Kloster Steinbach

220px-Grundriß_Rekonstruktion_Müller

Kloster Steinbach ist eng mit Einhard, dem Biographen Karls des Großen und Baumeister, der die Errichtung zahlreicher karolingischer Bauten geleitet hat, verbunden. Zu seiner Person mehr unter Kloster Seligenstadt.

Der um 770 geborene Adlige aus ostfränkischer Familie bekam 815 von Ludwig dem Frommen, dessen Berater er war,  zusammen mit seiner Gemahlin Imma den größeren Ort “Michilstat” samt zugehöriger Mark als Geschenk, und die Villa Mülheim im Maingau, das ist Ober-und Untermühlheim, das spätere Seligenstadt. In der Schenkungsurkunde (RI, 1 heißt es „schenkt seinem getreuen Einhard, der überall die ganze kraft seinem dienst gewidmet, und dessen gemahlin Imma in Deutschland den ort Michelstadt im Odenwald, in dessen mitte eine hölzerne kirche steht, mit land 2 meilen d. i. eine rast im umkreis, und die villa Mühlheim im Maingau am Main, die einst im besitz des grafen Drogo gewesen, mit einer steinernen kirche und 4 mansen in Untermühlheim zu freiem eigen. “ Einhard und Imma Michelstadt übertragen die cella Michelstadt dem Kloster Lorsch. Die Fuldaer Annalen vermerken für das Jahr 821

die Weihe einer Kirche in Michelstadt. Die Schenkungsurkunde von 815 berichtet,

dass dort bereits eine hölzerne Kirche stand.  Es scheint allerdings, dass der Eintrag in den Fuldaer Annalen nicht das Michelstadt im Odenwald meint, sondern dass sich dieser Eintrag auf die Michaelskirche in Fulda bezieht. Als Baubeginn für Steinbach wird 824 angenommen, als Vollendungsdatum 827. Die Steinbacher Basilika  war wohl als Grablege für Einhard und Imma gedacht. Außerdem sollte eine Wallfahrtskirche etabliert werden. Einhard ließ sich in Rom Reliquien der Katakombenheiligen Marcellinus und Petrus besorgen. Dazu schickte er seinen Schreiber Ratleik nach Rom. Die Reliquien gelangten auf nicht legalem, aber damals üblichen Weg nach Michelstadt. Dort blieben sie aber nicht lange, sie wurden bald nach Seligenstadt überführt. In Seligenstadt wurde dann auch ausgeführt, was ursprünglich für

einhard5Steinbach geplant war. Dort wurde das Kloster gegründet und auch Einhard und Imma sollten ihre Ruhestädte in Seligenstadt finden.  In seinem 819 verfassten Testament verfügte Einhard, dass Steinbach an das Kloster Lorsch fallen sollte. So geschah es auch nach seinem Tod 840. In den folgenden zweieinhalb Jahrhunderten gibt es keine Erwähnung der Basilika. Es sind auch keine Urkunden aus der Zeit bekannt. Grabungsfunde belegen, dass im 9. Jahrhundert ein Friedhof angelegt worden war, auf dem Frauen, Männer und Kinder bestattet sind. Um 1050 wird dieser Friedhof aufgegeben.

1073 richtet das Kloster Lorsch unter Abt Udalrich (1056-1075) eine Propstei in Steinbach ein. Mönche aus Lorsch bauten eine Umfassungsmauer und ein hölzernes Haus, das wenig später wieder abgetragen wurde und durch ein größeres Steinhaus ersetzt. Diese diente wohl als Mönchswohnung. Die Gemeinschaft wächst in den Folgejahren und erhält Zuweisungen. Namentlich bekannte Pröpste sind Libelin (gestorben 1119), Rehewin (erwähnt 1135), Hildebert, dieser wurde 1149 zum Abt des Mutterklosters Lorsch gewählt, Ludewic (erwähnt 1173), Alexius (erwähnt 1195) und Adelhelm von Steinbach (zwischen 1222 und 1224 mehrfach erwähnt.) Im Mutterkloster wird Benno, ein Mönch aus Weissenburg Abt und Nachfolger des abgedankten Abts Ermenold. Dies stand am Ende des Versuchs, die Hirsauer Reform auch in Lorsch einzuführen. Daran war schon Abt Gebhard (1105-1106) gescheitert. Der Lorscher Konvent hatte sich zweimal erfolgreich durchgesetzt. Abt Benno war durch Simonie und kaiserliche Protektion in sein Amt gelangt. Seine verschwenderische Amtsführung und seine schlechte Haushaltung brachten auch schnell  den Klostervogt gegen ihn auf. Er wurde aus der Abtei vertrieben und musste sich zu Kaiser Heinrich V. (1086-

1125) nach Italien flüchten. Außerdem wurde Burg Windeck in  Weinheim zerstört. Diese war zum Schutz des umfangreichen Lorscher Besitzes, aber auf Grund und Boden  der Propstei Steinbach gebaut. Daraus hatte sich wohl ein massiver Grundstückstreit zwischen Propst Libelin und Abt Benno entwickelt. Unter dem Einfluss Kaiser Heinrichs kann Benno die Abtei weiterführen. Der Kaiser bestätigt auf Bitten Abt Bennos von Lorsch den Mönchen der Zelle Michelstadt die in der Urkunde genannten Besitzungen und gewährt ihnen für diese Immunität und freies Verfügungsrecht  im Jahre 1113. Abt Benno will wohl Kloster Steinbach veräußern.

Auf dem Weg von Lorsch nach Steinbach befällt ihn allerdings Unwohlsein. Er wird in Propstei gebracht, wo er am 20. Februar 1119 verstirbt. Sein Grabstein und auch der seines Gegenspielers Libelin, der ebenfalls 1119 stirbt, ist erhalten. Beide  befinden sich jetzt im Schloss Erbach.

1149 wird der Steinbacher Propst Hildebert zum Abt des Mutterkloster Lorschs gewählt, stirbt aber nur 6 Monate nach seiner Wahl.

1232 überträgt Kaiser Friedrich II. (1194-1250) das Kloster Lorsch mitsamt seinen Besitzungen, zu denen auch die Propstei Steinbach gehört, dem Erzbistum Mainz.

220px-Steinbach-einhard1Das Kloster wird als Benediktinerkloster aufgehoben und als Prämonstratenserpropstei weitergeführt. Als Folge der Umwandlungen in Lorsch wird auch die Propstei Steinbach aufgehoben. Sie wird zu einem Benediktinerfrauenkloster umgewandelt. In der Nachbarschaft des Kloster Steinbachs entstand als Wasserburg das heutige kurmainzische Schloss Fürstenau.

Die Quellenlage zum Benediktinerinnenkloster ist sehr dürftig. Am 27. Mai 1232 stellt Papst Gregor IX. (1227-1241) einen Schutzbrief für den Konvent für gegenwärtige und zukünftige Besitzungen. Das ist das erste Dokument, in dem Steinbach als Nonnenkloster erwähnt wird. Für den Zeitraum von rund 300 Jahren sind nur die Namen von 7 Nonnen bekannt, davon 5 als Äbtissinnen oder Meisterinnen. die letzte ist Meisterin Katharina Weiler 1525.

1532 werden die Schenken von Erbach in den Reichsgrafenstand erhoben. Etwa zeitgleich wird die Reformation in Erbach eingeführt. 1535 wird das Kloster Steinbach aufgehoben. 1539 wird es in einer Urkunde erstmals als Spital erwähnt.

Graf Eberhard XIII., der auch als Berater Ottheinrichs von der Pfalz bei der Einführung der Reformation für die Kurpfalz zuständig war, hatte das Kloster in ein Spital umgewandelt. Die Nonnen nahmen die Reformation an und durften als Krankenpflegerinnen im Spital verbleiben. Im 13. und 14. Jahrhundert hatte die Basilika als Grablege der Schenken von Erbach gedient und deswegen ließ das Grafenhaus die Gebäude nie völlig verfallen.

Im Jahr 1873 erkannte der Darmstädter Kunstprofessor, dass die Einhardsbasilika karolingisch war.

1970 kaufte das Land die Basilika, weitere Gebäude und Reste des Klosters. Bis 1972 wurden die fehlenden Seitenschiffe wieder aufgemauert, Puzflächen und Malereireste wurden gesichert und bis 2010 wurde das Gebälk und Dachziegel restauriert.

220px-Einhardsbasilika_(Nordseite)-2 220px-Steinbach-einhard3

Kommentare (2)

  1. Wassum, Gerald

    Zu Kloster Steinbach:
    Wenn „michilstat“ Ober- und Untermühlheim ist, fresse ich einen Besen beliebiger Länge. Ober-und Untermühlheim ist das spätere Seligenstadt. „michilstat“ war und ist MICHELSTADT.

    Antworten
    1. Franz-Karl (Beitrag Autor)

      Hallo Herr Wassum,
      Sie haben natürlich recht. Aber in einer Urkunde sind zwei Orte verschenkt worden, nämlich „michilstat“ und Mühlheim im Maingau, eben das spätere Seligenstadt und ich habe einfach nicht aufgepasst. Es ist überarbeitet und vielen dank für den Hinweis!
      F.-K.Gnant

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.