Archiv des Autor: Franz-Karl

Reichsstift Kaisheim

 

                                                                                                                                                                                  

Graf Heinrich II. von Lechsgmünd, dessen Abstammung nicht mit Sicherheit zu klären ist, stiftete 1135 das Zisterzienserkloster Kaisheim. Er war wohl ein Sohn von Otto von Lechsgemünd.

Verheiratet war er mit Liutgard, die ebenso wie sein Sohn Volkrad in der Kaisheimer Stiftungsurkunde von 1135 genannt sind. Der Augsburger Bischof Walther I.(1133 – 1152) gab seine Einwilligung zur

Klostergründung und empfahl sich an das Zisterzienserkloster Lützel im Bistum Basel zu wenden. Abt Christian (1131 ? – 1175 )schickte 1134 mit Ulrich den Gründungsabt nach Kaisheim, wie bei den Zisterziensern üblich begleitet von 12 Mönchen. Lützel war

über sein Mutterkloster Bellevaux in der Filiation von Morimond, das das Mutterkloster von Bellevaux war.Kaisheim war die dritte Gründung von Kloster Lützel. Bischof Walther bestätigte die Klosterstiftung in seiner Urkunde vom 20. September 1135.

Er schenkte dem Kloster auch eine Inful des heiligen Ulrichs.

Der Klostergründer verstarb am 11. März 1142 und wurde in der noch nicht ganz fertiggestellten Klosterkirche beigesetzt. Gründerabt Ulrich starb im Mai 1155. Zum zweiten Abt wurde einstimmig Konrad I. (1155–1165) gewählt.

Im Juni 1156 nahm Kaiser Friedrich I. (1152-1190) das von “Bischof Walter von Augsburg, Graf Heinrich von Lechsgemünd, seiner Gemahlin, der Gräfin Luicardis, und seinem Sohn Volchrad gegründete Zisterzienserkloster Kaisheim unter Abt Ulrich in seinen Schutz und bestätigt ihm die Besitzungen”.

RI IV,2,1 n. 405 Bei den Besitzungen wurden namentlich genannt Kaisheim, Bergstetten, Wolfsbrunnen, Beuerfeld, Leitheim , Ronheim, Anhausen, Weilheim, Birkach , Wineden, Aichen mit den Kirchen und allem Zubehör. Kaisheim hatte in den knapp 20 Jahren seines Bestehens schon Besitz in 14 Orten.

Es setzte Konversen zum Bauen ein. Wer handwerklich nicht ausreichende Fähigkeiten hatte, wurde in der Landwirtschaft eingesetzt. Abt Konrad starb nach 10 Jahren Regierungszeit. Sein Nachfolger wurde Diethelm (1165–1174 ). Er konnte den Klosterbesitz

weiter mehren. Auf ihn folgte Konrad II.  der urkundlich 1185 auftritt. In seiner Amtszeit wurde das Schlafhaus fertiggestellt und die Kirche kam unter Dach. Da der Gottesdienst nun in der Kirche gefeiert werden konnte, ließ Abt Konrad die Kirche von

dem Augsburger Bischof Hartwig (I.) v. Lierheim (1167-1184) 1183 weihen. Da das Kloster an der Grenze der beiden Bistümer Augsburg und Eichstätt lag, war auch der Eichstätter Bischof Otto (1182 –1196) bei der Weihe anwesend.

Am 4. März 1185 nahm Papst Lucius III. (1181-1185) Kloster Kaisheim, Abt Konrad und den Konvent in den päpstlichen Schutz, befreite  sie vom Zehnten bei Eigenbau und für Tierfutter, bestätigte wie Innocenz (II.), Eugen (III.) und Alexander (III.), daß niemand sie zu Synoden und vor Gerichte zwingen

darf. Das heisst, dass schon die drei Vorgängerpäpste Schutzurkunden für Kaisheim ausgestellt haben müssen. Außerdem bestätigte Lucius den Klosterbesitz. Lucius III. – RI IV,4,4,2 n. 1513. Papst Lucius erwähnt Klosterbesitz an 19 Orten, auch in Krimml in Tirol. Das sind immerhin rund 300 Kilometer

Entfernung, für mittelalterliche Verhältnisse also eine enorme Distanz.

Unter Abt Konrad II. wurde das Schlafhaus vollendet, das Refektorium gebaut. Die Bibliothek wurde aufgeführt und eingeweiht. Einen Wärmeofen gab es schon. Ein Gewölbe zur Aufbewahrung von Butter und Käse wurde errichtet und eine Krankenküche wurde gebaut.

Der 5. Abt war Ebbo (1198–1210). In seiner Amszeit wurde öfters Geld gespendet, mit der Auflage ein bestimmtes Gut zu kaufen, so z. B. als Ritter  Gebhardus dem Kloster 24 Mark schenkte, um ein Gut in Neuweiler und eines in Biberbach zu kaufen. 24 Mark sind etwa 3.820 € und nach Kaufkraft

etwa 11.462 €. 1204 wurde ein Haus in Giengen für 90 Pfund Heller gekauft. Das entspricht etwa 14.327 € oder nach heutiger Kaufkraft 42.981 €.

Abt Ebbo starb 1210.  Martin Schaidler   führt in seiner Chronik des ehemaligen Reichsstift Kaiserheim(Kaisheim), Nördlingen 1867,

als nächsten Abt Conradus auf, die Biographia Cisterciensis dagegen als 6. Abt Albert (urkundlich 1214 und 1216). In seiner Anmerkung auf Seite 12 erwähnt er allerdings

auch Abt Albert. 1211 gründete Adalbert III. Graf von Dillingen das Frauenkloster Oberschönenfeld. Dieses wurde dem Abt in Kaisheim unterstellt. (siehe dazu Mei Büchle Kloster Oberschönenfeld)

Am 20. August 1214 nahm Kaiser Friedrich II. (1212 –1220 deutscher König danach bis 1250 Kaiser ) Kloster Kaisheim in seinen Schutz und genehmigte alle Zuwendungen, die seine Ministerialen sowie Leute anderer Botmäßigkeit dem Kloster machen wollen. Friedrich II. – RI V,1,1 n. 719.

1217 hatte Kaiser  Friedrich das Kloster selbst besucht und im Kloster (in cenobio Kaisheim) eine Urkunde ausgestellt, mit der er seinen Beamten verbot, von den Häusern des Klosters in Werd, das ist das heutige Donauwörth Abgaben zu erheben.

Friedrich II. – RI V,1,1 n. 903 In einer Folgeurkunde vom Mai/Juni 1217 hatte er die Abgabe “gnadenhalber” erlassen. Friedrich II. – RIplus URH 2 n. 87

1216 starb Abt Albert. Auf ihn folgte  Abt Konrad III. (1217–1237 ), der es auf eine Amtszeit von 20 Jahren brachte. Heinrich errichtete Wohnungen für die Beamten, damit diese nicht mehr hin und herlaufen mussten. Er konnte den Besitz  des Kloster spürbar mehren.

1231 hatte es die Patronatsrechte der Kirche von Ostheim  an der Wörnitz von dem Augsburger Bischof Siboto von Seefeld (1227 –1247 ) zugesprochen bekommen.  Auch 1231 hatte Markgraf Heinich zu Burgau (wahrscheinlich + 1242) dem Kloster das Patronatsrecht über die Kirche von Wittislingen

sowie einige Güter dort geschenkt.  1236 hatte Bischof Siboto zwei seiner Lehensmänner erlaubt, die Mühle in Druisheim , die ein Lehen von ihm war, zu verkaufen.

Am 7. Oktober 1239 verstarb Abt Konrad. Zu seinem Nachfolger wurde einstimmig Abt Richard (1240–1252 ) gewählt. Richard mutete seine Mönchen eine sehr strenge Lebensweise zu und insbesondere in der Fastenzeit bekamen sie nur das Notwendigste.

Deshalb schenkte Friedrich Minister zu Nördlingen in Uhlenberg eine Wiese, aus deren Erträgen Abt und Konvent jährlich 4000 Heringe gegeben werden sollten.

1241 stiftete Graf Berchthold III. von Lechsgemünd/Graisbach (1193–1253) das Frauenkloster Niederschönenfeld in der Diözese Augsburg. Er unterstellte es dem Abt von Kaisheim. Der Augsburger Bischof bestätigte die Gründung am 9. Januar 1241.

1246 inkorporierte Bischof Siboto  die Kirche von Volkmarstetten dem Kloster.

1252 starb Abt Richard. Zu seinem Nachfolger wurde Abt Volkwich (1252–1262) gewählt. 1255 resignierte  Bischof Siboto von Augsburg. Er ging ins Kloster Kaisheim, wo sein Bruder Heinrich Mönch war. Siboto starb1262.

Als Konradin nach Italien zog, schenkte Heinrich, Ritter von Hunsperch dem Kloster einen Hof.  Reichssachen (Deutsche 1198-1272) – RI V,2,4 n. 12035 Konradin selbst schenkte dem Kloster sein Erbgut Pirchach. Conradin – RI V,1,2 n. 4824.

Abt Volkwich starb am 10. Dezember 1262.  Sein Nachfolger wurde Heinrich II. (von Hohenstädten) (1263–1267) Er stammte möglicherweise aus Hohenstadt heute im Ostalbkreis. Er resignierte in Kaisheim 1267. In Stams in Tirol

gründete  der Landesherr Graf Meinhard II. von Tirol (1258-1295) und seine Frau Elisabeth von Bayern, die Witwe des Staufers Korad IV. (deutscher König von 1235-1254) ein Zisterzienserkloster. Kaisheim wurde das Mutterkloster.

Das Kloster Stams sollte auch die Grablege der Tiroler Landesfürsten werden. Von 1347-1350 wurden die Reichsinsignien in Kloster Stams aufbewahrt. Die Stifter von Klosters Stams hatten nach Martin Schaidler “eine besondere Affektation für

den heiligen Cisterzienserorden” (S 30 f.)Kloster Kaisheim hatte auch wegen “strenger Observanz der Regul und Ordenszucht” (ebda) einen Ruf der sogar bis in Tirol bekannt war. Deshalb wandten sich die Stifter an Kloster Kaisheim. Stams musste

übrigens jährlich zwei Fässern”weissen und dunkeln Wein” nach Kaisheim schicken, obwohl es im Zisterzienserorden ja keine finanziellen Verpflichtungen zwischen Mutter-und Töchterklöstern gab.

Als resignierter Abt wurde Heinrich II. vor der Übersiedlung ins neue Kloster von seinen 12 Mitbrüdern, die für die Übersiedlung ausgewählt worden waren, in kanonischer Wahl zum Gründerabt bestimmt. In Stams war er dann Abt bis 1279.

Nach der Resignation von Heinrich II. wurde Abt Trutwin (1267–1287) zum Nachfolger gewählt.

1268 verlieh Graf Ulrich von Helfenstein (1241-1294) Kloster Kaisheim Zollfreiheit in seinem ganzen Gebiet. In einer am 17. März 1294 in Ulm ausgestellten Urkunde urkundete er auch für Kloster Kaisheim. Adolf – RI VI,2 n. 383

1268 bestätigte Papst Clemens IV. (1265-1268) die Inkorporation der Kirche von Stein.

1275 und 1277 kaufte das Kloster die Weinberge  des Esslinger Bürger Heinrich Holzhuser. 1293 stiftete der Esslinger Arzt Trutwin den Kaisheimer Pfleghof in Esslingen. Esslingen wurde so zum Zentrum des Kaisheimer Weinbaus.

Neben dem Pfleghof wurde eine große Kelter erstellt. In dieser Kelter wurde 1826 die Sektkellerei G.C. Kessler und Compagnie gegründet. 1509 lagerten in den Kellern der Esslinger Kelter 70.000 Liter Neckarwein.

“Abt und Konvent von Kaisheim übernehmen die Versehung der Kapelle, die Meister Trutwin der Arzt in Esslingen neben dem ihnen im Jahr 1293 geschenkten Haus erbaut hat, und bekennen, dass im Fall ihrer Nachlässigkeit der Abt von Salem das Recht haben soll, einen tauglichen Priester dafür anzustellen.  (WUB Band XI., Nr. 5133, Seite 143-144)”

Zwischen 1250 und 1287 erhielt die Zisterze Kaisheim allein 122 Schenkungen und nahm selbst 69 Güterankäufe vor. Kaisheim fasste so in 90 weiteren Orten Fuß

Mitte des 13. Jahrhunderts hatte Kloster Kaisheim 17 Grangien, die es mit Konversen bewirtschaftete und die unter Leitung eines Verwalter standen. Die erste  Grangie war der Neuhof in der Gemeinde Bergstetten, heute ein Ortsteil von Kaisheim. Abt Ulrich kaufte das Hofgut Bergstetten

einigen Ministerialen von St. Willibald in Eichstätt ab. Bischof Gebhard II. Graf von Grögling (1125- 1149)  gab zu diesem Kauf 1137 seine Einwilligung. Im Neuhof hatte das Kloster eine große Schafzucht. Nach der Säkularisation übernahm das bayrische Königshaus 1816 das Gut und führte es als Hofgestüt.

Die Grangie Leitheim  findert sich erstmals als Litun in einer päpstlichen Urkunde aus dem Jahre 1147 (Papst Eugen III., 1145-1153), in der die Grangie als zu dem 1133/1135 gegründeten Zisterzienserkloster in Kaisheim gehörig bestätigt wurde. Leitheim hatte schon im Mittelalter den Schwerpunkt seines

Wirtschaften als klösterliches  Weingut. Abt Leonard Weinmayr hatte das Potential Leitheims erkannt und ließ dort 1427 ausgedehnte Weinberge anlegen, die in guten Jahren 50 000 Liter Wein hervorbrachten. 1542 wurde dort das sogenannte Weingärtnerhaus im Renaissancestil erbaut. Unter Abt

Abt Cölestin I. Mermos (reg. 1739-1771)  baute um 1690 in Leitheim ein Schloss als Sommerresidenz der Kaisheimer Äbte.

Selbst in Tirol betrieb das Kloster 4 Schwaigen, also auf Viehzucht ausgerichtete Wirtschaftsbetriebe, die aber wegen der großen Entfernung aufgegeben wurden.

Kloster Kaisheim war  stark im Weinbau engagiert. Das hatte Tradition im Zisterzienserorden, denn schon Kloster Citeaux erzielte die meisten Einnahmen aus dem Weinbau. Im Elsass waren es die Klöster Neubourg und Pairis, die einen Schwerpunkt im Weinbau hatten.

In Deutschland waren es Eberbach, das mit dem Steinberg einen der ältesten Weinberge Deutschlands betrieb. Dort wurde ein Kleinklima erzeugt, das heute noch vorbildlich ist. Der Steinberg ist noch heute „einer der wertvollsten Lagen der Welt“ so die Webseite des Weinguts(Hessische Staatsweingüter). In Maulbronn wurde in der Grangie Elfingen mit dem Elfinger nicht nur ein hervorragender und noch heute sehr beliebter Wein erzeugt. Auch mit dem Terassenbau waren die Maulbronner Mönche vorbildlich.

Kloster Bebenhausen hatte mit seinem Pfleghof in Ulm geradezu eine Monolpolstellung im Weinhandel Ulms. Kaisheim hatte das Zentrum seines Weinbaus neben der Grangie Leitheim in unmittelbarer Nähe des Klosters vor allem in Esslingen  und Heilbronn s.u.

Ein wichtiges Element zisterziensischen Wirtschaftens ist die Fischzucht. Fische waren ein wichtiges Nahrungsmittel der Mönche. So haben praktisch alle Klöster eine umfangreiche Teichwirtschaft. Die Gegend um Waldassen und Tirschenreuth ist heute noch ein wichtiges Zentrum der oberfränkischen Fischzucht.  Maulbronn hat ein Teichsystem von rund 20 Teichen angelegt. Auch Schöntal und Bronnbach können auf eine umfangreiche Teichwirtschaft verweisen. Ein interessantes Detail dazu auch der Fischkalender, der um 1493 im Kloster Himmerod entstanden ist und jetzt

in der Schatzkammer der Stadtbücherei Trier zu sehen ist.

Kaisheim hatte bis 1400 13 Stadthöfe hier Liste in der Reihenfolge des Erwerbs: Donauwörth, Höchstädt, Augsburg, Ingolstadt, Ulm, Geislingen an der Steige, Esslingen, Giengen an der Brenz, Lauingen, Nördlingen, Ehringen, Heilbronn, Eichstätt.

Donauwörth war das erste Stadthaus der Abtei und aus der oben erwähnten Urkunde von Friedrich II. von 1217 geht hervor, dass Kaisheim in Donauwörth schon mehrere Häuser hatte.

1238 schenkte Ulrich, ein Diener des Abtes Konrad von Au Kloster Kaisheim ein Haus in Höchstädt. (Schaidler S. 17)

Unter  der Augsburger Bischof Hartmann von Dillingen (1248 –1286) gab das Augsburger Domkapitel 1283 zur Erweiterung des Kaisheimer Kastenhauses ein daran stehendes Haus mit Garten. (Schaidler S. 87) Ein Kastenhaus war ein Haus in dem das Getreide aufbewahrt wurde, das pflichtgemäß abgeliefert worden war.

1278 kaufte Kloster Kaisheim ein Haus in Nördlingen von Ritter Friedrich genannt Schonarius. (Schaidler S. 34)

1293 erhielt der Abt und Konvent von Kloster Kaisheim das Bürgerrecht in Giengen. Außerdem erhielt das Kloster die Befreiung von allem Zoll und Abgaben. Dafür sollte jährlich ein Pfund Haller gezahlt werden, das sind etwa 360,00 €. Außerdem sollte in dem Kaisheimer Haus jeder aufgenommen werden. Für Giengener Bürger bedurfte es jedoch der Erlaubnis des Rats (Schaidler S. 46)

Dazu auch die Urkunde der Stadt Giengen vom 27. Januar 1293 :”Die Stadt Giengen nimmt das Kloster Kaisheim in ihr Bürgerrecht auf.” (WUB Band X., Nr. 4329, Seite 107-108) der lateinische Text der Urkunde entspricht der Zusammenfassung bei Schaidler

1296 verspricht die Stadt Nördlingen “ aus besonderem Wohlwollen” dass Kloster Kaisheim für das Haus und den Garten (In Nördlingen) keine andere Last als die allgemeine Steuer zu tragen habe. (Schaidler S. 48)

1360 scheint es in Nördlingen Probleme mit dem Bürgerrecht gegeben zu haben, denn Kaiser Karl IV. (1346 deutscher König ab 1355-1378 deutscher Kaiser) gebot der Stadt Nördlingen, es beim Bürgerrecht für Abt und Konvent des Klosters Kaisheim zu lassen. RI Karl IV. – [RIplus] Regg. Karl IV. (Diplome) [n. 4640]

Bereits seit 1307 besaß Kloster Kaisheim nördlich des Lauinger Schlosses ein Haus und eine Hofreite. 1498 wurde dieses Haus verlegt. 1610 wurde dann der heutige Kaisheimer Kasten, ein dreigeschossiges Haus errichtet. Von den Nebengebäuden ist nichts mehr erhalten.

Die Herzöge Rudolf und Ludwig von Bayern schenkten 1309 Kloster Kaisheim ihr Haus in Ingolstadt und schenkten ihm vollkommene Steuerfreiheit. 1309 wurde es um Stadel und Hofstatt erweitert.

1314 kann Kloster Kaisheim in Esslingen seinen Besitz stark erweitern, weil die Stadt wegen Unstimmigkeiten mit dem Grafen von Württemberg in Schwierigkeiten geraten war. Bürgermeister Rudger Ruprecht sowie der Rat der Stadt verkaufen 5 1/2 Morgen Weinberge bei der Burg gelegen

an das Kloster. Das passt, denn das ist in der Nähe, wo das Kloster schon seinen Pfleghof und die Kelter besaß. Außerdem war der gekaufte Weinberg von aller Steuer befreit unter der Bedingung, dass das Kloster ohne Genehmigung der Stadt dort keine Befestigung errichtet.

(Schaidler S. 56)

Interessant für die Esslinger Besitzungen war auch die Zollfreiheit, die Graf Ulrich der Jüngere von Helfenstein beim Durchfahren seiner Herrschaft gewährte. Das war die Gegend von Geislingen. Weintransporte konnten so weitgehend unbelastet von Esslingen auf Kaisheimer Gebiet

durchgeführt werden Die Genehmigung wurde 1359 erteilt und ist mit der Nummer 551/52 im Ulmischen Urkundenbuch 2/2 veröffentlicht.

1324 verkaufte Abt Heinrich von Kloster Hirsau 60 Jauchert Weingarten, Behausung, Keller, Kelter und Hofstatt in Heilbronn. Ein Jauchert entsprach in Württemberg 33,09 Ar. Der Kaufpreis betrug 800 Pfund Haller (Schaidler S. 62)

Dazu auch die Kaufurkunde im Staatsarchiv Ludwigsburg “Bruder Heinrich, Abt, und der Konvent in Maulbronn, die vom Abt und Konvent in Hirsau, deren Hof in Heilbronn bei der Mauer mit allen Zugehörden um 2500 Pfund Heller erworben haben, verkaufen davon wieder an Abt und Konvent von Kaisheim (Cesarea) 60 Morgen Weingarten auf Heilbronner Markung nebst Behausung um 800 Pfund Heller.” B 189 III U 211 Maulbronn, 1324 März 25 Findbuch B 189 III  Heilbronn, Reichsstadt: Klöster und Klosterhöfe

Am 19. November 1338 bestätigte Kaiser Ludwig der Bayer (1328-1347) Abt und Konvent des Zisterzienserklosters Kaisheim, Diözese Augsburg, den Besitz ihrer bisherigen und jetzigen Güter in und um seine Stadt Heilbronn, besonders der Häuser und Gebäude, die ehemals zum Hof von Abt und Konvent des Benediktinerklosters Hirsau gehörten. Aufgeführt sind noch weiteres Zubehör, wie Kellerei, Kelter und alle Weinberge in Heilbronn.  RI Ludwig – [RI VII] H. 5 n. 238

1363 wird das gekaufte Haus von Bürgermeister und Rat der Stadt Heilbronn gefreit. Staatsarchiv Ludwigsburg B 189 III U 215.

Der Hof besaß allerdings keinen geeigneten Keller. Des wegen verkaufte Kloster Kaisheim diesen Hof und erwarb 1462 in der Schulgasse einen neuen.

“Bürgermeister und Rat der Stadt Heilbronn beurkunden, dass sie dem Abt und Konvent des Klosters Kaisheim den Erkauf eines Hauses in Heilbronn bewilligt und daran wegen Verkaufs und Ausschanks des Klosterweins gewisse Bedingungen geknüpft haben.”

Staatsarchiv Ludwigsburg B 189 III Bü 39. Der Hof wurde mehrfach zerstört, sowohl im Bauernkrieg als auch durch eine französische Plünderung im Jahre 1688.

1370 kaufte Kloster Kaisheim in Ulm ein Haus samt Garten, Stadel und Hofraite.  Abt Johann II.  handelte mit Bürgermeister und Rat der Stadt aus, dass dafür 5 Pfund Heller jährliche Steuer zu zahlen sind. (Urkunde Nr. 827 im Ulmisches Urkundenbuch / 2,2: Die Reichsstadt : 1356 bis 1378)

In der Folgeurkunde wird das nochmals etwas ausgeführt.

1357 nahm der Eichstätter Bischof Berthold von Zollern (1351 –1365) Kloster Kaisheim in seinen Schutz und genehmigten den Kauf eines Hofes in Eichstätt.

  Wichtige Güter, die Kloster Kaisheim verhandelte, waren Getreide und hier besonders Hafer, Salz, Schafwolle und Esslinger Wollwaren, Neckarwein und Vieh.

Nicht nur in den Stadthöfen betrieb Kloster Kaisheim Handel. Auch auf den Wochenmärkten von Donauwörth,  Ulm und Augsburg war Kloster Kaisheim präsent. Auch die Jahrmärkte in diesen Städten und die Pfingstmesse in Nördlingen wurden beschickt.

Nach diesem Exkurs in die wirtschaftliche Seite des Kloster wieder weiter im chronologischen Verlauf.

1282 konnte Kloster Schöntal an der Jagd und sein Abt Thomas (1270-1284) seine Schuldenlast nicht mehr schultern. Da auch das Mutterkloster Maulbronn, das ebenfalls von Finanzproblemen geplagt war, wandte sich der Maulbronner Abt Siegfried II. (1281-1285)  deshalb

an seinen Amtskollegen den Kaisheimer Abt Trutwin (1267-1287). Dieser konnte einspringen und übernahm die Schöntaler Schulden. Dafür musste Maulbronn seine Paternalität abgeben. Diese ging an Kloster Kaisheim über.

“Abt Johann von Citeaux und die Diffinitoren und Äbte des Generalkapitels des Zisterzienserordens bestätigen den Übergang der Vaterrechte an Kloster Schöntal von Maulbronn an Kaisheim.” WUB Band VIII., Nr. 3172, Seite 362-363.

Der Generalbt von Citeaux Jean II. de Ballon (1266– 1284) bestätigte dies mit seiner Urkunde vom 13-15. September 1282. Es spricht für die Wirtschaftskraft von Kloster Kaisheim, dass die Schulden schon nach einem Jahr getilgt waren.

Der Schöntaler Abt starb zwei Jahre nach dem Wechsel der Paternität.

Am 8. Juli 1286 schlug der Blitz in die Klosterkirche ein. Der Turm und der Chor brannten ab. Der übrige Teil konnte nur mit großer Mühe gerettet werden.

1287 war Abt Trutwin  auf dem Weg nach Kloster Morimond. Er starb in Morimond und ist dort am Eingang der Kirche bestattet. Zu seinem Nachfolger wurde Heinrich III. (1288–1303 ) gewählt. Er stammte aus der Familie der Pappenheimer und war vor seiner Wahl Prior.

Die Biographia Cisterciensis führt Abt HeinrichIII auch als Bischof von Chalecedon und Augsburger Weihbischof. Bei Schaidler ist das Abt Heinrich II..Als mögliches Todesdatum gibt Schaidler 1315 an. Der Weihbischof könnte also auch Abt Heinrich III. sein, dessen Todesdatum Schaidler mit

1302 angibt. Vordringlichste Aufgabe von Abt Heinrich III. war auf jeden Fall das durch den Blitzschlag geschädigte Kloster wieder in Ordnung zu bringen. 1292 wurde der abgebrannte Turm und beschädigte Chor repariert. Zwei neue Glocken wurden auf dem Turm angebracht.

Am 20. Mai 1302 starb Abt Heinrich. Sein Nachfolger wurde Johann I. Konold (1304–1321). Abt Johann musste sich zunächst gegen Ansprüche wehren, die an das Kloster gemacht wurden besonders von Graf Berthold II. von Graisbach (+ 1308). Es ging um einen Hof in Wailheim und 6 Huben, die das Kloster gekauft hatte. Gegen eine Zahlung von 60 Pfund Heller wurde das geklärt. 1306 bestätigte Papst Clemens V. (1305-1314) alle Privilegien des Klosters. Außerdem wurden zwei Conservatoren über das Gotteshaus erwählt und zwar der Dompropst in Augsburg und der Propst in Rebdorf, das ist ein Augustiner Chorherrenstift in der Diözese Eichstätt. (Schaidler S. 51).

1309 befreiten Bürgermeister und Rat der Stadt Ingolstadt den dortigen Klosterhof und den Stadel von allen Zöllen, allerdings mit dem Vorbehalt, dass dort kein Wein ausgeschenkt werden durfte. Auch von bürgerlichen Pflichten wie Wachdienst wurde das Kloster befreit. Es gab deshalb zur Verbesserung der Stadtmauer 15 Pfund Haller.

Die Grafen Konrad von Öttingen (+ 1313) und sein Onkel Graf Eberhard von Württemberg (1279 –1325) empörten sich gegen König Heinrich VII. (1308-1313). Graf Konrad wurde 1310 mit der Reichsacht belegt. Er fand aber Aufnahme im Kloster Kaisheim. Im Kloster wurde ihm ein Zimmer eingerichtet,

das dann als Grafengemach bezeichnet wurde. Er erhielt einen Diener, der ihn mit Speise und Trank versorgte. Zum Dank schenkte der Graf dem Kloster später verschiedene Güter.

In der kleinen Siedlung Weihengäu östlich  von Lauingen schloss sich Ende des 13. Jahrhunderts eine Beginengemeinchaft zusammen. Aus Sicherheitsgründen übersiedelten sie in die Stadt Lauingen. Von dem Lauinger Bürger Cunrat Münster und dessen Bruder Heinrich erwarben sie ein Anwesen ,

gründete das Kloster St. Agnes in Lauingen, nahmen die Zisterzienserregel an und wurden dem Abt von Kaisheim unterstellt.

Abt Johann I. starb am 24. November 1321. Sein Nachfolger wurde Ulrich II. Zoller (1321–1340 ). Auch Abt Ulrich hatte gleich zu seiner Regierungszeit Schwierigkeiten zu überstehen. So hatte er Ansprüche des Grafen Heinrich von Wertenberg abzuwehren. Es ging um eine Schenkung,

die Graf Heinrich von Burgau, sein Vorfahr, dem Kloster gemacht hatte. Der Abt konnte allerdings mit Brief und Siegel beweisen, dass seine Ansprüche rechtens waren. Auch die Grafen von Graisbach belästigten das Kloster wieder. Ludwig der Bayer erreichte am 29. Mai 1329 in Ingolstadt einen Vergleich zwischen den Parteien. RI Ludwig der Bayer – RIplus URH 5 n. 47

Am 20. September 1323 rief Kaiser Ludwig Abt Ulrich nach München, nahm das Kloster in seinen und des Reiches Schutz und ernannte Abt Ulrich zu seinem Hofkaplan. RI Ludwig – [RI VII] H. 5 n. 51.

Graf Bertold VII. von Graisbach genannt von Neuffen (+ 1342) einer der wichtigsten Räte Kaiser Ludwigs schenkte dem Kloster 1329 dem Kloster das Patronatsrecht in Weissenhorn. Kurz danach kaufte das Kloster in Weissenhorn mit Wissen und Billigung des Grafen eine Hostatt oder Grund

um dort ein Haus zu bauen. Am 24.  September 1330 bestellte Kaiser Ludwig den Grafen “zum Pfleger des [Zisterzienser]klosters Kaisheim, seiner Leute, Güter und allen Zubehörs, um es in allen Angelegenheiten und gegen jedermann zu schützen und zu vertreten, weil Berthold und seine Vorfahren die Stifter des Klosters sind, (2) bestimmt, daß das Kloster weder für ihn noch für Berthold pfandbar ist.” RI Ludwig – [RI VII] H. 5 n. 114.

1335 gab es zwei Inkorporationen für das Kloster. Bischof Ulrich (II.) v. Schönegg (1331 – 1337) von Augsburg inkorporierte die Pfarrkirche in Berg dem Kloster unwiderruflich. Bischof Philipp von Eichstätt inkorporierte die Kirche von Berkheim (nach Schaidler S. 67 nach Wikipedia ist Heinrich V. Schenk

von Reicheneck von 1329-1344 Bischof in Eichstätt. Als Bischof Philippwird dort nur Philipp von Ratsamhausen 1306-1322 geführt).

Am 4.September 1339 starb Abt Ulrich. Zu seinem Nachfolger wurde Ulrich III. Niblung (1340–1361 ) gewählt.

1346 hielt Kaiser Ludwig seinen Reichstag in Augsburg ab. Abt Ulrich III. bat um Bestätigung des Stiftungsbriefes und der Privilegien, die er  am 12. Mai erhielt. RI Ludwig – [RI VII] H. 5 n. 328

Im Frühjahr 1349 grassierte in Deutschland die Pest. In der Zeit vom April bis Mai starben in Kaisheim 14 Patres zwei Novizen und sechs Konversen.

Das Kloster hatte bis 1352 genügend finanzielle Reserven gesammelt, so dass Abt und Konvent beschlossen,die alte und baufällige und vom Feuer geschädigte Kirche abzubrechen und diese von Grund auf neu zu erbauen.

1352 legte Abt Ulrich den Grundstein zur neuen Kirche. Glücklicherweise waren gerade zu dieser Zeit Meister, Handwerker und Steinmetze ins Kloster eingetreten waren, so dass es nicht an Bauarbeitern fehlte. Auch erhielt

das Kloster viele Almosen.

1353 weilte Kaiser Karl IV. (1355-1378) in Prag, was Abt und Konvent nutzten, um um Bestätigung ihrer Privilegien zu bitten. Am 10. Mai 1353 stellte Karl in Prag eine Bestätigungsurkunde aus. Er bestätigte darin auch ausdrücklich den

Heilbronner Besitz des Klosters.

“König Karl (IV.) nimmt Abt und Konvent des Klosters zu Kaisheim in seinen Schutz und bestätigt demselben alle Briefe, Rechte, und Besitzungen, insbesondere ihre Güter und Weingärten in Heilbronn und auf der Markung diese Stadt, nämlich 2 Häuser, 2 Keller und 60 Morgen Weingarten.”

RI B 189 III Bü 38

Am 25. Juli 1355 befahl er den Städten des Landfriedens in Schwaben Augsburg, Ulm, Esslingen, Heilbronn und Nördlingen Kloster Kaisheim zu schützen. RI Karl IV. – RI VIII n. 2196.

Abt Ulrich war altersschwach und krank geworden und resignierte deshalb im Jahre 1360. Sein Nachfolger wurde Johann II. Zaer/Zauer (1361–1379)

Abt Johann setzte gleich den Kirchenbau fort.

1364 inkorporierte der Augsburger Bischof Markward v. Randegg (1348 – 1365) dem Kloster die Kirche von Blindheim.

1364 hatten sich die Einwohner des Dorfes Haffengeraith gegen den Abt aufgelehnt. Sie hatten auch

ihre Güter schlecht bestellt. Sie wurden vor das Landgericht Monheim geladen. Ihre Güter wurden für dem Kloster verfallen erklärt.

Auf das Versprechen einer besseren Ausführung erteilte sie der Abt 1365 erneut zu Lehen.

Am 18. Februar 1370 bestätigte Kaiser Karl Abt und Konvent von Kaisheim in Prag noch einmal die Privilegien und Handfesten, das war eine zur Sicherung eines Rechts ausgefertigte Urkunde des Klosters. RI  Karl IV-RI VIII n. 4819

Abt Johann starb am 3. März 1379. Sein Nachfolger wurde Johann III. Molitor (Müller) (1380–1400/01) In Der Amtszeit von Abt Johann III: war der Konvent sehr groß. Er bemühte sich deshalb besonders um die Ordenszucht.

Auch der Kirchbau beschäftigte ihn weiterhin.

Am Tag nach Allerseelen 1387 konnte die neue Klosterkirche eingeweiht werden. Die Weihe nahm Bischof Burkhard v. Ellerbach (Erbach) (1373 – 1404) aus Augsburg vor. Außerdem nahmen der Augsburger Weihbischof sowie mehrere Äbte an der Feier teil.Am 10.05. 1397 bestätigte Kaiser Karls Nachfolger Wenzel (1376-1400) die Privilegien, die Karl IV. 1370 Kloster Kaisheim bestätigt hatte. RI Wenzel – [RIplus] Regg. Wenzel (n. 3015) Ein knappes halbes Jahr später, nämlich am 13.10. nahm  Wenzel Kaisheim in seinen Schutz und versprach, es nicht zu verpfänden. RI Wenzel – [RIplus] Regg. Wenzel [n. 3038]

1395 wurde der Kreuzgang gewölbt und im Kreuzgang ein Weinkeller errichtet und gewölbt. Außerdem wurde die Pfisterei und das Gasthaus gebaut. Um das Kloster herum wurde ein gedeckter Gang gebaut.

Abt Johannes starb am 24. Juni 1401. Sein Nachfolger wurde Johann IV. Scherb (Scharb) (1401–1423 ). Er hatte eine schwierige Amtszeit. Bairischer Herrscher war Ludwig VII, der Bärtige, der von 1413-1447 regierte. Es entwickelte sich ein veritabler Familienstreit zwischen den bayrischen Vettern in München und Landshut, der bis zum Mordanschlag auf Ludwig führte, den Heinrich XVI. der Reiche von Bayern-Landshut auf Ludwig verüben ließ. Nach seinem Regierungsantritt  geriet er mit einer Reihe von bayrischen Klöstern in Streit um Steuern und Abgaben aller Art. Er wurde in eine Reihe von

Prozessen verwickelt. Diese wurden vor der Kurie in Rom, den Konzilen von Konstanz und Basel und vor dem Kaiser geführt. Kaisheim klagte in Konstanz. Auf Antrag des Klosters gebot das Konzil von Konstanz Ludwig und seinem gleichnamigen Sohn, Ludwig dem Höckrigen (reg. 1443-1445), am 26. März 1417 unter Androhung der Exkommunikation, von allen Einquartierungen und aller Wegnahme von Feldfrüchten und Einkünften des Klosters abzulassen. Das Konzil exkommunizierte Ludwig und seinen Sohn auf Antrag des Klosters. Ermuntert durch den Erfolg von Kaisheim klagten auch

die Klöster  Fürstenfeldbruck, Indersdorf, Geisenfeld, Hohenwart, Münchsmünster, Scheyern und Ettal.

Vor diesen prozessualen Auseinandersetzungen hatte Kloster Kaisheim 70 Mönche und 40 Laienbrüder. Jetzt konnte es kaum noch 7 Mönche unterhalten (Schaidler S. 97).

Am 7. Juni 1415 bestätigte König Sigismund (1411-1437) alle Rechte und Privilegien. RI Sigmund – RI XI,1 n. 1740. Eine noch weiter gehende Bestätigung erteilte Sigismund am 5. Oktober 1418.

“bestätigt auf Bitten seines Kaplans des Abtes Johann dem Benedictinerkloster [sic!] Kaisheim alle vom Konstanzer Konzil gegen die Feinde u. Bedränger des Klosters erlassenen Sentenzen” RI Sigmund – RI XI,1 n. 3620.

An dieser Urkunde ist mehreres interessant. Zum einen wird Kaisheim als Benediktinerkloster bezeichnet. Dann wird auf die Urteile des Konzils  die im Streit gegen Ludwig VII. ergangen sind verwiesen. außerdem wird in der Urkunde

Abt Johannes als Kaplan von Sigismund bezeichnet. Kaiser Sigismund hatte 1418 den Markgrafen Friedrich I. von Brandenburg-Ansbach zum Schutzherrn von Kloster Kaisheim eingesetzt.

1423 wurde das neue Refektorium fertiggestellt.

Abt Johannes verstarb am 23. September 1423. Sein Nachfolger wurde Kraft von Hochstadt (Krafto von Höchstädt) (1423–1427 abgesetzt). Vor seiner Wahl war er Bursarius in Kaisheim. Außerdem war er bevollmächtigter Anwalt von Abt Johannes

in den Auseinandersetzungen mit Ludwig gewesen. 1425 ernannte Abt Kraft  Leonhard Weinmayr/Weinman zum Bursarius. Nach Schaidler war er damit aber nicht zufrieden, da er selbst Abt werden wollte (S. 109). Er verleumdete ihn beim Konvent

und Abt Kraft wurde 1427 tatsächlich abgesetzt. Zum Nachfolger wurde Abt Leonhard Weinmayr/Weinman (1427–1440 abgesetzt ) gewählt. Er kümmerte sich vor allem um die zeitlichen Angelegenheiten der Abtei. Er ließ an vielen Orten bauen. Er wölbte

das Kapitel und das Schlafhaus ein. In der Grangie Leitheim legte er Weinberge an und ließ in Leitheim eine Kapelle errichten.

Am 4. Februar 1430 starb der abgesetzte Abt Kraft und wurde auf dem Klosterfriedhof bestattet.

In diesem Jahr ließ Abt Leonhard eine Orgel bauen und in den Kirchenchor einsetzen.

1434 wurde Abt Leonhard zum Konzil nach Basel geladen und erhielt dort das Recht, die Inful zu tragen. Am 21. September 143 bestätigte Kaiser Sigismund die Privilegien des Klosters. RI Sigmund – RI XI,2 n. 10819

1435 wurde Kloster Kaisheim mit der Verwaltung des Zisterzienserinnenklosters Pielenhofen betraut.

1440 geriet Abt Leonhard auch beim Schirmherrn, dem Markgrafen von Ansbach in Verruf. Dieser brachte seine Vorbehalte beim Abt Ulrich Kötzler (1433–1462) von Heilsbronn vor. Er war der Ordenskommissar der fränkischen Provinz.

Abt und Markgraf kamen überein, einen Heilsbronner Mönch als Kaisheimer Abt zu installieren. Der Markgraf kam nach Kaisheim ins Kloster. Leonhard wurde verhört und danach gebunden aus dem Kloster geführt. Was aus ihm geworden ist, ist unbekannt.

(Schaidler S. 112) Als neuer Abt wurde Nikolaus Kolb (1440–1458 ) Doktor der Theologie aus Heilsbronn installiert.

Das Kloster geriet in die Auseinandersetzungen der bayrischen Herzöge in den auch Kaiser Friedrich III. (1440-1493) Partei ergriffen hatte. Die Einwohner von Lauingen, die auf der Seite von Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt standen, verlangten vom

Abt, dass dieser die Güter des Klosters von denen des Grafen Johann von Oettingen (+1449) trennen solle, da er sonst viel Unheil zu erwarten habe. (Schaidler S. 113). In der Tat ging es Kloster Kaisheim so schlecht, dass die Zisterzienseräbte von Schwaben und Franken,

die in Frankfurt einen Konvent abhielten, eine Abordnung ans Generalkapitel schickten, um von dort Hilfe für Kloster Kaisheim zu erlangen (Schaidler ebda).

Als Abt Michael I. Pistorius (1454–1457) aus Kloster Fürstenfeld starb, bat der dortige Konvent über Herzog Albrecht III. von Bayern-München (1438–1460) den Bursarius von Kaisheim Ulrich ins Kloster Fürstenfeld zu schicken. Kloster Kaisheim kam dieser Bitte nach.

Er wohnte in der Pfisterei und hatte ja auch Zugriff auf die Klosterfinanzen. Als er Kaisheim verließ, hatte er eine schwere Kiste mit sich. Er wurde Abt in Fürstenfeld und konnte dort sofort Schulden abtragen. Fürstenfeld erholte sich, während Kaisheim noch mehr

verarmte. Das wurde noch schlimmer, da auch der neue Bursarius Geld für sich sammelte und auch er mit dem aus Heilsbronn aufgezwungenen Abt nicht klar kam. (Schaidler ebda).

Abt und Konvent wandten sich 1449 an Kaiser Friedrich, weil sie durch das bisherige Schenkraum im Kreuzgang empfindlich gestört worden waren.

Daraufhin erließ er diese Anordnung: ”Kg. F. gestattet dem Abt des Klosters Kaisheim, sein Schenkhaus an einen beliebigen Ort vor das Klostertor zu verlegen, da in dem jetzigen Schenkhaus, das im Kloster nahe dem Kreuzgang gelegen ist, mancherlei unfur geschray, Aufläufe und andere Unzucht vorgekommen ist, was für geistliche Personen unziemlich ist und den Gottesdienst behindert. Der Kg. gebietet allen Untertanen bei einer Pön von 6 Mark Gold, halb in die Kammer und halb dem Abt, Konvent und Kloster zu zahlen und befiehlt, in dem Schenkhaus keinerlei Unzucht und Frevel zu treiben”

RI Friedrich III. – [RI XIII] H. 2 n. 32

1458 wurde mit Abt Georg I. Schmidlin (1458–1479 ) der 23. Kaisheimer Abt eingesetzt.

Als Graisbach an Herzog Heinrich XVI. der Reiche von Bayern-Landshut (1393–1450) gefallen war, wurden die Klosteruntertanen von den bayrischen Gerichten in Graisbach, Monheim, Reichertshofen und Neuburg wieder bedrängt, weshalb sich das Kloster wieder an Friedrich III. wandte.

Dieser beauftragte den Markgrafen Albrecht von Brandenburg, Burggraf zu Nürnberg “an seiner Statt  Abt und Konvent des Klosters Kaisheim sowie deren Leute und Besitzungen zu beschirmen, beschützen und handhaben.” RI Friedrich III. – [RI XIII] H. 2 n. 29

Außerdem befahl er dem bayrischen Herzog Heinrich XVI. direkt, seine Amtsleute anzuhalten, die Beschwernisse gegen die Klosteruntertanen einzustellen. RI Friedrich III. – [RI XIII] H. 2 n. 31

Zwar war 1450 ein allgemeiner Friede verkündet worden. Aber es herrschte praktisch Kriegszustand im Land, bei dem das Kloster schweren Schaden erlitt und zwar sowohl von Fürsten als auch von Städten. Schaidler führt auf den Seiten 116 ff

eine “Specifikation unterschiedlicher dem Gotteshaus zugefügter Schäden” auf.

1463 wurde ein Vergleich in Landshut erzielt. Herzog Ludwig IX. der Reiche (1450–1479)von Bayern-Landshut und sein Sohn Georg der Reiche (1479–1503) wurden auf Lebenszeit als Schutzherren des Klosters anerkannt. Beschlagnahmte Güter wurden wieder herausgegeben.

Die von den bayrischen Herzögen gegebenen Privilegien wurden vom Reichskammergericht in Rottweil bestätigt.

1473 berief Kaiser Friedrich den Kaisheimer Abt wie einen Reichsstand auf den Reichstag nach Augsburg. (Schaidler S. 124)

1477 wurde die neue Bibliothek gebaut. Auch mehrere Krankenzimmer wurden eingerichtet. In der Kirche wurden an 6 Pfeilern Altäre errichtet. 1479 wurde neben der Abtei ein neuer Turm von Meister Knebel errichtet, dessen Sohn Mönch im Kloster war.

Am 8. Dezember 1479 starb Abt Georg. Auf ihn folgte Abt Johann V. Visches (1480–1490 ), den Schaidler als 23. Abt, die Biograhia Cisterciensis als 24. Abt zählt. Er stammte aus Kempten und war bei seinem Amtsantritt schon bejahrt. Er hatte gleich die

Ernährung seiner Konventualen verbessert, die bis dahin nicht als üppig bezeichnet werden konnte. Diese Anordnung hat er 1480 in Rom bestätigen lassen und dabei für sich und seine Nachfolger das Recht die Inful zu tragen beantragt. Dies wurde genehmigt.

1481 wurde das Kloster von einem großen Hochwasser heimgesucht. In diesem Jahr ließ er die Bräuküche errichten, in der Gäste, das gemeine Volk, Handwerker und Taglöhner verköstigt wurden. Er ließ den Füllstadel und den Siechturm errichten.

Er schaffte einen silbernen Abtstab, eine Inful und silbernes Geschirr an.

In Ingolstadt erbaute er einen Kornstadel, in Heilbronn erneuerte er das dortige Haus, die Kelter und den Keller. In Nördlingen erbaute er ebenfalls einen
Kornstadel.

Bis 1486 erbaute er ein neues Gästehaus im Kloster. In Weissenhorn vollendete er das dortige Haus und kaufte noch ein weiteres dazu.

1488 wurde die Bibliothek vollendet. Der Kreuzgang wurde ebenfalls verschönt. Das Haus in Augsburg wurde von Grund auf erneuert.

Am St. Blasiustag, am 3. Februar hatte Abt Georg den Abt von Lützel Ludwig Jäger (1471–1495 )in Leitheim zu Gast. Als die beiden zurückkehrten, brannte wegen einer Unvorsichtigkeit des Schreiners das Haus dort und die Kirche völlig ab.

1490 wurde in dem Benediktinerkloster Thierhaupten am Lech auf ersuchen des herzoglichen Rentmeisters Johannes Hofmann der Kaisheimer Supprior und Kustos Johannes Secherlein zum Abt in Thierhaupten eingesetzt. Dazu musste er mit päpstlicher Dispens erst Benediktiner werden.

Gesundheitlich stark angeschlagen begab sich Abt Johann nach Augsburg, um dort seine geschwächte Gesundheit wieder herzustellen. Er verstarb allerdings in Augsburg.

Sein Nachfolger wurde der bisherige Prior Georg II. Kastner (1490–1509).

1491 ließ der Abt im Kloster einen Wärmeofen bauen. 1493 wurde die Bibliothek vollends eingerichtet und mit eichenen Sitzen und Fußschemeln versehen. Eine große Anzahl neuer Bücher wurde angeschafft.

Der Bücherbestand der Bibliothek stammte natürlich schon aus den Anfängen des Klosters. Die frühen Generalkapitelstatuten hatten die zisterziensische Grundausstattung einer Klosterbibliothek festgelegt. Jedes Kloster musste über das Missale, das Epistolar,Evangeliar, Kollektar, Graduale,

Antiphonar, die Regel, das Hymnar, das Psalterium, das Lektionar und das Kalendarium verfügen und laut Statuten mussten diese übereinstimmen. Die Einheitlichkeit der Texte und damit die Lebensform  garantierten die Konvente der Mutterabteien. nicht nur die liturgischen Bücher waren vorhanden,

sondern Bibelkommentare und Literatur der Kirchenväter. Allerdings überholte die Dominikaner und Franziskaner, sowie die Schriften der Universitätsgelehrten die Zisterzienser bald, die schon  im frühen 13. Jahrhundert als ungelehrt verspottet wurden. Ab Anfang des 13. Jahrhunderts versuchte man gegenzusteuern.  In Paris wurde ein Generalstudium mit Bezug zur Universität aufgebaut. Auch sollten die Klöster angehalten werde, Mönche fürs Studium abzustellen. Im 15. Jahrhundert ist eine Zuwendung zur humanistischen Literatur festzustellen. Dem beginnenden Buchdruck wenden sich manche Klöster sehr früh zu, allerdings weniger als Produzenten. Sie waren überwiegend Käufer.

In Kaisheim sind erste Handschriften schon um 1170-1180 nachweisbar. Dazu brauchte man Pergament, d.h. genügend geeignete Tiere mussten zur Verfügung stehen und die Mönche mussten auch das Rohmaterial verarbeiten können. Außerdem mussten sie sich mit der Herstellung von Tinte auskennen.

Auch war eine Lese-und Schreibfähigkeit unabdingbar. Die Gründung von Tochterkloster Stams und die Übernahme von Schöntal, sowie die Betreung der Frauenzisterzen von Oberschönenfeld, Niederschönenfeld, Kirchhdeim am Ries, Pielenhofen, Seligenthal  und Zimmern am Ries machten eine

Erhöhung der Buchproduktion notwendig. Während des Baus der gotischen Klosterkirche und ein vorübergehender  wirtschaftlicher Einbruch bremsten die Buchproduktion ab.

1493 starb Kaiser Friedrich III. und natürlich wurde auch in Kaisheim ein großer Gedenkgottesdienst gefeiert zumal Friedrich ein Freund des Klosters war.

1494 kaufte Abt Georg in Lauingen ein Haus mit Stadel und Garten für 675 Gulden. 1498 wurde es gefreit.

1496 ließ der Abt Bilder von allen Äbten malen mit Angabe der Wahl und des Todesdatums.

Am 14. Juli 1498 bestätigte Kaiser Maximilian Georg und dem Konvent auf ihre Bitte eine Reihe von Privilegien von Bischof Walter von Augsburg, den Pfalzgrafen bei Rhein, die von Karl IV. gemachten sowie die Bestätigungen von Sigismund. RI Maximilian I. – RI XIV,2 n. 6408.

Als Kaiser Maximilian 1501 mit seiner Gattin Maria von Burgund in Donauwörth war, besuchte die Kaiserin auch Kaisheim.

1502 ließ der Abt Georg in Augsburg einen Altar malen, an dem auch Holbein und Dürer mitgemalt hatten. Der Abt ließ auch eine große Orgel erbauen und schickte den Konventbruder Leonhard Frank zu einem berühmten Organisten Johannes Jubilate zur weiteren Ausbildung nach Heilsbronn.

1503 setzte Papst Julius II. (1503-1513) die Bischöfe von  Augsburg Friedrich (II.) Graf v. Zollern (1486 – 1505)und Gabriel von Eyb (1496 –1535) sowie den Rektor der Universität Ingolstadt Hieronymus von Croaria (1460/63–1527 ) als Konservatoren und Handhaber der Freiheiten des Klosters ein.

Am 1. Dezember 1503 starb Georg der Reiche Bayern-Landshut. Da Herzog Georg keinen männlichen erben hinterlassen hatte, erlosch auch das Schutzverhältnis von Bayern-Landshut über das Kloster. Am 25. November 1503 hatte Kaiser Maximilian erklärt, dass Kloster Kaisheim frei sei und

keinen anderen Schutzherren habe als den Kaiser und das Reich (Schaidler S. 189).

Nach dem Tod Georgs wurde ein Streit um die Erbfolge ausgelöst, die in den Landshuter Erbfolgekrieg 1504-1505 mündete. In diese Auseinandersetzung wurde auch Kloster Kaisheim verwickelt. 1504 ermordeten Buchdorfer (heute Verwaltunsgemeinschaft Mondorf) Bauern einen kaiserlichen Boten,worauf Maximilian das Dorf, in dem Kloster Kaisheim ein beutender Grundherr war, niederbrennen ließ. Obwohl das Kloster damit nichts zu tun hatte, war es immer wieder Ziel von Racheakten. So wurde zum Beispiel die Grangie Neuhof beschädigt und geplündert.

Abt Georg starb nach 19 Jahren Regierungszeit 1509. Sein Nachfolger wurde Konrad III. Reuter (1509–1540). Ein Mächtiger am kaiserlichen Hof hatte seine Ambitionen auf den Abtsstuhl in Kaisheim geäußert. Der Ordensregel gemäß wurde zwar der Abt von Lützel Theobald (Thiébaut) Hillweg
(1495–1532) benachrichtigt. Da aber sozusagen Gefahr im Verzug war, wurden die Äbte von Salem Johannes II. Scharpfer (Schürpfer) (1494–1510), Heilsbronn Berthold Stromair (1386–1413) und Abt Emeran Thiem von Kloster Königsbronn (1507-1513) eingeladen. Unter ihrer Leitung wurde

der bisherige Prior Konrad III. Reuter ( 1509–1540 ) zum 26. (Biograhia cisterciensis) Abt von Kaisheim gewählt. Die Bestätigung aus Citeaux traf bald ein, so dass der Augsburger Weihbischof Heinrich Negelin(1506-1520) Konrad III. zum Abt weihte.

Konrad stammte aus Nördlingen und war Sohn eines Metzgers. Er ist um 1460 geboren und studierte in Heidelberg. Dort studierte auch Wolfgang Marius, der von 1514- 1544 Abt am Zisterzienserkloster Aldersbach war und Ulrich Molzner, der von 1503-1506 Abt am Zisterzienserkloster
Raitenhaslach war. In der Zeit lehrten Konrad Celtis und Antonius  de Clapis,  Rudolph Agricola und Johannes Reuchlin an der Heidelberger Universität. Konrad Celtis wurde später an die Universität Ingolstadt berufen, die ja schon in räumlicher Nähe zu Kaisheim war. Natürlich hatte Abt Johannes auch Kontakt zu den Humanisten Pirckheimer und Peutinger. Ebenso hatte er Kontakt zu dem Heilsbronner Abt Sebald Bamberger (1498–1518). Mit dem Lutherkontrahenten  Johannes Eck stand er in Briefkontakt. Er hatte schon in Heidelberg einen Codex von Vergil mit Texten aus der Aeneis, der Bucolica und der Georgica zusammengestellt. Abt Johannes war auch von Geschichtsbewusstsein geprägt. In seiner Amtszeit wurde die Klosterchronik von Johann Knebel ausgearbeitet. Abt Johann ließ auch die Archive neu ordnen und in seiner Zeit wurden umfangreiche Kopialbücher aller Urkunden angelegt.

Abt Johann war auch ein Vertrauter von Kaiser Maximilian.

Als Reichsstand wurde Abt Johann zu den Reichstagen in Augsburg 1510 und  Trier 1512  eingeladen.

1511 wurden angefangene Gebäude im Kloster fertiggestellt, unter anderem die Abtei, das Gemach des Bursarius, die Bibliothek des Abtes mit seiner Wohnung darunter und Vorratsräume.

Herzog Ulrich von Württemberg hatte 1517 seinen Stallmeister Hans von Hutten ermordet. Darauf begann dessen Vater Ulrich eine Fehde gegen den württembergischen Herzog und legte mit Erlaubnis des bayrischen Herzogs Wilhelm IV. (1508-1550) 1500 Reiter nach Wemding.

Dabei kam das Kloster auch zu Schaden.

1519 starb Kaiser Maximilian. Sein Nachfolger Karl V. (1520-1556) bestätigte 1521 die Rechte des Klosters. (Schaidler S. 146). Kaisheim wurde auch in den Reichsmatrikeln von 1521 geführt und wurde mit 4 Reitern und 67 Mann zu Fuß angesetzt.

1522 baute der Abt die Häuser des Klosters in Donauwörth, Ulm und Augsburg neu, danach die Häuser in Esslingen und Heilbron. Im Kollegium St. Jacob in Heidelberg, das war die Unterkunft der süddeutschen Zisterzienserklöster  baute er ein Zimmer und eine Kammer für die Kaisheimer

Mönche an der Universität Heidelberg.

1525 brach der Bauernkrieg aus. Abt Johann führte die Abtei sicher durch den Bauernkrieg. Was er nicht verhindern konnte, war die Zerstörung des Kaisheimer Hofs in Heilbronn durch aufständische Bauern unter
Führung von Jäcklein Rohrbach.

1532 wurde Abt Johannes von Kaiser Karl V. zum kaiserlichen Kaplan ernannt.

Abt Johann starb 1540. Sein Nachfolger wurde Johann VI. Sauer (1540–1575). Er stammte aus Donauwörth und hatte ebenfalls in Heidelberg studiert.

1542 umgab Abt Johannes den Wei9nberg in Leitheim mit einer Mauer. Außerdem wurde das Weingärtnerhaus erbaut, von dem aus man eine herrliches Aussicht auf Augsburg hat. Das kostete 4000 Dukaten, das entspricht etwa 343.000 Euro.

1542 war Ottheinrich von der Pfalz (1552-1559) zum Luthertum übergetreten. In der Folge wurden dann die Frauenklöster in Neuburg, Monheim und Bergen und danach Lauingen und Mödlingen aufgehoben. Auch Waldsassen, Pielenhofen und Gnadenburg erlitten dasselbe Schicksal.

Waldsassen war von 1571-1669 ein kurpfälzisches Pflegamt. Kaisheim blieb zwar katholisch, aber zwischen 1544 und 1562 war der Konvent mehrmals gezwungen, das Kloster zu verlassen.

1544 trat Ottheinrich dem Schmalkaldischen Bund bei. Kaiser Karl V. befahl Abt Johannes und dem Konvent die alte Religion beizubehalten.

1546 unterwarfen sich Prior Matthias Nachbauer dem Fürsten von Neuburg mit dem Vorbehalt des Lebensunterhalts. Kaiser Karl V. führte das Reichsheer gegen Neuburg. Er erklärte die Reichsacht über Ottheinrich. Dieser flüchtete in die Pfalz.

Abt und Konvent befahl der Kaiser, wieder ins Kloster zurückzukehren.

1548 nahm Abt Johannes am Reichstag in Augsburg teil.

1550 ließ der Abt kostbare Paramenten anfertigen.

1551 verlieh Kaiser Karl V. dem Kloster die Halsgerichtsbarkeit.

Nach dem Passauer Vertrag vom 15. August 1552 befahl Kaiser Karl V. Abt Johann, das Kloster wieder zu beziehen und den alten Gottesdienst aufzunehmen.

1556 wurden die Klosterhöfe in Giengen und Donauwörth renoviert.

1556 trat Kaiser Karl V. von allen Herrscherämtern zurück. in Deutschland übernahm sein Bruder Ferdinand I. (1568-1564) die Regierung. 1559 nahm er Kloster Kaisheim in den Schutz des Reiches.

Auf Ferdinand I. folgte Maximilian II. (1564-1576). Er bestätigte 1566 den Reichsschutz für Kloster Kaisheim.

1568 ließ der Abt außerhalb der Sakristei ein neues Uhrwerk errichten.

1572 war Abt Johannes sehr alt und wünschte einen Coadjutor. Der Konvent wählte am 19. März 1572 einstimmig den Unterbursner Ulrich Köllin aus Wiesensteig mit dem Recht der Nachfolge.

1573 nahm Maximilian II. Kloster Kaisheim in seinen Schutz und da es weder dem bayrischen noch dem schwäbischen Kreis zugewiesen war, ernannte er den Bischof von Augsburg Johann Eglof von Knöringen (1573 –1575) und

Herzog Albrecht V. (1550-1579) von Bayern als Konservatores des Kloster.

Am 19. Juli 1573 visitierte der Generalabt Nicolas I. Boucherat (1571– 1583) aus Citeaux Kloster Kaisheim.

Am 28. November 1575 starb Abt Johannes  VI. sauer nach 35 –jähriger Regierungszeit. Sein Nachfolger wurde der bereits 1572 zum Koadjutor bestellte Ulrich IV. Köllin (1575–1586 )

Abt Ulrich wurde am 8. Januar 1576 von dem Augsburger Weihbischof Ulrich Geislinger (1474 1493 ) geweiht und im Beisein der Äbte von St. Ulrich in Augsburg, Fürstenfeld, Neresheim, Thierhaupten Heilig Kreuz in Donauwörth und Mönchsdeggingen

in sein Amt eingeführt.

Kaiser Rudolf II. (1576-1612) bestätigte 1577 die Privilegien von Kloster Kaisheim.

1577 verlangte das Kloster Aldersbach in der Diözese den bisherigen Oberbursner Andreas Heydecker, der dort Abt wurde.

1580 bestellte Kaiser Rudolf den Augsburger Bischof Marquard II. vom Berg (1576-1591) und Herzog Wilhelm V. (1579-1597) von Bayern zu Konservatoren von Kloster Kaisheim.

Abt Ulrich renovierte die Abtei innen und außen. Er ließ viele Bilder und Figuren anbringen. Außerdem wurden auch viele Sonnenuhren angebracht.

1582 wurde der gregorianische Kalender eingeführt.

Abt Ulrich starb am 14. August 1586. Sein Nachfolger wurde Georg III. Futterknecht (1586–1589) Er stammte aus Dillingen und war bisher Oberbursner.

1588 erbaute er die Kanzlei mit Registratur. nach nur drei Jahren Regierungszeit starb er am 11. Februar 1589 in Nördlingen.

Auch der nächste Abt Dominikus Steichele (1589–1594 ) war nur relativ kurz im Amt. Er war Professor. Neben der Kanzlei ließ er ein weiteres Gebäude erbauen, in dem unten Stallungen für die Hofpferde waren.

Oben war ein Ratszimmer eingerichtet. Daneben wurde später von Abt Molitor ein weiteres Zimmer eingebaut. Er nannte es die “kleine Abtei”, denn er nutzte es, wenn die Herzöge von Neuburg mit Damen zu Besuch kamen,

denen er dann immer ehrenhalber die Abtei räumte. Nach längerer Krankheit starb Abt Dominikus am 6. Januar 1594. Bei seinem Tod war zufälligerweise  Generalabt Nicolas I. Boucherat zur Visitation in Kaisheim.

Er leitete dann am 8.Januar 1594 die Wahl des neuen Abtes Sebastian Faber (1594–1608) und benedizierte diesen auch.

Am 14. September 1595 wurde in Fürstenfeld ein Provinzialkapitel abgehalten. Durch die Reformation im Deutschen Reich war die Filiationskette als das verbindende Element der Klöster des Ordens  dadurch in vielen Fällen unterbrochen.

Generalabt Edmond de la Croix (1584–1604) strebte ein die einzelnen  Territorien übergreifendes Generalvikariat für den oberdeutschen Raum zu schaffen. Außerdem sollten so auch die Reformen, die das tridentinische Konzil verlangt hatte, gesichert werden.

Die 17 Äbte, die zu diesem Provinzkapitel zusammen gekommen waren, beschlossen die Fürstenfelder Statuten. Zum Generalvikar wurde Abt Petrus Müller (1593–1615) von Salem ernannt. 1619 wurde die Oberdeutsche Kongregation dann endgültig gegründet und am

22. Januar 1619  vom Abt von Cîteaux bestätigt.  1624 wurde die Kongregation auch vom Papst bestätigt.

1598 ließ Abt Sebastian die alten Chorstühle renovieren. 1600 ließ er die von Johann Knebel verfasste Klosterchronik von Pater Martin Held ins Lateinische übertragen.

1600 gab Kaiser Rudolf dem Kloster auch einen Doppeladler mit dem Wappen des Kaisers, der als Schutzschild am Klostertor befestigt wurde.

1602 belästigte Herzog Philipp Ludwig von Neuburg (1569-1614) Kloster Kaisheim, was ihm große Nachteile verschaffte. 1607 reiste Abt Sebastian deshalb an den Hof von Kaiser Matthias (1612-1619) nach Prag auch um dem Kloster und seinen Angehörigen

Frieden zu verschaffen. Er wurde ehrenvoll aufgenommen und seine Reise war von Erfolg gekrönt. Er reiste dann weiter zum Reichstag nach Regensburg. Die Reise war wohl sehr anstrengend. Erschöpft wurde er krank und starb mit nur 43 Jahren am  15. April 1608

in Regensburg, wo er auch beerdigt ist. Sein Nachfolger wurde Abt Johann VII. Beck (1608–1626 ). Er wurde am 17. April gewählt und kurz danach inthronisiert. Abt Sebastian hatte den Ausgang des Streits mit Herzog Philipp Ludwig von Neuburg  nicht mehr erlebt.

Abt Johann gab eine Druckschrift heraus, in der er darlegte, dass Kloster Kaisheim nie der Pfalzgrafschaft unterworfen war und diese deshalb auch kein erbliches Schutzrecht beanspruchen könne und
Kaisheim sich seinen Protektor frei wählen könne. Der Neuburger Herzog verfasste eine Gegenschrift, nach der Kaisheim der Grafschaft Graisbach unterworfen sei und damit Pfalz-Neuburg.

1610 ließ Abt Johann die Pfistererei umbauen. 1611 wurde sie vollendet. Sie hatte zwei Backöfen, eine Mühle sowie Gewölbe zur Aufbewahrung des Brotes. Über der Bäckerei waren Wohnungen und Gesindestuben für Bäcker und Müller. Darüber

waren große Getreidekästen.

1612 griff Herzog Philipp Ludwig Kloster Kaisheim an, entfernte den Doppeladler über dem Tor und ließ diesen nach Neuburg bringen, dies allerdings unter großen Ehrbezeugungen und mit entblößtem Haupt.

Nach dem Tod von Herzog Philipp Ludwig von Neuburg  1614 hatte sein Sohn Wolfgang Wilhelm 15. Mai 1614 feierlich seine Konversion zum Katholizismus bekannt gegeben.

Am 30. September 1615 visitierte Generalabt Nicolas II. Boucherat  (1604–1625 ) Kloster Kaisheim. 1619 übertrug er alle hohe Generalsgewalt dem Präsidenten der oberdeutschen Ordensprovinz.

Er erhielt auch vom Papst die Vollmacht, alle Prälaten seines Ordenszu ermächtigen neue Äbte und Äbtissinnen zu weihen.

Der Abt ließ 1620 die Krankenkapelle restaurieren und bestimmte sie zu seinem Begräbnisplatz.

1621 bestätigte Kaiser Ferdinand II. (1619-1637) die Privilegien des Klosters.

1626 bat Abt Johann den Abt von Salem Thomas I. Wunn (1615–1647) nach Kaisheim zu kommen. Altersbedingt und erschöpft legte er am 17. Januar 1626 sein Amt nieder. Er starb am  16. Februar 1627.

Unter Abt Thomas wurde am Tag des Rücktritts von Abt Johann der neue Abt gewählt.Sein Nachfolger als 33. Abt wurde Jakob Mosbach (1626–1637). Er wurde von Abt Thomas Wunn 8 Tage später benediziert.

1627 kaufte Abt Jakob von der Freifrau Anna von Fugger aus Kirchberg in Ingolstadt für 4300 Gulden ein von allen Lasten befreites Haus, heute das Kaisheimer Haus und ließ es für Studierende einrichten.

In Kaisheim ließ er mehrere Gebäude fertigstellen, die von seinen Vorgängern begonnen worden waren.

In diesem Jahr wurde er auch vom Generalabt zum Generalvisitator aller in Sachsen gelegenen Zisterzienserklöster ernannt. Er begab sich deshalb mit einigen Mönchen nach Sachsen. Dort übernahm er das Kloster Walkenrode

und setzte Pater Christoph Kölich als Abt ein.

Kaiser Ferdinand II. ernannte Abt Jakob zum Kaiserlichen Rat und Kaplan (Schaidler S.176)

Zwar herrschte schon seit 1618 Krieg im Deutschen Reich Aber Kloster Kaisheim war bisher verschont geblieben. Das änderte sich, als Gustav Adolf (1611-1632) 1631 in Franken einfiel. An Palmsonntag 1632 besetzte er Kloster Kaisheim.

Der Konvent konnte sich mit Mühe nach Ingolstadt retten.  Nur zwei Mönche blieben zurück, Georg Molitor (latinisert Müller), der spätere Abt und Franziskus Glepser. Der König und sein Heer verpflegten sich im Kloster und auch als sie nach Donauwörth

weiterzogen, bezogen sie ihre Nahrungsmittel aus dem Kloster. Dank einer Schutzerklärung des schwedischen Königs blieb das Kloster zwar von Brand und Zerstörung bewahrt, aber das Kloster verarmte. Der Konvent blieb zwei Jahre in Ingolstadt.

Der Abt verbrachte diese Zeit in Clairvaux und Venedig. Er kehrte 1637 aus seinem Exil nach Kaisheim zurück. Da die Versorgungslage des Klosters sehr prekär war, schickte er die Mönche in österreichische Klöster, wo sie unterkamen.

Abt Jakob war krank und starb am 4. November 1637. Der Salemer Abt Thomas I. war benachrichtigt worden. Er war bei der Wahl anwesend, bei der Georg IV. Müller (1637–1667) als 34. Abt gewählt wurde.

Der Krieg kehrte nochmals zurück. Abt Georg flüchtete nach St. Gallen, die Konventualen wurden auf verschiedene Klöster verteilt, nur drei blieben in Kaisheim zurück.

1640 war ein Reichstag in Regensburg. Auch Abt Georg nahm daran teil und erhielt eine Audienz von Kaiser Ferdinand III. (1637-1657).

1645 kehrte Abt Georg aus dem Exil zurück,hielt sich aber im Kloster Oberschönenfeld auf. Am 25. März 1648 besetzte Carl Gu8staf Wrangel Kloster Kaisheim, blieb dort 5 Tage und plünderte es aus.

1649 visitierte Abt Georg das Kloster Stams. Er kehrte nach Kaisheim zurück. Nur zwei Konventsmitglieder waren noch im Kloster. Er holte die überall verstreuten Mönche zurück und nahm auch wieder Novizen  auf, da einige Mönche verstorben waren.

1653 schickte Abt Georg drei Mönche zum Studium nach Ingolstadt.Nach Kaisheim verpflichtete er den Professor der Philosophie Malachius Niederhofer,Prior in Kloster Aldersbach und später dort  Abt (1669–1683). Er lehrte zwei Jahre Philosophie in Kaisheim und hielt auch Disputationen

über Physik und Logik.

An Pfingsten 1654 visitierte Generalabt Claude Vaussin ( 1643–1670 ) das Kloster und erteilte die niederen Weihen.

Abt Georg versuchte die Kriegsfolgen für das Kloster und seine Besitzungen zu beheben. Abgebrannte Dörfer und Maierhöfe wurden wieder aufgebaut und bevölkert. Auch um Klosternachwuchs bemühte er sich.

Das Kloster erholte sich wirtschaftlich und personell sehr schnell, was sich auch in umfangreichem Gütererwerb zeigte. So kaufte es 1655 das in der Reformation aufgehobene Kloster Pielenhofen und besiedelte es als Priorat von Kaisheim wieder.

1656 erreichte Abt Georg einen Vergleich mit Herzog Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1653-1690) in dem jahrelang schwelenden Streit. Der Pfalzgraf verzichtete auf Rechte. Damit war die Reichsunmittelbarkeit von Kloster Kaisheim endgültig gesichert.

 

Kaisheim1720W

1659 ernannte Kaiser Leopold (1658-1705) Abt Georg zum Kaiserlichen Rat und Kaplan.

1669 bekam das Kloster eine neue Orgel.

Abt Georg starb am 11. Februar 1667. Er hatte eine sehr erfolgreiche Regierungszeit hinter sich gebracht. Im Krieg zum Abt gewählt konnte das Kloster am Kriegsende gerade noch 5 oder 6 Mönche ernähren.

Bei seinem Tod waren 34 Patres, 13 Fratres Clerici, 7 Konversen,3 Oblaten und 8 Novizen im Kloster, zusammen also 65. Wirtschaftlich hatte sich das Kloster ebenfalls bestens erholt.

Unter Vorsitz von Abt Martin Dallmayr ( 1640–1690) aus Fürstenfeld und in Anwesenheit des Priors von Lützel wurde Benedikt Hein (1667–1674) zum 35. Kaisheimer Abt gewählt.

1667 ernannte Kaiser Leopold Abt Benedikt zum Kaiserlichen Rat und Kaplan.

1672 weilte Pater Benedikt Sanner als Gast im Kloster. Er kam aus Rom und brachte einige Reliquien mit. Er versprach auch einen heiligen Leib aus Rom beizubringen, falls Kaisheim die

Kosten übernehme. Er brachte dann tatsächlich den Leib des Heiligen Candidus, eines Märtyrers mit. dieser wurde dann feierlich in die Kirche von Kaisheim überführt.

1673 brannten in Augsburg die Gebäude des Klosters Kaisheim ab. Sie wurden aber schöner wieder aufgebaut.

1674 ließ Abt Benedikt die Kirche renovieren. Die gotische Einrichtung musste weichen.

Er starb am 20. August 1674 unerwartet.

Unter Vorsitz von Abt Edmont Quiquerez (1673–1677 ) wurde Hieronymus Winter (1674–1681) zum 36. Abt gewählt. Er stammte aus Höchstädt. Bei seiner Wahl war er 38 Jahre alt.

Im Holländischen Krieg, der von 1672-1678 dauerte, war auch das Deutsche Reich involviert. Kaisheim musste als Reichskloster 1675 monatlich 300 Gulden, das sind etwa 22.000 € an Kriegskosten aufbringen.

Als Vorsichtsmaßnahme ließ der Abt wertvolle Gegenstände und wichtige Dokumente nach Augsburg und Ingolstadt bringen. Trotz dieser widrigen Zeitumstände konnte Abt Hieronymus einige Zukäufe für das Kloster machen.

1676 wurden in Bergstetten abgerannte Häuser und ein Stadel wieder errichtet. Auch der Weinberg in Leitheim wurde wiederhergestellt. Der Abt ließ ein neues Brauhaus bauen.

1678 wurde das Uhrwerk auf dem Turm eingebaut.

Als Kaiser Leopold 1676 Eleonore Magdalene Therese von Pfalz-Neuburg heiratete, gingen Abt und Prior nach Neuburg, gratulierten und brachten ein silbernes Mutter Gottes Bild als Geschenk. Im Gegenzug erhielt

der Abt eine silberne Uhr und der Prior einen silbernen Becher.

1677 wurde dem Abt von Kaiser Leopold der Titel eines Kaiserlichen Rats verliehen und er wurde zum Kaplan ernannt.

Am 22. September 1680 wurde das Kloster von dem Mutterabt Petrus Tanner (1677–1702 ) aus Lützel visitiert.

Am 28. Mai 1681 war Abt Hieronymus zur Abnahme einer Profess in Oberschönenfeld, erkrankte dort und verstarb noch am selben Nachmittag. Seine Eingeweide wurden in Oberschönenfeld bestattet,

sein Körper in der neuen Gruft in Kloster Kaisheim.

Am 26. Juni 1681 wurde Elias Götz (1681–1696) einstimmig zum neuen Abt gewählt. Er stammte aus Schwanheim bei Frankfurt. 1661 trat er in das Kloster Kaisheim ein. Er studierte in Ingolstadt zu seinen Kommilitonen zählte der spätere

Abt von Fürstenfeld Balduin Helm (1690–1705). Abt Elias wurde 1669 Priester und 1670 Sekretär des Abtes Benedikt Hein. Er wurde Kellermeister, dann Prior und war Spiritual und Beichtvater im Kloster Oberschönenfeld. Bei der Wahl seines Vorgängers Hieronymus

stand er ebenfalls zur Wahl und es gab Stimmengleichheit. Nur weil eine Stimme zurückgezogen wurde, wurde dann Hieronymus Abt.

Am 8. 1681 wurde er von Abt Martin Dallmayr von der Abtei Fürstenfeld benediziert. Es assistierten die Äbte Franziskus Kraft (1675–1683 ) aus Schöntal und Andreas Hausmann OSB (1669–1688)von Kloster Heilig Kreuz aus Donauwörth.

Er straffte die Klosterverwaltung und setzte neue Offizialen ein. Er konsolidierte die Klosterfinanzen und hatte so 100.000 Gulden für neue Investitionen übrig.Er legte Streitigkeiten mit der Stadt Heilbronn bei.

Noch im Jahr seiner Inthronisation ernannte ihn  Kaiser Leopold I. zum kaiserlichen Rat und Kaplan  und bestätigte die Privilegien des Klosters.

1682 übertrug Kaiser Leopold die Schutzpflicht für das Kloster auf den Kurfürsten von Bayern, das war zu der Zeit Maximlian Emanuel (1679-1726) und den Bischof von Augsburg, das war Johann Christoph von Freyberg (1666- 1690).

Am 26. Januar 1690 wurde Joseph I., der älteste Sohn Kaiser Leopolds in Augsburg zum König gekrönt. Abt Elias sprach bei Tisch den Segen. Dazu hatte sich allerdings der Abt von St. Ulrich Roman Daniel (1674–1694) krank gemeldet, um ihm den Vorrang zu lassen.

1692 wurde in Sulzdorf, heute Teilgemeinde von Kaisheim das Präfektenhaus gebaut, das nach der Säkularisation zum Pfarrhof wurde. Der Pfleger überwachte Einnahmen und Ausgaben und übte im Auftrage des Abtes die niedrige Gerichtsbarkeit aus.

1702 lieh das Kloster dem bayrischen Kurfürsten Maximlian Emanuel 50.000 Gulden gegen Verpfändung der Einnahmen von Donauwörth. Da Donauwörth aber sehr verschuldet war, waren die Aussichten auf Zinsen sehr schlecht und ob das Kloster die

geliehene summe je wieder zurückerhalten würde, war auch mehr als fraglich.

In Esslingen kaufte Kloster Kaisheim ein Gut, den Oberhof außerhalb von Ettlingen für 10.000 Gulden, das vorher dem St. Katherina Spital gehört hatte. Da aber der Konsens des Herzogs von Württemberg Eberhard Ludwig (1677–1733) als Landesherr nicht

eingeholt worden war, beschlagnahmte dieser den Hof und verlangte dass ihm die Summe und zwar in französischen Talern oder Dukaten zu 4 Gulden bezahlt wurde. An die Herzogin mussten 3200 Gulden bezahlt werden. Dazu kamen noch weitere 600 Gulden dazu.

Da das Gut aber für den Kaisheimer Hof in Esslingen von großem Vorteil war, kaufte das Kloster trotzdem. Allerdings kam ihm der Kauf auf 15.523 Gulden zu stehen. Aber das Kloster erweiterte seinen Besitz noch, denn es konnte in Esslingen vortreffliche Weinberge

für weitere 3.500 Gulden erwerben.

1696 ließ Abt Elias in Leitheim eine Kapelle und die Hofanlage, die während des Dreißigjährigen Krieges zerstört worden war, zur  Sommerresidenz des Klosters Kaisheim ausbauen. Es sollte auch einen Zufluchtsort bilden, falls Kaisheim von einer Krankheit heimgesucht wurde.

Außerdem wurde dort fürstlicher Besuch empfangen und untergebracht. Das störte dann den klösterlichen Alltag nicht.

Beim Kurfürsten stand Abt Elias in höchstem Ansehen. Er äußerte sich einmal über ihn, wenn er an einem fürstlichen oder kaiserlichen Hof einen  tüchtigen Agenten brauche, würde er sein Vertrauen auf Abt Elias richten. (Schaidler S. 208)

Abt Elias war ein ausgezeichneter Redner und Dichter.

Im Juni 1696 ritt er von Leitheim zurück, stürzte dabei vom Pferd und brach sich den Fuß. Er wurde zwar geheilt. Es gab aber Komplikationen, an denen er am 4. Juni 1696 verstarb.

Sein Nachfolger wurde Judas Thaddäus Mayr (1696–1698 ) als 38. Kaisheimer Abt. Er wurde am 25. November 1648 als Sohn armer Eltern geboren und schon als Jugendlicher ins Kloster Kaisheim aufgenommen, zunächst als Messdiener und dann als Küchenhilfe.

Da ihm der Dienst nicht gefiel, floh er aus dem Kloster und ging nach Eichstätt und begann ein Studium. Er wandte sich nun an Abt Georg Molitor, der ihn unterstützte. 1666 wurde er als Novize aufgenommen. Er studierte in Ingolstadt Philosophie. 1675 wurde er zum Priester geweiht.

Er war Vikar in Leitheim. 1678 wurde er Professor der Kasuistik, 1679 Professor der Philosophie und 1681 Direktor in Ingolstadt. 1686 wurde er Oberbursner. In diesem Amt ließ er alle Güter der Untertanen beschreiben.

Zweimal wurde er nach Citeaux geschickt. Der Generalabt Nicolas III. Larcher (1692– 1712 )bewunderte die große Gelehrsamkeit und soll gesagt haben, wie es möglich sei, dass in einem solch kleinen Körper so große
Gelehrsamkeit sei. (Schaidler S. 209) Auch bei den Professoren in Ingolstadt und Dillingen stand er in höchstem Ansehen. 1698 war er bei einer Professablegung in Niederschönenfeld. Dabei platzte ihm die Blase. An dem dadurch hervorgerufenen Brand starb er.

Als 39. Abt wurde Roger I. Röls (1698–1723) gewählt. Er war ein Bruder ein Bruder des Augsburger Weihbischofs Kasimir Röls (1708- 1715) und des Benediktinerabtes Amandus Röls (1691–1748) von Heiligkreuz in Donauwörth. Ein weiterer Bruder, Georg (1652–1719), wurde Bürgermeister

von Schwandorf, dem Geburtsort von Abt Roger. Er besuchte das Jesuitengymnasium in Dillingen. 1679 trat er in das Kloster Kaisheim ein. Bis 1681 studierte er bei dem späteren Abt Judas Thaddäus Mayr Philosophie und dann drei Jahre Theologie. 1685 wurde er zum Priester geweiht. Im selben Jahr wurde er Unterbursar. Schon ein Jahr vorher war er zum Inspektor der Novizen und Repetitor der Philosophie ernannt worden. 1689 ging er als Kaplan in die Zisterzienserinnenabtei Kircheim am Ries. 1691 wurde er dort Beichtvater. Dann wurde er nach Kaisheim zurückberufen und dort
Oberbursier. Nach dem frühen Tod von Abt Judas Thaddäus wurde er am 15. April 1698 unter Vorsitz von Abt Candidus Wenzl (1688–1700) aus Raitenhaslach einstimmig zum Abt gewählt. Bei seiner Benediktion waren auch seine beiden Brüder anwesend.

Wie sein Bruder Amandus ging er seine neue Aufgabe sofort zielbewusst und unbeirrt an. Vor seiner Wahl war er Bursarius, also Hauptkassier der Domänenverwaltung. Er hatte den notwendigen wirtschaftlichen Sachverstand. Wie sein Bruder in Donauwörth, der das dortige Kloster in kurzer Zeit entschuldet hatte, tilgte er sofort die hohen Schulden in Kaisheim. Als das geschafft war, ließ er die Kirche mit Altären, Skulpturen und Bilder ausstatten. Auch ein prächtiges neues Chorgestühl kam in die Kirche. Außerdem  schaffte er kostbare Ornate an. Besonders zu erwähnen  ist  eine vier Fuß hohe und 32 Mark schwere und mit Edelsteinen und Perlen besetzte goldene Monstranz im Wert von über 100.000 Gulden, das ist wohl eher symbolisch zu sehen (das entspräche 7.353.568 €!), die er von dem Goldschmiedemeister Hermann Schmez in Augsburg anfertigen ließ.

1701 brach der Spanische Erbfolgekrieg aus, ein Kabinettskrieg , der erst 1714 mit dem Frieden von Rastatt endete. 1702 wurde auch Süddeutschland in den Krieg einbezogen. Am 9. September 1702 überfiel er bayrische Kurfürst Maximilian II. Emanuel die Stadt Ulm.

Die kaiserliche Armee versuchte eine Vereinigung der Franzosen unter Marschall Villars mit den Bayern zu verhindern. Auf kaiserlicher Seite kämpfte der Markgraf von Baden Ludwig Wilhelm, das war der “Türkenlouis”.

Bei  Höchstädt gab es  zwei Schlachten. Das ist praktisch vor der Haustüre von Kaisheim im September 1703 und im August 1704. Kaisheim traf der Spanische Erbfolgekrieg hart. Vor allem die entlegeren Klosterbesitzungen waren betroffen. Durch Plünderungen, Einquartierungen und Kriegslasten

erlitt das Kloster in der Zeit von 1702-1704 einen Schaden von rund 580.000. Gulden. In Tapfheim belief sich der Schaden allein auf 120.000 Gulden. Der Krieg kostete das Kloster also rund 700.000 Gulden. Dazu kam, dass der Abt im November 1703 fliehen musste und die meiste Zeit dann in

Ingolstadt im Haus der Zisterzienserinnen verbringen. Von 1703- bis 1708 war er nach Schaidel nicht in Kloster Kaisheim. Auch die Konventualen waren auf Zisterzienserklöster außerhalb des Kriegsgebietes verteilt worden. Trotz der Kriegswirren und Lasten schaffte es der Abt, noch während des Krieges

22.000 Gulden Schulden zu tilgen.

Die Abtei erholte sich aber wirtschaftlich so rasch, dass Abt Roger 1716 mit dem barocken Klosterneubau beginnen konnte. Er beauftragte dazu den Vorarlberger Baumeister Franz Beer (1660-1726) von Blaichten, dessen Werke er aus Salem kannte. Für den Salemer Abt Stephan Jung I. (1698–1725 ) war Franz Beer fast so etwas wie der Hausarchitekt. Er hatte gerade die Zisterzienserkirche in St. Urban 1711-1715 beendet. Den dortigen Abt Abt Malachias Glutz  kannte Abt Roger. Zuletzt trafen sie sich 1715 beim Kapitel der oberdeutschen Zisterzienserkongregation in Salem.

Abt Roger schloss 1716 mit Franz Beer in Salem einen Akkord ab über 32.500 Gulden. Nach fünf Jahren Bauzeit konnten 1721 die Bauarbeiten und der Innenausbau mit Ausnahme der Bibliothek und des Grossen Saals abgeschlossen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Bau ohne die klostereigenen Leistungen 110 638 Gulden gekostet.  Die Baukosten waren schon enorm und führten dazu, dass der Salemer Abt Stephan im Auftrag des Generalabts Edmond II. Perrot ( 1712– 1727 ) eine Visitation und Untersuchung in Kaisheim durchführte, denn Abt Roger war der Verschwendung angeklagt worden.

Der Salemer Abt kam aber zu dem Schluss, dass Abt Roger  nur zum Nutzen des Stiftes gehandelt  haben und sprach ihn von allen Vorwürfen frei.

Am 22.Dezember 1711, also lange vor Baubeginn, wurde Kaiser Karl VI. 1711-1740) in Frankfurt zum Kaiser gekrönt. Auf dem Weg zur Krönung begrüßten ihn Abt und Konvent in Neuhof.

1718 besuchte Kurfürst Karl III. Philipp von der Pfalz (1716 bis 1742) das Kloster.

Außerdem ließ er ebenfalls von Franz Beer in Pielenhofen zur gleichen Zeit die neue Klosterkirche bauen. Sie wurde ausgestattet von den Brüdern Appiani und dem Maler Jacob Carl Stauder ausstatten. Dazu kam der Neubau von Pfarrhöfen und Kastenhäuser in der Klosterherrschaft und den benachbarten Städten.

Abt Roger starb am 3. Mai 1723.

Sein Nachfolger wurde als 40. Abt. Roger II. Friesl (1723–1739) Er stammte wie sein Vorgänger ebenfalls aus Schwandorf. Er hatte in Amberg die Humaniora studiert, das war in der Renaissance die Gesamtheit des humanistischen
Bildungsprogramms und in Ingolstadt Theologie. 1713 wurde er zum Priester geweiht. Nachdem er die Klosterämter des Supriors, Subbursarius und Priors erfolgreich durchlaufen hatte, wurde er 15. Juni 1723 zum Abt gewählt und am 2.
August 1723 benedediziert.

Er achtete auf genaue Einhaltung der Ordensregel. Er schaffte neue Ornate an und liess die Kirche prachtvoll ausstatten. Er ließ den “von Gold strotzenden” (Schaidler S.222) Altar des Heiligen Johann von  Nepomuk errichten. Aus Rom beschaffte

er die heiligen Leiber von Claudius und Julianus und ließ diese in Niederschönenfeld prächtig fassen.

Genauso wie er sich um die prachtvolle Ausstattung der Kirche bemühte, sorgte er für die Bildung seiner Konventualen. Er sandte viel zum Studium der Theologie und des kanonischen Rechts nach Ingolstadt. Er sorgte auch dafür, dass in Kaisheim Philosophie

unterrichtet wurde. In dieser Zeit waren auch Mönche aus anderen Klöstern zum Studium in Kaisheim, so aus Augsburg, Donauwörth und Waldsee, aber auch aus den Zisterzienserklöstern Lützel und Stams.

1724 besuchte Abt Roger Schönthal, Esslingen, Heilbronn, Ulm Lauingen, Stotzingen und Ober-und Niederschönenfeld.

1725 visitierte Abt Konstantin Miller (1725–1745) von Salem  das Kloster.

1730 ließ Abt Roger in Tapfheim ein neues Schloss erbauen. 1692 hatte das Kloster Kaisheim die Hofmark Tapfheim von Graf Johann Jakob von Hamilton, deinem schottischen Staatsmann in österreichischen Diensten, für 80.000 Gulden gekauft.

1738 ließ er das Schloss Bertenbreit, heute ein Teil von Kaisheim, erbauen, dieses aber mehr als Liebhaberei denn zu praktischem Nutzen.

In Flotzheim und Villenbach baute er Pfarrhäuser, in Wörnitzstein und brachstatt einen Zehntstadel und in Bertenbreit ein Hirtenhaus und einen Ziegelstadel.

1733 wurde in Kaisheim ein Nationalkonvetn abgehalten, bei dem 14 Äbte anwesend waren. Da der Abt aus Salem erkrankt war, leitete Abt Roger den Konvent.

1734 erlitt Abt Roger einen Schlaganfall, wurde aber wieder hergestellt.

Im Zisterzienserinnenkloster St. Agnes in Lauingen bewog er die Äbtissin Luitgard Langin am 17. Juni 1738 zur Resignation. Ihre Nachfolgerin Adelheid Themplerin wurde in Kaisheim benediziert.

Am Freitag vor Palmsonntag brannte das Küferhaus ab. Küfer Geselle und Lehrjunge konnten sich zwar ins Frei retten. Sie starben aber ein paar Tage später an den schweren Verbrennungen, die sie erlitten hatte.

Da Wassermangel herrschte, war nicht nur das Bräuhaus und die Pfisterei, die in der Nähe waren, in großer Gefahr. Das ganze Kloster war gefährdet. Aber glücklicherweise blieb es bei dem Brand von dem einen Haus.

Für den Abt aber, der ohnehin eine angegriffene Gesundheit hatte, war die Aufregung wohl zu viel. Er starb kurz danach.

Sein Nachfolger wurde Cölestin I. Mermos (1739–1771). Er stammte aus Donauwörth. Sein Vater war erst Pfleger von Heilig Kreuz in Donauwörth. Später wurde er Kaisheimischer Pfleger in Nördlingen und Ulm.

Cölestin hatte 1722 die Gelübde in Kaisheim abgelegt. Er studierte Theologie in Ingolstadt und in Kaisheim. 1725 wurde er zum Priester geweiht. Danach lehrte er selbst Theologie in Kaisheim. Zunächst war er

Vikar in Leitheim. Als dort das halbe Dorf abbrannte, sammelte er Brot, da die Armut überhand nahm. Nach Leitheim wurde er Vikar in Violau. Dann kam er nach Esslingen als Prediger, wo er sich auch die Achtung der Protestanten erwarb.

1737 wurde er Novizenmeister in Kaisheim.  Am 9. Juli 1739 wurde er unter Leitung von Abt Angelus Münch (1732–1761) einstimmig zum Abt von Kaisheim gewählt. Am 23. August 1739 wurde er von Abt Konstantin Miller (1725–1745) benediziert.

Im ersten Jahr seiner Regierung vernichtete Schnee und Eis die gesamte Weinernte des Klosters. Auch die Weinstöcke gingen zugrunde, was dem Kloster einen großen Schaden verursachte.

Nach dem Tod von Kaiser Karl VI. 1740 und damit dem Aussterben des Hauses Habsburg im Mannesstamm brach in Österreich der Österreichische Erbfolgekrieg (1740-1748) aus. 1741 brachte man deshalb die goldene Monstranz und 300.000

Gulden zunächst in Salem und dann in der Schweiz in Sicherheit. 1742 war eine französische Besatzung von 600 Soldaten und 50 Offizieren in Kloster Kaisheim.

1743 musste Abt Cölestin auf Anordnung des Generalabtes Andoche Pernot des Crots  (1727– 1748 ) und dort Streitigkeiten schlichten.

1750 ließ er die Kalvarienbergkapelle in Wörnitzstein errichten. Baumeister war Johann Georg Hitzelberger, der ab 1769 Hofbaumeister in Wallerstein war.

1751 ließ Abt Cölestin Schloss Leitheim um ein weiteres Geschoss aufstocken und dort einen Festsaal im bayerischen Rokoko-Stil  ausschmücken. Der aus Mähren stammende Gottfried Bernhard Göz, zu dessen bekanntesten Werken die Freskierung

der Wallfahrtskirche Birnau zählt, übernahm auch die Freskierung in Leitheim. Er schuf dort ein einheitliches ikonographisches Konzept bildet: die fünf Sinne, die vier Elemente, die vier Temperamente und die periodischen Zeitzyklen der vier Lebensalter, die vier Jahreszeiten und der Wechsel von Tag und Nacht und Nacht und Tag. Einer der ersten Gäste war der bayrisch-pfälzische Kurfürst Karl Theodor (1742-1799) noch in seiner Mannheimer Zeit.

Um 1752 ließ er die Gebäude bei der Kirche von Bergstetten, heute Teilgemeinde von Kaisheim nach einem Blitzschlag, der 1668 großen Schaden angerichtet hatte, renovieren und umgestalten.

1756 bestätigte Kaiser Franz I. (1745-1765) die Privilegien des Klosters.

1756 ließ Abt Cölestin die Pfarrkirche in Sulzdorf, heute Ortsteil von Kaisheim, erbauen.

Nachdem Kaisheim sich immer wieder wechselnd mal dem schwäbischen, mal dem Bayrischen Kreis angeschlossen hatte, schloss es sich 1757 definitiv dem Schwäbischen Kreis an. Der Bayrische Kreis protestierte erfolglos dagegen.

Kaisheim erhielt Sitz und Stimme beim schwäbischen Kreis zwischen Roggenburg und Ursberg. Auf dem Reichstag saß es auf der Rheinischen Prälatenbank und zwar an erster Stelle.

Abt Cölestin resignierte am 25. Juni 1771 im Alter von 70 Jahren. Er starb am 21. März 1773.

Cölestin II. Angelsbrugger (Angelsbrucker) (1771–1783 ) Er  wurde am 2. November 1726 in Augsburg geboren, wo sein Vater als Wachszieher und Lebzelter tätig war.

Abt Cölestin legte 1745 in Kaisheim seine Profess ab. Am 21. November 1749 feierte er seine Primiz. Er begann als Vikar in Leitheim. Er bekleidete verschiedene Klosterämter, 1764 wurde er Präfekt in Heilbronn

Im Mai 1765 wurde er Direktor des Kaisersheimer Studienhauses in Ingolstadt . Am 26. Juni 1771 wurde er zum Abt gewählt.

In seinem ersten Regierungsjahr unternahm er eine Prachtreise nach Frankreich und wurde dort vom letzten Generalabt François Trouvé (1748– 1797) zu Ludwig XIV. nach Frontainbleau  geschickt und konnte durch seine Klugheit, Beredsamkeit und gewandtes Auftreten Vorteile für seinen Orden erwirken“  wie Luitpold Reindl  in seiner Geschichte des Klosters Kaisheim 1913, schreibt.

1774 wurde er von Karl Theodor  zum Wirklichen Geheimen Rat ernannt und in die Kurpfälzisch-Physikalisch-Oekonomische Gesellschaft berufen. Im Sinne der Aufklärung die wissenschaftliche Bildung der Mönche. Er schaffte Bücher und naturwissenschaftliche Sammlungen an.

Er ließ das Sommerrefektorium und ein Gewächshaus bauen.

1778 nahm ihn die kurpfälzische Akademie der Wissenschaften in Mannheim als Ehrenmitglied auf. Am Mannheimer Hof lernte Abt Cölestin viele bedeutende Gelehrte und Künstler kennen, z.B. 1778 Wolfgang Amadeus Mozart, der elf Tage in Kaisheim zu Besuch blieb und Angelsbrugger in einem Brief vom 18. Dezember 1778 als „recht liebenswürdigen“ Mann charakterisierte.

1779 wurde er als erster Kaisheimer Abt Generalvikar der oberdeutschen Zisterzienserprovinz ernannt. Als solcher hatte er das Visitationsrecht über alle Zisterzienserklöster der Provinz und führte auf den Nationalkapiteln den Vorsitz.

Allerdings führte seine Kunst-und Prachtliebe, seine fürstlichen Geschenke und seine Freigebigkeit gegen jedermann auch dazu, dass er bei seinem Tod dem Kloster eine Schuldenlast von fast 600.000 Gulden hinterließ.

Er starb am 26. September 1783 im Alter von 57 Jahren, als er von einem Spaziergang zurückkam und dabei einen Schlaganfall erlitt.

43. und letzte Abt von Kaisheim wurde Franz Xaver Müller (1783–1802) Er stammte aus Westhausen bei Ellwangen. Er legte am 28.Oktober 1746 seine Profess ab. Ab April 1770 war er Unterbursar und ein Jahr später ernannte ihn Abt Cölestin II. zum Oberbursar.

Am 23. Oktober 1783 wurde er zum Abt gewählt und fünf Tage später benediziert. Schon 1784 wurde er zum  Visitator der Zisterzen in Schwaben und Tirol bestellt.

Er hatte nicht umsonst über Jahre in der Wirtschaftsverwaltung des Klosters gearbeitet. Er schaffte es, die Schulden seines Vorgängers zu tilgen. In der Landwirtschaft führte er gezielte Maßnahmen zur Ertragsverbesserung ein.

Die Revolutionskriege kosteten die Abtei viel Geld. Es mussten „Requisitionen ohne Maß und Zahl und vierfache Contributionen, Reichs- und Kreis-Prästanden, Kriegsbeyträge und gezwungene Anlehen“ zu erbracht werden.

1793 mussten große Teile des Kirchensilbers nach Günzburg abgeliefert werden. Die Franzosen nahmen aus der Bibliothek ein wertvolles, auf mehrere tausend Gulden geschätztes Brevier mit.

Der Friede von Lunéville und der Reichsdeputationshauptschluss 1803 brachten dem Kloster Kaisheim das Ende.  Abt Xaver konnte die Säkularisation auch durch eine Eingabe an den bayrischen Kurfürsten nicht mehr abwenden.

Am 1. September 1802 ließ der bayrische Kurfürst das Kloster okkupieren. Am 29.0ktober 1802 wurde eine provisorische Administration eingesetzt.

Das Klostergebäude wurde zunächst Aussterbekloster für Franziskaner. 1816 wurde ein Strafarbeitshaus. Heute ist in Kaisheim eine JVA untergebracht. Auch der Name Kaisersheim wurde auf Kaisheim abgeändert.

Abt Xaver erhielt eine staatliche Pension. Als Wohnsitz wurde ihm Schloß Leitheim zugewiesen.

Abt Xaver verstarb 1817. Nach seinem Tod durfte er nicht wie seine Vorgänger in der Klosterkirche bestattet werden. Er fand seine Ruhestätte auf dem allgemeinen Friedhof. Aber acht seiner ehemaligen Konventualen

legten wieder den Zisterzienserhabit samt Kukulle an und trugen ihn auf den eigenen Schultern zu Grabe.

 

17 Apr 2021

Zisterzienserkloster Pairis/Elsass

                                                                                                                                                                                                                                     ehemaliges Kloster Pairis

 

Kloster Pairis wurde 1138 von Graf Ulrich, dem Enkel von Gerhard von Lothringen und letztem Graf von Egisheim gegründet. Es wurde als Tochter von Kloster Lützel besiedelt. Zwölf Mönche unter Abt Degenhard kamen nach Pairis.

Der Graf stattete seine neue Gründung mit umfangreichen Gütern, die zwischen dem Lac Blanc und dem Lac Noir lagen, aus. Die Mönche betätigten sich von Beginn an sehr stark landwirtschaftlich.

Ebenso bedeutend war das Skriptorium. Dem Nekrolog kann man entnehmen, dass es in Pairis schon im 13. Jahrhundert eine Schule der Kalligraphie gab. Das belegen auch noch vorhandene handschriftliche Pergamentcodices.

Eine dieser Handschriften aus Pairis enthält  einen Kommentar über das Hohelied,  über das Buch von den Hierarchien der Engel des Pseudo-Dionysius Areopagita, der  aus dem Ende des 12. Jahrhunderts oder Beginn des 13. Jahrhunderts stammt,

Dann gibt es eine Abschrift des Martyrologium Usuardi, ein Evangeliar aus dem 12. Jahrhundert und und ein Missale ordinis sancti Benedicti aus dem 13. Jahrhundert. In der Stadtbibliothek von Colmar befinden sich  ein Psalter aus dem 12. Jahrhunderts mit Neumen,

ein Antiphonar aus dem 13. Jahrhundert mit einer Signatur des Buchmalers Ruccinus und ein Graduale um 1230.

1160 stellte Papst Alexander III. (1159-1181) Kloster Pairis eine Urkunde aus, in der er das Kloster unter seinen Schutz nahm. Die Urkunde befindet sich heute in den Archiven des Departments Haut Rhin in Colmar.

Auch von Kaiser Friedrich Barbarossa (1152-1190) liegt eine Urkunde vor, die die Gründung bestätigt und sie von weltlicher Obrigkeit befreit. Die Schutzvogtei behält der Kaiser. “  Friedrich bestätigt die Gründung des von seinem Vetter, Graf Ulrich von Egisheim, gestifteten Klosters Pairis, nimmt es in seinen Schutz, befreit es von aller weltlichen Obrigkeit und behält die Vogtei sich und dem Reiche vor.” RI IV,2,2 n. 1537a.  Einige Forscher sehen diese Urkunde allerdings als ein Fälschung von Abt Bernardin Buchinger an.

Papst Lucius (1181-1185)stellte  am 12. März 1185  eine Schutzurkunde aus. Er nahm das Kloster unter Abt Weselon in päpstlichen Schutz, bestätigte seinen Besitz und befreite es vom Zehnten bei Eigenbau und für Tierfutter. RI IV,4,4,2 n. 1525.

Es verfügte jetzt  an 17 Orten im Oberelsass über Besitz und Einkommen. Es hatte schon einen Wohlstand erreicht, der den alten Abteien Munster (gegründet um 670) und Murbach (von Pirmin 725 gegründet) gleichkam.

Seit 1168 hatte es die Grangie Buxhof in Mittelwihrvon Ulrich von Eschenbach erhalten, die von Konversen betrieben wurde und wo man sich auf Weinbau spezialisiert hatte.

Der Weiler Chincandal in Katzenthal wurde dem Kloster 1185 von den Grafen von Egisheim geschenkt.

Papst Innozenz III. (1198-1216) rief kurz nach seinem Regierungsantritt zum 4. Kreuzzug auf. Er beauftragte den Abt von Pairis Martin Litz (1200-1207) als Kreuzzugsprediger im Elsass. Er scheint das durchaus mit Erfolg gemacht zu haben. Kreuzzugsteilnehmer waren unter anderem Egenolf von Rappoltstein

(1193-1221) und der Basler Bischof Lütold von Arburg (1191-1213) Abt Martin nahm ebenso am Kreuzzug teil wie einige Mönche aus Pairis, unter ihnen Gunther von Pairis ( + um 1220). Dieser  verfasste die “Historia Constantinopolitana” nach dem Bericht des Abtes Martin

der am Zug teilgenommen hatte. Im Mittelpunkt stehen demgemäß die Erlebnisse des Berichterstatters und die von ihm in Konstantinopel erworbenen Reliquien. Das Werk hat damit eher den Charakter eines Reiseberichts. Es ist eine der Geschichtsquellen des Mittelalters.

Zwar war Jerusalem das offizielle Ziel des Kreuzzuges. Nachdem die Kreuzfahre die dalmatinische Stadt  Zara erobert hatten, um ihre Schulden bei Venedig zu zahlen, das 200 Schiffe zur Überfahrt  bereitgestellt hatte, wendeten sich die Kreuzfahrer nach Konstantinopel,

das 1203 Belagert und 1204 erobert wurde. Es begann eine  dreitätige Plünderungswelle. Jahrhundertealte Kunstschätze wurden geraubt, wertvolle Ikonen und Mosaike zerstört sowie dutzende Reliquien aller Art entwendet und infolgedessen über ganz Europa verstreut.

Viele Einwohner wurden misshandelt, vergewaltigt oder getötet. Das brutale Vorgehen der Kreuzfahrer hat das Verhältnis zwischen orthodoxen und katholischen Christen nachhaltig zerrüttet.

Auch Abt Martin hatte viele Reliquien an sich gebracht, darunter eine Spur vom Blut Christi, ein Stück des Wahren Kreuzes, einen bedeutenden Teil der Gebeine des Hl. Johannes, einen Arm des Hl. Jakobus, einen Fuß des Hl. Kosmas, einen Zahn des Hl. Laurentius sowie Reliquien von weiteren 28 männlichen und 8 weiblichen Heiligen. Er war am 28. Mai von Venedig abgereist und kam nach einem gefahrvollen Weg über Oberitalien am 24. Juni 1204 im Kloster Pairis an. Unterwegs gab es viele bewaffnete Banden, die nur darauf aus waren, die Reisenden zu berauben.

Als Abt Martin so lange abwesend war, hatten die Mönche mit Werner einen anderen Abt gewählt, vielleicht weil sie so lange nichts von Martin gehört hatten oder vermutet hatten, dass er tot sei.

Am 8. Februar 1205 nahm König Philipp von Schwaben (1198-1208) Abt Werner und das Kloster Pairis unter seinen besonderen Schutz. RI V,1,1 n. 98

Die vielen von Martin mitgebrachten Reliquien steigerten natürlich den Ruf und das Prestige der Abtei.

  König Otto IV. (1208-1211 deutscher König, dann bis 1218 Kaiser) nahm 1208 Abt und Kloster Pairis auch in seinen Schutz.RI V,1,1 n. 250. Abt war jetzt Hezelon (1207-1222)

1214 nahm Kaiser Friedrich(1212-1220 König, dann bis 1250 Kaiser)   Kloster Pairis in seinen Schutz und bestätigte ihm den Besitz, den es von Colmarer Bürger gekauft hatte, unter anderem eine Mühle. RI V,1,1 n. 767

In Breisach hatte Kloster Pairis ein Stadthaus

Am 29. November 1214 gestattete Kaiser Friedrich II. Kloster Pairis einmal jährlich  mit einem Schiff den Rhein zollfrei hinab und hinauf zu fahren. RI V,1,1 n. 768

Pairis betrieb ja sehr viel Weinbau und eine kostenfreie Transportmöglichkeit war da natürlich von enormem Vorteil.

Von 1301- 1306 war Philipp von Ratsamhausen Abt von Pairis . Er stammte aus einem elsässischen Geschlecht, das sich nach der Burg Ratsamshausen bei Schlettstadt nannte. Er ist zwischen 1240 und 1245 geboren.

Er trat in den Zisterzienserorden ein. Das genaue Datum ist unbekannt. Der Orden schickte ihn dann nach Paris zum Studium. Dort unterhielten die Zisterzienser ein eigenes Studienhaus, das Collegium S. Bernardi.

Er promovierte in Pairs zum Magister der Theologie. Das genaue Datum ist unbekannt, ebenso wann er wieder nach Pairis zurückkehrte. 1301 wurde er dort zum Abt gewählt. Während seiner Regierungszeit wurde in Pairis

eine Chorkapelle an die Klosterkirche angebaut und in Colmar eine Antoniuskapelle errichtet. Philipp war schon zu seinen Zeiten als Abt ein einflussreicher Berater von König Albrecht I. (1298-1308). In seinem Auftrag reiste er

zusammen mit Bischof Bischof Johann I.  in diplomatischer Mission zu Papst Clemens V. (1305-1319) nach Lyon. Bischof Johann I. war der Kanzler von Albrecht und von 1305-1306 Fürstbischof von Eichstätt und 1306 bis 1328 Bischof von Straßburg.

Papst Clemens V. providierte am 18.02.1306 Abt Philipp ohne Mitwirkung des Domkapitels als Bischof nach Eichstätt und ließ ihm die Bischofsweihe erteilen. Philipp war nicht nur Abt und Bischof. Er war auch ein geistlicher Schriftsteller.

Schon in seiner Studienzeit hatte er einen Kommentar zum Magnificat verfaßt. In seiner Eichstätter Zeit stellte Philipp für  die Viten der Eichstätter Bistumsheiligen Willibald und Walburgis sämtliche Quellen zusammen mit dem Ziel, die Verehrung beider Patrone neu zu beleben. Die Walburgis-Vita widmete er der verwitweten Köngin Agnes von Ungarn (1280–1364), der Tochter König Albrechts. Außerdem verfasste er eine eine Homilie über Lukas 10.38-42 (Jesus mit Martha u. Maria v. Bethanien), ein Kommentar zum 4. Psalm, ein aus zwölf Homilien bestehender Gebetstraktat sowie eine Vaterunser-Auslegung. Vollständig erhalten sind diese Schriften nur in der Bibliothek des Zisterzienserklosters Heilsbronn (heute: Univ.-Bibl. Erlangen).

Nach dem Abt Philipp Bischof in Eichstätt wurde wurde in Pairis Heinrich (1306-1338 zu seinem Nachfolger gewählt.

In seiner Amtszeit wurde die Weinbaudomäne  “Zem Kefersberg” in Ammerschwihr erworben, die noch heute  unter dem Namen “Kafferkopf” bekannt ist. Die erste schriftliche Erwähnung ist in einem Urbar des Kloster Pairis von Mittelwihr aus dem Jahr 1328.

Von 1339-1331 war Johannes von Hattstatt Abt in Pairis.  Er war auch Berater von Kaiser Karl IV. (1355-1378) Am 17. Mai 1354 erhob der Kaiser Abt Johannes zu seinem Kaplan (siehe untere Urkunde).

“Karl IV. erhebt Johann, Abt des Klosters Pairis in der Diözese Basel, zu seinem Rat, Kaplan u.a.m” (  Karl IV. – [RIplus] Regg. Karl IV. (Diplome) [n. 2609] )

Das erklärt auch, dass Kaiser Karl relativ viele Urkunden für Pairis ausstellte, so zwei Privilegienbestätigungen vom 6. Mai 1354 Karl IV. – [RIplus] Regg. Karl IV. (Diplome) [n. 2580] und vom 18. Februar 1370 Karl IV. – [RIplus] Regg. Karl IV. (Diplome) [n. 9124]

Am 5. August 1354 stellte er in Nürnberg eine Urkunde aus , in der er den Bischöfen von Straßburg, das war Johann II. von Lichtenberg (1353-1365), und von Basel, das war Johann II. Senn von Münsingen (1335-1365) sowie dem Vogt von Kaysersberg und dem Rat von Colmar

befahl, das Kloster Pairis zu schützen. (Karl IV. – [RIplus] Regg. Karl IV. (Diplome) [n. 2690] )

Noch unter Abt Johannes wurde das Kloster 1356 im Hundertjährigen Krieg von den Engländer geplündert. Schlimmer war es aber im Jahr 1444, als die Armagnaken das Elsass durchstreiften. Das war eine Söldnertruppe der Herzöge von Orleans.

Dabei wurde Kloster Pairis unter Abt Nicolas von Schweighausen zerstört. Das Mutterkloster Lützel konnte nicht helfend eingreifen, da es selbst in Schwierigkeiten war. Es verzichtete deshalb zugunsten von Kloster Maulbronn auf sein Prioratsrecht.

Generalabt Jean IX. Vion de Gevrey (1440-1458) und das Generalkapitel bestätigten diesen Verzicht am 12. September 1452 unter der Bedingung, dass die Abtei zu einem Priorat umgewandelt wurde. Papst Pius II. (1458-1462) bestätigte die Umwandlung sowie die Einverleibung in

Kloster Maulbronn.Diese sollte in weltlicher und geistiger Beziehung Hilfe leisten. Der Maulbronnern Abt Berthold III. (1445-1462) schickte einige Maulbronner Mönche nach Pairis, setzte dort einen Prior ein. Erließ die Gebäude wieder herstellen und übernahm die Schulden von Pairis.

Kloster Maulbronn wandte für die Gesundung von Pairis etwa 20.000 Gulden auf( nach Karl Klunzinger Urkundliche Geschichte der vormaligen Cisterzienser-Abtei Maulbronn Stuttgart  1854, S.131), das entspricht knapp 1,5 Millionen €. Kaufkraftmäßig wären es aber knapp drei Millionen.

Wenn man aber die weitere Geschichte der württembergischen Klöster betrachtet, war das eine sehr gute Investition, denn nach der Reformation in Württemberg, die Herzog Ulrich nach 1534 einführte, wurde Kloster Maulbronn nach Pairis verlegt. Nach dem Versuch die württembergischen

Klöster gemäß dem Restitutionsedikt von 1629 wieder einzurichten, kamen nach dem Westfälischen Frieden die letzten Mönche von Bebenhausen in Kloster Pairis unter.

1525 war das Jahr des Bauernkrieges. Im Elsass kam mit 30.000 Bauern die größte Zahl der Aufständischen zusammen. Ihr Führer war Erasmus Gerber aus Molsheim. Am 23. April 1525 sammelte sich ein Bauernhaufen bei Beblenheim. Man beschloss, die Grangie Buxhof in Mittelwihr ,

im Besitz der Abtei Pairis,einzunehmen. Man hatte verabredet, sich in  Saint-Die-des-Vosges wieder zu treffen. Auf dem Weg zum Col du bonhomme kamen sie am Kloster Pairis vorbei, überfielen es und plünderten es.

Das Kloster erholte sich nur sehr mühsam von den Folgen.

Kloster Pairis war ab 1570 eine Kommende. Kardinal Andreas von Österreich (Kardinal von 1576-1600) Markgraf von Burgau, und katholischer “Multifunktionär” hatte von Papst Pius V. (1566-1572)Kloster Maulbronn übertragen bekommen. Er baute gegen Ende des 16. Jahrhunderts das im Bauernkrieg

zerstörte Kloster Pairis wieder auf.

Im Dreissigjährigen Krieg hatte im Herbst 1632 General Horn das Elsass besetzt. Dieser vergab Kloster Pairis als Lehen an  die Familie des schwedischen Obristen Georg Wetzel von Marsilien. Diese verjagte die Geistlichen. Als die Schweden abzogen, hinterließen sie die Abtei als Ruine.

Dann fiel das Recht das Gut zu verleihen an den französischen König Ludwig XIII. (1610-1643) zurück. Dieser gab es dem Zisterzienserorden wieder. Der Maulbronner Abt Bernardin Buchinger, der nach der Restitution des Klosters 1629 1642 in Maulbronn Abt wurde, kehrte nach dem Westfälischen Frieden 1648 in das Priorat Pairis zurück. Der Wiederaufbau der Abtei hatte schon ab 1646 begonnen. 1654 wurde Pairis wieder zur Abtei erhoben. 

Zu  Bernardin Buchinger siehe auch ausführlich in” Mei Büchle Zisterzienserabtei Lützel”. Er wurde   am 16. November 1654 unter dem Vorsitz des Abtes von St. Urban Edmund Schnyder ( 1640–1677) zum Abt des im Dreißigjährigen Krieg zerstörten und verlassenen Klosters Lützel gewählt und war nun Abt dreier Abteien. Eine davon, Maulbronn, bestand nur noch auf dem Papier, die zweite war Pairis. Abt Bernardin begann mit dem Wiederaufbau von Pairis. Mit dem Westfälischen Frieden war das Elsass an Frankreich gekommen. König Ludwig XIV.(1643-1715) griff als absolutistischer Herrscher durchaus auch in kirchliche Belange ein. So setzte er am 4. Januar 1656 Olivier de Foulongne in Pairis (1656–1691 ) als Abt ein.Olivier stammte aus der Normandie und war vorher der Sekretär und Kapitelnotar des Generalabts der Zisterzienser   Claude Vaussin (1643–1670 ). Da es noch keinen Kapitelsaal gab, wurde Abt Olivier in der Abteikirche kanonisch gewählt.Abt Bernardin vor vollendete Tatsachen gestellt legte sein Amt in Pairis nieder und beschränkte sich auf Lützel. Als Abt Olivier sein Amt antrat, waren die Zeitumstände günstig. Ex begann die Zeit der “Pax gallica”, ein Begriff angelehnt an die Pax romana. Das ist eine Zeit des Inneren Friedens.

Es herrschte Stabilität, Sicherheit und es begann eine Zeit des Wohlstandes. Die Abtei erholte sich von den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges und erholte sich auch wirtschaftlich.  Abt Olivier war so  in der Lage, die Gebäude und die Abteikirche renovieren  zu lassen. Er konnte auch

Grundbesitz und Herrschaften einkaufen. Von der Stadt Colmar erwarb er 1688 das Herrschaftsrecht  über den Ort Lapoutroie. Das war verbunden mit dem Patronatsrecht der Pfarreien Lapoutroie, Corbey und Bon-Homme.

Da er schon sehr betagt war, bekam er 1686 mit dem ebenfalls aus der Normandie stammenden Claude de Beauquemare einen Koadjutor. Abt Olivier resignierte 1691 und starb im Folgejahr.

Claude de Beauquemare (1692–1726 ) war vor er Koadjutor wurde Prior der Primarabtei La Ferté und Doktor der Theologie an der Sorbonne.  Nach der Demission seines Vorgängers und dessen Tod am 17. April 1692 wurde er Abt von Pairis.

In seiner Zeit begann die Blütezeit nach dem 30-Jährigen Krieg. Die Abtei verfügte wieder über großen Grundbesitz, hatte allerdings auch hohe Personallasten zu tragen. Am 3. November 1700 kaufte er dem Abt von Murbach

Philipp Eberhard von Löwenstein-Wertheim-Rochefort 1686–1720 die Stelle eines Kirchenrats im Conseil souverain des Elsasses in Colmar ab. Der Kauf wurde am 15. Januar 1701 bestätigt und blieb von da an mit dem Abtstuhl von Pairis verbunden.

Abt Claude starb am 25. März 1726.

Zu seinem Nachfolger wurde Jacques Triboulet (1726–1736 ) am 24. April 1726 gewählt. Wie sein Vorgänger war auch er Doktor der Theologie an der Sorbonne. Vor er zum Abt in Pairis gewählt wurde, war er Prior Abtei Beaupré bei Lunéville in Lothringen.

1729 wurde er Visitator und Vikar der Ordensprovinz Burgund. Er ließ die die Abteigebäude neu errichten. Im Jahr 1735 wurde der Neubau der Abteikirche beschlossen. In diesem Jahr wurde Pairis von Abt Lazare Languet (1729–1736) von Kloster Morimond, der auch

Generalprokurator war, visitiert. Er bestätigte den  guten Zustand von Kloster und Konvent in seinem Visitationsrezess. Den Neubau der Kirche erlebte Abt Jacques nicht mehr. Er starb am 27. April 1736. Zu seinem Nachfolger wurde Mathieu Tribout (1736–1759) gewählt.

Er stammte aus St.Louis bei Breisach. Er war Bakkalaureus der Theologie der Universität Toulouse. Benediziert wurde er am 2. Dezember 1736 von Abt Jacques Gacier d’Auvilliers (1715-1759) aus Neubourg. Neubourg war das Mutterkloster von Maulbronn und damit auch von Pairis.

Er besorgte den Neubau der Abteikirche von Pairis sowie deren Innenausstattung. Sie wurde 1741 fertiggestellt, brannte 12 Jahre später beim großen Brand von Pairis vom 30. Januar 1753 völlig ab. Auch Teile der Konventsgebäude wurden zerstörte. Sie wurden mit der Kirche sofort

wieder aufgebaut. Dafür mussten aber hohe Kredite aufgenommen werden. Dank der guten Wirtschaftslage-und Führung von Pairis war dies aber ohne Probleme möglich. Die Kredite konnten bald wieder getilgt werden.

Als Abt Matthieu am 16. Januar 1759 starb, zählte der Konvent 13 Religiose. Davon stammten 8 aus Colmar.

Zu seinem  Nachfolger wurde François Xavier Bourste (1759–1788) gewählt.  Seine Familie gehörte dem elsässischen Landadel an. Sein Vater François Joseph Bourste war Advokat beim Souveränen Rat des Elsass, Bailli von Heiteren und Wihr-au-Val. Sein Bruder François Joseph

wurde ebenfalls Advokat beim Souveränen Rat des Elsass. Er hatte 1747 seine Profess in Pairis abgelegt.Seine erste Amtszeit war noch stark geprägt von den wirtschaftlichen Folgen des Brandes. Er war nicht einmal imstande, die Wahltaxen zu bezahlen.

Aber zusammen mit mit dem Prokurator Jean Jacques Richart konnte er die wirtschaftliche Lage der Abtei bald konsolidieren. Am 15. Juni 1760 konnte der Basler Bischof Josef Wilhelm Rinck von Baldenstein (1744 –1762) die wiederaufgebaute Kirche wieder .

weihen. 1775 kaufte Kloster Pairis von Jean-Jacques Reiss, Vogt von Ensisheim und von Sainte-Croix-en-Plaine, sein Eigentum ab, das Hôtel de Pairis. Der Verwalter des Klosters Braconnot   ließ von

1778 bis 1782 das Gebäude  durch Ritter de Guebwiller in neo-klassizistischem Stil rekonstruieren. In der französischen Revolution wurde es beschlagnahmt, war dann zunächst Sitz der Verwaltung des Departements, dann von 1810 bis 1866 Sitz der Präfektur, bis es von der Stadt Colmar zurückgekauft wurde, um es als Rathaus zu nutzen.

1787 wurde Abt François Xavier  als Abgeordneter des Klerus in die  Notabelnversammlung gewählt. Nach schwerer Erkrankung verstarb er am 19. November 1788 in Colmar.

Die Abtei hatte hohe Pensionslasten zu tragen und man erwog deshalb nach dem Tod von Abt  François Xavier  keinen Abt mehr zu wählen und die Abtei in das Kapitel von Colmar zu inkorporieren.  Am 17. Februar 1789 wurde Paul Jules Antoine Delort einstimmig zum Abt gewählt.

Vor seiner Wahl war er Cellerar. Kurz nach seiner Wahl reiste er nach Paris, um eine Senkung der enormen Steuerlast zu erreichen, allerdings erfolglos.

Nach der französischen Revolution von 1789 wurde die Abtei und ihre Güter 1791 als Nationalgut verstaatlicht und das Mobiliar verkauft. Die Gebäude wurden 1804 auf Abbruch verkauft. Die letzten zehn Mönche mussten das
Kloster verlassen. Antoine erhielt 1792 einen Reisepass für die Schweiz. Von dort ging er nach nach Worms und Mannheim. 1802 kehrte er nach Frankreich zurück, legte den Treueid auf die Verfassung ab und wurde bischöflicher Kommissar und Ehrendomherr in Straßburg, wo er am 6. August 1805 starb.

1849 kaufte das Krankenhaus von Orbey die verbliebenen  Gebäude und wandelte sie in ein ländliches Hospital um.

  Liste bekannter Äbte nach Wikipedia fr

  • Tegenhard (Degenhardus) 1138-1183
  • Wezelon 1175-1187
  • Werner 1187
  • Martin (Litz) 1200-1207
  • Hezelon 1207-1222
  • Konrad 1232-1239
  • Johannes 1240
  • Arnold 1252-1260
  • Johannes II 1262-1275
  • Berthold (de Rapolzwihr) 1279-1280
  • Ulrich von Turckheim 1280-1283
  • Dietrich 1288-1294
  • Philippe von Rathsamhausen 1301-1306 (wurde Erzbischof von Eichstätt von 1306-1322)
  • Heinrich 1306-1330
  • Hartman 1331
  • Ludwig 1332-1333
  • Johannes von Hattstatt 1339-1361
  • Johannes Uszholtz 1362
  • Ludwig II 1368-1374

               Konrad II 1376-1379

  • Tielman 1381-1388
  • Berthold Halder 1389-1411
  • Nicolas d’Ingwiller 1411-1430
  • Nicolas von  Schweighausen 1430-1447
  • Bernardin Buchinger 1649–1656 (wurde Abt von Lützel 1654–1673)
  • Olivier von Foulongne 1656–1691
  • Claude von Beauquemare 1692-1726
  • Jacques Triboulet 1726-1736
  • Mathieu Tribout 1736-1759
  • François Xavier Bourste 1759-1788
  • Antoine Delort 1789–1791

27 Mrz 2021

Zisterzienserabtei Bebenhausen

 

Erste Spuren des kleinen Dorfes Bebenhausen gehen ins frühe Mittelalter zurück. Archäologische Spuren verweisen auf einen Friedhof und auch eine Pfarrkirche existierte schon in vorklösterlicher Zeit. Schon in römischer Zeit

trafen hier zwei römische Straßen zusammen, die von Norden und Westen kamen. Die nördliche Straße verlief als Via Rheni von Speyer über Ulm nach Augsburg. Seit dem Frühmittelalter hatte sie als wichtig Verbindung auch in den

oberschwäbischen Raum hinein eine große Bedeutung gehabt. Die Lage des zukünftigen Klosters entspricht durchaus den Ordensgewohnheiten der Zisterzienser, auch wenn Bebenhausen wie zur Zeit der Gründung durchaus nicht

abgelegen und einsam war. Das aber hängt wohl mit der Vorgeschichte zusammen, denn der Stifter hatte hier ursprünglich Prämonstratenser angesiedelt, die erst nach einigen Jahren von den Zisterziensern abgelöst wurden.

In dieser Zeit gehörte Bebenhausen der Bischofskirche von Speyer , das diese wohl 1046 oder 1057 durch königliche Schenkung erhalten hatte. Im Februar oder März 1188 tauschte Pfalzgraf Rudolf I. von Tübingen (ca. 1160-1219) Bebenhausen gegen seine Güter

mit Bischof Ulrich von Speyer. “Bischof Ulrich von Speyer beurkundet, dass Pfalzgraf Rudolf von Tübingen seiner Kirche gegen die Abtretung bischöflicher Güter zum Bau des Klosters in Bebenhausen genannte Besitzungen in Meimsheim, Weitingen und Sickingen feierlich übergeben habe.”

(WUB Band II., Nr. 454, Seite 252-253) Pfalzgraf Rudolf sicherte das noch ab, indem er die feierliche Einwilligung seines Bruders zu den zu diesem Zweck unternommenen Güterveräußerungen einholte. (WUB Band II., Nr. 456, Seite 255). Das Kloster wurde möglicherweise 1183 gegründet.

Es wurde zunächst von Prämonstratensern besiedelt. Rudolfs Vater Pfalzgraf Hugo II. (um 1130-1182) hatte 1171 ein in Marchtal bestehendes Kanonikerstift den Prämonstratensern übertragen und damit Kloster Marchtal begründet. (siehe Mei Büchle Prämonstratenserabtei Obermarchtal)

Die Mönche für das neue Kloster kamen wahrscheinlich aus Marchtal. Die erste urkundliche Erwähnung ist der 1. Juni 1187. (WUB Band II., Nr. 449, Seite 248-249) Da verleiht Herzog Friedrich V. dem Kloster Bebenhausen Holznutzungsrechte im Schönbuch. Herzog Friedrich ist der älteste Sohn von Friedrich Barbarossa. Die Prämonstratenser bleiben aber nicht lange in Bebenhausen. Die Gründe für ihren Rückzug sind nicht auszumachen. Möglich ist aber, dass Kloster Marchtal 1189 und im folgenden Jahrzehnt mit inneren und äußeren Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und sich deshalb gezwungen sah,

seine Gründungskolonie zurückzuziehen. Pfalzgraf Rudolf richtete eine Anfrage an das Generalkapitel der Zisterzienser in Citeaux. Dieses beschloss 1189 die Frage einer Klostergründung in Bebenhausen einer Kommission von mehreren Äbten zu übertragen. Den endgültigen Beschluss

das Kloster zu übernehmen und den Abt von Schönau als Vaterabt zu benennen fasste das Generalkapitel im September 1190. Als Einzugsdatum der Schönauer Gründungskolonie gilt allgemein der 29. Oktober 1189. Pfalzgraf Rudolf stellte am 30. Juni1191 das erste Privileg für Bebenhausen aus.

(WUB Band II., Nr. 466, Seite 270-272) “Pfalzgraf Rudolf von Tübingen gewährt dem von dem Prämonstratenser- an den Zisterzienserorden übergegangenen Kloster Bebenhausen die den Vorschriften dieses Ordens entsprechende Befreiung von vogteilichen Lasten und sichert demselben verschiedene andere Begünstigungen, namentlich die näher bezeichnete Benützung des Schönbuchwaldes.” In dieser Urkunde befreite Rudolf das Kloster von der Vogtei, das war eine zentrale Forderung der Zisterzienser. Sie beschrieb den Bereich der Holznutzungsrechte, die tatsächlich so bis 1820 bestehen blieben.

Die Filiation von Bebenhausen war über Schönau, Eberbach zur Primarabtei Clairvaux. 

Die Stiftung des Klosters durch Pfalzgraf bestätigte Kaiser Heinrich VI. (1191-1194) am 29. Juni 1193. Kaiser Heinrich VI. bestätigt die Stiftung des Klosters Bebenhausen durch Pfalzgraf Rudolf von Tübingen und verleiht dem Kloster weitere Begünstigungen.”( WUB Band II., Nr. 482, Seite 296-297)

Der Gründerabt Diepold (oder Theobald) ist um 1165 ins Kloster Schönau eingetreten. Während der “Stiefelrevolte” in Schönau unter Abt Gottfried I. (1184–1196) war er in Schönau Subcellerarius. 1184 ist er als Prior in Schönau nachgewiesen. Er wurde 1189 als Gründerabt nach Bebenhausen geschickt.

In Bebenhausen ist er urkundlich einmal belegt, nämlich in obengenannter Urkunde von Pfalzgraf Rudolf. Abt Diepold kehrte 1196 nach Schönau zurück und trat dort die Nachfolge des verstorbenen Abtes Gottfried I. an. Dort war er bis 1198 Abt, wurde dann aber nach Eberbach berufen, wo er von 1206 bis zu seinem Tod 1221 Abt war. Er starb im Ruf der Heiligkeit und wird als Seliger des Zisterzienserordens verehrt.

In der Gründungskolonie aus Schönau war Berthold dabei. Er schrieb die Biographie der Heiligen Hildegund von Schönau, mit der er zusammen Novize war. (Siehe Mei Büchle Zisterzienserkloster Schönau/Odenwald)

Zwischen  1196 und 1211 regierten die drei Äbte Enzmann , Erkinbert  und Walther, wobei die genauen  Lebens-und Regierungszeiten nicht zu ermitteln sind.

Am 18. Mai 1204  nahm Papst Innozenz III. (1198-1216) Kloster Bebenhausen in seinen Schutz und bestätigte seinen Besitz. “ Papst Innozenz III. nimmt das Kloster Bebenhausen in seinen Schutz, bestätigt ihm den Besitz seiner Güter am Klosterort selbst sowie zu Eck (Egge, OA Tübingen), Aglishardt (Adellungshart), Weil im Schönbuch (Wile), Altdorf (Aledorf), Zuffenhausen (nicht Offenhausen), Ittingshausen (Uttingshusen), Vesperweiler (Vesperwile), Hochdorf und Walddorf (Waltorf) und erteilt demselben verschiedene Privilegien.” (A 474 U 7, Findbuch A 474 Bebenhausen, Hauptstaatsarchiv Stuttgart). Mit dieser Urkunde wurde Kloster Bebenhausen wie alle Zisterzienserklöster dem Papst unterstellt und ist damit exemt.

Die Güteraufstellung zeigt, welch raschen wirtschaftlichen Aufstieg das Kloster in den Jahren nach seiner Gründung nahm. Die Grundlagen für den Klosterbesitz wurden sicher schon in den letzten Jahren des 12. Jahrhunderts und im 13. Jahrhundert gelegt.

Das schaffte auch die wirtschaftliche Potenz  für  den weiteren Ausbau der Kirche und der Klostergebäude,  die unter diesen Äbten stattfand.

Der Besitz kam durch Schenkungen zusammen und durch Käufe, wobei der Anteil der Käufe höher war als der der Schenkungen. Das lässt darauf schließen, dass dem Kloster erhebliche Geldmengen zur Verfügung standen, die aus dem Verkauf der Überschüsse der landwirtschaftlichen Produktion

einschließlich Weinbau stammten. Dies wurde überwiegend in den Stadthöfen abgesetzt. s.u. z. B. Stadthof Ulm. Dort beherrschte das Kloster den Weinhandel, zusätzlich begünstigt durch Steuerprivilegien. Auch wurden die Geldmittel gezielt eingesetzt. Besitz wurde abgerundet.

Besitzschwerpunkte wurden gebildet. Unrentabler Streubesitz wurde abgestoßen.

Die Wirtschaftskraft Bebenhausens wird illustriert durch die Tatsache, dass Bebenhausen 1275 mit 4 Mark Silber die höchste procuratio, das ist der Kreuzugszehnte, die an Erzbischof Johann von Embrun (1275-1286) an den Collector von allen Benediktinern-und Zisterzienser Klöstern des  Bistums Konstanz

zu zahlen hatte, so der Eintrag im Liber decimationis S. 172.

Der Konstanzer Bischof Konrad II. von Tegerfelden (1209 –1233) schenkte dem Kloster die Kapelle von Vesperweiler in der heutigen Gemeinde Waldachtal. Damit wird Abt Ulrich (um 1211)urkundlich nachweisbar. Die Urkunde ist am 12. Oktober 1211 ausgestellt.

(A 474 U 2191 Findbuch A 474 Bebenhausen, Hauptstaatsarchiv )

Auch Ulrichs Nachfolger Abt Bruno  wird urkundlich erwähnt. Er erwirbt vom Konvent von Kloster  Reichenbach eine Mühle in Vesperweiler. In Vesperweiler hatte das Kloster schon Besitz. 1204 bestand dort bereits eine Grangie. Kurz zuvor hat das Kloster vom Konstanzer Bischof die Kapelle in Vesperweiler geschenkt bekommen. In einer von Pfalzgraf Rudolf für das Stift Marchtal ausgestellten Urkunde vom 12 April 1216  ist Abt “Bruno de Bebinhusen “ als Zeuge aufgeführt. (WUB Band III., Nr. 588, Seite 41-43)

Am 12. März 1229 nimmt Papst Gregor IX. (1227-1241) das Kloster in seinen Schutz. (A 474 U 11  Findbuch A 474 Hauptstaatsarchiv Stuttgart) Auch der Klosterbesitz, der wieder aufgeführt wird, hat gegenüber der Urkunde von Papst Innozenz III. deutlich zugenommen. Allerdings werden in dieser Urkunde gegenüber der von 1204 nur noch 7, statt 9 Grangien aufgezählt. Es wird auch deutlich unterschieden zwischen grangia und “possessiones” .Grangien waren mit Konversen eigenbewirtschaftete Güter, während possessiones mit einem Leihevertrag an Laien ausgegeben wurden, Damit setzt in Bebenhausen die Pacht früher und vor allem mit stärkerem Gewicht ein, wozu praktisch alle Zisterzienserklöster durch den Rückgang der Konversen bedingt durch das Aufkommen der Bettelorden erst verstärkt ab dem beginnenden 14. Jahrhundert gezwungen waren.

Erwähnt ist auch Esslingen, wo Bebenhausen bald viel Besitz hat und dort einen Stadthof betrieb.

Kaiser Friedrich II. (1212-1250) befreite das Kloster im April 1232 in Esslingen für alle seine Güter, die ihm jetzt und in Zukunft gehören, von allen Abgaben. (WUB Band III., Nr. 811, Seite 306)

In der Webergasse in Esslingen wurde ein Steinhaus errichtet, das 1257 erstmals notiert wurde. Der Esslinger Pfleghof war zunächst mal Absteigeplatz und Ruheort für Bebenhäuser Mönche und Äbte, die sich zu Verhandlungen mit Fürsten in der Reichsstadt trafen.

Dann hatte er wie alle Pfleghöfe des Kloster wichtige wirtschaftliche Funktionen.Er wurde als  Lagerplatz und Handelsplatz für landwirtschaftliche Erzeugnisse, vor allem Wein und Getreide, genutzt. Im Pfleghof wurden außerdem die Steuerabgaben gesammelt, meist in Naturalien, die dem Kloster Steuerpflichtige dort abzugeben hatten. Einen weiteren Stadthof betrieb das Kloster in Weil der Stadt. Am 2. Januar 1291 gestatteten der Schultheiss und der Rat der Stadt Weil der Stadt Kloster Bebenhaus eine Hofstatt zu erwerben und freiten diese. Er befand sich in der Pfarrgasse 9,

brannte aber beim Großen Stadtbrand von 1648 ab. In Tübingen hatte Kloster Bebenhausen um 1320 sogar 4 Pfleghöfe, was sich natürlich auch durch die unmittelbare Nachbarschaft erklärt. Um 1294 verkaufte Graf Eberhard I., genannt der Schärer(+1304)kurz hintereinander eine Reihe seiner Besitzungen an das Kloster Bebenhausen. Er scheint in einer ziemlich prekären Finanzlage gewesen zu sein. Am 13. Januar 1294 verkauft er das Patronatsrecht  der Tübinger Kirche, seinen Fronhof, Weinberge mit Kelter. als Verkaufsgrund wird in der Urkunde ausdrücklich wegen Schulden angegeben.  (  A 474 U 2044

Findbuch A 474 Bebenhausen Hauptstaatsarchiv Stuttgart) Am Schluss hatte es zwischen 1301/02 zeitweilig die Herrschaft über die ganze Stadt, die Burg und das Amt inne. Der 1294 erworbene Fronhof befand sich an der Stelle der heutigen Münzgasse 22. Als Graf Eberhard im Bart (1457-1496) 1477

die Universität Tübingen gründete, wandte er sich wegen des dadurch eingetreten Platzbedarfs an den Abt und Konvent von Bebenhausen mit „ernstlich bitt und begehre“ wegen kostenfreier Abgabe dieses Hofes. Da das Kloster in Tübingen weitere Höfe besaß willigte Abt

Bernhard Rockenb(a)uch (1471–1493 ) und der Konvent in die Bitte ein. Der Pfleghof in seiner heutigen Gestalt wurde von 1492-1501 anstelle des wohl schon 1342 entstandenen Baus neu errichtet.  Noch vor der Reformation diente der Pfleghof der Bitte Graf Eberhards entsprechend

als Studentenwohnheim, was er heute immer noch ist.

In Reutlingen hatte Kloster Bebenhausen ebenfalls einen Pfleghof. 1247 hatte das Kloster das für die Errichtung notwendige Areal erworben. Am 5. März 1267 befreite die Stadt Reutlingen gegen eine jährliche Abgabe von zwei Pfund Heller von jeglicher Steuer und Leistung für alle seine Güter in der Stadt, verbot aber eine Vermehrung von  Grundbesitz in Reutlingen. (H 14 Nr. 24, Heft 23, S. 32 Findbuch 474 Bebenhausen Hauptstaatsarchiv Stuttgart) Nach der Reformation wurde der Pfleghof 1535 verkauft und 1594 abgerissen.

Am 28. August 1292 kaufte Kloster Bebenhausen einen Hof in Ulm (Band X., Nr. 4277, Seite 62). Am 19. Dezember 1292 schenkte Heinrich II. Markgraf von Burgau (1242-1293) Kloster Bebenhausen eine Hof hinter der St. Georgskapelle. (WUB Band X., Nr. 4303, Seite 86-87)

Dort errichteten die Mönche ihren Pfleghof und betrieben dort und von dort aus ihren Weinhandel. Sie beherrschten den Weinhandel in Ulm zumal sie dank Steuerprivilegien ihren Wein steuerfrei verkaufen konnten. Ihre Weinberge waren um Tübingen und Esslingen herum.

Am 10. Dezember 1296 stellte der deutsche König Adolf von Nassau (1292-1298) Kloster Bebenhausen folgende Urkunde aus: “nimmt abt und konvent des (zisterzienser)klosters Bebenhausen zu bürgern der reichsstadt Ulm an und erlaubt ihnen aus besonderer gnade, daß sie von beweglichen gütern, die sie nach Ulm brächten, keine abgaben zu entrichten hätten, daß ihnen dort vielmehr die gleiche freie befugnis zustehen…” (RI VI,2 n. 7888) Auf den Vorteil der Abgabenfreiheit wurde schon hingewiesen. Ulm hatte als Pfleghof noch einen weiteren Vorteil. Es lag am Wasserweg der Donau.

Der alte Klosterhof in Ulm wurde 1377 im Zusammenhang mit dem Bau des Ulmer Münsters aufgegeben, weil der Platz, wo der Stadthof stand benötigt wurde.

In Stuttgart hatte Kloster Bebenhausen seit 1299 Besitz. In der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde der Besitz erweitert. Am 15. August 1286 freite Graf Eberhard von Württemberg (1279-1325 )die Güter des Klosters in Stuttgart. Außerdem gab er die Erlaubnis zum Bau einer Kelter. (WUB Band IX., Nr. 3564, Seite 97-98). 1457 erwarb das Kloster den späteren Bebenhäuser Hof. Dieser Pflege unterstanden bis zur Reformation die Unterpflegen Weil der Stadt und Esslingen.

In Leonberg kaufte das Kloster am 12. April 1440  das Steinhaus von den Grafen Ulrich (1433-1441 Graf von Württemberg, danach bis 1480 von Württemberg-Stuttgart) und Ludwig II. von Württemberg (1450-1457). Es war bis 1512 in Klosterbesitz. Von diesem Wirtschaftshof wurden die Abgaben verwaltet,

die dem Kloster in Leonberg und Umgebung zustanden. Das Steinhaus ist das nachweislich älteste Gebäude der Stadt Leonberg.

Der Pfleghof in Herrenberg ist nach einer Inschrift vom Kloster 1484 erbaut worden. Auch hier wurden die Abgaben gesammelt und klösterliche Produkte verkauft.

Das Kloster baute viel Getreide an und verfügte über 16 Mühlen. Aber die Viehwirtschaft spielte ebenfalls eine große Rolle. Das Urbar von 1356 belegt, das ein hoher Anteil des Bodens in den Grangien in Wiesen  bestand, was auf das Gewicht der Viehwirtschaft deutet.

Die Pferdezucht spielte ebenfalls eine beachtliche Rolle. im 15. Jahrhundert wurde die Schafzucht wichtig. Das entspricht auch der eigentlichen Entwicklung in Württemberg. Um 1500 hatte das Kloster 2000 Schafe, deren Milch in Bebenhausen zu Käse verarbeitet wurde.

Auf die Rolle des Weinbaus wurde schon hingewiesen. Um Tübingen und Esslingen besaß das Kloster Weinberge. Insgesamt betrieb es rund 20 Keltern.

Kloster Bebenhausen ist mitten im Schönbuch gelegen. So spielte natürlich die Forstwirtschaft eine wichtige Rolle. Seine Rechte hat sich das Kloster deshalb immer wieder von den Pfalzgrafen von Tübingen und ihren Rechtsnachfolgern den Herzögen von Württemberg bestätigen lassen.

Eine weitere wichtige Einnahmequelle waren die Zehnten. Überall wo die Pfarreien dem Kloster inkorporiert waren, stand ihm der große Fruchtzehnt oder auch Weinzehnt zu.

Abt Berthold II. 1245-1262 bekam am 25.März 1255 von König Wilhelm  (1254-1256) alle von den römischen Kaisern und Königen und namentlich die von Friedrich II. verliehenen Rechte, Privilegien und Freiheiten, sowie den
Besitz in Esslingen und anderswärts bestätigt. {H 51 U 84} Findbuch A474 Bebenhausen Hauptstaatsarchiv Stuttgart.

Sein Nachfolger Abt Eberhard von Reutlingen (1262-1281) erhielt von König Rudolf von Habsburg (1273-1291) die von Friedrich II. verliehene Steuerfreiheit für die Güter Bebenhausens in Esslingen bestätigt. {H 51 U 90} Findbuch A474 Bebenhausen Hauptstaatsarchiv Stuttgart.

Friedrich war von 1281-1299 war  in Bebenhausen, wurde dann als Abt nach Schönau postuliert. Die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts war gekennzeichnet durch heftige Fehden, bei denen auf der einen Seite die Pfalzgrafen von Tübingen und die Grafen von Hohenberg, die Rudolf von Habsburg unterstützten und auf der anderen Graf Eberhard I. von Württemberg (1279-1325) standen.

Zwar hat Bebenhausen sicherlich nicht in die Fehden eingegriffen. Aber die Auseinandersetzungen waren gefährlich für das Kloster, auch weil es einen großen Besitz in und um Stuttgart hatte. Rudolf von Habsburg hatte 1286 Stuttgart belagert, seine Mauern geschleift und 1287 fast

alle festen Plätze um Stuttgart genommen und zerstört. Die Folgen spiegeln sich auch in den Papsturkunden für das Kloster wider.

 

WUB Band IV., Nr. 1086, Seite 149-150., ausgestellt am 28. Januar 1247. In dieser Urkunde geht es um die Inkorporation der Kirche in Geisnang durch den päpstlichen Legaten Philipp  Fontana, Bischof von Ferrara (1239-1250)Aber Philipp erwähnt in dieser Urkunde auch die Schädigungen in

diesen Kriegszeiten. In der Urkunde {H 14 Nr. 16, S. 23} Findbuch A 474 Bebenhausen Hauptstaatsarchiv Stuttgart, ausgestellt am 15. Mai 1291 durch Papst Nikolaus IV. (1288-1292) beauftragt dieser den Dekan des Dreifaltigkeitsstifts in Speyer dem Kloster Bebenhausen entfremdete Güter

wieder zurückzubringen. Konkreter Anlass dürfte gewesen  sein,  dass Graf Gottfried von Böblingen-Tübingen (+1316) am 5. August 1280 die Sakristei des Klosters geplündert hatte, aber auch die Kämpfe aus dem Jahr 1286/87.

Abt Friedrich bekam auch kurz hintereinander päpstliche Bestätigungen der verliehenen Freiheiten und Immunitäten . Am 13. April 1295 (A 474 U 15) und am 26. März 1297 A 474 U 15, beide von Papst Bonifaz VIII. (1294-1303)

In Friedrichs Amtszeit fällt auch die Verleihung des Bürgerrechts der Stadt Ulm durch Adolf von Nassau (s.o.) Adolf war möglicherweise auch der Grund, dass Friedrich als Abt nach Schönau berufen wurde. Er war möglicherweise Anhänger von Adolf. Die Tübinger Pfalzgrafen hatten

sich aber dem Habsburger Albrecht angeschlossen. So wurde Friedrich aus der Schusslinie genommen. Er kehrte allerdings nach 1 1/2 Jahren auf den Bebenhausener Abtsstuhl zurück. In seiner Amtszeit erreichte Bebenhausen mit 60 Mönchen und 130 Konversen den bisherigen Personalhöchststand.

Abt Friedrich hatte zwei Amtszeiten und zwar 1281-1289 und mit kurzer Unterbrechung wieder von 1300 bis Januar 1303. Erst mal urkundlich als Abt belegt wird er am 8. Dezember 1281, in einer Urkunde, in der Graf Eberhard den Verkauf von Gütern und Rechten durch Reinhard von Berg an das Kloster Bebenhausen bestätigt. (WUB Band VIII., Nr. 3094, Seite 313-314) Abt Friedrich hatte in seiner gesamten Amtszeit eine umfangreiche und geplante Politik des Besitzerwerbes. In den Grangien Aglishardt und Geisnang konnte er den letzten Fremdbesitz übernehmen. Sie waren jetzt völlig im Besitz von Bebenhausen. Im Neckartal, im Strohgäu sowie am Rande des Schönbuchs und im Ammertal weitete er den Besitz gezielt aus. Er wandte sich aber auch  den Städten zu. Das wurden einmal Sammelpunke für die Produkte aus den dortigen Klosterbesitzungen aber eben auch Marktorte für Absatz und Handel mit Klosterprodukten.In Stuttgart erwarb er Steuerfreiheit und Kelterrecht, in Weil der Stadt, Heimsheim und Brackenheim Besitz.

In seine Amtszeit fallen zwei päpstlich Inschutznahmen und Bestätigung der Privilegien des Kloster. Am 8. März 1299 nahm Papst Gregor IX. (1227-1241) das Kloster in seinen Schutz und bestätigte seinen Besitz. A 474 U 11 Findbuch A 474 Bebenhausen Hauptstaatsarchiv Stuttgart

Papst Bonifatius VIII. (1294-1303) stellte am 13.April 1295 ebenfalls eine Schutzurkunde für Bebenhausen aus und bestätigte alle vom päpstlichen Stuhl, Königen und Fürsten verliehenen Freiheiten und Immunitäten. A 474 U 15 Findbuch A 474 Bebenhausen Hauptstaatsarchiv Stuttgart.

Als Abt Friedrich nach Schönau postuliert wurde, wurde Lupold Abt (1299-1300). Er stammte aus Esslingen und war der Bruder von Ulrich, der nach Friedrichs Resignation als Nachfolger gewählt. Beide gehörten der Esslinger Oberschicht an. Lupold starb aber schon bald nach seiner Wahl.

Abt Friedrich resignierte 1303. Auf ihn folgte Ulrich (1303- 1320). Seine Amtszeit war noch stärker durch die Auseinandersetzungen zwischen den Grafen von Württemberg und dem Reich geprägt (s.o.) Der Konvent wurde zweimal vertrieben, das erste Mal wohl 1306, das zweite Mal

nach 1310. Der Klosterbesitz wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Die Zahl der Mönche sank von 80 auf die Hälfte. Bei den Konversen sank die Zahl auf einen geringen Rest. Neuer Besitz konnte in dieser Zeit nicht mehr erworben werden. Das Kloster war sogar zu Notverkäufen

gezwungen.

1310  trat Graf Gottfried von Tübingen als Feldhauptmann in den Dienst der Reichsstadt Esslingen. Er war überschuldet und schon zwischen 1304 und 1306 war abzusehen, dass er seine Schulden beim Kloster in absehbarer Zeit nicht mehr abtragen konnte. Wie ausgeführt stammte Abt Ulrich aus der Esslinger Führerschicht. Das erleichterte es, dass die Stadt Esslingen die Schulden des Grafen beim Kloster übernahm. Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 474 U 707

Abt Ulrich baute die Abtresidenz südlich der Infirmarie. Er starb am 6. Februar 1320 und wurde neben seinem Bruder bestattet.

Sein Nachfolger wurde Konrad von Lustnau (1320-1353). Die Familie von Lustnau war eine Ministerialenfamilie der Pfalzgrafen von Tübingen.

Abt Konrads Amtszeit war geprägt durch eine reiche Bautätigkeit. Gebaut wurde1335  das große Refektorium, das spätere Sommerrefektorium, das große gotische Fenster im Chor der Kirche, weitere Abteigebäude neben der Krankenkapelle, ein Glockenturm für die Kirche sowie eine Kapelle

am Mönchsfriedhof, die auch Grabkapelle des Abts war. Die reiche Bautätigkeit führte aber dazu, dass auch verkauft werden musste, so 1323 Stockach, heute ein Ortsteil von Gomaringen. Es wurde mit allen Rechten für 200 Pfund Heller an Friedrich von Gomaringen verkauft. A 474 U 1950

Findbuch A474 Bebenhausen Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Das Kloster musste auch Geld aufnehmen, auch beim Bischof von Konstanz. Das war zu derzeit Rudolf III. von Montfort ( 1322-1334).

Am 19. Oktober 1335 bestätigte Papst Benedikt XII. (1334—1342) “dem Kloster Bebenhausen alle ihm vom päpstlichen Stuhl, Königen, Fürsten sowie sonstigen Gläubigen verliehenen Freiheiten, Indulgenzen, Immunitäten, Exemtionen.” (A 474 U 23)

Die Pfalzgrafen von Tübingen hatten Stadt und Burg an Kloster Bebenhausen verpfändet. Am 5. Dezember 1342 verkauften die Brüder Gottfried (+1369)und Wilhelm(+1357) Pfalzgrafen von Tübingen an die Grafen Ulrich von Württemberg (1325-1344) und dessen Söhne Eberhard der Greiner (1344-1392)

und Ulrich IV. (1344-1362) Burg und Stadt Tübingen für 20.000 Pfund Heller. Sie behielten sich nur die Hundslege im Kloster Bebenhausen vor und die Jagdrechte im Schönbuch. {A 409 Bü 4, Bl. 51} Findbuch A 474 Bebenhausen Hauptstaatsarchiv Stuttgart.

Den Übergang an Württemberg konnte Abt Konrad nicht verhindern. Das hätte wohl auch die Finanzmittel des Klosters überschritten. Am 14. März 1343 nahmen die neuen Tübinger Herren Kloster Bebenhausen in ihren Schutz und bewilligten die Fortdauer seiner Vorrechte.

Darüber gibt es im Staatsarchiv drei Urkunden alle mit demselben Datum nur einer anderen Endnummer. A 474 U 2075 (also 75,76 und 77). Kurz danach erhielt das Kloster von den Tübinger Pfalzgrafen eine Restschuld von 2.534 Pfund Heller erstattet.

(das entspricht etwa 53.000 € heutige Währung)

1344 konnte das Kloster die Hundslege für die Klostergüter erwerben, nicht aber für das Kloster selbst. Hundslege bedeutete die Verpflichtung, die herrschaftlichen Jagdhunde zu halten, was durchaus kostspielig war.

Kaiser Karl IV. (1355-1378) bestätigte “alle von seinen Vorfahren am Reich dem Kloster Bebenhausen verliehenen Gnaden, Rechte, Freiheiten, Privilegien und Briefe, insbesondere auch hinsichtlich des Klosters Rechte und Güter zu Esslingen, Reutlingen und Tübingen, desgleichen des Waldes Schönbuch (Schaynbuch) und der bei der Burg Harteneck (Horting, Hartneck) gelegenen Mühle.” (H 51 U 502 Findbuch A 474 Bebenhausen Hauptstaatsarchiv Stuttgart)

Abt Konrad konnte eine Reihe von Kirchen inkorporieren, was meist mit der durch den Städtekrieg verursachte Notlage des Klosters begründet wurde. So wurden 1325 Pfarreien Tübingen, Oberkirch und Altingen inkorporiert, 1327 Lustnau und Entringen und schließlich

1347 Echterdingen, Plieningen und Weil im Schönbuch.  Weil im Schönbuch und Plieningen wurden durch Papst Clemens VI. (1342-1352) inkorporiert (Urkunde A 474 U 2291 vom  12. September 1347)

Abt Konrad starb am 8. Dezember 1353. Er wurde in der Marienkapelle am Friedhof beigesetzt, die er errichtet hatte.

Heinrich aus Rottenburg (1353 bis ca. 1356) wurde zwar als Konrads Nachfolger gewählt. Wegen schlechten Lebenswandel und hoher Verschuldung wurde er aber mit seinen Anhängern vertrieben. In der offiziellen Äbteliste wird er nicht gezählt.

Der 18. Abt ist demnach Werner von Gomaringen  (ca. 1356-1393. Er stammte aus der niederadligen Familie der Herren von Gomaringen, an die sein Vorgänger Konrad das Dorf Stockach verkauft hatte. (s.o.)

In seiner Amtszeit verlor Kloster Bebenhausen zwar 1377 seinen wichtigen Besitz in Ulm wegen des dortigen Münsterbaus (s.o.). Er begann aber mit der planmäßigen Konzentration des Klosterbesitzes in der näheren Umgebung des Klosters. Das wurde auch möglich durch

seine Familienbeziehungen. Das Kloster übernahm die Schulden seiner Vettern Burkhard und Eberhard  und übernahm dafür einen großen Teil von deren Besitz im Steinlachtal.

Am 17. Dezember 1362 bestätigte Papst Urban V. (1362-1370) die von dem Konstanzer Bischof Heinrich III. von Brandis (1357-1383) vorgenommene Inkorporation der Kirche von Bondorf.( A 474 U 359)Abt Werner starb am 30. September 1393. Er wurde auf dem Klosterfriedhof beigesetzt.

Auf ihn folgte sein jüngerer Bruder  Peter von Gomaringen (1393- 1412). Er betrieb dieselbe Erwerbspolitik wie sein Bruder. Er stieß ungünstig gelegene Besitzungen ab. Dafür erwarb er Besitzungen in der Nähe seines Klosters oder dessen Grangien.

Der wichtigste Erwerb in seiner Regierungszeit war Schloss Roseck mit der Vogtei und allem Zubehör in Unterjesingen. Das war eine ursprünglich pfalzgräfische Burg, die nach 1350 in den Besitz des Burkhard von Hölstein gelangte. Dieser verkaufte sie zusammen mit dem

Dorf Unterjesingen  am 28. Oktober 1410 für 2500 Gulden an das Kloster Bebenhausen. A 474 U 1879 Findbuch A 474 Bebenhausen Hauptstaatsarchiv Stuttgart.

Die Pflege Roseck wurde danach zu einem der bedeutendsten Stützpunkte der Klosterherrschaft ausgebaut.

Abt Peter  verfolgte Inkorporationen planmäßig. Die erste Kirche wurde am 25. März 1395 in korporiert. Laut Urkundentext der

Inkorporation hatte Graf Eberhard I. von Württemberg (1279-1325) Kloster Bebenhausen die Kirche geschenkt  als Entschuldigung  für die Beschädigungen, die das Kloster in den letzten Kriegen durch ihn selbst und anderes Kriegsvolk erlitten hatte. (A 474 U 1355)

Es folgten die Kirchen zu Altdorf, Kirchentellinsfurt und Kornwestheim 1401 sowie der Bernhardskapelle im Reutlinger Klosterhof und der Kirche in Pflugfelden im gleichen Jahr. (A 474 U 180 und A 474 U 1658)

Von 1407 bis 1409 ließ Abt Peter über der Vierung der Klosterkirche durch den Laienbruder Peter aus Salem einen reichverzierten Glockenturm schaffen.

Das schaffte zwar Probleme, die bis ins Generalkapitel hineinreichten. Denn die Zisterzienser hatten bei ihren Kirchen nur (hölzerne) Dachreiter erlaubt.

Abt Peter starb am 14. Januar 1412 und wurde im Kapitelsaal beigesetzt.

Nachfolger wurde Heinrich von Hailfingen 1412- 1432. Er hielt die Linie seiner Vorgänger bei. Er verkaufte ebenfalls entfernten Streubesitz und tätigte Käufe in Klosternähe oder in der Nähe der Grangien. Auch kaufte er oft Besitz von adligen Verwandten.

Sein wichtigster Erwerb war Ofterdingen. Er kaufte das Dorf 1417 von Jakob von Dusslingen.

Abt Heinrich scheint  auch im Orden selbst großer Wertschätzung genossen zu haben. 1413 gewährt ihm das Generalkapitel das Recht, einen Beichtvater, der ihn von allen Sünden und Sentenzen los  sprechen könne, zu wählen, und zugleich die Vollmacht, in gleicher Weise seine Untergebenen zu absolvieren. Vom Generalkapitel wurde er mehrfach beauftragt, Güterverkäufe bei mehreren Klöstern des Ordens zu überprüfen. In Arnsburg sollte er 1422 innerklösterliche Zustände überprüfen. Im selben Jahr war er als Schlichter bei Streitigkeiten zwischen Kloster Schönau und dem Nonnenkloster

Billigheim tätig. Er führte 1427 die Reform in Kloster Eußerthal und 1430 in Kloster Lichtental durch.

Abt Heinrich war auch auf dem Konzil von Konstanz anwesend. (Joseph RIEGEL, Die Teilnehmerlisten des Konstanzer Konzils. Phil. Diss. Freiburg 1916, s. 71)

König Sigismund (1411-  Kaiser ab 1433-1437) war natürlich auf dem Konzil von Konstanz, das ja auf seine Initiative zu Stande gekommen war. Am 25. Januar 1415 stellte er Kloster Bebenhausen eine Urkunde aus, in der er dem Kloster alle von seinen Vorfahren

“verliehenen Guarden, Rechte, Freiheiten, Privilegien und Briefe” bestätigte. {H 51 U 1209}. Ebenfalls am 25. Januar stellte er eine weitere Urkunde an die Bürger von Esslingen aus. Hierin bestätigte er die dem Kloster für Esslingen verliehenen Rechte und gebot,

dass das Kloster nicht mit neuen Satzungen, Steuern und Geboten beschwert werden solle. H 51 U 1210

In den Reichsmatrikeln von 1422 war Kloster Bebenhausen verzeichnet und hatte drei Mann zu stellen. Die Reichsbindung und relative Reichsunmittelbarkeit war also gegeben. Die erste Anforderung zur Stellung von Bewaffneten für das Reichsheer erfolgte

dann auch für die Hussitenkriege, die nach dem Konstanzer Konzil und der am 06.Juli 1415 erfolgten Verbrennung des Jan Hus ab 1419 bis 1436 ausgehend von Böhmen vor allem in Bayern und anderen Grenzregionen zu Böhmen immer wieder für Raubzüge und Heerfahrten sorgten.

So forderten die 6 Kurfürsten am 1. September 1422 Abt Heinrich auf, “drei Mann mit Gleven” gegen die Hussiten in Böhmen für ein Jahr auszurüsten.( A 474 Bü 11)(Gleve war im Spätmittelalter die kleinste Einheit der Kavallerie und die Reichsmatrikel gaben an, wie viele Gleven

zu stellen waren). Eine weitere Truppenanforderung stellte Sigismund am 10. Juni 1426. {H 51 U 1281}

Abt Heinrich scheint  auch beim Konstanzer Bischof Otto III. von Hachberg (1410-1434) in großem Ansehen gestanden zu sein. Bischof Otto scheint in einem Dauerkonflikt mit seinem Domkapitel gestanden zu sein. Das Bistum war hochverschuldet. 1431 verlegte der Bischof seinen Verwaltungssitz

kurzzeitig nach Schaffhausen. Im Mai 1431 ernannte Bischof Otto den Bebenhausener Abt zum Pfleger des Bistums Konstanz, wozu ihm Bürgermeister und Rat der Stadt Ulm gratulieren.

(Regesta episcoporum Constantiensium : Regesten zur geschichte der bischofe von Constanz von Bubulcus bis Thomas Berlower 517-14966, Ladewig Paul 1913. Reg 9372) Am 5. August 1431 will der Bischof “das Bistum dem Abt von Bebenhausen als einem Vikar übergeben”. Das Domkapitel

aber weigert sich. Abt und Bischof zitieren das Kapitel vor den Hof zu Mainz. Das Kapitel appelliert an Rom. (ebda Regest 9382) Am 20./21 Januar 1432 traf Kardinallegat Julian, der als Schiedsrichter zwischen Bischof und Domkapitel fungierte ,den Abt von Bebenhausen betreffend folgende

Entscheidung: “4) Die dem abt von Bebenhaasen übertragene Vollmacht , welche anlaß zu diesen meinungsverschiedenheiten gab, soll widerrufen werden und der abt sich in nichts mehr einmischen; und damit in zukunft über die auslegung eines passus in dem oben angeführten vergleiche keine zweifel mehr bestehen, verfügt der kardinallegat daß der bischof keinen bistumsadministrator unter dem titel eines Ökonom zum einzug aller einkünfte oder der geschäftsführung bestellen dürfe und zwar so, daß dieser über die einkünfte keine rechenschaft ablegen, sondern nach aus-
zahlung einer bestimmten summe an den bischof den rest selbst behalten dürfe; wohl aber soll es dem bischof gestattet sein, ein oder zwei amovible Sachwalter (procuratores) zu bestellen, welche rechenschaft abzulegen und den rest zu erstatten haben. “ (ebda Reg. 9409)

Der Abt verstarb kurz nach dieser Entscheidung am 31. Juli 1432 und wurde im Kapitelsaal von Bebenhausen bestattet.

Der nächste Abt Reinhard von Höfingen (1432-1456)  wurde am 6. August 1432 unter Vorsitz des Abtes Konrad IV. (1423-1438)von Schönau und im Beisein von Abt Petrus I. Ochsner (1417–1441) und Abt Heinrich (1425-1449) von Herrenalb gewählt.

Der Konvent zählte 38 Professen, 1 Novize und 16 Konversen. Der Klosterbesitz blieb nahezu unverändert. Bei der Infirmarie ließ er eine Wärmestube bauen.

Am 15. November 1434 gestattete Kardinallegat Julian dem Bebenhausener Abt die Nutzung eines Tragaltars (Altare portatile) in seinen Grangien (ebda Reg.9618)Bis ins Spätmittelalter war dies nur Bischöfen oder hohen Geistlichen gestattet.

Wie seinem Vorgänger gewährte das Generalkapitel auch Abt Reinhard  die freie Wahl eines Beichtvaters und zwar im Jahr 1439. Er starb nach vorheriger Resignation am 23. August 1456 .

Sein Nachfolger wurde Johannes aus Deckenpfronn (1456-1460). Am 23. 1439 ist er an der Universität Heidelberg immatrikuliert. Das genaue Datum seiner Abtswahl ist nicht bekannt, aber er ist der erste Abt, der als Nichtadliger in Bebenhausen gewählt wurde.

Er hat nur knapp 4 Jahre regiert. In Stuttgart erwarb er den Gültlinger Hof, der dann zum Pfleghof in Stuttgart ausgebaut wurde.

Abt Johann starb am 27. Dezember 1460 . Sein Nachfolger wurde Werner Glüttenhart aus Tübingen  (1460-1471). Er wurde unter Leitung des Schönauer Vaterabtes Peter III. (1461–1464) gewählt und im gleichen Jahr vom Generalkapitel bestätigt.

Größere Besitzerwerbungen tätigte er nicht. Aber am 13. März 1464 konnte Abt Werner mit einer Zahlung von 5000 Gulden erreichen, dass Graf Eberhard von Württemberg (1457-1495) auf das Recht der Gastung und hundslege verzichtete.

In seiner Regierungszeit gab es eine beachtliche Bautätigkeit. In Tübingen in der Münzgasse ließ er ein Steinhaus errichten, den Tübinger Hof, der dann an die Universität in Tübingen abgetreten wurde, als diese gegründet wurde.

Im Kloster wurde in das Querschiff der Klosterkirche ein Gewölbe eingezogen. Auch wurde der Südflügel des Kreuzgangs gebaut.

Am 6. Juni 1471 resignierte Abt Werner vor einer von Generalabt Humbert-Martin de Losne (1462-1476) geführten Visitationskommission und dem Prior der Kartause Güterstein Konrad von Münchingen (1445-1478) wegen Altersgebrechlichkeit.

Er durfte eine Wohnung im Hause seines Nachfolgers behalten und erhielt eine Rente von 100 Rheinischen Gulden. Er starb am 10. Juli 1473.

Sein Nachfolger wurde Bernhard Rockenb(a)uch aus Magstadt (1471-1493). Er wurde am 6. Juni 1471 unter Vorsitz der Visitationskommission gewählt. Er stammte aus einer wohlhabenden Bauernfamilie aus Magstadt.

Bernhard war der Abt, den das Generalkapitel so oft zu Schlichtungen oder Untersuchungen in anderen Zisterzienserklöstern herangezogen hat wie sonst keinen Abt aus Bebenhausen. Er war 1472 in Herrenalb, 1481 in Eberbach.,

1489 in Baumgarten, Otterbach und Maulbronn und 1491 in Schönau tätig. Außerdem wirkte er 1481 bei der Reform der Frauenklöster Altmünster und St. Agnes in Mainz mit und dann 1489 in Günterstal und danach Rottenmünster.

Aber natürlich war er auch für seine eigene Abtei im Einsatz. Er sicherte den klösterlichen Besitz. Er hat wohl ein großes Gewicht auf den Erwerb von Renten und Zehnten gelegt. Auch als Bauherr war er tätig. Unter ihm wurde der Neubau des Kreuzgangs des Südflügels abgeschlossen.

Zwischen 1471 und 1496 wurden die übrigen teile des Kreuzgangs gebaut und ab 1471 wurde mir dem Einbau des Winterrefektoriums begonnen, der dann 1513 abgeschlossen war. Aber auch in Tübingen, dort wurde nach der Abtretung des bisherigen Pfleghofs in der Münzgasse

an die Universität mit dem Bau des neuen Pfleghofs am Österberg begonnen. Auf den übrigen Pfleghöfen und in inkorporierten Kirchen wurde gebaut.

Dann war Abt Bernhard an den Überlegungen zur Gründung der Universität Tübingen beteiligt. Dafür wurde das Chorherrenstift aus Sindelfingen nach Tübingen transferiert und erhielt seinen Sitz an der Tübinger Kirche, die ja dem Kloster inkorporiert war.

Der Bebenhausener Abt führte die Liste der Zeugen an in der päpstlichen Bulle vom 13.November 1476 von Papst Sixtus IV. (1471-1484), die die Errichtung der Universität Tübingen betraf. (Urkunden zur Geschichte der Universität Tübingen aus den Jahren 1476 bis 1550 S. 11)

Auch politisch war er tätig. Er hat erstmals an den Landtagen und Prälatentagen der Grafschaft Württemberg teilgenommen.

Abt Bernhard starb am 11. Mai 1493.

Sein Nachfolger wurde Johannes von Friedingen (1493-1534) aus dem niederadligen Geschlecht der Herren von Friedingen. Sein Vater gehörte der württembergischen Ministerialität an. Er lässt sich 1451 und 1463 als württembergischer Rat nachweisen.

Johannes absolvierte gefördert von Abt Bernhard ein Studium an der Universität Heidelberg, wo er am 27. April 1478 immatrikuliert wurde. Er stand in Kontakt mit dem Bebenhausener Mönch Michael Textoris aus Sindelfingen, der ab 1471 in Heidelberg studierte, wohl auch gefördert

von Abt Bernhard und vor der Jahreswende 1482/83 Prior in Bebenhausen und bleibt dies bis 1488 und wird dann nochmals von 1493- 1500 als Prior in Bebenhausen genannt. Johannes studierte wohl zwischenzeitlich auch in Tübingen.

Als akademischer Grad wurde ihm “liberalium artium determinator” zugesprochen. Er war wohl zeitweilig auch als Lehrer in Heidelberg eingesetzt.

Am 05. Juni 1493 wurde er unter Vorsitz des Schönauer Vaterabtes Nikolaus I. von Neidenstein (1491–1501) und im Beisein der Äbte Johannes I. Stantenat (1471–1494) von Salem, Johannes VI. Burrus (1491-1503) von Maulbronn und Bartholomäus (1485-1509) von Herrenalb zum

Bebenhausener Abt gewählt. Die Abtsweihe am 25. August 1493 war ebenfalls ein großes Ereignis. Sie wurde dem neuen Abt vom Konstanzer Weihbischof Daniel Zehender (1473-1500) erteilt. Anwesend waren auch die Äbte Georg II. Fischer (1474-1515) von Zwiefalten und

Blasius Scheltrup  (1484–1503) Hirsau. Ebenfalls anwesend war Graf Eberhard im Bart mit  Ulrich dem Sohn seines Cousins Heinrichs von Württemberg, dessen Vormund er war. Ulrich hieß da noch Ytal Heinrich und war am Hofe Eberhards erzogen worden.

Bei der Abtsweihe wurde der junge Graf auf den Namen Ulrich getauft, der spätere Herzog Ulrich von Württemberg. Außerdem wurde ihm die Firmung gespendet. Die Äbte von Bebenhausen und von Hirsau waren die Firmpaten.

Am 14. September 1493 betätigte das Generalkapitel die Wahl. Am 25. April 1494 wurde Kloster Bebenhausen visitiert. Das Kloster zählte 56 Chormönche, 6 Chornovizen und 4 Laienbrüder.

Am 13. Januar  1494 verlieh Papst Alexander VI. (1492-1503) Abt Johannes das Recht, Inful Ring und andere Pontifikalkleidung zu tragen so wie niedere Weihen zu erteilen. (A 474 U 34)

Im Orden war Friedrich gleich nach seiner Wahl immer wieder zu Visitationen, Schlichtungen und Untersuchungen herangezogen worden.

1495 wurde Graf Eberhard zum Herzog von Württemberg erhoben. Abt Johannes schenkte ihm aus diesem Anlass  einen goldenen Becher mit dem Wappen von Bebenhausen und Friedingen.

Graf Eberhard im Bart hatte schon früh versucht, seinen jüngeren gleichnamigen Vetter entgegen der Versprechungen des Münsinger Vertrags von 1482 und Esslinger Vertrag 1492

auf eine zukünftige Herrschaft in ganz Württemberg auf das Nachfolgerecht in seiner Herrschaft auf den alten Stuttgarter Landesteil zu begrenzen. Dazu wurde ein Regierungsrat der gesamtwürttembergischen Landstände (1489 und Esslinger Vertrag 1492)

eingerichtet. In dieses “Regiment” für seinen Vetter und späteren Nachfolger Herzog Eberhard II. (1496-1498) hatte  Eberhard im Bart Abt Johannes berufen. Die Arbeit des Abtes im Regiment scheint durchaus gewürdigt worden zu sein. So schenkte ihm die Stadt

Schwäbisch Hall 1496 ein Kruzifix für das der Goldschmied 8 Gulden 5 Schilling erhalten hatte. Das sind etwa 1.151 €,  die Kaufkraft in dieser Zeit dürfte allerdings bei etwa 3450 € gelegen sein, ein durchaus wertvolles Geschenk also (Walther BUDER, Beiträge zur Baugeschichte des Chors der Michaelskirche in Hall (WürttVjhhLdG NF 31. 1922-1924 S. 195). Abt Johannes hat eine beachtliche Rolle in der Landespolitik gespielt. Er war im Regiment auch bei der Absetzung von Herzog Eberhard II. 1498 tätig. Von 1498 bis 1503 führte der Regimentsrat die Regierung für den minderjährigen Herzog Ulrich. Er setzte sich aus 4 Prälaten, 4 Edelleuten und 4 Städtevertretern zusammen. Er übte sein Amt zusammen mit dem Zwiefaltener Abt Georg Fischer aus. Es war wohl ziemlich zeitaufwendig gewesen zu sein, denn einer von beiden Äbten musste ständig in Stuttgart sein.

So hatte Abt Johannes 1499 um Dispens zum Besuch des Generalkapitels gebeten und diese auch erhalten.

Kaiser Maximilian (1496-1519) übernachtete am 30. Mai 1498 in Kloster Bebenhausen. Das war sicher ein Höhepunkt in der Regierungszeit von Abt Johannes. Der Kaiser befand sich auf der Reise von Ulm zum Reichstag nach Freiburg. Er kam von Reutlingen. Dort hatte er

den unfähigen württembergischen Herzog Eberhard II. abgesetzt. Er kam zweifellos gezielt zu einem politischen  Gespräch mit Abt Johannes nach Bebenhausen. Die Rolle von Abt Johannes war auch am Kaiserhof bekannt.

Als herzog Ulrich 1503 die Regierungsgeschäfte übernahm, zog sich Abt Johannes mehr und mehr zurück. Eine gewisse Distanz zeigt sich schon in der Tatsache, dass Abt Georg aus Zwiefalten und er 1503 zu verhindern suchten, dass die Landschaft Herzog Ulrich bei der

Regierungsübernahme 6000 Gulden verehrte. Ein Konflikt zeigte sich auch bei der strittigen Abtswahl 1504 in Maulbronn. Dort wurde Johanes V. Riescher zwar am 4. September gewählt. Aber Ulrich erkannte ihn nicht an, so dass Johannes am 21. Oktober resignierte.

Mit Michael Scholl wurde dann am 21. Oktober 1504 in Maulbronn ein neuer Abt gewählt.

Abt Johannes trat dann nur noch bei zeremoniellen Anlässen in der Umgebung von Herzog Ulrich auf, so bei der Trauerfeier für Herzog Albrecht IV. von Bayern, den Vater von Sabine, die Ulrich 1511 heiratete. Bei der Hochzeit am 2. März 1511 in Stuttgart war der Abt

ebenfalls anwesend. Als Herzog Ulrich 1519 aus Württemberg vertrieben wurde, erschien Abt Johannes sofort wieder in den Quellen. Er siegelte den Landtagsabschied vom 11. März 1520 für die Prälaten, wo der Tübinger Vertrag in wesentlichen Grundzügen bestätigt wurde.

Der Schwäbische Bund hatte Württemberg zur Finanzierung der Kriegskosten an Habsburg verkauft. Karl V. (1519-1556) trat Württemberg an seinen Bruder Erzherzog Ferdinand (ab 1521 Erzherzog von Österreich und Herrscher in den Erblanden). Dieser zog am am 23. Mai 1522

feierlich in Stuttgart ein und natürlich war Abt Johannes in vollem Ornat dabei. So lange Österreich württembergisch war, also bis zur Wiedereroberung des Landes, hatten die Landstände eine starke Stellung im Land. Die Prälaten und damit Abt Johannes spielten eine wichtige

Rolle im Landtag. Die Mitwirkung der Prälaten im Landtag ist bis 1534 immer wieder belegt. Er war auch auf den Landtagen des Jahres 1525 dabei. Das war das Jahr des Bauernkrieges, bei dem Kloster Bebenhausen großen Schaden erlitt.

Am 24. April überfielen aufständische Bauern aus dem Gäu unter Führung von Leonhard Schwarz aus Dagersheim, heute ein Ortsteil von Böblingen, verstärkt durch den Schwarzwälder Haufen Kloster Hirsau und plünderten es. Das Kloster bezifferte den Schaden auf  1600 Gulden,

das sind knapp 230.000 €. Sie zogen weiter nach Calw und forderten die Stadt auf, sich ihnen anzuschließen, wurden aber abgewiesen. Dann fielen sie in Bebenhausen ein und kamen dort am 1. Mai an. Die Zimmersche Chronik sagt, dass sie dort acht Tage lang “mit Fressen und Saufen” hausten.

Abt Johannes berichtet, dass Leonhard aus Dagersheim mit einem Fähnlein von 50 Mann zurückgeblieben ist. und zieht das Fazit “Das Volk hat viel Schaden getan“ . Im Kloster waren vor allem in der Bibliothek große Schäden angerichtet worden.

Schäden waren auch in den Klosterdörfern und an einzelnen Klosterhöfen, ganz besonders in Stuttgart entstanden

Im März 1526  weilte Erzherzog Ferdinand zu Bußübungen im Kloster Bebenhausen. Noch heute erinnert eine Inschrift im Studierzimmer der Klosterbibliothek, auch Ferdinandzimmer genannt, daran. Auch Kaiser Karl V. übernachtete eine Nacht im Kloster Bebenhausen.

Am 27./28. November 1530 machte er  zusammen mit seinem Bruder  auf dem Weg vom Reichstag in Augsburg zur Königswahl Ferdinands nach Köln in Bebenhausen Station.

Abt Johannes war nicht nur ein engagierter Politiker. Er war auch der letzte große Bauherr seines Klosters. in seiner Amtszeit wurden der Kreuzgang und das Winterrefektorium fertiggestellt, das Dorment und das Laienrefektorium wurden umgebaut und der„Neue Bau“ für Gäste errichtet.

Abt Johannes war ein erklärter Gegner der Reformation. Er hielt den Konvent zusammen. Bis 1534 trat nur ein Mönch zum neuen glauben über und heiratete.Abt Johannes starb am 21. Dez. 1534 an einem Schlaganfall. Bei seinem Tode wurde mehr als die Hälfte des Konvents als katholisch bezeichnet und diese Mönche gingen 1535 ins Exil.

Herzog Ulrich hatte sich schon ab etwa 1523 der Reformation zugewandt. 1527 kam er beim protestantischen hessischen Landgrafen Philipp I.(1518-1567) in Marburg unter. 1531 war Philipp  Mitbegründer des Schmalkaldischen Bundes, einem Verteidigungsbündnis der protestantischen Fürsten

unter Führung von Kursachsen und Hessen. Im April 1534 zogen Philipp und Ulrich mit einem hessischen Heer nach Württemberg, um gegen Österreich zu kämpfen,unter dessen Statthalterschaft Württemberg ja seit der Vertreibung Ulrichs stand. In Lauffen am Neckar kam es am

13. Mai 1534 zur Schlacht, die mit der Niederlage der Österreicher endete. Die Niederlage leitete das Ende der österreichischen Statthalterschaft und die Wiedereinsetzung Herzog Ulrichs in Württemberg ein. Im Vertrag von Kaaden vom 29. Juni 1534 wurde Herzog Ulrich

die Herrschaft in Württemberg wieder zugestanden. Herzog Ulrich begann sofort mit der Einführung der Reformation in Württemberg.

Abt Johannes erkannte die Gefahr und ging, damals schon 76 Jahre alt,  sofort mit der Barschaft, den Pretiosen, dem Kirchengerät und den Archivalien anscheinend unmittelbar danach zunächst außer Landes, wohl ins nahe österreichische Rottenburg. Aber Herzog Ulrich bewog ihn,

zurückzukehren.  Herzogliche Kommissare ordneten die sofortige Inventarisierung des Klostergutes an. Diese führte dann bald zur Ablieferung der Kirchengüter und in späteren Jahren zur Säkularisierung der Klöster. Dagegen protestierte er zusammen mit dem Konvent am

17. Dezember 1534. Aber nur 4 Tage später, am 21.12. 1534 starb er an einem Schlaganfall.

Ab dem 25. Dezember 1534 sollten auf alle Klosterpfarreien evangelische Pfarrer und Prediger berufen werden, auch in den inkorporierten Pfarreien von Bebenhausen. Die Mönche machten noch den Versuch, einen neuen Abt zu wählen. Aber Ulrich lehnte dies ab.

Er wollte einen Adligen an die Klosterspitze setzen.mit Hans Schmeltz, der in Tübingen und Wittenberg studiert hatte setzte er eine Lesemeister ein.

Am 13. Juni 1535 unterschrieben 15 Mönche den damals üblichen Revers und quittierten über ein jährliches Leibgeding von 40 Gulden. 5 Konventuale wurden an der Universität Tübingen immatrikuliert, unter ihnen Johannes Mendlin. Er wurde später Professor für

Logik und Dialektik. Er war mehrfach auch Dekan der Artistenfakultät sowie 1565 Rektor. Die beim alten Glauben gebliebenen Mönche blieben zunächst im Kloster. Herzog Ulrich hat sich bei einem Besuch wohl um sie bemüht.

Der Reformator Ambrosius Blarer hat wohl auch mit ihnen verhandelt . Der Plan der Regierung war, die Bebenhäuser Mönche zusammen mit anderen katholisch gebliebenen Mönchen aus dem Lande in ein Sammelkloster mit reformatorischen Predigern und Lesemeistern zu versetzen.

Dagegen wehrte sie sich erfolgreich. Die Mehrheit ging dann nach Salem. Abt war dort Johannes III. Fischer (1534–1543), der gleichzeitig Ordenskommissar für Oberdeutschland  war.

Ein Teil der Mönche wurden dann in andere Klöster geschickt, in den Personalmangel herrschte. In Kloster Stams wurde der Reformversuch wichtig, den Bebenhausener Mönche dort auf Veranlassung des Regiments von
Innsbruck  unternommen hatten, unter ihnen Prior Leonhard Joß , der spätere Abt von Tennenbach  Sebastian Lutz, später Abt in Bebenhausen.

Im Herbst 1547 fand in Augsburg der Reichstag statt, der dann als “ Genarnischter Reichstag” in die Geschichte einging. 1548 wurde das “Interim” im Juni 1548 mit reichsabschied als Gesetz erlassen. Es sollte für eine Übergangszeit die kirchlichen Verhältnisse ordnen, bis

ein allgemeines Konzil über die Wiedereingliederung der Protestanten in die katholische Kirche entschieden hätte. § 10 des Abschieds legte fest, dass den  Reichsständen, die bis dato in der Religion keine Veränderung vorgenommen hätten, anbefohlen wird, dies auch künftig zu unterlassen; diejenigen hingegen, die bereits Veränderungen in der Religion vorgenommen hätten, haben nunmehr entweder gänzlich zu den alten Gebräuchen zurückzukehren oder aber das Interim umzusetzen. Mit dem Vertrag von Kaaden hatte Ulrich Württemberg nur als habsburgisches Afterlehen inne. Natürlich wurde

ein Gutachten erstellt, das die Schriftmäßigkeit ablehnte und Ulrich und bat um Verschonung vom Interim. Dem politischen und militärischen Druck hatte er aber wenig entgegenzusetzen.
In der Praxis bedeutete dies, dass 300-400 Pfarrer ihrer Stellung verlustig wurden und dass die Klöster restituiert wurden.

So wählten am 17. November 1547  6 ehemalige Bebenhausener Konventualen Sebastian Lutz zum Abt von Bebenhausen. Damit war er aber noch lange nicht Abt. Erst musste er die Ansprüche des Konstanzer Domprobsts Johann Joachim Schad von Mittelbiberach, der eine päpstliche Exspektanz auf die Abtei erwirkt hatte, abwehren.  Er reiste dann wohl nach Augsburg, wo er sehr schwierige Verhandlungen mit dem Kardinallegaten Girolamo Verallo (Legat von 1445-47), der auf Seite des  Konstanzer Dompropsst Johann Joachim Schad(t) von Mittelbiberach stand, zu führen hatte. Dieser war vom Papst auf Bebenhausen providiert. Allerdings unterstütze Karl V. den gewählten Abt. Dieser forderte am 23. Dezember 1547 auch alle Untertanen des Klosters Bebenhausen auf, alle rückständigen und laufenden Abgaben, Gülten Zinsen usw. an den  “der alten Ordnung gemäß gewählten “ Abt Sebastian Lutz zu zahlen. A 474 U 39.

Ein weiteres Problem gab es im Orden, denn Abt Sebastian konnte die schuldigen Konfirmationsgebühren nicht bezahlen. Deshalb verweigerte Generalabt  Jean XI. Loysier (1540-1559) ihm ebenso wie dem neuen Maulbronner Abt die Konfirmation. Erst nachdem die vorderösterreichische

Regierung in Ensisheim sich einschaltete wurde die Wahl am 15. März 1548 . Damit Abt Sebastian aber nach Bebenhausen zurückkehren konnte, musste sowohl mit Kaiser Karl V. als auch mit König Ferdinand I. vor allem aber mit Herzog Ulrich verhandelt werden. Erst

nach harten Verhandlungen mit diesem konnte Abt Sebastian mit seinem kleinen Konvent wieder in Bebenhausen einziehen.

Dort war die Kirche teilweise abgebrochen. Um die Kirche herum standen Pferdeställe. Die Räume der Abtei dienten nun dem Herzog. Auch da musste wieder verhandelt werden, dass der Abt dort einziehen konnte. Ebenso musste um die Einkünfte des Klosters gerungen werden.

Bei der Ausübung der Patronatsrechte und Pfarrbesetzungsrechte blieb der Herzog hart, denn er wollte die Einführung der Reformation nicht gefährden. Die Klosterordnung von Herzog Christoph (1550-1568), der seinem Vater Ulrich nach dessen Tod nachgefolgt war,

war ein entscheidender Einschnitt für alle restituierten Klöster. Im Passauer Vertrag von 1552 hatte er schon eine Aufhebung des Interims erreichen können. Er erließ eine Reihe umfangreicher “Ordnungen” und organisierte die gesamte Staats- und Kirchenverwaltung neu.

Die 1547 rekatholisierten Klöster wurden der landesherrlichen Verwaltung unterstellt. Das klösterliche Leben wurde auf die Grundlage des evangelischen Bekenntnisses gestellt. In den Klöstern wurden 13 Klosterschulen mit humanistischen Bildungsidealen eingerichtet.

sie sollten der Ausbildung theologischen Nachwuchses dienen. In das Kloster Bebenhausen zogen nun 32 evangelische Klosterschüler und zwei Präzeptoren ein.

Nach alldem scheint Abt Sebastian amtsmüde geworden zu sein. Am 11. Januar 1560 resignierte er. Er behielt Recht und Pflicht der Würde eines Abtes, auch den Sitz in der Landschaft. Er erhielt 500 Gulden jährliche Pension so wie einige Naturalleistungen außerdem

den Wohnsitz im Tübinger Pfleghof. Er starb am 15. November 1560 und wurde in der Stiftskirche in Tübingen beigesetzt.

Der größte Teil des katholisch gebliebenen Konvents ging ins Zisterzienserkloster Pairis im Elsass.

Auf Abt Sebastian  folgte Eberhard Bidenbach als erster evangelischer Abt. Es folgten insgesamt 20 evangelische Äbte bis 1810 (siehe Abtsliste am Ende)

Die katholische Geschichte des Klosters ist noch nicht ganz zu Ende.

Im Dreißigjährigen Krieg stand Kaiser Ferdinand (1619-37) nach den Siegen der kaiserlichen und katholischen Truppen zwischen 1618 und 1628 auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Er erließ am 6. März 1629 das Restitutionsedikt. Damit sollten alle geistlichen Güter, die von Protestanten nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 eingezogen worden waren,

wieder den Katholischen zugeführt werden. Das hätte bedeutet, dass um die 500 Klöster und ein dutzend Fürstbistümer an die katholische Kirche zurückgegeben hätten werden müssen.

Einige Bistümer und Klöster wurden zwar zurückgegeben. Aber die Gefahr eines mächtigeren und stärker zentralisierten Reiches provozierten die Gegenspieler der Habsburger zur Invasion, sowohl das protestantische Schweden (1531) als auch das katholische Frankreich (1534).

Im Herzogtum Württemberg wurden 50 Klöster restitutiert. Schon 1630 musste Kaiser Ferdinand der Überprüfung des Edikts zustimmen und 1635 nach dem Prager Frieden wurde das Edikt für 40 Jahre außer Kraft gesetzt.

Das Kloster Salem übernahm in Ausführung des Restitutionsedikt die Wiederbesiedlung von Kloster Bebenhausen. Der Prior des Klosters Salem Dr. theol. Joachim Müller führte die kleine Kolonie Salemer Mönche an, die am 8./ 18. September 1630 mit seinen Mitbrüdern unter militärischem

Schutz  das Kloster wieder bezogen. Er wollte die evangelischen Pfarrer in den inkorporierten Kirchen des Klosters vertreiben, scheiterte damit aber am widerstand der Bevölkerung und vor allem der württembergischen Behörden. Schwierig war es auch, die Einkünfte des Klosters wieder zu sichern.

Er konnte hier allerdings eine günstige Rechtslage ausnützen. Am 5. September 1631 fand in Frankfurt der “Kompositionstag” statt. Das waren Verhandlungen zwischen den protestierenden und den katholischen Reichsständen wegen des kaiserlichen Restitutionsedikts und der Wiederherstellung des Friedens im deutschen Reich. Die Protestanten verlangten, dass das Restitutionsedikt wieder aufgehoben wurde und das Jahr 1620 zur Norm des rechtmäßigen Besitzes angenommen werden soll. Katholischerseits beharrte man fest auf dem Restitutionsedikt. Da keine Seite nachgab, wurden die Verhandlungen abgebrochen und die Delegationen reisten ab. Im Spätherbst 1631 brach die kaiserliche Macht zusammen. Abt Joachim floh nach Salem. Nach dem Sieg in der Schlacht von Nördlingen am 5.September 1634 reiste Abt Joachim wohl gleich nach Rottenburg. Der Salemer Abt

Thomas I. Wunn (1615–1647 ) rief Johannes aber wieder nach Salem zurück. Erst am 16. O

ktober 1634 kehrte Abt Johannes nach Bebenhausen zurück. Kaiser Ferdinand III.(1637-1657) setzte ihn am 22. November 1634 in Bebenhausen als Abt ein.

Er nahm mehrfach an Reichstagen teil. ab 1641 verschlechterte sich sein Zustand. Er war überwiegend im Pfleghof in Tübingen. Als sich 1648 das Ende von Kloster Bebenhausen abzeichnete, zog er mit seinem Konvent in den Tübinger Pfleghof.

Als sich 1649 herausstellte, dass eine Rückkehr nach Bebenhausen nicht mehr möglich war, erhielt er das Klostergut Kirchberg, die Sommerresidenz der Salemer Äbte zugewiesen. Schließlich konnte er die Hofmeisterie nicht mehr versorgen.

Der Salemer Abt setzte ihm 1658 eine jährliche Pension aus. Er starb am 21. Mai 1663.

Die evangelische Klosterschule bestand bis 1807 und wurde dann mit der Klosterschule Maulbronn vereinigt. Das Kloster wurde säkularisiert. Es war dann Jagdschloss der Württembergischen Landesherren.

Als König Wilhelm II. von Württemberg 1918 abdankte, zogen er und seine Frau Charlotte sich zunächst  von den Unruhen in Stuttgart nach Bebenhausen zurück. Nach Wilhelms Tod im Oktober 1921 zog Charlotte nach Schloss Bebenhausen, wo sie lebenslanges

Wohnrecht hatte. Sie starb am 16. Juli 1946.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Bebenhausen Landtag und Landesverfassung des Landes Württemberg-Hohenzollern begründet. Für den Landtag von Württemberg-Hohenzollern wurden Teile der Abtei als Archiv und Depot genutzt.

Die Kloster-und Schlossanlage wird heute von „Schlösser und Gärten“ im Finanzministerium verwaltet. sie ist für Besucher geöffnet. Im ehemaligen Abtshaus ist die Landesforstdirektion untergebracht. Die Kirche wird von der evangelischen Kirchengemeinde genutzt.

 

 

Liste der Äbte des Klosters Bebenhausen

1. Diepold 1190–1196

2. Enzmann

3. Erkinbert

4. Walther -1211

5. Ludwig 1211

6. Bruno 1216

7. Berthold I. –1223

8. Konrad 1225, 1228

9. Hermann ca.1230

10. Petrus ca.1240/43

11. Rudolf 1243–

12. Berthold II. 1245, 1262

13. Eberhard aus Reutlingen 1266, 1279

14. Friedrich 1281, -1299

15. Lupold aus Esslingen 1299–1300

16. Friedrich (2. Mal) 1300–1303

17. Ulrich aus Esslingen 1303–1320

18. Konrad von Lustnau 1320–1353

19. Heinrich aus Rottenburg am Neckar 1353–ca.1356

20. Werner von Gomaringen ca.1356–1393

21. Peter von Gomaringen 1393–1412

22. Heinrich von Hailfingen 1412–1432

23. Reinhard von Höfingen 1432–1456

24. Johannes aus Deckenpfronn 1456–1460

25. Werner Glüttenhart aus Tübingen 1461–1471

26. Bernhard Rockenb(a)uch aus Magstadt 1471–1493

27. Johann von Fridingen1493–1534

Reformation & Augsburger Interim

28. Sebastian Lutz genannt Hebenstreit, aus Tübingen 1547–1561

Dreißigjähriger Krieg

29. Joachim Müller, aus Pfullendorf 1630–1649

(nach

Evangelische Äbte der Klosterschule

Eberhard Bidenbach 1560–1597

Johannes Stecher 1597–1611

Andreas Grammer 1611–1612

Georg Schropp 1612

Lucas Osiander der Jüngere 1612–1616

Jakob Hailbronner 1616–1618)

Johannes Magirus 1619–1626

Daniel Hitzler 1626–1630

Heinrich Wieland 1633–1634

Johann Valentin Andreae 1650–1654

Johann Jakob Hainlin 1654–1660

Johann Konrad Zeller 1660–1683

Josef Kappell 1683–1689

Johann Andreas Hochstetter 1689–1720

Christian Hochstetter 1720–1732)

Christoph Friedrich Stockmaier 1733–1748

Christoph Friedrich Stockmaier (Sohn) 1748–1782

Johann Christian Volz  1783

Georg Gottfried Dapp 1783–180)

August Friedrich Bök 1807–1810

(nach wikipedia)


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22 Mrz 2021

Kloster Schöntal

                                                                                                                                                                         Die Hauptgebäude des Klosters

Wolfram von Bebenburg stammte aus der Familie der Ritter von Bebenburg, deren Stammburg die Bebenburg in Bemberg, heute ein Ortsteil von Rot am See. Wolfram nahm am zweiten Kreuzzug

von 1147 bis 1149 teil. Für den Fall seiner glücklichen Wiederkehr hatte er gelobt, ein Kloster zu stiften. Wolfram von Bebenburgs Frau stammte aus der Familie der von Berlichingen.

Aus ihrem Besitz stammte das Land im Jagsttal, das zum Grundstock der Stiftung für das Kloster wurde. Das Kloster wurde 1153 als Filialkloster von Kloster Maulbronn in Neusass gegründet.

Der Maulbronner Vaterabt Diether schickte zwölf Mönche und einen Abt nach Schöntal.Wolfram hatte Land und drei Höfe gestiftet. Die Schenkung scheint aber innerhalb der Familie nicht unumstritten gewesen zu sein.

Er hatte 4 erwachsene Söhne und eine Tochter, die alle gegen die Schenkung waren. Auch seine Frau scheint nicht einverstanden gewesen zu sein. (Ottmar Friedrich Heinrich Schönhuth, Chronik des Klosters Schönthal aus urkundlichen
Quellen, Mergentheim 1850, S. 8). Er trat ins neue Kloster als Laienbruder ein und starb1163.
Er wurde im Kloster Schöntal bestattet.

Der 1. Abt war Herwick (1157–1172 ) Als Prior kam Heinrich und Großkeller war Bernhard. Wie im Mutterkloster Maulbronn zogen die Mönche kurz nach der Gründung  von Neusass um, weil sich das Gelände als ungünstig erwiesen hatte. Nur wenige Hundert Meter entstand

die neue Siedlung als Kloster Schöntal im Tal der Jagst.

Die erste Bestätigung für Kloster Schöntal kommt vom Würzburger Bischof Gebhard von Henneberg (2. Amtsperiode 1150-1159) im Jahr 1157  Urkunde ohne Monat und Tag B 503 I U 1  Findbuch B 503 im Staatsarchiv Ludwigsburg.

Hier wird einfach bestätigt,dass Wolfram von Bebenburg das Kloster “Klosters Neusaß (Nvesaze)” gestiftet hat. Im selben Jahr bestätigte Kaiser Friedrich I. (1155-1190)die Gründung und nahm sie in seinen Schutz. (RI IV,2,1 n. 438) In der Urkunde ist allerdings noch vom Kloster Neusaß die Rede. Zeuge der Urkunde ist Bischof Gebhard von Würzburg, in dessen Bistum das neue Kloster ja lag und der mit obiger Urkunde die Stiftung bestätigt hatte.

Bischof Heinrich von Würzburg (1159 –1165) bestätigte die Stiftung 1163 und seine Besitzungen. Es wurde auch gesagt, dass das frühere Kloster Neusaß jetzt Schöntal geheißen wird.

Das ist die erste urkundliche Erwähnung des Namens “Schöntal” (WUB Band II., Nr. 381, Seite 145-146)

Zwei Jahre hintereinander werden von Papst Alexander III.(1159-1181) päpstliche Schutzurkunden ausgestellt.

Die erste stellte Papst Alexander III. am 8. November 1176 in Anagni aus. (WUB Band II., Nr. 406, Seite 179-180) und Findbuch B 503 im Staatsarchiv Ludwigsburg  B 503 I U 3 (mit Bild der Urkunde)

Der Besitz Schöntals wird aufgelistet und unter den Schutz mit aufgenommen. 1176 sind das schon 8 Grangien.

Schon früher verliehene Begünstigungen werden erweitert.

Nur ein Jahr später im Dezember 1177 stellt Papst Alexander III. wieder eine Schutzurkunde aus wobei die vorher verliehenen Begünstigungen erweitert werden. (WUB Band II., Nr. 409, Seite 185-186) und B 503 I U 4 Staatsarchiv Ludwigsburg.

Beide Urkunden sprechen dagegen, dass Abt Herwick schon 1172 starb, wie z.B. wikipedia, wikiwand oder die Biopraphia Cisterciensis alle angeben. Beide bezeichnen Herwick ausdrücklich als Abt von Kloster Schöntal “Dilectis filiis Hardwico abbati monasterii. Die Urkunde wurde aber am 8. November 1176 ausgestellt, die andere im Dezember  1177 Demnach müsste Herwick 1177 noch gelebt haben.

Sein Nachfolger wurde Heinrich I., der als Prior zusammen mit Herwick aus Kloster Maulbronn nach Schöntal. Er starb im März 1186. auch sein Nachfolger kam noch aus dem Maulbronner Gründungskonvent. Siboto war einer der Laienbrüder, die

aus Maulbronn gekommen waren. In seiner Regierungszeit bestätigte Bischof Heinrich III. von Berg (1191 –1197) im Jahr 1194 die Schenkung eines Hofes mit allem Zubehör in Gommersdorf, heute ein Ortsteil von Krautheim durch Konrad von Aschhausen.(WUB Band II., Nr. 486, Seite 299-300)

Bischof Otto I von Lobdeburg (1207-1223) bestätigte diese Schenkung noch einmal (WUB Band III., Nr. 560, Seite 9).

Abt Siboto starb im April 1200.

Sein Nachfolger war Albert I. (1200–1216 ), der erste Abt, der nicht aus Maulbronn war. Die Vermögenslage von Kloster Schöntal muss sich schon unter Abt Albert gebessert haben, denn aus dem September 1214 gibt es eine Kaufurkunde über Teile eines Waldes.

Also muss das Kloster jetzt in der Lage gewesen sein, Käufe zu tätigen.(WUB Band III., Nr. 561, Seite 10. In dieser Urkunde wird Richalm als Prior genannt) Wann genau Abt Albert starb, ist nicht in der Chronik überliefert. Aber 1218 tritt Abt Richalm (1216-1219) in Urkunden auf. 

WUB Band III., Nr. 622, Seite 89-90. In dieser Urkunde des Würzburger Bischofs Otto wird Richalm als Abt von Schöntal erwähnt. Er stammte aus einer Ministerialenfamilie des Bischofs von Würzburg.

Ihm zugeordnet wird das “Buch der OffenbarungenBeati Richalmi Abbatis Speciosae Vallis in Franconia Ord. Cister. Revelationes de insidiis & versutiis Daemonum (Buch der Offenbarungen über die Nachstellungen und Tücken des Teufels).

Es stammt von einem Vertrauten Richalms, der die Auditionen und Visionen des Abtes wörtlich aufzeichnete. Diese Aufzeichnungen wurden von Richalm autorisiert. Der Autor hat wohl nach Richalms Tod einige Ergänzungen hinzugefügt. Es wurde von dem Melker Benediktinermönch

Bernhard Pez 1721 herausgegeben und stellt heute eine der wichtigsten Quellen zum Dämonen- und Teufelsglauben des christlichen Mittelalters dar.

Nach der urkundlichen Erwähnung Richalms verliert sich seine Spur. Es ist unklar, ob er zurückgetreten oder gestorben ist.

Sein Nachfolger wurde Gottfried (1219–1222 ). In seiner Regierungszeit erhielt das Kloster viele Schenkungen. So schenkte der Reichsküchenmeister Heinrich von Rothenburg und seine Frau 4 Jauchert Weingärten in Eselberg und zwei in Berlichingen. Heinrich war der 1. Reichküchenmeister,

ein Amt das wahrscheinlich 1202 von Philipp von Schwaben eingerichtet worden ist. Es war der erste Verwaltungsbeamte der Hofhaltung.

Dann tätigte das Kloster zwei Käufe, die Burg Bieringen betreffend. Von den Freiherrn Friedrich von Krautheim kaufte das Kloster für 170 Mark Silber 1222 den halben Teil der Burg Bieringen (WUB Band III., Nr. 661, Seite 137-138)

Am 1. Februar 1222 bestätigt Papst Honorius III. (1216-1227) dem Kloster Schöntal den Besitz der ihm von Bischof Otto von Würzburg überlassenen Kirche von Bieringen. (WUB  Band III., Nr. 653, Seite 129)

Abt und Konvent scheinen in dieser Zeit einige Bedrückungen erfahren zu haben. Papst Honorius gebot deshalb dem Mainzer Erzbischof das Kloster vor Gewalt zu schützen.

“Papst Honorius III. gebietet dem Erzbischof von Mainz und seinen Suffraganen, das Kloster Schöntal vor Gewalttätigkeiten gegen dessen Angehörige, Güter und Rechte durch Verhängung von Kirchenstrafen zu schützen”.( WUB Band III., Nr. 654, Seite 129-130)

Den Kauf des Gutes Bieringen, den Kloster Schöntal am 10. Juni 1222 tätigte (WUB Band III., Nr. 659, Seite 135)  bestätigte König Heinrich VII. “ König Heinrich VII. bestätigt dem Kloster Schöntal den Kauf des Gutes Bieringen von dem edeln Mann Heinrich von Langenburg und seiner Gemahlin Sophie. 28. April 1225”( WUB Band III., Nr. 690, Seite 169-170)

Abt Gottfried trat 1220 wahrscheinlich altershalber zurück Auf ihn folgte Johannes I. (1222–1226 )

Im Mai 1225 erhielt Kloster Schöntal eine kaiserliche Inschutznahme durch Friedrich II.(1194-1250) “Kaiser Friedrich II. nimmt das Kloster Schöntal und dessen Güter, insbesondere die von Heinrich von Langenburg und Konrad von Krautheim dahin verkaufte Besitzung in Bieringen, in seinen und des Reiches Schutz. “(WUB Band III., Nr. 659, Seite 135) Foggia, 1225. Mai.

Auch vom Papst erfolgte dies.(WUB Band III., Nr. 692, Seite 172)”Papst Honorius III. nimmt das Kloster Schöntal samt dessen Besitzungen in seinen Schutz und bestätigt demselben insbesondere die von den edeln Männern Heinrich von Langenburg und Konrad von Krautheim und deren Kindern dahin übergebenen Güter.”Tivoli, 1225. Mai 18.

Eine Befreiung von Dienstpflichten stellte König Heinrich VII. (1222-1235 von Friedrich II. abgesetzt) aus. (WUB Band III., Nr. 716, Seite 198-199) “König Heinrich VII. befreit das Kloster Schöntal von allen ihm und seinen Beamten schuldigen Diensten und Abgaben mit Ausnahme der Verpflichtung, seine durchreisenden Boten zu beherbergen.”Würzburg, 1226. September 7.

Von 1226-1230 regierte Abt Siegfried. Auf ihn folgte Arnold (1230–1236 ). Auch er konnte den Besitz des Klosters mehren.

Außerdem erhielt er eine päpstliche Bestätigung von Papst Gregor IX. (1227-1241) (WUB Band III., Nr. 803, Seite 299) “Papst Gregor IX. bestätigt dem Kloster Schöntal seinen jährlichen Früchtebezug in Bieringen.”Rieti, 1231. Oktober 3.

Am 5. Januar 1235 erteilte Heinrich VII. Kloster Schöntal eine Abgabenbefreiung für alle ihm zu entrichtenden Abgaben. (WUB Band III., Nr. 861, Seite 359) die Urkunde wurde in Wimpfen ausgestellt.

Der nächste Abt war Rupert (1236–1238 ) Er erhielt wieder eine päpstliche Besitzbestätigung von Papst Gregor.

(WUB Band III., Nr. 892, Seite 392-395)”Papst Gregor IX. bestätigt dem Kloster Schöntal seinen Besitz und dessen sämtliche, schon vorher zuerkannten Begünstigungen”.Viterbo, 1237. Mai 21

In dieser Urkunde werden 8 Grangien aufgezählt, eine Mühle, Fischteiche und eine Saline in Niedernhall. Auch ein Stadthof in Würzburg wird erwähnt. Das Kloster hat jetzt zwei Besitzschwerpunkte. Einen in der näheren Umgebung des Klosters,

einen weiteren im Raum Heilbronn, wo es schon seit 1177 begütert ist. In Heilbronn wird 1311 ebenfalls ein Stadthof dazu kommen, wie später auch in Hall und Mergentheim. Der Hof in Mergentheim wurde 1291 erworben. B 503 I U 598 Staatsarchiv Ludwigsburg

In (Schwäbisch)Hall wird1296 eine Marienkapelle im Schöntaler Hof anlässlich eines Ablasses erstmals urkundlich erwähnt. B 503 I U 446 Staatsarchiv. Ludwigsburg.1362 wurde sie mit reichen Stiftungen begabt von den Senft und Bachenstein, zwei Familien aus Hall.

(in Die Kunst- und Altertums-Denkmale der Stadt und des Oberamtes Schwäbisch-Hall, Esslingen 1907, S.57)

In den Grangien wurden Vieh-und Fischzucht betrieben. Auch Wald-und Weinwirtschaft wurden schon seit der Frühzeit des Klosters betrieben. Mühlenwirtschaft spielte auch eine Rolle. Das Kloster hatte umfangreichen Mühlenbesitz und erwarb wohl auch zielstrebig neue Mühlen.

Dazu kamen Zehntrechte und Gerichtsrechte. Um 1250 waren bereits die Kirchen in Bieringen, Sindringen, Oedheim, Helmbund und Sulzbach inkorporiert. Die Pfründe waren eine stetige Einnahmequelle von Klöstern

Abt Rupert regierte nur 2 Jahre. Dann folgte Albert II. (1238–1240) Unter ihm konnte der Klosterbesitz in Bieringen weiter abgerundet werden. (WUB Band III., Nr. 910, Seite 412-413)

Die nächsten beiden Äbte waren Heinrich II. (1240–1248) und Hildebrand (1248–1269) Abt Hildebrand erhielt am 29. April 1268 eine Bestätigung all seiner Privilegien durch Papst Clemens IV.(1265-1268)

(WUB Band XI., Nr. N5663, Seite 522) Papst Clemens IV. bestätigt dem Kloster Schöntal alle seine Privilegien. Viterbo, 1268. April 29.

Abt Thomas (1270-1284) war der 14. Abt von Schöntal. Er erhielt zwei wichtige Bestätigungen, eine von Papst Gregor X. (1271-1276) am 3. Mai 1274 in Lyon ausgestellt.

(WUB Band VII., Nr. 2420, Seite 308 )Papst Gregor X, bestätigt dem Abt und Konvent von Schöntal alle ihrem Kloster von Päpsten, Königen, Fürsten und anderen Christgläubigen verliehenen Privilegien und Freiheiten.

König Rudolf von Habsburg (1273-1291) erst ein Jahr im Amt, vidimierte, also beglaubigte die von König Heinrich VII. zugestanden Befreiungen und bestätigte sie.

(WUB Band VII., Nr. 2458, Seite 337) König Rudolf vidimiert und bestätigt dem Kloster Schöntal das Privilegium König Heinrichs (VII.) vom 7. September 1226 hinsichtlich der Befreiung von Diensten und Abgaben unter ausdrücklicher Einschränkung auf vom Kloster erworbene bereits freie Güter. Nürnberg, 1274. November 29.

Wahrscheinlich schon zu Beginn des Amtsantritts von Abt Thomas hatte sich eine große Schuldenlast entwickelt, die 1282 nicht mehr zu schultern war. Auch die Vaterabtei Maulbronn konnte nicht helfend eingreifen, da sie in dieser Zeit ebenfalls

von Finanzproblemen geplagt war. Abt in Maulbronn war in dieser Zeit Siegfried II. (1281-1285). Die Schöntaler Mönche wurden auf andere Klöster verteilt, ein Mittel der Krisenbewältigung, dass die Zisterzienser in solchen Fällen einsetzten, wie z. B. 1274 in

Kloster Bronnbach. Als diese Massnahme nicht fruchtete, wandte sich der Maulbronner Mutterabt an das Kloster Kaisheim. Der dort regierende Abt Trutwin (1266-1287) sprang ein und übernahm die Schöntaler Schulden, die er schon in einem Jahr tilgen konnte.

Im Gegenzug verzichtete Maulbronn auf seine Paternitätsrechte. Diese gingen an Kaisheim über. Der Generalabt Johannes II. (1266–)1284 bestätigten den Übergang der Vaterrechte

(WUB Band VIII., Nr. 3172, Seite 362-363) Abt Johann von Citeaux und die Diffinitoren und Äbte des Generalkapitels des Zisterzienserordens bestätigen den Übergang der Vaterrechte an Kloster Schöntal von Maulbronn an Kaisheim.

Die Urkunde wurde im September 128a in Citeaux erstellt. Diffinitoren sind Vorsteher einer Ordensprovinz. In dieser Urkunde wird gesagt, dass dies im Einverständnis mit Morimond geschieht. Kaisheim mit dem Mutterkloster Lützel war ebenfalls in der Filiation von Morimond wie Maulbronn über das Mutterkloster Neubourg.

Kurz nach dem Übergang der Vaterrechte an Kaisheim ist Abt Thomas verstorben.

Sein Nachfolger wurde Abt Heinrich III. 1284-1294. die finanzielle Hilfe Kaisheims sowie strenge Visitationen halfen zu einer raschen Gesundung des Klosters.

Im März 1293 war König Adolf von Nassau (1292-1298) zu Besuch in Kloster Schöntal. Er wurde natürlich aufs beste bewirtet.Das Kloster erhielt die Erneuerung der Abgabenfreiheit, die Heinrich VII. 1225 erteilt hatte (s.o.) um einen Zusatz erweitert:

“mit dem zusatze, daß nur güter, die von abgaben frei gewesen seien bevor sie das kloster bekommen habe, auch fernerhin steuerfreiheit zu genießen hätten, daß das kloster aber die schon mit steuern belasteten güter nur mit allen ihren lasten übernehmen dürfe.”

(Adolf RI VI, 2 n 206)

Der 16. Abt von Schöntal wurde Walchimus von Crailsheim (1295–1304 ). Er stammte aus der Familie der Edlen von Crailsheim und war Keller in Schöntal.

1296 erhält er und der Kovent von Papst Bonifaz VIII. (1294-1303) alle von Päpsten, Königen, Fürsten und anderen Christgläubigen verliehenen Freiheiten und Privilegien. B 503 I U 20 Staatsarchiv Ludwigsburg

Es gab noch weitere päpstliche Hilfe. Ob das aber mit der vorigen Schieflage zusammenhängt, geht aus der Papsturkunde nicht hervor.”Papst Bonifatius VIII

beauftragt den Dekan von Öhringen (Orengeu), das Kloster Schöntal gegen seine Schädiger zu schützen.”(WUB Band XI., Nr. 4963, Seite 17) Rom, 1297. Januar 31.

Sicherlich hilfreich war die Erneuerung Zoll-, Handels- und Gewerbefreiheit in Würzburg durch den Würzburger Bischof Manegold von Neuenburg (1287-1303), wobei auch diese sicher nicht mit der Schöntaler Situation zusammenhing, denn sie wurde ja für alle

fränkischen Zisterzienserabteien erstellt.

“Bischof Mangold von Würzburg erneuert den Zisterzienserklöstern Ebrach, Heilsbronn, Bronnbach, Langheim, Bildhausen, Schöntal ,Himmelspforten und andern desselben Ordens die hergebrachte Zoll-, Handels- und Gewerbefreiheit in Würzburg”

(WUB Band XI., Nr. 5051, Seite 80-81)Würzburg, 1297. Oktober 8.

Die finanzielle Notlage von Schöntal hatte sich aber sicher gebessert, denn es konnten schon wieder Käufe getätigt werden wie zum Beispiel eine Mühle in Schweigern

(WUB Band XI., Nr. 5056, Seite 86) Der Edle Konrad von Boxberg (Bokkesberg) verkauft dem Kloster Schöntal (Scho{e}ntal) seine Mühle in Schweigern (molendinum nostrum situm in Sweigern quod nobis titulo proprietatis attinebat cum omnibus iuribus et attinentiis suis quesitis et inquirendis) um 100 Pfund Heller, verspricht Gewährschaft und leistet die üblichen Verzichte. Mergentheim, 1297. Oktober 30.

Der Verkauf von Weinbergen dürfte an Kloster Zimmern ist wohl eher als Konsolidierung zu sehen.

(WUB Band XI., Nr. 5117, Seite 130-131) Abt Walchun und Konvent von Schöntal verkaufen an Kloster Zimmern ihre Weinberge in Ingelfingen und Criesbach. Kaisheim, 1298. April 16.

Auf Abt Walchimus  folgte Abt Friedrich von Schöntal, der nur von 1304 bis 1305 regierte.

Walther von Öhringen war von 1305-1317 Abt in Schöntal. Am Anfang seiner Regierungszeit bekam das Kloster  von dem Heilbronner Bürger Konrad Kubel Teile eines Hofs in Heilbronn geschenkt. Das Kloster Oberstenfeld bekam die anderen Teile. 1311 verkauften die Nonnen von Oberstenfeld ihr Anteile an Schöntal, so dass sich der Hof in Heilbronn nun ganz in Schöntaler Besitz befand. Daraus wurde der Schöntaler Pfleghof in der Reichsstadt. 1399 kaufte sich das Kloster für 600 Gulden von allen Steuer- und Dienstpflichten gegenüber der Stadt Heilbronn frei.

1309 bestätigte König Heinrich VII.(1308-1313, ab 1313 Kaiser) die Urkunde, die der Stauferkönig Heinrich VII. 1226 ausgestellt und die Kaiser Rudolf 1274 auch bestätigt hatte. RI VI,4,1 n. 204

Zwischen 1315 und 1317 herrschte in ganz Europa eine große Teuerung und Hungersnot. Sintflutartige Regen hatten die Ernten vernichtet. Lange Winter und Überschwemmungen verschärften die Lage. In Europa starben mehrere Millionen Menschen. Erst 1317 normalisierte

sich die Lage allmählich wieder.

Abt Walter legte 1318 sein Amt nieder. Auf ihn folgte Abt Konrad I. Nach Heinrich Schönhuth S.66 stammte er aus der Heilbronner Familie Kübel, die den Hof in Heilbronn gestiftet hatte. 1318 schenkte Graf Boppo von Eberstein dem Kloster eine Mühle in Winzenhofen,

heute ein Ortsteil der Gemeinde Schöntal. Dort hatte das Kloster seit 1237 schon den Heßlingshof, damals unter dem Namen “Hestelingen” eine Schöntaler Grangie. Im Jahr 1319 erwarb Konrad vom Kloster Comburg, das von Schuldenlast zum Verkauf gezwungen war, einen Bauernhof in Westernhausen, heute auch ein Ortsteil von Schöntal. B 503 I U 911  vom 23. Februar 1319 Staatsarchiv Ludwigsburg.

Abt Konrad resignierte bereits nach einem Jahr wieder zum Jahresende 1319, starb aber erst im Jahr 1321. Sein Nachfolger Albert III. (1320-1321) blieb ebenfalls nur ein Jahr im Amt und resignierte dann. Er konnte den Klosterbesitz um eine weiter Mühle mehren.

Ludwig von Heineberg schenkte dem Kloster eine Mühle in Merchingen. B 503 I U 582 vom 11. Oktober 1321 Staatsarchiv Ludwigsburg.

Abt Reinold (1321–1365 ) wurde der Abt mit der bis dahin längsten Regierungszeit in Schöntal. Er konnte zunächst weitere Güter erwerben. Allerdings scheinen sich dann die Verhältnisse wieder etwas ungünstiger entwickelt zu haben.

“Aus dringender Not” verkaufen Abt und Konvent ihre Güter in Niederhall und die Salzrechte für 300 Pfund an den Erzbischof von Mainz Matthias von Buchegg (1321-1328). Der Vaterabt Ulrich II. (1320-1339)aus Kaisheim war bei dem Verkauf zugegen und erteilte seine Zustimmung.

B 503 I U 666 30. Juni 1326 Staatsarchiv Ludwigsburg.

Dann kamen einige harte Jahre auf das Kloster zu. Am 19. Oktober 1314 war Friedrich von Österreich in Sachsenhausen zum König erhoben und  einen Tag später wurde Ludwig in Frankfurt gewählt worden. Beide Königskrönungen fanden am 25. November statt.

Der Thronstreit wurde nicht friedlich gelöst. Auch der Papst wurde in die Auseinandersetzung hineingezogen. Johannes XXII. (1316-1334) exkommunizierte Ludwig am 23. März 1324.

Parteigänger des Königs, schädigten, beraubten Güter des Klosters und setzten sie in Brand. Das Ausmaß muss doch so erheblich gewesen sein, dass Papst Johannes sich mit einer Bulle an den Würzburger Bischof  Wolfram  Wolfskeel von Grumbach (1322-1333)

wandte. nicht nur dass Kloster Schöntal in seiner Diözese lag. er war auch einer der wenigen Reichsfürsten, die auf der Seiten des Papstes gegen Ludwig den Bayern standen.

“1328 Juli 18 (XV. kal. Augusti) – Avignon
Papst Johannes [XXII.] an den Bischof von Würzburg: Da das Kloster Schöntal (Schonental) an seinen Gütern durch Besetzungen, Verwüstungen, Raub und Brand, die auf einige Aufrührer gegen die Römische Kirche zurückgehen, schweren Schaden erlitten hat, beauftragt er ihn, die Pfarrkirche in Sindringen (Synderingen) im Bistum Würzburg, deren Patronatsrecht Abt und Konvent von Schöntal besitzen, diesem Kloster zu inkorporieren.” B 503 I U 24 Staatsarchiv Ludwigsburg

Am 22. April 1336 nimmt Papst Benedikt XII (1334–1342) Kloster Schöntal in seinen Schutz.

“Papst Benedikt [XII.] nimmt Abt und Konvent des Klosters Schöntal und ihr Kloster samt allen Gütern in den päpstlichen Schutz. Insbesondere bestätigt er ihnen ihre Zehnten, Ländereien, Häuser, Weinberge, Gärten und anderen Besitzungen, bei den gen. Zehnten allerdings unter Wahrung der auf dem allgemeinen Konzil getroffenen Regelung.”  B 503 I U 25 Staatsarchiv Ludwigsburg.
Am 9. November 1356 bewilligte der Würzburger Bischof Albrecht II. von Hohenlohe (1345-1372) dem Kloster in seinem Pfleghof in Heilbronn eine Kapelle zu errichten und den Gottesdienst dort durch eigene Priester abhalten zu lassen. B 503 I U 468 Staatsarchiv Ludwigsburg.

Ein Jahr später wurde sie von Weihbischof Berthold von Würzburg geweiht. Im Sommer  1357 verlieh er der Allerheiligen Kapelle im Heilbronner Pfleghof einen Ablass.

Am 8. August 1358 bestätigt Kaiser Karl IV. ebenfalls die Steuerbefreiung Heinrichs  VII. die schon Rudolf und König Heinrich VII. (aus dem Hause Luxemburg) bestätigt hatten RI VIII n. 2821

1365 resignierte Abt Reinold. Sein Nachfolger wurde Conrad II.(1365-1371)

Am 21. Januar 1371 weihte Weihbischof Walter aus Würzburg im Schöntaler Hof in Mergentheim eine Kapelle zu Ehren der Heiligen Maria Magdalena und Agnes ein. B 503 I U 602 Staatsarchiv Ludwigsburg.

Conrads Nachfolger wurde Abt Werner (1371-1373) der weitere Zukäufe für das Kloster tätigen konnte. Auf ihn folgte Abt Marquard (1374-1377)

Im Mai 1377 starb Ritter Berenger von Berlichingen. Er wurde im Kreuzgang von Kloster Schöntal bestattet und war einer der ersten des Geschlechts der Berlichingen, die im Kloster Schöntal ihre Grabstätte hatten.

Abt Marquard starb nach nur 3 Regierungsjahren. Auf ihn folgte Abt Raban, der nach der Äbteliste von wikiwand von 1377-1390 regierte.

König Wenzel (1378-1400) erneuerte 1380 alle Freiheiten und Privilegien die Kloster Schöntal von seinen Vorfahren zugestanden bekommen hatte. (Heinrich Schönhuth, S.95)

“Dann folgt  Abt Burckard von Sindringen (1390-1400), der in den Folgejahren in vielen Kaufurkunden erscheint.

Er wird abgelöst durch Abt Heinrich IV. Hirsch (1400-1407). Sein Nachfolger ist Heinrich V. Rosenkaym (1407-2425)

Von 1414 bis 1418 fand in Konstanz das Konzil statt. Im Februar 1418 bestätigte  König Sigmund (1411-1419, danach Kaiser bis 1433) die Privilegien von Kloster Schöntal. Vor allem aber verlieh er dem Kloster die Reichsunmittelbarkeit. RI XI,1n.2895

Das war vor allem dem Reichserbkämmerer Konrad IX. von Weinsberg ( + 1448) zu verdanken. Der Pate von Konrad von Weinsberg war Abt Heinrich.  (Schönhuth S. 132) Die Herren von Weinsberg förderten das Kloster schon seit 1200. Im November 1417 war Martin V. zum Papst gewählt worden und damit  das Schisma beendet. Am 4. April 1418 nahm er Kloster Schöntal samt allen Gütern in den päpstlichen Schutz und bestätigte ihm alle “von Päpsten, Königen, Fürsten und anderen Christgläubigen verliehenen Privilegien und Freiheiten.”  B 503 I U 29 Staatsarchiv Ludwigsburg

Am 18. März 1434 beauftragte das Basler Konzil die Dompröpste  von Würzburg,  Bamberg  und Speyer “Abt und Konvent des Klosters Schöntal gegen jene in Schutz zu nehmen, die das Kloster schädigen, und diesem den erlittenen Schaden wieder gutzumachen”.

B 503 I U 30 Staatsarchiv Ludwigsburg.

Konrad  von Weinsberg sorgte als Protektor des Konzils von Basel auch dafür, dass der Schöntaler Abt 1439 die Pontifikalien verliehen bekam. Das war Heinrich VI. Höfflin (1425-1445)

“Das Basler Konzil (sacrosancta generalis synodus Basiliensis) gestattet auf Fürsprache des Edlen Herrn Konrad Herr von Weinsberg (baro de Weynsperg), Reichs[erb]kämmerer und von König Albrecht [II.] bevollmächtigter Protektor des Konzils, Abt Heinrich [VI.] von Schöntal und seinen Nachfolgern, innerhalb des Klosterbezirks feierliche Gottesdienste unter Inful und Mitra zu halten, bei öffentlichen feierlichen Prozessionen und Sitzungen Mitra, Stab, Ring und andere bischöfliche Insignien zu gebrauchen, nach der Messe dem Volk den feierlichen Segen zu erteilen, falls nicht ein Bischof oder ein Legat des Hl. Stuhls zugegen ist, Altartücher, liturgische Geräte (vasa), Kelche und Paramente zu konsekrieren, die im Kloster und in den diesem unterstellten Kirchen gebraucht werden, sowie den Mönchen seines Klosters die niederen Weihen zu erteilen.” B 503 I U 31 Staatsarchiv Ludwigsburg.

Am 4. August 1442 nahm Kaiser Friedrich III. (von 1440-1452 deutscher König, dann bis zu seinem Tod 1493 deutscher Kaiser) Abt Heinrich VI. zu seinem Hofkaplan und nahm aus diesem Anlass auch das Kloster, seine beweglichen und unbeweglichen Güter und seine Leute in seinen und des Reiches Schutz. B 503 I U 57  Staatsarchiv Ludwigsburg. Mit der Urkunde B 503 I U 58 vom 8. August 1442 bestätigte er Kloster Schöntal alle ihm durch seine Vorgänger verliehenen Rechte und Privilegien.

Am 18. Mai 1445 verstarb Abt Heinrich nach 20-jähriger Regierungszeit.

Sein Nachfolger wurde Abt  Simon Marbach (1445–1465). In seiner Amtszeit hatte die Gegend von Schöntal einen Hussiteneinfall zu verzeichnen. 130 wurden gefangen gesetzt. Nachdem sie aber ihrem Glauben abgeschoren hatten, wurde sie wieder freigelassen.

Sein Nachfolger Johannes II. Hübner regierte nur drei Jahre, von 1465-1468. Er stammte aus Heilbronn. Ab seiner Regierungszeit lässt sich ein abnehmendes Spendenaufkommen verzeichnen. Abt Johannes II. resignierte nach nur drei Jahren. Sein Nachfolger Bernhard (1468–1486)

war 18 Jahre im Amt. Seine Regierungszeit verlief aber ohne besondere Begebenheiten. Er resignierte am 10. Mai 1468.

Auf ihn folgte Johannes III. Hoffmann (1486–1492). Von ihm berichtet Schönhuth (S.136 f.), dass sich Abt Johannes von Papst Innozenz VIII. (1484-1492) die Erlaubnis erbeten habe, das Riemwerk seiner Pferde mit goldenen Spangen  zieren und selbst goldene Stiefel tragen zu dürfen.

Daraus schließt er, dass der Abt viel Wert auf Äußeres legte und dass es dem Kloster recht gut gegangen sein muss, wenn Ross und Reiter mit Gold geziert werden konnten. Der Abt erhielt vom Papst auch die Erlaubnis, dass die Äbte in ihrem Siegel sitzend abgebildet werden durften.

Kaiser Friedrich III. verlieh dem  Kloster am 18. Januar 1491 das Recht, ein größeres Wappen führen zu dürfen. B 503 I U 61. Staatsarchiv Ludwigsburg –so viel zum Thema renommieren.

Aber nicht nur um die Verherrlichung der Abtswürde erwarb sich Johannes Verdienste. Im Kloster Schöntal ließ er einen Gebäude und einen großen Saal errichten. Der Schöntaler Hof in Heilbronn erhielt einen Keller. Ob die Ordensleitung mit Abt Johannes so glücklich war, ist nicht zu sagen. aber sie bewog ihn, nach 6 Jahren Regierungszeit 1492 zu resignieren. Er starb 1514.

Als Abt folgte ihm Georg Hertlin (1492–1511 ). Vor seiner Wahl zum Abt war er Bursarius in Schöntal. Er scheint über das Kloster hinaus in gutem Ruf gestanden zu sein. 1493 rief ihn Pfalzgraf Philipp der Aufrichtige (1476-1508) nach Heidelberg, um dort für den verstorbenen Kaiser

Friedrich III. die Exequien zu halten. Nach Heidelberg pflegte er die guten Beziehungen vor allem zur Universität Heidelberg, die seit Abt Heinrich IV. bestanden. Er schickte mehrere seiner Konventualen zum Studium nach Heidelberg.

1495 führte Kaiser Maximilian die Reichsreform durch, die auf dem Reichstag in Worms besprochen wurde. Eine regelmäßig zu erhebende Reichssteuer wurde eingeführt und die Reichstände mussten Truppenkontingente stellen. Im Gegenzug musste der Kaiser auf die

Forderung nach dem Reichsregiment eingehen als Gegengewicht zum Herrschaftsanspruch des Kaisers. Maßgeblich an der Ausarbeitung der Pläne für die Reichsreform beteiligt war der Mainzer Erzbischof und Reichskanzler Berthold von Henneberg (1484-1504).

Für Kloster Schöntal hatte das Jahr 1495 erhebliche Auswirkungen. 1418 hatte Schöntal die Reichsunmittelbarkeit verliehen bekommen. Es verfügte aber nicht über die Reichsstandschaft. 1495 wurde nun der kaiserliche Schutz an Kurmainz übertragen.

Daraus entwickelte sich ein Jahrhunderte langer Streit um den Status des Klosters, in den auch Würzburg verwickelt wurde. Mainz musste auf die unmittelbare territoriale Herrschaft verzichten. Die geistliche Oberaufsicht als Bistumsherr verblieb bei Würzburg.

Ab jetzt war bei Abtswahlen der Amtmann des an Schöntal angrenzenden kurmainzischen Amtes Krautheim immer anwesend. Eine Urkunde der Übertragung der Schutzvogtei des Reichs an den Mainzer Kurfürsten scheint nicht überliefert zu sein. Das genaue Datum der Übertragung ist

unbekannt.

Nach 19 Jahren Regierungszeit resignierte Abt Georg am 24. Juli 1511. Er starb zwei Jahre später.

Sein Nachfolger Erhard (Eberhard)  Oeser (1511–1535) aus Möckmühl hatte mit 24 Jahren wieder eine sehr lange  Amtszeit. Diese begann gut und verheißungsvoll. Er tätigte viele und für das Kloster wichtige Erwerbungen z. B. einen Hof und eine Mühle in Sindringen

für jeweils 600 Gulden. (Schönhuth S. 139) Er legte einen Weinberg von 10 Morgen an. Er baute eine neue Jagstbrücke, nachdem die Alte bei einem Eisgang weggerissen worden war.

Dann kam allerdings ein Ereignis von außen, das die positive Entwicklung abrupt beendete. Der Bauernkrieg brach 1525 aus. Schon 1524 hatte es erste Aufstände gegeben. Im Februar brachten Bauern in Memmingen ihre Forderungen vor.

Kloster Schöntal war auch sehr bald betroffen, zunächst erst in seinen Klosterorten. Am 26. März erhoben sich Bürger von Mergentheim in der Stadt. Dabei wurde der Schöntaler Hof geplündert, die Weinvorräte ausgetrunken und die reichen Lebensmittelvorräte geraubt.In Hüngheim erhoben sich Schöntaler Untertanen

am 26. März. Dabei verbrannten sie in Hüngheim,in Oberkessach (heute ein Ortsteil von Schöntal) und in Weltersberg (Schöntal9)dem Kloster gehörende Einrichtungen. Am 4. April brach der Bauernhaufen aus dem Schüpfgrund, des Baulands und dem Odenwald

überSchweigern, Assamstadt, Krautheim nach Schöntal auf. Ab 6. April  lagerten rund um Schöntal etwa 10.000 Bauern. Der Neckar-Odenwald- Haufen setzte sich zusammen aus Schöntaler Untertanen. Eine zweite Gruppe bildeten Bauern unter Georg Metzler aus dem Schüpf-und Taubergrund Odenwald und Bauland.  Sie wurden geführt von Georg Metzler, einem Wirt aus Ballenberg und Florian Geyer, dem fränkischen Reichsritter aus Giebelstadt. Dazu stießen Bauern aus dem Unterländer Raum um Heilbronn unter Jäcklein Rohrbach. Dann stießen noch Bauern aus der Hohenlohe um Öhringen

dazu. Am 8. April erschien Götz von Berlichingen zum ersten Mal beim Hellen Haufen in Schöntal. Da ging es aber nicht um eine Funktion bei den Bauern, sondern Götz war von seinem Bruder Hans gebeten worden, nach Berlichingen zu kommen, um mit seinen aufrührerischen Untertanen zu verhandeln.

Da blieb er zwar ohne Erfolg, bekam aber freies Geleit zurück nach Jagsthausen zugesichert. Er war erst gezwungen einen Vertrag mit den Bauern zu schließen, als der Odenwälder Haufen unter Führung von Georg Metzler nach Gundelsheim und da in die Nähe seiner Burg Hornberg kam.

Am 24. April 1525 wurde er gezwungen, die Führung des Odenwälder Haufens zu übernehmen.

Schon als die Unruhen begannen, hatte man in Schöntal das Archiv und kostbare Gegenstände nach Frankfurt in Sicherheit gebracht. Als der Bauernhaufen bei Schöntal lagerten, wurden Abt und Konvent aus dem Kloster gejagt. Nur Pater Laurentius Dollinger durfte im Kloster bleiben, musste

den Bauern aber als Knecht zur Verfügung stehen. Der Abt wurde auf seiner Flucht aufgegriffen und nur gegen Lösegeld frei gegeben. Er durfte aber dann nach Heilbronn auf den Schöntaler Hof. Dieser diente dem Bauernparlament unter Wendelin Hipler am 12. Mai 1525 als Tagungsort.

Am 10. April 1525 zog der Bauernhaufen von Schöntal ab.

Der Schaden, den Schöntal erlitten hatte, war beträchtlich. Das Dorf Oberkessach war bis auf wenige Höfe abgebrannt, in der Kirche sämtliche Glasfenster zerstört. In Schöntal war die Orgel aus der Kirche gerissen worden und die Orgelpfeifen unter die Bauern verteilt und wie in Mergentheim

die Weinfässer geleert, die Vorräte geplündert. Der Schaden wurde auf 20.000 Gulden geschätzt.

Abt und Konvent kehrten nach den Unruhen ins Kloster zurück. Abt Erhard regierte nach dem Bauernkrieg noch 10 Jahre.Käufe sind aus  dieser Zeit urkundlich nicht Vermerkt. Abt Erhard starb am 19. Juni 1535.

Auch die Reformation hatte dem Kloster zu schaffen gemacht. Die südlich angrenzende Grafschaft Hohenlohe,die westliche Kurpfalz, das Herzogtum Württemberg aber auch die Reichsstädte Hall und Heilbronn waren zum neuen Glauben übergegangen. Schöntal verlor

drei Pfarreien. Die  dem Abt von Schöntal unterstellten Zisterzienserinnenklöster Gnadental bei Hall, Lichtenstern, Seligental und Billigheim wurden aufgehoben, die zwei letzteren allerdings durch den Erzbischof von Mainz zur Arrondierung seines Besitzes. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts

setzte sich in Schöntal die Gegenreformation durch. Dies geschah nicht zuletzt auf Druck der Fürstbischöfe aus Würzburg.

Sein Nachfolger wurde Elias Wurst (1535–1537). Er war vorher Bursarius in Schöntal und war auch mit Abt Erhard im Bauernkrieg zusammen auf der Flucht. Er starb nach nur zwei Jahren Amtszeit am 19. Juli 1537. Nach seinem Tod

konnten sich die Konventualen nicht einigen, einen aus ihrer Mitte zum Nachfolger wählen. Daraufhin schlug der Vaterabt Konrad III. Reutter (Reuter) (1509–1540) vor, Bruder Sebastian Stadtmüller vor, der dann als Abt Sebastian I. (1537-1557) 20 Jahre regierte.

Auf Bitten von Abt Sebastian bestätigte König Ferdinand I. ( 1531 zum deutschen König gewählt,deutscher Kaiser von 1558-1564) anstatt seines Bruders Karl, dem Kaiser, am 14. Juli 1540 Kloster Schöntal ein Privileg von Kaiser Maximilian vom 20. Januar 1491 sowie alle

anderen durch seine Vorgänger verliehenen Privilegien (B 503 I U 65 Staatsarchiv Ludwigsburg)

Nach seinem Sieg über den Schmalkaldischen Bund weilte Kaiser Karl V. (1519-1556) vier Wochen in Heilbronn. In dieser Zeit war er im Schöntaler Hof untergebracht. Im Heilbronner Lapidarium wird ein Gedenkstein aufbewahrt, der an diesen Aufenthalt erinnert.

Abt Sebastian I. starb am 17. Februar 1557.

Zu seinem Nachfolger wurde Sebastian II. Am 30. Mai 1559 bestätigte Kaiser Ferdinand I jetzt als Kaiser das Privileg, das er im Juli 1540 bestätigt hatte, noch erweitert um die Bestätigung eines Privilegs von König Wenzel vom 16. März 1379. (s.o.) (B 503 I U 66 Staatsarchiv Ludwigsburg)

Er versah den Kreuzgang und das Kapitelhaus mit Fenstern. Der Brunnen im Kreuzgang wurde zu einem Springbrunnen umgestaltet.

Götz von Berlichingen starb am 23. Juli 1562 auf seiner Burg Hornberg und wurde im Kreuzgang des Klosters Schöntal beigesetzt, obwohl er sich schon Jahrzehnte vorher für das lutherische Bekenntnis entschieden hat.

Das entsprach seinem Willen. Protestant im katholischen Kloster bestattet- Rückversicherung ?

1573 wurde zum vierten Mal bei Eisgang die  hölzerne Jagstbrücke mitgerissen. Zum Bau einer steinernen Brücke konnte man sich erst 1609 entschließen.

Abt Sebastian II. starb am 21. Dezember 1583 nach 27 Jahren Regierungszeit.

Sein Nachfolger war Johannes IV. Lurtz (1584–1607 ). Er war sehr baufreudig. 1584 erbaute er die Pistorei (Bäckerei) und die neue Abtei. Die Kirche ließ er reparieren.

In Gommersdorf, heute ein Teilort von Krautheim ließ er 1592 die Kirche neu erbauen, heute Kath. Pfarrkirche St. Johann. sie wurde 1598 geweiht.

Abt Johannes starb am 6. Mai 1606 nach 23 Regierungsjahren.

Auf ihn folgte Abt Theobald I. Koch  (1607–1611 ) Er regierte zwar nur 4 Jahre aber in einer Regierungszeit wurde die hölzerne Jagdbrücke durch eine Steinbrücke ersetzt.

Dazu brauchte es allerdings zwei Anläufe. Ein Baumeister aus Hall errichte sie 1607 mit 5 Bögen. Nachdem aber das Bogengestell heraus genommen worden war, fiel das größte Joch zusammen. (Schönhuth S. 149)

Sie wurde dann von Michael Kern 1609 fertiggestellt. Auch sein Vater Michael war bereits Baumeister.Er ist der Vater des Bildhauers Michael Kern, der zwischen 1630 und 1644 die Alabasteraltäre in der Schöntaler Kirche gebaut hat.

Abt Theobald I. starb am 22. Januar 1611, als er sich gerade im Klosterhof in Heilbronn aufhielt.

Sein Nachfolger wurde Abt Theobald II. Fuchs (1611–1626 )aus Walldürn. Er war auch ein wichtiger Bauherr in der Abtei. Er ließ sich am 13. Oktober 1613 die von Wenzel und Maximilian erteilten Privilegien (s.o.) von Kaiser Matthias (1612-161)

bestätigen. (B 503 I U 69 Staatsarchiv Ludwigsburg)

Im Kloster baute er die Alte Abtei (1617/18) den Alten Offiziantenbau mit dem Torturm (1617, 1621), sowie den nordwestlichen Eckturm, den «Dicken Turm» (1622). Auch das Klosterwappen aus dem Jahr 1621 am Torturm  stammt

von der Bildhauerfamilie Kern. Ein weiteres wichtiges Ereignis war die Gründung der Oberdeutschen Zisterzienserkonkregation (siehe dazu auch Mei Büchle Kloster Bronnbach) Mit der Durchführung der Reformen des Tridentinischen Konzils

wurden regionale Zusammenschlüsse wie Generalvikariate oder Ordensprovinzen eingerichtet. Das Generalkapitel der Zisterzienser ernannte Generalvikare, die diesen vorstanden. Zudem waren mit der Reformation die Filiationskette, das verbindende Element

der Klöster des Ordens unterbrochen. Generalabt Edmond de la Croix (1584–1604) wollte nun ein die einzelnen Territorien übergreifendes Generalvikariat für den oberdeutschen Raum schaffen.Auf Einladung des Generalabtes versammelten sich

vom 14. bis 20. September 1595 hin 17 Äbte aus dem oberdeutschen Raum.  Er ernannte den Salemer Abt Petrus II.  Müller (1593–1614) zum Generalvikar der Ordensprovinz Oberdeutschland. Das Projekt hatte allerdings noch einige Hürden zu überwinden.

Es gab Vorbehalte der Ordensleitung aber auch von einzelnen Klöstern. Generalabtes Nikolaus II. Boucherat (1604–1625) unternahm 1615 eine Visitation in Deutschland Böhmen und Österreich. Das Projekt nahm wieder Fahrt auf, von deutscher Seite unterstützt von

von dem Nachfolger von Abt Peter Abt  Thomas Wunn (1615–1647) aus Salem. 1617 wurden erste Statuten entworfen. Bei einem Äbtetreffen wurden sie im Dezember 1618 nochmals revidiert im Januar 1619 dann vom Generalabt bestätigt. Es war zunächst eine sehr kleine Kongregation

von nur 6. Klöstern, die die am 10. Juli 1624 auch vom Papst bestätigt wurde. sie war von vorneherein auf deine Vergrößerung angelegt, was schon bei einer weiteren Äbteversammlung am 2. und 3. September 1624 in Salem geschah. Es war die Geburtsstunde der Oberdeutschen

Zisterzienserkongregation. Unter Abt Theobald II. trat Schöntal der Kongregation bei. Das war auch als Zeichen zur von Mainz und Würzburg bedrohten Selbständigkeit zu sehen.

Abt Theobald starb am 6. Mai 1626.

Auf ihn folgte Sigmund Fichtel (1626–1633 )Er stammte aus Karlstadt am Main. Er war ein kunstbeflissener Bauherr. Für die Klosterkirche ließ er von dem Bildhauer Michael Kern (s.o.)den Dreifaltigkeitsaltar (1628) und den Johannesaltar (1630) anfertigen.

1631 kaufte er von Phillip Heinrich und Hans Gottfried von Aschhausen das Rittergut und das Wasserschloss. (B 503 I U 293 und B 503 I U 295) Dann kam der Krieg der Dreißigjährige Krieg auch in Schöntal  an.

Gustav Adolf (1611-1632) war 1631 bis nach Würzburg vorgedrungen, hatte Mergentheim besetzt. Am 15 Oktober 1531 streiften 40 schwedische Reiter durchs Jagsttal und kamen auch nach Kloster Schöntal. Sie raubten und plünderten. Im Dezember 1531

kam Oberst Sperreuter von Mergentheim aus  mit einer Reiterschar vor das Kloster und legte ihm  2000 Taler Brandschatzung auf. Der Bursar wurde so lange festgehalten, bis die Summe entrichtet war.

Daraufhin flüchtete  Abt Sigmund flüchtete mit einiger seiner Konventualen über Kaisheim nach Kloster Stams in Tirol. Zunächst blieb nur Bruder Michael Diemner zurück(alles nach Schönhut s. 150 ff). Die Zurückgebliebenen kehrten nach diesem Vorfall

wieder ins Kloster zurück. Am2. Januar 1632 besetzte der schwedische General Horn (1592-1657) die Stadt Heilbronn. Die Schweden hielten Heilbronn bis nach der Schlacht bei Nördlingen im September 1634 besetzt. Die Schweden belehnten in Heilbronn

den Grafen Kraft  von Hohenlohe-Neuenstein mit dem Schöntaler Hof. Kurz danach machte Gustav Adolf  dem Grafen Kloster Schöntal zum Geschenk. am 13. April 1632 nahm er das Kloster in seinen Besitz. Nach der Schlacht von Nördlingen wurde das Kloster restituiert.

Abt Sigmund war schon am  19. März 1633 in seinem Exil in Stams gestorben. Zu seinem Nachfolger wurde Johannes Leonhard Meinhart (1635–1636 )unter Vorsitz des vertriebenen und letzten Walkenrieder Abtes Christoph Kölich (1629–1631)

von acht nach den Kriegswirren wieder im Kloster weilenden Mönchen gewählt. Abt Leonhard konnte wegen der widrigen Umstände nicht einmal zum Abt geweiht werden. Abt Leonhard hatte den Magistergrad in Würzburg erreicht

und wurde erst Subprior in Schöntal und dann Propst in Gommersdorf. Abt Leonhard starb nach nicht einmal zwei Jahren Amtszeit.

Sein Nachfolger wurde Christoph Haan (1636–1675)Er war schon vor Abt Leonhard  zum Schöntaler Abt gewählt worden. Da war er in Wettingen im Exil. Da aber bei der Wahl nur ein Teil der Mönche anwesend war, wurde er von den abwesenden Mönchen nicht anerkannt.

Zu Beginn seiner Amtszeit gab es eine große Teuerungswelle. 1 Scheffel Korn kostete 24 Gulden (1 Scheffel entsprach in Württemberg 177,18 Liter, 1 Gulden wären heute etwa 2400 €). Am Klostertor wurden täglich zwischen 300 und 400 Bedürftige gespeist.

1638 schloss der Rat von Schwäbisch Hall die dem Kloster gehörende Kapelle in der Stadt. Als man sie wieder öffnete, wurde der Priester mit Gewalt weg geführt und eingesperrt. 1640 hatte Schöntal eine Einquartierung auszuhalten Fünfeinhalb Monate nahmen Kaiserliche ihr

Winterquartier in Kloster Schöntal. Aber auch das normale Klosterleben lief weiter. 1640 wurde in Schöntal ein großes Kapitel abgehalten. Außerdem wurde Abt Christoph beauftragt, die Klöster in der Schweiz zu visitieren.

1642 zogen abwechselnd bayrische, französische und weimarische Truppen durch das hohenlohische und hällische Gebiet. Im Januar 1643 besetzten weimarische Truppen die Ämter Boxberg und Krautheim. Nachdem die Zustände wieder unhaltbar geworden waren, flohen Abt und

Konventuale nach Heilbronn auf den Schöntaler Hof. Die Truppen plünderten nun  Kloster Schöntal. Früchte und der Wein wurden mitgenommen. Das Vieh wurde wegetrieben und die Fischweiher zerstört. Im Februar zogen die Feinde wieder ab, worauf der Abt und Konvent wieder nach Schöntal

zurückkehrten. Das Kloster war so verarmt, dass die Mönche auf andere Klöster verteilt wurden, wo sie wenigstens wieder Nahrung hatten. Da mangelernährt zog sich der zurückgebliebene Konvent eine Kolik zu, die Gicht oder Epilepsie und im schlimmsten Fall den

Tod zur Folge hatte. Ein dreitägiges  Gebet beendete die Plage. Von nun spendet der Schöntaler Konvent jährlich eine Summe nach Walldürn.

Trotz der düstern Zeiten wurde 1644 der Bernhardsaltar, der  auch von Michael Kern geschaffen ist,  eingesetzt. Er steht am ersten Langhauspfeiler Süd.

Das Kloster hatte sich noch nicht richtig erholt, wurde es vom Kriegsgeschehen wieder eingeholt. Im Februar 1645 überfiel General Reinhold von Rosa das Kloster. Abt Christoph entkam durch die Wälder und flüchtete nach Würzburg. Die Feinde verheerten alles innerhalb und außerhalb des Klosters.

Sie setzten es nicht in Brand wie ursprünglich geplant. Auf Fürbitten Reinhards von Berlichingen ließen sie davon ab, brannten dafür aber das Wohnhaus der Konventualen im zum
Kloster gehörenden Wimmental, heute ein Teilort von Weinsberg , nieder. Im August 1646 suchte der schwedische Feldmarschall Carl Gustav Wrangel (1613–1676), der in diesem Zeitraum Franken beherrschte, das Kloster heim  und nahm alle Lebensmittelvorräte mit. Da nichts Essbares mehr im Kloster war, zerstreuten  sich die Mönche  in die Umgebung und fristeten ihr Leben. Das dauerte bis im Februar des Folgejahrs. Dann konnten sie wieder ins Kloster zurück. Kaum hatten sie sich erholt, mussten sie schon wieder fliehen. Hans Christoph von Königsmarck, auch ein schwedischer General

plünderte es erneut. Das Kloster musste weitere Plünderungen von französischen Reitern erdulden. Auch bayrische und kaiserliche Truppen fielen ein und unterschieden sich in nichts von den Franzosen und Schweden.

1648 kehrte endlich Frieden ein. Das Kloster hatte noch einen Prozess gegen die Stadt Hall zu führen. Es hatte der Stadt 32.000 Gulden geliehen, aber die Stadt leugnete, das Geld erhalten zu haben. Die Prozesskosten betrugen für beide Seiten dann 15.000 Gulden.

Am 15. März 1648 wurde im Kloster Eberbach Johannes VIII. zum Abt gewählt. Er resignierte bereits vor Erlangung der bischöflichen Konfirmation am 23. August. Der Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn ( 1647-1673) ernannte daraufhin den Schöntaler Abt Christoph zum Abt in Eberbach.

nach jure devolutionis, also dem recht ein Amt zu übertragen. Der Eberbacher Mutterabt Claude Largentier (1624-1653) “anulliert die Wahl des Pater Johannes Hoffmann zum Abt von Eberbach [im Rheingau] (B. Mariae de Eberbaco) im Erzbistum Mainz, weil dieser nicht fristgemäß um Bestätigung nachgesucht hatte, billigt und bestätigt die Wahl des Christoph Haan (Hahn), Abt von Schöntal, zum Abt von Eberbach, erteilt ihm die Vollmacht zur Leitung dieses Klosters und befiehlt allen Mönchen Gehorsam.” (B 503 I U 114 Staatsarchiv Ludwigsburg)

Das hatte allerdings noch Folgen in Schöntal. Denn als der Schöntaler Vaterabt Georg IV. Müller (1637–1667) aus Kaisheim Schöntal im Oktober 1648 visitierte, wollten einige Patres, das Abt Christoph abdanken sollte. Es gab aber keinen triftigen Grund. Die Unzufriedenheit rührte einfach daher,

dass Abt Christoph auch in Eberbach sein musste, weil er dort ja ebenfalls die Verwaltung führte. Als am 28. März 1651 mit Balthasar Bund wieder ein Abt in Eberbach gewählt wurde, kehrte Christoph nach Schöntal zurück und war nur noch für sein Heimatkloster zuständig.

Obwohl Kloster Schöntal im Krieg durch wiederholte Plünderungen und Brandschatzungen stark geschädigt worden war, erholte es sich schneller als erhofft. Die Zahl der Novizen hatte sich so erhöht, dass wieder ein Lehrer für Theologie eingestellt werden konnte.

1657 wurde das 500-jährige Bestehen von Schöntal groß gefeiert.

Am 12. März 1661 starb Prior Bartholomäus Kremer aus Amorbach. Er war 72 Jahre alt geworden, hatte unter 6 Äbten gedient und alle wichtigen Klosterämter durchlaufen. Er hat eine zweibändige Klosterchronik  geschrieben, die auch Schönhut als wichtigste Quelle zu

seiner Chronik diente.

1667 wurde die Wallfahrtskirche von Neusäß ausgebaut und das Vesperbild, dass im Krieg in Berlichingen verwahrt worden war, zurückgebracht.

1671 kaufte Abt Christoph von  dem Würzburger Mainzer Erzbischof und Reichskanzler (so die Titulierung in der Kaufurkunde) Johann Philipp von Schönborn das freiadlige gut in Aschhausen Wildbannsgerechtigkeit, Fischwassern, Schäferei, Kelterhaus, dem Fischwasser zu Winzenhofen.

für 31.000 Gulden (B 503 I U 182 Landesarchiv Ludwigsburg) Das Schloss wurde zur Sommerresidenz der Äbte ausgebaut.

Der Holländische Krieg hatte auch Auswirkungen auf Franken. Der französische Marschall Turenne hatte mit 13.000 Mann sein Hauptquartier in Mergentheim genommen. Wohl sollte auch Schöntal geplündert werden. Aber  als der kaiserliche Feldherr Graf von Montecuccolo im Anmarsch war,

zog Turenne ab und so entkam Schöntal dieses Mal einer möglichen Plünderung.

Abt Christoph starb am 20. November 1675. Er hinterließ ein Verzeichnis aller Schöntaler Äbte sowie ein kurzgefasstes lateinisches Tagebuch. Sein Tod wurde nicht umgehend nach Mainz gemeldet, damit der Mainzer Erzbischof möglicherweise keinen Einfluss auf die notwendig

gewordene Abtwahl nehmen konnte.

Als Nachfolger wurde Franziskus Kraft (1675-1683) im Beisein von Mutterabt Hieronymus  Winter (1674–1681) aus Kaisheim gewählt.Vor seiner Wahl war er Probst in Mergentheim Seine Amtszeit war dadurch geprägt, dass er wegen der kriegerischen Zeiten

immer wieder Zahlungen an den Kaiser und den Erzbischof von Mainz leisten musste. Die Kosten an den Kaiser beliefen sich auf knapp 10.000 Gulden und der Erzbischof von Mainz verlangte monatlich 100 Gulden Reitersold (alle Zahlen nach Schönhut).

Trotzdem schaffte er es, das von den Franzosen niedergebrannte Pfarrhaus in Wimmental wieder aufzubauen. Von dem flämischen Barockmaler Oswald Onghers, der in Würzburg lebte, ließ er ein Altarbild schaffen.

Am 27. März 1680 bekam Abt Franziskus von Kaiser Leopold I.  (1658-1705)  das Privileg Kaiser Karls IV. vom 8. Aug. 1358 (Rottenburg) bestätigt. (B 503 I U 74 Staatsarchiv Ludwigsburg)

Er ließ die erste Klosterapotheke und eine Schneidmühle erbauen. Er ist auch Verfasser Schönthalenses annales ecclesiastico-politico-ascetico-oeconomici de a 1150 – 1675 in fünf Quartbänden, sowie eines großen geistlichen Traktats. Die Quellen weisen ausdrücklich

auf seine musikalische Begabung hin.

KnittelSchoental

Zu seinem Nachfolger wurde Benedikt Knittel (1683–1732) gewählt. Er ist in Lauda geboren und Sohn des Weinbauern und auch als Ratsherrn fungierenden Weinbauern Johannes Knittel. Er hat noch einen älteren Bruder, der später als Konverse ins Kloster

Schöntal eintrat, wo er 1712 starb. Über seinen Werdegang bis zu seinem Klostereintritt ist nichts bekannt. Er studierte in Würzburg Philosophie. Nach abgeschlossenem Studium trat er 1670 in Kloster Schöntal ein. Im Oktober 1671

legte er seine Profess ab und erhielt den Klosternamen Benedikt. 1672 wurde er zum Subdiakon, 1675 zum Priester geweiht. Er durchlief rasch die Klosterämter. 1676 wurde er Cantor. Dieser ist für den Gottesdienst und die musikalische Ausgestaltung zuständig.

Wenn man weiß, dass sein Abt Franziskus sehr musikbegabt war, ist das sicher nicht ganz unwichtig. 1677 wurde er Subprior, also Vertreter des Priors, neben dem Abt das wichtigste Klosteramt. 1680 wurde er zum Servitor ernannt, das ist der Diener des Abtes.

1681 wird er Pistrinarius. dieser verwaltet die Mühle und die Bäckerei und Prior. 1682 übernimmt er das Amt des Novizenmeisters.

Ich stelle Abt Benedikt bewusst ausführlich dar. 1. er der wohl bedeutendste Abt von Kloster Schöntal und 2. lässt sich an ihm geradezu exemplarisch die Klosterlaufbahn vom Klostereintritt bis zum Abt darstellen.

Abt Franziskus starb schon nach acht Regierungsjahren.

Schon bei seiner Wahl wurde Mainz und Würzburg nicht unmittelbar verständigt. Noch konsequenter war der Konvent  bei Abt Franziskus. Er war schwer erkrankt und sein Tod war absehbar. Der Kaisheimer Abt Elias Götz (1681–1696 )

wurde schon Ende Juni in den Schöntaler Hof nach Heilbronn beordert. So konnte er gleich nach dem Ableben von Franziskus ins nun nahe Schöntal reisen und am Tag nach dem Tod des von Franziskus die Wahl vornehmen lassen.

Auch der Generalabt von Citeaux  Jean XII. Petit (1670– 1692) wurde sofort verständigt. Die Vertreter von Kurmainz und Würzburg konnten so nur so kurzfristig eingeladen werden, dass sie der Einladung nicht Folge leisten konnten.

Das hatte zwar eine Protestnote und Klage zur Folge. Das beeindruckte den neuen Abt aber nicht. Auch in seiner weiteren Amtsführung ging er immer selbst nach Mainz oder Würzburg um die Streitigkeiten persönlich vor Ort auszumachen.

Auch seine Amtseinführung zeigte, dass er gewillt war, die zunehmende Einmischung der beiden kirchlichen Territorialmächte in klosterinterne Angelegenheiten nicht mehr zu tolerieren. Seine Weihe wurde vom Kaisheimer Mutterabt vorgenommen

unter Assistenz der Äbte der Benediktinerabteien von Neresheim Abt Simpert Nagel (1682-1706) und Donauwörth Andreas Hausmann( 1669–1688).

Er pochte immer auf die Reichsunmittelbarkeit seines Klosters. Allerdings hatte Kaiser Maximilian ja 1495 die Schutzherrschaft übertragen (s.o) Aber der Mainzer Kurfürst hatte es nie geschafft, die Territorialhoheit zu gewinnen, obwohl es ständig versucht wurde.

Seine ersten schritte als Abt entsprachen durchaus seiner Herrschaftsdevise: «Pugnando, tolerando, sperando itur ad astra» (Durch Kampf, Geduld und Hoffnung gelangt man zum Sternenhimmel).

Seine Amtsführung ergibt ein richtig rundes Bild. Er plante seine ganzen Bauvorhaben wohl schon früh und das vollendete Bauwerk kann durchaus als gebaute Demonstration der wirtschaftlichen Potenz des Klosters gesehen werden, die auf einem soliden Fundament ruhte.

Seine beiden Vorgänger haben ihm eine beruhigende finanzielle Basis hinterlassen, die er aber auch klug mehrte und stärkte. Sein ganzes wirtschaftliches Handeln zielte darauf ab, mit Ankäufen von landwirtschaftlichen Grundstücken, mit Rodungen, dem Anlegen von Fischteichen und Weinbergen

sollte die wirtschaftliche Autarkie des Klosters gesichert werden.  Der Bau von Ökonomiegebäuden wie Mühlen und Scheunen sollte Überschüsse erwirtschaften, die die schon früh begonnenen Bauvorhaben schuldenfrei durchführen ließen. Demselben Ziel diente der .Kauf der württembergischen Herrschaft Ebersberg. Er stieß auch Gebäude ab, wenn es notwendig schien. So verkaufte er mit Genehmigung des Kaisheimer Vaterabts Roger Röls (1698–1723) den Schöntaler Hof in Hall laut Urkunde “ihre baufällige Kellerei gen. der Schöntaler Hof” 

(B 503 I U 454 Staatsarchiv Ludwigsburg Urkunde vom  25. November 1718). Er erlöste dafür immerhin 5900 Rheinische Gulden. Damit finanzierte er die  nach 1718 durchgeführten Bauten.

Er begann mit dem Bau der großen Orgel 1684. Sein erstes Klosteramt war ja das des Cantors. Laut Schönhuth kostete das 1500 Gulden (S. 167).

1686 ließ er den Fischteich nahe beim Kloster graben. 1689 wurde der Hochaltar gefasst und im Jahr darauf die beiden Nebenaltäre neben dem Eingang von dem Klosterbruder Bernhard und dem Kapuzinerbruder Humdli aus Comburg errichtet.

1694 ließ er von einem Wertheimer Brunnenbaumeister den Springbrunnen im Abteihof herstellen.

1697 begann er mit dem Archivturm, einem Turm mit 4 steinernen Kammern.Hier wurde zur größeren Sicherheit das Klosterarchiv untergebracht. Er wurde gegenüber der Klosterkirche an die Äbtewohnung für resignierte Äbte angebaut. In dieser Wohnung

konnten die resignierten Äbte gemäß der Bulle von Papst Eugen IV. (1431-1447) ihr Leibgeding verzehren.

Als er den Archivturm bauen ließ, plante er wohl schon den weitgehenden Neubau der Klosteranlage. Der Bau eines Archivgebäudes und die damit verbundene Neuordnung des Archivs zeugen von seinem Selbstverständnis. Das Archiv sollte

ihm bei seinem Kampf um die Anerkennung der Reichsunmittelbarkeit und Exemtion helfen. Dazu passt auch, dass er bei Kaiser Karl VI. (1711-1740) um Bestätigung der Privilegien, die Kaiser Leopold am 27. März 1680 Abt Franziskus bestätigt hatte.

(B 503 I U 76  Staatsarchiv Ludwigsburg)Benedikts Nachfolger  Angelus ließ sich dies am 23. April 1742 (Urkunde 78) ebenfalls bestätigen.

Auch sonst ist er sehr realistisch in seiner Politik. Mit kluger Diplomatie baute er ein spannungsfreies Verhältnis zu seinen Nachbarn auf. Den Kaiser unterstütze er im spanischen Erbfolgekrieg gezielt finanziell. Er konnte so die Unabhängigkeit seines Klosters wahren auch wenn sie nicht formell ist.

Außerdem wurde er von Kaiser Karl am 1. Februar 1718 zu “seinem wirklichen Hofkaplan” ernannt. (B 503 I U 77 Staatsarchiv Ludwigsburg)

Mit den Planungen  für seinen Klosterbau beauftragte er Leonhard Dientzenhofer. Vielleicht war ihm dieser schon den Klosterneubauten in Ebrach und Langheim bekannt. Den Klosterneubau in Ebrach baute Dientzenhofer von 1687 bis 1698

und in Langheim baute er von 1691 bis 1704  den Abteiflügel. Dientzenhofer wurde 1690  hochfürstlich bambergischer Hofbaumeister. 1693 wurde Lothar Franz von Schönborn Bischof von Bamberg (bis 1729) und ab 1695 auch Erzbischof von Mainz.

Damit unterstand ihm dann ja Kloster Schöntal. Von Schönborn war ein großer Förderer von Dientzenhofer. Möglicherweise hatte er sogar den Kontakt nach Schöntal hergestellt. Abt Benedikt musste 1698 wegen Schlichtung von Streitigkeiten

zum Mainzer Erzbischof nach Bamberg und traf dort vielleicht den Baumeister.

Nach der Planung von Dientzenhofer begann man mit dem Offiziantenbau für Klosterbeamte mit dem großen Weinkeller. In dem Weinkeller lagerten 45 Weinfässer, denen der Abt die Namen seiner Konventualen gab und jedem seiner Konventualen einen Vers widmete. Auch das spricht für seinen Humor, der ja auch in vielen seiner Knittelverse aufblitzt. 1701 wurde parallel zum Offiziantenbau das Waschhaus errichtet, heute das Gasthaus “Zur Post”.

Am 15. September 1701 wurde der Grundstein für den Ostflügel gelegt. Als Palier verpflichtete Dientzenhofer den Maurermeister Jakob Ströhlein. Er war wohl entfernt mit Dientzenhofer verwandt und stammte, wie seinem Grabstein zu entnehmen ist, aus Kempten.

Bis 1706 ist das alles fertiggestellt und die Zellen konnten bezogen werden. An den Stukkaturen wurde 1707 noch gearbeitet.

Im März 1707 schloss Abte Benedikt einen neuen Vertrag Leonhard Dientzenhofer für den Bau des Refektoriums-Verbindungstraktes und des Westflügels mit der Prälatur.  Abt Benedikt wollte Konvent und Kirche gleichzeitig bauen. Das wurde allerdings durch zwei Ereignisse ausgebremst.

1701-171 fand der Spanische Erbfolgekrieg statt. Das war ein Kabinettskrieg, bei dem es um das Erbe des letzten spanischen Habsburger Karl II. (1655-1700) ging. Karl starb 1700 kinderlos, was den Ausbruch des Erbfolgekriegs 1701 auslöste. 1701 war in Den Haag die Haager Allianz geschlossen worden.

Das war ein Bündnis um den deutschen Kaiser Leopold I. (1658-1705) Niederlande und England gegen den französischen König Ludwig XIV. (1643-1715).

1707 überschritt der französische Marschall Claude-Louis-Hector de Villars  völlig überraschen den Rhein ging über die Stollhofener Linie bei Bühl und Stollhofen. Das Reichsheer unter Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth zog sich daraufhin unnötig weit bis Aalen und Ellwangen zurück. Dadurch wurde die Front weit geöffnet und französischen Truppen wurde der Einmarsch nach Schwaben und Plünderzüge bis weit nach Franken ermöglicht. Villars Kavallerie nützte das zu Plünderungen und Kontributionserhebungen. Am 22. Juli kamen französische Truppen  unter Generalmajor Sezanne nach Mergentheim und kassierten dort 88.000 Gulden Brandschatzung. Am 25. Juli waren sie auf ihrem Rückzug nach  Kloster Schöntal gelangt. Insgesamt hatten  sie sich  fast   Wochen einquartiert und dem Kloster “großen Schaden “ zugefügt, denn es mussten natürlich hohe Kontributionen an beide Seiten entrichtet werden.

Am 26. November 1707 starb Leonhard Dientzenhofer überraschend im Alter von nur 47 Jahren. Die Dientzenhofer-Pläne konnten bei der Witwe beschafft werden. Abt Benedikt schloss einen neuen Vertrag mit dem bisher als Palier arbeitenden Jakob Ströhlein. Er konnte mit dem Bau

des Kirchenlanghauses beginnen. Schon 1709 sind die Fassaden bis zum Kranzgesims in 28 Meter Höhe gemauert. Der Abt konnte nun mit Joseph Greissing (1664–1721) den Vertrag für den Langhausdachstuhl und die beiden Turmkuppeln abschließen. 1712 ist das Langhaus unter Dach.

Joseph Greissing war Würzburger Hofbaumeister. Er baute die Freipfeilerkirche der Grosscomburg bei Hall. Einige Autoren sehen in ihr das Vorbild für die Schöntaler Kirche.

Ein neuer Baumeisterwechsel wurde nötig, denn am 5. März 1711 starb Baumeister Ströhlein. Sein Nachfolger wurde Bernhard Schiesser. Er übernahm Ströhleins Vertrag. Bernhard Schiesser war Palier bei Georg Dientzenhofer, dem älteren Bruder von Leonhard Dientzenhofer .

Georg Dientzenhofer baute die Stiftsbauten in Waldsassen und erstellte die Pläne zur dortigen Stiftskirche. Er baute die Stiftskirche von 1711-1724.Schiesser baute auch 1716 die Heilggrabkapelle, die schon 1715 von Abt Benedikt beschlossen wurde als Dank, Votivgabe und Mahnmal für den Frieden.

Anlass war wahrscheinlich der erste Jahrestag des Friedens von Rastatt. Ihr liegt wohl ein Entwurf von Joseph Greissing zugrunde.

1717 wurde der Hochaltar von 1690 ins Langhaus versetzt und dieses 1717 eingeweiht. 1718 wurde die Verlängerung von Querhaus und Chor begonnen. 1722 wurden Querhaus und Chor abgebrochen, was ursprünglich nicht geplant war.

Der Klosterzimmermann Caspar Bayerschmidt aus Berlichingen errichtete den Kuppeldachstuhl über der Vierung. Die anschließend von Schiesser ausgeführte Vierungskuppel musste aber wegen Einsturzgefahr wieder abgetragen werden,

was zur Entlassung von Schiesser führte. Dieser kehrte 73-jährig nach Waldsassen zurück. Im gleichen Jahr wurde die Kuppel von zwei Tiroler Baumeistern wieder aufgemauert.

Am 25. Juli 1727 wurde der Chor der jetzt fertiggestellten Kirche geweiht.

Abt Benedikt war nicht nur in Schöntal selbst als Bauherr tätig. 1706 wurde die Wallfahrtskirche von Neusass umgebaut und das Langhaus verlängert. Von 1713-1732 wurde Schloss Aschhausen umgebaut und erweitert. Es diente als Sommersitz der Äbte und der letzte

Schöntaler Abt Maurus Schreiner bekam es nach der Säkularisation als Altersruhbesitz zugewiesen, wo er 1811 blind und taub starb.

Von 1720-1724 ließ er Schloss Ebersberg in Auenwald, heute im Rems-Murr  Kreis nach einem Brand neu erbauen. In Bierungen ließ er 1723/24 die Pfarrkirche St. Kilian neu erbauen und 1724 in Winzenhofen die Pfarrkirche umbauen.

Nicht nur als Bauherr war Abt Benedikt tätig. Er war auch Schriftsteller. Er schrieb mehrere Werke, die sich mit der Klostergeschichte befassen. Am bekanntesten sind die Knittelverse, wobei diese nicht auf ihn zurückgehen sondern auf das Versmaß und heißt übersetzt Reimvers.

Viele seiner Verse sind noch heute über Türen, an Wänden oder unter Fresken zu sehen.

Abt Benedikt starb am 21.August 1732 kurz vor seinem Goldenen Abtsjubiläum im  49.  Regierungsjahr an Krankheit, Altersschwäche und Arbeit erschöpft, mit 82 Jahren. Sein Epitaph hatte er schon 10 Jahre vor seinem Tod in Auftrag gegeben.

In seiner Regierungszeit lebten etwa 40 Mönche im Kloster und 30 Konversen, die außerhalb des Klosters lebten.

Sein Nachfolger wurde Angelus Münch (1732–1761) Abt Angelus setzte die Bautätigkeit seines Vorgängers fort. 1737 ließ er das mittelalterliche Refektoriumsgebäude abbrechen. Der Verbindungstrakt und Westflügel wurde jetzt gebaut..

Abt Angelus hatte damit den in Berlichingen wohnhaften Baumeister Christian Fluhr beauftragt. Bis 1740 ist das Refektorium, der Treppenhausrisalit und der nördliche Teil der “Neuen Abtei” gedeckt. 1743 starb der Baumeister.

Das  neue Treppenhaus wurde von 1743-46 in Klosterregie gebaut. Mit dem Deutschordensbaumeister Georg Philipp Wenger (1701–1763) schloss Abt Angelus einen neuen Vertrag für die Fertigstellung des Südteils, die bis zum Ende seiner Regierungszeit 1761 dauerte.

Die Malereien stammen von Franz Erasmus Asam, dem Sohn von Cosmas Damian Asam. In seinen letzten 12 Jahren war er mittellos und gelähmt, konnte aber im Kloster Schöntal bleiben.

Abt Angelus stattete das Kloster auch für mehrere Tausend Gulden mit Paramenten,Pontifikalien und Kirchengeräte, darunter eine kostbare Monstranz aus.

In seiner Regierungszeit setzte schon eine gewisse Disziplinlosigkeit des Konvents ein, die dann bei seinem Nachfolger offen zu Tage trat.

Abt Angelus resignierte am 12.Mai 1761 und starb schon im Frühjahr 1762.

Sein Nachfolger Augustin Brunnquell (1761–1784) stammte aus Lauda und hatte seine Profess am 8. Dezember 1749 in Kloster Schöntal abgelegt. Er war Pfarrer in Bieringen.

Unter Vorsitz des Kaisheimer Vaterabts Cölestin Mermos (1739–1771)wurde er nach drei Wahlgängen in einer Minderheitswahl mit Drittelmehrheit gewählt. Da diese nicht kanonisch war, ließ  er sich nicht nur von Generalabt  Francois Trouvé (1748-1797)

sondern auch von Rom bestätigen. Am 2. August 1761 erhielt er die Benediktion von Abt Cölestin in Kaisheim. War schon seine Wahl sehr schwierig, so brachte er den Konvent durch seine Strenge weiter auf. Der Konvent beschwerte sich beim Würzburger Bischof,

der sich auch einschaltete. In seiner Regierungszeit wurde sein Kloster dreimal visitiert, einmal von Abt Cölestin, einmal von dem Bronnbacher Abt Ambrosius Balbus (1752–1783) als Delegat des Generalabtes und einmal durch den neuen Kaisheimer Abt

Cölestin II. Angelsbrugger (1771–1783 ). Der Konvent führte Prozesse gegen Abt Augustin und lag am Schluss in regelrechtem Kriegszustand mit ihm. Das führte dazu, dass im Dezember 1784 resignieren musste.

Zu seinem Nachfolger wurde Maurus Schreiner (1784–1802 ) gewählt. Er hatte 1762 seine Profess in Schöntal abgelegt. Er trat ein sehr schweres Erbe an und war erst mal gezwungen, 1786 das Gut Eberberg zu verkaufen,um die Prozesskosten, die die Streitigkeiten seines

Vorgängers verursacht hatte, bei Kaiser, Papst und Bischof zu bezahlen.

Zweimal drohte seinem Kloster die Aufhebung. Einmal durch Kaiser Joseph II. 1765-1795) und die josephinische Reform, mit der alle Orden,  die im volkswirtschaftlichen Sinne unproduktiv waren, also keine Krankenpflege, Schulen oder andere soziale Aktivitäten betrieben,

aufgehoben wurden.  1798 plante der Kurstaat Mainz, Schöntal zu seinen Gunsten zu säkularisieren. Das geschah dann aber 1802 mit dem Reichsdeputationshauptschluss.

Am 16. Oktober wurde Kloster Schöntal durch eine Kompanie württembergische Jäger besetzt. Am nächsten Tag wurde das Besitzergreifungspatent verlesen und die Untertanen von ihrem Eid entbunden.

Abt Maurus war darauf schon vorbereitet gewesen. Er hatte den Pächtern die Pacht ermäßigt, das Jägerhaus und die Fischweiher an die Verwalter verschenkt oder billig verkauft und das Geld an die Konventualen verteilt.

Diese Massnahmen führten noch zu einer langwierigen Untersuchung gegen ihn. Abt und Konvent durften zunächst im Kloster bleiben. Abt Maurus erhielt später Schloss Aschhausen als Ruhesitz, wo er am 17. August 1811 verstarb.

1807 wurde die Klosterkirche zur katholischen Pfarrkirche erklärt. 1811 wurde im Kloster ein evangelisches Seminar errichtet. Dieses bestand bis 1975.

Heute werden die Gebäude von der Diözese Rottenburg-Stuttgart als Tagungshaus genutzt. Kloster Schöntal zählt zu den landeseigenen Monumenten und wird von der Einrichtung Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg betreut.

04 Mrz 2021

Zisterzienserkloster Schönau/Odenwald

                                                                              Schönau - Zisterzienserkloster Schönau 1142-1560 2016-04-10 16-56-23.JPG

Bischof Burchard (1115-1149), auch Buggo genannt, wurde 115 von Kaiser Heinrich V. (1111-1125) wurde 1115 in Worms auf den verwaisten  Bischofsstuhl gesetzt und war vorher Hofkaplan des Kaisers.

1142 wurde auf seine Initiative das Zisterzienserkloster in Schönau im Odenwald gegründet. Er hatte deshalb beim Generalkapitel der Zisterzienser in Citeaux um die Errichtung einer Abtei in dem zu seiner Diözese gehörenden Steinachtal gebeten.

Dieses beauftragte das 1136 von Citeaux aus gegründete Kloster Eberbach im Rheingau mit dieser Aufgabe. Am 21. März 1145 zogen 12 Eberbacher Mönche und ein Abt ins Steinachtal. Damit wurde Schönau die erste Tochtergründung von Eberbach unter Abt Ruthard (1136-1157),

der rasch weitere folgten. Burchhard gab dem Kloster die Talsohle des Steinachtals.Bischof Burchard starb 1149 und wurde auf eigenen Wunsch im Kloster Schönau beerdigt. Sein Nachfolger Konrad I. von Steinach (1150-1171) war ebenfalls ein großer Förderer der Gründung und erweiterte die Stiftung seines Vorgängers beträchtlich. Konrad war schon in der Stiftungsurkunde als Zeuge aufgetreten.

Im September 1169 nahm Kaiser Friedrich I. (1155-1190) Kloster Schönau mit all seinen Besitzungen in seinen Schutz. (RI IV,2,3 n. D1848.) Das passte auch zu Konrad I. dem Würzburger Bischof, der nicht nur ein bedeutender Förderer des Klosters war sondern auch ein

überzeugter Parteigänger der Staufer. Er war auf dem ersten und zweiten Italienzug des Kaisers dabei und Friedrich Barbarossa war auch öfters in Worms bei Konrad. Der Zisterzienserschutz war Bestandteil der staufischen Hausmachtspolitik. An die Stelle der kaiserlichen Schutzherrschaft trat dann die Schirmherrschaft der Pfalzgrafe bei Rhein, deren Hauskloster Kloster Schönau und die Grablege der Pfalzgrafen wurde. Aber auch die Pfalzgrafen bei Rhein gehörten in dieser Zeit zu den Staufern. So hatte Friedrich Barbarossa seinen Halbbruder Konrad von Staufen 1156 zum Pfalzgrafen (1156-1159)gemacht. Konrad war auch Vogt von Kloster Schönau. 1182 verlegte er seine Hofhaltung von der Burg Stahleck bei Bacharach nach Heidelberg, das auch Sitz seiner Vogtei über Schonau wurde. Konrad starb 1195. Er wurde in Schönau bestattet.

Auch seine Gemahlin Irmingard, die 1197 starb, fand ihre letzte Ruhestätte in Schönau.

Eine erste “Berühmtheit” von Kloster Schönau war Hildegund von Schönau. Sie war die Tochter von Harper von Helpenstein, eines Ministerialen des Erzbischofs von Köln. Sie machte 1183 eine Wallfahrt mit ihrem Vater nach Jerusalem. Dieser starb aber auf der Überfahrt von Brindisi nach Tyrus.

Die Heimreise unternahm sie in Männerkleidern um unterwegs nicht belästigt zu werden und nannte sich Josef. Sie besuchte dann eine Verwandte in Speyer und trat als Novize in Kloster Schönau ein. Mit nur 18 starb sie dort und erst bei der Leichenwäsche wurde entdeckt, dass sie eine Frau war.

Sie wurde im Chor der Klosterkirche von Schönau bestattet und stand bald im Ruf der Heiligkeit.

1180 geschah, was später als “Stiefelrevolte” bezeichnet wurde. Die Konversen spielten eine ganz wichtige Rolle im Funktionieren eines zisterziensischen Klosters. Denn mit ihrer Arbeitskraft wurden die Grangien betrieben. Wie wesentlich sie waren, zeigte sich, als im 13. und 14. Jahrhundert immer

weniger Konversen ins Kloster eintraten, was alle Klöster zwang, die Eigenwirtschaft einzuschränken, auf Verpachtung umzustellen oder neue Geschäftsfelder zu suchen, zum Beispiel Finanzdienstleistungen anzubieten, Patronatsrechte zu erlangen. (siehe Mei Büchle Kloster Eberbach)

Nach der Ordensregel galten Konversen und Mönche als gleichwertig.Die Praxis war aber doch von der Theorie sehr verschieden. Das zeigte sich ja schon in der Baulichkeit. Es gab das Herrenrefektorium und das Laienrefektorium (Beispiel Maulbronn) Mönchschor und Laienchor waren durch die Chorschranke getrennt. Konversen konnten in der Regeln nicht lesen und schreiben. Sie sollten keine Bücher haben. Konversen hatten weniger Feiertage als Mönche. Oft kamen zwei Konversen auf einen Mönch.

Bei der Stiefelrevolte, wie das Herbert Derwein (Das Zisterzienserkloster Schönau mit den Zeichnungen des 16. Jahrhunderts aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg , Frankfurt  1931 S. 35 ff) nennt, geht es darum, dass die Konversen Stiefel  eigentlich tragen sollen, bis sie abgelaufen sind.

In Schönau gab es aber jährlich neue, unabhängig vom Sohlenzustand. Abt Gottfried wollte nun aber, wie es die Ordensregel vorsah, die Stiefel erst ersetzen, wenn es nötig war. Dagegen gab es massiven Widerstand. Die Konversen wollten ihre Stiefel einfach zerschneiden.

Plötzlich starb der Anführer. Damit endete der Aufstand, bevor er richtig losging. Der Funke sprang aber über aufs Mutterkloster. Eberbach hatte mehrfach enorme Probleme mit seinen Konversen. 1241 wurde Abt Rimund verstümmelt und 1261 wurde Abt Werner von einem Laienbruder sogar erschlagen. Auch andere Klöster hatten ähnliche Probleme. In Heilsbronn konnte ein Abt seinen Dienst auch nicht mehr ausführen. (siehe dazu ebenfalls Kloster Eberbach in Mei Büchle)

Abt in Schönau war zur Zeit der Stiefelrevolte Gottfried. Er ist von 1182-1191 belegt. Sein Todestag ist der 5. September. Er gilt auch als Ordensheiliger. Allerdings ist seine Verehrung nicht nachweisbar. Deshalb wird er von den Bollandisten auch übergangen. (Die Gesellschaft der Bollandisten ist eine Arbeitsgruppe, die die Lebensgeschichte der Heiligen der katholischen Kirche in kritischen Ausgaben auf handschriftlicher Grundlage zusammenstellt.

Unter Abt Gerhard fand noch die Gründung von Kloster Bebenhausen statt.

Pfalzgraf Rudolf I. von Tübingen hatte 1183 beim Dorf Bebenhausen ein Kloster gestiftet, das zunächst von Prämonstratenser besiedelt wurde. Diese verließen das Kloster aber schon vor 1189/1190 wieder. Eine Anfrage des Pfalzgrafen in Citeaux wurde durch eine Kommission, die die Örtlichkeit

untersuchte, positiv beschieden und das Kloster Schönau mit der Gründung beauftragt. Schönau war wirtschaftlich und personell in der Lage zur Gründung in der Lage. 1190 wurde der Gründungsabt Diepold  mit 12 Mönchen nach Bebenhausen geschickt.

Bebenhausen war die einziger Schönauer Tochter. Aber die Zisterzienserinnenklöster Ramsau, Lobenfeld und Neuburg unterstanden zeitweilig dem Schönauer Abt.

Nachfolger von Abt Gottfried war Abt Diepold 1196- 1198, danach Abt in Eberbach und dort gestorben 1221. Allerdings gibt es zu Biographia Cisterciensis, die dieser Liste zu Grunde liegt eine Differenz zur Überlieferung von Kloster Eberbach. In  R. Hermann Bärs Diplomatische Geschichte der Abtei Eberbach, Wiesbaden 1855, S.141) wird ein Abt Theobald genannt, der aber 1206 nach Eberbach als Abt berufen wird und dort 15 Jahre Abt bleibt und dort 1221 stirbt. Dann wäre dieser Theobald identisch mit Abt Diebold aus der Biographia Cisterciensis.

Abt Berthold würde dann entfallen. Im Kopialbuch der Abtei Schönau sind für diesen Zeitraum keine Urkunden vermerkt und im Landesarchiv Karlsruhe finde ich auch keine Urkunden mit einem Abt Berthold.

Um 1200 wurden die bisher provisorischen Holzbauten des Klosters durch massive Bauten ersetzt und auch durch eine Ringmauer umgeben.

Am 18. Mai 1204 bestätigte Papst Innozenz III. (1198-1216) Kloster Schönau die Privilegien und Besitzungen des Klosters. Die Privilegien waren weitreichend. Es sollte von allen Zehntabgaben befreit bleiben. Abgaben waren weder von unbebautem noch kultivierten Land zu entrichten.

Auch Fischwasser und Viehbestand blieben davon unberührt. Zwar war das Kloster nicht exemt. Aber es hatte kirchenrechtlich doch eine Sonderstellung. Die Äbte aus Schönau waren von der Teilnahme am von Bischof einberufenen Synoden befreit. Es gab keine Kontrolle durch Diözesanvisitationen.

Auch die Wahlen des Abtes fand ohne Einfluss des Wormser Bischofs statt. dieser nahm nur die Weihe der Novizen vor. (E Nr. 6, Verweisung Generallandesarchiv Karlsruhe)

9 Jahre später hat Papst innozenz eine weitere Bulle erlassen. dieses Mal wird der Erzbischof von Mainz gebeten, Schönau zu schützen. Es hat wohl diesbezüglich Vorfälle gegeben, denn der Papst wurde nur aktiv, wenn etwas passiert ist, bzw. wenn er darum gebeten wurde.

“Papst Innocenz III. befiehlt dem Erzbischof von Mainz, das Kloster Schönau im Besitz seiner Privilegien und Güter zu schützen und ihm die abhandengekommenen Einkünfte durch Androhung eventueller Anwendung von Kirchenstrafen wieder zu beschaffen.” {E Nr. 13, Verweisung}

Generallandesarchiv Karlsruhe. Die Urkunde wurde am 20.Juli 1213 ausgestellt. Erzbischof war zu der Zeit Siegfried II. von Eppstein (1200-1230)

Der er Mißstand scheint allerdings rund 30 Jahre später noch nicht beseitigt gewesen zu sein. Denn sein späterer Nachfolger Innozenz IV. (1243-1254)stellte  am 31. März 1244 eine weitere Urkunde aus. Dieses Mal richtete sie sich an den Erzbischof von Mainz und seine Suffragane. Das sind

die dem Erzbischof unterstellte Diözesanbischöfe. {E Nr. 73, Verweisung} Generallandesarchiv Karlsruhe. Erzbischof war Siegfried III. von Eppstein (1230-1249)der Nachfolger des Empfängers der ersten Urkunde.

Abt Daniel regierte von 1208-1218. Er war erst Domherr in Köln. dann trat er ins Kloster Himmerod ein. Dort wurde er zum Prior gewählt und kam dann nach Schönau, wo er Abt wurde. Er konnte den klosterbesitz vermehren.

er starb 1218 im Ruf der Heiligkeit. Sein Gedenktag ist der 27. Juni (katholisch)

Am 20. Juli 1255 erteilte Papst Alexander (1254-1261) Kloster Schönau das Privileg “in geistlichen Angelegenheiten, welche die zum Kloster gehörigen Orte betreffen, eigenständig Entscheidungen zu treffen”. (Kopialbuch Nr. 18)

Ein weiteres Recht räumte Papst Alexander dem Kloster am 10. Januar 1266 ein, nämlich nach eigenem Ermessen auf seinem Friedhof Bestattungen durchzuführen. (Kopialbuch Nr. 20)

Es waren bereits und wurden eine Reihe nicht Klosterangehörige bestattet. Leute die auf dem Klosterfriedhof beerdigt werden sollten, gaben dem Kloster in der Regel reichlich Spenden dafür.

So wurden die Bischöfe Burchard II. von Worms ( +1149), der Klosterstifter in Schönau beerdigt. Konrad II. von Riesenberg Bischof von Hildesheim von 1221-1246, + 18. Dezember 1249. Er stammte wahrscheinlich aus der Familie der Schenken von Erbach, die eine enge Beziehung zu Kloster Schönau hatten.

Eberhard von Strahlenberg wurde 1291 als Bischof gewählt starb aber schon zwei Jahre später bei einem Romaufenthalt. Auf seinen Wunsch wurde er in Schönau bestatte. Seine Familie war schon vorher als Gönner des Klosters in Erscheinung getreten. So hatten 1250 seine Mutter und seine Brüder

die Weinberge des Klosters von Abgaben befreit.Schönau war vor allem die Grablege der Pfalzgrafen (s.o). Die Schirmherrschaft der Staufer ging ja im 12. Jahrhundert auf die Pfalzgrafen über. Neben Pfalzgraf Konrad von Staufen ist auch Pfalzgraf Heinrich IV. (+1214),

Pfalzgraf Adolf (+ 1327) und Kurfürst Rupprecht II (+ 1398) in Schönau bestattet.

Der Klosterbau war in der Mitte des 13. Jahrhunderts weitegehend beendet. Die Kirche stand an der Nordseite der Klausur und war etwa so groß wie die Kirche in Eberbach und größer als die Kirche in Maulbronn. Von der Klosterkirche, die um 1230 fertig war,

sind nur noch an einer Ausgrabungsstätte die halbrunden Nischen der Seitenkapellen im nördlichen Querschiff der Klosterkirche sowie die freigelegten Fundamente des Westportals der Klosterkirche zu sehen. Ebenfalls erhalten ist das Klostertor.

Das ehemalige Herrenrefektorium wird heut als evangelische Stadtkirche benutzt. Das Brunnenhaus wurde in die katholische Pfarrkirche integriert. die Brunnenschale steht heute auf dem Marktplatz.

Die Hühnerfautei stand außerhalb der Klausur. Sie wurde 1250/1251 errichtet und gilt heute als Deutschlands ältestes Profangebäude. Hier wurden die Steuerleistungen in Geld oder Naturalien entrichtet. Östlich von der Hühnerfautei stand der Wirtschaftshof des

Klosters, ein spätgotischer Speicherbau. In der Staatsgalerie Stuttgart gibt es dazu ein Aquarell aus dem kurpfälzischen Skizzenbuch. Auch die Klosterschmiede existiert noch. Es ist das von den Wallonen aufgestockte “Wallonenhaus”. Zisterzienserklöster waren immer Eigenbetriebe,

wo alles hergestellt wurde, was ein Kloster brauchte. 

Weiter im chronologischen Verlauf.

1256 gestattet Papst Alexander dem Kloster, bewegliche und liegende Güter (Lehen ausgenommen) von Personen, die in das Kloster eintreten, anzunehmen. (Kopialbuch Nr. 21)

1267 erklärte der Mainzer Erzbischof Werner von Eppstein (1259-1284 ) dass das Kloster Schönau von dem auf die Futtermittel für ihre Tiere in Viernheim zu zahlenden Zehnten befreit ist (Kopialbuch Nr. 8 24. August 1267, Laach)

Am 6. März 1262 kaufte Schönau einen Hof in Worms. Außerdem hatte Schönau Stadthöfe in Speyer und Frankfurt.  Kloster Schönau wurde 1224 von Bischof Beringer von Entringen (1224-1232) von allen Zahlungen befreit und

seine Besitzungen in der Stadt genossen dieselben Rechte, die alle anderen Bürger besitzen. (Kopialbuch 266) Der Schwerpunkt der städtischen Besitzungen lag aber in Heidelberg. Hier besaß das Kloster 40 Häuser, betrieb eine Mühle.

Die Neckarfähre befand sich ebenfalls im Besitz des Klosters. 1218 hatte sich das Kloster das Fährrecht in Heidelberg von Lutfrid von Waibstadt erworben (Kopialbuch 59). Es gab dann noch einige Klagen, aber 1245 waren alle zurückgezogen (Kopialbuch S63)

Auf dem sogenannten Mönchhof in Heidelberg wurden die Überschüsse des Klosters vermarktet. Er wurde zum ökonomischen und administrativen Zentrum des Klosters ausgebaut.

Schon 1225 befreite Pfalzgraf bei Rhein Ludwig I. (1214-1231) Kloster Schönau von Abgaben bei Ein-und Ausfuhr von Gütern nach Heidelberg (Kopialbuch Nr. 47)

Am 21. Dezember 1387 bewilligte Papst Urban VI. (1378-1389) die Einrichtung des Hauses zu St. Jakob für studierende Zisterzienser, Papst Bonifaz IX. (1389-1404) 1390 vollzieht und das Haus St. Jakob unter die Aufsicht des Schönauer Abtes stellte.

Auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung hatte Kloster Schönau etwa 300 Mönche und etwa 300 Konversen (laut kloester-bw.de/klostertexte) das waren mehr als das Mutterkloster Eberbach vorweist, das nach Schätzungen bei etwa 150 Mönchen lag.

Um 1400 gab es in Deutschland etwa 2.800 Städte mit weniger als 1000 Einwohnern.

Schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts ging das Kloster mit seiner Landwirtschaft zunehmend zunehmend von Eigenwirtschaft auf Verpachtung über. Eine Tendenz, die in allen Zisterzienserklöstern zu beobachten ist.

Das hängt vor allem mit dem Rückgang der Konversen zusammen. Die Konkurrenz der Bettelorden, die im 13. Jahrhundert aufkamen, sorgte dafür, dass junge nichtadelige Männer sich vor allem den Franziskanern und den Dominikanern anschlossen.

In der Erwerbspolitik der Klöster führte das dazu, das zunehmend versucht wurde, einträgliche Patronatsrechte und Zehntrechte zu erwerben. (siehe dazu auch Mei Büchle Kloster Eberbach, Kloster Otterberg)

Kloster Schönau hatte im Gegensatz zu vielen Zisterzienserklöstern nie unter feindliche Zerstörung zu leiden,, was daran lag, dass die pfalzgräflich/kurfürstlichen Schirmherren über Jahrhunderte einen wirkungsvollen Schutz boten.

Im Gegenzug dazu griff der Schutzherr der Abtei im Bedarfsfall aber auch auf die finanziellen Ressourcen des Klosters zurück. So musste es in Kriegszeiten “Reiswagen” stellen, das waren Pack-und Frachtwagen für Feldzüge einschließlich der Zugtiere und

Knechte. Das Kloster war auch zur finanziellen Unterstützung der Heidelberger  Universität verpflichtet.

Schönau geriet vor der Reformation in eine Wirtschaftskrise. Die Abtei war zum Verkauf von Klosterbesitz gezwungen. Nach Schaab (Die Zisterzienserabtei Schönau im Odenwald. Heidelberg (2. unveränderte Aufl. ) 1990. ) war diese Krise eher Folge solch externer Beanspruchung als

wirtschaftlicher Zerrüttung. Philipp (1476-1508) war am Landsberger Erbfolgekrieg beteiligt. Sein Nachfolger Ludwig V. (1508-1544) hatte noch mit den folgen dieses Krieges zu kämpfen. Er hatte heftige Kämpfe mit seinen Nachbarn zu führen. (siehe dazu Mei Büchle Kloster Otterberg)

Den Bauernkrieg beendete er mit der Schlacht bei Pfedersheim.

Kurfürst Ottheinrich (1556-1559) führte 1557 die Reformation nach lutherischer Ausrichtung ein. 1558 hob er das Kloster Schönau auf. Die Verwaltung der Liegenschaften und die grundherrlichen Rechte wurden von der bis heute bestehenden Pflege übernommen.

Der letzte Abt Wolfgang Kartheuser 1554–58) ging nach Worms und starb dort am 24. August 1563. Er ist in der Andreaskirche in Worms bestattet.

1562 wurden calvinistische Glaubensflüchtlinge aus Wallonien  in Schönau angesiedelt. Sie waren zwar zum Erhalt der Klosteranlage verpflichtet, nahmen aber zahlreiche Umbauten vor, so dass sich von der ursprünglichen Klosteranlage kaum mehr etwas erhalten hat.

 

Äbte Kloster Schönau nach Biographia Cisterciensis

1. Konrad I. 1152-1153

2. Gottfried I. 1184–1196

3. Diepold 1196–1198  gest. 1221, später Abt von Eberbach

4. Berthold I. 1200

5. Walther 1206–1208

6. Daniel 1208–1218

7. Christian 1218–1222

8. Konrad II. 1222–1223

9. Berthold II. 1223–1232

10. Konrad III. 1233–1240

11. Ulrich 1240–1245

12. Rudolph 1245–1249

13. Heinrich 1249–1258

14. Ebelin 1259–1263

15. Otto 1263–1279

16. Friedrich I. 1279–1281

17. Wernher 1282–1287

18. Johann I. 1287–1299

19. Friedrich II. 1299–1304

20. Peter I. Kleman 1304–1307

21. Hugo 1307–1312

22. Jakob I. 1312–1321

23. Engelbert 1323–1327

24.
Ludold
1341–1343

25.
Trutwin
1350

26.
Johann II.
1356–1360

27. Heilmann 1360–1363

28. Peter II. 1375–1392 gest. 1395 in Eberbach

29. Gottfried II. 1392–1400 aus Schriesheim

30. Eberhard I. 1400–1405

31. Marquard 1405–1406

32. Konrad IV. 1423–1438

33. Johann III. Marstaller 1440

34. Gerhard 1450–1459 Professor der Theologie

35. Peter III. 1461–1464

36. Johann IV. von Lindenfels 1465–1475 gest. als Abt von Eberbach

37. Eberhard II. 1479–1491

38. Nikolaus I. von Neidenstein 1491–1501

39. Jakob II. 1503–1520

40. Markus 1520–1523

41. Nikolaus II. Senger 1523–1526 aus Heidelberg

42. Lorenz Ortt 1527–1529

43. Sebastian Pfungstein 1529–1554 aus Heidelberg; auf dem Grabstein als 50. Abt bezeichnet

44. Wolfgang Kartheuser 1554–1563 aus Worms; ging nach der Aufhebung des Klosters nach Worms, dort gest. 24. Aug. 1563 und in der Andreaskirche begraben

23 Feb 2021

Zisterzienserkloster Otterberg

                                                                                                Abteikirche Otterberg

Das Zisterzienserkloster Otterberg wurde 1143 als zweites Tochterkloster des Kloster Eberbach, einer Tochter der Primarabtei Clairvaux gegründet.

Nach Franz-Xaver Remling Urkundliche Geschichte der ehemaligen Abteien und Klöster im jetzigen Rheinbayern, Neustadt 1836,S. 216, hatte ein Graf Siegfried, Sohn des Babo von Kesselberg

1143 dem Kloster Eberbach die Alte Otterburg gestiftet. Nach den Forschungen von Gerhard Kallers ist nur mit seinem Vornamen Siegfried benannte Stifter mit Graf Siegfried (IV.) von Boyneburg-Northeim (reg. 1107–†1144) identisch. Er war wohl auf dem Erbweg in den Besitz der Otterburg und des umliegenden Territoriums gelangt. 1143 überließ der Mainzer Erzbischof Heinrich I. von Wartburg in Gegenwart zahlreicher Zeugen dem Abt Ruthard des 1135 gegründeten Zisterzienserklosters Eberbach im Rheingau die Kirche in der alten Burg Otterburg (eccl[es]iam in antiquo castro oterburc sita[m]) zur Gründung eines [Tochter-]Klosters.

Zum Zeitpunkt der Stiftung regierte in Eberbach noch der erste Abt Ruthard (1136-1157) Er schickte daraufhin Abt Stephan mit 12 Mönchen als Gründungskonvent nach Otterberg, wie das Zisterzienserklöster bei der Gründung von Tochterklöstern immer handhabten.

Otterberg war nach Kloster Schönau im Odenwald (1142) die 2. Tochtergründung von Kloster Eberbach. Da bestand das Mutterkloster auch erst 10 Jahre

Der 1. Abt war Stephan. Die Alte Burg war für eine Klosteransiedlung nicht besonders gut geeignet.Die Schwierigkeiten scheinen aber so groß gewesen zu sein, dass der neue Konvent schon daran gewesen ist, aufzugeben und nach Eberbach zurückzukehren.

Die heilige Hildegard von Bingen, die mit ihrem Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen nicht allzu weit weg vom Mutterkloster Eberbach lebte und wohl auch in gutem Kontakt zum dortigen Abt Ruthard stand, soll von Ruthard wohl auf die Schwierigkeiten in Otterberg

hingewiesen, den Mönchen dort Mut gemacht und sie zum Bleiben ermuntert haben.

Die Klosteranlage wurde nun ab 1168 am Otterbach gebaut und auch mit dem Bau der Klosterkirche begonnen

Das neue Kloster erhielt rasch viele Schenkungen vom umliegenden Adel. Aber auch Äbte von Klöstern in der näheren Umgebung bedachten Otterberg mit Schenkungen.

So schenkte um 1149 Abt Eggehard (1133-1158) von dem Benediktinerkloster auf dem Michaelsberg bei Sinzheim den Blutzoll auf dem Hanauer Hof bei Dielkirchen. Das ist relativ nah bei Otterberg. Der Blutzehnt ist eine Abgabe, die in Fleisch-oder Tierprodukten besteht.

Abt Sieghard von Lambrecht (1153-1166) übergibt um 1155 Abt Stephan einen Acker auf dem Michaelsberg bei Dürkheim. Abt Heinrich von St. Alban in Mainz überließ dem Kloster um 1180 einige Leibeigene. (alle Urkunden in Urkundenbuch des Klosters Otterberg in der Rheinpfalz

herausgegeben von Michael Frey und Franz-Xaver Remling , Mainz 1845, Seite 1 ff)

Abt Stephan starb 1173. Auf ihn folgte Albero, der aber bald nach seinem Regierungsantritt resignierte, aber noch bis 1209 im Kloster lebte.

Auch sein Nachfolger Wilhelm regierte nicht allzu lange.Franz-Xaver Remling nennt allerdings keinen Wilhelm sondern Gerwin als Nachfolger von Albero. Nach Remling resignierte dieser ebenfalls bald.

Sein Nachfolger Abt Philipp war unter Gerwin Prior. Vor seinem Eintritt in den Zisterzienserorden war er Kanoniker in Köln. Er hatte in Paris studiert.

Im November 1195 war Kaiser Heinrich VI. (1191-1197) in Kaiserslautern. Aus diesem Anlass nahm er Kloster Otterbach in seinen Schutz und bestätigt seine Besitzungen.

“nimmt wegen der Ergebenheit und Frömmigkeit der Brüder das Kloster und die Brüder zu Otterberg (monasterium et fratres de Otterburg) mit allem Besitz in seinen Schutz und bestätigt ihnen die Besitzungen zu Ungenbach (Ungenbach), Horterhof (Honwarten), Messersbacherhof (Mazoldersbach), Hanauerhof (Hagenauwen), Heubergerhof (Heydeberg), Bischheim (Byschovesheim), Hessloch (Heseloch), Eich (Eichen), Börrstadt (Byirscheit), Hochspeier (Hospiren), Stüterhof (Hulsberg), Schwanden (Swanden), Weiler (Wilre), Erlenbach (Erlebach), Rode (Rode), Messerschwanderhof (Metzelswanden), Kaiserslautern (curiam Lutree) und Worms (curiam Wormatie).” (RI IV,3 n. 485) Die Urkunde wurde am 28. November 1895 in Kaiserslautern ausgestellt.

Bei den Besitzungen von Erlenbach und Metzelschwanden gab es später Probleme wegen vogtlicher Rechte in Erlenbach und Metzelschwanden,  weil Merbodo von Saulheim und dessen Bruder dort vogteiliche Rechte geltend machen wollten. Erst Kaiser Otto IV. (1208-1212)

beendet im Frühjahr 1209 den Streit (RI V,1,1 n.274)und nimmt nach Remling das Kloster und seinen Besitz in seinen Schutz (S. 219)

1208 rügt Papst Innozenz III.(1198-1216) die Nichtachtung der päpstlichen Freiheiten in einer am 27. Februar 1208 im Lateran ausgestellten Urkunde. (Urkundenbuch S. 6)

Friedrich II. (1220-1250) bestätigte dem Kloster am 29. Mai 1215 die Schenkung des Patronatsrechts von Santbach, das einst Domprobst Ulrich zu Worms dem Kloster verliehen hatte. Dessen Bruder Werner hatte sich aber derselben gewaltsam bemächtigt, sie danach aber “reumütig” dem Kloster zurückgegeben. Mit der Urkunde RI V,1,1 n. 800 bestätigte der Kaiser nun die Schenkung.

Es gab auch zwei weitere Papsturkunden für das Kloster, eine von Papst Innozenz III. um 1215, in der dieser dem Kloster verschiedene Freiheiten und Rechte erteilt (Urkundenbuch des Klosters Otterbach S. 11 ff) und eine von seinem Nachfolger

Papst Honorius (1216-1225) ausgestellt im Lateran am 13. Januar 1218. Mit dieser Urkunde bestätigt der Papst die Freiheiten die Zehnten des Kloster Otterbach. (Urkundenbuch S. 21) Alle drei Papsturkunden fallen in die Regierungszeit von Abt Philipp.

Eine weitere Bestätigung erteilt Papst Honorius am 24. April 1220. In dieser Urkunde bestätigt er den Besitz des Klosters. (Urkundenbuch S. 28).

Am 10. Mai 1254  wurde die Klosterkirche durch Weihbischof Arnold von Semgallen geweiht. Arnold gehörte ebenfalls dem Zisterzienserorden an und hatte schon als Mitkonsekrator an der Weihe von der Kirche in Morimond 1253 mitgewirkt.

Die Otterberger Kirche ist 79,5 m lang und 20,5 m breit. Sie ist nach dem Speyrer Dom die zweitgrößte Kirche der Pfalz und die größte und besterhaltene Klosterkirche der Pfalz.

Unter Abt Philipp hatte der wirtschaftliche Aufstieg des Klosters begonnen. 2015 besaß Kloster besaß schon 20 Höfe. Der Schwerpunkt des Besitzes lag um Otterberg. Aber auch am Rhein gab es Besitzungen wie bei Worms und Bockenheim.

1925 wurde der Kapitelsaal des Klosters wiederentdeckt und dabei bei Grabungen auch das Grabmal von Abt Philipp. Er wurde dann in die Apsis der Klosterkirche umgebettet.

Der Abt starb 1225.

Auf ihn folgte Abt Johannes, der wohl auch nur kurz regierte. Auch sein Nachfolger Herwig war nur ein Jahr im Amt.

Dieser erhielt von König Heinrich VII. (1220-1235 vom Vater Friedrich II. 1235 abgesetzt)  unter Abt Herwig die Beholzigungs-und Weiderechte des Klosters bestätigt. RI V,1,2 n.3968 .

Auf Herwig folgte Abt Gerhard, der von 1230-1236 regierte. König Heinrich VII. nahm am 25. April 1227 Kloster Otterberg in seinen besonderen Schutz  RI V,1,2 n. 4057 . Nach Remling befreite er die Abtei auch

vom Zoll in Lautern und Boppard (S. 221)

1239 gebot Papst Gregor IX. (1227- 1241) den Prälaten der Mainzer Provinz das Kloster Otterbach in seinen Rechten zu schützen. Die Urkunde wurde am 18. Mai 1239 im Lateran ausgestellt. (Urkundenbuch S. 52)

Dieselbe Urkunde gab Papst Innozenz IV. (1243- 1254) am 27. Februar 1254 an das Kloster.

Am 5. August inkorporierte der Mainzer  Erzbischof Christian II. von Bolanden (1249-1252) Kloster Otterbach die Pfarrei Santbach. Der Inkorporation stimmten kurz danach das Mainzer Domkapitel zu (Urkundenbuch S. 65) und auch

Papst Innozenz IV. bestätigte die Einverleibung am 30. September 1249 (ebda S. 67).

Walthelm stand dem Kloster von 1247-1259 vor. Er hatte eine Reihe von Rechtsstreitigkeiten durchzufechten.

1252 verzichtete ein Emmerich genannt Mulbaum auf seine Rechte an der Mühle in Santbach und schenkte sie dem Kloster. 1253 wird sie als Eigentum des Klosters genannt.

1255 erhielt er von Papst Alexander IV. (1254-1261) eine neue Schutzbulle.

1259 beauftragte der Mainzer Erzbischof Gerhard I. von Daun (1251-1259) Kloster Otterbach das Benediktinerkloster Disibodenberg mit seinen Mönchen  zu besiedeln. Es war wegen einer Fehde

zwischen  Gerhards Vorgänger Siegfried und dem Wildgrafen Konrad von Kyrburg und dadurch bedingten Kriegsausgaben hoch verschuldet. Das um sich greifende Raubrittertum verschlechterte die Lage des Klosters noch mehr. Die meisten

Mönche hatten es schon verlassen. Die hohe Zucht der Zisterziensermönche und die vorzügliche Verwaltung sorgten dafür, dass die Schulden bald gedeckt waren und das Kloster wieder blühte.

Nach Remling nahm der deutsche König Richard von Cornwall (1257- 1272) 1260 Kloster Otterbach in seinen Schutz und berechtigte es außerdem jährlich 30 Fuder (ein Fuder waren im Mittelalter am Rhein 1200, an der Mosel 1000 Liter)

eigenen Wein rheinabwärts zollfrei zu verschiffen. (S. 224).

Abt Walthams Nachfolger wurde Friedrich (1263-1264). Auch er erhielt in seiner kurzen Amtszeit einige Stiftungen.

Papst Alexander IV. gestattete dem Kloster am  7. Juli 1260 Erbschaften entgegenzunehmen. Urkundenbuch S. 102.

Sein Nachfolger Johannes (1267-1271) war zusammen mit dem Schönauer Abt Otto (1263–1279 ) im Auftrag des Generalkapitels unterwegs, um zu überprüfen, ob das Kloster Patershausen (heute in der Gemarkung Heusenstamm)

als  Zisterzienserinnenkloster in den Orden aufgenommen werden kann. Ihr Entscheid fiel positiv aus, Das Kloster wurde 1267 durch Papst Clemens IV. (1265-1268) als Zisterzienserinnenkloster bestätigt.

Auf Johannes folgte Abt Gottfried (1272-1276)

Abt Gottfried erhielt am 8. Februar 1273 von Papst Gregor X. (1271-1276) die Freiheiten und Ablässe für Kloster Otterberg bestätigt. (Urkundenbuch S. 134)

Am 10. September 1274 stellte König  Rudolf von Habsburg (1273- 1291) in Lautern eine Schutzurkunde aus, nachdem er gerade ein knappes Jahr im Amt war.

“bestätigt dem kloster Otterberg (ord. Cist. bei Kaiserslautern) alle privilegien und alle mit seinen nachbarn besonders betreffs der wälder Waldmarken und Brand geschlossenen vertrage, befiehlt dem schultheissen von Lautern das kloster allenthalten zu schützen und gewährt demselben allgemeine zollfreiheit, besonders aber in Lautern und Boppard “ (Rudolf – RI VI,1 n. 213) Darin werden auch die Waldmarken erwähnt, die immer wieder Anlass zu Streitigkeiten mit den Nachbarn gegeben haben. Außerdem werden dem Kloster mit dieser Urkunde

Zollfreiheiten in Kaiserslautern und Boppard eingeräumt. In einer weiteren Urkunde(Rudolf – RI VI,1 n. 216) , die am nächsten Tag ausgestellt wurde, befahl König Rudolf dem Grafen von Leiningen Emich IV (* um 1215 + vor 1279) einen Streit zwischen dem Kloster Otterberg und den Kolben von Wartenberg wegen der vom Kloster beanspruchten Waldrechte zu entscheiden und die nötigen Grenzsteine zu setzen. In derselben Angelegenheit stellte Rudolf im Januar 1275 nochmals eine Urkunde aus. (Rudolf – RI VI,1 n. 320) Dieses Mal beauftragte er Friedrich (1237- 1287) von Leiningen

Kloster Otterberg in seinen Waldrechten zu schützen. Graf Friedrich ist der Bruder von Graf Emich.

Die Wirtschaft Otterbergs basierte praktisch auf drei Säulen

Schon mit der Klostergründung wurde das Land um Otterbach urbar gemacht und landwirtschaftlich genutzt um die Versorgung der Mönche zu gewährleisten.

Was im Pflälzer Wald natürlich nahe liegt, ist der Waldbau. Das Kloster hatte rund um Otterberg  Waldbaurecht, die sogenannte Waldmark. Wie wichtig das für das Kloster war, zeigen die vielen Urkunden dazu und auch, dass immer wieder

Adlige beauftragt waren, diese Rechte durchzusetzen.

Der 3. Zweig war ausgedehnter Weinbau in der Vorderpfalz um Dürkheim und im Rheingau bis nach Boppard. Für das Kloster auch interessant die Befreiung von Zöllen (s.o.) So konnte z. B. Wein ohne Zoll auf dem Rhein verschifft werden.

Die Verwaltung der Weinberge wurde von Versorgungshöfen aus getätigt.

In Kallstadt besaß Kloster Otterberg einen großen Versorgungshof.  1279 freiten die Grafen Ludwig und Philipp den Hof in Kallstadt. Ein Jahr später erklärte die Gemeinde Kallstadt, dass der  Hof von Lasten gefreit ist.

In Deidesheim ist der Otterberger Hof um 1300 erstmals erwähnt. Das Kloster verwaltete von dort aus seinen Weinbesitz um Deidesheim.

In der Mitte des 13. Jahrhunderts, das war seine Blütezeit, besaß das Kloster 78 Höfe und hatte Besitztümer in 170 Städten und Dörfern.In Speyer hatte Otterberg einen Stadthof und ebenfalls in Worms.

Den ersten Besitz in Worms erhielt das Kloster durch eine Schenkung des Ritters Rudewin von Flomberg, die König Heinrich am 16. März 1222 bestätigte (Urkundenbuch S. 32 und Heinrich (VII). – RI V,1,2 n. 3870).

Viele weitere Schenkungen folgten in den Folgejahren bis 1273, so dass das Kloster n Worms über einen umfassenden Besitz verfügte.

Abt Gerhard II. regierte von 1292-1301. Er erhielt am 11. September 1293 von König Adolf von Nassau (1292-1298) eine Schutzurkunde ausgestellt, in der er Abt und Konvent des Klosters mit all seinen Besitzungen in Schutz

nimmt, und alle Freiheiten und Rechtstitel bestätigt. Besonders erwähnt ist das Holzungs-und Weiderecht. (Adolf – RI VI,2 n. 306) 1295 erneuerte Kurfürst Rudolf I. (1294-1317)die Rechte, die sein Vater Ludwig der Strenge früher erteilt hatte.

Unter Gerhards Nachfolger Johannes II. (1303-1324) wurde dem Kloster die Pfarrei Alsenz von Erzbischof Gerhard II. von Eppstein (1288- 1305 ) inkorporiert als ausdrückliche Anerkennung der Zucht, Ordnung und Frömmigkeit, die die

Otterberger Mönche an den Tag legten wie Remling in seiner Urkundlichen Geschichte vermerkt. (S 227)

Um 1380 begann der Abstieg von Kloster Otterberg, der sich allerdings fortsetzte, bis die Reformation das Endes des Klosters bedeutete.

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts hatten fast alle Zisterzienserklöster Schwierigkeiten bekommen. Eine wesentliche Ursache dafür war die stark rückläufige Zahl von Konversen. Das führte dazu, dass die Klöster zunehmend von der Eigenwirtschaft auf Verpachtung übergingen, ein Trend,

der  sehr schön an der Mutterabtei Eberbach zu ersehen ist. Dort wurde 1242 erstmals ein Weinberg verpachtet. Ab 1290 wurden zeitliche Verpachtungen immer häufiger, also in der Regel auf 12 Jahre Laufzeit. Damit sollte vermieden werden, dass die Weinberge allmählich in das Eigentum des

Pächters übergingen. Ein weiteres Standbein wurden allmählich Finanzdienstleistungen. Gegen Übertragung von Ländereien oder Geld wurde eine Rente auf Lebenszeit versprochen. Es wurden auch Kredite auf Saatgut oder landwirtschaftliche Geräte erteilt. Pächter oder zinspflichtige Bauern mussten dieses Kredite dann abbauen. Auch ins Depositengeschäft stieg man ein. Die Stadthöfe hatten Lagerräume. Dort konnte man Wein und Getreide, aber auch Wertsachen oder Geld gegen Gebühr aufbewahren. Da die Stadthöfe ja immer in den Städten waren, also gesichert, konnte man die Haftung

überblicken- in der Regel ein gutes und sicheres Geschäft für die Klöster. Das setzte aber natürlich eine gesunde Vermögensbasis voraus. Ein weiteres Geschäft waren die Inkorporationen von Kirchen, denn die Einnahmen der Kirchen kamen immer dem Eigentümer der Kirche zugute, in diesem Fall

dem Kloster zu Gute.

In Otterberg sah man sich aber seit dem Ende des 14. Jahrhunderts immer mehr zu Verkäufen gezwungen. Unter Abt Konrad (1405-1444), der wahrscheinlich vorher in Maulbronn  Mönch war, musste einiges verkauft werden. So wurde 1426 der Hilsberger Hof samt Gütern und Äckern und 80 Pferden mit Genehmigung der Äbte Albrecht (1402-1428) von Maulbronn, Konrad IV. (1423–1438) von Schönau und Abt Johann (1394-1426) von Eußerthal für 1100 Gulden an den Kurfürsten Ludwig von der Pfalz (1436-1449) verkauft.( Remling, Urkundliche Geschichte.. S.230). Der Hilsberger Hof war schon sehr früh im Klosterbesitz und auch auf der Schutzurkunde von Heinrich VI. (s.o.) bestätigt. Die Otterberger Mönche betrieben dort ein Pferdegestüt.

Unter Konrads Nachfolger Peter II. (1451-1467) schien sich die Lage etwas zu stabilisieren. Vor allem das geistliche Leben nahm wieder Fahrt auf. Kurfürst Philipp von der Pfalz honorierte dies und  bestätigte dem Kloster alle Freiheiten und Gnadenbriefe, die seine Vorfahren ausgestellt hatten.

Kaller führt in seiner Äbteliste nach Abt Johann noch einen Abt  Matthäus, währen bei Remling gleich Abt Pirmin folgt, wobei er sagt, dass nicht klar ist, ob Johann 1500 noch regierte.

1504/1505 fand der Landshuter Erbfolgekrieg statt, in den auch die Kurpfalz verwickelt wurde. Es ging um die Erbfolge in Bayern-Landshut. Georg der Reiche von Bayern-Landshut hatte keine männlichen Erben und setzte in seinem Testament seine Tochter Elisabeth und deren zukünftigen Gemahl

Rupprecht von der Pfalz als Erben ein. Ruprecht war der Sohn von Pfalzgraf Philipp dem Gutmütigen, dem Schutzvogt von Kloster Otterberg. Georg starb 1503. Das Testament widersprach aber dem Hausvertrag der Wittelsbacher, gemäß dem bei Aussterben einer männlichen Linie die Besitzungen an die jeweils andere Linie fallen sollten. Der Münchner Herzog Albrecht erkannte das Testament nicht an. Ruprecht hatte aber bereits Schloss Landshut übernommen. Mit seinen pfälzischen Truppen besetzte er Landshut und Burghausen. Rupprechts Vater Philipp hatte sich auf die Seite seines Sohnes gestellt.

Daraus hatte sich der Landshuter Erbfolgekrieg entwickelt.Kaiser Maximilian erklärte am 5. Mai 1504 die Reichsacht über Philipp. Daraufhin griffen ihn fast alle Nachbarn an mit Ermunterung von Maximilian an. Das war Graf Alexander von Pfalz-Zweibrücken (1489-1514), Emich IX. (+ 1535)

Graf von Leiningen und Landgraf Wilhelm II. (1493-1509)von Hessen. Sie hinterließen in der Kurpfalz und an der Bergstraße eine Spur der Verwüstung. Kloster Limburg wurde von Emich komplett eingeäschert. Kloster Otterberg wurde nicht direkt betroffen. Aber seine Felder, die Wälder und auch die Herden wurden schwer geschädigt. Die drei Grafen legten aber Otterberg schwere Brandschatzungen auf, weil Kurfürst Philipp ja der Schirmherr von Otterberg war. Kurfürst Philipp und sein Bruder erneuerten zwar 1508 die Freiheiten der Abtei. Aber das minderte den Schaden nicht mehr.

Auf Abt Pirmin folgte Abt Wiegand (1519-1547). 1525 brach der Bauernkrieg aus. Auch das Elsass und die Pfalz waren davon betroffen. Der Kolbenhaufen, ein Bauernhaufen im Elsass, plünderte zunächst das Zisterzienserkloster Stürzelbronn bei Bitsch und dann die Burg Gräfenstein des Leininger Grafen

Emich VIII. und Lindelbrunn. Darauf erhoben sich aufständische Bauern um Kaiserslautern, Landstuhl und Fischbach. Sie leerten die Fischteiche der Abtei und plünderten Keller und Speicher. Was sie nicht fort tragen konnten, zerstörten sie. Im Juni 1525 kam es bei Pfedersheim zur Schlacht zwischen den Bauern und dem Heer  von Kurfürst Ludwig. Die Bauern wurden vernichtend geschlagen. Dabei wurden auch die Anführer der Otterberger Plünderungen gefangen genommen und hingerichtet. Wie schon kurz vorher blieb auch hier das Kloster auf seinen massiven Schäden sitzen. Zwar stellte Karl V.  (1519-1556)dem Kloster einen Schutzbrief aus (Remling S. 232), aber das ersetzte den Schaden natürlich auch nicht. Abt Wiegand starb 1556. (hier wieder Differenz  Remling-Kaller. Bei Kaller endet die Regierungszeit von Abt Wiegand 1547 und danach ist kein unmittelbarer Nachfolger genannt. Abt Wendelin folgt erst 6 Jahre später. Bei Remling ist Abt Wiegand bis zu seinem Tod im Amt und Abt Wendelin Merbot folgt unmittelbar auf ihn.

Der Thesenanschlag von Martin Luther am 31. Oktober 1517 in Wittenberg, ob er nun tatsächlich stattgefunden hat oder ob es eher eine akademische Diskussion vor allem zum Ablasshandel war, er wird meist als Beginn der Reformation gesehen. Die drei reformatorischen Hauptschriften folgten 1520.

Dann wurde Luther gebannt und 1521 fand in Worms der Reichstag statt, bei dem Luther von Karl V. verhört wurde. Nach dem Reichstag wurde er auf der Rückreise zum Schein überfallen und auf die Wartburg verbracht. Als Junker Jörg übersetzte er dort die Bibel. Der reformatorische Prozess kam in Gang. Das Resultat des Reichtages von Speyer war, dass es den Landesfürsten überlassen blieb, wie sie es mit der Religion hielten. Auf einem weiteren Reichstag in Speyer protestierten sechs Fürsten und 14 Reichsstädte gegen die Verhängung der Reichsacht gegen Luther sowie die Ächtung seiner Schriften und Lehre. Außerdem forderten sie eine ungehinderte Ausbreitung des evangelischen Glaubens.  Die Glaubensspaltung war jetzt nicht mehr aufzuhalten.

In der Pfalz wurde Friedrich II. 1544 Kurfürst. Seine Untertanen hatten sich 1545 zum neuen Glauben bekannt. 1546 führte Friedrich die Reformation in der Kurpfalz ein. Sein Nachfolger war Ottheinrich, der 1559 starb. Auf ihn folgte Friedrich III. (1559-1576). Er verlangte nun von Abt Wendelin,

seinen Glauben zu verlassen und seiner bisherigen Lebensweise zu entsagen. Außerdem sollte er seine Abtei  den Predigern der neuen Lehre räumen. Das war die Bedingung, falls der Abt und seine Konventualen in der Abtei bleiben wollten und dort Wohnung und Ernährung hätten.

Abt und Konventuale wollten aber  ihrer Religion treu bleiben und die Ordensgelübde nicht brechen. Sie mussten das Kloster verlassen und gingen zunächst nach Worms in die Klosterbesitzungen, wo Abt Wendelin im Oktober 1561 starb. Die Abtei wurde einem weltlichen Pfleger unterstellt.

und die Kirche mit protestantischen Predigern besetzt.

Wallonische Glaubensflüchtlinge wurden angesiedelt. Otterberg gehörte mittlerweile zum Herzogtum Pfalz-Lautern, dass Ludwig VI. ,der Sohn von Friedrich III., für seinen Sohn Johann Casimir eingerichtet hatte. Dieser erhob Otterberg 1591 zur Stadt.

Die Geschichte der Zisterzienserabtei hatte 1559 geendet.

Die Äbte des Klosters Otterberg (nach Gerhard  Kaller, Otterberg, eine Stadtgeschichte, 1976)

1. Abt Stephan (1145-1173)

2. Abt Albero (1185)

3. Abt Wilhelm (-)

4. Abt Philipp (1195-1225)

5. Abt Johannes (-)

6. Abt Herwig (1229)

7. Abt Gerhard (1230-1236)

8. Abt Folkart (1240)

9. Abt Gerhard (1242)

10. Abt Ulrich (1245)

11. Abt Walthelm (1247-1259)

12. Abt Friedrich (1263-1264)

13. Abt Johannes (1267-1271)

14. Abt Gottfried (1272-1276)

15. Abt Gerhard (1275-1277)

16. Abt Heinrich (1278-1284)

17. Abt Gerhard (1292-1301)

18. Abt Johann (1303-1324)

19. Abt Heinrich (1325-1332)

20. Abt Peter (1336-1343)

21. Abt Philipp (1350-)

22. Abt Johannes (1353-1355)

23. Abt Nikolaus (1366-1370)

24. Abt Friedrich (1392-1395)

25. Abt Konrad (1405-1444)

26. Abt Peter (1451-1467)

27. Abt Johann (1469-1486)

28. Abt Matthäus (1486-1502)

29. Abt Pirmin (1503-1519)

30. Abt Wiegand (1519-1547)

31. Abt Wendelin Merbot (1553-1561)

21 Feb 2021

Zisterzienserabtei Bellevaux

                                                                                                                                                                           Zisterzienserabtei Bellevaux

 

 

                                                                                                                                                                                                                                       

Im Jahre 1119 wurde Kloster Bellevaux als erstes Tochterkloster von Morimond gegründet, eine der 4 Primarabteien des Zisterziersienrordens.  Es war das erste Zisterzienserkloster in der Freigrafschaft Burgund. In diesem Jahr hatte Papst Calixt II. (1119-1124)

die “Carta Caritatis” angenommen und bestätigt. Das ist das Verfassungsdokument des Zisterzienserordens und regelt die Beziehungen der Zisterzienserklöster. Sie legt fest, dass die Tochterklöster keine finanziellen Abgaben ans das Mutterkloster zu leisten hatten,

im Gegensatz zu den Klöstern der Cluniazenser, wo hohe Abgaben geleistet werden mussten. Sie regelte die Neugründungen, die Visitation, sowie die verbindliche Auslegung der Benediktinerregel durch Kloster Citeaux. Sie legte für den Orden einheitliche Riten und liturgische Bücher fest.

Die Stabilitas Loci, das ist dauerhafte Bindung eines Mönches oder einer Nonne an ein bestimmtes Kloster gehört wie bei allen benediktinisch geprägten Orden ebenfalls zum Regelwerk. Die Carta Caritatis wurde wohl von Stephen Harding, dem dritten Abt von Citeaux verfasst.

Papst Calixt II. hatte nicht nur die Carta Caritasbestätigt, sondern auch den neuen Orden unter seinen Schutz genommen. Er stammte aus Burgund, war der Sohn von Graf Wilhelm von Burgund. Sein Bruder Hugo war ab 1086 Erzbischof von Besancon. Diese Diözese spielte eine wichtige Rolle in der

Entwicklung des Zisterzienserordens.

Gegründet wurde Bellevaux auf Initiative von Pontius aus der Familie La Roche-sur- l’Orgnon. Er wurde auch der erste Abt von Kloster Bellevaux. Er rief Mönche aus Morimond in ein Sumpfgebiet zwischen dem heutigen Chambornay-lès Bellevaux und Cirey um dort mit Zustimmung Erzbischofs von

Besancon Anseric von Montréal (1117-1134) ein Zisterzienserkloster zu gründen. Erzbischof Anseric war ein großer Freund und Förderer der Zisterzienser. In seiner Regierungszeit wurden 9 Zisterzienserklöster in seiner Diözese gegründet.

Er und sein Nachfolger Humbert (1134–1162)erteilten viele Bestätigungen. Auf Bitten der Zisterzienserabteien sorgte er für Bestätigungen alter Güter und  dafür, dass kirchliche Rechtsprechung den Schutz kirchlicher Güter sicherte.

Pontius leitete die Abtei fast  40 Jahre. Er lenkte den Aufschwung und das Aufblühen der Abtei. Er führte sie zu großem Wohlstand. Der Legende nach haben zu seinen Lebzeiten bis zu 500 Mönche in der Abtei gelebt. (nach René Locatelli: L’implantation cistercienne dans le comté de Bourgogne jusqu’au milieu du XIIe siècle Seite 87- auch online verfügbar)

Die Herren von La Roche-sur-l’Ognon waren zwar die ersten Stifter. Aber bald eiferten ihnen viele nach. Der umliegende Adel unterstütze die Gründung schnell auch sehr tatkräftig. Zu den ersten Stiftern zählte auch Richard von Montfaucon.

1124 konnte Bellevaux schon seine erste Tochtergründung vornehmen. Abt Stefan wurde mit seinen Mönchen nach Lützel in der Diözese Basel geschickt. Dort hatten die drei Grafenbrüder Hugues, Amadée und Richard von Montfaucon das Kloster Lützel gestiftet. Es ist genau an der romanisch-germanischen Sprachgrenze gelegen. Die Gründung dieses Klosters bedeutete einen Meilenstein in der Entwicklung der Zisterzienser im deutschsprachigen Raum, was sich an seiner blühenden Filiation zeigt. In nur 7 Jahren erfolgten 7 Tochtergründungen von 1137-1138. die 8. und letzte erfolgte dann 1194.

1131 war Bernhard von Clairvaux in Besancon, wo er einer feierlichen Bestätigung der Güter von Bellevaux und einer Schenkung von Richard von Montfaucon beiwohnte.

1139 bestätigte Papst Innozenz II. (1130-1143) den Besitz der Abtei.

Im September 1143 weihte Erzbischof Humbert die Klosterkirche ein.

Im Jahre 1156 erfolgte die erste kaiserliche Bestätigung Friedrich I. Barbarossa (1155-1190) Urkunde – RI IV,2,1 n. 4022 ausgestellt im Juni in Würzburg 1156.

Die Urkunde wurde für alle burgundischen Zisterzienserklöster ausgestellt und in der Urkunde auf seinen Schwiegervater Rainald III., von Burgund, der 1148 gestorben war und seine Tochter Beatrix verwiesen, mit der Friedrich I. von 1156-1184 verheiratet war.

Beatrix wurde 1178 in Vienne zur burgundischen Königin gekrönt. Sie wie auch ihr Sohn Otto I  († 1200) stifteten für Kloster Bellevaux.

“ Friedrich nimmt die Zisterzienserklöster Bellevaux, La Charité und La Grâce-Dieu , die besonders vom verstorbenen Vater seiner Gemahlin, Kaiserin Beatrix, Graf Rainald (Reginardus) von Burgund, gefördert worden sind, auf Bitten ihrer Äbte Poncius, Petrus und Robert (Ponci Belleuallis, Petre Caritatis, Roberte Rupis Floride) in seinen Schutz und bestätigt ihnen die genannten Besitzungen sowie den Neubruchzehent. Z.: die Erzbischöfe Hillin von Trier, Humbert von Besançon, die Bischöfe Otto von Freising (Frisiensis), Ortlieb (Ordiebus) von Basel, die Herzoge Heinrich von Sachsen, Matthäus von Lothringen, die Grafen Stephan von Burgund (Mâcon) und Theoderich von Mömpelgard (Montbéliard/Montisbeligardi). – Reginaldus canc. vice Arnoldi Mogontini archiep. et aechicanc.

Abt Pons starb im Jahre 1156. 

Der 2. Abt von Bellevaux wurde Burchardus. Er kam aus dem Kloster Balerne, einer Benediktinergründung aus dem Jahr 1107, die sich 1136 als Tochter von Clairvaux dem Zisterzienserorden angeschlossen hatte. Dort war er der erste Zisterzienserabt. Burchardus galt als literarisch begabt, wenngleich sich nicht allzu viel von ihm erhalten hat.

Es ist ein Briefwechsel  mit Bernhard von Clairvaux belegt  “Epistola ad Bernardum Claraevalensum”. Dann hat er wohl das Schlusskapitel zur erhaltenen Vita Prima des Bernhard von Clairvaux verfasst. 1158/9 wechselte Burchardus an das nahe gelegene Kloster Bellevaux über, wo er Abt wurde. Dort verfasste er auch die “Apologia de Barbis”. In den Bibliothekskatalogen von Balerne sind noch 4 Werke von Burchardus registriert. Burchardus starb 1164.

Sein Nachfolger war Bernardus. Er wird 1165 anlässlich einer Schenkung erstmals urkundlich erwähnt. 1174 kam Peter von Tarantaise ein Zisterzienserabt und Erzbischof von Tarantaise im Kloster Bellevaux schwer erkrankt an und starb dort. Er wurde in der Klosterkirche von Bellevaux

bestattet.

Am 9. Dezember nahm Papst Lucius III. (1181-1185) auf Bitten von Abt Bernhard  Kloster Bellevaux in seinen Schutz. Es folgte eine ausführliche Bestätigung des klösterlichen Besitzes, auch gewährte Zinsnachlässe, die alle bestätigt wurden. (RI IV,4,4,1 n. 883)

Am selben Tag stellte Papst Lucius III. eine Urkunde an die Äbte Peter von Cîteaux und Peter von Clairvaux ausgestellt. Darin wird berichtet, dass er durch die Äbte (Bernhard) von Bellevaux und (Gaufrid) von Hautecombe (Bellevallis et Altecumbe abbates) von der Bitte des Ordens erfahren, Erzbischof Peter von Tarantaise zu kanonsieren und weiter, dass er der Bitte gerne nachgekommen wäre “wenn nicht Ungelegenheit von Zeit und Sache es verhindert hätte” (RI IV,4,4,1 n. 880)

Die Heiligsprechung erfolgte dann durch Papst Cölestin III. (1191-1198) am 10. Mai 1191 mit der Urkunde RI IV,4,4,5 n. 32. In der Urkunde wird auf die Urkunde von Papst Lucius Bezug genommen. Seine Gebeine wurden am 11. September 1191 erhoben und Papst Cölestin gewährte

Klosterkirche von Bellevaux das Recht, dass der Heilige in dieser Kirche ruht und er befahl die feierliche Verehrung. Sein Festtag war der 10. Mai, der immer unter einem großen Zulauf von Pilgern gefeiert wurde. Bellevaux war zu einem bedeutenden Wallfahrtsort geworden.

Peter von Tarantaise galt schon zu seinen Lebzeiten als Heiliger. Nach seiner Kanonisation setzte ein regelrechter Kult um seine Reliquien ein und Reliquien waren immer ein gutes Geschäft für Klöster. Es gab Wallfahrten und damit viele Gläubige, die dann durchaus ein Wirtschaftsfaktor waren.

Auch die Stiftungen und Vergabungen mehrten sich und trugen auch zum Wohlstand des Klosters bei.

Eine weitere Schutzurkunde stellt Kaiser Friedrich I. zwischen 1179-1186 aus  und zwar  RI IV,2,4 n. 3046

“Friedrich gibt allen seinen Getreuen bekannt, dass sich die Zisterzienseräbte Peter von Clairvaux und Bernhard von Bellevaux bereit erklärt haben, nach seinem Tod in allen Klöstern des Ordens für ihn das volle Officium wie für einen Abt zu halten, nimmt alle Niederlassungen und Besitzungen des Ordens in seinen Schutz und droht an, gegen jegliche Unterdrückung des Ordens wie gegen eine seiner (des Kaisers) Brüder und Freunde vorzugehen. – “

Die nächsten beiden Äbte Conrad und Guido sind nur einmal Conrad 1186 und Guido zwei mal 1188und 1189 urkundlich nachzuweisen. Abt Wilhelm wird 1190 erwähnt

1189 verlieh Pfalzgraf Otto von Burgund, der Sohn Friedrichs I. Kloster Bellevaux ein weitgehendes Schutzprivileg.

Kloster Bellevaux hatte mehrere Grangien. Zwei davon werden in der Urkunde von Papst Lucius genannt. Eines ist Champoux (de Champors) in der Nähe von Besancon und das andere ist Gut Marloz bei Cirey gelegen, das ganz nahe bei Kloster Bellevaux ist.

Die Grangien waren die Bewirtschaftungsgrundlage eines Zisterzienserklosters. Das waren Gutshöfe, die nicht weiter als eine Tagesreise (zu Fuss) vom Kloster entfernt sein sollten . Die durchschnittliche Größe einer Grangie lag zwischen 500-700 Morgen Land

(Der Morgen entspricht heute etwa 2.500 m²) Die Grangien wurden von Konversen, das sind Laienmönche, bewirtschaftet. Die Stellung der Konversen ist im Codex von Trient festgehalten. (Capitula 20 – 22). Das Verhältnis Konversen zu Mönchen war etwa 3:2

(Kloster Clairvaux- manchmal sogar mehr. Im belgischen Kloster Le Dunes waren es praktisch doppelt so viele Konversen wir Mönche. Die Aufsicht hatte der Grangienmeister, der auch Zellerar war inne. Er bestimmte in der
Regel einen der Konversen als Stellvertreter, der dann die selben Aufgaben wahr nahm wie der Grangienmeister. Deutsche Klöster hatten je nach Kloster zwischen 10 und 20 Grangien.

Maulbronn hatte  20 Grangien, Kaisheim 17 und Eberbach 16.

Jedes Zisterzienserkloster war ein Eigenbetrieb. Aufgrund ihrer Lage waren die Zisterzienserklöster meist von der Außenwelt abgeschieden. Die notwendigen Güter musste jedes Kloster selbst herstellen. So hatten praktisch alle Klöster Mühlen, einen Fruchtspeicher und eine Schmiede.

Das Kloster Bellevaux hatte mehrere Mühlen am Ognon und eine Schmiede in Cirey.

Was die Zisterzienser ebenfalls bestens beherrschten, war die Wasserwirtschaft. In Bellevaux wurde ein bestehender Bach kanalisiert und diente zur Abwasserversorgung. Es wurden aber auch oberirdische Kanäle zur Bewässerung abgezweigt.

Wasser wurde in allen Klöstern zunächst als Trinkwasser und zur Bewässerung genutzt, aber auch zum Betreiben von Mühlen. In Maulbronn steht eine Mühle im Klosterareal, betrieben von einem Bach, der durch das Kloster fließt. Fischzucht spielte eine große Rolle.

Auch da spielen die deutschen Klöster, die alle über Bellevaux in der Filiation verknüpft sind, eine große Rolle. In Schöntal, Bronnbach  und vor allem Maulbronn, das ja ein regelrechtes Teichsystem angelegt hatte, stellte die
Fischzucht nicht nur einen wesentlichen der Ernährung des Klosters sicher. Sie war auch eine gute Erwerbsquelle für das Kloster. Die Zisterzienserklöster brachten für alle Regionen, in denen sie ansässig waren für die landwirtschaftliche Entwicklung einen deutlichen Entwicklungsschub.

Bei den deutschen Klöstern Eberbach, Maulbronn und Bronnbach ist da vor allem der Wein zu nennen. Nicht nur, dass Reben dort eingeführt wurden wie die Burgunderrebe in Eberbach, der Traminer in Maulbronn, auch die Weinbautechnik wurde von den Klöstern vorangetrieben.

Einer der ältesten deutschen Weinberge wurde vom Kloster Eberbach angepflanzt, der Steinberg, auf dem heute noch Wein angebaut wird. In Maulbronn wurde der Terassenweinbau eingeführt. Kloster Bellevaux kann für sich die Einführung des normannischen Cidre-Apfels in der

Freigrafschaft in Anspruch nehmen.

Im Laufe des 14. Jahrhunderts wurden die Grangien verpachtet. Bellevaux hatte wohl mit demselben Problem wie alle Zisterzienserklöster zu kämpfen. Die Zahl der Konversen ging zurück und es wurde immer schwieriger, das Land in Eigenregie zu bebauen.

Kloster Bellevaux investierte in die Salinen von Lons-le-Saunier und Salins-les-Bains. In >Besancon wurde laut Wikiwand ein Stadthaus errichtet. Ob das mit dem

Hospiz mit Keller in der Rue Battant in Besançon, das Wikipedia  erwähnt, konnte ich nicht genauer eruieren. Ein Hospiz zu betreiben war nicht unbedingt die Regel in Zisterzienserklöstern.

Das 14. Jahrhundert brachte für die ganze Region Schwierigkeiten, Seuchen, Naturkatastrophen und Kriege. Die Pest hatte Mitte des 14. Jahrhunderts Europa erreicht. Der Seuche fielen in Europa etwa ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer.

Auch die Zahl der Mönche in Bellevaux fiel drastisch. 1352 beim Besuch des Mutterabtes von Morimond lebten noch 18 Mönche im Kloster. Die Situation verschlechterte sich aber weiter. Etwas mehr als 140 Jahre später waren es gerade noch 6 Mönche

und man musste die Reliquien von Peter von Tarantaise ausstellen, um Almosen für die Reparatur der Kirche zu sammeln.-

Die Freigrafschaft Burgund war inzwischen an das Haus Habsburg gefallen. Die Heirat Maximilians mit Maria von Burgund, der Tochter von dem burgundischen Herzog Karl dem Kühnen am 19. August 1477 legte den Grundstein dafür. Sie wurde die Großmutter von Karl V.

Dieser schloss am 26. Juni 1548 in Augsburg den Burgundischen Vertrag.Dieser entzog den Burgundischen Kreis, einer der 10 Reichskreise weitgehend der Oberherrschaft des Reiches. Karl V. und sein Sohn Philipp II. waren nun Herrscher von Burgund. In dieser Zeit erholte sich Kloster Bellevaux

auch wieder. Die Äbte wurden zunehmend Kommendaräbte, das heisst, sie wurden nicht mehr vom Konvent gewählt sondern vom König bzw. Herrscher eingesetzt.

Die Kriege zwischen Spanien und Frankreich waren für das Kloster existenzbedrohend.1603 waren nur noch 5 Mönche im Kloster

Jean-Baptiste de Cusance war Kanoniker in Besancon und wurde 1621 Abt von Bellevaux. Er hatte noch mehrere Kirchenämter. So war er Erzdiakon von Besancon, Kämmerer von Papst von Papst Urban VIII. (1623-1644)

1660 wurde Humbert de Precipiano von Philipp IV. von Spanien als Kommendarabt eingesetzt. Er war der letzte von einem spanischen König eingesetzte Abt von Bellevaux. Er hatte in Konstanz Philosophie studiert. Am Jesuitenkolleg in Leuwen das Lizentiat für Recht und den Doktor der Theologie erworben. Er war Erzdiakon und Dekan des Kapitels der Erzdiözese Besancon.

Mit dem Westfälischen Frieden trat das Haus Habsburg die Landgrafschaften Ober-und Unterelsass an Frankreich ab.Frankreich hatte auch die Erzbistümer Metz, Toul und Verdun zugesprochen, die die de facto schon seit 1552 besaß.

Unter Ludwig XVI. weitete seine Herrschaft teils durch Verträge, teils durch Aggression aus.  Im Frieden von Nimwegen musste Spanien 1678 die Freigrafschaft an Frankreich abtreten.

Bellevaux wurde nun französisch. Seine ruhige Spätzeit begann.

Das Kloster war jetzt Kommende.Der Abt lebte oft außerhalb des Klosters , erhielt aus den Einnahmen des Klosters beträchtliche Zahlungen, hatte aber mit dem täglichen Betrieb oder der geistlichen Disziplin der Mönche nichts mehr zu tun. Die Zahl der Mönche belief sich im 18. Jahrhundert auf

vier bis fünf Mönche einschließlich Prior. Sie wurden von Angestellten versorgt

Louis-Albert de Lezay-Marnésia wurde 1731 zum letzten Abt von Bellevaux ernannt. Er ist am 3. Februar 1708 geboren. 1738 wurde er am Kapitel von St. Jean in Lyon Kanoniker. 1759 wurde er Bischof von Evreux. Im Kloster Bellevaux entwickelte er eine umfassende Bautätigkeit und alle noch heute bestehenden Gebäude gehen auf ihn zurück. Er ließ ein Haupt- bzw. Konventsgebäude errichten. Im Wirtschaftsgebäude waren Remisen, Stallungen und eine Fruchtschütte. Es gab ein Waschhaus und einen Weinkeller. Die Bauten sind auf 1762 datiert. 1777 wurden die letzten Bautätigkeiten durchgeführt.

Wegen Krankheit resignierte Abt Louis-Albert de Lezay-Marnésia am 14. Januar 1774.

1789 brach in Frankreich die Revolution aus. Abt Louis-Albert zog sich auf seinen Geburtsort zurück, wo er am 4. Juni 1790 starb.

Im Zuge der Revolution wurde das Kloster aufgehoben. Mobiliar und Gebäude wurden 1791 versteigert. 1795 erwarb es der französische Revolutionsgeneral Jean-Charles Pichegru und bewohnte es.

1817 kaufte Dom Eugène Huvelin (1742–1828)    ein ehemaliger Mönch aus dem Trappistenkloster Sept-Fonts, die ebenfalls wegen der Revolution 1791 aufgelöst worden war. Zusammen mit zwei ehemaligen  Konversen

gründete er dort ein Zisterzienserkloster der strengen Obervanz (Trappisten). Bald kamen drei Postulanten dazu. Er schaffte es auch, die Reliquien des Heiligen Peter von Tarantaise für Kloster Bellevaux zurückzugewinnen.

Nach seinem Tod 1828 hatte die Gemeinschaft 10 oder elf Novizen und neun Religiosen aber keinen Priester mehr. Bellevaux war kurz vor der Julirevolution von 1830 von der wiederbegründeten Abtei Gard/Sept-Fons übernommen, 1837 aber aus Geldnot verkauft. Die Gemeinschaft zog über Val-Sainte-Marie bei Besançon nach Grâce-Dieu und schließlich nach Tamié in Savoyen weiter. Die Abtei existiert heute noch und auch noch die rege Verherung des Heiligen Peter.

Kloster Bellveaux gelangte 1837 in den Besitz derFamilie der Grafen von Ganay. Seit 1957 wurden die Gebäude als Ferienkolonien verwendet und seit 1994 ist es wieder im

Privatbesitz.

Kloster Bellevaux war Mutterabtei von Lucelle (1124), Montheron in der Schweiz (1130) Rosières (1132) und Daphni in Athen (1211)

Kloster Bellevaux hatte 8 Grangien nämlich

Cirey,  Magny, Trevey, Argirey, Valleroy  und Baslières in relativer Nähe zur Abtei und Champoux und Braillans im benachbarten Departement Doubs gelegen

                                                                                                                                                       

 

Die Äbte der Abtei Bellevaux. In Denis de Sainte-Marthe (Hrsg.): Gallia Christiana. In provincias ecclesiasticas distributa, in qua series et historiaJean-Baptiste de Cusance archiepiscoporum, episcoporum et abbatum Franciæ vicinarumque ditionum ab origine ecclesiarum ad nostra tempora deducitur, & probatur ex authenticis instrumentis ad calcem appositis. Band 15: Jean-Barthélemy Hauréau: Provincia Vesuntionensi. Editio altera. Palmé, Paris 1860–1868, Sp. 239–247 [mehrheitlich Abtliste]. online ist die Äbteliste dabei. Außerdem eine kurze Zusammenfassung wann und weshalb die Äbte urkundlich erwähnt sind.

Der Text ist allerdings lateinisch.

Die Liste unten ist in  Wikiwand Abbaye de Notre Dame de Bellevaux. sie weicht allerdings stark von der lateinischen ab, wobei mir die lateinische präziser und besser belegt zu sein scheint. Z. B. wird Jean Rollin (1455-) gar nicht geführt und in anderen mir im Netz zugänglichen Quellen

finde ich keine Erwähnung von Jean Rollin als Abt von Bellevaux.

  • 1119-1156 : Pons de La Roche (Sohn von Pons I de La Roche, Gründer Abtei)

  • 1156-1163 : Burchardus (renommierter Schriftsteller)

  • Bernardus

  • Conradus

  • Guido I

  • Guillelmus I

  • Wecilo

  • Herbertus

  • Odo

  • Simon

  • Humbertus I

  • Stephanus I

  • Petrus I

  • Theodoricus

  • Jordanus

  • Nicolaus

  • Pierre II de Gy

  • Jean de Nant[19]

  • Guido II

  • Johannes II

  • Antonius I

  • Stephanus II

  • Guillaume II de Moûtier

  • 1455-? : Jean Rolin

  • Jacques de Theulley de Pontailler

  • Antonius II de Nant

  • 1530-1546 : Marc Cussenet

  • Jean II de Tartre

  • 1551-? : Pierre III d’Andelot

  • Pierre IV d’Andelot

  • Louis I de Tartre

  • Pierre V d’Albamey

  • 1607-1621 : Philippe Boitouzet

  • 1621-1633 : Jean-Baptiste de Cusance

  • 1633-1660 : Louis II Delatour

  • 1660-1682 : Humbert II de Precipiano

  • 1682-1731 : César de Marnais de la Bastie

  • 1731-1790 : Louis-Albert de Lezay-Marnésia

03 Feb 2021

Kloster Bronnbach

                                                                                                                                                                                                                                                                                           Kloster Bronnbach

 

Im Jahre 1151 stifteten 4 Edelfreie aus Franken und dem Taubergebiet das castrum Brunnebach oberhalb des heutigen Klosters wohl nach einer Predigt Bernhard von Clairvaux in Würzburg. Die Adligen waren Billung von Lindenfels,

Sigebot von Zimmern, Erlebold von Krenzheim und Beringer von Gamburg. Die vier waren miteinander verwandt, wobei nicht klar ist wie sie verwandt oder verschwägert waren. Billung von Lindenfels stammte aus der Familie von Lindenfels, die sich nach der frühest erwähnten Burg

im inneren Odenwald benannte. Er war Hauptvasall von Pfalzgraf Konrad von Staufen (um 1134-1195), dem Halbbruder von Friedrich Barbarossa. Billung ist auch im Schutzbrief Friedrichs I. für Bronnbach als Zeuge aufgeführt, allerdings als Letzter in einer langen
Zeugenreihe,  obwohl er der Hauptgründer war. Über Sigebot und Erlebod gibt es in den mir zugänglichen Quellen keine Informationen. Beringer von Gamburg war Lehensmann von  Arnold von Seelenhofen (1153 bis 1160), dem Erzbischof von Mainz. Er erhielt das castrum Camburg als

Lehen von Erzbischof Arnold und überließ diesem im Tausch dafür die “villula Brunnenbach”, das ist der heutige Schafhof bei Bronnbach. Diesen vermachte Erzbischof Arnold den Zisterziensern. Dort entstand dann das Kloster Bronnbach, das zur Ansiedlung eines Klosters besser geeignet war

als die von den Gründern gestiftete Burganlage von Bronnbach. Es sollte eigentlich als Tochterkloster von Maulbronn gegründet werden. Das hatte aber auch wenige Jahre vorher eine räumliche Verlagerung vorgenommen und sah sich nicht in der Lage, die zwölf Mönche, die als Gründungskonvent notwendig waren, nach Bronnbach zu entsenden.

Nur zwei Jahre nach der Gründung nahm Papst Eugen III. (1145 bis 1153) das Kloster in seinen Schutz

R-US 1153 Januar 11 in 1153-1447  “Papst Eugen III. nimmt das Kloster Bronnbach (Brunnebach) und alle seine Besitzungen und Einkünfte in seinen Schutz. “ (Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US)

Die Schenkung des Weilers Brunnenbach an Erzbischof Arnold ermöglichte die Verlegung des Klosters ins Tal der Tauber. Dort sollte nach dem Willen Arnolds auch seine Grablege sein. Er wurde aber am 14. Juni 1160 nach langen Konflikten mit Ministerialen der Stadt Mainz

in der Klosterkirche von St. Jakob ermordet. Erzbischof Arnold wurde nicht in Bronnbach sondern in Mainz bestattet.

Die Umsiedlung wurde 1157 vollzogen. Der Grundstein für die Bronnbacher Kirche wurde gelegt.

Unter Wahrung der Maulbronner Rechte schickte Abt Dieter von Maulbronn den Waldsassener Professen Reinhard von Frauenberg, der sich laut Karl Klunzinger (Urkundliche Geschichte der vormaligen Cisterzienser-Abtei Maulbronn, Stuttgart 1854, S. 129) zu dieser Zeit in Maulbronn aufhielt, mit 12 Mönchen nach Bronnbach. Imselben Jahr wurde auch mit dem Bau der Klosterkirche begonnen. Nach dem Waldsassener Vorbild wurde die Kirche mit einem Staffelchor errichtet. Der Chor wird hierbei von kleiner werdenden Nebenchören flankiert. Die Kirche ist im spätromanischen und frühgotischen Stil erbaut.

Reibungen zwischen den Bistümern Mainz und Würzburg, in deren Grenzgebiet das neue Kloster lag, vor allem aber der Streit zwischen Papst Alexander und dem von Friedrich I. eingesetzten Gegenpapst Victor und der kaiserlichen Partei, in die auch Abt Reinhard hineingezogen wurde, sorgten dafür, dass Abt Reinhard den vom Maulbronner Mutterabt vorgeschlagenen Ausweg der Abdankung annahm.

Abt Dieter schickte nun eine zweite Gruppe unter Wigand Belleri nach Bronnbach.

Am 14. Juni 1165 nimmt FriedrichI.  Kloster Bronnbach in seinen Schutz, bestätigt seine Besitzungen, die aufgeführt werden und gewährt ihm Steuerfreiheit.

In Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US die Urkunde R-US 1165 Juni 14 (Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US)

Von Anfang an wurde Bronnbach vom niederen Adel, vor allem aber von den Grafen von Wertheim unterstützt. Es konnte seinen Klosterbesitz arrondieren.

Seinen ersten Stadthof im Bereich Karmelitenstraße/Bronnbacher Gasse  hatte Kloster Bronnbach schon 170 in Würzburg.

Kaiser Heinrich VI. (von 1169 ab römisch-deutscher König, Kaiser von 1191-1197)nahm 1193 nicht nur das Kloster in seinen Schutz. Er befreite den Bronnbacher Hof

in Würzburg auch davon, kaiserliche Beamte dort beherbergen zu müssen.

1297 erteilte Bischof Mangold von Würzburg (1287 –1303) den Zisterzienserklöstern Ebrach, Heilsbronn, Bronnbach, Langheim und Bildhausen das Privileg, ihre Waren in die Stadt Würzburg frei einführen und damit handeln zu dürfen.

Urkunde R-US 1297 Oktober 8 im Findbuch R-US des Staatsarchiv Wertheim.

Urkunde R-US 1193 Mai 25  Gelnhausen, 1193 Mai 25 „Datum apud Geilenhusen VIII. Kalendas Junii

Kaiser Heinrich VI. nimmt das Kloster Bronnbach (Burnebach) in seinen Schutz und befreit des Klosters Hof zu Würzburg (Wirceburc) von der Verpflichtung, kaiserliche Beamte zu beherbergen.”

Eine weitere kaiserliche Schutzurkunde wurde schon ein halbes Jahr später ausgestellt

R-US 1194 Februar 18 Münnerstadt, 1194 Februar 18 

“Kaiser Heinrich VI. nimmt das Kloster Bronnbach, dessen Insassen und Besitzungen, gegenwärtige und zukünftige, in seinen unmittelbaren Schutz. “

Stadthöfe hatte Bronnbach auch in Miltenberg ( vor 1237), Aschaffenburg (um 1237 ?),Frankfurt (1237) und  Wertheim (1244). Der Stadthof von Aschaffenburg wurde aber schon Mitte des 14. Jahrhunderts

wieder aufgegeben. Um die Wende des 15. Jahrhunderts folgten Miltenberg und Frankfurt. Nur Würzburg und Wertheim blieben bis zuletzt erhalten.

Innerhalb des Zisterzienserordens hatte Kloster Bronnbach eine besondere Beziehung mit dem Papsttum. Das zeigt sich auch an den vielen Schutzurkunden, die Päpste

für das Kloster Bronnbach ausstellten, deutlich mehr als z. B. für das Mutterkloster Maulbronn. Bronnbacher Äbte waren auch immer wieder in päpstlichem Auftrag tätig.

Einige Urkunden dazu wieder aus dem Findbuch R-US des Staatsarchivs Wertheim

R-US 1197 Januar 6  Lateran zu Rom, 1197 Januar 6 

“Papst Cölestin III. nimmt das Kloster Bronnbach in des heil. Petrus und des apostolischen Stuhles besondere Schutz und Schirm (Privilegium maius). “ (Privilegium maius war die feierliche päpstliche Urkunde, später

als Bulle bezeichnet. Es waren wichtige Urkunden, die Rechtsakte des Papstes beurkunden)

R-US 1197 Januar 13 Lateran zu Rom, 1197 Januar 13 

“Papst Cölestin III. nimmt das Kloster Bronnbach in des heil. Petrus und des apostolischen Stuhles Schutz und gewährt ihm besonders auf Gütertausch bezügliche Freiheiten (Privileqium minus)”

(Privilegium minus, das spätere Breve, also eine Beweisurkunde) Mit diesen beiden Urkunden kann Kloster Bronnbach als exemt angesehen werden.

1222 wurde die Kirche geweiht. Neben Maria, er im Zisterzienserorden üblichen Patronin, wurde der Tagesheilige am Tag der Kirchweihe als Patron verehrt. Der Kirchweihtag ist der 28. April und der Tagesheilige ist der

heilige Vitalis. Der Würzburger Weihbischof Wilhelm von Havelsberg (1239-1244), der von 1240-1244 auch Bischof von Havelsberg war, weihte die Kirche.

1233 befreite König Heinrich VII. (1235 von seinem Vater Friedrich II. abgesetzt) Kloster Bronnbach von allen Zollabgaben “bei Verführung ihrer eigen Sachen auf Rhein und Main” (Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US R-US 1233 Januar 9)

1237 vermittelte Abt Sigfried von Maulbronn in einer Streitsache zwischen den Grafen von Wertheim und Kloster Bronnbach.

“S(igfried), Abt von Maulbronn, vermittelt in einem zwischen der Abtei Bronnbach einer- und den Grafen von Wertheim und den Bauern von Reicholzheim andererseits schwebenden Streite in Betreff der Waldung „Balkenstein“, „Sumerliten“ und „Riethelden“ und errichtet eine Waldordnung für dieselben” ( R-US 1237 Findbuch R-US Staatsarchiv Wertheim. Dass der Maulbronner Abt in einer Streitsache des Klosters Bronnbach vermittelt, zeigt dass das Mutterkloster sich um seine Tochtergründung kümmerte.

Zwei Jahre später gewährte der Mainzer Erzbischof Siegfried III. von Eppstein (1230- 1249 ) Kloster Bronnbach Zollfreiheit.(Findbuch R-US, Staatsarchiv Wertheim R-US 1237 Juli 2 in 1414 Mai 28).

Eine weitreichende Schutzerklärung erteilt Papst Innozenz IV. (1243 bis 1254) in einer am 27. Juni 1245 in Lyon ausgestellten Urkunde. Findbuch R-US Staatsarchiv Wertheim R-US 1245 Juni 27. Neben der Bestätigung des Besitzes werden auch die Privilegien wie Zehntfreiheit und freie Abtswahl

bestätigt und die Stellung der Abtei zum Diözesanbischof geklärt. Das war zum Zeitpunkt der Urkunde Heinrich III. von Vinneburg (1328-1343)

Um 1339 war Kloster Bronnbach in finanziellen Schwierigkeiten. Der Bronnbacher Abt Siegfried Duß klagte beim Maulbronner Abt Konrad III. von Talheim (1330-1353) über den Notstand seines Klosters.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten sind aber schon Mitte des 13. Jahrhunderts aufgetreten. Um 1274 war der Bronnbacher Konvent aufgeteilt und auf andere Konvente aufgeteilt worden. Ein durchaus übliches Krisenbewältigungsmittel im Zisterzienserorden.

Der Mainzer Erzbischof Gerlach von Nassau (1346-1371) war an Pfingsten 1360 in Külsheim und Bischofsheim und konnte veranlasst werden, Kloster Bronnbach zu besuchen. Danach veranlasste er ein Treffen der Äbte Johann von Maulbronn (1360–1376) und Abt Reinhold von Schöntal (1321–1365)

in Aschaffenburg, der Zweitresidenz der Mainzer Erzbischöfe. Auch der resignierte Maulbronner Abt Berthold, der von 1358 bis 1359 Abt in Maulbronn war und sich in seiner knapp zweijährigen Regierungszeit in der Verwaltung bewährt hatte, war anwesend. Auf Drängen erklärte er sich bereit,

sich um das darniederliegende Tochterkloster zu kümmern, wenn ihn Maulbronn finanziell und mit Mitarbeitern unterstütze.Der Bitte wurde stattgegeben. Er erhielt 2000 Gulden und bekam drei Maulbronner Mönche zur Seite gestellt. Er ist urkundlich zuerst am 28. März 1363 in Bronnbach belegt.

Er schaffte es, Bronnbach innerhalb von 13 Jahren wieder herzustellen. In Bronnbach resignierte er im Juni 1373. Er kehrte mit zwei der Maulbronner Mönche nach Maulbronn zurück und starb dort im April 1374.

Erzbischof Gerlach unterstützte Kloster Bronnbach auch z.B. durch die Gewährung von Zollfreiheit auf dem Main am 6. November 1361 (Urkunde R-US 1361 November 6)

Die Krise war durch mehrere Gründe verursacht worden. Zum einen war auch Kloster Bronnbach wie im gesamten Zisterzienserorden  der Niedergang der klösterlichen Eigenwirtschaft spürbar geworden, der wohl mit der abnehmenden Zahl der Konversen zusammenhängt.

Das hatte schon zur Auflösung der zwei Grangien in Dörlesberg 1238 und 1251 in Reicholzheim geführt. Zum andern wurde Kloster Bronnbach  in die Auseinandersetzung Kaiser Ludwigs des Baiern (1314-47) mit Papst Benedikt XII. (1334-42) hin eingezogen. Auch Naturkatastrophen haben eine Rolle gespielt.1339 wurde die Klosterbrücke bei Bronnbach zerstört, was sich auch in  Ablassbriefen belegen lässt.

R-US 1339 August 22 in 1339 Juni 14

Würzburg, 1339 August 22 („Datum Herbipoli anno domini millesimo CCøXXXIXø XIø kalendas Septembris, pontificatus nostri anno sexto.“) 

“Otto, Bischof von Würzburg, erteilt zur Gewährung eines Ablasses von 40 Tagen für die zum Bau der Tauberbrücke in Bronnbach Beisteuernden durch 9 Erzbischöfe und Bischöfe, StAWt-R US 1339 Mai 21, Avignon, seine Zustimmung.”

Noch verheerender war das “Magdalenenhochwasser von 1342, was z. B. in Würzburg zum Einsturz der Mainbrücke führte. Auch die Auswirkungen des Erbebens von 1356 machten sich möglicherweise bemerkbar.

In einer Urkunde vom 1.Mai 1354, die von Erzbischof Gerlach aus Mainz ausgestellt ist,geht es zwar um einen Rechtsstreit in einer Pfandsache. Interessant an dieser Urkunde ist aber, dass Graf Eberhard von Wertheim dem Abt von Bronnbach die Zustimmung erteilt haben, 3000 Mark Silber an den

Mainzer Erzbischof zu übergeben. In dieser Urkunde wird erstmals ein Wertheimer Graf als “Schirmer” des Klosters Bronnbach genannt. Urkunde R-US 1354 Mai 1 (Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US) Graf Eberhard wird in dieser Urkunde als Schirmer, nicht als Vogt

bezeichnet, was wohl auch damit zusammenhängt, dass Kloster Bronnbach die Freiheit von Vögten zugestanden worden war, wie auch in untenstehender Urkunde belegt ist. Graf Eberhard regierte schon in den letzten Lebensjahren seines Vaters mit. Nach seinem Tod 1355 regierte er allein bis zu seinem Tod 1373.  Der Aufstieg der Wertheimer Grafen war immer  mit einem besonderen Verhältnis zur jeweiligen Herrschaftsfamilie verbunden. Graf Eberhard nahm Stadt und Schloss Wertheim als Lehen von Kaiser Karl IV. Er wurde Mitte des 14. Jahrhunderts  von Kaiser Karl IV.mit dem Schutz von Kloster Bronnbach betraut. Kloster Bronnbach war die Grablege der Wertheimer Grafenfamilie. sowohl Eberhards Vater Rudolf als auch Eberhard sind in Bronnbach bestattet.

Mit der Urkunde R-US 1367 Januar 21 bestätigte Kaiser Karl IV.(1346-1378) “Karl IV., römischer Kaiser, bestätigt dem Abt und Konvent zu Bronnbach die Privilegien seiner Vorfahren und trifft Bestimmungen über Gerichtsbarkeit, Freiheit von Vögten sowie von Abgaben vom eigenem Wachstum an kaiserliche Zollstätten.”

Abt war in dieser Zeit Abt Berthold, der in seiner Regierungszeit die Grundlage für eine neue Blütezeit des Klosters legte.

1378 inkorporierte Papst Urban VI. (1378-1389) dem Kloster die Pfarrkirche in Wertheim, die Graf Johann und seine  Gemahlin Margarethe am 21. Januar 1379 dem Kloster zusammen mit dem Kirchensatz übergaben. Urkunden R-US 1378 November 19 und R-US 1379 Januar 21

beide im Findbuch R-US im Staatsarchiv Wertheim. Der Kirchensatz räumte dem Kirchherrn, in dem Falle dem Grafen von Wertheim die Pfründe der Kirche sowie das Mitwirkungsrecht bei der Besetzung der Pfarrstelle ein.

Die wirtschaftliche Genesung des Klosters zeigte sich im Bau der steinernen  Tauberbrücke von 1408 sowie der spätgotischen Umgestaltung der Klosteranlage. Das Brunnenhaus wurde erbaut und 1411 die Bibliothek. Brücke, Brunnenhaus und Bibliothek wurden unter Johann III. Hildebrand (1404-1416) errichtet. Die Spannweiten ihrer beiden weitgewölbten Bögen (21,70 m bzw. 22,60 m) weisen nach der Karlsbrücke in Prag die größte

Spannweite gotischer Brücken in Mitteleuropa auf. Ihr Bau kostete angeblich 40.000 Gulden. Auf der Brücke war die Zollstation des Klosters. Sie hat als einzige Brücke des mittleren und unteren Taubertals allen bisherigen Hochwassern standgehalten.

1415 stellte  Kaiser Sigismund (1411-1437) eine Schutzurkunde für Kloster Bronnbach aus.”Kaiser Sigismund nimmt das Kloster Bronnbach (Brunpach) in seinen und des Reiches Schutz, befreit es von Vögten und fremden Gerichten und gewährt ihm Abgabenfreiheit von eigenem Erwachs an den kaiserlichen Zollstätten.” ( R-US 1415 März 22 Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US )

Auch der auf dem Konstanzer Konzil  1417 gewählte Papst Martin V. nahm das Kloster unter seinen Schutz und bestätigte seine Freiheiten. (R-US 1418 Februar 23 Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US )

Im 15. Jahrhundert öffnete sich der Zisterzienserorden für Studium und Wissenschaften. so befahl zum Beispiel der Generalabt von Citeaux  Jacques III. Theuley de Pontailler-sur-Saône (1501– 1516)am 24. Mai 1503 den Äbten von Schönthal und Maulbronn 30 Mönche nach Heidelberg zum Studium

zu schicken (siehe “Mei Büchle, Kloster Maulbronn) Der Bronnbacher Abt Johann Altzheim (1452-1459) ist ein gutes Beispiel für diese Entwicklung. Er hatte von 1415 bis 1433 in Heidelberg studiert und gelehrt. 1434 schrieb er sich an der Wiener Universität ein. Dort lehrte er als Doktor der Theologie.

Von 1437-1439 war er Dekan der Theologischen Fakultät. Das Stift Heiligkreuz im Wienerwald unterhielt ein Studienhaus in Wien, das Nikolauskolleg. Neben seiner Lehrtätigkeit Johann Altzheim dort als Provisor tätig. Bischof Enea Silvio Piccolomini, der spätere Papst Pius II. (1458–1464) bezeichnete  ihn als” theologus perspicax” (scharfsinniger Theologe) Johann Altzheim  wurde 1447 Abt in Heiligkreuz und bekleidete dieses Amt bis 1451. Dann kehrte er zu seiner Mutterabtei nach Bronnbach zurück und war dort von 1451-1459 Abt. Johann Altzheim sich bei der Bekämpfung der hussitischen Lehre einen Namen gemacht.Er starb 1459 und ist im Kapitelsaal von Bronnbach bestattet.

Die 1411 errichtete Bibliothek belegt ebenfalls das Gewicht, das die Bildung der Mönche jetzt hatte. In einem Schreiben von 1510 an seinen Stiefbruder Johannes Butzbach hebt der Novize und später Mönch Philipp Trunck die Bronnbacher Bibliothek hervor.

„Unser Kloster liegt am Ufer der Tauber in anmutiger Einsamkeit, von schönen Gärten umgeben. Wir haben viele und schöne Gebäude für den Abt, für die Brüder und die Gäste, außerdem schöne Werkstätten für allerlei Künste und Gewerbe. Wir besitzen eine große Kirche mit 16 Altären, außerdem haben wir noch fünf Kapellen mit wohlverzierten Altären. Wir besitzen zwei Bibliotheken mit Werken vieler Schriftsteller. Sechs gelehrte Mönche weilen hier, die den Magistergrad erlangt haben. Wir besitzen zwei Orgeln, auf diesen spielt ein Bruder mit höchster Kunstfertigkeit. Mehrere Quellen fließen durch das Kloster, eine in der Kirche, eine zweite in der Wohnung des Abtes und eine dritte im Refektorium.“
online Kultur im Kloster Bronnbach 2013 www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/kloester/zisterz/bronnb/index.htm Johannes Butzbach war von 1509-1516 Prior im Benediktinerkloster Laach, der heutigen Abtei Maria Laach. Er ist ein bedeutender Vertreter des rheinischen Klosterhumanismus

und Nachfolger seines Vorbildes Johannes Trithemius.

Der oben zitierte Brief ist noch länger. Das Original befindet sich auf der Universitätsbibliothek in Bonn (Cod. S. 220. V. c. fol. 139-144)

Die Bronnbacher  Bibliothek wurde allerdings 1631 weitgehend vernichtet. Zur Bibliothek sagt Trunck, dass nur die Professbrüder diese benützen dürfen, die Novizen noch nicht. Bei der Verfassung des Briefes waren es zwei Novizen. Neben den 6 Mönchen mit Magistergrad befand sich ein weiterer im Gymnasium zum heiligen Geist in Heidelberg. auch der Abt Johann VI.  und der Novizenmeister hatten den Magistergrad.

Der Konvent hatte 1510 40 Mitglieder, davon 24 Choralen, das sind die Mönche, die zum Chorgebet verpflichtet sind. 6 waren zu der Zeit in auswärtigen Geschäften unterwegs. 8 Konversen lebten und arbeiteten im kloster. Dazu kamen 2 >Novizen.

1416 wurde Johann IV. Siegemann zum 31. Bronnbacher Abt gewählt. Anlässlich seiner Wahl wurde veranlasst vom Maulbronner Mutterabt Albrecht IV. (1402-1428) eine Aufstellung der Klostereinkünfte erstellt.Der Konvent bestand aus 26 Mönchen und 4 Konversen. Das Klostereinkommen belief sich e 1097 Pfund und 42 1/2 Gulden beständigen und 12 Gulden an beweglichen Zinsen.

Von 1426-1428 wurde das stark schadensanfällige Kirchendach radikal umgebaut. Diesem Umbau fielen die Apsiden des Staffelchors zum Opfer. Der Umbau wurde von einem Meister Berthold, einem Laienbruder aus dem Mutterkloster Maulbronn vorgenommen, der dort für das spätgotische Kreuzrippengewölbe in der Klosterkirche verantwortlich zeichnete.

Nachdem das Kloster in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts wirtschaftlich wieder gesundet war, zahllose Bauvorhaben durchführen konnte und auch kulturell ausstrahlte, kam ab dem 16. Jahrhunderts bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges eine Periode ständigen Niedergangs, die das Kloster an den Rand des Ruins brachte.

Im landwirtschaftlichen Bereich hatte das Kloster drei wichtige Einnahmequellen. Das war einmal die Fischzucht, die in Bronnbach ebenso konsequent und erfolgreich betrieben wurde wie im Mutterkloster Maulbronn. Mit vielen Teichanlagen auch in den Seitentälern der Tauber hatte das Kloster

ein Monopol auf den Fischverkauf. Bei einem Fleischverbot von 1/3 des Jahres war ein entsprechender Bedarf vorhanden.

Natürlich wurde die Wasserkraft genutzt. Das Kloster besaß viel Mühlen oder es besaß einen Mahlgang in der Mühle einer anderen Herrschaft. In den Mühlen herrschte Mahlzwang, das heisst die Bauern durften ihr Getreide nur in der Mühle ihrer Herrschaft mahlen lassen.

Dann war der Weinbau, den die Mönche ins Taubertal gebracht hatten. Die Klosterweinberge wurden von Häckern der Umgebung in Lohnarbeit bearbeitet. Bäuerliche Pächter und Weinbauern waren verdrängt worden. Der Wein konnte zollfrei über den Main verschifft werden. Dazu kam das Recht, in Wertheim Wein steuerfrei ausschenken zu dürfen. Die Überschüsse des Klosters wurden in den Stadthöfen des Klosters (s.o) verkauft.

Im 14./15. Jahrhundert  wurde die Klosterwirtschaft immer mehr auf Einkünfte, auf Zinsen und Gülten umgestellt, eine Reaktion auf den zunehmenden Konversenmangel, der der dem gesamten Orden zu schaffen machte.

Die Besitzverhältnisse und Wirtschaftsweisen, Steuerfreiheiten, Zehnten und Rechte führten immer wieder zu zahlreichen Konflikten mit den jeweiligen Ortsherrschaften, mit der Dorf- und Stadtbevölkerung, den Häckern und Bauern.

Der Konflikt entzündete sich, was sich im Bauernkrieg zeigte. Klöster und Herrschaften waren Ziel der bäuerlichen Angriffe. Bei Klöstern waren die jeweiligen Fischteiche Zielpunkt. Das bäuerliche Ausfischen oder das Wasserablassen der Fischteiche beendete real-symbolisch das Klostermonopol.

Abt war in der Zeit des Bauernkrieges Johann VI. Edler von Boffsheim (Balzheim)(1501-1526) Kurz vor Ostern versammelten sich die Bauern der Klosterdörfer um einen Bund zu schwören. Kloster Bronnbach wurde geplündert, wahrscheinlich die Seitenkapellen und die Vorhalle der Klosterkirche zerstört .

Die zwei Orgeln wurden ebenso zerstört wie zwei Bibliotheken. Abt und Konvent wurden von den Bauern ebenfalls vertrieben. Als Abt Johann VI. am 13. November 1526 verstarb, wurde Konrad Neiff am 24. November als neuer Abt gewählt. Dieser trat aber schon am nächsten Tag wieder zurück.

Die desolate Bausubstanz hatten ihn  wohl ebenso wie die desolaten Klosterfinanzen zu diesem Schritt veranlasst. Auf ihn folgte als 38. Abt Markus Hauck aus Lohr (1526–1548).1530 bestätigte Kaiser Karl V. (1520-1556)

alle Rechte und Freiheiten, die seine Vorfahren Kloster Bronnbach verliehen hatten. Urkunde R-US 1530 Juli 20 Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US .

1530 fielen im Kloster Bronnbach acht Konventualen einer Seuche zum Opfer, das war etwa ein Drittel des Konvents. Im Mutterkloster Maulbronn war Abt Johannes IX. 1534 in den Stadthof von Kloster Maulbronn nach Speyer geflohen, nachdem Herzog Ulrich von Württemberg mit der Säkularisierung

der Klöster in seinem Herrschaftsbereich begonnen hatte. 1535 waren die ersten evangelischen Prediger in Maulbronn tätig.1537 verlegte Abt Johannes die Abtei nach Pairis. 1537 wurde Kloster Bronnbach der fränkischen Zisterzienserabtei Ebrach unterstellt.

Abt Markus war der erste Bronnbacher Abt, der bischöfliche Insignien trug. Die Pontifikalrechte, sowie das Recht, Mitra, Ring und Stab zu führen, wurden ihm am 17. November 1538 von Kardinal Hieronymus Aleander, Erzbischof von Brindisi.(Urkunde R-US 1538 November 17a Staatsarchiv Wertheim Findbuch R-US) gewährt.

Abt Markus starb am 15. November 1548. Am 26. November 1548 wurde Clemens Leusser wohl unter dem Einfluss des Grafen Michael III.von Wertheim zum neuen Abt von Bronnbach gewählt. Am 18. Oktober 1533 war er ins Kloster Bronnbach eingetreten. Am 10. Februar 1535  legte er seine Profess ab.

Er versah einige Klosterämter vor seiner Wahl zum Abt. Der Generalabt von Citeaux Jean XI. Loysier (30. März 1540–26. Dezember 1559 ) bestätigte die Wahl von Abt Clemens am 5. Februar 1549. Er wurde am 28 April 1549 Würzburger Weihbischof Georg Flach OSB (1544- 1564 )

benediziert.  In den ersten beiden Jahren seiner Regierungszeit erwies er sich noch als treuer Anhänger und Verfechter des alten Glaubens. Dann wandte er sich zunehmend der Reformation zu. Ende 1552 meldete er deren Vollzug an den Grafen Michael III.

Die weichen zur Reformation in der Grafschaft Wertheim stellte schon Michaels Vorgänger Graf Georg II. von Wertheim (1509-1539). Er war den Gedanken Luthers gegenüber aufgeschlossen . Schon 1524 forderte er Abt Johann VI. zu einer Stellungnahme zu den strittigen Religionsfragen auf.

Dieser antwortete nur sehr ausweichend. Papst Clemens VII.(1523-1534) beauftragte das Hochstift Würzburg mit der Visitation der Klöster in seinem Bistum. Das Hochstift beobachtete die Vorgänge im Kloster genau. Das Kloster wiederum sah mit der angedrohten Visitation seine Rechte bedroht.

Es wandte sich an den Grafen von Wertheim, der das Kloster als kaiserliches Lehen für sich beanspruchte.Nun zeigte sich, dass das Ganze eben auch eine Machtfrage war. Für Graf Georg ging es hauptsächlich darum, mit Hilfe der Reformation das Kloster unter seine Herrschaft zu bringen.

Die Verhandlungen zwischen Würzburg und Wertheim scheiterten. Das Kloster konnte mit einem Appell an das Reichskammergericht im Januar 1528 die angedrohte Visitation gerade noch abwenden. Dann starb Graf Georg II. 1530 ganz plötzlich. Für die Reformationsbestrebungen bedeutete das einen Aufschub.

1552 ließ Abt Clemens in seinem Kloster in lutherischem Sinn predigen. 1553 wurde erstmals im Kloster Bronnbach und Bronnbacher Pfarreien das Abendmahl in beiderlei Gestalt gereicht. Im Kloster hatte er 24 junge unbemittelte Leute aufgenommen, um sie zu Lehrern oder Predigern der neuen Lehre auszubilden.  Parallel zu den Reformationsereignissen liefen die Ereignisse des 2. Markgrafenkrieges. Zwischen 1552 und 1555 hatte Markgraf von Brandenburg-Kulmbach und Bayreuth Albrecht Alcibiades Raubzüge gegen seine fränkischen Nachbarn unternommen die Hochstifte Würzburg und Bamberg

zwang er, hohe Zahlungen zu leisten oder Landbesitz an ihn abzutreten.Kloster Maulbronn musste Kriegssteuern zahlen oder Naturallieferungen an die Kriegsparteien leisten. 1554 musste der Konvent vorübergehend sein Kloster verlassen.

Der Würzburger Bischof Melchior Zobel (1544 –1558) ging gegen Abt Clemens  vor. 1554 sollte er vom Hochstift Mainz verhaftet werden. Er leugnete seine Identität und konnte sich so der Verhaftung entziehen. Im Kloster fühlte er sich aber nicht mehr sicher. Er nahm das Klosterarchiv und Teile des Klosterschatzes mit und zog nach Wertheim in den Klosterhof um. Er heiratete am 1. Juni 1557. Im Streit um die Abtswürde seine Einkünfte wurde er von Grafen Ludwig von Stolberg, Schwiegervater und Nachfolger Michaels III. von Wertheim, und dem Herzog Christoph von Württemberg unterstützt.

Der neue Würzburger Bischof Friedrich von Wirsberg (1558 –1573) ernannte im August 1558 den früheren Konventualen Johann Pleitner, der jetzt Pfarrer in Königshofen war zum Bronnbacher Abt, da eine vorschriftsmäßige Wahl nicht möglich war. Johann Pleitner war einer der letzten drei katholisch gebliebenen  Mönche nach Einführung der Reformation durch Abt Clemens.

Er benedizierte ihn  am 15. August, 1558 und installierte ihn mit Gewalt in Bronnbach. Abt Clemens hatte am 25. Oktober 1558 zum zweiten Mal geheiratet, nachdem seine erste Frau gestorben war. Aus dieser Ehe gingen mehrere Kinder hervor.

Er arbeitet als Revisor in gräflich Stolbergischen Diensten und starb am 6. Oktober 1572 in Wertheim.

Abt Johann war ein Abt ohne Konvent. Die beiden verbliebenen anderen Konventualen befanden sich auswärts auf anderen Stellen. Pater Johann Knoll war Pfarrer in Rosenberg und Pater Martin Schäfer starb am 22. August 1560.

Viel bewirken konnte er natürlich nicht. 1560 fanden die Ablösung der Ansprüche des gewesenen Abtes Clemens statt. 1562 wird von einer Rücknahme von Kloster Bronnbach durch den Würzburger Fürstbischof berichtet.

Abt Johann starb 23. März 1563.

Am 22. August 1563  führte Fürstbischof Friedrich von Wirsberg den letzten verbliebenen Bronnbacher Konventualen Johann Knoll  ebenfalls mit Waffengewalt in sein Amt als Bronnbacher Abt ein, denn die Abtei hatte Graf

Ludwig von Wertheim-Löwenstein-Stolberg in Besitz.Von seiner Vorgeschichte ist nicht viel bekannt. Sicher ist nur, dass er  1549 in die Abtei Bronnbach eingetreten ist, also nachdem Abt Clemens dort die Reformation eingeführt hatte.

Es ist nicht sicher, ob er immer dem katholischen Glauben treu geblieben ist oder ebenfalls lutherisch geworden ist und später zum katholischen Glauben zurückgekehrt ist. Er hatte zwei Töchter, wobei er möglicherweise vor seinem Eintritt ins Kloster

verheiratet war. Der Fürstbischof kannte seine Vorgeschichte, ernannte ihn aber trotzdem zum Abt, was möglicherweise damit zu begründen ist, dass er der einzige überlebende Konventuale war.

Der Generalabt  Nicolas I. Boucherat (1571-1583) und der Abt von Kloster Ebrach Leonhard Rosen (1563–1591) forderten Abt Johannes auf, Bronnbach wieder für den Zisterzienserorden zu gewinnen. Um wieder zu einem Konvent zu kommen, erbat sich Johannes

Konventualen aus den umliegenden Klöstern.Da diese auch Mangel an Konventualen hatten, erfolgte das nur widerwillig und erst nach Aufforderung des Fürstbischofs. Aus Kloster Schöntal wurde P. Petrus Hasenbein nach Bronnbach gesandt und er wurde dort Prior.

In der Klosterkirche predigte bis 1572 der lutherische Pfarrer von Reicholzheim. Aber 1572 wurde trotz einer beim Reichskammergericht eingereichten Klage Wertheims Kirche, Kapellen und Altäre der Kirche wieder geweiht. Die lutherische Schule, die Graf Michael von Wertheim und Abt Clemens

1558 im Kloster eingerichtet hatten, wurde in eine katholische Schule mit einem jesuitischen Präzeptor umgewandelt. Auch das geschah nur gegen den Widerstand des Grafen von Stolberg.

Am 1. Februar 1572 bestätigte und erneuerte  Kaiser Maximilian II. (1563-1576) die Privilegien des Klosters. Inseriert sind eine Reihe von Privilegien früherer Könige und Kaiser. R-US 1572 Februar 1Fundbuch R-US Staatsarchiv Wertheim.

Am 29. Juli 1573 unterstellte Generalabt Boucherat Bronnbach definitiv Ebrach. Er übertrug dem Ebracher Abt, das war immer noch Leonhard Rosen, die Rechte und Funktionen eines Vaterabtes.Dieser hatte am Vortag Johann Knoll als Abt bestätigt.

Mit der klösterlichen Disziplin gab es einige Schwierigkeiten. Der Prior P. Petrus Hasenbein und der Großkellner Oswald Klockhardt wurden nach Würzburg gebracht und dort inhaftiert. Nach ihrer Freilassung wechselten sie die Konfession und der Wertheimer Graf Ludwig von Stolberg

setzte sie als  lutherische Pfarrer nach Dörlesberg und Nassig. Die Zahlung eines Jahresgehalt durch Kloster Bronnbach wurde aber durch ein kaiserliches Mandat verhindert.

In Würzburg war Julius Echter (1573-1617) Fürstbischof. Auch er unterstützte Kloster Bronnbach sehr und beide Fürstbischöfe hatten einen wesentlichen Anteil an erfolgreichen Wiederherstellung des Klosters Bronnbach.

Am 24. September 1578 legte Abt Johann sein Amt aus Altersgründen nieder. Noch am selben Tag wurde sein Nachfolger Wigand Mayer gewählt. In seiner Regierungszeit erholte sich das Kloster allmählich von den Folgen der Reformation.

Allerdings hatte er einige Schwierigkeiten zu meistern. Da war einmal der Wertheimer Graf Ludwig und gegen den er sein Recht bei Reichskammergericht durchsetzen musste. Am 14. November 1589 nutzte Graf Ludwig die Abwesenheit des Abtes und ließ Kloster Bronnbach militärisch besetzen.

Den Bursar und den Büttner ließ er nach Wertheim bringen. Bischof Echter griff umgehend militärisch ein. Daraufhin klagte Graf Ludwig gegen den Würzburger Fürstbischof. Es entstand die Würzburger Fehde, die allerdings noch weitreichender Gründe hatte. Sie dauerte etwa zwanzig Jahre.

Die vier ehemals wertheimischen Ämter (Karlstadt-)Laudenbach, Remlingen, Freudenberg und Schweinberg wurden  am Ende würzburgisch.

Abt Wigand hatte auch gegen innerklösterliche Opposition zu kämpfen. Konventsmitglieder klagten gegen ihn bei Bischof Julius Echter und warfen ihm vor, Klostergut verschleudert zu haben. Er wurde vorgeladen, konnte sich aber rechtfertigen. Abt Wigand sollte die Wirtschaftsverwaltung nach den Vorgaben des Hochstiftes Würzburg modernisieren. Dass ihm das gut gelang, zeigt eine Quittung aus dem Jahr 1587:

“Bischof Julius zu Würzburg bekennt, dass das Kloster Bronnbach (Brumbach) zu Seminar und Universität zu Würzburg (Wirtzburgk) 2000 Gulden beigesteuert hat.” (R-US 1587 Februar 22 Findbuch R-US Staatsarchiv Wertheim). Wenn das Goldgulden waren,entspricht das immerhin

einem Wert von ca. 75 Euro/Gulden. In seiner Amtszeit wurden über dem romanischen Unterbau des Konversengebäudes im Westflügel zwei Stockwerke aufgeführt und als Abtswohnung eingerichtet. In Allersheim und Hochhausen wurden die Pfarrhäuser wieder hergestellt

und Schafstall auf dem Schafhof neu erstellt. Das Kloster erhielt in seiner Regierungszeit auch wieder Zulauf. Von 1581-1601 erhielten 26 Mönche die Weihen.

Zur Gesundung des Klosters trugen auch die Reformbemühungen des Zisterzienserordens bei, die der Orden nach dem Konzil von Trient in Angriff nahm. 1594 wurden die Äbte von Ebrach als Generalvikare für die fränkischen Klöster, zu denen Bronnbach zählte, bestellt.

1595 beschlossen 17 Äbte aus dem oberdeutschen Raum im Kloster Fürstenfeld die “Fürstenfelder Statuten”. Aus den vier Provinzen Schweiz-Schwaben-Elsaß, Franken, Baiern sowie den Kaisheim unterstehenden Klöster sowie Tiro wurde das oberdeutsches Generalvikariat gebildet.

Zum Generalvikar wurde der Salemer Abt Petrus Müller (1593–1615) ernannt. Nach einer Visitationsreise von Generalabt Nikolaus II. Boucherat im Jahr 1615 wurde 1624 die Oberdeutsche Kongregation gegründet. Darin wurden die oberdeutschen Zisterzienserklöster in einer eigenständigen Verwaltungseinheit zusammengefasst. Bronnbach gehörte der Kongregation von Beginn an an.

Abt Wigand starb am 23. November 1602.

Unter dem Vorsitz von Vaterabt Hieronoymus I. Hölein (1591–1615) wurde der neue Abt Sebastian Ulrich gewählt. Er weigerte sich zunächst, dem Würzburger Bischof den Eid zu leisten, da in die Eidesformel verschiedene Neuerungen aufgenommen worden waren. Gutes Zureden half nichts.

Erst nachdem er dazu genötigt wurde, legte er den Eid ab. 1605 reiste er zum Generalkapitel nach Citeaux.Auf dem Weg traf er sich  in Schweinfurt  mit den Äbten von Ebrach und Bildhausen wegen der Türkensteuer. 1612 weilte Kaiser Matthias (1612-1619) mit seiner Gemahlin Anna in Würzburg.

Abt Sebastian nahm an der Huldigung der Prälaten in Würzburg teil. In der Folge wurden alle kaiserlichen Privilegien Bronnbachs nach der Formel Rudolfs II. bestätigt.

1613 machte der Kurfürst von Trier Lothar von Metternich ( 1599 bis 1623 ) in Bronnbach mit 250 Personen Station und musste verpflegt werden. Das kostete und der Konvent musste sich einschränken, was natürlich Anlass zur  Schon die Reisekosten nach Citeaux hatte Abt Ulrich kaum bestreiten können.

Abt Ulrich wurde für die missliche wirtschaftliche Lage verantwortlich gemacht und es Unfähigkeit und Verschwendungssucht vorgeworfen. Er wurde nach Würzburg vorgeladen und der Verwaltung in Bronnbach enthoben. Fürstbischof Echter setzte den Bursar Jacob Höfer als Administrator ein.

Nachdem der Generalabt Nicolas Boucherat (1604-1625) kurz danach wieder in Franken war, wurde der Abt nochmals nach Würzburg vorgeladen und dankte dann im Beisein von Generalabt Boucherat und dem Ebracher Abt Hieronymus ab.

Am 11. Juli 1618 wurde nach dreijähriger Verwaltung durch Jacob Höfer mit dem Ebracher Bursar Johannes Feilzer ein neuer Abt gewählt. Die Wahl fand unter Leitung des Salemer Abtes Thomas Wunn (1615–1647 ) als Vertreter des Generalabt Nicolas Boucherat  und in

Anwesenheit des Ebracher Vaterabts Johannes Dressel (1618–1637) statt. Der Konvent war total zerstritten und man hatte sich nur sehr schwer auf einen Kandidaten einigen können, der möglicherweise der Neutralität halber aus dem Mutterkloster
Ebrach genommen worden war. Nach der  Bestätigung durch den Generalabt wurde Abt Johannes am Januar 1619 in Ebrach zusammen mit Abt Johannes Dressel in dessen Heimatkloster von dem Würzburger Fürstbischof

Johann Gottfried von Aschhausen (1617-1622) benediziert assistiert von dem Langheimer Abt Peter II. Schönfelder (1608–1620 ).

Der neue Abt setzte nun sein ganzes Augenmerk sowohl auf den geistlichen als auch auf den wirtschaftlichen Wohlstand der wirtschaftlichen Wohlstand der Abtei. Der geistliche Wohlstand lässt sich in
Zahlennatürlich nicht ermessen. Aber wirtschaftlich war Abt Johannes sehr erfolgreich- bis der Dreißigjährige Krieg auch Franken erreichte. In den ersten Jahren seiner Amtsführung hatte er 17.000 Gulden an Schulden abgetragen.

1623 hatte er die Veitsmühle in Bütthardt erworben, 1627 da sogenannte Schneckenhaus in Hochhausen und noch ein weiteres Haus an diesem Ort.

Am 18. Juli 1625 bestätigte Kaiser Ferdinand II. dem Kloster alle Rechte und Privilegien. Auch sicherte er kaiserlichen Schutz zu. Dies nützte Abt Johannes um 1628 mit Hilfe kaiserlicher Reiter die Ortschaften

Reicholzheim, Dörlesberg, Nassig, Ebenheid , die in fremde Hände geraten waren, wieder in den Besitz des Kloster zu bekommen. Er hatte den Neubau des Gästehauses vollendet und große Summen zur

Anschaffung von Kirchenparamenten und Geräten ausgegeben, unter anderem einen neuen Abtstab ausgeben. Dann kam der Krieg in Franken an. Am 15. Oktober 1631 kapitulierte Würzburg und wurde von Gustav Adolf (1611-1632)

Schon am 12. Oktober waren Würzburger Jesuiten und hohe Geistliche auf der Flucht auch in Kloster Bronnbach vorbeigekommen und empfahlen Abt Johannes, das Kloster zu verlassen. Er ließ Kirchenornat und Klosterschatz verpacken

und flüchtete in Begleitung seines Cellerars Johannes Tierlauf zunächst nach Miltenberg, dann über Worms in die Benediktinerabtei Tholey im Saarland. Aber Tholey wurde bald von den nachrückenden Schweden überfallen und geplündert.

Diese brachten den Abt als Gefangenen nach Worms.

Am 15. Oktober 1631 brachten sich die Mönche in Sicherheit. Einige flohen nach Schönthal, andere nach Wettingen, einer ins Zisterzienserkloster Bottenbroich bei Kerpen und einer sogar bis ins Kloster Heiligenkreuz in der Nähe von Wien.

Gustav Adolf hatte das verlassene Kloster dem Grafen Friedrich Ludwig zu Löwenstein-Wertheim-Virneburg geschenkt. Er hatte den gesamten Viehbestand des Klosters, nach Aussagen des Chronisten “vor Vieltausend Reichsthaler Werth”

Ebenso raubte er Wein  und Früchte. Die Altäre schändete er und zerstörte sie. Bilder wurden verbrannt, Statuen zerstört. Die reichhaltige Bibliothek wurde zerstört, die Bücher verstreut, die noch verbliebenen Mönche wurden übel behandelt.

Das Archiv dagegen blieb weitgehend erhalten. möglicherweise wurde es rechtzeitig in Sicherheit gebracht.

Die Klosterchronik endet Ende September. Sie setzt erst 1635 wieder ein.

Abt Johannes kam von Worms irgendwie nach Metz und von dort schließlich nach Köln, wo sich auch der Würzburger Fürstbischof Franz von Hatzfeld (1631 –1642) und der Würzburger Weihbischof Jodokus Wagenhauer sowie der

Abt von Bildhausen Georg Kihn (1618 ?-1639) befanden. Ins Kölner Zisterzienserinnenkloster war auch der Klosterschatz in Sicherheit gebracht worden.

Die Schlacht bei Nördlingen am 5. und 6. September 1634 bescherte den Schweden eine vernichtende Niederlage. Der Schwäbische, fränkische und Bayrische Reichskreis sowie Oberschwaben kam wieder unter kaiserliche Kontrolle.

In der Folge konnten auch die Bronnbacher Mönche wieder in ihr verwüstetes Kloster zurückkehren und mit dem Wiederaufbau beginnen. Abt Johannes starb kurze Zeit nach der Rückkehr aus seinem Kölner Exil in Würzburg am 3. September 1637.

Er wurde am 5. September in der Bronnbacher Kirche beerdigt.

Sein Nachfolger wurde Johannes Tierlauf, der mit dem verstorbenen Abt zusammen im Exil war. 1635 war er auch mit ihm nach Bronnbach zurückgekehrt. Laut der Urkunde R-US 1637 September 10 wird Johannes Tierlauf am 10. September 1637 zum

neuen Abt von Bronnbach gewählt. Die Wahl fand unter Vorsitz des Bildhausener Abtes Georg Kihn und im Beisein des Visitator und Ebracher Abtes Johannes VI. Pfister (1637–1641) statt. Neun Konventuale konnten an der Wahl teilnehmen. Der Rest war noch verstreut.

Der Würzburger Fürstbischof Franz von Hatzfeld bestätigte die Wahl schon am 25. September. Die Benediktion konnte aber erst am 2. Februar 1638 in der Domkirche in Würzburg stattfinden. Gleichzeitig mit Johanes Tierlauf weihte der Würzburger Fürstbischof die neuen Äbte von Ebrach

Johannes Pfister und den Langheimer Abt Johann Gagel (1638.1649) Der neue Bronnbacher Abt hatte hauptsächlich zwei Aufgaben. Zum einen musste er seinen weitverstreuten Konvent wieder zusammenbringen. So forderte er den Bronnbacher Konventualen Friedrich Groß, wieder nach Bronnbach zurück zu kommen. Er war in Heiligkreuz untergekommen. Der dortige Abt Christoph Schäfer (1615-1637) ermöglichte ihm ein Studium an der Universität Wien. Er hatte dort 1635 den Doktorgrad in Philosophie erworben und 1638 wurde er zum Doktor der Theologie promoviert.

In seiner Wiener Zeit schloß er Freundschaft mit Juan Caramel Y Lokowitz, einemscholastischen Universalgelehrten und spanischen Zisterzienser. Er war in das Kloster
Santa Maria de la Santa Espina in der Provinz Valladolid eingetretn. Er schuf mit der “ Theologia regularis” ein umfangreiches Kommentarwerk zur Regula Benedicti, das 607 Seiten umfasste. Die zweite Auflage erschien 1646 in Frankfurt und er widmete einen Teil dieser

Auflage Friedrich Groß. Er machte in Wien auch Bekanntschaft mit Mauritius  Knauer  (1649–1664) dem späteren Abt des Zisterzienserklosters Langheim sowie Gaspar Jongelinx, ab 1640 des nach dem Restitutionsedikt von 1629 wiederhergestellten Klosters Disibodenberg in der Pfalz.

Friedrich Groß kehrte 1639 nach Bronnbach zurück und wurde 1641 nach dem Tod von Abt Johannes Tierlauf neuer Abt in Bronnbach.

Der zweite Schwerpunkt von Abt Johannes Tierlauf war die desolate wirtschaftliche Lage des schwergeschädigten Klosters zu verbessern. Aber es herrschte immer noch Krieg. Man konnte sich im Land kaum bewegen, denn man stieß immer wieder auf umherstreifende Soldaten.

Trotzdem schaffte es das Kloster am 10. März 1638 die Lindenmühle an der Erffmit allen Rechten  samt Zubehör für 300 Reichstaler zu kaufen.  (Findbuch R-S , Staatsarchiv Wertheim: R-US 1638 März 10).

Auch gewährte der Mainzer Erzbischof Anselm Casimir Wamboldt von Umstadt (1629- 1647 )dem Kloster Zollfreiheit für Getreide und Wein, die 1639 nach Frankfurt und Köln verschifft wurden. Der Abt erwirkte auch,  dass die kurfürstlichen Beamten in Bischofsheim, Prozelten und Külsheim angewiesen wurden, ausständige Zehnten und Zinsen des Klosters für dasselbe einzutreiben.

Aber es gab immer wieder Truppendurchzüge, für das Kloster oft eine kostspielige Angelegenheit.General Hans Christoph von Königsmarck  war in die Dienste von König Gustav Adolf getreten. 1639 war er schwedischer Befehlshaber in Westfalen. Von dort aus unternahm er mit einem mobilen Reiterverband Plünderzüge bis in den Süden Deutschlands.1639 musste das Kloster Brandschatzungsgeld an die schwedischen Truppen  zahlen.

Abt Johannes Tierlauf starb am 21. April 1641. Er wurde neben seinem Vorgänger bestattet.

Bei der Wahl des neuen Abtes waren 7 stimmberechtigt Mitglieder anwesend. Sie fand unter Vorsitz des Visitators Johannes Pfister statt. Gewählt wurde Friedrich Groß als Jüngster der anwesenden Mönche, wegen seiner Gelehrsamkeit.

Er wurde am 20. August, am Fest des Heiligen Bernhard, im Auftrag des Fürstbischofs von Würzburg von Abt Valentin Hendinger (1639–1675 ) von Kloster Maria Bildhausen  benediziert.

Das größte Augenmerk legt der Abt nun auf die Gewinnung neuer Konventualen und eine gründliche Ausbildung der neuen Konventsmitglieder. Das war Voraussetzung die inkorporierten Pfarreien der Abtei seelsorgerlich betreuen zu können.

1645 zählte der Konvent schon wieder 16 Mitglieder. Drei davon studierten in Würzburg Philosophie. Gleich bei Amtsantritt ließ er den verwüsteten Chorraum der Kirche wieder herstellen und einen neuen Altar errichten.

1641 wies  Girolamo Farnese(1639-1643), der päpstliche Nuntius in Luzern an, dass alle auswärtigen Konventualen in ihre Professklöster zurückkehren sollten. Daraufhin kamen auch die Bronnbacher Konventualen  zurück,

unter ihnen wohl auch Valentin Mammel, der über Schönthal und Salem, wo er jedes Mal vor den Schweden fliehen musste sich dann in Wettingen aufhielt, wo er zusammen mit Nikolaus Hoffmann war, dem späteren Abt von Neuzelle.

Für den Bronnbacher Hof in Würzburg ordnete Abt Friedrich an, dass dort ein Kapitular aus dem Kloster die Verwaltung führen sollte. Das geschah aus ökonomischen Gründen. Gleichzeitig war ein Ansprechpartner für die in Würzburg studierenden

Mönche auch zur Leitung und Überwachung vor Ort. Aber auch die fürstbischöfliche Kanzlei mischte sich ein. Am 21. November 1645 musste Abt Friedrich einen Revers unterzeichnen und damit die fürstbischöfliche Überwachung seiner Massnahmen anerkennen.

Zwar gab es seit 1643 erste Verhandlungen zwischen dem Reich, Frankreich und Schweden in Münster und Osnabrück über einen möglichen Frieden. Die Kämpfe dauerten aber noch 5 Jahre an, zumal  alle Parteien versuchten, Vorteile zu gewinnen.

Bronnbach war von Kampfhandlungen betroffen. Am 20. Juni 1646 versuchten kaiserliche Reiter ins Kloster einzudringen. Da aber viele Untertanen  aus Reicholzheim und Dörlesberg gerade im Kloster waren, weil sie ihre Habe dort in Sicherheit hatten,

konnte der Angriff abgewehrt werden. Der Abt musste aber noch dreimal nach Würzburg flüchten.

Am 12. November 1647  trat Abt Friedrich von seinem Amt zurück. Er kam damit einer drohenden Ablösung durch die Ordensleitung zuvor. Wenn man der Bronnbacher Überlieferung folgt, waren daran die Zeitumstände aber auch die mangelnde Erfahrung  in wirtschaftlichen Angelegenheiten an

seinem Scheitern schuld. Aber in der Korrespondenz zwischen Thomas Wunn, dem Generalvikar der Oberdeutschen Kongregation und Bernhard Gemelich, dem Abt von Stams und Vizepräses der Kongregration geht es auch um den Lebenswandel des Abtes und Schwierigkeiten zwischen ihm und dem Konvent. Die Wahl fand unter Vorsitz des Vaterabts von Ebrach Peter II. Scherenberger (1646-1658) statt. Gewählt wurde Valentin Mammel. Da ihm Friedrich das Treuegelöbnis nicht ablegen wollte und da er von der “Stabilitas”, der Ortbeständigkeit entbunden war, verließ er die Abtei und ging zuerst nach Stams und von dort nach Maulbronn. Dort war Bernardin Buchinger Abt. Dieser forderte die alten Rechte der Mutterabtei wieder ein,  wie er später sagte von Friedrich Groß falsch informiert. Von Abt Bernardin nicht als Profess in Maulbronn aufgenommen, kehrte er nach Franken zurück.

Dort übernahm er die Pfarrei Bischofsheim. Diese legte  1654  nieder.  Dort war es auch zu Auseinandersetzungen gekommen. Er ging 1654 ins Kloster Bronnbach zurück. Er starb am 26. März 1656  und ist in Bronnbach neben der Kanzel bestattet.

Abt Valentin Mammel wurde  am 13. November 1647 zum Nachfolger von Abt Friedrich gewählt. Am 10. Oktober 1649 musste Abt Valentin die Klosterdörfer Reicholzheim, Dörlesberg und Nassig den Grafen von Wertheim übergeben, da diese im Normaljahr 1624 in deren Besitz gewesen waren.

Er Reiste zweimal zum Reichskammergericht nach Speyer, um die Rechte des Klosters zu wahren. Er nahm auch die Hilfe seines Abtkollegen Christoph Haan (1636-1675)vom Kloster Schöntal in Anspruch, damit der die Sache Bronnbachs bei den Grafen Löwenstein-Wertheim vertrete. Die Streitigkeiten

dauerten bis 1672. Deren Ende erlebte er nicht mehr. Während des Krieges waren dem Kloster viele Besitzungen abhanden gekommen oder wurden jetzt streitig gemacht. Abt Valentin musste sich um den mühevollen Wiedererwerb kümmern. Damit entschuldigte er auch sein Nichterscheinen

beim Generalkapitel 1651.

Er bemühte sich, die im Krieg gelockerte Klosterdisziplin wieder herzustellen. Die Bildung seiner jüngeren Konventualen lag ihm sehr am Herzen. Auf Wusch des Generalkapitels wurde 1652 in Würzburg im Ebracher Hof eine Studienstätte für die fränkische Ordensprovinz eröffnet. Dorthin schickte er

zeitweise einen Bronnbacher  Religiosen . Besonders begabte schickte er nach Bamberg, wo sie unter Leitung des Abtes von St. Michael studierten.

1653 nahm Abt Valentin an der Erhebung der Gebeine des seligen Adams von Ebrach teil.

1657 ließ er in der Klosterkirche den großen Kreuzaltar aufstellen, der sein Wappen trägt.

Im Juni 1654 visitierte Generalabt Claude Vaussin (1645-1670) die fränkischen Klöster und damit auch Bronnbach.

Abt Valentin hatte die Abtei wieder auf eine solide Grundlage gestellt und damit die neue Blütezeit der Abtei eingeleitet.

Mit zunehmenden Alter nahmen seine Kräfte ab. Er resignierte deshalb nach 24-jähriger Regierungszeit am 27. April 1670. Er lebte noch zwei Jahre und starb am 18. Februar 1672. Er wurde am Eingang des Chors der Klosterkirche bestattet.

Sein Nachfolger Franziskus Wundert wurde als Sohn wohlhabenden Ratsherrn Georg Wunder in Grünsfeld geboren. Aus der Stadt Grünsfeld stammen auch die nächsten beiden Bronnbacher Äbte. Seine Eltern bedachten Kloster Bronnbach

mit reichen Spenden und können als große Wohltäter des Klosters angesehen werden. Abt Franziskus studierte in Würzburg. Wann er ins Kloster eingetreten ist, ist nicht bekannt.

In Bronnbach war er Novizenmeister, Lektor der Philosophie und Theologie und fünf Jahre Prior. Er wurde als  am 28. April 1670 einstimmig zum Abt gewählt. Er scheint schon einen guten Ruf gehabt zu haben, denn seine Wahl wurde sowohl vom Würzburger

Bischof Johann Philipp von Schönborn (1642-1673) sowie dem Generalabt Jean XII. Petit (170-1692) sofort bestätigt. Er wurde vom Würzburger Weihbischof Stephan Weinberger am 28. September 1670 benediziert.

Der Rechtsstreit um die Dörfer Reicholzheim, Dörlesberg und Nassig  vor dem Reichskammergericht endete  am 30. September 1730 mit einem Teilsieg für das Kloster. die Dörfer Reichholzheim und Dörlesberg wurden dem Kloster zugesprochen

und rekatholisiert. Den Einwohnern wurde Glaubensfreiheit zugesichert. Die meisten kehrten bald zur katholischen Kirche zurück.

Im September 1763 erlebte das Kloster Bronnbach und die näher Umgebung nochmals einen Schrecken. Der letzte Krieg lag gerade mal 20 Jahre zurück.

1672 erklärten Frankreich und England den Niederlanden den Krieg, nachdem es die Diplomaten von Ludwig XIV. geschafft hatten, die Niederlande politisch zu isolieren. Einer der Hauptschauplätze des Niederländischen Krieges war das Elsass.

Der französische Marschall Henri de Turenne war im August 1673 von der Gegend von Frankfurt und Aschaffenburg aus in Franken eingefallen und hatte  sich auf dem linken Mainufer festgesetzt um dort das kaiserliche Heer zu erwarten, welches sich unter

dem österreichischen Generalleutnant Raimondo Fürst von Montecuccoli, welches von Nürnberg her im Anmarsch war. Die Franzosen wurden abgedrängt und zogen sich in Richtung Philippsburg zurück. Auf seinem Rückzug überließ er aber das Land um Würzburg den Plünderungen und der Gewalt seines Heeres. In Bronnbach wurden die Kornvorräte des Klosters geplündert und das Vieh geraubt. Abt Franziskus war nach Würzburg geflohen.

Dann aber konnte Abt Franziskus mit der barocken Umgestaltung des Klosters beginnen. Wegen seiner Bautätigkeit nannte ihn der letzte Abt von Bronnbach Heinrich Göbhardt den zweiten Gründer von Kloster Bronnbach. Beim Ostflügel des Konventbaus wurde 1674/75 das Obergeschoss abgerissen und neu errichtet.

Den Bau finanzierte der Abt zum Teil aus seinem ererbten Privatvermögen.

Die im dreißigjährigen Krieg zerstörte Bibliothek baute er wieder auf.

Den Bronnbacher Hof in Würzburg ließ er restaurieren. die dortige Kapelle wurde niedergerissen und durch eine neue ersetzt. Der Würzburger Weihbischof Stephan Weinberger weihte sie am 28. September 1692.

Für die Abteikirche schaffte er Paramente und Geräte an, z. B. eine Monstranz, mehrere Kelche und einen Abtsstab. Auch die Ende des Jahrhunderts vom Orden neu herausgegebenen Chorbücher wurden angeschafft.

Die klösterliche Disziplin handhabte er sehr streng. Das schaffte ihm durchaus auch Feinde. Manche Konventuale wollten dem entkommen und versuchten in die Abtei Schöntal im Jagsttal auszuweichen, wie der dortige Abt

Benedikt Knittel in seiner Chronik erwähnt.

Abt Franziskus starb am am 10. September 1699  in Neubrunn in Unterfranken. Er wurde in der Abteikirche beigesetzt.

Josef Hartmann wurde sein Nachfolger. Auch er war aus Grünsfeld und auch seine Familie hatte dort Ratsmitglieder gestellt. 1679 trat er in das Kloster Bronnbach ein. 1684 wurde er zum Priester geweiht.

Ab 1696 war er bis zu seiner Wahl Prior in Bronnbach. Er wurde am 19. September 1699 zum Abt gewählt. Er wurde vom Würzburger Fürstbischof  Johann Philipp II. von Greiffenclau (1699-1719) bestätigt.

Auch Generalabt  Nicolas III. Larcher (1692– 1712 ) bestätigte die Wahl umgehend.

Abt Josef wurde am 23. Mai 1700 vom Würzburger Fürstbischof unter Assistenz des Prälaten von Oberzell und  Abt Benedikt Knittel (1683-1732) benediziert. Wie Abt Benedikt berichtet, hatte der Würzburger Fürstbischof 250 Personen in seinem Gefolge mitgebracht.

Das dürfte dem Kloster ziemliche Ausgaben verursacht haben. Aber die Finanzlage der Abtei hatte sich ja seit Abt Valentin wieder konsolidiert. Die Klosterkasse war so gut gefüllt, dass auch er wie sein Vorgänger ein umfangreiches Bauprogramm realisieren konnte.

Begonnen wurde mit der Renovierung der Inneneinrichtung der Klosterkirche. Die steinernen Chorschranken wurden von 1700-1703 durch ein schmiedeeisernes Gitter ersetzt. Im Langhaus wurden neue Seitenaltäre errichtet, die Abt Josef am 22. April 1703 weihte.

Vor dem Klausurgitter wurden vier Altäre zwischen 1704 und 1706 errichtet. Balthasar Esterbauer zeichnete dafür verantwortlich. Von ihm stammt auch die Kanzel und vier Figuren am Hauptaltar. Der neue Hauptaltar von 1712 trug auch eine Statue des Heiligen Josefs, die auf

den Bauherrn verwies. Der Altar war das Werk des Bronnbahcer Laienbruders Benedikt Gamuth. 1705 wurde der Bau des Infirmariums, also des Krankenhauses mit Kapelle  begonnen. für die Kapelle wurde 1707 ein Altar beschafft. Der Saal im Untergeschoß wurde möglicherweise auch als Kapitelsaal benutz, der im Obergeschoß als Bibliothek. Von 1703 bis 1705 wurde der Schreinereibau mit darunter liegendem Weinkeller errichtet. 1714/1715 wurde ein neues Gasthaus bei der äußeren nördlichen Pforte erbaut. Die Umgestaltung des Refektoriums wurde ab 1722 begonnen

aber erst 1725 unter seinem Nachfolger abgeschlossen. Auch außerhalb des Klosters ließ er bauen. In Reicholzheim (1713) und in Dörlesberg (1721/22) wurde die Kirche neu gebaut.

Die Baulust des Abtes verschlang viel Geld und fand nicht die ungeteilte Zustimmung des Konvents.

Auch wirtschaftliche Belange standen in seinem Blickpunkt. Am 1. März 1716 kaufte er die Ebenmühle in Dörlesberg (R-US 1716 März 1)

Er förderte in seinem Konvent  auch die Wissenschaften. Die Begabteren konnten  studieren. Drei Bronnbacher Mönche promovierten an der Universität Würzburg, darunter sein Nachfolger Engelbert Schäffner.

Die Rechte des Klosters versuchte er zu wahren, was einige Rechtsstreitigkeiten belegen, die er führte.

Mit der Fürstenfamilie Löwenstein pflegte er freundschaftliche Beziehungen.

Als Kaiser Karl VI. (1711-1740) im Dezember 1711 nach Frankfurt reiste, wo er am 22.12 zum Kaiser gekrönt wurde, begrüßte Abt Josef den neuen Kaiser am Hofgut Breitenau im Eftal. Daran erinnert heute noch ein Denkmal mit

der Inschrift: „Carolus VI ist passirt von Barcellona als er marchirt nach Francfurt durch dies Thal, gecrönt zum Keyser nach der Wahl!“

1711 visitierte Abt Stephan Jung (1698-1725) aus Salem im Auftrag von Generalabt Nicolas Kloster Bronnbach wie alle Klöster der Oberdeutschen Kongregation.

1720 zählte Bronnbach 31 Priester und sieben Fratres, darunter einen Oblaten. Laienbrüder waren zu der Zeit nicht im Kloster.

Abt Joseph starb am 19. Dezember 1724 infolge einer Kopfverletzung, die er sich Sturz bei der Besichtigung der Ausgestaltung des Josefsaals durch einen Fall vom Gerüst zugezogen hatte.

Engelbert Schäffner wurde am 28. Dezember 1724 zum Abt gewählt. Er war der letzte der drei Äbten, die aus Grünsfeld stammten.

1705 trat er in die Abtei Bronnbach ein. Am 16. Januar 1707legte er die Profess ab. Am 12. März 1712 wurde er  in Würzburg zum Priester geweiht. Danach wurde er an der Universität Würzburg

er zum Doktor der Theologie promoviert.

Fürstbischof Christoph Franz von Hutten (1724-1729) bestätigte ihn am 30. Januar 1725 in seinem Amt und benedizierte ihn am 13. Mai. Der letzte Abt Heinrich Göbhardt bezeichnete ihn in seiner

“Historica domestica” als ”SS. Theologiae Doctor et insignis Orator, qui in promovendis scientiis multam adhibuit operam “ also als  Doktor der Theologie und ausgezeichneten Redner, der sehr viel

Mühe darauf verwendete, in den Wissenschaften Fortschritte zu machen.

Er schickte mehrere seiner Konventualen nach Würzburg zum Studium.

Den barocken Sommersaal, der nach seinem Vorgänger Josefsaal genannt wurde, ließ er vollenden. Er ließ das innere Tor mit einem Bildnis des heiligen Bernhards von Clairvaux errichten.

Auch mehrere Wirtschaftsgebäude wurden in seiner Zeit erbaut. Das 1742/43 gebaute Bursariat diente als Verwaltungsgebäude und Amtssitz des Klosterverwalters (Bursarius)Am Bursariat ist

das Wappen von Abt Engelbert angebracht. Er ließ einen neuen garten anlegen und mit Skulpturen schmücken. Die umfangreiche Bautätigkeit sorgte allerings zu Unordnung im klösterlichen Leben.

Vor allem aber führte sie zu großer Unzufriedenheit im Konvent. Dem Abt wurde vorgeworfen, dass er große Summen für überflüssige und luxuriöse Bauten ausgebe, vor allem aber, dass er die

Arbeiten unkundigen Baumeistern übertragen habe und dadurch nicht nur schlecht sondern teuer baue. Er scheint tatsächlich vom Bauwesen nicht allzu viel verstanden zu haben. zudem war er wohl zu vertrauensselig

und wurde deshalb oft betrogen.

Auch mit dem Umgang mit dem Hochstift war man unzufrieden.  Die Konventualen bemängelten zu viel Nachgiebigkeit gegenüber dem bischöflichen Ordinariat. Die Auseinandersetzungen wegen der Klosterpfarreien Reicholzheim und Dörlesberg

landeten schließlich sogar vor der Rota in Rom.

Mit Abt Engelbert Klöpfel (1731–1754 ) von Bildhausen nahm er am Generalkapitel 1738 in Clairvaux teil.

1751 beging die Abtei Bronnbach ihr 600-jähriges Jubiläum. Abt  Engelbert ließ dieses mit großem Aufwand feiern.

Am 21. August 1752 nach langer Krankheit.

Sein Nachfolger Ambrosius Balbus stammte aus Volkach. Seine Familie war eine der wohlhabendsten Familien in Volkach. Er besuchte dort die Lateinschule. 1721 begann er an

der Universität Würzburg ein Philosophiestudium. Am 22. April 1725 legte er in Bronnbach die Profess ab. Am 17. April 1729 wurde er zum Priester geweiht.

Er studierte nochmals und schloss als Baccalaureus der Theologie und beider Rechte ab. Er lehrte 1736/1737 Theologie an der Hauslehranstalt. Er hatte verschiedene Klosterämter inne.

Von 1737-1740 war er Prior, von 1741 bis 1748 Granarius, das war der Verwalter des Kornkastens, 1746 bis 1748 Kanzleidirektor und dann noch ein Jahr Bursar.

Danach übernahm er die Verwaltung des Klosterdorfs Dürrhof bei Freudenberg am Main.

Er wurde am 29. August 1752 zum Abt gewählt. Der Fürstbischof von Würzburg Karl Philipp von Greiffenclau zu Vollrads (1749 –1754 ) benedizierte ihn am 9. November 1752.

In seiner Regierungszeit erhielt die Klosterkirche eine barocke Innenausstattung und 1778 ein neues Chorgestühl. Es wurde von Laienbruder Daniel Aschauer fertiggestellt. Er war unter Abt Ambrosius ins Kloster eingetreten und leitete

die Klosterschreinerei. Auch die Konventsgebäude wurden barockisiert und erhielten neue Stukkaturen. In den Jahren 1773 bis 1775 wurde die Orangerie für frostempfindliche Pflanzen errichtet. Auf ihrer Sonnenseite weist ein barockes Fresko auf.

Es wurde zur 50-jährigen Profess von Abt Ambrosius angefertigt und ist das vermutlich das größte Fresko im Freien nördlich der Alpen. Es verherrlicht das Kloster als paradiesischen Kosmos und zeigt in allegorischen Darstellungen die Vier Jahreszeiten,

ein Hinweis auf die Landwirtschaft, die die tragende Säule des zisterziensischen Klosterlebens war.

1765 tätigte die Abtei ihre letzten beiden Gütererwerbungen. So wurde der Weiler Rütschdorf erworben, das ist ganz in der Nähe des Breitenauer Hofes und gehört heute zurselben Gemeinde, nämlich Hardheim im Odenwald.

Am 27. März 1765 kaufte das Kloster von Freiherr Franz Philipp von Bettendorf den Messhof für 21.000 Gulden. (R-US 1765 März 27, Findbuch R-US, Staatsarchiv Wertheim).

Am 26. November 1765 bestätigte Kaiser Joseph II. (1765-1790) die Privilegien des Klosters Bronnbach (R-US 1765 November 26). Eine solche Bestätigung, wohl die letzte vor der Säkularisation, erteilte Kaiser Franz II. (1792-1806) am

5. Dezember 1794 (R-US 1794 Dezember 5).

Abt Ambrosius förderte auch die Musik im Kloster.

Am 27. Juli 1783 resignierte er wahrscheinlich aus Alters-und Gesundheitsgründen. Aber er lebte dann noch elf Jahre. Er starb am am 11. Juni 1794.

Sein Nachfolger und letzter Abt von Bronnbach wurde Heinrich Göbhardt.

                                                                                                                                                             

Er ist in Bamberg geboren und studierte dort Philosophie . Ab November 1763 studierte er Rechtswissenschaft  in Würzburg. Im Frühjahr 1764 trat er ins Kloster Bronnbach ein.

Am 9. Juni 1765 legte er seine Profess in Bronnbach ab. 1768 empfing er die Priesterweihe. Er studierte dann noch Theologie an der Universität Würzburg und schloss 1771 als Lizentiat ab.

Dann folgte nochmals eine juristische Ausbildung. 1773 kehrte er an sein Professkloster zurück, übernahm aber keine Funktion. Nach dem Amtsverzicht von Abt Ambrosius wurde er 5. August 1783

mit 35:44 Stimmen zum Nachfolger gewählt, obwohl er ja kein Amt ausübte.

Gleich zu Beginn seiner Amtszeit waren im Kloster wirtschaftliche Schwierigkeiten spürbar geworden. Er meisterte sie aber bald. Das erreichte er auch dadurch, dass er die Klosterverwaltung sachgerecht organisierte.

Er ließ die Einkünfte des Klosters und den Klosterbesitz erfassen. Dieser wurde sorgfältig vermessen. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Amtstätigkeit war die Erforschung der Geschichte der Abtei Bronnbach.

Er schrieb die von ihm 1795 abgeschlossene “Historia domestica liberae abbatiae Bronnbacensis”. Sie stellt die Geschichte der Abtei bis 1783 dar.

Nach der Französischen Revolution begannen 1792 die Koalitionskriege. Dass waren die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Preußen, Österreich und kleineren deutschen Staaten gegen das revolutionäre Frankreich.

In der Endphase des 1. Koalitionskrieges (1792-1797) war auch Mainfranken zum Kriegsschauplatz geworden. Im September 1796 fand die Schlacht von Würzburg statt. Zu Beginn der Schlacht standen sich

45.000 Österreicher und etwa 41.000 Franzosen gegenüber. die umliegenden Orte waren von Brandschatzung und Plünderungen betroffen. Der Krieg war gefährlich nahe an Kloster Bronnbach herangerückt.

1800 besetzten französische Truppen die Abtei.

Die gravierende Folge der Koalitionskriege aber war, dass das revolutionäre Frankreich seine Grenze bis an den Rhein vorgeschoben hatte. Kaiser Franz II. verzichtete in mehreren
Friedensverträge auf linksrheinisches Reichsland. dadurch verloren viele Fürsten, die dort Herrschaften besaßen, ihren Besitz. Diese solltendie Möglichkeit erhalten, sich Land, Vermögen und Rechte der katholischen Kirche, der freien Reichsstädte und kleinerer Reichsfürsten

anzueignen und so für ihren Verlust entschädigt werden. Die gesetzliche Grundlage sollte der Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 bilden.

Das fürstlich Haus Löwenstein-Wertheim war am Erwerb von Kloster Bronnbach interessiert. Es verhandelte mit eigenen Gesandten ab Februar 1801 in Paris über eine Entschädigung.

Bei den Beratungen zu  der Reichshauptdeputation stand im August 1802 fest, dass Bronnbach an das Haus Haus Löwenstein-Wertheim  fallen sollte.

Am 26. November 1802 wurde Bronnbach für Fürst Dominik Constantin von Löwenstein-Wertheim-Rochefort in Besitz genommen. Nach dem der Hauptschluss verkündet worden war,

verfügte der Fürst am 24. Februar 1803, dass Kloster Bronnbach zum 16. März 1803 aufgelöst wurde. Wie der Reichsdeputationshauptschluss das vorsah, wurden Abt und Mönche mit Pensionszahlungen abgefunden.

Es stand ihnen frei, im Kloster zu bleiben oder weg zu ziehen. Abt Heinrich zog zurück in seine Heimatstadt Bamberg. Dort starb er am 25. Juli 1816 im 74. Lebensjahr. Er ist in der ehemaligen Benediktinerpropstei

Sankt Getreu in Bamberg bestattet.

Die meisten jüngeren Konventualen verließen Bronnbach. Die verbliebenen Mönche wurden in einer Kommunität zusammengefasst. Die Kommunität löste sich nach Übernahme von Seelsorgestellen und auch nach Todesfällen

1831 auf. Der letzte noch in Bronnbach lebende Klosterangehörige verstarb 1832, der letzte ehemalige Konventuale von Bronnbach verstarb 1850.

1855 zog in das nun als Schloss und Residenz ausbebaute ehemalige Abtsgebäude der portugiesischen Exkönigs Miguel I. (König 1828-1834) Er starb 1866 in Bronnbach

Seine Familie Bragança nützte Bronnbach noch bis 1921.

Von der ehemaligen Oberdeutschen Kongregation des Zisterzienserordens nur wenige Klöster, vor allem in der Schweiz übrig geblieben. 1854 übersiedelte die Abtei nach Mehrerau in Bregenz

und nannte sich jetzt Zisterzienserkloster Wettingen-Mehrerau. 1888 entstand die Mehrerauer Kongregation. Die Kongregation fragte 1894 an, ob man bereit sei, die Zisterzienserabtei Bronnbach wieder zu begründen.

Das wurde aber abgelehnt. Dann gründete man 1898 Sittich in Slowenien. Nach dem Zusammenbruch des Habsburger Reiches 1918, verließen die Zisterzienser unter dem deutschen Abt Bernhard Widmann (+ 1934) Sittlich

und gingen 1921 erst an die Birnau und übersiedelten von dort 1922 nach Bronnbach und begründeten dort wieder die Zisterzienserabtei Bronnbach. Allerdings war das Projekt nicht zukunftsfähig. Deshalb baute

Abt Bernhard 1930 im früheren Zisterzienserinnenkloster Seligenporten bei Nürnberg das zukünftige Kloster auf. Die Bronnbacher Mönche zogen 1931 dort ein.

Kapuzinerpatres hielten die Bronnbacher Klostertradition noch bis 1958 aufrecht.

1986 erwarb dann der Main-Tauber-Kreis das ehemalige Kloster, sanierte es und führte es einer angemessenen Nutzung zu.

26 Jan 2021

Kloster Neubourg

                                                                                                                                                         

                                                                                                                                                 Gemeinde Dauendorf Departement Bas-Rhin

 

 

                                                                                                                                                                                                            Abbaye de Neubourg.JPG

Das Gründungsdatum von Kloster Neubourg im Elsass ist nicht ganz gesichert.In der Regel werden zwei Zahlen genannt. 1128 (so z.B. Karl Klunzinger in seiner Urkundliche Geschichte der vormaligen Cisterzienser-Abtei Maulbronn, Stuttgart 1854,

S. 129) oder 1133 wenn man der Klostertradition folgt. (sie dazu Dr. Lucien Pfleger in seinem Aufsatz “Über das Gründungsjahr der ehemaligen Cistercienserabtei Neuburg im Heiligen Forst in Cisterzienser-Chronik Nr. 201 17. Jahrgang S. 320 ff)

Die beiden Gründer waren der Graf Renaud de Lutzelbourg (1126 bis nach 1150) und Herzog Friedrich II. der Einäugige von Schwaben (1090-1147). Sie gründeten Kloster Neubourg als Tochter der Zisterzienserabtei Lützel und es wurde auch von Lützel besiedelt in der Filiation

von Morimond. Neubourg erhielt viele Schenkungen und blühte bis zum Ende des 14. Jahrhunderts. Es war Mutterkloster des elsässischen Klosters Baumgarten (1148 von Kloster Beupré, in Lothringen besiedelt aber dann Neubourg unterstellt), und der deutschen Klöster

Maulbronn (1138) und Herrenalb (1148).

Der erste Abt war Ulrich, Graf von Neuchatel in Burgund. Er kam wie bei den Zisterziensern üblich mit zwölf Mönchen nach Neubourg, wo er 1130 das neue Kloster besiedelte. Am 21. Dezember 1146 war Abt Ulrich in Straßburg, wo Bernhard

von Clairvaux eine Kreuzzugspredigt hielt. Bernhard befand sich in Begleitung von Ortlieb von Frohburg (1137-1169 und dem 1. Abt von Kloster Salem Frowin (1138-1165), der Bernhard als Dolmetscher diente. Abt Ulrich starb 1147. Papst Eugen III. (1145-1153) bestätigte die Gründung Neubourg schon

1141, also nur 8 Jahre nach  der Besiedelung und noch in der Regierungsdzeit des 1. Abtes.

Auf ihn folgte Berthodus (1147-1156). 1148 schickte er 12 Mönche nach Herrenalb als Gründungskonvent des Klosters Herrenalb, das Graf Bertold III. von Eberstein gestiftet hatte.

Am 1. Januar 1150 wurde am rechten Eingang des Altarraums der erste Gründer von Kloster Neubourg Graf Renaud bestattet. Berthodus starb am 6. März 1156.

Der 3. Abt war Neudung (1156-1178).In einer Urkunde vom Februar 1156 nahm Kaiser Friedrich I. Kloster Neuburg in seinen Schutz, bestätigte ihm seinen namentlich aufgeführten Besitz und die Weide-und Holzrechte im Heiligen Forst, den Zehnten und den Neubruchzehnten. Die Urkundenzeugen waren bis auf den Herzog von Schwaben dieselben, die auch bei der Einweihung der Klosterkirche anwesend waren. ( RI IV,2,1 n. 3888)

Dieses Recht bestätigten alle Nachfolger bis hin zu König Heinrich VII.(1308-1313), Urkunde ausgestellt in Speyer am 1. März 1309 (RI VI,4,1 n. 64)

1158 wurde die Klosterkirche von Neubourg durch den Bischof von Troyes Hugo I. (bis 1075) geweiht. Das muss eine sehr große Veranstaltung gewesen sein, denn auch die Bischöfe von Mainz Arnold von

Selenhofen (1153-1160), Worms Konrad von Steinach (1150-1171), Straßburg Burchard von Michelbach (1141-1162)und der Basler Bischof Ortlieb waren zugegen. Vom Adel war en Herzog Matthias von Lothringen (1141-1176), Friedrich IV. Herzog von Schwaben

(1152-1167), Heinrich III. Herzog von Sachsen (1142-1180) und Graf Hugo X von Dagsburg (1137-1178) und viele andere anwesend.

Abt Neudung starb am 6. Mai 1178.

Auf ihn folgte Abt Hugo (1178-1190). In seiner Regierungszeit wurden der Abtei viele Schenkungen gemacht. Er starb am 26. Mai 1190.

Der 5. Abt in Neubourg wurde Erenbart (1190-1193). Bis zu seiner Wahl in Neubourg war er Abt in Maulbronn.In Maulbronn wird allerdings ein Abt Eggehard als Maulbronner und späterer Abt von Neubourg angeführt und zwar von 1257 bis Februar 1268.Dem Kloster Maulbronn waren viele Schenkungen gemacht worden, wobei oft die Gottesverehrung von Abt Eggehard als Schenkungsgrund angeben worden ist.

Abt Erenbart starb am 30. Juni 1193.

Der 6. Abt von Neubourg war Godefridus (1193-1196). In seiner Regierungszeit wurde die Schenkung der Kapelle von Pfaffenbrunn bestätigt. Godefridus starb am 4. August 1196.

Sein Nachfolger war Abt Peter (1196-1214). Nach der Neuburger Klostertradition war Peter  zunächst Kanoniker am Cassius-Stift in Bonn. Der Bonner Historiker Aloys Schulte vermutet in ihm den Trierer Dekan und kaiserlichen Pronotar Petrus,von dem die Gesta sanctorum Villariensium berichten, dass er mit mehreren andern 1188  in das Kloster Himmerod eintrat. Wenn er dieser kaiserliche Pronotar war, dann erklärt sich auch die gut staufische Stellung, die Abt Peter im Konflikt zwischen Philipp von Schwaben und Papst Innozenz eingenommen hat. Das würde auch die Tatsache erklären, dass alle Kaiserurkunden dieser Zeit für das Kloster Neubourg  im Kloster selbst ausgefertigt worden sind. Die kaiserliche Kanzlei untersiegelte nur noch. Abt Peter musste bei seiner Wahl als Abt von Neubourg wohl über Kloster Himmerod hinaus  bekannt gewesen sein. Weshalb sonst sollte ihn ein fremder Konvent, der von Himmerod doch relativ weit entfernt war und in keinerlei Filiationsverhältnis zu Neubourg stand, nach dem Tod von Abt Godefridus  er zum Abt von Neubourg gewählt haben . In einer am 8. Juli 1196 in Besancon ausgestellten Urkunde nimmt  Kaiser Heinrich VI. (1191-1197) Kloster

Neubourg in seinen Schutz, gewährt mit Ausnahme der Schafweide die Weiderechte des Klosters sowie Holzrechte im Heiligen Forst. Außerdem bestätigt er den Besitz des Klosters. Die Inschutznahme geschah auf Bitten von Abt Peter. Diese Urkunde für Neubourg ist die erste urkundliche Erwähnung von Peter als Abt.RI IV,3 n. 530

Als Heinrich VI. 1197 starb, kam es zur Doppelwahl. die staufischen Parteigänger wählten Heinrichs Bruder Philipp von Schwaben, die Welfen den Sohn von Heinrich dem Löwen Otto IV. zum König. Abt Peter positionierte sich klar auf der Seite der Staufer.

Das zahlte sich schnell und mehrfach aus. Am 3. April wurden Kaiser Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde von Papst Innozenz heilig gesprochen. 1201 wurden die Gebeine der beiden feierlich im Bamberger Dom bestattet. Auch Abt Peter war bei dieser Erhebung dabei. Bei diesem Anlass

wurden dem Abt und damit Kloster Neubourg ein Großteil der Reliquie geschenkt, eine große Vergünstigung für ein Zisterzienserkloster.

Am 3. Juni 1201 bestätigt Philipp von Schwaben in Hagenau die Besitzungen und Güter der Abtei Neuburg. Außerdem gestattet er ihr Weide und Holzung im Heiligen Wald. RI V,1,1 n. 55

Nicht nur der Königsthron war doppelt besetzt. Auch in Mainz bahnte sich nach nur 35 Jahren ein zweites Schisma an. Bei der Wahl des Mainzer Erzbischofs 1200 wählte eine Mehrheit den staufertreuen Wormser Bischof Leopold II. von Schönfeld (1200-1208) zum Mainzer Erzbischof. Eine welfische Minderheit wählte den Mainzer Propst an St.Peter Siegfried II. von Eppstein. Philipp von Schwaben belehnte sofort nach der Wahl Leopold II. von Schönfeld  mit den Regalien. Der Papst unterstützte den welfischen Kandidaten und Mainz hatte zwei Erzbischöfe. Innozenz III. hatte schon bei der Königswahl zugunsten Ottos Partei ergriffen, der ihm im Gegenzug Schutz versprach. Im Reich konnte sich Philipp ab 1203 zunehmend militärisch durchsetzen. Der Papst nahm deshalb mit Philipp Verhandlungen auf. Auch an einem Schisma in Mainz konnte ihm nicht gelegen sein. 1203 schickte er

Abt Peter zusammen mit dem Salemer Abt Eberhard von Rohrdorf (1191–1240) zu Philipp von Schwaben. Eberhard war ebenfalls ein treuer Gefolgsmann des Schwabenherzogs. Sie sollten auf ihn einwirken, damit dieser den mittlerweile vom Papst abgesetzten und gebannten Mainzer Erzbischof

Leopold nicht weiter unterstütze. Das wäre auch ein Schritt zur Versöhnung zwischen Papst und Philipp gewesen. Dieser lenkte aber nicht ein. Auch eine zweite Mission der beiden Äbte in dieser Sache im Juni 1205 blieb erfolglos. Dass er trotz der beiden Fehlschläge mit weiteren päpstlichen Missionen betraut wurde, zeigt das Ansehen, das er beim Papst genoss.

1208 bestätigte Papst Innozenz Kloster Neubourg seine Privilegien.

Seine letzte Mission hatte er zusammen mit dem Abt von Pairis   Hezelon (1207–1222) am 11. April 1213.

1213  erhält Peter zusammen mit dem Salemer Abt Eberhard  von Papst Innozenz III. den Auftrag, in Mainz  als päpstlicher Legat für den Kreuzzug zu predigen soll.

Eine der ersten Urkunden, die Friedrich II. für ein deutsches Kloster ausstellte, war eine Schenkung und Bestätigung des Allodialguts Harthausen. (Urkunde 186 in Koch, Walter: Die Urkunden Friedrichs II., Bd.: 2, 1212 – 1217, Hannover, 2007, S.34)

Abt Peter hatte in seiner Regierungszeit den Besitzstand der Abtei gesteigert. die Bestätigungsbulle von Innozenz zählt 19 Grangien auf. Selbst eine Burg ließ Abt Peter erbauen und zwar Neuwindstein in der Nähe von Niederbonn les Bains.

Abt Peter war wohl der bedeutendste Abt in der Geschichte von Kloster Neubourg. Kurz vor seinem Tod resignierte er. Er starb am 7. Oktober 1214.

Der 8. Abt von Neubourg war Albero (1214-1242). 1219 betätigte Kaiser Friedrich II. die Privilegien und Freiheiten für Kloster Neubourg. Auch zwei päpstliche Schutzurkunden gibt es für das Kloster, beide durch Papst Gregor IX. (1227-1247). Darin stellt er den Konvent, die Güter und die Lehensleute

des Klosters unter den Schutz des Heiligen Stuhls. Albero starb am 23. Dezember 1242.

Auf ihn folgte Abt Godefridus II. Er war Abt von 1242-1248. 1245 wurde das Zisterzienserinnenkloster Lichtenthal gegründet. Es wurde 1248 unter die Paternität von Kloster Neubourg gestellt. (Siehe dazu Mei Büchle, Kloster Lichtenthal).

Abt Godefridus II. starb am 26. Januar 1248.

Der 10. Abt war Hugo II. von 1248 bis1252. In seiner Regierung stellt Konrad IV. dem Kloster im April 1251 bei Hagenau eine Urkunde aus. (RI V,1,2)

“befreit wegen des seelenheiles seines verstorbenen vaters des römischen kaiser Friedrich das kloster zu Neuenburg Cistercienserordens von einem iährlichen zins, welchen dasselbe für äcker, belegen zwischen seiner burg Suvelnheim und dem walde und zwischen den gewässern Brumbach und Eberbach, seiner curie zu zahlen hatte, und verbietet seinen schultheissen zu Hagenau das kloster am ruhigen und freien besitze iener äcker zu belästigen. “

Abt Hugo starb am 12. Februar 1252.

Auf ihn folgte Abt Godefridus III, der von 1252 bis 1280 regierte. Er brachte es also auf die bisher längste Regierungszeit. Für ihn gibt Louis Voutrey in” L’Abbaye de Neubourg en Alsace” in Revue d’Alsace 1, 1860 S. 42-48 und 65-80 an, dass Konrad IV. 1262 die Privilegien von Neuburg bestätigt.

Allerdings verstarb dieser bereits 1254 verstorben. Die obige Urkunden ist in den Regesta imperii abgedruckt. Er berichtet weiter von einer großen Synode mit dem Straßburger Bischof Heinrich von Geroldseck nach dem Sankt Martins Fest von 1263, das wäre also nach dem 11. November 1263.

Über die online verfügbaren Quellen kann ich das nicht überprüfen. Laut Voutrey hat im Jahr 1279 im Elsass eine schreckliche Hungersnot stattgefunden.

Abt Godefridus starb am 17. Mai 1280.

Ortlieb wurde nach dem Tod von Godefridus einstimmig zum neuen Abt von Neuburg gewählt. Aus seiner Regierungszeit liegen in den Regesta imperii 3 Urkunden vor

“Die äbte von Neuburg (nordwestl. Hagenau), {Maulbronn} und Herrenalb schreiben an königin Anna über die bedrängnisse, welche sie durch die fehde zwischen dem markgrafen Hermann d. j. von Baden und dem grafen Simon von Zweibrücken zu erdulden haben, senden einen boten und bitten sie, von könig Rudolf die absendung von schreiben und befehlen zum schutze ihrer klöster zu erwirken.” (Dazu die Bemerkung in RI Die fehde zwischen Baden und Zweibrücken muss zu ende 1280 und in den ersten monaten von 1281 gewütet haben, denn am 25. mai 1281 wurde sie beigelegt (Fester Reg. der Markgr. v. Baden n. 529, 530). Vorliegendes schreiben fallt vor den 16. febr. 1281, den todestag der königin, oder höchstens die allernächste zeit darnach, bevor man den tod derselben am Rhein erfahren hatte.)(RI VI,1 n. 1260)

Es hat dann doch 8 Jahre gedauert bis der neue Herrscher Rudolf von Habsburg (1273-1293) eine Schutzurkunde für Kloster Neuburg ausstellte.
Am 22. November 1281 wurde sie ausgefertigt.“nimmt das Zisterzienserkloster Neuburg in seinen besonderen Schutz, bestätigt ihm das Weide- und Beholzungsrecht im Heiligen Forst und genannte Besitzungen.” (RI VI,1 n. 1417B)

Am 9. April 1291 stellte Rudolf eine weitere Urkunde für Neuburg aus, in der er verbietet, dass man sich das Vogteirecht anmasse, besonders nicht über alte Güter, die  dann aufgezählt werden. (RI VI,1 n. 2438)

Abt Ortlieb starb am 21. April 1292. Sein Nachfolger wurde Rudolf (1292-1309)

1298 erhielt er vom Straßburger Dompropst Friedrich von Lichtenberg und vom Straßburger Bischof Konrad von Lichtenberg die Einkünfte und die Patronage von Oberndorff. Konrad hatte in seiner Zeit als Bischof mit Synoden und Visitation für Reform in den Klöstern seiner Diözese gesorgt.

Auch um die wirtschaftliche Lage von Kirchen und Klöstern hat er sic gekümmert. Nach dem Tod seines Bruders folgte ihm Friedrich im Amt des Straßburger Bischofs nach. Er befreite das Kloster von jeglicher Schikane, die ihm auferlegt werden könnte.

Abt Rudolf starb am 6 Juni 1309.

Der nächste Abt wurde Konrad (1309-1316). Abt Konrad, noch kurz im Amt erhielt von dem König aus dem Haus der Luxemburger Heinrich VII. (1308-1313), der auch grade zwei Monate im Amt war- er wurde nach seiner Wahl am 27.11.1308 6. Januar 1309 in Aachen zum deutschen König

gekrönt- am 1. März 1309 in Speyer folgende Urkunde ausgestellt:

“König Heinrich nimmt nach dem Vorbild seiner verewigten Vorgänger, der Kaiser (divorum augu­sto­rum) Heinrich [VI.], Otto [IV.] und Friedrich [II.] und der Könige Heinrich [(VII.)], Rudolf [I.] und Albrecht [I.], auf Bitten von Abt Konrad und Konvent das von Graf Rein­hold von Lützelburg und Herzog Friedrich [II.] von Schwaben gegründete (quod a quon­dam Ry­nol­do comite de Lvtzelmburg et Friderico duce Sweuorum fundatum dicitur) Zister­zien­ser­klo­ster Neuburg (monasterium de Niwemburg Cysterciensis ordinis) mit allen beweg­lichen und unbe­weg­lichen Gütern, die es jetzt rechtmäßig besitzt oder in Zukunft erwerben wird, in sei­nen und des Reiches besonderen Schutz. Er erlaubt allen seinen Mini­ste­rialen oder mit seinen Eigen­gü­tern belehnten Lehensleuten, sich oder ihre Güter in Ge­sundheit oder auf dem Kran­ken­bett (sanus aut in lecto egritudinis decubans) ohne ge­son­derte herr­scherliche Erlaubnis der Zisterze zu tradieren. Darüber hinaus erlaubt er ihr, ihr Vieh mit Ausnahme der Schafe im Heiligen Forst (in Sacra Silva) zu weiden. Außerdem gesteht er dem Kloster das benötigte Brenn­holz zu; für die Beschaffung von Bauholz ist die Zu­stim­mung des be­tref­fenden könig­lichen Amtsträgers notwendig. Ferner bestätigt er die päpst­lichen Gnadenerweise an den Zister­zien­serorden nun auch speziell diesem Kloster. Die derzeitigen Besitzungen der Zisterze werden na­ment­lich ge­nannt: die Höfe Geboldsheim (Geboldishusen), Laubach (Lon­bach), Vel­ba­cher Hof (Willenbach), Pfaffenbronn (Phaffenbrunne), Hohenscheit (Hoen­scheit), Souff­len­heim (Suvelnheim), Hegeney (Hekenheim), Harthausen (Harthusen), Gereuth (Ge­rvte), Bergbieten (Butenheim), Münchshof (Adel­mans­wilre), Roth­bach, Dauendorf (Dochin­dorf), Hüttendorf (Hittendorf), Don­nenheim (Dum­minheim), Lach (Lachen) und Krautwiller (Katz­wilre), alle formelhaft mit ihren Pertinenzen. “(RI VI,4,1 n. 64) Neben der Inschutznahme und der Bestätigung der Privilegien wurden der derzeitige Besitz des Klosters genannt.

Im Jahr 1315 wütetet in Europa eine große Hungersnot von der unteranderem Deutschland, Frankreich und die Niederlande betroffen war. An vielen Orten mussten die Friedhöfe erweitert werden. Ganze Dörfer starben aus und wurden zur Wüstungen. Der Hungersnot fielen mehrere Millionen

Menschen zum Opfer.

Abt Konrad starb am 7. Juli 1316.

Sein Nachfolger wurde Friedrich (1316-1328). 1316 erhielt Neubourg die Einkünfte und die Patronage der Kirche von Rottbach und 1327 die Einkünfte und Patronage der Kirche von Ettendorff.

Abt Friedrich starb am 2. September 1328. Auf ihn folgte als 16. Abt Otto (1328-1331). Am 31. Juli 1330 bestätigte Kaiser Ludwig der Bayer (Kaiser von 1328-1347) 4 Urkunden seiner Vorgänger zwei von Heinrich VII., eine in der um die Präzisierung des Weiderechtes im Heiligen Forst ging

und eine mit der Inschutznahme (s.o), eine von König Rudolf über das Vogteirecht (s.o), sowie eine von Albrecht I. vom 12. Februar 1299, in der er Zollfreiheit auf dem Rhein gewährt.

Die Urkunden sind in den Regesta imperii [RI VII] H. 4 n. 51 bis N 54 Abt Otto starb am 7. November 1331.

Sein Nachfolger Abt Berthold regierte nur zwei Jahre. Er kam bei einer Gewalttat in der Nachbarschaft des Konvents ums Leben. Bauern aus zwei Nachbardörfern töteten ihn. Die Mörder wurden mit dem Tode bestraft. Die Dörfer mussten Sühnegelder bezahlen. Die Komplizen mussten nach Rom wallfahren und ohne Erlaubnis des Abtes durften sie nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren. Die übrigen männlichen Dorfbewohner über 20 mussten barfüßig und barhäuptig mit einer Kerze in der Hand nach Straßburg gehen und vor den Portalen der Kathedrale Abbitte leisten.

Der Mord geschah am 3. Januar 1333.

Der 18. Abt wird Werner (1333-1348). 1336 bestätigt ihm Papst Benedikt XII. (1334-1342)- vor seiner Wahl zum Papst, Abt des Zisterzienserklosters Fontfroide bei Narbonne- die Privilegien von Kloster Neubourg.

1337 schenkte  Heinrich von Haldingen, Vogt von Hagenau dem Kloster das Dorf Uhlwiller mit Nieder-Altdorf. Das Dorf Uhlwiller war der Schauplatz des Mordes an Abt Berthold.

Pfalzgraf Ruprecht I. (1329-1390) Kurfürst von der Pfalz und der Mainzer Erzbischof Heinrich III. von Virneburg (1328-1353) verleihen der Abtei 1339  Zollfreiheit auf dem Rhein.

Abt Werner starb am 30. Dezember 1348.

Auf ihn folgte Abt Dietrich von Kindsweiler (1348-1357). 1353 bestätigte ihm Papst Innozenz VI. (1352-1362) die Privilegien von Kloster Neubourg.

Der Abt starb am 28. April 1357. Der 20. Abt war Johannes (1357-1362) Am Sonntag vor dem Fest des Heiligen Matthias (24.Februar) im Jahr 1362 legten die Einwohner der Dörfer Uhlwiller, Nieder-Altdorf und Daugendorf Abt Johann einen Eid ab.

Er starb am 19. Juni 1362. Auf ihn folgte Abt Godefridus IV.. Er war zwar ein guter Ökonom und konnte der Abtei noch Güter erwerben. Seine Regierungszeit war aber bereits von den Auswirkungen des 100-jährigen Kriegs betroffen. 1365 fielen die Engländer unter König Eduard III. im Elsass ein.

40.000 schlugen ihr Lager in der Nähe von Neubourg auf. Die Mönche wurden mit Gewalt vertrieben. Die Abtei wurde in Brand gesteckt und völlig zerstört. Die Grangien und Domänen des Klosters erlitten dasselbe Schicksal. (Vautrey, Louis: L´abbaye de Neubourg en Alsace. In: Revue d´Alsace, 1 S 65 ff. )

Nah dem Krieg kam der Hunger, der sechs Jahre lang alle Provinzen heimsuchte.

Abt Godefrid starb am 29. September 1375. Auch sein Nachfolger Drutmann war von den Folgen des Krieges betroffen. 1378 wurde sein Kloster geplündert. 1378 war der Mutterabt aus Kloster Lützel Johannes (1362 – 1379 ) zu Besuch in Neubourg. Er genehmigte den Verkauf der

Grangie an Kloster St. Walburga, das ebenfalls von Herzog Friedrich II. von Schwaben gegründet worden ist und dem er und seine Ehefrau Judith von Bayern, die Eltern Friedrich Barbarossas bestattet sind. Auch Ulrich von Vinstingen, Landvogt im Unterelsass, und Volmar von Wickersheim,

Vogt von Hagenau stimmten dem Verkauf zu. Abt Godefrid starb am 18. August 1402.

Auf ihn folgte Abt Albert (1402-1421 Nach Louis Voutrey in” L’Abbaye de Neubourg en Alsace” S. 71 bekam die Abtei  1405 vom Abt von Baumgarten als kaiserlicher Kommissar die Einkünfte der Beguinen von Esbach. Kaiser Sigismund bestätigte auf Bitten  von Abt Albert die Privilegien

von Neubourg.  Abt Albert verstarb am 18. Oktober 1421.

Sein Nachfolger Abt Bernhard (1421-1427) konnte die Vermögenslage des Klosters wieder etwas stabilisieren. Der 23. Abt war Johann Ganser (1427-1442). Er erwarb mehrere Besitztümer für den Konvent. Papst Martin V. hatte für 1431 ein Konzil in Basel einberufen, starb aber kurz vor dessen

Eröffnung. Sein Nachfolger Papst Eugen IV. hatte das Konzil, da es nicht in seinem Machtbereich stattfand, mit der Bulle Quoniam alto wieder aufgelöst und alternativ eine Versammlung nach Bologna einberufen. Die in Basel anwesenden Kirchenvertreter tagten aber weiter. Papst Eugen IV erkannte dann aber am 15.Dezember1433 die Rechtmäßigkeit des Konzils an, vor es 1437 nach Ferrara verlegt wurde. Abt Johann nahm an dem Basler Konzil teil.

Am 8. April 1434 bestätigte Kaiser Siegmund dem Kloster Neubourg alle Privilegien und Besitzungen. RI XI,2 n. 102333

Abt Johann starb am 30. November 1442. Auf ihn folgte Rudolf Kühlin (1442-1465).Seine Regierung war überschattet von Krieg und Unglück. Nach dem Ende des 100-jährigen Krieges marschierten französische Truppen unter dem Thronfolger Ludwig, dem Sohn Heinrichs VII. nach Lothringen und ins Elsass.

Sie bezogen hier ihr Winterquartier und forderten die Unterwerfung von Metz und Straßburg. Sie stießen bis auf Basel vor. Auf ihrem Zug verwüstetet sie das Elsass. Kaum waren die Zerstörungen beseitigt, traf ein Blitzschlag das Kloster und legte es in Schutt und Asche. Giovanni Kardinal Castiglione

(1453–1460), päpstlicher Legat im Elsass, gewährte einen Ablass von 100 Tagen für Spenden für das heimgesuchte Kloster. Abt Rudolf starb am 30. März 1465.

Der 27. Neuburger Abt war Kaspar (1465-1478). Er verschleuderte die Güter der Abtei. Als Ludwig von Lichtenberg starb,ließ sein Bruder Jakob eine eindrucksvolle Beerdigungsfeier zelebrieren.Die Lichtenberg waren eine Adelsfamilie, die im ausgehenden Mittelalter die Vorherrschaft im Elsass um Straßburg und Hagenau hatte. 8 Äbte aus Klöstern, die dem Hause liochtenberg verbunden waren, zelebrierten die Totenmesse, unter ihnen auch Abt Kaspar.

Auf ihn folgte Abt Theobald (1478-1492) Unter seiner Regierung wurde das Kloster 1487 erneut von einem Blitzschlag betroffen. Die Kirche, der Glockenturm, das Kloster, die Schlafsäle, das Refektorium fielen dem Unglück zum Opfer. Der Straßburger Bischof Albrecht von Pfalz-Mosbach (1478 bis 1506)

gestattete Abt Theobald nach dem Weggang oder Tod des Priors von Daugendorf diese Pfarrei mit einem Priester seiner Wahl zu besetzen und die Einkünfte der Pfarrei zu verwalten. Abt Theobald starb am 18. September 1492.

Zu seinem Nachfolger wurde der der Cellerar Etienne gewählt. Er war Abt bis 1502. Sein Nachfolger Rudolf Metsch hatte wieder eine ganze Serie von Unglücksfällen zu ertragen. Er wurde 1502 als Prior zum Abt gewählt. das Jahr 1503 war zunächst von
Wetterkapriolen gezeichnet. Einem äußerst strengen Winter folgte ein sehr heißer Sommer. Der Hunger war deutlich spürbar. Dann kam die Pest. 1507 war ein vernichtender Hagelschlag zu verzeichnen.

1525 brach der Bauernkrieg aus. Er hatte auch das Elsass voll erfasst. Dort war es Erasmus Gerber aus Molsheim gelungen alle elsässischen Bauernhaufen unter einer Führung zu vereinigen und unter seiner Führung zu gemeinsamen Vorgehen zwischen Altdorf, Maursmünster, Molsheim  zu versammeln.

Eine halbe Wegstunde vom Kloster Neubourg lagerte etwa 30.000 aufständische Bauern. Sie teilten sich in drei Abteilungen. Eine errichtete am 14. April 1525 ihr Hauptquartier im Kloster. Die Mönche wurden verjagt, die Kirche gestürmt, die Hostien auf dem Boden verstreut, die Bilder zerstört oder verbrannt, die Altäre besudelt und dann umgestürzt. Die Bibliothek mit vielen wertvollen Handschriften ging ebenso in flammen auf wie das Archiv.Das Kloster wurde erst geplündert und dann zerstört. Die Klosterkirche wurde erst 12 Jahre später nämlich am 24. Mai 1537 wieder geweiht und das Kloster war wieder hergestellt.

1529 beunruhigte eine ansteckende Krankheit die Gegend, die man “sudor anglicus” (das englische Schwitzen) nannte. In Straßburg war die Reformation angekommen. Ein Bildersturm hatte stattgefunden und 1529 hatte der Magistrat die katholische Messe in Straßburg untersagt. Die Städte Straßburg, Konstanz, Lindau und Memmingen hatten sich zur ”Confessio tetrapolitana”, zum Vierstädtebekenntnis zusammengeschlossen.

Abt Rudolf starb am 13. Januar 1533 unter schweren Schmerzen.

Johannes Ulin (1533-1543) war der 31. Abt von Kloster Neubourg. Zu Beginn seiner Regierungszeit wurde die Klosterkirche nach den Zerstörungen im Bauernkrieg wieder geweiht. Erbaute auch zwei Mühlen wieder auf, die ebenfalls zerstört worden waren.

Die Wahl von Abt Theobald Vogelmann (1543-1550) fand unter Vorsitz des Abtes von Lützel, Nicolas Rosenberg (1542-1566) statt. Er kümmerte sich wohl auch um die bereits aufgehobenen Tochterklöster Maulbronn und Herrenalb, wo bei beiden während des Interims versucht worden war, die beiden

Klöster wieder mit Zisteriensern zu besiedeln. Er führte den
Vorsitz bei der Wahl des letzten Abtes in Maulbronn Johannes 1547.  Abt Theobald besuchte auch das gleichfalls restituierte Kloster Herrenalb. Er starb am 27. Februar 1550. Die Wahl seines Nachfolgers erfolgte ebenfalls im Beisein von Abt Nicolas. Der zum Nachfolger gewählte Abt

Ludwig verstarb aber nachdem er nur 32 Wochen im Amt war.

Abt Peter Druttmann war Keller des Klosters Neubourg, als er auch unter Vorsitz des Lützeler Abtes Nicolas zum Abt des Klosters Neubourg gewählt wurde. Er wurde in Straßburg benediziert und starb am 7. August 1552 in Hagenau

Abt Hans Pellio war Abt in Neubourg von 1552-1565. Zum Jahreswechsel 1554/1555 gab es einen extrem strengen Winter. Nah dem Tauwetter gab es ein großes Hochwasser an Rhein und Donau und verwüstete dort die Orte. Ein Jahr später grassierte die Pest in Straßburg und den umliegenden Orten.

1557 vertrieb Herzog Christoph von Württemberg (1550-1568) nach dem Tod von Abt Heinrich die Mönche von Maulbronn aus dem dortigen Konvent. Einige von ihnen kamen in Neubourg unter.

Erasmus Schenk von Limpurg war von 1541 bis 1568 Bischof von Straßburg. Er war auch Erbauer des Palais Rohan in Ettenheim. Er veranstalte Diözesansynoden 1549 und 1560 in Saverne. An der Synode von 1560 war auch Abt Hans zugegen. Sie enthielt ein umfangreiches Reformprogramm, das wie der Versuch einer Gegenreformation erschien.  Abt Hans starb am 22. März 1565.

Sein Nachfolger war Abt Hans Werlin (1565-1592). Er galt als großer Redner. Für den Konvent erwarb er mehrere Besitzungen. Auch  ließ er mehrere Bauten errichten. im Konvent achtete er auf die Disziplin seiner Mönche.

1565 waren mit Jacques Andrés ein lutherischer Prediger und 1566 mit Theodor Béze ein calvinistischer Prediger in Hagenau, die viele Anhänger gewannen.

Im selben Jahr musste er sich energisch gegen den Grafen von Wessenburg zur Wehr setzen, der ungerechtfertiger Weise Güter der Abtei zurückhielt.

Auch die Ansprüche des Straßburger Bischofs Erasmus Schenk von Limpurg musste er abweisen, der den Konvent visitieren wollte.

1570 wurde er vom Generalkapitel beauftragt, das Kloster Königsbruck zu visitieren.

1590 war er vom Mutterabt Beat Bapst (1583 – 1597 ) beauftragt worden, sich nach Stürzelbronn zu begeben, um den dortigen Abt zur freiwilligen Resignation zu bringen.

Abt Hans Werlin starb am 9. April 1592.

Der 37. Abt Hans Faber regierte von 1592 bis 1597. 1593 visitierte Generalabt Edmond I. de la Croix (1584-1604) Kloster Neubourg. Nachdem er in seiner ganzen Regierungszeit den Konvent

sehr schlecht verwaltet hatte, resignierte er im Jahr 1597.

Auf ihn folgte Abt Alexander Metzger. 1598 schickte Abt Petrus II. Miller (1593–1614 )aus Salem, der auch Generalvikar des Ordens für Deutschland war, drei Konventuale aus Salem nach Neubourg.

Luc Keller wurde Prior, Joachim List stellvertretender Prior und Sebastian Pfeiffer Novizenmeister.

1607 kam auf Bitten von Abt Alexander der Vaterabt aus Lützel Johannes Hanser (1605 – 1625 ) nach Neubourg, um eine große Meinungsverschiedenheit im Konvent zu bereinigen.

1618 wurde die oberdeutsche Zisterzienskongregation verabredet und erste Statuten beschlossen. Generalabt Nicolas II. Boucherat (1604-1625) trieb das Vorhaben voran. In Deutschland war Abt Thomas I. Wunn (1615–1647) von Salem

Motor der Kongregation und auch deren 1. Generalvikar. 1624 wurde die Kongregation endgültig gegründet und sowohl vom Generalabt als auch vom Papst Urban VIII. (1623-1644) anerkannt.

Abt Alexander resignierte 1621.

Die Neuwahl des Abtes von Neubourg sorgte allerdings für Misshelligkeiten. Denn der Salemer Abt Thomas Wunn saß der Wahl vor. Der Abt von Lützel Johannes Hauser war allerdings der Meinung,

dass der Salemer Abt ein Recht usurpiert habe, das Kloster Lützel zustehe. Der Generalabt beorderte daraufhin den neugewählten Abt von Neubourg Adolf Braun und den Salemer Abt Thomas nach Lützel,

um die Differenzen auszuräumen. Abt Adolf (1621-1636) hatte wie viele seiner Vorgänger wieder eine sehr schmerzhafte Zeit zu überstehen. 1618 war der Dreißigjährige Krieg ausgebrochen.

Ab 1621 war auch das Elsass vom Krieg betroffen. Graf Erich von Mansfeld war 1621 mit 30.000 Mann ins Elsass eingedrungen und brachte den Krieg dorthin. Er verwüstete bevorzugt Klöster und Kirchen.

1624 plünderte und zerstörte er Hagenau und Neubourg. 1628 wurde die Kirche und der Friedhof wieder geweiht. Nach dem Abzug von Manfelds kamen die Schweden.

1628 befanden sich Ferdinand II.(1619-1637) und die Habsburger auf dem Höhepunkt ihrer Macht während des 30-jährigen Krieges. Ferdinand II. konnte es sich sogar leisten, am 6. März 1629 ohne Einverständnis der

evangelischen Reichsstände das Restitutionsedikt zu erlassen. Dadurch sollte der Status quo des geistlichen Besitzstands im Reich wieder auf den Stand des Jahres 1552 gebracht werden. Das Generalkapitel drängte nun den Abt

von Neubourg, sich an der Wiederherstellung der Konvente von Baumgarten und Herrenalb zu beteiligen. Das hätte allerdings die Kräfte der Abtei sehr stark beansprucht. Der Abt von Salem versuchte Kloster Herrenalb wieder zu beleben. Allerdings ohne Erfolg.

1629 besuchte der Abt von Lützel Laurent Lorillard  (1625-1648) das Kloster Neubourg.

Am 2. Februar 1632 verwüsteten die Schweden das Kloster. Auf ihrem Abzug verschleppten sie 3 Mönche. Auf die Schweden folgten die Franzosen.

Am 5. Januar 1633 vertrieben die Kaiserlichen die Schweden aus Hagenau. 1635 plünderten die Kaiserlichen das Kloster.

Mit dem Krieg war die Pest gekommen. Dann kam eine große Hungersnot, die schlimmste, die das Elsass bisher erlebt hatte. Um das Unglück voll zu machen, bemächtigte sich der Landvogt von Hagenau der Güter des Klosters, die diesem

noch verblieben waren. Auch verkaufte er Lebensmittel an die Mönche, das allerdings nach Zeugnis von Abt Adolf  zu solch überhöhten Preisen, dass im Konvent oft das Brot fehlte. Um zu überleben waren die Mönche auf Almosen der Gläubigen angewiesen.

Abt Adolf brach unter der Last solcher Prüfungen zusammen. Er starb am 9. Juli 1636.

Auf ihn folgte Abt Peter Volvius (1636-1642). Er war kein strenger Abt. Er wollte lieber geliebt als gefürchtet werden. Nach 6 Regierungsjahren resignierte er 1642. Er starb am 23. März 1650.

Der 41. Abt war Bernard Kleibeinsen (1642-1652). Er war leider ein sehr schlechter Ökonom, was natürlich in diesen vor allem auch wirtschaftlich desolaten Zeiten für die Abtei nicht vorteilhaft war. Er resignierte 1652.

Das Ende des  Dreißigjährigen Kriegs brachte nicht nur Frieden in die vom Krieg heimgesuchte Gegend. Die Hälfte der elsässischen Bevölkerung kam ums Leben. Viele Gebiete waren regelrecht entvölkert.

Im Westfälischen Frieden 1648 trat Habsburg seine elsässischen Rechte und Besitzungen komplett ab. Auch im Namen des Reiches trat Habsburg  alle Rechte des Reiches im Elsass ab.

Schon 1633 hatte Frankreich Protektionsverträge mit einigen elsässischen Territorien abgeschlossen und diese dann militärisch besetzt. 1638 hatte Bernhard von Weimar weite Teile des Elsasses erobert. Er wollte diese

als eigene Herrschaft innerhalb des Reiches. Nach seinem Tod 1639 übernahm Frankreich jedoch seine Truppen und die von ihm besetzten Gebiete. Zwischen 1633 und 1679 übernahm das Königreich Frankreich

entweder durch Verträge oder im Zuge der Reunionspolitik mit Gewalt.

Für die beiden verbliebenen elsässischen Zisterzienserklöster Lützel und Neubourg bedeutete das, dass sie jetzt unter französischer Herrschaft kamen. Ihre Tochtergründungen waren aber überwiegend im Deutschen Reich.

Das gab bald Probleme mit der Visitation und der Paternalität. So ließen die badischen Markgrafen zum Beispiel das zentral in ihrem Machtbereich gelegene Kloster Lichtenthal nicht mehr vom Neubourger Abt visitieren.

Zurück zur Klostergeschichte von Neubourg.

Der Nachfolger von Abt Bernard Kleibeinsen, Michael Stromeyer ein regelrechter Glücksfall für die Abtei. Er kam von Kloster Salem und war einfacher Mönch. Er verfügte über ein profundes wirtschaftliches Wissen und war sehr tatkräftig.

Der Konvent lebte von dem, was die Bauern erwirtschafteten. Er schaffte es, Stück für Stück die Güter der Abtei wieder zu erhalten. Obwohl der Konvent noch arm war, achtete er auf  vorschriftsmäßige  monastische Disziplin.

Der Konvent konnte wieder atmen und fand allmählich aus dem elenden Zustand heraus. Die Ruinen verschwanden und der Konvent fand allmählich zu altem Glanz zurück.

1656 leitete  er zusammen mit Abt Hugo Buchstetter (1651-1664 )aus Tennenbach die Wahl der Äbtissin Beatrice in Andlau.

Er starb an Altersschwäche am 11.August 1669

Auf ihn folgte als 43. Abt Bernard Tuperch (1669-1685). Er war schon Kojadjutor von Abt Michael. In dieser Eigenschaft nahm er auch am Kapitel der Äbte der elsässisch-schweizerischen Provinz der Oberdeutschen Zisterzienserkonkregation teil, die

am 15. Februar 1667 stattfand. Er starb am 27. Januar 1685.

Der nächste Abt kam aus dem lothringischen Kloster Stürzelbronn im Bitscher Land. Abt Charles Berenger (1685-1692) war dort Prior. Er wurde durch Abt Edmont Quiquerez (1673 – 1677 ) aus Kloster Lützel in sein Amt eingeführt.

Seine Wahl wurde am 27. Juli 1685 durch den Generalabt Jean Petit (1670-1692) bestätigt.

Abt Charles starb am 14. August 1692.

Der 45. Abt Jean Vireau (1692-1715) kam aus Paris. Die Profess hatte er in Citeaux abgelegt. Er war Abt von Villers-Bettnach in  Lothringen. Das ist etwa 22 Kilometer von Metz entfernt.

Abt Jean wurde aus  zwei Kandidaten ausgewählt und vom französischen König Ludwig XIV. (1643-1715) zum Abt von Neubourg bestimmt. Der König setzte auch in anderen Klöster Äbte ein und die Ordensoberen konnten die Wahl nur

noch bestätigen. Der Lützeler Vaterabt Peter Tanner (1677-1702) bestätigte diese Nominierung also.

In seiner Regierungszeit wurde Charles Perrin, der seine Profess in Neubourg abgelegt hatte und dort Großkeller war, zum Abt von Eußertal gewählt. Er starb dort 1724 und wurde in
Neubourg vor dem Chorgestühl beerdigt.

Abt Jean regierte 21 Jahre in Neubourg in sehr schwierigen Zeiten. Die Menschenlebt in ständiger Kriegsbedrohung. Der pfälzisch Erbfolgekrieg, der spanische und der österreichische Erbfolgekrieg folgten unmittelbar aufeinander

und es bestand immer die Gefahr mit betroffen zu sein. Dazu kamen immer wieder Naturkatastrophen, Hungersnöte und Überbevölkerung, die ähnlich wie die Pfälzer viele Elsässer immer wieder zur Auswanderung zwangen.

Zwischen 1671 und 1711 flohen viele Wiedertäufer aus der Schweiz ins Elsass. Straßburg wurde zum Zentrum der Wiedertäuferbewegung.

Abt Jean Virau starb am 21. Oktober 1715 im Alter von 64 Jahren.

Sein Nachfolger Jacques Gacier d’Auvilliers wurde wieder am 23. Dezember 1715 vom Konvent gewählt. Die Wahl erfolgte unter Vorsitz des Abtes von Lützel  Nicolas Delfis (1708-1751). Sie war einstimig und wurde von Generalabt

Edmond II. Perrot (1712-1727) bestätigt. Abt Jacques hatte an der Sorbonne studiert und mit dem Doktor abgeschlossen. Er war Priester im Kloster Neubourg. Er hatte eine sehr gute Beziehung zu König Stanislaus I. Leszczyński, der ihn oft in Neubourg besuchte.

Seine Tochter Maria, die im August 1725 den französischen König Ludwig XV. heiratete, unterhielt einen Briefwechsel mit Abt Jacques. Sie schenkte reiche Schmuckstücke für die Klosterkirche von Neubourg. Auch der Straßburger Bischof François Armand Auguste von Rohan-Soubise (1747-1756)

zählte den Abt zu seinen Freunden. Er hatte gute Beziehungen zum Adel, der sein Wissen und seine Tugend schätzte.

Im Konvent legte er großen Wert auf Disziplin. Am Kloster blühte die Wissenschaft. Er schickte mehrere Mönche nach Paris, die dort den Doktortitel erwarben. Er kümmerte sich auch stark um die wirtschaftlichen Belange des Klosters.

Die Kirche wurde komplett renoviert, der Konvent neu aufgebaut. Mühlen wurden wieder errichtet. Er gilt als zweiter Gründer des Klosters. Er bereicherte die Bibliothek mit kostbaren und raren Büchern.

Er kaufte in Straßburg ein Haus. Im Orden war er Generalvikar für Lothringen.

Auch Abt Jacques blieb von Turbulenzen nicht verschont. 1744 verwüsteten die Österreicher das Elsass. Beteiligt war auch das Pandurenkorps des Oberst Franz von der Trenck. Als er eintraf, wurde Kloster Neubourg verpflichtet, ihm 100 Livres und seinen Offizieren 25 Livres

zu zahlen. Der Gesamtschaden, den das Kloster  erlitt, belief sich auf 140.000 Livres und verschlang die Einnahmen des Kloster für drei Jahre.

Abt Jacques starb am 19. November 1759 im Alter von 81 Jahren. Er wurde in der Mitte des Altarraumes der Klosterkirche von Neubourg bestattet.

Sein Nachfolger als 47. und letzter Abt von Neubourg wurde Joseph Specht. Er wurde am 11. Februar 1760 in Anwesenheit des Mutterabtes Grégoire Girardin (1751-1790) des vorletzten Abtes von Lützel gewählt

Im Mai 1760 wurde er im Beisein der Äbte von Pairis  Xavier Burst und Sankt Urban Augustin Müller eingesegnet.

Abt Joseph war seinen Konventualen ein echter Vater und er wurde von ihnen  verehrt und geliebt wegen seiner Güte und Milde.

Am 14. Juli 1789 brach in Frankreich die Revolution aus. Ziel war auch die Abschaffung von Standesprivilegien. Es ging auch um die Abschaffung des Zehnten. Als erste kirchliche Institution gerieten die Orden ins Visier. Am 29. Oktober 1789 wurde per Dekret das Ablegen von Ordensgelübden

verboten und am 13. Februar 1790 schaffte die Nationalversammlung die Ordensgeistlichkeit ab. Nur noch Frauenklöster, die in der Krankenpflege und im Schulwesen tätig waren, durften bestehen bleiben,Das bedeutet natürlich auch das Aus für den Zisterzierzienserorden in Frankreich.

Viel Mönche gingen ins Ausland und kamen dort bei den Klöstern ihres Ordens unter.

In Neubourg wurden die Mönche vertrieben, die Gebäude zerstört. Nur noch eine kleine spitzbogige Kapelle im Kirchhof blieb übrig.

Damit endete eine Abtei, die im Mittelalter zu einer der reichsten im Elsass zählte.

21 Jan 2021

Kloster Maulbronn

                                                                                                                                                                                                

Um 1138 stiftete der Edelfreie Walter von Lomersheim, das ist heute ein Stadtteil von Mühlacker sein Erbgut Eckenweiher zur Gründung eines Zisterzienserklosters, in das er dann selbst als Laienbruder eintrat. Namentlich bekannt sind auch zwei Geschwister von Walter,

nämlich Konrad und Ita von Lomersheim. Es wurde eine Filialgründung des elsässischen Kloster Neubourg. Der Neuburger Abt Ulrichentsandte Abt Dieter von Morimont wie bei Gründungen der Zisterzienser üblich mit 12 Mönchen in die neue Gründung.

Allerdings scheint der Ort für ein neues Kloster nicht allzu günstig gewesen zu sein. Es war wohl nicht ausreichend Wasser vorhanden. Zur Weihnachtszeit 1146 predigte Bernhard von Clairvaux in Speyer. Sicher hat ihn dort auch der Speyrer Bischof gehört.Bischof Günther von Henneberg (1146-1161) nahm sich persönlich der Sache des Klosters an. Er war gerade Bischof in Speyer geworden.

Er erklärte den vorgesehenen Ort  Eckenweiher für untauglich und schenkte dem Kloster das Bischofslehen zu Mulenbrunnen, wohin das Kloster 1147 verlegt wurde. Hier war eine ehemalige Siedlungsstelle, die bis vor kurzem noch bewirtschaftet worden war.Die Zisterzienser begannen sofort ein System der Wassernutzung und Wasserwirtschaft einzurichten. Darin gelten sie als vorbildlich und meisterhaft. Es gab zwei Bäche, die die Mönche als Kanal fassten. Die Abwasserversorgung war geklärt und sie konnten den Wasserbedarf so steuern, dass damit eine Mühle angetrieben werden konnte,

die sich im Klosterbereich befand. Sie installierten ein Netz von etwa zwanzig Seen und Teichen, die durch ein System von Gräben und Kanälen. Die angelegten Stauseen dienten als Wasserreservoir und wurden auch zur Fischzucht genutzt. Den Zisterziensern war der Fleischgenuss verboten. Aber Fische galten als „Flussgemüse“ und durften verzehrt werden und spielten somit natürlich bei der Ernährung eine wichtige Rolle. Aber nicht nur der Bedarf des Klosters wurde gedeckt. Es wurde auch ein einträglicher Handel getrieben. Karpfen und Hechte wurden gezüchtet, aber auch Barsche, Schleien, Rotaugen und Karauschen. Der fettreiche Aal war im
Mittelalter einer der beliebtesten Fische. Da er aber nicht in Binnengewässern laichen kann, fanden im 15. Jahrhundert Fischtransporte zwischen Maulbronn und Speyer statt. Karpfen wurden in Kisten nach Speyer transportiert und von dort kamen ebenfalls in Kisten Aale, die dann in den Aalkistensee gebracht wurden und dort weiter gezüchtet. Die Karpfenzucht wurde in Maulbronn perfektioniert. Den Mönchen gelang es, Spiegelkarpfen zu züchten, die im Vergleich zu den Wildkarpfen wesentlich weniger Schuppen aufweisen, ein wichtiger Vorteil in Zeiten, in denen  die Zahngesundheit noch sehr mangelhaft war.

Bischof Gunter von Speyer schenkt dem in Eckenweiher gegründeten Zisterzienserkloster den Grund und Boden in Maulbronn und verlegt das Kloster an den dortigen Ort unter Beibehaltung der bischöflichen Vogteirechte und Gewährung des Neubruchzehnten für das Kloster.”

(WUB Band XII., Nr. N1

Ein Jahr später wird die Verlegung des Klosters urkundlich festgehalten. Der Klosterbau war inzwischen auch soweit fortgeschritten, dass die Mönche übersiedeln konnten.

“Bischof Günther von Speyer verpflanzt die von Walter von Lomersheim begonnene Stiftung des Klosters in Eckenweiher nach Maulbronn unter Aufzählung und Bestätigung der dahin abgetretenen Güter und Rechte.” (WUB Band II., Nr. 327, Seite 43-45)

Der Besitz des Kloster wurde rasch vermehrt. Walthers Schwester Ita schenkte dem Kloster 3 1/2 Hufen,  Bertha von Grüningen (dem heutigen Markgröningen) schenkte zusammen mit ihren Söhnen 2 Hufen, Werner von Rosswag schenkte eine Hufe. Die ersten Schenker waren alle überzeugte

Gefolgsleute der Staufer ebenso wie der Bischof Günther zusammen mit seinem Bruder, dem Würzburger Bischof Gebhard von Henneberg zu den Verbündeten Friedrich Barbarossas zählte.
Das Kloster wird sehr schnell in päpstlichen Schutz genommen, was Papst Eugen III. (1145 bis 1153) am 29. März 1148 beurkundete. Papst Eugen war der 1. Zisterzienserpapst, was die rasche Inschutznahme, schon zwei Jahre nach der Gründung verständlich macht.

“Papst Eugen III. nimmt das Kloster Maulbronn mit dessen Besitzungen in seinen Schutz und bewilligt demselben die innen bezeichnete Zehentfreiheit.” (WUB Band II., Nr. 329, Seite 48-49)

1152 schenkte Bischof Gunter dem Kloster einen Hof in Tiefenbach und 1153 sorgte er dafür, dass der Elfinger Hof in Besitz des Klosters kam. Graf Ludwig von Württemberg betrieb das bisher als Afterlehen und überließ es auf Bitten Gunters Kloster Maulbronn.

Kaiser Friedrich hatte der Umwandlung in Eigentum zugestimmt, nachdem er sein bisher freies Gut Brache dem Kaiser zu Lehen überließ. “König Friedrich (I.) genehmigt, dass das Eigengut Brache an Stelle von Elfingen reichslehenbar, und dieses samt der Kirche des Orts Eigentum der Kirche in Maulbronn werde.(WUB Band II., Nr. 344, Seite 74-75) Der Elfingerberg  war eine der ersten Grangien Maulbronns und gehörte zusammen mit dem Weinberg zu den wichtigsten wirtschaftlichen Klostergütern.

Die Mönche legten übereinander liegende Terrassen an. Verkehrswege lassen sich so für die Bearbeitung günstig anlegen. Die Fläche im Weinberg ist weniger geneigt und somit leichter zu bearbeiten. Zudem wurde die Südlage optimal genutzt. Außerdem pflanzten sie Traminerreben an und erzeugten so qualitätvolle Weine, obwohl die Lage nicht unbedingt günstig war.

Gunter  hatte dem Kloster schon früh Zehntfreiheit gewährt, was Papst Eugen in seiner Schutzurkunde bestätigte. Nicht nur mit Schenkungen und Vermittlungen von Schenkungen wirkte Gunter für das Kloster. Er sorgte auch mit klugen Verordnungen dafür, dass die Gründung rasch aufblühte.

In Fülmenbach, das sich in Kirchenbesitz befand und 1152 in Maulbronner Besitz überging, wurde auf seine Initiative hin Schafzucht eingeführt.Schafe waren ein wichtiger Teil des klösterlichen Besitzes. Sie lieferten Wolle, Käse und Milch, aber auch Pergament. Käse und milch waren ein wichtiger Eiweißbaustein in der Ernährung, zumal Fleischgenuss den Zisterziensern verboten war. Auch der Weinbau in Fülmenbach geht auf ihn zurück. Auch regte er eisenbeschlagene Pflüge an.

Kaiser Friedrich I. nahm am 08.01. 1056 das Kloster Maulbronn unter seinen Schutz und er bestätigte den von Papst Eugen II. verliehenen Neubruchzehnt. Auch wurde der Klosterbesitz aufgelistet.(RI IV,2,1 n. 383 ) 1156 wurden schon 11 Grangien gezählt, darunter Eckenweiher,Fülmenbach und Elfingen.

1177 waren es schon 17 Grangien. Friedrich unterstellte Maulbronn ausschließlich der königlichen Vogtei. Die Schutzurkunde erwirkte wohl Gunter. Wahrscheinlich ist es auch kein Zufall, dass Kloster Neubourg

wegen der Gründung Maulbronns angegangen worden ist, denn Neubourg geht auf Friedrich Barbarossas Vater zurück. Friedrich der Einäugige war an der Gründung von Kloster Neubourg beteiligt. Friedrich Barbarossas  Onkel war Otto von Freising. Dieser war 1132 in den Zisterzienserorden im Kloster Morimond eingetreten. 1138 wurde er zu dessen Abt gewählt. Am Tag darauf wurde er aber von König Konrad III. zum Erzbischof von Freising ernannt . Kloster Neubourg ist in der Filiation von Kloster Morimond über Bellevaux,  Lützel. Lützel ist das Mutterkloster von Neubourg.

Maulbronn war in ein Netzwerk von Stauferanhängern eingebunden.Die Schutzurkunde Fridrichs I. kann als Endpunkt der Integration in das staufische Herrschaftssystem angesehen werden.

Maulbronn verzeichnete einen raschen Aufschwung. Schon 1153 wurde von Maulbronn aus Kloster Schöntal im Jagsttal gegründet.Der erste Abt Herwig kam wohl aus Maulbronn. 1163 wurde Maulbronn Mutterkloster des 1153 von Waldsassen aus besiedelten Klosters Bronnbach im Taubertal. Maulbronn schickte den Mönch Wigand als neun Abt nach Bronnbach.

1159 schenkte Bischof Gunter dem Kloster einen Hof in Speyer, aus dem der Maulbronner Hof an der Johannesstraße in Speyer hervorging. Der Stadthof in Speyer war der wichtigste Handelsplatz des Klosters. Seit 1277 gab es auch einen Maulbronner Hof in Heilbronn. Das Kloster gab diesen später als Lehen an die Stadt Heilbronn. In Heidelberg und Stuttgart besaß das Kloster Stadthäuser. Die aufstrebenden Städte wurden zum bedeutenden Handelsplatz. Hier setzten die Mönche ihre über den eigenen Bedarf hinaus erwirtschafteten Waren ab.

Die wichtigsten gehandelten Produkte waren Wein, Getreide, Wolle, Filzschuhe und verarbeitetes Leder. Im Gegenzug erwarben die Zisterzienser andere lebensnotwendige Produkte wie Salz oder Aale und Fischsetzlinge für die Fischteiche.

Die wirtschaftliche Situation erlaubte es nun auch, mit dem Bau der Kirche zu beginnen. Bischof Gunter erlebte die Fertigstellung allerdings nicht mehr. Für den Januar 1160 hatte Kaiser Friedrich I. eine Kirchenversammlung nach Pavia einberufen. Es ging um die Beseitigung des Schismas. Alexander III. war seit 1159 Papst.Der von Friedrich I. gestützte Gegenkandidat Victor IV. ließ sich etwa einen Monat später zum Papst ausrufen und erhielt unter dem Schutz des Kaisers die päpstlichen Weihen. Damit gab es wieder ein Schisma in der Kirche. Victor konnte sich aber außerhalb von Barbarossas Machtbereich keine Anerkennung verschaffen und sich nicht durchsetzen. Mitte Juni 1161 fand in Lodi eine weitere Synode statt, mit der Barbarossa die Anerkennung Victors erreichen wollte. Anlässlich dieser kirchenpolitischen Auseinandersetzungen weilte auch Bischof Gunter in Italien.

Am 16. August 1161 starb er in Italien. Er wurde in der Klosterkirche von Maulbronn beigesetzt. Dort fand auch der  Stifter von Maulbronn, Walter von Lomersheim seine letzte Ruhestätte. Nachfolger von Bischof Gunter wurde Ulrich I. von Dürrmenz von 1159-1163 auch Reichskanzler von Friedrich Barbarossa. Auch er hatte wie sein Vorgänger ein gutes Verhältnis zum Kloster Maulbronn. Er befreite 1162 die Neubrüche vom Zehnten. Ulrich ist ebenfalls in Maulbronn bestattet.

Abt Dieter starb nach 1168. Ob er noch die Einweihung der Kirche erlebt hat, ist zweifelhaft.

1171 nahm Papst Alexander III. das Kloster in seinen Schutz und erklärte, dass die Zehntfreiheit sich nicht auf Neubrüche beschränken dürften und gewährte weitere Vergünstigungen. Die Urkunde wurde am 21. Dezember 1177 in Anagni ausgestellt. (WUB Band II., Nr. 408, Seite 183-184)

1178 war die Klosterkirche fertig und sie wurde von Erzbischof Arnold von Trier (1169, † 25. Mai 1183)geweiht.

Die Klosterkirche ist ungewöhnlich lang, da sie zwei Kirchen in einem Längsschiff vereinigt, die Laienkirche und die Mönchskirche. Ein romanischer Lettner trennt den sogenannten Bruderchor vom sogenannten Herrenchor.

Auf Abt Dieter folgt ein Abt, von dem nur der 1. Buchstabe bekannt ist und es ist nicht sicher, ob es ein B. oder D. ist. (Die Äbteliste ist bei Karl Klunzinger Urkundliche Geschichte der vormaligen Cisterzienser-Abtei Maulbronn, 1854 auf Seite 113 ff, ebenso auch in Beschreibung des Oberamts Maulbronn, H. Lindemann 1870, S.187 abgedruckt). B. oder D. werden bis 1192 geführt. Von 1192 bis 1196 folgt ein Abt. E. oder F. 1196 bis um 1216 folgt Abt Conrad I. In seine Amtszeit fällt um 1201 der Bau der Klosterfront ( der Keller und das Laienrefektorium)Das Laienrefektoriumist nach der Kirche der umfangreichste überwölbte Raum im Kloster. Conrad hatte einen Gegenabt, Johannes von Neipperg. Er stammte aus der Familie der Herren von Neipperg  Er war für vogelfrei erklärt worden und wurde 1212 von seinen Untertanen in Weissach getötet. Es wurde ein Sühnekreuz errichtet. Die Gemeinde Weissach wurde zum Erhalt des Kreuzes verpflichtet.  Das Kloster Maulbronn zahlte über seine Pflege Wiernsheim an die Gemeinde jährlich einen Gulden. Daraus könnte man folgern, dass die Mörder entweder Maulbronner Mönche waren oder wenigstens vom Kloster angestiftet worden sind.

Um 1210 der Bau der Vorhalle (Paradies). Der Meister des Maulbronner Paradies ist ein in der Frühgotik Nordfrankreichs wohl um 1160/70 geschulter Meister  und kam über Burgund, dort hattendie Zisterzienser ihren Ursprung, nach Maulbronn. Typisch für seine Arbeit ist die Summierung der röhrenförmigen, verschieden hohen Dienste und die „Lochform“ der Fenster (Vorformen des Maßwerkes der Hochgotik). Alle Rippen des Gewölbes folgen dem Halbkreis. Der Meister des Maulbronner Paradies wirkte auch in Magdeburg und Halberstadt. Bemerkenswert sind die Portale, die vom Paradies zum Kirchenschiff führen.Die Türblätter stammen aus dem 12. Jahrhundert und sind original erhalten und sogar die Lederbezüge sind noch erhalten. Um 1215 wird die Südhalle des Kreuzgangs gebaut und um 1225 das Herrenrefektorium und der Kapitelsaal. In dieser Zeit (1219-1232) regiert ein Abt mit der Initiale M.

1203 setzte sich wieder ein Speyrer Bischof für Maulbronn ein. Konrad III. von Scharfenberg war 1200 Bischof in Speyer geworden. Ab 1208 war er Reichskanzler und bekam 1212 auch noch das Bistum Metz übertragen. 1203 veranlasste er Walter von Bromberg auf das Patronatsrecht in Knittlingen zu verzichten. Zu diesem Vorgang sind im WUB 3 Urkunden verzeichnet. In der ersten Urkunde  WUB Band II., Nr. 521, Seite 342 wird die Schlichtung durch Bischof Konrad im Streit um das Patronatsrecht an der Kirche in Knittlingen dokumentiert. Das Patronats recht besaß wohl zunächst Walter von Bromberg

aus dem edelfreien Geschlecht der Herren von Bromberg. In der nächsten Urkunde wird der Besitz Pfarrei bestätigt.WUB Band II., Nr. 522, Seite 343-344 und schließlich bestätigt sogar Papst Innozenz III. den Besitz der Einkünfte und Güter an der Pfarrei Knittlingen WUB Band II., Nr. 523, Seite 345.

Auch der Nachfolger von Konrad III. Beringer von Entringen (1224-1232)blieb dem Kloster gewogen. Im August 1224 gestattete er dem Abt und den Brüdern von Maulbronn, die Kirche in Wiernsheim, deren Patronat ihnen zustand, zu inkorpieren. (WUB Band III., Nr. 678, Seite 155-156) Die Inkorporation einer Kirche bedeutete für ein Kloster eine beständige Einnahmequelle, da das Pfründenvermögen dem Inkorporationsbegünstigte zufiel. In einer im August 1227 ausgestellten Urkunde (Band III., Nr. 673, Seite 149-150) nahm Papst Honorius III. (1216 bis 1227) das Kloster Maulbronn in seinen Schutz und bestätigte außerdem den vom Bischof von Speyer überlassenen Besitz der Kirche in Wiernsheim sowie seiner übrigen Güter. 1232 schenkte er seinem Kapitel in Speyer und dem Kloster Maulbronn einen Hof in Öwisheim (WUBBand III., Nr. 808, Seite 303)

Nachdem Papst Honorius III. mit einer am 9. Februar 1222 ausgestellten Urkunde ( WUB Band XII., Nr. 5767) den gesamten Zisterzienserorden betreffend verbot, dass irgendjemand auf Neuäckern von den Zisterziensern Zehnten “abfordert oder erpresst”, stellte er am 27.April 1224 eine Schutzurkunde für das Kloster Maulbronn aus und bestätigte den Besitz der vom Speyrer Bischof überlassenen Kirche von Wiernsheim sowie seine übrigen Güter. (WUB Band III., Nr. 673, Seite 149-150 “Papst Honorius III. nimmt das Kloster Maulbronn in seinen Schutz und bestätigt ihm den vom Bischof von Speyer überlassenen Besitz der Kirche in Wiernsheim sowie seiner übrigen Güter.”)

1215 wurde der Bau der Südhalle des Kreuzgangs begonnen und 1251 mit dem Bau des Herrenrefektoriums und des  Kapitelsaals. Diese drei Bauvorhaben wurden zu Wegbereitern der frühgotischen Architektur im deutschsprachigen Raum. Zu beachten sind im Südflügel des Kreuzgangs im Paradies und im Herrenrefektorium die die hervorragend gearbeiteten Blattkapitelle. Im Kapitelsaal versammelten sich die Mönche jeden Tag um eine Lesung aus den Kapiteln der Ordensregeln zu hören, daher der Name.

Papst Gregor IX. (19. März 1227-22.August 1241) erteilte dem Bischof von Straßburg ,das war zu der Zeit Wilhelm I.(1028/1029 bis 7. November 1047 ) am 20. Januar 1229 den Auftra,g “das Kloster Maulbronn gegen gewalttätige Eingriffe in dessen Rechte zu schützen.” (WUB Band III., Nr. 735, Seite 220-221)

Von 1232 bis 1234 regierte Abt Goswin. Er kaufte im Februar 1232 die Kirche, die Vogtei und Güter mit Zubehör in Wimsheim. (WUB Band III., Nr. 810, Seite 305). Am 2. Oktober 1232 bestätigte König Heinrich VII. (1228-1235 von seinem Vater Friedrich II. abgesetzt) diesen Kauf (WUB Band III., Nr. 819, Seite 315) “König Heinrich (VII.) bestätigt den Ankauf des Ortes Wimsheim durch das Kloster Maulbronn von dem Grafen Gottfried von Vaihingen und verspricht die Reichsvogtei über diesen Ort niemals irgendwie zu veräußern.”Das war ja auch die Bestätigung der Reichsvogtei, die Friedrich I. in seiner Urkunde von 1151 verliehen hatte. In der Sekundärliteratur wird dann meist geschrieben, dass der Konvent von Maulbronn den Speyrer Bischof als Schutzvogt gewählt habe. Einen urkundlichen Beleg dazu habe ich nicht gefunden. Es scheint aber so, dass die Bischöfe von Speyer selbstständig Schirmfunktionen für Kloster Maulbronn wahrgenommen haben, zumal sie enge Beziehungen zum Kloster hatten. Das Kloster war von einem Speyrer Bischof auf Speyrer Besitz gegründet worden und die Speyrer Bischöfe standen ebenfalls unter kaiserlicher Schirmvogtei. Es erwies sich aber als zweckmäßig,  dass ein zuverlässiger Schutzherr in unmittelbarer Nähe ansprechbar war. Die Speyrer Bischöfe setzten deshalb wohl im Einvernehmen mit den Maulbronner Mönchen eine Art Untervogt ein. Das wurde sein Ministerialer Heinrich von Enzberg. In einer 1236 tritt er erstmals urkundlich in Erscheinung. Er siegelt eine Urkunde mit, die Abt Sigfrid ausstellt und in der es um eine Übereinkunft mit den Bauern von Ötisheim geht und zwar “sigillo advocati de Encenberch” also mit dem Siegel des Vogts von Enzberg. (WUB Band III., Nr. 872, Seite 369-370)

Das stärkte Heinrichs Ansehen natürlich beträchtlich. Zugleich brachte es ihn auch in eine Konfliktsituation. Den er selbst war ja in aufstrebender Herrschaftsfunktion und stand damit sowohl in Konkurrenz zum Kloster als auch zum Bistum. Man hat die Gefahr wohl durchaus gesehen, dass Heinrich seine

Befugnisse missbrauchen würde oder die Enzberger erbliche Ansprüche auf die lukrativen Vogteirechte erheben könnten. Wohl auf Druck des Speyrer Bischofs verzichtete Heinrich auf sein Amt als Vogt.”Heinrich der Ältere von Enzberg verzichtet unter Bestätigung des Empfangs des Pfandschillings auf alle ihm verpfändet gewesenen Vogteirechte über das Kloster Maulbronn.(WUB Band IV., Nr. 1231, Seite 300) Er wurde aber 4 Monate später vom Bischof wieder als Beschützer Maulbronns eingesetzt,

allerdings nicht als Vogt (advocatus) sondern nur als Schirmherr (tutor) und das ausdrücklich nur in persönlicher und widerruflicher Eigenschaft. (WUB Band IV., Nr. 1237, Seite 305-306). Bischof in Speyer war in dieser Zeit Heinrich II. (1245-1272). Heinrich von Enzberg starb um 1268.

“Papst Innozenz IV. gebietet dem Erzbischof von Mainz und allen Kirchenobern seines Sprengels, das Kloster Maulbronn gegen Übergriffe durch Verhängung von Kirchenstrafen gegen dessen Bedränger zu schützen.” (WUB Band IV., Nr. 1026, Seite 77-78)Lateran 8. April 1244. Eine ähnliche Urkunde

hatte Papst Gregor IX. ja 1299 ausgestellt, den Auftrag allerdings an den Bischof von Straßburg gegeben

Abt Sigfrid I. regierte von 1244-1251. Am Anfang seiner Regierungszeit erhielt er eine Schutzurkunde, die Papst Innozenz IV. (1243-1254)am 27. Juni 1245 in Lyon ausstellte (WUB Band XI., Nr. N5586, Seite 475-476). Darin bestätigte er den Besitz des Klosters und alle seine Privilegien.

In seiner Urkundliche Geschichte der vormaligen Cisterzienser-Abtei Maulbronn Karl Klunzinger (Stuttgart 1854) erwähnt dieser auf Seite 16 noch zwei Papsturkunden auf Seite 16, eine von Papst Innozenz IV. und eine von
Alexander IV., in denen das Kloster Maulbronn das Recht erhält, dass kein Bischof dort Gericht halten dürfe sowie den Burgfrieden.

Auch königliche Schutzurkunden gibt es für das Kloster wieder. König Wilhelm von Holland ( 1256/57) stellte am 2. Februar 1255 diese Urkunde für Maulbronn aus.

“Der römische König Wilhelm nimmt das Kloster Maulbronn mit allen dessen Gütern in seinen und des Reichs Schutz, verbietet dasselbe irgendwie zu schädigen und verspricht sämtliche dem Reich zuständige Vogteien über Güter des Klosters ohne dessen Bitte nicht zu veräußern.”

WUB (Band V., Nr. 1325, Seite 92)

Am 16. Februar 1255 verspricht er, alle bisher  erteilten Rechtsbegünstigungen aufrecht zu erhalten. Zuwiderhandelnden droht er mit großer Ungnade. (WUB Band V., Nr. 1326, Seite 93)

Am 4. Juli 1256 wird Abt Eggehard (1257-1268) von Papst Alexander beauftragt, “die durch den päpstlichen Kardinallegaten Peter geschehene Einverleibung der Kirchen Gebsattel und Tüngental in das Kloster Comburg zu bestätigen. (WUB Band V., Nr. 1401, Seite 165). Abt Eggehard wurde wegen seiner Rechtschaffenheit gerühmt. 1268 wurde er Abt im Mutterkloster Neubourg. Bischof Heinrich II. (1245-1272) schenkte Kloster Maulbronn Zoll und-Umgeldsfreiheit, weil sich Eggehard auf seinem Maulbronner Abtsstuhl so bewährt hatte.

Um 1268 folgte Heinrich von Enzberg, der gleichnamige Sohn des Maulbronner Schirmherrn in derselben Eigenschaft und demselben Rechtsverhältnis nämlich Schirmherr, widerruflich und nicht erblich. Er aber forderte mit Waffengewalt Vogteirechte und wurde deshalb mit Kirchenbann belegt.

Er starb kurz nachdem er auf seine Ansprüche verzichtet hatte. Seine Söhne Heinrich III., Konrad, Gerhard und Albrecht sowie sein Bruder Konrad führten die bewaffneten Auseinandersetzungen aber weiter. Sie gingen plündernd und sengend gegen das Kloster vor. Nun griff der Bischof ein.

Der Machtantritt Rudolfs und seine Revindikationspolitik, das ist die Rückführung der zur Stauferzeit entfremdeten Reichsgüter,  erleichterten den Maulbronner Mönchen die Durchsetzung ihrer Ansprüche wegen der Vogtei.

Die Brüder mussten am 1. August definitiv auf alle Ansprüchean die Vogtei über Ölbronn, Diefenbach, Elfingen und Füllmenbach verzichten. (WUB Band IX., Nr. 3462, Seite 34-35)

Am 1. Oktober 1273  wurde Rudolf von Habsburg zum neuen Herrscher des Deutschen Reiches gewählt. Damit endete das Interregnum oder wie Schiller in seiner Ballade” Der Graf von Habsburg” sagte “die kaiserlose, die schreckliche Zeit”. Es war aber gar keine kaiserlose Zeit, sondern es herrschte ein Überangebot an Herrschern, von denen sich aber letztendlich keiner durchsetzen konnte. Für Maulbronn wichtig, dass der neue Herrscher dem Kloster schon bald nach seinem Machtantritt eine Schutzurkunde ausstellte. “ König Rudolf nimmt das Kloster Maulbronn in seinen Schutz.”

WUB Band VII., Nr. 2374, Seite 267.

Unter Abt Sigfrid II.(1281-1285) geriet die Tochterabtei Schönthal unter seinem Abt Thomas (1270-1284) in Finanznöte. Kloster Maulbronn konnte zu diesem Zeitpunkt auch nicht einspringen. Das Generalkapitel unterstellte deshalb das in Not geratene Kloster dem wirtschaftlich starken Kaisheim. In der Urkunde liest es sich allerdings wie eine Bitte von Abt Sifrid. “Abt Sifried von Maulbronn bittet den Abt von Kaisheim, die Vaterschaft über das zerfallende Kloster Schöntal zu übernehmen” (WUB Band VIII., Nr. 3119, Seite 331

Abt Trutwin (1266-1287) von Kaisheim kann 1283 schon alle Schulden von Schönthal ablösen. Mit dem Kloster geht es wieder aufwärts. Es verbleibt aber unter dem Patronat von Kaisheim

1299 verlieh König Albrecht (1298-1308) Zollfreiheit für einen jährlichen Schiffstransport auf dem Rhein. “König Albrecht erlaubt dem Kloster Maulbronn alljährlich einmal auf dem Rhein ein mit Wein oder Getreide beladenes Schiff zollfrei tal- und bergwärts führen zu dürfen.” (WUB Band XI., Nr. 5354, Seite 320-321)

Um 1300 wurde die Westhalle des Kreuzgangs begonnen.

Um 1350 wurde mit dem Bau der Nordhalle des Kreuzgangs mit Brunnenkapelle, der Osthalle mit Kapitelsaal und Johanneskapelle begonnen. Die Ordensregel schreibt den Waschraum für die Mönche im Kreuzgang vor. Dort wurde auch die Tonsur vorgenommen. Um 1340 wurden hier fünf Maßwerkfenster errichtet. Die unterste Brunnenschale stammt noch aus dem Mittelalter.

Im frühen 13. Jahrhundert begann die Umfriedung des Klosters. Johann von Rottweil war von 1361 bis 1367 Abt in Maulbronn. Er baute die Umfriedung festungsartig aus. Sie umfasste eine Ringmauer, Wehrgang und Wehrtürme sowie einen mit Wasser füllbaren Zwingergraben.Vor der Befestigung des Klosterareals gab es eine äußere Umfriedung, die aus einer Mauer und zwei Türmen bestand. Diese ist wohl spätestens zur Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der Pfalz und Württemberg errichtet worden, also in der 2,Hälfte des 15. Jahrhunderts bis zur Jahrhundertwende.

Als das Kloster befestigt wurde, wurden auch die Pfleg-und Kirchhöfe im “maulbronnischen” Territorium mit Verschanzungen, Wehrtürmen und Mauern befestigt, so z. B. in Knittlingen und Öwisheim.

Maulbronn hatte schon sehr früh einen relativ gering zersplitterten Besitz. Zudem mühten sich die Äbte bis zur Reformationszeit einen nur ihnen unterstehenden Herrschaftsbereich zu gewinnen. Das ermöglichte effizientes Organisieren und

Wirtschaften. Das Gebiet um Rastatt wurde Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts an das 1149 gegründete Zisterzienserkloster Herrenalb veräußert oder gegen günstiger gelegene Gebiete getauscht.

Zwei Schenkungen in  Unteröwisheim (WUB Bd. III Nr. 584 Seite 37 und WUB Band III., Nr. 808, Seite 303) geben den Anlass dort einen kleinen und kompakten Besitzkomplex aufzubauen. Er hatte den Vorteil, dass er jeweils eine Tagesreise vom Kloster und zur Bischofsstadt Speyer entfernt war und war so möglicherweise Zwischenstation zwischen Kloster und dem wichtigen Stadthof in Speyer. Abgerundet wurde das durch einen Kauf am 24.April 1346. der Hälfte von Unteröwisheim samt Kirchensatz vom Markgrafen Hermann IX. von Baden (1333-1353). Am 14. August 1411 wurde Unteröwisheim dem Kloster ganz zugesprochen.

Der Maulbronner Besitz verteilte sich jetzt schwerpunktmäßig auf drei Räume. Das war einmal der Besitz im unmittelbaren Umfeld des Klosters. Der wichtigste und einträglichste Besitzkomplex  war im Umfeld von Speyer auf beiden Seiten des Rheins. Dazu kam der relativ neu erworbene

Besitzkomplex  Unteröwisheim, in dem im heutigen Schloss Unteröwisheim ein Pfleghof errichtet wurde, der 1347 in einem Kaufvertrag mit dem Markgrafen von Baden /(s.o.) erstmals erwähnt wird.

Abt Johann kaufte erstmals eine bedeutende Menge von Gütern vom umliegenden Adel. Das mag zum einen mit der Arrondierung des Maulbronner Territoriums zusammenhängen, deutet aber auch auf eine Änderung der klösterlichen Wirtschaftspolitik. Von der Bewirtschaftung von Eigengütern durch Konversen ging man vermehrt auf Rentengrundherrschaft und den Handel mit Gütern über. Der gesamte Orden stellte sich um. 1244 gestattete die Ordensregel erstmals die Geldwirtschaft als Einkommenszweig der Zisterzienserklöster. (siehe dazu auch Kloster Eberbach in Mei Büchle) In Maulbronn zeigte sich das z. B. in Diefenbach, wo neu umgebrochenes Land gegen einen Zins an Bauern zur Bewirtschaftung abgegeben wurde. Ab dem 13. Jahrhundert trat das Kloster nun als Erwerber  von Zehntrechten auf fremde Güter auf. Das erklärt auch die zeitweise Verschuldung des Klosters. Der Erwerb solcher Rechte hängt damit wohl genauso zusammen wie die Arrondierungsbemühungen des Klosters.

In die Zeit von Abt Johannes fällt auch die Übertragung der Untervogtei an die Pfalzgrafen bei Rhein. Am1. Juni 1372 übertrug Kaiser Karl IV. (1346-1378) die Schutzvogtei von Kloster Maulbronn auf Ruprecht I. (1353-1390) Pfalzgraf bei Rhein. Dadurch wurde es allerdings in den Gegensatz zwischen der Pfalz und Württemberg verstrickt. Dies endete erst mit dem Übergang Maulbronns an Württemberg 1504.

Heinrich II. war Abt von 1384 bis 1402. Er setzte den Güterkauf, den Johann von Rottweil begonnen hatte in großem Maße fort. Dazu kamen noch Schenkungen und Privilegien.Er ließ das Haus des Abtes und des Verwalters erbauen. Herzog Ludwig I. von Württemberg (1568 bis 1593) ließ 1588 darauf

sein Jagdschloss errichten.

1401 erteilte König Ruprecht dem Kloster einen Schutzbrief. König Ruprecht nimmt das Kloster Maulbronn in seinen und des Reichs Schirm und verspricht, die Schirmvogtei nicht zu veräußern; bestätigt auch dessen Privilegien. (Stiftsarchiv St. Paul im Lavanttal, St. Blasien U 319)

Sein Nachfolger war Abt Albrecht IV. von Ötisheim. Er war von 1402-1408 Abt in Maulbronn. Die Einkaufspolitik seines Vorgängers setzte er fort. Auch in Rechtsstreitigkeiten war er erfolgreich. Er ließ die Kirchhöfe seiner Orte befestigen. Die Beschwerden des badischen Markgrafen von Baden gegen die Erlaubnis wies König Rupprecht zurück.

1407 taufte er Jakob von Baden (1407-1453), den Sohn des Markgrafen Bernhard I. von Baden.

1408 erhielt die Kirche einen neuen Altar, den Ludwig von Abolo, Suffragan des Bischofs Raban von Speyer (1388-1430) weihte.

1414 war der Abt auf dem Konzil in Konstanz.Er gewährte dann dem Dominikaner Johannes Mulberg Asyl in Maulbronn.Dieser war in Basel als Ketzer und Schismatiker verurteilt und der Stadt verwiesen worden. In seinem leidenschaftlichen Reformeifer hatte er die Geistlichkeit in Basel schonungslos angegriffen und ihr ein strenges Strafgericht prophezeit. Er hielt an Papst Gregor XII. fest, während in Basel Johannes XXIII. anerkannt war. Er starb am 04.12.1414 in Maulbronn  und ist dort auch begraben. Ein weiteres positives Ergebnis seines Konstanzaufenthalts war die Bestätigung des Schutzbriefes von König Ruprecht durch König Sigismund am 25. März 1415. Darin wurde auch die Vollmacht erteilt, die Befestigung der Kirchhöfe fortzusetzen.

Am 14. März 1418 nahm der neugewählte Papst Martin V. (1417-1431) das Kloster in seinen Schutz. Am 26. Februar 1420 beauftragte er den Maulbronner Abt und den Abt von Neubourg, die Klöster und Stifte im Pfälzer Gebiet zu untersuchen und zu reformieren.

Laut Bruschius (Chronologia Monasteriorum Germaniae Praecipuorum , S.331) erlangte er in Prag die Magisterwürde. Dort soll er auch seinen Kunstsinn gebildet haben. 1424 erfolgte der gotische Umbau der Kirche. Sein Baumeister war der Laienbruder Berthold, als Maler war Ulrich tätig.

Mit Abt Albrecht setzte die Blüte der Abtei ein. Er starb am 30. Mai 1428.

Sein Nachfolger Gerung von Wildberg regierte nur zwei Jahre. In seine Regierungszeit fällt der Bau des Pfründhauses 1430.  Pfründner waren Träger öffentlicher Ämter, die sich ins Kloster einkauften und dafür eine Altersversorgung erhielten.

Auf ihn folgte Johannes II. von Gelnhausen. Er war zuerst Karthäuser Mönch (Bruschius S.331) bevor er zu den Zisterziensern übertrat. Er wurde Prior im Kloster Stams. Von 1430 –1439 war er Abt in Maulbronn.

Gleich zu beginn seiner Regierungszeit ließ er das Krankenhaus erbauen. 1431 erhielt er  vom  Basler Konzil zum einen wegen seiner Beredsamkeit und seiner Gewandtheit zum andern aber auch seiner Vertrautheit mit den örtlichen Gegebenheiten den Auftrag, die Hussitenfrage zu lösen

oder wie es in älteren Darstellungen (Karl Klunzinger, Eduard Paulus) heißt, “die Böhmen in den Schoß der katholischen Kirche zurückzuführen”. Er reiste mir Dominikanerprior Johannes Nider aus Basel nach Nürnberg und setzte sich von dort aus brieflich mit den Hussiten in Verbindung.

Dann reiste er mit mehreren Abgeordneten nach Eger. Von da aus wandte er sich zusammen mit dem Abt Hermann von Ebrach (1430–1437) an den Vorstand des Konzils, den Legaten Giuliano Cesarini und bat um freies Geleit für die Hussiten, die nach Basel kommen wollten. Dabei wurden

30. November 1433 die Basler Kompakten ausgehandelt.Das gestattete, dass das Abendmahl jedem der es wollte in beiden Gestalten, also Brot und Wein gereicht wurde-. Daher nannte sich eine Partei der Hussiten “Kalixtiner” nachdem lateinischen Kalix=Kelch oder Ultraquisten vom Lateinischen communio sub utraque species, also das Abendmahl in beiderlei Gestalt. Die freie Verkündigung Gottes Wortes auch in der Landessprache wurde zugelassen. Diese kirchliche Anerkennung einer abweichenden Gruppierung führt letztlich zur Beendigung der Hussitenkriege.

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg der Verhandlungen hatte der Maulbronner Abt, was große Anerkennung fand. König Sigmund nahm Maulbronn in die Reichsmatrikel auf, das heißt der Abt war Reichsfürst und somit reichsunmittelbar. Das sicherte ihm fast unbeschränkte Landeshoheit.am 31. Juli 1434 bestätigt Sigmund die Privilegien des Cistercienser-Klosters Maulbronn ( RIXI,2 n.10646)

Papst Eugen  (1431-1447) erteilte ihm am 29. Mai 1438 die bischöflichen Insignien und die Vollmacht die 4 niederen Weihen zu erteilen.

Schon vorher war er als Vermittler in einem Streit berufen worden. Dort ging es um die Ratsverfassung der Stadt Mainz und der Beteiligung des Klerus an den städtischen Aufgaben. 1433 hatte sich die gesamte Geistlichkeit, nachdem ihre Steuer- und Abgabenfreiheit beeinträchtigt worden war, aus der Stadt zurückgezogen. Die Seelsorge brach zusammen. Der Klerus kehrte  erst nach 1435 zurück, nach der “Pfaffenrachtung” in Mainz.

Abt Johannes legte 1439 sein Amt nieder und starb 1443 in Maulbronn.

Sein Nachfolger war Johannes III. von Worms. Auch er erweiterte den Grundbesitz des Klosters durch Kauf. 1440 ließ er die große Glocke gießen 1441 ließ er den nördlichen Eckturm und das Gebäude daneben bauen.

1441 befestigte Pfalzgraf Ludwig IV. als Schutzvogt das Kloster mit Mauern, Türmen und Zinnen, wobei das auch so zu verstehen war, dass Maulbronn als Eckpfeiler des kurpfälzischen Territoriums gegen Südosten gesehen wurde.

Am 24. April 1444 erneuerte Friedrich III. den Schutzbrief Sigmunds. Gleichzeitig gab er Maulbronn die Gerichtsbarkeit über das Dorf Mühlhausen an der Enz.

“König Friedrich III. bestätigt dem Kloster Maulbronn alle hiervor ausgebrachten Privilegien und erlaubt demselben, die Obrigkeit zu Mühlhausen wie in anderen Flecken zu gebrauchen. (RI XI,2 n. 10646)

Der Maulbronner Cellerar Gottfried von Otterstätt wurde 1446 Abt von Stift Neukloster in Wiener Neustadt.

Berthold III. von war von 1445 bis 1462 Abt. Das Kloster Pairis in der Nähe von Kaysersberg geriet im Laufe des 15. Jahrhunderts durch Nachlässigkeit seiner Äbte und einige Mönche – von Dekadenz war die Rede- in eine Krise.

Verschärft wurde diese durch äußere Umstände wie Plünderung durch die Engländer im  Hundertjährigen Krieg und die Zerstörung des Klosters beim Einfall der Armagnaken im Jahre 1444. Das Mutterkloster Lützel konnte in dieser Zeit auch nicht einspringen.

Deshalb verzichtete Lützel auf sein Superiotätsrecht auf Pairis zugunsten von Maulbronn. Das Generalkapitel von Citeaux unter Vorsitz von Jean IX. Vion de Gevrey (1440– November 1458 ) bestätigte dies unter der Bedingung, dass Pairis zum Prioriat verwandelt wurde und dass Kloster Maulbronn

dem notleidenden Kloster in geistlicher und weltlicher Hinsicht beistehe. Weltliche Hinsicht bedeutete vor allem, dass Maulbronn die Schulden von Pairis bezahlte. Papst Pius II., mit bürgerlichem Namen Enea Silvio Piccolomini, also der bedeutende Humanist (Papst von 1458 bis 1464) bestätigte beide Massnahmen sofort. Abt Berthold nahm die Angelegenheit tatkräftig in Angriff. Er endsandte einen Prior und einige Mönche nach Pairis. Er und seine Nachfolger zahlten rund 20.000 Gulden für die Sanierung von Pairis. Wenn man aber den weiteren Verlauf der Geschichte betrachtet, war das eine gute Investition, denn die Abtei Maulbronn wurde ja 1536/37 nach Pairis verlegt, also Herzog Ulrich von Württemberg 1534 die Reformation einführte und Kloster Maulbronn säkularisierte (s.u.).

Die letzten Lebensjahre Abt Bertholds wurden getrübt durch den Einfall Ludwigs V. von Württemberg ( der Vielgeliebte) im Badisch-Pfälzischen Krieg (1459-1463). Dabei wurde auch Kloster Maulbronn sowie sein Territorium schwer geschädigt. Kaiser Friedrich III. schaltete sich auch ein

mit seiner Urkunde vom 26. April 1462 Graz.

“K.F. befiehlt den Mgff. Albrecht von Brandenburg und Karl (I.) von Baden sowie den gevettern Gf. Ulrich (V.) und Gf. Eberhard (V.) von Württemberg gemeinschaftlich und einzeln, das im Bistum Speyer gelegene Zisterzienserkloster (des ordens von Cittel) Maulbronn zu unser und des reichs hannden und gewaltsam zu nehmen und bis auf weiteren ksl. Befehl nach bestem Vermögen zu schützen. Damit sollen sie den Feinden, welche etliche eigene Rechte villeicht daselbs vermeinen zu haben, zuvorkommen und die Schädigungen unterbinden, die Kaiser und Reich sowie sie selbst und andere ksl. Hauptleute samt den ihnen Gehorsamen auß dem Kloster und Gotteshaus fortgesetzt erfahren. “ (RI XIII] H. 23 n. 335)

Der Abt  versuchte in mehreren Schreiben sowohl an Kurfürst Friedrich, an den Markgrafen von Baden Karl als auch an Herzog Ludwig von Württemberg den Schaden ersetzt zu bekommen.

Berthold hatte 100 Mönche unter sich.

Berthold verstarb am 6. Mai 1462.

Auf ihn folgte Johann IV. von Wimsheim. Er regierte von 1462-1467. Er war Licentiat der Theologie, also mit der akademischen Lehrbefugnis. Am 5. Oktober 1462 erhielt er zusammen mit Abt Bernhard von Hirsau (1460–1482) von Papst Paul II. (1464-1471) den Auftrag,

das Barfüßerkloster und das Klarkloster in Heilbronn zu reformieren. Seinen Auftrag erfüllte er laut Karl Klunzinger gut (Urkundliche Geschichte der vormaligen Cisterzienser-Abtei Maulbronn S. 121).

In seiner Regierungszeit lebten 135 Mönche in Maulbronn. Er starb am 15. Juli 1467.

Nicolaus von Bretten war von 1467 bis 1472 Abt in Maulbronn. Er legte sein Amt wegen seiner Gichterkrankung nieder. Er starb am 4. Juli 1474.

Auf ihn folgte Abt Albrecht V. Er war Abt von Maulbronn und zugleich von Pairis. 1473 wurde das große steinerne Kruzifix vor der Chorschranke gesetzt. Es ist auf der Rückseite mit CVS signiert und wird als Conrad von Sinsheim gedeutet. Es zählt zu den bedeutendsten spätgotischen Kunstwerken in

Maulbronn. Anfang des 15. Jahrhunderts erhielt Klosterstifter Walter von Lomersheim in dem Bereich, wo sich jetzt das Kreuz befindet, eine neue Grabstätte. Als Laie lag er vorher auf dem Konversenfriedhof südlich der Kirche.

Am 4. Juli 1474 nahm er in Urach an der Hochzeit von Graf Eberhard im Barte mit Barbara Gonzaga, geb. von Mantua teil.

Abt Nicolaus starb am 26. Mai 1475.

Sein Nachfolger Johannes V. Riescher von Laudenburg war zweimal Abt in Maulbronn. Das erste Mal regiert er von 1475-1488. Er ordnet das Verhältnis zu Württemberg und schließt zwei Verträge mit Graf Eberhard V.  Am 30. Juni 1477 Es ging um Weiderechte und Zoll.

Am 14. November 1485 schlossen Abt Johannes und Graf Eberhard einen weiteren Vertrag. Dieses Mal ging es um Leibeigene, die Jagd und ebenfalls um Zoll.

Auch päpstliche Gunsterweise durfte er erfahren. Am 26. August 1479 inkorporierte Papst Sixtus IV. (1471-1484) Kloster Maulbronn wegen erlittener Kriegsschäden und wegen der für Pairis aufgewendeten Kosten die Kirchen von Illingen und Zaisenhausen und am

20 Dezember 1479 erteilte er dem Kloster einige Privilegien, die diese Kirchen betrafen.

Der Generalabt der Zisterzienser Jean X. de Cirey   (1476–November 1501 ) beauftragte  am 14. September 1486  Abt Eberhard II. (1479–1491 ) von Schönau, Abt Johann V. von Eußerthal und den Maulbronner Abt die Rückgabe des Frauen Kloster Ramsen in der Pfalz zu

bewerkstelligen. Ramsen war schon 1146 an das Kloster St. Georgen geschenkt worden. wegen der räumlichen Distanz wurde es 1174 an den Bischof von Worms übergeben. Seit 1267 war es ein Frauenkloster der Zisterzienser und dem Abt von Schönau unterstellt.

1418 wurde es wegen wirtschaftlicher Probleme aufgelöst und von 1477-148 5 nochmals als Männerkloster weitergeführt. Dieses hatte aber nur bis 1485 Bestand.

Auch als Bauherr war Abt Johannes tätig. 1479 wurde die Vorhalle des Klosters gebaut. An der Stelle des Remisengebäudes war ein spätmittelalterlicher Kapellenbau, den Abt Johannes erneuern ließ, wie eine dort vorgefundene Inschrift belegt.

Abt Johannes resignierte vor Dezember 1488. 1497 lebte er in Herrenalb.

Stephan Öttinger war von 1488 bis 1491 Abt. Er resignierte vor Februar 1491. Möglicherweise wurde er zur Resignation gezwungen.

Der nächste Abt war wie sein Vor-Vorgänger zweimal Abt in Maulbronn. Johannes VI. Burrus von Bretten war zum ersten Mal von 1491 bis 1503 auf dem Maulbronner Abtsstuhl. Gleich zu Beginn seiner Regierungszeit leitete er eine Abtswahl in Bronnbach bei der Michael Keller

(1491-1501) zum 35. Abt von Bronnbach gewählt wurde. Im nächsten Jahr schlichtete er einen Rechtsstreit zwischen Kloster Bronnbach und dem Hochstift Mainz wegen des Wagendienstes, Renten und Gülten.1493 wurde das Parlatorium gebaut. Das ist das Zimmer, in dem Mönche Besuche

empfangen durften. Im Parlatorium befindet sich ein Wendeltreppenturm, den Laienbruder Conrad von Schmie erbaut hatte, wie aus der Bauinschrift am Turm hervorgeht. Von ihm stammt auch der Verbindungsgang am Ostflügel des Kreuzgangs. Die Inschrift ist eine hervorragend

gestaltete Kapitalis nach römischen Vorbild und ein Novum im deutschen Sprachbereich für diese Zeit. Von solcher Ausprägung erscheint sie normalerweise erst Jahrzehnte später. Die sprachliche Form dürfte von Conrad Leontorius stammen.  Dieser klassisch gebildete Humanist

war zu derzeit Mönch in Maulbronn.Von 1489 bis 1495 war er Generalsekretär des Ordens und in dieser Eigenschaft häufig im Auftrag des Generalabts auf Reisen gewesen (Frankreich, Italien). Er wirkte auch an großen Druckvorhaben des Basler Buchdruckers, Verlegers und Gelehrten

Johannes Amerbach mit. Er hatte Umgang mit Jakob Wimpfeling , Johannes Trithemius und Johannes Reuchlin. Mit Abt Johannes stand er auf vertrautem fuße, zumal sich ihre wissenschaftlichen Interessen deckten.

Am 14 Juni 1494 “nimmt  (Kaiser Maximilian)Abt und Konvent des Klosters Maulbronn mit all ihren Leuten, Dörfern, Rechten etc. in den besonderen Schutz des Reiches, erneuert und bestätigt ihnen alle ihre Privilegien, Immunitäten und Freiheiten; insbesondere das Recht, in ihrem Dorf Mühlhausen durch ihre weltl. Beamten die Gerichtsbarkeit ausüben zu lassen wie in ihren anderen Dörfern. “  RI XIV, 1n. 787)

1499 lebten 95 Mönche und Konversen in Maulbronn.

1500 will Württemberg das Kloster Maulbronn aus den Reichsmatrikeln, in denen es mit 60 Gulden angelegt war, ziehen. Das war ein erster Versuch die, die Reichsunmittelbarkeit des Klosters zu beenden

1501 ließ er eine Schleuse am See in Marbach bauen.

Abt Johannes war sehr gottesfürchtig. Er verlangte gottesfürchtiges Leben auch von seinen Mönchen. Diese hielten ihn für zu streng und zwangen ihn deshalb zum Rücktritt.  Am 26. Januar 1503 vollzog er diesen.

Auf ihn folgte Johannes VII. von Umbstat. Er regierte nur zwei Jahre und kam. Am 24. Mai 1503 befahl  Generalabt  Jacques III. Theuley de Pontailler-sur-Saône (1501– 1516) den Äbten Eberhard I. 1400–1405 von Schönau und dem Maulbronner Abt

zwei Mönche aus Maulbronn nach Heidelberg in das Kollegium St. Jakob zu schicken und auch dafür zu sorgen, dass von den anderen Zisterzienserklöster 38 Mönche ebenfalls nach Heidelberg geschickt wurden.

Herzog Ulrich von Württemberg wurde von Kaiser Maximilian 1503 vorzeitig für volljährig erklärt und beteiligte sich 1504 als Heerführer im Landshuter Erbfolgekrieg. Im Zuge dieses Krieges besetzte er Maulbronn und einige pfälzische Ämter.

Als Herzog Ulrich auf Maulbronn anrückte, floh Abt Johannes VII. mit seinen Mönchen nach Speyer. Er starb dort. Herzog Ulrich beschoss das Kloster. Die Besatzung ergab sich gegen freien Abzug. Die verbliebenen Mönche und Laienbrüder wurden ins

Augustinerkloster nach Tübingen verwiesen.

Mit einer Urkunde, die Kaiser Maximilian am 1. August 1504 ausstellte “überträgt (Kaiser Maximilian)Hg Ulrich von Würtemberg die Schirmvogtei und weltl. Obrigkeit über das Gotteshaus Maulbronn samt etlichen zugehörigen Dörfern und befiehlt, dem Hg alles das zu leisten, was bisher Pfgf Philipp (bei Rhein) und dessen Vorfahren geleistet wurde.” (RI XIV,4,1 n. 19013). Der Herzog befahl nun dem Abt und den Mönchen nach Maulbronn zurückzukehren. Da der Abt in Speyer verstorben war, war eine Neuwahl erforderlich. Gewählt wurde Johannes VI., der von 1475-1488 schon einmal Abt in Maulbronn war.Ulrich erkannte die Wahl nicht an, obwohl sie rechtmäßig war und obwohl der Konvent und obwohl sich der Konvent beim Kaiser sich gegen diese Einmischung verwahrte. Die Mönche wollten Ulrich auch nicht als Schirmherrn anerkennen.

Um den Streit zu beenden resignierte Johannes. Auf Anraten des Mutterabtes von Neubourg und um größeres Übel abzuwenden, anerkannten die Mönche Ulrich als erblichen Schutz-und Schirmherrn an. Auf Vorschlag Ulrichs wählten sie nun Michael Scholl, der bisher Abt in Herrenalb war.

Abt und Konvent mussten beim Amtsantritt des neuen Abtes ein Revers ausstellen, nachdem sie den Herzog als ihren erblichen Schutz und Schirmherrn unwiderruflich anerkannten. Er behielt sich die weltliche Obrigkeit vor, Wildbann, hohe und niedere Gerichtsbarkeit vor. Dem Kloster behielt er nur das Recht vor, sich in seinen Ortschaften huldigen zu lassen sowie die bisherigen Renten, Gülten und Zinsen. Nach Vidimierung dieses Revers reihte er den
Abt unter die Prälaten ein, die Klosterdörfer aber unter die Städte und Ämter der Landschaft ein. Unter Maximilian wurde ihm das Kloster 1507 vollkommen zugesprochen und übergeben. Die Streichung aus den Reichsmatrikeln setzte er auf den Reichstagen von 1510 und 1512 durch.

Die bisherigen Schirmherren Kurfürst Ludwig V.(1508-1544) und sein Bruder Pfalzgraf Friedrich II.(1482–1556)  verzichteten am 13. November 1513 förmlich auf ihre Rechte an dem Kloster.

Abt Michael setzte den Bau der Kapelle im Kreuzgang fort. 1506 ließ er die mittlere Glocke gießen.

Er legte sein Amt 1512 nieder und kehrte nach Herrenalb zurück.

Auf ihn folgte der bisherige Bursarius Johannes VIII. Entenfuß. Er entwickelte eine rege Bautätigkeit. Er ließ das Fürstengemach, das Herrenbad, den Winterspeisesaal bauen sowie einen Erker und die Wendeltreppe zwischen Herrenhaus und Oratorium . Außerdem vollendete er

die Brunnenkapelle im Maulbronner Kreuzgang. Das kostete alles viel Geld und brachte das Kloster in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten. Der Alchimist Dr. Faust soll von Abt Johannes zum Goldmachen nach Maulbronn berufen worden sein. Auf jeden fall musste er am 8. Mai 1518 wegen Misswirtschaft abdanken.

Auf ihn folgte nochmals Abt Johannes VI. Burrus. Er ließ die Bibliothek erbauen.

Nach Maximilians Tod 1519 wurde Herzog Ulrich von Georg Truchsess von Waldburg-Zeil aus Württemberg vertrieben und gebannt. Pfalzgraf Wilhelm zeigte sich geneigt, wieder Schirmherr von Kloster Maulbronn zu werden. Der schwäbische Bund lehnte dies aber ab. Maulbronn

solle nicht dem Fürstentum Württemberg entzogen werden. Franz von Sickingen hatte für die Vermittlung mit dem Pfalzgrafen eine erhebliche Summe vom Kloster erhalten. Am 10. Mai 1519 brandschatzte er den Maulbronner Hof in Heilbronn

Herzog Ulrich fiel im sommer 1519 nochmals in sein Land ein. Das Kloster huldigte ihm wieder am 9. August 2019. Dann wurde er wieder vertrieben, bis ihm 1534 die Rückkehr gelang.

Vom Generalabt erhielt er am 11. April 1520 den Auftrag, das Kloster Kirchbach zu reformieren. Diesem Auftrag konnte er nicht entsprechen. Er resignierte am 25. April 1521 und verstarb am 21. November 1521.

Sein Nachfolger wurde Johann IX. von Lienzingen am 25. April 1521. Er war Baccalaureus der Theologie, den er in Heidelberg gemacht hatte. Er war Prior in Lützel und Pairis, vor er Abt in Maulbronn wurde.

1521 wurde die Pfisterei, also die Klosterbäckerei errichtet.

1522 lehnte er den Auftrag ab, das Kloster Kirchbach zu visitieren, bzw. zu reformieren.

Im Bauernkrieg 1525 wurde das Kloster in Mitleidenschaft gezogen, kam aber relativ glimpflich davon. Vom 18.-21.April fiel ein Teil des Stocksberger Haufen ins Kloster ein, aber ohne die Gebäude wesentlich zu beschädigen.

1525 verkaufte das Kloster den Maulbronner Hof in Heilbronn und seine Güter, die es sonst noch dort hatte für 2000 Gulden an den Rat von Heilbronn.

Am 27. Juni 1531 kaufte Abt Johannes von der Familie Schwarzerd in Bretten den Stegersee in der Nähe von Bretten für 590 Gulden.Die Kaufurkunde heute beim Staatsarchiv Stuttgart Urkunde A 502 U 961

Nachdem Landgraf Philipp zusammen mit Herzog Ulrich am 13. Mai 1534 bei Lauffen österreichische Truppen besiegt hatte, wurde die österreichische Statthalterschaft über Württemberg beendet. Ulrich konnte wieder in sein Land zurückkehren.

Schon etwa 10 Jahre vorher war er Anhänger der Reformation und hatte 1519 in der ihm verbliebenen Grafschaft Mömpelgard, dem heutigen Montbeliard, den evangelischen Glauben eingeführt.

Er führte umgehend die Reformation in Württemberg ein. Es  kann natürlich nicht gesagt werden, ob religiöse oder wirtschaftliche Gründe das stärkere Motiv waren. Aber schon Landgraf Philipp hatte vorgemacht, dass das Vermögen der Klöster durchaus zu anderen

Zwecken genutzt werden konnte. Er hatte 1526 Klöster in Hessen aufgehoben. Das eingezogene Klostervermögen floss nicht nur in Armen-und Krankenfürsorge. 1527 wurde die Universität Marburg gegründet, die zweitälteste protestantische Universität nach Liegnitz in Schlesien. Gleichzeitig

wurde das Gymnasium Philippinum in Marburg eingerichtet, das erste humanistische Gymnasium in Oberhessen. Schon vorher als Österreich die Statthalterschaft in Württemberg hatte von 1519-1534, hatte Erzherzog Ferdinand,der Bruder Karls V. und Verwalter Württembergs,

den Besitz der Klöster aufzeichnen und ihr Einkommen veranschlagen. Aufgrund dieser Maßnahme setzte die österreichische Regierung  dann die  Summe fest,die jedes Kloster zu bezahlen hatte und sich an der Schuldentilgung des Landes beteiligen musste.

Herzog Ulrich musste finanzielle Verpflichtungen gegenüber Landgraf Philipp von Hessen für die militärische Unterstützung bei der Wiedereroberung seines Landes bedienen.Er  zögerte deshalb1534nicht,die Klöster dazu heranzuziehen. Der Herzog von Württembergbesaß

zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Landeshoheit über rund 40 Klöster. Darunter waren 15 Männerklöster, alle mit großem Grundbesitz und die meisten mit guten Einnahmen. Er forderte von den Prälaten die Hälfte der jährlichen Einkünfte. Außerdem erließ er noch im November 1534 den Befehl,die Besitzungen,Einkünfte und Wertgegenstände der Klöster zu inventarisieren, damit von ihnen künftig nichts mehr unbemerkt veräußert oder sonst wie beiseite geschafft werden konnte. Zur raschen Durchführung schickte er Kommissionen in die einzelnen Klöster,die in der Regel aus herzoglichen Beamten und dem Vogt des jeweiligen Amtes, in dem das betreffende Kloster lag, bestanden.

Zur Durchführung der Reformation berief er die beiden Geistlichen Erhard Schnepf und Ambrosius Blarer.

Abt Johannes IX. flüchtete am 21. Juli mit Kostbarkeiten, Dokumenten und allem was fortzubringen war nach Speyer. Der Herzog befahl ihm, am24. Juli nach Maulbronn zurückzukehren, was dieser aber nicht tat. Im November ließ Ulrich Kloster Maulbronn inventarisieren. Alles was noch an Wertvollem vorhanden war, ließ er in Gewölbe bringen und dieses mit dem Siegel des Herzogs und des Konvents versiegeln. Herzogliche beamte und der Konvent bekam je einen Schlüssel. so lief das in allen Klöstern (siehe auch Mei Büchle Kloster Herrenalb).

Abt Johannes reichte Klage beim Kammergericht ein, was den Herzog aber nicht daran hinderte, den Abt in seinem Speyrer Exil überfallen zu lassen. Im November 1534 veranlasste er den Konvent einen der Reformation wohl gesinnten Abt zu wählen, womit er aber keinen Erfolg hatte.

Am 4. Juni 1535 erließ herzog Ulrich eine Klosterordnung für Württemberg. Diese schaffte Messen und Beichte ab, ebenso auch das bisher geltende strenge Schweigegebot. Der Austritt aus dem Konvent wurde erlaubt, ja nahe gelegt. Wer austrat erhielt ein Leibgeding von 40 Gulden.

Aufnahme von Novizen war den Klöstern untersagt. Maulbronn wurde eine Einrichtung für Mönche, die nicht aus den Konventen austreten wollten. Sie sollten mit Betten und Büchern ins Kloster Maulbronn gehen und dort zu einem gemeinsamen Haushalt zusammengefasst werden.

Der Generalabt gestattete 1537 Abt Johannes mit seinem verbliebenen Konvent nach Pairis umzusiedeln. Er starb am 20. Juli 17547 in Kloster Einsiedeln in der Schweiz.

Herzog Ulrich war 1536 dem Schmalkaldischen Bund beigetreten und beteiligte sich auch am Schmalkaldischen Krieg 1546. Nach dem Sieg Karls V. bei Mühlberg über die evangelischen Fürsten legte er am15. Mai 1548  das Augsburger Interim zur Abstimmung vor. Für Württemberg bedeutete das, dass die Klöster restituiert wurden.

Die Zisterzienser konnten Kloster Maulbronn wieder in ihren Besitz nehmen. Abt Heinrich III. Reuter von Nördlingen war 1549 wieder in Maulbronn. Er war vorher Prior in Pairis.

Am 6. November 155o starb Herzog Ulrich in Tübingen. Die finanziellen Rücklagen bei seinem Ableben beliefen sich immerhin auf 350.000Gulden. Starke Festungen waren gebaut worden wie Urach, Tübingen,Hohenneuffen und Hohenasperg, Arbeiten am Hohentwiel vorgenommen worden.

So viel nochmals zum wirtschaftlichen Aspekt der Reformation in Württemberg.

Abt Heinrich  ließ 1550 das Gesindehaus in Maulbronn erbauen. Am  Konzil von Trient (zwischen 1545 und 1563) nahm er nicht teil, erklärte sich aber mit allem einverstanden, was dort beschlossen werden würde. 1555 wurde er Generalvikar der Zisterzienser in Deutschland. in dieser Eigenschaft setzte er

einen neuen Abt in Herrenalb ein. Er starb am 16. Juli 1557.

Am 29. Juli 1557 wurde Johannes X. als Abt eingeführt.Er war gleichzeitig Abt in Königsbronn. Er starb noch in demselben Jahr

Christoph von Württemberg (1550-1558), der Sohn Herzog Ulrichs ließ den Äbten und Prälaten zwar  sofort alle Urkunden und Akten aushändigen, die sein Vater zurückgehalten hatte. Nachdem der Passauer Vertrag vom 2. August 1552 das Augsburger Interim aufgehoben hatte,

ging Christoph sofort zielstrebig  an die endgültige Umsetzung der Reformation in Württemberg. Die Aufnahme von Novizen wurde wieder verboten. Bei Neuwahlen verstand er es, Personen zu installieren, die der neuen Lehre anhingen und so seine Absichten unterstützten.

Nach dem Augsburger Religionsfrieden vom 8. August 1555 wandelte er die Klöster in evangelische Klosterschulen um. Von den Prälaten erfuhr er keinen nennenswerten Widerstand mehr.

Abt Valentin Vannius (1495-1567)wurde der erste evangelische Abt von Kloster Maulbronn. Er hat kurze zeit an der Universität Heidelberg studiert und trat dann ins Kloster Maulbronn ein. Nach dem Bauernkrieg verließ er das Kloster.

Zusammen mit württembergischen Reformator Johannes Brenz sollte er im Auftrag von Herzog Christoph auf dem Konzil von Trient die württembergische Konfession öffentlich verteidigen. Wegen der raschen Auflösung des Konzils wurden die beiden nicht mehr gehört.

1558 wurde er Abt in Maulbronn. Er gab die Kanzel in der Klosterkirche in Auftrag, die noch sein Wappen trägt.

1580 wurde der Fruchtkasten für die Naturalienabgaben errichtet. 1588 wurde das herzogliche Jagdschloss auf den mittelalterlichen Grundmauern des Abtshauses gebaut.1600 wurde der Marstall gebaut. Das Ensemble ist in seiner Vollstädndigkeit einmalig in Baden-Württemberg und

Zeugnis für seine Nutzung als saisonaler Herrschaftssitz. Das Klostergut wurde in Klosteramt umgewandelt.

1836 wurde die Gemeinde Maulbronn gegründet. 1886 erhielt diese das Stadtrecht verliehen.

Die 1558 ins Leben gerufene Maulbronner Klosterschule hat einige berühmte Namen aufzuweisen.Der Mathematiker und Astronom Johannes Kepler (1571–1630) besuchte die schule in Maulbronn von 1586 an für drei Jahre, nachdem er von 1484-1586 die Klosterschule in Adelberg absolviert hatte. Dann begann erein Theologiestudium an der Universität Tübingen, studierte dann aber bei dem Mathematiker und Astronomen Michael Mästlin, der ihn mit dem heliozentrischen System des Nikolaus Kopernikus bekannt machte.

Karl Friedrich Reinhard besuchte von 1774 bis 1778 die Evangelischen Klosterschulen in Denkendorf und Maulbronn. Danach studierte er in Tübingen Theologie und Philosophie. Ab 1795 arbeitete er als Diplomat in Frankreichs Diensten und war an vielen Orten Gesandter.

Friedrich Hölderlin (1770-1843) besuchte von 1784-1788 die Evangelischen Klosterschulen in Denkendorf und Maulbronn. Von 1793-1788 studierte er Theologie in Tübingen. Seine ersten Gedichte veröffentlichte er 1792 in Gotthold Stäudlins „Musenalmanach“

Georg Herwegh (1817–1875)  war von 1831 bis 1835 am Maulbronner Seminar und begann danach ein Studium der Theologie und der Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen. Nach nur einem Jahr wurde er wegen Verstoß gegen die Stiftsordnung aus dem Stift entlassen.

Er ging nach seiner Desertion aus dem württembergischen Militärdienst in die Schweiz ins Exil, wo ihm 1841 der literarische Durchbruch gelang. 1848 beteiligte er sich am badischen Aufstand.

Hermann Hesse (1877-1962) hatte 1891 das württembergische Landesexamen in Stuttgart bestanden. Da er Theologe werden sollte, besuchte er darauf das evangelische Seminar in Maulbronn, entwich daraus allerdings schon im März 1892, weil er „entweder ein Dichter oder gar nichts“ werden wollte.

Von 1895-1898 machte er in der Buchhandlung Heckenhauer in Tübingen eine Lehre und arbeitete noch ein Jahr als Sortimentsgehilfe. Sein erster Roman Peter Camenzind erschien 1904. Sein Spätwerk, das Glasperlenspiel wurde 1943 in der Schweiz gedruckt. 1946 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Wie praktisch in allen württembergischen Klöstern gab es während des Dreißigjährigen Krieges nochmals ein Nachspiel von knapp 20 Jahren.

die Protestanten erlitten kurz vor 1630 verheerende Niederlagen in Norddeutschland. Kaiser Ferdinand II. (von 1619- 1637) erließ am 06.03. 1629 das Restitutionsedikt. Dieses besagte, dass säkularisierter protestantischer Besitz der katholischen Kirche zurückerstattet werden sollte.

Daraufhin unternahm auch das Generalkapitel von Citeaux Maßnahmen, um Maulbronn zu restituieren. Der Abt von Kaisheim wurde angewiesen, die Ansprüche auf Maulbronn geltend zu machen. 1629 sprach Kaiser Ferdinand Maulbronn dem Abt von Lützel zu. Am 7. Januar 1630

schreibt die kaiserliche Kommissarien an den Herzog von Württemberg Ludwig-Friedrich von Württemberg-Mömpelgard, der als Vormund von Herzog Eberhard III. Württemberg regierte, er soll innerhalb von 6 Wochen Maulbronn gutwillig abtreten. Da dies offensichtlich nicht geschah,

bemächtigten sich die kaiserliche Kommissarien  am 4. September 1630 des Klosters Maulbronn. Am 14. September 1630 zieht Christoph Schaller aus Sennheim mit einigen Mönchen  aus Lützel in Maulbronn ein. Er war vorher Mönch in Lützel und dann Prior inEeußerthal Er wird Abt von Maulbronn und Lützel. Allerdings ändert sich die politische Lage sehr schnell.

Der schwedische König Gustav Adolf war im Juli 1630 in Usedom gelandet. Schweden griff in den Krieg ein. Im Dezember 1631 waren Lothringer ins Amt Maulbronn eingedrungen und richteten großen Schaden an. Am 7. Januar 1632 wurde Abt Christoph von den Schweden aus Maulbronn vertrieben.

Am 6. September 16334 konnte er nach Maulbronn zurückkehren. Er war auch als Schriftsteller tätig. Er trat vor dem 22. Juli 1942 außer Dienst, nahm diesen aber am 21. August 1642 wieder auf. Vor dem 30. September resignierte er endgültig und starb am 1. Oktober 1642.

Sein Nachfolger war Bernardin Buchinger aus Kiensheim im Elsass. Er war als 9-jähriger in die Klosterschule von Pairis gekommen. Am 25. März 1623 trat er in die Zisterzienserabtei Lützel ein. 1624 legte er die Profess ab. 1630 wurde er zum Priester geweiht. Er war Archivar, Küchenmeister und Großkellner

und Sekretär des Abtes Lorillard. Auch die Klostergemeinschaft von Lützel musste dem Krieg ausweichen. Er ging zunächst nach St. Urban im Kanton Luzern und dann nach Kleinlützel. 1642 hatte er die Wahl zum Abt von Riddagshausen ausgeschlagen. Die Wahl zum Abt von Maulbronn akzeptierte er und trat sein Amt am 30.September 1642 an. 16.46 reiste er an den französischen Hof um das Kloster Pairis zu retten. In Deutschland brachte er die Klöster Lauingen und Bielenhofen an Kaisheim zurück.

Nach dem Friedensschluss vom Oktober 1648 fiel Maulbronn wieder an Württemberg zurück. Er verließ Maulbronn am 25. November 1648 für immer.

Damit endet auch die Klostergeschichte von Maulbronn.

Abt Bernardin hatte unter anderem ein Kochbuch verfasst. 1654 wurde er Abt des verlassenen Pairis. 1656 ernannte dort König Ludwig XIV. den Sekretär des Generalabtes Olivier de Foulongne zum Abt von Pairis. Bernardin ging nach Lützel und baute es rasch und planmäßig wieder auf.Er gilt als 2. Gründer von Lützel.

Maulbronn wurde 1933 in die Liste des Weltkulturerbes der Unesco aufgenommen.

19 Dez 2020