwere und mit Edelsteinen und Perlen besetzte goldene Monstranz im Wert von über 100.000 Gulden, das ist wohl eher symbolisch zu sehen (das entspräche 7.353.568 €!), die er von dem Goldschmiedemeister Hermann Schmez in Augsburg anfertigen ließ.

    1701 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus, ein Kabinettskrieg , der erst 1714 mit dem Frieden von Rastatt endete. 1702 wurde auch Süddeutschland in den Krieg einbezogen. Am 9. September 1702 überfiel er bayrische Kurfürst Maximilian II. Emanuel die Stadt Ulm.

    Die kaiserliche Armee versuchte eine Vereinigung der Franzosen unter Marschall Villars mit den Bayern zu verhindern. Auf kaiserlicher Seite kämpfte der Markgraf von Baden Ludwig Wilhelm, das war der “Türkenlouis”.

    Bei  Höchstädt gab es  zwei Schlachten. Das ist praktisch vor der Haustüre von Kaisheim im September 1703 und im August 1704. Kaisheim traf der Spanische Erbfolgekrieg hart. Vor allem die entlegeren Klosterbesitzungen waren betroffen. Durch Plünderungen, Einquartierungen und Kriegslasten

    erlitt das Kloster in der Zeit von 1702-1704 einen Schaden von rund 580.000. Gulden. In Tapfheim belief sich der Schaden allein auf 120.000 Gulden. Der Krieg kostete das Kloster also rund 700.000 Gulden. Dazu kam, dass der Abt im November 1703 fliehen musste und die meiste Zeit dann in

    Ingolstadt im Haus der Zisterzienserinnen verbringen. Von 1703- bis 1708 war er nach Schaidel nicht in Kloster Kaisheim. Auch die Konventualen waren auf Zisterzienserklöster außerhalb des Kriegsgebietes verteilt worden. Trotz der Kriegswirren und Lasten schaffte es der Abt, noch während des Krieges

    22.000 Gulden Schulden zu tilgen.

    Die Abtei erholte sich aber wirtschaftlich so rasch, dass Abt Roger 1716 mit dem barocken Klosterneubau beginnen konnte. Er beauftragte dazu den Vorarlberger Baumeister Franz Beer (1660-1726) von Blaichten, dessen Werke er aus Salem kannte. Für den Salemer Abt Stephan Jung I. (1698–1725 ) war Franz Beer fast so etwas wie der Hausarchitekt. Er hatte gerade die Zisterzienserkirche in St. Urban 1711-1715 beendet. Den dortigen Abt Abt Malachias Glutz  kannte Abt Roger. Zuletzt trafen sie sich 1715 beim Kapitel der oberdeutschen Zisterzienserkongregation in Salem.

    Abt Roger schloss 1716 mit Franz Beer in Salem einen Akkord ab über 32.500 Gulden. Nach fünf Jahren Bauzeit konnten 1721 die Bauarbeiten und der Innenausbau mit Ausnahme der Bibliothek und des Grossen Saals abgeschlossen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Bau ohne die klostereigenen Leistungen 110 638 Gulden gekostet.  Die Baukosten waren schon enorm und führten dazu, dass der Salemer Abt Stephan im Auftrag des Generalabts Edmond II. Perrot ( 1712– 1727 ) eine Visitation und Untersuchung in Kaisheim durchführte, denn Abt Roger war der Verschwendung angeklagt worden.

    Der Salemer Abt kam aber zu dem Schluss, dass Abt Roger  nur zum Nutzen des Stiftes gehandelt  haben und sprach ihn von allen Vorwürfen frei.

    Am 22.Dezember 1711, also lange vor Baubeginn, wurde Kaiser Karl VI. 1711-1740) in Frankfurt zum Kaiser gekrönt. Auf dem Weg zur Krönung begrüßten ihn Abt und Konvent in Neuhof.

    1718 besuchte Kurfürst Karl III. Philipp von der Pfalz (1716 bis 1742) das Kloster.

    Außerdem ließ er ebenfalls von Franz Beer in Pielenhofen zur gleichen Zeit die neue Klosterkirche bauen. Sie wurde ausgestattet von den Brüdern Appiani und dem Maler Jacob Carl Stauder ausstatten. Dazu kam der Neubau von Pfarrhöfen und Kastenhäuser in der Klosterherrschaft und den benachbarten Städten.

    Abt Roger starb am 3. Mai 1723.

    Sein Nachfolger wurde als 40. Abt. Roger II. Friesl (1723–1739) Er stammte wie sein Vorgänger ebenfalls aus Schwandorf. Er hatte in Amberg die Humaniora studiert, das war in der Renaissance die Gesamtheit des humanistischen
    Bildungsprogramms und in Ingolstadt Theologie. 1713 wurde er zum Priester geweiht. Nachdem er die Klosterämter des Supriors, Subbursarius und Priors erfolgreich durchlaufen hatte, wurde er 15. Juni 1723 zum Abt gewählt und am 2.
    August 1723 benedediziert.

    Er achtete auf genaue Einhaltung der Ordensregel. Er schaffte neue Ornate an und liess die Kirche prachtvoll ausstatten. Er ließ den “von Gold strotzenden” (Schaidler S.222) Altar des Heiligen Johann von  Nepomuk errichten. Aus Rom beschaffte

    er die heiligen Leiber von Claudius und Julianus und ließ diese in Niederschönenfeld prächtig fassen.

    Genauso wie er sich um die prachtvolle Ausstattung der Kirche bemühte, sorgte er für die Bildung seiner Konventualen. Er sandte viel zum Studium der Theologie und des kanonischen Rechts nach Ingolstadt. Er sorgte auch dafür, dass in Kaisheim Philosophie

    unterrichtet wurde. In dieser Zeit waren auch Mönche aus anderen Klöstern zum Studium in Kaisheim, so aus Augsburg, Donauwörth und Waldsee, aber auch aus den Zisterzienserklöstern Lützel und Stams.

    1724 besuchte Abt Roger Schönthal, Esslingen, Heilbronn, Ulm Lauingen, Stotzingen und Ober-und Niederschönenfeld.

    1725 visitierte Abt Konstantin Miller (1725–1745) von Salem  das Kloster.

    1730 ließ Abt Roger in Tapfheim ein neues Schloss erbauen. 1692 hatte das Kloster Kaisheim die Hofmark Tapfheim von Graf Johann Jakob von Hamilton, deinem schottischen Staatsmann in österreichischen Diensten, für 80.000 Gulden gekauft.

    1738 ließ er das Schloss Bertenbreit, heute ein Teil von Kaisheim, erbauen, dieses aber mehr als Liebhaberei denn zu praktischem Nutzen.

    In Flotzheim und Villenbach baute er Pfarrhäuser, in Wörnitzstein und brachstatt einen Zehntstadel und in Bertenbreit ein Hirtenhaus und einen Ziegelstadel.

    1733 wurde in Kaisheim ein Nationalkonvetn abgehalten, bei dem 14 Äbte anwesend waren. Da der Abt aus Salem erkrankt war, leitete Abt Roger den Konvent.

    1734 erlitt Abt Roger einen Schlaganfall, wurde aber wieder hergestellt.

    Im Zisterzienserinnenkloster St. Agnes in Lauingen bewog er die Äbtissin Luitgard Langin am 17. Juni 1738 zur Resignation. Ihre Nachfolgerin Adelheid Themplerin wurde in Kaisheim benediziert.

    Am Freitag vor Palmsonntag brannte das Küferhaus ab. Küfer Geselle und Lehrjunge konnten sich zwar ins Frei retten. Sie starben aber ein paar Tage später an den schweren Verbrennungen, die sie erlitten hatte.

    Da Wassermangel herrschte, war nicht nur das Bräuhaus und die Pfisterei, die in der Nähe waren, in großer Gefahr. Das ganze Kloster war gefährdet. Aber glücklicherweise blieb es bei dem Brand von dem einen Haus.

    Für den Abt aber, der ohnehin eine angegriffene Gesundheit hatte, war die Aufregung wohl zu viel. Er starb kurz danach.

    Sein Nachfolger wurde Cölestin I. Mermos (1739–1771). Er stammte aus Donauwörth. Sein Vater war erst Pfleger von Heilig Kreuz in Donauwörth. Später wurde er Kaisheimischer Pfleger in Nördlingen und Ulm.

    Cölestin hatte 1722 die Gelübde in Kaisheim abgelegt. Er studierte Theologie in Ingolstadt und in Kaisheim. 1725 wurde er zum Priester geweiht. Danach lehrte er selbst Theologie in Kaisheim. Zunächst war er

    Vikar in Leitheim. Als dort das halbe Dorf abbrannte, sammelte er Brot, da die Armut überhand nahm. Nach Leitheim wurde er Vikar in Violau. Dann kam er nach Esslingen als Prediger, wo er sich auch die Achtung der Protestanten erwarb.

    1737 wurde er Novizenmeister in Kaisheim.  Am 9. Juli 1739 wurde er unter Leitung von Abt Angelus Münch (1732–1761) einstimmig zum Abt von Kaisheim gewählt. Am 23. August 1739 wurde er von Abt Konstantin Miller (1725–1745) benediziert.

    Im ersten Jahr seiner Regierung vernichtete Schnee und Eis die gesamte Weinernte des Klosters. Auch die Weinstöcke gingen zugrunde, was dem Kloster einen großen Schaden verursachte.

    Nach dem Tod von Kaiser Karl VI. 1740 und damit dem Aussterben des Hauses Habsburg im Mannesstamm brach in Österreich der Österreichische Erbfolgekrieg (1740-1748) aus. 1741 brachte man deshalb die goldene Monstranz und 300.000

    Gulden zunächst in Salem und dann in der Schweiz in Sicherheit. 1742 war eine französische Besatzung von 600 Soldaten und 50 Offizieren in Kloster Kaisheim.

    1743 musste Abt Cölestin auf Anordnung des Generalabtes Andoche Pernot des Crots  (1727– 1748 ) und dort Streitigkeiten schlichten.

    1750 ließ er die Kalvarienbergkapelle in Wörnitzstein errichten. Baumeister war Johann Georg Hitzelberger, der ab 1769 Hofbaumeister in Wallerstein war.

    1751 ließ Abt Cölestin Schloss Leitheim um ein weiteres Geschoss aufstocken und dort einen Festsaal im bayerischen Rokoko-Stil  ausschmücken. Der aus Mähren stammende Gottfried Bernhard Göz, zu dessen bekanntesten Werken die Freskierung

    der Wallfahrtskirche Birnau zählt, übernahm auch die Freskierung in Leitheim. Er schuf dort ein einheitliches ikonographisches Konzept bildet: die fünf Sinne, die vier Elemente, die vier Temperamente und die periodischen Zeitzyklen der vier Lebensalter, die vier Jahreszeiten und der Wechsel von Tag und Nacht und Nacht und Tag. Einer der ersten Gäste war der bayrisch-pfälzische Kurfürst Karl Theodor (1742-1799) noch in seiner Mannheimer Zeit.

    Um 1752 ließ er die Gebäude bei der Kirche von Bergstetten, heute Teilgemeinde von Kaisheim nach einem Blitzschlag, der 1668 großen Schaden angerichtet hatte, renovieren und umgestalten.

    1756 bestätigte Kaiser Franz I. (1745-1765) die Privilegien des Klosters.

    1756 ließ Abt Cölestin die Pfarrkirche in Sulzdorf, heute Ortsteil von Kaisheim, erbauen.

    Nachdem Kaisheim sich immer wieder wechselnd mal dem schwäbischen, mal dem Bayrischen Kreis angeschlossen hatte, schloss es sich 1757 definitiv dem Schwäbischen Kreis an. Der Bayrische Kreis protestierte erfolglos dagegen.

    Kaisheim erhielt Sitz und Stimme beim schwäbischen Kreis zwischen Roggenburg und Ursberg. Auf dem Reichstag saß es auf der Rheinischen Prälatenbank und zwar an erster Stelle.

    Abt Cölestin resignierte am 25. Juni 1771 im Alter von 70 Jahren. Er starb am 21. März 1773.

    Cölestin II. Angelsbrugger (Angelsbrucker) (1771–1783 ) Er  wurde am 2. November 1726 in Augsburg geboren, wo sein Vater als Wachszieher und Lebzelter tätig war.

    Abt Cölestin legte 1745 in Kaisheim seine Profess ab. Am 21. November 1749 feierte er seine Primiz. Er begann als Vikar in Leitheim. Er bekleidete verschiedene Klosterämter, 1764 wurde er Präfekt in Heilbronn

    Im Mai 1765 wurde er Direktor des Kaisersheimer Studienhauses in Ingolstadt . Am 26. Juni 1771 wurde er zum Abt gewählt.

    In seinem ersten Regierungsjahr unternahm er eine Prachtreise nach Frankreich und wurde dort vom letzten Generalabt François Trouvé (1748– 1797) zu Ludwig XIV. nach Frontainbleau  geschickt und konnte durch seine Klugheit, Beredsamkeit und gewandtes Auftreten Vorteile für seinen Orden erwirken“  wie Luitpold Reindl  in seiner Geschichte des Klosters Kaisheim 1913, schreibt.

    1774 wurde er von Karl Theodor  zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt und in die Kurpfälzisch-Physikalisch-Oekonomische Gesellschaft berufen. Im Sinne der Aufklärung die wissenschaftliche Bildung der Mönche. Er schaffte Bücher und naturwissenschaftliche Sammlungen an.

    Er ließ das Sommerrefektorium und ein Gewächshaus bauen.

    1778 nahm ihn die kurpfälzische Akademie der Wissenschaften in Mannheim als Ehrenmitglied auf. Am Mannheimer Hof lernte Abt Cölestin viele bedeutende Gelehrte und Künstler kennen, z.B. 1778 Wolfgang Amadeus Mozart, der elf Tage in Kaisheim zu Besuch blieb und Angelsbrugger in einem Brief vom 18. Dezember 1778 als „recht liebenswürdigen“ Mann charakterisierte.

    1779 wurde er als erster Kaisheimer Abt Generalvikar der oberdeutschen Zisterzienserprovinz ernannt. Als solcher hatte er das Visitationsrecht über alle Zisterzienserklöster der Provinz und führte auf den Nationalkapiteln den Vorsitz.

    Allerdings führte seine Kunst-und Prachtliebe, seine fürstlichen Geschenke und seine Freigebigkeit gegen jedermann auch dazu, dass er bei seinem Tod dem Kloster eine Schuldenlast von fast 600.000 Gulden hinterließ.

    Er starb am 26. September 1783 im Alter von 57 Jahren, als er von einem Spaziergang zurückkam und dabei einen Schlaganfall erlitt.

    43. und letzte Abt von Kaisheim wurde Franz Xaver Müller (1783–1802) Er stammte aus Westhausen bei Ellwangen. Er legte am 28.Oktober 1746 seine Profess ab. Ab April 1770 war er Unterbursar und ein Jahr später ernannte ihn Abt Cölestin II. zum Oberbursar.

    Am 23. Oktober 1783 wurde er zum Abt gewählt und fünf Tage später benediziert. Schon 1784 wurde er zum  Visitator der Zisterzen in Schwaben und Tirol bestellt.

    Er hatte nicht umsonst über Jahre in der Wirtschaftsverwaltung des Klosters gearbeitet. Er schaffte es, die Schulden seines Vorgängers zu tilgen. In der Landwirtschaft führte er gezielte Maßnahmen zur Ertragsverbesserung ein.

    Die Revolutionskriege kosteten die Abtei viel Geld. Es mussten „Requisitionen ohne Maß und Zahl und vierfache Contributionen, Reichs- und Kreis-Prästanden, Kriegsbeyträge und gezwungene Anlehen“ zu erbracht werden.

    1793 mussten große Teile des Kirchensilbers nach Günzburg abgeliefert werden. Die Franzosen nahmen aus der Bibliothek ein wertvolles, auf mehrere tausend Gulden geschätztes Brevier mit.

    Der Friede von Lunéville und der Reichsdeputationshauptschluss 1803 brachten dem Kloster Kaisheim das Ende.  Abt Xaver konnte die Säkularisation auch durch eine Eingabe an den bayrischen Kurfürsten nicht mehr abwenden.

    Am 1. September 1802 ließ der bayrische Kurfürst das Kloster okkupieren. Am 29.0ktober 1802 wurde eine provisorische Administration eingesetzt.

    Das Klostergebäude wurde zunächst Aussterbekloster für Franziskaner. 1816 wurde ein Strafarbeitshaus. Heute ist in Kaisheim eine JVA untergebracht. Auch der Name Kaisersheim wurde auf Kaisheim abgeändert.

    Abt Xaver erhielt eine staatliche Pension. Als Wohnsitz wurde ihm Schloß Leitheim zugewiesen.

    Abt Xaver verstarb 1817. Nach seinem Tod durfte er nicht wie seine Vorgänger in der Klosterkirche bestattet werden. Er fand seine Ruhestätte auf dem allgemeinen Friedhof. Aber acht seiner ehemaligen Konventualen

    legten wieder den Zisterzienserhabit samt Kukulle an und trugen ihn auf den eigenen Schultern zu Grabe.

     

    17 Apr 2021

    Kloster Oberschönenfeld

    Oberschönenfeld

     

    Der Sage nach verirrte sich Graf Mangold von Wörth auf der Jagd im Wald. In der Wildnis traf er einen Einsiedler, der dort in einer Klause wohnte. Zu seiner Überraschung erfuhr er, dass dieser ein totgeglaubter Vorfahre

    von ihm war, der in  der Einsamkeit Busse für seine Sünden tun wollte. Nach dessen Tod ließ der Graf dort statt der Klause eine Kapelle errichten. Später zogen zwei adlige Kammerfräulein ein und errichteten

    das Kloster Oberschönenfeld.

    Tatsächlich gab es Anfang des 13. Jahrhunderts eine geistliche Frauengemeinschaft in Oberhofen-heute Weiherhof bei Gessertshausen, die von einer Meisterin geleitet wurden. Die erste Überlieferung nennt die Namen Gräfin Würga von Dillingen von 1186-1192 , die der Familie des Heiligen Ulrichs angehörte.Sie war die Gattin des in  der Sage erwähnten Grafen Mangold, dann eine Hildegunde von Brennberg 1192-1211.Unter Willibirgis (1230-1251) trat die Beginengemeinschaft in den

    Orden der Zisterzienser ein. Das Ministerialengeschlecht der Familie von Kemnat hatte den dortigen Beginen Grund und Boden geschenkt. Volkmar II. von Kemnat war bedeutendste Vertreter seines Geschlechts in dieser Zeit.

    Er war Stadtvogt von Konstanz und  auch an der Erziehung des letzten Staufers Konradin beteiligt. Er stiftete wohl Kloster Oberschönenfeld. Als Gründungsdatum wird das Jahr 1211 genannt und damit wäre Oberschönenfeld die

    älteste Zisterzienserinnenabtei in Deutschland. Das Gründungsmuster verlief ähnlich wie das der fünf oberschwäbischen Zisterzienserinnenkloster, die in den folgenden Jahren als Tochterklöster von Salem gegründet worden sind.

    Es hat sich eine Beginengesellschaft gebildet. Ein adliger Stifter stattet sie mit Grund und Boden aus.  Ein im Umfeld befindliches Zisterzienserkloster  gliedert die Gemeinschaft in den Orden ein.

    Bei Oberschönenfeld war das die Abtei Kaisheim. Kaisheimer Abt war in der Zeit Konrad II. (1210-1228) Augsburger Bischof war Siegfried III. von Rechberg (1208-1227)

    1248 bestätigt Papst Innozenz IV. (1243-1254) am 28. August dem Kloster alle Privilegien, die der Zisterzienserorden vom Heiligen Stuhl erhalten hatte. Das ist gleichzeitig die erste urkundliche Erwähnung des Klosters.

    Die Eingliederung in den Zisterzienserorden festigte die junge Gemeinschaft wirtschaftlich und politisch. Sie beschränkte aber auch die Freiheiten, die den Beginen eigen gewesen waren.

    Sie war nun einem Vaterabt unterworfen. Zur Zeit des päpstlichen Privilegs war das Richard (1239-1251). Der Nachfolger von Innozenz IV, Alexander VI. (1254-1261) nimmt das Kloster 1255 in päpstlichen Schutz und gewährt Exemtion von

    der lokalen Bischofsgewalt. Aber auch Bischof Hartmann von Augsburg (1248-1286) der ja aus der Stifterfamilie stammt, verbrieft dem Konvent die Lebensweise der Zisterziensierinnen und auch er nimmt den Konvent in seinen Schutz.

    Nachfolgerin von Willibirgis wird Adelheid von Kemnat, wohl eine Tochter des Stifters Volkmar von Kemnat. Das Kloster erhielt viele Stiftungen und schon 1262 konnte unter Äbtissin Adelheid die Klosterkirche Maria Himmelfahrt eingeweiht werden.

    Als Schenker waren aufgetreten Volkmar,der dem Kloster die Kirche von Dietkirch geschenkt hat. Heinrich Reichsmarschall von Pappenheim schenkte dem Kloster sein ganzes Besitztum in Mödishöfen, aber auch Konradin

    war unter den Gebern. Er “schenkt dem nonnenkloster OberSchönfeld den hof Vetinchoven welchen Conrad Spannagil von ihm trug” (Conradin – RI V,1,2 n. 4797 ).

    Zur Kirchenweihe erhielt die Äbtissin Ablässe von den Bischöfen von Augsburg, Freising, Eichstädt, Würzburg und Speyer. Auf Heidelheid folgte Hilda. Sie regierte von 1271 bis 1279. Auch sie konnte den klosterbesitz hauptsächlich

    durch Schenkung aber auch durch Tausch und Kauf mehren.

    Ein Tauschgeschäft zwischen der Abtei Ellwangen unter Abt Otto von Wülzburg (1255-1269) und Graf Ludwig von Öttingen machte dann eine größere Schenkung für Kloster Oberschönenfeld  möglich. Der Ort Munsterum, das heutige Altenmünster,

    lag zu weit vom Kloster Ellwangen entfernt, um von dort verwaltet zu werden. Am 16. Juni 1262 tauschte das Kloster Ellwangen diesen Ort mit dem Grafen von Öttingen gegen verschiedene Güter im Ries. Noch im selben Monat schenkte

    der Graf “als Seelgerät” die neuerworbenen Güter an das Kloster Oberschönenfeld unter Äbtissin Hilda. Unter der Äbtissin Adelheid II. von Kemnat erhielt das Kloster von Ritter Frass von Wolfsberg den Heszelinbach bei Munsterum.

    Nun begann das Kloster alle Rechte über das Dorf an sich zu ziehen. Zum Ende des 15. Jahrhunderts hatte es die Vogtei und die Gerichtsbarkeit von Munsterum inne.Die Regierung der nächsten beiden Äbtissinnen Agnes und Hildegund

    verlief ohne größere Ereignisse. Unter Äbtissin Elisabeth (1304-1316) konnte sich das Kloster die Pfarreien Munsterum und Messishofen völlig einverleiben. Allerdings musste die Abtei den Augsburger Bischöfen immer einen Säkularpriester präsentieren.

    Die beiden übernächsten Nachfolgerinnen, nämlich Hildegund II. (1332-1342) und Agnes II. von Lutzingen begannen mit den Rodungsarbeiten im Munsterwald. Herzog Friedrich von Österreich hatte damals die Markgrafschaft Burgau inne.

    Er musste die Rodeerlaubnis erteilen, was er 05.02. 1344 tat. (Sebastian Brunner, Ein Cisterzienserbuch, S.693). Vorher hatte schon Bischof Heinrich III. von Augsburg bestätigt, dass dem Kloster die zu erwartenden Einnahmen gehören werden.

    Schon im Juni 1346 konnte die Äbtissin mit der Lehenverteilung beginnen. Laut Dorfbrief vom 15.6.1346 hat Äbtissin Agnes bestimmt, dass das neue Dorf Nivemunstrer heißen soll. Dann wurden vom Kloster 12 Lehen verteilt. Das Dorf bestand aus 12 Häusern mit je einem Ganzlehen von 51 Jauchert (1 Jauchert = 0,5ha) und einem Haus ohne Lehen, das dem Kloster gehörte. (Internetseite der Gemeinde Altenmünster) Beim Heszelinsbach entstand das Dorf Violau, das in dem erwähnten Dorfbrief erstmals genannt wird.

    Bald nach der Ortsgründung ist hier wohl ein Zentrum der Marienverehrung entstanden. Eine Wallfahrt nach Violau ist seit 1466 verbürgt.

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    Unter der Nachfolgerin der Äbtissin Agnes, Katharina von Villenbuch (bis 1373), wurde der Aufstieg der Abtei erstmal gebremst.

    Zwei Entwicklungen hatten sich im Umfeld der Abtei entwickelt. Einmal zeichnete sich wegen der Entwicklung der schwäbischen Landvogteien ein Konflikt zwischen Habsburgern und Wittelsbachern ab.

    Bei der Doppelwahl von 1314 von dem Wittelsbacher Ludwig dem Bayern (1314-1347) und dem Habsburger Friedrich dem Schönen (1314-1330) neigte Bischof Friedrich von Augsburg zu Friedrich, während die Stadt Augsburg

    sich frühzeitig auf die Seite des Wittelsbacher stellte. Es gab nun immer wieder militärische Auseinandersetzungen. 1319 wurde dabei das Augsburger Umland stark in Mitleidenschaft gezogen. Auch die Zeit nach Ludwig blieb kriegerisch.1376 war der Schwäbische Städtebund unter Führung Ulms gegründet worden. Entstanden war dies unter anderem als Abwehrreaktion von Verpfändungen von Reichsstädten, wie das Wenzel nach seiner Königswahl mit Donauwörth gemacht hatte. Er hatte die Stadt an die bayrischen Herzöge verpfändet. 1379 war die Stadt Augsburg dem Bündnis beigetreten. Dem Städtebund gegenüber standen die großen Rittergesellschaften wie der St. Georgenbund oder die Löwengesellschaft. 1381 erfolgte die Kriegserklärung des Städtebunds gegen die drei großen Rittergesellschaften.

    Das Kloster konnte sich zwar irgendwie durch lavieren, war aber vor allem unter Äbtissin Katharina I.von Villenbach in schwere Not geraten. Der frühere Augsburger Bischof Marquard von Randeck (von 1348-1365) und spätere Patriarch von Aquileja verlieh Ablässe und linderte so die Not des Klosters ein wenig. Diese unruhigen Zeiten dauerten auch unter den drei folgenden Äbtissinnen Katharina II von Lutzingen (1373-1383), Anna II. von Schwenningen (1383-1390) und Katharina III. von Tettingen (1390-1398) an.

    Die Zahl der Konventsmitglieder lässt Rückschlüsse auf die schweren Zeiten zu. 1309 waren 60 Nonnen, 3 Novizinnen, 9 Laienschwestern und 15 Laienbrüder im Kloster, 1353 waren es noch 37 Nonnen,8 Novizinnen, 8 Laienschwestern und 5 Laienbrüder.

    (Zahlen nach Zisterziensisches Schreiben im Mittelalter Das Skriptorium der Reiner Mönche,Bern 2005, darin Nigel F. Palmer S. 243)

    Erst unter Äbtissin Gertrudis von Freyberg (1398-1449) konsolidierte sich die Lage. Am 19. April 1417 stellte Kaiser Sigmund in Konstanz am selben Tag zwei Urkunden aus, eine für St. Ottilien bei Straßburg “bestätigt dem Augustinerinnen-Kl. Sanct Ottilien zu Ober-Hohenburg (Strassburger Bistum) die Privilegien” und danach für Oberschönenfeld “desgl. dem Frauen-Kl. Ober-Schönfeld (Augsb. Diözese)” (Sigmund – RI XI,1 n. 2203 ). Der in Konstanz neugewählte Papst Martin V. hatte dem gesamten Zisterzienserorden

    die gewährten Privilegien bestätigt. Das bezog sich natürlich auch auf Kloster Oberschönenfeld. Das wichtigste aber war, dass Äbtissin Gertrudis das Bürgerrecht von Augsburg erwarb. Da Augsburg  zu Anfang des 15. Jahrhunderts einen kräftigen Aufschwung erlebte,

    hatte das sicher mehr praktischen Wert als alle Schirmbriefe von Kaiser oder Papst. Sie hatte das Bürgerrecht bis zur Ende ihrer Regierungszeit inne. Die Stadt stand der Äbtissin auch in Rechtsstreitigkeiten zur Seite und da gab es mehr als jede bisherige Äbtissin durchzustehen hatte.

    Auch die Nachfolgerin Anna III. von Pappenheim (1449-1463) hatte das Augsburger Bürgerrecht für 10 Jahre erworben. Das kostete das Kloster jährlich 24 Gulden.

    Auch Anna hatte eine Reihe von Rechtsstreitigkeiten durchzufechten.Nach Ablauf der 10 Jahre stellte sie die Abtei wieder unter den Schutz des Augsburger Bischofs Peter (Bischof seit 1424, ab 1450 Kardinal bis 1469) Dieser Bischof hatte zwei Synoden abgehalten, bei denen er zahlreiche Vorschriften für Klerus und Klöster

    erließ.

    Auf Anna folgte  Äbtissin Dorothea von Laimberg (1463- 1492). Sie stellte sich am 12. Juni 1485 ebenfalls unter den Schutz des Augsburger Bischofs. Johann II. von Werdenberg war zu der Zeit Bischof (1469-1486). Die jährliche Schutzgebühr betrug 15 Gulden.

    Auch unter der Regierung Dorotheas wurde der Besitz des Klosters und die Rechte wurden  von vielen Seiten angefochten. Am 25. März 1474 bestätigte aber Papst Sixtus IV. alle früher erhaltenen Immunitäten,

    Besitzungen und Inkorporationen von Pfarreien, dabei wurde die Pfarrei Messishausen namentlich aufgeführt. (Archiv für die Pastoral-Conferenzen im Bisthume Augsburg 1853, Band 3 S. 335) Besonders kümmerte sie sich um die Kirche von Violau, die unter den kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre stark gelitten hatte. Sie sandte einen Bruder aus, der Almosen für die Kirche erbetteln sollte.

    Das Kloster  galt unter ihrer Regierungszeit als sehr arm. Es musste bei der Erhebung der gewöhnlichen Ordenssteuer den kleinsten Beitrag zahlen, halb so viel wie das Kloster Niederschönenfeld. Die gewöhnliche Ordenssteuer betrug 460 Gulden. Auf Oberschönenfeld entfielen 5 Gulden.

    Ihre Nachfolgerin war Barbara Vetter von Schwenningen. Sie regierte von 1492 bis 1508. Sie war die Erbauerein der Leonhardskapelle in Gessertshausen. Barbara Vetter stiftete eine Monstranz.  1504 ließ die Äbtissin ein prachtvoll illuminiertes Missale für die

    gesungene Messliturgie herstellen.

    Ihr folgte ihre Schwester Margarethe II. von  Schwenningen nach. (1508-1517). Die  Eltern  der beiden Äbtissinnen waren Georg Vetter und Margarethe von Schwenningen aus Donauwörth. Aus der Regierungszeit der beiden Äbtissinnen stammen zwei Szenen aus dem Marienleben, Krönung Mariens und Tod Mariens. Gemalt sind sie vom Meister des Oberschönenfelder Altars (1. Jahrzehnt  des 16. Jahrhunderts) Es ist ungeklärt, welche der beiden Schwestern den Altar gestiftet hat. Er befindet sich heute im Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlung (Inv.-Nr.7692)

    Barbara

     

    Im Jahre 1492 übernahm König Maximilian die Markgrafschaft Burgau. Am 3. Februar 1492 bestätigte er den Prälaten, den Städten und Gerichten dieser Markgrafschaft ihre Rechte Freiheiten und Privilegien.

    Äbtissin Barbara hatte in ihrer Amtszeit nur wenig Streitigkeiten  durchzustehen. Noch unter ihrer Regierungszeit hatte eine Viehseuche fast die gesamte Schafherderde des Klosters vernichtet.

    Ihre Nachfolgerin Mathilde kaufte eine neue Herde und bat alle Grafen, Herren und Stände, die angekauften Schafe zollfrei passieren zu lassen.

    Am 2. Mai 1510 bestätigte Kaiser Maximilian den Schutzbrief Kaiser Sigismunds vom 19. April 1417.

    Äbtissin Ursula von Winzer regierte von 1517-1522. Sie erließ für Altenmünster eine Schmiedeordnung und sie ließ in der äußeren Kirche den Chor neu wölben. Außerdem ließ sie vier neue Altäre herstellen,

    starb aber im Jahr 1522 vor deren Vollendung.

    Ihre Nachfolgerin Ursula II. von Tanneck wurde im Beisein des Kaisheimer Abtes Konrad III. Reutter (1509-1540) und der Kaisheimer Konventualen Benedikt Wibel, Johann Bäumlin und Johann Saur gewählt.

    Bei Amtsantritt waren 15 Nonnen im Konvent und die Vermögenslage des Klosters war gut. Unglücklicherweise fiel in ihre Zeit der große Bauernkrieg. Die Bauern der Dörfer Margershausen, Wollishausen, Anhausen,

    Fischach,Grimoltsried, Walkertshofen und Gessersthausen überfielen das Kloster und vertrieben die Nonnen, die sich nach Augsburg in Sicherheit brachten. Dort hatte das Kloster ein Anwesen, den Schönefelder Hof,

    den schon Bischof Hartmann dem Kloster als Zinslehen übertragen  hatte. Zu normalen Zeiten diente  er als Herberge für Äbtissin und Klosterfrauen, wenn sie in Augsburg ihren Amtsgeschäften nachgingen.

    In Notzeiten war er Zufluchtsort und Verwahrstelle für Hab und Gut. Die Aufständischen misshandelten den Beichtvater und dessen Kaplan, vernichteten alles Glaswerk, Fenster und Öfen, raubten Getreide, Vieh,

    Wein, Leinwand und alles Silbergeschirr und richteten im Kloster nach Angaben der Äbtissin einen Schaden von über 2000 Gulden an. Das übersteigt die Summe, die das Kloster an Barmitteln (688 Gulden) und

    Außenständen (1242) zu Amtsantritt von Ursula II. gemäß der Erwählungsurkunde vorhanden war. 1532 erteilte sie ihrem Beamten Conrad Sailer die Vollmacht, mit dem Schwäbischen Bund über die Entschädigung

    zu verhandeln.

    Die konfessionelle und politische  Landschaft in Deutschland hatte sich seit dem Jahre 1517 grundlegend geändert. Martin Luther soll da die Thesen an der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben. Das führte schließlich

    zur Reformation. Die soziale und wirtschaftliche Situation hatte ja auch immer wieder zu Aufständen geführt, die dann im Großen Bauernkrieg von 1525 führten. Und auch dieser war ja durch religiöse Argumentation “unterfüttert”,

    wie  auch die Memminger Artikel zeigen. Die religiöse Spaltung des Landes manifestierte sich auch in politischen Bündnissen. Am 27. Februar 1531 wurde der Schmalkaldische Bund gegründet. Landgraf Philipp I. von Hessen, Kurfürst Johann von Sachsen, Herzog , Herzog Philipp von Braunschweig-Gubenhagen, Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg, Fürst Wolfgang von Anhalt-Köthen, dem Graf von Erbach sowie drei nieder- und acht oberdeutschen Reichstädteunterzeichneten den Vertrag. Es war ein zunächst

    defensiv ausgerichtetes Militärbündnis mit der Verpflichtung zu gegenseitiger Hilfe im Falle eines katholischen Angriffs.

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    Kaiser Karl V. war in Kriege gegen Frankreich, Italien und gegen  die Osmanen in Ungarn verwickelt.Er war in Deutschland auf die Reichsstände angewiesen und so  immer wieder zu Kompromissen gezwungen und den Protestanten

    religiös und politisch entgegenzukommen. Der Friede von Crépy  1544 beendete die Auseinandersetzungen mit Frankreich und auch mit der Türkei konnte ein Waffenstillstand geschlossen worden. Jetzt hatte er den Rücken frei,

    sich aktiv um die Religionsfrage in Deutschland zu kümmern. Ein mögliches Konzil oder eine Reihe von Religionsgesprächen sollte die Glaubenseinheit wieder herstellen. Beide Seiten zeigten aber keine Neigung zu Kompromissen.

    Der Kaiser hatte eine päpstliche Zusage, Truppen im Falle eines Krieges gegen die Protestanten gestellt zu bekommen. So sah er die Möglichkeit, den Schmalkaldischen Bund militärisch besiegen zu können. Den Führern auf protestantischer Seite,

    Landgraf Philipp und Kurfürst Johann waren die Vorbereitungen des Kaisers nicht entgangen und so entschlossen sie sich zum Präventivkrieg, da der Kaiser wohl über größere finanzielle Mittel verfügte und  somit auch in der Lage war, ein

    stärkeres Heer aufstellen zu können. Der Bund zog im Juli 1546 rasch ein Heer von 12.000 Mann  in Süddeutschland zusammen. An der Spitze stand Sebastian Schertlin von Burtenbach,ein bedeutender Landsknechtführer im 16.

    Jahrhundert und 1532 der Oberkommandant des Fußvolkes des gesamten Reichsheeres. Im Kloster hatte man die neue Lage natürlich mit Sorge beobachtet. Bischof Otto Truchsess von Waldburg (1543-1573) hatte in einem Schreiben vom 30. Juni

    1546 die Äbtissin und den Konvent zum Gebet aufgerufen, aber gleichzeitig geraten, die wertvollen Sachen in Sicherheit zu bringen. Denselben Rat hatte der Stadtgerichtsschreiber von Augsburg Caspar Tradel gegeben. Er meinte allerdings, die Nonnen könnten noch im Kloster bleiben. Diese zogen aber gleich nach Landsberg und kamen da bei der Witwe Albrechts von Freyberg unter. Landgraf Philipp und Kurfürst Johann beauftragten die Komissäre des Schmalkaldischen Bundes Christian Bruck,

    Dr. Jakob Besserer, Georg Oestereicher und Martin Weikmann  die Klöster zu schätzen, welche Summe sie an den Bund abzugeben hatten. Die Besitzungen des Hochstifts Augsburg hatten sie schon vereinnahmt und den Rat der Stadt Augsburg

    mit der Verwaltung beauftragt. Den Klöstern Ochsenhausen und Kempten wurden je 20.000 Gulden auferlegt, dem Kloster Oberschönenfeld “nur”  1000 Gulden. Aber das Kloster hatte ja rund 20 Jahre zuvor schon 2000 Gulden verloren.

    die Komissäre hatten übrigens den Auftrag, falls sie nicht genug Barmittel vorfänden, Getreide zu nehmen oder Grund und Boden zu verkaufen oder zu verpfänden. Vor allem aber sollten sie “unchristlichen und abgoterischen Messen und anderen

    babstlichen Missbrauch gänzlich abstellen”abstellen (Archiv für die Pastoral.. S.349) Auch sandte der Rat von Augsburg seine Diener und Prediger in die Klöster Edelstetten, Wettenhausen und Oberschönenfeld, um dort die Lehre Luthers einzuführen.

    Der Augsburger Rat forderte die Äbtissin und den Konvent brieflich dringend auf, Landsberg zu verlassen und ins Kloster zurückzukehren. Der Rat der Stadt beanspruchte mittlerweile die Einnahmen des Klosters. Die Nonnen blieben

    im Exil, verarmten aber.

    Am 24. April 1547 siegte Kaiser Karl bei Mühlberg über den Schmaldkaldischen Bund. Der sächsische Kurfürst geriet in Gefangenschaft. Der Krieg war entschieden. Nun war auch für den Oberschönenfelder Konvent die Rückkehr wieder möglich.

    Nach 38 Wochen im Exil kehrte Äbtissin Ursula kränklich und auch gebrochen in das geplünderte Kloster zurück.

    Auch Bischof Otto Truchsess von Waldburg (1543-1573) konnte sein Bistum wieder in Besitz nehmen. Er hatte gegenüber der Stadt Augsburg 95.000 Gulden Schadenersatz gefordert und diese Summe am 19. Januar 1548 als Vergleichssumme quittiert.

    Darin enthalten war auch die Entschädigung für das Kloster Oberschönenfeld. Am 26. November 1450 stellte der Bischof der Priorin als Verwalterin an die Seite. Außerdem befahl er,”frommer und ehrbarer Leute Kinder wenn gleich ohne Vermögen”

    aufzunehmen. Die Äbtissin war mit beiden Regelungen einverstanden. Sie verstarb im Jahre 1552.

    Erst 8 Monate nach der Wahl wird Agnes III.von  Burtenbach zur Äbtissin gewählt. Sie regierte von 1553 18 Jahre lang. Als sie ihren Dienst antrat, waren außer ihr gerade noch zwei Nonnen im Konvent. Unter ihrer Regierung wurden auch erstmals nichtadelige

    Nonnen ins Kloster aufgenommen. Zum einen war das Klosterleben nicht mehr so attraktiv. Zum andern waren viele Augsburger Patrizier zum Protestantismus übergetreten. Das machte es für das  Kloster schwer aus dem Adel Nachwuchs zu gewinnen.

    Bei ihrem Tod war der Konvent um zwölf Schwestern angewachsen, alle nicht von Adel. Das erleichterte das Abschaffen der sogenannten Leibgedinge. Bisher hatten die Nonnen ein gewisses Einkommen, ihre eigene Magd und ließen sich

    ihre eigene Speise bereiten. Nun wurde das Leibgedinge Eigentum des Klosters und das kam nun dem gesamten Kloster zugute. Die Mägde aber wurden abgeschafft. Das war eine ganz praktische Reform für das Kloster.

    Bisher hatte das Kloster die Wege auf eigene Kosten erhalten. Als König Ferdinand 1555 in Augsburg war, bat Äbtissin Agnes, einen Wegzoll erheben zu dürfen. Ferdinand genehmigte das für Gessertshausen am 15. Mai 1555. Das Kloster durfte

    für jedes Wagenross, das passierte einen Heller erheben, musste sich aber im Gegenzug verpflichten die Wege und insbesondere den Übergang über die Schmutter in gutem Zustand zu erhalten. Ihren Untertanen in Gessertshausen erließ sie den Zoll.

    Dafür verpflichteten diese sich, bei der Ausbesserung der Wege zu helfen. Ihren Überreiter (Verwaltungsbeamter) Georg Weinhart belehnte sie ab 1556 mit dem Zoll. Dafür musste er jährlich an das Kloster 28 Gulden entrichten.

    Die Äbtissin erhielt von Kaiser Ferdinand am 4. Juli 1559 in Augsburg folgende Bewilligung ausgestellt: “ Kaiser Ferdinand (I.) bewilligt dem Kloster Oberschönefeld (Äbtissin Agnes), daß die Juden den Klosteruntertanen ohne Wissen

    der Äbtissin nichts leihen und niemand wegen Schulden vor das kaiserliche Hofgericht Rottweil oder vor ein anderes Gericht fordern dürfen.” (Urk. 522-Regest OSchöUB 571) Kaiser Maximilian stellte eine gleichlautende Urkunde

    am 27. Juli 1574 in Wien für Äbtissin Barbara aus  (Urk. 580 a -Regest OSchöUB 580 a) . Auch Kaiser Ferdinand II. bestätigte dies am 21. Januar 1621, sowie noch 7 weitere Kaiser bis zur letzten Bestätigung durch Kaiser Leopold II. (1790-1792)

    Die Äbtissin ließ auch eine Wasserleitung  für das Kloster bauen, die das Kloster für alle Belange, also Küche und Backstube,Badstuben, aber auch Fischkästen und Viehtränken mit Frischwasser versorgte.

    Die Vermögensverhältnisse, Getreidevorräte und Viehbestand waren nach den vorhergegangenen Bedrängnissen wieder zufriedenstellend.

    1571 resignierte sie,da sie krank und gebrechlich war und sich der Belastung des Äbtissinenamtes nicht mehr gewachsen sah. Sie lebte aber nach ihrem Rücktritt von ihrem Konvent hochgeehrt noch 8 Jahre. Sie starb 1578.

    Auf sie folgte Äbtissin Barbara II. Elchinger. Barbara war eine Gastwirtstochter aus Lauingen und ist dort am 19. Dezember 1535 geboren. Als Lauingen protestantisch wurde, verließen sie die Stadt und zogen nach Jettingen.

    Barbara wurde ins Kloster Oberschönenfeld gegeben, wo sie am 1. Februar 1557 die Ordensgelübde ablegte. Sie wurde die erste bürgerliche Äbtissin des Klosters. Gewählt wurde sie im Beisein des Kaisheimer Abtes

    Johannes IV. Sauer am Tag des Rücktritts von Äbtissin Agnes am7. Juli 1571.

    Das Konzil von Trient (in vier Sitzungsperioden von 1545-1563) einberufen unter Papst Paul III. (1534-1549) hatte unter dem Eindruck der Reformation in Deutschland wichtige Beschlüsse für die katholische

    Kirche gefasst. In der letzten Sitzungsperiode wurden zwei Dekrete festgelegt, die vor allem die Orden betrafen. Im Dekret über die Orden wurden Normen für die Aufnahme neuer Mitglieder festgelegt,

    Bestimmungen über die Wiederherstellung des Gemeinschaftsleben, die Klausur der Nonnen aber auch die ordnungsgemäße Wahl der Ordensoberen. Im Dekret über die Pflichten der Bischöfe wurden auch

    Anweisungen für die Durchführung von Visitationen getroffen. Schon Äbtissin Agnes hatte mit der Durchführung der Reformen angefangen, die Barbara fortführte. Bischof Otto hatte Abt Johannes auch schon in der Regierungszeit von Agnes aufgefordert, eine Visitation in Oberschönenfeld vorzunehmen. Diese fand im Juli 1571 statt. Eine Folge war wohl die Resignation der altersschwachen Äbtissin. Kurz nach Amtsantritt der neuen Äbtissin verließen zwei unzufriedene Klosterfrauen

    heimlich das Kloster. Die folgenden Visitationen verliefen nun zur Zufriedenheit der Ordensoberen. Papst Clemens VIII. (1592-1605)ordnete am  30. April 1593 an, für eine durchgreifende Reform des Zisterzienserorden Sorge

    zu tragen. Der  Abt von Citeaux Edmund (1584-1604) visitierte nun zwischen 1593 und 1594 sämtliche oberdeutschen Zisterzienserklöster. In Oberschönenfeld war er am 14. Januar 1594. Ausgehen und reisen der Klosterfrauen wurden nun streng geregelt.

    So verbot der Abt von Kaisheim Ulrich zum Beispiel, dass Äbtissin Barbara den Oberschönefelder selbst in Augenschein nehmen wollte, als dieser neu gebaut werden sollte, den Besuch dort. Erst um 1600 wurde diese Regelung wieder flexibler gehandhabt.

    1600 waren die Klöster Oberschöenfeld und Holzen (bei Donauwörth) ein geistliches Bündnis eingegangen. In ihrer Regierungszeit wurden viele Baumaßnahmen angegangen, so der  Neubau des Oberschönenfelder Hofs in Augsburg ab 1589,

    die Erweiterung der Kirche in Violau, vorher nur eine Kapelle. Im Kloster selbst ließ sie den neuen Abteibau errichten. Auch das Pfleghaus mit Gasthaus für Gäste die man im Kloster nicht aufnehmen wollte, wurde neu gebaut.

    Dazu kam der Neubau von Bauhof mit Stallungen für Pferde und Ochsen. Auch die Leonhardskapelle in Gessertshausen wurde erneuert. Für die Klosterkirche wurden neue Ornate und Kirchengerät angeschafft. Sie ließ drei Choralbücher anfertigen,

    alle mit Noten. Dabei legte sie auf ein großes, klares Schriftbild Wert, damit auch kurzsichtige Schwestern mitsingen konnten. Die wirtschaftlichen Verhältnisse hatte sie auch bestens geordnet. Sie konnte sogar andere Einrichtungen unterstützen.

    als das Mutterkloster in Citeaux 1593 von einem Brand betroffen wurde, leistete Oberschönenfeld einen Beitrag von 100 Gulden.

    Nach einer für das Kloster segensvollen Regierungszeit verstarb Äbtissin Barbara am 2. Mai 1601.

    Auf sie folgte Äbtissin Walburga Schüssler, die aber nach nur zwei Jahren Regierungszeit 1603 verstarb. Aber trotz der nur zweijährigen Regierungszeit wurde bleibendes geschaffen. In Scheppach ließ sie eine lauretanische Kapelle erbauen.

    In Altenmünster wurde der Pfarrhof neu gebaut und im Kloster selbst entstand neben dem Herrenhaus ein Gasthaus für den Abt von Kaisheim oder andere hohe Gäste.

    Die neue Äbtissin Susanna Willemayr war schon unter ihren beiden Vorgängerinnen Priorin. Sie war eine Fischerstochter aus Donauwörth. Sie wurde am 30. November 1503 zur Äbtissin gewählt. Sie wurde 12 Jahre nach ihrem Amtsantritt

    zusammen mit den Äbtissinnen aus Niederschönenfeld und Kirchheim im Ries, also den drei Kaisheimer Visitationsklöstern zur Äbtissin geweiht, was vorher nicht üblich war. Abt Johann VII. Beck (1608-1626), der diese Regelung eingeführt hatte, nahm auch die Weihe vor. Auch Susanna tat viel zum Wohlstand des Klosters. Auch eine rege Bautätigkeit war in ihrer Amtszeit zu verzeichnen.

    Susanna führte Instrumentalmusik im Kloster ein. Sie ließ dafür vier Geigen in allen Stimmlagen einführen. Gegen alle Klausurvorschriften ließ sie sogar junge Klosterangehörige “draußen in der Welt” musikalisch fortbilden, was damals völlig unüblich

    war. Das zisterziensische Leben scheint in Oberschönenfeld schon sehr streng beachtet worden zu sein. Als der Generalabt Nicolas II. Boucherat (1604-1625) das Kloster über Pfingsten 1616 zu einer Visitation im Kloster war,

    fand er das Ergebnis so gut, dass die Nonnen eine Gnade für das Kloster erbitten durften. Sie wünschten sich, dass sie einmal im Monat vor das Kloster spazieren geführt wurden (!).

    Die persönlichen Wertsachen, auch Schmuck wurden dem Gelübde gemäß eingesammelt und dem Gelübde gemäß zu gemeinsamem Nutzen verwendet. Susanna finanzierte davon eine Orgel. Unter Susanna wurden zehntägige Exerzitien eingeführt,

    von denen auch die Äbtissin gerne Gebrauch machte.

    Schwierigkeiten gab es auch durch die Schirmvogtei des Augsburger Bischofs. 1609 war in  München die Katholische Liga gegründet worden. Sie sollte einen Gegenpart zur protestantischen Union bilden, die 1608 ins Leben gerufen worden war.

    Ihnen gehörten neben Bayern alle Hochstifte in Bayern und Konstanz sowie die Reichsabteien Kempten und Ellwangen an. Später kamen fast alle katholischen Reichsstände im süddeutschen Raum dazu. Der Bund stellte eigene Truppen auf.

    Die Finanzierungsbeiträge der Mitglieder orientierte sich an Reichsmatrikeln. Der Augsburger Bischof forderte nun auch von den Klöstern, die sich unter seinen Schutz begeben hatten, Steuern. Auch mussten sich die Untertanen des Klosters zu Musterungen

    für die Musterungen der Mannschaft des Domkapitels einfinden. Da das Kloster auf den Schutz angewiesen war und der Bischof am längeren Hebel saß, musste die Äbtissin sehr oft notgedrungen auf die Forderungen eingehen.

    Äbtissin Susanna verstarb am 13. Januar 1624. Sie wurde ihrem Wunsch gemäß nicht in einem bevorzugten grab bei den Äbtissinnen bestattet, sondern auf dem normalen Friedhof der Klosterfrauen.

    Zu ihrer Nachfolgerin wurde Appollonia Wörl am22. Januar 1624 gewählt. Sie war eine Baderstochter aus Bruck bei Fürstenfeld. Bei ihrer Wahl lebten 28 Nonnen und 7 Laienschwestern im Kloster. Wirtschaftlich  hatte die verstorbene

    Äbtissin das Kloster in bestem Zustand hinterlasse,

    Zwar herrschte schon seit 1618 Krieg, aber Schwaben war davon bisher verschont geblieben. Die Äbtissin ließ die neue Kirche in Violau mit einem Turm versehen. In Altenmünster wurde die Pfarrkirche vergrößert.

    In Dietkirch ließ sie einen neuen Pfarrstadel bauen. In Gessertshausen wurde für Taglöhner und Holzacker ein Ziegelhaus gebaut. Der Bach, der durchs Kloster lief wurde eingefasst und neu gedeckt.

    1629 verlor das Kloster wegen einer Viehseuche die Hälfte ihrer Schafe und büsste auch viel Hornvieh ein. Aber nun kam der Krieg auch in Schwaben an.

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    1630 hatten die Schweden in den Krieg eingegriffen. Im Frühjahr 1632 hatten die Schweden Nürnberg und dann Donauwörth eingenommen. Viel zu spät, und ohne ausreichende Vorbereitung machte sich der Konvent nun

    in der Karwoche 1632 auf die Flucht. Nur die Klosterdokumente, das beste Silbergeschirr, Getreide und Wein, was in der Eile halt auf die Wagen gepackt werden konnte, wurde mitgenommen. Einige Kostbarkeiten waren

    vorher eingemauert worden. Das ging aber später trotzdem verloren. Der Konvent floh über Füssen, Reutte, weiter nach Stams und kam dann schließlich weiter nach Hall.Der Bürgermeister von Hall, Balthasar Staudacher

    vermittelte die Klosterfrauen weiter. In dem zum königlichen Frauenstift gehörenden Schloss Thurnfeld bei Hall kamen sie gut unter und wurden bestens aufgenommen. Von ihrem Heimatkloster bekamen sie aber nur schlechte

    Nachrichten. Die zurückgelassen Dienstleute flohen, als die Schweden anrückten. Sigmund von Schlammersdorf war schon 1610 im Heer der Union. im Dreißigjährigen Krieg war er seit den ersten Kriegstagen dabei.

    Ende 1830 trat er in schwedische Dienste. 1632 erhielt er von den Schweden Oberschönenfeld, das er ausplünderte. Die Beute ließ er nach Augsburg schaffen. Als er abzog, ließ er nur die nackten Mauern zurück.

    Diese Nachrichten aus der Heimat waren zuviel für die Äbtissin. Sie fiel in eine gefährliche Krankheit und starb am 8. August 1633 in Thurnfeld. Schon vorher waren zwei Schwestern verstorben.

    Auch Abt Johann von Kaisersheim befand sich im Exil. Er hatte Abt Paulus Gay (1631-1638)vom Kloster Stams zur Leitung der Äbtissinnenwahl beauftragt. Stams war ja ebenfalls ein Zisterzienserkloster.

    Am 17. August 1633 wurde Maria Elisabeth Herold zur neuen Äbtissin gewählt. Sie war die Tochter des deutschmeisterischen Rat und Advokaten des Reichskammergerichts Johann Jakob Herold in Ellingen.

    Schon mit elf Jahren war sie als sogenannte Schultochter ins Kloster Oberschönenfeld gekommen.

    Die Schlacht bei Nördlingen am 6. September 1634 ging für die für die Schweden und ihre protestantischen deutschen Verbündeten unter Bernhard von Sachsen Weimar und Graf Horn verloren. Die Schweden

    zogen sich darauf komplett aus Süddeutschland zurück. Die Stadt Augsburg war ebenfalls wieder in die Hände der Kaiserlichen gekommen.

    Daraufhin entschloss sich die Äbtissin nach Oberschönenfeld zurückzukehren. Sie lieh bei dem Augsburger Kaufherren Georg Fargeth, der sich ebenfalls im Exil in Hall befand 4300 Gulden und verschrieb ihm dafür aus den

    Einkünften des Klosters Getreide und Holz. 1635 kehrte sie mit einigen Schwester über München nach Augsburg zurück. Dort blieben sie noch einige Tage im Kloster St. Ursula, um dann in ihr Heimatkloster zurückzukehren.

    Das aber war nur noch ein wüster Steinhaufen. Unter größter Mühe richteten sie das zerstörte Kloster allmählich wieder her. Dort lebten sie in bitter Armut und konnten oft ihren Hunger nicht stillen. Einen Teil der verbliebenen

    Schwestern schickte sie in weniger schwer getroffene Klöster oder zu Verwandten. 9 harte Jahre verbrachten die verbliebenen 4 Schwestern in Oberschönenfeld. Trotz dieser extremen äußeren Bedingungen begann sie mit der Sichtung

    der Archivalien und begann die Klosterchronik zu schreiben. 480 handgeschriebene Seiten umfasste sie und die Arbeit zog sich bis mindestens 1643 hin. Zwischen 1644 und 1645 mussten sie mehrmals nach Augsburg flüchten

    und ihr weniges Eigentum in Sicherheit bringen. 1646 bis 1648 kehrten schwedische und französische Truppen wieder nach Schwaben zurück. Auch Augsburg wurde wieder belagert. Äbtissin Maria Elisabeth wollte sich wieder unter den Schutz der Stadt Augsburg stellen, was der Rat der Stadt jedoch ablehnte. Da die Lage in und um Oberschönenfeld nicht mehr sicher war, ging die Äbtissin erneut ins Exil, zunächst in das kleine Kloster Thalbach bei Bregenz, danach kam sie im Kloster Muri unter.

    Am 29. November 1649 kam die Äbtissin endgültig aus dem Exil zurück. Die finanziellen Verhältnisse des Konvents besserten sich ganz allmählich. Auch Visitationen fanden wieder statt. Generalabt Claude Vaussin (1645-1670) visitierte 1654

    das Kloster und befand den geistigen Zustand als vortrefflich.

    Äbtissin Maria Elisabeth starb am 27. Mai 1657 nach einer harten und leidensvollen Regierungszeit.

    Dann wurde Anna Maria Weinhart zur Nachfolgerin von Maria Elisabeth gewählt. Sie war die Tochter des Augsburger Juristen Dr. Leonhard Weinhart. Sie hatte als Novizin die Flucht nach Tirol miterlebt.Ihre Wahl fand am 8. Juni 1657 statt,

    die Weihe und Amtseinsetzung zur Äbtissin wurde am 17. September von Abt Georg  IV. Müller (1637-1667) aus Kaisheim vollzogen. Bei ihrem Amtsantritt waren 16 Nonnen, 3 Novizinnen und 5 Laienschwestern im Kloster. Es befand sich zwar mittlerweile ein

    wenig Barschaft, nämlich 28 Gulden im Kloster. Aber nach den schweren vorausgegangenen Kriegszeiten waren vor allem die Altlasten abzutragen. So musste wöchentlich eine Fuhre Holz und Getreide nach Augsburg gebracht werden,

    um die Zinsen des Darlehens zu bedienen, das Maria Elisabeth noch in Tirol aufgenommen hatte. Viele im Krieg zerstörte Gebäude mussten wieder hergestellt werden, damit sie noch gerettet werden konnten. Der Hof in Scheppach wurde völlig neu

    gebaut, die Kirche von Violau wurde mit Eisenstangen unterzogen, weil das Gemäuer sich als nicht dauerhaft erwiesen hatte. Der im Krieg zerstörte Turm wurde höher gebaut und mit Kreuz und Kuppel versehen. An der Pfisterei wurde gebaut und die Schmiede

    wurde wieder neu hergestellt. Trotz dieser Lasten konnte das Kloster seinen Güterbesitz sogar noch mehren. Kaiser Leopold verlieh dem Kloster einen Bezirk in dem der zur Markgrafschaft Burgau gehörenden Hochforst und die Jagd darin

    gegen eine jährliche Abgabe von 60 Gulden an das Amt Burgau. Es ging streng und arm zu im Kloster Oberschönenfeld. In den ersten Amtsjahren von Anna Maria konnte kein Wein gereicht werden. Erst als der Vater einer Konventualin,

    Sebastian Pott, Kanzler in Morgenthal, dem Kloster zu seinen Lebzeiten jährlich zwei Fuder Wein schenkte (das Fuder in der Markgrafschaft Baden war 1500 Liter) und nach seinem Ableben über eine reichliche Erbschaft zehn Fuder vermachte,

    konnten die Klosterfrauen noch 5 Jahre Wein trinken. Für Violau spendete eine Hauptmannsfrau, die sich einige Zeit im Kloster ausgehalten hatte, spendete das Geld zum Guss von drei Glocken für die Wallfahrtskirche Violau.

    Die Äbtissin verstarb nach 28 Regierungsjahren  am 1. Mai 1685.

    Die Abtei ließ die Verstorben in aller Stille beerdigen, damit der Todesfall nicht vorzeitig publik wurde, um zu vermeiden, dass der Fürstbischof von Augsburg für die Zeit der Erledigung der Abtei einen hochstiftischen Kastellan, also einen

    Aufsichtsbeamten über die Abtei einsetzte, was nach den Schirmrechten möglich gewesen wäre. Der Kaisheimer Abt Elias Götz (1681-1696) wurde schnellstens zur Beerdigung von Anna Maria und zur Neuwahl einer Äbtissin herbeigerufen.

    diese fand am 5. Mai 1885 am Tag nach der Beerdigung statt. Gewählt wurde die bisherige Subpriorin und Novizenmeisterin Maria Hildegardis Meixner. Der Generalabt von Citeaux Johann wünschte der neuen Äbtissin in einem Schreiben

    Glück und Segen für ihr Amt, während der Augsburger Bischof Johann Christoph von Freyberg (1666-1690) sich ziemlich verschnupft zeigte und sich bitter beschwerte, dass die Wahl ohne sein Wissen stattgefunden hatte.

    Sie war die Tochter  des Augsburger Weinzahlers und Aufschläger Hans Georg Meixner (Beamter, der Abgaben auf den Wein aufschlägt).

    Nur 70 Jahre nach der Flucht nach Tirol wurde das Kloster wieder von Kriegsfolgen betroffen. Der spanische Erbfolgekrieg von 1701-1714 hatte auch Bayern stark betroffen. Der bayrische Kurfürst Max Emanuel war 1703 auf die Seite Frankreichs

    übergetreten. In den Jahren 1703 und 1704 fanden die Kampfhandlungen vor allem in Bayrisch-Schwaben statt. Die entscheidende Schlacht gewann  das Heer mit kaiserlichen Truppen und Truppen des Reichsheers unter Führung des Duke of

    Marlborugh John Churchill –ein Vorfahr von Winston Chruchill-, Herz Eugen von Savoyen und Markgraf Ludwig von Baden (“Türkenlouis”) gegen die vereinigten Truppen von Frankreich und Bayern unter Marschall Tallard und Max Emanuel.

    Das war die 2. Schlacht von Höchstädt am 13. August 1704. Die erste Schlacht bei Höchstädt ein knappes Jahr zuvor, nämlich am 20. September 1703 hatten die Franzosen gewonnen. Höchstädt ist von Oberschönenfeld  etwas mehr als 40 Kilometer

    entfernt. In der ersten Schlacht kämpften rund 30.000 Soldaten gegeneinander. In der zweiten Schlacht  waren allein 50.000 Mann auf Seiten der kaiserlichen Truppen und denen des Reichsheeres.

    Diese Kämpfe praktisch “vor der Haustür” zogen natürlich auch das Kloster in Mitleidenschaft. Im September lagerten 4000 Mann bayrischer Truppen bei Gessertshausen. Gefordert wurden zunächst eine unverzügliche Liefrung von Bier und Brot ins

    Lager. Dies wurde schnell geliefert. Der Beichtvater des Klosters P. Columban Mayr begab sich sofort zum bayrischen Oberkommandierenden Graf von Arco. Nach Fürbitten blieb das Kloster zunächst unbelästigt. Im September 1703

    nahmen Reichstruppen überraschend das neutrale Augsburg ein. Marodierende kaiserliche Truppen überfielen und zerstörten Scheppach und den Oberhof. In Scheppach wurde auch die Kapelle geplündert. Die Äbtissin und ihr Konvent waren

    bisher im Kloster geblieben, zumal ihnen der Abt von Kaisheim ausdrücklich untersagt hatte, ohne seinen Willen und seine Erlaubnis das Kloster zu verlassen. Der bayrische Hofkriegsrat hatte sein Ouartier in Ulm genommen und belegte

    nun das Kloster mit Lieferungen an Heu, Stroh und Holz, die es gar nicht aufbringen konnte. Die Äbtissin wurde mit Haft bedroht und ging nun auf Rat des bischöflichen Generalvikars und dem Konvent nach Augsburg. Dort kamen sie im Kloster

    Maria Stern unter. Nur die bejahrte Priorin und älteren Schwestern blieben im Kloster zurück. Am 6. Dezember 1703 überfielen etwa 200 französische Soldaten das Kloster und völlig geplündert. Nu Kirche und Archiv blieben verschont.

    Den Schwestern wurde alles genommen,was irgendwie von Wert war. Sie flohen nun nach Mindelheim. Inzwischen hatten bayrisch-französische Truppen Augsburg übergeben bekommen. Nun vereinigte sich der Konvent wieder in Augsburg.

    Maria Stern litt nun aber auch an Mangel. Der Oberschönenfelder Hof hatte die Belagerung nicht unbeschadet überstanden. Nun befahl der Abt dem Konvent, sich zu verteilen.Einige waren in Mindelheim geblieben,

    andere kamen bei ihren Verwandten unter. Nach der 2. Schlacht bei Höchstädt kehrte die Äbtissin in das geplünderte Kloster zurück. Am 18. Oktober 1704

    war der gesamte Konvent dann wieder vereint. Sofort begann man im Kloster die Kriegsfolgen zu beheben. Eine gute Verwaltung ermöglichte die Neuherstellung des Bauhofs, der Ställe und des Bräuhauses. Die Wallfahhrtskirche

    Violau hatte den Krieg zum allgemeinen Erstaunen völlig unbeschadet überstanden. Die Kirche bekam Reliquien des  Märtyrers Benediktus. Sie waren erst aus Rom nach Stams gebracht worden und dieses Kloster schenkte sie

    weiter an Oberschönenfeld. Die Prälaten von Kloster Kaisheim und Kloster Fultenbach  setzten diese feierlich in die Wallfahrtskirche ein.

    Äbtissin Hildegardis hatte den völligen Neubau des Klosters geplant, erlebte diesen aber nicht mehr. Sie starb nach 22 Regierungsjahren am 24. März 1722 im Alter von 73 Jahren.

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    Franz Beer erhielt den Bauauftrag. Er war Mitglied der Vorarlberger Auer Zunft und von Kaiser Karl VI. geadelt worden. es gibt kaum eine Kirche in Süddeutschland, an der er nicht beteiligt war. Er baute auch Salem und Kaisheim.

    Mitarbeiter waren wohl der Maurermeister Josef Dossenberger der Ältere und der Zimmerer Johann Georg Fertel. Die Weihe nahm der Augsburger Weihbischof Johann Jakob von Mayr am 25. Juli 1723 vor.

    Äbtissin Mari Viktoria Farget wurde am 17. März 1722 zur neuen Äbtissin gewählt. Bei ihrer Amtseinführung waren 26 Schwestern und 10 Laienschwestern im Konvent. Unter ihr wurde der Kirchenbau vollendet. Aber auch in den zur Abtei

    gehörenden Gemeinden wurden Pfarrhaus und Kirchenneubauten errichtet.

    Auf Maria Viktoria folgte  Maria Cäcilia Wachter. Sie regierte von 1742-1767. In der Regierungszeit dieser Äbtissin kam auch ein Figur des Prager Jesuleins in die Abteikirche, die so ab 1754 diese zu einem vielbesuchten

    Wallfahrtsort machte.

    Äbtissin Maria Charitas Karrner ließ die Kirche mit Altären, Fresken und Stuck neu ausstatten. Joseph Magges aus Imst, der in Augsburg als Künstler wirkte, begann mit dem Deckengemälde in der Kirche. Nach seinem Tod übernahm

    Johann Joseph Anton Huber, ebenfalls aus Augsburg sie Arbeit. Von ihm stammen  die Fresken Flucht nach Ägypten, seitlich hl. Bernhard im Speyrer Dom und mystische Umarmung Christi, Darstellung im Tempel, die Kirchenväter in den Zwickeln, Muttergottes und seitliche Zisterzienserbilder. Jakob Rauch aus Wessobrunn war für den Stuck verantwortlich.

    Die Schuldenlast für die  Baukosten waren erst kurz vor der Säkularisation abgetragen. Charitas Karrner hatte ihr Amt nur sieben Jahre inne. Sie starb 1774.

    Die letzte Äbtissin wurde Maria Irmengardis Stichauer. Sie wurde am 22. Februar 1774 gewählt. Sie starb am 25. Februar 1803. Sie hatte klug gewirtschaftet, die Schulden waren abgetragen. Im März 1803 wurde das Kloster aufgehoben.

    Die Schwestern durften jedoch auf Lebenszeit im Kloster bleiben. Schon 1819 gab es Bestrebungen, das Kloster formell wieder herzustellen. 1836 rekonstituierten die noch 5 verbliebenen Konventmitglieder das Kloster. Am 5. Juli 1836.

    genehmigte König Ludwig von Bayern die Wiederherstellung. Die Gebäude gingen allerdings erst 1899 in den Besitz des Klosters über. Allerdings fiel nun auch die Baulast dem Kloster zu.

    1899 wurde das Kloster wieder in den Zisterzienserorden aufgenommen. 1918 wurde es zur Abtei erhoben.

    Zum Zeitpunkt des Klosterjubiläums 1998 lebten 34 Schwestern, davon eine Novizin und 2 Kandidatinnen im Kloster. Es gehört heute zur Mehrerauer Kongregation einem Zusammenschluss selbstständiger Zisterzierzienser klöster unter Führung

    der Abtei Wettingen-Mehrerau. Äbtissin ist Maria Gertrud Pesch.

    Das Kloster hatte bis in die 70-ger Jahre eine 140 ha große Landwirtschaft sowie einen Hof mit großem Viehbestand. Mangel an Arbeitskräften, sinkende Agrarpreise und steigende Löhne zwangen die Abtei zur Veränderung.

    Ackerland und Wiesen wurden verpachtet. Es war unklar, was aus den Wirtschaftsgebäuden werden sollte. Der Bezirk Schwaben mietet die ganze Anlage an und seit 1982 ist dort das Schwäbische Volkskundemuseum untergebracht.

    Das Kloster betreibt eine Klosterbäckerei in der das “Oberschönenfelder Holzofenbrot” gebacken wird und im Brotladen des Klosters verkauft wird. Das Kloster betreibt auch eine Paramentenstickerei.

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    03 Sep 2014

    Kloster Andechs Der Heilige Berg

     

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    Die Familie der Andechs-Meranier

     

    Die Andechs-Meranier sind ein altes bayrisches Adelsgeschlecht, dessen Hauptbesitz zunächst im oberen Lech- und Isargebiet  und um Erding und Ebersberg herum lag.

    Ihr Aufstieg begann im frühen 11. Jahrhundert. Zu ihrer Blütezeit waren sie mit dem höchsten deutschen Adel verwandt. Die Ursprünge der Familie liegen im Dunkeln und auch die Familienhistorie bewegt sich zunächst im legendären Bereich.

    Sie sieht in Rasso ihren Gründer. Graf Rasso soll aus dem Frankenreich stammen , Herzog von Bayern, Franken,Schwaben und Burgund, Meranien und Kärnten gewesen sein, dazu Markgraf von Österreich, Pfalzgraf bei Rhein sowie Graf von Görz und Andechs. Angeblich hat er sich große Verdienste bei der Befreiung des Heiligen Landes aus den Händen der Ungläubigen erworben. Zum Dank dafür hatte er ein kaiserliches Schreiben erhalten. Mit dessen Hilfe konnte er einen großen Reliquienschatz in Konstantinopel, Rom und Mailand erwerben, die den Grundstock für den Heiligen Schatz in Andechs bildeten. Er kehrte in die Heimat zurück und soll 954 in Grafrath an der Amper ein Kloster gegründet haben.

    1_Graf_Rasso_B_097_Andechs_Wallfahrtskirche_Seitenaltar_Detail_Foto_Schmid_a558eee36bEr soll dort seine letzten Tage verbracht haben und ist im Kloster bestattet. Nach Diessener und Andechser Quellen wurde das Kloster von Herzog Arnulf dem Bösen zerstört, der seinen Beinamen von mönchischen Chronisten hatte, weil er als bayrischer Herzog in den Jahren von 908-914 viele Kirchengüter einzog, so dass die Klöster Benediktbeuren, Niederaltaich, Isen, Mosburg, Schäftlarn, Tegernsee und Wessobrunn fast ihren gesamten Besitz verloren.

    Die Gebeine Rassos wurden erhoben und 1468 in einem Hochgrab über dem Bodengrab beigesetzt. Es entwickelte sich bald eine lebhafte Wallfahrt, da seinen Gebeinen große Wunderkraft nachgesagt war. Aus den Aufzeichnungen der Wunder aus den Jahren 1444-1728 sind 12.131 Einträge erhalten.

    Rasso_von_Andechs2Zwei weitere Mitglieder der Familie werden als Heilige verehrt. In Diessen war das Grab des seligen Rathard. Er gründete 815 mit Unterstützung seines Bruders,des Augsburger Bischofs Hanto (807-815) bei der St. Georgskirche in Diessen ein Augustiner-Chorherrenstift. Er selbst lebte dort als Priester und starb in dem Stift. Er wird als Seliger verehrt. Auch dieses Kloster soll durch Herzog Arnulf den Bösen  zerstört worden sein. Vom Besuch seines Grabes versprachen sich ebenfalls viele Kranke Genesung. Nach der Zerstörung des Stifts soll Gräfin Kunizza in Diessen wieder ein Kloster mit drei Priestern gegründet haben. In dessen Kirche fand sie ihre letzte Ruhestätte. Sie war angeblich eine Enkelin Ottos I. und war mit

    Rocho, dem Bruder des heiligen Rassos verheiratet. Auch Rocho war wohl ein sehr frommer Mann, er soll auf einer Pilgerreise nach Jerusalem gestorben und dort begraben sein.

    Sichere Belege für die Familie stammen erst aus dem 11. Jahrhundert. Dass sie von den Agilolfingern oder Luitpoldingern abstammen, lässt sich nicht beweisen.In Güteraufzeichnungen, sogenannten Traditionsbücher süddeutscher Domstifte und Klöster finden sich erste Belege. Einzelne Familienmitglieder werden in Königs-und Kaiserurkunden erwähnt. Auch in Nekrologen oder Totenbücher geistlicher Gemeinschaften, vor allem im Nekrolog des Klosters Diessen finden sich Hinweise auf frühe Andechser. Das älteste zweifelsfrei zur Familie der Grafen von Diessen und Andechs zählende Familie ist Graf Friedrich I. Er starb ca.1030 und ist in einer Urkunde König Heinrichs II. (1002-1024) als Graf von Haching genannt. In der am 30.06. 1003 ausgestellten Urkunde wird von Friedrich berichtet, dass er in Haching zu Gericht zu sitzen pflegte und dass zu seiner Grafschaft der Forst gehörte, der sich von Wolfratshausen zwischen Isar und Loisach zum Gebirge hin erstreckte.

    1003_urkundeGraf Friedrich ist auch noch in anderen Quellen nachgewiesen. So beurkundete er eine Schenkung des Adeligen Ratpots an das Kloster Tegernsee. Er war auch zugegen als die Kaiserin Kunigunde kurz nach dem Tod ihres Gemahls Heinrich II. in Regensburg 1025 einen Teil ihres Besitzes an das Domstift Freising veräußerte.

    Bei diesem Rechtsgeschäft begleitete ihn sein Sohn Berthold, der in dieser Urkunde als “Berthold, Sohn des Grafen Friedrich” bezeichnet wird. Dieser ist wohl identisch mit dem Grafen Bertold von Diessen, der in späteren Urkunden als Zeuge aufgeführt wird, so als Bischof Nitker von Freising (1039-1052) dem Kloster Schliersee seinen Zehnten im Dorf Vagen übereignete.

    Berthold I. hatte noch einen Bruder, den Grafen Otto II., den Grafen von Thanning, der die Wolfratshausener Linie begründete. Zur Familie Friedrichs und seiner Söhne zählte noch ein Graf Rasso von Diessen, ohne dass die verwandtschaftlichen Beziehungen näher bekannt sind.

    Bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts hatte die Andechser Familie ihren altbayerischen Besitz erfolgreich abgerundet und konsolidiert. Sie betrieb eine geschickte Heiratspolitik und konnte so sich so Besitz und Einfluss im östlichen und mittleren Alpenraum und in den  Gegenden des Obermains verschaffen.

    Graf Otto besaß spätestens seit den 60-iger Jahren des 11. Jahrhunderts die Grafschaft Wolfratshausen. Den Hauptgerichtsort Haching verlegte er nach Thanning. Außerdem gelang es ihm, in Tirol Fuss zu fassen. Er verfügte bereits über Freisinger Lehen, die er von Bischof Meginwart (1078-1098) erhalten hatte. In dem Dorf Amras, das heute nach Innsbruck eingemeindet ist, hatte er Eigenbesitz. Dort errichte er eine Herrschaft, deren Verwaltungsmittelpunkt die Burg Amras bildete.

    Dieser Besitz war vor allem auch dadurch bedeutend, weil von hieraus alle Wege Richtung Süden über den Brenner zum Unterinntal verliefen und überwacht werden konnten. Der Brixener Bischof Altwin 1049-1097), mit dem Otto eng zusammenarbeitete stand während des Investiturstreit ebenso wie der Andechser auf Seiten des Kaisers. Das war sicher der Grund, dass Otto die Grafschaft erhalten hatte. Den Gegnern des Kaisers, an der Spitze Herzog Welf IV.(um 1040-1101) gelang es, den Brixener Bischof aus seinem Bistum zu vertreiben. Auch Otto verlor Grafschaftsrechte im Gebirge. Trotzdem blieb er Parteigänger des Kaisers und erschien noch 1104 in Regensburg beim Reichstag an der Seite des Kaisers. An Rechtsgeschäften, die die Welfen und deren Anhänger betrafen, scheint er sich aber erst beteiligt zu haben, als die Auseinandersetzungen zwischen dem salischen Herrscher und seinem welfischen Gegner beigelegt waren. Im vorgerückten Alter verstarb Otto um 1120. Er war wohl der erste aus seiner Familie, der in nähere Beziehung zum salischen Kaiserhaus getreten war, worauf ihm ja der Schutz der wichtigen Verbindungsstraße über den Brenner zwischen Deutschland und Italien anvertraut worden war. Wahrscheinlich hatten auch die Verbindungen zum Kaiserhof eine Rolle gespielt, als seine Tochter Adelheid mit Berengar von Sulzbach verheiratet worden war.

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    Die Grafen von Sulzbach lassen sich mit dem Grafen von Gebhard I. auf das Jahr 1030 zurückführen. Sie waren im Nordgau begütert. Das waren im 7. Jahrhundert das Gebiet nördlich der Donau zwischen  Neuburg an der Donau und Regensburg.

    Um 1060 umfasste es auch die Obermaingegend und reichte bis ins Egerland. Nach der wittelsbachischen Zweiteilung des Jahres 1329 entstand der Name Oberpfalz. Die Sulzfelder hatten ihren Stammsitz auf Burg Rosenfeld im Areal des Altstadtkerns des heutigen Sulzbach-Rosenberg. In 150 Jahren erlebte das Geschlecht dank höchst einflussreicher Eheverbindungen einen rasanten Aufstieg, erlosch aber nach nur 150 Jahren wieder. Graf Berengar I. (vor 1080-1125), der Enkel des Grafen Gebhards I. war im engsten Umfeld der Salier zu finden. Er war Stifter von Berchtesgaden und Baumburg sowie Mitstifter des späteren Reformklosters Kastl, das er zusammen mit der Markgräfin Luitgard von Zähringen und dem Konstanzer Bischof Gebhard III., deren Bruder, gründete. Er war Anhänger und Teil einer adligen Führungsgruppe eines kirchlichen Reformkreises. Er war massgeblich am Sturz Kaiser Heinrichs IV. und der Einsetzung von dessen Sohn  als Kaiser Heinrich V. beteiligt. Er war dann wichtigster Berater des neuen Kaisers, der den Investiturstreit 1122 mit dem Wormser Konkordat beenden konnte. Die eheliche Verbindung mit dem einflussreichen Grafen Berengar wertete auch das Ansehen der Andechser Familie stark auf. Vier seiner sechs Kinder verheirate der Graf höchst vorteilhaft. Sein Sohn Gebhard III. war in 2. Ehe mit Mathilde, der Tochter des bayrischen Herzogs Heinrich IX., verheiratet. Die Tochter die aus der Verbindung mit Adelheid, der Tochter Diessener Grafen Otto mit Berengar hervorging, war Gertrud, die in den 30-iger Jahren Herzog Konrad von Schwaben heiratete, der 1138 als Konrad III. den deutschen Königsthron bestieg.

    Eine weitere Tochter, Bertha wurde 1146 Gemahlin des griechischen Kaisers Manuel I. und war unter dem Namen Irene griechische Kaiserin. Dann war noch Luitgard. sie war mit Gottfried II dem Grafen von Löwen verheiratet. Sie war Herzogin von Niederlothringen. Berengars einziger Sohn Gebhard III. hatte ebenfalls nur einen Sohn, nämlich Berengar II. Dieser nahm am Italien Feldzugs Kaiser Friedrich Barbarossas teil und starb dort an der Pest. Als Graf Gebhard 1188 verstarb, war die Familie im Mannesstamm ausgestorben. Der Aufstieg der Diessener Grafen begann jetzt aber erst so richtig.

     

             Die Gründung des Hausklosters Diessen

    Zwar trennten sich die beiden Familienzweige räumlich. Die Zusammengehörigkeit des Geschlechts ging aber nicht verloren.

     

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    Wohl um die gleiche Zeit fassten beide Linien den Entschluss, am Ort ihres bisherigen Stammsitzes eine geistliche Gemeinschaft zu gründen. Das war im späten 11. Jahrhundert war das in vielen Adelsfamilien gängige Praxis, man denke nur an das Kloster Limburg der Salier, Kloster Lorch der Staufer oder Altdorf und Steingaden der Welfen. In solchen Stiftungen fanden  die Angehörigen der Gründerfamilien zumeist ihre letzte Ruhestätte, hier für das Seelenheil der Wohltäter gebetet. Oft war es auch  Ort, an dem man wichtige Urkunden aufbewahrte. Nicht selten geschah es, dass die Gründer noch die Vogtei über die Stiftung vorbehielten. So hatten sie auch am wirtschaftlichen Wohlergehen dieser Stiftungen Anteil. Auch in Diessen war das so.

    Bei St. Georg wurde eine Geistliche Gemeinschaft ins Leben gerufen. Bald aber zeigte sich, dass der Platz für das Vorhaben wenig günstig war. Anfang der 20-er Jahre verlegte man die Gründung an einen höher gelegenen Platz bei St. Stephan.

    Man stattete die Stiftung größtenteils mit Gütern aus dem Besitz der gräflichen Familie aus. Aber auch Ministeriale beider Linien konnten als Schenker auftreten, die teilweise Lehensgut mit Zustimmung der Herren aber teilweise auch Eigenbesitz übergaben. Die Mitglieder der Gemeinschaft sollten nach der Regel des Heiligen Augustinus leben, so wollten es die Stifter.

    Dass die gräfliche Familie die Stiftung nicht einem Mönchsorden übertrug sondern den Augustinerchorherren, lässt vermuten, dass sie den Reformkreisen nahestand, die sich seit der Jahrhundertwende eine Erneuerung des religiösen Lebens zur Aufgabe gemacht hatten. Dafür spricht auch die Wahl des jungen Propstes aus dem Stift Rottenbuch. Rottenbuch war das Mutterstift der Augustinerchorherren in Altbayern und führend in der Kanonikerreform. Auch der erste Propst des Stifts Berchtesgaden und Baumburg, Eberwin kam aus Rottenbuch. Und sicher gab es über die Diessener Gräfin Adelheid auch Querverbindungen zu Rottenbuch. Schließlich war sie mir Berengar von Sulzbach verheiratet, der wie oben gesagt die beiden Klöster gestiftet hatte. Einer der bedeutendsten Vertreter dieser Reformrichtung war Erzbischof Konrad I . von Salzburg (um 1075-1147), der seine Diözese reformierte und vielen Klöstern die Regel der Augustiner-Chorherren durchsetzte. Darüberhinaus könnten auch Nützlichkeitserwägungen eine Rolle gespielt haben. Augustinerstifte wurden oft in Form von Doppelklöstern gegründet. Neben dem Männerkonvent bestand ein Frauenkloster. Damit hatten die Gründer Diessens die Möglichkeit, sowohl den männlichen als auch den weiblichen Familienangehörigen, die unverheiratet blieben, ein standesgemäßes Auskommen im Stift zu verschaffen.

    Man findet eine Reihe von Mitgliedern des Hauses Andechs im Diessener Konvent, so z.B. Konrad, ein Onkel Graf Bertholds II. oder seine Tochter Mechthild, die schon als Kind den Chorfrauen zur Erziehung übergeben wurde. Sie blieb im Stift, wurde Leiterin der Kanonissen, bis sie auf Geheiß des Papstes als Äbtissin nach Edelstetten ging und dort als Reformerin tätig wurde.

    Sie stand schon zu Lebzeiten im Ruf der Heiligkeit. einer Überlieferung zufolge kehrte sie später nach Diessen zurück und starb dort 1160. Auch ihre Schwester Euphemia gehörte dem Diessener Konvent an und wurde als Selige verehrt. Sie starb 1180 laut Stiftsnekrolog als Äbtissin des Klosters Altomünster.

    Erster Propst des Diessener Stifts war Hartwig. Er starb 1173. Papst Innozenz II. (1130-1142) stellte der Stiftung 1132 ein Schutzprivileg aus. In dieser Urkunde wurden Graf Berthold II. und Graf Otto III. sowie deren Gemahlin Sophie und Lauritta sowie deren Kinder als Stifter genannt. Er bestätigte die Transferierung sowie alle Besitzungen und Einkünfte, darunter die Wallfahrt zum Seligen Rasso in Grafrath,die bis 1803 Filiale des Stifts blieb.

    Auf Initiative Hartwigs wird wohl das Frauenkloster bei St. Stephan vor 1120 gegründet. Allerdings geht dies während der Kriegswirren und Pestzeiten im 14. Jahrhundert schon wieder zugrunde.

     

         Die Wolfratshausener Linie

     

    Der Bruder Ottos, eines der Stifter von Diessen war Heinrich I. von Wolfratshausen.

    Er war Domkanoniker in Bamberg und in Regensburg. 1132 wurde er zum Nachfolger Bischof Konrads von Regensburg gewählt. Sicher hat sich der Domvogt von Regensburg Graf Friedrich von Bogen eingesetzt, der auch mit den Andechsern verwandt war.Das Domkapitel hat möglicherweise für Heinrich votiert, da seine Familie ja kirchlichen Reformkreisen nahestand. Auch der verstorbene Bischof Konrad hatte Verbindungen zu diesen Kreisen und schon als Siegburger Abt war er “als Säule des mönchischen Ideals” gewählt worden. Während seines Episkopats versuchte er, die Bildung des Klerus zu verbessern und förderte und unterstütze die Reformen in Klöstern seines Sprengels wie Mondsee oder Weltenburg.

    Die Wahl und der Beginn der Regierung des neuen Regensburger Oberhirten war von divergierenden politischen Interessen überschattet. Der Bayernherzog Heinrich X. der Stolze stritt mit dem Bogener Grafen um die Regensburger Domvogtei. Außerdem wollte er als Welfe mit Sicherheit keinen Bischof aus einem Haus, das den Staufern nahestand, ja sogar verwandtschaftlich mit ihnen verbunden war. So wollte er die ohne sein mitwirken zustande gekommene Wahl nicht anerkennen und versuchte die Erhebung des Wolfratshausener zum Bischof zu vereiteln. Heinrich wandte sich nun an seinen Metropoliten, den Salzburger Erzbischof Bischof

    Konrad. Dieser hatte schon vorher gezeigt, dass er auch nach dem Wormser Konkordat an den früheren Ansprüchen der Kirche in der Investiturfrage festhielt als er  1125 in Brixen Reinbert  unter klarer Verletzung des Konkordats zum Bischof weihte. Reinbert war um 1116 Abt von Sankt Peter in Salzburg und hatte sich als Verfechter der Hirsauer Reform die Gunst Konrads erworben. Der Salzburger Erzbischof weihte Heinrich zum Bischof, noch bevor dieser das “Zepterlehen”, also die weltliche Belehnung durch den König erhalten hatte, ein  Verstoss gegen das 1122 mühsam ausgehandelte Konkordat. Daraufhin rückte Heinrich X mit seinem Heer gegen Regensburg vor, eroberte die Burg Donaustauf und ließ die Umgebung der Bischofstadt verwüsten. Der Neffe des neuen Bischofs, Graf Otto V. von Wolfratshausen mischte sich auch ein. Als Herzog Heinrich am Jahresende Wolfratshausener Gebiet, durchzog wurde er von Otto überfallen. Dies nahm der Bayernherzog nicht ungesühnt hin. Ende Januar 1133 erschien er mit einem Heer im Inntal und brannte die Burg Amras nieder. Danach wurden die umliegenden Besitzungen des Grafen verwüstet. Dann zogen die Truppen des Herzog nach Wolfratshausen und begannen mit der Belagerung. Dann aber kam Bischof Heinrich mit einem Entsatzheer begleitet vom Markgrafen von Österreich, vom Grafen von Bogen und anderen Adligen. In letzter Minute vermittelte Pfalzgraf Otto von Wittelsbach einen Waffenstillstand zu vermitteln. Der Bogener verständigte sich mit Heinrich dem Stolzen und Otto von Wolfratshausen, der mit Justicia von Bayern, der Tochter Ottos von Wittelsbach verheiratet war, musste sich dem Herzog ergeben. Wenige Monate später belehnte Kaiser Lothar den Regensburger Bischof mit seinem Hochstift. Das öffnete auch den Weg zur Aussöhnung Bischof Heinrichs mit dem Bayernherzog. Umsonst war es nicht. Der Bischof musste die hochstiftische Grafschaft um Kitzbühl und Rattenberg dem Herzog Heinrich dem Stolzen zum Lehen geben. Auf Lothars 2. Italienzug war auch der Regensburger Bischof dabei. Im Jahr 1137 wurde Heinrich sogar vom Kaiser zum Erzkanzler für Italien ernannt.

    Auf der Rückkehr von diesem Italienzug starb Kaiser Lothar am 3.12. 1137 in Breittenwang bei Reutte in Tirol. Er hatte seinem Schwiegersohn Heinrich die Markgrafschaft Tuszien und das Herzogtum Sachsen verliehen. Vor allem hatte er ihm die Reichsinsignien übertragen, was durchaus als Designation zum König verstanden werden konnte. Doch der Staufer Konrad wurde von einer Minderheit  welfenfeindlicher Fürsten am 7. März 1138 in Koblenz in der Basilika St. Kastor zum König ausgerufen. Konrad war ein Enkel Heinrichs IV. und betonte die Kontinuität der salischen Herrschaft in  seiner Person. Aber ein gewichtiger Grund war sicher auch, dass Konrad über eine wesentlich schwächere Machtbasis als der Welfe Heinrich und Fürstenschaft und Kirche glaubten, Konrad besser unter Kontrolle halten zu können. Bischof Heinrich stellte sich auf die Seite des neuen Königs, was bei den verwandschaftlichen Bindungen der Staufer und des Hauses Andechs ja nicht verwunderlich war. Wenn immer Konrad in Regensburg war, war Heinrich in seiner Nähe zu finden. 1147 hatte Adam, der erste Abt von Ebrach in Regensburg zum Kreuzzug aufgerufen. Adam war mit Bernhard von Clairvaux befreundet und von diesem mit der Kreuzzugspredigt in Ostfranken und Bayern beauftragt worden.

    Auch Bischof Heinrich nahm das Kreuz und brach gemeinsam mit König Konrad zum Kreuzzug auf. Dieser endete allerdings in einer Katastrophe und Bischof Heinrich kehrte nur wenige Monate später aus Kleinasien zurück. Der Vorwurf der Treulosigkeit, ja auch des Verrats wurden gegen den Bischof erhoben. Er habe Konrad den Rat gegeben, den verhängnisvollen Weg durch die phrygische Wüste zu nehmen. Doch Konrad selbst nahm den Bischof gegen diese Verunglimpfungen in einem Brief an Papst Eugen III. in Schutz. Heinrich ging im Jahre 1150 nochmals als Wallfahrer ins Heilige Land um sein Kreuzzugsgelübde zu erfüllen. Im Juni 1151 kehrte er wieder aus Palästina zurück. Als Reichsfürst trat er nicht besonders in Erscheinung. Als geistlicher Leiter seines Bistums führte er die Reformen seines Vorgängers fort. Er unterstützte die Gründung von Klöster. Unter seiner Regierung entstanden unter anderem die Konvente von Rohr (1133), Reichenbach (1135 Kirchweihe durch Bischof Heinrich), Paring (1141) oder Biburg (1133). Auch mit dem Bau der Steinernen Brücke in Regensburg wurde während seiner Amtszeit begonnen.

    RegensburgSteinerne-Bruecke-und-DomBischof Heinrich verstarb im Mai 1155 und wurde in St. Emmeran in Regensburg begraben.

    Weniger gut ging es dem Neffen des Bischofs, dem Grafen Otto V. Ottos Burg in Wolfratshausen ging im Frühjahr in Flammen auf . Er selbst wurde gefangen genommen und in Ravensburg drei Jahre in Haft gehalten. Seine Frau Richenza ging zu ihrem Vater, dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach zurück. Erst 1136 vor dem 2. Italienzug Lothars kam es zur Versöhnung mit Herzog Heinrich dem Stolzen.

    Er begleitet ihn in dessen Gefolge nach Italien. Es ist nicht sicher, ob das ein echter Friedensschluss war. Wahrscheinlich schien es Herzog Heinrich ratsamer den alten Gegner in Gnaden aufzunehmen und so in seiner Nähe zu haben als ihn in der Heimat zurück zu lassen, während er in Italien weilte. am 10. November 1136 wurde er von einem Speer tödlich am Kopf getroffen. Otto hinterließ keine Kinder. so fiel sein Erbe an seinen Bruder, den Grafen  Heinrich II. Er scheint weitgehend

    der politischen Linie seines Onkels, des Regensburger Heinrichs gefolgt zu sein und wurde dadurch auch in dessen Auseinandersetzungen hineingezogen, so

    bei der Belagerung der Burg Valley, bei der die Belagerer eine empfindliche Niederlage kassierten oder bei der Empörung gegen Herzog Heinrich Jasomirgott.

    Auch in seinen Tegernseern Vogtsrechten wurde er in die Schranken gewiesen. Heinrich erkrankte schwer. Er machte fromme Stiftungen für sein Seelenheil

    Er starb am 2. Mai 1157 kinderlos. Die Wolfratshausener Linie der Grafen von  Diessen war mit Heinrich erloschen. Ihr Besitz fiel an die Andechser Linie.

     

            Die Grafen von Andechs

    Die Andechser Grafen hatten sich aus den kriegerischen Händel, die vor allem im Konkurrenzkampf zwischen Staufern und Welfen wurzelten herausgehalten.Ihr Stammbesitz lag natürlich um Diessen und die Burg Andechs. Aber auch in Franken waren sie begütert und die Anfänge einer zielstrebigen Territorialpolitik in Franken lassen sich ab etwa 1110 verfolgen.  Um Schweinfurt lebten die Grafen von Schweinfurt. Das waren mit die mächtigsten Territorialherren in Ostfranken.

    220px-Andechs-Wappen

    Um 955 wird Otto III. von Schweinfurt geboren. Er war von 1024-1031 Graf im Nordgau und loyaler Gefolgsmann des Saliers Heinrich III. Dieser ernannte 1047 zum Herzog von Schwaben. Er war mit Irmingard der Tochter des Markgrafen Ulrich Manfred von Turin aus der Familie der Arduine verheiratet. Er hatte mit Irmingard 5 Töchter. Die Älteste war mit dem Grafen Herrmann von Kastl verheiratet und nach dessen Tod um 1074 heiratete sie dessen Bruder Friedrich. Die jüngste Tochter Gisela war mit Arnold von Diessen verheiratet. Judith war in erster Ehe mit Herzog

    Konrad I. von Bayern verheiratet. Eine Tochter, Eilika, ging ins Kloster und wurde Äbtissin von Niedermünster in Regensburg und Beatrix war mit Heinrich II. von Hildrizhausen  im Schönbuch verheiratet. Als Otto 1057 starb wurde das Erbe unter die vier verheirateten Töchter und die Witwe aufgeteilt. An Gisela fielen die Güter um Kulmbach und die Plassenburg. Gisela und Arnold hatten zwei Söhne, nämlich Gebhard und Berthold II. Die beiden Söhne teilten sich das väterliche Erbe auf. Gebhard erhielt den Besitz am Inn und die Hallgrafschaft, Berthold den altbayrischen und fränkischen Besitz.

    In Oberfranken hatten die Bischöfe von Bamberg, vor allem Bischof I. (um 1060-1139)  im 12. Jahrhundert begonnen, ihr Hochstift mit einem Burgenkranz zu sichern. Vielleicht als Antwort auf diese Burgenpolitik hat auch Berthold begonnen, seine Besitzungen im Zweimaingebiet mit Burgen zu sichern. Spätestens zu Beginn der 30-er Jahre ist wohl die Plassenburg errichtet worden. Seit 1137 werden Berthold und seine Kinder immer wieder als Grafen von Plassenburg bezeichnet. Um dieselbe Zeit ist wohl Kulmbach zu Füssen der Plassenburg gegründet worden. Um 1174 taucht der Ort in den Quellen auf. Auch um Bayreuth hatte man um diese Zeit mit dem Landesausbau begonnen. Nicht nur um die fränkischen Besitzungen kümmerte sich Berthold. Er war auch häufig als Vogt von Benediktbeuren tätig und auch Dießen behielt er im  Auge. Gewicht scheint auch der Besitz in den östlichen Alpenländern gehabt zu haben. Eine enge Beziehung hatte Berthold zu dem 1074 wieder errichteten Kloster in der Steiermark, was nicht verwunderlich ist. Hatte doch Admont mit Abt Wolfhold (1115-1137) und Abt Gottfried (1138-1165), die beide als Mönche aus St. Georgen kamen und das Kloster Admont nach dem Vorbild von Hirsau-St. Georgen formte. Die “Admonter Reform” strahlte unter vielen anderen Klöstern auch auf Benediktbeuren aus. Graf Bertold übergab seine Tochter Kunigunde der geistlichen Gemeinschaft in Admont und beschenkte das Kloster. Auch Agnes, die Tochter Graf Ottos III. von Wolfratshausen erhielt in Admont ihre Erzziehung vor sie Äbtissin in Neuburg an der Donau wurde. Seit Beginn der 40-er Jahre hielt sich Berthold auffallend häufig am königlichen Hof Konrads auf. Er wird praktisch jedes Jahr als Zeuge in Königsurkunden genannt. Das mag damit zusammenhängen, dass seine Interessen nun mit den mit den weltlichen Interessen der Bischöfe von Bamberg kollidierten. Über verschlungene Erbwege waren weitere Teile aus der Hinterlassenschaft Ottos von Schweinfurt an die Grafen von Andechs gelangt. Ottos Witwe Irmingard hatte in 2. Ehe den Grafen Ekbert von Schweinfurt geheiratet. Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor, der Markgraf Ekbert II. von Meissen. Dieser blieb kinderlos. Dessen Witwe  Oda übertrug diesen Besitz an ihre Schwester Kunigunde von Beichlingen.Diese stattete ihre Tochter Mechthild mit diesen Gütern aus. Noch zu Lebzeiten der Mutter hatte deren Tochter Adela die Burgen Giech und Lichtenfels. Adela heiratete

    einen  Grafen Reginboto von Giech. Deren gemeinsame Tochter Kunizza wiederum heiratete  Grafen von Andechs-Plassenberg  Poppo I., den Sohn Bertholds II.Aus Bamberger Sicht stellte der erneute Gebietszuwachs der Andechser eine Bedrohung der weltlichen Herrschaft des Hochstifts dar, zumal die Andechser Besitzungen  sich nun die zwischen hochstiftischen Gütergruppen um Banz und Burg- bzw. Altenkunststadt schoben. außerdem konnte die wichtige Talstraße von Bamberg nach Kronach vom nun andechsischen Lichtenfels kontrolliert werden. Unter dem Bamberger Bischof Otto I. stellte dies noch kein Problem dar. Doch sein Nachfolger Bischof Egilbert (1139-1146) sah das anders. Wohl auf Betreiben des Bischofs wurde die Ehe zwischen Kunizza und Poppo wegen zu naher Verwandtschaft für ungültig erklärt. Kunizza übereignete ihre Erbschaft dem Hochstift und trat ins Kloster ein. Poppo nahm dies nicht so einfach hin, zumal aus der Ehe bereits ein Sohn, Heinrich, hervorgegangen war. Es kam zu einer längeren Fehde, die erst 1143 mit einem Schiedsvertrag beendet wurde. Zunächst schien es, dass der Vertrag ein Erfolg für das Hochstift war, doch bald zeigte sich, dass die Andechser die besseren Karten hatten. Dem Bischof waren die Befestigungen vor Burg Giech zugesprochen, dazu die Hälfte der Burg Lichtenfels sowie mehrere Güter im Maintal. Die übrigen Güter aus der Erbschaft sollten bei Poppo und dessen Sohn Heinrich sowie dem Bruder Poppos, Graf Berthold III. auf Lebenszeit verbleiben und nach deren Tod an das Hochstift Bamberg fallen. Für den Verzicht auf einen  Teil der Mitgift wurden die Andechser mit der Grafschaft im Radenzgau entschädigt. Der Radenzgau deckt sich im wesentlichen mit dem heutigen Regierungsbezirk Oberfranken ohne Bamberg. Aber Graf Poppo nahm ebenfalls das Kreuz. Vor seiner Abreise gab er seinen Sohn Heinrich ins Kloster Admont, damit er dort Mönch werde. Poppo starb nun 1148 bei Konstantinopel. Nun trat Graf Berthold III. das Erbe an. Von einem Verzicht war nicht mehr die Rede. Berthold verhandelte mit dem Nachfolger Bischof Egilberts, dem Bischof Eberhard II. von Otelingen (1146-1170) neu. In dem Giechburgvertrag von 1149 wurde festgelegt, dass der zukünftige Erstgeborene von Berthold in den Besitz des Giecher Erbes gelangen sollte.

    300px-GiechburgMit dem Giechburgvertrag hatte Berthold noch zu Lebzeiten  seines Vaters bewiesen, dass er auch er durchaus in der Lage war, den Besitz des Hauses zusammen zu halten. Auch dass er die Vogteien über die Klöster Langheim (1132 als Tochterkloster von Kloster Ebrach gegründet) und St. Getreu in Bamberg (1124 von Bischof Otto gestiftet) gewinnen konnte, belegt die wachsende Stärke der Andechser.

    Graf Berthold II. verstarb 1151. als 1157 die Wolfratshausener Linie ausstarb, war das Familiengut im westlichen Alpenvorland wieder in einer Hand vereint. Graf Berthold war in erster Ehe mit Sophie von Istrien, die als Mitgift Güter südöstlich der Alpen in das Haus Andechs eingebracht hatte, verheiratet. Nach dem Tod ihres Bruders, des Markgrafen Poppo III. von Istrien, 1141 konnte Berthold auch einen Großteil des Erbes in Krain, Kärnten und der Untersteiermark sichern.Als Sophie starb heiratete Berthold in 2. Ehe Kunigunde die Tochter des Grafen Ekbert II. von Formbach. Als die Familie von Formbach mit Kunigundes Bruder Ekbert III. ausstarb, erhob Berthold III. Ansprüche auf diesen Besitz. Die ostbayrischen Besitzungen der Formbacher bestanden zu einem großen Teil aus Reichslehen. Den Ausschlag zum Erwerb dieser Besitzungen dürfte die Nähe Bertholds zum Staufer Kaiser Friedrich I. gewesen sein. Er stand schon seit Jahren im Dienste Friedrichs. Nach dem Tod König Konrads hatte er an den Gesprächen teilgenommen, die die Bischöfe von Bamberg und Würzburg 1152 mit Friedrich von Schwaben, dem späteren Kaiser Friedrich wegen der Königswahl führte. Er scheint sich auch in den Jahren 1154-1158 ständig am Hofe Friedrichs aufgehalten zu haben. Auch sein Bruder Otto IV. dürfte zu den Mitarbeitern des Hofes gezählt haben. Otto war Kanoniker am Augsburger Dom und der Propstei St. Stephan in Bamberg. Daneben hatte er auch die Würde eines Propstes am Aachener Marienstift inne. Diese Würde war zumeist Mitgliedern der Hofgeistlichkeit vorbehalten. Otto wurde schließlich 1164 zum Nachfolger Bischofs Hartmann von Brixen (1140-1164) gewählt. Bischof Hartmann war von Konrad zunächst nach Salzburg berufen worden und dann auf Betreiben Konrads 1140 Bischof in Brixen. Er war schon in Salzburg als Leitfigur der gregorianischen Kirchen-und Klerusreform gesehen worden und hatte als eifriger Reformbischof in Brixen großes Ansehen genossen.

    Otto verdankte seinen Aufstieg sicher vor allem dem Einfluss des Kaisers, der das an einer der wichtigsten Alpenstraßen gelegene Bistum in sicheren Händen wissen wollte. Zur Zeit der Wahl Ottos herrscht in der Kirche Schisma. Seit der Wahl von 1159 gab es zwei Päpste und zwar Alexander III. und Viktor IV. Viktor IV. unterstützte Friedrich. Nur ein auf Seiten Viktors stehender Oberhirte hätte Otto zum Bischof weihen können. Er verzichtete deshalb nach der Belehnung durch den Kaiser auf die Weihe. Deshalb benötigte er in Brixen einen Hilfsbischof, der die geistlichen Funktionen für ihn ausüben konnte. Die weltlichen Funktionen aber nahm er energisch wahr. Wahrscheinlich im Einverständnis mit dem Kaiser belehnte er seinen Bruder Berthold mit Grafschaftsrechten im Inn- und Pustertal. Außerdem übertrug er ihm die Vogteien über das Hochstift sowie über das von Hartmann 1140 gegründete Kloster Neustift bei Brixen. Graf Berthold hatte nun die Kontrolle über den Weg nach Süden über das Eisacktal und den Brenner. Dieser Machtzuwachs veranlasste viele Angehörige freier Familien als ministeriale in Andechser Dienste zu treten, wie zum Beispiel die Herren von Freundsburg und Rotenburg im Inntal, im Wipptal die Familien von Matrei und Stubai, südlich von Brixen die Herren von Säben, Villanders und Gufidaun.

    Otto verzichtete 1170 aus uns unbekannten Gründen auf das Hochstift Brixen. Er wurde dann allerdings 1177 zum Nachfolger des verstorbenen Bischofs Hermann II. zum Bischof von Bamberg gewählt. Trotz des Rücktritts Ottos blieben die Rechte, die Graf Berthold durch seinen Bruder dazugewonnen hatte, bei seinem Haus. Er gründete in der Nähe von Amras, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum der Andechser im Inntal einen Markt. Von den Prämonstratenser in Wilten erwarb er Grund zu seinem auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses gelegen Gebiet und ließ beide Plätze durch eine Brücke verbinden. Dieser Handelsplatz der nach der Innbrücke benannt wurde, erlangte bald  große Bedeutung.

    2001

    1040 war Istrien von Heinrich III. in eine Markgrafschaft des Heiligen Römischen Reiches umgewandelt. Zuletzt hatten sie die Spanheimer inne. Engelbert III. war mit Mathilde von Sulzbach, der Tochter Berengars von Sulzbach und Adelheids von Diessen verheiratet. Engelbert verstarb 1173 ohne Nachkommen. Daraufhin vergab Friedrich Barbarossa die Markgrafenschaft an Berthold III. Das bedeutete keinen Machtzuwachs für die Andechser, da sie in Istrien nicht begütert waren und es auch nicht wurden. Auch hatte Berthold markgräfliche Rechte dort nicht ausgeübt. Aber die Andecher waren nun im Kreis der Reichsfürsten angekommen. Der Reichfürstenstand hatte im 12. Jahrhundert als eine neue, sowohl gesellschaftlich als auch verfassungsrechtlich bedeutsame Gruppe herausgebildet. Friedrich Barbarossa hatte die territorialen Herrschaften neu zugeschnitten. An die Stelle der mächtigen Stammesherzogtümer traten kleinere territoriale Herrschaften, die durch das Reichslehnsrecht stärker vom König abhängig waren. Die Konsequenz war, dass die mächtigsten Fürsten herabgedrückt, die weniger mächtigen aufgewertet wurden. Wichtig war vor allem, dass dieser neue Reichsfürstenstand nach unten abgeschlossen war. Grafen zählten bis auf individuelle Ausnahmen nicht dazu. Nur wer vom König formell aufgenommen wurde, gehörte künftig zu diesem Kreis. Einen weiteren Beleg dafür, dass die Andechser im Hochadel angekommen waren lieferte die Erhebung von Bertholds Sohn, Berthold IV. zum Herzog Meranien von Ende 1180.

    Das Herzogtum Meranien entstand  auch aus der Bildung einer kleineren Territorialherrschaft.  Konrad III. hatte den Welfen Heinrich den Stolzen entmachtete, ihn mit Acht und Bann belegt. Sein Nachfolger Friedrich suchte den Ausgleich mit den mit ihm verschwägerten Welfen. Heinrich der Löwe erhielt Teile des vormaligen Herzogtum Baierns als Lehen zurück. 1153 wurde dann ein Wittelsbacher, nämlich Konrad II. von Scheyern-Dachau zum Herzog von Meranien erhoben. Meranien, also am Meer gelegen, war ein kleiner Landstrich am Quarnero-Golf, den 1063 Ulrich von Weimar-Orlamünde Kroatien entrissen hatte. Ulrich war der Großvater von Sophie, die mit dem Grafen Berthold II. von Andechs verheiratet war.Konrad II. nannte sich aber meist Herzog von Dachau. so konnte dieser Titel des Herzogs von Meranien an den Markgrafen von Istrien neu vergeben werden. Anlas für diese Standeserhöhung war wohl die Vergabe des Herzogtum Bayerns an den Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach. Es scheint, dass dies bei einem Teil des bayrischen Adels auf Widerspruch stieß, so stark dass Grafen und andere hohe Herren den Wittelsbacher nicht als ihren neuen Herrn anerkennen wollten. So war mit der Verleihung des Titels eines Herzogs von Meranien  an das Haus Andechs sichergestellt, dass dieses auch in Zukunft den gleichen Rang einnehmen würde wie das Wittelsbacher Geschlecht. Berthold IV. war seit der Standeserhöhung zwar höheren Ranges als sein Vater. doch vertrat dieser weiter die Belange des Hauses.  Berthold IV. scheint bereits zu Lebzeiten seines Vaters die Verwaltung der Andechser Besitzungen an Donau und Inn übertragen bekommen zu haben.  1186 begleitete er König Heinrich VI., den Sohn Barbarossas nach Italien. Er scheint sich auch oft bei seinem Onkel Otto in Bamberg aufgehalten zu haben. Nach seinem Verzicht auf das Brixener Hochstift 1170 wurde er 1174 Dompropst in Bamberg. Nach dem Tod Bischof Heinrichs II. 1177 wurde er zu dessen Nachfolger in Bamberg gewählt. Wohl Anfang 1178 war er von Friedrich I. mit dem Hochstift belehnt worden. Da Papst Alexander III. mittlerweile mit dem Kaiser Frieden geschlossen hatte, stand einer Weihe zum Bischof während des 3. Laterankonzils im März 1179 nichts mehr im Wege. Als geistlicher Fürst nahm er mindestens einmal im Jahr, oft auch häufiger an Beratungen am kaiserlichen Hof teil. Außerdem scheint er auch eine wichtige Rolle in den Beziehungen des Kaisers zu den italienischen Kommunen und insbesondere zur Kurie eine Rolle gespielt zu haben. Vielleicht nahm er auch deshalb an der Kaiserkrönung Heinrichs VI. 1191 in Rom teil. 1185 brannte der Georgsdom in Bamberg ab. Er wurde abgerissen und erst 1215 mit der Neuerrichtung durch Bischof Ekbert von Andechs 1215 neu errichtet.

    Bischof Otto, der in den Bamberger Bischofslisten als Otto II. geführt wird trug aber auch Sorge für sein Bistum. Burgen seines Hochstifts wurden nicht als Lehen weitergegeben und seiner Kirche entfremdet. Große Verdienste erwarb er sich um die Kolonisation und Kultivierung des Frankenwaldes. Er wies den Klöstern Langheim (1132 von Bischof Otto I. gegründet), Prüfening (1119 von Bischof Otto I. gegründet) und Ensdorf (1121 durch Otto I. gegründet) Waldgebiete mit der Auflage zu, diese zu roden und dort Kirchen zu errichten. Außerdem erreichte er 1189 die Heiligsprechung seines Vorgängers und 1139 verstorbenen Bischof Otto I.  1190 wurde auf seinen Entschluss das Spital am Pyhrn gegründet und einer Laienbruderschaft übergeben. 1196 war Otto noch auf dem Reichstag in Würzburg dabei, als Heinrich VI.  die Reichsfürsten für seinen Plan, das römische Reich in eine erbliche Monarchie umzuwandeln zu gewinnen suchte. Otto gab seine Zustimmung.

    Kurze Zeit nach dem Reichstag verstarb er  und wurde im wohl nur notdürftig hergestellten Dom begraben.

    Herzog Berthold IV. war wie sein Vater und Onkel der staufischen Sache eng verbunden. Er trat im Heer Friedrich Barbarossas 1189 von Regensburg aus den Kreuzzug an, bei dem der Kaiser 1190 im Saleph ertrank. Die meisten Kreuzfahrer traten nun den Heimweg an. Nur ein kleiner Rest unter ihnen Herzog Berthold setzten den Zug fort. Er scheint bis 1191 im Heiligen Land geblieben zu sein und dann auf dem Seeweg nach Europa zurückgekehrt zu sein. Über die Jahre nach dem Kreuzzug sind wir nicht besonders gut unterrichtet. Er erschien aber häufig auf den Reichstagen. Als nach dem Tod Heinrichs VI. wieder zwei Könige Philipp von Schwaben, der Bruder des Verstorbenen und Otto IV. ,der Sohn Heinrich des Löwen, um die Macht in Deutschland kämpften findet man Berthold wieder auf der Seite der Staufer.

    Das Ansehen des Hauses Andechs war nie größer als unter Bertold. Das zeigt sich auch in Heiratsperspektiven der Töchter. Früher wurden die Frauen der Andechser meistens mit deutschen Grafen verheiratet. Jetzt konnten die Töchter an ausländische Höfe verheiratet werden. Alle Töchter Bertholds IV. entstammten seiner zweiten Ehe mit Agnes von Rochlitz aus dem Hause Wettin. Die Wettiner hatten zu diesem Zeitpunkt schon die Markgrafenwürde in Meißen inne. Hedwig (1174-1243) wurde im Benediktinerinnenkloster in Kitzingen erzogen. Ihre Schwester Mechthild wurde dort späte Äbtissin. Mit 12 wurde sie mit dem schlesischen Piastenfürsten Heinrich verheiratet (um 1165- 1238). Heinrich war Herzog von Schlesien und wurde 1233 auch Herzog von Polen.Hedwig wurde Herzogin von Schlesien. Aus der ehe gingen sieben Kinder hervor. Die Geburtenfolge von Agnes und Hedwig ist nicht ganz sicher.  Agnes wurde entweder 1172 geboren, dann wäre sie die erste Tochter oder 1175, dann wäre sie nach Hedwig geboren. Agnes wurde 1196 mit König Philipp II. von Frankreich verheiratet. Dieser hatte sich  allerdings am 14. August 1193 mit Ingeborg, der Schwester König Knuds IV. von Dänemark verheiratet, nachdem seine erste Gemahlin,Isabella 1190 gestorben war.

    Schon gleich nach der Krönung am nächsten Tag soll Philipp eine offene Abneigung gegen seine neue Gemahlin gezeigt haben. Kurz nach der Hochzeit verstieß er sie und betrieb ein Scheidungsverfahren. Im November hob Erzbischof Wilhelm von Reims den Ehebund mit fadenscheinigen Gründen auf. Ingeborg wurde in ein Kloster abgeschoben. Zwar hatte sich der König scheiden lassen, aber die Kurie hatte dem von französischen Prälaten ausgesprochenen Scheidungsurteil nicht zugestimmt. Die meisten Zeitgenossen beurteilten die neue Verbindung des Königs ziemlich negativ. Die Andechserin wurde als Ehebrecherin, Beischläferin abqualifiziert. 1198 bestieg Papst Innozenz III.den Stuhl Petri.Er zwang Philipp sogar 1200 sich von Agnes zu trennen, obwohl beide schon eine Tochter hatten. Er musste sich einem päpstlichen Tribunal für Eheangelegenheiten unterwerfen. Als das Gericht im Frühjahr 1201 zusammentrat. Als sich andeutete dass ein Urteil zugunsten von Ingeborg zu erwarten war, verließ Philipp kurzerhand die Versammlung , noch ehe die nach Frankreich entsandten Kardinallegaten verkündet hatten. Agnes verstarb 1201 nach der Geburt ihres Sohnes Philipps. Damit hatte die Auseinandersetzung Philipps mit der Kurie ein Ende. Aus der Beziehung waren zwei Kinder hervorgegangen, nämlich der erwähnte Philipp “Hurepel”(+ 1234), der nachmalige Graf von Boulogne und Namur sowie zuerst Maria (+ 1223), die zunächst Philipp, Markgraf von Namur und nach dessen Tod 1212 zwei Jahre später Herzog Heinrich I. von Brabant (+ 1235) heiratete. 1201 rückte die Kirche von ihrer harten Haltung ab. Der Papst fertigte eine Bulle aus in der die Kinder “speciali gratia” legitimierte. In der Bulle wird dem König zugestanden, dass er davon ausgegangen sei, dass zwischen ihm und Agnes ein rechtmässiges vinculum conjugale bestanden habe.   Der französische König ließ Agnes in Saint-Corentin bei Mantes honorifice, also in allen Ehren bestatten. Den dort bestehenden Damenkonvent baute er zu einer stattlichen Abtei aus. 1213 setzte er Ingeborg wieder pro forma in ihre Rechte als Königin ein.

    Um 1185 wurde Gertrud geboren. Sie heiratete vor 1203 den Sohn des ungarischen Königs Bela III. (um 1148 bis 1196) Andreas (um 1177-1235). Sein Bruder Emmerich verdächtigte ihn, wohl nicht zu Unrecht die ungarische Königswürde zu usurpieren.220px-Andreas_Getrude_Ungarn

     

    Schon 1197 hatte er sich  gegen seinen Bruder erhoben und ihm mit Waffengewalt die Abtretung Kroatiens, Dalmatiens und Slawoniens abgetrotzt. Diese Gebiete hatte Bela erst wieder für das Arpadenreich zurückgewonnen. 1203 setzte er Andreas in Gran fest.

    Seinen Sohn Ladislaus, der sich noch im Kleinkindesalter befand, hatte er zum Mitkönig eingesetzt und damit seinem Bruder die Nachfolge versperrt. Die Gemahlin von Andreas, Gertrud entledigte er ihrer Güter und schickte sie nach Deutschland zurück.

    Warum es zu dieser andechsisch-arpadischen Eheverbindung gekommen war, lässt sich nur vermuten. Sicher hatte der Vater Gertruds, Herzog Bertold IV., ein strategisches Interesse, familiäre Beziehungen zu Geschlechter zu gründen, deren Herrschaftsgebiete

    im Umkreis des eigenen Reichslehen an der oberen Adria lagen. Aber sicher hatte auch Andreas seine Gründe, Rückhalt bei den Staufern im Thronstreit mit seinem Bruder zu suchen. Im deutschen Thronstreit, der nach dem überraschenden Tod Heinrichs VII. 1197

    war Papst Innozenz III. als Schiedsrichter aufgetreten und hatte den Welfen Otto IV. , den Sohn Heinrichs des Löwen unterstützt, nachdem dieser im “Neußer Eid” am 8. Juni 1201 die päpstlichen Gebietsforderungen in Sizilien und Mittelitalien anerkannt hatte.

    Auf Bitten des Papstes hatte Emmerich den Welfen mit einem Truppenkontingent unterstützt. Dieser Gegensatz könnte auch die harsche Behandlung Gertruds durch Emmerich erklären. Die Lage für  Andreas wendete sich allerdings schnell. Emmerich hatte seinen

    Bruder aus der Haft entlassen und starb kurz danach 1204. Emmerichs Witwe floh kurz nach Emmerichs Tod mit i9hrem Sohn Ladislaus an den babenbergischen Hof in Österreich. Als der Thronfolger 1205 im Exil starb, war der Weg für Andreas endgültig frei. Seine

    Gattin Gertrud hatte er bereits wieder aus Deutschland zurückgeholt. Gertrud hatte einen großen Einfluss im Königreich Ungarn. Sie begünstigte ihre Landsleute in Ungarn stark, was ihr die Feindschaft der ungarischen Adelsopposition einbrachte. Der

    herausragende Protégé war ihr Bruder Berthold V. (um 1180-1251). Auf ihr Betreiben wurde Berthold zum Erzbischof von Kalocza erwählt. Auch sein Schwager begünstigte ihn weiter. Er wurde 1209 zum Banus von Dalmatien und Kroatien ernannt, was etwa einem

    Markgrafen entsprach. 1212 wurde er Vojvode von Siebenbürgen, das entspricht etwa einem Herzog. Kurz danach erhielt er noch die Bács und Bodrog verliehen. Diese Bevorzugung scheint die Ungarn besonders verärgert zu haben. 1213 befand sich Andreas auf

    einem Feldzug in Halitsch in Galizien. Die Adligen nutzten die Abwesenheit des Königs, überfielen das Gefolge Gertruds. Die meisten der fremden Adligen wurden erschlagen, die Königin regelrecht zerstückelt. Nach seiner Rückkehr nahm Andreas blutig Rache und

    ließ zahlreiche Verschwörer ebenfalls zerstückeln. Bertold geriet in Gefangenschaft, konnte aber entfliehen. Sein Aufstieg war kurzzeitig unterbrochen. Papst Honorius III. (1216-1227) ernannte ihn 1218 zum Patriarchen von Aquileja. Bis zu seinem Tod 1251 war er

    dort als erfolgreicher Kirchenfürst tätig. Er stärkte die landesherrliche Stellung des Patriarchats in Friaul erheblich. Andreas blieb nicht lange Witwer. Er heiratete 1215 Jolanthe von Courtenay. Aus der Ehe mit Gertrud waren 5 Kinder hervorgegangen, nämlich Maria

    (1204-1237), die mit dem Zaren von Bulgarien Iwan Asen verheiratet war, dann Bela IV. 1206-1270, der 1235 König von Ungarn wurde, Elisabeth (1207-1237), die schon mit 4 Jahren dem Landgrafen von Thüringen versprochen wurde und an dessen Hof kam. 1221

    heiratete sie den Landgrafen Ludwig, der aber schon 1227 auf dem 5. Kreuzzug an einer Seuche starb. Elisabeth wurde schon 1235 heilig gesprochen. Auf Elisabeth folgten noch zwei Söhne, nämlich Koloman (1208-1241), der Fürst von Halitsch wurde und Andreas,

    der 1234 verstarb, Fürst von Halitsch-Prezmysl wurde und 1221 Maria von Nowgorod heiratete.  Die beiden Andechserinnen also zu mindestens kein glückliches Ende. Agnes starb in einem  Kloster an gebrochenem herzen und Gertrud wurde ermordet. Die vierte

    der Schwestern Mechthild starb 1254 als Äbtissin von Kitzingen. Die männlichen Nachkommen Bertholds wurden zwei Geistliche, nämlich Berthold  V., der schließlich Patriarch von Aquileja wurde und Ekbert, der von 1203-1237 Bischof von Bamberg war.

    Die beiden im weltlichen Stand verbliebenen Söhne teilten sich das Erbe Bertholds IV. Otto VII. (1204-1234) folgte seinem Vater in der Herzogswürde nach. Er erbte den ausgedehnten fränkischen Besitz sowie die Grafschaft Windberg aus dem Formbacher Erbe.

    Heinrich IV.(um 1175-1228) übernahm den Markgrafentitel. Er erbte die altbayrische Hinterlassenschaft sowie die Familiengüter in den Alpen.

                                      Der Königsmord von Bamberg

    Höhepunkt der Andechser Familiengeschichte sollte die Ehe zwischen Otto VII. Beatrix von Burgund werden. Sie war die Tochter des vierten Sohns von Barbarossa Pfalzgraf Otto (1170-1200)und Nichte Philipps von Schwaben. Eine langjährige treue Gefolgschaft

    sollte nun mit einer Eheverbindung der Staufer und Andechser abgeschlossen werden. Aber auch die ungeregelten Machtverhältnisse in der Grafschaft Burgund sollten neu geregelt werden. Philipp beabsichtigte, die Grafenrechte und den staufischen Besitz in

    Burgund an Otto zu übertragen und diesen Besitz durch die Vermählung familienpolitisch und erbrechtlich abzusichern. Am 21. Juli 1208 nun versammelte sich der staufertreue Adel in der Residenz des Bischofs von Bamberg, Ottos Bruder um zusammen mit dem

    König zu feiern. Da ermordete Pfalzgraf Otto von Wittelsbach den König, wohl eine Privatrache. Philipp soll1203 seine 5 – jährige Tochter Beatrix mit Otto verlobt haben. 1208 aber dachte Philipp gar nicht daran, dem Wittelsbacher eine seiner Töchter zur Frau zu

    geben. Das Verlöbnis wurde annulliert. Otto fühlte sich persönlich gekränkt und ermordete Philipp in Bamberg.  Ekbert und Heinrich gerieten in den Verdacht der Mitwisserschaft und wurden ebenso wie der Mörder in Acht und Bann getan.

    Reichsmarschall Heinrich von Kalden stellte den Vogelfreien bei Kelheim und tötete ihn.

    Der Vetter des Mörders Ludwig I. von Baiern (1183-1231) wechselte ohne Bedenken die Seiten und stellte sich auf die Seite des Welfen Gegenkönigs Otto IV. So rettete er den wittelsbachischen Familienbesitz und außerdem brachte er auch die Lehen und  den

    Andechser Familienbesitz in Oberbayern an sich. Es ist durchaus denkbar, dass er bei der Verhängung der Acht über die Andechser seine Hände im Spiel hatte.

    Otto geriet nie in den Verdacht der Mitwisserschaft und durfte auf seinen Gebieten verbleiben. Ekbert und Heinrich aber verloren ihren ganzen Besitz, alle Rechte und Einkünfte. Sie waren recht und friedlos

    Die politische Großwetterlage änderte sich wieder.  Die Stauferpartei wollte Friedrich mit Unterstützung Papsts Innozenz gegen Otto IV.  zum König machen. Dafür brauchte der Papst Unterstützung. So konnte Ekbert 1211 auf den Bischofstuhl in Bamberg

    zurückkehren. Mit Heinrich gelang schließlich auch ein Ausgleich mit dem Baiernherzog. Er kostete zwar Bamberger Güter, aber der Markgrafentitel sowie Besitz um Wolfratshausen, Diessen und Starnberg, sowie die Vogteien über die Klöster Benediktbeuren und

    Tegernsee gingen an die Andechser zurück.

    170px-Ekbert

                                                                                

    Heinrich wurde 1228 rehabilitiert. Er verstarb  aber im selben Jahr kinderlos. Seine Güter fielen an seinen Bruder Otto VII. Herzog Otto VII. hatte aus seiner Ehe mit Beatrix einen Sohn Otto VIII. und 5 Töchter,

    nämlich Agnes, Beatrix, Margarethe, Alice und Elisabeth. Der Sohn ist 21226 bezeugt. 1234 erbt er das Herzogtum Meranien und die Pfalzgrafschaft Burgund. Im selben Jahr heiratete er Elisabeth von Tirol, die Tochter des Grafen Adelbert III. von Tirol.

    Zu Beginn seiner Herrschaft stand er unter der Vormundschaft seines Onkels des Bischofs Ekbert von Bamberg. Der 1237 verstarb. Aber auch Otto verstarb 1248 kinderlos, so dass das Haus Andechs-Meranien ausgestorben war. Das Erbe wurde unter die 5 Schwestern

    Ottos VII. aufgeteilt.

     

                      Die Heiligen des Hauses Andechs

     

    Neben den eher sagenhaften Heiligen aus der Frühgeschichte der Andechser hat die Familie auch zwei historisch belegte, kanonisierte Heilige, nämlich die heilige Hedwig und die heilige Elisabeth.

    Wie wir oben gesehen haben, lebte Hedwig in der Glanzzeit der Andechser Familie. Sie wurde wahrscheinlich 1174 geboren. Zunächst wurde sie ins Benediktinerinnenkloster in Kitzingen zur Erziehung gegeben, wo ihre Schwester später Äbtissin wurde.

    Hedwig_von_Schlesien

    Schon mit zwölf wurde sie1186 an den Piastenfürsten Heinrich verheiratet. Der Ehe entstammten 7 Kinder, nur drei ihrer Kinder erreichten das Erwachsenalter. Bolko von Schlesien, ist zwischen 1190 und 1194 geboren. Konrad von Schlesien ist 1191 geboren und kam

    bei einem Jagdunfall ums Leben. Heinrich II. kam 1196 auf die Welt und fiel 1241 in der Mongolenschlacht bei Liegnitz. Sophia ist zwischen 1188 und 1190 geboren und Agnes um 1190. Gertrud war mit dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach verlobt, dem wir schon

    beim Bamberger Königsmord begegnet sind. Nach Ottos Tod wird Gertrud später Äbtissin von Trebnitz.

    1201 verstarb Boleslaw der Lange (1127-1201) , der Vater Heinrichs. Hedwigs Gatte trat nun die Nachfolge an. Aber auch die Ehefrau trat sofort in Erscheinung. Sie nahm mit Eifer an den Regierungsgeschäften teil. Das erste Werk des jungen Herzogpaars war die

    Gründung des Frauenklosters Trebnitz. Schon 1202 stellte der Papst die Schutzurkunde aus. Natürlich unterzeichnete Heinrich dem damaligen Recht entsprechend die Urkunden, aber nicht nur die Legende besagt, dass Hedwig die eigentliche Gründerin des Klosters

    war. Hedwig soll ihren Brautschatz zur Gründung des Klosters gestiftet haben. Das Kloster wurde den Zisterienserinnen übertragen. Als Äbtissin berief Hedwig Petrissa, ihre ehemalige Lehrerin aus Kitzingen. Auch bei der Besiedelung des Klosters wurden familiäre

    Bindungen wirksam. Die Zisterzienserinnen kamen vom Karmeliterkloster St. Theodor in Bamberg, wo Hedwigs Bruder Ekbert Bischof, und Hedwigs Onkel Poppo Dompropst waren. Im Kloster wurden sowohl adlige als auch nichtadlige Frauen aufgenommen, in

    damaliger Zeit keineswegs selbstverständlich. Deutsche wurden ebenso wie Slawinnen aufgenommen. Die Nonnen waren als Lehrerinnen zahlloser Klostertöchter tätig und mussten auch die Bevölkerung ärztlich betreuen. Trebnitz war das erste Frauenkloster im

    östlichen Raum und von hier aus erfolgten zahlreiche weitere erfolgreiche Klostergründungen. Das Herzogspaar stiftete nun viele weiter Kirchen und Klöster. Unter Boleslaw war die Ansiedlung von Deutschen noch eher sporadisch erfolgt. Unter Heinrich und

    Hedwig wurde sie durchdacht und in geordnete Bahnen gelenkt. Hedwig war eine fürsorgliche Landesmutter für alle, für neuangesiedelte Deutsche, für die ansässigen Slawen und die polnischen Hofleute ihres Mannes. Der schlesische Hof galt bald als beispielhaft

    in Sitte und Frömmigkeit. Prunk und Überfluss am Hof wurden vermieden. Hedwig war bei ihren Untertanen beliebt wie selten eine Herrscherin. Sie galt als Mutter der Armen. 1209 legte sie zusammen mit ihrem Mann das Gelöbnis der ehelichen Enthaltsamkeit ab.

    Ihr gesamtes Leben erschien nun als Wende zur Geistigkeit. Sie verschenkte ihre kostbaren Gewänder, verzichtet auf Schmuck. Die Legende berichtet, dass sie sich wie eine Arme kleidete und auch im strengen Winter keine Schuhe trug. Sie fastete und kasteite sich.

    Sie verbrachte viele Stunden im Gebet. Sie lebte noch mehr für die Armen und Kranken. Sie hatte schwere Schicksalsschläge zu ertragen. Sie hatte zwei Kinder verloren, ein Neugeborenes dessen Taufe noch mit großem Pomp in Glogau gefeiert worden war. Dann

    starb ein erwachsener Sohn bei einem Jagdunfall und wie das Chronicon silesiacum berichtet nach einem Streit mit dem Bruder. Schwer getroffen haben sie sicher die Vorgänge in Bamberg. Der Verlobte ihrer Tochter war zum Königsmörder geworden und selbst

    getötet worden und schlimmer war für sie sicher, dass ihre Brüder der Mitwisserschaft geziehen und geächtet wurden. Kurz danach ist ja wohl auch die Burg ihrer Eltern zerstört worden. Sicher hatte aber auch die Ideen  der Franziskaner, das neue Armutsideal einen

    starken Einfluss. Hedwigs Beichtvater Herbord war Franziskaner. 1238 schließlich starb Heinrich. 1241 bedrohten die Mongolen Europa. Hedwigs Sohn stellte sich ihnen in Wahlstatt bei Liegnitz und fiel in der Schlacht. Hedwig und ihr Konvent entkamen, weil sie sich

    in Krossen an der Oder in Sicherheit bringen konnten. Hedwig starb am 15. Oktober 1243 in Trebnitz. Schon 1267 wurde sie von Papst Klemens IV. heiliggesprochen. sie ist die Patronin Schlesiens und Polens.

    Hedwig_von_Schlesien2

    Die heilige Elisabeth von Thüringen war die Tochter Gertruds von Andechs und Andreas von Ungarn.Sie wurde am 7. Juli 1207 wahrscheinlich in Sáraspotak in Ungarn geboren. Als Kleinkind ist Elisabeth wohl bald nach ihrer Geburt  an eine Amme gegeben  worden,

    wie das damals an  Fürstenhöfen üblich war. Schon mit 4 Jahren wurde sie verlobt. Eine thüringisch-ungarische Eheverbindung wurde angestrebt. Natürlich verbanden sich damit politische Interessen. So hofften die staufisch gesinnten Reichsfürsten den

    leben_sarospatak ungarischen König als Bundesgenossen gegen den welfischen Kaiser Otto IV. zu gewinnen. Zu diesen staufischen Parteigängern zählte der Mainzer Erzbischof Siegfried, König Ottokar I. von Böhmen, Herzog Leopold VI. von Österreich

    und Landgraf Hermann I. von Thüringen. In dieser Zeit hielten  Bischof Ekbert von Bamberg und Herzog Heinrich IV. von Istrien wegen des Bamberger  als Königmords am ungarischen Hof als Flüchtlinge auf. Sie könnten am Zustandekommen des Heiratsvertrags

    beteiligt gewesen sein. Belege gibt es dafür jedoch nicht. Profitiert hätten sie aber auf jeden Fall. Als Mitgift erhielt die ungarische Königstochter 1000 Mark Silber. Das ist ein ansehnlicher Betrag, aber durchaus nicht unüblich. Elisabeth wird von einem Grafen

    Berthold und seiner Frau an den thüringischen Hof gebracht. Die beiden blieben über ein Jahr in Thüringen, bis sich das Kind in seine Umgebung eingewöhnt hatte. Elisabeth wurde in Thüringen zusammen mit den kindern des Landgrafen erzogen. Die Erziehung war

    der Landgräfin Sophie, einer Tochter des Herzog Otto I. von Baiern, anvertraut. Sie galt als fromm. Der Hof des Landgrafen stand damals in hoher kultureller Blüte. Dichter und Sänger fanden dort gastliche Aufnahme. Die Wartburg wurde unter Hermann der Hauptsitz

    der Ludowinger. Dort soll 1206 auch der Sängerkrieg stattgefunden haben, an dem Walter von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach teilnahmen. Hermann war am französischen Hof erzogen worden und mit zeitgenössischer französischer Literatur vertraut.

    Er förderte deren deutsche Neubearbeitung. so sollen am, Landgrafenhof der Eneasroman von Heinrich von Veldeke, Wolframs Willehalm vielleicht auch Teile von Parzival, sowie Herborts von Fritzlars Liet von Troye.

    Nach fränkischem Recht war Elisabeth mit 14 heiratsfähig. Sie wurde mit dem Landgrafen Ludwig vermählt. Ludwigs Bruder Hermann, mit dem die Heirat geplant war verstarb aber schon 1216 noch vor seinem Vater dem Landgrafen Herrmann I. Dieser starb 1217 und

    nun trat Ludwig seine Nachfolge an. Eigentlich sollte Elisabeth nach Ungarn zurückgeschickt werden. Ludwig aber verliebte sich in Elisabeth und heiratete sie 1221, nachdem sie volljährig geworden war.Kurz nach der Eheschließung übernahm der junge Landgraf auch

    die Vormundschaft über seinen Wettiner Neffen Heinrich den Erlauchten ( um 1215-1288), dem Sohn seiner Schwester Jutta. Ludwig und Elisabeth bekamen in rascher Folge 3 Kinder. Hermann benannt nach seinem Großvater väterlicherseits kam 1222

    wie schon sein Vater Ludwig auf der Creuzburg an der Werra auf die Welt. Er heiratete 1239 Helene von Braunschweig. Er starb noch jünger als sein Vater, nämlich schon mit 19 kinderlos. Bei einem so frühen Tod gab es auch Vergiftungsgerüchte, die aber

    nie bewiesen wurden. 1224 kam Sophie zur Welt. Sie heiratete später im Jahre 1239 Heinrich den II. von Brabant, nachdem dessen erste Frau Maria von Schwaben verstorben war. Heinrichs Tochter aus 1. Ehe Beatrix war übrigens die Gemahlin von Heinrich Raspe,

    dem Onkel seiner 2. Frau Sophie. Mit ihr bekam Heinrich noch zwei Kinder,1243 Elisabeth  (+ 1261), die 1243 Herzog Albrecht I. von Braunschweig-Lüneburg heiratete und1244 den späteren Landgrafen Heinrich I. von Essen genannt das Kind. So wurde sie zur

    Stammutter der späteren Landgrafen von Hessen. Ludwig war schon tot, als die dritte Tochter Gertrud geboren wurde. Sie kam in das Prämonstratenserstift Altenberg bei Wetzlar. Dort wurde sie 1248 Äbtissin, was sie bis zu ihrem Tod 1297 blieb.

    Landgraf Ludwig begann seine Regentschaft gleich mit einem Feldzug gegen die Verbündeten des Erzbischof Siegfried von Mainz. Mainz und Thüringen waren die beiden konkurrierenden Territorialmächte in Thüringen und Hessen. Im Verlauf des Kriegszugs wurde

    er von Siegfried mit dem Kirchenbann belegt. Zwar vermittelten die Äbte Kuno von Fulda und Ludwig  Hersfeld 1219 einen Frieden, doch der Konflikt brach im folgenden Jahr schon wieder aus. Der Markgraf kam dann wohl zu der Einsicht, dass der Mainzer Erzbischof

    mit seinen territorialpolitischen Vorstellungen  einer Ausdehnung der thüringischen Herrschaft im Westen  im Wege stehen würde. Also vermied Ludwig künftig Auseinandersetzungen mit dem Erzbistum. Dieser Entschluss dürfte ihm auch durch die Übertragung

    der Vormundschaft für seinen Neffen Heinrich erleichtert worden sein. Nun suchte Heinrich seine politischen  Ziele vorwiegend im mitteldeutschen Raum zu verwirklichen. Als treuer Anhänger Friedrichs II. scheint er sogar ausersehen gewesen zu sein, zusammen

    mit dem Deutschen Orden das heidnische Preußen zu erobern.

    Wie damals üblich wurde bei der Heirat die Witwenversorgung der Frau geregelt. Zu ihrer Mitgift in Höhe von 1000 Mark Silber erhielt sie vom Landgrafen einen Betrag in gleicher Höhe. Diese Summe durfte nicht veräußert werden, sozusagen “mündelsicher”

    angelegt werden mussten, wurden ihr  anlässlich der Hochzeit Liegenschaften überschrieben, die ihr im Falle einer Witwenschaft ein standesgemäßes Leben ermöglicht hätte. Die Ehe scheint glücklich gewesen zu sein. Elisabeths Leben unterschied sich von dem

    anderer Landesherrinnen durch ihre Frömmigkeit. Sie betete viel, erlegte sich körperliche Bussen auf, fastete und geißelte sich. Das lag durchaus im Zeitgeist. Außergewöhnlich aber war ihre karitative Tätigkeit. Sie zeigte eine beispiellose Fürsorge für Arme und

    Kranke. pflegte Kranke und Elende und scheute sich auch nicht vor ekelerregenden Krankheiten. Als im Jahr 1226 eine große Hungersnot ausbrach, wurde sie zur Erretterin der Verhungernden, wie ihr Beichtvater Konrad von Marburg später an Papst Gregor IX.

    schrieb. Sie ließ die gräflichen Kornspeicher öffnen und die Vorräte an die Hungernden verteilen. Auch Schmuck und Kleidung gab sie zum Ankauf von Lebensmitteln weg. Am Fuß der Wartburg ließ sie in Eisenach ein Hospital errichten, das sie zweimal täglich

    besuchte. Nicht nur Erwachsene fanden dort Aufnahme, elternlose Kinder kamen dort unter. Dies scheint durchaus im Einvernehmen mit ihrem Gatten geschehen zu sein. Ganz wichtig in ihrem Leben war Konrad von Marburg.

    Konrad ist zwischen 1180 und 1190 geboren. Er hatte an einer Universität kirchliches und weltliches Recht studiert, wie sein Titel Magister zeigt. 1214 erweckte er erstmals öffentliches Aufsehen durch seine Predigten. 1215 war er von Papst Innozenz III. beauftragt

    worden, Kreuzzugspredigten zu halten. 1227 berief Papst Gregor IX. (1227-1241) erstmals päpstliche Sonderbeauftragte, sogenannte Inquisitoren, die in Deutschland nach Ketzern fahnden sollten. Eigentlich war das Aufgabe der Bischöfe. Sie kamen aber ihrer  nach

    Meinung des Papstes ihrer Aufgabe nur mangelhaft nach. Die Kirche konnte zwar die Inquisitionsverfahren durchführen, war aber bei der Urteilsvollstreckung auf den “weltlichen” Arm der Gerichtsbarkeit angewiesen. Konrad wurde von Gregor für Deutschland

    beauftragt. Konrad nahm seine Auftrag mit großem Eifer nach. Die Ketzerverfolgung nahm in Deutschland an Umfang und Schärfe zu. Da er auch vor hohen Adelskreisen und Bischöfen nicht zurückschreckte, machte er sich rasch viele Feinde.   Als er schließlich 1233

    den Grafen Heinrich III. von Sayn, einen der mächtigeren Herren im Rheinland und selbst Kreuzzugsteilnehmer als Ketzerhelfer anklagen wollte, erreichte dieser dass der Fall der Inquisitionsgerichtsbarkeit entzogen und einem Reichsgericht im Dom zu Mainz

    überstellt wurde, an dem auch Kaiser Heinrich VII. teilnahm. Nach dieser unerwarteten Niederlage machte sich Konrad in Begleitung zweier Mönche auf den Heimweg nach Marburg. Kurz vor erreichen seines Ziels lauerten ihm 6 Berittene auf, vermutlich

    Gefolgsleute des Grafen zu Sayn unter ihnen als Hauptbeteiligte Mitglieder der Ritterfamilie von Dernbach, die ihren Hauptsitz in der Nähe von Herborn hatten und erschlugen Konrad und seine Begleiter.

    Zurück zu Ludwig und Elisabeth. 1224 nahm Ludwig das Kreuz. Von Kaiser Friedrich erhielt er für sich und seine Begleiter einen Kostenzuschuss von 5000 Mark. Überhaupt unterhielt er freundschaftliche Beziehungen zum Kaiser. 1225 war Ludwig auf einem Feldzug

    im Osten. 1226 wurde er zum Marschall von Friedrich ernannt, also einem der höchsten militärischen Dienstgrad. Außerdem erhielt er die Eventualbelehnung der Markgrafschaft  von Meißen. Im Frühjahr war er mit dem Kaiser auf einem Feldzug in Italien unterwegs

    und im im Juni  1227 brach er zum  Kreuzzug auf. Er überquerte die Alpen und wollte sich in Süditalien einschiffen. Vorher hatte er seien Bruder Heinrich Raspe zu seinem Stellvertreter für die Zeit des Kreuzzugs eingesetzt.

     

    Ludwig_IV_von_Thueringen

    Noch vor das Heer sich einschiffte, brach eine Seuche aus. Tausende erkrankten,auch Ludwig. Trotz seiner Erkrankung, ging Ludwig in Brindisi an Bord, starb aber in Otranto mit nur 27 Jahren. Die junge Witwe war trieftraurig. “Mit ihm ist mir die Welt gestorben”.

    Zum Schmerz über den frühen Tod ihres Mannes kam auch bald die Auseinandersetzung mit den Geschwistern des verstorbenen Landgrafen. Wahrscheinlich hatten sie sich mit dem Gedanken getragen, ihre Schwägerin nach Ablauf der Trauerzeit wieder zu 

    verheiraten. Die  wären in der gräflichen Familie verblieben , da ja Heinrich Raspe die Vormundschaft innehatte. Wenn sie im Witwenstand blieb, hätten die beiden Brüder die Güter, die ihr bei der Hochzeit von Ludwig als Witwengut überschrieben worden

    waren, übergeben müssen. Außerdem hätte  man ihr ihre Mitgift von 1000 Mark Silber aushändigen müssen. Doch weder Heinrich Raspe noch sein Bruder Konrad waren bereit, die Güter, auf die sie Anspruch hatte, auszuhändigen. Sie waren nur willens,

    für Elisabeths Unterhalt in einem gemeinsamen Haushalt zu sorgen. Schnell kam es zum Streit mit ihr und dem neuen Landgrafen, in dessen Verlauf sie die Wartburg verlassen musste. Elisabeth ging nach Eisenach, wo sie bei einem Schankwirt übernachten musste,

    in einem Abstellraum, wo auch die Schweine untergebracht waren. Ihre Andechser Verwandten, zu denen sie wohl in den vergangenen Jahren in freundschaftlicher Beziehung stand, kümmerten sich um sie. Elisabeths Tante Mechthild, die Kitzinger Äbtissin holte

    sie nach Bamberg an den Hof ihres Onkels, des Bischoffs Ekbert. Auch er versuchte sie, mit dem Gedanken sie mit dem Gedanken an eine Wiederverheiratung vertraut zu machen, sah aber bald ein, dass seine Nichte fest entschlossen war, ihr Leben der

    Frömmigkeit, der Askese und dem Dienst am Nächsten zu widmen. So wies er ihr die Burg Pottenstein als vorläufigen Wohnsitz zu. Im Frühjahr 1228 kehrte Konrad aus Rom zurück. Er konnte sie davon abhalten, auf ihre Witwengüter zu verzichten. Konrad schrieb

    später, er habe dies getan um die ihr zustehenden Einkünfte den Armen und Kranken  zukommen zu lassen sowie zum Seelenheil ihres verstorbenen  Mannes durch Messen und andere frommen Werke beizutragen. Ähnlich nüchtern dachte auch ihr Onkel Ekbert

    und setzte sich bei den landgräflichen Verwandten für Elisabeth ein. Schließlich wurde wahrscheinlich unter Beteiligung Konrads folgende  Vereinbarung getroffen. Der landgräfliche Hof zahlte 2000 Mark Silber an Elisabeth und stellt ihr in Marburg ein Grundstück

    zur Erbauung eines Hospitals Verfügung. Elisabeth konnte nun ihr Hospital in Marburg  gründen sowie es wohl schon zu Lebzeiten ihres Mannes geplant war. Konrad war Anfang 1229 wieder in Rom wohl um vom Papst ähnliche Vergünstigungen zu erlangen, wie sie

    schon das von Ludwig 1221 gestiftete Hospital in Gotha. Ludwig hatte dann vom Papst die Erlaubnis erhalten, eine Kirche und einen Friedhof beim Spital zu errichten und einen Kaplan anzustellen. Mit ihrem Witwengut hätte Elisabeth das Hospital reichlich mit

    Einkünften ausstatten können  und so für eine solide wirtschaftliche Basis sorgen können.  Elisabeth ging aber nicht sachgemäß mit dem Geld um. Sie holte alle Bettler aus der Stadt und Umgebung und verteilte an einem Tag 500 Mark Silber unter sie. Elisabeth hätte

    diese Summe gar nicht weggeben dürfen. Sie durfte das Geld nicht nach eigenem Gutdünken verschenken sondern es war ihr nur treuhänderisch übergeben worden zum Nutzen des Spitals und würde nach ihrem Tod wieder an ihre Kinder und Verwandte

    zurückfallen. Konrad hielt Elisabeth in eiserner Zucht. Wenn sie ihrem Mitleid wieder einmal freien Lauf gelassen hatte und Almosen über das ihr zugestandene Maß ausgeteilt hatte, wurden ihr Bussübungen auferlegt und es setzte wohl auch Hiebe.  Das harte

    und entbehrungsreiche Leben ertrug sie nicht lange. Sie starb nach kurzer Krankheit im November 1231 im Alter von nur 24 Jahren. Schon bald nach ihrem Tod überlegten sich ihre früheren Vertrauten, einen Heiligsprechungsprozess anzustreben. Zunächst aber

    musste der weltliche Streit um das Hospital ausgetragen werden. Elisabeth hatte das Hospital für den Fall ihres Todes dem Johanniter-Orden vermacht. Zu einer solchen Übertragung war sie aber nicht berechtigt, da sie nur ein Nutzungsrecht , nicht aber das

    Eigentum  besass, wie die Landgrafen betonten. Der Papst an den sich die Johanniter gewandt hatten,  bestimmte drei Speyrer Geistliche als Richter. Der Prozess wurde 1232 entschieden. Um eine Weiterführung an eine höher Instanz zu vermeiden, wurde Konrad

    von beiden Parteien als Schiedsrichter.  Der erkannte im August 1232 dem Johanniterorden jegliches Recht an dem Spital ab. Das Heilgsprechungsverfahren kam rasch in Gang, geriet jedoch durch den Tod Konrads ins Stocken. Elisabeths Schwager Konrad hatte

    mittlerweile den weltlichen Stand verlassen und war dem Deutschen  Orden beigetreten. Er sollte den Orden nach dem Tod von Hermann von Salza leiten. Der Orden erhielt das von Elisabeth gegründete Spital. Papst Gregor und Kaiser Friedrich II. bestätigten die

    Schenkung. Konrad war nun die treibende Kraft im Heilgsprechungsprozess. Schon 1235, also gut 30 Jahre vor ihrer Tante Hedwig wurde Elisabeth in Perugia heiliggesprochen.

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    Der Andechser Heiltumschatz

     

    Das Kloster Andechs verfügt über einen reichen Reliquienschatz dessen Anfänge auf den legendären Gründer der Familie Andechs, Graf Rasso zurückgehen. Er soll von einer Pilgerfahrt ins heilige Land die “Herrenreliquien” mitgebracht haben. Sie bilden den

    Grundstock des Heiltums. Es waren ein Zweig aus der Dornenkrone Christi, ein Teil des Spottzepters, ein Stück vom Kreuz und auch ein Teil des Schweißtuches. Dazu kamen immer wieder weitere kostbare Stücke, auch Textilreliquien, so die Stola des Heiligen

    Johannes Evangelist und der “Gürtel” der Magdalena. Auch Stücke, die wie Reliquie verehrt wurden zählen dazu, so die Goldene Rose, die von den Päpsten als Auszeichnung an hochrangige Adlige verliehen wurde. Die Andechser Rose wurde von einem Florentiner

    Goldschmied geschaffen und wohl von Papst Nikolaus V. dem bayrischen Herzog Albrecht III. zum Dank für die Gründung des Kloster Andechs geschenkt. Auch das Siegeskreuz wird verehrt. Es ist ein Bronzekreuz, das im 12. Jahrhundert wohl von einem

    schwäbischen Künstler geschaffen worden ist. Das Andechser Missale erzählt, dass ein Engel Kaiser Karl das Kreuz überreicht habe. Natürlich sind auch die Heiligen der Familie Andechs-Meranien bei den Reliquien den Andechser Reliquien vertreten. So werden  in

    Andechs das sogenannte Elisabethkreuz, das Kreuz, das Papst Gregor IX.Elisabeth überreicht haben soll, als sie thüringische Landgräfin war und Teile des Brautkleids der Heiligen Elisabeth verwahrt. Noch 1929 kamen Reliquien dazu. So schenkte Kardinal Bertram

    von Breslau (1859-1949) dem Kloster einen Splitter aus dem Haupt der Heiligen Hedwig. Kernstück des Heiltums bilden die Drei Heiligen Hostien Zwei der Hostien sollen von Papst Gregor dem Großen herstammen,  die dritte mit dem Monogramm Jesu auf Papst

    Leo IX. 1392 wurden die Hostien vom Papst Bonifatius IX.  beglaubigt, was aber vielleicht auch im Zusammenhang mit dem Schisma gesehen werden. Bonifatius wurde in Deutschland als rechtmässig angesehen, als in Avignon sein Gegespieler Clemens VII. amtierte.

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    In Erling, dem Dorf unterhalb der im 13. Jahrhundert geschleiften Burg Andechs gab es zwei Pfarrkirchen. Die Wittelsbacher hatten nach dem Erlöschen der Familie Andechs die Rechte übernommen. Ohne Bedenken übertrugen sie dies Rechte, fast so, als wolle man

    die Erinnerung an ein Haus, dem man doch übel mitgespielt hatte, vergessen machen. Die Rechte auf die  St. Martinskirche gingen zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt an die Chorherren in Polling. Ludwig der Bayer schenkte die St. Vituskirche 1317 an das

    Kloster Ebersberg.  Zur Vituskirche gehörte auch eine kleine Kapelle auf dem Gebiet der geschleiften Burg. Es ist nicht ganz sicher, ob diese als geweihter Ort der Zerstörung entging oder nachträglich als Sühnekapelle errichtet wurde. Der Patron war der von den

    Andechsern verehrte Nikolaus von Myra. Nun waren die Ebersberger Benediktiner Patronatsherren einer der beiden Erlinger Pfarreien und gleichzeitig Besitzer des Kirchleins auf dem Andechser Berg. An einem Sonntag im  Mai 1388 soll  während des

    Gottesdienstes, den der Wallfahrtskaplan Jakobus Dachauer zelebrierte eine Maus in der Nikolauskirche über den Boden gehuscht sein und  einen Zettel im Maul getragen und auf einer Altarstufe liegen lassen. Der Zettel war ein Teil des Heiltumsverzeichnisses.

    Der Kaplan meldete den Fund sofort an den herzoglichen Hof nach München. Dort erfasste man die Bedeutung des Zettels sofort. Am 26. Mai 1388 kamen die beiden Herzöge Stephan von Bayern-Ingolstadt und Friedrich von Bayern-Landshut in die kleine Kapelle.

    In ihrem Beisein begannen die Grabungen. Zutage gefördert wurde eine eisenbeschlagene Kiste, die die Andechser Reliquien enthielten. Es war ein ungeheurer Schatz, der zu sehen war. Nur Rom oder Konstantinopel hatten zu derzeit so kostbare Reliquien in noch

    größerer Zahl. Natürlich weckte dieser Fund Begehrlichkeiten und warf auch Fragen auf. Wie konnte es sein, das so bedeutende Reliquien überhaupt in Vergessenheit geraten waren? Oder dass sie so lange Zeit in einer kleinen Kapelle verborgen blieben. So

    wurden bald Zweifel an der Echtheit der Reliquien laut. So brauchte man ein en unverdächtigen Zeugen, der das Alter und die Echtheit des Fundes beweisen konnte. Diese Rolle sollte dem “Andechser Missale” zufallen. Das Messbuch war zu Beginn des 10.

    Jahrhunderts an einem unbekannten Ort geschrieben worden. Teile waren verloren gegangen. Blätter warn herausgetrennt worden, um den Pergamentbedarf zu decken, wohl auch, weil man die altertümliche Notenschrift nicht mehr  lesen konnte.

    Im Mittelalter enthielten Messbücher nicht  nur für den Gottesdienst. Oft wurden auch Inventarlisten von kirchlichen Gegenständen, Verzeichnisse von Reliquien, manchmal  historische Notizen, ja sogar Abschriften wichtiger Urkunden in so ein Messbuch

    eingetragen. Das Andechser Missale, lange eine wertlose Handschrift schien schon wegen seines hohen Alters bestens geeignet, nun Texte aufzunehmen, die über das Schicksal der Reliquien in früherer Zeit Auskunft geben konnten. Um 1388 fertigten drei

    Schreiber eindrucksvolle, manchmal auch phantastische Geschichten. Der erste Schreiber verfasste einen Brief, der angeblich 1102 von Bischof Otto dem Heiligen von Bamberg an seien Vater den Grafen Berthold von Andechs und seinen Bruder den Markgrafen

    Berthold von Istrien geschrieben hatte. Darin wird von einem von Papst Leo berichtet, der einst ein von Papst Gregor geweihtes Altarsakrament geschickt habe, das überall dort, wo es hingebracht wurde, Not und Elend vertrieben habe. Es werde nun den Andechser

    Verwandten übergeben zum Nutzen ihres Landes und ihrer Leute. Auch wird von einem Bischof Hermann von Augsburg berichtet, der angeblich im Jahr 1128 die Gläubigen der umliegenden Dekanate verpflichtet habe, jeweils am Dienstag nach dem Pfingstfest auf

    den Andechser Berg zu den Reliquien zu wallfahren und eine Abgabe zu entrichten. Ein zweiter Schreiber berichtet nur wenig später über die Herkunft der Andechser Reliquien, erzählt von der Gründung des Klosters Grafrath und dem Grafen Rasso und dass die

    Mönche mit den Reliquien  auf den Andechser Berg geflüchtet seien, als Herzog Arnulf der Böse die geistliche Stiftung zerstört habe. Das Missale selbst sei am Ende des 13. Jahrhunderts durch Bruder Konrad von Hornstein, einen Mönch des Klosters auf dem

    Petersberg bei Rosenheim nach Andechs gebracht worden. Das Missale enthält auch eine Gründungsgeschichte des Diessener Stifts. Ein dritter Schreiber  trägt schließlich einen Schutzbrief Herzog Ludwig des Strengen sowie eine Bestätigungsurkunde Kaiser Ludwig

    des Bayern ein. Die Einträge ins Missale seien auf kaiserliche Anordnung  gemacht worden. Die Einträge waren über das ganze Missale verstreut und erweckten so den Eindruck, als seien sie über einen langen Zeitraum von verschiedenen Personen gemacht worden.

    Wenn auch über das ganze Buch verstreut, gaben die Berichte zusammen genommen  eine geschlossene Geschichte der Reliquien. Wenn man den Aufzeichnungen Glauben schenkte, musste man annehmen, dass es sich bei dem –heute würde man sagen –

    spektakulären Fund  nicht um einen verdächtigen Zufallsfund handelte, sondern dass man einen Schatz gehoben habe, der zwar seit langem verschollen  und in Vergessenheit geraten war.  Die wichtigste Folgerung aber war, dass der vergrabene Schatz Kaiser

    Ludwig noch bekannt war, als er die Kapelle an das Kloster Ebersberg schenkte. Und wenn das zutraf, konnten die wittelsbachischen Herzöge natürlich keine Ansprüche auf den Schatz erheben. Auch konnten sie nicht behaupten, ihr Vorfahre hätte die Kapelle auf

    dem Andechser Berg nicht weggegeben, wenn er von dem Schatz unter dem Altar gewusst hätte. Ein Teil der Quellen, die den Schreibern im Missale dienten, ist bekannt. Die Schreiber scheinen Urkunden aus der Kaiserzeit Ludwigs gekannt zu haben. Auch

    eine Lebensbeschreibung der Heiligen Elisabeth könnte ihnen zugänglich gewesen sein. Zur frühen Geschichte der Andechser halfen ihnen die Diessener Chorherren. Die Schreiber erhielten wohl Einblick in das Diessener Totenverzeichnis vom Beginn des 13.

    Jahrhunderts an. auch über die Kunstschätze erhielten sie Auskünfte. Andere Quellen, zum Beispiel die Chronik des Mönches  Ekkehard von Aura gehörte nachweislich zum Bestand der Ebersberger Bibliothek. Man kann als sicher annehmen, dass die Ebersberger

    Mönche Verfasser und Auftraggeber der Einträge im Andechser Missale waren. Die Fälsche hatte gute Arbeit geleistet, nur mit der Begehrlichkeit der Obrigkeit hatte er nicht gerechnet. Der Ebersberger Abt Philipp ließ die Schätze in sein Kloster bringen.

    Der Wittelsbacher Hof gaben dies aber nicht zu. Er zwang den Abt, diese wieder an seinen Fundort zurück zu bringen. Da die kleine Kapelle auf dem Andechser Berg aber angeblich nicht sicher und würdig war, ließen die Herzöge den Schatz  nach München bringen.

    Dort wurde er zunächst in  de Sankt Lorenzkirche aufbewahrt. Wahrscheinlich am 31. Juli 1390 wurden die Reliquien erstmals öffentlich gezeigt und zogen eine große Menschenmenge an. Verbunden mit einem Ablassbrief könnte sich die Anziehung noch erheblich

    steigern lassen. So reiste Herzog Stephan III. nach Rom um an den Feierlichkeiten des Jubeljahres teil zu nehmen, das Papst Urban VI. ausgeschrieben hatte  und sein Nachfolger Bonifaz IX. jetzt abhielt. Dem Stand nichts im Wege, zumal der Papst den französischen

    König als Freund und Verbündeten gewinnen wollte. Und Stephan war Schwiegervater des Umworbenen. Zusätzlich war Stephan mit einem Gutachten des Theologieprofessor  Johannes Dominici aus Gubbio, falls sich die Kurie über Herkunft des Fundes und die

    Umstände seiner Entdeckung unterrichten wollte. Auf Ebersberger Ansprüche wurde hier freilich nicht hingewiesen. Im erteilten Ablassbrief war ein ungewöhnlicher Zusatz, nämlich dass der Gnadenerweis so lange gültig sein soll, als nicht von dritter Seite ein

    Ablassbrief in gleicher Angelegenheit vorgewiesen sei, der früheren Datums sein oder das Datum der vorliegenden Urkunde trage. Das zeigt, dass nach Meinung der Kurie das Recht der Herzöge nicht unbestritten war. Das aber konnten nur die Mönche in Ebersberg

    sein. Es scheint, dass diese der Wegnahme des Schatzes durch die Wittelsbacher nicht tatenlos zugesehen hatten. Es scheint, das sie sich an den Papst um Hilfe gewandt hatten und möglicherweise auf Herausgabe der Reliquien geklagt hatten. Die Kurie hatte eine

    Lösung gefunden,die einander ausschließenden Interessen der beiden Bittsteller in Einklang zu bringen. Die Wittelsbacher erhielten ihren Ablassbrief. Dieser wurde aber vom Stillhaltend der Ebersberger abhängig gemacht. 1391 gewährte nun der herzogliche

    Viztum für Oberbayern Otto von Pienzenau ein Darlehen von 800 Gulden. Dafür waren ihm und seien erben ein “Ewiggeld”, das sind jährliche Einkünfte in Höhe von 50 Gulden zugesagt worden. Das Kloster musste diesen Betrag aber nicht ausbezahlen. Es sollten

    davon 12 Gulden an  den Abt und 18 Gulden an die Mönchsgemeinschaft fließen. Die Mönche ließen nun die Wittelsbacher für zwei Jahre gewähren.  Das Spektakel aber wurde ein immer größerer Erfolg biss zu 60000 Pilger waren in manchen Wochen in der Stadt.

    Nachdem Jahr 1393 zeigten die Wittelsbacher den Schatz für lange Zeit nicht mehr. Die Eberberger hatten wohl ihre Ansprüche in Rom wieder geltend gemacht. Das Urteil stand nur dem Papst zu und der bestätigte dem Kloster Ebersberg das Recht an dem Fund.

    Nun hätten die Wittelsbacher den Fund eigentlich herausgeben müssen, taten sie aber nicht. Für die Kurie war der Streit wohl zu unbedeutend und auch der Einfluss der Herzöge zu groß, als dass dem päpstlichen Urteil mit geistlichen Strafen Geltung geschafft

    wurde. Das Nachsehen hatten die Ebersberger Mönche. Das Kloster gab nach, zumal man am kürzeren Hebel saß. Um 1400 traten Abt und Konvent in Verhandlungen mit dem Münchner Hof. Man einigte sich und bat die Kurie, die Verfügungen zugunsten der

    Ebersberger Mönche  aus den 90-Jahren zurückzunehmen., was Papst Bonifaz 1402 tat. Nach der Entscheidung des Papstes wurde ein Teil der Reliquien auf den Andechser Berg zurückgebracht. Im Rahmen des Ausgleichs zwischen Kloster Ebersberg und dem

    wittelsbachischen Hof waren Teile aus dem Andechser Reliquienschatz ans Kloster Ebersberg gelangt. Nach dem Ausgleich der Herzöge mit dem Kloster Ebersberg  ließ Herzog Ernst, der das Wort vom Heiligen Berg prägte, zwischen  1416 und 1423 die heute noch

    bestehende dreischiffige gotische Hallenkirche errichten. Die Betreuung der Andechser Wallfahrt in die Hände eines Kollegiatsstifts  mit sechs Kanonikern und einem Propst. Bepfründete Chorherren brachten für die Wallfahrtsseelsorge nicht den gewünschten

    Erfolg. Der Sohn und Nachfolger Herzog Ernsts, Albrecht III. (1401-1460) beriet sich mit dem päpstlichen Kardinallegaten Nikolaus von Kues. Mit Nikolaus hatte der Wittelsbacher einen kompetenten Gesprächspartner. Er war im  Dezember 1450 von Papst Nikolaus V.

    zum päpstlichen Legaten für Deutschland Legaten ernannt worden und mit außerordentlichen Vollmachten zur Kirchen-und Klosterreform in Deutschland, Österreich und den Niederlanden ausgestattet worden. Nachdem er in anderen Fällen von Hostienwundern

    sehr scharf vorgegangen war, hatte er 1453 die Andechser Reliquien diplomatisch approbiert. Als er 1452 als Legat auf dem Weg nach Böhmen war, kam er auch für drei Tage ins Kloster Tegernsee. Er war von der Spiritualität und der Frömmigkeit der Mönche

    beindruckt und vom monastischen und geistigen Leben im Kloster so angetan, dass er sich sogar eine Zelle für seine alten Tage reservieren ließ. Das Kloster war erst im Jahre 1426 “auf Kurs” gekommen. Der erst 24 –jährige Kaspar Ayndorffer war zum Abt bestimmt

    worden, was er bis 1461 blieb. Er führte sofort die Melker Reform ein und Tegernsee wurde zu dem wichtigsten bayrischen Reformkloster. 1455 wurde Andechs mit Mönchen aus dem Reformkloster Tegernsee besiedelt

     

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                                                                               Das Kloster Heiligenberg

    Am 23. 1455 bezogen sieben Mönche aus Tegernsee das von Albrecht gestiftete Kloster. Es waren dies Johannes Hausmann aus Landsberg, Johann Senior aus Landshut, Eberhard Stöcklin aus Wolfratshausen, Matthias Praitenwieser aus Dorfen, Leonhard Egerer

    aus München, Fridrich Diakonus aus Landshut und Oswald Rott aus Tittmonning. Als Prior oder Administrator in Spiritualibus wählten sie Johann Senior. Es war sicher kein Zufall, dass der Tegernseer Abt seine profiliertesten Schreiber nach Andechs geschickt hatte.

    Entsprechend der Melker Reform, der wichtigster Vertreter Tegernsee ja war,sah man in der Schaffung einer guten Bibliothek als wichtige Voraussetzung für ein observantes Klosterleben. Nach einer dreijährigen Konsolidierungszeit wählten die Mönche Eberhard

    Stöcklin als ihren ersten Abt. Bei seiner Weihe 1458 erhielt er das Recht der Pontifikalien. In diesem Jahr schrieb Herzog Albrecht auch die Grundausstattung des Klosters fest. Die geistlichen Aufgaben der Mönche waren Gottesdienst, Pflege und Verwahrung des

    Heiltums, Gebetsgedächtnis und ewiger Jahrtag für die Stifter und die kirchliche Verwendung der Wallfahrtsgaben. Außerdem bestimmte er Andechs zu seiner Grablege. Er starb am 29. Februar 1460 und wurde  in Andechs bestattet.  Heute ist dort ein kleiner

    abgeschlossener Friedhof, der nur gelegentlich für die Öffentlichkeit zugänglich ist, wie zum Beispiel am Tag des Offenen Denkmals. 10 Familienmitglieder der Wittelsbacher, fast alle aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts haben dort ihre letzte Ruhestätte

    gefunden.

    Abt Eberhard Stöcklin starb am 17. April 1462. Auf ihn folgte  Johannes Hausmann, der schon 1455 mit aus Tegernsee kam. Er hatte in Benediktbeuren seine Profess abgelegt und war dann nach Tegernsee gegangen . In seiner Andechser  Amtszeit erhielt das Kloster

    erhebliche Stiftungen und konnte seine wirtschaftliche Grundlage beachtlich erweitern. Zwar nicht ganz so wichtig, aber für Andechs sicher erwähnenswert, Abt Johannes ließ 1463 ein neues Wirtshaus in Andechs erbauen und bemalen.

    Abt Johannes starb am 18. Oktober 1475. Auf ihn folgte Andreas Örtl aus Tölz(1475-1492), der 1455 in Tegernsee seine Profess abgelegt hatte. Unter Abt Andreas hatten einige Mönche ihre Profess abgelegt, so zum Beispiel der aus Isny stammende Johannes

    Kiesinger, der 1846 Abt in Wessobrunn wurde und wohl auch Johann II. von Schrattenbach, der in Kaufbeuren geboren ist und 1492 der erste aus dem Kloster stammende Andechser Abt. geworden ist. 1488 vidimierte er eine Urkunde aus dem Jahr 1411, in der es

    um eine Messtiftung ging. In Widdersberg, das heute zur Gemeinde Herrsching gehört war Andechs durch Herzog Ernst zu Besitz gekommen. Den dortigen Besitz rundete Abt Andreas durch den Erwerb kleinerer Güter um 1475 ab.

    Im Oktober 1492 wurde Johann II. von Schrattenbach zum Nachfolger von Abt Andreas gewählt. Bei dieser Wahl war auch der Wessobrunner Abt anwesend. 1494 liess er den Heiltumsaltar schaffen, von dem heute nur noch zwei Flügel erhalten sind, die aber

    vermuten lassen, dass dieser Andechser Altar einer der größten spätgotischen Altäre in Bayern gewesen sein muss.Die beiden Flügel werden heute in der oberen Kapelle aufbewahrt. Das Aussehen des Altar ist auch auf einem zweiteiligen Holzschnitt überliefert,

    den Abt Johann 1496 herstellen ließ und der dazu bestimmt war, Bedeutung und Ruhm der Gnadenstätte Andechs weithin bekannt zu machen zumal es ja gerade in dieser Zeit eine richtige Wettbewerbssituation von Wallfahrtsorten gab. Flankiert wurde diese

    Werbemaßnahme durch die von Herzog Sigismund von Bayern 1497 in Auftrag gegebene Blutenburger Heiltumstafel, die in der Hofkapelle der Blutenburg in München aufgehängt war und so ein namhafter Werbeträger für die Andechser Wallfahrt war.

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    Unter Abt Johann kam Andechs auch 1494 in den Besitz eines Stadthauses in München. Es handelte sich dabei um die ehemalige Synagoge in der Judengasse. Als Herzog Ernst 1442 die Juden aus München vertreiben ließ,  wurde an das ehemalige Grufthaus eine

    Kirche angebaut. Das Haus war mittlerweile durch Herzog Albrecht und seine Gemahlin Anna von Braunschweig, die Nachfolgerin der Agnes Bernauer an Dr. Hans Hartlieb geschenkt worden, der ein berühmter Lehrer der Arzneikunde und Leibarzt des herzoglichen

    Paares war. 1750 wurde das Gebäude gründlich renoviert, wobei Pfeiler, die noch aus der Zei der Synagoge stammten, entfernt wurden. Die Kirche wurde on Andechser Mönchen bis zur Säkularisation versorgt.

    Am 14. Februar 1518 geht Andechs mit dem Stift Sankt Peter in Salzburg eine Konföderation ein. Abt in Salzburg war zu der Zeit Ulrich Plankenfelser (1415-1420). Die Konföderation ist Ausdruck gemeinsamer Reformgesinnung. Man versichert sich gegenseitige

    Gastfreundschaft und gemeinsames Totengedenken. Abt Johann starb 1521.

    Als Martin Luther am 31.10.1517 seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche angeschlagen hat, konnte er sich nicht träumen lassen, was dies auslöste. Die Einheit der Kirche ging verloren. Was eigentlich nur als Ankündigung eines wissenschaftlichen Dialogs

    gedacht war, löste schließlich sogar blutige Religionskriege aus. Die Reformation löste bei vielen Andechs vergleichbaren Klöstern einen disziplinären wie wirtschaftlichen Niedergang aus. Besonders hart traf es natürlich Klöster wie Andechs, deren Kraft –

    wirtschaftlich wie geistig- stark auf der Betreuung von Reliquien beruhten. Reliquien waren suspekt geworden, das Mönchtum hatte rapide an Ansehen verloren. Nur noch wenige gingen ins Kloster, Spenden versiegten. Der Personalstand im Kloster war für die

    Prälatenwürdigkeit zu gering. Die Vorsteher waren keine Äbte mehr, nur noch Administratoren. Christoph Riedter, Edler von von Bocksberg (1521-1529) musste erleben wie Mönche aus seinem Konvent aus seinem Kloster austraten und sich der Reformation

    zuwandten wie z.B. Ambrosius Rank aus Weilheim 1525. Zwar predigten reformatorisch gesinnte Pfarrer gegen die Wallfahrt sowie zum Beispiel der Pfarrer Wolfgang Hackenschmit aus Sielenbach. Aber er wurde seines Amtes enthoben .

    Den Niedergang des Klosters in den nächsten 50 Jahren konnten auch 5 Äbte und 4 Administratoren nicht aufhalten. Das änderte sich erst mit David Aichler. Dieser wurde 1545 in Mindelheim geboren und trat in das Benediktinerkloster in Ottobeuren ein, wo er am

    14.Mai 1564 die Profess ablegte. In Ottobeuren legte er einen Bibliothekskatalog an. Von 1571-1576 war er Administrator des Klosters St. Mang in Füssen. 1588 wurde er zum Abt von Andechs postuliert. Er war administrativ erfahren und gelehrt. Auf der Grundlage

    des Visitationsprotokolls von 1588 führte er wieder ein gewissenhaftes klösterliches Leben  ein. Der Verbesserung der klösterlichen Disziplin folgte der wirtschaftliche Aufschwung, der durch zahllose herzogliche Dotationen verstärkt wurde. Er vergrößerte den

    Bestand der Andechser Bibliothek. 1598 übertrug Wilhelm V. die Liegenschaften und Gebäude der ehemaligen Augustinerpropstei Paring dem Kloster Andechs. Dieses führte es als kleinen Gutsbetrieb mit seelsorgerlicher Betreuung.

    Abt David verfasste auch mehrere geschichtliche Werke, darunter eine Geschichte Füssens und das Chronicon Andecense (München 1595). Für die Kirche waren neue Ausstattungsgegenstände erworben worden. Die neue Vöhlinkapelle entstand von 1591-1594.

    1593 wurde der südliche Kirchvorplatz als Versammlungsort für Pilger angelegt.Wenn vom Erker der Vöhlinkapelle die Herrenreliquien gezeigt wurden.Von daher hat der Platz auch seinen Namen Frohnhof, also Herrenhof.

    Abt David war eine wichtige Person der bayrischen Gegenreformation und sein Wirken in Andechs war so erfolgreich, dass er auch mit der Visitation anderer Klöster betraut wurde. Er verstarb am 25. Februar 1596 in Andechs.

    Auf ihn folgte Alexander Sauter. Er verkaufte klösterlichen Streubesitz und erwarb dafür die Hofmarksgüter Kerschlach und Vorderfischen. Aber schon 1600 wurde er zum Reichsabt von Ottobeuren berufen, was er bis 1612 war. Nachfolger Abt Alexanders wurde

    Johann V. Chrysostomus Huttler, der aus Mindelheim stammt. Mit ihm begann ein weiterer Aufschwung.Von 1601 bis 1602 erbaute er eine neue Bibliothek. Er kaufte kontinuierlich neue Bücher und förderte das Hochschulstudium seiner Novizen als Grundlage einer

    kirchlichen und klösterlichen Erneuerung. 1607 wurde die Wallfahrtskirche im Renaisssancestil umgebaut.Herzog Maximilian I. stiftet eine Orgel, die 1608 aufgestellt wird und 1610 wird von Hans Degler aus Weilheim der neue Gnadenaltar mit der heutigen

    Madonna errichtet.  Abt Johann stirbt schon im Alter von 35 Jahren an der Pest.

    Unbenannt

    1580 wird Michael Einslin in Kempten geboren. 1596 tritt er ins Kloster Andechs ein.1599 bis 1603 studierte er in Ingolstadt und wurde 1604 Priester. 1610 wird er der 15. Abt von Andechs. Pater Willibald Mathäser, der von 1954 Cellerar von Andechs  und von 1968

    als Archivar von St. Bonifaz tätig war, bezeichnete Michael Einslin als bedeutendsten Abt von Andechs. Er setzte sich sehr für die Klosterdisziplin und die Wallfahrt ein. Er gründete die “Bruderschaft von den hl. drei Hostien”. Er setzte sich auch früh für die Förderung

    der Studien ein.  1623 gründete er zusammen mit dem Erzbischof Paris Graf von Lodron, der auch in Ingolstadt studiert hatte, den Äbten Gregor von Ottobeuren, Heinrich von Niederaltaich, Joachim von St. Peter in Salzburg und Stephan von Scheyern.  Am 1.

    September wurde der Vertrag geschlossen. Darin wird unter anderem der Lehrplanumfang, die Entsendung und der Unterhalt der Professoren, die Organisation der Universität und der Neubau der Universität an der Salzach geregelt. 1623 und 1637 war Abt

    Michael Mitglied des Salzburger Universitätspräsidiums. Viele gelehrte Patres aus Andechs wurden in der Folgezeit an die Augsburger Universität geschickt, was den Stellenwert der gelehrten Bildung in Andechs  zeigte. So stand die Andechser Bibliothek auch

    immer in der Fürsorge des Abtes. 1630 kaufte er für 800 Gulden eine ganze Bibliothek von dem Füssener Edelmann Ilsung. Nachdem  nach der Schlacht am Weißen Berg (8.11.1620) bayrische truppen teile der Oberpfalz besetzt hattenund 1628 das Fürstentum der

    Oberen Pfalz wieder an den wittelsbachisch-bayrischen Staatsverband gekommen war, war Abt Michael einer der eifrigsten, wenn auch erfolglosen Befürworter der Rückgabe bzw. Neubesiedlung der dortigen Benediktinerklöster. Er trug auch einen Großteil des

    Missionswerks der Benediktiner zur Rekatholisierung der Oberpfälzer Gebiete. Er trieb auch das Zustandekommen einer bayrischen Benediktinerkongregation voran.Dies sowie die Unterordnung unter das Staatskirchenregimes de bayrischen Kurfürsten brachte

    ihn allerdings in Konflikt mit seinem Diözesanbischof Heinrich von Knöringen (1599-1646), einen machtbewussten Kirchenbischof von unnachgiebiger Strenge. Ein von seinem Nachfolger in der Dillinger Universitätskirche rühmt in als “murus immobilis pro religione

    et domo dei”. Er wurde sogar inhaftiert und von seinem Amt suspendiert. Nur durch kurfürstliche  Unterstützung entkam er der Haft und zurück auf sein Amt.  Die Pläne vom Zusammenschluss des Ordens unter Führung von Bursfelde hatten sich allerdings

    zerschlagen und erst 1682 gelang der Zusammenschluss der bayrischen Benediktiner. Trotz oder vielleicht auch wegen des Dreßigjährigen Krieges  nahm die Wallfahrt einen erheblichen Aufschwung. Zwischen 1622 und 1626 wurden eine halbe Million Pilger gezählt.

    Die Kriegswirren und die Leiden, die das Klöster und die umliegenden Dörfer zu ertragen hatten, wurden immer schlimmer, wie der Pfarrer von Erling und Nachfolger von Abt Michael Maurus Friesenegger in seiner Chronik eindringlich erzählt. 1628 brach in Erling

    die Pest aus. Man hatte den Wallfahrern verboten, in den Dörfern zu übernachten. Dorfwachen waren ausgestellt und die Wallfahrer mussten unter Eid aussagen, dass sie nicht aus angesteckten Dörfern kämen. Trotz Verbot hatte man Wallfahrer übernachten lassen

    und wie Maurus schreibt, die Pest gleich mit. Innerhalb kurzer Zeit fielen der Seuche 21 Dorfbewohner zum Opfer. Niemand wollte solche Verstorbene begraben und so mussten die Angehörigen “nächtlicherweise ohne alle Ceremonie zu Grabe bringen”.

    Im Juli 1630 brach in Bayern und Schwaben eine “fürchterliche Viehseuche” aus, die viele Kühe und noch mehr Pferde tötete. Aber auch das Wild in den Wäldern war betroffen. Da der Krieg immer schrecklicher wurde und vor allem immer näher rückte, wurde für

    die Diözese ein 40-stündiges Gebet verordnet, das auf die Sonn-und Feiertage verteilt wurde. 1631 schlugen die Schweden die kaiserliche und bayrische Armee in Sachsen und zerstreuten sie. Am 15. Oktober wurde der Abt nach München bestellt. Da der Abt nicht

    anwesend war, ging der Prior und fand ganz München “in größter Bestürzung und Verwirrung”. Der Kurfürst teilte dem Prior mit, dass “der ketzerische Teil von Augsburg den Schwedenkönig um Hilfstruppen angerufen und der König dieseleben auch zugesagt habe”

    und also ein Einfall in Bayern zu befürchten sei. Der Schatz und alle anderen Kostbarkeiten sollten deshalb nach Ingolstadt, Wasserburg, Braunau, Burghauen oder an einen anderen befestigten Ort in Sicherheit gebracht werden und außerdem sofort 6000 Gulden

    “Anlehen zur Unterhaltung des Militärs ohne Weigerung einzuschicken”. Im Februar sollten die Reliquien wieder ausgepackt werden und an ihren Ort gestellt werden “um dem Volk die überflüssige Furcht zu benehmen” Doch am 5. April rückten die Schweden auf

    Donauwörth zu. Der Kurfürst befahl dem Abt schriftlich, den Schatz in Sicherheit zu bringen. Der Prior brachte den Schatz nach Burghausen, während der Abt die Heiligen Hostien auf der Brust nach München brachte. Überall vergrub man sein Hab und Gut, packte

    ein und flüchtete. Am 15. Mai ergab sich München gegen 300 000 Taler und andre Bedingungen, war aber dann unter dem Schwedenkönig “sicherer als in der kurfürstlichen Garnison”. Anders ging es aber auf dem Land zu,das wie man sagte, der König seinen

    Soldaten zur Beute überlassen hatte. “Da wurde kein Gutes, keiner Ehre auch des Leben nicht verschont”. Am 18. Mai rückten schwedische Reiter auf Kloster Heiligenberg vor. Am Abend vor Himmelfahrt wurde das von Abt Johannes Hausmann errichtete  Wirtshaus

    niedergebrannt. Die Schweden zogen nach drei Wochen wieder aus dem Kloster ab, da der bayrische Kurfürst auf Nürnberg zugezogen war und so den Schwedenkönig gezwungen hatte, ihm nachzuziehen. Der Chronist berichtetet Schlimmes von den drei Wochen.

    “Das Gotteshaus war voll Gestank und Pferdemist, auf den Altären Überbleibsel von Futter, die Opferstöcke alle zerbrochen, und die Grabstätte des Stifters geöffnet.” Wunderbares erzählte der Chronist von dem Muttergottes Bild, das auf dem unteren

    Hochaltar stand. Es war von keiner Gewalt herabzuwerfen und zu bewegen gewesen. Auch sei es nicht gelungen, das Kloster anzuzünden, obwohl an mehreren Stellen Feuer gelegt worden sei. Die “Ketzer von  Augsburg, Ulm und Nürnberg verlangten der Wallfahrt

    zum Trotz das Kloster zu verheeren.” Aber es sei nicht gelungen. Das Kloster wurde allerdings verwüstet und restlos ausgeraubt. Vieh und Geflügel wurden geraubt, die Schwaig Rottfeld niedergebrannt. Das Dorf Elling wurde eingeäschert. 43 Häuser brannten ab.

    Die Bewohner durften nichts retten.Im Dorf waren bis auf 4 Pferde und 3 Stück Hornvieh alle Tiere verloren. Der Chronist zeigt sich verwundert über die Grausamkeit gegen “die Alten, einfältigen und Presthaften”. Ins Kloster wurde zwar eine Schutztruppe gelegt.

    Das Kloster musste die Truppe unterhalten und zusätzlich noch 220 Gulden Bargeld abgeben. Zwar gab es eine gute Ernte. Wegen des Mangels an Zugtieren war sie aber schwer einzubringen. Im Frühjahr sollten die Felder bestellt werden, aber die meisten Pferde

    waren ja verloren. Man tat sich zusammen, wer nicht auf dem Feld arbeitete, bewachte die Arbeitenden. Ständig zog Kriegsvolk durch. Aber das war nicht das einzig Schlimme. Zuerst gab es einen kalten Mai mit Schnee und Eis. Dann folgte

    Michael Einslin

    große Trockenheit.Lebensmittel wurden rar und sehr teuer. “Viele Leute lebten schon von Kräutern und bei noch mehrern war Nachmehl und Kleiebrod die beste Speise”. Waren konnten nur noch sehr unsicher weitertransportiert werden, weil Räuber

    und Gesindel unterwegs war.Dann brach auch noch eine Viehseuche aus, die im Kloster und Umland großen Schaden verursachte. Die Ernte war in diesem Jahr noch schwerer einzubringen. Auf die wenigen Pferde, die man noch hatte, musste unheimlich aufgepasst

    werden. Sobald man einen Schuss hörte, floh man mit ihnen ins Kiental,um sie in  Sicherheit zu bringen. Immer wieder verlangten umherziehende Truppen horrende Kontributionen und drohten bei Nichtzahlung mit den schlimmsten Konsequenzen.

    Am 23. Oktober war der Abt wieder im Kloster. aus München hatte er den sächsischen Kurfürsten mitgebracht, der dort gefangen war. Immer wieder marschierten Heere durch. Besatzer oder Beschützer, das machte bald keinen unterschied mehr. Alle hausten

    gleich schrecklich. Ende Dezember warn 1500 Spanier in Erling. Im Kloster nahmen zwei Grafen Quartier. Im Dorf lagen die Mannschaften und das ganze Dorf schien in Feuer zu stehen. Die Soldaten hatten aus den Häusern das Mobiliar geholt und “füllten alle Gassen

    mit fürchterlichen Wachfeuern”. Die Besatzung blieb über den Jahreswechsel, weil es kein Winterquartier gab. 1500 Mann mussten verpflegt werden. Die Lebensmittellieferungen klappten nicht mehr. Alles hungerte, selbst die Offiziere, die zwar genug

    Geld hatten, aber  auch für teures Geld gab es nicht mehr zu kaufen. Düstere Aussichten auch für das kommende Jahr. Man hatte das Saatgetreide in der Dorfkirche untergebracht, aber es wurde von dort geraubt. Als die Truppen schließlich abzogen, nicht ohne das

    Vieh das noch da war,mit zu nehmen, hinterließen sie ein unbeschreibliches Bild der Verwüstung. Die Häuser waren alle beschädigt, hatten keine Dächer mehr, Mittelwände und Balken waren herausgerissen. Zäune, Obstbäume, Hausrat, Fuhrwerke “und was

    immer von Holz war, ging in den Flammen auf.” In den beiden Kirchen sah es nicht besser aus. Alles war voller Unrat, alles was aus Holz war, war den Flammen zum Opfer gefallen. Zwar waren die Soldaten jetzt weg. Zurückgeblieben waren Kranke und Entkräftete,

    die in großer Zahl starben und niemand beerdigte sie mehr. Die Ernte fiel in diesem Jahr besser aus, wenngleich es nach wie vor unheimlich beschwerlich war, sie einzubringen. Die Menschen waren “vom Hunger abgemergelt”. Dazu fehlte es an Pferden,

    Fuhrwerken und anderen zur Ernte notwendigen Instrumente. Es kam weiteres Elend auf die Überlebenden zu. “Die Menschen haben noch nicht recht angefangen, neu zu leben, stellte sich wieder ein anderes Übel ein”. Im Juli brach die Pest aus. Oft konnten die

    Toten nicht mehr beerdigt werden. Die Lebenden waren zu geschwächt, diese traurige Pflicht zu leisten. Die Toten blieben so oft in den Häusern liegen. So musste man manchmal einfach das Haus samt den Toten verbrennen. “Vorhin, in den besseren Zeiten zählte

    dieses Dorf (Erling) noch 500 Seelen, zu Ende dieses Jahres waren noch 190 übrig.” Weil es an allem mangelte, Pferden, Samen und auch kaum mehr einer in der Lage war, zu dreschen, konnte man sich leicht ausmalen, dass auch die nächsten Jahre Hungerjahre sein

    würden. Im November flaute die Pest wieder ab und da an den Dörfern Strohkreuze aufgerichtet waren zu Zeichen, dass Dorf von der Pest befallen war, kamen wenigstens weniger Plünderer. Da man im Vorjahr einige Siege erreicht hatte und darüber hinaus das

    “die Erschöpfung an allen Lebensmitteln” ließen für das Jahr 1635 etwas mehr Ruhe erhoffen. Im Januar aber herrschte bitter Kälte und die ohnehin schon Entkräfteten drohten in ihren Häusern zu erfrieren. In der Diözese Augsburg waren 400 Pfarreien ohne Hirten,

    weil die Seelsorger teils gestorben, teils wegen des Hungers weggezogen waren. Die großen Dorfschaften, in denen vor dem Krieg bis zu 1000 Seelen wohnten, hatten oft nur noch 20-30 Bewohner. Von Augsburg erzählte man sich Schreckliches. In München waren

    die Lebensmittel rationiert und es gab nur noch kümmerliche Rationen. Im Juli reiste Kurfürst Maximilian von Bayern nach Wien um Prinzessin Maria Anna, die Tochter Ferdinands II. zu heiraten. Auch der 1635 zwischen dem Kaiser und der katholischen Liga

    einerseits und Kursachsen andrerseits beendete den Krieg zwischen den Reichsständen und machte en Menschen wieder ein bisschen Hoffnung.  Kurfürst Maximilian den Andechser Schatz von  Salzburg auf den Heiligen Berg zurückbringen, nachdem die

    Kriegsgefahr geringer geworden war. Im Frühjahr war nur wenig ausgesät worden. Dazu kam noch eine schlechte Ernte. Das wenige, was dann noch wuchs fraßen die Mäuse. Im Kloster reichten die Erntevorräte nur bis Martini. Danach musste alles für teures Geld in

    München zugekauft werden. Im August aber kam der Schatz nach Andechs zurück und die Mönche fanden “alles ohne die geringste Verletzung”. Im Herbst grassierte wieder die Pest, in Schwaben noch stärker als in Bayern. Diesmal betraf es vor allem die

    Reichstädte. Maurus Friesenegger gibt für Augsburg die Zahl von 80.000 Einwohnern an. Das ist sicher viel zu hoch gegriffen. Augsburg hatte vor dem Krieg etwa 48 000 Einwohner. Aber die Verluste waren auf jeden Fall enorm. Eine Zählung von 1635 ergab

    16432 Einwohner, davon 731 Fremde. Krieg, Hunger und Seuchen hatten die Stadt aber schon etwa zwei Drittel ihrer Bevölkerung gekostet. Ähnlich sah es in den anderen Reichsstädten wie z. B. Ulm aus. Das Himmelfahrtsfest wurde 1636 sehr festlich begangen.

    Der Kurfürst hatte seine Trompeter geschickt um das Fest “mehr zu solennisieren”. Auch wurden Zelte für die Wallfahrer bereit gestellt, da die Unterkünfte in Erling immer noch in äußerst desolatem Zustand waren. 1637 starb Kaiser Friedrich am 15. Februar. Aber

    das Jahr 1637 verschonte Erling und Heiligenberg in vor schlimmen Erlebnissen. Nur aus Schwaben drangen schlimme Nachrichten. Aber nach 18 Jahren war man einfach nur dankbar, dass es diesmal nicht so schlimm gekommen ist. “ Gott sey in Allem gepriesen!

    und ihm sei tausend Dank, dass uns dieses Jahr nur die bittere Geisel des Krieges nicht getroffen!” Das Jahr 1638 begann in Erling und Heiligenberg stürmisch. Kaum ein Dach, das nicht ab gedeckt wurde. Im Kloster wurde die Kirche so stark beschädigt, dass der

    Einsturz drohte. Der Kurfürst schickte seinen Baumeister nach Heiligenberg “um die Gefahr zu untersuchen und dem Ruin des Klosters zuvorzukommen. Der Sturm hatte einen Schaden von 1000 Gulden am Kloster verursacht. Im Juli reparierte der kurfürstliche

    Baumeister Michael Haigel den Kirchturm. Außerdem stellte er zusammen mit dem Wessobrunner Maurermeister Georg Schmutzer  das von den Schweden abgebrannte Wirtshaus wieder her.

    Am 23. August besuchte Herzog Albert der Leuchtenberger, der Bruder des Kurfürsten Maximilian zusammen mit seinem Sohn  Sigmund Albert das Kloster Heiligenberg. Da erlitt Abt Michael auf den Tag genau dreißig Jahre nachdem er Abt geworden war einen

    Schlaganfall, an dem er noch am selben Tag verstarb. Am 28. September wurde der neue Abt Maurus Frieseneger gewählt und einen Tag später geweiht. Er war 1590 als Sohn eines Bäckermeisters geboren worden, besuchte bis 1612 das Jesuitengymnasium in

    München. 1614 legte er im Kloster Heiligenberg  die Profess ab. Dann war er Novizenmeister. Von 1627-1638 war er Pfarrvikar von St. Vitus in Erling und zugleich Subprior der Abtei. In seiner Erlinger Zeit begann er mit der Chronik von Erling und Heiligenberg. Sie

    schildert die Begebenheiten In Erling und dem Kloster während des Krieges von 1627-1648. Es ist eines der bedeutendsten autobiographischen Zeugnisse seiner Zeit. In seiner Amtszeit als Abt setzte er sich wie sein Vorgänger für die Gegenreformation in   der

    Oberpfalz ein und förderte die Benediktineruniversität in Salzburg, mit der das Kloster Heiligenberg in enger Verbindung stand.

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    Die nächsten beiden Jahre verliefen einigermaßen ruhig.1544 hatte Abst Maurus schon einige Häuser im Dorf wieder aufgebaut und verkaufte sie weiter “aber alle sehr wohlfeil und unter der Hälfte verkauft, als was sie gekostet, weil noch niemand gerne Häuser

    und Güterübernehmen wollte, die wegen dem ungewissen Ausgang des Kriegs noch nicht sicher zu behaupten waren.” Im August 1642 schlug der Blitz in den Turm der Klosterkirche, allerdings ohne weiteren Schaden zu verursachen, was aber in wenigen Jahren

    schon siebenmal passiert war. Der Chronist vermerkt das nicht ohne Sorge, dass der Turm doch einmal Feuer fangen wird. Nicht unberechtigt, wie die Zukunft zeigt. Die letzten Kriegsjahre verbrachte der Abt öfters in Tegernsee. Und im letzten Jahr des

    mörderischen Krieges war der Abt in Salzburg an der Universität. Am 6. November machte sich der Abt auf nach Heiligenberg und er fand es besser an, als er befürchtet hatte, wenngleich der Getreidekasten ganz leer war. Wie er  in seiner Chronik geschildert hatte,

    Abst Maurus schon in den letzten Kriegsjahren mit dem Wiederaufbau begonnen. Das Kloster erholte sich vergleichsweise schnell. Mit einem gewissen Stolz vermerkt Abt Maurus, dass Pater Mathias aus dem Kloster 1652 Prior in Nieder-Altaich und 1653 Abt von

    Asbach wird.Er ist damit das zweite Andechser Konventsmitglied, das in einem anderen Kloster Abt wird. Abt Maurus stirbt am 11. Mai 1655 wo er vor dem Liebfrauenaltar bestattet wird. Auf ihn folgt der aus Landsberg stammende Cölestin Probst. Er lehrte auch an

    der Universität Salzburg. Er dankt 1665 ab und wird noch bis 1666 an der Universität Salzburg geführt. Sein Nachfolger ist der aus Weilheim stammende Abt Maurus von Rambeck. Seine Profess hatte am 12.6.1650 abgelegt.Am14 1. 1666 wurde er zum Abt gewählt.

    Studiert hatte er in Andechs,  Salzburg und Wien. Er bekam schnell Gelegenheit, seine Tatkraft unter Beweis zu stellen. Am 3. Mai 1669 schlug, man ist versucht zu sagen, wieder Mal der Blitz ins Kloster ein. Nur wurde diesmal das gesamte Kloster mit Ausnahme der

    heiligen Kapelle und des Reliquienschatzes ein Raub der Flammen. Grade mal zwanzig Jahre nach dem verheerenden großen Krieg eine erneute Katastrophe. Doch Abt Maurus begann unverzüglich mit dem Neubau. Das Kloster erhielt im Wesentlichen seine

    Gestalt, die es heute noch hat. Er setzte sofort alle Hebel in Bewegung, um Bauhilfen für Kloster und Kirche zu erhalten. Die Oberösterreichische Hofkammer bewilligte aus dem Ehrenbergischen Gehölz 30-40 Lärchenstämme, bei der bayrischen Landesherrschaft

    bemühte er sich ebenfalls um Bauholz und Futtergetreide für die Zugpferde, die für den Holztransport benötigt wurden. Der Kurfürst genehmigte 600 Stämme Bauholz und 30 Scheffel (ein Scheffel entspricht ungefähr 50 Liter) Hafer. Außerdem schickte er seinen

    Prior zu anderen Klöstern und Stiften, um Gelbeihilfen zu bekommen. Viel war  freilich nicht zu bekommen. Der Krieg lag noch viel zu kurz zurück. Ottobeuren und Tegernsee schenkten jeweils 150 Gulden nicht ohne umständliche Entschuldigungen, nicht mehr

    geben zu können. Auch um Darlehen ging der Abt Klöster an. Rott bewilligte 500 Gulden zinslos, Ettal 300 und Benediktbeuren schenkte 150 Gulden. Kapital, das das Kloster beim Bundeszahlamt und die bei der gemeinen Landschaften stehenden Kapitalien von

    5000 Gulden kündigte er. Den Kurfürsten bat er um eine Anleihe aus der Konvertitenkasse. Dazu wurden Risse über das Aussehen des alten und die Planung des neuen Klosters verlangt, dazu einen Kostenvoranschlag für die Baukosten. Das besorgte der Münchner

    Hofbaumeister Marx Schinnagl (von 1654-1681 Hofbaumeister) Sein Kostenvoranschlag vom Februar 1670 belief sich auf 27230 Gulden. Die Bischöfe von Freising, Salzburg, Augsburg, Regensburg und Passau bat er um den Konsens für eine Kirchenumlage.Sämtliche

    Kirchen in Bayern sollten mit einer Abgabe belegt werden und zwar je Gulden Vermögen zwei Kreuzer, weniger vermögende ein Kreuzer. So sollten die geschätzten Kosten in vier Jahren zusammen kommen. Als  der Abt gehört hatte, dass die Pfarrkirche St.

    Peter ein neues Uhrwerk bekommen sollte, bat er Bürgermeister und Rat, ihm das alte für seine Kirche zu überlassen, was dann tatsächlich geschah. Noch 1669 konnte die Kirche neue eingedeckt werden. 1671 wurde das Kloster wieder bezogen. 5 neue Glocken

    wurden aufgezogen. Ein neues Chorgestühl folgte. 1679 entstand  der obere Hochaltar.  Doch trotz dieser finanziellen Lasten blieb das Kloster wirtschaftlich handlungsfähig. Es kam sogar weiterer Grundbesitz hinzu. War Wein als Tischgetränk im Kloster erst

    1524 erlaubt, so wurden 1674 zwei Weingüter in Moritzing bei Bozen gekauft. 1687 wurde eine erste  Wasserleitung gebaut, was die Wasserversorgung auf dem Heiligenberg wesentlich verbesserte.

    Ein weiteres wichtiges Ereignis für die Benediktinerklöster in Bayern war des Breve “Circumspecta”  von Papst Innozenz XI. (1676-1689). Damit wurde die bayrische Benediktiner Kongregation 1684 gegründet. An dem vom Tridentinum schon 1563 geforderten

    Zusammenschluss von Klöstern in einer Kongregation arbeiteten die bayrischen Benediktinerklöster ja schon 1627, als die Äbte von  Andechs, Tegernsee und Scheyern beim bayrischen Kurfürsten einen Vorstoß zu einem Zusammenschluß der Klöster machte. Dies

    scheiterte ja am Widerstand der Bischöfe, allen voran der Augsburger Bischof Heinrich von Knöringen, da sie einen Verlust an Einflußnahme  befürchteten. Der Augsburger Bischof verbot weitere Initiativen in dieser Frage. Als 1681 der bayrische Kurfürst die

    Benediktiner unterstützte, kam wieder Bewegung in die Angelegenheit. Die bayrischen Prälaten trafen sich am 16. Juni 1684 in München  mit dem bayrischen Gesandten Abbate Scarlatti in Rom. Mit dem Breve wurde die bayrische Kongregation am 26. August 1684

    als Institution zur Stärkung der monastischen Disziplin, der Wissenschaft und des Glaubens gegründet. Im November 1684 fand unter dem Abt Cölestin Vogel von St. Emmeran als Präses das erste Generalkapitel statt. Die Bischöfe von Regensburg und Passau hatten

    den Klöstern ihrer Diözese die Teilnahme verboten. Und auch der Augsburger Bischof hatte sich wegen der in seinen Augen rechtswidrigen Exemtion der Mitgliedsklöster an den Kurfürsten gewandt. Der Kurfürst wies dies aber zurück und erreichte eine “amicabilis

    compositio “ mit den Bischöfen. Darin wurde festgehalten, dass  die bayrischen Benediktinerklöster zum Gehorsam ihrem Diözesanbischof verpflichtet waren. 19 der 26 bayrischen Klöster traten der Kongregation bei. Die bayrische Kongregation war nach dem

    Vorbild der Helvetischen gegründet worden. Deshalb wurde die Jurisdiktion dem päpstlichen Nuntius in Luzern übertragen. Im Auftrag des Präses reisten nun die Äbte Plazidus von Benediktbeuren und Bernhard Wenzl von Tegernsee nach Luzern zu Federico

    Baldeschi. Mit ihm erörterten sie die Kongregationsprobleme und erstatten nach ihrer Rückkehr am 9. Juni in München dem Kurfürsten Bericht. Das Generalkapitel versammelte sich ab dem 2. Generalkapitel, das am 1686 in Scheyern abgehalten wurde im

    Dreijahresrhythmus. Ein wichtiges Instrument der Kongregationstätigkeit waren Visitationen, die zunächst jährlich und seit 1687 alle drei Jahre stattfinden sollten. 1788 wurde in Wessobrunn die Gründung einer wissenschaftlichen Gesellschaft beschlossen, die in

    Verbindung mit der Kurfürstlichen Akademie in München stand. Die Kongregation bestand bis zur Säkularisation 1803 und wurde 1858 durch Papst Pius IX. in den wiederhergestellten Klöstern in Bayern wieder gegründet.

    Abt Maurus II. stirbt 1686.  Ihm folgt Quirin Wessenauer aus Salzburg nach. Er übernahm 1690 den Besitz des Hochschlosses Pfähl. Das Kloster war allerdings nicht am Schloss sondern nur am Grundbesitz interessiert. Schon im 30.-jährigen Krieg stark beschädigt

    verfiel es weiter.Abt Quirins letzte Lebensjahre waren von neuen Kriegswirren überschattet. Er starb 1704 in München.

    Der letzte spanische Habsburger Karl II. hatte keinen Erben und so wurde ab 1697 an allen europäischen Höfen über die spanische Thronfolge nachgedacht. Sowohl der französische König Ludwig XIV. als auch der deutsche Kaiser, der Habsburger Leopold I. waren

    mit Töchtern von Philipp IV. von Spanien verheiratet. Beide machten Erbansprüche auf den Bourbonenthron geltend. Die Machtkonstellation würde erheblich erschüttert, sollte sich Frankreich oder Kaiser Leopold Spanien ganz einverleiben.  Nun handelte Ludwig

    XIV. mit Wilhelm III. von England, der daran interessiert war, Frankreich nicht zu stark werden zu lassen, einen Teilungsvertrag aus. Der bayrische Prinz Joseph-Ferdinand (1692-1699), der Sohn des bayrischen Kurfürsten Max Emanuel  sollte Spanien bekommen. Die

    restlichen europäischen Besitzungen Spaniens sollten zwischen Ludwig und Leopold geteilt werden. Der Plan aber wurde hinfällig. Denn der bayrische Prinz starb im Alter von 6 Jahren. Kurz vor seinem Tod änderte Karl II. sein Testament den Enkel Ludwigs XIV.

    Philipp von Anjou zum Erben ein. Am 1. November 1700 starb Karl. Der französische König nahm das Testament nur zögerlich an. Er erlaubte Philipp als Philipp V. den spanischen Thron zu besteigen. Am 1. Februar 1700 zog Philipp in Madrid ein . Leopold legte

    zunächst nur Protest ein. Gleichzeitig hatte sich aber auf Betreiben Englands die Große Haager Allianz gebildet.Der bayrische Kurfürst hatte sich gegen Zahlung von Subsidien zum Unterhalt einer 15000 Mann starken Armee dafür zu sorgen, dass das vom

    schwäbischen und fränkischen Reichskreis gebildete Bündnis auch im Kriegsfall neutral blieb. Das reichte allerdings noch nicht um Max Emanuels Träume von einer Gebietserweiterung oder einer souveränen Krone zu erfüllen. 1702 schlug er deshalb dem

    französischen König vor, das bereits bestehende Defensivbündnis in ein Offensivbündnis umzuwandeln. Der Kaiser erklärte am 1702 Frankreich den Krieg. Offen zeigte sich der Konflikt, als Max Emanuel die schwäbische Reichsstadt Ulm überfiel. Er hatte damit

    Landfriedensbruch begangen. Bald hatte Max Emanuel auch Memmingen und Dillingen in seiner Hand und bedrohte Augsburg und Neuburg an der Donau, schließlich sogar Regensburg, die Stadt des Immerwährenden Reichstages. Ein Vorstoß nach Tirol glückte

    wegen eines Aufstandes der dortigen Bevölkerung nicht. In der 2. Schlacht von Höchststädt wurde das bayrisch-französische Heer von  dem englisch-österreichischen Heer unter dem Duke of Marlborogh, einem Vorfahren von Winston Churchill und Prinz Eugen von

    Savoyen geschlagen. Max Emanuel ging mit seinem Bruder Joseph Clemens von Bayern, dem Kurfürsten von Köln ins Exil. Er wurde in die Reichsacht getan. Bayern war von österreichischen Truppen besetzt und kam unter kaiserliche Verwaltung.Im Frieden von

    Rastatt 1714 wurden Max Emanuel sowie sein Bruder Joseph Clemens wieder restituiert und der Vorkriegszustand weitgehend wieder hergestellt.

    Der in München als Sohn des Bäckermeisters Georg und seiner Frau Barbara geborene Maurus hatte mehrere Brüder. Zwei Heinrich und Marin waren Patres in Andechs und Schäftlarn. Gregor war Prior in Weihenstephan und Benno hatte in Wessobrunn 1698 seine

    Profess abgelegt und war bis zu seinem Tod Pfarrer in Wessobrunn. Maurus schließlich wurde 1705 zum Nachfolger von Abt Qurin gewählt. Trotz der schwierigen Zeitläufte führte er das Kloster sowohl durch den spanischen als durch den österreichischen

    Erbfolgekrieg (1740-1748), was seiner Gewandtheit zu zuschreiben war. Das Kloster ging einer Zeit hoher Blüte entgegen. 1721 war im Gut Kerschlach ein Neubau errichtet worden. Obwohl das Kloster über eine große Anzahl eigener Pferde verfügte, sei der Abt

    eigens nach Keferloh gereist, um für das Gestüt einen Zuchthengst und zwei Stuten zu kaufen. Er hatte während seiner Amtszeit die Kirche mit einer neuen großen Orgel versehen, da die alte wohl beim großen Kirchenbrand verloren

    gegangen war. Er starb 1746.

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    Als sein Nachfolger wurde Bernhard Schütz aus Wessobrunn gewählt. Das große Ereignis in der Amtszeit von Abt Bernhard war das anstehende 300-jährige  Jubiläum der Abtei 1751 hatte sich das Kapitel für die leichte bauliche Veränderung und Ausgestaltung im Stil

    des Rokoko entschieden. Schon 1721 waren die Fenster der gotischen Wallfahrtskirche verändert worden. Die wandfeste Ausstattung übernahm Johann Baptist Zimmermann (1680-1758), älterer Bruder des Dominikus, des Erbauers von Steinhausen und der Wies.

    An beiden  hatte auch Johann Baptist mitgearbeitet. Er war seit 1729 Hofstuckateur mit Hofschutz (Das umfasst Steuerbefreiung, Befreiung vom Zunftzwang und weiteren Vorrechten). Nachdem er mit der Stuckierung des Treppenhauses von Schleißheim seinen

    ersten Auftrag  erhalten hatte, avancierte er allmählich zum bevorzugten Stuckateur des bayrischen Adels. Das Bildprogramm von Zimmermann stellt Andechs nicht nur als Ort des Heiles sondern auch Ort der Heilung dar. 26 Bilder auf der Emporenbrüstung erzählen

    die Geschichte des heiligen Schatz, aber auch den vergeblichen Versuch der Schweden, die Marienstatue zu stürzen, aber auch die Feuersbrunst von 1669. Im Andechser Heiligenhimmel werden sind Menschen um die Dreihostienmonstranz versammelt. Es sind

    Heilige, die angeblich mit diesen drei Hostien in Zusammenhang standen. Dann sind auch Heilige und Selige des Andechser Grafengeschlechts abgebildet sowie Heilige von den Reliquien in Andechs aufbewahrt sind. In Gewölben wird auf Stifter und Wohltäter der

    Kirche hingewiesen. Der Weilheimer Maler Franz Xaver Schmädl arbeitete für die bewegliche Ausstattung. Auch der Münchner Bildhauer Johann Baptist Straub arbeitete an den Altären. Im Refektorium arbeitete der Wessobrunner Stuckateur Franz-Xaver Schmuzer

    (1713-1775). Dort  ist auch ein blauer von fünf Löwen getragener Kachelofen mit dem Abtswappen von Bernhard Schütz. Aber auch das Jubiläum selbst wurde zum großen Fest. Es wurde in der Woche vor dem Michaelstag begangen. Der Andechser Pater, Gregor

    Schreyer,der 1740 sein Ordensgelöbnis in Andechs abgelegt hatte, hatte für jeden Tag der 8 Festtage eine Messe komponiert, die mit eigens aus München gekommen Musikern aufgeführt wurde. Er wurde von seinen Zeitgenossen als versierter Geiger und Organist

    geschätzt. Er hatte Einfluss auf die Musikentwicklung im Orden der Benediktiner in Bayern. Natürlich wurden auch Festpredigten gehallten. Es gab aber auch große theologische Disputation. Auch die Wallfahrt hatte Konjunktur. Über 80 000 Menschen seien in dieser

    Woche nach Andechs gepilgert und –so wird überliefert- über 30 Priester zugleich  hätten Kommunion austeilen müssen. Viele Andechser Patres  lehrten an der Universtität Salzburg. Wie das Beispiel Gregor Schreyer zeigt, hatte auch die Pflege der Musik ihren

    Stellenwert.

    1759 verstarb Abt Bernhard Schütz. Sein Nachfolger wurde Meinrad Mosmüller aus Issing, heute Gemeinde Vilgershofen. Er war wie sein Vorgänger Novizenmeister im gemeinschaftlichen Noviziat der bayrischen Benediktinerkongregation. Er lässt zwischen 1763

    und 1767 die zweigeschossige Klosterapotheke errichten. Er starb 1767. Ihm folgten mit Josef Hörl aus Hamfeld (1767-1775). Zur Zeit seines Amtsantritts herrschte eine große Hungersnot. Trotzdem konnte er den wirtschaftlichen Zustand der Abtei erfolgreich

    verbessern. Johann Baptist Bergmann aus Regensburg  wurde am 8. September 1776 gewählt. Ihm lag die Förderung wissenschaftlichen Strebens am Herzen. So kümmerte sich um Vermehrung des Archivs und der Bibliothek. Aus seiner zeit stammt das physikalische

    und Naturalienkabinett. Er starb am 30. November 1790. Mit Gregor Rauch  wurde am 3. Januar 1791  der letzte Abt in Heiligenberg bis zur Säkularisation 1803 gewählt  . Gregor war Sohn des Lehrers Johann Michael und der Maria Elisabeth Rauch. Er hatte noch 5

    Geschwister, die alle ebenfalls Benediktiner waren. Er starb am 12. März 1812 bei seinem Bruder P. Placidus, der Pfarrer in Epfach war.

    1803 wurden alle Klöster nach dem Reichsdeputationshauptschluss aufgelöst. In Andechs wurde alles verkauft. nur die alte Apotheke und die Wallfahrtskirche blieb in Staatsbesitz. 1812 wurde die Apotheke aufgelöst. Ihr Inventar ging an das Allgemeine

    Krankenhaus nach München. Die Konventualen durften zwar noch im Kloster wohnen bleiben. Aber jedes monastische Leben war ihr untersagt, so dass die ehemalige klösterliche Gemeinschaft rasch auseinanderfiel. Vor allem die jüngeren Mönche suchten neue

    Aufgaben in der Seelsorge oder Lehre.

    Die Versuche mit der Einrichtung einer regionalen Industrie gingen schief. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel ging das ehemalige Klostergut an den Freiherren von Jordan, der es erfolgreich bewirtschaftete. Er verkaufte es 1846 für 65000 Gulden an König Ludwig I.

    von Bayern, der es aus seiner Privatschatulle erwarb. König Ludwig hatte schon die Klöster Metten (1830), Scheyern ( 1837)Weltenburg (1842) und in München sollte die Abtei St. Bonifaz neu gegründet werden. Zur wirtschaftlichen Versorgung wurde das Kloster

    Andechs als Priorat der Stadtniederlassung gegründet.

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    Paul Birker wurde am 19. Oktober 1814 als Sohn des Zimmermanns Josef Birker und der Agnes Abt in Sonthofen geboren. Nach dem Besuch des St. Anna Gymnasiums in Augsburg studierte er Theologie in München. Danach trat er in die neugegründete

    Benediktinerabtei St. Stephan in Augsburg ein. Dort legte er 1838 die Profess ab und empfing ein Jahr später die Priesterweihe. Er wurde Novizenmeister und Prior des 1835 als Priorat von St. Stephan wiedergegründeten Kloster Ottobeuren. 1847 bestellte ihn

    König Ludwig zum 1. Abt von St. Bonifaz in München. die Weihe erfolgte am 5. Mai 1851. Mit seinen strengen Vorstellungen von mönchischer Askese und Klosterleben konnte er sich im Konvent allerdings nicht durchsetzen. 1854 trat er deshalb zurück.

    Er ging schließlich in die Schweiz, war hoch angesehen als Gelehrter, Schulmann und Prediger und bekam das Kloster Disentis übertragen.Allerdings resignierte er 1877 auch dort und zog sich nach St. Bonifaz zurück, wo er 1888 starb.

    Auf ihn folgte Daniel Bonifaz von Haneberg. Er wurde am 16. Juni 1816 als dritter von vier Söhnen des Bauern Thomas Haneberg  auf einem Einödhof bei Kempten geboren. Da seine Sprachbegabung früh erkannt wurde, wurde er nach Kempten aufs Gymnasium

    geschickt. Nach der dritten Gymnasialklasse wechselte er nach München. An der Universität München  studierte er Philosophie, Theologie und orientalische Sprachen. Neben Hebräisch, seinem Studienfach sprach er Arabisch, Koptisch, Armenisch, Farsi, Sanskrit und

    Chinesisch. Natürlich beherrschte er Englisch, Französisch und Portugiesisch. Neugriechisch sprach er wie seine Muttersprache. Verständigen konnte er sich aber auch in Russisch und Türkisch. Zu seinen Universitätslehrern zählten Ignaz Dollinger und Johann Adam

    Möhler, der römisch-katholischen Theologen, der die jüngere Tübinger Schule prägte. Ab 1840 war Haneberg außerordentlicher Professor, ab 1844 ordentliche Professor an der Uni München. Ab 1846 war ordentliches Mitglied der  Deutschen Morgenländischen

    Gesellschaft. 1850 trat er als Novize in St. Bonifaz ein. Während seines Noviziats unterbrach er seine Vorlesetätigkeit für ein Jahr. 1854 wurde er zum Nachfolger für den zurückgetretenen Abt Paul Birker gewählt und am 16. März 1855 geweiht. Neben seiner

    Bestimmung als Ökonomie erhielt Andechs die Aufgabe, ein Rettungs- und Erziehungshaus für  verwahrloste und gefährdete Jugendliche einzurichten. Dies geschah 1856 unter Abt Daniel Bonifaz. Das Haus arbeitete mit unterschiedlichem Erfolg und teilweise

    auch gegen den Widerstand staatlicher Kulturpolitiker.

    Papst Pius IX. wollte Daniel Bonifaz an die vatikanische Bibliothek berufen. Doch dagegen intervenierte Maximilian II. Dreimal war Daniel Bonifaz schon für einen Bischofsstuhl vorgeschlagen worden. Den 4. konnte er auch auf ausdrücklichen Wunsch von Papst Pius

    IX. nicht mehr ausschlagen. So wurde er 1872 auf den Bischofstuhl von Speyer erhoben. Dort wirkte noch bis zu seinem Tod als richtiger Seelsorgebischof. Er ist im Speyrer Dom begraben.

    Das 400-jährige Jubiläum der Klostergründung wurde 1858 begangen. Die Zeitläufte waren andere geworden. Die Wallfahrt war zum Erliegen gekommen. Bitt-und Wallfahrtszüge waren verpönt.Großartige Kirchenfestlichkeiten fanden nicht mehr statt. “ nur mehr

    die lebenslustige Welt bestieg den heiligen Berg um Naturschönheiten zu genießen oder irdische Interessen zu verfolgen” wie Pater Magnus Sattler in seinem “Büchlein vom Heiligen Berg” fast wehmütig vermerkt. Das Jubiläum wurde aber von einer großen

    Menschenmenge begangen. Man war dankbar, dass Andechs “in den religiösen zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts bewahrt worden und wieder eine Trost-und Zufluchststätte für Hilfsbedürftige jeder Art”  geöffnet war.

    In St. Bonifaz folgte Benedikt Zenetti auf Abt Daniel Bonifaz. Benedikt Zenetti wurde am 13. Mai als Sohn des bayrischen Regierungsbeamten Johann Baptist von Zenetti und seiner Ehefrau Josepha von Mieg geboren. Er war auf den Namen Wilhelm getauft worden.

    Sein Vater wurde später Regierungspräsident der Pfalz. Wilhelm Zenetti begann 1839 an der Universität München mit dem Studium der Philosophie und Rechtswissenschaften. 1844 wechselte er zur Theologie und wurde am 1. August 1847 zum Priester geweiht. Er

    trat zur gleichen Zeit wie sein Vorgänger in das neugegründete Kloster Sankt Bonifaz ein und nahm den Ordensnamen Benedikt an. König Ludwig berief ihn 1866 als ersten Prior in das wiedergegründete Kloster Schäftlarn. 1872 folgte er Abt Daniel Bonifaz nach.

    Er war bis zu seinem Tod 1904 Abt in St. Bonifaz

    Eine wichtige Person war für das Kloster Andechs der Prior Magnus Sattler (1827-1901) Er war ab 1858 Oberer und von 1873 an bis kurz vor seinem Tod Prior in Andechs. Mit Wagemut und Tatkraft legte er die Grundlage für das nachhaltige Wirtschaftswachstum

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    der klösterlichen Wirtschaftsbetriebe im 20. Jahrhundert. Die klostereigene Landwirtschaft stellte die Hauptlebensgrundlage dar. Die Brauerei war nur ein Nebenbetrieb, der Rohstoffe verarbeitete. Dessen Abfälle wiederum standen der Landwirtschaft als

    Futtermittel zur Verfügung. 1871 ließ Pater Magnus die Brauerei auf Dampfbetrieb umstellen. 1893 wurden Fasstadel und Lagerhalle und 1894 das Sudhaus erneuert.1890 war der Klosterladen errichtet worden. Viele  andere Wirtschaftsgeb