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Fürstabtei Sankt Gallen

 

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Die Geschichte der Fürstabtei beginnt mit Gallus, der aber nicht der Gründer des Klosters war. Gallus wurde um 550 in Ulster in Irland geboren. Möglicherweise stammt er aus der königlichen Verwandtschaft der heiligen Brigida von Kildare, der Tochter König Dubhtach von Leinster. Sie ist eine der drei großen irischen Heiligen, nämlich Patrick, Kolumban und eben Brigida. Von seinen Eltern wurde Gallus ins Kloster Bangor zur Erziehung gegeben. Bangor Abbey war vermutlich 558 gegründet worden. Dort lebte auch Kolumban als Mönch und Lehrer. Er weihte Gallus zum Priester. Von Bangor  zogen die iroschottischen Mönche aus, um Kontinentaleuropa zu missionieren. Im späten 6. Jahrhundert nahmen irische Mönche die peregrinatio pro Christo auf als freiwilliges Bußwerk für Christus, was vorher im altirischen Recht als Verbannung für schwere Vergehen vorgesehen war. 591 zog Kolumban mit 12 weiteren Mönchen, unter ihnen Gallus ins fränkische Burgund. 592 gründete er in den Vogesen mit königlicher Unterstützung die Klöster Annegra, Luxeuil und Fontaines. Die Klöster hatten auf den fränkischen Adel eine große Anziehungskraft und wuchsen rasch. Kolumban eckte allerdings mit seinen irischen Praktiken schnell an. Der Abt ordnete sich keinem Bischof unter, dazu verlangte er regelmäßige Beichte und Busse. Auch mit Papst Gregor I. (Papst von 590–604) kam es zu Auseinandersetzungen. Als Kolumban den fränkisch-burgundischen König Theuderich II. (596-613 in Chalons sur Saône) wegen seines Lebenswandels rügte, wurde er mit seinen Mönchen 610 aus Burgund verwiesen. Der austrasische König Theudebert II (596-612), der Bruder Theuderichs, schickte ihn aber mit einem Missionsauftrag nach Alemannien. In Tuggen am oberen Zürichsee starteten sie ihren Missionsversuch, der aber nicht erfolgreich war. Nachdem Gallus dämonische Stätten zerstörte, unter anderem einen Opferaltar durch Brand, wurden sie von dem alemannischen Herzog Gunzo vertrieben.Sie zogen dann weiter über Arbon nach Bregenz. Im spätrömischen Kastell Bregenz lebte eine romanische Bevölkerungsgruppe, bei denen sich Spuren des Christentums vermischt mit heidnischen Kulten erhalten hatte. Auch dort predigte Gallus und zerstörte ein heidnisches Götzenbild, um zu zeigen, dass er unter dem Schutz eines starken Gottes stehe. Nachdem Theuderich seinen Bruder Theudebert 612 bei Toul und Zülpich besiegt hatte und anschließend töten ließ, Kolumban seinen Schutzherrn verloren hatte, war er in Alemannien auch nicht mehr sicher. Er floh mit seinen Mönchen nach Italien und gründete dort das Kloster San Colombano in Bobbio, das vor allem durch sein Skriptorium berühmt wurde.

Gallus blieb fieberkrank zurück. Es kam zu einem Zerwürfnis zwischen beiden aus nicht ganz klaren Gründen. Es wird berichtet, dass Kolumban Gallus verboten hatte, weiter zu missionieren und die Eucharistie zu feiern. Kolumban starb 615 in seinem Kloster in Bobbio. Der Überlieferung nach hatte er sich kurz vor seinem Tod mit seinem Schüler ausgesöhnt. Gallus hielt eine Totenmesse für Kolumban.

Nach seiner Erkrankung ging er nach Arbon. Dort pflegte ihn  der Priester Willimarus gesund. Dessen Diakon Hiltibald kannte einen für Einsiedler geeigneten Ort mit einer Quelle mit reichlich gesundem Wasser, die Steinach. Begleitet wurde er von seinem Gefährten Maginold, der uns auch bei der Gründung des Klosters Sankt Mang in Füssen begegnet, der in der Überlieferung zum Allgäuheiligen Sankt Mang wird. Dort begegnete ihm der Bär, der ihm auf sein Geheiss beim Bau seiner Einsiedlerzelle half. Der Bär erscheint als Begleiter des heiligen Gallus und ist auch das Wappentier der Fürstabtei St. Gallen. Gallus soll die Tochter des Alemannen Herzogs geheilt haben, der ihn früher vertrieben hatte. So erwarb er sich das Wohlwollen des Fürsten. Gallus zeichnete sich durch seine Naturverbundenheit aus, was sich ja auch in seinem Begleiter, dem Bären zeigt. Als Kolumban starb, wurde dessen Stab an ihn weitergegeben, zum Zeichen der Aufhebung des Messverbotes. Im Todesjahr Kolumbans wurde ihm das Amt des Bischofs von Konstanz angetragen. Er verzichtete und empfahl seinen Gefährten Johannes. 629 kam eine Abordnung aus dem Kloster Luxeuil und trug ihm das Amt des dortigen Abts an. Auch das lehnte er ab. Er starb hochbetagt im Alter von 95 Jahren am 16. Oktober um 650 in Arbon. Dort wurde er im Oratorium seiner Zelle begraben.

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Gallus war wohl sehr sprachbegabt. Er ist der erste Missionar in Westeuropa, von dem erzählt wird, dass er sich mit den Volkssprachen befasste und nicht nur in Latein predigte.

                         Das Kloster Sankt Gallen

 

Die Einsiedlerzelle des heiligen Gallus bestand weiter, war aber vom Verfall bedroht. Der Arboner Tribun Waltram setzte Otmar zum Vorsteher der Gallus-Zelle ein. Aus dem Eremitentum wurde unter Otmar ein geregeltes Zönobitentum. Otmar führte entsprechende Klosteregeln ein. Otmar ist um 689 in der Umgebung von Sankt Gallen geboren. Er wurde in der Domschule von Chur erzogen und dort zum Priester geweiht. Die ersten Mönche waren zunächst Räter, zunehmend dann Söhne alemannischer Adelsfamilien. Das Kloster war zunächst voll im alemannischen Bereich verwurzelt, sehr volksverbunden und für fränkisch-karolingische Interessen wohl zu selbstständig und zu wenig reichstreu. Auch scheinen die zahlreichen Schenkungen von Adligen aus der näheren Umgebung zum Zweck gehabt haben, einheimischen Grundbesitz dem Zugriff der in der

Otmar_von_St-Gallen3Region immer stärker werdenden Karolinger zu entziehen.

744 wurde Otmar erstmals als Abt erwähnt.

Das “Canstatter Blutgericht” von 746, bei dem der merowingische Hausmeier Karlmann angeblich den alemannischen Adel hinrichten ließ, hat auch auf die junge Abtei Auswirkungen gehabt. Die fränkische Grafschaftsverfassung wurde eingeführt. Dadurch wurden die alemannischen Herzöge durch  zuverlässige fränkische Grafen ersetzt. Zur Zentralisierung der politischen Macht gehörte auch die Vereinheitlichung der Reichskirche. In den Klöstern wurde eine einheitliche Mönchsregel eingeführt. Dies geschah in St.Gallen 747 wohl auf starken Druck Pippins. Das führte dann auch zu großen Schenkungen von karolingischer Seite.

Als Abt Otmar gegen die Einmischung fränkischer Kommissare in Fragen des

Klostergutes 759 vor dem König klagen wollte, wurde er verhaftet und wegen Schändung einer Frau  angeklagt und zum Hungertod in der Königspfalz Bodmann verurteilt. Auf Betreiben des einflussreichen Grafen Gozberts wurde das Urteil abgemildert. Bei Graf Gozbert fand er Asyl auf der Rheininsel Werd bei Stein am Rhein, starb aber kurz danach. Etwa 10 Jahre später hatten Mönche gebeichtet, dass sie an der Verleumdung des Abtes beteiligt waren. Daraufhin wurde sein Leichnam exhumiert, er war noch unversehrt. Die Sankt Gallener Mönche brachten den Leichnam nach St. Gallen zurück. Nach der Legende hatten die Mönche eine Weinflasche bei sich, die nie leer wurde und auch die Kerzen, die bei dem Leichnam aufgestellt waren, verlöschten nicht.  Zu den Attributen des Abtes zählt in Darstellungen neben dem Abtsstab auch das Weinfäßchen.

Abt Otmar war wohl ein richtiger Vater der Armen. Er baute zur Pflege der  Aussätzigen und unheilbar Kranken ein Siechenhaus. Er pflegte auch Kranke selbst. In seiner Amtszeit haben 33 Mönche die Profess abgelegt. 864 erfolgte die Heiligsprechung durch den Konstanzer Bischof Gebhard I. (?-875). Das Kloster Sankt Gallen wurde dem Konstanzer Bischof unterstellt und war praktisch ein bischöfliches Eigenkloster. Nach der Vertreibung Otmars setzte der Konstanzer Bischof Sidonius (746-760)auch auf nachdrückliches Betreiben der fränkischen Grafen Warin und Ruthard den Reichenauer Mönch Johannes (759-82) auf den St. Gallener Abtsstuhl.  Die Beziehungen zwischen dem Bistum Konstanz und der Abtei verbesserten sich stark. Deutlicher Ausdruck dafür ist der zwischen Bischof Sidonius und Abt Johannes 759/760 geschlossene Vertrag, nach dem das Kloster außer einem jährlichen Zins nichts schuldig ist. Karl der Große bestätigt diesen Vertrag am 8. März 780. Die Äbte können zum Unterhalt der Mönche über das Klostereigentum selbstständig verfügen. sie müssen nur den jährlichen Zins von einer Unze Gold und ein Pferd im Wert von einem Pfund entrichten. Unter Johannes beginnt die Gruppe bedingter Schenkungen, das heißt, der Schenker behält das an das Kloster übertragene Gut, verpflichtet sich aber zu einem jährlichen Zins. Das schaffte Beziehungen vom Volk zum Kloster, was auch im Interesse der fränkischen Politik lag.  Abt Johannes betrieb eine gezielte Besitz-und Erwerbspolitik. Er konnte die Besitzungen im südlichen Breisgau, im südlichen und östlichen Thurgau ausbauen und jenseits des Sees im Linz- und im Argengau. Die Verbindung zu den Besitzungen jenseits des Sees stellte er durch Besitzerwerb in Romanshorn und Steinach bei Arbon her. In die Regierungszeit von Abt Johannes fällt die Tätigkeit des ersten bekannten St. Gallener Schreiber Winithar, Leiter des Skriptoriums und der St. Gallener Schule (bezeugt von 761-775) Der Abtswechsel brachte zwar eine politische Umorientierung, der Konvent Otmars wurde aber nicht vertrieben. Zeugnis für die Kontinuität ist auch, dass die Schenkungen aus demselben Raum wie unter Otmar kamen. Der Güteranfall stieg sogar auf das Achtfache an. Am 4.7. 760 wurde Johannes zum Bischof von Konstanz und zum Abt der Reichenau ernannt.Damit waren die drei großen geistlichen Stiftungen in einer Hand vereinigt. Ihre weltlichen Machtmittel bildeten den Hauptstützpunkt der karolinigischen Herrschaft in Alemannien.

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Ratpert gab nur ein kurzes Zwischenspiel von wahrscheinlich einem halben Jahr.  Dann folgte Waldo (782-784). Er war aus hohem fränkischen Adel. In seiner kurzen Amtszeit errichtete er die Sankt Gallener Bibliothek. Er war wohl schon seit 770 Diakon und Urkundenschreiber. Für den Zeitraum von 770-779 zählt man 17 Urkunden, die Waldo verfasst oder unterschrieben hat. Für Schreiber bot St. Gallen gute Arbeitsbedingungen, Fenster, Wärmestuben, was in den zeitgenössischen Klöstern durchaus nicht üblich war. Waldo hat die gesammelten Urkunden der Abtei mit Dorsalnotizen versehen lassen, also kurze Einträge auf dem Rücken von Urkunden, die sich auf Etappen der Beurkundung, deren Auftraggeber, ihre Registrierung usw. beziehen. Das erst ermöglichte es, die Urkunden geordnet zu archivieren. Auch führte er ein effektiveres Ordnungssystem ein, das den Ruhm der Bibliothek begründete und sie über mehrere Jahrhunderte zu einem der bedeutendsten kulturellen Zentren Europas machten. Bisher war traditionell der Bischof von Konstanz zugleich auch Abt der Klöster von Sankt Gallen und Reichenau. Nach dem Tod von Bischof Johannes (760-782) hatten die Reichenauer Mönche  sich aus dem gewohnten Gefüge gelöst und einen Abt gewählt. Auch die Mönche in St. Gallen wählten mit Waldo nun ebenfalls selbstständig einen Abt. Der Nachfolger auf dem Konstanzer Bischofsstuhl Egino (782-811) wollte die freie Wahl des Sankt Gallener Mönch nicht akzeptieren. Waldo wird nur einmal in einer Urkunde vom November 782 als Abt erwähnt. Es kommt zum Exemtionsstreit. Abt und Bischof standen sich in der Frage der Selbstständigkeit gegenüber. Karl der Große sollte in dieser heiklen Frage als Schiedsrichter entscheiden. Die Entscheidung ging zu Ungunsten Waldos aus. Er legte das Amt des Abtes nieder und ging als einfacher Mönch auf die Reichenau. Dort wurde er aber 786 auch zum Abt gewählt. Der Kaiser ernannte ihn außerdem 791 zum Bischof von Basel und Pavia. In Pavia war er als Erzieher von Karls Sohn, Pippin tätig. Auf der Reichenau resignierte er 806, da er als Abt nach St. Denis berufen wurde. Dort starb er 814.

Nach dem Rücktritt Waldos in St. Gallen setzte der Konstanzer Bischof Egino den Weltpriester Werdo ein (784-812). In einer Urkunde vom 3.5.778 tritt er als Presbyter auf. Als Abt erscheint er erstmals in einer Urkunde vom 1.9. 785. Die Mönche scheinen ihn erst akzeptiert zu haben, als er sich zum Mönchsleben bekannte. Er scheint in starker Abhängigkeit zu Bischof Egino gestanden sein. Ansonsten wurde aber weitgehend die gleiche Politik wie unter Abt Johannes fortgesetzt. Die gleichen Urkundenschreiber sind nachzuweisen. Die Interessenabgrenzung zum Bistum Konstanz blieb erhalten. Im Donau-Neckarraum aber war eine starke Güterzunahme zu verzeichnen. Unter Abt Werdo treten in St. Gallen erstmals Advokaten auf, die den Abt oder dessen Beauftragten bei Rechtsgeschäften unterstützten. Werdo starb wohl am 30.3.812

0bc08d36384a850cIn der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts entstand wahrscheinlich im altbairischen Bistum Freising unter Bischof Arbeo (764-783) der “Abrogans”, das ist ein lateinisch-althochdeutsches Glossar mit ungefähr 3760 althochdeutschen Wörter. Es ist eine wichtige Quelle für die Kenntnis der ältesten oberdeutschen Sprache. Seinen Namen hat der Abrogans vom ersten Eintrag “abrogans-dheomodi (bescheiden,demütig). Eine Abschrift wird in der Stiftsbibliothek St. Gallen aufbewahrt und gilt als ältestes erhaltenes Buch in deutscher Sprache.

Wolfleoz ist in  einer Urkunde aus dem Jahr 800 erstmals als Zeuge erstmals fassbar. Er war Mönch im Kloster.  Nach dem Tode Bischofs Egino 811 wurde er Konstanzer Bischof (811-839). Für den 812 verstorbenen Abt Werdo ernannte er keinen Nachfolger sondern übernahm das Amt des St. Gallener Abtes selbst. Er vergab Klosterämter erstmals an Laien, die ihm ergeben waren als die ihm wohl eher kritisch gegenüberstehenden Mönche. Das war sicher eher seinen Interessen nützlich. Für das Kloster hatte es aber schlimme wirtschaftliche Folgen. Er überschritt auch deutlich die Kompetenzen, die sich aus dem Vertrag von 759 ergaben. Die Mönche klagten bei Kaiser Ludwig dem Frommen (Kaiser 813-840). Dieser bestätigte am 27.1.816 auf Bitten der Mönche den Vertrag, den schon 780 sein Vater bestätigt hatte. Kurz danach räumte Bischof Wolfleoz den Mönchen die freie Abtswahl ein. Bereits im Mai 816 tritt ein von den Mönchen frei gewählter Abt auf. Gozbert stammt aus einer Adelsfamilie aus dem Thurgau und ist erstmals 798 als Diakon in St. Gallen urkundlich belegt, dann 811 als Priester und zwischen 813 und 816 als Dekan. Seine erste Urkunde als Abt stammt vom Mai 816. Er konnte die Abhängigkeit vom Bistum Konstanz lockern. Am 3. Juni 818 stellt Ludwig der Fromme in Aachen eine Urkunde aus, in der er das Kloster unter seinen Schutz nimmt und ihm Immunität verleiht. Mit dem Immunitätsprivileg wurde St. Gallen selbstständige Reichsabtei. Gozbert bemühte sich entfremdetes Klostergut zurückzugewinnen und unternahm dazu auch Reisen an den Kaiserhof, beispielsweise 821. Er begann, die Verwaltung des Klosters zu zentralisieren. Durch vermehrte Reisetätigkeit kontrollierte er sie selbst oder ließ sie durch Offizialen kontrollieren. Er reformierte auch das Urkundenwesen. Ab jetzt waren nur noch wenig Urkundenschreiber tätig und man kann feststellen, dass dies oft der Beginn einer Karriere innerhalb der Klosterhierarchie war. In seiner Amtszeit stieg die Zahl der Schenkungen stark an. Ein besonderes Augenmerk richtete er auf die Bibliothek, die um die Mitte des Jahrhunderts nach einem Katalog 426 Bände zählte. Zahlreiche Codices entstanden damals. Das Kloster war ein hervorragendes kulturelles Zentrum. Um 819 entstand auf der Reichenau unter dem berühmten Bibliothekar Reginbert und Abt Haito der St. Galler Klosterplan. Es ist nicht mal ganz klar, ob Abt Gozbert oder sein gleichnamiger Neffe der Adressat war, der an allen literarischen Unternehmungen des Klosters beteiligt war. Nach neuesten Erkenntnissen der Mediävistik ist der Klosterplan wohl mehr ein gelehrtes Spiel und eine Wortschatzübung zur Terminologie des Klosterbaus als ein konkret zu verwirklichender Bauplan. Auffallend ist z. B., dass an mehr als 100 Stellen zwei Begriffe für eine Sache verwendet werden. Der Klosterplan, ein 77,5 cm x 112 cm großes Pergament enthält übrigens auf der Rückseite die Vita des Heiligen Martin von Tours, die im 12. Jahrhundert niedergeschrieben wurde.

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                       Rekonstruktionszeichnung des Klosters nach dem Klosterplan

 

830 begann Gozbert mit dem Neubau der Gallusbasilika. 835 oder auch erst 839 wurde sie im Beisein der Bischöfe Wolfeoz von Konstanz und Ulrich von Basel sowie Abt Erlebald von der Reichenau geweiht.

Bei den Um-und Neubauten wurden für Schule, Skriptorium und Bibliothek eigene Räume geschaffen.

Die letzten Jahre Ludwigs des Frommen waren überschattet von den Auseinandersetzungen mit seinen  Söhnen um die Nachfolge im Reich. Das Kloster als wichtige politische Größe in Alemannien wurde mit hineingezogen. Darin liegt möglicherweise der Grund für die Resignation im Mai 837. Wie lange er nach der Amtsniederlegung noch gelebt hat, ist nicht bekannt, nur der Todestag, ein 2. April. Aber unter Abt Gozbert begann das Goldene Zeitalter der Abtei.

Abt Bernwig ist mit Erlaubnis Kaiser Ludwigs und auf Wunsch seines Vorgängers Gozbert 837 zum Abt gewählt worden. Er wird als Urkundenschreiber und Dekan mehrfach erwähnt. In den Auseinandersetzungen der Söhne Ludwigs bezog er klar

Stellung für Lothar. Ludwig behielt aber 840 in Alemannien die Oberhand.    Bernwig wurde zwischen August 840 und April 841 abgesetzt.

Auch der Nachfolger Bernwigs, Engilbert (840-841) wurde Opfer der politischen Wirren. Er war von Ludwig als Abt eingesetzt worden. Als Lothar wieder vorrückte, scheint er sich auf dessen Seite gestellt zu haben.

Als dieser aber in der Schlacht von Fontenay am 25. Juni 841 geschlagen wurde, 

wurde er von Ludwig wieder abgesetzt. Nach dem Vertrag von Verdun und der Reichsteilung 843 war Ludwig als Ludwig der Deutsche im ostfränkischen Reich Herrscher. Damit hatten auch die politischen Wirren der Nachfolgestreitigkeiten der Söhne Ludwig des Frommen ein Ende. Das zeigt sich z. B. auch daran,dass die Amtszeiten der Äbte wieder länger wurden, da eine falsche Parteinahme, die das Amt kosten konnte, nicht mehr nötig war.

841 wurde Grimald von Weißenburg von Ludwig dem Deutschen als Abt in St. Gallen eingesetzt. Grimald wurde um 800 geboren. Er entstammte einer austrasischen  Adelsfamilie, die hohe Kirchenämter innehatte. So war sein Onkel Hetti von ca. 814-847 Erzbischof von Trier und Legat Kaiser Ludwig des Frommen. Vor er Bischof von Trier wurde, war er Abt von Mettlach. Grimalds Tante Warentrud, Hettis Schwester war Äbtissin von Kloster Pfalzel. Grimalds Bruder Theutgaud wurde Nachfolger Erzbischofs Hetti von 847-868.  Vor seiner Stuhlbesteigung in Trier war er ebenfalls Abt von Mettlach. Grimald kam zur Erziehung an den Hof Karls des Großen. Dort soll er noch den Unterricht Alkuins erlebt habe, was allerdings unwahrscheinlich ist, da Alkuin bereits 804 gestorben war. Aber sicher war er an der Klosterschule von Reichenau. Dort lernte er unter den Äbten Haito und Erlebald. Danach lehrte er auch an der Reichenauer Klosterschule. Seine gründliche Ausbildung zeigt sich auch in dem St. Gallener Codex 914 der Regel des Heiligen Benedikts. Von Abt Haito war er zusammen mit dem Mönch Tatto (+847), dem späteren Leiter der Reichenauer Klosterschule, ins Kloster Inden, dem späteren Kornelimünster geschickt worden, um dort das Aachener Normalexemplar zu kopieren.

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Schon 824 war er an der Kaiserlichen Kapelle in Aachen tätig. In derselben Zeit lässt er sich ins Reichenauer Verbrüderungsbuch (siehe unter Kloster Reichenau) aufnehmen. Aus dieser Zeit am Hofe Ludwigs gibt es Widmungsadressen von Hrabanus Maurus, Walahfried Strabo und Otfried von Weißenburg, die zeigen, dass er am Hofe sehr geschätzt war. Am 19.10. 833 erscheint er erstmals als Vorsteher von Ludwigs Kanzlei. 834 wird er von Ludwigs Sohn, dem späteren Ludwig dem Deutschen zusammen mit dem Grafen Gebhard im Lahngau (832-879) bezeugt und ein treuer Gefolgsmann von Ludwig dem Frommen nach Aachen geschickt, wo der Kaiser von Lothar festgehalten wurde, wohl ohne zum Kaiser vordringen zu können und die Botschaften Ludwigs überbringen zu können.

Wohl wegen seiner Verdienste am kaiserlichen Hof erhielt Grimald um 825 die Abtei Weißenburg im Speiergau übertragen. Er ließ die durch eine Feuersbrunst zerstörte Kirche St. Peter glänzender und größer wieder aufbauen. Bis 837 blieb er an der Spitze der Kanzlei. Die innerdynastischen Kämpfe der Karolinger kosteten ihn 839 sein Amt als Weißenburger Abt. Er musste den Abtsstuhl an den lotharisch gesinnten Erzbischof von Mainz, Otgar (826-847) abgeben. Der Sieg Ludwigs bei Fontenay 841 brachte aber wieder eine neue Ämterverteilung. Ludwig setzte Grimald 841 als Abt in St. Gallen ein. Dabei verletzte er zwar die Wahlfreiheit der St. Gallener Mönche, die er kurz zuvor selbst bestätigt hatte. Aber Grimald scheint in St. Gallen sehr beliebt gewesen zu sein. Außerdem hatte er mit Einwilligung des Königs einen Stellvertreter wählen lassen, mit dem Recht auf Nachfolge, den Dekan Hartmut. Aufgrund seiner Hofämter war er ohnehin oft von  St. Gallen abwesend.

Als der Weißenauer Abt 847 starb, wurde Grimald auch der Weißenauer Abtsstuhl wieder übertragen. Zu diesen zwei Abteien muss noch eine dritte gekommen sein, wahrscheinlich Ellwangen. 848 wurde Grimald Erzkapellan Ludwigs des Deutschen und ab 854 war er wieder mit zwei kurzen Unterbrechungen Leiter der Kanzlei, die  er führte, bis er sich 870 aus Altersgründen nach St. Gallen zurückzog.

Mit einer am 22. Juli 854 in Ulm ausgestellten Urkunde bestätigt Ludwig der Deutsche die von seinem Vater Ludwig dem Frommen 818 verliehene Immunität, den königlichen Schutz und das Recht zur freien Abtswahl. Sie legt die an den König zu liefernden jährlichen Geschenke fest. Das Kloster ist vom Bistum Konstanz unabhängig. Ein lange schwelender Streit ist geschlichtet.

imagetext_3.originalsizeGrimald vollendet den von Gozbert begonnen Prozess der zentralen Verwaltung der Klostergüter. Die bisher umherreisenden Pröpste ersetzt  er durch Außenpröpste, die einen festen Bezirk zu betreuen hatten.

Unter Grimald wurden die Otmars und Michaelskirche gebaut, die Klostergebäude vollendet und die Abtswohnung und das Helmhaus errichtet. 867 wurden die Gebeine Otmars nach der Rekognition und Heiligsprechung durch Bischof Gebhard I.  von Konstanz neu bestattet.

Die Klosterschule erlebt einen mächtigen Aufschwung. Die innere Schule wurde von dem Iren Moengal geleitet, der vor allem für die Musik zuständig war. Unter ihm entstanden prächtig illuminierte Bücher mit gregorianischen Chorälen. Die äußere Schule wurde von Iso geleitet,der später im Kloster Grandval lehrte, das im 9. Jahrhundert eine ähnliche kulturelle Blüte erlebte, wie St. Gallen. Die Klosterbibliothek wuchs weiter. Sie hatte einen Zuwachs von 69 Bänden, davon 54 selbstständige Werke. Grimald vermachte dem Kloster auch seine Privatbibliothek mit 34 Werken. In seiner Amtszeit wurde wohl auch das Amt des Bibliothekars geschaffen. Die ersten namentlich bekannten Amtsinhaber waren Uto und Liuthart. Im Skriptorium arbeitete zu der Zeit der bedeutende Kalligraph Folchart. Sein wichtigstes Werk ist der Psalter, ein Höhepunkt St. Gallischer Initialkunst.

cod23_Q_Initial Er beinhaltet die 150 Psalmen des Alten Testaments sowie einige kleinere Texte

(Allerheiligenlitanei, Pater noster und Credo) Er ist zwischen 864 und 883 geschrieben worden.

Grimald war wohl einer der politisch schwergewichtigsten Äbte, den St. Gallen im Laufe seiner Geschichte hatte. Auch zählt er sicher unter die bedeutendsten und verdienstvollen Männern um Ludwig. Man kann ihn sicher auch zu Begründern der gelehrten Bildung im ostfränkischen Reich zählen.

Abt Grimald starb am 13.6. 872.

Auf Grimald folgte Hartmut, der schon kurz nach der Amtseinführung von Grimald als dessen Stellvertreter gewählt worden war. Er entstammte aus einer angesehenen Familie, wenngleich die Verwandtschaft mit Bischof Landolo von Treviso nicht sicher nachgewiesen ist, der 875 bei einem Besuch seines Verwandten, eben Abt Hartmut, in Rohrschach verstorben und in St. Gallen begraben sein soll oder König Rudolfs von Burgund. Er war als Mönch im Kloster Fulda und erhielt dort seine Ausbildung bei Rhabanus Maurus. Er war Mitschüler von Otfried von Weißenburg und Werinbert. 849 tritt Hartmut erstmals als Dekan auf und ist in diesem Amt bis 872 belegt. Nach dem Tod Grimalds wird er in einer  zweiten  Wahl bestätigt. Schon unter seinem Vorgänger hatte er Statuten erlassen, die sich auf Klosterverwaltung und die Disziplin beziehen, die noch lange nach seinem Tod in Kraft waren.

Zu Kaiser Ludwig und zu seinem Nachfolger, dessen Sohn  Karl III. hatte er ein sehr gutes Verhältnis, wie die Für St. Gallen ausgestellten Urkunden belegen.

Am 1. Februar 873 verlieh Kaiser Ludwig dem Kloster St. Gallen Immunität mit Königsschutz und das Inquisitionsrecht, wie es das Kloster Reichenau hat. Damit war es den anderen königlichen Klöstern gleichgestellt. In der Urkunde die am 8. April 873 in Frankfurt ausgestellt ist, befiehlt  er auf Klagen Abt Hartmuts seinem Sohn Karl und allen Grafen und Getreuen Alemanniens das gleiche Recht, wie den übrigen Klöstern zu wahren.

Am 18. August bestätigt Karl III. die von Ludwig dem Frommen und Ludwig dem Deutschen verliehene Immunität und freie Abtswahl. Am 13. Februar 883 bestätigt er dies als Kaiser.

Schon unter Grimald war Hartmut für die Um-und Neubauten zuständig, die aber erst unter seiner Regierung fertiggestellt wurden. Der Schul-oder Hartmutsturm wurde errichtet. Er sollte dazu dienen, bei Brandgefahr den Klosterschatz zu bergen. In Hartmuts Regierungszeit fallen über 50 Urkunden, die eine Schenkung, eine Übertragung, Tausch oder Rückerwerbung von Gütern belegen und zeigen, wie Hartmut um das Wohl seiner Brüder bemüht war. Auch Hartmut mühte sich um die Mehrung der Bibliothek. Er gilt als Schöpfer des neuen großen Bibelkorpus.

Als Kaiser Karl aus Italien zurückkehrte, bat Hartmut auf die Abtswürde verzichten zu dürfen. Das wurde ihm gewährt und Herisau mit Waldkirch und Niederbüren zur Nutznießung überlassen. Später führte er das Leben eines Inklusen, also eines von der Welt Zurückgezogenen. Er starb nach 895. Begraben wurde er auf dem Friedhof unmittelbar neben der Peterskirche. Kurz vor seiner Resignation besuchten etwa 300 Schüler aus der weiteren Umgebung die Klosterschule.

Abt Bernhard wurde am 6.1. 883 in Anwesenheit Karls III. gewählt. Er war von vornehmer Herkunft, was auch Bezeichnungen nobilis oder serenissimus in Urkunden bestätigen. Am 30. März 887 bestätige Karl III. laut den vorgelegten Urkunden seines Vaters und Großvater die Immunität und das Inquisitionsrecht des Klosters. Mit Arnulf hat er zunächst auch ein gutes Verhältnis, Aber 890 beteiligte sich Bernhard wohl an einer Verschwörung gegen Arnulf, die keinen  Erfolg hatte. Arnulf setzte Bernhard 890 ab. Sein genaues Todesdatum ist unbekannt. Die Urkunden Arnulfs vom 2.7.892 und Ludwig des Kindes vom 24.06. 903 erwähnen die Absetzung Bernhards, die von Arnulf wegen “hominum neglegentia und incautela, die von Ludwig wegen Hochverrats.

220px-Notker_der_StammlerIn dieser Zeit lebte Notker der Stammler im Kloster Sankt Gallen. Er ist um 840 in Heligau oder Jonschwil geboren. Wegen seines Sprachfehlers wurde er schon als Kind gehänselt. Noch als Kind kam er ins Kloster St. Gallen. An der Klosterschule erhielt er seine Ausbildung in klassischen Sprachen und klassischer Literatur. Er wurde Leiter der Klosterschule und war literaisch und musikalisch tätig. Er schrieb eine Biographie über Karl den Großen, die sich allerdings mehr am Ideal als an historisch gesicherten Tatsachen orientierte. Sein Hauptwerk war sein “liber ymnorum”. Es stellt einen Höhepunkt mittelalterlicher Dichtung dar. Von einem Pfingstlied wird erzählt, er habe die Melodie nach dem Takt eines knarrenden Mühlrads geschrieben. Notker starb am 6. April 912 in St. Gallen.

Als Arnulf von Kärnten 890 Abt Bernhard abgesetzt hatte, setzte er Salomo in St. Gallen ein. Das verstieß gegen das Recht der freien Abtswahl, doch konnte Salomo den Konvent rasch für sich einnehmen. Er war mit der alten Herzogsfamilie der Alaholfinger verwandt, war Enkel der Schwester oder eines jüngeren Bruders von Salomo I., Bischof in Konstanz von 838-871. Um 871 kamen er und sein Bruder Waldo, dem späteren Bischof von Freising von 883 bis 906, in die äußere Klosterschule von St. Gallen. Ihrer Eltern hatten sie schon früh verloren. In St. Gallen wurde Notker ihr Lehrer. Um 878 dürften die beiden Brüder Sankt Gallen wieder verlassen haben.Von ihrem Onkel Salomo II. wird Salomo zur weiteren Ausbildung zum Bischof Witiger von Augsburg geschickt, Waldo zu Erzbischof Liutbert von Mainz. Salomo ist für kurze Zeit als Notar und Kanzler am Hof Karls III. belegt. Im gleichen Jahr wird er zum Diakon geweiht.  Um 887 kehrt er nach

220px-CodSang602_S298_Wiborada_im_Gespräch_mit_Salomo_IIIer nach St. Gallen zurück und tritt dort ins Kloster ein. 889 ist er als Kaplan am Hof Arnulfs. Arnulf setzt Salomo nicht nur in St. Gallen als Abt ein, sondern auch in Konstanz als Bischof als Nachfolger für seinen verstorbenen Onkel.

Am 6. Januar erfolgt die Privilegienbestätigung durch Arnulf. In dieser Urkunde wird Salomo als erwählter Abt bezeichnet, also ist er inzwischen auch vom Konvent gewählt worden. Er war als Kanzler bei Ludwig dem Kind und Konrad I.(König von 911-918) tätig. Der Hofdienst wirkte sich auch positiv für die Abtei aus. So erhielt sie 6 Urkunden, die die Immunität, die freie Abtswahl und das Inquisitionsrecht bestätigten. Dazu kamen noch königliche Schenkungen und Bestätigungsurkunden.

Die freie Abtwahl wurde erstmals für St. Gallen auch durch den Papst bestätigt und zwar am 8.3. 904 durch Papst Sergius III.(904-911). Diese Privileg erhielt Salomo, als er sich im Rahmen einer Pilgerreise in Rom aufhielt. Von dieser Reise brachte er auch die Reliquien des Märtyrers Pelagius, dessen Verehrung als Bistumsheiliger er förderte.

895 bestätigte Arnulf dem Kloster St. Gallen den Besitz des kleinen Klosters “monasteriolum” Faurndau. Dieses war 875 von König Ludwig dem Deutschen dem am Hofe tätigen Diakon Liutbrand verliehen worden, mit der Bestimmung, dass es bei dessen Tod an den König zurückfallen sollte. Außerdem belehnte er ihn mit der Kapelle in Brenz. Der Urkunde von 875 zufolge stand die Faurndauer Kirche unter dem Patrozinium der heiligen Jungfrau Maria und besaß die Reliquien der frühchristlichen Märtyrer Alexander, Eventius und Theodul. Liutbrand trat im Alter ins Kloster St. Gallen ein.

Auf seiner Romreise 904 erneuerte König Berengar in Pavia den Besitz der Abtei Massino, die Karl II. dem Kloster Sankt Gallen geschenkt hatte.

905 schenkte König Ludwig das Kind Salomo das Kloster Pfäfers, das 731 aus dem Kloster Reichenau gegründet wurde. Zwischen 914 und 949 stritten die Abtei St. Gallen und das Bistum Chur um das Kloster.

Das Weihnachtsfest verbringt König Konrad I. in St. Gallen und verbleibt dort bis zum 29.12. Er wird in die Gebetsverbrüderung aufgenommen.

Schon zu Beginn seiner Amtszeit war er bestrebt, die Rechte des Klosters St. Gallen gegen die alemannischen Großen zu festigen. So hatte er auf einer Versammlung aller Principes der Grafschaften Thurgau, Linzgau und Currätien mit Erfolg die Rechte der Abtei gegen den Grafen Udalrich verteidigt. Salomo war seit 893 bei allen wichtigen Reichstagen dabei, aber auch bei der Synode von Trebur, an der je nach Quelle zwischen 22 und 27 Bischöfen und die Metropoliten von Mainz, Köln und Trier und viele Äbte und Angehörige des Klerus teilnahmen. Es ging um germanisches Recht und Kirchenrecht.

Zusammen mit seinem Freund Hatto, dem ehemaligen Reichenauer Abt und jetzigen Erzbischof von Mainz und dem Augsburger Bischof Adalbero gehörte er zu den einflussreichsten Staatsmänner seiner Zeit. Er trat für die Stärkung der Zentralgewalt ein und so war er auch beteiligt an der Ausschaltung des Markgrafen Burkhard und dessen Bruder Adelbert, die ihre Macht über ganz Alemannien ausdehnen wollten. Auch sein Streit mit den Grafen Erchanger und Berchthold rührt daher. Pfalzgraf Erchanger und sein Bruder Berchthold waren um Marchthal und auf dem Bussen begütert. Im Verlauf des Streits wird Salomo 914 gefangen genommen. Danach werden die beiden verbannt. Schon 915 kehren sie zurück und nehmen neben dem Baiernherzog Arnulf siegreich an der Schlacht gegen die Ungarn am Inn teil. Sie erhoben sich gegen König Konrad und besiegten ihn bei Wahlwies im Hegau. Erchanger wurde zum Herzog ausgerufen. Er wurde aber wegen seines Vorgehens gegen König und Bischof im September 916 von der Synode zu Hohenaltheim zu Klosterhaft verurteilt. Bei dem Versuch, sich mit König Konrad zu versöhnen, wird er 917 verhaftet und der König lässt Erchanger und Burchhardt hinrichten. Sein Besitz wird konfisziert. nur seine Gemahlin Berta darf ihren Besitz behalten. Es ist nicht ganz klar, wie weit Salomo an dem Vorgehen beteiligt ist. Konrad I. stirbt 918 in Weilburg. Nach dessen Tod zieht sich Salomo aus der Politik zurück. Konrads Nachfolger Heinrich steht ihm von der Persönlichkeit und der Politik fern. Salomo selbst stirbt nach 5-tägiger Krankheit am 5. Januar 919 im Alter von etwa 60 Jahren.

Unter Salomos Regierungszeit hat die Blüte und die kulturelle Leistung St. Gallens angehalten.In seiner Zeit arbeitete Tutilo, der bis etwa 915 als Mönch in St. Gallen lebte. Er wird als Maler, Goldschmied und vor allem Elfenbeinschnitzer hervorgehoben. Er war aber auch als Dichter und Musiker tätig.

220px-Csg-0053_e001                                       Einband des Evangelium longum

So stammen die Elfenbeintafeln des Evangelium longums (Cod.sang.53) von ihm.

Auch das Vocabularium Salomonis, eine Enzyklopädie des 9. Jahrhunderts  stammt aus dieser Zeit. Mit Salomo endet das “Goldene Zeitalter St. Gallens.

Nach dem Tod Salomos tritt ein dreijähriges Interregnum ein, das im Jahr 922 mit der Wahl Hartmanns endet. Er regierte drei Jahre und hat sich laut dem Chronisten Ekkehard wohl hauptsächlich der Schule und dem Choralgesang zugewandt. Dagegen hat er die Verwaltung der Klostergüter zum Schaden der Abtei vernachlässigt. Er starb am 21.9. 925. Auf ihn folgte Engilbert als Abt. Am 4.11. 926 bestätigt Heinrich I. auf Bitten des Abtes Engilbert die alten Privilegien der Abtei, also Immunität, freie Abtswahl und das durch die Vögte auszuübende Inquisitionsrecht. Das geschah auch auf Fürbitte des Mainzer Erzbischofs Heriger (913-927). Am 1. Mai 926 erlebte St. Gallen einen schwarzen Tag. Die Ungarn überfielen das Kloster.

In einer Vision soll  die Inklusin Wiborada  den Ungarneinfall und damit verbunden ihren Märtyrertod vorausgesehen haben. Auch habe sie dem Abt geraten, den Klosterschatz und kostbare Manuskripte auf einer Fluchtburg in Sicherheit zu bringen. Abt Engilbert ließ auf jeden Fall die Klosterbibliothek auf die Reichenau in Sicherheit bringen. Zum Schutz der Klosterinsassen ließ er zwei Burgen ausbauen. Greise und Kinder verbrachte er auf die Wasserburg im Bodensee. Er selbst ging mit seinen Mönchen an einen befestigten Platz an der Sitter. Wiborada, die in einer Zelle eingeschlossen war, blieb trotz des Drängens des Abtes in der Zelle. Als die Ungarn kamen, setzte sie die Zelle in Brand. Nach der Vita erstickte das Feuer wie durch ein Wunder. Als die Ungarn keinen Zugang in die Zelle fanden, stiegen sie durchs Dach ein und töteten die Inklusin mit Axthieben auf den Kopf. Sie wurde 1047 als erste Frau überhaupt von Papst Clemens II. heiliggesprochen. Ihre Attribute sind Hellebarde als Verweis auf ihr Martyrium und ein Buch. Sie gilt als Schutzpatronin der Pfarrhaushälterinnen, Köchinnen, Bibliotheken und Bücherfreunde.

220px-Martyrdom_of_Wiborada Dank der klugen Fürsorge des Abtes kam das Kloster mit relativ geringem Schaden davon. Aus gesundheitlichen Gründen gab Engilbert 933 sein Amt auf und soll kurze Zeit später am 13.8.934 gestorben sein.

Am 28.10 933 tritt Thieto sein Amt an. Unter sein Abbatiat fällt der große Klosterbrand. Klosterschüler hatten am 26.4.937 ein Feuer verursacht. Die Siedlung wird verheert,  das Kloster völlig verwüstet. Der Brand hatte weit mehr Schaden verursacht als der Ungarneinfall. Der Abt begann sofort mit dem Wiederaufbau.

In der am 7. April 940in Quedlinburg ausgestellten Urkunde bestätigt Otto I. die Privilegien. Die Urkunde ist fast wörtlich wie die für Engilbert ausgestellte Urkunde.

Abt Thieto, schon alt und niedergedrückt durch die Sorgen wegen der Abtei fühlte sich der Lage nicht mehr gewachsen und legte sein Amt am 31.5.942 nieder. Er starb an einem 6. April. Thietos Nachfolger war Craloh, dessen leiblicher Bruder. Er wurde am 31.5.942 zum Abt gewählt. Craloh ist 920 erstmals als Schreiber einer Urkunde belegt. Fassbar wird er am 22. Juni 947, als Otto in Magdeburg auf Fürsprache des Schwabenherzogs Hermanns dem Kloster das Markt-und Münzrecht “in dem dem Kloster gehörenden für die nach Italien Fahrenden günstig gelegenen Ort Rorschach” verleiht. Hauptaufgabe war wohl die Wiederherstellung des zerstörten Klosters, was wohl gelang. Auch wirtschaftlich hatte er einigen Erfolg zu verzeichnen. Für den Zeitraum 948-957 sind acht Güterübertragungen an das Kloster Sankt Gallen erhalten. Schwierigkeiten hatte er wohl mit seinen Mönchen. Bei der Wiederherstellung der Klosterdisziplin war er unerbittlich streng.

Wie schon zu Zeiten Ludwigs des Frommen, als das Kloster in die Streitigkeiten um die Nachfolge des Kaisers hineingezogen wurde, passierte das auch jetzt noch einmal. Liudulf, Herzog von Schwaben und Sohn  Ottos aus der ersten Ehe mit Edithga von England war zunächst designierte Nachfolger Ottos. 952 erhob sich aber der Sohn gegen den Vater, was als Lidulfinischer Aufstand in die Geschichte einging. In der Abtei war die Mehrheit der Mönche für Liudulf, während Abt Craloh zu Otto hielt. Er floh schließlich an den Hof Ottos und kehrte erst nach Niederwerfung des Aufstandes 954 nach St. Gallen zurück. Dort hatte während Cralohs Abwesenheit der vom Konvent gewählte Gegenabt Anno regiert. Dort hielt sich immer noch eine Gegnerschaft unter Führung des Mönchs Viktor. Erst Bischof Ulrich von Augsburg, der mit Otto gegen die Ungarn die Schlacht auf dem Lechfeld 955 gewonnen hatte, brachte eine Versöhnung zustande. Viktor wollte zu seinen Verwandten fliehen, wurde aber auf der Flucht von Kriegsleuten, die ihm Craloh nachgeschickt hatte, geblendet. Damit war das Vertrauensverhältnis zwischen Abt und Konvent endgültig zerstört. Craloh, des Streits müde, zog sich nach Herisau zurück, wo er am 26.2. 958 starb.

Abt Craloh hatte Ekkehard I.zu seinem Nachfolger bestimmt. Er wurde von den Mönchen auch gewählt, verunglückte aber kurz vor seinem Amtsantritt bei einem Ausritt. Er trug einen bleibendem Schaden am Bein davon und hinkte fortan.  Deshalb bat er die Mönche, die Abtswürde auf Purchart, den jüngsten seiner 4 Neffen zu übertragen. Diese taten das auch. Ekkehard I. ist um 910 im Thurgau geboren. Unterricht und Erziehung erhielt er im Kloster Sankt Gallen. Gerald, der letzte Schüler des Sequenzdichters Notker war sein Lehrer. Lange galt Ekkehard als Dichter des Waltharilieds das die Flucht Walters und Hildegunds von Etzels Hof und den Kampf am Wasigenstein. Heute nimmt man an, dass

wal_manuin Ekkehards IV  Casus Sancti Galli genannte Vita Waltharii manufortis nicht das Waltharilied, sondern ein anderes nicht auf uns gekommenes Werk gemeint ist. Entstehungszeit und Verfasser sind also nach wie vor umstritten. Ekkehard hat mit Sicherheit Dichtungen angefertigt, die für die Liturgie bestimmt waren. Er wurde früh in die St. Galler Liturgie aufgenommen, was die Wertschätzung der Zeitgenossen beweist. Eine geplante Vita der beim Ungarneinfall getöteten Wiborada kam nicht zustande.

Purchart stammte aus der Familie der Udalrichinger. Sein Vater war wohl Graf Udalrich V., seine Mutter Wendilgard, eine Nichte König Heinrichs I. Purchart soll schon als Oblate ins Kloster St. Gallen gekommen sein und unter Craloh Dekan gewesen sein. Im Herbst 967 weilt Ekkehard I. als Vertrauter des Papstes Alexander XIII. in Rom, der ihn wegen seiner Gelehrsamkeit sehr schätzt. Ekkehard wird sechs Wochen krank. Er wird vom Papst oft besucht und wird wieder gesund, als der Papst bei einer Morgenvisite Reliquien des Johannes des Täufers mitbringt. Diese  erhält er vom Papst bei seiner Abreise als Geschenk (Regest 430 vom Herbst 967). Mit der nächsten ausgestellten Urkunde erneuert der Papst die Privilegien St. Gallens, bestätigt die klösterliche Immunität und verbietet die Ausübung jeder geistlichen und weltlichen Jurisdiktion im Klostergebiet ohne Erlaubnis des Abtes. Auch Purchart erlitt einen Reitunfall, nach dem er gelähmt blieb. Deshalb musste er die Führung der Geschäfte dem hochbetagten Dekan und Kämmerer überlassen. Dadurch gerieten Disziplin und Ökonomie in Unordnung. Kaiser Otto ließ deshalb eine Visitation durchführen. Abt Gerbod (951-972) aus dem Kloster Lorsch weilte mehrere Monate im St. Gallener Kloster und er ließ Statuten für das Kloster. Lorsch war im Verbund des Ordo Gorziensis, einer Reformbewegung, die von Erzbischof Adalbero von Metz (929-962) durch Einsetzung des Erzdiakons Einolds als Abt des Klosters Gorze eingeleitet wurde. In Deutschland wurde zunächst St. Maximin in Trier und Lorsch reformiert. Von Lorsch aus wurde die Reform in den Klöstern Fulda, Hersfeld, Amorbach und eben auch St. Gallen eingeführt. Gorze wollte ein Reichmönchtum unter weltlicher Herrschaft. Es ging dabei auch um eine materielle Sicher- und Besserstellung der Klöster, wobei dies natürlich nicht von dem spirituellen Bereich zu trennen ist. Kaiser Heinrich II. setzte gezielt Reformmönche in den maßgeblichen Reichsabteien ein. Man konnte aber die “Dauerüberwachung” abwehren, auch wenn mit dem Mönch Sandrat aus Maximin von Otto 972/973  nochmals ein führender Vertreter der lothringischen Kirchenreform nach St. Gallen geschickt worden war. Sandrat wurde in St. Gallen aber als Heuchler empfunden. Die Mönche wollten die Reform einfach nicht. Sandrat scheiterte an seiner großen Aufgabe.

Abt Purchart trat 971 von seinem Amt als Abt zurück. Er wollte seinen Lebensabend als Inclusus bei der von ihm erbauten Galluskapelle verbringen. Das wurde ihm aber vom Konstanzer Bischof Konrad wegen seines schlechten Gesundheitszustand untersagt. Purchart starb am 9.8.975.

Auf Vorschlag Purcharts war 971 Notker zum Abt gewählt worden. Er war ein Neffe der Äbte Thieto und Craloh und auch des Notker II., der als Arzt, Cellerarius und Hospitarius im St. Gallener Kloster war. Er war ein strenger Verfechter der klösterlichen Disziplin, was ihm den Beinamen “Pfefferkorn einbrachte. Abt Notker griff auf die Statuten Hartmuts zurück und war auch darauf bedacht, dass die Anordnungen des Visitationsabtes Gerbod eingehalten wurden. Er scheint das aber mit Augenmaß getan zu haben. Er wurde als “abba benignus” bezeichnet. Am 14.8. 972 besucht Otto der Große mit seiner Gemahlin Adelheid, seinem Sohn Otto II. und der Schwiegertochter das Kloster. In St. Gallen stellt Otto II. auch Urkunden für das Kloster Einsiedeln aus. Mit diesem Ereignis lässt der Chronist Ekkehard IV. seine St. Gallener Chronik, die Casus Sancti Galli ausklingen. Abt Notker scheint die wirtschaftliche Gesundung des Klosters wieder vorangebracht zu haben. Er vollendet die Ummauerung der Klostersiedlung St. Gallen. Dadurch nimmt die Stadtwerdung St. Gallens ihren Anfang. Aus der Regierungszeit Notkers stammt auch das erste Zeugnis der St. Gallener Ministerialität. Er starb am 15.12. 975

In der Amtszeit Purcharts und Notkers lebte auch Ekkehard II. am Kloster. Er kam schon als Knabe ins Kloster. Er war ein bekannter Sequenzdichter. Berühmt wurde er aber vor allem durch Victor von Scheffels “Ekkehard”. Es war ein Kultbuch der wilhelminischen zeit und schildert das Leben des jungen Mönchs am Hofe von Hadwig, der Witwe des Schwabenherzogs Burchard III. Er wurde als Lateinlehrer Hadwigs auf den Hohentwiel berufen. Seine Gönnerin ebnete ihm später den Weg als Kaplan an den Hof ihres Onkels Otto I. Ekkehard starb als Dompropst zu Mainz am 23.4. 990. Seine Tätigkeit am Hof der Herzogswitwe hat der Abtei manchen Vorteil verschafft. Seine privilegierte Beziehung stieß bei seinen St. Gallener Mitbrüder auf reges Interesse.

Auf Notker folgte Ymmo. Mitte Januar 976 wurde er zum Abt gewählt und von Otto II. investiert. In den Auseinandersetzungen zwischen Otto und Heinrich dem Zänker stand Ymmo auf Seiten des Kaisers. Der Abt konnte die Klosterwirtschaft weiter voranbringen. Er erwarb Güter zurück und gewann neue dazu. Auch mehrte er den Klosterschatz. Er starb am 30.10.984.

stiftsbibliothek-3Von Ymmos Nachfolger Ulrich ist nur wenig bekannt. Er regierte von 984-990.

Mit Abt Gerhard folgte ein in der St. Gallener Klosterchronik schlecht beleumundeter Abt. Nach seiner Wahl begann er seine Amtszeit am 21.1. 990. Es wird von ihm berichtet, dass er vor seiner Wahl Reisebegleiter seines Mitbruders, Kunibert, ehemaliger Abt von Niederaltaich war, der auf dieser Reise starb. In einer am 18. Mai 994 in Bürstadt bestätigt er auf Bitten Abt Gerhards und nach Vorlage der Dokumente seines Vorgängers dem Kloster Sankt Gallen die Immunität, sowie das Inquisitionsrecht und das Recht, den Abt zu wählen. Er soll Klostergüter verschleudert haben und die Klosterzucht ruiniert haben. Eine Spaltung des Konvents entstand. Die regeltreuen Konventualen verklagten den Abt bei Otto III.

Mit Hilfe des Grafen Muozo konnte er den Prozess aber verhindern und waltete danach noch schlechter als vorher. Er starb am 22.05. 1001.

Nach Gerhard wurde Purchart gewählt. Er war ein Neffe Ekkehards I. Aus seiner Jugend wird berichtet, dass er mit Ekkehard II. zu der Herzogin Hadwig von Schwaben auf den Hohentwiel ging und er von ihre in Griechisch unterrichtet wurde, während sie sich an seinen selbst geschmiedeten Versen ergötzte.

Am 17.6.1004 bestätigt Heinrich II. (1002-1024) die Privilegien St. Gallens, wobei er allerdings das freie Wahlrecht durch den Vorbehalt königlicher Mitwirkung einschränkt. Abt Purchart stellte die Klosterzucht wieder her und brachte die unter seinem Vorgänger verloren Klostergüter  wieder zurück. Er hat die Konventsgebäude renoviert und erweitert. Wahrscheinlich hat er den  Kreuzgang mit einer Bilderfolge aus dem Leben des heiligen Gallus ausgestattet.

Im November 1021 brach Kaiser Heinrich zu seinem dritten Italienfeldzug auf. Er war mit seinem Engagement in Italien sowie seiner Kaiserkrönung mit Byzanz zwangsläufig in Konflikt geraten. Vor allem für Papst Benedikt VII. war die Lage bedrohlich geworden, was dieser ihm bei seinem Besuch in Bamberg wohl vor Augen führte. An diesem Feldzug beteiligte sich auch der St. Gallener Abt. In Apulien konnte der Kaiser die byzantinischen Truppen nicht zu einer Schlacht stellen. Er musste umkehren. Im Heer brach eine Seuche aus. Dieser fiel Abt Purchard am 17.07.1022 zum Opfer. Er wurde in “Franchon-Munstere” begraben. Dabei handelt es sich möglicherweise um Castelfranco di sotto (nahe dem Arno im Kreis von San Miniato). In der Amtszeit Purcharts wurde die deutsche Sprache in St.Gallen gepflegt. Vor allem Notker Labeo war hier wichtig.

Notker Labeo oder Notker der Deutsche wurde um 950 im Thurgau, möglicherweise in Wil geboren. Er war ein Neffe Ekkehards I. Er starb am 29. Juni 1022 wahrscheinlich an einer Seuche, die Teilnehmer des Italienfeldzugs von Heinrich II. in St. Gallen eingeschleppt hatten. Andere Quellen geben als Todesursache auch die Pest an. Notker war Leiter der St. Gallener Klosterschule. Er hat als erster im Mittelalter en Aristoteles kommentiert und gilt als der bedeutendste Übersetzer vor Luther. Er hat Werke der lateinischen Literatur übersetzt, die im frühen Mittelater zum Pensum der Klosterschulen gehörten. Er übersetzte Werke von Seneca, Boethius und Martianus Capella. Er bearbeite auch die 150 Psalmen sowie Moralia in Iob von Gregor dem Großen. Er entwickelte dabei eine phonetisch eindeutige Rechtschreibung der deutschen Sprache, die auch als Notkersche Anlautgesetz bezeichnet wird.

419px-St_Gallen_Stiftskirche_Portal_Relief_Notker_Labeo1022 wurde Thietbald gewählt vor seiner Amtserhebung erscheint er nur im  Reichenauer Verbrüderungsbuch. Am 19.04.1025 stellt Konrad II. (1024-1039) in Augsburg eine Urkunde aus und bestätigt die Privilegien des Klosters. Beim Aufstand Herzog Ernsts von Schwaben, dem Sohn Giselas, der Gemahlin des Konrads wird das Kloster stark in Mitleidenschaft gezogen. Im folgenden Jahr  besuchte Gisela mit ihrem Sohn Heinrich  Kloster St.Gallen und ließ sich dabei Bücher Notkers abschreiben. 1033  beschenkt sie das Kloster reich. Die Regierungszeit Thietbalds galt als Friedenszeit. Er starb am 7.1. 1034.

Auf ihn folgte Nortpert im Amt, der vorher nicht Mitglied des St. Gallener Konvents war. Er kam aus dem Reformkloster Stablo. Eine wichtige Persönlichkeit für die Reform wurde Abt Richard von Verdun (1004-1046). Er modifizierte den ordo Gorziensis mit meist streng abgegrenzten cluniazensischen Eigenheiten. Dadurch entstand eine Lothringische Mischobservanz, die im Kern immer noch gorzisch geprägt ist. Sein wichtigster Schüler war Poppo von Stablo (978- 1048). Heinrich II. verlieh ihm 1020 die erledigten Abteien von Stablo und Malmedy. Konrad II. ließ ihm praktisch freie Hand. Am Schluss standen 17 Abteien unter seiner Supervision

oder er war selbst Abt. Seinen Einfluss verlor er erst unter Heinrich III. In St. Gallen wurde nun der Schüler Poppos Nortpert eingesetzt. Die adelige Exklusivität des St. Gallener Konvents hatte wohl dafür gesorgt,dass sich eine freiere Lebensweise eingebürgert hatte. Dem sollte wohl durch die Einsetzung eines Reformabtes Einhalt geboten werden. Am Anfang hatte Nortpert wohl große Schwierigkeiten mit seinen Reformversuchen. Die Mönche, die ihn von Stablo aus begleitet hatten, verließen St. Gallen wieder. Nortpert konnte sich aber behaupten und schließlich strengere Lebensformen durchsetzen. 1040 empfing er Heinrich III.

in St. Gallen. 1046 begleitete er Heinrich nach Italien, der sich dort zum Kaiser krönen lassen wollte. In Sutri wurde am 20.12 1046 von Heinrich eine Synode einberufen, die sich vor allem gegen die Simonie wandte. Sie ist als erste Reformsynode Heinrichs anzusehen. Dank der Fürsprache des Kaisers erreichte er die Heiligsprechung der Inklusin Wiborada, die beim Ungarneinfall gestorben war.

Nortpert versuchte die Besitzrechte des Klosters gegenüber dem Bistum Konstanz zu wahren und geriet darüber in einen blutigen Konflikt mit Bischof Rumold von Konstanz. Die von Abt Nortpert gestiftete Kirche in Appenzell wurde aber  mit Einverständnis des Konstanzer Bischofs von Bischof Thietmar von Chur geweiht, da der Konstanzer Bischof 1069 gestorben war. Nortpert legte auch die Grenzen des Pfarrsprengels fest, der den Status einer Eigenkirche hatte. Abt Nortpert stiftete sich als erster Abt eine ewige Jahrzeit, also ein jährliches Totengedenken.   Nachdem er 38 Jahre regiert hatte, dankte er 1072 ab. Er starb an einem 2. September nach 1076.

Bei seinem Rücktritt hatte er Abt Ulrich mit kaiserlicher Vollmacht den Propst Ulrich zu seinem Nachfolger designiert. Er wurde auch in einer Wahl bestätigt. Er starb 1076 mit ihm endete die kulturelle Nachblüte des Klosters.

Der Investiturstreit war nun voll ausgebrochen. Die oberdeutschen Klöster und Bistümer konnten sich nicht mehr entziehen und wurden in den Konflikt verwickelt.

Nachdem Gregor VII. Kaiser Heinrich IV. 1076 gebannt hatte, wählte die deutsche Fürstenopposition 1077 Rudolf von Schwaben zum Gegenkönig. An Ostern 1077 setzte Rudolf von Schwaben Lutold als Abt in St. Gallen ein.  Die Mönche scheinen aber auf Seiten Heinrichs gestanden zu haben. Lutold konnte sich in St. Gallen nicht halten. Er suchte Zuflucht bei Ekkehard von Nellenburg, einem Gegner Heinrichs und erklärtem Papstanhänger. Im September 1077 war Heinrich wieder so stark, dass er Ulrich von Eppenstein in St. Gallen einsetzen konnte. Ulrich und er waren verwandt. Ihr gemeinsamer Großvater war Hermann II. von Schwaben. Seine Familie stammte aus der Steiermark und war Anhänger Heinrichs IV. Ulrichs älterer Bruder Liutold war mit dem Herzogtum Kärnten belehnt worden. Obwohl der neue Abt kein Konventuale war und vom König ernannt worden war, wurde er von den Mönchen freudig begrüßt. Er führte das Schwert zu mindestens so gut wie das Kreuz. Abt  Ulrich war in Alemannien der einzige Parteigänger während des Investiturstreits. Er setzte die militärischen Kräfte der Abtei mit Zustimmung des Konvents bedenkenlos für die Sache des Königs ein. Als Ekkehard auf dem Weg nach Rom bei Parma gefangengenommen wurde, verbreite sich in Deutschland das Gerücht, der Reichenauer Abt sei tot. Daraufhin setzte 1079 Heinrich ihn als Gegenabt auf der Reichenau ein. Nun folgte ein jahrelanger Fehdekrieg, den vor allem Berthold II. von Zähringen und nach seiner Rückkehr der Reichenauer Abt Ekkehard mit wachsendem Erfolg führte. Der Reichenauer Abt unterstützte den rudolfinischen Abt in insgesamt 4 Feldzügen gegen Ulrich von Eppenstein.

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Abt Ulrich ließ mehrere Burgen zur Sicherung des Gebiets der Abtei St. Gallen errichten, so in auf den Grundmauern eines römischen Kastells, die die Heerstraße vom Rheingau nach Rätien beherrschte.

1079 wird Bregenz von den Truppen Abt Ulrichs zerstört. Auch die Kyburg wird erobert und eingeäschert. Im selben Jahr erobern seine Truppen die Abtei Reichenau. 1080 fällt Abt Ekkehard mit seinen Truppen in St. Gallen ein. Er bemächtigt sich des Klosters und errichtet hoch über der Stadt die Burg Bernegg mit doppeltem Graben. Dieser ist heute noch zu sehen. 1081 erobert Ulrich die Burg zurück und zerstört sie bis auf die Grundmauern. Dabei fällt Volknand von Toggenburg. Die Toggenburger, die Nellenburger und die Kyburger waren in der näheren Umgebung von St. Gallen die Hauptgegner des Abtes. Dazu kam natürlich der Abt von Reichenau, zeitweilig der Konstanzer Bischof sowie Herzog Welf IV. von Bayern (der Gründer der Abtei Weingarten) und Markgraf Berthold von Zähringen.

1080 starb Rudolf von Rheinfelden. 1081 wurde von den oppositionellen Sachsen und Schwaben Hermann von Salm als Nachfolger gewählt. Dieser setzt 1083 Hermann den Reichenauer Mönch Werinhar als Gegenabt für St. Gallen ein. Er wurde nun von Ekkehard in St. Gallen eingeführt. Doch die Dienstmannen des Klosters setzen ihm so so, dass er 1086 freiwillig von seinem Amt zurücktrat. Nun blieb Ulrich unangefochten im Besitz der Abtei St. Gallen. 1086 kam Ulrich in den Besitz den Besitz des Patriarchats von Aquileja. Von da ab hielt er sich überwiegend in Italien auf. In Italien wird er mit der Gründung der Abtei San Gallo in Moggio im Friaul in Verbindung gebracht.

1086 wütete die Pest um St. Gallen, was das Elend der ohnehin unter  den Kriegswirren leidenden Bevölkerung noch vermehrte. 1092 kam Ulrich nochmals mit Waffengewalt aus Italien, als er den St. Gallener Mönch Arnold als Bischof von Konstanz einsetzen wollte, was ihm aber nicht gelang. Er musste unverrichteter Dinge abziehen. Ulrich starb am 13.12. 1121.

Die Wirren des Investiturstreits aber waren noch nicht zu Ende. Die kaiserlich gesinnte Partei des Konvents wählte Heinrich von Twiel zum Abt. Sie erhielt vom König auch die Bestätigung für ihren Kandidaten. Die jüngeren Konventsmitglieder setzten sich mit Konrad II. von Zähringen (+ 1152) in Verbindung. Dieser hatte gerade die Herzogswürde von seinem kinderlos verstorbenen Bruder Berthold III. übernommen. Die andere Partei hatte Mannegold von Mammern (1121-1131) zu ihrem Abt erwählt. Konrad kam nun im Gefolge von 600 Rittern nach St. Gallen, um Mannegold in sein Amt einzuführen. Für den Zähringer kam dies sicher nicht ungelegen, hatte doch noch Ulrich von Eppenstein den Hohentwiel besetzt und mit Konrad Vater Berthold II. einen erbitterten Streit um diese zähringische Veste geführt. So konnte er der Familie von Twiel gleich mal seinen beherrschenden Einfluss spüren lassen. Heinrich von Twiel flüchtete noch vor Ankunft des Zähringers über den Bodensee auf die Burg Zeil, die damals noch St. Gallen gehörte. Beide Kandidaten hatten ihren Streit vor den Kaiser gebracht. Der Hofrichter sprach dem Kaiser das Recht auf alleinige Entscheidung zu. Dieser entschied sich für den Kandidaten Konrads. Heinrich von Twiel ging garauf ins Kloster Zwiefalten. Die strittige Abtswahl hatte dem Kloster stark geschadet, da beide Rivalen versucht hatten,durch die Ausgabe von Lehen sich ihre Anhänger zu sichern oder neue zu gewinnen. Als Mannegold aber nun anerkannter Abt war, mühte er sich nach Kräften, verloren gegangene Güter wieder zu gewinnen. Er konnte auch die St. Gallischen Güter jenseits des Bodensees wieder gewinnen. In der Nähe von Wangen errichtete Abt Mannegold die Burg Prassberg, heute Leupolz, zur Sicherung dieser Güter jenseits des Sees. Die ministerialen des Abts haben von der Burg Prassberg aus bis 1356 Hoheitsfunktionen über Wangen ausgeübt.

Abt Mannegold starb nach 11 Jahren Regierungszeit am 1.5.1133. Werinher wurde zum Abt gewählt. Die Wahl verlief friedlich, was der Chronist eigens hervorhebt. Nach den Wirren der vorhergehenden Jahrzehnte war das auch sicherlich bemerkenswert. Wohl hatte auch die Klosterzucht gelitten. Abt Werinher versuchte diese gegen den Widerstand seiner Mönche wiederherzustellen. Er verklagte die Mönche sogar bei dem päpstlichen Legaten Dietwin, der für Papst Innozenz II. (1130-1143) unter Lothar von Supplinburg (1125-1137) in Deutschland war, als dieser 1134 nach Deutschland kam.

220px-Lothar_III.Dietwin war aus stammte aus Schwaben, war Prior in Maursmünster (Marmoutier) und ab 1125 Abt von Gorze. Er war später maßgeblich an der Wahl Konrads III. beteiligt. Ihm gelang ein Ausgleich zwischen Staufern und Welfen und auch bei der Heiligsprechung Heinrichs II. spielte er eine wichtige Rolle.

Natürlich brachte dieses Vorgehen wieder Unruhe ins Kloster, doch konnten der Propst und einige andere Brüder den klösterlichen Frieden wieder herstellen.

Abt Werinher rief auch Heinrich von Twiel aus Zwiefalten zurück und setzte ihn als Propst in St. Gallen ein.

Am 12. April 1139 bestätigte Papst Innozenz II. dem Kloster Sankt Gallen seine Besitzungen und frühere Privilegien.

K.._MOM-Bilddateien._~StiASG2jpgweb._~StiASG_11390412_A4-B2_r Abt Werinher erneuerte die Gebetsverbrüderung mit dem Kloster Reichenau.

Er errichtete die  Leonhardskirche zu Ehren der Heiligen Leohard und Egidius außerhalb der Stadt. Sie hatte ein Einzugsgebiet bis Hundwil. Am 13.2. 1153 nahm Papst Eugen III. (1145-1153) in seinen persönlichen Schutz und bestätigte ihren Besitz. Vor 1167 starb Graf Udalrich von Gammertingen ohne männliche Erben. Er war Schutzvogt der Abtei St. Gallen. Somit fiel die Vogtei an das Kloster zurück. Abt Werinher konnte die Vogtei für 300 Mark Silber an den Grafen Rudolf von Pfullingen verkaufen und damit Schulden tilgen. 1162 übertrug   der Welfenherzog Welf VI. das Stift St. Laurentius Ittingen ( bei Frauenfeld im Thurgau), das 1150 als Augustinerpropstei gegründet worden war.Die Übertragungsurkunde war von dem Konstanzer Bischof Hermann ausgestellt worden. Abt Werinher stirbt am 6.7.1167.

Sein Nachfolger Ulrich von Tegerfelden wurde kurz nach Werinhers Tod zum Abt gewählt. Er stammte aus einem aargauischen Freiherrengeschlecht, das sich nach seinem Stammsitz der Burg Tegerfelden im Surbtal nannte.  Sein Neffe Konrad von Tegerfelden war von 1209 bis 1233 Bischof in Konstanz. Vor seiner Wahl zum Abt war er Propst in St. Gallen. Sein Bestreben war entfremdete Klostergüter zurück zu gewinnen und die Rechte des Klosters zu sichern. Er verbesserte die Einkünfte und damit den Unterhalt der Brüder. Er sorgte für die Armen, Witwen und Waisen und kümmerte sich auch um verschieden Siedlungen frommer Frauen. Er konnte einen bedeutenden Klosterschatz anlegen, den er zuverlässigen Brüdern zur Verwaltung übergab.

Die Politik Friedrich Barbarossa (1152-1190) vor allem gegenüber dem Papst hatte in Deutschland nicht nur Anhänger sondern auch Gegner. Als 1170 in Chur der kaiserliche gesinnte Bischof Egino, der in Chur sei 1163 Bischof war, abgesetzt wurde, wurde  von der päpstlich gesinnten Partei der St. Gallener Abt Ulrich zum Bischof von Chur ernannt. Allerdings hielt vor allem der östliche Teil des Bistums weiterhin zum vorherigen Bischof. Als sich das  3. Laterankonzil  1179 unter Papst Alexander III., an dem auch Ulrich teilnahm, gegen die Häufung kirchlicher Ämter ausgesprochen hatte, verzichtete er auf den Churer Bischofstuhl.

1187 erneuerte der Mainzer Erzbischof Konrad die zwischen dem Kloster St. Gallen und dem Mainzer Domkapitel bestehende Gebetsverbrüderung.

Am 42.2 1199 legte Ulrich sein Amt als Abt nieder. Er starb vor dem 27.6. 1204 was sich aus einer Jahrzeitstiftung seines Neffen und späteren Konstanzer Bischof erschließen lässt.

Ihm folgte Ulrich von Veringen, Sohn des Grafen Marquard von Veringen. Zuvor war er Propst In St. Gallen. Er schaffte es in nur 49-wöchiger Amtszeit das Kloster in große Schulden zu stürzen. Er verpfändete die Klosterhöfe in Romanshorn, Hüttenwil und Elgg und veräußerte wertvollen Klosterbesitz. Als er 15.1.1200 starb hinterließ er noch ein ungedeckte Schuld von 70 Pfund.

Ihm folgte Heinrich von Klingen (1200-1204). Er war vorher ebenfalls St. Gallener Propst. Die Nichte seines Vorvorgängers Ulrich heiratete übrigens den Bruder Heinrichs. Er wurde erstmals unter Mitwirkung der Ministerialen und des Volkes gewählt. Daraus lässt sich der wachsende Einfluss von Laien auf innerklösterliche Angelegenheiten ersehen. Heinrich war ein Anhänger König Philipps von Schwaben, der 1200 in Ulm  seine Wahl bestätigte. Er besuchte die Hoftage in Bamberg 1201, Esslingen und Ulm 1202 sowie Ravensburg 1203. Er leistet Kriegsdienste gegen den Bischof von Würzburg und gegen den Landgrafen Hermann I. von Thüringen. Er war hervorragender Ökonom. Obwohl für die Hof-und Kriegsdienste 840 Mark an Kosten anfielen, konnte er die verpfändeten Höfe auslösen, veräußerte Güter zurückkaufen und die Schuld seines Vorgängers tilgen. Bei seinem Tod am 16.12. 1204 hinterließ er ein schuldenfreies Kloster. Unter Heinrich von Klingen war Heinrich von Sax Prior und Dekan. Er war Bruder des Albrecht von Sax, der 1188 erstmals erwähnt wird und als Stammvater der Freiherren von Sax gilt, einem rätischen Hochadelsgeschlecht. Heinrich reorganisierte um 1200 die Verwaltung des Klosters und hat sicher auch Anteil an der raschen wirtschaftlichen Gesundung der Abtei unter Heinrich von Klingen.

170px-Wappen_SaxEr protegierte auch seinen Neffen Ulrich, der Mönch im St. Gallener Kloster war. Er ermöglichte ihm das Studium in Paris und Bologna. Bologna gilt als die älteste Universität Europas und war vor allem für die Rechtswissenschaften berühmt. Paris war der Hort der Scholastik mit berühmten Lehrern wie Albertus Magnus, Bonaventura und Thomas von Aquin. Als Ulrich wieder in St. Gallen war, war er Portarius, in mittelalterlichen Klöstern ein sehr wichtiges Amt. Er wurde 1204 zum Abt gewählt und ließ sich diese Wahl von Philipp von Schwaben wohl 1207 bestätigen und erhielt dabei die Regalien als Abt verliehen. Damit sind die St. Gallener Äbte Reichsfürsten. Auf die kirchliche Weihe scheint Ulrich verzichtet zu haben. Die klösterlichen Machtmittel setzte er hemmungslos für familienpolitische Zwecke ein. Er griff mit Waffengewalt in eine Fehde ein, die Heinrich von Sax der Bruder des Abts gegen den Grafen Hugo I. von Montfort führte, wo es um die Gebiete der späteren Herrschaft ging. Nach der Ermordung Philipps von Schwaben zog er Schirmvogte über das Kloster zurück und verlieh sie teilweise an seinen Bruder Heinrich. Der Kontrahent Philipps, der Welfe Otto IV. und bis zu Philipps Tod ranggleich mit dem Staufer, wurde nach der veränderten Lage auch von den Gegnern anerkannt. Heinrich musste die Vogtei über St. Gallen an Otto zurückgeben, erhielt dafür aber die über Pfäfers und 300 Mark Silber. Auch die Auseinandersetzung um die Zugehörigkeit der Burg Rheineck zum Bistum Konstanz oder dem Kloster Sankt Gallen mit dem Reichshof Thal war ein heftiger Streitpunkt. Rheineck war damals ein wichtiger Umschlag- Lage und Handelsplatz an der Nord/Südachse. Auch diesen Konflikt suchte Abt Ulrich militärisch zu lösen. 1208 verloren seine Truppen auf dem Breitfeld gegen Bischof Werner von  Staufen (1206-1209), der von den Grafen von Kyburg unterstützt wurde. Zur Erinnerung an die Schlacht wurde ein Bildstock errichtet. König Otto zog diesen ehemals staufischen Besitz zurück ans Reich.

Als Papst Innozenz III. Otto 1210 bannte, weil dieser nach Italien gezogen war und weite Teile des Kirchenstaates besetzt hatte, wählten süd-und mitteldeutsche Fürsten, die antiwelfisch eingestellt waren, den Staufer Friedrich in Nürnberg auf Betreiben des Papstes zum “anderen Kaiser”. Friedrich nahm die Wahl an und zog über die Alpen. Abt Ulrich und sein Bruder Heinrich zogen dem “kint von Pülle” entgegen. Von dort aus zog der Staufer nun nach Konstanz, wo er erst nach Verlesen der Bannbulle für Otto in die Stadt eingelassen wurde. Otto, der in Überlingen auf die Fähre gewartet hatte, kam drei Stunden später in Konstanz an. Von dort aus setzte Friedrich zur Eroberung seiner Herrschaft an. Die beiden Herren von Sax standen sofort voll auf Seiten der Staufer. Ulrich ging als Leiter einer königlichen Gesandtschaft zu Papst Innozenz. Dieser verlieh ihm das Recht, die Inful zu tragen. 1217 schickte ihn Friedrich zum neuen Papst Honorius III.,  der nach dem Tode von Innozenz gewählt worden war, um ihm die Glückwünsche zu überbringen. Von ihm erhielt er das Recht, Ring und Mitra zu tragen. Vom Papst wurde er wiederholt zum Schiedsrichter in innerkirchlichen Streitigkeiten eingesetzt so zum Beispiel bei einem Streit um eine Äbtissinnenwahl in Zürich. Er konnte die Meiereien Tübach, Rorschach und Höchst einziehen und so die Klosterherrschaft stärken. Vom König erhielt er einen Teil der Vogtei zurück, die er an seinen Bruder verlieh. Zu Sicherung des Weges von der Herrschaft Sax und St. Gallen und zur Stärkung der äbtischen Herrschft ließen Ulrich und sein Bruder die Burg Clanx auf einem steilen Hügel hoch über Appenzell errichten.

1212 war Friederich ja nach St. Gallen gekommen. Bei diesem Besuch erhob er St. Gallen zur freien Reichsstadt.

1213 stiftet Friedrich den Ritterorden vom Bären, auch Bärenorden oder St. Gallus-Orden genannt. Er wurde für treue Dienste verliehen und der Abt als Großmeister des Ordens konnte weitere Ordensverleihungen vollziehen.

1215 kommt es mal wieder zu einem großen Stadtbrand. Mit Ausnahme des Klosters und von 6 Häusern brennen alle Häuser ab.

1220 zog Friedrich wieder nach Italien. Ulrich sollte ihn begleiten. er wurde aber von einem Fieber erfasst, an dem er am 23.9.1220 starb.

Abt Ulrich war sehr kriegslustig, aber auch tatkräftig, hochgebildet und in manchem seiner Zeit weit voraus. So richtete er zum Beispiel eine Wöchnerinnenfürsorge ein, durch die arme Frauen 40 Tage lang gepflegt und unterhalten wurden – und das um 1220!

Auf Ulrich folgte Rudolf von Güttingen. Er ist erstmals 1208 als Konventuale des Klosters Sankt Gallen. Er stammte aus dem Freiherrengeschlecht, derer von Güttingen einem thurgauischen Freiherrengeschlecht in einem kleinen Dorf direkt am Bodensee in der Nähe von Romanshorn sesshaft. Rudolf war von 1211 bis 1219 Propst und bis zu seiner Abtswahl Dekan. Seine Wahl zum Abt wurde von Friedrich II. bestätigt. Dieser Abt kam dem Kloster mal wieder teuer zu stehen. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit kaufte er sich für 350 Mark von der Verpflichtung frei, am Romzug Friedrichs II. teilzunehmen. Er konnte zwar eine freiwillige Besteuerung der Konventualen und Ministerialen erreichen und die Schulden bis auf 200 Mark abtragen. Dann aber war im Bistum Chur der Bischof (1209-1221) Arnold von Matsch gestorben. Rudolf versuchte nun, seinem Bruder Albert von Güttingen den Churer Bischofsstuhl zu verschaffen. Es kam zu einer Doppelwahl. Albert und Heinrich von Realt wurden gewählt. Papst Honorius sollte nun entscheiden. Bevor die Entscheidung fiel, starben beide Kandidaten. Nun wollte Rudolf den Bischofsstuhl. Er hatte zwar Erfolg, aber auch enorme Kosten. Er wurde spätestens 1224 Bischof in Chur. Vom Papst ließ er sich für drei Jahre eine Dispens erteilen, um auch Abt in St. Gallen bleiben zu können. Der Papst übertrug ihm für sechs Jahre die Pfründe seines verstorbenen Bruders, um seine Schulden abzahlen zu können. 1226 war in Italien und nahm am Reichstag von Cremona teil. Wohl hoffte er auch vom Papst die Verlängerung seiner Dispens zu erhalten, um weitere beide Ämter behalten zu können. Aber Papst Honorius forderte den St. Gallener Konvent mit der am 25. Mai 1226 im Lateran ausgestellten Urkunde, innerhalb von 20 Tagen einen neuen Abt zu wählen. Rudolf erlag am 18.9.1226 in Rom einem Fieber. Er wurde in der Laterankirche beigesetzt. Dem Konvent aber hinterließ er 1400 Mark Schulden.

Konrad von Bussnang (1226-1229) stammte aus dem Geschlecht der Freiherren von Bussnang aus dem mittleren Thurgau. Er wird 1221 als Propst im Kloster Sankt Gallen erwähnt. Sobald sie Todesnachricht Abt Rudolfs in St. Gallen eintraf, wählten die Mönche einen Nachfolger, um die Einflussnahme des Dienstadels zu vermeiden.

Mit der Wahl des jungen Mannes wurden sie vor vollendete Tatsachen gestellt. Konrad ließ sich die Wahl von Heinrich VII. (1211-1242) Ende Oktober 1226 in Überlingen bestätigen und er erhielt die Regalien. Er sollte allerdings dem Grafen  Hartmann IV. von Kyburg Teile der Vogtei überlassen. Diesem Ansinnen Heinrichs

410px-Wappen_Toggenburger_Stumpf 220px-Wappen_Kyburger_Stumpf

das dieser zusammen mit dem ebenfalls anwesenden Reichsverweser Ludwig I. von Baiern konnte sich der neue Abt aber widersetzen. Er erhielt für 600 Mark sogar das Pfandrecht für die Vogtei über das Klosters. Die nächste Bewährungsprobe war die “Toggenburger Frage” Friedrich von Toggenburg war 1226 von seinem älteren Bruder Diethelm ermordet worden. Abt Konrad ließ den Ermordeten ehrenvoll im Kloster Sankt Gallen bestatten. Die Eltern Guota von Rapperswil und Diethelm I. vermachten dafür dem Kloster Sankt Gallen Alt Toggenburg und das Städtchen Wil. Der Urheber der Mordtat Diethelm II. ging dagegen natürlich an. Aber geächtet und gebannt, war das nicht so einfach. Es gab eine langjährige Fehde, aber letztlich behielt Sankt Gallen die Oberhand.

Auch das Problem der von Abt Rudolf hinterlassenen Schulden ging Abt Konrad zügig an. Eine Versammlung aller Klosterangehörigen bewilligte eine Sondersteuer, die so viel einbrachte, dass am 12.5.1230 in Bologna mit den Gläubigern, einem Konsortium italienischer Kaufleute, ein Vergleich  ausgehandelt werden konnte.Konrad ist ein treuer Parteigänger und einer der wichtigsten  Ratgeber Heinrich VII. Zum Dank dafür erhält er 1229 den Hof von Kriessern, einen Reichshof im St. Galler Rheintal.

K.._MOM-Bilddateien._~StiASG1jpgweb._~StiASG_12290818_FF3-Z6_r1228 schenkten Berthold Kuchimeister und Ulrich Blarer, dessen Familie in der St. Gallener Spitalverwaltung eine große Rolle spielte, einer Frauengemeinschaft von Beginen die Hofstatt bei St. Mangen, was Abt Konrad bestätigte. Damit war der Grundstein zum Katharinenkloster gelegt.

Als sich 1235 Heinrich VII. gegen seinen Vater erhob, stellte sich Konrad voll auf die Seite Friedrichs II. Für die Abtei zahlte sich das aus. Denn das Hofgericht  beendete in Hagenau mit Billigung Friedrichs die Auseinandersetzung, die 1227, 1232 und 1235 ja auch mit Waffengewalt geführt worden war, zugunsten der Abtei St. Gallen und Abt Konrads. Bei seinen Untergebenen war Konrad nicht unbedingt beliebt, denn er setzte die Ansprüche des Klosters mit harter Hand durch. Nur die Versicherung, dass er schwer krank sei, und an eine Genesung nicht mehr zu denken sei, verhinderte, dass der Abt ermordet wurde.

Am 5. Mai 1234 bestätigte Gregor IX. in der im Lateran ausgestellten Urkunde dem Kloster den Besitz und die Freiheiten.

Sein Hofdienst, der Unterhalt eines stehenden Heeres für seine vielen militärischen Unternehmungen brauchten viel Geld. Trotzdem hinterließ er bei seinem Tod keine Schulden. Er hatte den Klosterbesitz sogar erweitert. De geistlichen Bereich seines Amtes war nicht der Schwerpunkt seiner Tätigkeit. Visitationen seines Klosters konnte er mit einem Geschenk von 200 Mark an die Kurie abwenden. Er starb am 20.12. 1239. Seinem Wunsch entsprechend wurde er im Kloster Salem bestattet.

1239 wurde in einer zwiespältigen Wahl Walther von Trauchburg zum Abt gewählt.

Er stammte aus einem edlen Adelsgeschlecht aus dem heutigen Weitnau im Landkreis Oberallgäu. Sein Vater Berthold war kaiserlicher Projurator für Schwaben. Seine Mutter stammte aus dem thurgauischen Adelsgeschlecht von Güttingen. Es gab eine Doppelwahl. Gewählt wurde der Klosterprobst Heinrich von Eichen. Dieser musste ziemlich betagt sein, denn er wurde schon unter Abt Heinrich von Klingen (1200-1204) als Propst genannt. Aber auch Walther wurde gewählt. Papst Gregor IX. beauftragte nun den Bischof von Como, Uberto die Sala (1228-1259) am 2. Juni 1240, die Rechtmäßigkeit der beiden gewählten Äbte zu überprüfen, den rechtmäßigen zu bestätigen oder eventuell eine Neuwahl durchführen zu lassen. Der Konstanzer Bischof Heinrich von Tanne (1233-1248) hatte in dem Streit vermittelt. Im Gegenzug übergab Walther dem Bischof wichtige päpstliche und bischöfliche Urkunden, die das Verhältnis zwischen Abtei und Bistum regelten. Er war dem Bischof ergeben, so dass die Abtei nun voll auf  Konstanzer Seite stand. Das freundschaftliche Verhältnis hielt auch bei Walthers Nachfolger an. Walthers Bruder war Berthold von Trauchburg, der es zu kaiserlichen Hofrichter (1228-1244) brachte. Der Abt stand auf Seiten der Staufer. Im Kampf gegen den Papst leistete er König Konrad IV. Waffenhilfe gegen den Erzbischof von Mainz, wofür er gebannt wurde. Er wirtschaftete das Kloster aber herunter, so dass er und der Propst 1244 übereinkamen aus ihren Einkünften jährlich 50 Mark zur Verfügung zu stellen, um verpfändete Güter einzulösen oder neue zu kaufen. 1244 erneuerten die Toggenburger Grafen ihre Fehde gegen den Abt. Sie besetzten Wil. Walther begann mit Kriegsvorbereitungen, fühlte sich der Lage aber nicht gewachsen und trat am 25.11. 1244 zurück. Er trat als Predigermönch in das Dominikanerkloster in Konstanz ein. Danach verliert sich seine Spur.

300px-OberfalkensteinAm Tag als Abt Walther sein Amt niederlegte, wurde Berchtold von Falkenstein zum St. Gallener Abt gewählt. Er stammte aus der Familie von Falkenstein, die ihren Sitz im oberen Tal der Schiltach nahe Schramberg hatte. Die Freiherren von Falkenstein stellten Äbte in den Klöstern Sankt Gallen, Reichenau, St. Georgen und Einsiedeln. Auch Chor-und Domherren in Straßburg stammen aus der Familie. Berchtold war bis zu seiner Wahl Pförtner in St. Gallen. Kaum gewählt setzte er sich gegen die Grafen von Toggenburg zur Wehr. Mit Hilfe von Graf Hartmann dem Älteren von Kyburg und Bischof Heinrich von Tanne eroberte er Wil nach fünfwöchiger Belagerung zurück. Er versuchte den Frieden abzusichern mit der Heirat Elisabeth von Bussnangs, einer Verwandten von ihm und Graf Kraft I. von Toggenburg, Sohn des Diethelms. Trotzdem eroberte der Graf die Burg Iberg, die um 1230 von Heinrich von Iberg erbaut wurde und wohl als Verwaltungszentrum für die Rechte und Güter des Klosters um Wattwill diente. 1255 musste er sie allerdings endgültig an das Kloster zurückerstatten.

Noch vor 1246 wechselte Abt Berchtold das politische Lager. Bisher stand die Abtei traditionsgemäß auf Seiten des Kaisers. Der Abt wurde nun einer der wichtigsten politischen Führer auf päpstlicher Seite. Das trug ihm das Wohlwollen des Papstes ein.

Am 15.5. 1247 gewährt Papst Innozenz IV. dem Abt den Gebrauch der Mitra und weiterer Insignien.

1248 begünstigte der Papst allerdings ohne Erfolg den Abt bei den Vakanzen der Bistümer Basel, Chur und Konstanz. In Konstanz wurde als Nachfolger Heinrichs von Tanne dessen Neffe Eberhard von Waldburg (1248-1274) zum Bischof gewählt. Das anfänglich noch gute Verhältnis zum Sankt Gallener Abt trübte sich rasch ein und wurde schnell zu einer erbitterten Fehde. Der Papst hatte am 30. Mai 1250 den Abt von Kloster Einsiedeln beauftragt, das Kloster Rheinau mit dem Kloster Sankt Gallen zu vereinigen. Am gleichen Tag bestätigte er die Besitzeinweisung des St. Gallener Abtes. Das wurde vom Konstanzer Bischof aufs heftigste bekämpft. Kaum war dies ausgestanden, kam es zu neuen blutigen Auseinandersetzungen. Diesmal ging es um das Recht Bannalien einzuziehen und Pfründe zu verleihen, das der Bischof auch für äbtisches Gebiet forderte. Bischof Eberhard fiel mit großer Heermacht in stiftischem Gebiet ein. Abt Berchtold kam mit innerschweizer Söldner bis vor die Tore von Konstanz.  Außerdem belegten  sich die beiden Kontrahenten gegenseitig mit Kirchenbann. 1254 brachten die beiden die Sache persönlich vor Papst Innozenz. Der Metzer Bischof Jakob von Lothringen (1239-1260) vermittelte in dem Streit. Neue Spannungen brachte die Einsetzung Berchtolds als Koadjutor des Klosters Reichenau durch ein von Papst Alexander IV. eingesetztes Gremium der Äbte von Ottobeuren, Einsiedeln und Neuweiler. Diese lösten sich erst, als der St. Gallener Konventuale Alber von Ramstein Abt auf der Reichenau wurde. Neuen Zündstoff lieferte die Auseinandersetzung um das Erbe der Rappeswiler und Kyburger Grafen, das sowohl der St. Gallener Abt als auch der Konstanzer Bischof für sich erhofften. Doch da gingen beide leer aus.

Als Konradin am 29. 10.1268 in Neapel hingerichtet worden war, bemächtigte sich Abt Berchthold auch der Burg Rheinegg, die gegenüber der Reichstadt Lindau gelegen war. Die Lindauer erkannten 1268 den Abt als ihren Schutzherren an. 1270 gab Abt Berchthold ein glänzendes Ritterfest in St. Gallen, bei dem etwa 900 Ritter anwesend waren. Aufwendige Hofhaltung, ein deutlich größerer Beamtenapparat und die vielen Fehden beanspruchten die Wirtschaft des Klosters stark. Trotzdem konnte der Abt den Finanzhaushalt in Ordnung halten, was ihm aber nur durch rücksichtslose Ausnützung der Gotteshausleute gelang. 1271 zog der herrische Abt in Lindau ein, um Gericht zu halten. Die Lindauer nahmen ihn kurzerhand gefangen. Auch taten sich die Leute von Grüningen, Wil, Appenzell, St. Gallen und Wangen zu einem geheimen Bund zusammen. Als Abt Berchtold am 10.6. 1272 in St. Gallen verstarb, sollen die Leute von Appenzell vor Freude auf der Straße getanzt haben.

Am 14.6. 1272, also kurz nach dem Tod Berchtholds wurde ein neuer Abt gewählt. Es kam zu einer Doppelwahl. Die Bürger der Stadt und Dienstmannen wählten Ulrich von Güttingen, der aus dem gleichen Freiherrengeschlecht wie Abt Rudolf (1220-1226) stammte. Der Gegenkandidat Heinrich von Wartenberg war abgelehnt worden, weil dieser mit dem verstorbenen Vorgänger Berchthold verwandt war und somit keine guten Karten bei den Bürgern hatte. Ulrich hatte die stärkere Partei hinter sich und konnte so seinen Kontrahenten mit Waffengewalt aus St. Gallen vertreiben. Eine blutige Fehde brach aus und ruinierte das Kloster finanziell. Um die Bürger  günstig zu stimmen, hatte ihnen Ulrich 1272/1273 eine Handfeste ausgestellt, das ist eine Urkunde, die dem Berechtigten ausgehändigt wird und ein Recht absichert. Der größte Teil, der Güter, die Berchthold erworben hatte, ging verloren, selbst die 1500 Mark mit denen eigentlich Grüningen erworben werden sollte. Auch der Kirchenschatz wurde veräußert.

1273 anerkannten die Gotteshausleute und die Stadt den Grafen Rudolf von Habsburg als Schirmherrn. Als Sohn der Hedwig von Kyburg übernahm er nach dem Tod Hartmanns von Kyburg dessen Güter, nachdem dessen Sohn ohne männliche Erben verstorben war. Diese lagen im Zürichgau, Thurgau und im Bereich des Klosters Sankt Gallen. Als Rudolf 1273 überraschend zum deutschen König gewählt worden war, betrachtete er die Schirmherrschaft als neue Reichsvogtei. Abt Ulrich reiste noch im selben Jahr nach Köln, wohl um einen dem Kloster günstigen Vogt

520px-Rudolf_Speyerer_Dom zu erwirken. Doch Rudolf setzte Ulrich von Ramschwag ein und das Kloster musste ihn belehnen. Sicher kam Rudolf die ganze Angelegenheit zupass. Das Kloster war ein bedeutendes politisches und wirtschaftliches Zentrum geworden und das mitten im Einflussbereich der Habsburger. Bedingt durch den langen Aufenthalt am Hof, geriet Abt Ulrich weiter in finanzielle Schwierigkeiten. Er musste dem König mehrere Güter, darunter Grüningen abtreten. Ulrichs Gegenspieler Heinrich von Wartenstein verstarb am 26.4. 1274. Die Anhänger Heinrichs waren erbittert über die Verschleuderung von Klostergütern und wählten den Dekan Rumo von Ramstein zum Abt. Die Abtei hatte weiterhin zwei Äbte. Die Kämpfe dauerten an. Am 14.2. 1277 starb Ulrich von Güttlingen. Nach dessen Tod wurde Rumo auch von den Gegnern als Abt anerkannt. Rumo hatte sich auch gegen die Eingriffe des Vogts zu erwehren. 1277 konnte er die Burg Clanx, den Mittelpunkt der äbtischen Herrschaft Herrschaft in  Appenzell  zurückgewinnen. Allerdings musste er dafür die Burg Blatten im Rheintal und den Hof Waldkirch abgeben. Er geriet auch noch in Konflikt zu den Appenzellern, weil der deren Amman Hermann von Schönenbühl gefangen hielt. Abt Rumo musste auch Klosterbesitz verleihen oder veräußern. Er verkaufte den Kirchenschatz, selbst Bücher um an Geld zu kommen. Auch ein Verbot der willkürlichen Besitzergreifung von Klosterbesitz durch Papst Johannes XXI. am 7. März 1277 und das Privileg vom 15.3. 1277 ebenfalls in Viterbo, Schulden des Vorgängers nicht bezahlen zu müssen, wenn diese nicht nachweislich zum Nutzen des Klosters gemacht worden waren, halfen nicht viel weiter. Da er der Lage nicht mehr gewachsen war, resignierte er 4.12. 1281. Ihm Vertrag vom 15.1.1282 sicherte ihm sein Nachfolger Wilhelm eine jährliche Rente von 100 Mark zu.

K.._MOM-Bilddateien._~StiASG1jpgweb._~StiASG_12820115_B4-B1_rRumo starb an einem 20.08. zwischen 1297 und 1303.

Die Grafen von Montfort sind eine Seitenlinie der Pfalzgrafen von Tübingen. Der Sohn des Pfalzgrafen Hugo nannte sich etwa ab 1200 Hugo von Montfort nach dem Stammschloss Montfort bei Götzis. Wilhelm von Montfort war der Sohn des Grafen Hugo II. von Montfort-Feldkirch. Seine Mutter war eine Schwester des Markgrafen Heinrichs von Burgau. Seine Brüder waren Friedrich, der später Bischof von Chur (1282-1290), Heinrich, Dompropst von Chur, Rudolf I. von Montfort-Feldkirch, Ulrich I. Herr von Sigmaringen und Bregenz und schließlich Hugo III., der die Tettnanger Linie der Montforter begründete. Wilhelm ist am 1.7. 1272 urkundlich als Subdiakon nachzuweisen. Seine Wahl erfolgte unter starkem Einfluss seines Bruders Friedrich.

Wilhelm reiste zum Hoftag nach Augsburg und bekam im Dezember 1282 die Regalien verliehen. Trotzdem kam es sofort zum Konflikt. Die Abtei war weiterhin den Habsburgern ein Dorn im Auge. König Rudolf belehnte den Klostervogt Ulrich von Ramschwag weiterhin mit Gütern auf Kosten der Abtei. Natürlich setzte sich Abt Wilhelm zur Wehr. Es kam zur offenen Fehde. Ganz in der Nähe Wils gründet der König Schwarzenbach auch als Gegenstadt Trutzwil bekannt. Abt Wilhelm lebte aus Kostengründen meist auf der Burg Rappenstein, in Dijon oder Verona. Er hatte drastische Pfründenkürzungen vorgenommen, was bei denen, die es trifft natürlich keine Freunde schafft. Außerdem hatte er verlangt, dass alle Mönche die Priesterweihe empfangen sollten. Dagegen klagten drei Mönche. Rudolf nutzte seinen Einfluss auf den päpstlichen Legaten, Johannes von Tusculum, und ließ einen Prozess gegen Wilhelm anstrengen. 1287 oder 1288 spricht ein geistliches Gericht Abt Wilhelm schuldig. Im Oktober setzt Rudolf den  Konrad von Gundelfingen zum Abt in Sankt Gallen ein, der in Kempten Nachfolger des Adminstrators Rudolf von Hohenegg war. Konrad führte nun einen erbitterten Krieg gegen Wilhelm. Wilhelm verlor nun einen Platz nach dem anderen. Er zog sich schließlich auf die Burg Alt-Aspermont bei Trimmis zurück, die seinem Bruder Heinrich gehörte. Auch sein anderer Bruder Friedrich, der Bischof von Chur, war in die Kämpfe einbezogen. Er

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wurde nach einem verlustreichen Gefecht gefangen genommen und starb 1290 nach einem Fluchtversuch aus seinem Haftort, der Burg Werdenberg des königlich gesinnten Hugo von Montfort. Die vielen Kriege brachten die Abtei an den Rand des Ruins und Gegenabt Konrad konnte kaum mehr den Sold seines Heeres bezahlen. Die Lage änderte sich schlagartig als König Rudolf am 15. Juli 1291 in Speyer starb.

Wilhelm konnte am 25. Juli als rechtmäßiger Abt nach St. Gallen zurückkehren. Die Bürger verjagten Konrad und den Vogt Ulrich von Ramschwag. Zwar versuchten Konrad von Schwarzenberg aus nochmals den Kampf. Er blieb aber erfolglos. Er erhielt 100 Mark und ging nach Kempten zurück. Am 31. Juli 1291 stellte er den Bürgern von St. Gallen eine Handfeste aus, in der er erkannte, dass alle Bürger völlig gleichgestellt sind, freies Erbrecht und freie Verfügung über ihren Besitz haben. Er stellte sich auf die antihabsburgische Seite. König Rudolf hatte es nicht geschafft, einen seiner Söhne zu seinen Lebzeiten als Nachfolger wählen zu lassen. Das war am widerstand der Kurfürsten gescheitert. Sie wollten keinen König, der sich auf Hausmacht stützte. Auch sollte der Schein von Erbfolge vermieden werden. Nicht Rudolfs Sohn Herzog Albrecht wurde am 5.5.1292 zum deutschen König gewählt sondern Adolf von Nassau. In den Habsburger Landen gab es Aufstände, so dass sich Albrecht mit dem neuen König abfinden musste. In seinem Machtbereich schritt er aber mit dem Ausbau seines landesherrlichen Regiments zügig fort. Seit 1295 war Wilhelm unbehelligt im Besitz seines Klosters. er hatte allerdings Wil an Albrecht verloren. Das war schon 1292 von den Habsburgern im Handstreich genommen worden und in Flammen aufgegangen.

Am 1.September stellt Adolf von Nassau für Abt Wilhelm eine Urkunde aus “ gibt seinem lieben fürsten dem Abt Wilhelm von St. Gallen für dessen (ihm gegen frankreich in aussicht gestellte) dienste und zur wiedergutmachung des großen schadens, den das in der diözese Konstanz gelegenen gotteshaus St. Gallen durch seinen vorgänger könig Rudolf erlitten hat, fünfhundert mark lötigen silbers konstanzer gewichts und überläßt ihm (statt deren) alle steuern und sonstige einkünfte (des reiches) in stadt und land St. Gallen, mit alleiniger ausnahme des königlichen vogtrechtes und vogtgerichtes, auf so lange zeit (zum pfande), bis die genannten fünfhundert mark durch ihn, den könig selber oder durch seine nachfolger gänzlich entrichtet sein würden, wobei jedoch das (pfand-)erträgnis vom kapitale nicht abgerechnet werden dürfe.” Es handelt sich wohl um die Stellung von 20 Reitern. Am 1.12. 1297 schlug König Albrecht weitere 100 Mark auf die 500 und am 9.6. 1298 vereinigte König Adolf in Rouffach  frühere Schenkungen an Abt Wilhelm zu einer Summe von 1000 Mark. Am 25.6. 1298 gab es einen Nachtrag zur Pfandurkunde vom 9.6., dass darin auch die Einnahmen der Vogtei inbegriffen seien. Abt Wilhelm sah sich auf einem guten Weg zur vollständigen Herrschaft über St. Gallen. Doch die Schlacht bei Göllheim am 2. Juli 1298 machte

220px-Tod_Adolf_von_NassauWilhelms Hoffnungen zunichte. Die Kurfürsten hatten Adolf von Nausau im Juni 1298 fallen gelassen, weil die erhofften und zum Teil auch zugesagten Vergünstigungen nicht gewährt wurden. Nun wurde Albrecht zum König ausgerufen. Daraufhin kam es zur Schlacht beim Göllheim, bei der Adolf von Nassau fiel. Der neue König anerkannte die Schenkungen des verstorbenen Königs nicht an. Es kam zu langwierigen Verhandlungen zwischen der Abtei und den Söhnen Albrechts. Erst am 16.10.1301 kam es zu einem endgültigen Frieden. Diesen erlebte Wilhelm aber nicht mehr. Er starb am 11.10 1301, also kurz vorher.

Wilhelm hatte noch die 1292 zerstörte Burg Clanx wieder errichten lassen Im Zuge des gütlichen Vergleichs, der den Frieden vom 16.10. ermöglichte wurde Wil an das Kloster Sankt Gallen zurückgegeben.

Der Nachfolger Wilhelms wurde wieder in einer zwiespältigen Wahl gewählt. Heinrich von Ramstein (1301-1318) ist vor 1230 geboren. Ob er mit seinem Amtsvorgänger Rumo verwandt war, lässt sich nicht feststellen. Er war aber einer der drei Mönche die 1287 bei Rudolf gegen Abt Wilhelm klagten. 1278 ist er Pförtner. Nach der Wahl gab es einen längeren Zwist. Doch konnte er seinen Gegner, den Kämmerer Ulrich von Trauchburg, mit Einkünften abfinden. Am 7.12. 1301 erhielt er von König Albrecht in Heilbronn die Regalien. Die neuerliche Verpfändung der Reichsvogtei wurde ihm aber verweigert. Mit dem Konstanzer Bischof Heinrich II. von Klingenberg (1293-1306) stand er gut. Dieser weihte ihn im Oktober 1301 im Kloster St. Georg in Stein am Rhein zum St. Gallener Abt. Dafür  musste er aber die Herrschaft Conzenberg in Wurmlingen bei Tuttlingen abtreten. Heinrich bemühte sich, die ererbten Schulden abzutragen. Dazu veräußerte er Klostergut. Aber er erhöhte auch die Steuern rigoros. Das machte ihn bei den Gotteshausleuten so verhasst, dass er auf Drängen der Konventualen für drei Jahre seinen Bruder zum Pfleger der Abtei ernannte. Die im Vergleich zum Aufbau von Wil ausgehandelten Vereinbarungen wurden so schleppend umgesetzt, dass sich der Aufbau über Jahre hinzog. Auch beanspruchte Albrecht die Vogtei über Wil. Auch beim neuen König Heinrich VII. (1308-132) fand Abt Heinrich wenig Entgegenkommen. Am 17.4. 1309 wurden zunächst nur die alten Freiheiten bestätigt. Am 1.5.1310 wurde schließlich die Rückgabe der Vogtei über Wil erreicht und am 22.3.1311 wurde die Rückgabe der Pfandsumme von 1300 Mark, die mit König Adolf von Nassau vereinbart worden war, geregelt.

Am 23.10.1314 kommt es zum großen Klosterbrand. Auch die Stadt wird stark in Mitleidenschaft gezogen und fast alle Häuser brennen ab. König Friedrich der Schöne, der in der Doppelwahl von 1314 wie auch Ludwig der Bayer zum Nachfolger Heinrich VII. gewählt worden war,der 1313 plötzlich verstorben war, befreite am 8. April 1315 die Stadt Sankt Gallen bis Martini 1320 wegen des Brandes von allen Abgaben an das Reich.

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Heinrich hatte den Propst Heinrich von Lupfen und den Sankt Gallener Stadtbürger Konrad Kuchimeister mit dem Wiederaufbau des Kloster beauftragt. Der Abt erkrankte 1316 schwer und starb am 22.7.1318 hochbetagt im Alter von 90 Jahren.

Nachfolger Abt Heinrichs wurde Hiltbold von Werstein. Die Stammburg der Edelfreien von Werstein lag oberhalb von Fischingen im oberen Neckartal. Das Geschlecht wird wegen einer Schenkung an das Kloster Hirsau um 1100 erstmals urkundlich erwähnt. Hiltpolt ist erstmals 1279 im Kloster Sankt Gallen nachzuweisen. 1284 war er Thesaurar und 1287 gehörte er als einer der drei Mönche zu den Klägern gegen Abt Wilhelm von Montfort. Damit hatte der zweite Kläger Karriere gemacht. Außer ihm war wieder Wilhelm von Trauchburg als Kandidat aufgestellt. Da die Ministerialen aber Hiltbold stützen unterlag Ulrich wieder. Die deutsche Königskrone war ja noch strittig, so dass Hiltbold die Regalien nicht erhielt. Hiltbold hatte sich in dem Streit zunächst neutral verhalten. Er näherte sich dann aber der Habsburgischen Partei an und am 30. Juni 1319 gelobte  Herzog Leopold von Österreich für sich und seine Brüder dem Abt von St. Gallen Schutz und Hilfe. Am 17.11. 1318 hatte er den Bürgern von Sankt Gallen schon eine Handfeste ausgestellt mit genau demselben Text wie Abt Wilhelm 1291.

Geweiht wurde er von dem Konstanzer Weihbischof Johannes.

Er trat nochmals in Erscheinung, als er am 15.11. 1323 in einem Grenzstreit zwischen Appenzell und Hundwil vermittelte. Gegen seinen Willen wird er in Streitigkeiten mit den Grafen Diethelm und Friedrich von  Toggenburg verwickelt, die Herzog Leopold am 27.11. 1325 schlichtet. Wirtschaftlich ging es der Abtei nicht gut, wie man aus den vielen Verpfändungen und Veräußerungen ablesen kann. Abt Hiltbold wurde aus Alterschwäche regierungsunfähig und man vertraute das Siegel um den Jahreswechsel 1325/1326 einem Konventualen, einem Ministerialen und einem Stadtbürger an. Der kranke Abt verbrachte seine letzten Tage zunächst auf Burg Falkenstein, später auf Burg Appenzell, wo er am 13.12. 1329 über 80 Jahre alt verstarb.

1330 kam nochmals ein Mitglied der Familie von Montfort auf den Abtsstuhl von St. Gallen. Rudolf von Montfort ist um 1260 als Sohn des Grafen Rudolf II. von Montfort-Feldkirch und der Agnes von Grüningen geboren. Sein Onkel war Wilhelm, der St. Gallener Abt. Seit 1283 ist er als Domherr in Chur nachgewiesen. 1303 hielt er sich zum Studium der Rechte in Bologna auf. 1307 war er Domprobst in Chur wie sein Onkel Heinrich, der ebenfalls Domprobst in Chur war. Als sein Bruder Hugo IV. 1310 starb, wurden er und sein jüngerer Bruder Ulrich Vormund für ihren unmündigen Neffen. Ulrich war wie Rudolf ebenfalls Geistlicher und hatte auch in Bologna Recht studiert. In ihrer Regierungszeit für Feldkirch siedelten sie Walser an, die sie mit besonderen Privilegien versahen. Sie förderten die Freiheitsrechte der Feldkircher Bürger. Die erste Niederschrift des Feldkircher Stadtrechts 1310 geht wohl auf sie zurück. In Chur war Bischof Siegfried 1321 gestorben. Rudolf wurde zum Bischof gewählt und trat sein Amt am 19. Juli 1322 an. Schon im Oktober wurde er aber von Papst Johannes XXII. zum Bischof von Konstanz ernannt. In Konstanz war der Bischofsstuhl seit einer Doppelwahl im Jahre 1318 vakant. Bis 1325 verwaltete er nun beide Bistümer.Die Finanzen in Konstanz waren total zerrüttet. Er ging zunächst mal diese vordringliche Aufgabe an und sanierte die Finanzen des Bistums. Er versuchte auch die kirchlich-religiöse Situation zu verbessern. Er gab Satzungen zur Amts-und Lebensführung des Klerus heraus, er ordnete Visitationen an und führte eine Diözesansynode durch. Aber er geriet nun allerdings auch voll in die Auseinandersetzungen der Zeit. Zunächst war da die Doppelwahl des deutschen Königs.

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Die Montforter stellten sich in Abkehr von ihrer Familienpolitik auf die Seite der Habsburger. Da war aber auch noch die Auseinandersetzung zwischen Ludwig und dem Papst. Dabei ging es hauptsächlich um Reichsitalien. Der Papst residierte seit 1309 in Avignon und stand unter starkem Einfluss der französischen Krone, die die Anjou Herrschaft in Unteritalien nicht gefährdet wissen wollte. Johannes XXII. zitierte nun Ludwig nach Avignon und eröffnete einen kanonischen  Prozess gegen ihn wegen Führen eines Königstitels ohne päpstliche Approbation und drohte ihm bei Nichterscheinen innerhalb von drei Monaten mit dem Bann. Ludwig wiederum rief ein allgemeines Konzil an und verklagte den Papst wegen Ketzerei. Am 11. Juli 1324 sprach Papst Johannes den Bann gegen Ludwig und seine Anhänger aus. Rudolf stand auf Seiten des Papstes und Habsburgs. Schwierig wurde die Lage für Rudolf, als Konstanz 1327 zu  Ludwig überging und damit ebenfalls dem Interdikt verfiel. Ludwig söhnte sich 1327 mit den Habsburgern aus. Er zog nach Italien und ließ sich in Rom von Sciara Colonna, einem Ghibellinen und Anführer der antipäpstlichen und kaisertreuen politischen “Partei” Italiens. krönen. Die Fronten verhärteten sich weiter, als Ludwig mit Nikolaus V. einen Gegenpapst einsetzte. Im Gegenzug schickte wieder Johannes eine Bannbulle nach Rom, worauf Ludwig die Todesstrafe für Johannes wegen Ketzerei verkündete. Am 27. Mai 1328 erfolgte die gegenseitige Krönung von Kaiser und Gegenpapst. Ludwig plante dann nach Deutschland zurückzukehren. Um die Position Rudolfs zu stärken, übertrug ihm Papst Johannes die Verwaltung der Abtei St. Gallen. Am 17.4.1330 ist die Urkunde erstellt. Als Friedrich der Schöne am 13.1.1330 stirbt, schlossen Otto von Habsburg und Ludwig im Vertrag von Hagenau am 6. August 1330 Frieden. Nun musste Rudolf, wenn er sein Bistum nicht verlieren wollte, handeln, zumal nun der mächtigste Landesherr, seine Residenz und seine Verwandten standen auf Seiten des Kaisers standen, musste er sich auch auf die Seite des Kaisers stellen. Er zog das zwar so lange hinaus wie möglich. Die Regalien hat er wohl erst 1332 empfangen auch politisch hielt er sich im Hintergrund. Trotzdem sprach der Papst den Bann aus. am 25.10. 1933 wurde er der Abtei enthoben und die Pflegschaft wurde auf den Einsiedler Mönch Hermann von Bonstetten übertragen. Rudolf scheint dem neuen Abt klaglos Platz gemacht zu haben. Er starb ein halbes Jahr später am 27./28. 3. 1334 noch im Bann. Er wurde in Arbon in ungeweihter Erde begraben und erst unter seinem Nachfolger auf dem Bischofsstuhl Hermann von Brandis erhielt er ein kirchliches Begräbnis.

Hermann von Bonstetten stammte aus der edelfreien Familie von Bonstetten. Die Familie gehörte zum alemannischen Hochadel und war in dem Dorf Bonstetten bei Zürich ansässig. Erstmals erwähnt wird ein Hermann von Bonstetten im Jahre 1122.Im 13. Jahrhundert stellte die Familie die Reichsvögte von Zürich. Sie stellten auch Landrichter im Thurgau

200px-Bonstetten-Wappenund waren verschwägert mit den Habsburgern. Hermann ist seit 1314 als Novize und Konventuale im Kloster Einsiedeln belegt. Schon am 14.12.1333 wird Hermann zum Abt bestellt. Mit der am 17.12. 1333 in Avignon ausgestellten Urkunde gestattete Johannes ihm, sich von einem beliebigen Bischof weihen zu lassen. Am 4. Dezember 1334 starb Papst Johannes in Avignon. Nach dem Tod des Papstes wechselte Abt Hermann, der bisher auf Seiten des Papstes stand, die Partei. Schon am 10.3. 1335 verlieh ihm Kaiser Ludwig die Regalien und bestätigte alle sonstigen Lehen und Privilegien. Er überträgt seinem Fürsten Abt Hermann von St. Gallen auf seine in seiner Gegenwart vorgebrachten Bitten hin alle Lehen, welche er von Rechts wegen von ihm und dem heiligen Reich besitzen soll, und erteilt ihm nach Gewohnheit des Reiches mit dem kaiserlichen Zepter sowie mit Kuss und Ring die Investitur, (2) befiehlt allen Vasallen, Ministerialen, Amtleuten und Leuten des Klosters St. Gallen, dem E. als ihrem Herrn in allem gehorsam zu sein, und (3) bestätigt alle Privilegien, Rechte, Freiheiten, Immunitäten, Schenkungen (concessiones) und Gnaden, die dem Kloster und seinen Äbten von seinen Vorgängern [im Reich], den römischen Königen und Kaisern, verliehen wurden. Am 9.4. 1334 konnte er von den Grafen von Werdenberg die Vogtei über Appenzell, Teufen, Urnäsch, Hundwil, Wittenbach, Engetswil und Rotmonten einlösen, die ihnen vom Reich verpfändet war. 1348 bricht die Pest in St. Gallen aus, die bis zu 30 % der Bevölkerung hinrafft. 1349 werden Juden der Brunnenvergiftung beschuldigt. Die jüdische Gemeinde der Stadt wird verbrannt, was in der Stadtgeschichte auch “Judenbrand” genannt wird. Die Stadtgewaltigen rechtfertigen dies mit einer gefälschten Urkunde Karls IV., worin die schlimme Tat abgesegnet worden sei. 1353 weilt Karl IV. zu Besuch in St. Gallen und nimmt Reliquien mit. Das Haupt des heiligen Gallus schenkt er am 30.9. 1353 der St Galluskirche in Prag. Im Gegenzug verleiht er am 23. September 1353  Abt Hermann das Zollrecht für Appenzell und das Recht zwei Jahrmärkte abzuhalten. Damit ist der Ausbau der äbtischen Herrschaft im Appenzeller Land abgeschlossen. Päpstliche Bestätigungen für die Freiheiten und Privilegien werden am 7.10.1352 durch Papst Clemens VI. und am 5.2. 1353 durch Papst Innozenz VI. in Avignon erstellt. Abt Hermann geht als religiöser und mildtätiger Abt in die Geschichte ein. Er stirbt am 23.8.1360.

Zwar hatte sich die Kurie in Avignon vorbehalten, den Sankt Gallener Abtsstuhl zu besetzen, aber die Konventualen wählten unmittelbar nach dem Tod Abt Hermanns Georg von Wildenstein zum Abt. Er stammte aus dem Fürstenbergischen, also der Gegend um Donaueschingen, und ist in St. Gallen erstmals 1347 erwähnt und zwar als Probst von Ebringen. Ebringen ist knapp vier Kilometer von Freiburg entfernt. In Ebringen hatte das Kloster eine Propstei, von der aus der gesamt Besitz Sankt Gallens im Breisgau verwaltet wurde. Einer Schenkungsurkunde an das Kloster Sankt Gallen, die auf 717/718 datiert wird verdankt das Markgräflerland die erste Erwähnung des Weinbaus. Da wird nämlich ein Joch Rebland an das Kloster geschenkt. Georg war dann 1351 Kämmerer und ab 1357 Werkdekan.

Papst Innozenz VI. (1352-1362 in Avignon) ließ sich Zeit mit der Anerkennung. Erst nachdem Kaiser Karl IV. am 2.September 1360 einen hohen Geistlichen gebeten hatte, sich beim Papst für die Anerkennung des vom Konvent gewählten Abt einzusetzen, erfolgte am 16.10. 1360 die Anerkennung durch den Papst. Der Kaiser verlieh dem Abt am 6.2.1631 nach Ablegung des Treueids die Regalien und 1370 bestätigte er ihm die Privilegien des Klosters:”thut dem abt Georg von St. Gallen und seinem gotteshaus die gnade, dass sie ewiglich bei ihren gütern, freiheiten und rechten bleiben sollen, besonders sollen er und seine nachkommen stadtamman, räth zu St. Gallen, münzmeister, zoller, brotschauer, weinschätzer, fleischschätzer, den reif und alle gewichte, das kornmass, salzmass, weinmass und den ellenstab haben, messen, besitzen und entsetzen und auch rechtfertigen, als von alter recht und gewohnheit gewesen ist”. Die Stadt aber verweigert dem neuen Abt die Huldigung. Daraufhin gebietet Karl der Stadt Sankt Gallen, Abt Georg gehorsam zu sein und das Kloster in seinen Rechten und Freiheiten nicht zu beeinträchtigen. Da zeigt sich aber bereits ein Problem, das den Abt in  seiner gesamten Amtszeit begleiten wird. Zu Beginn seiner Amtszeit hatte Georg den Bürgern die Handfeste bestätigt. Die Bürger aber wollten mehr. Sie wollten weitere Rechte verbrieft erhalten, die Bürgermeisterwahl betreffend, die freie Ratswahl und Bürgeraufnahme betreffend. Die Freiheits-und Unabhängigkeitsbestrebungen seiner Städte St. Gallen Wil und Wangen aber auch der Genossenschaften  Appenzell und Hundwil wurden immer stärker. Am 23.2.1362 schlossen die Städte Konstanz, Zürich, St. Gallen, Lindau, Ravensburg, Überlingen, Wangen und Buchhorn  ein Bündnis bis zwei Jahre nach des Kaisers Tod. Am 31.3. 1362 bestätigte Karl IV. das Städtebündnis.1373 schloss die Stadt ein Bündnis mit den Grafen von Werdenberg-Heiligenberg. Abt Georg schloss ebenfalls ein Bündnis mit dem Grafen Rudolf von Montfort-Feldkirch. Probleme hatte es auch gegeben wegen der Eidesleistung von Wangen.Diese wurden aber durch die Bemühungen der Städte Konstanz, Lindau, Überlingen und St. Gallen am 10.5.1362 beigelegt. Einigen konnte sich der Abt auch mit Wil. Streitigkeiten mit Appenzell und Hundswil wurden in einem Vergleich vom 10.10.1367 beigelegt. Die Landleute der beiden Ämter verpflichteten sich , zu  Lebzeiten Abt Georgs mit niemanden ein Bündnis einzugehen. Am 26. 9. 1377 traten sie dem Schwäbischen Städtebund bei. Abt Georg wurde am 30.12.1378 von der Stadt Lindau als Bürger aufgenommen. Er hatte den Haushalt des Klosters einigermaßen in Ordnung gebracht und die Vogtei über Romanshorn und die Reichsvogtei über Gossau erworben. 1375 bestellte Abt Georg alters-und krankheitshalber mit Einverständnis des Konvents Kuno von Stoffeln als Pfleger des Gotteshauses. Er verstarb am 31.3.1379.

Kuno stammt aus der Familie der Edlen von Stoffeln. Auf dem Hohenstoffeln im Hegau sind zwischen 1236 und 1400 die Herren von Stoffeln nachgewiesen. Wann Kuno geboren ist, über seine Jugend und seinen Eintritt ins Kloster ist nichts bekannt. Andere Quellen seine Herkunft auf der Stöffelburg bei Gönningen, heute einem Stadtteil von Reutlingen.

1365 ist er als Kustos des Klosters belegt. Seit 1375 ist er Propst und als Pfleger bestellt. Am 6.4. 1379 wurde er von den wenigen Konventualen, die das Kloster damals noch zählte zum Abt gewählt. Die fällige Abgabe von 300 Gulden an die päpstliche Kammer konnte er aber erst 1383 entrichten. Am 16.10. 1379 verlieh ihm König Wenzel die Regalien und bestätigte alle Freiheiten und Rechte der Abtei. Am gleichen Tag befreite er ihn und seine Gotteshausleute in Wil, Wangen, Hundwil, Appenzell und Trogen von fremden Gerichten. Er löste verpfändete Güter und Vogteien ein und wurde am 26.7. 1379 als  Bürger der Stadt  Lindau aufgenommen. Aber auch er wurde gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit den Autonomiebestrebungen seiner Untertanen konfrontier. Die Stadt Sankt Gallen und Appenzell verweigerten die Huldigung, Appenzell sogar die Steuerzahlung. Erst am 16.11.1379 vermittelten die Städte wieder einen Vergleich. Neue Probleme gab es, als Wenzel am 3.5. 1780 alle Privilegien der Stadt Sankt Gallen zum Nachteil des Klosters widerrief. Erst nach langwierigen Verhandlungen kam es am 17.7.1382 zu einer Einigung durch einen  Schiedsspruch der Reichsstädte des Bundes um den See. Alles kam in ruhigeres Fahrwasser. Allerdings versuchte er immer, die grundherrlichen Rechte und Leibeseigenschaften mit unerbittlicher Strenge geltend zu machen. Das rief eine steigende Erbitterung der Bevölkerung hervor. Es kam zu offener Empörung. Am 17 Januar 1401 kam es zum Volksbund ob dem See einer Kampf-und Bundesgemeinschaft zwischen St. Gallen, Appenzell, Urnäsch, Hundwil, Trogen, Teufen, Gais, Herisau, Gossau, Waldkirch, Bernhardszell und Wittenbach. Die Appenzeller zerstörten nun die 1300 wiederaufgebaute Burg Clanx endgültig. Das bedeutete den Beginn der Appenzeller Kriege. Am 15. Mai 1403 kam es zur Schlacht bei Vögelinsegg, in der städtische und äbtische Truppen von den Appenzellern vernichtend geschlagen wurden. Der Abt verlor nun Schlacht um Schlacht, Burg um Burg. Erstmals verlieren die Appenzeller bei Bregenz 1408 durch die Rittergesellschaft vom Jörgenschild. Am 4.4. 1408 löst König Ruprecht durch einen Schiedsspruch den Bund ob dem See auf. Er untersagt den Betroffenen sich künftig ohne sine Erlaubnis mit anderen  Reichsstädten zu verbünden. Allerdings widerruft er sein Verdikt am 14. Mai 1408 und erlaubt St. Gallen, sich mit sechs Reichsstädten rund um den See zu verbünden. Die Klosterfinanzen sind nun völlig zerrüttet, zwei noch übrig gebliebene Laienbrüder musste Abt Kuno mit Entlaßscheinen versehen, damit sie sich anderswo einen Lebensunterhalt suchen konnten. Abt Kuno starb am 19. Oktober 1411.

Heinrich von Gundelfingen stammte aus demselben Geschlecht wie sein Vorgänger Konrad. Heinrich bekleidete seit 1392 das Amt des Werkdekans und seit 1401 das des Pförtners. Er besaß weder Bildung noch Priesterweihe. Zum Amt des Abtes musste er gedrängt werden, aber im ganzen Kloster gab es nur noch zwei Konventualen, er und Georg von Enne. Die Stadt Sankt Gallen suchte am 6.1. 1412 bei Papst Johannes XXII. um die Bestätigung des neuen Abtes nach. Dabei schilderte sie den miserablen Zustand des Klosters. Der Papst beauftragte darauf am 28.3.1412 den Bischof von Augsburg Eberhard von Kirchberg, den Offizial von Basel und den Cantor von St. Felix und St. Regula das Kloster in seinen Rechten zu schützen. Am 5.12. 1412 nahm er es selbst in seinen Schutz und bestätigte seine Privilegien. Kaiser Siegmund verlieh am 24.10.1413 die Regalien und bestätigte die Privilegien. 1417 erfolgten mehrere Visitationen und stellten übereinstimmend die Reformbedürftigkeit fest. Der vom Konzil ernannte neue Papst Martin V. (1417-1431)ließ die  von dem Abt Konrad aus dem sächsischen Reformkloster Pegau sowie dem Ellwanger Abt Siegfried Gerlacher durchführen. Daraufhin wurde Heinrich abgesetzt und mit Konrad von Pegau ein neuer Abt eingesetzt. Er hatte sich auf dem Konstanzer Konzil durch seine Gelehrsamkeit und Reformeifer ausgezeichnet. Am 20. April 1418 wurde St. Gallen wieder von einem verheerenden Brand heimgesucht. Die Zustände im Kloster verstärkt durch die Brandkatastrophe waren so entmutigend, dass Abt Konrad den Papst bat, ihn wieder von seinem Amt zu entbinden, was dieser am 15.3.1419 tat. Er bestellte Heinrich von Mansdorf zum neuen Abt. Er gab seinem Vor-vorgänger ein Leibgeding von 200 Gulden. Als der neue Abt 1426 starb, erscheint Heinrich von Gundelfingen nochmals als Pfleger. Dieser starb 1429. Nachdem Rücktritt Heinrichs von  Pegau bestimmte Papst Martin V.

StiASG_14190315_A1-C1_rHeinrich von Mansdorf, der laut Papsturkunde vom 15.03. 1419 Propst von “Skolen” in der Diözese Naumburg war. Schon am 31.0.3 1419 bestätigte er die Rechte und Privilegien des Klosters. Die Urkunde dazu wurde in Florenz ausgestellt. Abt Heinrich mühte sich die ökonomischen Grundlagen des Klosters wieder zu stabilisieren. Dazu sollten die Appenzeller wieder Steuern zahlen, was sie seit elf Jahren nicht mehr taten. Zwar erging am  6.5. 1421 ein eidgenössischer Schiedsspruch. Nur, die Appenzeller kümmerten sich nicht darum. Abt Heinrich wandte sich nun an Kaiser Sigmund. dieser belehnte ihn am 10.08. 1422 mit den Regalien. Am 14. 8. 1422 ermahnt König Sigmund den Landvogt, den Adel und das Landvolk in Schwaben, dem Kloster St.Gallen gegen die Appenzeller beholfen zu sein.

Auch die Verhängung der Reichsacht änderte nichts. Nun ging Abt Heinrich vor die kirchlichen Behörden. Berchtold von Wildungen, Domherr zu Speyer sollte die Regelung des Appenzeller Handels vornehmen. Am 10.04. 1426 belegte er auf Klage des Sankt Gallener Abts und des Konvents die Appenzeller mit dem Kirchenbann. Auf der Rückreise von Speyer, wo Abt Heinrich den Kirchenbann verschärfen lassen wollte, starb er am 13.9.1426 in Freiburg. Er wurde in St. Blasien begraben.

Zu seinem Nachfolger ernannte Papst Martin V. Ende 1426 oder Anfang 1427 Eglolf Blarer. Die Blarers waren eine Kaufmannsfamilie, die bis 1330 in St. Gallen lebte, dann aber nach Konstanz zog. Sie wurde dort im Leinwandhandel reich und stellte mehrere Ratsherren und Bürgermeister. Die Zweige nannten sich nach den Stammsitzen ihrer Familie. Die Blarer von Wartenberg spalteten sich zwischen 1330 und 1363 vom Hauptstamm ab. Eglolf war Mönch in St. Blasien und bekleidete dort das Amt des Großkellers und Priors bevor er von Papst Martin zum Abt von St. Gallen berufen wurde. Am 30.11. 1430 erhält Abt Eglolf von Kaiser Sigmund die Regalien. Am 10.12 1433 fertigt der Kaiser in Basel eine Urkunde aus. Er bestätigt dem Kloster St.Gallen alle Rechte und Freiheiten, sowie den Wildbann und die Fischenz zu Appenzell, Wil und anderswo in den Gotteshausgerichten.  Sie päpstliche Kammer hatte er 1427 noch um Stundung der Gebühren für die Ernennung bitten müssen.

Seit 1426 hatten sich benachbarte Feudale wie die Grafen von Toggenburg auf die Seite des St. Gallener Abt gestellt, da die Instabilität im ostschweizer Raum allen Beteiligten zu schaffen machte. Am 2. Dezember 1428 wurde eine militärische Auseinandersetzung zwischen Friedrich VII. von Toggenburg im Verein mit der Ritterschaft vom St. Jörgenschild ausgetragen und Appenzell ausgetragen. An diesem Tag fanden drei Gefechte statt, das letzte und entscheidende bei Hueb zwischen Gossau und Herisau. Hier erlitten die Appenzeller eine Niederlage. Darauf erging ein neuer Schiedsspruch der Acht Alten Orte einschließlich Solothurn. Er fusste im wesentlichen auf dem Schiedsspruch von 1421. Die Appenzeller mussten 1000 Pfund Pfennige an das Kloster bezahlen, kamen dafür aber von Bann und Interdikt frei. Abt Eglolf musste weitgehende Selbstbestimmung in der Zusammensetzung der Gerichte gewähren. Das war das Ende der Appenzeller Kriege bedeutete aber auch einen entscheidenden Schritt für die Loslösung der Appenzeller von der Fürstabtei und eine Hinwendung an die Eidgenossenschaft. 1437 ging Abt Eglolf ein Landrecht mit Schwyz ein. Man kann daraus auch die Umorientierung der Abtei hin zur Eidgenossenschaft sehen.

Im inneren Aufbau des Klosters schaffte er den Eigenbesitz der Mönche ab, er führt das gemeinsame Leben wieder ein und hebt die Pfründenorganisation der Klosterämter wieder auf. In einigen Quellen wird gesagt er habe Reformäbte aus dem Kloster Hersfeld  gerufen, das der Bursfelder Kongregation angehörte. Das ist für mich nicht ganz nachvollziehbar. In Bursfelde regierte Abt Johannes Dederoth von 1433-1439. Ab 1430 war er Abt des Klosters Klus bei Gandersheim am Harz. Ab 1433 regierte er beide Abteien in Personalunion und setzte nach einer Phase des Niedergangs in Bursfelde seine Reformideen um. Nach seinem Pesttod 1439 folgte ihm Johannes Hagen als Abt. Er war der eigentliche Gründer der Bursfelder Kongregation. Erst zwischen 1440-1446 schlossen sich die Klöster von Bursfelde, Klus, Reinhausen und Huysburg zur Kongregation zusammen. Das Konzil von Basel 1446 und Papst Pius II. bestätigte die Kongregation. Erst danach fing die große Blüte dieses Klosterverbands an. Abt Eglolf aber war 1442 schon verstorben. Unbestreitbar aber ist der Einfluss von Kastl. Das Kloster war um 1100 gegründet worden. Der Gründungskonvent kam aus Kloster Petershausen in Konstanz. Am ende des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts war Kastl ein wichtiges Zentrum der monastischen Erneuerung. Die Kastler Reform strahlte über Bayern auch nach St. Gallen aus. Die consuetudines, die den Alltag und  die Lebensform regelten sowie der liber ordinarius, der die liturgischen Bräuche bestimmte, waren wichtige Texte, die der Reform zugrunde lagen. Beide waren im Konzil von Basel gründlich überarbeitet worden. Vernunft und Eigenverantwortung als Lebensprinzip im Kloster werden speziell an gesprochen. Die positive Einstellung der Reform zu Buch und Wissenschaft war in der Geschichte der benediktinischen Consuetudines eine absolute Neuheit.

Unter Abt Eglolf wurden die Konventsgebäude, die unter dem Brand von 1418 gelitten hatten, wieder instand gesetzt 1439 wurde mit dem Bau des Chors begonnen und die Klosterschule wieder eingerichtet. Der Abt verstarb am 20.5.1142 in Konstanz.

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Papst Eugen IV. (1431-1437) ernannte am 18.6.1442 Kaspar von Breitenlandenberg zum Abt von St. Gallen. Die Breitenlandenbergs sind eine alte thurgauische Adelsfamilie. Sein Vater war Rudolf von Breitenlandenberg. Sein Bruder Hermann war Bischof von Konstanz von 1466-1474. Berühmt geworden ist auch sein Bruder Wildhans. Dieser verteidigte im Alten Zürichkrieg die Festung Greifensee in Zürich. Nachdem diese nach 4-wöchiger Belagerung von den Innerschweizern eingenommen worden war, wurde die ganze Besatzung erbarmungslos mit dem Schwert hingerichtet. Seine Schwester Anna war mit dem Züricher Bürgermeister Konrad (möglich wäre auch Johannes oder Heinrich) Schwend verheiratet gewesen sein. Kaspar trat 1439 ins Kloster Reichenau ein. Er legte dort die Profess ab und studierte Rechte in Bologna. 1442 promovierte er zum Doktor des kanonischen Rechts. Kaiser Friedrich III. (1452-1493) verlieh ihm am 24.9.1442 die Regalien. Auf seiner Krönungsreise kommt Friedrich am 29. Dezember 1442 nach St. Gallen, wo er von Bürgern und Priestern ehrenvoll empfangen wird. Abt Kaspar genoss großes Ansehen. So wurde er einer der Präsidenten des Provinzkapitels des Benediktinerordens für die Kirchenprovinz Mainz und die Diözese Bamberg. 1447 wurde er zusammen mit den Äbten von St. Ägidius in Nürnberg und Petershausen zum Schatzmeister des Kapitels ernannt. Er pochte auf alte Ansprüche. Daraufhin verweigerte ihm die Stadt St. Gallen die Huldigung. Das löste einen langwierigen Streit aus, in dem Kaiser Friedrich III., der Pfalzgraf bei Rhein und die Eidgenossen von beiden Parteien immer wieder als Schiedsrichter angerufen wurde.Der Streit wurde erst 1457 durch die Vermittlung der Stadt Bern beigelegt. Der Schiedsspruch bekräftigte die freie Wahl des Rates und Ammans, sowie die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit. Für 7000 Gulden konnte sich die Stadt politisch vom Kloster freikaufen. Das ermöglichte den Aufstieg zur Reichsstadt.

Am  17.8. 1451 schloss der Abt mit Zürich, Glarus, Luzern und Schwyz ein ewiges Burg-und Landrecht ab. Damit war St. Gallen ein zugewandter Ort der Eidgenossenschaft, d.h. er stand mit eidgenössischen Orten in einer vertraglichen unbefristeten (“ewigen”) Verbindung und galt als zur Eidgenossenschaft gehörend, ohne aber voll berechtigter Ort zu sein.

Es werden bald Vorwürfe wegen der Misswirtschaft des Abtes laut. Schon 1443 verlassen 6 Mönche aus Protest den Konvent. Es kam schließlich zu offenem Streit. Der Visitator der Benediktinerklöster der Diözese Konstanz, Abt Ulrich Hablützel aus Wiblingen konnte am 14.9.1451eine erste Neuordnung vermitteln. Der Abt erhielt die Burg Rorschach und jährlich 700 Pfund Heller. Die Finanzverwaltung wurde dem Großkeller Ulrich Rösch übertragen. Doch die Auseinandersetzungen gingen weiter, da Abt Konrad mit dieser Regelung nicht einverstanden war. Papst Calixt III. beauftragte seinen Legaten Aeneas Silvius Piccolomini, den späteren Papst Pius II., eine Regelung für die Angelegenheit zu finden. Am 9.11. 1457 fällt er den endgültigen Kompromisspruch. Gegen eine jährliche Pension von 300 Gulden wurde dem Abt die Verwaltung des Klosters entzogen.  Während des Streits mit dem Konvent näherte sich der Abt der Stadt an. Er wollte der Stadt für 1000 Gulden sämtliche Hoheitsrechte des Stifts verkaufen. Doch auf Einspruch des Konvents, der Landleute von Appenzell und der Stadt Wil kam der Handel nicht zustande.

Im geistlichen Bereich hatte sich Abt Kaspar sehr um die Reform angenommen. Mönche der Abtei Wiblingen, die in der Zeit einen hervorragenden Ruf hatten- nicht umsonst war ja auch ein Wiblinger Abt Visitator für die Benediktinerklöster der Diözese Konstanz- unterstützten ihn dabei. St. Gallener Mönche wurden in Wiblingen geschult.

Abt Kaspar führte die von Abt Eglolf begonnen Bauten weiter. Unter seiner Herrschaft wurde das Dormitorium und das Refektorium beendet.

Nach dem Schiedsspruch von 1457 hielt sich Kaspar zumeist in Konstanz bei seinem Bruder Hermann oder auf der Reichenau auf. 1463 erkrankte er. Gegen die Zusicherung eines Leibgedings von 400 Gulden verzichtete er auf die Abtei. Er verstarb am 24.4. 1463 in Konstanz und wurde in St. Gallen begraben.

Ulrich Rösch wurde am 14.2. 1426 als Sohn eines Bäckermeisters in Wangen im Allgäu geboren. Er kam früh als Küchenjunge ins Kloster Sankt Gallen. Dort fiel der aufgeweckte Bursche Abt Eglolf auf. Er liess ihn zur Schule gehen. Nach seiner Ausbildung trat er als Mönch ins Kloster ein. Er erwarb sich rasch großes Ansehen. 1451 wurde er Großkeller. Aber Abt Konrad setzte ihn  am 6.10.1453  ab. Er wurde nach Wiblingen in die Verbannung geschickt, durfte jedoch am 25.5.1454 nach St. Gallen zurückkehren. Ulrich Rösch stand nun an der Spitze einer Oppositionsbewegung gegen Abt Konrad. Er konnte erfolgreich den Verkauf der fürstlichen Landeshoheit an die Stadt Sankt Gallen sowie die von Abt Kaspar geplante Umwandlung der Abtei in ein Chorherrenstift hintertreiben. Am 24.2.1456 wurde das Kloster wieder visitiert. Abt Berthold, Abt von St. Stephan in Würzburg erteilte dem Hirsauer Abt Wolfram Maiser von Berg die Genehmigung,  zusammen mit Ulrich Rösch die Visitation in St. Gallen durchzuführen. Bei dieser Visitation wurde Abt Kaspar suspendiert. Gegen diese Entscheidung legte er Widerspruch bei dem Provinzkapitel in Erfurt ein. Der Streit landete schließlich vor den römischen Gerichten. In diesem Prozess wurde Ulrich vom Konvent zum seinem Bevollmächtigten ernannt. Der päpstliche Legat bestätigte die Suspendierung. Ulrich Rösch wurde zum “administrator in spiritualibus und temporalibus” auf Lebenszeit ernannt. Papst Calixt III. bestätigte dies am 22.12.1457.  Einen ersten Konflikt hatte Ulrich als Administrator mit der Stadt St. Gallen, als er einen Stadtbürger festnehmen ließ, der nach Meinung der Stadt unschuldig war. Im Gegenzug verhaftete die Stadt zwei Klosteruntertanen. Der Streit wurde erst ein Jahr später durch Vermittler aus Zürich und Luzern beigelegt.

Als Abt Kaspar wegen seiner Krankheit 1463 resignierte, reiste Ulrich Rösch nach Rom, wo er am 29.4. zum Abt ernannt wurde. Nikolaus von Kues, der nun päpstlicher Legat war, weihte ihn am Tag darauf zum Abt. Als der neue Abt sein Amt antrat, lebten noch acht Mönche im Kloster. Ulrich Rösch ist der erste nichtadlige Abt des Kloster Sankt Gallen. Auch sein Kloster wurde mehrere Male visitiert. 1475 erhielt der Abt von Papst Sixtus IV. die Erlaubnis, Altäre zu konsekrieren, Kapellen, Kirchen und Friedhöfe zu rekonzilieren also erneut zu weihen, niedere Weihen vorzunehmen und dreißigtägige Ablässe zu spenden.
Er erbat sich vom Papst die Erlaubnis, dass der Konvent an drei Tagen Fleisch zu sich nehmen dürfe. In seinem Kloster hatte er genaue Klausurvorschriften erstellt und die klösterliche Disziplin gehoben, so dass er sich 1485 bei einer Visitation durch den Wiblinger Abt Konrad und dem Abt Georg von St. Stephan in Würzburg dem Begehren sich einem der drei deutschen Reformzentren anzuschließen, widersetzen konnte.

Auch als weltlicher Fürst leistete er einiges. Bei Abt Ulrichs Amtsantritt stand das Kloster vor dem Ruin. Die hochmittelalterliche Wirtschaftsentwicklung, innerklösterliche Missstände, das Streben nach Selbstständigkeit der klösterlichen Territorien, die Verselbständigung der Stadt Sankt Gallen infolge ihres Leinwandhandels, das alles wirkte zusammen. Er baute wieder eine mustergültige, leistungsfähige Zentralverwaltung auf, kaufte verpfändete Rechte und Güter zurück und arrondierte den klösterlichen Besitz systematisch. Er erwarb Teile von Waldkirch, dazu Obergoldach, Niederhelfenschwil, Bronschhofen, Rossrüti, Mörschwil und Untereggen,Eggersried, Thurstuden, Gebhardschwil und Enkhäusern. Der wichtigste Erwerb war der Erwerb der Landeshoheit über die Grafschaft Toggenburg. Er kaufte sie 1468 von dem Wallliser Freiherrn Petermann von Raron, dem Erben des 32 Jahre Jahre vorher ausgestorbenen Dynastengeschlechts für 14500 Gulden. Bei seinem Amtsantritt hatte die Abtei ein jährliches Einkommen von 3000 Gulden, wovon aber 1300 Gulden für Zinsen abgingen. Unter Abt Ulrich stiegen die Einnahmen Jahr für Jahr. Er konnte schließlich, wie man errechnet hat, 28000 Gulden für nützliche Bauten verwenden. Auch die Klosterfamilie wuchs wieder und stieg auf 20 Mönche an. Er reorganisierte das Gerichtswesen und nahm eine umfassende Gesetzgebung vor, Offnungen und die Landsatzung von 1468. Aus einem eher lockeren Gefüge von Besitz- und Rechtstiteln hatte er einen Territorialstaat frühzeitlicher Prägung geformt. Er wird nicht umsonst auch immer wieder als zweiter Gründer Sankt Gallens bezeichnet. Dieser neue Staat überstand die Wirren der Reformation und hatte bis zum Ende des Ancien Regime 1798 Bestand.

Wichtig waren auch die Vereinbarungen mit den 4 Schirmorten. So schloss er 1479 den Hauptmannschaftsvertrag ab. Danach sollte dem Abt ein in Wil residierender Hauptmann, der im zweijährigen Turnus wechselte, als Vertreter der Schirmorte bei seinen politischen Aufgaben zur Seite stehen. Diese Leistungen wurden auch von Kaiser und Papst beachtet und er wurde verschiedene Male mit päpstlichen und kaiserlichen Missionen beauftragt. Er war Kommissar Kaiser Friedrichs im Streit zwischen der Stadt Lindau und dem Grafen Ulrich von Montfort. Während der Kämpfe zwischen Sixtus IV. und der Republik Venedig leitete er die Verhandlungen zwischen der Kurie und den Eidgenossen. Sixtus wollte ihn zum Kardinal ernennen, aber er lehnte ab.

Die Bündnisverpflichtungen gegenüber Schirmorten und Kaiser hielt er ein.

So ließ er 1478 auf den Ruf der Eidgenossen auch seine Soldaten gegen Bellenz (Bellinzona) ziehen und seine und städtische Truppen waren auch im Reichsheer dabei, das 1475 bei Neuss gegen Karl den Kühnen zog, worauf Kaiser Friedrich den St. Gallener erlaubte, dass der Bär auf ihrem Stadtwappen ein goldenes Halsband tragen durfte.

Am 29. November 1484 wird Joachim Watt in St. Gallen als Sohn einer einflussreichen Leinenhändlerfamilie geboren. Er studierte in Wien, nannte sich der Sitte der Zeit gemäß später Vadianus, war Gelehrter, Mediziner und Humanist. Er war mit Ulrich Zwingli, dem Wegbereiter der Reformation in der Schweiz. Er kehrte 1518 nach St. Gallen zurück, war ab 1521 im Stadtrat von St. Gallen und wurde 1526 Bürgermeister von St. Gallen und führte dann die Reformation in der Stadt St. Gallen durch. Natürlich wurde auch das Kloster betroffen.

Zurück zu Abt Ulrich. Um  gegenüber der Stadt Sankt Gallen unabhängiger zu werden, plante er ein neues Kloster in Rorschach. Er hatte sich 1483 vom Papst und 1485 vom Kaiser die Einwilligung zum Bau einer neuen, ausgedehnten Klosteranlage geben lassen. 1487 ließ er in Rorschach den Grundstein legen. Die Stadt unter ihrem Bürgermeister Ulrich Varnbühler hegte Befürchtungen für ihren Markt und ihren Handel. Die Appenzeller sahen ihre Herrschaft durch die Nähe des Klosters bedroht. Bürgermeister Varnbühler und der Appenzeller Landamann Hermann Schwendiner verlangten in Wil von Abt Ulrich die sofortige Einstellung der Klosterbauten.

Als dies nicht geschah, kam es zum offenen Aufruhr Bürger aus Appenzell

300px-Ueberfall_Kloster_Mariabergund St. Gallen zogen nach Rorschach und zerstörten die noch unfertigen Klosterbauten. Der Abt rief seine Schirmorte an. Die Aufrührer hatten die Untertanen in der Landschaft zwischen dem Bodensee und Wil zum Abfall vom Kloster Sankt Gallen aufgerufen und am 21. 10.1489 den Waldkircher Bund gegründet. Die Schirmorte ließen Truppen aufmarschieren und sprachen ein Machtwort. Die Stadt musste ziemlich büssen. Sie mussten verschiedene territoriale Rechte preisgeben und hohe Summen an die Geschädigten zahlen. Abt Ulrich musste allerdings seine Klosterpläne in Rorschach aufgeben.  Der Friede von St. Fiden beendete den St. Gallerkrieg. Ulrich Varnbühler und Hermann Schwendiner wurden verbannt, ihr Vermögen eingezogen.

Abt Ulrich verstarb am 13.3. 1491 in Wil. Er wurde im Kreuzgang von St. Gallen bestattet. Er hatte sein Kloster vor dem Untergang bewahrt. Er war auch Förderer von Kunst und Wissenschaft. Verschiedene seiner Konventualen ließ er studieren.

Am 18.3.1491 wurde erstmals nach langer Zeit wieder ein Abt für St. Gallen gewählt. Gotthard Giel von Glattburg wird als Konventuale erstmals erwähnt. Er stammte aus einem Ministerialengeschlecht im Dienste des St. Gallener Abt. Sie sind wohl verwandt mit der 1168 erstmals belegten Familie Giel. Die namensgebende Burg Glattburg ist ab 1268 belegt.  Innozenz VIII. (1484- 1492) bestätigte ihn am 9.5.1491. Geweiht wurde er in Rom am 15.5.1491 von Bischof Titus Veltri von Castro. Am 9. Februar 1492 schloss er unter Vermittlung der Schirmorte einen Vertrag mit der Stadt Wil, der die Rechte des Landesherren gegenüber der Stadt festlegte.

Die Gossauer zahlten ab dem gleichen Jahr den Großen Zehnt wieder. Mariaberg sollte Schulungs- und Verwaltungszwecken dienen. Zu diesem Zweck nahm er den Wiederaufbau wieder auf. Am 13.2. 1497 ließ der den Korn-und Wochenmarkt in Rorschach erstmals durchführen. Das war eine weitere Förderung Rorschachs gegenüber Steinach.

An den Schwabenkriegen, das ist die Auseinandersetzung zwischen dem Haus Habsburg –Österreich unterstützt von dem Schwäbischen Bund einerseits und den Eidgenossen andrerseits, die von Januar bis September 1499 dauert. Die Eidgenossen blieben in drei wesentlich Schlachten siegreich und verteidigten ihre Selbstständigkeit innerhalb des reiches erfolgreich. Rechtlich lösten sie sich aber erst 1648 im Westfälischen Frieden vom Reich.

1501 kommt es zu einer Grenzbereinigung zwischen der Landvogtei Thurgaus und den Stiftslanden, die noch heute Kantonsgrenze zwischen Thurgau und St. Gallen ist.

Abt Gotthard erkrankte gegen Ende seines Lebens und starb am 15.3.1504 in Wil mit nicht ganz 60 Jahren. Seine Verwaltung war geprägt von starker Bevorzugung seiner Familie, seine Brüder stattete er schon zu Beginn seiner Herrschaft mit Lehen aus, seinen Vater mit der Herrschaft Wängi im Thurgau. Die Bevorzugung war so stark, dass der Konvent bei der Wahl des Nachfolgers Von Abt Gotthard Bestimmungen gegen den Nepotismus der Äbte erstellte.

Am 19.04. 1504 wurde Franz von Gaisberg zum Abt gewählt. Er war damals etwas 40. Sein Vater Anton  war nacheinander in österreichischen und französischen diplomatischen Diensten tätig. Seine Mutter Verena Hux war die Tochter eines reichen St. Gallener Webers. Der neue Abt musste vor seiner Wahl eine Wahlkapitulation anerkennen, die Auswüchse in der Vetternwirtschaft, wie sie bei seinem Vorgänger auf die Spitze getrieben worden waren, verhindern sollten. Abt. Franz wurde am 12.06.1504 in seinem Amt von Papst Julius II.(1443-1513) bestätigt. Er wird 13 Jahre später vom selben Bischof wie sein Amtsvorgänger Gotthard Giel am 16.06.1504 zum St. Gallener Abt geweiht. 1504 kommt es unter Vermittlung von Kaiser Maximilian zum Ausgleich zwischen den Söhnen des Bürgermeisters Varnbühler, dessen Güter 1489 beim Streit mit Abt Ulrich eingezogen worden waren. Diese Güter mussten den Söhnen unverzüglich zurückgegeben werden. Einen Streit zwischen Stadt und Kloster schlichtete Papst Julius II. am 13.06. 1505. Die Rechte beider Parteien werden in St. Laurenzen festgelegt. 1511 wird eine neue Orgel geweiht, die Abt Franz für 1500 Gulden restaurieren ließ.

Der um 1470 geborene Schulmeister Christoph Schappeler (Sertorius) wird an eine von der Patrizierfamilie Vöhlin  gestiftete Predigerstelle von St. Martin in Memmingen berufen. Er war mit Zwingli und Vadian befreundet. Schon früh bekannte er sich zur Reformation. In Memmingen führte er am 7.12. 1524 das Abendmahl unter beider Gestalt ein. In der Memminger Disputation stellte er die 7 Artikel als Bekenntnis seiner Lehre auf. Der Memminger Rat führte danach die Reformation in Memmingen ein. Da er auch mit Sebastian Lotzer, dem Schriftführer der Christlichen Vereinigung, also der aufständischen Bauern in Schwaben hatte, musste er 1525 nach dem Scheitern des Bauernaufstands fliehen. Er ging zurück nach St. Gallen.

1514 wurde Vadian von Maximilian zum Poeta Laureatus gekrönt.

1519 wütete wieder die Pest in St. Gallen und raffte täglich fast 30 Menschen hin. 1700 waren bis zum Jahresende gestorben. Vadian, seit 1518 St. Gallener Stadtarzt musste die Stadt auf der Flucht vor der Pest verlassen.

Abt Franz konnte den Klosterbesitz ausweiten und stärken. 1505 kaufte er die Burg Berneck mit zugehörigem Besitz und 1510 von der Äbtissin Amalia von Lindau die Gerichtsrechte in Balgach.

1523 werden in St. Gallen erste reformatorische Predigten abgehalten. Die St. Galler Bürger luden Balthasar Hubmaier ein, der erst in Regensburg als Wallfahrtsprediger und seit 1522 in Waldshut als Prediger tätig war. Dort kam er mit Täufern in Zürich in Kontakt.

Um 1523 gärte es auch unter den Bauern. Die Forderung nach Abschaffung der Leibeigenschaft wurden immer stärker. Am 1.5. 1525 formulierten Bauern des Oberen Amtes in Lömmerschwil ihre Forderungen in Artikeln. Unter Vermittlung der Schirmorte konnte die Abtei ihren Standpunkt weitgehend durchsetzen.

1524 verlangte der Große Rat von den Geistlichen hell und klar gemäß der richtigen Auslegung zu predigen. Das ist praktisch der Beginn der Reformation in St. Gallen.

220px-Joachim-von-WattAb 1524 führen Vadian und Johannes Kessler (Ahenarius) in der Stadt Lesinen durch, das sind reformatorische Bibelauslegungen.

In diesem Jahr folgt auch die reformationsbedingte konfessionelle Trennung vom Kloster.

Im März 1525 wird die Wiedertäufer-Bewegung in St. Gallen gegründet. St. Gallen wird bald zu einer europäischen Täuferhochburg. Am Palmsonntag tauft  Konrad Grebel, das ist der Bruder von Martha von Watt, der Ehefrau Vadians 500 Taufwillige in der Sitter.

1526 wird Vadian Bürgermeister (bis 1551)

Am Ostersonntag 1527  wird in  St. Laurenzen das erste Abendmahl gefeiert. Damit ist die Reformation in St. Gallen angenommen.

Im 1. Kappeler Krieg standen sich die im Christlichen Burgrecht organisierten Reformierten, also Basel, Bern, Schaffhausen den fünf altgläubigen Orten Luzern, Uri, Schwyz, Zug und Unterwalden gegenüber.

Zürich unter seinem Reformator Zwingli sah nun die Möglichkeit gekommen, sein Reformwerk in der ganzen Eidgenossenschaft durchzusetzen.

In St. Gallen kam es 1529 zu einem Bildersturm. Mehrere Konventuale flüchteten nach Einsiedeln, wo der ehemalige St. Galler Mönch Ludwig Blarer von Wartensee Abt war. Abt Franz, der leberkrank war und am Ende auch noch von der Wassersucht befallen, zog auf das Schloss Rorschach zurück. Dort starb er 23.3.1529. Sein Tod wurde mehrere Tage geheimgehalten, um die Wahl eines Nachfolgers nicht zu gefährden.

Auf Initiative Vadians wird das Kloster Sankt Gallen 1529 säkularisiert. Trotzdem wird mit Kilian Germann im März in Rapperswil ein neuer Abt gewählt. Er ist um 1485 geboren. Sein Vater Johannes war fürstäbtlicher Obervogt auf  Lütisburg (1487). Der von ihm gegründete Familienzweig trug den Beinamen Kö(u)ffi. Sein Bruder Hans war ab 1514 Offizier in französischen Diensten. Er war Gesandter des Fürstabts von St. Gallen und vertrat von 1529-1532 die Interessen seines Bruders Kilian und nach dessen Tod die des Nachfolgers Diethelm Blarer. Er war von 1532 –1540 Landvogt von Toggenburg. Als Persönlichkeit überregionalen von überregionalem Einfluss stand er wegen seines Einsatzes für den alten Glauben

bei Landesherren und katholischen Orten in hohem Ansehen. Kilian war vor seiner Wahl zum Abt Grosskeller in  St. Gallen,  1523 wurde er Statthalter in Rorschach, ab 1528 Statthalter in Wil. Seine Wahl zum Abt erfolgte in der Nebendstube des Roten Löwen in Rapperswil. Am 18.6.1529 erfolgte die Konfirmation durch Papst Clemens VII. Er hielt sich in Wil auf, musste aber zu Beginn des 1. Kappeler Kriegs, begleitet von Dekan Otmar Glus und seinem Kämmerer nach Meersburg fliehen. Die Weihe erfolgte dennoch mit großem Pomp mit päpstlicher Erlaubnis in Überlingen.

Auf dem Gebiet des Klosters breitete sich die Reformation gefördert von dem Vierortehauptmann Jakob Frei immer stärker aus. Von Zürich aus wurde versucht, den Abt gefangen zu setzen und das Kloster aufzulösen. Abt Kilian war mit Hafbefehl gesucht. Er kaufte für 500 Gulden Schloß Wolfurth bei Bregenz, um im Ausland eine sichere Bleibe zu haben. Am 20.06.1530 sagte sich das Toggenburg von St. Gallen los. Die Stadt erwarb den Stiftsbezirk mit den meisten Rechten für 14000 Gulden. Im Juli 1530 besuchte er den Reichstag in Augsburg um die klösterlichen Rechte gegen St. Gallen und Zürich zu verteidigen, allerdings ohne Erfolg. Er besuchte den Grafen Hugo von Montfort. Auf der Rückreise stürzte er in die Bregenzer Ach und ertrank. Die verbliebenen Konventherren mussten 1531 das Kloster räumen und wurden mit einer Rente abgefunden. Das schien das Ende des Klosters zu sein, dann aber kam der 2. Kappelerkrieg. Am 15.10.1531 fand die Schlacht bei Kappel statt. Die fünf Hauporte marschierten gegen Kappel, das Züricher Heer kam zu spät. Nach kurzem Widerstand floh das Züricher Heer. Unter den Gefallenen war auch Zwingli.

Am 20.11. 1531 wurde im Weiler Deinikon der 2. Kappeler Landfriede geschlossen. Er nahm das cuius regio-eius religio Prinzip des Augsburger Religionsfrieden vorweg und erlaubte jedem Ort die Konfession seiner Bürger und Untertanen selbst zu bestimmen. Und für unsere Betrachtung wichtig, den Züricher Expansionsbestrebungen in der Ostschweiz wurde ein Ende bereitet. Die Fürstabtei St. Gallen wurde wiederhergestellt.

300px-Schlacht_bei_Kappel

Diethelm Blarer war der Sohn des Jakob, Junker und Obervogt von Rorschach. Seine Mutter war Apollonia von Syrgenstein. Diethelm besuchte die Lateinschule in Lindau im Bodensee. 1523 ist er als Sankt Gallener Konventuale belegt. 1528 war er Statthalter in Rorschach. Nach dem Tod von Abt Kilian wurde Diethelm im Kloster Mehrerau am 19.9. 1530 zum Fürstabt von St. Gallen gewählt. Die Bestätigung erteilte ihm Papst Clemens VII. bereits am 22.5.1531. Von Kaiser Karl V. hatte  er die Regalien bereits am 10.10.1530 erhalten, also nicht mal ganz einen Monat nach seiner Wahl. Daraus lässt sich wohl auch ersehen, dass der Habsburger daran interessiert war, die Altgläubigen zu stärken. Am 12. Dezember 1531 zog Abt Diethelm in Wil ein. Nach  St. Gallen konnte erst wieder 1532. In der Zeit vom 19.-28 Februar1532 wurde in der äbtischen Residenz von Wil der Vertrag zwischen Abt und Stadt ausgehandelt. Das Kloster war ja 1530 von der Stadt gekauft worden. Beim Bildersturm am 23. Februar 1529 waren die Bilder und Statuen gewaltsam aus der Kirche entfernt und verbrannt worden. In zähen Verhandlungen konnten die städtischen Abgeordneten die Forderungen des Abtes von 60.000 auf 10.000 Gulden reduzieren. Die Einwohner St. Gallens konnten in ihrem evangelischen Glauben frei Leben und die Leinenweberei, Grundlage des wirtschaftlichen Wohlstands St. Gallens wurde nicht behindert. So war eine leidliche Nachbarschaft erreicht worden. Abt Diethelm zog am 1. März 1532 erstmals als Abt in den Klosterbezirk ein. Abt Diethelm wurde am 28.4. 1532 vom Konstanzer Weihbischof Dr. Melchior Fattlin im Beisein vieler Adliger geweiht.

Das Toggenburg hatte sich ja 1530 von St. Gallen losgesagt. Im 2. Kappeler Landfrieden wurde das den Toggenburgern zunächst bestätigt, musste aber im toggenburger Landfrieden 1538 wieder unter St. Gallener Herrschaft zurückkehren. Auf Druck der eidgenössischen Schirmorte Zürich, Glarus, Schwyz und Luzern musste der Abt den reformierten Glauben in Toggenburg dulden. Damit war dies eine der wenigen Landschaften in der alten Eidgenossenschaft, in der beide Konfessionen nebeneinader zugelassen wurden. Abt Diethelm mühte sich nach Kräften, den alten Glauben unter seinen Untertanen zu festigen und zu stärken. Er bekämpfte die Täufer.

Die Zahl der Konventualen wuchs nun wieder ständig.

1538 wurden die Gebeine Otmars, die wegen des Bildersturms nach Einsiedeln in Sicherheit gebracht worden waren, wieder zurückgeholt und am 15.11. 1539 wieder an ihrer alten Ruhestätte bestattet.

!541 wütete wieder einmal die Pest in St. Gallen und raffte ein Fünftel der Stadtbevölkerung hin.

Diethelm legte großen Wert auf die Ausbildung seiner Konventualen. Viele schickte er nach Dillingen zum Studium, dem neuen Zentrum der Gegenreformation in Deutschland. Ab 1564 hatte die Abtei auch einen Freiplatz in Paris.

Ende Januar hatte Vadian seine Bibliothek mit 400 Bänden der Stadt Gallen vermacht. sie ist Grundlage der “Vadiana”, der St. Gallener Kantonsbibliothek. Er starb am 6. April 1551 in St. Gallen. Am 18. Mai 1551 verstarb auch Christoph Schappeler. Damit waren innerhalb kurzer Zeit zwei wichtige St. Gallener Reformatoren gestorben.

Am 6.6.1551 wurde der Grundstein zu einem neuen Bibliotheksgebäude gelegt, auch das sichtbares Zeichen auf die wieder erwachte Wertschätzung der Bildung, ganz im sinne des Tridentinischen Konzils.

Zweimal erhielt Abt Diethelm die Aufforderung am Konzil von Trient teilzunehmen, der er wohl nicht persönlich nachkam. Aber der Gossauer Pfarrer Florin Ferch begleitete den Einsiedler Abt Joachim Eichhorn nach Trient. Es war als Reaktion auf Luther beschlossen worden, betonte den autoritativen Charakter der kirchlichen Tradition, wandte sich also gegen Luthers “sola scriptura”. Es leitete die Gegenreformation ein. 1564 verkündete Papst Pius IV. das “Tridentinische Glaubensbekenntnis, das die Konzilsdekrete zusammenfasste.

Konzil_von_Trient2

Einfluss hatte St. Gallen nun auch wieder auf Schweizer Klöster.  In Wettingen wurde Peter Eichhorn, in Fischlingen Markus Schenkli Abt, beide ehemalige St. Gallener Konventuale. In ihren neuen Klöster wirkten sie als reformfreudige Äbte.

Die Toggenburger Abtei St. Johann im Thurtal war in einem sehr beklagenswerten Zustand. 1546 hatte der dortige Abt Johannes Zoller resigniert. Mit einem päpstlichen Entscheid wurde das Kloster 1555 dem Kloster St. Gallen inkorporiert.

1555 wurde in Augsburg der Religionsfriede ausgehandelt. Da St. Gallen formal ja noch zum Deutschen Reich gehörte, betraf das natürlich auch St. Gallen. Nach dem nun geltenden Grundsatz mussten St. Gallener Stadtbürger nun den evangelischen Glauben annehmen oder auswandern.

Probleme gab es immer noch mit der Herrschaft des Klosters über die Untertanen. am 26.1. 1559 erging das Rapperswiler Urteil dieses löste den sogenannten Rorschacher Putsch aus.

Abt Diethelm erkrankte gegen Ende seines Lebens an Wassersucht. Er starb am

18.12. 1564 in Rorschach. Begraben wurde er in  St. Gallen. er ging als “Dritter Gründer” in die Geschichte der Abtei ein.

Mit Otmar Kunz kam der zweite bürgerliche auf den Sankt Gallener Abtstuhl. Er ist um 1530 in Wil als Sohn eines Bäckers geboren. Die Profess legte er am 18.5.1547 ab. Dann wurde er Statthalter in Rorschach. Mit 34 wurde er am 20.12. 1564 zum Abt gewählt. Seine Konfirmation durch Papst Pius IV. verzögerte sich, weil das Trienter Konzil nun einen Informativprozess gefordert hatte, der beim neuen Abt noch gefehlt hatte. Melchior Lussi, der Landamman von Nidwalden und  1562/1563 Gesandter der katholischen Orte am Konzil von Trient, erhielt die Vollmacht, die Konfirmation einzuholen. Am 13.7. 1565 wurde sie schließlich erteilt. Die Weihe erfolgte am 16.10.1565 in St. Gallen durch Weihbischof Jakob Eliner aus Konstanz in Anwesenheit der Äbte Kaspar Kindelmann von Ottobeuren und Joachim Eichhorn von Einsiedeln.

1521 hatten praktisch alle eidgenössischen Ort mit Ausnahme Zürichs Soldbündnisse mit Frankreich geschlossen. Am 21.7. 1565 erneuerte Abt Otmar in Mont -de-Marsan das Bündnis mit Frankreich.

Die von Kardinal Mark Sittich von Hohenems einberufene Konstanzer Diözesansynode sollte die Konzilsbeschlüsse von Trient zur Durchsetzung der Konzilsbeschlüsse und der katholischen Reform verhelfen. Es ging um die Erneuerung des geistlichen Lebens und eine bessere Ausbildung des Klerus. Die eidgenössischen Geistlichen nahmen das mit einigem Vorbehalt auf, weil sie ihre eigenen Rechte , Privilegien und Freiheiten eingeschränkt sah. Ein bleibendes Resultat war, dass die Kirchengemeinden verpflichtet wurden, Kirchenbücher zu führen. Für sein Kloster stellte Abt Otmar nach der Konstanzer Synode die "Reformatio Sancti Galli" auf. Der  Rorschacher Vertag vom 13.9. und der Wiler Spruch vom 20.9. 1566 wurden Stadt und Kloster territorial völlig getrennt. Eine 31 Fuß hohe Mauer mit Tor trennte beide Gebiete. Schließlich wurde noch das südliche Tor gegen die Steinach gebaut, durch das man die Abtei verlassen konnte, ohne die Stadt zu betreten. Diese Tor wurde später Karlstor genannt, weil der Mailänder Kardinal Carl Borromeo bei seinem Besuch des Klosters Sankt Gallen am 26./27. August 1570 angeblich als erster durch dieses Tor geschritten ist. Außerdem einigte man sich über die gegenseitigen Schulden.

1568 war das Kloster Sankt Johann wegen Brandstiftung in Flammen aufgegangen. dieses ließ Abt Otmar wieder aufbauen. Er bemühte sich stark um die Rekatholisierung, die er in Toggenburg im Gegensatz zur alten Landschaft nicht so stark durchsetzen konnte. Seine Vorschriften für das tägliche Leben brachte ihm manche Händel ein. So mussten alle Bewohner über 14 in  der Alten Landschaft zum Beispiel einmal jährlich während der Fastenzeit zur Beichte gehen.

Er legte großes Gewicht auf die Ausbildung seiner Konventualen. Er ließ einige von ihnen am renommierten Jesuitenkolleg Clermont in Paris studieren, so zum Beispiel seinen Nachfolger Joachim Opser, Mauritius Enk, der während seiner Pariser Studienzeit Bücher für die St. Gallener Bibliothek erwarb, Ulrich Oesch oder Adam Giel von Glattburg. Er achtete auf den Gottesdienst und förderte die Kunst. Er förderte vor allem die Bibliothek und ließ mehrere Hundert Bände zu allen Themenbereichen anschaffen. Am 27.1. 1577 verstarb er in Wil.

Nachfolger Abt Otmars wurde der ca. 1548 in Wil geborene Joachim Opser. sein Vater Michael war fürstäbtlicher Kanzler. Er war aus Glaubensgründen von St. Gallen nach Wil ausgewandert. Joachim studierte ab dem Frühjahr 1564 an der Universität Dillingen, die als Folge des Konzils von Trient von dem Augsburger Bischofs Kardinal Otto Truchsess von Waldburg gegründet worden war und deren vorrangige Aufgabe die Ausbildung des Pfarrernachwuchses und des katholischen Adels in Süddeutschland war.Von 1570 bis 1574 studierte er am Jesuitenkolleg Clermont in Paris. Er erlebte die Bartolomäusnacht, in der in der Nacht vom 24. August 1572 auf Befehl Katharina von Medici der Hugenottenführer Admiral Gaspard de Coligny und andere Hugenottenführer sowie Tausende von Hugenotten ermordet wurden. In zwei Briefen an Abt Otmar berichtet Joachim davon. Nach sein er Rückkehr nach St. Gallen betätigte er sich als Prediger und Seelsorger. Am 8.4.1576 ist er Dekan. Nach dem Tod Abt Otmars wird er am 29.1.1577 zum Abt gewählt.Die Konfirmation durch Papst Gregor XIII. erfolgt am 16.4. 1578. Die Weihe erfolgt in Rorschach am 24.6.1578 durch Weihbischof Balthasar Wurer aus Konstanz. Der Churer Bischof Beatus a Porta (1565-1581) und das Domkapitel schlugen ihn zum Weihbischof von Chur vor mit dem Recht auf Nachfolge. doch als Auswärtiger stieß er in Bünden auf Widerstand. Nachdem er sich mit den Schirmorten Luzern und Schwyz beraten hatte, lehnte er die Berufung aber ab und verblieb als Abt in St. Gallen. 1579 ernannte Papst Gregor XIII. den Bischof von Vercelli als Nuntius mit besonderen Rechten für die Schweiz ernannt. Er visitierte unermüdlich Pfarreien und Klöster in den Bistümern Konstanz, Chur, Sitten, Lausanne und Basel. Er versuchte sehr energisch die Beschlüsse des Konzils durchzusetzen, so energisch, dass ihn selbst Rom manchmal zur Milde mahnte. Bei einzelnen Klöstern vor allem im Aargau und Thurgau stieß er sogar auf Widerstand. Auch die Visitation im Kloster Sankt Gallen, die am 10.9. 1579 für mehrere Tage begann, scheint nicht ohne Reibungsverluste und Missverständnisse abgelaufen zu sein.

1588 verbot der Abt fremden Kriegsdienst, um zu verhindern, dass Landsleute gegeneinander kämpften.

Um 1590 gab es im Konvent Spannungen. Ein Teil des Konvents warf ihm ungebührlichen Lebenswandel vor, forderte aber zugleich Erleichterungen im Ordensleben. Der vom Nuntius mit der Untersuchung der Auseinandersetzung beauftragte Sekretär, kam zu dem Schluss, dass die Verdächtigungen gegen den Abt unbegründet waren. In der Frage der Disziplin musst er aber dem Konvent Zugeständnisse machen. Ökonomisch lief es auch nicht so gut für den Abt.  Für die Verwaltung wurden ihm vier Administratoren beigegeben. Neuravensburg musste er 1586 an die Stadt Wangen verkaufen. und auch Klostergut in Wangen veräußern.

1594 wütete wieder einmal die Pest in St. Gallen deshalb schickte er die meisten Mönche nach Schwarzenbach oder St. Johann. Er selbst harrte in St. Gallen aus. Er wurde aber auf der Kanzel vom Schlag getroffen und verstarb am 24.8.1594.

AbtBernhard Müller wurde 1557 in Ochsenhausen als Sohn von Brosi Müller und Magdalena Lutz in Ochsenhausen geboren. Er besuchte am Kloster Ochsenhausen die Lateinschule vom 9. bis zu seinem 16. Lebensjahr. 1574 kam er ins Kloster Sankt Gallen. Er legte dort die Profess am 17.12.1576 ab. Unter Abt Otmar wurde er zum Studium an die Jesuitenuniversität nach Dillingen geschickt. Er studierte dort Syntax, Humaniora, Rhetorik und Philosophie. 1582 schloss er den Baccalaureus philosophiae ab, 1583 den Licentiatus und beendete sein Studium am 21.6. 1583 mit summa cum laude als Magister artium liberalium. Er wurde 1583 Subdiakon, dann Diakon und 1584 schließlich Priester. In Dillingen wurde er am 5.5. 1588 zum Baccalaureus theologiae promoviert und beendete seine akademische Ausbildung am 26. 10. 1593 wie damals an den Universitäten üblich nach öffentlicher Disputation  mit dem Doktor der Theologie.Auch im Kloster machte er Karriere. Am 27.8.1594 wurde er zum Abt gewählt. Die Konfirmation verlief nicht problemlos. Erst nach einigen Schwierigkeiten mit der Kurie erteilte Papst Clemens VIII. diese am 12.12.1594. Geweiht wurde er am  16.10.1595. Rudolf II. bestätigte ihm am die Regalien.

Das Konzil von Trient hatte in seinem Ordensdekret vorgeschrieben, dass selbstständige Klöster, die keinem Verband oder Generalkapitel angehörten, sich innerhalb eines Jahres nach Abschluss des Konzils zu Kongregationen zusammen schließen sollten. In der Eidgenossenschaft geschah das erst 39 Jahre später vor allem auf Druck des päpstlichen Nuntius Giovannni della Torre, Bischof von Krk. Mit den Reformansätzen des Tridentinums hatte man in St. Gallen schon begonnen. Nun trafen sich die Äbte von St. Gallen, Einsiedeln, Muri und Fischingen, alle in der Diözese Konstanz gelegen, am 29. Mai 1602 mit dem Nuntius. Die Prälaten beschlossen die Gründung der Kongregation und trafen sich am 12.Juli 1602 in Wil wieder. Dort stellten sie eine Liste von Reformmassnahmen zusammen. Am 4.11. 1602 bat der Abt von Pfäfers um Aufnahme, am 9. April 1603 der Abt von Rheinau. Es folgte Engelberg am 12. Mai 1604 und Disentis wurde 1617 in die Kongregation aufgenommen. Die beschlossenen Reformen waren nicht immer durchschlagend. Auch bei materiellen zum Beispiel nach Brandfällen oder bei finanzieller Misswirtschaft oder personellen Notlagen griffen die Kongregationsäbte ein. Die Päpste hatte der Kongregation Exemtion verliehen. Trotzdem gab es immer wieder Jurisdiktionstreitigkeitigkeiten mit den Bischöfen wegen des Visitationsrechts, des Vorsitzes bei der Abtswahl, des Rechts auf Wahlbestätigung und der Abtsweihe. Da aber alle Äbte in der Kongregation um Reformen bemüht waren, wurde das 17.Jahrhundert eine Blütezeit für die Schweizer Klöster. Diese hatten auch durchaus Strahlkraft nach außen. So waren Kempten (1664-1679), Murbach (1666-1686) und Fulda (1672-1679)Mitglied der Kongregation. Ein dauerndes Verbleiben bei den Schweizern  war wegen des Adelsprivileg nicht möglich.

Auch das Kloster Sankt Gallen hatte einen langen Rechtsstreit mit dem Bistum Konstanz um die geistliche Jurisdiktion des Sankt Gallener Untertanengebiets und seiner Pfarreien zu führen. Die Römische Rota, also der ordentliche Appellationsgerichtshof entschied im März 1613 für St. Gallen. Im Konkordat mit Konstanz wurde das Offizialat St. Gallen geschaffen. die stift-sankt gallischen Pfarreien waren von der bischöflichen Jurisdiktion befreit. St. Gallen war exemt. Das Offizialat St. Gallen nahm von 1614 bis 1800 die Funktion eines Generalvikariats war. Der erste Offizial wurde P. Jodok Mezler, der 1574 in Andelbuch geboren war, in Dillingen und Rom studierte hatte, mit dem Doktor des geistlichen Rechts abschloss und maßgeblichen Anteil  an dem Ausgleich zwischen Bistum und Abtei hatte. Abt Bernhard visitierte die Pfarreien regelmäßig so erstmals 1603. Aber auch andere geistliche Belange hatte Abt Bernhard im Auge. So löste er eine Klostergemeinschaft von Waldschwestern 1616 auf und ließ sie in das neuerbaute Kloster Sankt Scholastika in Rorschach umziehen

Auch im weltlichen Bereich war er umsichtig tätig.

1604 ließ Abt Bernhard in  St. Gallen am Kräzerenbach eine Papiermühle errichten. Ihr Wasserzeichen war ein Bär mit Dogge in Rosette.

Dann hatte er wohl gegen den Verkauf von Neuravensburg beim Reichskammergericht in Speyer geklagt. Als dieses den Verkauf für ungültig erklärte, kaufte er es zurück und ließ das abgebrannte Schloss wieder auf bauen. In späteren unruhigen Zeiten diente es den Äbten als Zufluchtsort. 1613 erwarb er von den Edlen von Bodmann die Herrschaft Homburg und Stahringen am Unteren Bodensee. 1621 kaufte er die Herrschaft Ebringen im Breisgau, das im 13. Jahrhundert schon ein verwaltungssitz des Klosters Sankt Gallen war. In Rorschach führt er 1610 die Leinenweberei ein, wie auch in der Stadt Sankt Gallen eine Quelle des Wohlstandes. Er holte dazu Balthasar Hofmann aus Konstanz.

1595 wurde der St. Gallener Globus von Abt Bernhard erworben. Mit ihm beginnen die Tage-und Rechnungsbücher, die bis zum letzten Abt Sankt Gallens reichen. Aus Gesundheitsgründen resignierte er am 16.4.1630. schon am 18.12. 1630 verstarb er in Rorschach.

globus10 Sein Nachfolger Pius Reher wurde 1597 als Sohn des Martin Reher und der Anna Lang in Blönried in  Württemberg geboren, heute ein Ortsteil von Aulendorf. Er trat ins Kloster Sankt Gallen ein, wo er am 10.8. 1614 die Profess ablegte. er studierte in Ingolstadt und 1621 in Dillingen. Nachdem er am 10.4.1621 Diakon geworden war, erhielt er am 24.9. 1622 die Priesterweihe. Im Kloster war er zunächst als Subprior, dann Fraterinstruktor und schließlich als Novizenmeister tätig. Am 15.4.1630 wurde er im Beisein des Nuntius Ranuccio Scotti (1630-1639) zum Abt gewählt- Dieser weihte ihn nach der Konfirmation durch Papst Urban VIII. am 16.12.1630 am 4.5. 1631 in Einsiedeln zum Abt. Zwar wurde St. Gallen nicht unmittelbar vom in Deutschland tobenden 30-jährigen Krieg betroffen. Aber die Zeiten waren unruhig. Schon 1625 hatte die Stadt den aus Basel stammenden Hans Jakob Zörnli mit der Befestigung der Stadttore und Türme betraut und ihm dann das Bürgerrecht verliehen. Infolge des Krieges blieben einige Tore zeitweilig geschlossen. Als die Schweden 1633 Konstanz belagern, wenn auch letztlich erfolglos, versichern diese, dass den Eidgenossen keine Gefahr drohe, so lange sie sich ruhig verhalten. Aber sie erneuern ihre Hochwacht auf der Bernegg und halten die Stadt immer geschlossen. Auch Truppendurchzüge beunruhigen das stiftische Gebiet. 1635 erlaubt Abt Pius Herzog Henri de Rohan, dem Hugenottenführer und zusammen mit Jörg Jenatsch dem Befreier des Veltlins, den Durchmarsch seiner Truppen. Im selben Jahr ziehen kaiserliche Truppen durch. Auch die Pest wütet 1635 wieder. 1240 Bürger fallen der Seuche zum Opfer. Im Vorjahr wurden schon alle Juden aus der Stadt vertrieben.

Mit Philipp IV. von Spanien schloss er 1635 ein Militärbündnis. Zwischen 1650 und 1654 regelte er mit der Stadt in mehreren Verträgen Zehntfragen und andere Probleme. auch mit den Appenzellern und der Stadt Sankt Gallen schloss er Verträge und stärkte dir Rechte der Abtei. Ein ausgesprochen gutes Verhältnis hatte er mit dem St. Gallener Arzt und Bürgermeister Sebastian Schobinger.

Er erweiterte das von Abt Bernhard in Rorschach errichtete Gymnasium durch Einführung von Kursen in Philosophie und Theologie. Er verlegte die Klosterdruckerei von St. Johann nach St. Gallen. Er bestimmte die Einnahmen der Pfarreien Goldach und Grub für die Bibliothek. Eine gute Ausbildung seiner Mönche lag ihm am Herzen. Er sagte einmal, lieber wolle “den inkardinierten Teufel im Kloster sehen, als einen ungebildeten Mönch.” Papst Urban VIII. ernannte ihm zum Protektor der Klöster Kempten und Salem. Er war einer der großen barocken Reformäbte des Klosters. Seinem Kloster aber hinterließ er einen Schuldenberg. Er starb am 9.12.1654.

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Abt Gallus Alt wurde am 10.9. 1610 als Sohn des Bauern Johann Alt in Oberriet im St. Galler Rheintal geboren. Er besuchte die Lateinschule in Appenzell. dann trat er ins Kloster St. Gallen ein. dort legte er am 8.9.1628 ab. Er wurde am 6.3.1632 Subdiakon, am 3.3. 1635 Diakon und am 16.2.1636 wurde er Priester. Seine Primiz feierte er 2.3.1636. Dann studierte er wohl in Rom, wo er am 29.1.1642 zum Dur. jur.can. promoviert wurde. In seiner klösterlichen Karriere wurde er am 16.11.1645

Statthalter in Ebringen. Bald danach wurde er Subprior. 1650 war er Prior und Statthalter von St. Johann. Seit 1652 war er Dekan und am 17.12.1654 wurde er schließlich zum Ab t gewählt. seine Konfirmation erhielt er durch Papst Alexander VII. (1655-1667) am 5.7.1665 und zum Abt geweiht wurde er am 7.5.1656.

Zu beginn seiner Amtszeit hatte er sich mit den Wirren, die dem 1. Villmerger Krieg, einem eidgenössischen Glaubenskrieg, der zwischen reformierten und katholischen Orten der Eidgenossenschaft ausgetragen wurde. Die Katholiken forderten den Abt auf, zum Krieg zu rüsten. Er bot daraufhin Truppen auf und traf auch Verteidigungsanstalten, erklärte aber gleichzeitig, neutral zu bleiben. Die Toggenburger, aber auch die Bewohner von Romanshorn und Kesswil weigerten sich Truppen für das Aufgebot zu stellen. Der Abt wollte sie dafür bestrafen. Aber Zürich, das die Reformierten in Toggenburg stützte trat zu ihren Gunsten ein. Die Zeiten blieben unruhig und manchmal reichten oft Kleinigkeiten um die ganze Gegend in Aufregung zu versetzen oder fast in einen Bürgerkrieg zu münden wie z. B. “der Wigoltinger Handel” 1663, als betrunken Rekruten Kirchgänger provozierten. Der Abt hatte 1658 Fidel von Thurn zum Landeshofmeister bestimmt. Fidels Vater war Apotheker und wurde von Abt Bernhard Müller geadelt. Er wurde

Fidelbesuchte die Klosterschule in Rorschach und studierte  in Rom. 1647 wurde er von Abt Pius Reher zum fürstlichen Rat ernannt. 1650 wurde er Hofamman und Kanzler. Ab seiner Ernennung war er praktisch an der Spitze der äbtischen Verwaltung und bestimmte unter mehreren Äbten die Politik des Stifts. Zunächst begünstigte er Frankreich. als aber 1677 das St. Gallische Ebringen plünderten, schwenkte er auf die kaiserliche Seite um. Auf seinen Rat zog der Abt die St. Gallischen Soldtruppen, die in französischen Diensten standen ab und lehnte sich an den Kaiser an.

Auch das Herzogtum Savoyen warb um die Gunst St. Gallens. Abt Gallus ging mit Savoyen 1668 ein Schutzbündnis ein, wofür er den Annuntiatenorden, bis 1951 derhöchste Orden Italiens, erhielt. Fortan trugen die St. Gallener Äbte die Ordenskette, die erst nach dem Tod des letzten Abts veräußert wurde.

Abt Gallus hatte eine rege Bautätigkeit entwickelt. Die alte Galluskirche wurde abgerissen. Konventflügel und Pfalz wurden neu erbaut.

Die Ortschaft Hagenwil kaufte Abt Gallus 1684 zurück. Er schloss das Gymnasium in Rorschach wegen der großen Konkurrenz der Jesuitenkollegien in Konstanz und Feldkrich. Auch befürchtete er Gefahren für die klösterliche Disziplin wegen der dauernden Abwesenheit der Konventualen. Er achtete auf sehr strenge Disziplin, so dass sein Kloster als eines der regeltreuesten galt. Wie schon sein Vorgänger führte er viele Kirchenvisitationen durch. Mitglieder seines Konvents wirkten auch in Kempten, Fulda, Murbach  und Ettenheimmünster. In der Amtszeit von Abt Gallus umfasste der Konvent ständig etwa 70 Mitglieder. Er hatte 105 neue Mönche aufgenommen. Am 5.Mai 1686 feierte er im Beisein sämtlicher Äbte der Schweizer Benediktinerkongregation sein Goldenes Priesterjubiläum. Seit 1663 plagte ihn ein Steinleiden. In seinem letzten Jahr verschlimmerte sich diese so, dass sich ab November 1686 ins Krankenhaus zurückzog. Am 4. März 1687 verstarb er.

Cölestin Sfondrati wurde am 10.1.1644 in Sohn des Marchese Valeriano Sfondradi und der Paula Marliana Sfondrati geboren. Er war mit höchsten kirchlichen und weltlichen Würdenträgern verwandt. Sein Vater war Generalkommisär in der spanischen Armee, sein Großonkel war Papst Gregor XIV.,sein Onkel der Kurienkardinal Paolo Emilio. Sein Großvater Herkules, der Bruder des Papstes war General der römischen Kirche. Seine Bruder Herkules war Herzog von Monte Marziano und General der römischen Miliz. Einer seiner Vorfahren Paul Geheimrat König Philipps II. von Spanien. Cölestin kam am 15.8. 1656 nach St. Gallen. Von dort aus besuchte er die zur Fürstabtei gehörende Schule in Rorschach. Am 6.5.1660 legte er die Profess in St. Gallen ab. Danach erhielt er die niederen Weihen am 14.5.1665. Subdiakon wurde er am 16.9.1665 und Diakon am 24.9. 1667. Am 26.5.1668 wurde er zum Priester geweiht und am 3.6. 1668 feierte er seine Primiz. Er absolvierte sein Studium in seinem Heimatkloster. Er war ein hochbegabter Theologe und wurde schon als Diakon als Professor in die Fürstabtei Kempten geschickt. Im Dezember 1669 war wieder in St. Gallen zurück und begann dort am 31.12.1669 seine Lehrtätigkeit im Fach Philosophie. Seit 1671 unterrichte er Theologie in St. Gallen. Am 20.7. 1675 wurde er Novizenmeister und 1678 Offizial. Seit dem 18.10. 1678 lehrt er Kirchenrecht. um sich in dieser Disziplin weiterzubilden schickte ihn Abt Gallus an die Benediktineruniversität nach Salzburg.Schon am Jahresende 1679 promovierte er in Theologie und beiden Rechten. Bis 1683 wirkte er als Professor für Kirchenrecht an der Salzburger Universität. 1680 hatte ihn der Salzburger Erzbischof Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg zum Geistlichen Rat ernannt. 1683 wurde er an sein Heimatkloster zurückberufen. Dort war er zunächst seelsorgerisch in Rorschach und Untereggen tätig. Ab 1684 war er wieder Offizial. Auch rechtsberatend war er für die Abtei tätigt. Als es um einen engeren Anschluss der Schwäbischen Benediktinerkongregation an die Schweizerische ging, war er 1684 in Weingarten. Er war auch an der Vorbereitung des 1. Benediktinerkapitels der Bayrischen Benediktinerkongregation und war dazu 1684 in St. Emmeran in Regensburg. Seine antigallikanische Haltung hatte er in mehreren Schriften zum Ausdruck gebracht und sein unter dem Pseudonym Eugenius Lombardus 1684 veröffentlichten “«Regale sacerdotium Romano Pontifici assertum» hatte vor allem in Frankreich starken Widerspruch hervorgerufen. Wegen seiner Einstellung war er 1686 von Papst Innozenz XI. nach Rom gerufen werden um von der Ernennung zum Bischof von Novara in Kenntnis gesetzt zu werden. Diese zögerte hinaus. Am 16. März 1687 wählte ihn der Konvent unter Vorsitz des Nuntius Giacomo Cantelmi und im Beisein der Äbte Augustin von Einsiedeln und Basil von Rheinau  zum Abt. Der Papst stellte ihn nun vor die Wahl Bischof oder Abt. Er entschied sich für den Abt. Die Konfirmation durch Papst Innozenz XI. erfolgte am 24.11. 1687. Die Weihe erfolgte wegen der Vakanz der Nuntiatur erst später. Am 4.5.1692 nahm Nuntius Marcello d’Asti diese vor. Schon vorher hatte er bewiesen, dass er ein geschickter und hilfsbereiter Landesherr war, so bei der der Hungersnot 1689, durch Ankauf und Verteilung von Lebensmitteln an Bedürftige. Baron Fidel von Thurn blieb sein Landeshofmeister, doch überliess er sich anders als ein Vorgänger nicht so sehr dessen Führung. 1693 nahm dieser dann seinen Rücktritt vom Hof. Die Betiehungen zu Frankreich waren sehr schwierig. Nachdem sich schon Baron von Thurn von Frankreich abgewendet hatte, erleichterte die Wahl des in Frankreich angefeindeten antigallikanischen Abt die Beziehungen zu Frankreich nicht gerade.

In innerschweizerischen Angelegenheiten glaubte er an eine baldige kriegerische Auseinandersetzung. Den katholischen Orten empfahl er zu rüsten. Er selbst legte einen Kriegsfond an. In einer Zusammenkunft in Wil wurde ein Kriegsplan beraten.

Er wollte eine Straße über den Hummelwald und den Ricken bauen um eine bessere Verbindung mit den Schwyzern und den katholischen Orten zu schaffen. Der Plan wurde aber den Zürchern zur Kenntnis gebracht und scheiterte.

Natürlich war man auch höheren Orts auf ihn aufmerksam geworden. Bei der Papstwahl von 1691 hatte er gezeigt, dass er durchaus papabile war. Immerhin entfielen auch drei Stimmen auf ihn, obwohl er nur ein "kleiner" Abt war.Papst Innozenz XII. erhob  ihn am 12. Dezember 1696 zu, Kardinal. Alle Mächte- außer Frankreich gratulierten. Zwar wollte Konvent den Abt behalten, aber dieser sah ein, dass das auch für das Kloster von Nachteil gewesen wäre. So resignierte er am  10.1. 1696 auf die Abtei. Zwei Patres, Hermann Schenk und Dominik Ritter begleiteten ihn nach Rom. Er brachte aber bald die finanzielle Hilfe St. Gallens, denn obwohl persönlich sehr bedürfnislos, war das Leben eines Kardinals doch recht teuer. Er musste 34.558 Gulden aufnehmen, von denen nur 10.000 zurückkamen. Er gehörte der Riten-, Index-, Propaganda-,Konzils- und Konsistorialkongregation sowie dem Heiligen Offizium an. Außerdem war er Protektor der Cassinenschischen  Benediktinerkongregration. Aber die Ämterbelastung, wohl auch das Klima waren zuviel für seine Gesundheit. Er erkrankte schwer. Am 4.9. 1696 starb er an Krebs. Seinem Wunsch gemäß wurde sein Herz in St. Gallen bestattet. Sein Leichnam fand in seiner Titelkirche St. Cäcilia seine letzte Ruhestätte.

Leodegar Pfister wurde am 1.4. 1640 als Sohn des Heinrich Bürgisser und der Anna Maria Wey in Luzern geboren. Sein Vater war Pfister, also Bäcker.Beziehungen zu Klöster lagen aber schon in der Familie. Ein Großonkel Leodegars, Bernhard Keller war von 1649-1659 Abt der Zisterzienserabtei Wettingen.

Abt Leodegar kam  am 15. Oktober 1653 1653 nach St Gallen. Am 27. Mai 1657 legte er unter Abt Gallus Alt seine Profess ab. Er durchlief dann die klösterliche Laufbahn. 1661 wurde er Subdiakon, 1663 Diakon und am 20. September 1664 Priester. Seine Primiz feierte er am 12. Oktober 1664. Sein Erbteil von 130 Gulden wurde dem Kloster 1671 hinterlegt. 1665 war Leodegar Brüderinstruktor. Im gleichen Jahr war er an der St. Gallener Schule als Lehrer tätig. Von 1667-1669 war er dann Pfarrer in Wildhaus. Danach war er Küchenmeister in St. Gallen. Über eine Pfarrstelle in Peterzell kam er 1674 als Unterstatthalter nach Ebringen. Vom 26. September 1675 bis zum 15. September 1681 war er Statthalter in Ebringen. An diesem Tag wurde er nach St. Gallen zurückberufen, wo er Subprior wurde und ab dem 14. Juni 1683 war er Dekan in St. Gallen. Am 16. Januar 1696 wurde er zum Abt als Nachfolger seines zum Kardinal ernannten Vorgängers

Cölestin gewählt.

Er hatte drei Brüder, die auch im geistlichen Stand waren. Johann Walter war Domkustos zu St. Stephan in Wien.. Pater Benedikt war Guardian des Kapuzinerklosters Victorsberg in Vorarlberg und ein dritter Bruder schließlich war Weltgeistlicher im Entlebuch.

Leodegar Bürgisser wurde im Beisein der Äbte Raphael von Einsiedeln und Placido von Muri unter Vorsitz des Kardinals Cölestin Sfondrati zum Abt gewählt. Die Konfirmation verzögerte sich, da noch finanzielle Angelegenheiten mit dem neuen Kardinal zu klären waren. Die feierliche Weihe nahm Weihbischof Franz Christoph Rinck von Baldenstein aus Eichstätt, den Bruder des St. Gallischen Landeshofmeister Wilhelm Rinck vor. Das schlug zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen sparte man damit Geld. Zum andern umging man den Konstanzer Bischof. Die Regalien bestätigte Kaiser Leopold I. (1658-1705) und Kaiser Joseph I. (1705-1711) am 22.1. 1706. Ab 1695 nahm er die Huldigungen in der  Alten Landschaft, im Toggenburg und im Rheintal entgegen. Gleich am Anfang seiner Amtszeit gab es aber die ersten Querelen. Seit der Reformation durften die Katholiken bei Prozessionen keine Fahnen und aufrecht getragene Kreuze mit sich führen. Die äbtische Regierung wies nun einige Pfarrer an, die Prozessionskreuze nicht wie erlaubt auf den Arm niedergelegt sondern aufrecht vor sich her durch die Stadt zu tragen. Erboste Bürger der reformierten Stadt griffen zu den Waffen und jagten die Prozessionsteilnehmer ohne Kreuze aus der Stadt. Nur mit Mühe konnte ein Blutvergießen verhindert werden. Die vier Schirmorte griffen schließlich ein. Man handelte den Kompromiss aus, dass die Kreuze an einer um den Hals gelegten, seidenen Schnur aufrecht vor sich hergetragen werden mussten. Die Forderung nach finanzieller Kompensation der Abtei wurde zunächst abgelehnt. Mit Hilfe des französichen Gesandten erreichte man auf der Tagsatzung allerdings, dass die Stadt dem Stift 3.800 Gulden Schadenersatz zahlen musste, was natürlich wieder für Verbitterung bei der Stadt sorgte. Frankreich suchte, Abt Leodegar auf seine Seite zu bringen, aber Baron von Thurn, der immer noch die Hand im Spiel hatte, brachte den Abt dazu, mit Leopold I. einen Defensionalvertrag abzuschließen. Nicht überall in der Schweiz stieß dieser Vertrag auf Verständnis, vor allem die katholischen Orte waren befremdet. Diese Hinwendung zu Österreich stellte einen Einbruch ins innere Gefüge und die Hoheit der Eidgenossenschaft. Natürlich konnte dies weder von den beiden Appenzell noch von Zürich hingenommen werden. Die Schwierigkeiten hatten schon vorher angefangen,als Abt Leodegar sich daran machte, eine schon von Abt Cölestin ins Auge gefasste Straßenverbindung mit den Schwyzern und den katholischen Orten zu bauen.Als Abt Leodegar der Gemeinde Watwil befahl, mit Frondiensten mit dem Bau der Straße zu beginnen, weigerten sich die Watwiler, am Bau der Straße mitzuwirken. Sie nahmen das als finanzielle Unterdrückung war und sahen das auch als Bedrohung ihrer Glaubensfreiheit. Daraufhin ließ der Abt den höchsten Toggenburger Magistraten, den Landweibel Germann  kurzerhand einkerkern, um den Widerstand zu brechen. Das gelang nur bedingt. Die Toggenburger Autonomiebestrebungen gingen weiter. In Wattwil verabschiedeten die Toggenburger mit Billigung Berns und Zürichs am 23. März 1707 einen Verfassungsentwurf, der die Hoheitsrechte der Fürstabtei zwar warte, aber eine autonome Landesverwaltung einsetzte. Das war die Konstitution einer Landsgemeindedemokratie nach appenzeller Vorbild. Die äbtischen Beamten und der Landvogt wurde ausgewiesen. Der Erlass der Religionsfreiheit richtete sich klar gegen die interessen der katholischen Kantone. Damit hatte der Konflikt auch noch eine konfessionelle Note. Kurz vorher, am 4. März hatten Bern und Zürich noch 6 Vergleichsartikel vorgelegt, ohne vom Abt aufgefordert zu sein. Der Konflikt eskalierte nun zusehends. Die Zeichen standen auf Krieg. Die Toggenburger rüsteten mit Unterstützung Berns und Zürichs auf. 1710 besetzten sie die fürstäbtlichen Schlösser Lütisberg, Iberg und Schwarzenbach. Auf der einen Seite standen nun die reformierten Kräfte in Toggenburg, unterstützt von Bern und Zürich, auf der anderen Seite standen die fünf inneren Orte Luzern, Zug, Schwyz Uri und Unterwalden. Bern und Zürich suchte und fand Unterstützung in Basel, Biel, Moutier und La Neuveville. Die fünf Orte hatten ihre Verbündeten im Wallis und im Freiamt, also dem Gebiet des heutigen Kantons Aargau. Freiburg und Solothurn verhielten sich neutral ebenso wie das innerlich gespaltene Glarus. Am 26. April 1712 brach schließlich der Krieg offen aus. Wil, wohin der Abt seine Hauptstreitmacht gelegt hatte, musste sich schon am 22. Mai den Zürchern und Bernern ergeben. Als der Abt die Kunde von der Niederlage erhielt floh er noch am selben Tag von  Rorschach, wo er sich aufgehalten hatte nach Mehrerau und von dort auf die Stiftsbesitzung Neuravensburg. Am 26. Mai zogen Berner und Zürcher ins Kloster ein und plünderten es. Früchte, Vieh, und Wein, aber auch Bücher, das Archiv, die Apotheke und unter anderem der berühmte Globus, den Abt Bernhard erworben hatte. Erst im Jahr 2006 kam es im “Kulturgüterstreit”, bei dem um die aus St. Gallen stammenden und eben 1712 geraubten Kulturgüter ging und die seither in der Zentralbibliothek von Zürich verwahrt wurden zu einem von der Eidgenossenschaft vermittelten Ausgleich. Der Globus verbleibt im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich. Dafür erstellt aber Zürich eine originalgetreue Replik und schenkt dies Sankt Gallen. Gar kein so einfaches Unterfangen, musste doch ein immerhin über 400 Jahre alter Globus nachgebaut werden, eine anspruchsvolle Aufgabe für Wagner,Kupferschmied, Kalligraph und Maler, die über 7000 Arbeitsstunden erforderte.

70 Konventuale verteilten sich in verschiedenen süddeutschen Klöstern und hielten mühsam Kontakt zum Abt in Neuravensburg Abt Leodegar setzte den Rorschacher Pfarrer als Offizial “ad interim” ein.

Ab 1713 wurden Friedensverhandlungen eingeleitet. Am 24. März 1714 wurde ein Vertrag abgeschlossen, den Abt Leodegar allerdings ablehnte, da er weder an die Stadt Land abtreten wollte noch den Toggenburgern Anteil an der Regierung zugestehen wollte. 1714 fand zu Baden ein großer Friedenskongress statt, auf den

Abt Leodegar große Hoffnungen gesetzt hatte. Der Kaiser konnte aber keinen großen Druck ausüben, so dass Leodegar in seinen Hoffnungen enttäuscht wurde.

1716 wurden neue Friedensregelungen angeregt, aber Abt Leodegar starb am 18. November 1717 im Alter von 78 Jahren in Neuravensburg an Herzversagen. Er wurde in Mehrerau neben Abt Kilian Germann, der ebenfalls im Exil gestorben war, bestattet. Einerseits war Abt Leodegar stark um die klösterliche Disziplin besorgt und kümmerte sich strak um die Ausbildung des Klerus. Andrerseits hielt er stur an seinen  Rechten fest und so brachte er sich und seine Abtei um Kompromisslösungen.

Abt

Einen knappen Monat später versammelte sich das Kapitel am 16.12. 1717 in Neuravensburg zur Wahl des Nachfolgers von Abt Leodegar. Unter Vorsitz von Abt Thomas Schenkli aus Einsiedeln wurde Joseph Wolfgang Ernst von Rudolphi aus Laibach in Krain einstimmig zum Abt gewählt. Abt Joseph wurde am 16. Mai 1666 als Sohn des Johann Christoph von Rudolphi, einem Oberstlieutenant eines kaiserlichen Regiments, der Kommandant in Konstanz war und der Maria Salome von Bernegg aus Bündten. Joseph kam am 14. Oktober 1683 nach St. Gallen. Dort legte er am 6. Mai 1685 die Profess ab. Seine klösterliche Laufbahn begann er am 12. Juni 1686 mit dem Subdiakon. Am 18. September 1688 wurde er Diakon und am 23. September 1690 wurde er Priester. Seine Primiz feierte er am 1. Oktober 1690. An Klosterämtern hatte er ab 5. Dezember 1691 das des Subkustos inne. Am 4. Januar 1693 folgte der Subcellerar. Ein Jahr später war er Lehrer der Grammatik, gleichzeitig Unterküchenmeister, Gastpater und Subgranuarius. Am 22. November 1694 stieg er zum Küchenmeister in St. Gallen auf. Am 2. August 1696 wurde er Küchenmeister in  St. Johann und 16. November 1699 in Rorschach. Am 29. September 1707 kam er wieder nach St. Gallen und war dort als Brüderinstruktor tätig. Am 13. August 1708 wurde er zum Kustos ernannt außerdem war er ab 12. Oktober Beichtiger in Notkersegg. Am 5. Mai 1712 schließlich wurde er Subprior und dann wurde er zum Abt gewählt. Die Konfirmation durch Papst Clemens XI. (1700-1721) erfolgte am 27.4. 1718. Die Weihe hatte sich bis zum 24.6.1721 vorgezögert. Sie wurde durch den Konstanzer Bischof Johann Franz Schenk von Staufenburg  unter Assistenz der Äbte Thomas von Einsiedeln und Abt Magnus von Mehrerau. In seinem Breve vom vom 18.3.1595 hatte Papst Clemens VIII. Wahlkapitulationen, wie sie noch bei der Wahl Bernhards geschlossen worden waren, untersagt. Die Kapitelmitglieder wollten aber Vorkommnissen wie unter Abt Leodegar vorbeugen. Sie begnügten sich damit dem Abt eine Bittschrift mit 18 Punkten vorzulegen.

Abt Joseph war schon 1714 für den Abschluss eines Friedens gewesen. Sein Vorgänger hatte noch mit Bern zu verhandeln angefangen. Der neue Abt nahm die Verhandlungen umgehend wieder auf. Zürich war über das selbstständige Vorgehens ziemlich ungehalten und machte große Schwierigkeiten. Die politische Großwetterlage hatte aber wieder mal gedreht. Kaiser Karl VI. hatte mit seinem Feldherrn Prinz Eugen gerade im venzianisch-österreichischen Türkenkrieg (1714-1718)gewonnen und konnte es sich leisten, gegenüber Zürich eine drohende Haltung einzunehmen. Auch machte der Berner Schultheiss Johann Friedrich Willading Miene, eigenmächtig vor zu gehen. Willading hatte schon 1707 als Abgeordneter der evangelischen Kantone verhandelt und war St. Gallen durchaus wohlgesonnen. Zürich musste einlenken. Am 1. Mai 1718 wurde die Konferenz aufgenommen und am 15. Juni 1718 kam der 84 Punkte umfassende Friedensvertrag zustande. Das Stift erhielt alle Güter zurück, musste aber den Toggenburgern weit entgegenkommen. Für die reformierten Untertanen sollten die Bestimmungen des im Jahre 1712 geschlossenen Landfriedens gelten. Appenzell und die Stadt Sankt Gallen bekamen einige rechtliche Zugeständnisse aber nicht den von ihnen erhofften Gebietszuwachs. 1719 erhielt Abt Joseph einen Großteil der zu Beginn des Krieges  und nach Zürich gebrachten und geraubten Bibliothek. 1721 kamen aus der Berner Beute 8 Glocken zurück. Abt Joseph dankte den Zürichern mit einem Schreiben. diese interpretierten dies allerdings als Verzicht auf den Rest der Güterzurückführung. Noch am 19. August 2008 musste sich St. Gallener Verwaltungsgericht mit dieser Sache befassen.

Als Reichsstand unterbreitete der Abt den Friedensvertrag vor dessen Ratifikation dem Kaiserhof. Der Reichshofrat war dagegen, der Staatsrat überließ es jedoch dem Abt, ob der den Vertrag annehmen wolle oder nicht. Abt und Kapitel unterzeichneten den Vertrag am 5. August 1718. Der Bischof von Konstanz und die katholischen Orte, vor allem die Glarner und Schwyzer waren dagegen, weil deren Rechte zugunsten der Berner und Züricher stark gekürzt wurden. Auch der päpstliche Nuntius Vincenius Bichi lehnte den Vertrag ab. Der Papst verwarf ihn sogar, weil er der katholischen Religion zu nachteilig schien. Aber das änderte am Tatbestand nichts mehr.

Der Abt kam aus dem Exil zurück und wurde in Wil und Rorschach freudig begrüßt. Nun standen Wiederaufbau von Kloster und Staat auf der Tagesordnung. Das entwickelte sich jedoch schwierig, weil immer wieder politische Unruhen aufkamen, vor allem wegen der Auslegung des Friedensvertrages von 1718.

Er tat alles um die wirtschaftliche Bilanz wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Kaufleute und Gewerbetreibende aus dem Gebiet der Fürstabtei rief er 1739 nach Rorschach zusammen, um Handelsfragen zu besprechen und die Einführung einer Handels-und Gewerbeordnung zu erörtern. Er versuchte das zerfahrene Münzwesen zu ordnen. Er reorganisierte das Militärwesen. Er schaffte eine neue Milizordnung und erneuerte Ausrüstung und Bewaffnung.

Naturgemäß lag ihm das religiöse Leben stark am Herzen. Er nahm mehrfach Visitationen von Pfarreien vor oder ließ sie vornehmen. Besondere Aufmerksamkeit wandte er der Ausbildung des Klerus zu. Durch Jesuiten ließ er große Volksmissionen durchführen. Am ende seiner Amtszeit hatte er noch einen heftigen Konflikt mit der Konstanzer Kurie auszufechten, in dessen Verlauf der Konstanzer Offizial Dr. Franz Andreas Rettich, der in bischöflichem Auftrag St. Gallener Pfarreien aus dem Territorium der Fürstabtei gewiesen wurde. Auf außenpolitischem Gebiet hatte er eine Wende vollzogen, als er 1731 das 1663 von Abt Gallus mit Frankreich geschlossene Bündnis erneuerte.

Es gab immer wieder Schwierigkeiten so zum Beispiel 1735 die Ermordung zweier Beamter des Abts, die weit über die Schweizer Grenzen aufsehen erregten. Wie im Friedensvertrag von 1718 vorgesehen sollte ein Schiedsgericht über derartige Vorfälle entscheiden und diese regeln. Dies ging nur langsam vorwärts zumal Frankreichs Vertreter in der Schweiz dem Abt geraten hatte, die Sache in die Länge zu ziehen, weil sich mit der zeit eine für das Stift günstigere Lösung ergeben würde.

Abt Joseph hatte sich wohl auch mit dem Gedanken getragen, einenn neuen Stiftsbau auszuführen. Der Einsiedler Mönch Kaspar Moosbrugger entwarf im Auftrag des Abtes Pläne für einen Kloster-und Kirchenbau.

Der Abt war seit Beginn seiner Amtszeit von schwächlicher Gesundheit. Im Jahre 1739 befiel ihn ein heftiger Lungenkatarrh, dem er am 7. März 1740 erlag. Er wurde als letzter Abt in der alten Münsterkirche bestattet.

Am 23. März 1740 wählte das St. Gallener Kapitel Cölestin Gugger von Staudach zum neuen St. Gallener Abt. Favorit war zwar zunächst Bernhard Frank von Frankenberg. Gewählt wurde aber der bisherige Subprior Cölestin. Sein Konkurrent Bernhard Frank wurde dann aber 1742 Abt in Disentis. Cölestin stammte aus Tiroler Adel. Die Patrizierfamilie lebte in Wangen. Cölestins Urgroßvater Conrad war Bürgermeister in Wangen, sein Großvater Syndikus der Stadt Wangen und sein Vater Michael Anton schließlich Stadtrat in Feldkirch. Seine Mutter war Anna Maria Oexlin aus Feldkirch. Ein Bruder von Cölestin war als Pater Prudentius Mitglied des Kapuzinerordens, später Guardian in Langenargen. Cölestin ist am 28. Juni 1701 in Feldkirch geboren. Dort besuchte er sieben Jahre lang das Jesuitenkolleg. Am 31. Oktober 1719 kam er nach St. Gallen. Am 16. Oktober 1721 legte er dort die Profess ab. Er wurde Subdiakon (21.7. 1723), Diakon ( 23.9. 1724) und schließlich Priester (22.9.1725). Seine Primiz feierte er am 14.10.1725. In rascher Folge durchschritt er die Universitätslaufbahn. 1726 wurde er zum Professor der spekulativen Theologie ernannt. Zusammen mit Bernhard Frank ging er 1729 nach Rom, wo er den Doktor beider Rechte erwarb. Am 16. November 1730 kehrte er nach St. Gallen zurück. Ab Januar 1731 lehrte er dort wieder als Professor der Theologie. Ab Juli 1731 ist er Suboffizial und ab 7.12. 1731 Apostolischer Notar.

72d8b2022c68f4ecAb 2.9.1733 ist er Professor des kanonischen Rechts. In seiner klösterlichen Laufbahn ist er ab 1732 Beichtiger in Notkersegg. Ab 17.10.1733 ist er Küchenmeister, einen Monat später Bibliothekar und am 20.3.1734 schließlich Subprior. Seine Wahl zum Abt erfolgt unter Vorsitz des päpstlichen Nuntius Carlo Franceso Durini. Die Konfirmation durch Papst Benedikt XIV. (1740-1758) erfolgt am 30.9.1740. Die Weihe wird am 10.9.1741 vom Nuntius im Beisein der Äbte Nikolaus von Einsiedeln und Gerold Fürstabt von Muri vorgenommen.

Das Tagesgeschäft holte ihn gleich bei der Entgegennahme der Huldigung ein. In Toggenburg wurde sie ihm zunächst verweigert. Zwar wollten Bern und Zürich vermitteln. Doch der Abt erklärte, dass es allein ihm zustände, diese Angelegenheit zu ordnen. Erst am 30. Oktober 1743 konnte der Abt die Huldigung entgegennehmen, die nun ordnungsgemäß verlief. Aber mit Klugheit, Geduld und zielsicherem Willen brachte er schließlich alle jahrzehntealten Unruhen und Streitigkeiten zu einem friedlichen Ende. Den lange schwelenden Jurisdiktionsstreit mit dem Bistum Konstanz konnte er 1741 beilegen. Sankt Gallen erhielt nun das volle Visitationsrecht in seinem Herrschaftsgebiet zuerkannt.

Auf einer Konferenz der eidgenössischen Orte am 29. Januar 1759 wurde mit einem Friedensvertrag ein Zwist beendet, der die Schweiz über Jahrzehnte beunruhigt hatte. Schon vorher hatte er kleinere Zwistigkeiten und Streitereien geschickt klein gehalten, die Ruhe gesichert und die Interessen des _Stifts gewahrt, so im “Gruber Kreuzfahrerstreit”, der stark an den Kreuzkrieg unter Abt Leodegar erinnerte oder bei Unruhen im Rorschacher Amt.

Er wachte genauestens über die klösterliche Disziplin. Die erste Visitation hatte er persönlich 1742 vorgenommen und ließ diese regelmässig wiederholen.

Bei religiösen Anlässen nahm er persönlich Anteil, wie an der Reliquientranslation des Heiligen Justinus in Gossau am 22. September 1743 und der Heiligsprechung des Heiligen Fidelis aus Sigmaringen am 30. April bis 4. Mai 1747 in Wil.

Zwei Dinge sind bei Abt Cölestin hervorzuheben. Das eine ist seine kluge Wirtschaftsführung. Obwohl für den Kirchen-und Bibliotheksbau 457.929 Gulden ausgegeben worden waren, hinterließ er seinem Nachfolger über 180.000 Gulden an Barvermögen und 57 695 Kapitalien. Auch konnte er anderen Klöstern unter die

Arme greifen. So sprang er in Disentis immer wieder mit Geld und Leuten ein. Aber auch dem Kloster Weingarten und Ochsenhausen konnte er je 20.000 Gulden leihen, der Zisterzienserabtei Salem 21.000.

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Zum andern muss natürlich seine Bautätigkeit erwähnt werden. 1746 begann er mit dem Bau des Kornhauses in Rorschach, zu dem der italienische Baumeister Johann Caspar Bagnato die Pläne lieferte. Bagnato war an vielen Bauten in Oberschwaben und der Schweiz beteiligt, so in Altshausen, auf der Mainau, in Messkirch usw. Auch für die Klosterkirche in St. Gallen hatte er Pläne gezeichnet, die jedoch nicht zur Ausführung kamen. Der Grundstein zur neuen Klosterkirche wurde 1757 gelegt. die Weihe erfolgte 1760. Die Bauleitung lag im Schiff bei Peter Thumb aus Konstanz (Birnau, Kirche und Bibliothek im Kloster St. Peter im Schwarzwald, Abteikirche Ebersmünster im Elsass und viele andere)und im Chor bei Johann Michael Bär aus Vorarlberg (Kloster Sankt Blasien, Altes Rathaus Konstanz, Schlosskapelle Mammern). Die Malereien im Schiff stammen von Christian Wenzinger aus Freiburg (Schloss ebnet, Taufstein in St. Peter, ehrenbogen für Marie Antoinette) Im Chor arbeitete Josef Wannemacher als Maler (Ave Maria in Deggingen, Kardinalszimmer in Marchtal, Kirche in Zollikon) und die Gebrüder Gigl aus Wessobrunn als Stukkateure (bevorzugte Stukkateure Peter Thumbs). Die Reliefs an der Ostfassade stammen von Josef Feuchtmayer, der auch die Chor- und Beichtstühle im Innern der Kirche erstellte. (St. Martin Weingarten, Reichsabtei Salem, Meersburg Neues Schloss, Kloster Einsiedeln Stuckarbeiten in der Bibliothek und im Speisesaal., die Putten in Birnau, darunter “Honigschlecker”)

Die Einweihung der Kirche erlebte Abt Cölestin allerdings nicht mehr.

Er war einer der tüchtigsten und erfolgreichsten Äbte der nachreformatorischen zeit in St. Gallen. er verstarb am 24. Februar 1767 und wurde in der Mitte des Chores der neuen Kirche.

200px-Kloster_St_Gallen_1769 Nach einem so großen Vorgänger tritt man immer ein schweres Erbe an. Beda Johann Konrad Angehrn wurde am 7.12. 1725 als Sohn des Chirurgen und Ammans

Johann Konrad Angehrn und der Maria Katharina Willi geboren in Hagenwil im Thurgau. Er besuchte das Jesuitenkolleg in Konstanz und kam 1743 nach St. Gallen. dort legte er am 16. Oktober 1744 die Profess ab. Am 21.September 1748 war er Subdiakon, am 24. Mai 1749 Diakon und am  20. Dezember 1749 Priester. seine Primiz feierte er am 27. Dezember 1749. Er war 12 Jahre Professor an der St. Gallener Schule. Sein Vetter Benedikt Maria Angehrn, der auch in St. Gallen studiert hatte war Abt in Neresheim (1755-1787). Beda wurde am 11.3. 1767 unter Vorsitz des Nuntius Luigi Valenti-Gonzaga im Beisein der Äbte Gerold von Muri und Januarius von Rheinau im 2. Wahlgang zum Abt gewählt. Die Konfirmation erfolgte durch Papst Clemens XIII. (1758-1769). Am 8.9.1767 wurde er vom Nuntius zum Abt geweiht. Die Regalien verlieh ihm Kaiser Joseph II. am 19.12 1767.

Die Hauptaufgabe war zunächst die Vollendung der Chorbauten und Ausschmückung der Kirche, die er sofort in Angriff nahm. Schon in seinem ersten Generalkapitel schlug er den Bau eines neuen Pfalzgebäudes vor. Dieser wurde in zwei Jahren bewerkstelligt, verschlang aber über 170.000 Gulden. So konnte ein neuer flügel und die Erhöhung des Hoftraktes nicht mehr durchgeführt werden, da die von seinem Vorgänger hinterlassenen Gelder rasch dahin schwanden.

1770/1771 traf eine schwere Hungersnot das Stift. Abt Beda linderte die Not so gut er konnte. Aber es musste teures Getreide beschafft werden, was die Reserven des Stifts weiter schrumpfen ließ. Als die Heimsuchung vorüber war, verlegte sich Abt Beda auf den Straßenbau, wo er sich bleibende Verdienste erwarb. Eine Straße führte von Rorschach nach Wil und St. Gallen rühmte sich, nicht nur die besten Straßen in der Schweiz, sondern in ganz Europa zu haben. Den Stiftsfinanzen bekamen diese neuen ausgaben nicht. Dem wachsenden Schuldenstand versuchte der Abt mit der Prägung eigenen Geldes zu begegnen. Doch waren die münzen so schlecht dass sie überall im Reich verboten wurden. Die immer größer werdende Verschuldung aber auch die ungenügende Beachtung des Mitspracherechts führten zu einer starken Opposition innerhalb des Konvents. Der Abt bot seine Resignation an, doch Rom lehnte diese ab. Daraufhin versetzte der Abt die Oppositionellen auf auswärtige Posten, nach Ebringen, St. Johann und Hemberg. auch ein Mittel, der Oppisiton aus dem Wege zu gehen. Zu den ohnehin massiven inneren Schwierigkeiten kamen die äußeren politischen Verhältnisse. Die Revolution in Frankreich und die revolutionären Ideen, machten auch nicht vor der Schweiz halt. In der alten Landschaft brachen Unruhen aus und sehr schnell ging der Abt auf die Forderungen der Aufständischen ein. Im Gütlichen Vertrag vom 23. Oktober 1795 wurde die Leibeigenschaft abgeschafft und weitere feudale Rechte preisgegeben oder geschmälert. Nur zwei Tage später verstarb Abt Beda. Seine Gegner Pater Gerold Brandeberg, zusammen mit Pankraz Vorster, Bedas Nachfolger, schrieben:

«Beda war in nichts seinem Vorgänger vergleichbar, als durch die Länge seiner Regierung. Liebenswürdig, wohlwollend, war er darum beim Volke auch zu jener Zeit populär, als es gegen ihn rebellierte. Für sich selbst ein strenger Beobachter der Ordensdisziplin, war er bei andern ob seiner zu grossen Güte ein milder Wächter. In Geschäften zu rasch, im Austeilen freigebig bis zur Verschwendung, scheint er die Kunst der Haushaltung entweder vernachlässigt oder gar nicht gekannt zu haben. Daher wird die ungeheure Schuldenlast der fortwährende Makel seiner Verwaltung sein und unserm Kloster das unwiderrufliche Verderben».[v] Neben der völlig ungeordneten Finanzverwaltung bildet jedenfalls die allzu grosse Schwäche in seiner Regierung ein Hauptgrund der trostlosen Lage des Klosters bei seinem Tode”

200px-Pankraz_VorsterPankraz Vorster wurde am 31.7. 1735 als Sohn  des Joseph Zacharius Forster, der Hauptmann im Regiment Jauch war, (die Jauchs waren ein alteingesessenes Geschlecht in Uri und betätigten sich als Militärunternehmer in königlich-spanischen und neapolitanisch-sizilianischen Diensten) und der Gräfin Anna Maria Rosa Berni in Neapel geboren. Zur Erziehung kam er zu seinem Onkel Johann Thomas Vorster, der Pfarrer in Grub und in Wittenbach war. Die Profess in St. Gallen legte er am 19. Mai 1771 ab. Priester wurde er am 13. Juli 1777. Seine Primiz feierte er am 20. Mai 1777. Ab 1783 war er Professor der praktischen Theologie. Bald war er führend in der Opposition gegen Abt Beda. Nachdem der Papst dessen Resignationsgesuch abgelehnt hatte, wurde er zusammen mit Pater Gerold Brandenburg nach Ebringen versetzt. Er kehrte 1796 aus Ebringen zurück und wurde am 1.6.1796 unter Vorsitz des Nuntius Pietro Gravina und im  Beisein des Abtes Beat Küttel von Einsiedeln und des Exabts von Diesentis Kolumban Sozzi mit 55 Stimmen zum Abt gewählt. Seine Weihe, und das ist bezeichnend erfolgte erst 1804 in aller Stille in Offenburg von dem ebenfalls im Exil lebenden Basler Fürstbischof Franz Xaver von Neveu. Sofort unternahm er energische Schritte zur Sanierung der Wirtschaft und Reorganisation der Verwaltung. Im August 1797 wurde als Volksvertretung der Landrat geschaffen, dem der Abt wichtige Rechte abtreten musste. Im Toggenburg und in der alten Landschaft gingen Landeshoheit und Regierung von der Abtei an das Volk über, nachdem das Kapitel diese Rechte am 3. Februar 1797 eigenmächtig abgetreten hatte. Der Abt übertrug die Administration der Abtei an Pater Beda Gallus. Er selbst reiste über Einsiedeln, Schwyz nach Ebringen. doch fand er nirgends Hilfe. Er reiste weiter über Neuravensburg nach Wien. Am kaiserlichen Hof brachte er seine Sache vor. Von Wien aus erließ er eine Proklamation zur Wahrung seiner Rechte und Güter gegenüber der Helvetik. Da gleichzeitig Österreich in der Schweiz militärisch Erfolge erzwang, kehrte Abt Pankraz 1799 nach St. Gallen zurück. Er versuchte von dort aus die politischen Rechte der Abtei wieder herzustellen. Da aber die französischen Revolutionstruppen rasch vordrangen, musste er am 29. September 1799 St. Gallen schon wieder verlassen. Er flüchtete auf die Mehrerau.In der Folge hielt er sich auf der Flucht vor kriegerischen Ereignissen in Österreich, Slowenien der Tschechoslowakei und in Schlesien auf. Er intervenierte bei Spanien, Napoleon, England und den eidgenössischen Kantonen. Es fruchtete nichts. Am 8.5. 1805 wurde durch den Großen Rat die Aufhebung der Abtei St. Gallen beschlossen. Vorher hatte schon versucht, nach dem Reichsdeputationshauptschluss wenigsten die St. Gallischen Besitzungen im Reich zu retten. Der Wiener Kongress 1815 setzte für den Abt eine Pension von 6000 Gulden fest. 1815-17 unternahm der Papst nochmals den Versuch die Abtei wieder herzustellen. Mit der Bulle “Ecclesias quae antiquitate” vom 2.7.1823 schuf Papst Pius VII.  die Voraussetzungen zur Schaffung des Doppelbistums Chur-St. Gallen.

Abt Pankraz Vorster starb am 8.7. 1829 in Muri, wo er zuletzt lebte und bestattet wurde, bis er schließlich 30.11.1923 in die St. Galler Kathedrale überführt wurde.

1983 wurde die Stiftsbibliothek und das der Stiftsbezirk Sankt Gallen in das Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen.

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05 Okt. 2011

Klöster der Heiligen Hildegard von Bingen

 

8687a14610c08564 Drei Klöster spielten im Leben der Heiligen Hildegard von Bingen eine Rolle. Das erste ist Kloster Disibodenberg (siehe Klöster in Rheinland-Pfalz), dann Kloster Rupertsberg, das sie gegründet hat und in das sie mit ihren Schwestern gezogen ist und dann Sankt Hildegard in Rüdesheim, das 1904 oberhalb von Eibingen als Wiederbelegung des von Hildegard in Eibingen gegründeten und 1803 im Zuge der Säkularisation aufgehobenen Klosters bezogen wurde.

Zum Leben dieser Heiligen, die heute wieder total “in” ist, wie man neudeutsch so schön sagt. 2008 drehte Margarethe von Trotta den Film “Vision” mit Barbara Sukowa in der Hauptrolle und 1998 wurde im Mainzer Dommuseum die Jubiläumsausstellung zu ihrem 900. Geburtstag gezeigt.

Hildegardmedizin, Hildegardkochbücher usw. haben Konjunktur.

Hildegard wird 1098 geboren, der genaue Tag ist nicht bekannt. Sie stammt aus der Familie von Bermersheim. Als Geburtsort wird Bermersheim heute wieder in Frage gestellt. Ihre Eltern Hildeberd und Mechthild von Bermersheim stammten aus einem edelfreien Geschlecht und gehörten dem rheinfränkischen Hochadel an. Urkunden und Güterverzeichnisse belegen umfangreichen Grundbesitz der Familie in der Umgebung von Bermersheim. Man kann als sicher annehmen, dass Hildegard die ersten 8 Lebensjahre auf dem Herrenhof der Eltern verbracht hat. Sie ist das zehnte Kind. Von 9 sind 7 ihrer Geschwister aus Urkunden namentlich bekannt. Drutwin ist der älteste. Er übernimmt das elterliche Gut. Die Brüder Hugo und Rorich gehören dem geistlichen Stand an. Hugo hat in Mainz das Amt des Domkantors inne. Er ist einer der drei höchsten Würdenträger im Bistum. Als solcher fungiert er auch als Erzieher an der Domschule.

067dd98f0f8b7194Viele Schüler Hugos steigen zu bedeutenden Positionen im Reich auf. So wird  Radulf von Zähringen Erzbischof von Lüttich und hat engste Beziehungen zu Friedrich Barbarossa. Hildegard hat auch im Altar noch engen Kontakt mit ihrem Bruder Hugo. Nach 1175 übernimmt er zeitweilig die Seelsorge an ihrem Kloster.

Ihr Bruder Rorich tritt als Kanonikus in das Kloster Tholey an der Saar ein, dem frühesten Kloster auf deutschen Boden. Er ist in das älteste Totenbuch des Klosters Rupertsberg eingetragen.Von Hildegards Schwestern Irmengard, Odilia und Jutta, deren Namen in Schenkungsurkunden eingetragen sind, ist nichts weiter überliefert. Eine weitere Schwester, Clementia wird zu einem nicht bekannten Zeitpunkt Nonne in dem von Hildegard gegründeten Kloster auf dem Rupertsberg. Vier der zehn Kinder derer von Bechtersheim führen ein geistliches Leben, erhalten eine geistige Bildung. Die illustre Herkunft ist Voraussetzung für Hildegards Lebensgeschichte. Hildegard bleibt sich zeitlebens ihres hochadeligen Standes und ihrer Herkunft bewusst. Auffallend ist, dass zahlreiche Verwandte und Bekannte der Familie hohe geistliche und weltliche Ämter bekleiden. Hildegards Neffe Arnold ist von 1169-1184 Erzbischof in Trier, einer der höchsten Kirchenfürsten des Reiches. Arnolds Bruder Wezelin ist Propst von St. Andreas in Köln. Die Erhebung in derartige Führungspositionen bestätigt die Bedeutung der Familie. Auch Hildegard nutzt ihre verwandtschaftlichen Bindungen zu den Einflussreichen in Reich und Kirche.

Als Hildegard geboren wird ist Urban II. Papst (1088-1099) Er hatte zu den Kreuzzügen aufgerufen und 1099 wird Jerusalem eingenommen. Der Salier Heinrich IV. (1050-1106) war Kaiser. Er und der Papst liegen im Investiturstreit. Es geht um die Einsetzung von Bischöfen und Äbten und damit zugleich um die politische Macht im Abendland. 1098 gründet Robert von Molesme im burgundischen Citeaux den Orden der Zisterzienser. Eine neue Blütezeit der Frömmigkeit bricht an.

Schon zu Hildegards Lebzeiten wird ihre Lebensbeschreibung begonnen, in drei Bücher gegliedert in Form einer Heiligenlegende. Das erste Buch verfasst der Disibodenberger Mönch Gottfried. Dieser war von 1174-1176 Probst des Klosters Rupertsberg und Hildegards Sekretär. Nach Gottfrieds und Hildegards Tod erhält der Mönch Dietrich von Echternach den Auftrag, die Vita fertigzustellen. Gottfried schilderte Hildegards Lebensweg von ihrer Geburt bis zu ihrer Übersiedlung auf den Rupertsberg. Er würdigt ihre visionäre Begabung. Dietrich schildert unter Verwendung autobiographischer Aufzeichnungen Hildegards und den Materialen ihres Sekretärs Wibert von Gembloux die Visionen Hildegards, im dritten Buch die von ihr gewirkten Wunder. Beide Biographen, dass sie von Geburt an schwächlich war und ständig von Krankheiten geplagt.

1106, so die Vita, beschließen Hildebert und Mechthild ihr zehntes Kind – gleichsam als Zehnten- Gott zu weihen. Ein günstiger Umstand erleichtert ihnen diese Entscheidung. Jutta von Sponheim ist 1092 geboren. Sie ist die Tochter des begüterten Grafen Stephan und Sophias von Sponheim, einer hochadligen Familie mit Sitz auf der an der Nahe gelegen Burg Sponheim in der Nähe von Bad Kreuznach. Sie hat sich kurz zuvor entschlossen, ihr Leben in völliger Abgeschiedenheit zu verbringen. Sie will eine Frauenklause beziehen, die dem Mönchskloster Disibodenberg angebaut ist. Am 1. November 1106 ziehen Jutta, Hildegard und eine dritte Gefährtin in die Klause ein. Im Gegensatz zur Hildegard-Vita nennt die 1137 verfasste und 1192 veröffentlichte Jutta-Vita das Jahr 1112 für den Einzug. Das Datum ist etwas plausibler, da der Disibodenberg erst 1108 wieder besiedelt wird. Wo sich Jutta und Hildegard von 1106-1112 aufhalten ist auch durch neueste Forschungsergebnisse nicht zweifelsfrei zu klären. Bei der Tagesangabe stimmen die Quellen aber überein. An Allerheiligen hat der feierliche Einzug stattgefunden.

220px-Kloster_Disibodenberg_03Die Eltern entrichten eine angemessene Mitgift an das Benediktinerkloster . Im Jahr ihres Eintritts legen die drei Frauen die monastischen Gelübde ab.

Der Bamberger Bischof Otto (um 1060-1139), aus schwäbischem Adel stammend auch bekannt als “Apostel der Pommern” und 1189 heiliggesprochen, gibt ihnen den Ordensschleier.

Otto_der_HeiligeDas gemeinsame Einschließen in der Klause und die Profess erregen das Aufsehen und große Anteilnahme von Seiten des Konvents aber auch von der Bevölkerung des Umkreises.

Jutta ist für die geistige und religiöse Erziehung der jungen Hildegard verantwortlich. Spätestens mit dem Eintritt in die Klause wird sie nach der Regel des Heiligen Benedikts für das klösterliche Leben herangebildet. In ihrer Unterweisung in das vielschichtige benediktinische Bildungsgut wird Jutta von dem Disibodenberger Mönch Volmar unterstützt. Hildegard lernt lesen und schreiben.

Sie übt die Psalmen und den Gesang des täglichen Stundengebets in lateinischer Sprache ein. Wie in der Frauenbildung der damaligen zeit üblich erhält Hildegard aber keine formale Unterweisung in den “Sieben Freien Künsten”, also Grammatik, Dialektik und Rhetorik, dazu Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik. Sie bezeichnet sich selbst als “indocta” also ungelehrt, ihr eigenes literarisches Werk zeigt jedoch, dass sie umfassende Kenntnisse der Heiligen Schrift, der Texte der Kirchenväter und der weltlichen Wissenschaften hat. Aus den ersten beiden Jahrzehnten nach ihrer Profess gibt es keine nennenswerte Aufzeichnungen über ihr Leben. Die Vita berichtet nur über den tugendhaften Lebenswandel der jungen Nonne und auch, dass sie häufig schwer erkrankte.

Ora et labora! Ihr Tag verlief wie im benediktinischen Alltag üblich. Der Lebensrhythmus war geprägt durch den Wechsel von Gebet, Arbeit, Studium und geistliche Lesungen. Acht Stunden Schlaf, drei bis vier Stunden Gebet, acht Sunden manuelle Arbeit. Sieben Mal am Tag versammelten sich die Schwestern zum gemeinsamen Stundengebet. Der beengte Raum und die konzentrierte Lebensweise sorgen dafür, dass ihre außergewöhnlichen Wahrnehmungen ihren Mitschwestern nicht verborgen bleiben.

Am 22. Dezember 1136 stirbt Jutta von Sponheim. Für Hildegard ist das der Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Ihre Mitschwestern wählen sie zur neuen Meisterin. Das mag einmal mit ihrer hohen sozialen Herkunft zusammenhängen, ist aber sicher auch ihrer spirituellen Reife und ihre wachsender Fähigkeit, zu führen zu verdanken. Der Ruf der neuen Meisterin dringt nach draußen. Immer mehr adlige Frauen ersuchen um Einlass in der Klause. Die Frauengemeinschaft am Disibodenberg wächst.

Das prägende und auch zukunftsbestimmende Ereignis im Leben der Heiligen Hildegard geschieht 1141. Nach ihren eigenen Aussagen erhält sie von Gott den Auftrag, ihre Visionen schriftlich festzuhalten. Sie zögert den Auftrag auszuführen. Angst vor der eigenen Unfähigkeit, aber auch Angst vor dem Gerede der Menschen lässt sie zaudern. Sie wird krank und bettlägerig. Nach wiederholten Aufforderungen beginnt sie die Herausforderung anzunehmen. Sie beginnt zu schreiben – und wird gesund.

82px-Hildegard Der Mönch Volmar ist von 1141 bis 1173, ihrem Tod, ihr Berater, Sekretär und “symmysta”, Mitwisser ihrer Geheimnisse. Er unterstützt sie beim Formulieren der lateinischen Texte und beim Übertragen der Schriften auf Pergament. Eine weitere Gehilfin und Sekretärin ist die gebildete Nonne Richardis von Stade, zu der sie ein besonders inniges Verhältnis hat. Diese ist 1125 als Tochter der Markgräfin Richardis geboren, die Hildegard bei ihrer Klostergründung auf dem Rupertsberg nach Kräften unterstützt. Allerdings wird sie 1151 das Kloster Rupertsberg verlassen, da der Bruder von Richardis Hartwig Erzbischof von Bremen geworden war und seine Schwester auf dem Äbtissinenstuhl von Bassum sehen. Gegen den Willen Hildegards nimmt Richardis das Angebot an. Hildegard wollte Richardis nicht ziehen lassen, selbst an den Papst wandte sie sich. Richardis stirbt aber plötzlich 1152. Zurück ins Jahr 1141. Von 1141-1151 verfasst Hildegard ihre erste theologisch-kosmologische Visionsschrift “Scivias” eine Abkürzung die für scivias domini steht, Wisse die Wege des Herrn. Es ist eine Glaubenslehre, die sich an der Dogmatik der Zeit orientiert. Sie befasst sich mit den drei Hauptpunkten der Heilsgeschichte – Schöpfung, Erlösung, Ende der Zeiten. Es ist ein Werk in drei Teile gegliedert, das in 26 Visionen das ganze Schöpfungs-und Erlösungswerk darstellt. Die Mönche müssen von der Abfassung gewusst haben, denn Volmars Unterstützung bei der Niederschrift setzt das Einverständnis des Klosterabts voraus. Hildegard ist bei der Abfassung immer noch von Zweifeln geplagt. In einem Brief wendet sie sich an Bernhard von Clairvaux (1091-1153) den einflussreichen Zisterzienserabt. Sie erhofft sich die Bestätigung ihrer Sehergabe und ihres

richardisvonstade_w220q95                                       Volmar, Hildegard und Richardis

prophetischen Auftrages. Das Antwortschreiben Bernhards ist respektvoll aber auch mahnend gehalten. Es löst noch nicht ihre Zweifel. Ein Jahr später findet in Trier eine Synode statt. Unter dem Vorsitz des Zisterzienserpapstes Eugen III. (1145-1153) versammeln sich Geistliche aus allen Teilen Europas. Auch Bernhard von Clairvaux nimmt teil. Der Mainzer Erzbischof Heinrich I. informiert auf Bitten des Disibodener Abtes Kuno die Anwesenden über die Visionen Hildegards. Eine Untersuchungskommission wird auf den Disibodenberg geschickt, um Hildegards Sehergabe zu prüfen. Sie kehrt mit positiven Ergebnissen Zurück. Hildegard ist päpstlich legitimiert. Sie ist von ihren Selbstzweifeln befreit, sieht sich bestärkt in der Fortsetzung ihres Werkes. Sie ist vor dem Vorwurf der Häresie geschützt.

Das Kloster, der Ort an dem Hildegard zur Seherin heranreifte, erhält 1148 eine päpstliche Schutzurkunde ausgestellt. Ein stetig wachsender Strom von Ratsuchenden pilgert zum Disibodenberg und sichert dem Kloster eine kontinuierliche Einnahmequelle. Und die Frauenklause erhält Zuwachs von begüterten Aspirantinnen aus dem Adel.

Hildegard aber will den Disibodenberg verlassen. Die stetig anwachsende Frauengemeinschaft braucht mehr Raum. Aber sicher war auch das Streben nach Unabhängigkeit ein wichtiger Beweggrund für Hildegard.  Nur, Abt Kuno, der Abt vom Disibodenberg, dessen Befehlsgewalt die Benediktinerinnen in der Klause unterstellt sind, will die Frau natürlich nicht ziehen lassen. Sie ist gerade vom Papst als Prophetin anerkannt worden. Kuno will weder auf den neugewonnen Ruhm Hildegards, noch auf die damit verbundenen  Spenden und Schenkungen der Pilger und Ratsuchenden verzichten, genauso wenig auf die Einkünfte aus der Mitgift der Nonnen. Aber auch viele Schwestern sind nicht begeistert und zögern. Der von Hildegard ins Auge gefasste Ort ist ein unbesiedelter Hügel an der Mündung der Nahe in den Rhein bei Bingen. Ein Wegzug von fruchtbaren Feldern und Weinbergen und einer lieblichen Gegend in ein wasserloses Gebiet, so Hildegards eigene Worte, wirkte nicht gerade ermutigend. Wie zeitlebens bei großen Entscheidungen und widrigen Umständen erkrankt Hildegard. Während Hildegard paralysiert im Bett liegt, verwendet sich die Markgräfin von Stade, die Mutter von Hildegards Mitschwester Richardis beim Mainzer Erzbischof Heinrich. Sie hat Erfolg. Der Erzbischof befürwortet die Neugründung und fördert sie durch Schenkungen.

Nun muss auch Abt Kuno Hildegard ziehen lassen. Sie wird von weltlichen Gönnern finanziell unterstützt und so kann sie das Gelände auf dem Rupertsberg kaufen.

Erste Rodungs-und Bauarbeiten beginnen.

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Die Umsiedlung erfolgt zwischen 1147 und 1151. In Hildegards Vita wird berichtet, dass dieser Platz Hildegard in einer Schau gezeigt worden sei. Hier treffen die wichtigsten Wasser-und Landwege aufeinander, die die drei Bischofsstädte Köln, Mainz und Trier verbindet. Der Rupertsberg liegt auch ganz in der Nähe der Zentren der damaligen weltlichen macht, aus geographischen Gesichtspunkten also eine gute Wahl. Im frühen Mittelalter hatte an dieser Stelle der Heilige Rupertus gewohnt. Dort sind auch die Reliquien des Heiligen und seiner Mutter Berta aufbewahrt. Die Gründungszeit verläuft turbulent. Die ersten Jahre sind von Armut und Entbehrung geprägt. Konflikte und Auseinandersetzungen bleiben nicht aus.  Einige Nonnen verlassen den Konvent. Aber Hildegard kann ihren Scivias beenden. In diese Gründerjahre fällt auch die Trennung von Richardis.

Am 1. Mai 1152 weiht der Mainzer Erzbischof die neue Klosterkirche auf dem Rupertsberg.

Die Konflikte sind aber noch nicht zu Ende. Die Disibodenberger Mönche weigern sich auch nach der Übersiedlung auf den Rupertsberg die beim Eintritt der Nonnen in die Klause gemachten Schenkungen und die Erträge daraus an die Schwesterngemeinschaft auszuhändigen. Zudem soll auch noch Volmar, der Sekretär Hildegards und Propst der Nonnengemeinschaft dieser entzogen werden soll, reitet Hildegard auf den Disibodenberg. Dort kommt es zu einer harten Auseinandersetzung mit dem Abt und den Mönchen. Kurz danach, 1155, stirbt Abt Kuno. Mit Abt Kunos Nachfolger Helenger gibt es weitere Verhandlungen zur Klärung der güterrechtlichen und geistlichen Beziehungen. Aber Hildegard erkämpft die Herausgabe aller Güter und am Ende auch die vollkommene Unabhängigkeit ihres Klosters. Den Nonnen wird freie Äbtissinenwahl zugesichert und sie sind auch in der Wahl des Propstes frei, den der Disibodenberg stellen muss.. Hildegard vermeidet auch die Einsetzung eines weltlichen Vogtes erfolgreich.

Auf dem Rupertsberg zeigt sich auch Hildegards musikalische Produktivität. Der erste Beleg stammt aus dem Jahr 1148.

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Ab diesem Zeitpunkt bis zu ihrem Tod beschäftigt sie sich mit Gesängen auf der Basis hochmittelalterlicher Gregorianik. Sie schreibt auch ein Singspiel “Ordo virtutum” (Spiel der Kräfte), das den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse thematisiert. In der neuen Abtei auf dem Rupertsberg kommt das Werk zur Uraufführung. In den fünfziger Jahren arbeitet sie auch an der Abfassung ihrer natur- und heilkundlichen Schriften. Die “Physika”, das ist Hildegards Naturkunde gliedert sich in neun Bücher. Sie beschreibt darin die Schutz-und Heilkräfte von Pflanzen, Tieren, Metallen, Edelsteinen und Elementen. Dies wurzelt auf eigenen Beobachtungen der einheimischen Tier und Pflanzenwelt. Man kann keine bestimmten Quellen nachweisen aber Vergleichbares findet sich auch bei Plinius, Isidor von Sevilla, Galen und Soranus. Ihre Natur-und Heilkunde wurzelt in einem ganzheitlichen Weltbild. Sie stehen innerhalb ihrer visionären Kosmologie. Hildegard hat auch eine “unbekannte Sprache”, die lingua ignota” erfunden. Diese gibt heute noch Rätsel auf.

Nach den harten Anfangsjahren stabilisiert sich der Konvent. Schenkungen und Vermächtnisse gewährleisten einen stetig wachsenden Wohlstand. Es gibt positive, geradezu euphorische Schilderungen des Klosterlebens auf dem Rupertsberg wie der Bericht von Wibert von Gembloux aber auch durchaus kritische Stimmen wie die der Tengswich von Andernach, Meisterin eines Kanonissenstifts in Andernach, die in einem Schreiben an Hildegardkritisiert, dass am Rupertsberg nur Adlige aufgenommen werden oder auch “ dass eure Nonnen an Festtagen beim Psalmengesang mit herabwallendem Haar im Chor stehen und als Schmuck leuchtendweiße Kleider tragen…” Hildegard antwortet schroff, verteidigt das Adelsprivileg und begründet den Rupertsberger Brauch sich an Festtagen mit Seide und Gold zu schmücken mit der besonderen Stellung der geweihten Jungfrau.

Hildegard führt auch ausgedehnte Korrespondenz mit Klerikern und Laien, Adligen und Nichtadligen. Über 300 Briefe sind aus dem Zeitraum zwischen 1146 und 1179 überliefert. Ihre Korrespondenzpartner sind der Konstanzer Bischof Hermann von Arbon (1138-1165). Der Brief an Bernhard von Clairvaux ist oben erwähnt. Dann gab es einen Briefwechsel mit Friedrich Barbarossa mit 5 erhaltenen Briefen, 4 von Hildegard einen von Kaiser Friedrich. Die drei rheinischen Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier schätzten ihren Rat. Es gab auch Austausch mit Äbten, Pröpsten, Äbtissinnen. Zwischen dem Benediktinerkloster in Zwiefalten und Hildegard ist ein reger Briefwechsel dokumentiert und auf ihrer letzten Reise 1170/1171 besucht sie das oberschwäbische Kloster selbst.

Ihre dritte und letzte Visionsschrift, das “Liber divinorum Operum” entstand zwischen 1165 und 1174. Kurz vor Fertigstellung stirbt Volmar. Sein Tod erschüttert die Äbtissin sehr, wie sie schreibt “ da durchbohrte Traurigkeit mir Seele und Leib, weil ich dieses Mannes beraubt, eine Waise war auf dieser Welt”

Im letzten Lebensjahr hatte Hildegard einen erbitterten Konflikt mit der Mainzer Kirchenverwaltung. Die Äbtissin lässt einen  exkommunizierter, jedoch kurz vor dem Tod vom Kirchenbann befreiten Edelmann auf dem Klosterfriedhof beerdigen. Trotz Androhung des Interdikts, also das Verbot des Gottesdienstes und des Empfangs der Heiligen Sakramente verweigert Hildegard die Exhumierung. Sie wendet sich direkt an den Mainzer Erzbischof Christian von Buch . Nach eingehender Untersuchung des Sachverhalts wird das Interdikt aufgehoben, Hildegard aber zurechtgewiesen. Kurz nach dieser Auseinandersetzung stirbt Hildegard im Alter von 81 Jahren am 17. September 1179 in ihrem Kloster auf dem Rupertsberg. Ihr Leichnam wird im 13. Jahrhundert unterhalb des Altarraums der Abteikirche umgebettet. 1489 wird der Sarg geöffnet. Über den Zustand der sterblichen Überreste ist nichts bekannt. Im Dreißigjährigen Krieg gelangt ein Teil der Gebeine nach Köln. Die restlichen Reliquien verbleiben auf de Rupertsberg und überstehen die Zerstörung der klosteranlage 1632. Aufzeichnungen aus dem Jahre 1660 bezeugen die Überführung ins Eibinger Kloster. Das Kloster wird 1802 aufgehoben.Hildegards Reliquien werden zum Teil verschenkt gelangen aber meist nach der Neukonsekrierung der Eibinger Klosterkirche 1831 nach Eibingen zurück.

 

                                  Das Kloster Rupertsberg

220px-Kloster_RupertsbergAm 1. Mai 1152 weiht der Mainzer Erzbischof Heinrich die Rupertsberger Klosterkirche. Eine dreischiffige Kirche, 30 m lang mit zwei breiten Türmen. In der Kirche war eine gewölbeartige Gruft in der die Reliquien des Klosterheiligen Rupertus und seiner Mutter Berta aufbewahrt wurden. Eine Urkunde des Mainzer Erzbischofs bezeugt die Weihe. In einer am 22. Mai 1158 ausgestellten Urkunde bestätigt der Mainzer Erzbischof Arnold von Seelenhofen (1153-1160) dem Konvent all seine Besitzungen.  Den Nonnen wird die freie Äbtissinnenwahl und die freie Wahl des Propstes zugesichert, den das Kloster Disibodenberg stellen muss.

Auf Bitten Hildegards nimmt Kaiser Friedrich am 18. Mai 1163 das Kloster in seinen Schutz und er bestätigt die Urkunde von Erzbischof Arnold. Er verbietet doe Einsetzung eines Vogtes und befreit es von allen Abgaben. Als zeugen fungieren die Erzbischöfe Konrad von Mainz, Wichmann von Magdeburg und Eberhard von Salzburg, weiter 5 Bischöfe und verschiedene weltliche Große.

Schon mit dem Tod der Gründerin verliert das Kloster einen Teil seine Bedeutung.

Die Nachbarschadt zwischen Bingen und dem Kloster war konfliktreich. Eine spirituelle Rolle hat das Kloster aber nicht mehr spielen können. Es war eine “Versorgungsanstalt für die Töchter des Adels mit benediktinischen Elementen. Anna Lerch von Dirmstein war die letzte Äbtissin Rupertsbergs.Sie musste 1642 ihr Amt niederlegen.

1632 wurde das Kloster Rupertsberg  von den Schweden in Brand gesetzt und zerstört. Es wurde nie mehr aufgebaut. 5 Arkadenbögen der Klosterkirche sind noch erhalten und heute Teil des Ausstellungshauses der Firma Würth.

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                                     Kloster Sankt Hildegard in Eibingen

 

1148 gründete die Adlige Marka von Rüdesheim ein Augustinerkloster. Aber schon 17 Jahre späte wurde es von den Truppen Friedrichs verwüstet. Hildegard lässt die Anlage wieder aufbauen. Geplant ist Raum für 30 Nonnen. Sie pendelt zwischen Rupertsberg und Eibingen und betreut beide Klöster bis zu ihrem Tod. In Eibingen werden auch Nichtadelige oder weniger begüterte Frauen aufgenommen. Am 22. April 1219 nimmt Papst Honorius III. (Papst von 1216-1227)das Kloster Eibingen in seinen Schutz.

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Das Aufsichtsrecht über Eibingen hatten die Rupertsberger Äbtissinnen, was in einer Urkunde vom28. November 1268 geregelt war. Im 14. und 15. Jahrhundert erlebte das Kloster eine Blütezeit. Die Eibinger Äbtissinnen nannten sich zunächst Meisterin. Am längsten in Amt und Würden war Benigma von Algesheim. Sie stand 44 Jahre dem Kloster vor, von 1373-1417 und damit länger als Hildegard. Politische Spannungen im Umfeld wie z.B. zwischen Kurmainz und Pfalz wirkten sich auch auf das Kloster aus. Unter Erzbischof Jakob von Liebenstein (1504-1508) erfolgte eine Klosterreform. Der Mainzer Erzbischof war in seinem Bistum nachdrücklich um eine Klosterreform bemüht. 1506 wurde er in die Bursfelder Kongregation aufgenommen. In Eibingen aber war die Entwicklung trotz Reform rückläufig.1575 lebten in Eibingen nur noch drei Schwestern. Auf Anweisung des Mainzer Erzbischofs Daniel Brendel von Homburg (1555-1582) siedelten diese in das nahegelegene Zisterzienserinnenkloster Marienhausen über. Sie machten so Platz für die Augustinerinnen von St. Peter bei Kreuznach, die vor der Reformation flüchteten. Die Rupertsberger Nonnen erreichten aber dir urkundlich verbürgte Rückgabe des Kloster Eibingen und seiner Besitzungen. Dies hatte Äbtissin Cunigundis  Freiin von Dehrn nach langwierigen unterreden erreicht. Seit 1603  war der Titel Äbtissin von Rupertsberg und Eibingen üblich. Nach der Zerstörung von Kloster Rupertsberg durch die Schweden 1632 kamen die Rupertberger Nonnen 1636 über Köln nach Eibingen. Aber auch dort herrschten natürlich bedingt durch die Kriegswirren Not und Entbehrung. Die junge Äbtissin Magdalena Ursula von Sickingen schaffte wieder einen Neubeginn. Das monastisch Leben erblühte wieder und auch die wirtschaftliche Lage besserte sich so, dass auch größere Bauvorhaben wieder möglich wurden. Äbtissin Magdalen starb allerdings im Sommer 1666 im Alter von 52 an der Pest.

Von 1681-1683 wurden  Kirche und Westflügel der Abtei betreut von dem Architekten Giovanni Angelo Barello von Grund auf restauriert. 1737 wurde der Ostflügel abgebroch und nach Plänen des Mainzer Architekten Johann Valentin Thoman neu errichtet.. Zwischen 746 und 1752 entstanden der Südflügel und die Scheune. Von 1780 bis 1788 war Maria Hildegard von Rodenhausen Äbtissin. Der Einfluss der neuen Geisteströmung,  der Aufklärung verstärkte sich. Der Mainzer Erzbischof Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal (1774-1802) wollte aus Kloster Eibingen ein weltliches Damenstift machen. Das löste bei den Nonnen heftigen Widerspruch aus. 1789 wurde das Klosterarchiv vorsorglich nach Alzey gebracht. Dort verblieb es bis 1798. Der Verlust der linksrheinischen Güter beeinträchtigte die Wirtschaftliche Lage des Klosters erheblich.

1802 wurde das Kloster mit der Säkularisation aufgehoben. Auf Beschluss der nassauischen Regierung wurde es 1814 geräumt. Der Ostflügel wurde zum Zeughaus, die Kirche zum Waffenlager. West-und Südflügel wurden abgerissen. 1837 kaufte die Gemeinde Eibingen das Anwesen. Die ehemalige Klosterkirche wurde nun zur Pfarrkirche, das Patrozinium der Dorfkirche Johannes der Täufer übernommen.

1857 konnte Pfarrer Ludwig Schneider die Echtheit der Hildegard-Reliquien  nachweisen.

Der Limburger Bischof  Peter Josef Blum (1842-1883) und während des Kulturkampfes von 1876-1833 seines Bischofsitzes enthoben, regte an, ein neue Kloster zu gründen, welches das alte in  Eibingen wiederbeleben  und zugleich auf das von den Schweden im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Kloster Rupertsberg zurückgreifen sollte. Fürst Karl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg, bei dem der vertriebene Bischof Zuflucht gefunden hatte, nahm den Gedanken begeistert auf.

Auf diese Weise konnte er das säkularisierte Kirchengut, das seiner Familie 1803 zugefallen war, zurückerstatten. Seine älteste Tochter Benedicta, die Nonne in der Abtei St. Cécile in Solesmes in Frankreich war, sollte die erste Äbtissin des wiederzugründenden Kloster werden. Sie starb allerdings unerwartet am 2. Juli 1896 im Alter von nur 36 Jahren. Trotz des Todes wurde der Plan weiterverfolgt. Am 2. Juli 1900 legte Erzabt Placidus Wolter aus Beuron den Grundstein. In vier Jahren war der Bau fertiggestellt. 12 Benediktinerinnen aus der Abtei St. Gabriel in Prag zogen ein. Das ist das erste Frauenkloster der Beuroner Kongregation. Am Einzugstag, 17. September 1904, wurde es zur vollgültigen Abtei erhoben und mit allen Rechten und Privilegien des ehemaligen Klosters der Heiligen Hildegard ausgestattet. Das Kloster ist exemt und wurde direkt dem Heiligen Stuhl in Rom unterstellt. Der Limburger Bischof Dominikus Willi weihte die Kirche, die von P.Paulus Krebs und seinen Schülern ausgestaltet wurde am 7. September 1908. Die bisherige Priorin Regintrudis Sauter (1908-1955) wurde zur Äbtissin und 36. Nachfolgerin der Heiligen Hildegard geweiht. Das Kloster wurde unter den besonderen Schutz der Heiligen Hildegard gestellt. Den ersten Weltkrieg und die Inflation überstand das Kloster relativ glimpflich. Unter den Nationalsozialisten vertrieb die Gestapo am 41. Jahrestag der Grundsteinlegung 115 Nonnen. Der Klosterbesitz wurde enteignet. Nachdem amerikanische Truppen im März 1945 einmarschiert waren, wurde der Klosterbesitz rückerstattet. In einem Teil des Klosters fanden durch die Bombardierung von Rüdesheim obdachlos geworden Bürger sowie Flüchtlinge aus den Ostgebieten für 10 Jahre Unterkunft.

Am 2. Juli 1945 wurde das klösterliche Leben unter der mittlerweile 80-jährigen Äbtissin Regintrudis Sauter wieder aufgenommen. Mit 90 legte sie 1947, nach 47 Amtsjahren ihr Amt nieder. Ihr folgte Fortunata Fischer nach.

Das Kloster betreibt einen Klosterladen, ein Weingut und Kunstwerkstätten.

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31 Juli 2011

Reichsabtei Heggbach

 

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Heggbach gehört zu den 5 Zisterzienserinnenklöster in Oberschwaben die zwischen 1216 und 1237 kurz hintereinander gegründet worden waren. An den 5

zukünftigen Klosterstandorten hatten sich schon jeweils informelle Frauengemeinschaften gebildet, die von dem Salemer Zisterzienserabt Eberhard von Rohrdorf (1191-1240) tatkräftig unterstützt und ermutigt wurden, eine Klostergemeinschaft zu gründen und sich dem Orden der Zisterzienser anzuschließen. In Maselheim hatten die beiden adeligen Fräulein von Rosenberg und von Laudenburg eine Beginenklause gegründet. Eine Familie Rosenberg ist in der Schweiz seit dem 10. Jahrhundert nachzuweisen, eine andere in Nordbaden und Nordwürttemberg seit 1270. Laudenburg gibt es nicht, es gibt nur Landenburg. Die von Landenburg waren bei Rottweil, Sulz, Oberndorf und Tuttlingen begütert.Diese Familien treten aber in den Urkunden nicht auf. Die Oberamtsbeschreibung nennt eine Frau von Landau. Deren Familie ist jedoch erst seit 1269 erwähnt. Die erste Erwähnung Heggbachs ist 1143. Das Kloster Weingarten hatte in Heggbach ein Gut “Predium at Hegebach, das auch 1155 erwähnt ist, beides im Württembergischen Urkundenbuch (WUB II 20 und 86). Als “Heggbacher Geburtsurkunde” gilt die am 16. April 1231 in Salem ausgefertigte Urkunde. Sie wurde von dem Konstanzer Bischof Konrad von Tegerfelden (1231-1233) ausgestellt. Darin gewährt der Bischof den Schwestern die Wahl des Priesters der Pfarrkirche und auch die Einkünfte der Kirche, damit das Kloster mit notwendigsten ausgestattet werden kann. In der Urkunde wird ausdrücklich erwähnt,dass das von Heinrich VII., dem ältesten Sohn des Kaiser Friedrichs II. an das Kloster Salem gelangt ist. Daraus kann man schließen, dass der Auftraggeber des Kirchenbaus ein Ritter oder Ministerialer der Staufer gewesen sein muss. Man kann aber nicht sagen ob es sich um Grafen wie die von Berg oder Grüningen gehandelt hat oder Baustetter, Maselheimer oder Freyberger Ortsherren handelt. Bereits 1233 oder 1234 wurde das Kloster dem Zisterienserorden inkorporiert. Um das im Aufbau befindliche Neukloster Heggbach zu unterstützen, gewährte Papst Gregor VII. (1227-1241) einen zwanzigtägigen Ablass und forderte die Gläubigen auf, Gaben zu spenden. Gleichzeitig dürften von Adligen aus der Nachbarschaft Gütereinkünfte und Grundstücke gestiftet worden sein. Am 12. April 1234 nahm Papst Gregor das Kloster und seine Besitzungen insbesondere den Klosterort in seinen persönlichen Schutz. Und er bestätigte das Patronatsrecht. 1243 stellte Papst Innozenz IV.(1243-1254) dem Zisterzienserorden das Privileg für Salem aus. Darin belegte er diejenigen mit Exkommunikation die vom Kloster den Zehnten verlangen. Abt Eberhard II. von Wollmatingen (1241-1271) gab dieses Privileg auch an die Frauenzisterzen weiter,die unter der Salemer Paternalität standen.

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1246 schenkte Graf Ulrich von Berg den Nonnen und dem Kloster die Maselheimer Mühle. Der Nachfolger Konrads von Tegerfelden auf dem Konstanzer Bischofsstuhl war Heinrich von Tanne (1233-1248) aus der Familie Waldburg. Er stärkte vor allem die Klöster in seinem Bischof. So wurde Heggbach, nachdem es das große Ordensprivileg erhalten hatte, auch vom Diözesanbischof Heinrich freigestellt. Abt Eberhard II. erhob Heggbach 1248 zur Abtei.

Der Name der ersten Äbtissin ist uns nicht bekannt, die 2. um1250 nur als G. Nach ihr regieren Williburgis, Irmengard, Getrud und Hailwig . Mit der jungen Abtei ging es langsam aufwärts. 1248 gehörte der Ort Heggbach wohl schon dem Kloster und wurde als Grangie betrieben, was ja die vorherrschende Gutsform der Zisterzienser war.

1273 bestellte Äbtissin Irmengard Heinrich von Freyberg zu ihrem Anwalt in der Streitsache gegen Ritter Siefried von Steinbach um einen Hof in Kadeltshofen. Daraus könnte man schließen, dass das Kloster keinen Vogt hatte.

Der klösterliche Grundbesitz vergrößerte sich. Es begann sich ein eigenes Herrschaftsgebiet abzuzeichnen. Der Besitz lag in den im nahen Umkreis gelegenen Dorfschaften des Klosters und zum Teil auch Pfarreien wie Maselheim, Sulmingen und Wennedach, einigen Höfen und Rechten in Baltringen und zwei Drittel von Baustetten. Im weiteren Umfeld, im Bodenseeraum hatte die Abtei noch Rebbesitz in Meersburg, Markdorf und Bermatingen. Bis 1504 verwaltete die Abtei ihre Rebgüter zusammen mit Gutenzell. Auch der Konvent wuchs, so dass ähnlich wie in den anderen 4 oberschwäbischen Frauenzisterzen ein neues Klausurgebäude errichtet werden musste. In Heggbach geschah dies im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts. Die Arbeiten zogen sich aber bis 1320 hin. Für 1288 sind schon eine Marienkirche und für 1294 ein Muttergottesaltar belegt.

Grabungen, die durchgeführt wurden, als nach 1973 Platz für die Behindertenwerkstatt geschaffen wurde, belegen, dass das Mauerwerk bis in die Spätromanik zurückreicht. 1347 wurde ein frühgotische Münster geweiht. Dabei wurde in der Predella des Muttergottesaltars ein Andachtsbild “Maria im Wochenbett” aufgestellt. Wahrscheinlich wurde es über Salem bei einem seeschwäbischen Bildhauer in Konstanz in Auftrag gegeben. Es ist eines der frühesten Andachtsbilder dieser Art. Seit dem Spätmittelalter war das Kloster reichsunmittelbar.

Am 21. April 1429 verlieh Kaiser Sigismund dem Kloster Heggbach die Gerichtsbarkeit über alle seine eigenen Leute sowie über alle Dinge, die auch von fremden Leuten auf seinem Gebiet geschehen mit Ausnahme der Hals- und Blutgerichtsbarkeit, die wie bisher das Kloster Salem ausübt und die 4 Fälle, die dem Landvogt vorbehalten sind.

Am  5. Juli 1481 nahm  Kaiser Friedrich III.(1440-1493) das reformierte Kloster Heggbach als oberster Vogt und Beschirmer in seinen Schutz und setzte den Bürgermeister und Rat der Stadt Biberach, in deren Schutz es seit alters (100Jahren) ist von neuem zu Vögten und Beschirmern an Kaisers statt ein. Das Kloster hatte das Recht, der Stadt Biberach die Vogtei aufzukündigen. Eine Strafe von 40 Mark Gold, in die sich die Stadt und das Kloster teilen, wird denen angedroht, die die Rechte und Freiheiten des Klosters antasten.

800px-Heggbach_Abbey_main_gate_01Die Reformäbtissin Elisabeth Kröhl (1454-1480) oder ihre Nachfolgerin Agnes Sauter (1480-1509) gab bei einem Ulmer Künstler des Multscher-oder Syrlin-Umkreises eine Mondsichelmadonna in Auftrag. Diese Madonna des “Heggbacher Meisters hat alle Stürme der Zeit überdauert und steht heute noch in der Heggbacher Kirche. Seit dem frühen 15. Jahrhundert hatte die Klausurstrenge allgemein nachgelassen,  so auch in Heggbach. Die aus Lindau stammende Äbtissin Elisabeth II. Kröhl hatte 1467 eine grundsätzliche Klosterreform durchgeführt. Ihre Nachfolgerin konnte in Ulm Memmingen und Biberach neue Flügelaltäre in Auftrag geben., die Klosterkirche umgestalten die herrschaftlichen Grabstätten verlegen –die Familien von Freyberg und Baustetten hatten im Kloster ihre Grablegen- , eine Kapitelskapelle errichten, den Kreuzgarten verschönern und höchstwahrscheinlich einen eigenen Äbtissinnenflügel anfügen lassen.

1496 erneuerte Kaiser Maximilian alle Privilegien und Freiheiten, die das Kloster früher erhalten hat und ermahnt alle, insbesondere den Landvogt von Schwaben, das Kloster in der Ausübung seiner Rechte nicht zu behindern.

1504 nahmen die Konvente und Äbtissin Waldpurg von Gutenzell und Äbtissin Agnes von Heggbach ihre im Laufe der letzten Jahrzehnte gemeinsam erworbenen Güter, meist Weinberge zu Markdorfmit Zustimmung des Abtes Johann von Salem in getrennte Verwaltung. Die Teilung erfolgt durch ein unparteiisches Los.

Am 14. Januar 1504 nahm Papst Julius II. (1503-1513) das Kloster in seinen besonderen Schutz und bekräftigte alle ihm von Päpsten, Königen und Fürsten erteilten Privilegien insbesondere das Patronat über die Pfarrkirche in Maselheim und Burgrieden.

1521 wurde das Kloster in der Reichsmatrikel geführt, sichtbares Zeichen der Reichsfreiheit. Wie Gutenzell hatte es keine Abgaben zu entrichten aber 5 Fußsoldaten zu stellen.

Im Frühjahr 1525 erschütterte der Bauernkrieg Süddeutschland. Heggbach lag an exponierter Stelle. Auf seinem Gebiet hatte sich der Baltringer Haufe gebildet. Der Anführer Ulrich Schmid war Klosteruntergebener, wahrscheinlich Leibeigener. Er war aber durchaus gemäßigt und wahrscheinlich ist es seinem Einfluss zu zu- schreiben, dass das Kloster Heggbach im Gegensatz zu anderen Klöstern relativ glimpflich davon gekommen ist. Zwar wurden auch hier die Vorräte weggeführt, aber es wurde nicht geplündert oder gebrandschatzt und vieles einfach zerstört, sowie es zum Beispiel den Klöstern Weissenau, Schussenried, Schönthal oder Steingaden ergangen ist. Das geschah in der Amtszeit von Barbara Ellenbog (1515-1526). Am 27. Oktober 1525 erschienen die Untertanen  aus Mietingen, Sulmingen, Maselheim, Wennedach und zum Stein vor der Gotteshaus des Klosters in Anwesenheit des Vertreter des Schwäbischen Bundes Wilhelm von Stotzingen zu Dischingen, gaben ihre Waffen ab und huldigten ihrer Obrigkeit (dem Kloster Heggbach).

Am 21. Oktober 1527 erteilte Kaiser Maximilian in Speyer dem Kloster Heggbach ein Privileg wider das Leihen und andere Kontrakte der Juden mit Untertanen. Ohne Erlaubnis des Konvents darf kein Jude den Untertanen “leihen oder fürstrecken” und kein Jude darf dagegen klagen.

Ihre Nachfolgerinnen Walburga Bitterler (1526-1532) und  Margarete Hauptmann (1532-1539) sahen sich den Stürmen der Reformation ausgesetzt. 1529 hatte sich in der Reichsstadt Biberach die Reformation durchgesetzt und die biberachischen Reformatoren setzten alles daran, die Nonnen zum Abfall zu bewegen. In Burgrieden sollte die Reformation eingeführt werden. Dort hatte die Stadt die Obrigkeit, das Kloster aber den Kirchensatz inne.

Im Schmalkaldischen Krieg(1546/1547) besetzte die Stadt Biberach 1546 das Kloster, so dass von August bis Dezember kein Gottesdienst möglich war. Nach der Zerschlagung des Bundes verzichtete die Stadt Biberach 1548 auf ihr Besetzungsrecht der Pfarrei Burgrieden.

Wie Gutenzell beteiligten sich die Äbtissinen von Heggbach von 1500 bis 1539 am Schwäbischen Reichsprälatenkolleg . Seit 1562 waren sie in der Kammer vertreten, ließen sich aber meist durch den Abt von Salem vertreten. Nur wenn ganz wichtige Entscheidungen anstanden so z. B. 1768 waren alle Klostervorsteherinnen von Gutenzell, Heggbach, Baindt und Rottenmünster persönlich anwesend als Abt Anselm II. Schwab, der Salemer Abt zum Kollegiumsdirektor gewählt wurde.

Am 27. März 1560 stellte Kaiser Ferdinand I. (Kaiser von 1558-1564) dem Kloster denselben Bestätigungsbrief aus wie schon 1496 Kaiser Maximilian. 1573 hatte Äbtissin Lucia Hildebrand (1559-1590) das Kloster in eine wirtschaftliche Schieflage geführt. So musste Abt Georg II. Kaisersberger (1558-1575) den Haushalt überprüfen und in Ordnung bringen aber nur ein Jahr später lobte der Visitator Nikolaus I. Boucherat von Citeaux die vorbildliche Ordenszucht Heggbachs. Trotz der Wirtschaftskrise konnte das Kloster 5 junge Zisterienserinnen in die unterbesetzten und veräußerlichten Schweizer Klöster Rathausen und Olsberg entsenden.

Veronika von Freyberg(1605-1610) konnte den Kreuzgang einwölben und mit frühbarocken Stuckelementen auszieren. Dann brach der Dreißigjährige Krieg mit seinen katastrophalen Folgen für das ganze Land aus.

Heggbach hatte schwer zu leiden. Mietingen und Äpfingen lagen an der großen Heerstraße Nord-Süd und Äpfingen war ständiges Quartier mal der Kaiserlichen, mal der Schweden. 1632 mussten sich Äbtissin und Konvent vor den heranrückenden Schweden in Sicherheit bringen. Sie weilten bei ihren Mitschwestern in Rohrschach, Magdenau, Feldbach, Kalchrain, Tänikon und Appenzell. Die Zurückgebliebenen wurden überfallen, geschlagen und vergewaltigt. Oft raffte sie der Schwarze Tod hinweg.

Die Stadt Biberach beauftragte in den Jahren 1633/64 den Advokaten Dr. Isaak Andler beim Tübinger Hofgericht mit der Wahrnehmung ihrer Interessen. Dr. Andler war der Schwager des Biberacher Amtsbürgermeisters Joachim Schaupp. Dabei sollten Gebiete der Klöster Gutenzell, Heggbach und Schussenried dem Biberacher Spital übereignet werden. 1633 nahmen aber die Kaiserlichen Biberach wieder ein. Erst bei der neuerlichen Besetzung am 26. März 1634 durch die Schweden konnten die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Zwar bestätigt Gustav Adolf eine Schenkung an Biberach, aber der schwedische Kanzler Oxenstierna hatte am 22. April das von Biberach beanspruchte Schussenried dem schwedischen Obersten Christoph Martin von Degenfeld geschenkt. Die Bemühungen Biberachs, die Schenkung rückgängig zu machen, blieben erfolglos. Auch mit Gutenzell und Heggbach kam man in Biberach nicht voran. Die Schlacht bei Nördlingen am 8. September 1634 ging für die Schweden verloren und für 12 Jahre behielten die Kaiserlichen wieder die Oberhand in Süddeutschland.

Nach Kriegsende kamen die Nonnen zurück. Die Gebäude waren zwar verwahrlost, aber in der Substanz erhalten. Als erstes wurde dann die Abteikirche, die unter dem Kriegsvolk schwer gelitten hatte, wieder instand gesetzt und mit einem frühbarocken Hochaltar unbekannter Herkunft ausgestattet. Unter Äbtissin Maria Scholastika Eberhardt (1636-1663) wurde an Christi Himmelfahrt 1656  die Kirche durch den Konstanzer Bischofsvikar Georg Sigismund Müller wieder geweiht. Auch die übrige Konventsanlage wurde wieder ausgesegnet. Äbtissin Maria Cäcilia I. Vöhlerin (1675-1683) ließ in den achtziger Jahren die Klausurbäckerei und die Klostermühle von Grund auf erneuern, ein eigenes Sägewerk einrichten und den Schlafsaal der Chorfrauen mit Einzelzellen versehen.

Was die Gerichtsbarkeit anging, so gab es allerdings Schwierigkeiten. 1606 übertrug Erzherzog Maximilian III. (1558-1618), Sohn Kaiser Maximilians II.  die hohe und malefizische Gerichtsbarkeit über das gesamte Heggbacher Klostergebiet dem Kloster Salem. Ausführendes Organ war die salemische Pflege in Schemmerberg. Über die Abgrenzung von niederer und hoher Gerichtsbarkeit konnte sich Heggbach und Vaterkloster nicht einigen und hatte damit dasselbe Problem wie das benachbarte Gutenzell. Gemeinsam gingen die beiden Klöster gegen ihr Vaterkloster juristisch vor. Nach jahrzehntelangem Rechtsstreit zunächst vor dem vorderösterreichischen Lehenshof und dann vor dem Reichskammergericht einigte man sich schließlich auf einen Kompromiss. Salem blieb für Totschlag, Notzucht, Brandstiftung und schweren Diebstahl zuständig. Heggbach durfte keine Todesurteile verhängen. Gutenzell unterstellte sich im Einvernehmen mit Generalabt Trouvé dem Kloster Kaisheim, nachdem Abt Anselm Schwab die Paternalität aufgekündigt hatte. Heggbach verblieb beim Vaterkloster Salem.

Heggb-nah-02grZurück zur Erholung nach dem Dreißigjährigen Krieg. Äbtissin Maria Barbara IV. Hager ( 1687-1700) barockisierte die Kirche weiter und versah sie mit einem zwiebelgekrönten Nordturm. Außerdem bekam sie ein neues Orgelwerk. Äbtissin Maria Magdalena Sohler erlebte Licht und Schatten in ihrer Amtzeit 1700-1712. Sie ließ Sankt Pankratius hochbarock ausgestalten, legte einen Abteigarten an und ließ den Pferde-und Mastviehstall umbauen. Wegen des Spanischen Erbfolgekriegs 1700-1714 war der Kirchenschatz mit kostbaren Ornatstücken nach Tirol verbracht worden. Dort fiel er am 23. Mai 1703 der verheerenden Reutter Feuersbrunst zum Opfer. Nicht genug damit. In Heggbach schlug am 8. Juni 1714 der Blitz ein und die meisten Wirtschaftsgebäude brannten nieder. Der Wiederaufbau kostete mehr als 8000 Gulden, die bereits für andere Vorhaben eingeplant waren. Die aus Cham stammende Äbtissin Maria Cäcilia II. Constantina (712-1742) hatte mit dreißig Jahren die längste Amtszeit aller heggbacher Äbtissinnen. Unter ihr hatte das Kloster seine letzte Glanzzeit. Sie setzte, wie die Inschrift unter ihrem Porträt besagt, “daß Gotts-Hauß in einen gueten Stand”. Im Frühjahr 1716 erhielt die Klosterkirche drei neue Barockaltäre mit figürlichem Schmuck des Bildhauers Johann Baptist Hops aus Mietingen. Dieser hatte in Mietingen 1708 seine Werkstatt gegründet. Vorher war er Geselle in der Werkstatt des Ignaz Waibl in Heimertingen bei Memmingen. Zwei Kleinaltäre “Heiland an der Geiselsäule”, zwei Kreuze ohne Signatur, eine heilige Nonne mit Buch und eine heilige Nonne mit Äbtissinenstab, beide in der Klausur aufgestellt, sind in Heggbach noch erhalten. Von dem Sohn des Meisters Johann Adam stammt eine sitzende, händeringende Schmerzensmutter die Johann Adam 22-jährig 1730 schnitzte.

1727 wurde in Biberach das Heggbacher Festgeläute gegossen. Zwei Jahre vorher war der Grundstein zu einem neuen Gästehaus gelegt worden. Mit Maria Aleydis Zech 1742-1773) endete die jahrzehntelange Bautätigkeit mit dem spätbarocken Torhaus von 1753, auf dem noch ihr Wappen prangt. Sie war Oberin über rund 40 Zisterzienserinnen, verwickelte ihre Abtei aber immer wieder in kostspielige Rechtshändel. 1755 gab es nochmals ein großes barockes Fest, als ein Prager Jesuskind, ein Wiesheiland und ein Ruhechristus vom vorderen Klosterhof wurden mit großer Prachtentfaltung in die Kirche übertragen. Auf einem heute verschollenen Kupferstich, der wohl noch lange nach der Säkularisation auf der Chorempore hing und wohl von einem Augsburger Künstler stammte, war der Festzug dargestellt. Unter der vorletzten Äbtissin Maria Juliana Kurz (1773-1792) ließ nur noch eine neue Schmiede erstellen, das Brunnenwerk modernisieren, die Schwesternempore mit klassizistischen Altären versehen und die Barockorgel überholen. Zur Jahrhundertwende mehrten sich die Hiobsbotschaften. Angeblich sollten nach österreichischem Vorbild auch in Süddeutschland zahlreiche Klöster aufgehoben werden. Bald nach dem Amtsantritt der letzten Äbtissin Maria Anna Vogel (1792-1803, + 1835) trafen vertriebene Trappisten in Heggbach ein. Andere Flüchtlinge folgten, so zwei Benediktiner aus Disentis, 5 Thurgauer Zisterienserinnen. 1796 überführte man die wertvollsten Habseligkeiten in die Schweiz. Ständig gab es Truppendurchzüge, Einquartierungen und Requisitionen. 1803 erfolgte die Säkularisation. Der Konvent wurde enteignet. Das klösterliche Herrschaftsgebiet ging wie Buxheim an den Grafen von Waldbott-Bassenheim und Plettenberg über. Das letzte Kapitel überschreibt Ludwig Haas in seinem Buch “750 Jahre Kloster Heggbach” mit “Aufgehoben – ausgeplündert- abgerissen”

Der Konvent war zum Absterben verurteilt. Die 40 Nonnen erhielten ein bescheidenes Kostgeld, das bei jedem Todesfall weiter gekürzt wurde. Was in den Ökonomiegebäuden nicht niet-und nagelfest war, wurde versteigert. Das Biberacher Haus, die Birkendorfer Mühle, das Daisendorfer Rebgut und die landwirtschaftlichen Anwesen gelangten in andere Hände. Der Klosterhof, das Bräuhaus, die Taverne und der Ziegelstadel wurden von Pächtern übernommen.

Gegen 1820 ließ Graf Friedrich Karl von Waldbott-Bassenheim die Bibliothek nach Buxheim schaffen, sein Sohn Hugo Philipp 1836 das Archiv und zehn Jahre später Kostbarkeiten aus Abtei und Kirche: Gemälde, Skulpturen, Musikinstrumente Liturgiegeräte und Paramente. Im Herbst 1834 wurde die hochmittelaterliche Pankratiuskirche abgebrochen und auch der Rest fiel nach und nach der Spitzhacke zum Opfer. Der Maselheimer Pfarrer Vinzenz Henkel versuchte, die aus der Schweiz ausgewiesenen Zisterienserinnen von Tänikon anzusiedeln. Auch sein Plan, die Redemporisten anzusiedeln. Der Konkurs der Stadnesherrschaft verhinderte das Heggbach völlig abgerissen und als Baumaterial verwendet wurde. Es stand einige Zeit unter Gerichtshoheit. Der Maselheimer Pfarrer Johann Georg Mühling erreichte bei Fürst Franz von Waldburg-Wolfegg-Waldsee, dass dieser das ehemalige Klosterterritorium für 1 1/4 Million Gulden ersteigerte und es den Franziskanerinnen von Reute übereignete. Am 1. April 1887 wurde im Einvernehmen mit König Wilhelm II. von Württemberg die vom Stifter gewünschte Pflegeanstalt für geistig und körperliche Behinderte eingerichtet. Am 21. März 1893 brannte das wiederbelebte Kloster aber bis auf die Umfassungsmauern nieder.

Während des Nationalsozialismus wurden 193 Patienten  aus Heggbach und 70 Kinder aus dem Kinderasyl Ingerkingen vergast.

Als Praktikant in Heggbach habe ich noch die Erzählungen von Behinderten gehört, die die Selektionen mitgemacht und überstanden haben.

Heute ist Heggbach eine große und moderne Anstalt für Behinderte, die in einem großen Teil Oberschwabens arbeitet.

auf dem Stock Mittagspause

Peterle Mittagessen

Heggbach anders rumdas Kloster

16 Juli 2011

Reichsabtei Gutenzell

 

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Zwischen 1216 und 1240 entstanden in Oberschwaben in rascher Folge Frauenzisterzen, nämlich Wald 1216, Rottenmünster 1220,  Heggbach und Heiligkreuztal 1231, Baindt 1236 und schließlich 1237 Gutenzell. Die Prämonstratenser in Rot und Schussenried hatten mit ihrem Kapitelbeschluss von 1198 festgelegt, keine Schwesterngemeinschaften mehr zu betreuen. Offener zeigten sich dagegen die Zisterzienser mit dem Salemer Abt Eberhard von Rohrdorf (1191-1240). Er war der 5. Abt des Klosters und verwandt mit dem damaligen Konstanzer Bischof Diethelm von  Krenkingen (Bischof von 1189-1206). Er wurde mit gerade mal 30 Jahren zum Abt gewählt und spielte in staufischer Zeit eine gewichtige Rolle und hatte auch einen sehr guten Draht zum damaligen Papst Innozenz III. (1198-1216). Von ihm wurde er immer wieder zu Vermittleraufgaben herangezogen. Abt Eberhard unterstützte im oberschwäbischen Raum informelle Schwesternsammlungen und führte sie dem Zisterzienserorden zu. Die Klosterchronik nennt zwei Schwestern aus dem Geschlecht derer zu Schlüsselberg, die um 1230 das Kloster gegründet haben. Die Beschreibung des Oberamts aus dem Jahr 1837 berichtet von zwei Schlössern in der Nähe von Gutenzell, eines auf dem sogenannten Schloßberg bei Gutenzell. Allerdings ist ein Adelsgeschlecht von Schlüsselberg urkundlich nicht belegt. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Stifter aus der Familie der Edelfreien von Aichheim kamen, entweder aus der Hauptlinie von Illereichen oder dem nach Burgrieden benannten Zweig. Die Herren von Aichheim lassen sich auch als Förderer von Gutenzell nachweisen und sie errichteten dort auch ihre Grablege.

Wie Ausgrabungen zeigen, bestand im 12. Jahrhundert im Bereich der Klosterkirche auch schon eine Kirche und auch Klostergebäude waren wohl schon vorhanden. Ein benachbarter Zisterzienserabt musste um Aufnahme in den Orden gebeten werden. Die Schwesterngemeinschaft richtete ihren Klosterbau und ihre Lebensweise nach den zisterzienzischen Vorschriften ein. Der Abt hatte das zu begutachten und wenn er es verantworten konnte, stellte er beim nächsten Generalkapitel den Antrag auf Inkorporation. Das Gutenzeller Patrozinium mit Kosmas und Damian ist bei den Zisterziensern eher unüblich und deutet auch darauf hin, dass schon vor der Aufnahme in den Orden eine Kirche bestand. Die Paternität im Zisterzienserorden bedeutete die Aufsicht über Frauenklöster, seelsorgerliche Betreuung sowie Beratung in wirtschaftlichen Dingen und rechtlichen Fragen. So waren zum Beispiel die Klöster Heggbach und Gutenzell zur Rechnungslegung in Salem verpflichtet.

Im Gegensatz zu Heggbach, das auch für Frauen bürgerlicher Herkunft offenstand, nahm Gutenzell nur Adlige auf.

Abt Eberhard setzte Mechthildis von Aichheim zur Äbtissin ein, die als 1. Äbtissin in der Abtsliste geführt wird. 1238 bestätigte Papst Gregor IX. (1227-1241) die Inkorporierung Gutenzells in den Zisterzienserorden. Gleichzeitig nahm er das Kloster in seinen Schutz. 1259 trat der erstmals belegte Name Bona Cella deutsch Guotencelle an die Stelle von Cella Dei.

Schon Konrad III., der erste Staufer auf dem Königsthron, hatte das Kloster Salem zum Reichskloster erhoben. Unter Abt Eberhard waren die Beziehungen zu den Herrschern ebenfalls bestens und Friedrich II. stellte dem Kloster eine Reihe Schutzurkunden aus. Davon profitierten natürlich auch die von Abt Eberhard geförderten Frauenklöster im oberschwäbischen Raum und wie Salem konnte Gutenzell auch nach dem Ende der Staufer seine Position behaupten.

Im liber decimationis, das ist das Zehntbuch des Bistums Konstanz, ein Amtsbuch, das zum Zweck des Einzugs des Kreuzzugszehnten angelegt wurde, ist Gutenzell und Heggbach steuerfrei gestellt.

Am 7.1. 1283 stellte Rudolf von Habsburg (König von 1273-1291) in Ulm eine Urkunde aus, die es dem Nonnenkloster Gutenzell erlaubte, reichslehnbare und andere Güter bis zum Wert von 100 Mark zu erwerben.

1336 gab der Würzburger Baumeister Bernolt dem Chorraum ein frühgotisches Gepräge.

Am Palmsonntag 1369 schlug der Blitz ein und legte das ganze Kloster in Schutt und Asche. Die meisten Urkunden gingen verloren. Aber unter Äbtissin Becht war das Kloster 1390 schon wieder aufgebaut. Die Herren von Aichheim spendeten so reichlich, dass man sie fast als zweite Gründer des Klosters ansehen kann.

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Am 10. September 1418 stellte Kaiser Sigmund in Ulm eine Urkunde mit der er das Frauenkloster Gutenzell von allen Steuern, Diensten usw. befreite. Am 1. August 1437 erteilte Kaiser Sigmund in Eger dem Kloster Gutenzell unter Äbtissin Agnes “die Erlaubnis, für sein Gebiet ein besonderes Gericht über Unzucht, Schuld, Geldschuld und Frevel zu errichten”. Bisher hatte die Landvogtei Schwaben jegliche Gerichtsbarkeit im Gutenzeller Territorium ausgeübt. Die Blutgerichtsbarkeit verblieb bei der Landvogtei.Seine Nachfolger Friedrich III. und Maximilian bestätigen die Privilegien  1444 und 1496.

Da die Brandkatastophen die Urkunden vernichtet hatten, gibt erst ein 1469 angelegtes Urbar einen Überblick über die Besitzverhältnisse des Klosters. Außer Gutenzell hatte das Kloster Besitz in acht Weilern. Ein Drittel von Achstetten und Kirchberg sowie halb Oberholzheim gehörten dem Kloster.

Im Bodenseeraum hatte das Kloster Weingärten mit Schwerpunkt Markdorf und Kippenhausen. Zunächst war das gemeinsamer Besitz von Heggbach und Gutenzell bis 1504 eine Teilung erfolgte.

1521 wird Gutenzell in der Reichsmatrikel aufgeführt, das war ein Verzeichnis der Reichsstände, in dem auch festgelegt war, wieviele Truppen der jeweilige Stand für das Reichsheer zu stellen hatte. Gutenzell musste ebenso wie Heggbach und Baindt je 5 Fußsoldaten stellen. Der Eintrag in die Matrikel wurde immer auch als Indiz für die Reichsunmittelbarkeit angesehen.

Nachdem die Kirche 1390 nach dem Blitzschlag wieder aufgebaut worden war, wurde sie auch mit pfarrlichen Rechten versehen. Ein Kaplan war auch angestellt worden. 1471 machte  Kaplan Ströhlin  eine Stiftung von 900 Gulden mit der Bedingung, dass außerhalb der Kirche ein Haus für einen Laienpriester und Kaplan gebaut wurde.

1522 kam bei einem Brand das Konventsgebäude zu Schaden. Um den Wiederaufbau zu finanzieren musste das Kloster das Dorf Steinberg wieder verkaufen, das es erst 1503 von der Ulmer Familie Rembold gekauft hatte.

Nachdem die Truppen des Schwäbischen Bundes ihren Kriegszug gegen Herzog Ulrich im März 1525 beendet hatten, trafen die ersten Reiter in Oberschwaben ein. Es gab Überfälle auf Dörfer, über die sich der Baltringer Haufe am 25. März mit einem Schreiben beschwerte. Die Lage eskalierte. Am 26. März stürmten die Bauern das Schloss des Salemer Abtes in Schemmerberg. In den folgenden Tagen wurde das Schloss Laupheim geplündert. Die Klöster Wiblingen, Ochsenhausen, Marchtal, Heggbach und Gutenzell wurden zum Anschluss an den Haufen  genötigt. Gutenzell wurde auch geplündert. Dass es in Ochsenhausen und Heggbach keine Plünderungen gab, ist in Ochsenhausen wohl der 1502 zwischen Abt und Bauern nach Bauernunruhen im Klosterterritorium geschlossenen Vereinbarung und in Heggbach der besonnenen Haltung des Klosteruntertanen von Heggbach und Führer des Baltringer Haufens Ulrich Schmid von Sulmingen zu verdanken.

Ab 1521 drang in die Reichsstadt Biberach die Reformation ein. 1529 hatte sie sich praktisch durchgesetzt. Die Mehrheit des katholischen Rates wurde verdrängt und Biberach war eine protestantische Stadt. An Mariä Himmelfahrt 1525 wollten Biberacher Bürger in Gutenzell die Reformation einführen, dies allerdings ohne Erfolg.

Zwischen 1500 und 1539 beteiligte sich die Abtei ebenso wie Baindt und Heggbach

an der Reichsprälatenkammer.1562 trat sie ihr bei, war aber meist durch den Salemer Abt vertreten. Sitz und Stimme im Schwäbischen Reichskreis und in der Reichspälatenkammer gaben der Abtei Zugang zu Informationen und Netzwerken. Sie sah sich immer in sehr enger Beziehung zu Kaiser und Reich.

Die schwerste Zeit erlebte die Abtei im Dreißigjährigen Krieg. Schon 1621 setzte der Krieg dem Kloster so zu,  dass nur noch 10 Klosterfrauen im Kloster lebten. Während des Krieges wurde das Kloster mehrmals geplündert so 1631 und 1637.

1632 flüchtete der Konvent vor den herannahenden Schweden in die Steiermark. Diese verwüsteten das Kloster und setzten es in Brand.

1647 besetzten die Schweden das Kloster nochmals und zündeten bei ihrem Abzug die Kirche an. Brände und Plünderungen zerstörten Teile des Klosterarchivs. Am Ende des Krieges lebten noch drei Nonnen.

Das Kloster musste sich in Schulden stürzen und der Aufbau dauerte Jahrzehnte. Um den Wiederaufbau machte sich die Äbtissin Barbara Thum von Neuburg (1630-1663) verdient.

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Im Unterschied zu Heggbach stammten die Äbtissinnen aus dem Adel, zum Beispiel aus den Familien von Aichheim, Griesingen, Freyberg, Landenberg, Stotzingen, Donnersberg, Brunegg und von Gall.

Der oberste Verwaltungsbeamte des Klosters führte den Titel eines Hofmeisters. Ab 1521 nahm er im Auftrag der Äbtissin an den Sitzungen des Schwäbischen Kreises teil.

Von 1685 erhielt die Abtei von Österreich den Blutbann als Lehen bis 1717. 1742 übertrug Österreich die Blutgerichtsbarkeit an das Kloster Salem. Als ausführendes Organ für das Territorium der Abtei fungierte die Salemer Pflege Schemmerberg. Es gab nun allerdings Abstimmungsschwierigkeiten über hohe und niedere Gerichtsbarkeit. Auch die Abtei Heggbach hatte das Problem. Beide prozessierten vor dem Reichskammergericht.  1752 kündigte Abt Anselm Schwab die Paternaliät Salems auf. 1753 unterstellte sich Gutenzell im Einvernehmen mit dem Generalabt Trouvé der Abtei Kaisheim und verblieb in deren Paternaliät bis zur Säkularisation.

Die Gutenzeller Zisterzienserinnen übten kunsthandwerkliche Tätigkeiten aus, vor allem Paramentenstickerei. Beredtes Zeugnis dafür ist die Gutenzeller Barockkrippe

220px-Krippe_Gutenzellaber auch die Bekleidung und der Schmuck der Reliquien der Katakombeheiligen Justina und Christina in der Gutenzeller Kirche. 1698 gab es Gebetsbrüderschaften mit den Augustinern von Memmingen und 1701 mit den Benedikinern von Ochsenhausen. Wirtschaftlich hatte sich das Kloster soweit erholt, dass es zwischen 1755 und 1756 die Kirche nach Plänen von Dominikus Zimmermann barock umgestalten konnte. Äbtissin war Maria Alexandra Zimmermann (1759-1776), die Tochter von Dominikus Zimmermann. Die Umgestaltung der Klosterkirche war Bestandteil ihrer Aussteuer. Die Stuckaturen schuf Franz Xaver Feuchtmayer, auch das ein Bezug zur neuen Mutterabtei Kaisheim.

Ihre Nachfolgerin war Maria Justina von Erolzheim (1756-1803). Sie war die letzte Äbtissin von Gutenzell. Nach der Säkularisation von 1803 ging das Kloster an den Reichsgrafen Joseph August von Toerring. Das Kloster wurde als sogenanntes Aussterbekloster geführt, das heißt es durften keine Novizinnen mehr aufgenommen werden. Die ehemalige Äbtissin verstarb 1809, die letzte Nonne 1851. Der neue Eigentümer war nicht sehr glücklich mit seiner neuen Besitzung. Bauliche Tätigkeit, juristische Prozesse und die Folge der napoleonischen Kriege, Kontributionen und Einquartierungen hatten eine  verschuldeten Konvent hinterlassen. Dazu kamen noch die Nonnenpensionen, die noch weiterhin Kosten verursachten. 1806 kam das Gebiet an Württemberg. 1864 wurde das Konventsgebäude bis auf den Ostflügel abgerissen, der noch heute als Pfarrhaus und Forstamt dient. Erhalten geblieben ist auch die ehemalige Torwache.

Das Kloster war ein wichtiger Arbeit und- Auftraggeber für die Handwerker. Mit der Aufhebung des Klosters fiel er weg. Gutenzell verfiel zunächst mal in bittere Armut,

ein Problem, das eine ganze einstmals blühende Klosterlandschaft betraf.

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08 Juli 2011

Kloster Amorbach

 

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Im Otterbachtal bei Amorbach entsprang eine Quelle, der schon in römischer Zeit Heilkraft nachgesagt wurde. Schon die Römer sollen hier einen Altar zu Ehren der dort wohnenden Quellnymphe errichtet haben. Es zählte durchaus zur “Strategie der iro-schottischen Mönche, die kurz nach 700 in den Südwesten des damaligen Germaniens zur Mission gekommen sind, heidnische Kultstätten um zu widmen. So soll der fränkische Gaugraf Ruthard 714 Pirmin und seine Gefährten gerufen haben, um den Odenwald zu christianisieren. Sie sollen auch ins Otterbachtal gekommen sein und sich an der Quelle niedergelassen haben und dort eine hölzerne Kirche gebaut haben. 734 wurde dann das Kloster Marienmünster gebaut und die Kirche angeblich von Bonifatius geweiht. Der erste Abt soll Amor gewesen sein und über 20 Jahre dort  regiert haben. Daher leitet sich auch der Name Amorbach ab. Andere leiten den Namen aber auch von “amarbach” her, was auf den Wasserreichtum der Gegend hinweist aber auch vom lateinischen amara=Sumpf abgeleitet sein könnte.

Aber weder Pirmin noch Amor sind für die Gründung Amorbachs historisch belegt und Pirmin war wohl in der fraglichen Zeit an anderen Orten. Auf jeden Fall hatte das Kloster eine interessante Lage an der Kreuzung eines alten Fernwegs gelegen, der vom Mainknie bei Miltenberg an den Necker nach Wimpfen führte und der Straße von Worms durch den Odenwald nach Würzburg. Es passte sicher in den Ausbauplan  der Karolinger, aber dass die vier um den Odenwald liegenden Klöster Fulda, Lorsch, Mosbach und Amorbach von der Zentralgewalt praktisch den Auftrag hatten, das unbesiedelte Waldgebiet zu erschließen lässt sich aus den Urkunden nicht erschließen. Für Lorsch (772) und Fulda (774) ist die Erhebung zur Reichsabtei urkundlich belegt, für Amorbach und Mosbach nicht. Auch erhalten Lorsch und Fulda

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großzügige Schenkungen von den Karolingern und viele Privilegien. Für die beiden kleineren Abteien ist nichts derartiges belegt.  Aus der Zeit der Karolinger gibt es nur zwei Urkunden die Amorbach betreffen, die eine ist eine Urkunde von 788, in der Karl der Große der Kirche von Würzburg Schenkungen seines Vaters für die Kirche Würzburg bestätigt. Das aber ist genau die Urkunde, mit denen das Bistum gegenüber Otto III. seine Ansprüche auf Amorbach “dokumentiert”. Die andere ist eine Schenkung Ludwig des Deutschen aus dem Jahr 849. Doch auch diese wird nicht als echt angesehen. Amorbach soll auch wegen seiner Rolle als Reichskloster stark in die Sachsenmission einbezogen gewesen sein. So stellte es die ersten 6 Bischöfe des um 800 gegründeten Bistums Verden an der Aller. Allerdings ist erst Haruch bis 808 Abt in Amorbach “echt” nachgewiesen. Der erste Verdener Bischof war Suitbert, ein Angelsachse und von 767-775 Abt in Amorbach. Er soll 786 von Karl dem Großen als Bischof nach Ostfalen entsandt worden sein. Die angeblich von Karl dem Großen am 29. Juni 786 ausgestellte Urkunde ist aber, wie man weiß, eine Fälschung aus dem 12. Jahrhundert, um mit der Konstruktion einer falsche Frühgeschichte des Bistums Verden von Hermann von Verden, um Ansprüche des Erzbistums Bremen abzuwehren.

Zwischen 915 und bis zur Schlacht auf dem Lechfeld 955 und dem Sieg Ottos des Großen über die Ungarn fallen diese immer wieder sengend und mordend im südlichen Teil des Reiches ein. Auch Amorbach wird zwei Mal geplündert und niedergebrannt. Viele Mönche werden ermordet. Der Maler Oswald Onghers hat “Die Ermordung der Mönche des Klosters Amorbachs durch die Hunnen” 1662 gemalt. Die Urkunden gehen verloren, vielleicht ein Grund, für die urkundenlose Zeit Amorbachs unter den Karolingern.

Die erste Urkunde für Amorbach ist 996 ausgestellt. Mit dieser Urkunde verleiht Otto dem Kloster die Immunität. Am 4. April 999 stellt Otto III. für das Bischof Würzburg auf Bitten des verstorbenen Bischofs Bernward (990-995) eine Urkunde aus, mit der er die Abteien Neustadt am Main, Schwarzach, Amorbach, Murrhardt und Schlüchtern dem Bistum Würzburg unterstellt, weil sie diesem ungerecht entzogen worden seien. Allerdings ist da Otto einer Fälschung aufgesessen.

Unter Erzbischof Brun von Köln (925-965) wurde 951 im Kloster Lorsch der ordo Gorziensis eingeführt.  Die Klöster von Fulda, Corvey, St. Gallen, St. Martin in Köln und Amorbach sind von dort aus reformiert worden. Die Gorzer Reformbewung unterschied sich stark von der von Cluny. Gorze plädierte für ein Reichsmönchtum unter weltlicher Herrschaft. Amorbach wird bis 1000 im Sinne Gorzes reformiert. Heinrich II.(1002-1024) war ein Schüler des Reformanhängers Erzbischof Adalbert von Magdeburg (910-981). Er förderte auch die Reformbewegung in den Klöstern des deutschen Reiches. 1013 setzte er in Fulda den Abt Brantho II., obwohl rechtmäßig gewählt kurzerhand ab und ersetzte ihn durch den Lorscher Reformabt, der dann in Fulda und Lorsch in Personalunion Abt war. Als dieser 1018 starb brachte er den Amorbacher Reformabt Richard ins Spiel, der dann auch gewählt wurde und von 1018-1039 ebenfalls in Personalunion Abt von Fulda und Amorbach war.

Schenkungen vom Kloster Lorsch um 1000 hängen wohl mit der Reformierung Amorbachs zusammen.

1015 gründete Heinrich II. das Kloster Michelsberg in Bamberg. Die ersten Mönche kamen aus Amorbach und Fulda.

Am 15. April 1016 verleiht Heinrich II. in Bamberg dem “ in der Wildnis des Odenwalds gelegenen  Abtei Amorbach” auf Bitten des Bischofs Heinrich von Würzburg die Immunität, das ist die Befreiung kirchlicher Personen oder Gütern von weltlichen Diensten oder Abgaben, aber auch die Zugriffsbeschränkung weltlichen Rechts auf kirchliche Besitztümer oder Orte.

Im Oktober 1016 verleiht er dem Kloster Prüm unter Abt Urold Immunität und Königsschutz. Das geschieht auf Bitten mehrerer Bischöfe und Auch Abt Richards von Amorbach.

Aus dieser Zeit stammt der Watterbacher Tragaltar, eine Goldschmiedearbeit aus dem frühen 11. Jahrhundert. Sie wurde möglicherweise für das Kloster Amorbach

401px-Watterbacher_Tragaltar_c1020geschaffen und ist heute im Bayrischen Nationalmuseum zu bewundern.

Nachfolger Abt Richards wird Abt Ezzelin. Er konnte durch Kauf des “Mudauer Odenwalds den Amorbacher Grundbesitz vergrößern. Gekauft hat er ihn um 1050 wohl von den Herren von Lohrbach. Die Benediktiner von Amorbach legten hier Rodungssiedlungen an, aus denen die Ortschaften um Mudau herum ihren Ursprung fanden. 1271 gelangten die Herrschaftsrechte durch Kauf von den Herren von Dürn an das Erzstift Mainz. Mudau bildete den Mittelpunkt der “Mudauer Zehnt”.Nach 1100 fand auch die Hirsauer Reformbewegung Anhänger im Kloster Amorbach, was noch heute die Westtürme der Abtei bezeugen. Die doppeltürmige Westfassade war Merkmal des Hirsauer Baustils.

1168 bestätigt Friedrich I. dem Bischof Herold von Würzburg die hohe Gerichtsbarkeit und untersagt gleichzeitig den Wiederaufbau der Burg Frankenberg,weil von da aus der Frieden in der gesamten Provinz ins besondere der Abtei Amorbach zerstört worden sei. Man kann annehmen, dass damit auch ein Vogteiwechsel für die Abtei erfolgt ist. Die Herren von Dürn werden zwar expressis verbis 1246 in dieser Funktion bezeugt. Es ist aber wahrscheinlich, dass sie schon zu Barbarossas Zeiten Vogteirechte über die Abtei ausübten. Rupert von Dürn war ein treuer Gefolgsmann Friedrichs I. und nahm an sechs Italienzügen des Kaisers teil. Er war bei der Krönung Barabarossas als König des Arelats sowie Heinrichs zum König  von Sizilien teil Außerdem fungierte bei ungefähr 140 Herrscherurkunden als Zeuge. Die Staufer hatten Interesse an diesem Raum und übten über Edelfreie wie die Herren von Dürn indirekte Herrschaft aus. Ihren Verwaltungssitz hatten sie in Walldürn. 1253 erhob Konrad von Dürn den Klosterort Amorbach zur Stadt. Die Familie der Dürn erlebte unter Konrad den Höhepunkt ihrer Macht, aber es setzte auch schon der Niedergang ein. Konradstarb 1253 danach wurde die Herrschaft unter die drei Söhne geteilt. Der Wildenberger Zweig unter Ulrich verkaufte 1271 Wildenberg samt umliegenden Dörfern an das Erzstift Mainz, 1272 die Stadt Amorbach den Zehnt und die Vogteirechte über das Kloster. Damit nahm das Stift im Odenwald den Platz der Dürn ein. Das Erzstift war der weltliche Herr geworden. Die kirchliche Herrschaft verblieb beim Bistum Würzburg.

Von 1373 bis 1397 war Friedrich Feyser Amorbacher Abt. Er ließ 1395 das Amorbacher Urbar anlegen, ein Güter-und Rechtsverzeichnis der Abtei.Wie viele andere Klöster hatte Amorbach um 1400 mit dem Rückgang der Klosterdisziplin zu kämpfen. Abt Dietrich von Kunnich (1406-1428) öffnete das Kloster auch für Nichtadelige, ein Rezept das auch in Rot, Steingaden und Reichenau gewirkt hatte.

Der Neffe Dietrichs, Heinrich von Kunnich (1428-1456) erreichte wie wirtschaftliche Gesundung der Abtei. 1448 wurde die Klostermühle und das Backhaus neu gebaut.

Das Kloster war nun in 19 Dörfern Vogteiherr und bezog Einkünfte aus 100 Ortschaften.

Dann kam allerdings das Jahr 1525 mit dem großen Bauernkrieg. Die Klöster waren als Zehntherren der Bauern natürlich besonders im Visier der Bauern.

kolwitzbauer22Der Odenwälder Haufe kam im April in die Nähe von Burg Hornberg. Der Bauernführer Wendelin Hipler nahmen Götz von Berlichingen als Hauptmann für 4 Wochen auf. Der Helle Haufe zog auf seinem Zug von Buchen vors Kloster Amorbach. Die Bauern forderten nun von Abt und Konvent Kleinodien, goldene und silberne Kirchengefäße und Bargeld. Dann wurde das Kloster geplündert. Es sollte auch gebrandschatzt werden. Dagegen wandte sich der Rat von Amorbach, weil das Kloster zu nah an den Häusern liege. Das Kloster wurde daraufhin nicht in Brand gesteckt sondern zerstört. Nur die Zinsbücher des Klosters gingen in Flammen auf. Götz von Berlichingen wird sich auf dem Reichstag von Speyer persönlich gegenüber Georg Truchsess von Waldburg rechtfertigen und erklären, das Niederbrennen von Wildenberg, die Plünderung Amorbachs und die Verwüstung von Miltenberg sei alles gegen seien Willen geschehen. Er habe sich dem Bauernhaufen nur angeschlossen, um schlimmeres zu verhindern. Das Kloster erholte sich relativ bald von Raub und Plünderung.

Die Reformation konnte sich in Amorbach nicht durchsetzen

1547 musste Amorbach  unter dem  dem Markgrafenkrieg leiden. Sehr viel schlimmer traf es aber Kloster und Umgebung im Dreißigjährigen Krieg. 1631 nahm Gustav Adolf Amorbach ein. Er setzte einen von Gemmingen als Präfekten ein. Das Kloster aber schenkte er mit allen Gütern dem Grafen von Erbach. Das Kloster wurde aufgehoben. Nach der verlorenen Schlacht von Nördlingen 1634. Die Schweden und der Graf von Erbach wurden von den Kaiserlichen vertrieben. Kaiser Ferdinand restituierte das Kloster wieder. Der Krieg war noch lange nicht zu Ende. 1643 zogen hessische Soldaten durch. Im April 1645 kamen die Schweden nochmals zurück. Im Juni 1645 nahm die bayrische Armee ihr Hauptquartier in Amorbach. 1648 rückten Franzosen ein. Die Pest und der Krieg hatten den Odenwald fast entvölkert. Die wirtschaftlichen Grundlagen waren weggebrochen.

Es lebten  nur noch 11 Mönche im Kloster.

Zwar war 1648 der Westfälische Friede geschlossen worden.  Aber 1674 überschritten französische Truppen den Rhein unter Marschall Turenne, eroberten die Pfalz und verwüsteten sie. Amorbach entging wieder einmal nur knapp einer Brandschatzung. Erst nach diesen Kriegswirren erholte sich die Abtei wieder.

1656 war Amorbach im Zuge von Gebietsbereinigungen weltlich und auch kirchlich an Mainz gekommen. Der Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn (1605-1673) schränkte die Rechte Amorbachs zugunsten der fürstbischöflichen Gewalt ein. Er war übrigens einer der ersten Reichsfürsten, von Friedrich von Spee nachhaltig beeinflusst, der die Abhaltung Hexenprozessen auf seinem Territorium verbieten ließ.

330px-Kloster_Amorbach_17351660 wurde ein Gebäudetrakt mit Abtswohnung, Kellerei und Gästehaus gebaut.

Unter Abt Cölestin Mann, der von 1674-1713 regierte, lebten wieder 41 Mönche im Kloster. Unter Abt Engelbert Kirnbacher, der von 1728-1753 regierte wurde 1734 groß die Tausendjahrfeier begangen. Die Abteikirche wurde von 1742-1747 barock umgestaltet. 1778-1803 regierte mit Benedikt Külsheimer der letzte Abt des Klosters. Noch in seiner Amtszeit bekam Amorbach 1782 die seinerzeit größte Orgel der Welt, erbaut von den Gebrüdern Stumm aus dem Hunsrück.1783.1786 entstand noch ein neuer Konventsbau im amorbacher Zopfstil. Eine neue Bibliothek und ein Festsaal (Grüner Saal)wurden gebaut

Mit der Säkularisation 1803 endeten über 1000 Jahre Abteigeschichte. 24
Mönche mussten das Kloster verlassen.

Das Kloster fiel an die Fürsten von Leiningen. Der ehemalige Klostergarten wurde von Friedrich Ludwig Sckell zu einem Landschaftsgarten im englischen Stil umgestaltet, dem sogenannten Seegarten. Von ihm stammen auch die Englischen Gärten in Eulbach und München.

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01 Juli 2011

Hans Multscher

 

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Die Familie Multscher ist erstmals 1304 in Reichenhofen nachgewiesen. Sie gehörte zu den Königsfreien auf der Leutkircher Heide, d.h. sie waren nur dem König steuerpflichtig und ansonsten keinem Herrn untertan. Von 1405-1437 ist die Familie als Inhaber der Waibelhub bei Reichenhofen nachgewiesen. Hans Multscher ist um 1400 in Reichenhofen geboren. Über seine Jugend und Ausbildung ist nichts bekannt. Wahrscheinlich hat er im Allgäu eine Lehre gemacht. Danach begab er sich auf Gesellenfahrt in die Niederlande, Nordfrankreich und Burgund. Dabei hat er die aktuellsten Strömungen der französischen und niederländischen Bildhauerkunst kennengelernt. Möglicherweise hatte er dort auch bei Claus Sluter, einem Mitbegründer der burgundischen Kunstschule in Dijon gearbeitet. Eine Zeitlang hielt er sich auch in Paris auf. Nach seinen Meisterzeichen zu schließen hat er die Meisterwürde in Aachen erworben. Um 1424/25 kam er nach Ulm. Nach einer Wartezeit hat er 1427 in Ulm das Bürgerrecht erhalten. In diesem Jahr heiratete er auch die Ulmer Bürgerstochter Adelheid Kitzin. Die Werkstatt und Familie Kitzin ist in Ulm seit 1370 nachweisbar. Bei seiner Eheschließung besaß er in Ulm bereits ein Haus und dazu noch verschiedene Grundstücke.

8195f87e09c06132Der Ulmer Rat war an einer Ausweitung der Produktion und an der Steigerung des Fernhandels interessiert. Er stellte Hans Multscher vom Zunftzwang frei und da er die Freirechte der Leutkircher Heide besaß, musste er in Ulm zeitlebens keine städtischen Steuern bezahlen. Die Stadt bestellte ihn zum amtlich vereidigten Sachverständigen, zum “geschworenen Werckmann” Bald erhielt er vom Rat und Patriziat der Stadt anspruchsvolle Aufträge, was einen geregelten Werkstattbetrieb voraussetzte. Bald nach Erlangung des Bürgerrechts waren in Multschers Werkstatt mehrere Gesellen aus artverwandten Berufen beschäftigt. Auch sein Bruder Heinrich war wohl in der Werkstatt tätig. 1427-1430 gestaltete er ein Prunkfenster für das Ulmer Rathaus, dessen Figuren deutlich an Sluters König David in Dijon oder an den Propheten des Andre Beauneveu in der Ste. Chapelle in Bourges erinnern. Sein Schmerzensmann am Ulmer Münster zeigt, wie gut er den Realismus der Monumentalskulptur in Burgund studiert hat.

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1430 liefert er den Bozzetto in München, eine skizzenhafte Plastik für einen von dem Herzog Ludwig dem Gebarteten von Bayern-Ingolstadt in Auftrag gegebenes Hochgrab, das jedoch nicht ausgeführt wurde. Der Herzog bestand auf einer Ausführung in Rotmarmor. Der Künstler jedoch dachte eher an einen Bronzeguß, nicht zuletzt wegen der feinen Modellierung ähnlich der für Georg Truchsess von Waldburg ausgeführten Grabplatte. Bis 1433 erfolgte die Planung und der Einbau eines Retabels in die Stirnwand des südlichen Seitenschiffs des Ulmer Münsters. Bestellt hatte den Altar Konrad Karg, einer der einflußreichsten und dem reichsten Ulmer Patrizier seiner Zeit. Es hat allerdings den Bildersturm in Ulm von 1531 nur schwer beschädigt überstanden. Karg war unter anderem Finanzier des Bayernherzogs Ludwig dem Gebarteteten. Multscher hatte das Retabel wohl selbst entworfen und ausgeführt. Er griff dabei auf Anregungen zurück, die er in den Niederlanden und Frankreich erhalten hatte, z.B. das Motiv der Halbfiguren, die in den “Kapellenschrein” hineinsehen.

In seinem Wurzacher Altar von 1437 in Berlin zeigt sich sein Realismus in betonter Hässlichkeit. Er trat dabei als Meister an der Spitze seiner Werkstatt auf, der einen

wahrscheinlich vertraglich festgelegten Teil der Skulpturen und Malarbeiten selbst ausführte. Die erhaltene lebensgroße Hauptfigur der Mutter Gottes ist heute in der Pfarrkirche von Landsberg am Lech. Die Flügel wurden in acht Einzeltafeln zersägt und sind heute in Berlin.

b761ae2a5302ee34Multschers Ruf hatte sich mittlerweile weit in Deutschland verbreitet. Von 1456-1459 schuf er die Sterzinger Retabel in dem kleinen Südtiroler Städtchen, das  reich wurde durch Silberbergbau, der um 1400 in den Tälern um Sterzing begann. Es war ein wichtiger Knotenpunkt für den Nord-Südhandel und man konnte sich renommierte Künstler leisten. An der Sterzinger Retabel waren bis zu 16 Gesellen beschäftigt. Zu sehen sind die Altartafeln heute im Sterzinger Multscher-Museum.

Multscher führte den Werkstattbetrieb zu einem Großunternehmen durch, was dann auch die Syrlins, Hans Schüchlin, Friedrich Herlin, Jörg Töber und Nikolaus Weckmann machten. Er ist der bedeutendste Bildhauer in Deutschland in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Er wurde Wegbereiter für Jörg Syrlin, Gregor und Michel Erhart, Veit Stoss, Adam Krafft und Tilmann Riemenschneider.

Weiter Werke  von ihm sind die Stehende Mutter Gottes mit Kind um 1430, die Thronende Mutter Gottes 1435-1437 beide im Bayrischen Nationalmuseum in München, Die Heilige Barbara und Katharina 1435-1440 im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart, die Heilige Barbara und Magdalena 1450-1455 aus Heiligkreuztal, heute im Dominikanermuseum in Rottweil

erhmagdamDie Grabmalsfigur der Gräfin Mechthild von Württemberg-Urach 1450-55 heute in der Stiftskirche in Tübingen, Der Heilige Johannes der Täufer 1456-1458 im Bayerischen Nationalmuseum in München, Die Bihlafinger Madonna um 1460 im Städtischen Museum in Ulm, Christus als Schmerzensmann um 1460 im Hessischen Landesmuseum in Kassel und Die Heilige Magdalena um 1456-1457 im Liebighaus in Frankfurt.

Hans Multscher starb 1467 in Ulm. An erinnert ein Sgraffitto an einem Haus beim Friedhof in Reichenhofen, der Name des Leutkircher Gymnasiums, eine Hans Multscher Schule in Ulm sowie Straßennamen in verschieden Orten Baden-Württembergs.

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25 Juni 2011

Abtei Hersfeld

 

 

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Lullus wurde um 705 in Wessex in England geboren. Er kam wohl als puer oblatus ins Kloster Malmesbury am Avon. Bei einer Wallfahrt nach Rom lernte er 737 Bonifatius kennen. Mit ihm ging er nach Germanien, um dort bei der Verkündigung des Evangeliums mit zu arbeiten. Wahrscheinlich war er Schüler des Abtes Wigbert, der in Ohrdruff das 725 Benediktinerkloster leitete. 746 wurde Lullus Archidiakon und bald darauf Priester. Im Auftrag von Bonifatius reiste er 751 nach Rom, um dort bei Papst Zacharias (Papst von 741-752) die Exemtion für das 744 gegründete Kloster Fulda zu erreichen, also die direkte Unterstellung des Klosters unter den Papst. 752 setzte Bonifatius Lullus als Chorbischof in Mainz  und zu seinem Koadjutor ein. 753 wurde er auf einem Reichstag zum Nachfolger von Bonifatius in Mainz ernannt. 769 gründet Lullus in Hersfeld ein Kloster an der Stelle einer Einsiedelei, die der Gründungsabt  von Fulda Sturmius schon 736 angelegt hatte. Zwischen 763 und 765 hatte Lullus als Mainzer Bischof heftige Auseinandersetzungen mit dem Fuldaer Abt. Er wollte die Abtei, deren Exemtion er 751 maßgeblich ausgehandelt hatte, in sein Bistum eingliedern. Als dies nicht gelang, gründete er das Kloster Hersfeld. Er war Abt und Mainzer Bischof, ab 782 Erzbischof. Mit seiner Klostergründung entsprach er den Absichten von Karl dem Großen (römischer Kaiser von 800-814). Von Hersfeld aus sollte die Missionierung und Unterwerfung der Sachsen und Thüringer erfolgen. Das Hersfelder Kloster wurde zum Missionszentrum, das vom Kaiser viel Macht und Einfluss erhielt. Im Jahr 775 erhob Karl der Große auf Betreiben von Lullus das Kloster zur Reichsabtei. Der König

tn_01_farbigstattete das Kloster mit weitgehenden Privilegien aus, nahm es in seinen Schutz,

beschränkte die Rechte weltlicher und geistlicher Würdenträger und verlieh ihm das Recht der freien Abtwahl. Außerdem erhielt es eine Reihe von Gütern. Damit stand es in einer Reihe mit Fulda und Lorsch, den beiden älteren Reichsabteien. Nur die kirchliche Exemtion erhielt Hersfeld im Gegensatz zu Fulda nicht. Es blieb dem Diözesanbischof unterworfen. Da Bischof und Abt eine Person waren, dürfte Lullus das verschmerzt haben.

Schon 782 nämlich am 28. Juli besuchte Karl die Abtei Hersfeld

Der Lehrer von Lullus, Wigbert war 738 Als Abt in Fritzlar verstorben.780 ließ Lullus dessen Gebeine nach Hersfeld überführen. Daraus entwickelte sich schnell eine Wallfahrt. Der Pilgerstrom war so groß, dass die Erweiterung des Klosters und unter Abt Brun(vermutlich 820-840) zwischen 831 und 850 die Errichtung der Klosterkirche notwendig wurde.

782 lebten im Kloster bereits 150 Mönche. Am 16. Oktober 786 starb Lullus in Hersfeld. Er wurde neben Bischof Witta von Büraburg, dem Gefährten des Bonifatius in der Kirche von Hersfeld bestattet. Sein Nachfolger wurde Abt Richulf (786-813). Die Abtei erhielt weiterhin viele Schenkungen im ganzen Reichsgebiet. Vor allem in Thüringen bestanden große Besitzkomplexe. Nach einem Zehntverzeichnis um  810, dem Breviarium Lulli, besass die Abtei rund 60.000 Morgen Land, verteilt auf 193 Ortschaften , von den 3/4 in Thüringen lagen.

Am 8. Mai 820 bestätigte Ludwig der Fromme auf Bitten des Abts Brun die Privilegien Karls von 775. Er nahm es unter seinen Schutz und befahl, dass weder der Bischof von Mainz noch dessen Archidiakon eine Gewalt ausübe, außer der durch Kirchengesetze berechtigte. Außerdem bestätigte er die freie Abtwahl vorbehaltlich der kaiserlichen Zustimmung.

Unter Abt Brunwart (840-875) fand 852 die Weihe dieser karolingischen Kirche statt. Auch wurden die Gebeine von Lullus umgebettet. Unter Brunwart existierte seit 870 auch das erste Kloster-und Abtssiegel.

Unter Abt Bun begann sich die Hersfelder Klosterschule zu entwickeln. Leiter der Klosterschule war damals Haimo, der in Fulda Schüler Alkuins und Mitschüler von Rhabanus Maurus war. Er wurde 840 von Ludwig dem Frommen zum Bischof von Halberstadt ernannt. In dieser Zeit dürfte der unbekannte Dichter des altsächsischen Heliand in Hersfeld seine theologische Ausbildung erfahren haben.

Unter  Abt Druogo (875-892) wurde 880 das erste noch bekannte Zehntverzeichnis der Abtei Hersfeld geschrieben.Unter Abt Harderat (892-901) folgte 899 ein weiteres Zehntverzeichnis. Auf Abt Harderat folgte Herzog Otto aus der Familie der Liudoflinger, ein im Eichsfeld beheimatetes thüringisches Adelsgeschlecht. Er war von 902-912 Laienabt in Hersfeld.

In der Amtszeit von Abt Diethart I. herrschte bereits die Ungarngefahr. 915 wurde der Marktplatz als Fliehburg angelegt und 925 rund um das Kloster Befestigungsanlagen gebaut.

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Abt Diethart II. war wohl Mönch in Hirsau bevor er 927 den Abtsstuhl in Hersfeld bestieg. Aber schon 928 machte ihn König Heinrich I. zum Bischof von Hildesheim,

was er bis zu seinem Tod am 13. September 954 blieb.

Die Abtei Hersfeld scheint ein guter Karrierestart gewesen zu sein, denn auch der nächste Hersfelder Abt Burchard, Sohn des Grafen Adalbert im Grabsfeld aus der Familie der Babenberger war von 928-932 Abt, eher 932 zum Bischof von Würzburg ernannt wurde, wo er als Burchard II. bis 941 regierte.

369px-BurchardusIIHennenbergbwDer nächste Abt Mengingoz (932-935) kümmerte sich um den Schutz des thüringischen Besitzes der Abtei. Bei Arnstadt ließ er um 930 die Wachsenburg  zur Sicherung der umfangreichen Hersfelder Besitzungen bei Arnstadt erbauen. Sie ist eine “Drei Gleichen”. Auch der Ortsname Mengshausen, heute ein Ortsteil von Niederaula erinnert an diesen Abt.

Wichtig wurde für das Kloster dann Abt Egilolf (963-970) Er war Freund und Ratgeber Kaiser Otto I. Dem Einfluss des Kaisers ist es wohl zuzuschreiben, dass die Abtei durch ein Papstdekret aus dem Jahre 968 direkt dem Papst unterstellt wurde. Während der Bischofssynode zum Jahreswechsel 967/68 ist auch Otto I. und sein Sohn anwesend. Abt Egilolf konnte die Bitte um eine Papsturkunde vorbringen. Am 2. Januar 968 nahm Papst Johannes XIII. (965-972) die Abtei in die alleinige Jurisdiktion der römischen Kirche, verlieh das Recht der freien Abtwahl, verbot die Ausübung priesterlicher Funktionen im Klostergebiet ohne Erlaubnis des Abtes und erließ für die Klosterbesitzungen Alienatsverbot, d.h., sie durften nicht veräußert werden. Damit war die Abtei vom Bistum Mainz nicht mehr abhängig.

Abt Gotzbert (970-985) gründete die Hersfelder Bibliothek und als sie Papst Niklolaus V. (1437-1455) von seinen Helfern durchsuchen ließ, fanden sie dort immerhin eine im 9.Jahrhundert erstellte Kopie  der “Germania” von Tacitus.

Bekannt wurde die Bibliothek auch durch das Wirken Lamperts von Hersfeld, der die Vita Lulli verfasst hatte und erster Abt des Klosters Hasungen war.

Nachfolger Gotzberts war Abt Bernhard (995-1005). Dieser gründete die erste Propstei Hersfelds, nämlich die Benediktinerprobstei auf dem Hersfelder Petersberg, die dem Heiligen Petrus geweiht wurde. Noch unter Bernhard verlieh Heinrich II. (1002-1024) dem Kloster Hersfeld den Wildbann über den Reichsforst Ehringswald in genau beschriebenen Grenzen. Bernhards Nachfolger war Godehard (1005-1012). Abt Gotzbert und Bernhard hatten die harten Benediktinerregeln nicht mehr so streng gehandhabt, weswegen Kaiser Heinrich II.(unter Missachtung der freien Abtswahl) im Juli 1005 Abt Godehard einsetzte. Dieser hatte seine Ausbildung in der Klosterschule von Niederaltaich erhalten und war noch in der Herzogszeit von Heinrich von diesem begünstigt 996 Abt von Niederaltaich geworden und 1001/1002 gleichzeitig auch Abt in Tegernsee.1005 wurde der überzeugte Anhänger der Reformbewegung von Cluny zum Abt von Hersfeld ernannt. In seinen Klöstern setzte er die Reform konsequent durch.1007-1013 war ihm auch die Abtei Kremsmünster unterstellt, die ihn in ihren Abtslisten führt.In Hersfeld stellte Godehard die Mönche vor die Wahl, die Regeln zu befolgen oder das Kloster zu verlassen. Daraufhin verließen 50 Mönche das Kloster.

Nach dem Tod Bernwards 1022 wurde Godehard von Heinrich II zum Bischof von Hildesheim berufen. Auf Godehard folgte 1012 Abt Arnold. Er kam auch  aus Niederaltaich und war ebenfalls Reformanhänger. 1015 schenkte Kaiser Heinrich II. das von Otto II. und seiner Gemahlin nach 973 gegründete Kloster Memleben Hersfeld das verarmte Kloster mit all seinem Zubehör zu freiem Verfügungsrecht und zum Nutzen des Klosters, nach dem er Anfang Februar den Abt von Memleben abgesetzt hatte, worauf Mönche das Kloster verließen. Ab 1015 unter Abt Arnold (1012-1031) war Memleben Hersfelder Propstei.

Am 17.5. erteilte Heinrich II. dem Kloster den Wildbann in der Gegend von Breitungen. Die Wertschätzung für ein Kloster durch den Herrscher zeigt sich auch an der Zahl der ausgestellten Urkunden. Heinrich hat Hersfeld 10 Urkunden ausgestellt, was sicher auch mit der Person Godehards zusammenhängt. Denn auch die anderen Klöster, in denen er Abt war, erhielten Schenkungen. Und schließlich ist Godehard ja von Heinrich als Abt eingesetzt worden und 1022 schließlich zum Bischof von Hildesheim berufen worden. Er gehört ja auch zu den bedeutenden

170px-Hildesheim_St_Godehard_StatueHeiligen des Mittelalters. Er ist 1131 durch Papst Innozenz II. (Papst von 1130-1143) als erster Niederbayer heiliggesprochen worden.

Arnold gründete eine weiter Benediktinerpropstei auf dem Johannesberg, die von 1012 bis 1024 erbaut wurde. Sie wurde dem Apostel und Evangelisten Johannes geweiht. Der Nachfolger Arnolds Bardo hatte seine  geistliche Ausbildung im Kloster Fulda erhalten. Von Konrad II. (1024-1039) dem ersten Salier auf dem Kaiserthron,

wurde er unter Umgehung des Rechts auf freie Abtswahl zum Abt von Werden, heute Essen-Werder, ernannt und auf Vermittlung von Kaiserin Gisela wurde er 1031 Abt von Hersfeld. Als der mainzer Erzbischof Aribo 1031 verstarb, wurde er von seinem Gönner Konrad auf den freigewordenen Mainzer Erzbischofsstuhl berufen. Bardo war damit nicht einmal ein Jahr Abt in Hersfeld. Ihm folgte Rudolf nach. Er stammte aus dem Geschlecht der Grafen von Werl, ein äußerst einflussreiches Grafengeschlecht im norddeutschen Raum. Er war möglicherweise ein Enkel der burgundischen Königstochter Gerberga. Er war zunächst Mönch und dann Propst im Reformkloster Stablo nahe bei Lüttich. 1031 kam er auf den Hersfelder Abtsstuhl, den er bis 1036 innehatte. Dann wurde er zum Bischof von Paderborn berufen. Dem nächsten Abt, Meginher, war eine länger Amtszeit vergönnt, nämlich 1036-1059. Doch schon kurz nach seinem Amtsantritt zerstörte ein Brand die Stiftskirche. 1038 ließ er die heute älteste datierte Glocke Deutschlands, die Lullusglocke, gießen.

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Er ließ die abgebrannt Stiftskirche   gleich wieder aufbauen und schon 1040 wurden Chor und Krypta dem heiligen Wigbert geweiht. 1039 bestätige Konrad dem Kloster Hersfeld die Immunität. Meginher schenkte Heinrich III. die Hersfelder Hauptreliqien der Apostel Simon der Zelot und Judas Thaddäus für die Gründung einer Stiftskirche in Goslar, sicherlich ein sehr beziehungsreiches Geschenk, den die neue Kirche in Goslar sollte Simon und Judas geweiht werden, das waren die Geburtstagsheiligen des Kaisers und wohl auch den sogenannten Krodo-Altar, einen Reliquienschrein. Dafür schenkte Heinrich III. dem Kloster  am 31. Juli 1051 von Nürnberg aus einen in seinen Grenzen genau beschriebenen Weinberg in Ober-Ingelheim. Lampert von Hersfeld schreibt, dass er durch den beispielhaften Lebenswandel Abt Meginhers bekehrt worden sei. 1058 trat er ins Kloster Hersfeld ein. Unter den Nachfolgern Meginhers war er wohl Leiter der Hersfelder Klosterschule.

Der nächste Abt war Ruthard (1059-1072) Dieser schickte Lampert auf eine Informationsreise in die Benediktinerklöster Saalfeld und Siegburg, um die Consuetudines  zu studieren, die der Kölner Erzbischof Anno (1056-1075) in den von ihm gegründeten Klöstern eingeführt hatte. Er hatte zwar Sympathie für die Reformbestrebungen Annos, fand aber die altbewährten Grundsätze benediktinischen Lebens ausreichend, wenn sie nur eingehalten würden.

Von 1072-1090 regierte Abt Hartwig. Er war von Heinrich IV. eingesetzt worden. 1073 nahm er an einer Synode in Erfurt teil und unterstützte Heinrich. Zwischen 1073 und 1074 zog Heinrich bei Bebra-Breitenbach  ein Heer zusammen, um einen Aufstand der Sachsen und Thüringer niederzuschlagen niederzuschlagen. Am 12. Februar 1074 wurde Heinrichs 2. Sohn Konrad geboren. Sein älterer Bruder Heinrich war im August 1071 geboren und gestorben. Konrad war bereits im Alter von zwei Jahren zum Nachfolger seines Vaters anerkannt worden. 1087 erhielt er in Aachen die Königsweihe, lebte er aber in Italien. Nachdem er 1093 ins päpstliche Lager gewechselt war, also zu den Gegnern seines Vaters, erklärte ihn dieser 1098 auf einer Reichsversammlung in Mainz für abgesetzt und bestimmte gleichzeitig seinen jüngeren Sohn Heinrich zu seinem Nachfolger.

Zurück zu Hersfeld und Abt Hartwig. 1085 marschierte Heinrich den Beschlüssen der Mainzer Kirchenversammlung folgend mit einem Heer nach Sachsen. Er protegierte Hartwig als Erzbischof und dieser wurde in Magdeburg von Klerus und Volk als Gegenerzbischof von Hartwig Graf von Spanheim, einem überzeugten Anhänger von Papst Gregor VII. gewählt. Der Hersfelder Abt konnte sich in Magdeburg nicht halten und war gezwungen nach Hersfeld zurückzukehren.Die Auseinandersetzungen zwischen dem Salierkaiser und den Thüringern erschütterte auch die Stellung Hersfelds in Thüringen. Um diese wieder zu festigen hielt sich er Hersfelder Abt Friedrich (1080-1110) vorwiegend auf der Wachsenburg auf. Dort ist er 1110 auch gestorben. Die Burg war von den Zwistigkeiten schwer mitgenommen worden. Abt Friedrich ließ die Burg wieder herstellen.

Im Januar 1126 bestätigte  Lothar von Supplinburg (1125-1137) einen Gütertausch zwischen dem Stift Sankt Servatius in Maastricht und dem Kloster Hersfeld. Die Kanoniker in Maastricht tauschten Güter in Monsheim gegen eine Kirche in Güls, südwestlich von Koblenz gelegen, weil das jeweilige Tauschobjekt für beide Seiten zu weit entfernt war. Abt Adelmann (1114-1127) unter dem der Tausch erfolgte, ließ auch den Katharinenturm in Hersfeld erbauen, einen kleinen Glockenturm am Eingang zum Stiftsbezirk. In ihm ist auch die Lullusglocke bezeugt.

1127 wurde Hermann von Bingarten Abt in Hersfeld. Mit dem ersten Staufer auf dem deutschen Königsthron Konrad III. (1137-1152) hatte er ein gutes Verhältnis. Konrad war öfters in Hersfeld, so im August 1139 wo er auch  2 Urkunden  für andere Empfänger ausstellte. Im Juli hatte er bei Hersfeld das Heer versammelt, das gegen den Welfen Heinrich den Stolzen, den Herzog von Sachsen zog. 1144 wurde die neue romanische Stiftskirche in Hersfeld von Erzbischof Heinrich von Mainz (1142-1153) vorgenommen, der auch zeitweilig Reichverweser für Konrad war.

Bei dieser Weihe war auch Konrad anwesend. Dabei gab er den dem Kloster “lange entfremdeten Zehnt vom Tafelgut von Ingelheim zurück und bestätigte allen dem Kloster geschenkten Besitz. Zeugen der am 17. Oktober 1144 ausgestellten Urkunden waren unter anderem die Äbte von Fulda und Stablo. Am 14. April 1146 starb Konrads Gemahlin Gertrud von Sulzbach in Hersfeld. Sie wurde in der Kirche des Zisterzienserklosters Erbach beigesetzt. Um 1150 wurden noch neue Klausurgebäude im Kreuzganghof erbaut. Damit ist der Bau 112 Jahre nach dem Brand abgeschlossen. 1148 wurde Heinrich von Bingarten auch Abt von Fulda. Das Abtsamt in Hersfeld behielt er bei. Auf Drängen des Mainzer Erzbischofs gab er das

Fuldaer Amt aber schon ein Jahr später wieder ab.

250px-StiftsruineIhm folgte Abt Willibold von 1155-1162. Sein Nachfolger  Hermann I. verblieb nur drei Jahre auf dem Hersfelder Stuhl, nämlich von 1162-1165. Dann wurde er von Friedrich Barbarossa als Abt in Fulda eingesetzt, weil der dortige Abt Marquard mit der kaiserlichen antipäpstlichen Politik nicht mehr einverstanden war und auf die Propstei St. Andreas am Neuenberg bei  Fulda abgeschoben wurde. Auch den nächsten Abt, Burchard von Nürings (1165-1168) setzte Friedrich in Fulda ein, diesmal gegen den Willen der Mönche und ohne päpstliche Bestätigung. Ihm folgte nach Willibold II. und Adolf 1180 Abt Siegfried (1180-1200). Er hatte am Hofe seines Friedrichs I. und dessen Sohn Heinrich VI. (ab 1169 deutscher König und 1191-1194 Kaiser) großes Ansehen. Mit ihm hatte die Abtei die größte reichspolitische Bedeutung. Er begleitete Barbarossa nach Italien und führte in seinem Auftrag Verhandlungen mit dem Papst. So konnte er auch die Streitigkeiten mit Landgraf Ludwig III. von  Thüringen (1172-1190) zugunsten der Abtei entscheiden.

Am 26. April 1220 gab Friedrich II. den Erlass “cum principibus ecclesiastis” heraus. Damit wurde der Hersfelder Abt zusammen mit 28 anderen Äbten und 16 Äbtissinnen in den Reichsfürstenstand erhoben und war damit Fürstabt. Abt Ludwig ( 1217-1239) hatte nun landeshoheitliche Rechte. Hersfeld war geistiges Fürstentum.

Mit dem Ende der Staufer begann auch der Abstieg des Klosters. Seine Königsnähe in den Zeiten der Salier und Staufer hatte ihm machtpolitischen Rückhalt verliehen. Dazu kam, dass der Landadel und das aufstrebende Bürgertum ihre Macht und Stellung in der spätmittelalterlichen Gesellschaft ausbauen konnte. Die folgenden Jahrhunderte waren auch dadurch geprägt, dass die Abtei, ständig versuchen musste, ihre Besitz und Herrschaftsrechte zu erhalten, eine Entwicklung, von der nicht nur das Kloster Hersfeld betroffen war.

Abt Ludwig I. (1217-1239) stiftete 1239 das Hospital am Johannestor für Arme, Kranke und Alte. Auch das lag im Trend. (vermutlich im selben Jahr gegründet Spital zum Heiligen Geist in Biberach an der Riss, um 1240 in Ulm, in Rothenburg um 1280, in Augsburg schon 1150 bezeugt)

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entsteht in Hersfeld ein zweites Kloster, ein Franziskanerkloster, das 1269 erstmals urkundlich erwähnt wird.

Mit Abt Heinrich von Erthal wurde Hersfeld zum zweiten Mal mit einem Abt besetzt, der gleichzeitig Abt in Fulda war. Von 1252-1254 verwaltete er Hersfeld mit und von 1258-1261 wurde er nochmals auf der Hersfelder Abtsliste geführt. Als Fuldaer Abt ging er vor allem gegen das Raubrittertum vor. In seine Amtszeit fällt auch die Zeit von König Wilhelm von Holland, der von 1248-1254 Gegenkönig von Friedrich II. war und nach dem Tod von Konrad IV. 1254 als deutscher König anerkannt wurde. Er starb 1256.  1252 hatte Wilhelm die Stadt Hersfeld als Reichsstadt anerkannt.

Auf Abt Heinrich folgten zwei Äbte aus der niederhessischen Familie der Boyneburger. Hermann III. regierte von 1261-1278 und Hermann IV. von 1273-1300.

220px-Kupferstich_eichhof_1655Abt Ludwig II. von Mansbach (1324-1343)begann mit dem Bau des Wasserschlosses  zu den Eichen in den Fuldaauen. Der hatte 1232 die größere Hälfte Arnstadts, das im Besitz der Abtei Hersfeld war an die Schwarzburger Grafen verkauft.Die Schwarzburger waren ein uraltes thüringisches Adelsgeschlecht, das in der Nähe von Saalfeld, aber ab 1306 auch auf der Wachsenburg saß. Sein Nachfolger Johann II. von Elben (1343-1367) hatte schwer mit den von seinen Vorgängern geerbten Finanzproblemen zu kämpfen. Er musste Hersfelder Besitz verpfänden oder gar veräußern. Den Bau des Schlosses zu den Eichen stellte er ein. Er mischte sich auch in die Auseinandersetzungen der Handwerker ein. 1343 erteilte er den Leinewebern die Erlaubnis, weißes Tuch, Distelsaat (vermutlich mehrfarbiges Gewebe) und Beiderwand, das war grobes Zeug aus Leinen und Wolle her zu stellen, der für ihn wichtigeren, weil reicheren Zunft, den Wollwebern wies er die wesentlich einträglichere Färberei zu. 1347 verzichtet Karl IV. auf sein kaiserliches Judenrecht. Das Judenregal unterstellte die Juden gegen Zahlung von Schutzgeldern direkt dem Kaiser. Seit Karl wurde dieses Recht oft abgetreten oder beliehen. Es war eine Finanzquelle, für den der das Recht nutzen konnte, in diesem Fall für Abt Johann.

1356 wütete die Pest in Hersfeld. Rund 3000 Bürger sollen gestorben sein.

Abt Berthold II. von  Völkershausen (1367-1387) vollendete 1372 den Bau des Schlosses zu den Eichen.

In den beiden benachbarten Landgrafschaften Thüringen und Hessen erwuchs dem kleinen Reichsfürstentum Hersfeld immer stärker werdende Konkurrenz. Nachdem das alte Thüringer Herrschergeschlecht der Ludowinger  1247 mit dem Tod des kinderlosen Heinrich Raspes 1247 ausgestorben war, kamen im thüringisch-hessischen Erbfolgekrieg (1247-1264) in Thüringen mit Heinrich dem Erlauchten (1215-1288) an die Macht. Die letzte Überlebende des Geschlechts der Ludowinger, Sophie von Brabant (1224-1275), Nichte von Heinrich Raspe konnte in der kriegerischen Auseinandersetzung zwar nicht das gesamte Erbe des thüringischen Landgrafens für Ihren Sohn Heinrich von Hessen gewinnen, aber immerhin die hessischen Besitzungen für ihn sichern. Daraus entwickelte sich die Landgrafschaft Hessen.  Beide Grafschaften versuchten ihren Besitz auszubauen und ihre Positionen zu festigen. Die Abtei bekam das zu spüren zum Beispiel im Bündnis des Landgrafen von Hessen und der Stadt Hersfeld. Auch mindermächtige Adlige waren von den Expansionsbestrebungen des Landgrafen betroffen und gründeten um 1370 die Rittergesellschaft vom Sterne, um ihre Interessen gegen den Landgrafen zu wahren. 1373 hatte die Stadt Hersfeld mit dem hessischen Landgrafen (1244-1308) ein Bündnis geschlossen. Mit Hilfe der Sterner wollte Abt Berthold die Vorherrschaft in der Stadt wiederherstellen. In der Vitalisnacht  vom 27.auf 28. April 1378 sollte die Stadt eingenommen werden. Der Ritter Simon von Haune schickte der Stadt allerdings einen Fehdebrief. Diese war so gewarnt und das Vorhaben ging schief. 20 Hersfelder Bürger kamen ums Leben, die steinerne Brücke über die Fulda und das Dorf Oberrode und Mühlen außerhalb der Stadt wurden zerstört, Felder, Wiesen und Weinberge und Wälder verwüstet. Die Stadt klagte darauf hin beim Reichshofrat und gab den Schaden mit 40.000 Gulden an.

Der Abt musste 10.000 Mark, jeder der beteiligten 18 Ritter 400 Silbermark bezahlen. Die Hersfelder hatten zwar gewonnen, verloren hatten aber im Grunde beide. Das Verhältnis zwischen Abtei und Stadt war auf Generationen beschädigt.

Die Auseinandersetzungen mit der Landgrafschaft Hessen gingen weiter. Landgraf Ludwig (1402-1458) ließ Schloss Ludwigseck auf Hersfelder Gebiet bauen und erhöhte damit den Druck auf Hersfeld. Abt Hermann II. von Altenburg konnte das nur resigniert hinnehmen. Man stellte sich nun auf die Seite von Kurmainz, das erbittert mit dem Landgrafen von Hessen um die Vorherrschaft in Hessen kämpfte.

1414 wurde das Bündnis zwischen der Stadt Hersfeld und dem hessischen Landgrafen erneuert. Der Nachfolger Abt Hermanns Albrecht von Buchenau (1418-1438) hatte heftigen Streit mit der Stadt. Nachdem 1427 Landgraf Ludwig in zwei Schlachten gegen Mainz siegreich geblieben war, war die Abtei ohne Verbündete gegen die Landgrafschaft Hessen. Abt Albrecht zog die politische Konsequenz daraus und schloss 1432 einen Erbschutzvertrag mit dem Landgrafen der 1458 und 1490 erneuert wird. Das Hersfelder Gebiet huldigte nun Ludwig mit all seinen Schlössern, Ämtern und Städten. Die Abtei Hersfeld galt nun als ein zu Hessen gehöriges Land.

In der Hersfelder Affäre versuchte man, die Abteien Fulda und Hersfeld zusammen zu legen. Die Hersfelder Finanzproblem waren ohnehin gravierend. Verschlimmert wurde die Situation durch einen  vor dem Reichskammergericht verlorenen  Prozess. Abt Volpert Riedesel zu Bellersheim (1493-1513) resignierte zugunsten von Abt Hartmann von Fulda. Dieser übernahm neben dem Fuldaaer Abtstuhl auch den Stuhl von Hersfeld. Abt Volpert von Riedesel ging in die fuldische  Propstei Andreasberg. Dem widersetzte sich aber Kraft Myle, der spätere Abt Krato (1516-1556). Auch die Stadt Hersfeld unterstützt von Landgräfin Anna von Mecklenburg verweigerte Abt Hartmann den Gehorsam. Ludwig von Hanstein, der Abt des Klosters Helmarshausen wurde zum Verwalter des Klosters gewählt. In dieser Situation verzichtete Abt Hermann auf den Hersfelder Stuhl. 1516 wurde Krato zum Hersfelder Abt gewählt. Er ist der erste Bürgerliche auf dem Abtsstuhl in Hersfeld.1517 erneuerte er den Erbschutzvertrag mit Landgraf Philipp von Hessen (1504-1567). Darin wird der Abtei untersagt, sich mit einer anderen Abtei zusammen zu schließen und künftige Äbte brauchen die Zustimmung des Hauses Hessen.

1520 begann die Reformation in Hersfeld.  Der Weltgeistliche Heinrich Fuchs und sein Kaplan Melchior Fuchs predigten in der Hersfelder Stadtkirche. 1521 wurde Martin Luther auf seinem Rückweg vom Reichstag von Worms von Abt Krato empfangen. Auf Einladung von Abt Krato predigte Martin Luther trotz Verbots in  der Stadtkirche.

Pfarrer Heinrich Fuchs heiratete und wurde daraufhin zusammen mit seinem Kaplan Ringk von Abt Krato der Stadt verwiesen. Fuchs und Ringk predigten über die sittenlosen Zustände im Stift (Unzucht, Trunkenheit, Gotteslästerung und Zusammenleben von Stiftsherren mit Konkubinen in wilder Ehe).Daraufhin kam es zu Plünderungen im Stift. Auf Befehl des Landgrafen wurden Fuchs und Ringk zwar festgesetzt. Hersfelder Bürger halfen ihnen aber aus dem Gefängnis und über die hessische Grenze. Nur die Plünderer wurden bestraft, nicht aber die aufsässigen Bürger. Der Magister Adam Krafft hatte in seiner Heimatsstadt Fulda unter großem Zulauf der Bevölkerung gepredigt, war dort aber von der hohen Geistlichkeit vertrieben worden. In Hersfeld fand er wohl mit Einwilligung von Abt Krato freundliche Aufnahme. Er wurde zum eigentlichen Reformator Hersfelds. Er wurde später Hofprediger von Landgraf Philipp.

1525 gingen beim Bauernkrieg  die Hersfelder Bürger unter Anführung ihres Bürgermeisters Ottensaß zu den Aufständischen über. Der Abt zog sich auf sein Schloss Zu den Eichen zurück. Die aufständischen Bauern stürmten das Stift, plünderten und vernichteten  vieles. Landgraf Philipp warf den Aufstand rasch nieder und ließ sich das, wie auch in Fulda teuer bezahlen.

Unter Abt Michael (1556-1571) kommt das Stift völlig unter den Einfluss Hessens.

220px-Hersfeld_schlosseichhof_wappenUnter Abt Ludwig V. (1571-1558) kam es in Hersfeld nochmals zu einer Baublüte. Der Stiftsbezirk, die Abtsresidenz und das Schloss zu den Eichen wurden im Renaissancestil umgebaut. Der vorletzte Abt Kraft Weidenbach (1588-1592) wurde vom Papst nicht mehr anerkannt. Der letzte Abt Joachim 1592-1606 war vom Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel in sein Amt eingesetzt worden. Er machte den ältesten Sohn  von Landgraf Moritz Otto von Hessen  1604 zum Koadjutor des Stifts. Als Abt 1606 starb, wurde der 12 jährige Otto von Hessen der erste weltliche Herrscher des Fürstentums Hersfeld. Unter Abt Joachim  wurde das Kloster aufgegeben. Die Stiftskirche war seit dem Bauernkrieg nur noch als evangelische Kirche genutzt worden.

Im Dreißigjährigen Krieg hat Hersfeld heftig zu leiden. Unter Feldherrn Tilly zogen kurzfristig nochmals Mönche ins Kloster. Es kam aber nicht mehr zu einem geregelten Klosterbetrieb.

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) setzen 1761 abziehende Franzosen die als Kornspeicher genützte Stiftskirche in Brand. Es bleibt die “Stiftsruine Hersfeld”

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23 Juni 2011

Kloster Peterhausen

 

Gebhard II. wurde am 7. August 949 in Bregenz als Sohn des Grafen Ulrich VI. geboren. Er stammt aus der Familie der Udalrichinger, die vor allem am Bodensee begütert war. Seine Mutter Dietpurg verstarb bei seiner Geburt. Er kam an die Domschule von Konstanz. Von seinem Onkel Konrad aus der Familie der Welfen, wurde er zum Priester geweiht. Als Konrads  Nachfolger Gaminolf 979 starb, wurde Gebhard von Otto II. (955-983) zum Bischof von Konstanz ernannt. Konstanz war damals die größte Diözese Deutschlands. Gebhard hatte ein reiches Erbe und  983 stiftete er das Kloster Petershausen und stattete es mit seinen Erbgütern aus. Zuvor hatte er ein Grundstück auf dem rechten Rheinufer Konstanz gegenüber mit der Abtei Reichenau getauscht. Dort ließ er sein Kloster errichten. Die Nähe zum Konstanzer Münster,

220px-Gebhard_Fugel_Grundsteinlegung_Petershausen               Bischof Gebhard bei der Grundsteinlegung des Klosters Petershausen

 

also zur Bischofskirche, unterstreicht die Bedeutung der Neugründung als bischöfliches Eigenkloster. Das Kloster wird mit Mönchen aus Einsiedeln besetzt, einer benediktinischen Reformgründung aus dem Jahr 934. Der erste Abt ist Periger-Bezelin. 983 werden die ersten Klosterbauten errichtet. Die Kirche wird dem Petersdom in Rom nachempfunden. Daher stammt auch der der lateinische Name Petri domus. 989 erhält Gebhard vom Papst selbst ausgesuchte Reliquien, darunter das Haupt Gregors des Großen. 992 wird die Kirche zu Ehren Papst Gregors des Großen geweiht. Nach dem Tod Gebhards am 27. August 995 (wahrscheinlicher 996) wird der verstorbene Bischof in der Klosterkirche beigesetzt.1134 wird er heilig gesprochen.

110px-Merazhofen_Pfarrkirche_Chorgestühl_rechts_Gebhard

Auf Bitten Ottos III. (980-1002) und des Konstanzer Bischof Lamberts (995-1018) nimmt Papst Gregor V. (Papst von 996-999) am 24. Mai 996 das Kloster Petershausen unter den päpstlichen Schutz, bestätigt alle erworbenen und geschenkten Besitzungen, besonders das Gut Dussnang und Oberwangen im Thurgau und verleiht das Recht der freien Abts-und Vogtswahl.

Im 11. Jahrhundert kam es in vielen Benediktinerabteien zu gewissen Verfallserscheinungen, die im Zeichen des Investiturstreits noch zunahmen. Einflussnahme von weltlichen Herren, territorialen Bischöfen, Simonie, Missachtung der Ordensregelung und spiritueller Verarmung waren die Phänomene. Eine Reformbewegung ausgehend vom Kloster Cluny in Burgund versuchte dem entgegen zu steuern. Im Bodenseeraum wirkte das Kloster Hirsau vermittelnd für die Reformideen. Petershausen war von diesen Verfallserscheinungen nicht verschont geblieben. Bischof Gebhard III. (1084-1110) war ein prominenter Gegner Kaiser Heinrichs IV. im Investiturstreit. Er kam aus der Familie der Zähringer. Unter Abt Wilhelm von Hirsau war er ins dortige Kloster eingetreten. Er holte 1086 Mönche aus Hirsau nach Petershausen. Abt Theoderich (1086-1116) konnte das Kloster reformieren und sogar Mönche an andere Klöster abgeben. Die Stärke der Abtei zeigte sich , dass sie nun Filialgründungen vornehmen konnte. Kloster Neresheim wurde 1095 mit Mönchen aus Petershausen und Zweifalten gegründet. Kloster Fischingen wurde 1138 vom Konstanzer Bischof Ulrich gegründet und Petershausener Mönchen besiedelt. Theoderich reformierte auch das Kloster Wagenhausen. Allerdings wurde die Abtei nun auch in die Auseinandersetzungen zwischen König und Bischof verwickelt. Gegen den papsttreuen Gebhard wurde mit Arnold von Heiligenberg ein kaiserlich gesinnter Gegenbischof eingesetzt und Gebhard wurde für zwei Jahre von seinem Bischofsstuhl vertrieben. Auch Theoderich musste mit einem Teil seiner Mönche ins Kloster Kastl in der Oberpfalz ausweichen. Dieses Kloster war unter Mitwirkung von Bischof Gebhard durch seine Schwester, die Markgräfin Luitgard von Zähringen, gegründet worden. Theoderich war dann auch der erste Abt von Kastl, konnte aber wieder nach Petershausen zurückkehren, als Bischof Gebhard wieder in sein Amt eingesetzt wurde.

Auf Einladung Graf Ulrichs X. von Bregenz, aus dessen Familie ja auch der Petrshausener Klostergründer Bischof Gebhard stammt, schickte Abt Theoderich Mönche nach Andelsbuch in den Bregenzer Wald. Dort ließ er eine Petrus-Kircheund eine Klausur aus Holz bauen. Zu ihrem Vorsteher ernannte er Meinrad. Sie blieben zunächst dort und konnten auch neue Brüder gewinnen.Wegen der Abgelegenheit des Ortes, des langen Weges und der Schwierigkeit der Lebensmittelversorgung, überlegten sie aber, die Zelle nach Bregenz zu verlegen. Der Bau neben der Pfarrkirche von Begrenz und die Einkünfte der Kirche dafür zu verwenden, die zur Hälfte Graf Ulrich gehörten, scheiterte am Einspruch des Grafen Ludwig von Pfullendorf, dem die andere Hälfte des Kirchensatzes gehörte. Schließlich wurde am See ein geeigneter Platz gefunden und dort Kloster und Kirche St. Peter in der Au gebaut. Es gab dann zähe Verhandlungen um die Loslösung vom Mutterkloster beziehungsweise um die Übergabe als Hauskloster an die Grafenfamilie. Die Chronik des Kloster Petershausen, die um 1150 von einem anonymen Mönch verfasst worden ist, berichtet ausführlich von diesen Vorgängen.

1097 wird die Kirche geweiht.

Petershausen gehört zum Hirsauer Klosterverband, zu dem im Bodenseeraum Weingarten, Isny, Schaffhausen und Petershausen mit seiner Tochtergründung Mehrerau gehörten.

Ein Höhepunkt im Klosterleben war die Erhebung der Gebeine des Gründers Gebhards II. und ihre Beisetzung im Altar der Klosterkirche. Das kam einer Heiligsprechung gleich und das Patronat Gregors des Großen verblasste neben der Person des nun Heiligen Gebhards. 1159 brannte die Abtei ab und wurde von 1162-1180 neu erbaut und später mehrmals erweitert.

Am 14. Juni 1214 nimmt Friedrich II.(1212-1250) das Kloster Petershausen in seinen besonderen Schutz. Unter ihm wird die Abtei auch reichsfrei. Heinrich VII. bestätigt am 17. Oktober 1312 alle Privilegien, die Friedrich II. dem Kloster erteilt hat.

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Auch päpstliche Privilegien konnte sich das Kloster sichern. So gewährte  Innozenz IV. (1243-1254) auf Fürsprache der Äbte von Sankt Gallen und Reichenau dem Kloster das Privileg, auf päpstliche Provision hin keine Pfründe verleihen zu müssen. 1292-1321 war Diethelm von Kastel Abt in Petershausen. Ab 1306 verwaltete er das Amt in Doppelfunktion mit dem Abtssitz von Reichenau. Dort war er von 1306-1341 Abt.

Eine Hochzeit erlebte das Kloster in der Zeit des Konstanzer Konzils 1413-1418.

Konzil_Konstanz3Kaiser Sigismund, auf dessen Betreiben das Konzil einberufen worden war, weilte während des Konzils als Gast im Kloster. Dem Abt Johann III. Frei (1395-1425) verlieh Papst Johannes XXIII., der auf dem Konzil abgesetzt wurde, das Recht, die

Pontifikalien zu tragen. Auch das Provinzialkapitel der Ordenprovinz Mainz-Bamberg trat in Petershausen während des Konzils zusammen und zwar am 28. Februar 1417. Von der Versammlung der Äbte gingen wichtige Reformanstöße für das benediktinische Mönchstum aus. Die Benediktinerregel sollte wieder voll beachtet werden.

1489/90 regierte Abt Martin Brülin. Er brachte das Kloster allerdings an den Rand des Ruins. 1495 konnte ihn der Bischof von Konstanz und das Domkapitel dazu bewegen, sich für 15 Jahre auf die Petershausener Propstei Rötsee zurückzuziehen, wo Abt Theoderich zwischen 1111 und 1116 die Kapelle Rötsee mit allem Zubehör für 8 Mark Silber vom Konstanzer Bischof Ulrich erworben hatte.

Für das Kloster waren Administratoren eingesetzt worden, die sich um die Sanierung des Klosters kümmerten.

Auch die Stadt Konstanz  versuchte im 15. Jahrhundert vergeblich, die Herrschaft über das Kloster zu gewinnen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts versuchte vor allem der Bischof, sich die Abtei einzuverleiben, das durch die Reformation in eine geradezu desolate Finanzlage geraten war. Es gelang zwar das Augustinerchorherrenstift  und das Kloster Reichenau in das Bistum zu inkorpieren,

nicht aber das Kloster Petershausen.

Johannes Merk (1495-1425), der Nachfolger von Abt Martin Brülin konnte die Abtei wieder konsolidieren. 1525 wurde in Konstanz unter Johannes Zwick und Ambrosius Blarer die Reformation eingeführt. Der Rat ging ziemlich rigoros gegen die Altgläubigen vor. Von den Mönchen verlangte er einen Treueid, um ihnen Bürgerpflichten, also auch Steuern aufzuerlegen. Der Abt Gebhart Dornsperger suchte 1528 Schutz in Überlingen. Dorthin war auch das Klosterarchiv und der Kirchenschatz verlegt worden. 1530 kam es zum Bildersturm, bei dem die Reliquien vom Klostergründer Bischof Gebhard in den Rhein geworfen wurden. 1548 wurde Konstanz in Augsburg in die Acht getan. Ferdinand von Habsburg, der Bruder Kaiser Karl V. marschierte mit österreichischen Truppen in Konstanz ein, die Stadt wurde zur Rekatholisierung gezwungen. Das Kloster allerdings war von den österreichischen Truppen geplündert worden. Erst 1556 kehrten der Konvent und der Abt in das zerstörte Klostergebäude zurück.

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Der Augsburger Religionsfriede von 1555 ermöglichte ein rechtlich geregeltes Nebeneinander der Konfessionen. Bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges war ein juristisch-politischer Modus der konfessionellen Koexistenz gefunden.

Auch der zusammenhalt der Klöster hatte sich gefestigt. Eine gewisse katalysatorische Wirkung dazu hatte der Bauernkrieg von 1525 gehabt, unter dem ja fast alle schwäbischen Klöster zu leiden hatten. Dann waren die Prälaten ja auch Verbündete der Habsburger gegen die Ausbreitung der Reformation in Süddeutschland. Einige oberschwäbische Klöster fanden sich schon seit 1425 zu regelmäßigen Versammlungen zusammen. Daraus entwickelte sich das schwäbische Reichsprälatenkollegium. Die institutionelle Entwicklung war 1575 abgeschlossen, als in diesem Jahr erstmals ein Direktor für das Kollegium gewählt wurde. In diesem Jahr trat unter Abt Christoph Funk (1556-1580) auch die Abte dem Prälatenkollegium bei, nach dem die Auseinandersetzungen mit Bischof und Reichsstadt Konstanz um die Selbstständigkeit der Abtei abgeschlossen waren.

Die Prälaten hatten eine Stimme auf dem immerwährenden Reichstag. Zu interständischen Ausschüssen durften sie einen Gesandten schicken und mit dem jeweiligen Abt von Weingarten hatten sie einen festen Vertreter bei den Reichsdeputationstagen.

Abt Christoph Funk wurde durch en päpstlichen Nuntius in Süddeutschland, Feliciano Ninguarda, 1580 dazu gebracht, zu resignieren. Unter seinem Nachfolger Andreas II. Öxlin (1581-1705) erfolgte die Vereinigung mit der Abtei St. Georgen in Stein am Rhein  die 1525 durch ihren letzten Abt wegen der Reformation in Stein am Rheinsäkularisiert wurde. Die verbliebenen Mönche lebten unter ihrem Abt Martin Geiger auf Burg Steinegg im Thurgau. Auch die Propstei Klingenzell, die dem Kloster St. Georgen gehört hatte und die im Gegensatz zur Mutterabtei nicht aufgehoben worden war, wurde nun dem Kloster Petershausen inkorporiert.

1603 gründeten die Klöster Weingarten,  Petershausen, Ochsenhausen, Zwiefalten, Wiblingen, Mehrerau und Isny die Oberschwäbische Benediktinerkongregation, für die sie am 16. August 1603 die päpstliche Approbation erhielten. Zum ersten Präses wurde Abt Wegelin vom Kloster Weingarten  am 24. September 1604 gewählt. Zum Visitator von Weingarten wurde der Abt von Petershausen bestellt. Ziel war die Erneuerung der Ordensdisziplin und die Vereinheitlichung des mönchischen Lebens. Am 24 März 1782 ordnete Kaiser Josef II. den austritt der vorderösterreichischen Klöster an.

Mit der Säkularisation von 1803 endete die Kongregation.

Im Dreißigjährigen Krieg wird Konstanz 1633 von den Schweden unter General Horn 24 Tage belagert, aber nicht eingenommen. Die Stadt Konstanz forderte vom Kloster Steuern für die Festungsbauten, was dem Kloster natürlich auch zu schaffen machte.

Nach dem Krieg erlebte das Kloster nochmals einen Aufschwung, nicht zuletzt dank der Gegenreformation. Es wurden Verträge mit den Städten Konstanz und Überlingen und der Deutschordenskommende Mainau werden geschlossen.

Es gibt noch hochfliegende Pläne zu einem barocken Klosterneubau, aber die Säkularisation 1802 macht dem allem ein Ende. Das Kloster fällt an die Markgrafschaft Baden. Die Abteigebäude dienten den Söhnen des Markgrafen Karl Friedrich von Baden zunächst als Wohnsitz. Die Klosterbibliothek wurde von der universität Heidelberg gekauft und dorthin überführt.

Seit 1992 beherbergen  die Klosterbauten die Außenstelle des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg.

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14 Juni 2011

Kloster Steingaden

 

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Welf VI. wurde 1115 als Sohn des Herzogs Heinrich der Schwarze von Bayern und der Wulfhilde von Sachsen aus der Familie der Billunger geboren. Sein Bruder war Heinrich der Stolze. Als Oberhaupt der welfischen Adelsfamilie hatte er Welf mit Uta, der Tochter des Pfalzgrafen bei Rhein Gottfried von Calw, verheiratet. Nach der Wahl des Staufers Konrad kam es zum offenen Konflikt zwischen Staufern und Welfen. Konrad entzog Heinrich die Herzogtümer Bayern und Sachsen und Welf, der mittlerweile Markgraf von  Tuszien war, die Markgrafschaft Tuszien.

1139 starb Heinrich. Welf wurde Vormund von Heinrich dem Löwen, dem Sohn seines Bruders Heinrich. Er vertrat nun die welfischen Ansprüche und konnte sie vor allem in Bayern behaupten. Das Verhältnis entspannte sich allmählich. 1146 nahmen sowohl Konrad als auch Welf das Kreuz. Er ordnete seine Verhältnisse und vor seiner Abreise gründete er das Kloster Steingaden 1147. Es sollte wohl in Absprache mit Heinrich dem Löwen die neue Grablege der Welfen werden.  Nach der Überlieferung der Prämonstratenser soll der Ordensgründer Norbert gesagt haben, als er sich auf einer Reise nach Rom befand und durch Steingaden kam, dass an diesem Ort einmal seine Mönche leben werden. “ In hoc loco habitabunt aliquando filii mei.”

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Mönche aus Rot besiedelten das Kloster. Als Propst wurde Anselm von Rot ernannt, der von 1147 bis  zu seinem Tod am 11. Februar 1162 Propst von Steingaden war. Wie damals üblich wurde Steingaden  als Doppelkloster gegründet.

Unter Anselm wurde das Kloster ein Hort strenger Lebensführung und hoher Gelehrsamkeit.

Schon 1156 wurde das Kloster  dem Papst unterstellt. Es gehörte zunächst zur Circaria Sueviae, aber ab dem 16. Jahrhundert zur Circaria Bavaricae. Es wurde der Diözese Augsburg zugeteilt, worüber lange gestritten wurde, weil es zu der Zeit eigentlich zu Freising gehört hätte.

Das romanische Münster, das sogenannte Welfenmünster, wurde 1176 unter dem 2. Propst Konrad (1162-90) geweiht. Der Sohn des Klostergründers, Welf VII. starb

WelfVIam 12. September 1167 in Siena an Malaria. Er wurde im Welfenmünster bestattet. Nachdem auch Welf VI. am 15. Dezember 1191 in Memmingen starb, wurde er neben seinem Sohn in Steingaden begraben.

In rascher Folge wurden dem Kloster die Pfarreien Peiting (1194) der Stammsitz der bayrischen Welfen, Wiedergeltingen und Prem (1197) Siebnach (1220) Wilmanshofen (1251), Ober und Unterirsingen (1284-1396) Epfach (1286), Holzhausen (1296) Trauchgau (1312) dann schließlich die Pfarrei Steingaden selbst inkorpiert. 1758 schließlich folgte noch Hohenfurch und Ingenried. In Südtirol und zwar in Algund (bei Meran) und Tschars hatte das Kloster seit 1218 ausgedehnte Weinberge. Es betreute auch die Wallfahrtskirchen von Ilgen, Kreuzberg und Wies.

Die Schwestern wurden bald unabhängig. Sie hatten aber unter dem Adel der Umgebung zu leiden. Deshalb flohen sie zusammen mit den Schwestern von Polling und Rottenbuch, auch eine Welfengründung 1284 nach Benediktbeuren, das damals noch ein Doppelkloster war.

Das Kloster Steingaden war seit der Gründung reichsunmittelbar. Der Konvent war bis zum 15. Jahrhundert ausschließlich dem Adel vorbehalten. Um 1400 verarmte der Konvent. Schlechte Klosterdisziplin und andere Bedrängnisse sorgten dafür, dass 1400 nur noch ein Kanoniker im Haus lebte. 1402 brannte es auch noch im Kloster.Zur selben Zeit machte auch das Mutterkloster Rot eine schwere Phase durch. Der dortige Abt Merk (1415-1420) schaffte eine allmähliche Konsolidierung der Roter Abtei und Abt Hessler (1421-1457), der auch der zweite Gründer Rots genannt wird, brachte das Kloster wieder zur Blüte. Er griff wohl auch in  Steingaden ein und forderte den Steingadener Propst Johann Sürg von Sürgenstein (1402-1431) zum Rücktritt auf. Außerdem wurde das Kloster unter den Schutz der Herzöge von Bayern gestellt. Langsam wendeten sich die Dinge wieder zum Besseren. 1434 wurde das Kloster zur Abtei erhoben. Der erste Abt war Johann Scheiterer (1431-1445). 1456 bis 1491 war Kaspar Suiter Abt. Er ließ das Kloster in spätgotischem Stil

_ka_ks-145_01erneuern. 1485 erhielt die Abtei die Pontifikalien.

Im April 1525 erhoben sich die Bauern im Allgäu und Mittelschwaben. Der Schwäbische Bund bat Herzog Ludwig von Baiern, nach Mindelheim Reiter zu legen.

Um den Lechübergang zu sichern, hatte er Kriegsvolk nach Landsberg gelegt. Am 20. April ließ er Buchloe plündern und legte es in Schutt und Asche. Die Antwort der Bauern blieb nicht aus. Der Allgäuer Haufe unter ihrem Führer Knopf von Leubas zündete die Burgen von Irmatshofen und Angelberg an und der Buchloer Haufe, mittlerweile über 3000 Aufständische stark unter ihrem Führer Sebastian Bader, zog nach Steingaden und brandschatzte und plünderte das Kloster. Dabei ging der größte Teil des Archivs verloren. Unter Abt Johann Dimpt (1527-1535) begann der Wiederaufbau im Renaissancestil. 1534 entstand das heutige Chorgestühl. Unter Abt Gallus Theiniger (1580-1606) kam 1600 ein Freskenzyklus hinzu, von dem in der Vorhalle die Welfengenealogie noch erhalten ist. Während viele Klöster im schwäbisch-bairischen Raum unter dem Schmalkaldischen Krieg und den Wirren der Reformationszeit zu leiden hatte, blieb Steingaden davon verschont und erlebte eine Blütezeit. Abt Theiniger machte sich auch um die Reform des Ordens verdient. Er rief Kanoniker aus Brabant. 1624 wurde ein Noviziat eingerichtet. Dann aber kam der Dreißigjährige Krieg. Abt August Bonenmayer (1645-1674) musste die erneute Zerstörung des Klosters erleben. 1646 brannten französische Truppen das Kloster nieder. Dabei wurde auch die Bibliothek zerstört. Aber er bewerkstelligte auch den Wiederaufbau nach den Kriegszerstörungen im aufkommenden Barockstil.

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Den Äbten gelang es schließlich alle Schäden zu beheben. Auch die Wirtschaftskraft

konnte wieder gestärkt werden. Ab 1616 übernahm Steingaden vom Kloster Oberzell die Rechte des Mutterklosters über das Stift Griffen in Kärnten. 1661 wurde das unter Ottheinrich 1557  im Zuge der Reformation aufgehobene und säkularisierte Kloster Speinshart, das 25 km südöstlich von Bayreuth und 30 km nordwestlich von Weiden liegt, von Steingaden aus wieder besiedelt .

Die jährlichen Einnahmen konnten wieder auf 34.000 Gulden gesteigert werden, wofür 904 Gulden Steuer zu entrichten waren. Es verfügte über 1619 Joch Waldbesitz also rund 950 Hektar. Auch die Zahl der Konventualen hatte sich durchaus positiv entwickelt. War 1404 nur noch ein Kanoniker im Kloster, so waren es 1623 schon 28, 1764 45 und 1803 bei der Aufhebung immerhin  noch 25. Das alles ließ sich nicht schlecht an. Abt Antonius Erath von Erathsburg (1708-1715) begann dann allerdings wieder mit verschwenderischer Amtsführung. Das Kloster war berüchtigt wegen seines luxuriösen Mönchslebens. Es hatte die schönsten Schimmelkutschpferde im weiten Umland.

Abt Hyazinth Gassner (1729-1745) wollte die im Prämonstratenserorden vielfach üblichen Fronleichsnamsprozession auch in Steingaden einführen. Dazu ließ er durch Pater Magnus Straub eine Figur zusammenzimmern die von dem Maler und Laienbruder Frater Lucas mit Ölfarben gefasst wurde. Von 1730-1732 wurde sie auch in der Prozession mitgeführt, dann aber wieder ausrangiert und beim Klosterwirt deponiert. Dieser schenkte sie 1738 der Wiesbäuerin Lori, die dort einen Einödhof führte. Kurz danach erzählte ihr Mann Martin Lori überall herum, seine Frau habe die Figur weinen sehen. Die Steingadener Mönche waren sehr skeptisch. Der Abt meinte, man solle dem Lori auf keinen Fall Glauben schenken. Schließlich sei er als Alkoholiker bekannt. Trotzdem machte die Erzählung schnell die Runde. Ein regelrechter Wallfahrtsboom brach aus. Bauer Lori verköstigte die Pilger und machte glänzende Geschäfte. Daran wollte auch der Konvent teilhaben. Eine Wallfahrtskirche

120px-Baviera._Iglesia_de_Wies_(Wieskirche)  sollte gebaut werden. 1744 gab es die ersten Baupläne. Baumeister ist Dominikus Zimmermann, im Prämonstratenserorden kein Unbekannter. Schließlich hat er auch die Wallfahrtskirche Steinhausen mit dem Gnadenbild Mariens ausgeführt und auch einen Bauplan für das Neue Kloster in Schussenried entworfen. Der allerdings nicht zur Ausführung kam.

1745 wurde noch ohne Baugenehmigung begonnen. Abt Hyazinth Glaser verstarb 1745. Er legte seinem Nachfolger Abt Marian Mayr (1745-1772) den Bau der Wies ans Herz. Der neue Abt stammte übrigens wie Dominikus Zimmermann aus Landsberg am Lech. Die Baukosten waren mit 30.000 Gulden veranschlagt. 1746 legte Probst Herkulan Karg aus Diessen den Grundstein. Aber die Baukosten stiegen, schließlich auf das achtfache des Voranschlags. Einmal waren die Transportkosten enorm hoch, dann fielen hohe Holzkosten  an für Dachstuhl und Gewölbe. Dazu kam noch sehr schwieriges Gelände,  der Lehm der Endmoräne.

Außerdem mussten 20.000 Gulden für den Wegebau aufgebracht werden, zunächst für den Transport, aber auch die Pilger mussten ja anreisen, damit sich das rechnete. Steingaden war pleite. Der Abt resignierte. Das Kloster erholte sich bis zur Säkularisation nicht mehr, obwohl mit dem letzten Abt Gilbert Michl (1786-1803,+ 1828) nochmals ein guter Wirtschafter an der Regierung war.

Bleibt noch anzumerken, dass auch der Bau von Steinhausen den damaligen Schussenrieder Abt Didacus Ströbele 1733 zur Abdankung gezwungen hatte. Dominikus Zimmermann verbrachte seinen Lebensabend in einem Haus neben der Wies. Die Familie Lori hatte den Sprung von der armen Einödbauernfamilie zur angesehenen Gastwirtsfamilie geschafft. Der als Kirchenbauer wenig erfolgreiche Sohn von Dominikus Zimmermann heiratete 1750 die mittlerweile verwitwete Entdeckerin des Tränenwunders

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Das Kloster wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgehoben. Die Klostergebäude wurden von den Brüdern Mayer erworben und 1819 bis auf den Flügel mit dem romanischen Kreuzgang abgebrochen. Die Klosterkirche, das Welfenmünster ist jetzt Pfarrkirche von Steingaden. Angeblich hatte der bayrische Staat geplant, auch die Wieskirche abreißen zu lassen. Nur der Widerstand der Bauern aus der Umgebung habe dies verhindert. Belegen lässt sich das aber nicht.

Heute aber ist die Wieskirche  Weltkulturerbe und großer Touristenmagnet am Ende der Romantischen Straße.

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Pröpste und Äbte von Steingaden

1. Pröbste

Anselm          1147-1162                         Eberhard      1293-1311

Konrad           1162-1190                        Ulrich             1311-1337

Gebizo            1190-1198                       Berthold          1337-1379

Walter             1198 –1208                     Berthold          1369-1379

Berthold          1208-1223                       Johann Brotschneider 1379-1385

Gebizo             1223-1239                      Konrad              1385-1392

Berthold           1239-1265                     Ulrich                 1392-1400

Mangold           1266-70,1276                Petrus               1400- 1402

Egino                1270 ?-1281                  Johann Sürg von Sürgenstein

Heinrich            1273                               1402-1431

Dietrich              1281-1293

                                           2. Äbte

Johann Scheiterer   1431-1445               Johann Dimpt  1527-1535

Johann Pfeiffer        1445-1450               Michael Moser 1535-1553

Konrad Fischer        1450-1456               Joachim Wiedemann (Salicetus)

Kaspar Suiter           1456-1491               1553-1580

Vitus Meier               1491-1500               Gallus Theininger 1580-1606

Ulrich Griespeitel      1501-1523               Georg Frühschütz 1606-1623

Norbert Marstaller    1623-1645              Magnus Pracht 1715-1729

August Bonenmayer 1645-1674              Hyacinth Gaßner  1729-1745

Gilbert Schmid von Wellnstein                  Marian Mayr 1745-1772

1674-1684                                               Gregor Fischer 1772-1774

Hieronymus Hail         1684-1687             Franz Weber 1774-1777

Augustin Bauer           1687-1699            Augustin Bauer 1777-1784

Marian Biechele          1699-1708             Gilbert Michl 1686-1803 + 1828

Antonius Erath v. Erathsburg 1708-1715

09 Juni 2011

Die Goldschmiedefamilie Dinglinger

 

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                       Familie und Ausbildung

Der Messerschmied Hans Dinglinger ist um 1560 in Tuttlingen geboren. Er erwirbt das Bürgerrecht in  Biberach und heiratet 1595 Barbara Zell. Sie haben einen Sohn, Melchior. Dieser ist 1604 in Biberach geboren. Er wird wie der Vater Messerschmied. 1626 heiratet er in Biberach Maria Wern. Ihr Sohn Conrad Dinglinger wird 1634 geboren. Auch er wird Messerschmied. 1662 heiratet er in Biberach Anna Margarethe, die Tochter des Goldschmieds Georg Friedrich Schopper. Sie bekommen 6 Kinder. Johann Melchior Dinglinger wird am 26. Dezember 1664 in Biberach an der Riss geboren. Dann folgt ein Jahr später Anna Barbara.Ein halbes Jahr später, am 17. März 1666 kommt Georg Friedrich auf die Welt. Dann wird Anna Maria geboren und  1668 Georg Christoph. Das letzte Kind der Familie ist Anna Catharina, die 1669 geboren wird. Johann Melchior erlernte in Ulm das Goldschmiedehandwerk. Von 1684-1691 war Dinglinger in Augsburg, der damaligen Hochburg des Goldschmiedehandwerks. 1692 kam er als Geselle nach Dresden und 1693 wurde er in die Goldschmiedeinnung aufgenommen. Er scheint nicht unvermögend gewesen zu sein. Über Dinglingers Jugend und künstlerischen Werdegang ist wenig bekannt. Man kann aber annehmen, dass ihm Ulm und vor allem  Augsburg einige Anregungen gegeben haben. Auf Reisen, besonders in Frankreich, vervollständigte er seine Bildung. Auf seinen Reisen machte er wohl auch die Bekanntschaft mit August dem Starken. 1698 wurde er zum Hofjuwelier August des Starken ernannt. In dritter Ehe war er mit Anna Elisabeth Eben, der Schwester des bedeutendsten Goldschmieds in Riga Johann Georg Eben verheiratet. In Riga ist dieser hauptsächlich für die Schwarzhäupter Gesellschaft tätig, einer Vereinigung von Kaufgesellen, wie es sie vergleichbar auch in anderen Hansestädten des Ostseeraums gegeben hat.  Eben stammte ebenfalls aus Biberach und war während der Augsburger Zeit Dinglingers mit ihm zusammen. Johann Melchiors dritte Ehefrau war übrigens die Cousine von Georg Friedrichs erster Ehefrau Catharina Barbara. 1721 heiratete Johann Melchior die zu dem Zeitpunkt 25-jährige  Sophie Anna Gutermann, Tochter des Goldschmieds Georg Friedrich Gutermann und Angehörigen des Inneren Rats aus Biberach. Mit ihr hatte er noch 5 Kinder, drei Buben und zwei Mädchen, die aber alle schon im Kleinkindesalter verstarben. Aus seinen vorhergehenden Ehen hatte Johann Melchior bereits 11 Kinder im Alter von einem bis 26 Jahren. Sie wird als blühendes Geschöpf mit blonden Haaren beschrieben und zu ihren Talenten soll eine nicht zu verachtende Kochkunst gezählt haben. Susanne starb nach nur 5 – jähriger Ehe im Alter von 31 Jahren am 10.12.1726 in Dresden. Sie starb wie alle Ehefrauen Dinglingers im Kindbett.

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Die beiden Brüder Georg Friedrich und Georg Christoph  folgten Johann Melchior 1693 nach Dresden. Georg Christoph war ebenfalls Goldschmied und Georg Friedrich war Emaillemaler. Über seine Ausbildung gibt es verschiedene Hinweise, einmal Ulm, wahrscheinlicher aber ist Augsburg. Im Biberacher Kirchenbuch wird er als Kunstmaler geführt. Die drei Brüder wohnten zusammen in Dresden in einem Haus am Neumarkt. Georg Friedrich behielt seinen Wohnsitz aber in Biberach. Dort heiratete er am 16.5. 1695  Catharina Barbara Gutermann, die Tochter des Ratsherrn und Zuckerbäckers Johann Jacob Gutermann. Mit ihr hatte er 15 Kinder, von denen aber 11 früh starben. Catharina Barbara starb 38-jährig bei der Geburt ihres 15. Kindes im Jahre 1713. Sie wurde zusammen mit ihrem totgeborenen Kind in Dresden beerdigt. Er heiratete am 6.7. 1716 nochmals und zwar Maria Felicitas Wieland, geboren am 23.9.1693, die Tochter des Geheimen Rats, Spital-Syndikus und Stadtpfleger Martin Wieland. Er war der Großonkel des Dichters Christoph Martin Wielands. Maria Felicitas brachte noch zwei gesunde Kinder zur Welt.

Von Georg Christoph ist wenig bekannt. Er war Goldschmied und folgte Johann Melchior 1693 nach Dresden. Der Jüngste hatte sich auf Juwelen spezialisiert.

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                                Die Häuser Dinglingers

Zunächst wohnten die drei Brüder ja am Neumarkt. Mit fortschreitendem künstlerischen Erfolg stellte sich natürlich auch der wirtschaftliche Erfolg ein. Um 1700 ließ Johann Melchior in der Frauenstraße 9 ein Wohnhaus errichten. Es galt schnell als Sehenswürdigkeit in Dresden. Es hatte ein Dachterasse mit Wasserspielen, einem Observatorium und eine Windmessanlage. Als der russische Zar Peter der Große in Dresden weilte, besuchte er Johann Melchior Dinglinger und wohnte dort.

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Im Sieben-Jährigen Krieg wurde Johann Melchiors Haus beschossen aber wieder hergestellt. Endgültig zerstört wurde es bei der Dresdner Bombennacht am 12. Februar 1945. Erhalten geblieben ist nur der Dinglinger Brunnen, der nach 1718

an der an der Schmalseite des Hofes errichtet war. Er wurde wieder zusammengesetzt und steht heute am Gewandhaus. Erhalten hat sich das Gartenhaus von Johann Melchior in Loschwitz in der Schevenenstraße.

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Ursprünglich war das ein ehemaliges Winzerhaus, das schon seit 1692 im Besitz Johann Melchiors war.   Er hatte dort auch seinen eigenen Weinberg. Den Sommer verbrachte er in seinem  Winzerhaus. Um 1710 baute er es um. Dem älteren Wohntrakt hatte er einen  barocken Flügel angehängt. Im Obergeschoss befand sich ein Festsaal, dem einzigen seiner Art, der in Sachsen noch erhalten ist. Neben dem Wohnhaus legte er einen barocken Garten an mit Wegen, Treppen und Ruheplätzen. Erhalten geblieben ist ein kleiner Brunnen in der Mitte des Platzes und ein kleiner Pavillon, der sich zu der wohl ältesten Kegelbahn Sachsens öffnet.

An der Decke des Festsaals war eine Windrose, auf der die Himmelsrichtungen exakt verzeichnet sind. Auf dem Dach befindet sich eine Wetterfahne, die mit einer  Wetteruhr im Saal verbunden ist. Dort konnte man genau ablesen, woher der Wind wehte, ein weiterer Beleg für Dinglingers Hobby, Astronomie und Wetterkunde.

Die Apparatur wurde von Dinglinger selbst entworfen und von Zar Peter dem Großen gebührend bewundert, der auch in Dinglingers Landhaus zu Gast war.

Wenn man in Dresden vom Dinglingerhaus sprach, war damit eigentlich das Haus

Georg Christophs gemeint. 1712 wurde es von Matthäus Pöppelmann, dem Architekten des Zwingers und des Taschenbergpalais errichtet. Es war am Jüdenhof und 1716 erwarb es Georg Christoph. Es war eines der wertvollsten

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barocken Dresdner Bürgerhäuser. Es war ein fünfachsiges Eckhaus mit drei Vollgeschossen. Die Fassade war reich geschmückt.

1711 konnte Catharina Barbara Dinglinger ein Haus in der Pirnaischen Gasse erwerben. 1718 kaufte Johann Melchior in der Frauengasse das neben seinem Haus stehende Gebäude. Er stellte es Johann Friedrich und dessen Familie zur Verfügung. In diesem Haus machte der Emaillemaler technische Versuche an immer großformatigen Emaillebildern.

Verbleibt noch an das Dinglingerhaus in Biberach zu erinnern. Wie man aus den Lebensläufen ersieht, hatten zu mindestens Johann Melchior und Georg Friedrich den Kontakt nach Biberach nie abreissen lassen. Beide Ehefrauen Georg Friedrichs, aber auch die dritte und vierte Ehefrau Johann Melchiors stammten aus Biberach. Es ist nicht klar, auf welchen der drei Brüder das Haus am Holzmarkt in Biberach zurückgeht, aber es ist durchaus wahrscheinlich, dass sich Johann Melchior in Biberach ein Absteigequartier bauen lassen hat. Heute befindet dich die Allmann’sche Apotheke in dem Haus.

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                Die Werke der Brüder Dinglinger

1701 entsteht eines der wenigen nachweisbaren frühen Großwerke Dinglingers

Dinglinger-blumenkorb  Der Blumenkorb, ein “von Gold mit schönen geschmelzten Blumen, Fliegen und mit vielen Diamanten gemachter künstlicher Korb”, wie ihn Johann Melchior beschreibt. Er war als Geschenk für August den Starken gedacht, um ihn für den Ankauf eines goldenen Kaffeezeugs gnädig zu stimmen. Johann Melchior schuf Werke öfters auf eigene Rechnung, die dem sächsischen Kurfürsten gezeigt wurden und die er dann kaufte. Prinz Ernst Heinrich von Sachsen hatte mit seinen beiden Söhne Gold und Silberschmiedearbeiten aus seinem Privatvermögen 1945 im Wald bei Moritzburg vor der heranrückenden Roten Armee vergraben. 1996 wurden bei einem Schatzfund Teile der Sammlung entdeckt. Das Prunkstück, eben der Blumenkorb, wurde 1999 bei Sothebys für 199.000 Pfund versteigert. Der Biberacher Mäzen Bruno Frey erwarb das Stück und stellte es dem Museum Biberach als Dauerleihgabe zur  Verfügung.

Die anderen Werke Dinglingers sind alle im Neuen Grünen Gewölbe im Dinglingersaal zu sehen

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Das Goldene Kaffezeug wurde 1701 vollendet. Die verwendeten Materialien sind Gold, Silber, Email und Elfenbein. Rund 5600 Diamanten sind verwendet worden.

Es ist der Inbegriff eines prunkvollen Kaffegeschirrs, so wertvoll, dass daraus wohl nie Kaffe getrunken worden ist. Es kostete 50.000 Taler, der Gegenwert eines Schlosses! Johann Melchior vermerkte dazu ”Nachdem Sr. Königl. Majt. obige spezifierte Stücke alle besehen und allergnädigst beliebten zu behalten, haben höchst gedacht Sr. Königl. Majt. selbige insgesamt auf das genaueste und bedungen und behandelt vor: 50.000 Thlr. corrent.”

Es sah aus wie feinstes chinesisches Porzellan, war über und über mit asiatischen Malereien bedeckt und huldigte außerdem dem “Türkentrank”. Johann Melchior hatte auf die richtige Karte gesetzt.

Für dieselbe Summe hätte man damals aber auch 17 Wohnhäuser in bester Innenstadtlage bekommen.

Um 1705 entsteht “Das Bad der Diana”, eine Zierschale aus Chalzedon in goldener Fassung, 38 cm hoch und reich mit Perlen, Diamanten und Emailbildern,silbernen und stählernen Ornamenten mit Geräten und Tieren besetzt. Der Schaft besteht aus einem emaillierten Hirschkopf, dessen goldenes Geweih unterstützt durch einen Baumstamm die Schale trägt, sowie zwei emaillierten Hunden, die Fleischstücke verschlingen. Das bezieht sich auf die Sage der Diana, die einen Jäger in einen Hirsch verwandelt und der von seinen eigenen Hunden zerrissen wird.

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Zwischen 1701 und 1708 entsteht das berühmteste Werk der Brüder Dinglinger Der Hofstaat zu Delhi am Geburtstag des Großmoguls Aureng –Zeb. Es besteht aus 132 vergoldeten und emaillierten Figuren. Es ist verziert mit 5223 Diamanten, 189 Rubinen, 175 Smaragden, 53 Perlen und einem Saphir. Die drei Brüder arbeiteten mit 12 Gehilfen sieben Jahre an dem Werk. Auch das war keine Auftragsarbeit sondern die Dinglingers schufen das Werk erst mal auf eigenes Risiko und Rechnung. Der Hofstaat war ein Kabinettstück großer enzyklopädischer Gelehrsamkeit aus der Spätzeit des Kunstkammergedankens.800px-Hofstaat_zu_Delhi_am_Geburtstag_des_Großmoguls03 Es misst 142 x 114 cm und ist 58 cm hoch. Aureng –Zeb war ein Zeitgenosse August des Starken und lebte von 1658-1707. Er regierte das Reich der Großmoguln und beherrschte den ganzen indischen Subkontinent. Die Dinglingers schafften den Hofstaat aus Illustrationen von Reisebüchern aber auch mit chinesischen, ägyptischen und antiken Motiven. Im Februar 1709 liess Dinglinger in der Frauengasse anspannen. Ein Fuhrwerk mit extrem weicher Polsterung und bester Federung sollte die wenigen 100 Meter zur Residenz zurücklegen um das Geburtstagsgeschenk, das sich Kurfürst August selbst zu machen gedachte, heil an den Hof zu bringen. Die szenische Miniatur zeigt den luxuriösen Geburtstagsempfang des indischen Großmoguls in einem barocken Traum von

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Orient. Majestätisch unter einem Baldachin thronend beobachtet Aureng-Zeb wie im Vordergrund sein stattliches Körpergewicht mit Schätzen aufgewogen wird.

Das Kunstwerk kostete 58.485 Reichstaler. Das entspricht einem Jahressold von 1000 Beamten. Die Exponate des Grünen Gewölbes wurden 1942 auf die Festung Königstein ausgelagert und entgingen so der Zerstörung im Feuersturm 1945.

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Auf Schloss Friedenstein in Thüringen gibt es noch einen Elefanten von Dinglinger.

aus dem Jahre 1710. Er ist seit 1728 in der Gothaer Kunstkammer nachweisbar.

Er ist mit Smaragden besetzt aus gegossenem Silber, teilweise vergoldet. Er wurde in derselben Form gegossen wie die Elefanten aus dem Hofstaat zu Delhi. Im Gegensatz zu den Elefanten im Grünen Gewölbe ist der Gothaer Elefant nicht emailliert. So kommt aber die detailgetreue Modellierung des Tieres sowie die feine Ziselierung der Satteldecken bestens zur Geltung.

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Laut einer Anmerkung im Inventar schenkte Magadalena Augusta das kostbare Stück Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1676-1732) zum Geburtstag.

Aus der Spätzeit Johann Melchiors stammt der Mohr mit Smaragdstufe, nämlich 1724. Dinglinger schuf ihn zusammen mit dem in Salzburg ausgebildeten Bildhauer Balthasar Permoser (1651-1732). Er ist ca. 64 cm hoch, besteht aus lackiertem Birnbaumholz, das reich mit Smaragden, Rubinen, Saphiren, Topasen, Granaten, Almandinen und Schildpatt besetzt ist. Der Mohr stellt wohl einen Indianer da, was am indianischen Körperschmuck zu erkennen ist. Smaragdstufe bezeichnet die Erdplatte, in der die Smaragde noch fest stecken.

170px-Mohr_mit_Smaragdstufe_Grünes_Gewölbe_Dresden Zwei Söhne Johann Melchiors arbeiteten in seiner Werkstatt. Sie erreichten aber beide nicht die Bedeutung des Vaters.

Georg Friedrich starb schon mit 24.12. 1720 in Dresden. Aus seiner ersten Ehe ging Georg Friedrich hervor, der in Hannover Architekt und Festungsbaumeister war, sowie eine Enkelin Sophie Friederike, die 1791 in Dresden starb und Miniaturmalerin war. Aus der 2. Ehe stammte der 1720 geborene Sebastian Heinrich, der später Juwelier in London wurde.

Johann Melchior starb am 6.3. 1731 in Dresden und Georg Christoph schließlich starb 1748.

06 Juni 2011