Archiv des Autor: Franz-Karl

Sophie von La Roche

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Das letzte Werk von Sophie La Roche erschien 1806 in Halle. “Melusines Sommerabende”. Der Herausgeber war Christoph Martin Wieland und damit schließt sich der Kreis. Schließlich hatte er auch ihr erstes Werk “Die Geschichte des

Fräulein von Sternheim” herausgegeben, dass Sophie praktisch über Nacht bekannt gemacht hatte. Auf Wielands Wunsch wurde dem letzten Werk Sophies Autobiographie voran gestellt. Und so will ich Sophies letztes Werk an den

Anfang setzen, weil es das möglich macht, die Erzählung von Sophies Leben praktisch von ihr selbst zu kommentieren.Zitiert wird aus der 1806 im Verlag der N.Societäts-Buch-und Kunsthandlung in Halle erschienenen Ausgabe.

Auch Wieland weist darauf hin, dass er der Herausgeber von Sophies erstem und letzten Werk ist: “Eine Verkettung von kleinen Umständen, oder wie mir zu glauben angenehmer ist,  die unsichtbare, diese Umstände leitende Hand

des Genius einer mehr als sechs und fünfzigjährigen Freundschaft zwischen der Verfasserin der Sommer-Abende und dem Herausgeber hat es so gefügt, daß eben derselbe der vor fünf und dreißig Jahren den ersten Abdruck des Geistes

und Herzens seiner Freundin in die Welt einführte, nun auch derjenige ist, der das Vergnügen hat, dieses letzte Werkchen, womit sie als Schriftstellerin ihren Lauf zu beschließen gedenkt, Ihren gleich mit Ihr gestimmten und in Ihren

Schriften Sie selbst liebenden Freundinnen und Freunden darzubringen.” (S.4,5)

Am 6. Dezember 1730 wurde Marie Sophie Gutermann von Gutershofen in Kaufbeuren geboren. Ihr Vater Georg Friedrich Gutermann war Arzt in Kaufbeuren und stammte aus Biberach an der Riss.

Er hatte in Tübingen, Leiden und Straßburg Medizin studiert.

Ihre Mutter Regina Barbara stammte aus Memmingen. Georg Friedrich war der Stiefbruder von Georg Rauh. Und dieser wieder war der Vater von Regina Catharina Kück,

der Mutter von Christoph Martin Wieland. Diese Verwandtschaft war ja mit der Grund, dass Sophie in die Familie von Christoph Martin Wieland kam.

Sophie war das älteste von 13 Kindern der Familie Gutermann.Ihr einziger Bruder Jacob Immanuel wird erst 14 Jahre nach ihr geboren. Außer Sophie überleben nur zwei Schwestern und der Bruder die Babyjahre.

Die Familie kommt von Kaufbeuren über Lindau nach Augsburg. Der Vater unterrichtet Sophie selbst, möchte sogar so etwas wie ein Wunderkind aus ihr machen. Schon mit drei Jahren konnte das Mädchen lesen.

Mit fünf hatte Sophie die Bibel durch.

Dazu Sophie selbst “Nachher machte mich mein Vater mich früh die Bücher lieben, da er mich oft, ehe ich volle zwei Jahre alt war, in seine Bibliothek trug, wo er mich mit den schönen Verzierungen der Einbände und

Titelblätter zu belustigen suchte, und es damit auch so weit brachte, dass ich mit 3 Jahren vollkommen lesen konnte..” (Seite IX,V) und weiter “ Mein Vater, ein ansehnlicher, hübscher, aber auch sehr heftiger, dabei frommer Mann,

benutzte meine Lesekunst nur in der Bibel, welche ich ( wie er mir in der Folge sagte) in dem Alter von fünf Jahren zum ersten Mal ausgelesen hatte.” (S. V)

Auch Astronomie und Französisch lernt sie beim Vater. Sie erhält Klavierunterricht. Natürlich wird sie auch in Kochen und allen Hausfrauenpflichten unterrichtet.

oder wie Sophie weiter berichtet “Doch wurde ich daneben auch die beste Tänzerin, lernte französisch, zeichnen und Blumen malen, sticken, Clavier spielen und Küche und Haushaltung besorgen.” (S VII)

Geschichtsunterricht bekam sie von Johann Jakob Brucker. Er war Leiter der Lateinschule in Kaufbeuren und kam 1744 wieder nach Augsburg zurück. In seinem  „Bilder-sal heutiges Tages lebender und durch Gelahrheit berühmter Schrifft-steller […]“.

stellte Brucker auch die Verdienste von vier Wissenschaftlerinnen vor, was zu einer Zeit, in der immer noch mit größtem Misstrauen betrachtet wurde, wenn Frauen gelehrte Studien betrieben eine sehr fortschrittliche Einstellung war.

Als Sophie allerdings ihren Vater bat, bei Brucker Latein lernen zu dürfen, lehnte der Vater rundweg ab. Das war nichts für Mädchen. Diese “männliche” Ausbildung schmälerte nur die Chancen auf dem Heiratsmarkt. Und die Töchter gut an den

Mann zu bringen, das war damals vorrangige Aufgabe der Väter aus guter Gesellschaft. Davon konnte ihn auch der Pädagoge und Freund Brucker nicht abbringen.

Mit 9 Jahren war Sophie zu den Großeltern nach Biberach geschickt worden. Der Großvater Hans Adam Gutermann war dort Ratsherr und Spitalpfleger Er wohnte dort am Marktplatz 8.

als Sophie drei Jahre später nach Augsburg zurückkehrte, war Georg Friedrich Gutermann inzwischen in den Adelsstand erhoben worden. Er nannte sich nun Gutermann von Gutershofen.

Auch wurde er Dekan des Collegium Medicum. Das ist so etwas wie die erste medizinische Ständevertretung in Deutschland und ist erstmals 1567 in Augsburg belegt.

Sein Haus und damit auch die Atmosphäre, in der Sophie aufwuchs, kann man als gutbürgerlich bezeichnen. Mitglieder des Augsburger Bildungsbürgertums zählten zum Freundeskreis.

Johann Jakob Brucker wurde schon erwähnt, der selbst Mitglied in vielen wissenschaftlichen Gesellschaften war. Georg Friedrich Gutermann gehörte der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Augsburgs an.

Dort war auch Jakob Wilhelm Benedikt von Langenmantel Mitglied, der auch Stadtpfleger, also Bürgermeister von Augsburg war. Auch bei der Leopoldina wird Dr. Gutermann seit 1731 als Mitglied geführt.

Zum Freundeskreis zählte auch Johann Adolf von Amman,der in Augsburg Ungeldherr war, modern ausgedrückt ist das sowas wie Stadtkämmerer. Aus dem Freundeskreis Bruckers wird für uns dann

Giovanni Lodovico Bianconi  interessant. Sophie kam also schon ab ihrer frühesten Kindheit mit Angehörigen des Bildungsbürgertums in Kontakt. Sie hatte eine umfassende Ausbildung, dank ihres Vaters

nicht zuletzt auch in Naturwissenschaften. Auch das spiegelt sich in der Autobiographie wieder. Sophie erzählt von den Gelehrtentreffs, die dienstags stattfanden.

Mit 15 wurde sie, wie es in der Reichsstadt üblich war, in die Augsburger Gesellschaft eingeführt. Bald fand sie auch an einem Bewerber Gefallen. Es war eben dieser

Giovanni Lodovico Bianconi . Er war 17 Jahre älter als Sophie, stammte aus Bologna und war wie Sophies Vater selbst auch Arzt und zwar Leibarzt des Fürstbischofs von Augsburg Joseph Ignaz Philipp von Hessen-Darmstadt.

Er  war neben seiner Tätigkeit als Arzt auch Antiquar. Er blieb nicht allzu lange in Augsburg. Er ging dann an den sächsischen Hof weiter und war da auch beim Aufbau der Gemäldegalerie beteiligt. Dabei spielte er auch beim Ankauf der

sixtinischen Madonna eine Rolle. Er kam dann schließlich als Gesandter Friedrich August II. nach Italien zurück. Sophies Mutter fand durchaus Gefallen an dem Bewerber. Sie unterstütze auch die Verlobung, die 1747 stattfand.

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Im folgenden Jahr stirbt die Mutter noch keine vierzig Jahre alt, damals ein durchaus übliches Frauenschicksal, erschöpft von vielen Schwangerschaften. Zwar reisen Vater und Schwiegersohn gemeinsam nach Bologna.

Auch scheint die Familie durchaus zu gefallen. Sophie wurde in dieser Zeit wieder nach Biberach geschickt.

Originalton Sophie: “Mein Vater reiste mit Bianconi ein ganzes Jahr nach Italien, um die Familie selbst kennen zu lernen, in welche ich gleich nach ihrer Zurückkunft treten sollte. Wir Kinder wurden zu seinen Aeltern

nach Biberach geschickt, wo ich diese freundliche Stadt, ihre guthmütigen Bewohnern und einfache ländliche Schönheit, mehr als das prächtige Augsburg und seine Kunstgärten, lieb gewann…” (S. XI) und weiter: “Man arbeitete

an den Artikeln des Ehevertrages. Meine Religionsfreiheit wurde in Dresden, wo Bianconi Leibarzt des Königs geworden war, versichert. Er wollte aber alle Kinder katholisch- mein Vater hingegen die Mädchen lutherisch haben,

und dies umso eifriger, als er nach seiner physischen Kenntnis glaubte, da ich in vollblühender Gesundheit erst 19 Jahre, Bianconi hingegen 35 Jahre Jahre zählte, und viel gelebt habe,- mehr Kinder von meinem Geschlechte

bekommen, als von dem seinen, also die lutherische Kirche mehr Seelen gewinnen. “ (S. XII).

Aber auf diese Bedingung  ging Bianconi nicht ein. Der Verlobte versuchte Sophie zur Flucht zu überreden.

Das wollte sie aber nicht,”weil ich meinen Vater nicht betrüben, nicht ohne seinen Segen aus seinem Hause wolle” (S. XII,XIII.) Nun zwang der Vater sie, die Verlobung zu lösen. “ Ich musste meinem Vater alle seine Briefe, Verse, schöne

Alt-Arien,mit meinen sehr pünktlich ausgearbeiteten geometrischen und mathematischen Übungen, in sein Cabinet bringen, musste alles zerreißen und in einem kleinen Windofen verbrennen, Bianconis Porträt…musste ich mit der Schere

in tausend Stücke zerschneiden..” (S XIII) Auch den Ring muss sie zerbrechen. “Die Ausdrücke meines Vaters dabei will ich nicht wiederholen” Sie fügt sich ohne Auflehnung, verzeiht ihrem Vater das aber zeitlebens nie.

Und sie schwört sich,”So soll auch Niemand mehr jemals meine Stimme, mein Clavierspiel, die italiänische Sprache… oder irgend etwas, so er mich lehrte, von mir hören, oder nur in mir vermuthen- Ich habe Wort gehalten.”(SXV.)

Dazu merkt Wieland als Herausgeber an, dass er aus eigener Erfahrung bezeugen kann, dass sie es streng und buchstäblich gehalten hat. Der Vater, nun auf der Suche nach einer neuen Frau, schickt Sophie wieder nach Biberach, diesmal zur Familie seiner Cousine

Regina Katharina und Thomas Adam Wieland, den Eltern von Christoph Martin. Sophie soll ihren Geliebten vergessen aber auch dem Vater aus den Augen kommen, zu dem das Verhältnis ja massiv gestört war.

In Biberach begegnen sich Christoph Martin Wieland und Sophie. Sophie ist 19, Christoph Martin 17. Die beiden empfindsamen Seelen verlieben sich zum Entsetzen der beiden Familien heftigst.

Im August 1750 verloben sie sich sogar. Der Überlieferung nach soll das an der Wielandlinde geschehen sein. Eine Gedenktafel an der Linde erinnert daran, pikanterweise mit einem falschen Datum. Dort  wird Wielands Sterbejahr mit

1818 angegeben. Da war er aber schon fünf Jahre tot. Der Vater Wieland hatte wohl gehofft, dass sich Wielands Verliebtheit legt. Wielands Mutter agiert mit Kräften gegen die Verbindung. Sophie muss nach Augsburg

zurück. Die Mutter hält Sophies Briefe an den Verlobten zurück. Wieland nimmt im Oktober 1750 in Tübingen sein Jurastudium auf, gibt es aber bald wieder auf.

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Sophie löste die Verlobung.Die Verlobung mit Wieland liest sich bei Sophie viel undramatischer als ihre erste Beziehung: “Wielands vorzügliche Freundschaft für mich machte für mich das Beste und schönste der Alten

und Neuen bekannt; ich verehrte und liebte ihn dankbar, war auf seine Kenntnisse stolz, weil ich sie mein ganzes Leben zu theilen hoffte, denn ich sollte mit ihm verbunden werden. Mißverständnisse aus den edelsten

Beweggründen trennten uns.” (XVI) Wieland war mit der Charakteristik “Freundschaft” wohl nicht ganz zufrieden, den im  Text merkt er an “ Was für eine Art von Freundschaft es war, können unsere Leser

oder Leserinnen, wenn sie Lust haben, aus einem vor vielen Jahren an Psyche gerichtete Gedichte, die erste Liebe betitelt, ersehen. W.”

Georg Michael La Roche,  wohl der illegitime Sohn des Grafen Anton Friedrich von Stadion, hält um Sophies Hand an. Sophies Vater hatte bei seiner Wiederverheiratung

seinen Stiefsohn als Erben ein. Sophie brauchte also jemanden der sie versorgte. Außerdem war sie inzwischen 23, höchste Zeit also unter die Haube zu kommen zumal zwei geplatzte Verlobungen die Chancen auf

dem Heiratsmarkt nicht gerade verbesserten. Zwar war auch La Roche katholisch, aber der Vater leistete nun keinen Widerstand mehr. Sophie stellte gleich zu Anfang die Verhältnisse klar. Sie erklärte ihrem Mann, dass

sie ihn nicht liebe, aber schätze und dass sie Bianconi und Wieland nicht vergessen könne. In der Tat besteht die Verbindung zwischen Wieland und Sophie das ganze Leben.

Wieland war auf die Lösung der Verlobung zunächst tief betroffen. Am 20. März 1754 schreibt er an Sophie. Darin vermutet er, dass wohl Briefe von ihm zurückgehalten worden waren, womit er ja nicht Unrecht

hatte. Er sagt, dass er Verständnis für Sophies Entscheidung habe. Er drückt aber die Hoffnung aus,” dass Sie meinen Vorschlag von Fortsetzung unser innerlichen und geistigen Verbindung, und wo es seyn kann

auch unseres Briefwechsels annehmen werden”. Beides geschah ja. Er lässt sich auch Herrn La Roche empfehlen und ihm versichern, “ dass ich gegen denjenigen, den Sie als Gemahl lieben, nicht anders als eine besondere Hochachtung tragen kann”.

Nach der Eheschließung schreibt er am 19. März 1754 an La Roche selbst. Dabei drückt er die Hoffnung aus, dass La Roche Sophie glücklich machen wird.

Sophie erkennt die Vorzüge, die für sie in der Ehe mit La Roche liegen.”Durch meine Verbindung mit La Roche ward ich in dem gräfl. Stadionschen Hause mit dem Werthe der glänzenden Vorzüge des Adels bekannt,

die ich täglich in allem vor mir hatte und da mein Mann neben Churmainzischen Kabinettsgeschäften auch die Oberdirektion aller großen Besitzungen der Stadionschen in Schwaben,  Böhmen und Wirtenberg hatte…” (S.XVIII)

Das junge Paar zieht nach Mainz. Dort arbeitet La Roche für den Grafen von Stadion. Er wurde von dem kurmainzischen Oberhofmeister mit der Abfassung von Depeschen betraut, keine schlechte Vorbereitung für seine spätere

Tätigkeit am kurtrierischen Hof.

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In Mainz bildet sie sich zunächst weiter. Sie liest Voltaire und Diderot. Graf von Stadion hatte ja auf seiner Kavalierstour Voltaire persönlich kennengelernt und Wieland las Voltaire ja auch. Er wird ja immer wieder als deutscher Voltaire

bezeichnet. Sie kümmerte sich um die französische Korrespondenz ihres Mannes. Sie lernte aber auch englisch. So konnte sie dem Grafen die neuesten Nachrichten gleich übersetzen. In Mainz werden drei ihrer Kinder

geboren, Maximiliane 1756, Fritz 1757 und Luise 1759. Graf von Stadion zog sich 1761 aus der kurmainzischen Politik zurück und übersiedelte auf sein Schloss in Warthausen. Die Familie La Roche ging von Mainz mit nach Warthausen.

Frank La Roche verwaltete die gräflichen Güter. Ihre Warthausener Zeit wird Sophie später als ihre glücklichste Zeit bezeichnen. Wieland war 1760 wieder nach Biberach zurückgekehrt und dort erst Senator, dann aber Kanzleiverwalter geworden.

Sophies Schwester Katharina hatte 1753 den Biberacher Kanzleiverwalter und späteren Bürgermeister Johannes von Hillern geheiratet. Nicht zuletzt ihrem Einfluss hatte es Wieland zu verdanken, dass er nach Biberach gerufen wurde und dort dann

zum Kanzleiverwalter gewählt wurde.  Am Warthausener Hof traf sich ein kleiner aufgeklärter Zirkel zu geistvollen Gesprächen. Die Runde wurde später als Warthauser Musenhof bezeichnet. Wieland war oft zu Gast, aber auch Sebastian Sailer,

der wortgewaltige Prediger aus dem nahen  Prämonstratenser Kloster Obermarchtal, Maria Maximiliana von Stadion, die Tochter des Grafen und später die letzte Fürstäbtissin vom Damenstift Buchau und der Warthauser Pfarrer

Ignaz Valentin Heggelin. Der Warthauser Hof war sicher ein Vorbild für Sophies späteren Kreis in ihrem Haus in Ehrenbreitstein. Und sie nutze die Bibliothek “und versäumte auch sonst keine Gelegenheit,in der prächtigen Bibliothek

des Grafen Stadion etwas Nützliches oder Schönes bemerken konnte” (S. XVIII,XIX)

Als Graf  Anton Heinrich Friedrich verstarb am 26. Oktober 1768 in Warthausen verstarb, zog die Familie von La Roche nach Bönnigheim,wo die Familie von Stadion auch ein Schloss hatte. Frank La Roche war mit Conrad von Stadion,dem Sohn

des verstorbenen Grafen nicht klar gekommen und er war auf eine Oberamtmannstelle in Bönnigheim abgeschoben worden. Nachdem er vorher praktisch die rechte Hand des Grafen war, empfand er das natürlich als Abstieg. Aber schon in Warthausen

hatte er den  Freiherrn Franz Eustach von Hornstein kennengelernt. Seine Besitzungen lagen  in der Nähe von Warthausen. Von Hornstein war Mitglied der Domkapitel von August und Freising. In Trier war Clemens Wenzeslaus von Sachsen 1768 Erzbischof

und Kurfürst von Trier geworden. Von 1763 bis 1768 war er Fürstbischof von Freising. 1768 war er auch Bischof von Augsburg geworden. Bei den Bischofswahlen in Freising und Augsburg hatte er von Hornstein kennengelernt.

Hornstein schlug Clemens Wenzeslaus vor, La Roche als Wirklichen Geheimen Rat in die Regierung aufzunehmen. La Roche lernte Clemens Wenzeslaus Anfang 1771 auf einer Reise nach Augsburg persönlich kennen. Er entschied sich endgültig für das Trierer

Angebot und zog Ende März nach Ehrenbreitstein

Auch für Sophie war Bönnigheim mehr als gewöhnungsbedürftig. Der geistreiche Zirkel fehlte ihr. Neue Freunde fand sie kaum. Nur Johann Jakob Brechter (1734-1772), Pfarrer im drei Stunden entfernten Schwaigern bei Heilbronn war ihr Vertrauter.

Er hatte pädagogische Schriften verfasst, zum Beispiel “Briefe über den Aemil des Herrn Rousseau”. Schon in Warthausen war ihre Kinder auf Empfehlung des Grafen Stadion zur Erziehung weggeben. Und da er ja eigentlich der Großvater war, hatte er sicher ein

gewichtiges Wort mit zu reden. Maximiliane und Luise wurden in Straßburg in einem Kloster erzogen, Fritz in Erfurt wo Wieland dank der Protektion durch Graf von Stadion mittlerweile Professor war. In Warthausen hatte Sophie zum Zeitvertreib zu

schreiben begonnen. Pfarrer Brechter ermunterte sie nun weiter zu schreiben, um ihres Kummers Herr zu werden. Nicht nur für Sophie war Brechter wichtig. Er hat auch zusammen mit ihrem Mann die “Briefe über das Mönchswesen” geschrieben,

die 1771 anonym erschienen.

Wieland macht sich ebenfalls stark für Sophies Roman. 1770 schreibt er ihr ohne Datum”Allerdings beste Freundin, verdient Ihre Sternheim gedruckt zu werden; und sie verdient es nicht nur; nach meiner vollen Überzeugung erweisen sie Ihrem Geschlecht

einen wirklichen Dienst dadurch. Sie soll und muß gedruckt werden, und ich werde Ihr Pflegevater seyn” (zitiert nach MDZ Reader Bayrische Staatsbibliothek digital, Briefe an Sophie von La Roche, S.125) Er gibt dann noch einige Details, wie die Ausgabe aussehen

soll.

“Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim – von einer Freundin derselben aus Original-Papieren und anderen zuverlässigen Quellen gezogen” , so lautete der  Originaltitel des Werkes, das in zwei Teilen erscheint, der erste Teil im Juni 1771, der zweite im

September/Oktober. Herausgeber ist Christoph Martin Wieland. Zwar war es anonym erschienen, enthielt aber doch so viele Hinweise auf die Autorin, dass deren Name bald bekannt war. Sophie wurde schlagartig berühmt und “zur ersten deutschen Dichterin”.

Es war eine glückhafte Wendung für die Familie La Roche. Frank La Roche machte rasch Karriere. Er hatte ein gutes persönliches Verhältnis zum Trierer Erzbischof. 1773 erhielt er den Rang eines Wirklichen Geheimen Staatsrat. 1774 wurde er Regierungskanzler

und zusammen mit Hornstein und Christoph Philipp Freiherr von Hohenfeld gehörte er zu den entscheidenden Ratgebern des Kurfürsten. Sophie nun berühmte Schriftstellerin konnte in Ehrenbreitstein einen literarischen Salon

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unterhalten. Goethe beschreibt ein solches Treffen im 13. Buch von Dichtung und Wahrheit  “Sie war die wunderbarste Frau, und ich wüßte ihr keine andre zu vergleichen. Schlank und zart gebaut, eher groß als klein, hatte sie bis in ihre höheren Jahre eine gewisse

Eleganz der Gestalt sowohl als des Betragens zu erhalten gewußt, die zwischen dem Benehmen einer Edeldame und einer würdigen bürgerlichen Frau gar anmutig schwebte. Im Anzuge war sie sich mehrere Jahre gleich geblieben. Ein nettes Flügelhäubchen stand

dem kleinen Kopfe und dem feinen Gesichte gar wohl, und die braune oder graue Kleidung gab ihrer Gegenwart Ruhe und Würde. Sie sprach gut und wußte dem, was sie sagte, durch Empfindung immer Bedeutung zu geben.”

Sie empfängt bedeutende Künstler und Literaten. Johann Bernhard Basedow (1724-1790) war da. Er war 1771 nach Dessau berufen worden und wollte dort das Philanthropinum gründen eine „Pflanzschule der Menschheit“, in der Kinder verschiedener Herkunft im

Sinne des aufklärungspädagogischen Gedankenguts (standesgemäß) erzogen werden sollten. Er hatte 1774  er mit Goethe und Lavater eine Lahnreise unternommen und war möglicherweise bei dieser Gelegenheit bei Sophie in Ehrenbreitstein gewesen zumal

auch Lavater zu Sophies Gästen zählte. Lavater war Pfarrer Philosoph und Schriftsteller aus der Schweiz.Lavater besuchte Collegium Carolinum in Zürich, wo u.a. Johann Jakob Bodmer sein Lehrer war. Wieland weilte ja ab 1752 auf Einladung Bodmers

in der Schweiz.Also auch hier gab es Querverbindungen. Auch die Gebrüder Jacobi verkehrten in Sophies Salon. Johann Georg gab 1731 mit Wieland den Teutschen Merkur heraus. Sein Bruder Friedrich Heinrich war hauptsächlich als Philosoph tätig.

Er arbeitete ab 1804 zusammen mit Schelling an der Bayrischen Akademie der Wissenschaften. Auch Johann Jakob Wilhelm Heinse war bei Treffen dabei. Er kam auf Fürsprache von Wieland in den Dichterkreis um Gleim.

Modern gesprochen könnte man sagen, dass der Salon von Sophie La Roche wie ein Netzwerk wirkte. In diesen Ehrenbreitsteiner Tagen – Goethe war gerade 22 Jahre alt, wurde er durchaus als Hochzeitskandidat für Maximiliane, Sophies

älteste Tochter gehandelt. Er wurde zwar nicht Maximilianes Gemahl, aber die schwarzen Augen Lottes im Werther gehen auf Maximiliane zurück.

Wieland kam 1771 nach Ehrenbreitstein und besuchte Sophie. Friedrich Heinrich Jacobi war bei der Begegnung dabei und hatte sie geschildert:”Wieland – Wieland – O ja, Sie sind es, Sie sind noch immer mein lieber Wieland!‹ – Wieland, von dieser rührenden

Stimme geweckt, richtete sich etwas in die Höhe; blickte in die weinenden Augen seiner Freundin, und ließ dann sein Gesicht auf ihren Arm zurücksinken. Keiner von den Umstehenden konnte sich der Tränen enthalten”

Bevor wir in Sophies Leben weiterfahren, werfen wir einen Blick auf den Roman, der so viel Furore machte:

 

Das Fräulein Sternheim

Buch Frl. Sternheim

Wieland war ja der Herausgeber von Sophie von La Roches “Das Fräulein Sternheim” oder “geistiger Ziehvater” wie er in seinem Brief an Sophie geschrieben hatte. Das war nur folgerichtig, denn im 18. Jahrhundert hatten Frauen weder das Recht,

noch die Möglichkeit ohne einen  männlichen Mentor irgendetwas zu veröffentlichen. Und auch die Form des Briefromans bot sich, denn der Brief stellte eine gebilligte Form sprachlicher Aktivität der Frau dar. Hier bewegte sich eine Frau auf

vertrautem Terrain. Sophie hatte mit ihrem Roman ja durchaus eine pädagogische Absicht, nämlich die Erziehung des weiblichen Geschlechts.

Der Roman ist in zwei Teile gegliedert. Ihm wird der Herausgeberbericht Wielands vorangestellt. Er gibt darin vor, die Herausgabe sei ohne Wissen der Autorin geschehen.Er erwähnt mit Richardson und Fielding Vorgänger. Das Fräulein Sternheim

lehnte sich ja durchaus an Richardsons Pamela an, die auch für Goethes Werther Vorbild war. Er preist die Vorzüge aber auch Schwächen des Romans und nimmt so möglicherweise aufkommende Kritik schon vorweg.

Die Geschichte beginnt mit Sophies Vorgeschichte, Sophies Eltern. Ihr Vater war ein englische Offizier, ihre Mutter eine englische Baronesse, die nicht standesgemäß geheiratet hatte, denn Sternheim war erst später aufgrund

seiner persönlichen Verdienste geadelt worden. Sophie wird nach christlichen Werten erzogen. Als das Mädchen neun ist, stirbt ihre Mutter. Nun ist hauptsächlich der Vater für ihre Erziehung verantwortlich. Sie durchläuft den für Mädchen typischen

Bildungsgang, wird aber auch anhand von Rechnungsbüchern ihrer Mutter zum Beispiel mit der Leitung eines Guts vertraut gemacht. Als Sophie 19 ist, stirbt auch ihr Vater und sie muss zu ihrem Onkel und ihrer Tante. Die Gräfin Löbau

war die Schwester ihrer Mutter. Die Gräfin hatte damals die Heirat ihrer Schwester mit einem Bürgerlichen schwer missbilligt. Nun aber bringen die beiden Sophie am Hofe unter. Sie versuchen sie zur Mätresse des Fürsten zu machen,

weil sie sich daraus persönliche Vorteile versprechen.Den weiteren Verlauf erfahren wir aus Briefen der Akteure. Da ist einmal Sophie selbst, dann zwei englische Adlige, Lord Seymour und Lord Derby. Die tugendhafte Sophie verabscheut die Umgangsformen des

Hofs. Lord Seymour erscheint in Sophies Briefen als tugendhaft. Bei einem Hoffest bestätigt sich scheinbar das Liebesverhältnis zum Fürsten. Sie wird öffentlich verleumdet. Lord Derby bietet Sophie als Ausweg eine heimliche Ehe an.

In einem Brief an seinen Freund in Paris legt er diesem seine niederträchtigen Pläne dar. Er inszeniert eine Trauung, bei der sein Diener als Pfarrer verkleidet, die Trauung vornimmt. Damit endet der erste Teil.

Lord Derby hatte Sophie verlassen, aber ihr vorher noch seine gemeine Tat enthüllt.

Sophie lebt nun in ihrer neuen selbstgewählten Identität als Madame Leiden. Sie war zu ihrer Freundin Emilia, an die alle Briefe Sophies gerichtet sind gezogen. Mittlerweile war sie völlig verarmt, da sie in ihrer Gutmütigkeit

für drei Jahre alle Einkünfte ihres Gutes an die Gräfin Löbau abgetreten hat. Sie verkauft ihre Brillanten mit Bildnissen ihrer Eltern. Sie lebte von den Zinsen. Sie tut aber weiter Gutes und unterrichtet arme Mädchen an einer Gesindeschule von

Madam Hill. Auf einer Badereise in Spaa lernt sie Lady Summers kennen. Sie folgt dieser als Gesellschafterin nach England. Als Gutsnachbar lebt dort Lord Rich, der sich in Sophie verliebt. Sophie ist zurückhaltend aber nicht abweisend.

Doch Sophies Leiden sind noch nicht zu Ende. Denn der Schurke Derby tritt wieder auf den Plan. Zufällig hatte er eine Nichte von Lady Summers geheiratet. Er fürchtet entlarvt zu werden und lässt Sophie deshalb entführen. Er bringt sie bei einer armen Familie in

Schottland unter. Sie ist von der Außenwelt abgeschnitten und kann deshalb keine Briefe mehr schreiben. Aber ihre Gedanken hält sie in einem Tagebuch fest.Nun kommt eine neue Gattungsvariante zum Tragen. Nicht mehr Briefe sondern

Tagebucheinträge werden nun wiedergegeben. Daraus erfahren wir, dass sie eine erneute Werbung von Lord Derby zurückgewiesen hat. Der Diener misshandelt Sophie schwer. Sie ist dem Tode nahe. Der mitleidige Wärter bringt die Schwerverletzte auf

ein nahegelegenes Schloss einer Gräfin. Derby aber meldet er den Tod Sophies. Lord Seymour, der inzwischen von der Intrige und Verleumdung erfahren hatte und Lord Rich, der wie sich herausstellt der ältere Bruder von Lord Seymour ist,

machen sich auf den Weg nach Schottland, um das Grab der toten Sophie aufzusuchen. Sie ist aber nicht tot, sondern lebt im Haus der Gräfin. Lord Rich verzichtet edel und großmütig zugunsten seines Bruders auf die Hand Sophies. Ihre

Tugend wird mit ihrer zukünftigen Rolle als Gattin und Mutter belohnt.

Auf Richardsons Pamela wurde schon hingewiesen. Auch Das Leben der Schwedische Gräfin von G… (1747-48) von Christian Fürchtegott Gellert oder La Nouvelle Héloïse (1761) von Jean-Jacques Rousseau waren Vorgänger.

Bei allen drei war die verführte Unschuld  Leitmotiv des Briefromans. Aber Sophie von Sternheim findet sich nicht passiv mit ihrem Schicksal ab. “Im Gegensatz zu ihren Zeitgenossinen überwindet Sophie von Sternheim ihr

Unglück durch soziale Aktivität und Wohltätigkeit. Ihr aktives und selbstbewußtes Handeln unterscheidet sie hauptsächlich von anderen empfindsamen Heldinnen und prägt sie als individualisierter Charakter innerhalb der

festgelegten Weiblichkeitsschablonen.” (Dolors Sabaté Schöne Seele, denkender Körper: Das Weiblichkeitsbild in Sophie Geschichte des Fräuleins von Sternheim Revista  de Filología Alemana 2000 8,S.138)

Gleich im Erscheinungsjahr mussten drei Auflagen gedruckt werden. Fünf weitere folgten in den nächsten 15 Jahren. Und es gab Übersetzungen ins Französische, Englische, Holländische und Russische.

Sophie von La Roche hatte begeisterte Leser. Aber auch die Literaturkritik äußerte sich sofort positiv. Goethe verfasste in den “Frankfurter Gelehrten Anzeigen” eine Rezension. Darin schrieb er, dass sich viele “ungebetene Beurtheiler”

eingefunden hätten, der “Mann von der großen Welt, dessen ganze Seele aus Verstand gebaut ist”, dann “ der Schönkünstler” “der Kritiker” und schließlich “der fromme Eiferer” und dann fährt er fort: “allein alle die Herren irren sich,

wenn sie glauben, sie beurteilen ein Buch- es ist eine Menschenseele; und wir wissen nicht, ob diese vor das Forum der großen Welt, des Aesthetikers, des Zeloten und des Kritikers gehört.” (Goethes Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Bd.33 S. 51).

Auch Herder äußert sich in einem Brief an Johann Heinrich Merck, dem Herausgeber der “Frankfurter Gelehrten Anzeigen”begeistert. Allerdings kommt Wieland hier ziemlich schlecht weg. Herder hebt sie ab gegenüber Richardsons Clarissa und sagt:

“ sie ist für mich einzig und weit mehr als Clarisse mit all ihren herausgewundenen Thränen. Dies ist auch etwas, was ihr ewigen Werth geben wird- nur Wielands Noten sind abscheulich.- Ich weiß nicht, ob der elendste Commentator je  so

zuwider dem Sinne seines Autors glossirt als dieser: Sternheim, ein Engel vom Himmel, der uns Glauben an die Tugend durch sich selbst predigt, und Er, ich mags nicht sagen!” Herder in Briefe an Johann Heinrich Merck von Goethe, Herder, Wieland und andern

S.29. Gegen Ende des Jahrhunderts ließ die Begeisterung für das Fräulein Sternheim nach, bis er allmählich in Vergessenheit geriet. Heute sieht die moderne feministisch geprägte Literaturwissenschaft in Sophie von La Roche mehr als die Verlobte Wielands und die

Freundin des jungen Goethes oder die Großmutter der Romantiker Bettina und Clemens von Brentano.

Sophie sagt selbst dazu: “Mein erster Versuch, die Geschichte des Fräulein von Sternheim, ist die Frucht des größten Unmuts, welchen ich damals empfinden konnte. Ich trennte mich ungern von meinen beiden Töchtern, welche durch Zwang der Umstände

in Straßburg bei St. Barbara erzogen wurden, und ich sprach öfters davon in einem Tone voll Trauer mit meinem zu früh verstorbenen Freund Brechter, Prediger in Schwaigern bei Heilbronn, einem an Verstand und Herzen so vortrefflichen Manne,

welcher das Urbild aller Pfarrherren war, die so oft in meinen Erzählungen vorkommen, so wie seine Frau das Modell von meiner Emilie in meiner Sternheim ist.” (S. XXIV,XXV). er sagt ihr,dass es nicht gut sei, dass dieser Kummer an ihr nagt

und er empfiehlt ihr: “Wissen Sie was: Bringen Sie alles, was Sie mir von Zeit zu Zeit zu Ihrer Erleichterung mündlich sagen, so wie Ihre Ideen sich folgen, genau zu Papier…. üben zugleich Ihren Geist und erfüllen Ihre durch Abwesenheit Ihrer Töchter

einsame Stunden”.(S. XXVI) und weiter ”-Doch ich wollte nun einmal ein papiernes Mädchen erziehen, weil ich meine eigenen nicht mehr hatte und da half mir meine Einbildungskraft aus der Verlegenheit und schuf den Plan zu Sophiens

Geschichte. – Ihre Aeltern erhielten den Charakter der meinigen;” (S. XXVII)

Zurück nach Ehrenbreitstein. Die Familie von La Roche war ganz oben angekommen.  Frank von La Roche war kurtrierischer Kanzler, Sophie geachtete und gesuchte Schriftstellerin. 1776 wurde Frank von La Roche in den Reichsadel

erhoben- aufgrund seiner eigenen Tüchtigkeit und nicht aufgrund der Geburt, obwohl sein Vater ja dem Adel angehört hatte, aber La Roche eben nicht als legitimen Sohn anerkannt hatte. Allerdings folgte kurz danach ein

tiefer Sturz. 1780 wurden die beiden Minister Hornstein und Hohenfeld gestürzt. Kurz darauf folgte ihnen La Roche nach. Inzwischen war heraus gekommen, der Verfasser  der “Briefe über das Mönchswesen” war. Das war willkommener Anlass, ihn

vollends zu diskreditieren. Baron von Hohenfeld war nach Speyer in sein Haus gezogen und hatte auch die Familie La Roche nach Speyer geholt. Dort verbrachte die Familie sechs Jahre.

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Die Familie stürzte nicht ins finanzielle Elend, wie das manches Mal so durchklingt. Frank La hatte immer noch die einträgliche Stelle eines Zollschreibers inne, die er bis an sein Lebensende behielt. Auch bezog er zeitlebens eine Pension.

Was für ihn sicherlich wesentlich problematischer war, die Verdammung zur Untätigkeit. Das hatte ihm in seiner Zeit in Bönnigheim am meisten zu schaffen gemacht, und er war ja gewohnt, zu arbeiten und zu gestalten.

Das hatte er schon in den Diensten des Grafen von Stadion in Mainz und Warthausen bewiesen und erst recht natürlich als kurtrierischer Konferenzminister. Was sicherlich auch ein Problem war, Sophie war ja schon erfolgreiche

Schriftstellerin aber Frank von La Roche wollte nicht, dass seine Frau einer Verdienstarbeit nachging. Aber Sophie schrieb eifrig und erfolgreich weiter.

Wenden wir uns noch kurz den Kindern der Familie von La Roche zu.  In Renate Feyls Roman die “Profanen Stunden des Glücks” wird sehr schön geschildert, wie Sophie bemüht war, ihre Töchter vor allem wirtschaftlich

abgesichert unter die Haube zu bringen. Und obwohl sie ja selbst auf ihrem Lebensweg mit ihren Verlobungen durchaus einschlägige Erfahrungen gemacht hatte, war es wohl so, dass ihre Vorstellungen, was gut für die Töchter ist,

den Ausschlag gaben. Maximiliane heiratete 1774 den reichen Witwer und Kaufmann Peter Anton Brentano. Aus seiner Ehe mit Paula Maria Josefa Walpurga Brentano-Gnosso hatte er 6 Kinder als die Frau 1770 verstarb.

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Der Ehe mit Maximiliane entsprossen 12 Kinder, von denen 4 erwähnt sein sollen. Der älteste Georg wurde 1775 geboren. Er führte zusammen mit seinem Halbbruder Franz das Handelshaus Brentano, das sich ab 1830 auf das Bankgeschäft konzentrierte. Er schuf in

Frankfurt-Rödelheim einen großen Landschaftspark. 1776 wurde Sophie geboren. Sie starb sehr jung 1880 als sie zu Wieland in Ossmannstedt zu Besuch war und ist dort bestattet. Clemens folgte 1778. Sein Taufpate war noch der Trierer

Kurfürst. Clemens wurde zum Schriftsteller der Romantik. Bekanntestes Werk ist die Liedersammlung Des Knaben Wunderhorn zusammen mit Achim von Arnim. Bettina, das 7. Kind Maximilianes lernte in Frankfurt den literarischen Arbeitskollegen

von Clemens kennen. Sie heirateten 1811 und waren bis zum Tode Achims 1831 verheiratet.

Maximiliane starb kurz nach der Geburt ihres 12. Kindes 1793. Maximilian hatte zwar dank der Heirat mit einem sehr reichen Mann einen gewissen Lebensstandard erreicht, aber ihren künstlerischen Ambitionen hatte sie entsagen müssen.

Goethe wunderte sich etwas über Sophie, die ihre älteste Tochter nach Frankfurt verheiratet hatte,” … und konnte sich nicht recht in den Zustand finden, den sie doch selbst ausgewählt hatte. Anstatt sich darin behaglich zu fühlen, oder zu irgend einer Veränderung

Anlaß zu geben, erging sie sich in Klagen, so daß man wirklich denken mußte, ihre Tochter sei unglücklich, ob man gleich, da ihr nichts abging und ihr Gemahl ihr nichts verwehrte, nicht wohl einsah, worin das Unglück eigentlich bestünde “ (Dichtung und Wahrheit

13. Buch). aber er konnte es auch nachempfinden “weil sie sich auch in ihre neue Umgebung nicht zu finden wußte und, obwohl mit Glücksgütern gesegnet, aus dem heiteren Thal-Ehrenbreitstein und einer fröhlichen Jugend in ein düster gelegenes Handelshaus

versetzt, sich schon als Mutter von einigen Stiefkindern benehmen sollte.” (Goethe imselben Absatz).

Luise Sophies zweite Tochter, war 1779 an den kurtrierischen Hofrat Joseph Christian von Möhn verheiratet worden. Im Bekanntenkreis der Familie La Roche stieß das auf blankes Unverständnis vor allem Goethes Mutter ließ sich darüber recht scharfzüngig aus.

So schrieb sie an an Herzogin Anna Amalia in Weimar: “Theureste Fürstin ! Könte Docter Wolf den Tochtermann sehen, den die Verfasserin der Sternheim Ihrer zweyten Tochter Louise aufhengen will; so würde Er nach seiner sonst löblichen Gewohnheit mit den

Zähnen knirschen, und gantz Gottloß fluchen. Gestern stellte Sie mir das Ungeheuer vor – Großer Gott ! ! ! Wenn mich der zur Königin der Erden / : Americka mit eingeschloßen : / machen wolte; so – ja so – gebe ich Ihm einen Korb – Er sieht aus – wie der Teufel in

der 7 ten Bitte in Luthers kleinem Catesichmus [!]– ist so dumm wie ein Heu Pferd – und zu allem seinem seinem[!] Unglück ist Er Hoffrath – Wann ich von all dem Zeug was begreife; so will ich zur Auster werden. Eine Frau wie die la Roche von einem gewiß nicht

gemeinem Verstand, von zimlichen Glücksgütern, von Ansehn, Rang u.s.w. die es recht drauf anfängt Ihre Töchter unglücklich zu machen – und doch Sternheime und Frauenzimmer Briefe schreibt – mit einem Wort, mein Kopf ist wie in einer Mühle. Verzeihen Ihro

Durchlaucht, daß ich Ihnen so was vor erzähle, ich habe aber eben das Awentheuer vor Augen – und die Thränen der guten Louise kan ich nicht ausstehn.” (Catharina Elisabeth Goethe, Brief an Anna Amalia Herzogin von Sachsen-Weimar und Eisenach, Frankfurt am

Main, 11. April 1779, zit. nach: Leis u. a. 1996, S. 95 f.) Allerdings war der Hofrat Alkoholiker was sich erst später herausstellte. Er musste aus seiner Stellung am Revisionsgericht in Koblenz ausscheiden. Louise trennte sich von ihrem Mann und zog 1789 zu ihrer

Mutter nach Offenbach. Auch ihre Ehe war nicht glücklich.

Der älteste Sohn Fritz, er war wohl das Ebenbild seines Vaters, wurde zu Wieland nach Erfurt zur Erziehung gegeben. Wieland war inzwischen dort Professor. Fritz wurde dann Kavallerieoffizier in französischen Diensten. Er nahm 1780 am amerikanischen

Unabhängigkeitskrieg teil. Dort zeichnete sich aus nahm aber seinen Abschied. Er diente dann in den Gardes francaises. Bei einem Urlaub, den er mit einem Kameraden, einem holländischen Edelmann in Holland machte, lernte er eine junge Witwe kennen. Sie

heirateten bald. Sophie und ihre Schwiegertochter Elsy  de l’Espinasse verstanden sich bestens. Die Frau von Fritz war sehr vermögend. So könnte er einen Teil der dritten Schweizreise von Sophie finanzieren. Fritz und Elsy wanderten nach Amerika aus. Allerdings

verschleuderte Fritz in Amerika fast das ganze Vermögen seiner Frau. Die Ehe zerbrach. Sophie litt stark darunter, dass er seine Frau in eine solche Lage gebracht hatte. Sie schrieb an Elsy: ”Sie und Ihre Kinder in einer so grausamen Lage, durch meinen Sohn ! O

meine Elsy ! Nichts kann ausdrücken, was ich durch Ihre Situation und meine Machtlosigkeit leide” Sophie von La Roche, Brief an Elsy von La Roche, Offenbach am Main, 17. Oktober 1797, zit. nach Maurer , S. 365. Fritz kehrte späte nach Europa zurück gilt aber als seit

1814 in Russland verschollen.

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Sophies zweiter Sohn Carl Georg war in preussische Staatsdienste getreten . 1786 arbeitete er als Bergrat im Salzbergbau in Schönenbeck bei Magdeburg. Später zog er mit seiner Familie dort verstarb er 1839 als Oberbergrat.

Sophies jüngster Sohn Franz wurde 1768 geboren. Er war ihr Lieblingssohn und er war das einzige Kind, das sie selbst gestillt hatte. Er kam 1784 nach Colmar. Dort hatte Gottlieb Konrad Pfeffel seine „École militaire“  gegründet,

eine Erziehungsanstalt für protestantische Knaben. Die Zöglinge waren meist aus dem Adel und kamen aus Frankreich, der Schweiz und Deutschland. Aus ihr gingen hohe Militärs, Verwaltungsbeamte und Diplomaten der Revolutions- und Direktorialzeit

hervor. Im Gegenzug nahm Sophie die fünfzehnjährige Tochter Pfeffels, Peggi, zu sich nachhause, um sie bei sich auszubilden. Die Erziehungsziele orientierten sich an Rousseau. Nach seiner Zeit in Colmar studierte Franz Forstwirtschaft

in Marburg. 1791 hatte er eine Stelle als Forstbeamter am Hof zu Hessen-Darmstadt erhalten, aber kurz nachdem er seinen Dienst angetreten hatte, verstarb er an einer Darmentzündung im alter von nur 23 Jahren. Sophie war tief betrübt und hat diesen Schicksals-

schlag nie verwunden. Das war der zweite schwere Schicksalsschlag, den sie zu ertragen hatte. Die Familie war 1786 von Speyer nach Offenbach übergesiedelt. Kurz vor der Übersiedlung hatte Frank von La Roche einen Schlaganfall erlitten. Von den Folgen erholte

er sich langsam. doch dann erlitt er kurz hintereinander mehrere Schlaganfälle. Sophie pflegte ihren Mann nun fast zwei Jahre. Er verstarb am 23.11.1788 und wurde auf dem katholischen Friedhof in Bürgel bestattet und nur drei Jahre später wurde

Franz neben seinem Vater beerdigt.

Gehen wir zurück nach Speyer, nachdem wir uns mit Sophies Familie beschäftigt haben. In Speyer begann  Sophie mit der Herausgabe der Zeitschrift: „Pomona für Teutschlands Töchter“ “An meine Leserinnen. Das Jahrbuch der

Denkwürdigkeiten für das schöne Geschlecht-zeigen meinen Leserinnen, was teutsche Männer uns nützlich und gefällig achten. Pomona — wird Ihnen sagen,was ich als Frau dafür halte-“ so schrieb Sophie im Vorwort des ersten Heftes ihrer

Zeitschrift. Sie schreibt dann weiter “Gelehrsamkeit,meine Liebe! Sollten sie nicht darinn finden, einmal, weil ich selbst keine besitze,…” (1.Heft Seite 13) Wir wissen ja, dass Sophie eine umfassende Ausbildung erfahren hatte. Aber es war ja nicht schicklich

für eine Frau, mit ihrer Bildung zu prahlen. Auch der Name wurde genannt und erklärt: “Mein Büchelgen soll Pomona heißen—diese ist die Göttin des Herbsts. Ich bin in dem Herbst meines Lebens, und der Entwurf dazu entstand in dem Herbst—“

(S.14/15) Sie erschien von Januar 1783 bis Dezember 1784 als Monatsschrift. Die Hefte hatten einen Umfang von ca. 100 Seiten und hatten sofort eine enorme Resonanz, was sicher damit zusammenhängt, dass Sophie von La Roche eine der

bekanntesten Autorinnen ihrer Zeit war.Pomona hatte sofort eine große Anzahl von Abonnenten. Die Liste der  ist lang: Rund siebenhundert Namen sind verzeichnet, nicht nur Frauen, auch Männer. Leser aus dem Bürgertum wie aus den aufgeklärten Kreisen des

Adels bestellen ihre Monatszeitschrift, die bekannteste Abonnentin ist sicherlich die russische Zarin Katharina die Große, sie abonnierte gleich 500 Exemplare. Billig ist sie nicht.4 Gulden und 30 Kreuzer Reichsgeld soll sie kosten. Das ist der Lohn eines

Kochs für drei Monate oder es deckte die Miete für ein bescheidenes Zimmer für zwei Monate.Einige Artikel erscheinen durchgängig, zum Beispiel “Die Briefe an Lina” und die “Moralischen Erzählungen”. Das zweite,vierte, sechste und achte Heft des Jahrgangs 1783

ist jeweils einem bestimmten Land gewidmet, nämlich Frankreich, England, Italien und Deutschland. Das hatte Sophie aber schon im ersten Heft angekündigt. Das Konzept von Pomona ist durchaus modern, Betrachtungen über weibliche Erziehung,

Haushaltsführung aber auch Reiseberichte. Auch über Literatur, Kunst und Musik wurde berichtet. Einen breiten Raum nahmen die Leserzuschriften ein, die ausführlich beantwortet wurden. Auch die direkte Ansprache des Lesers, bzw. der Leserin

ist ja durchaus in heutigen Zeitschriften noch üblich. Nach nur zwei Jahren stellte Sophie La Roche die Zeitung wieder ein. Warum ist nicht ganz klar. Es war aber sicherlich sehr arbeitsaufwendig, zumal die Herausgeberin die meisten

Beiträge selbst verfasste. Was ihr möglicherweise zu schaffen machte, waren die vielen Raubkopien, die den wirtschaftlichen Erfolg doch schmälerte. Aber sie konnte die Ausbildung ihrer beiden Söhne finanzieren, was ihren Mann alles andere als begeisterte.

In Speyer starte Sophie auch ihre 3. Karriere. Sie war mittlerweile über 50 Jahre alt und startete von Speyer aus auf ihre Reisen in die Schweiz, die Niederlande, Frankreich und England und sie berichtete darüber. So wurde sie zur ersten Reiseschriftstellerin

Deutschlands. Ihre Art zu schreiben unterschied sich durchaus von den gängigen spröden Reisebeschreibungen ihrer Zeitgenossen. Sie war ja versierte Autorin, die die literarischen Techniken beherrschte. Schon bei der Pomona hatte sie ihr journalistisches

Talent bewiesen und auch bei ihre Reiseberichten zeigte sie, dass sie offensichtlich wusste, was ihr Publikum gern liest.Sie schreibt oft regelrecht mitreissende Reportagen.

Zu ihren Reisen bemerkt Sophie: “Meine Reisen sind reine treue Erzählung dessen, was ich bei dem entzückenden Genusse des Anblicks von tausend Schönheiten der Natur und Beobachtung guter Menschen, Arbeiten und Handlungen,

dacht und empfand;” (S. XXXVIII)

1787 und  erschienen “Tagebuch einer Reise durch die Schweitz” und Journal einer Reise durch Frankreich und 1788 Tagebuch einer Reise durch Holland und England und schließlich 1793 Erinnerungen aus meiner dritten Schweizerreise.

Als Sophie aus England zurückkehrte war ihr Mann nach Offenbach umgesiedelt. Mit Hilfe seines Schwiegersohns Peter Anton Brentano hatte die Familie ein Haus in Offenbach erworben, das Sophie später liebevoll “Grillenhütte” nannte.

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Frank La Roche war der Aufenthalt in Offenbach wohl empfohlen worden und wahrscheinlich wollte er auch der Familie seiner Tochter näher sein. Über die Schicksalsschläge, die Sophie zu Beginn ihrer Offenbacher Zeit trafen wurde oben schon

berichtet.

1784 bricht Sophie auf die immer wieder verschobene Reise in die Schweiz auf. Auch ihr Sohn Franz ist dabei. Als Verfasserin der Sternheim und dann Herausgeberin der Pomona hatte Sophie ja auch eine Berühmtheit erlangt und wen sie auf ihren Reisen traf,

das liest sich fast wie ein “who’s who” der damaligen Zeit.

Die Reise führte über Schaffhausen nach  Zürich und dann nach Bern.In Zürich traf sie Horace Bénédict de Saussure, der 1787 die erste wissenschaftliche Besteigung des Mont Blanc unternahm. Sie lernte Johann Heinrich Füssli kennen, den

schweizerisch-englischen Maler und Publizisten; Johann Georg Schulthess, den Schweizer Theologen, der schon mit Wieland befreundet war dann Leonhard Usteri , der Professor für hebräische Sprachen war. Nächste Stationen waren dann Luzern, Lausanne und

Genf.In Lausanne war Guillaume-Thomas François Raynal zugegen. Er war einer der meistgelesenen französischen Autoren der Spätaufklärung.Seine “Geschichtezweier Indien” war in Frankreich vom Parlament verboten worden und sogar vom Henker auf dem

Scheiterhaufen verbrannt. Da er in Frankreich bedroht worden war und er sich dort nicht mehr sicher fühlte, hielt er sich zu derzeit in  der Schweiz auf. Sein Landsmann Louis-Sébastien Mercier war mit dabei. Er hatte einen utopischen Roman geschrieben “2440”,

aber auch Theaterstücke oder das “Tableau de Paris”, eine Stadtbeschreibung von Paris.

In Lausanne traf sie auch auf den Schweizer  Arzt Simon  Auguste André David Tissot und Edward Gibbon, den englischen Historiker der Aufklärung. Sein wichtigstes Werk war eine Geschichte Roms. Bei einem Spaziergang in Lausanne traf  Sophie Mademoiselle

Necker, die spätere Madame de Stael.

In Genf besuchte Sophie verschiedene Malerinnen, die damals Berühmtheiten waren. Von Genf aus besuchte Sophie Fernay  “um die Überreste des Wohnsitzes von Voltaire zu sehen” ( Tagebuch einer Reise durch die Schweitz S. 233) Sophie hatte Voltaire in Mainz

gelesen und oben wurde ja schon ausgeführt, dass Graf von Stadion Voltaire auf seiner Kavalierstour kennengelernt hat und auch Wieland Voltaire gelesen hatte. Sophie scheint dagegen kritische Distanz gehalten zu haben. Das zeigt auch schön in der Schilderung

von Voltaires Garten. Da schreibt sie “In dem Garten, in welchen man von dem artigen Saal komt, ist eben so viel Unkraut wie in seinen Schriften, und die schönsten Anlagen in dem fruchtbarsten Boden.” (ebd. S. 239)

Ganz anders dagegen die Schilderung von Vevey, das sie kurz später besuchte besucht.Denn das ist die Stadt, die Rousseau nun wörtlich “welche dieser außerordentliche Mann zum Schauplaz alle der hinreißenden Auftritte wählte, welche in dieser Geschichte

(Nouvelle Heloise) vorkommen.” (ebd. S.313). Touristischer Höhepunkt ihrer ersten Schweizreise war ein Abstecher nach Chamonix und von dort unternahm sie einen Ausflug ins Mont Blanc Massiv. Wie ihr  von ihren savojardischen Reiseführer die

ältesten “sagten, dass ich die erste teutsche Frau sey, welche sie zu Chamoni und bey dem Eis gesehen”. (ebd. S 262)Sie war auf dem Montanvert und hatte von dort beste Sicht auf den Mont Blanc, kam zum Arveron, durchlebte ein heftiges Gewitter

und beschreibt dies sehr anschaulich. Zurück gings dann von Lausanne aus wieder über Murten nach Bern, wo sie den gesamten Bekanntenkreis von Wieland nochmals sah. Den Abschluss ihrer Reise bildete Basel. Dort besuchte sie Jakob Sarasin, der ähnlich wie sie

selbst ein dichtes Netz von Bekanntschaften und Freundschaften mit vielen Vertretern der Aufklärung und des Sturm und Drang pflegte. Auch Sophie gehörte zu diesem Netz.

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Ihre erste Schweizer Reise hatte nicht mehr den großen publizistischen Erfolg wie Pomona, ganz zu schweigen von dem Fräulein Sternheim. Sie schreibt noch wie vor zwanzig Jahren. An den Veränderungen der aufkommenden Klassik nimmt sie nicht teil oder lehnt

sie ab. Man schätzt nun eine neue Natürlichkeit. Manche empfinden ihre Prosa aber auch ihre Lebensform als maniriert oder gekünstelt so wie Goethe zum Beispiel in einem Brief an Schiller “Es ist schrecklich was eine bloße Manier durch Zeit und Jahre immer

leerer und unerträglicher wird”  (Frankfurt am 12.und 14.8 1797). Auch die Weimarer Herzogin Amalia empfand das so und sprach von “Fühlen à la Roche” (Briefe an und von  Johann Heinrich Merck, Aus den Handschriften hsg. von Karl Wagner, Darmstadt 1838,

S.164) Aber sie kann sich ihre Auslandsaufenthalte über den Verkauf der verkauften Journale zum Teil selbst finanzieren. Ihre Erlebnisse vermarktet sie geschickt. Sie reiste allein als Begleitung wohlhabender Freunde,die Reisen mitfinanzierten und ihr

darüber hinaus Schutz boten. Nach ihrer ersten Schweizer reiste sie mit Elise von Bethmann nach Frankreich. Über Straßburg, wo sie wieder ihren Sohn zusammen mit Pfeffel trifft, geht es nach Paris. Dort erlebte sie einen Auftritt Ludwigs XV. anlässlich

der Geburt eines Prinzen. Etwas später erlebte sie auch den Einzug Marie Antoinettes in Paris und dabei sah sie auch den Kontrast zum König. Bei Ludwig jubelte das Volk. Bei Marie Antoinette schwieg es.

Rousseaus Grab besuchte Sophie auch und wie schon in ihrer Schweizer Reise zeigt sie ihre große Verehrung für Rousseau. “Ich nahm Gras und Blümgen mit, welche zu seinem Haupt aufgewachsen waren; möge es eben so leicht werden, das Gute aus seinen

Schriften zu sammeln.”(Journal einer Reise durch Frankreich, S.223) Sie besuchten Nordfrankreich, kamen nach Bordeaux, wo der Vater ihrer Reisebegleiterin Elise Konsul war. Sie besuchte das Schloss Brede und war dort in der Bibliothek von

Montesquieu. (ebd. S. 289) Sie war in Orléans und in Blois. Die Reise dauerte von März bis Juli. Dass Sophie se sich leisten konnte über Monate von der Familie abwesend zu sein, zeugt ebenso wie ihre Schriftstellerei von ihrer Selbstständigkeit und Unabhängigkeit.

Schon im nächsten Jahr reiste sie mit der Freiin von Erthal nach Holland und von dort weiter nach England. Diesmal startete sie in Bingen. Dort traf sie ihren Sohn Karl. Als sie dann an Lahnstein vorbeikam, weckte das natürlich zwiespältige Gefühle.

“-Obschon Lahnstein, und die die Thürme von der Vestung zu Coblenz tausend schlummernde, unangenehme Ideen weckten, welche durch den Anblick des neuen churfürstlichen Pallastes an dem Ufer des Rheins doppelt lebhhaft wurden…”

(Tagebuch einer Reise durch Holland und England, Offenbach 2. Auflage 1791, S.30)Die Reise ging über Nimwegen, Amsterdam. In Leiden besuchte sie das Grab von Voerhave, der an der dortigen Universität der Lehrer von Sophies Vater war.

“Ich gieng, als Tochter eines verdienstvollen Vaters und Verehrers von Voerhave, wirklich mit Andacht dahin,..” (ebd. S.148) Weiter ging es nach Harwich. Als sie nach einer stürmischen Überfahrt, bei der so mancher seekrank geworden war,bei

Harwich die englische Küste sah empfand sie tiefe Freude oder wie sie selbst schreibt “Schon der Gedanke: Du siehst England (im Text gesperrt gedruckt) machte mich mit Freud beben.. denn ich bekenne Bücher und Reisen (gesperrt) waren immer

für mich die einzige Glückseligkeit dieses Lebens. Besonders England…-war immer ein Punkt, nach welchem meine ganze Seele begierig war; (ebd. S. 183). In London hatte ihr Herr Hurter, der Agent des Markgrafen von Baden und alter Freund von Frank von Laroche

das Quartier besorgt. Er “ nahm sie dann auch in die Kost” (S.203) und begleitete sie an “merkwürdige Orte”so in eine Fabrik für mathematische und physikalische Instrumente. Die Abende wurden meist mit Theaterstücken verbracht. In London traf sie bald

versehen mit einem Empfehlungsschreiben von Sarasin den Grafen Cagliostro, einen Alchimisten, Wunderheiler und Hochstapler, der durch Europa reist und viele Bewunderer hatte. Aufgrund der Empfehlungsbriefe “konnte (sie sich) also seine Bekanntschaft

versprechen, nach welcher, ich bekenne es, ich sehr neugierig war, indem das Leben, die Handlungen, die Freunde und das Schicksal diesen Mann merkwürdig gemacht haben.” (ebd. S. 283). Sie staunt über die breiten Straßen Londons und die vielen Menschen, die

abends noch unterwegs sind. “Man trift bis 11 Uhr Nachts immer so viele Menschen auf dieser Straße an, wie in Frankfurt während der Messe; “(ebd. S. 293). Sie trifft auch Madame La Fitte. Sie hatte das Fräulein von Sternheim ins Englische übersetzt, aber auch

Lavaters Physionomik. außerdem hatte sie eigene Schriften verfasst. Über Madame La Fitte lernt sie auch andere Persönlichkeiten der englischen Gesellschaft kennen, so Madame Fielding, die Oberhofmeisterin der königlichen Prinzessinnen war.Stark beeindruckt

hatte sie Warren Hastings, der von 1773 bis 1785 Generalgouverneur von Ostindien war. Höhepunkt ihrer Englandreise war sicher der Empfang durch die englische Königin Charlotte von England, die aus dem Haus Mecklenburg-Strelitz stammte. Ihr Mann

Georg wurde als Georg III. englischer König und war der dritte englische König, der aus dem Haus Hannover stammte, aber der erste, der in England geboren wurde. Die ganze Königsfamilie sprach deutsch mit Sophie. Die Königin machte ihre Komplimente:

“Sie sagte mir gütevoll ihre Zufriedenheit, mich persönlich zu kennen, und dass sie Gutes von mir und meiner Feder denke.-“ (ebd. S. 394) Auch an Sophies Gatten wurde erinnert. “ Es wurde sehr gnädig nach eurem Vater gefragt; ich sagte unter anderem, Er

würde sich über das Glück freuen, so ich hätte, Ihro Majestät die Königin zu sehen..” (ebd. S. 394) Nach einem Aufenthalt von über einem Monat in London kehrte sie nach Deutschland zurück. In Calais trennte sie sich von ihrem Sohn.

Über Brüssel und Köln reiste sie nach Hause  Carl fuhr nach Paris weiter. Nach dem England “abgehakt” war, war noch ein Herzenswunsch offen: Italien und warum das nicht verknüpfen und Wieland wieder sehen? Sie schrieb am 30. Mai 1788 an ihn

“Warum geht alle Welt nach Italien und warum Sie nicht… machen Sie die Reise dahin mit mir-auf einen Winter” (zitiert nach Ludmilla Assing, Sophie von La Roche,die Freundin Wielands,Berlin 1859 S.290 f). Darauf ging Wieland nicht ein.

Dann starb Frank La Roche. Einerseits aufrichtig von Sophie betrauert. In Ihrem Nachlass fand man einen Schattenriss von ihr, auf den ihr Mann  eigenhändig geschrieben hatte: ”Sophia von La Roche, geborene von Gutermann zu Gutershofen

sophie

geboren den 6. Dezember 1731, vermählt mit mir den 27. Dezember 1753. schön von Gestalt, edlen Anstandes, glänzend an Tugend und Wissenschaften, die beste Gattin und Mutter, die wärmste Freundin, die gutthätigste Menschenseele, mit

ausgebildetem männliche Verstand, dabei anspruchslos und bescheiden. Geschrieben und gezeichnet 1775 den 28. Juli.” (zitiert nach Assing, S. 294)

Sie analysiert ihre neue Situation und erkennt auch die Chancen , die in diesem Schicksalsschlag lagen. “Doch das beste, was auch den Verändrungen,welche unter Lebenden vorgehen, und der, welche der Tod hervorbringen wird, entstehen kann,

ist meine Freiheit, nach meinem Charakter zu leben, in der Tat nach ihm zu leben, wie bisher nur mit meiner Feder geschehen konnte” in einem Brief an Gräfin Elise zu Solms-Laubach, ihre wichtigste Briefpartnerin ihrer Offenbach Zeit vom 9.9. 1788

(Maurer, Lebensbild in Briefen S. 311) Und zwei Monate später schreibt sie ebenfalls an diesselbe Empfängerin, dass sie entschlossen ist, “ die teuer erkaufte Freiheit zu edlem Genuß meiner übrigen Tage (ebd. s. 312).

Die geplante Italienreise wird in Angriff genommen. In Begleitung ihres Sohnes Fritz und dessen Gemahlin Elsy reisen sie. Die Reise geht aber nur bis nach Genf. Dort lässt sie Sohn und Schwiegertochter allein reisen. Sie sorgt sich um ihren Lieblingssohn,

zwar unbegründet, aber sie bricht die Reise ab und kehrt nach Offenbach zurück. 1790 unternimmt sie wegen ihrer Gesundheit eine Kur in Driburg und Pyrmont. Aber 1791 stirbt ihr Lieblingssohn ganz plötzlich mit nur 23 Jahren.

Da war die Katastrophe ihres Lebens, die sie trotz ihrer Tatkraft und optimistischen Weltsicht nie verwand. Wolfgang Adam bemerkt dazu: “Es ist nicht übertrieben,wenn man die letzten beiden Lebensdezennien als Trauerjahre um den geliebten Sohn

bezeichnet” (in Die Schweizer Reisen der Sophie von La Roche im Sammelband Helvetien und Deutschland: kulturelle Beziehungen zwischen der Schweiz und Deutschland 1770-1830, S.51)

Frau von Steinberg, eine ihr “innig ergebene” Frau (Assing S. 302) forderte sie auf, sie auf einer Reise nach Lausanne zu begleiten, um sie etwas zu zerstreuen. Auch ihre Töchter redeten ihr zu, auf diesen Vorschlag einzugehen. Das war sicher sehr

gut gemeint, aber wahrscheinlich nicht sehr hilfreich. Schon die erste Seite drückt nur Schmerz aus “Erinnerungen aus meiner dritten Schweizer Reise. Meinem verwundeten Herzen zur Linderung. Vielleicht auch mancher trauernden Seele zum Trost geschrieben.

Von Sophie Wittwe von La Roche. und im Vorwort schreibt sie: “Meine geliebten Töchter, Brentano und Möhn, wünschten, dass ich diese Reise mit der Frau von Steinberg machen möchte. Es däuchte meine übrigen Kinder, eine Art heilenden Balsams, für

mein durch den frühen Tod meines schätzbaren Sohnes Franz Wilhelm zu seyn.  Schönheit und Größe der Natur solten mich trösten und stärken, Freunde mich zerstreuen: aber liebe Kinder! so war es nicht..” (S.1) Alles erinnerte sie an ihren geliebten Sohn.

Aber sie wollte ihre Mitreisenden nicht mit ihrer Trauer belästigen, zumal Frau von Steinberg ihren Sohn zu einem Arzt bringen  wollte. Und diese Pflichtübung half ihr auch selbst weiter. In Paris hatte Ludwig XVI. gerade den Eid auf die neue Verfassung

abgelegt. Das wurde auch in Straßburg mit einem großen Fest gefeiert gerade als Sophie mit ihrer Reisegruppe in Straßburg ankam. Obwohl ihr nicht der Sinn nach Feiern stand ging sie mit Freunden mit. Auf dem Weg nach Basel begegnete sie vielen

Kutschen mit vornehmen Emigranten aus Frankreich, die es angesichts der unsicheren Lage vorzogen Frankreich zu verlassen. In Basel traf sie Jakob Sarasin wieder, dessen Frau mittlerweile auch gestorben war. Wo sie auch war, war natürlich Frankreich das

Thema. 1792 verließen sie ihr Reiseziel Lausanne wieder, um nach Deutschland zurück zu kehren.

Im November 1793 starb dann auch noch ihre Tochter Maximiliane. Sophie nahm ihre Enkelinnen Bettina, Loulon und Meline zu sich. Auch den Sohn ihrer Freundin Elise von Bethmann nahm sie bei sich auf. Luises Mann war inzwischen auch verstorben.

Sie wohnte inzwischen auch wieder bei der Mutter in Offenbach.

Im öffentlichen Bereich aber war, wir haben es schon bei der dritten Schweizreise gesehen, Frankreich das beherrschende Thema. Die Revolution in Frankreich erschreckte Sophie. Sie war im Verlauf dann auch ganz persönlich betroffen.

Ab 1793 bis Oktober 1794 eroberte das revolutionäre Frankreich die linksrheinischen Gebiete, die  Napoleon 1801 annektierte. Infolge der Besetzung entfiel Sophies Anspruch auf Witwenversorgung. Jetzt war das Einkommen aus der Schriftstellerei

wirklich die einzige Verdienstmöglichkeit für die Familie. Und Sophie schrieb unermüdlich weiter.Auch unmittelbare Kriegsfolgen waren zu ertragen. Im Zuge des 1. Koalitionskrieg, in dem Österreich, Preussen und einige kleinere deutsche Staaten

gegen das revolutionäre Frankreich vorgingen, hatte Österreich die Rheinflotille aufgebaut. Deren Kanonenboote sollten  Rhein, Mosel und Main  zwischen Mannheim, Frankfurt und Koblenz beherrschen. Im Mai 1796 legte die Flotte bei Offenbach an

und es gab zahlreiche Einquariertungen. Im Juli belagerten die Franzosen Frankfurt. Kaufleute schickten ihre Waren fort. Wertgegenstände wollte man verbergen. Goethe rief seine Mutter zu sich nach Weimar. Sie blieb aber in Frankfurt.

Als die Franzosen dann Frankfurt beschossen, flüchtete Goethes Mutter zu Sophie nach Offenbach. Nach ein paar Tagen war die Gefahr vorüber und sie konnte nach Frankfurt zurückkehren.

Die Zeiten waren sehr unsicher geworden und erst 1799 konnte sich Sophie wieder auf Reisen begeben: Wieland hatte 1797 sein Gut in Oßmannstedt erworben und Sophie eingeladen, ihn zu besuchen. Ihr Sohn Karl, der bei Magdeburg lebte hatte sie schon

vorher zu sich eingeladen. Und so ließ sich das gut verbinden. Sie wurde von ihrer ältesten Enkelin Sophie Brentano begleitet. Ihre Erlebnisse hielt sie fest in “Schattenrisse abgeschiedener Stunden in Offenbach,Weimar und Schönebeck im Jahre

1799” (Leipzig 1800)Im Mai schreibt sie “und jede Minute nähert mich dem Tage, an welchem ich die schönste Reise antreten werde, um einen schätzbaren Sohn und seine Familie zu besuchen, und Wieland (im Text gesperrt), den edelsten

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Freund meiner Jugend, in dem Cirkel einer Kinder, an der Seite seiner würdigen Frau… (S.6/7) Die Abfahrt hatte sich wegen einer schweren Erkrankung Luises verzögert, aber am 11. Juli konnte die Reise begonnen werden. Am 15. Juli

traf sie glücklich in Oßmannstedt ein. Wie jeden Abend beschloss Wieland seinen Tagesablauf mit einem Klavierspiel und Sophie erinnerte sich, dass sie ihn schon vor 49 Jahren in Biberach belauscht hatte. Sophie beschreibt dann

das Landgut- durchaus so, wie man es noch heute vorfindet. Vor allem imponiert ihr die Lindenallee, die auch heute noch ein Schmuckstück des Gutes ist.Sie beschreibt Wielands Bibliothek “ in Wielands Büchersammlung findet man von jedem Gelehrten alter und

neuer Zeit auch das vollkommenste Werk schöner Kenntnisihres Geistes” (S.49). Ein paar Tage später war sie mit Wieland zu Gast bei Herzogin Anna Amalia in Tieffurth. Auch Goethe war zugegen. Sie war im englischen Garten von Tieffurth unterwegs. Goethe

besuchte Wieland auch in Oßmannstedt. Das Gespräch zwischen Goethe und Wieland beeindruckte sie sehr, auch weil es ganz einfach, ohne Starallüren vonstatten ging. “mir war äußerst schätzbar, ihn (Goethe) und Wieland wie zwey Verbündete Genies, ohne

Prunk und Erwartung,mit dem vertraulichen D u der großen Alten sprechen zu hören..” (S. 58). Der Gegenbesuch fand bald im Hause Goethes in Weimar statt (Am Frauenplan).

Sophie fühlt sich in “eine römische Villa” (S.61) versetzt, bewundert das an der Tür angebrachte

Salve! noch heute auf Fussabstreifer gedrucktes und viel verkauftes Souvenir im Goethehaus. Abends waren sie zu einer Feier im Park von Weimar geladen. Dort traf sie auch Herder. Der besuchte sie auch mit seiner Frau in Oßmannstedt. Dort lernt sie auch

Jean Paul Richter kennen. Danach folgten einige Tage der Ruhe. Zufällig war Sophie auch zugegen, als Wieland “als Landmann dieser Gemeine aufgenommen wurde” (S. 87). Dann ging dieser, wenn man den “Schattenriesen” glauben darf, so wohltuende

Aufenthalt für Sophie zu Sende. Ihr Sohn kam, um sie abzuholen, weil sie ihn ja in Schönebeck besuchen sollte. Die Rückreise führte nochmals über Weimar. Dort verbrachte sie nochmals einige Tage bei Wieland. Über Jena ging es dann nach Offenbach

zurück. In Jena stieß Clemens von Brentano zur kleinen Reisegruppe. Er studierte in Jena. Von  da ab unternahm Sophie keine Reisen mehr.

Die Weimarer Gesellschaft reagierte anders als Sophie begeisterte Schilderung vermuten ließe. Dass Sophie als nicht mehr in galt, wurde schon oben angeführt. Kurz vor ihrem Aufenthalt in Weimar sagt Goethe in einem Brief an Schiller  (24.7.1799)

“sie gehört zu den nivellierenden Naturen sie hebt das Gemeine herauf und zieht das Vorzügliche herunter und richtet das Ganze alsdenn mit ihrer Sauce, zu beliebigem Genuss an. Übrigens möchte man sagen dass ihre Unterhaltung interessante Stellen hat.”

(Schillers Werke. Nationalausgabe 38.I.Briefwechsel. Briefe an Schiller 1.11. 1798-31.12.1800 Hrsg. von Liselotte Blumenthal. Weimar 1975. S. 126).

Sophie von Brentano kam mit der Jugendliebe ihrer Großmutter bestens klar. Dagegen hatte Wieland mit seiner ehemaligen Verlobten doch Probleme. Ihre langatmige Sentimentalität fand er einfach nur ermüdend. Das erinnert an das oben von Goethe an

Schiller zitierte Urteil. Ganz anders die Enkelin. Sie strahlte einen Liebreiz aus, der bald Wielands Herz eroberte. und sie empfand Wieland als väterlichen Freund, dem sie sich anvertrauen konnte. Beide  verband eine zärtliche Neigung. Daraus erwuchs tiefes

Vertrauen, was zu langen Unterhaltungen führte. Wieland arbeitete damals an seinem Aristipp, was oft Gesprächsgegenstand war. Wieland bewunderte Sophie von Brentanos klaren Verstand, der ihr nach seiner Meinung einen so großen Vorzug

vor den meisten ihres Geschlechts gegeben habe. Der erste Aufenthalt dauerte ja nur 4 Wochen. Sophie und der Dichter blieben aber in Briefkontakt. Und im Juli 1800 kehrte Sophie von Brentano allein nach Oßmannstedt zurück. Es folgten wenige

idyllische Tage. Wielands Sekretär Samuel Christoph Abraham Lütkemüller schreibt dazu in seinen Erinnerungen “Wieland liebte Sophie Brentano zugleich als seine Tochter und Freundin, und sie wirkte auf seinen Aristipp als eine Muse und Grazie”

(zitiert nach Thomas C. Starnes in Wissen, Erzählen, Tradition, Wielands Spätwerk, Berlin 2010, S. 369) Und Wieland schrieb an seinen Freund Karl August Böttiger: “Wenn die liebenswürdige Sofie Brentano nicht wäre, so weiß ich nicht,

was aus meinem allmählich verglühenden Lämpchen werden könnte.” (ebd.S.369). Schon einen Monat später wurde Sophie von einem heftigen Nervenleiden ergriffen, an dem sie in 16 Tagen am 19. September 1800 auf Gut Oßmannstedt verstarb.

Sie wurde im Park direkt an der Ilm bestattet. Nur ein Jahr später starb Wielands Frau. Sie wurde neben Sophie begraben und auch Wieland fand dort seine letzte Ruhestätte. Auf dem Grab steht ein Obelisk, der die Inschrift trägt:

“Liebe und Freundschaft umschlang die verwandten Seelen im Leben, und ihr Sterbliches deckt dieser gemeinsame Stein”

Auf ein Werk soll noch eingegangen werden. Das eine ist “Mein Schreibetisch”, das in zwei Bänden 1799 erschien. Darin beschreibt sie in einer Art “Listenpoesie” alle ihre Gegenstände an ihrem Arbeitsplatz, alle Bücher ihrer Bibliothek.

Das wird verbunden mit Stationen ihres Lebens und Personen, die ihr wichtig waren. Und sie erklärt eingangs warum ihr dieser Schreibtisch so wertvoll ist. “Denken Sie dabey, dass neben diesen schätzbaren Eigenschaften auf dem wirklich etwas plumpen Tisch,

der für mein Herz sehr hohe Wert liegt, aus Holz von der gräflich stadionschen Waldung, der in meinem Vaterland liegenden Herrschaft Warthausen, verfertigt zu seyn, welches ich allen Cedern des Libanon, den Indischen Rosen-Atlas-Sandel-

Eben-und Mahagonnyholz vorziehe,” … und kurz danach weiter ” Der große weise Graf von Stadion und mein guter Mann hatten auch so viel Achtung für meine, zu diesem Tische, gefaßte Liebe, daß er 1754 mit nach Maynz kam, so wie 1760 mich wieder

nach Warthausen, 1770 nach Coblenz, 1786 nach Heimbach und 1796 nach Bönnigheim, begleitete (Mein Schreibetisch,erstes Bändchen, Leipzig 1799, S. 9/10)Sie schreibt dann weiter, dass sie an diesem Tisch seit 45 Jahre Briefe ihrer Freunde gelesen

hat, diese beantwortet hat, dass sie an diesem Tisch Englisch gelernt hat. Sie erzählt, dass sich Wieland an diesen Tisch gelehnt hat, wenn er nach Warthausen gekommen ist und dort Fragmente seiner Werke vorlas. (S.12) Sie beschreibt die Aussicht von

Schloss Warthausen. Sie erzählt dass sie sich oft in der Bibliothek aufhielt, wo sie “so oft einen der größten Staatsmänner Deutschlands, mit einem unserer größten Dichter (Wieland) über alle Gegenstände der alten und neuen Welt sprechen hörte…”

(S. 16). Dazu sei angemerkt, dass die Wände der Stadionschen Bibliothek (siehe dazu auch Blog Die Familie Stadion) mit verschieden Hölzern aus den Stadionschen Wäldern getäfelt ist, ohne Nägel, ein Zeugnis hoher handwerklicher Tischlerkunst.

Sophie bemerkt dann, dass dies in einer Zeit war, “in welcher Wielands Genius seine Fittiche ganz entfaltete” (S. 16)Und sie führt den “Agathon” an, der damals entstand und dass die Erstausgabe des Musarion in Warthausen datiert war.

Dann erwähnt sie selbst ein kleines schmales Brettchen anbrachte und zählt auf, welche Bücher darauf stehen. Sie beschreibt Bilder, die zu sehen sind, Tischbeins Eigenporträt, dass dieser selbst ihrem Mann zum Andenken gegeben hatte, weil dieser

den Maler mit dem Grafen von Stadion bekannt gemacht hatte, der ihm dann als Mäzen seine Ausbildung ermöglichte und so erst seinen beruflichen Aufstieg ermöglichte.Auch Skizzen ihres Sohnes Franz sind darunter. Erinnerungen an ihre

Reisen werden wachgerufen.

Sophies letztes Werk  “Melusines Sommerabende” begleitete uns den ganzen Blog über.

Etwas anstrengend fand ich die Lektüre von Das Fräulein Sternheim. Es ist so wohl vom Stil als vom Thema her im Jahre 2013 schwer verdaulich und eher zeithistorisch interessant. Nach wie vor lesenswert obwohl oder gerade

weil mehr als 200 Jahre dazwischen liegen durchaus fesselnd, sind die Reisebeschreibungen von Sophie von La Roche. sie sind kulturhistorisch noch gar nicht ausgewertet, aber sicherlich eine sehr gute Quelle zu den damals besuchten

Reisezielen. Ich habe das auch so für Weimar und Oßmennstedt empfunden. Im Oktober dieses Jahres war ich dort und habe die Lektüre der “Schattenrisse” als durchaus aktuell erlebt. Das Wielandgut ist

in Sophies Beschreibung  fast unverändert zu erkennen und fast schmunzelnd habe ich den Besuch bei Goethe gelesen.

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09 Dez. 2013

Kloster Einsiedeln

Meinrad_von_Einsiedeln

Viele Klöster in der Schweiz sind aus einer Einsiedelei hervorgegangen. In St. Gallen hatte sich der irische Mönch 615 St. Gallus an der Steinach niedergelassen und dort eine Einsiedlerklause

errichtet. In Rheinau war das nach der Klosterüberlieferung der irisch-keltische Wandermönch Findan, in Dissentis war das der Legende nach 614 Sigisbert ein fränkischer Mönch, und wie Gallus

ein Schüler Kolumbans und in Einsiedeln, das ja schon in seinem Namen auf die Einsiedelei hinweist, hatte Meinrad seine Zelle errichtet.Meinhard oder Meginhard wurde in Sülchen geboren.

Das ist eine abgegangene Siedlung  bei Rottenburg am Neckar. Die Siedlung gab auch dem Sülchgau seinen Namen. Dieser umfasste  in etwa die heutigen Orte Kirchentellsinfurt, Rottenburg und Ergenzingen.

Meinhards Eltern, die namentlich nicht bekannt sind, gehörten dem alemannischen Adel an. Ein Verwandter Meinhards, Erlebald, wohl sein Onkel, war Lehrer an der Klosterschule in Reichenau.

Meinhard wurde, wie damals oft üblich, schon als Fünfjähriger auf die Reichenau gebracht. Erlebald wurde  als Nachfolger Haitos Reichenauer Abt und war das von 823-838. Wohl auf Anraten seines Onkels

trat er in den Benediktinerorden ein und wurde mit 25 zum Priester geweiht. In Benken am Zürichsee bestand zu der Zeit ein kleines Kloster “babinchova” mit einer Schule, in das Meinrad 825 geschickt wurde. Er war dort als Lehrer

tätig. Meinrad sah seine Berufung aber als Eremit. Mit Erlaubnis seines Abtes baute er sich  auf dem Etzelpass seine erste Klause. Der Etzelpass liegt im Kanton Schwyz und führt von

Pfäffikon nach Einsiedeln.Auf der Passhöhe steht heute noch die Meinradskapelle, die schon im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde und 1698 von Caspar Moosbrugger erbaut wurde.Über Caspar Moosbrugger später mehr.

Zurück zu Meinrad. Sieben Jahre lebte Meinrad am Etzelpass. Meinrad hatte sich im Volk einen guten Ruf geschaffen und viele kamen zu ihm, um seinen Rat zu suchen.

Da der Andrang immer größer wurde, zog er sich weiter in den Wald zurück. Auf einer kleinen Ebene errichtete er eine neue Klause, bei deren Bau er von einer Äbtissin namens Hadwiga unterstützt wurde. P. Rudof Henggeler, der Chronist von Kloster Einsiedeln,

vermutet in seiner Geschichte des Klosters Einsiedeln, dass es sich dabei um Kloster Schänis im Kanton St. Gallen handelte, relativ nahe gelegen und zwischen 806 und 823 gegründet. Es unterhielt regelmässige Beziehungen zum Kloster Säckingen.

Spätere Lebensbeschreibungen Meinrads machen aus Hadwiga die Äbtissin des Damenstifts in Säckingen.Auch von  seiner neuen Bleibe breitete sich sein Ruf rasch aus. An seine neue Zelle kamen viele Besucher und brachten auch Geschenke mit,

die er immer an die Armen in seiner Gegend weitergab. Nachdem er rund 25 Jahre im Wald gelebt hatte, kamen auch zwei Besucher zu ihm, die angelockt durch die Nachrichten über ihn, wertvolle Dinge bei ihm vermuteten. Er bewirtete sie,

gab ihnen aber zu verstehen, dass er sie durchschaut hatte. Daraufhin erschlugen sie ihn. Der Überlieferung zufolge hatte Meinrad zwei Raben aufgezogen, die bei ihm lebten. Diese verfolgten die Mörder deren Namen und Herkunft genannt werden,nämlich

eine Alamanne namens Richard und ein Rhätier namens Peter,und verrieten sie durch ihr lautes Geschrei. Der Todestag ist der 21. Januar 863.

Graf Adalbert der Erlauchte (854-890), der als Graf im Thurgau bezeugt ist, verurteilte die Mörder zum Feuertod. Die “Meinradsraben” wurden später von den Fürstäbten ins Wappen des Kloster Einsiedeln aufgenommen. Der Reichenauer Abt Walter (858-864) ließ

Meinrads Leichnam auf die Reichenau überführen und dort bestatten. Die Verehrung Meinrads bürgerte sich auf der Reichenau rasch ein. Abt Berno (1008-1048) hatte 1039 die neue Klosterkirche in Einsiedeln geweiht und zu Ehren

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des heiligen Meinrad eine Offizium gedichtet und komponiert. Auch die erste Vita wird wohl von einem Reichenauer Mönch zu Anfang des 10. Jahrhunderts, also ziemlich kurz nach dem Tode Meinhards verfasst.

Die “Vita sive passio venerabilis heremitae meginrati” findet sich als prächtige Handschrift aus dem 10.Jahrhundert im Kloster St.Gallen. 1019 überwies Kaiser Heinrich II. Reliquien ans Basler Münster, woraus man schließen kann,

dass er zu der Zeit schon als Heiliger verehrt wurde und er auch nicht 1039 bei der Translation seiner Gebeine nach Einsiedeln heiliggesprochen worden ist. Es ist nicht ganz sicher ob schon zu Meinrads Lebzeiten andere Eremiten in seiner Nähe lebten.

906 erhielt die Klause wieder einen Bewohner und zwar Benno, der bisher in Straßburg als Domherr gelebt hatte. Angezogen vom Ruf Meinrads Ruf erneuerte er die Zelle, die  mittlerweile ziemlich baufällig geworden war und das Kirchlein wieder.

Er erweiterte das Wohngebäude, so dass es mehrere Klosterbrüder aufnehmen konnte. Nach dem Zeugnis von Abt Johann von St. Arnulf, ein Zeitgenosse Bennos,stammte dieser aus Schwaben. Der Einsiedler Kapitular Justus Landolt führt

in seinem 1845 herausgegebenen Buch “Ursprung und erste Gestaltung des Stiftes  Maria-Einsiedeln nebst einem Anhange über die Engelweihe und die Wallfahrt” aus, dass es sich ergeben hätte, dass Benno dem burgundischen Königshause entstammte,

ein Sohn Konrads des Jüngern und ein Bruder von König Rudolf gewesen sei. Er sammelte immer mehr Männer um sich.  Das hatte bald etwas von einer klösterlichen Gemeinschaft. Benno hatte sein ganzes Vermögen für die Meinradszelle aufgewendet.

Er erbat sich vom Stift Säckingen auch die Ufnau im Zürichsee. Kaiser Otto hat sie dann vom Kloster Säckingen eingetauscht und dem Kloster Einsiedeln geschenkt. Bis ins Jahr 927 lebte Benno in der Waldeinsamkeit. Dann berief ihn

König Heinrich I. als Bischof nach Metz. Nach dem Tod von Bischof Wigerich (917-927) hatte das Kapitel zwar einen Bischof gewählt, der aber von einem Teil des Kapitels nicht unterstützt wurde. Daraufhin setzte Heinrich Benno ein. Die Beziehungen der

Metzer Bürgerschaft zum verstorbenen Bischof scheinen angespannt gewesen zu sein. Und der König erhoffte sich, dass der gute Ruf des Einsiedlers die Bürger wieder befrieden würde. Nur ungern und nach vieler Überredung folgte Benno

dem königlichen Ruf. Das gemeine Volk konnte Benno für sich einnehmen, die Reichen und Mächtigen verschworen sich gegen ihn, zumal er sie in seinen Predigten hart anging. Sie liessen ihn überfallen und blenden. In Duisburg wurden die Urheber der Tat zum

Tode verurteilt. Benno gab sein Amt ab und kehrte nach Einsiedeln zurück. In Metz wurde Adalbero von Bar (929-962) zu seinem Nachfolger gewählt.Von den zurückgebliebenen Brüdern wurde Benno wieder als Vater und Führer begrüßt.

Er übernahm auch wieder das Vorsteheramt in der Einsiedelei.

Um 923 war an der Bischofskirche von Straßburg  Eberhard Dekan. Von dem berühmten Mönch der Reichenau, Hermann der Lahme,  erfahren wir erstmals über ihn. Das “liber Heremi” nennt Eberhard einen Verwandten Bennos und berichtet, dass er Domherr und

Dekan in Strassburg  gewesen sei. Eberhard war vornehmer Herkunft, was auch daraus hervorgeht, dass er in den Urkunden Ottos des Großen mit dem Titel “illustris” genannt wird. Es ist anzunehmen, dass er zur Familie der Nellenburger gehört hat. Einiges spricht

dafür, so schon der Name Eberhard. Die Nellenburger werden oft wegen des Leitnamens Eberhard auch Eberhardinger genannt. Die Nellenburger sind später auch Vögte des Klosters Einsiedeln. Auch seine Beziehungen zum Hause Schwaben sowie zu Otto lassen

das durchaus als wahrscheinlich annehmen. Die Ankunft Eberhards in Einsiedeln wird in den Annalen  übereinstimmend mit 934 angegeben. Er kam nicht allein “sondern mit einem ansehnlichen Gefolge”. Er brachte auch sein großes Vermögen in die Meinradszelle

mit, so dass der  Grundstein zum neuen Kloster gelegt werden konnte.

                                                           Klostergründung

Die Zeit in der Eberhard seine Gemeinschaft um sich sammelte, ist eine Aufbruchszeit in den Klöstern Westeuropas. 909/910 war in Burgund das Kloster Cluny gegründet worden. Die von dort ausgehende Reformbewegung der Cluniazenser erfasste

viele Klöster. Im schwäbischen und alemannischen Raum wirkte die von Gorze ausgehende Reformbewegung zunächst noch stärker.Von Gorze aus war Lorsch reformiert worden und  dieses Kloster verbreitete die Reformbewegung weiter. Auch auf

St. Maximin in Trier und St. Emmeran in Regensburg hatte Gorze großen Einfluss. Diese beiden Klöster wirkten wiederum auf das neu gegründete Einsiedeln, das unter Eberhards Nachfolgern zu einem blühenden Reformkloster wurde.

Am 3. Oktober 940 verstarb Benno. Er wurde vor der Gnadenkapelle bestattet. Eberhard hatte die Einsiedler, die sich um ihn und Benno gesammelt hatten, zu einer klösterlichen Gemeinschaft auf der Grundlage der Benediktinerregel vereinigt.

Nachhaltige Unterstützung erfuhr er durch den Herzog von Schwaben, Hermann I. (926-949), der ja möglicherweise mit ihm verwandt war. Der Herzog hatte den Grund, auf dem das Kloster erbaut war, erworben und dem Kloster geschenkt.

947 war das Kloster wohl fertiggestellt. Otto I.bestätigt die Schenkung Hermanns in der am 27.Oktober 947 in Frankfurt ausgestellten Urkunde. Otto ”verleiht auf bitte des herzogs Herimann dem auf dessen eigen und mit dessen unterstützung vom eremiten, nun

abt, Eberhard zu ehren der h. Maria und Mauricius erbauten kloster Einsiedeln (Mehinratescella) freie abtwahl immunität und königschutz”,

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Zwei Dinge sind dabei bemerkenswert. Aus einem anfänglichen  Eigenkloster des schwäbischen Herzogs ist nun ein Reichskloster geworden, das natürlich in die Reichspolitik des Herrschers einbezogen war. Die freie Abtswahl lag voll im Bestreben der

Klosterreform und  das Immunitätsprivileg bedeutete eine weitere Stärkung der königlichen Macht, da sie die Gewalt der Herzöge herabminderte. Ganz auf dieser Linie ist auch die Bestätigung oder Verleihung der Immunität an andere Klöster,

im schwäbischen und alemannischen Raum 940 St. Gallen, 950 Pfäfers, 952 der Fraumünsterabtei in Zürich, 956 der Reichenau , Ottobeuren 971, 972 Rheinau und Amorbach in Bayern 996. Die Immunität bedeutete Freiheit von fremder richterlicher Gewalt. Diese lag

beim Abt und seinem Konvent. Abt Eberhard baute den Besitz des jungen Klosters zielstrebig aus. So kaufte er 947 die Weiler Bäch und Freienbach am Zürichsee. 947 findet auch die Weihe der Klosterkirche statt und in der Urkunde von Otto sind auch die Patrone

genannt, nämlich  die heilige Maria und Mauritius. Auch erhielt Eberhard für seine neue Klosterkirche gleich bedeutende Reliquien, für ein Kloster immer wichtig, da sich neben der ideellen Stärkung immer auch wirtschaftliche  Vorteile ergaben, wie bei

praktisch allen Klöstern, deren Geschichte in diesem Blog erzählt wird, nachverfolgt werden kann. Erinnert sei hier nur an Kloster Andechs, Steingaden, Weingarten, Weissenau oder Schussenried. All diese Klöster hatten  viel besuchte  Wallfahrten

und damit auch gute Einnahmequellen. Weissenau konnte zum Beispiel durch die Schenkung einer Heilig Blut Reliquie durch König Rudolf von Habsburg 1283 und die damit verbundene Wallfahrt seine angeschlagene wirtschaftliche Lage wieder

stabilisieren. Herzog Hermann von Schwaben ließ Einsiedeln über seinen Hofkaplan Hartpert, der auch Otto I. sehr nahestand, zwei Rippen der Züricher Heiligen Felix und Regula zu kommen, verknüpft allerdings mit der Bedingung,

dass diese Reliquien wieder an Zürich zurück zu geben seien, falls die noch junge Gründung wieder einginge. Der Augsburger Bischof, der heilige Ulrich,  schenkte dem Kloster Reliquien der Augsburger Stadtheiligen Afra und des Mauritius. Dazu erhielt

Einsiedeln auch noch einen kostbaren Ornat, der in hohen Ehren gehalten wurde, der allerdings beim Brand von 1577 zerstört wurde. Der Schwabenherzog spielte in den Gründungsjahren des Klosters eine gewichtige Rolle. Er hatte ja schon die Bestätigung durch

Otto in die Wege geleitet. Hermanns einzige Tochter Ida wurde um die Jahreswende  947/948 mit Liudolf, dem Sohn von Otto I. vermählt. Als sein Schwiegervater Hermann 949 starb, übertrug Otto seinem Sohn das Herzogtum 950. Das Kloster hatte

also beste Beziehungen über das Herzogshaus Schwaben zum König. Von Hermann erhielt das Kloster 948 nachdem es ja schon  den Klostergrund, auf dem es errichtet worden ist, geschenkt bekommen hatte,  den herzoglichen Besitz in  Gams. Auch von Otto erhielt das Kloster reiche Schenkungen. 948 schenkte er dem Kloster seinen Besitz in Grabs das ist im Rheintal im heutigen Kanton St. Gallen, die Kirche mit Zehnten sowie das Salland mit allem, was dem König in dem Hofe zusteht. 952 folgte der Ort Liel, heute ein Ortsteil von Schliengen

im Landkreis Lörrach. Diese Schenkungen waren eigentlich nur eine Umverteilung. Der König hatte diese Gebiete konfisziert, damit den lokalen Adel geschwächt und die Kirche gestärkt, die ja in seiner Machtpolitik eine gewichtige Rolle spielte.

948 fand die Weihe der Klosterkirche durch den Konstanzer Bischof Konrad I. (935-976) statt. Konrad war der Sohn des Klostergründers von Weingarten, dem Welfen Heinrichs “mit dem goldenen Wagen”. Konrad wurde 1123 heilig gesprochen. Der Kloster-und

Kirchenpatron Mauritius war auch Patron der Mauritiusrotunde neben dem Konstanzer Münster und im 10. Jahrhundert auch Reichsheiliger. Und Mauritius war der Heilige, zu dem Otto der Große eine besondere Beziehung hatte. Zur Kirchweihe war auch

der Augsburger Bischof Ulrich anwesend.Am Tag der Weihe, am 14.September 948 soll sich die”Engelweihe” ereignet haben. Als Konrad die Kirche weihen wollte, soll aus der Höhe eine Stimme erklungen sein und gerufen haben “Höre auf, höre auf Bruder,

die Kapelle ist göttlich eingeweiht”. (nach P.Justus Landolt). Natürlich verbreite sich die Kunde von diesem Geschehen rasch. In einer Urkunde von Papst Leo VIII. vom 10.11.964 erklärt der Papst, nachdem ihm Bischof Konrad von Konstanz in Anwesenheit von

Kaiser Otto I. und dessen Gemahlin Adelheid von dem wunderbaren Ereignis berichtet hatte, die Weihe als gültig. Auf Bitten des Kaiserpaars nimmt er das Kloster in seinen Schutz und gewährt dessen Besuchern einen Ablass.

Abt Eberhard wird in den Urkunden nur zweimal namentlich erwähnt, nämlich in der Bestätigungsurkunde von 947 von 949 bei der Schenkung von Gabs. In der Bestätigungsurkunde für Abt Gregor vom 25. Januar 965 wird er als verstorben erwähnt. (beatae memoriae vir illustris Eberhardis). Das Todesjahr ist übereinstimmend nach den verschiedenen Einsiedlern Annalen 958. Nachfolger Eberhards wird Thietland. Dieser kam 945 nach Einsiedeln. Er gilt einigen als Sohn von Herzog Burkhard. Dafür gibt es allerdings keinen Beleg.

Am 3. Februar 961 wird Thietland als Abt erwähnt. Otto verleiht dem Kloster wieder Immunität und  freie Abtswahl nach Thietlands Tod . Sein Todestag wird mit dem 28. Mai angegeben. Sein Todesjahr ist in den Annalen nicht vermerkt. Da sein Nachfolger Gregor

erstmals am 23. Januar genannt wird, muss das Todesjahr zwischen 961 und 965 legen. Die Überlieferung gibt 964 an.

Während der Amtszeit Abt Eberhards lebte der Mönch Adalrich im Kloster. Der Überlieferung nach war er ein Sohn Burkards I., des Herzogs von Schwaben und seiner Gattin Reginlind von Schwaben. Historisch lässt sich die Angehörigkeit Adalrichs zu den

Burkhardingern nicht aufrecht erhalten, aber seine Existenz kann nicht angezweifelt werden. Erstmals berichtet der St. Galler Mönch 1072 in der Lebensbeschreibung der heiligen Wiborada (sieh Blog St. Gallen) über den Mönch St. Adalrich. Erste schriftliche

Äußerungen gibt es dann im 14. Jahrhundert wieder. Im Jahrzeitbuch der Kirche auf der Ufnau sind 4 Pergamentblätter enthalten, die aus dem Leben St. Adalrichs erzählen. Nach dem legendenhaften Bericht hatte er seine Mutter

Reginlind auf die Ufnau begleitet. Nach dem Tod ihre Gemahls hatte sie sich dorthin begeben, da se vom Aussatz befallen war. Ihr Erbe, die Höfe Stäfa, Wollikon und Pfäffikon vermachte sie Abt Werner, wie im Text steht, damit ihr Sohn Mönch in Einsiedeln werden

könne. Da lag beim Schreiber wohl eine Verwechslung Werners mit Eberhard vor. Allerdings hatte Reginlind laut dem Professbuch des Klosters Einsiedeln  gar keine Söhne, weder aus ihrer ersten Ehe mit Burkhard- Burkhard II. gilt nicht als direkter Nachkomme

Burkhard I., noch aus ihrer zweiten mit Herzog Hermann. 1141 weihte Kardinal Dietwein die neue Kirche auf der Ufnau. Ob er dabei auch die Heiligsprechung Adalrichs vornahm, lässt sich nicht genau sagen. Adalrich wurde aber in Einsiedeln und auf der Ufnau als

Heiliger verehrt. Die Verehrung auf der Ufnau verliert sich erst seit dem 18. Jahrhundert. Abt Placidus Reimann (1629-1670) ließ 1659 das  Grab des Heiligen öffnen, die Gebeine erheben und sie 4 Jahre später feierlich in einem steinernen Sarkophag beisetzen.

Einzelne Reliquien wurden in Einsiedeln zurückbehalten. Auch das sogenannte Adelrichsmeßgewand befindet sich dort.

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Der Nachfolger Thietlands kommt nach den Annalen 949 nach Einsiedeln. Auch Hermann der Lahme gibt dieses Datum an.Gregor stammte aus England. Die Legende hatte später einen Königssohn aus ihm gemacht, der erst nach Rom pilgerte und dort in einem Traum

aufgefordert wurde, die verlassene Zelle des Meinrad aufzusuchen.  Dort habe er Eberhard getroffen und zusammen mit ihm das Kloster gegründet. Urkundlich erwähnt wird Gregor erstmals am 23. Januar 965. Otto I. weilt auf der Reichenau und bestätigt dem

Kloster freie Abtwahl und Immunität. In der Urkunde nennt er den Abt ”«sanctissimus vir cunctis virtutibus pollens Gregorius». Mit gleichem Datum schenkt er “Abt Gregor und den Mönchen daselbst die Ufnau mit allen Zugehörden im Herzogtum Alemannien, in

der Grafschaft Zürichgau, nämlich Pfäffikon, Uerikon, der Kirche in Meilen und allen andern Zugehörden, was alles er um seinen Hof Schan in Adalberts Grafschaft Rätien samt Kirche und Zugehörden mit Walenstadt in der gleichen Grafschaft, Schiffahrt und Fahrgeld

von der Abtei Säckingen eingtauscht hat.” Bei Otto II., dem Sohn Ottos des Großen stand das Kloster ebenfalls in hoher Gunst. Noch zu Lebzeiten des Vaters bestätigte Otto II. am 14.8.972 in St. Gallen Einsiedeln  die Immunität und alle Besitzungen. Erstmals werden

hier ausführlich die Besitzungen des Klosters aufgeführt. Deshalb ist diese Urkunde besonders wichtig. Nur drei Tage später, nämlich am 17.8.972 gewährt Otto die Befreiung von Zoll und Münzabgabe in Zürich.Während der Amtszeit Abt Gregors trat Wolfgang ins

Kloster Einsiedeln ein. Wolfgang war um 924 als Sohn einer schwäbischen nicht adeligen Familie wahrscheinlich in Pfullendorf geboren. Schon mit 7 kam er auf die Klosterinsel Reichenau. Mit ihm war Heinrich von Babenberg in der Reichenauer Klosterschule,

Sohn Heinrichs aus der mächtigen Grafenfamilie der Babenberger im östlichen Franken. Wolfgang war sehr begabt, was den Neid seiner Reichenauer Mitschüler erweckte. Als Heinrichs Bruder Poppo 940 Bischof von Würzburg wurde, berief er Stefan von Novarra an

951 die um 790 gegründete Domschule. Stephan war ein berühmter Grammatiklehrer aus der Lombardei. Poppo hatte bei der Berufung des Lehrers wohl auch den Hintergedanken, seinem Bruder Heinrich einen ausgezeichneten Lehrer zu verschaffen. Heinrich ging

an die Domschule nach Würzburg und brachte auch Wolfgang dazu, die Reichenau zu verlassen. In Würzburg eckte er allerdings mit seinem Lehrer über die Auslegung einer Stelle aus dem Werk des spätantiken Dichters Martianus Capella über die freien Künste so

an, dass Stephan ihn aus dem Unterricht ausschloss. Schon 956 wurde Wolfgangs Freund Heinrich auf den erzbischöflichen Stuhl von Trier erhoben. Dies verdankte er wohl seinen ausgezeichneten verwandtschaftlichen Beziehung. Er war ein

Enkel einer Schwester von Kaiser Heinrich I. und ein Cousin Otto I., dessen treuer Gefolgsmann er zeitlebens war. Wolfgang folgte Heinrich nach Trier und wurde dort Leiter der Domschule und war wohl von ihm auch als Nachfolger im Bischofsamt vorgesehen.

Heinrich starb auf einem Italienzug Ottos 964 an der Pest. Obwohl ihm der Kölner Erzbischof Brun, der Bruder Otto I., einen Bischofstuhl in Aussicht stellte, wollte sich Wolfgang ganz von der Welt zurück ziehen. Wolfgang trat ins Kloster Einsiedeln ein, das wegen

seiner Strenge bekannt war. Nachdem er in Einsiedeln sein Noviziat abgelegt hatte, wurde er von Abt Gregor als Lehrer eingesetzt. Bald nach seinem Noviziat wurde er von Bischof Ulrich aus Augsburg 968 zum Priester geweiht.

970 unternahm er eine Missionsreise nach Pannonien. 971 wurde er allerdings von Bischof Pilgrim nach Passau zitiert, weil er sich ohne Erlaubnis des Bischofs in dem von Pilgrim beanspruchten Missionsgebiet aufhielt. 972 war er wieder auf Missionsreise

in Ungarn unterwegs, diesmal mit Erlaubnis des Bischofs. Aber er wurde bald wieder zurückgerufen. Denn er sollte Bischof in Regensburg werden. Weihnachten 972 erfolgte die Investitur durch den Kaiser. 973 wurde er im Beisein von Bischof Pilgrim von

Erzbischof Friedrich von Salzburg zum Bischof von Regensburg geweiht. In Regensburg gründete er 975 die Domschule aus der die Regensburger Domspatzen hervorgingen. Der Abtretung böhmischer Gebiete, die die Gründung des Bistums Prag ermöglichte,stimmte

er zu. An das Stift St. Emmeran in Regensburg berief er Ramword aus St. Maximin in Trier, das er ja aus seiner Trierer Zeit kannte. Trier war 934 von Gorze aus reformiert worden. Von Regensburg aus wurde dann St. Peter in Salzburg, Tegernsee, Feuchtwangen,

Benediktbeuren und St. Afra in Augsburg  reformiert. Da Wolfgang aber Mönche aus Trier und nicht Einsiedeln berief, bewirkte das, dass der Einfluss von Trier-Gorze überwog. Er war der erste, der das Amt des Bischofs von Regensburg und des im 8. Jahrhundert in

Regensburg  entstandenen Benediktinerkloster trennte. Das sorgte zwar für Spannungen zwischen den späteren Regensburger Bischöfe, gab dem Kloster aber einen großen Entwicklungsschub in geistlicher und kultureller Aktivität.

Wolfgang begleitet Otto II.. Als nach Ottos Tod Streitigkeiten um die Nachfolge entstanden waren, Theophanu, die Gattin Ottos für ihren dreijährigen Sohn Otto die Herrschaft übernahm, stellte sich Wolfgang auf die Seite des Bayernherzogs Heinrich II, der Zänker.

Er wurde auch Erzieher seiner Kinder Heinrich, des späteren Kaiser Heinrichs II. 994 reiste er nach Pöchlarn, das zur Diözese Regensburg gehörte. Auf dem Weg dahin starb er am 31.Oktober in Pupping in Oberösterreich. Am 7.Oktober 1052 wurde er von Papst Leo IX.

heilig gesprochen.

Abt Gregor hatte, wie wir oben gesehen haben, beste Beziehungen zu den sächsischen Kaisern.Es ist nicht sicher, ob er dies seiner vornehmen Herkunft zu verdanken hat, von der mehrere Quellen berichten.

Gregor war mehrmals persönlich am Königshof, so 984 in Ingelheim, 992 in Frankfurt und 996 in Bruchsal. Dabei wurde ihm von Otto III. auf Intervention von Kaiserin Theophanu und Herzog Konrad von Schwaben, die von ihm vorgelegten Urkunden Kaiser Otto I.

über den Besitzstand der Abtei sowie die Befreiung von Zoll und Münzabgaben in der Stadt Zürich bestätigt.  Am 24. Januar 992  bestätigt Otto auf Bitte seiner Großmutter Adelheid und auf Intervention seiner getreuen Herzöge Konrad und Heinrich, sowie auf

Intervention und Bitte des Abtes Gregor, der ihm die Urkunden der beiden ersten Ottonen vorweist, dem Kloster Einsiedeln die von diesen Herrschern geschenkten Güter und Rechte in Rätien, in Grabs und bei Sargans mit der Kirche in Wangs bei Mels, im Kanton St.

Gallen. ‒ (RI II,3 n.1049). 994 war Otto III. volljährig geworden.Am 9. Dezember 995 erteilte Otto III. einem  Gütertausch zwischen Abt Gregor und dem Wormser Bischof Hildibald (978-998) die Genehmigung. Es ging dabei um ein bischöfliches Gut zwischen Freiburg

und Breisach, das Gut Schelbingen in der Grafschaft Birthilos und das Gut Gronau an der Nidda, das Kloster Einsiedeln gehörte. Hildibald war seit 979 deutscher Kanzler und Vertrauter der beiden Kaiserinnen Adelheid und Theophanu.

Am 31.10 996 erneuerte Otto die Privilegien nun als Volljähriger, die er schon 984 in Ingelheim bestätigt hatte (RI II,3 n. 1211). Auch zu den schwäbischen Herzögen stand Gregor in gutem Einvernehmen. Herzog Hermann II. von Schwaben hatte 992 seinen Sohn

Bertold zur Taufe nach Einsiedeln gebracht und Gregor war Taufpate. Bertold starb allerdings schon 993 und ist in Marchtal begraben. In der Amtszeit Gregors vermehrte sich der Besitzstand Einsiedelns erheblich. Aber auch um die Klosterzucht war er sehr bemüht.

Die neuere Forschung nimmt an, dass Gregor die Gebräuche der englischen Klöster, die zu der Zeit schon enge Beziehungen zu Cluny hatten, in Einsiedeln einführte. Die Zahl der Mönche war mittlerweile so groß geworden, dass 987 eine Vergrößerung der Kirche notwendig war.

Auf eine größere Mönchszahl lässt auch schließen, das eine Neugründung möglich war. 979 war Gebhard in Konstanz Bischof geworden. 983 stiftete er das Kloster Petershausen in Konstanz und stattete es mit seinen Erbgütern aus (siehe dazu Beitrag Kloster

Petershausen). Zur Besiedelung wurden Mönche aus Einsiedeln gerufen.Gebhard hatte einen gewissen Rupert nach Einsiedeln gesandt, damit dieser dort ins Ordensleben eingeführt würde. Dass das Kloster im Ruf höchster Frömmigkeit stand, haben wir schon in

der vita des Heiligen Wolfgangs gehört und der Vermerk “quoniam monachi illius coenobii tunc temporis fuerunt religiosissimi” wie die Chronik des Klosters Petershausen auf Seite 631 vermerkt, geht in diesselbe Richtung. In der gleichen Quelle wird Pezilin als erster Abt von

Petershausen genannt. In der Vita Gebhardi wird er Periger genannt.

Gregor starb am 8.November 996. Bei seinen Zeitgenossen stand er in hohem Ansehen. Gregor wurde von Anfang an als Heiliger verehrt. Zu Gregors Nachfolger wurde  Wirunt (996-1026 )am 27. Dezember 996 gewählt. Die Chronisten des 15. Jahrhundert sehen in

ihm einen Grafen von Wandelburg. Allerdings gibt es dafür keinen schlüssigen Beweis. Nur auf seinem Epitaph ist eine allgemeine Bemerkung, die auf eine vornehme Herkunft schließen lässt. Auch Wirunt unterhält gute Beziehungen zum Herrscherhaus.

Am 28. April 998 schenkt Otto dem Kloster zu seinem Seelenheil und dem seiner Eltern 4 Hufen  in Billizhausen, ein Weiler  beim heutigen Betzgenried nahe Göppingen, ohne dass Abt Wirunt namentlich genannt wird (RI II,3 n. 1273). Graf Eberhard von Nellenburg

tauschte diese im selben Jahr gegen Güter in Volketswil im Kanton Zürich und Stetten an der Reuss im Kanton Aargau

Als Heinrich II. 1004 in Zürich weilte, suchte ihn Abt persönlich auf. Heinrich bestätigt dem Kloster Einsiedeln auf Bitten des Abtes Wirund den einem Guntram wegen Treubruch entzogenen Hof Riegel (nordwestl. v. Freiburg i. Br.) im Herzogtum Schwaben in der

Grafschaft Breisgau mit allem Zubehör und mit den Orten Endingen, Wendlingen, Kenzingen, Theningen, Burkheim und Bahlingen (alle Kr. Freiburg i. Br.) zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Klosters RI II,4 n. 1572. Am 5. Januar 1018

bestätigte Heinrich dem Kloster die Besitzungen und die Immunität.RI II,4 n. 1917. Am 2. September des Jahres 1018 war Kaiser Heinrich wieder in Zürich. auch dieses Mal suchte ihn Abt Wirunt dort auf.  Heinrich schenkt dem Kloster Einsiedeln auf Bitten des Abtes

Wirunt den um die Abtei gelegenen unwegsamen und unkultivierten Wald mit allen Nutzungsrechten innerhalb angeführter Grenzen RI II,4 n. 1936. Dieses Gebiet umfasste das Sihl-und Alpthal. Allerdings hatten die Schwyzer in diesem Gebiet

nördlich der Wasserscheide der Mythen schon vor 1100 den Landesausbau voran getrieben. Daraus entwickelte sich der Marchenstreit 100 Jahre später, auf den noch einzugehen ist.

Heinrich II. starb am 13. Juli 1024 in Grone. Ihm folgte mit Konrad II. der erste Salier nach, der 1027 zum Kaiser gekrönt wurde. Das gute Verhältnis zum Herrscherhaus blieb auch unter dem Nachfolger erhalten. Konrad schenkt dem Kloster Einsiedeln unter Abt Wirunt

auf Intervention der Königin Gisela und des Erzbischofs Aribo von Mainz zwölf Hufen zu Steinbrunn im Sundgau in der Grafschaft Ottos samt allem Zubehör zu freiem Eigen. Die Schenkungsurkunde wurde am 25. Juli 1025 in Speyer ausgestellt. RI III,1 n. 43

Während der Amtszeit von Abt Wirunt stellte Kloster Einsiedeln immer wieder Äbte anderer Klöster aber auch Bischöfe. 995 wurde Otker Abt in Disentis. Er soll ein Bruder Wirunts gewesen sein. Um 1000 gibt es auch eine Schenkungsurkunde dieses Abtes von

zwei Prädien in Lenzikon an das Kloster Einsiedeln. Er regierte von 995-1012. Auch der Nachfolger Otkers kam aus Einsiedeln, nämlich Adalgott I., der als Seliger verehrt wird. Dieser regierte von 1012-1031. 1020 schenkte Heinrich II. dem Bischof

Heriward von Brixen und dessen bischöflicher Kirche die Abtei Disentis mit allem Zubehör zu freiem  Verfügungsrecht der Kirche. Die Abtei verlor damit unter dem zweiten aus Einsiedeln stammenden Abt ihre Selbstständigkeit. Das hängt wohl mit der Lage der

Abtei am Lukmanierpass zusammen die wegen der kaiserlichen Interessen in Italien bedeutsam wurde. Auch für das Kloster Pfäfers, das 731 aus der Reichenau heraus gegründet worden ist, werden Äbte aus Einsiedeln angeführt und zwar Gebene , Eberhard und

Hartmann. Allerdings kollidiert die Einsiedler Überlieferung mit der Pfäferser Klosterüberlieferung.

Hartmann war erst Mönch in Einsiedeln, dann als Abt nach Pfäfers postuliert und war schließlich ab 1026 Bischof von Chur und als solcher mehrmals für Kaiser Konrad II. tätig. Er schenkte dem Kloster Einsiedeln um 1026 seine Prädien in Wagen und Eschenbach.

In Sankt Blasien wurde Bernhard als Probst eingesetzt. Das wird gestützt durch die Tatsache, dass bis St. Blasien die Gewohnheiten der Abtei Fruttuaria übernahm, die von Einsiedeln Geltung hatten. Auf dem Hohentwiel bestand ein kleines Kloster, das

Heinrich II. um 1005 nach Stein am Rhein übertrug. Da ein aus Einsiedeln stammender Abt Florat noch  Abt “von Twyel” genannt wird, müsste er in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts gelebt haben.

1026 –1034 war Wartmann Bischof von Konstanz. Er stammte aus der Familie  Grafen von Kyburg- Dillingen. Hermann der Lahme erwähnt in seinem Chronicon, dass dieser Mönch in Einsiedeln gewesen ist.

Auch das Bistum Como hatte einen Einsiedler Mönch auf dem Bischofsstuhl, nämlich Eberhard, der 1004 von Heinrich II. zum Bischof berufen wurde. (1004-1006)

Abt Wirunt verstarb nach 30-jähriger Amtszeit am 11. Februar 1026. Zu seinem Nachfolger wird Embrich am 26. Februar 1026 gewählt. Bonstetten,  von dem die erste gedruckte Geschichte des Klosters Einsiedeln (1494) stammt, macht aus ihm einen Freiherren von

Abensberg. Das ist allerdings nicht belegt, genauso wenig wie die Tatsache, dass er Kanoniker in Freising war, ehe er ins Kloster Einsiedeln eintrat. Ganz  so abwegig ist dies aber gar nicht. Als Ahnherr der Abensberger gilt Graf Babo, der 32 Söhne gehabt haben soll.

Als Burggraf von Regensburg hatte dieser auch Beziehungen zu Wolfgang, der damals Bischof von Regenburg war und ja seine kirchliche Karriere als Mönch in Einsiedeln begonnen hat. Und Babo war auch Vogt in Freising.

Es gibt also durchaus Berührungspunkte. In Embrichs Amtszeit fallen zwei wichtige Ereignisse. Das eine ist die Klostergründung von Muri, das andere der Klosterbrand von Einsiedeln im Jahre 1029.

Am 19. August 1027 bestätigte Konrad in Zürich dem Kloster Einsiedeln seine Besitzungen, die namentlich aufgeführt waren samt allem Zubehör und die Immunität.RI III,1 n. 112. Auch sein Nachfolger Heinrich III. tat dies und zwar am 04.02.1040 auf der

Reichenau. König Heinrich III. bestätigt dem Kloster Einsiedeln seine Besitzungen, unter andern im Zürichgau: Uerikon, Meilen, Oetwil, Stäfa, Lindau, Rüti, Männedorf, Esslingen, Adlikon, Turbenthal, Rickenbach, Hittnau.

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Auch unter Abt Emrich wurden weiterhin Mönche aus Einsiedeln zu Äbten anderer Klöster berufen oder besetzten Bischofstühle.Warmann von Dillingen,der aus der Familie der Grafen von Kyburg-Dillingen stammte, wurde 1026 Bischof von Konstanz und

war das bis 1034. Dass Hartmann von Einsiedeln nach Pfäfers als Abt postuliert wurde und auch 1026 Bischof von Chur, ist oben schon gesagt worden.  Zu Embrichs Zeit lebte auch ein Mönch im Kloster, Ethicho. Er war wie Embrich  zunächst Weltkleriker und ein Verwandter des Ebersberger

Grafen Adalbero, der das von Eberhard gegründete Chorherrenstift in ein Benediktinerstift umwandelte. 1045 wurde Ethicho gegen den Willen der Mönche, die bereits Gerwich gewählt hatten,  als Abt  in Ebersberg eingesetzt. Er regierte dort anderthalb Jahre.

Wichtigstes Ereignis in der Amtszeit aber war die Gründung von Muri.

1027 gründete Graf Radbot von der Habsburg (um 985 bis etwa 1045) und seine Gemahlin Ita von Lothringen das Kloster Muri im Kanton Aargau.

5 Jahre später wurden  Mönche aus Einsiedeln gesandt, die die Abtei aufbauen sollten. Abt Embrich hatte den aus Solothurn stammenden Mönch Reginbold damit betraut. Noch andere Mitbrüder folgten. Sie erhielten

Bücher und Kirchengeräte, sowie Kleider und Hausgeräte aus Einsiedeln. Bischof Warmann aus Konstanz übertrug der jungen Abtei die bereits bestehende Kirche und deren Einkünfte. Reginbold ließ die Kirche abtragen und erbaute

für das Volk eine neue, die er St. Goar weihte. Dann ließ er das eigentliche Kloster und eine Kapelle, die Michael geweiht war, erbauen. Auch eine Schule und ein Scriptorium  wurde errichtet. Vor Vollendung des Klosters aber verstarb Reginbold.

Er wurde in der Klosterkirche bestattet.  Werner (1025-1096), Radbots Sohn, bat den Einsiedler Abt, auch hier gab es mittlerweile einen Nachfolger, nämlich Hermann, um einen Nachfolger für die Hausstiftung. Abt Hermann entsandte

Burkhard der aus Gossau stammte und schon von klein auf im Kloster war. Er vollendet den Kirchen-und Klosterbau. Damit Einsiedeln keine Ansprüche auf die junge Abtei erheben konnte, ließ Werner Burkhard zum Abt wählen. Dieses Amt hatte er noch

sieben Jahre inne. Er starb im Jahre 1073. Werner verzichtete 1082 auf die Herrschaft über das Kloster Muri. Er ließ Mönche aus St. Blasien kommen  und die Einsiedler Bräuche abschaffen. Muri wurde in eine Schutzvogtei umgewandelt.

Nicht nur vom Wachsen des Klosters ist aus Embrichs Amtszeit zu berichten. In seiner Regierungszeit brannte das Kloster zum ersten Mal. Nach dem Liber Heremi hatte ein  gewisser Eppo das Kloster in Brand gesteckt. Er stammte aus der Familie

der Nellenburger, war ein Sohn Mangolds und hatte wohl aus Rache den Brand gelegt, weil ihm die Vogtei über das Gotteshaus entzogen worden war, die sein Vater innegehabt hatte. Zur Sühne stiftet er später Stetten bei Bremgarten.

Abt Embrich baute wohl zuerst die Wohnräume wieder auf.1031 legte er den Grundstein zur neuen Kirche, die 1039 geweiht wurde. Acht Tage vor der Weihe waren Reliquien von der Reichenau nach Einsiedeln gebracht worden.

Embrich verstarb am 8. Februar 1051. Ihm folgte am 15. Februar 1051 Hermann I. als Abt. Er stammte aus der Familie der Udalrichinger, einem fränkisch-alemannisches Adelsgeschlecht, das in Bregenz und Winterthur ansässig war. Hermanns Vater

war Werner von Winterthur. Er starb zusammen mit seinem Sohn Liutfried 1040 als Bannerträger Heinrichs III. auf einem Feldzug gegen Bretislav von Böhmen bei Neumark. Auch Hermanns andere Brüder nämlich Adalbert II. von Winterthur

und Werner der II. fielen in einer Schlacht und zwar in der Normannenschlacht von Civitate am 18. Juni 1053, bei der das Herr von Papst Leo IX. vernichtend geschlagen wurde. Und damit wären wir bei der Mutter des Abtes. Werner war mit

Irmgard von Nellenburg verheiratet, einer Schwester  des Grafen Eppo von Nellenburg. Dieser war mit Hedwig von Egisheim verheiratet und Hedwig war eine Nichte von Papst Leo. Die Verwandtschaft des Abtes mit dem Papst wird auch im Liber heremi

erwähnt und die gleiche Quelle sagt, dass der Papst deshalb dem Abt 1055 das Recht der Pontifikalien verlieh. Graf Eppo und Hedwig stifteten 1049 das Kloster Allerheiligen in Schaffhausen. Es ist nicht sicher aber ziemlich wahrscheinlich, dass Mönche aus

Einsiedeln die Gründung besiedelten. Sicher ist aber, dass Hermann bei der Klosterkirche am 3. November 1064 in Schaffhausen dabei war. Die Weihe nahm Bischof Rumold von Konstanz (1051-1069), der nach Bonstetten auch Mönch in Einsiedeln war, was

allerdings ziemlich unsicher ist.

Am 23. 2. 1064 verlieh König Heinrich IV. den Dienstleuten der Abtei das Recht der Dienstleute der Abtei St. Gallen. Dienstleute oder Ministeriale waren Königsfreie, die sich der Reichskirche zur Verfügung stellten um so dem vom König

geforderten Kriegsdienst zu entkommen. Da sie aber nun der Kirche zu Dienst verpflichtet waren, mussten sie dennoch in den Krieg ziehen, wenn  wie z. B. bei Italienzug Ottos II. die Abteien Reichenau und St. Gallen dem Kaiser

Panzerreiter zur Verfügung stellten. Da die Äbte diese Ministerialen für ihr Reiterei ausbilden ließen, lässt die Verleihung des Rechts von St. Gallen an die Dienstleute von Einsiedeln dass es zu mindestens von diesem Zeitpunkt an

auch Pferdezucht und einen Marstall im Kloster Einsiedeln gab. Am 8. April 1065 starb Abt Hermann. Ihm folgte Heinrich I. Dieser Abt ist allerdings in den Urkunden nicht belegt. Überliefert ist in den Annales  Einsidlens und im Liber Heremi

lediglich das Jahr seiner Wahl sowie sein Todesjahr 1070. Nach dem badischen Geschlechterbuch gehörte er zur Familie Lupfen-Stühlingen. An diesen Abt wandte sich 1065 Graf Adalbert von Calw. Dieser war ein Neffe von Papst Leo.

Adalberts Vorfahren hatten um 830 das Kloster Hirsau gestiftet. Das Kloster war allerdings stark heruntergekommen, weswegen ihn Leo bat, sich um das Kloster zu kümmern. Da, wie wir gesehen haben, der Papst ja verwandtschaftliche Beziehungen zum  Kloster

Einsiedeln hatte,  ist es durchaus denkbar, dass Leo Graf Adalbert an Einsiedeln verwies.

Abt Heinrich schickte den Mönch Friedrich zusammen mit 12 Brüdern nach Hirsau. Friedrich stammte aus schwäbischem Adel. Friedrich führte ein vorbildliches Leben und zeichnete sich durch seine Frömmigkeit aus. Gerade das aber

machte ihn zur Zielscheibe von Neid und Missgunst. Ihm wurde ein sittliches Vergehen angedichtet, worauf ihn die Grafen von Calw seines Amtes enthoben. Sie beriefen dafür den Mönch Wilhelm aus dem Kloster St.

Emmeran in Regensburg. Bei allen verfingen die Verleumdungen nicht. Abt Ulrich von Lorsch (1056-1075) wies ihm das Michaelskloster auf dem Heidelberger Heiligenberg zu. Dort lebte Friedrich bis zu seinem Tode 1071. Wilhelm ließ sich in Hirsau erst nach

Friedrichs Tod zum Abt weihen. Friedrich wir als Seliger verehrt und sein Gedenktag wird auch heute noch im Stift Einsiedeln am 8. Mai begangen.

Unter den nach Hirsau entsandten Mönchen war auch Noker.Vor seinem Eintritt in Einsiedeln war er Weltpriester. In Hirsau schrieb er um 1070 ein “Memento Mori” die wohl erste frühhochdeutsche Bußpredigt im Paarreim. 1090 schickte ihn Abt Wilhelm nach

Zwiefalten das 1089 von den Grafen Kuno und Liutold von Achalm gestiftete Kloster (siehe Blog Zwiefalten). In Zwiefalten betrieb er den Aufbau seines jungen Klosters und erreichte, dass der apostolische Stuhl das Kloster in seinen Schutz nahm.

Vor 1070 war Seliger von Wolhusen ins Kloster eingetreten. Die Freiherren von Wolhusen besaßen zu dieser Zeit fast ein Drittel des Kanton Luzerns, auch die Hoch-und Blutgerichtsbarkeit hatten sie inne. Sie waren wohl burgundischer Abstammung

auch der ungewöhnliche Namen Seliger deutet darauf hin. 1070 tätigte er eine große Stiftung für das Kloster. Nach Bonstetten war er ins Kloster eingetreten, weil drei seiner Kinder ertrunken waren. Auch seine Frau Hedwig tat es ihm gleich.

1080 ist eine Hedwig von Wolhusen Äbtissin der Fraumünsterabtei.  1070 wurde Seliger Abt. 1073 schickte er Mönche zu Kaiser Heinrich, der gerade in Augsburg weilte. Am 24. Mai 1073 bestätigte Heinrich IV. die Freiheiten Einsiedelns von jeglicher

königlicher Einmischung und die freie Abtswahl.RI III,2,3 n. 633. Wichtig ist diese Urkunde auch, weil sich hier zum ersten Mal der deutsche Name Einsiedeln findet. (Quod (scil. Monasterium) solitarium vocatur, teu-tonice Einsiedelen).

1090 ging Kloster Einsiedeln mit St. Blasien eine Gebetsverbrüderung ein, ähnlich der, die schon vorher mit St. Gallen eingegangen wurde.  Im St. Gallener Liber confraternitalum wird Einsiedeln erwähnt. Die Verbrüderung mit St. Blasien wurde später

erneuert und als die Mönche aus St. Blasien im Zuge der Säkularisation nach St. Paul im Lavanttal gingen, wurde die Verbrüderung wohl beibehalten, denn mit St. Paul besteht sie heute noch. Abt Seliger war schwer krank, was dazu führte, dass er 1090 resignierte.

Er bestimmte Rudolf zu seinem Nachfolger. Dieser war bis dahin Novizenmeister und Kämmerer des Klosters. Rudolf war von 1090 bis 1101 Abt. In seiner Amtszeit war Noker in Zwiefalten Abt geworden und nach Bonstetten gab es auch in Kempten

einen Abt, der aus Einsiedeln stammte, nämlich Eberhard.

Mit dem Tode von Papst Gregor VII. 1073-1085) hatte der Investiturstreit an Schärfe verloren. Dem Kloster Einsiedeln war es gelungen, sich weitgehend aus dem Streit heraus zu halten, anders als z. B. St. Gallen und Reichenau (siehe jeweils dort)

wo es sogar zu Feldzügen der Klöster untereinander gekommen war. St. Gallen, Fulda oder die Reichenau hatten berühmte Klosterschulen, Scriptorien, die für ihre Buchmalereien bekannt waren. Das war in Einsiedeln nicht in dem Maße der Fall,

aber wie gezeigt wurde, hatte Einsiedeln enormen Einfluss über Mönche, die an vielen Klöstern Abtsstühle einnahmen oder Bischöfe wurden.

Auf Rudolf folgte Gero(1101-1022). Nach Bonstetten stammte er aus dem Geschlecht derer von Altbüron, das schon Mitte des 12. Jahrhunderts ausgestorben war nach dem Liber Heremi war er ein Bruder des Grafen Ludwig von Froburg.

Am 2.10.1111 bestätigt der letzte Salier, Kaiser Heinrich V.,  dem Kloster Einsiedeln das Privileg seines Vaters vom 24. Mai 1073, das aus Freiheit von jeder königlichen Einmischung für seinen Besitz, es sei denn gegen räuberische Minderung, und aus dem Recht der

freien Abtwahl besteht.

Wie oben ausgeführt hatte das Kloster 1018 von Kaiser Heinrich II.größere Gebiete geschenkt bekommen. Dieses Geschenk entwickelte sich allerdings allmählich zum Danaergeschenk für das Kloster. Das Kloster hatte bereits eine intensive Rodungstätigkeit

entwickelt. Aber auch die Schwyzer hatten ihren Landesausbau vorangetrieben. Im Quellgebiet von Sihl, Alp und Biber wurde im 11. Jahrhundert vermehrt Großviehhaltung betrieben. Dazu war aber mehr Weideland und Alpen erforderlich und dies war auf

Klostergebiet reichlich vorhanden. Der Konflikt war somit vorprogrammiert. Bäuerliche Rodungen aber auch Mönchsentführungen sorgten für Zündstoff. Abt Gero und sein Vogt Ulrich von Rapperswil klagte in Basel vor Kaiser Henrich V. Am 10.3.1114 erhielt das

Kloster Recht. Die Grafen Ulrich und Arnolf von Lenzburg sowie die Dorfleute von Schwyz wurden durch Spruch der Fürsten nach alemannischen Recht verurteilt. Sie mussten das Weggenommene zurückgeben und dem Kaiser 100 Pfund Busse erlegen.

Der Kaiser bestätigte die Immunität des Klosters, verlieh ihm den Boden der Zelle mit dem gesamten umliegenden Wald und die gesamte umliegende Mark.

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Das war aber erst der Anfang einer fast 250 Jahre dauernden Auseinandersetzung, die erst nach dem Friedensschluss nach der Schlacht am Morgarten ihr Ende fand.

Abt Gero war auch als Bauherr tätig. Er ließ die Brücke über die Sihl bauen, die auch Teufelsbrücke geheißen wird. Gleich bei der Brücke in Egg wurde Paracelsus wohl 1493 geboren. Außerdem  ließ er die Kapelle der beiden

heiligen Johannes erbauen. Bischof Ulrich I. (1111-1127) weihte sie.

Mit dem Kloster Gengenbach im Kinzigtal ging Abt Gero eine geistliche Verbrüderung ein. Weniger harmonisch verliefen die Beziehungen zu Alpirsbach. Aus nicht mehr bekannten Gründen sollen sich Mönche aus Alpirsbach

in Einsiedeln aufgehalten haben. Bei ihrem Weggang sollen sie das Haupt des Heiligen Justus mitgenommen haben. Erst 1143 kam es nach Einsiedeln zurück. Gero starb im Jahr 1122.

Auf ihn folgte Werner von Lenzburg. Über seine Herkunft gibt es verschiedene Meinungen. Das Liber Heremi bezeichnet ihn als Sohn des Arnulf von Altbüron und der Chuonza, bemerkt aber, dass andere ihn als Sohn

des Grafen Arnold von Lenzburg und der Chuonza von Altbüron sehen. 1130 schenkte Lütold von Regensberg, der zur Familie der Freiherren von Regensberg gehörte, einem Schweizer Adelsgeschlecht im Zürichgau, das wahrscheinlich von den burgundischen Grafen

von Mömpelgard-Mâcon abstammte, zusammen mit seiner Gattin Judenta und seinem Sohn Lütold ihren Besitz in Fahr an das Kloster Einsiedeln, verbunden mit der Auflage, dass das Kloster dort ein Frauenkloster errichten und unterhalten

müsse. Am 15. Juli 1133 bestätigte Kaiser Lothar  dem Kloster der hl. Maria und Mauritius zu Einsiedeln den von Ludolf von Regensberg, dessen Gemahlin Judenta und Sohn Ludolf zur Gründung eines Frauenklosters nach dem Ordo von Muri und Berau (in modum

sanctimonialium in Murensi vel Peraugiensi [coenobio ]) nebst Kapelle übertragenen Ort Fahr, die Regelung der Vogteiverhältnisse, wonach der jeweils Älteste aus der Stifterfamilie, der zugleich Besitzer (possessor) der Burg Regensberg ist, Vogt sein soll, und

bekräftigt die von Ludolf dessen familia erteilte Erlaubnis, daß sie der Kirche in Fahr Schenkungen aus Eigenbesitz zuwenden darf. – RI IV,1,1 n. 490 . Am selben Tag lässt sich der Abt in Königslutter die Verleihungen Ottos I. und seines Sohnes an die Kirche von

Einsiedeln bestätigen. Auch lässt sich der Abt die Kompetenzen des Vogtes genau umschreiben. War das weise Voraussicht oder gaben bereits bestehende Spannungen Anlass zu solchen Vorkehrungen? Der Kaiser setzte fest, dass der Vogt über das Gesinde

des Abtes in dessen Hoheitsgebiet nur soviel Gewalt hatte, wie der Abt zu ließ. Untervögte und Verwalter durfte der Vogt nicht anstellen. Bei Zuwiderhandlung hatte er 100 Pfund Gold zu zahlen, wovon die Hälfte an die kaiserliche Kammer, die andere Hälfte an das

Kloster gehen sollte. Außerhalb des Hoheitsgebietes hatte der Vogt den Klerus nicht zu behelligen.Am Anfang lag die Vogtei bei den Herzögen von Schwaben. Im 10. Jahrhundert ging sie an die Nellenburger über. Abt Embrich entzog Ebbo von Nellenburg die

Vogtei, worauf wie oben berichtet dieser das Kloster anzündete. 1114 lag die Vogtei bei den Herren von Rapperswil.

Auf Lothar III., der 1137 bei Breitenwang starb, folgte Konrad III. (1138-1152). “Konrad erneuert und bestätigt ([renovamus et inn]ovando confirmamus) Abt Werner und den Mönchen des Klosters Einsiedeln (monasterio sanctę dei genitricis et virginis Mariae et sancti

Meginradi, Mavricii quoque sociorumque eius, quod Solitarium vocatur theutonice Einsidellon) auf deren Bitten und mit Zustimmung der anwesenden Reichsfürsten (astipulatione … regni principum), nämlich des päpstlichen Legaten und Erzbischofs Albero von Trier,

Erzbischofs (Humbert) von Besançon, der Bischöfe Stefan von Metz, Albero von Lüttich, Ortlieb von Basel, Bucco von Worms, Embricho von Würzburg und Werner von Münster, der Herzöge Friedrich (II. von Schwaben), Konrad (von Zähringen) und Matthäus (von

Oberlothringen), Markgraf Hermanns (von Baden), Graf Bertolfs (von Nimburg) und Graf Friedrichs (von Pfirt) die bereits früher gewährte Freiheit, daß von keinem seiner Nachfolger in den Besitz des Klosters eingegriffen werden darf. Des weiteren verbietet er

widerrechtliche Eingriffe jedweder weltlichen Person in das Kloster, bestimmt, daß nur der Abt über die familia und die Ministerialen Herrschaft ausübt (interdicimus, ut nulla secularis potestas, dux vel marchio, comes aut vicecomes, advocatus vel sub advocatus

aliquam in eadem abbatia iniustam vel violentam exerceat potestatem, sed tota eiusdem ęcclesię familia intus et exterius specialiter autem illi ministeriales ęcclesię, qui abbati fratribusque cotidiano servitio assistunt, quadam familiaritatis libertate de omni forisfacto

abbati tantum respondeant) und gewährt den Mönchen das Recht der freien Wahl eines Abtes aus ihrem Konvent.“ Das geschah am 28. Mai 1139 in Straßburg. RI IV,1,2 n. 134 Konrad bestätigte vor Weinsberg eine Schenkung von Gütern in Rümlang und Riet.

1141 war der päpstliche Legat Dietwein in Deutschland. Er stammte aus Schwaben, war Prior in Maursmünster, später Kardinal von Santa Rufina und Porto. Er weihte 1141 die neuerbaute oder restaurierte Kirche auf der Ufnau. Bei dieser Gelegenheit wurden

die Gebeine des Heiligen Adelrich erhoben und seine Heiligsprechung vollzogen. Das erste erhaltene Abtssiegel von Einsiedeln stammt von Abt Werner. Er verstarb am 5.oder 6. März 1142. Sein Nachfolger wurde Rudolf II. Das Liber Heremi und auch das

Badische Geschlechterbuch sehen in ihm ein Familienmitglied der Grafen  von Lupfen. Bei seiner Wahl zeigte sich, dass die Vorkehrungen Abt Werners durchaus sinnvoll waren, als er sich von Konrad die freie Abtwahl bestätigen ließ. Die Mönche wählten

den neuen Abt. Doch der Klostervogt Rudolf von Rapperswil (Vogt von 1142-1144) sowie Ministeriale erkannten die Wahl nicht an, da sie nicht gehört worden waren. Sie überfielen das Stift, verwundeten einige Mönche und auch den neugewählten Abt.

Diese flohen nach Konstanz zu Konrad, der gerade in Konstanz (oder auf der Reichenau) weilte und dort einen Hoftag abhielt.Er setzt Rudolf, der von den Mönchen rechtmäßig erwählt wurde, als Abt der Abtei Einsiedeln ein und ordnet dessen Weihe durch den

päpstlichen Legaten und Kardinalbischof Dietwin (von S. Rufina) an. RI IV,1,2 n. 233 4 Der päpstliche Legat und vier Bischöfe, nämlich Embricho von Würzburg, Otto von Freising, Hermann von Konstanz und Konrad von Chur, sowie die Äbte Fridelo von Reichenau

und Werner von St. Gallen waren zugegen. An weltlichen Größen waren die Herzögen Friedrich (II.) von Schwaben und sein Sohn Friedrich, Konrad (von Zähringen) (Burgundionum dux), Matthäus von (Ober-)Lothringen und Welf (VI.), die Grafen Rudolf von

Bregenz, Rudolf von Ramsberg, der Markgrafen Hermann von Baden, die Grafen Friedrich und Burchard von Zollern, Markward von Veringen, Eberhard von (Ober-)Kirchberg und Werner von Habsburg vertreten. Am 12.4.1142, das war der Palmsonntag,

weihte der päpstliche Legat Dietwein Rudolf auf der Reichenau zum Abt von Einsiedeln. Auf Geheiß des Legaten wurde auch der Streit um das geraubte Haupt des heiligen Justus beendet. Er wies die Mönche von Alpirsbach 1143 an, das Haupt zurück zu geben.

Zu Beginn der Amtszeit des  neuen Abtes flammte auch der Streit mit den Schwyzern und den Grafen von Lenzburg wegen der Alpen und Weiden wieder auf. In Straßburg wurde am 8. Juli 1143 “auf Intervention und Bitten Königin Gertruds der Streit zwischen Graf

Ulrich von Lenzburg (Ǒthelricum de Lenzenbůrg), dessen Miterben und den Einwohnern von Schwyz (cives de Suites) einerseits und Abt Rudolf von Einsiedeln (monasterii Megenradescella dicti, quod consecratum est in honorem sanctę dei genitricis Marię sanctique

Mauricii martyris) andererseits zur Entscheidung durch das Gericht seines Hofes (finali iudicio curię nostrę) vorgelegt. Er läßt zu diesem Zweck auf dem Hoftag in Gegenwart des Einsiedler Vogtes Rudolf von Rapperswil eine Urkunde Kaiser Heinrichs V. verlesen, mit

der aufgrund eines Urteils der örtlich zuständigen Schwaben dieselbe Angelegenheit zugunsten des damaligen Abtes Ger und dessen Vogtes Ulrich (von Rapperswil) entschieden wurde: Die Grafen Rudolf und Arnulf (von Lenzburg) und die Einwohner von Schwyz,

welche ein an ihre eigenen Felder angrenzendes Waldgebiet, das dem Kloster von den Kaisern Otto II., Otto III., Heinrich III. und Heinrich IV. als Reichsgut überlassen worden war, gewaltsam an sich gebracht hatten, wurden zu einer Buße verurteilt. Konrad verhängt

über den Grafen Ulrich und seine Streitgenossen, die dieses Urteil nicht akzeptiert hatten, eine weitere Geldstrafe und bestätigt den Besitzstand Einsiedelns innerhalb genannter Grenzen nach dem Vorbild von in seiner Gegenwart und mit Zustimmung des Hofes

anerkannten, von früheren Königen und Kaisern ausgestellten Privilegien des Klosters” . Die Liste der Zeugen war wieder beindruckend nämlich die Bischöfe Embricho von Würzburg, Burchard von Straßburg und Ortlieb von Basel, die Äbte Berthold von Murbach,

Wibald von Stablo, Fridelo von Reichenau und Walter von Selz, Herzog Friedrich (II.) von Schwaben, Herzog Konrad (von Zähringen), Markgraf Hermann (von Baden), Rudolf von Hohenberg, Volkmar von Froburg, Graf Ulrich von Gammertingen, Graf Eberhard von

Kirchberg, Berthold von Kalden, Ludwig von Öttingen, Graf Dietrich von Mömpelgard, Graf Ulrich von Egisheim, Graf Siegfried von Boyneburg in Sachsen, Graf Adolf von Berg in Westfalen, Graf Simon von Saarbrücken, Graf Sigibert (von Frankenburg), Heinrich von

Rheinau, Marquard von Grumbach, Konrad von Schwarzenberg, Graf Berthold von Nimburg, Sigebodo von Hohweiler, Marquard von Rothenburg, Berthold von Tannegg, Heinrich von Rheinfelden, Konrad von Krenkingen, Heinrich von Küssaberg, Burchard von

Herznach, Hugo von Teufen. – RI IV,1,2 n. 277

1155 verkaufte Rudolf das am Bodensee gelegen Landgut Maurach an das Kloster Salem (heute direkt unter der Birnau) und kaufte dafür ein günstiger gelegenes Gut. Am 18.3. 1161 bestätigte Papst Viktor IV. dem Kloster die Schenkung des Kloster

Fahr und erklärte dieses als unveräußerliches Eigentum von Kloster Einsiedeln.Viktor IV. war der von Barbarossa gestützte Gegenpapst zu dem am 18. September 1159 gewählten Papst Alexander III. Aus der von Viktor ausgestellten Urkunde lässt sich schließen,

dass Einsiedeln auf Seite der Staufer stand. Rudolf starb am 15. November 1171. Und es wiederholten sich die Vorgänge der Wahl von Rudolf. Die Mönche wählten einen Abt aus ihrer Mitte

aber auch diesmal erkannte ihn der Vogt Rudolf von Rapperswil nicht an. Sein Name ist nicht näher bekannt. Der Vogt verlangte, dass sein Bruder, der Mönch in St. Gallen war Abt in Einsiedeln werden sollte. Nach dem Liber Heremi und Bonstetten war es Warin.

Der Vogt hatte den Mönchen so zugesetzt, dass sie sich fügten. Einige gelangten allerdings nach Säckingen, wo sich Friedrich gerade aufhielt. Er setzte am 28. Februar oder 1. März beide Äbte ab  RI IV,2,3 n. 2011 und ernannte Werner II. zum Abt von Einsiedeln.Er war

erst Diakon, als er zum Abt bestimmt wurde. Deswegen wurde er im Fraumünster in Zürich zu Priester geweiht. Am 5. März kehrte er nach Einsiedeln zurück. Er suchte die Misswirtschaft der vergangenen Jahre wieder gut zu machen. Ob sich das nur auf die beiden

Jahre mit zwei Äbten oder einen längeren Zeitraum bezieht, kann ich nicht ersehen. Auf jeden Fall erwarb er versetzt Kirchengüter für 200 Mark zurück. In Einsiedeln und auf Stiftsgütern ließ er neue Bauten erstellen. Er vermehrte den Grundbesitz. In einigen Orten,

so in Riegel,  Pfäffikon, Brütten und Erlenbach zog er die Meierämter wieder an sich. Die Meier waren oft zu mächtig geworden und nützten ihr Amt zum Schaden des Klosters aus. Werner ersetzte sie durch Amtmänner, die man beliebig ihrer Stelle entheben

konnte.

Wahrscheinlich stammen von ihm auch die Konstitutionen, “ordo ad faciendum monachum”. Diese geben einen guten Einblick, was Brüder und Schüler das Jahr über Wäsche, Kleidern, Pelzen und Schuhwerk zu bekommen hatten. Zu Lebzeiten

Friedrich Barbarassos hatte der Abt keine Schwierigkeiten mehr mit seinem Vogt. Ab 1190 änderte sich dieses, so sehr dass er 1192 gegen den Willen seiner Mitbrüder resignierte. Dem Kloster blieb er aber noch als Dekan erhalten. Er mehrte noch den Klosterschatz

Werner war zugleich Bibliothekar und kümmerte sich um Bücher. Das Werk “abedecarius” ließ er in zwei Bänden binden.

Werner verstarb 1210. Der genaue Todestag ist nicht bekannt.

Nach der Resignation Werners scheint Rudolf von Rapperswil im 3. Anlauf an seinem Ziel angekommen. Die Mönche wählten wahrscheinlich auf erheblichen Druck seinen Bruder oder Sohn zum Nachfolger.Seine schlechte Regierung wird hervorgehoben, ja

er wird als “Flagellum quoddam iracundiae Dei” also als wahre Gottesgeissel bezeichnet. Doch nachdem, was wir wissen, scheint es doch, dass er den Nutzen des Stiftes zu wahren suchte. Er verteidigte das Präsentationsrecht gegenüber Bischof

Lütold von Basel (1192-1213) auf die Kirche von Hohenkirch im Oberelsass. Auch das Patronat über die Kirche von Stetten, auch im Oberelsass und die Leonhardskirche in Basel wurde anerkannt. Das Patronat über die Kirche in Weiningen, dass Judenta an Fahr

geschenkt hatte, musste er gegenüber Bischof Diethelm von Konstanz aber aufgeben. 1206 musste er aber die Abtei abgeben, warum ist nicht mehr bekannt, wie die Einsiedler Annalen vermerken. Die selbe Quelle gibt auch an, das Ulrich im selben Jahr verstorben

ist. Der Einfluss der Rapperswiler Schutzvögte scheint nun gebrochen zu sein.Später wird das Verhältnis sogar freundschaftlich.

Nachdem Ulrich abgetreten war, nahm Berthold den Einsiedler Abtsstuhl ein, nach Bonstetten und dem Liber heremi ein Freiherr von Waldsee und aus der Familie der Grafen von Heiligenberg. Von Bonstetten wird er hochgerühmt, was sich ebenso wenig

belegen  lässt, wie die Vorwürfe der Mißwirtschaft seines Vorgängers. Dass er aber von Papst Innozenz III. zusammen mit dem Bischof Reinherr von Chur (1194-1209), der für den Papst öfters in Streitsachen als Schiedsrichter tätig war, in der Streitsache des Grafen

Rudolf von Montfort und dem Abt Konrad von  Alt-St. Johann, das ist ein Mitte des 12. Jahrhunderts im oberen Thurtal gegründetes Benediktinerkloster, als Schiedsrichter eingesetzt wurde, spricht durchaus für seinen Ruf. Auch für den Erzbischof von

Mainz, Siegfried von Eppstein, schlichtete er 1210 zusammen mit Abt Heinrich II. von Rheinau (1206-1233) in einer Streitsache der Äbtissin von Fraumünster in Zürich und ihrem Meier  in Horgen. Der Spruch erging am 20. Juli 1210. Um diese Zeit brach auch der

Marchenstreit aufs Neue aus. Abt Bertold weilte am 31. März 1213 am Hoflager des jungen Stauferherrschers Friedrich II, der von dort aus den Kampf um sein Reich aufnahm. Möglicherweise wollte er sich Hilfe bei Friedrich in der Streitigkeit

mit den Schwyzern holen. Aber sicher hatte Friedrich zu derzeit andere Sorgen. Es ist auch möglich, dass diese alte Streitigkeit den Abt zur Resignation veranlasste. Der genaue Grund ist nicht bekannt, auch nicht sein Todesdatum. 1216 hat er wohl noch gelebt,

denn er wird in einer Urkunde  über einen Güteraustausch im Jahre 1216 aufgeführt: “dominus Covnradus abbas, Bertholdusa prior abbas,”1213 .

Konrad stammte, wie das Liber Heremi und Bonstetten berichten aus der Familie der Grafen von Kiburg –Thun. Aus seiner Familie kennen wir neben Konrad noch Heinrich von 1216 bis 1238 Bischof von Basel sowie Burkhard von Unspunnen. Mit ihm, der zwischen

1232 und 1237 starb, erlosch die Familie im  Mannesstamm. Als Konrad an die Regierung kam, war die Auseinandersetzung zwischen dem Staufer Friedrich und dem Welfen Otto noch in vollem Gange. Erst die Niederlage des Welfen in der Schlacht bei

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Bouvines 1214 entschied den Machtkampf zugunsten Friedrichs, weil sein Gegenspieler Otto jetzt die Unterstützung vieler Reichsfürsten verlor. Den Kampf um das Königtum nutzten die Schwyzer um ihre Vorstöße auf das Stiftsgebiet wieder

aufzunehmen. Diesmal ging es vor allem um die Gegend des oberen Sihltals. Sowohl das Stift als auch die Schwyzer rodeten in diesem Gebiet. Das führte zwangsläufig wieder zu Konflikten. Der Abt wandte sich an seine Schutzvögte Rudolf und Heinrich von

Rapperswil. Diese griffen wohl brachial durch. Sie brannten die Hütten und Ställe nieder, die die Schwyzer auf Klostergebiet errichtet hatten, nahmen Vieh und Werkzeug weg und wer sich zur Wehr setzte, wurde getötet. Die Sache wurde vor den

Landvogt im Zürichgau,  Rudolf II. von Habsburg,  gebracht,der im Amt auf die Grafen von Lenzburg gefolgt war. Am 11.6.1217 entscheidet Graf Rudolf II. von Habsburg den dreijährigen Streit zwischen Abt Konrad I. von Einsiedeln und den Vögten des Klosters Rudolf

und Heinrich von Rapperswil einerseits und den Landleuten von Schwyz anderseits um den Wald, in dem das Gotteshaus gelegen ist, als von beiden Teilen angerufener Richter unter Zuziehung von adeligen Herren und Dienstleuten, indem er die Urkunden und

Ansprachen beider Teile als abgetan erklärt und eine neue Grenzlinie festsetzt. Die Schwyzer bekamen  das hintere Sihltal, sowie die Täler der Waag und Minster und das obere Alptal zugesprochen. Beide Parteien hatten vorher zugesagt, sich der Entscheidung des

Landgrafen des Zürichgaus zu fügen. Der Kompromiss, den Rudolf  erreichte, fiel zwar zu Lasten des Stiftes aus, aber er beendete auch einen langen Streit. Er flammte zwar später nochmals aus, aber waren es bisher vor allem wirtschaftliche Gründe,  so waren bei

seinem späteren Wiederaufleben vor allem politische Fragen im Spiel.

Weiteres Ungemach folgte. Nur 10 Jahre nach diesem für das Kloster unglücklichen Entscheid fiel, brannte es am 5. Mai 1226 wieder im Kloster. Die Kirche fiel dem Feuer zum Opfer, wurde aber noch im gleichen Jahr wieder aufgebaut. Bischof Konrad weihte die

Kirche und Abtskapelle wieder ein.

Am 8.5.1219  erneuert Bischof Konrad II. von Konstanz  eine Urkunde seines Vorgängers Diethelm, wonach die Kirche Weiningen gemäss Stiftung der Judenta von Regensberg dem Kloster Fahr zustehen soll und der frühere Abt Ulrich I. von Einsiedeln dieses Recht

anerkannt hat.  Dies geschah auf Bitten des Erzbischofs Eberhard von Salzburg. Damit war der Streit, der zwischen Abt Ulrich und dem Konstanzer Bischof Diethelm über das Patronat der Kirche von Weinigen bestanden hatte, endgültig beigelegt. Der päpstliche

Legat Konrad, Bischof von Porto bestätigte dies den Frauen von Fahr am 11. Januar 1224. 1230 gestattet Abt Konrad Rudolf von Rapperswil zum Dank für die Hilfe im Marchenstreit, sich auf der Landzunge Endingen anzusiedeln, die dem Stift gehörte. Dort enstanden

Stadt und Schloss Rapperswil.

Auch Konrad war im Auftrag des Papstes tätig. So hatte er im März 1217 einen Streit zwischen Diakon Heinrich und dem Konstanzer Propst Heinrich von Tanne um eine Kirche zu schlichten, zusammen mit Abt Cuno  vom Kloster Marienberg und dem Propst des

Augustinerchorherrenstifts Öhningen auf der Höri.

Wahrscheinlich in der Amtszeit dieses Abts stammt das älteste Urbar von Kloster Einsiedeln. Es ist zwar nicht vollständig, gibt aber wertvolle Aufschlüsse über die Besitzungen des Klosters und dessen Einkünfte, aber auch über wirtschaftliche und kulturelle

Zustände.

Wie seine Vorgänger verzichtete auch Konrad auf die Abtei. Nach den Annalen geschah dies im Jahr 1234. Im gleichen Jahr ist auch sein Todesjahr.Nach der Resignation Konrads wurde  Anselm von Schwanden zum Abt gewählt. Er entstammte dem

Geschlecht der Freiherren von Schwanden, die ihren Sitz in der Pfarrei Schupfen im Bezirk Aarberg hatten.Urkundlich fassbar wird Anselm erstmals am 25.1.1239. Da wird ein Gütertausch zwischen dem Zisterzienserkloster Kappel und dem Stift Einsiedeln

beurkundet. Kloster Kappel hatte 1228 von den Habsburgern den Hof in Baar im Kanton Zug erworben. Die Urkunde wird heute noch im Pfarrarchiv der Gemeinde Baar aufbewahrt und ist das älteste Schriftdokument der Gemeinde.

In Baar hatte das Kloster Einsiedeln am Mühlbach, einem Seitenarm der Lorze seine Klostermühle erbaut. Es ist dies die älteste Mühle im Kanton Zug. Das Kloster Kappel wollte wohl seinen Besitz in Baar ausweiten. Ein Gütertausch mit Kloster Einsiedeln bot sich an.

Für seine  Besitzungen in Finstersee tauschte es die Mühle und einen Hof in Baar ein. Abt Heinrich von Kappel und Anselm vom Kloster Einsiedeln nahmen den Tausch vor. In der Folge taucht Anselm noch mehrere Male in Urkunden auf. Er nimmt Schenkungen

entgegen, die er oft gleich wieder als Lehen an den Schenkenden vergibt. So 1244 an den Bürger Anton von Rapperswil, der wohl derselbe ist, der  am 25.1.1252 von Anselm den Zehnten der Pfarrei Meilen verliehen bekommt. Mit den Grafen von Rapperswil stand

er wohl auf gutem Fuße, den er tritt öfters als Zeuge in Urkunden des Grafen auf. Daneben gibt es kleinere Geschäfte, die Leibeigene betrafen.

Wie oben ausgeführt hatte Otto I. ja den Hof in Pfäffikon geschenkt. Das Kloster errichtete dort einen  Speicher zur Lagerung des Zehnten. Abt  Anselm ließ dort einen Turm errichten zur Abwehr feindlicher Angriffe und zum Schutz der Klosterländereien.

Wohl unter Abt Johannes I. von Schwanden wurde die Anlage mit Mauern, Wällen und Wassergräben weiter verstärkt. Auch in der Folgezeit war die Anlage wichtig. Sie diente öfters als Abtsresidenz. 1480 fand hier die Abtswahl statt und nach dem großen

Klosterbrand von 1577 kamen die Mönche hier für 7 Monate unter.

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Auch in Diensten des Papstes finden wir den Abt öfters. In Rom war seit 1243 Innozenz IV. Papst.In St. Gallen war Burchard von Falkenstein 1244  Abt geworden (siehe Blog St.Gallen) Das Kloster stand bisher fest auf Seiten des Kaisers.

Der neue Abt aber schwenkte ins päpstliche Lage über. Der St. Gallener Abt wurde für seinen Positionswechsel schnell belohnt.Das Kloster Rheinau war durch seine Vögte, die Herren von Krenkingen in missliche Lage gebracht worden. Papst Innozenz hatte

die Verwaltung des Stifts dem Konstanzer Bischof Heinrich von Tanne übertragen. Doch dieser verstarb 1248. Der Papst übertrug  am 7. September 1248 Abt Burchard die Verwaltung des vakanten Klosters. Allerdings stieß auf heftigen Widerstands des Nachfolgers

des verstorbenen Bischofs von Konstanz, Eberhard II. ein Neffe von Bischof Heinrich. Er erhob ebenfalls seinen Anspruch auf das Kloster. Der Papst befahl  am Tag der Übertragung auf den St. Gallener Abt dem Rheinauer Konvent dem als Verwalter eingesetzten

Abt zu gehorchen und Abt Anselm aus Einsiedeln den Konvent nötigenfalls mit Gewalt zum Gehorsam  zwingen. Am 30.5. 1250 beauftragte er Abt Anselm, das Kloster St. Gallen mit der Abtei Rheinau zu vereinigen und erst am 1.7.1250 gelangte der St. Gallener Abt in

den Besitz des ihm vom Papst zugesprochenen Klosters.

Auch Einsiedeln hatte sich nicht aus den Streitigkeiten zwischen  Papst und Kaiser heraushalten können. Innozenz hatte nach seiner Wahl das Konzil 1245 abgehalten. Dort hatte er Kaiser Friedrich des Eidbruchs, der Häresie, des Sakrilegs und

der Unterdrückung der kirchlichen Freiheiten angeklagt. Der Kaiser wurde in allen Punkten schuldig gesprochen und erneut gebannt und der Gehorsam gegen ihn wurde verboten.  Über alle Gebiete, die dem Staufer anhingen, wurde das Interdikt ausgesprochen.

Der Bischof von Konstanz wurde am 10. Juni 1247 bevollmächtig, die Durchführung mit schwersten Strafen zu erzwingen. Das Kloster Einsiedeln erwirkte sich, wie auch andere Klöster, die Erlaubnis, das Interdikt milder beobachten zu dürfen, also ohne

Glockenläuten Gottesdienst hinter verschlossenen Türen feiern zu dürfen, vorausgesetzt man habe nicht selbst zum Interdikt Anlass gegeben (16.12.1247).Auch Kremsmünster (21.1.1247), Pfäfers (23.5.1248), und Mehrerau (27.5.1248) erreichten diese

Vergünstigung. Weitere Gnadenerweise waren der 40 tägige Ablass für alle Gläubigen, die Einsiedeln an an Weihnachten, Ostern, Pfingsten, an den Festen der Jungfrau Maria und am Fest der Kirchweihe besuchen.

Der Papst war also durchaus freigiebig mit Gnadenerweisen auch wenn es darum ging, Parteigängern mit Pfründen zu versorgen. Nachdem sich solche Ansinnen häuften, wandte sich Anselm an den Bischof von Sitten, Heinrich von Raron und den St. Gallener Abt um

Vermittlung. Darauf bestimmte Innozenz am 31.8.1250, dass das Kloster von solchen Belästigungen verschont blieb. Der Propst von Interlaken wurde beauftragt, dafür zu sorgen.  Am 16.2.1251 erlaubte der Papst dem Abt den Gebrauch des Siegelrings und Mitra auf

Lebenszeit.

Auch der Nachfolger von Innozenz, Papst Alexander IV. (Papst von 1254-1261) setzte Abt Anselm ein. Auf der Reichenau war Burkhard von Hewen von 1253-1259 (siehe Reichenau)Abt. Das Kloster war ziemlich heruntergekommen. Die Mehrheit der Mönche

wandte sich an Papst Alexander. Dem Abt wurde Verschleuderung der Klostergüter, Simonie und Zerstörung des Ordensleben vorgeworfen. Darauf hin setzte der Papst den Abt von Ottobeuren Heinrich, Anselm von Einsiedeln und den Abt von Neuwiller im Elsass

zur Untersuchung der Vorwürfe ein. Außerdem sollten sie auch eine Reform des Klosters voranbringen. Am 6. Februar 1258 übertrug Papst Alexander den St. Gallener Abt Berchtold die geistliche und weltliche Verwaltung Kloster Reichenaus. Das wieder rief den

Konstanzer Bischof auf den Plan, der an die päpstliche Kurie berichtete, der Bericht Burchards sei reine Erfindung. Daraufhin wurde Anselm wieder mit der Untersuchung der Vorfälle betraut. Am 7. März 1258  befahl der Papst,  Abt Anselm bei er Untersuchung

zu unterstützen. Außerdem nahm er die ”erschlichene Bestellung des Abts von St. Gallen zum Koadjutor des Reichenauer Abts” zurück. Burkhard verzichtete auf die Reichenau und schlug Albrecht von Ramstein als Abt für die Reichenau vor.

Dieser war Pförtner und Konventuale in St. Gallen, außerdem ein Vetter und Vertrauten Burchards. Der Papst berief nun die beiden streitenden Parteien nach Viterbo. Dort gelang es dem Papst, Abt und Bischof zu versöhnen. Albrecht wurde1259 zum

Reichenauer Abt gewählt.

Die im Züricher Urkundenbuch abgedruckte Urkunde Nr. 1325 ist die letzte, die uns von Anselm überliefert ist. Es handelt sich um eine Schenkung Anselms eines Guts in Killwangen an das Kloster Wettingen.

Am 30. Dezember 1266 verstarb Abt Anselm.

Als sein Nachfolger wurde Ulrich II. von Winneden gewählt. Das Liber Heremi sagt, dass er vorher Kustos gewesen sei und in einer Urkunde (Züricher Urkundenbuch III Nr. 1214) erscheint auch ein Kustos Ulrich als Zeuge.

Er stammte aus der Familien der Edlen von Winneden, das heutige Wennedach, Gemeinde Reinstetten im Kreis Biberach/Riss. Er hatte wohl drei Brüder, einen namens Heinrich, der die Herrschaft Wennedach innehatte,

einen, dessen Namen wir nicht mehr kennen und Konrad, der Mönch in Augsburg war. Heinrich hatte drei Kinder, Mechthild, die Klosterfrau in Fahr wurde, Diethoh, der uns noch begegnen wird und ein drittes, dessen Name uns nicht bekannt ist.

In Urkunden tritt der Abt erstmals am 25. Oktober  1268 auf (Züricher Urkundenbuch Nr.1397) Es geht hierbei um einen Streit über Eigentumsrechte um eine Mauer zwischen einem Hof des Klosters Einsiedeln und dem Fraumünsterkirchhof in

Zürich. Am 13. Januar 1275 gibt der Abt und der Konvent Güter in Laupheim, Wennedach und Simmisweiler an den Edlen Diethoh von Winnenden zurück, die dieser dem Kloster geschenkt und zu Lehen zurückerhalten habe, zurück,

da sie, so die Begründung, mehr Kosten verursache, als das Kloster daraus je erwirtschaften könne. Der Bauhistoriker Stefan Uhl aus Warthausen meint, dass es sich dabei auch um eine Verschleierung der tatsächlichen Besitzverhältnisse

gehandelt haben kann. Möglicherweise hat es sich ursprünglich um Reichsgut gehandelt. Und wenn es nun aus Einsiedeln unter der Vorspieglung wirtschaftlicher Erwägungen zurückgegeben wurde, konnte es faktisch in den Eigenbesitz Diethohs übergehen.

1270 erwarb Ulrich die Vogtei über die Kirchengüter in Erendingen im Kanton Aargau zurück.

Am 29. September 1273 wurde Rudolf von Habsburg zum deutschen König gewählt. Damit endete das Interregnum und es kehrte allmählich wieder Rechtssicherheit im deutschen Reich ein. Im Januar kam der neugewählte König nach Zürich.

Auch Abt Ulrich kam nach Zürich. Dort wurde am 26.1.1274 folgende Urkunde ausgestellt: “König Rudolf I. erklärt, dass er Abt Ulrich II. von Winneden zu Einsiedeln in der Konstanzer Diözese durch das königliche Zepter mit der fürstlichen Würde bekleidet und ihn

unter die Zahl seiner Fürsten aufgenommen habe, allen Dienstmannen, Rittern und Untertanen der gedachten Abtei gebietend, demselben als solchem in der Verwaltung der Temporalien Gehorsam zu leisten.” Damit wurde erstmals diese Würde an

den Einsiedler Abt verliehen, wobei Rudolf ausdrücklich bezeugt, dass schon frühere Äbte diese Würde besessen hätten.

1275  wurde das Zehntbuch für die Einziehung des Kreuzzugszehnt, der 1274 auf dem beschlossen worden war, angelegt. Dieser wurde dann von 1274-1280 von allen Beziehern geistiger Pfründen erhoben. Dazu mussten sie eine eidliche Selbstangabe abgeben.

Der Einsiedler Abt gab 761 Pfund an Damit hat man ein schönen Einblick in die Vermögenslage des  Stiftes.Oft hatten Eigenleute verschiedener Herren Stifte geheiratet. Das hatte immer wieder zu Schwierigkeiten geführt. Nun einigten sich Stifte, dass Eigenleute

untereinander heiraten  konnten, als ob sie demselben Herrn gehörten. 1276 gab es eine solche Genossame zwischen den Stiften Pfäfers, Disentis, Chur, Schänis, St. Gallen, Reichenau,Luzern, Säckingen Zürich und Einsiedeln.

1277 begab sich Abt wohl auf eine Romfahrt. Am  11.8. 1277 verstarb er in Como und ist dort wahrscheinlich  auch begraben.

In seiner Amtszeit besetzte der Konvent auch einen Abtsstuhl. Dietrich von Rodt aus der Familie der Edelfreien von Rodt in der Nähe von Illertissen wurde 1266 nach Augsburg ins Kloster St. Ulrich und St. Afra berufen.Er folgte dem verstorbenen Abt

Gebwin von Thierheim und war dort Abt bis 1288. Seine Regierung galt als gut. Er war ein Bruder von Wolfhard, der von 1288-1302 Bischof von Augsburg war.

Zu seinem Nachfolger wählen die Mönchen Peter I. von Schwanden. Er stammte wie sein Vor-Vorgänger aus der Familie von Schwanden. Dass er dieser Familie angehörte, belegt dasselbe Epitaph, das auch Auskunft über Anselm gibt.

Das einzige Mal, an dem er urkundlich fest zu machen ist, ist der 27. Oktober 1275. Dort erscheint er als Zeuge und wird Kustos genannt. Es ist nicht verwunderlich, dass er sonst nicht in Urkunden auftaucht, denn seine Regierungszeit endete schon am

19. Juni 1280. Wie uns die Annalen berichten, wurde Peter an diesem Tag in der Liebfrauenkapelle in Zug vom Blitz erschlagen. Von Abt Johannes I. wissen wir, dass Peter die Vogteien an den nachgeborenen Sohn Rudolfs IV. von Rapperswil, Rudolf V. übertragen

hatte.

Auf ihn folgte Heinrich II. von Güttingen. Es ist dies der erste Abt in Einsiedeln, dessen Geschlechtsnamen in gleichzeitigen Urkunden genannt wird. Seine Familie, die Freiherren von Güttingen hatten ihren Stammsitz in dem kleinen Dorf am Bodenseeufer.

Diese Familie stellte mit Rudolf, der von 1220 bis 1223 die Abtswürde bekleidete, bevor er 1223 Bischof von Chur (bis 1226) wurde und Ulrich (1272-1277) zwei Äbte in St. Gallen. Der Bruder Ulrichs, Albrecht ist im St. Gallener Professbuch als Diakon

aufgeführt. Später wurde Albrecht Barfüsser. Am 15. Januar 1283 verstarb der letzte Rapperswiler Graf Rudolf V. noch minderjährig. Wie wir oben gesehen haben, hatte Abt Peter diesem die Vogtei übertragen. Diese ging nun an seine Tante Elisabeth und deren

Gemahl von Homberg über. Die beiden kamen aber nicht um das Lehen ein. Deshalb übertrug Abt Heinrich  die Vogtei an seinen eigenen Bruder Rudolf von Güttingen. Damit war allerdings König Rudolf nicht einverstanden. Gegen eine Entschädigung von 200

musste  der Güttinger verzichten. König Rudolf ließ die Lehen, die eigentlich nur in männlicher Linie vererbbar waren, durch den Schultheißen Dietrich von Winterthur einziehen. Im Laufe dieser Auseinandersetzung überfiel der Schultheiss sogar

das Kloster. Daraufhin erwirkte er bei Bischof Rudolf (1274-1293) die Exkommunikation des Schultheissen. Der Bischof entstammte auch dem Hause Habsburg und war ein Vetter Rudolfs.Allerdings geriet er wegen dessen Landerwerbungen

in Gegensatz zu seinem königlichen Verwandten. Im Einverständnis mit dem König wurde der Leutpriester der Ufnau mit der Durchführung der Exkommunikation beauftragt. Der Graf von Homberg verstarb 1289. Elisabeth suchte nun nach nach einem

Vergleich. Dieser kam am 21. 1289 in Basel zustande. Die Witwe bekam die Höfe Stäfa, Pfäffikon, Erlenbach und Wollerau, dazu noch die Höfe von Männedorf und Tuggen die Pfäfers gehörten. Die Vogtei aber blieb bei den Herzögen von Österreich.Nun aber

flammte der Marchenstreit wieder auf, diesmal wohl politisch motiviert. Nachdem Rudolf König geworden war, baute er rücksichtslos seinen Territorialstaat aus und versuchte die Vogteien, wie die von Einsiedeln an sich zu bringen. Von den Waldstätten und den

Schwyzern wurde dies mit großem Misstrauen beobachtet. Zwar gibt es eine Bulle aus dem Jahre 1282 In dieser erteilt Papst Martin IV.dem Abt von Pfäfers infolge Klage des Abtes und Konventes von Einsiedeln über Bedrückung und Schädigung den Auftrag, Abt und

Konvent gegen Räuber und Angreifer zu schützen und die Fehlbaren mit Kirchenstrafen ohne Appellation in Schranken zu halten. Wahrscheinlich sind die Auseinandersetzungen aber in den letzten Regierungsjahren Rudolfs an zusetzen, wo die Spannungen

zwischenden Eidgenossen und  Habsburg auf ihrem Höhepunkt angelangt waren. Im August 1291 hatten die Eidgenossen ja ihren Bund erneuert.

440px-Bundesbrief2

Die Schwyzer gingen nun gegen das Kloster vor, wollten aber eigentlich dessen Vögte, also die Habsburger treffen. Es war also eine Freiheitsbewegung und kein Klosterstreit, der sich hier auftat.

Papst Nikolaus IV. (1288-1292) bestätigte am 23. 8 1290 bei Orvieto  “dem Abt und Konvent von Einsiedeln auf ihre Bitte alle Freiheiten, die ihnen von seinen Vorgängern, und ebenso die Freiheiten und Befreiungen von weltlichen Abgaben, die ihnen von

Königen, Fürsten und andern Christgläubigen gewährt worden sind.” Heinrich bemühte sich sehr um die Verwaltung des Klosterbesitzes, was die Hofrechte von Fahr und Eschenz und Einkunftsverzeichnisse von  Riegel,Brütten, Walahusin und Winterberg belegen,

die er aufzeichnen ließ.  1288 erreichte er auch ein Ablassbrief von zwölf Erzbischöfen und  Bischöfen, die am päpstlichen Hof in  Rieti weilten einen Ablassbrief für die St. Gangulf-Kapelle in Einsiedeln.

Laut dem Liber Heremi stirbt Heinrich 1298 in Pfäffikon. Der verstorbene Abt war, wie es scheint, auch ein Förderer von Kunst. Auf ihn bezieht sich wohl der Züricher Minnesänger Johannes Hadlaub, der ihn als seinen Gönner bezeichnet. Hadlaub lebte in der 2.

Häfte des 13. Jahrhunderts und Anfang des 14. Jahrhunderts in Zürich. Von ihm sind 51 Lieder und drei Leichs in der Manessischen Handschrift überliefert.

Mit Johannes I. von Schwanden tritt das letzte Familienmitglied der Familie von Schwanden sein Amt als Abt an. Im Reich war inzwischen Albrecht König, der älteste Sohn Rudolfs von Habsburg. Nachdem Rudolfs Nachfolger Adolf von Nassau 1298

abgesetzt worden war und am 2. Juli 1298 bei der Schlacht von Göllheim ums Leben kam, wurde der am 23. Juni als Nachfolger gewählte Albrecht am 25. Juli 1298 in Aachen zum deutschen König gekrönt. Am 1.4.1299 war Albrecht in Konstanz. Dort

verlieh  er Abt Johannes die Reichsfürstenwürde  und übergab ihm das Zepter. Während seiner Regierungszeit war Rudolf von Radeg Schulmeister in Einsiedeln. Dieser ist von 1311-1327 bezeugt. Er war ein Sohn des Freiherren Rudolf von Radegg

und hatte wahrscheinlich die Klosterschule in Rheinau besucht. Vor 1311 war er in Einsiedeln an der Schule, aber nicht Konventuale. Durch ihn sind wir so gut wie sonst keinen mittelalterlichen Abt Einsiedelns über Johannes unterrichtet.

Rudolf schrieb die “Capella Heremitana” , ein Preisgedicht auf das Kloster Einsiedeln in 854 lateinischen Distichen. Es gliedert sich in Prolog und drei Bücher. Buch I preist die Abtei, Buch II die Person und die Leistungen von Abt Johannes und Buch III

berichtet vom Überfall der Schwyzer auf das Kloster. Es gilt auch als wichtige Geschichtsquelle aus der Zeit der Entstehung des Schweizer Bundes. Die einzige Handschrift, die 1444 geschrieben worden ist, steht im Kloster Einsiedeln.  Sie ist mit einem Kommentar

versehen, der darauf schließen lässt, dass das Gedicht beim Unterricht in der Poetik und Rhetorik verwendet wurde. 7 Konventuale lebten zur Zeit Rudolfs im Kloster. Auch unter Abt Johannes stellte das Kloster wieder auswärtige Äbte und zwar Hermann von Arbon

in Pfäfers (1330-1361). Er ist wohl erst nach 1314 ins Kloster Einsiedeln eingetreten. Hermann von Bonstetten wurde von Papst Johannes XXII. 1333 zum Abt von St. Gallen berufen und war dies bis 1360. Er geriet allerdings in die Streitigkeiten zwischen Papst und

Kaiser Ludwig den Bayern. Thüring von Attinghausen war von 1333-1345 Abt in Disentis. Er und Heinrich von Bonstetten waren auch unter den Gefangenen beim Überfall der Schwyzer auf das Kloster.

Am  1.8.1314  trafen Abt Johannes und der Konvent von Einsiedeln “ Bestimmungen über sichere Aufbewahrung des Konventssiegels, dass es in der Kiste (arca) der Sakristei aufzubewahren und mit zwei Schlüsseln zu verschliessen sei, wovon der eine in der Hand

des Abts, der andere in der eines Konventualen liegen soll; bei Meinungsverschiedenheiten über den Gebrauch des Siegels zwischen Abt und Konvent soll Albrecht von Uerikon [Albertus de Uirinkon] als Schiedsrichter entscheiden” Abt Hermann von Disentis

traf am 25. März 1343 eine ähnliche Übereinkunft mit seinem Konvent. Unter Abt Johannes wurden eine Reihe frommer Stiftungen für das Kloster getätigt. Auch als Bauherr trat er in Erscheinung. Die Verstärkung des Turms von Pfäffikon wurde oben schon erwähnt.

Um das Kloster ließ er eine Umfassungsmauer errichten, der Konvent erhielt neue Wohngebäude, der Vorhof der Kirche wurde neu erstellt, Krambuden gemacht und der schon bestehende Frauenbrunnen verschönert. Die Johanneskapelle im Kreuzgang wurde

umgebaut. Auch um weltliche Dinge kümmerte sich der Abt. Die Vogtei wurde an Gräfin Elisabeth von Rapperswil vergeben, die in zweiter Ehe mit Rudolf von Habsburg-Laufenburg verheiratet war. Den verschuldeten und verpfändeten Hof in Riegel löste er wieder

ein. Weit entlegenen Besitz tauschte er gegen günstig gelegeneren ein. In Höngg und Erlenbach ließ er Weinberge anlegen.

Gravierendstes Ereignis aber war der erneute Ausbruch des Marchenstreits. Am 1. Mai 1308 hatte Johann von Schwaben seinen  Onkel,  König Albrecht in Windisch an der Reuss erschlagen. Es war um die Herausgabe seines väterlichen Erbes, vor allem aber

der Entschädigung, die er wegen seines Verzichts auf Mitherrschaft nach den Bestimmungen  der Rheinfeldener Hausordnung von 1283 zu beanspruchen hatte. Dies enthielt die Erbfolge Rudolfs I. von Habsburg und war das erste Hausgesetz des Hauses Habsburg.

Albrecht hatte seinen Neffen immer vertröstet und die Auslieferung des Erbes verweigert mit den für ihn tödlichen Konsequenzen. Nach dem gewaltsamen Tod des Königs begannen die Übergriffe der Schwyzer. Sie trieben im Sihl-,Alp- und Bibergebiet

Viehherden auf Stiftsgebiet und griffen auch sonst in die Rechte des Stiftes ein. Auch bewaffnete Überfälle in diesem Gebiet und auch auf Stiftsbesitzungen im Zuger Land erfolgten. Das Kloster klagte beim Bischof von Konstanz Gerhard von Bevar (1307-1318)

und König Heinrich VII. Der Bischof entschied, dass die Schwyzer das Geraubte zurück zu geben hätten und den Schaden ersetzen müssten. Dagegen erhoben die Schwyzer beim Apostolischen Stuhl Einspruch. Der Bischof verhängte die Exkommunikation der

Schwyzer, darunter der Landamman Konrad ab Yberg, seine Söhne Konrad und Ulrich  sowie Rudolf Staufacher, der ehemalige Schwyzer Landamman und seine Söhne Heinrich und Werner, der wohl beim Rütlischwur dabei war, sowie andere. Die Schwyzer

klagten dagegen in Avignon. Clemens V. beauftragte den Abt  von Weingarten Friedrich Heller von Hellersberg und den von Engelberg sowie den Konstanzer Domherrn Lütold von Röteln mit der Untersuchung der Angelegenheit. Sollte die Exkommunikation nach

erfolgter Appellation erfolgt sein, so sei sie aufzuheben. In der Tat wurde die Exkommunikation am 20.Juli 1310 zurückgenommen. Einsiedeln hatte auch bei König Heinrich geklagt. Dieser war im Mai 1309 in Zürich und bald darauf in Konstanz. Heinrich verbot jede

weitere Schädigung. Er bestellte auch einen Obmann für ein Schiedsgericht. Wie aus dem Klagerodel hervorgeht, kam es aber zu weiteren Überfällen. Am 14.3.1311 trafen sich die Parteien im Letzikloster in Zürich. Die Schwyzer bestimmten ihren Landamman

Konrad ab Yberg und den Amman Werner Tiring als Schiedsleute. Für das Kloster wirkten Jakob von Wart und Ritter Rudolf der Jüngere Mülner. Als Obmann wurde von beiden Seiten Ritter Rudolf der Ältere Mülner gewählt. Die Mülners waren ein einflussreiches

Rittergeschlecht. Beide saßen im Rat der Stadt Zürich und Rudolf der Jüngere war 1318 Schultheiss in Zürich.Bemerkenswert, dass Jakob von Warth der Bruder des Königsmörders von 1308, Rudolf von Warth war. Der Spruch sollte bis Johanni ergehen, also 24.6. Beide Seiten

die für die Einhaltung des Richtsspruchs bürgen sollten, stellten 10 Geiseln. Die Schwyzer sollten die geraubten Güter zurückgeben und Schadenersatz leisten. Sie hielten sich aber nicht daran. Die Streitereien gingen weiter. Am 24. Mai 1312 schloss Zürich

auf Geheiß König Heinrichs mit den Städten Konstanz,Schaffhausen und St. Gallen ein auf 4 Jahre befristetes Schutzbündnis ab. Die Städte mahnten die Schwyzer, einzulenken.

Inzwischen ging Heinrich  auf die Habsburger zu und sicherte ihnen die Wahrung ihrer Rechte in den Waldstätten zu. Die Schwyzer mussten nun nachgeben. Die Sache wurde nun vor den Landvogt im Thurgau Eberhard von Bürglen gebracht. Die Mißhelligkeiten

zwischen Zürich und der Schwyz wurden beigelegt. Der Landvogt opferte aber die Ansprüche des Klosters. Dagegen ging das Kloster natürlich vor. Von weltlicher Seite war keine Unterstützung mehr zu erwarten. Also wandte sich das Kloster an den Offizialen des

Konstanzer Bischofs. Dieser ließ die Sache vor einem bischöflichen Gericht untersuchen. Darauf erfolgte wieder die Exkommunikation der Landammänner. Die Schwyzer klagten in der nächsten Instanz, das war der Metropolit von Mainz, also

die dem Konstanzer Bischof vorgesetzte Stufe. In Mainz war zu derzeit Peter von Aspelt (1306-1320) Erzbischof. Bis 1306 war er Bischof von Basel. Er war Parteigänger der Luxemburger und als Heinrich in Italien war, auch Reichsverweser. Mainz wies die

Appellanten aber an Konstanz zurück. Konstanz ermahnte die Schwyzer wieder zu Schadenersatz und Genugtuung. Die Schwyzer kümmerte das nicht. In der Diözese wurde nun Bann und Interdikt verkündet. Um das auch in Schwyz zu verkünden, wagte sich

niemand da hin. Die Lage spitzte sich weiter zu. Die Schwyzer setzten sogar ein Kopfgeld auf Abt Johannes aus. Auf dem oben erwähnten Italienzug erkrankte Heinrich an Malaria und starb am 24. August 1314 in Siena. Es kam nun zur Doppelwahl . In Aachen krönte

Peter von Aspelt Ludwig den Bayern zum König. In Bonn wurde der Habsburger Friedrich der Schöne vom Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg (1304-1332) am 25. November 1314 zum deutschen König gekrönt. Die Lage im Reich nützten die Schwyzer nun aus.

Vom 6.auf 7. Januar 1314 überfielen die Schwyzer das Kloster. Abt Johannes weilte in Pfäffikon und hatte dahin wohl auch die Einsiedler Urkunden in Sicherheit gebracht. Die Mönche wurden gefangengenommen und bis auf Johannes von Hasenburg und

Konrad von Buwenburg, die zu schwach waren, weggeführt. Auch der Schulmeister Rudolf von Radegg wurde mitgeschleppt. Er berichtet dies alles in seinen “Capella” Kirche und Kloster wurden geplündert, Vieh und Fuhrwerke wurden geraubt.

Bis auf Thüring von Attinghausen, für den sich mächtige Verwandte einsetzten, vor allem Werner von Attinghausen  von 1294-1321 Landamman in Uri, der schon nach 10 Tagen frei kam , blieben alle bis zum 29. März 1314 in Gefangenschaft.

Der Habsburger Friedrich verhängte die Reichsacht über die Schwyzer, kam aber nicht dazu, sie zu vollziehen. Die Schwyzer nützten natürlich die unklare Lage im Reich und wandten sich an seinen Gegenspieler Ludwig. Dieser hob die Acht wieder auf und setzte sich

auch in Mainz dafür ein, dass die Konstanzer Maßnahmen wieder aufgehoben wurden. Das machte natürlich längere Untersuchungen notwendig.

Die Habsburger, waren zum einen die Schutzvögte von Kloster Einsiedeln und hatte zum anderen gerade in diesem Gebiet große Besitzungen und sahen natürlich ihre Interessen gefährdet. Friedrich beauftragte nun

seine jüngeren Bruder Herzog Leopold von Österreich gegen die Waldstätte vor zu gehen. Leopold plante wohl über Morgarten nach Schwyz vor zu stoßen. Er hatte  auch die Vorstellung, dass Ritter gegen Ritter kämpfe. Den Rittern schwebte wahrscheinlich eine

Strafaktion gegen aufmüpfige Bauern vor. Es dürften wohl um die 5000 auf der Habsburger Seite gewesen sein. Am Morgarten gerieten sie in einen Hinterhalt und wurden  geschlagen.

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Die Schlacht fand am 15. November 1315 statt und das Habsburgische Heer erlitt eine vernichtende Niederlage. Zwischen den Amtleuten und Landleuten in den Waldstätten und den Herzögen von Habsburg kam ein Waffenstillstand am 19. Juli 1318 zustande,der immer wieder verlängert wurde. Erst in den Waffenstillstand am 6. November 1320 wird das Kloster ausdrücklich einbezogen und das auch für rückwirkend geltend erklärt. Das verhalf dem Kloster allerdings nicht zu seinem Recht. Auch kirchlicherseits kamen sie nicht

weiter. Sie hatten zwar am 17. November 1318 eine Bannbulle von Papst Johannes XXII erwirkt, musste aber auch auf Bitten des Vogtes darauf verzichten. Bischof Johannes von Straßburg war in der Bulle zum Richter ernannt worden und lud beide Parteien

am 26. März 1319 zu sich. Die Schwyzer erklärten aber, dass sie “wegen schwerer Gefährdung nicht in Strassburg erscheinen könnten”.  Der Bischof bestätigte nun die verhängten Strafen. Durch den Verzicht des Klosters aber war alles hinfällig.

War die gesamte wirtschaftliche Lage in dieser Zeit ohnehin schwierig genug, so machte das alles natürlich noch schlimmer. Das Kloster geriet immer stärker in Schulden. Güter mussten verkauft werden, der Zehnte versetzt. Dennoch

hinterließ der Abt seinem Nachfolger 590 Pfund und 40 Gulden Schulden. Am 11. März 1327 starb Johannes und wurde im Grab seines Verwandten Anselm von Schwanden beigesetzt.

Auf ihn folgte Johannes II. von Hasenburg. Er war 1314 beim Überfall auf das Kloster dabei und wurde wie Konrad von Buwenburg nicht weggeführt. Er gehörte wahrscheinlich dem Willisauer Zweig der Freiherren von Hasenburg an, die ihren Stammsitz in Asuel im

Kanton Jura hatten. 1302 und 1303 errichteten die Herren einen befestigtes Zentrum anstelle des bisherigen Pfarrdorfs. In Urkunden von 1322 und 1326 tritt er als Zeuge auf und erscheint als Propst. Er wird, wie Bonstetten berichtet in Pfäffikon

zum Abt gewählt. Er tritt erstmals in einer Urkunde von 1327 auf, die ein  Heymo zu Hasenburg, Kirchherr zu Willisau, siegelt. Für die Benediktion hatte er dem Bischof von Konstanz 10 Pfund und dessen Diener 3 Pfund zu zahlen. Vordringlichste Aufgabe war, die durch den

Marchenstreit und seine Folgen verursachten Schulden einzudämmen. Er ließ die Urbare erneuern. Das Große Urbar von 1331 ist noch erhalten, er ließ Hofrechte neu verzeichnen. Er rechnete mit den Gotteshausamtmännern ab, was in vielen Urkunden

dokumentiert ist.  Die Stiftsgüter visitierte er persönlich. Er ließ Inventarien aufnehmen. Er konnte die Schulden seines Vorgängers und seine eigenen bezahlen. Den Hof in Illnau, den sein Vorgänger verkaufen musste, konnte er zurückkaufen und noch einige Güter

zurückkaufen. Er scheint eine glückliche Hand in weltlichen Dingen gehabt zu haben. Von 1330 bis 1331 wurde ihm die Verwaltung von Engelberg übertragen. In Engelberg hatte es 1306 einen Klosterbrand gegeben und auch dieses Stift war durch einen

Marchenstreit mit Uri stark beeinträchtig. Hier ging es um die Alpweiden jenseits des Surenpasses. Der Engelberger Abt Walter III. Amstutz war in dieser Zeit im Kloster Einsiedeln.

Am 13.08.1330 verpfändete Kaiser Ludwig für “20000 Mark Silber Konstanzer Gewichts die Städte und Burgen Zürich, Schaffhausen, St. Gallen und Rheinfelden mit Leuten, Gütern, Ehren, Rechten, Kirchensätzen, Gülten, Judensteuern, Nutzungen, [guten]

Gewohnheiten und Zubehör”. Dagegen wehrten sich Zürich und St. Gallen. In St. Gallen half der Abt. in Zürich setzten sich die Waldstätte ein, nach Ausweis seines Rechnungsbuchs auch Abt Johannes. Dass der Abt eine  guten Ruf genoss zeigt, auch, dass er

von Werner von Batzenberg, einem Toggenburger Ministerialen mit der Vollstreckung seines Testaments betraut wurde. Um seine Gesundheit scheint es aber nicht gut gestanden zu haben. Er war ja schon 1314 nicht mitverschleppt worden

und nach ausweis seines Rechnungsbuch weilte er in den Jahren 1330 und 1332 in Baden zur Kur, würde man heute wohl sagen. Das Nekrologium von Fahr gibt den 21. Juli 1334 als Todestag an.

Sein Nachfolger wurde Konrad II. von Gösgen. Er stammte aus der Freiherrenfamilie Gösgen, die zwischen 1161 und 1400 bezeugt ist. Sein Vater war wohl Gerhard von Gösgen. Konrad begegnet uns ebenfalls bei dem Überfall der Schwyzer.

Er entkam bei dem Überfall als einziger und ging wahrscheinlich  nach Pfäffikon zu seinem Abt.

Hatte das Stift unter Abt Johannes II.wieder ruhiger Zeiten gehabt, so konnte es sich nach den wenigen Jahre der Ruhe nicht aus den Streitigkeiten in seinem Umfeld heraushalten. An Kirchweih kam es in Einsiedeln zu  einem Streit zwischen

Schwyzern und Dienstleuten  der Grafen von Habsburg-Laufenburg-Rapperswil. Dabei wurden zwei Leute der Habsburger erschlagen. Möglicherweise ist das im Zusammenhang zu sehen mit dem Konflikt, den Bern mit einer breiten Koalition von Gegnern und den

Habsburgern hatte und der 1339 zum Laupenkrieg führte. Bern war mit den Waldstätten verbündet.  Die Grafen Johann, Rudolf und Gottfried von Habsburg versöhnten sich mit den Leuten von Schwyz und ihren Verbündeten am 1.12. 1338. Das berührte das Kloster

aber nur soweit, als die Tat auf Klostergebiet stattgefunden hat. Es muss aber auch direkter Zwist zwischen Schwyzern und dem Kloster geherrscht haben. Die Landleute der Schwyz müssen wohl von Abt Johannes nach wie vor im Banne gehalten worden sein.

Der Konventuale Markwart von Bechburg, Kammerer des Stifts, wurde von Schwyzern gefangen genommen. Aus einer Urkunde vom 9.1.1342, die im Staatsarchiv  Schwyz verwahrt wird (Urkunde 118) erfahren wir folgendes:

“Bruder Markwart von Bechburg, Kämmerer und Klosterherr zu Einsiedeln, gelobt beim Eide dem Landammann Konrad ab Jberg, Ammann Thiringer, Wernher Johanser, Johans an dem Velde, Ulrich Weidmann, Konrad Hug, Wernher Linsinger, Wernher von Stoufacher und Heinrich dem Schmid, dahin zu werben, dass zwischen dem Lande Schwyz und dem Gotteshause Einsiedeln eine Richtung geschehe“.
Gegeben zu Schwyz „in Heintzen Trütschen Hus an dem Sattel“ , am Mittwoch, „nach dem zwölf Tage“. Zwei Jahre später wurde das Kloster möglicherweise von den Schwyzern überfallen. Abt und Konvent befanden sich wohl in Pfäffikon.

Nur Rudolf von Zimmern befand sich allein im Stift. Er gab am 24. November 1344 das gleiche Versprechen wie Markwart ab. Schwerwiegendere Folgen vor allem für den Abt selbst, hatte die politische Umwälzung in der Stadt Zürich.

In Zürich  stürzte Rudolf Brun, der Sohn von Jakob (von 1305-1309 Schultheiss in Zürich und Mitglied des “Sommerrats” der Stadt, in dem die einflussreichsten Familien Zürichs vertreten waren) am 7. Juni 1336 den im Rathaus versammelten Stadtrat.

Am nächsten Tag wurde Rudolf zum Bürgermeister auf Lebenszeit ernannt. Er setzte eine neue Verfassung, die “Brunsche Zunftverfassung” durch. Wer sich nicht beugte, wurde aus der Stadt vertrieben. Der Sohn Brunos, der die Einsiedler Pfarrei Rued im Aargau

innehatte, bat unter anderem Abt Konrad, die Verbannungsurkunde zu siegeln. Auch hatte er zusammen mit anderen Herren  die getroffen Änderungen anerkannt.Die Verbannten flohen zu Graf Johannes von Rapperswil. Dieser fiel in der Schlacht bei Grynau.

Sein Sohn Johannes II. führte die Fehde fort. Um 1340 herrschte für kurze Zeit Frieden zwischen dem Grafen und Zürich. Die Fehde brach aber erneut aus. Im Sommer überfiel der Graf Pfäffikon, raubte es aus und führte auch den Abt gefangen weg.

Wie lange er in den Händen von Johannes II. war, lässt sich nicht genau sagen, aber am 26. Juni 1348 war sicher wieder frei, denn an diesem Tag wurde die Versöhnung zwischen Abt, Graf und der Stadt Raperswil in Zürich besiegelt. Am selben Tag

nahmen die Grafen Johann, Rudolf und Gottfried von Habsburg nehmen das Kloster Einsiedeln in ihren Schutz und bestätigen ihm alle Rechte in ihrem Herrschaftsgebiet. (Chartularium Sangallense VII, Nr. 4091, S. 23 (Quellenwerk I/3, 781.)

Der Graf musste den angerichteten Schaden ersetzen. Dafür wollte der Abt sich verwenden, dass der Bann, der offenbar über den Grafen verhängt worden war, gelöst wurde.

Unter Abt Konrad wechselten mehrere Vogteien den Besitzer, auch über das Kloster selbst. Die Herzöge von Österreich hatten sie an die Markgräfin gegeben. Diese verlieh die Einkünfte daraus für vier Jahre an Abt Konrad.

Ähnlich wie für seinen  Vorgänger sind auch für Konrad viele Abrechnungen mit Ammännern erhalten. Er schaffte es ebenfalls, einige Schulden zu tilgen. Die Ereignisse mit Graf Johannes, vor allem seine Gefangennahme, scheinen

seine Gesundheit untergraben zu haben. Er verstarb am 4. November 1348.

Für ihn wurde Heinrich III. von Brandis gewählt, aus einem hochfreien Geschlecht im oberen Emmental stammend. Wie er selbst sagte, suchte der Adel zu seiner Zeit nachgeborene Söhne in Klöstern zu versorgen. Seine Familie ist

dafür ein gutes Beispiel. Sein Bruder Eberhard war von 1349-1379 Abt der Reichenau, wobei er allerdings nach K. Beyerle die Aufbauarbeit seines Vorgängers Diethelms zunichte machte.

„Sinkende Klosterzucht, kaum zu überbietende Verweltlichung und zunehmende Mißwirtschaft kennzeichnen ihre Regierung“ . Das gilt auch für den Neffen Heinrichs, Mangold, der von 1382 bis 1385 Abt der Reichenau war und Heinrich

auch auf dem Konstanzer Bischofsstuhl nachfolgte.Mangold II ( gest.1372)war Landkomtur der Ballei Elsass-Burgund des Deutschordens und Werner II (gest. 1390) Landkomtur der Ballei Elsass-Burgund sowie Schwaben und des Aargaus.

Die Schwester von Heinrich war von 1330-1349 Äbtissin des Damenstifts Säckingen und eine Nichte, sie hieß auch Agnes, war 1367 Äbtissin in Masmünster (Masevaux.Haut-Rhin) Elsass.

Heinrichs Wahl erfolgte wohl noch 1348, war aber möglicherweise nicht unstrittig, denn am 1.1.1349 bezeugt Thüring von Attinghausen, der ja Abt in Disentis war, dem Bischof von  Konstanz Ulrich Pfefferhard (1345-1351), dass in Einsiedeln nie

ein Subdiakon zur Abtwahl zugelassen worden war.

1349 ging in der der Schweiz die Pest um und forderte viele Opfer. Die Schwyzer waren ja immer noch im Kirchenbann. Außerdem stand für 1350 das große Jubiläum an. Die Zeit war also reif, einen Schlusstrich unter den Marchenstreit zu ziehen.

Auch der geeignete Vermittler stand bereit. Thüring von Attinghausen, er war Bruder von Johann von Attinghausen und gehörte also zu einer der einflussreichsten Familien der Innerschweiz. Im November brachte er einen Frieden zwischen dem

Kloster Disentis, Uri, Schwyz und Unterwalden zustande und auch an einem anderen Frieden der drei Länder, den Johann bewerkstelligte, war der Abt von Disentis vermittelnd tätig. Im Juni 1343 erreichte er einen Vergleich seines Klosters mit dem

dem österreichischen Landvogt von Glarus Walter von Stadion wegen der Landmarch.Thüring war ja 1314 Subdiakon in Einsiedeln. Am 8. Februar 1350 kam schließlich der Vergleich zwischen dem Kloster und den Landleuten von Schwyz zustande.

Eine neue Grenzlinie wurde gezogen und das Stift musste auf auf 110  Quadratkilometer Besitz verzichten, das war etwas mehr als sein bisheriger Besitz. Im Sihl und Alptal deckten sich die Grenzen größtenteils mit den 1217 gezogenen. Im Bibertal

wurde der größte Teil den Schwyzern zugesprochen. Die Urkunde wurde in Einsiedeln ausgefertigt. Als Zeugen waren der Abt von Pfäfers Hermann von Arbon, der ja bis zu seiner Abtswahl auch dem Konvent Einsiedeln angehörte, dann für den Johanniterorden

Herdegen von Rechberg. Die Johanniter hatten seit 1192 eine kommende in Bubikon. Dann war Peter von Stoffeln zugegen, Ritter des Deutschordens in der Ballei Elsass-Burgund, die vor kurzem auf Tanneburg in Nottwill eine Kommende errichtet hatte.

Aus Zürich war Ritter Heinrich Biber zugegen, der in Zürich Schultheiss war. Von den Waldstätten war Rudolf anwesend.

Die 1350 gezogenen Grenzen sind heute noch die Bezirksgrenzen zwischen Schwyz und Einsiedeln. Um zukünftigen Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, bemühte sich das Kloster Güter und Gefälle

im Schwyzerland abzustoßen. Das Kloster bemühte sich auch um Lösung der kirchlichen Strafen.

Mit dem Vergleich zwischen dem Kloster und Schwyz, ging ein Streit zu Ende, der rund 250 Jahre gedauert hat. Das Kloster kam aber nicht zur Ruhe.

Am 4.10.1349 hatte Abt Heinrich in Wien mit Herzog Albrecht ein Burgrecht abgeschlossen. Der Herzog durfte die Veste Pfäffikon in Kriegszeiten “ohne Kosten und Schaden” nutzen und versicherte, sie nach dem Krieg wieder

unversehrt zurück zu geben. Dafür nahm der Herzog den Abt, seinen Nachfolger und die Leute des Klosters in seinen Schirm. Wie wir oben gesehen haben, waren nachdem Rudolf von Brun in Zürich Bürgermeister geworden war,

seine Gegner aus Zürich vertrieben worden. Viele von ihnen  waren nach Rapperswil geflüchtet, da einige von ihnen Ministeriale des Grafen Johann I. von Habsburg-Laufenburg waren. Unter seinem Schutz hatten sie eine Gegenregierung des

“äußeren Zürich” (1336-1350) gegründet, warben Söldner an und suchten mit Streifzügen im Gebiet Zürichs die Lage zu destabilisieren. Gegen die in Zürich verbliebenen Gegner der neuen Stadtregierung wurde hart durchgegriffen.

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Für die Nacht vom 23.auf 24. Februar war ein Handstreich auf die Stadt vorbereitet worden, der allerdings wohl durch Verrat dem Bürgermeister bekannt war. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen, 15 Verschworene fielen, 35 wurden gefangengenommen und

dann zum Tode verurteilt. Auch der Rapperswiler Graf war in Gefangenschaft geraten und blieb zwei Jahre im Züricher Stadtgefängnis eingekerkert. Brun war mit seinen Truppen vor Rapperswil gezogen. In der Nacht vom 24. Februar wurde Rapperswil

gebrandschatzt, die Burg zerstört und die Mauern von Rapperswil geschleift. Die Züricher besetzten auch Gebiete in der unteren March. Damit hatten sie die Kontrolle über die Bündner Pässe. Nun waren auch die Interessen Herzog Albrechts

von Österreich direkt berührt und Habsburg-Österreich griff ein. Zürich brauchte nun neue Bundesgenossen und schloss am 1. Mai 1351 mit Luzern und den drei Waldstätten ein Bündnis. Es folgte nun ein regelrechter Kleinkrieg, der erst 1355

mit dem Regensburger Frieden zu Ende kam. Die Einsiedler Besitzungen am Zürichsee wurden im Laufe der Auseinandersetzungen schwer mitgenommen, ohne dass das Stift dafür je entschädigt wurde. Um die Schäden zu decken, griff Abt Heinrich zum einen zur

Kircheninkorporation, das ist die Zuweisung der Pfründe einer Pfarrkirche an das Kloster. Am 4.10.1349 wurde Brütten (zwischen Winterthur und Zürich)und am 3.12.1350 Riegel und Ettiswil (Kanton Luzern) inkorporiert. Das reichte nicht und so mussten

auch noch Güter verkauft werden. 1349 wurde der Dinghof in Untererlinsbach verkauft, 1353 folgte der Hof in Riegel und die Höfe in Ebnet, Schelingen und Eschbach.

Am 2.10.1253 bestätigte König Karl IV.(1346-1355, ab 1355 Kaiser bis 1378) auf Bitten des Abtes den Brief König Rudolfs über die Fürstenwürde des Abtes. Mit gleichem Datum verlieh er dem Abt die Regalien und setzte ihn in die Reichslehen ein.

Am  10.8.1353 stiftete Abt Heinrich zusammen mit dem Züricher Chorherren Heinrich Martin das Pilgerhospital in Einsiedeln. Es erhielt auch hohen Besuch durch Karl IV. als dieser wegen der Belagerung von Zürich in der Gegend war. Doch musste er dabei einige

Reliquien so einen Teil des Arms des heiligen Mauritius dem Veitsdom in Prag überlassen.

Es ist nun an der Zeit, einen Blick auf den Bischofstuhl in Konstanz zu werfen. Seit Gerhard von Bevar in Konstanz von Clemens V. zum Bischof ernannt worden war, weil sich das Kapitel nach dem Tod Bischof Heinrichs von Klingenberg nicht auf einen Kandidaten

einigen konnte und es zu einer Doppelwahl gekommen war, gewann der Papst in Avignon entscheidenden Einfluss auf die Besetzung des Stuhls in Konstanz. Die Servitien, die zu zahlen waren,  das war die Bestätigungsgebühr für den Bischofsstuhl und betrug in der

Regel ein Drittel des Jahreseinkommens der Pfründe, schwächten die Finanzen des Bistums. Dazu kamen die Auseinandersetzungen zwischen Papst und Kaiser Ludwig dem Bayern. Auch 1334 war es wieder zu einer Doppelwahl gekommen. Der Zustand des Bistums

war desolat. 1352 wurde schließlich Johann Windlock Bischof in Konstanz. Ab 1449 war er Kanzler Herzog Albrechts von Habsburg. Der Herzog war der mächtigste Landesherr im Bistum und Johann Windlock wurde am 29. November 1351 zum Konstanzer Bischof

gewählt und am 9. Juli 1352 durch Papst Clemens VI. bestätigt.Bischof Johann versuchte durch Reformen und hartem Durchgreifen den beklagenswerten Zustand des Bistums zu ändern. Er scheute sich nicht, Widerstrebende, auch die mächtigsten und

einflussreichsten Geistlichen mit Interdikt zu belegen oder sogar zu verhaften. Natürlich schaffte er sich damit nicht nur Freunde. Am 21. Januar 1356 wurde er Opfer eines Attentats in seiner Residenz beim Münster. Inzwischen war Karl IV. deutscher König und

in Bamberg war Lupold von Bebenburg Bischof. Wegen der Territorialpolitik in Böhmen war das Verhältnis wohl nicht konfliktfrei und er sollte nach Konstanz transferiert werden. Doch Lupold lehnte ab. Da ernannte Innozenz VI. (1352-1362) den Einsiedler Abt Heinrich

zum Bischof von Konstanz, wo er keine allzu glückliche Regierungszeit hatte. Die gesamte Zeit war von harten Auseinandersetzungen überschattet. Er wurde sogar mal kurz des Amtes enthoben, aber nachdem sich Bischof und Stadt geeinigt hatten, wurde er 1372 ins

Amt eingesetzt. Kurz vor seinem Tod setzte ihn Gregor IX. 1382 ab. Heinrich starb am 22. November 1383 auf seinem Schloss in Klingnau im Aargau.

Nachdem Heinrich Bischof in Konstanz geworden war, hatte der Heilige Stuhl das Recht der Neubesetzung der Abtei. Nikolaus von Gutenburg wurde Nachfolger Heinrichs, wobei es möglich ist,

dass dieses auf Vorschlag von Heinrich geschah. Er war von 1357 bis 1364 Abt. Er stammte aus dem edelfreien Ministerialengeschlecht derer von Gutenburg, die möglicherweise aus Aarwangen im Kanton Bern stammten und jetzt ihren Sitz auf der

Gutenburg in Aichen, heute ein Stadtteil von Waldshut-Tiengen,  hatten. Nikolaus ist seit 1328 auf der Reichenau nachweisbar und war dort Propst, nach Oehem war er auch Thesaurar. Auch für den Abtsstuhl waren Servitien zu entrichten. Abt Nikolaus

konnte dies aber innerhalb der Frist nicht zahlen. So verfiel er der Suspension, Exkommunikation und Irregularität, das Stift aber dem Interdikt. Erst am 3.12. 1359 quittiert der Erzbischof von Toulouse Stephanus den Empfang von

194 Florentiner Gulden, 39 Schilling und 6 Denaren, also die Annaten, die für den Einsiedler Abtsstuhl geschuldet waren. Dann erst wird er freigesprochen und ist rechtmäßig im Amt. In seiner Regierungszeit wurde eine Brücke zwischen Rapperswil und Hürden

gebaut, die für die Wallfahrt nach Einsiedeln bedeutend war. Herzog Rudolf IV. übertrug dem Vogt in Rapperswil Johann von Langenhart, der dieses Amt von 1347-1377 innehatte, die Baukosten von 1205 Gulden und verpfründet ihm dafür

die Nutzungsrechte über Rapperswil, Kempraten, Jona, die Mittelmarch, Altendorf, das Wägital sowie  die Vogtei Einsiedeln. Auch Nikolaus inkorporierte Pfarreien, nämlich 1362 Stäfa, Ufnau, Eschenz. Dabei war ihm sein Amtsvorgänger Heinrich behilflich.

Auch weiter Verkäufe waren notwendig. Abt Nikolaus regierte nur 7 Jahre. Er starb am 5. März 1364. Mit seinem Nachfolger Markwart von Grünenberg besetzte wieder ein Mönch aus Einsiedeln den Abtsstuhl. Seine Abstammung ist nicht ganz sicher.

Sein Vater war wahrscheinlich Johann I. von Grünenberg genannt der Grimme und seine Mutter Freifrau Clementia von Signau. Die Freiherren von Grünenberg waren eine weitverzweigte Adelsfamilie im Oberaargau, im Elsass, im Markgräflerland und im Breisgau.

Markwart war in einem  Burgenkomplex von drei Burgen in der Gemeinde Melchnau im Kanton Bern zuhause. Er war wohl schon unter Abt Johannes I. ins Stift Einsiedeln eingetreten. Auch sein Bruder Peter findet sich unter den Mönchen. Markwart wird schon am

31. Mai 1330 als Propst von Fahr erwähnt. Er erscheint auch 1339 bei einem Tausch von Leibeigenen mit Kloster St. Blasien. Bis 1356 erscheint er immer wieder in Urkunden. Die Bestätigung einer Stiftung am 21.1. 1356 ist seine letzte Amtshandlung als Propst.

Dann erscheint erst wieder 1364 als Abt.Erst sehr spät stellte Kaiser Karl dem Abt einen Schutzbrief aus, nämlich erst am 5. August 1375 in Prag. Möglicherweise spielte für diese späte Ausstellung die große Entfernung eine Rolle.

In diesem Brief nimmt der Kaiser den Abt und das Kloster in seinen Schutz und verfügt, dass dessen Leute vor kein fremdes Landgericht gezogen werden sollen. Diesen Brief ließ der Abt am 2. Oktober 1375  vor dem thurgauischen Landgericht zur

Vidimation und Anerkennung vorlegen. Der Friede von Regensburg 1355 und der Friede von Thorberg, den Peter von Thorberg zwischen Habsburg und Eidgenossen 1368 vermittelt hatte, brachte Abt und Stift wieder ruhigere Jahre. Auch eine

finanzielle Erholung ist zu verzeichnen, was daraus zu ersehen ist, dass das Kloster die Herrschaft Reichenberg in der March für 1200 Gulden erwerben konnte. Verkäufer war der Rapperswiler Bürger Rudolf Tumpter, der sie seinerseits von

Ulrich von Aspermont und dessen Sohn gekauft hatte. In eine Fehde konnte der Abt noch vermittelnd eingreifen. Heinrich und Johannes Scheitler aus Uri hatten Gottfried, den Bruder von Rudolf IV. von Habsburg-Laufenburg in Einsiedeln gefangen genommen

weil er den beiden wohl Kaufmannsgüter weggenommen hatte. Abt Markwart erreichte, dass der Gefangene in Einsiedeln verblieb, bis der Handel abgeschlossen war. Nachdem  er für sich und seine Brüder Urfehde geschworen hatte, wurde er

am 1. Oktober 1370 wieder in Freiheit gesetzt.

Die Wallfahrt blühte. Um 1370 hört man von Pilgern aus Lübeck und Nürnberg und zwar solchen, die die Wallfahrt stellvertretend für andere unternahmen. 1376 wird die Pilgerschiffswallfahrt auf dem Vierwaldstätter See zum ersten Mal erwähnt.

Am 18.Oktober 1376 starb Abt Markwart in Fahr, wie dem  Totenbuch von Fahr zu entnehmen ist.

Auf ihn folgte Peter II. von Wolhusen, der zweite Einsiedler Abt aus dem Geschlecht der Freiherren von Wolhusen. Er war wohl schon 1356 im Kloster, denn er erscheint in dem von Heinrich von Ligerz aufgestellten Katalog. Aber schon 1360 bekleidete er drei

Klosterämter, nämlich Kantor, Kustos und Kämmerer zugleich. Das muss nichts mit den Talenten des noch jungen Mönchs zu tu  haben, sondern weist auf ein anderes großes Problem, mit dem das Kloster zu kämpfen hatte, dem Nachwuchsproblem.

Schon zu Zeiten des Überfalls der Schwyzer auf das Stift zählte der Konvent gerade mal 6 Mitglieder und 1356 waren es zehn. Das hing natürlich damit zusammen, das seit etwa 1200 nur Hochadelige ins Stift aufgenommen wurden,

ähnlich wie in St. Gallen oder auf der Reichenau. Logische Folge war zum Beispiel auf der Reichenau 1427, dass gerade noch zwei Mönche im Kloster waren, nämlich Neffe und Onkel und dieser hochbetagt. Auch Einsiedeln schien gegen Ende des 14.

Jahrhunderts vom Aussterben  bedroht. So war eigentlich in Einsiedeln nicht allzu viel vom Aufschwung zu spüren, den die Benediktiner in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wieder verspürten. Startsignal war sozusagen die Bulle “summi magistri

dignatio” von 1336, die Papst Benedikt XII. (1334-1342) erlassen hatte, und die nach ihm auch einfach “Benedictina” genannt wird. Vor Benedikt Papst wurde, war er Zisterziensermönch.  Die Bulle schärfte den Benediktineräbten eine geordnete Güterverwaltung ein.

Er verpflichtete die Äbte zu einer soliden Ausbildung der Novizen und ermutigte zum Hochschulstudium der Mönche. Alle zwei Jahre sollten Provinzkapitel stattfinden, die sich mit wirtschaftlichen, religiösen und disziplinären Fragen der Reform,

mit deren Durchführung und langfristigen Sicherung befassen sollten. Konkret wurde das in Kastl, Melk und Bursfelde im deutschsprachigen Raum. Abt Peter wurde schnell mit einem anderen großen kirchlichen Problem

konfrontiert, dem abendländischen Schisma, das 1378 ausbrach. Verschärft wurde das durch den Konflikt zwischen Habsburg und den Eidgenossen. Die Eidgenossen unterstützten den Papst in Rom Urban VI., der am 8.4. 1378 in Rom gewählt worden

war. In Fondi wurde am 20.9. Kardinal Robert von Genf gewählt, der sich dann Clemens VII. nannte. Dieser musste sich aber bald nach Avignon zurückziehen. Frankreich, Süditalien, Schottland und Spanien stützen Clemens VII., während der Papst in Rom

von Mittel-und Norditalien, dem Heiligen Römischen Reich und England anerkannt wurde. Herzog Leopold von Habsburg, der in den habsburgischen Stammlanden regierte, hatte sich für den Papst in Avignon ausgesprochen. Peter anerkannte den Papst in Rom.

Beginnen wir aber mit seinem Karrierestart. Um 1364 war er Stellvertreter des Propsts von Fahr, Rudolf von Pont. Dieser hatte auch gleichzeitig die Propstei von St. Gerold im Großen Walsertal inne. Als er 1372 oder 1373 starb, folgte ihm Peter als Propst nach.

Dort kümmerte sich vor allem um die Instandstellung der Gebäude. Die Mühle ließ er 1373 neu aufbauen. Er ließ auch ein neues Messbuch schreiben. Dort wurden auch dies Instandhaltungsarbeiten vermerkt. 1376 wurde er zum Abt von Einsiedeln gewählt.

Die Stellungnahme für den römischen Papst war sicher eher politischen als religiösen Überlegungen geschuldet. Schon um 1381 beauftragte ihn der Papst, für die Wahrung der Rechte der Abtei St. Gallen zu sorgen. Peter delegierte diesen

Auftrag an den Abt von Rüti, Heinrich. Schon vor Ausbruch des Schismas hatte Herzog Leopold von Österreich am 19. 3. 1377  “den Abt und das Gotteshaus von Einsiedeln, deren Leute und Güter und Diener in seinen Schirm genommen”.

Auch König Wenzel, der nach dem Tod Karls IV. 1378 deutscher König geworden war, bestätigte dem Abt am 25.6.1381 in Frankfurt “alle Rechte, Freiheiten, Gnaden und gute Gewohnheiten”. Am 10. Oktober 1386 stellte Papst Urban VI. das Gotteshaus Einsiedeln mit

allen Personen und Gütern unter den Schutz von St. Petrus und des apostolischen Stuhls und nur 6 Tage später am 16.10. bestätigte er dem Kloster alle Rechte und Freiheiten, wie sie 1291 von Papst Nikolaus IV. verliehen worden waren.

Schon 6 Jahre vorher hatte der Kardinallegat von Papst Urban Pileus kraft seines Amtes alle Schreiben der Bischöfe an den Abt und das Kloster Einsiedeln bestätigt.

Im politischen Umfeld des Klosters standen die Dinge nicht mehr so gut für die Habsburger. Abt Peter  ging am 1. 10. 1386 ein Burgrecht mit Zürich ein. Der Bürgermeister und der Rat von Zürich bekundeten, dass sie Abt Peter und die Leute von Pfäffikon

als Bürger angenommen haben. Das war auf 10  Jahre befristet. Dafür durften sie die Veste Pfäffikon einnehmen. Das verhinderte allerdings nicht, dass die Stiftsgüter im Sempacher (9. Juli 1386)und Näfelser  (9.April 1388) Krieg stark geschädigt wurden.

In der Schlacht von Sempach war Herzog Leopold gefallen. Die Schlacht von Näfels war die letzte bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Habsburg und Eidgenossen.Die erneuten Schäden zwangen auch Abt Peter zu Veräußerungen,

um sich der Schulden zu erwehren.

Das Todesdatum Abt Peters ist der 23. April. Das Jahr ist nicht sicher. Seine letzte Urkunde wurde  am 10. Januar 1386 ausgestellt. Der neue Abt urkundete erstmals am 14. August 1387. Also muss Abt Peter entweder 1386 oder 1387 verstorben sein.

Ihm folgte Ludwig von Thierstein nach. Er gehörte zur Familie der Grafen von Thierstein und zwar zur Seitenlinie Thierstein-Farnsburg, die auf der Farnsburg von Ormalingen saßen. Sie hatten die Landgrafschaft Sisgau inne. Der genaue Amtsantritt von Abt Ludwig

steht nicht fest. Nach der Schlacht von Näfels kam es 1389 zu einem Friedenabschluss, der zunächst 7 Jahre gelten sollte, aber schon 1394 um zwanzig Jahre verlängert wurde.  Die Habsburger verzichteten auf ihre Rechte in Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern, Zürich,

Zug, Bern und Glarus. Abt Ludwig ging mit Zürich auf zehn Jahre ein Burgrecht ein. Zu seinem Amtsantritt übernahm Ludwig 2200 Gulden an Schulden. Doch die Schulden nahmen zu. Innerhalb von 4 Jahren erhöhte sich der Berg um weitere 3000 Gulden.

Alle entbehrlichen Güter und Kirchenschätze sollten veräußert werden. Nicht hilfreich war, dass die Päpste in dieser Zeit fremden Klerikern Anwartschaften auf Pfründe des Klosters erteilten. Auch die weltlichen Herrscher standen da nicht

zurück. Das erste was das Stift von Rupprecht von der Pfalz (1400 bis 1410 deutscher König) hörte, war das Gesuch um die Versorgung eines Klerikers aus der Diözese Konstanz. Die Schutzbulle, die Papst Bonifaz IX. am 11.4.1401 wie Papst Urban VI.

15 Jahre zuvor erteilte, schützte natürlich vor der finanziellen Bedrängnis nicht. Damit nicht genug hatte sich Abt Ludwig auch noch um den Straßburger Bischofsstuhl bemüht, um den im  Jahre 1393 heftig gestritten wurde und wofür Ludwig

auch noch größere Summen aufwenden musste. Als die Lage ziemlich ausweglos geworden war, vereinbarte Ludwig 1396 mit seinem Konvent, der zu diesem Zeitpunkt gerade noch aus drei Mitgliedern bestand, dass er die Verwaltung des Klosters für 10 Jahre

niederlegte. Die Verwaltung wurde an Hugo von Rosenegg übertragen. Der Abt sollte, falls er im Lande blieb, 200 Gulden jährlich sowie eine Reihe festgelegter Naturalien erhalten.  Der Text der darüber am 3.2.1396 in Zürich ausgestellten Urkunde klingt allerdings

recht schroff: “Vertrag des Kapitels zu Einsiedeln mit seinem übel haushaltenden Abte Ludwig von Thierstein, dass er 10 Jahre lang vom Lande fahren, und die Veste Pfäffikon weder besuchen noch bewohnen dürfe; einzig der Pfleger an seiner Statt, Hugo von

Rosenegg, darf Pfäffikon inne haben.”

Der Abt blieb nicht nur im Lande sondern mischte sich weiter in die Verwaltung der Stiftsgüter ein. Noch am 14.1.1402 stellte er eine Verleihungsurkunde aus. Er starb am 10. Oktober 1402.

Hugo stammte aus der Freiherrenfamilie von Rosenegg. Die Burg Rosenegg lag im Hegau in Der heutigen Gemeinde Rielasingen-Worblingen. Hugos Vater war Johann, der 1362 österreichischer Landrichter in Konstanz und von 1372-1376 im Thurgau war.

Hugo hatte drei Brüder. Werner war von 1385-1402 Abt auf der Reichenau. Heinrich war Hauptmann der Rittergesellschaft vom Jörgenschild. Er wohnte zusammen mit seinem Bruder Hans auf Wartenfels, das durch die Heirat ihres Vaters mit einer von Tengen in die

Familie gekommen war. Hugos beide Mitbrüder Werner von End, der mit ihm zusammen mit Abt Ludwig den Verzicht auf die Klosterverwaltung vereinbart hatte und Burkhard von Krenkingen wählten ihn zum neuen Abt.

Am 23.10. 1402 schloss er das Burgrecht mit Zürich auf 10 Jahre ab. Am 14. März 1408 bestätigte König Ruprecht in  Konstanz Abt Hugo die Privilegien des Kloster “Rechte, Freiheiten, Gnade und gute Gewohnheiten, Privilegien, Handfesten und Briefe”.

Auch das Asylrecht bekräftigte er.

Aus zwei Päpsten waren mittlerweile drei geworden. Es gab verschieden Möglichkeiten, das Schisma zu beenden. Das eine wäre die militärische Gewalt gewesen. Dann wäre eine freiwillige Abdankung möglich gewesen oder der Weg eines Kompromisses und

schließlich ein Schiedsgericht, also die Unterwerfung unter die Entscheidung eines Konzils. Die Universität von Paris, die damals bedeutendste Bildungseinrichtung des Abendlandes hatte diese Wege vorgeschlagen. 1407 kam es in Savonna zu Verhandlungen

zwischen beiden Obödienzien. Das Kardinalskollegium trennte sich danach nicht. 17 Kardinäle riefen in Livorno am 35. März 1409 ein Konzil in Pisa einzuberufen. Über 600 Kleriker kamen nach Pisa. Die beiden im Moment regierenden Päpste

beriefen aber jeweils eigene Konzilien ein, die es aber bei weitem nicht auf so viele Teilnehmer brachten. Am 5. Juni 1409 setzte das Konzil in Pisa die beiden Päpste ab und wählte am 24. Juni 1409 den Mailänder Kardinal Pietro Philargi von Candia zum Papst.

Er nannte sich Alexander V. – nur die beiden anderen Päpste traten nicht ab. Nun gab es also drei Päpste. Alexander starb allerdings schon am 3. Mai 1410. Ihm folgte Baldassare Cossa als Johannes XXIII. nach. Die Obödienzen der

abgesetzten Päpste waren stark geschrumpft. Auch Einsiedeln hatte wohl die Obödienz in Pisa anerkannt, denn am 31. Mai 1410 bestätigte der Pisaner Papst Johannes XXIII. in Bologna alle  Privilegien und Freiheiten des Klosters Einsiedeln.

Abt Hugo wahrte die Rechte des Stift. Er schaffte es, ausstehende Zinsen einzubringen. Zwar musste auch er noch zu Verkäufen greifen, doch die finanzielle Lage des Stifts war wieder konsolidiert wie Bonstetten vermerkt:

“verliess darzu an barschaft zway und dreissig tausent Gulden” Auch die Wallfahrt nahm unter Abt Hugo weiter Aufschwung. Pilger aus den Hansestädten und den Niederlanden kamen öfters nach Einsiedeln.

Auch König Sigismund, der ja auf dem Konzil anwesend war, war 1417 in Einsiedeln.

Eine große Wallfahrt wurde 1411 von Basel veranstaltet, als in Basel die Pest grassierte. Wichtiges Ereignis war natürlich das Konzil von Konstanz von 1414-1418, an dem wie wir wissen, auch Abt Hugo teilgenommen hatte. Ob Hugo an den von Papst

Benedikt XII. geforderten Provinzkapitel teilnahm, ist nicht nach zu weisen. Aber er hatte wohl auch andere Probleme. Es waren nur noch drei Konventualen im Stift und die Misswirtschaft seine Vorgängers war ja auch zu bewältigen.

Am großen Provinzkapitel in Peterhausen, das im Februar 1417 praktisch im Rahmen des Konzils stattfand, war er dabei. Die Konzilsversammlung hatte das Kapitel einberufen. Der Chronist des Konstanzer Konzils Ulrich Richental zählte

78 teilnehmende Äbte und 48 weitere Abgesandte anderer Abteien. Die Tagung dauerte drei Wochen und endete mit einer feierlichen Prozession.

Abt Hugo wird letztmals am 21.4.1418 urkundlich erwähnt, als  Heinrich Eschli aus dem Euthal angibt, dass ihm von Abt Hugo eine Schweig geliehen worden sei. Am 16. Oktober 1418 starb er in Pfäffikon.

Auf ihn folgte Burkhard von Krenkingen-Weissenburg. Er war schon  bei der Vereinbarung mit Hugo und  Ludwig dabei und möglicherweise wurde er gar nicht gewählt, denn er war, was nicht ganz fest steht, vielleicht

sogar der einzige noch vorhandene Konventuale. Walter von End starb wahrscheinlich kurz nach 1416. Erst 1428 erfahren wir von 4 Herren. Ein gemeinsames Ordensleben nach der Ordensregeln gab es nicht mehr. Das Stiftsgut war in Pfründen

aufgeteilt.

Am 20.11. 1418 ging er mit Zürich ein Burgrecht ein und zwar auf Lebzeiten. Am 9. Februar 1424 verlieh König Sigismund in Ofen an Schwyz die Vogtei über Kloster Einsiedeln. Ital Reding, der Älter (1370-1447)Landamman von Schwyz

war deshalb eigens nach Ofen gereist.Ital Reding und Sigismund kannten sich ja bereits. In Konstanz war Reding  eidgenössischer Gesandter an das Konzil. 1415 verlieh Sigismund in Konstanz die Blutgerichtsbarkeit für Schwyz.

Die Vogteiverleihung scheint nicht einvernehmlich mit dem Abt geschehen zu sein. Aber machen konnte er nichts.

Das Stiftsgut war in Pfründen aufgeteilt. 1428 nahm auch Burkhard eine solche Einteilung vor. Richard von Falkenstein erhielt die Kustorei, Rudolf von Sax die Kammerei, dessen Bruder, Gerold von Sax, die Kantorei und Franz von Rechberg die Propstei Fahr.

Er behielt sich aber vor, diese bei schlechter Verwaltung wieder an sich ziehen zu können.

Als der König im Dezember 1430 in Überlingen war, versuchte Abt Burkhard über seinen Onkel Hans von Lupfen, Hans von Klingenberg, der kaiserlicher Rat bei Sigismund nach dessen Kaiserkrönung war und Hauptmann der Rittergesellschaft vom Jörgenschild,

die Übertragung der Vogtei von 1424 rückgängig zu machen. Auch der Fürst von Braunschweig verwandte sich für den Abt. Zwar verlieh der König am 13.12.1430 die Regalien und übergab diese dem Bevollmächtigten  des Abts, dem Leutepriester auf der Ufnau Kaplan Reinhard Stahler, da der Abt “wegen vielen Geschäften sich nicht persönlich vor dem Kaiser stellen konnte”. Einen Tag später, am 14. 12. bestägtite Kaiser Siegmund “auf Anhalten seines Fürsten, des Abts Burkard von Einsiedeln, alle Rechte, Freiheiten u.s.w. dieses Klosters, besonders die von Karl IV. ertheilten, dass man seine Leute vor kein fremdes Landgericht lade, und Aechter halten möge; auch nimmt er das Gotteshaus und dessen Leute in des Reiches besondern Schirm.”(nach Regesta imperii XI/2, Nr. 8012) In Sachen Vogtei

hatte der Abt aber keinen Erfolg. Am 9. 1.1433 bat der Abt erneut um Aufhebung der Bullen und verwies auf die Vermittlung der Herren von Lupfen, Klingenberg und Braunschweig in Überlingen. Erst am 22. Oktober 1431 in Feldkirch hatte der Abt Erfolg. Der König

nahm das Kloster erneut in des Reiches Schutz, widerrief den Brief, in dem er Schwyz die Vogtei verliehen hatte und verbot “bei Androhung seiner Ungnade” von diesem Recht Gebrauch zu machen. Das gefiel natürlich den Schwyzern nicht und sie unternahmen

Schritte dagegen.

In Basel tagte mittlerweile das Konzil  von 1431-1449, das von dem in Konstanz gewählten Papst Martin V. einberufen worden war. Sorge um den Glauben, Herstellung des Friedens in der Christenheit und Reformen sollten auf der Tagesordnung  stehen.

Auch Sigismund, seit März 1433 Kaiser, hatte zum Kaiserlichen Tag, also einem Reichstag auf den 30.11. 1433 nach Basel geladen.  Abt  Burkhard und Abgesandte der Schwyz waren natürlich in Basel vertreten. Am 11.12.1433 stand der Streit

zwischen Abt Burkhard und dem Lande Schwyz auf der Tagesordnung.Kaiser Sigismund erzählte ”den ganzen Hergang dieses Geschäfts. Dieses geschah in Beisein des Abts Burkard, des Ammann Itel Reding und einer Menge Reichsfürsten, Grafen, Herren und Doktoren, deren

viele genannt sind.” Zwar entkräftete er nochmals den Brief von 1424, in dem Schwyz die Vogtei zu gesprochen worden war, und er versicherte, dass er dem Abt und Konvent nie einen anderen Vogt setzen werde. Anderseits verfügte er, dass dem Lande Schwyz

die Vogte über Einsiedeln zugehöre, wie sie früher von der Herrschaft Österreich ausgeübt wurde. Die Schwyzer sollten dem Kaiser in einem besiegelten Brief bestätigen, dass sie das Gotteshaus bei seinen alten Rechten und Freiheiten lassen würden.

Am selben Tag bestätigte der Kaiser nochmals die Privilegien des Klosters Einsiedeln.

Am 14.3. 1434  gaben” Ammann, Rat und Gemeinde des Landes zu Schwyz“,  dem Abt und Gotteshaus zu Einsiedeln die Versicherung, sie bei allen ihren Rechten und Freiheiten bleiben zu lassen, und sie hiebei zu schirmen, wie solches in einer goldenen Bulle des

Kaisers Sigmund verlangt wird. Am 19.3. legte der Abt vor dem kaiserlichen Notar Leonard Valk seinen Protest nieder. Als Zeugen traten unter anderem auf der Leutprister Stahler von der Ufnau, der ja schon in Überlingen für den

Abt tätig war und Abt Johann Schwarzmurer von der Zisterzienserabtei Wettingen. Der Abt ließ bekräftigen, dass die “Annehmung des Schirmbriefs dem Gotteshaus nicht solle schädlich sein”. Am 14.4.1434 bestätigte Sigmund den Schutzbrief der Schwyz.

Damit war die Vogtei endgültig an das Land Schwyz übergegangen, das es bis 1798, also bis die “Helvetische Republik” die Eidgenossenschaft ablöste, innehatte.

Im Frühjahr 1425 versammelten  sich 41 Äbte und Pröpste ordensübergreifen aus Klöstern des Bistums Konstanz. Einer der Initiatoren war wohl Heinrich Merk, der von 1417-1430 Abt der Prämonstratenserabtei Rot an der Rot war. Nach dem Vorbild der Städte-und

Ritterbünde wurde eine Konfraternität geschlossen. Man wollte sich gegen ungebührliche Forderungen der päpstlichen und bischöflichen Kurie schützen und klösterliche Rechte gegen die Einmischung adliger Verwandten von Klosterangehörigen sollten gewahrt

werden. Aus jedem der 4 vertretenen Orden wurde ein Vertreter gewählt. Beiträge an eine gemeinsame Kasse wurden festgelegt, aus der die Reiseauslagen bestritten wurden. An die Beschlüsse der 4 Vertreter war die gesamte Konfraternität gebunden.

Die Bruderschaft war zunächst auf 12 Jahre geschlossen worden. Neben diesen praktischen Beschlüssen wurden auch eine Reihe geistliche Beschlüsse getroffen. Am St. Urbanstag, also dem 25. Mai 1425 wurde das Bündnis von allen Prälaten besiegelt.

Abt Burkhard stand an der Spitze der Brüderschaft.

Am 8.12.1426 bestätigte Papst Martin V. die Privilegien des Klosters Einsiedeln. Kurz danach stand der nächste Streit an. Der Konstanzer Bischof Otto III. von Hachberg (1410-1434)wollte verhindern, dass Pilger an der Gnadenstätte in Einsiedeln

die Sakramente einnehmen konnten und berief sich dabei auf ein Dekret der  Lateransysnode von 1215, das bestimmte, dass kein Gläubiger ohne Erlaubnis seines Pfarrers bei einem fremden Priester beichten dürfe. Abt Burkhard bat die

Eidgenossen um Vermittlung. Am 11.3. 1432 erteilte Papst Eugen Abt Burkhard die Erlaubnis, den Pilgern der Marienkapelle die Sakramente der Busse und Eucharistie zu spenden. Die Erlaubnis war zunächst auf 10 Jahre beschränkt. Gegen diese

Verfügung beschwerte sich Otto vor dem Konzil. Abt Burkhard wurde nun vors Konzil geladen. Auch Rom ließ die Sache nochmals untersuchen und beauftragte die Bischöfe von Chur und Cervina damit. Da aber der Papst Otto 1434 von seinem Bistum entband,

erledigte sich dieser Fall. Die Wallfahrt nahm weiteren Aufschwung. Er hatte einige Rechtsstreitigkeiten.

Burkhard ließ den Kreuzgang neu erstellen und ließ ein neues Abteigebäude bauen. In Pfäffikon wurde die Weißenburg erbaut. Er ließ einen silbernen Reliquienschrein erstellen. Dann ließ er das nach ihm benannte Burkhardenbuch anlegen. Das war ein

Kopiebuch, in dem die wichtigsten Urkunden des Stifts eingetragen wurden. Am 21. Dezember 1438 verstarb er.

Am 31. Dezember 1438 wurde Rudolf III. von Sax zum neuen Abt gewählt. Er ist uns schon am  16.4. 1428 begegnet, als Abt Burkhard die Klosterämter von Einsiedeln unter den 4 verbliebenen Konventualen verteilt hatte.

Pater Rudolph Henggeler überschreibt diesen Abschnitt von rund 150 Jahren Einsiedler Klostergeschichte mit “Das Stift als Familienpfründe” und das ist es ja wohl, kurz und bündig. Rudolf war der 5. Sohn des Freiherren Ulrich Eberhard von Sax und seiner

Gemahlin der Gräfin Elisabeth von Werdenberg-Sargans. Die Familie von Sax stammte aus einem rätischen Hochadelsgeschlecht, das sich schon in staufischer Zeit in drei Linien geteilt hatte. Damals war Ulrich von Sax  als Abt in St. Gallen tätig und reorganiserte

die Verwaltung des Klosters. Die Familie hatte die Vogteien über Disentis, Pfäfers und Clanx inne. Auch in Disentis regierte um 1330 mit Martin von Sax ein Abt aus dieser Familie.

Rudolf stammte aus der Linie Sax-Hohensax. Die Abtweihe fand wohl kurz nach seiner Wahl statt. Mit Bischof Heinrich IV. (1436-1462)hatte er sich auf die Zahlung der Servitien geeinigt. Sie sollten 800 Gulden betragen. Schon am 3.2.1439

ging er mit Bürgermeister und Rat der Stadt ein Burgrecht auf Lebzeiten ein. Er sollte seine Veste Pfäffikon öffnen und jährlich zum Martinstag 10 Goldgulden Burgrechtssteuer entrichten. Am 12.9.1442 verlieh ihm Friedrich III. (1440-1493)

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die Regalien und bestätigte die Privilegien des Klosters.

Noch zu Lebzeiten von Abt Burkhard hatte sich der alte Zürichkrieg angebahnt. Zum einen ging es um die Vorherrschaft um die Vorherrschaft zwischen Schwyz und Zürich im Gebiet rund um den Zürichsee und das Linthgebiet. Der Züricher

Bürgermeister Rudolf Stüssi (Bürgermeister von 1430-1443) verfolgte eine klar expansionistische Politik. Ziel war die Beherrschung des gesamten Zugangs zu den Alpenpässen zwischen Baden und Sargans. Zunächst konnte der Streit friedlich

beigelegt worden. Am 14. April starb Graf Friedrich VII. von Toggenburg. Er hatte kein Testament hinterlassen, aber viele sich auch widersprechende Zusagen gemacht. Zürich besetzte gleich Pfäffikon während Schwyz seine Truppen nach Einsiedeln

in die March und nach Uznach legte. Die Gräfin Elisabeth von Matsch, die Witwe des verstorbenen Grafen hatte ihr Erbe im April 1437 an ihren Bruder Ulrich und ihren Vetter Ulrich von Matsch überschrieben mit der Auflage, es gerecht aufzuteilen.

Unter Vermittlung des Berner Schultheissen Rudolf Hofmeister und dem Schwyzer Landamman Ital Reding wurde das Erbe an verschieden Adelsherrschaften aufgeteilt. Zürich war leer ausgegangen. Als Reaktion verhängte Zürich eine Getreidesperre

gegen Schwyz und Glarus. Der Winter 1437/38 war sehr streng und zog ein Hungerjahr nach sich. Da wirkte sich so eine Getreidesperre natürlich hart aus. Die Situation eskalierte und im Mai 1439 kam es zu blutigen Zusammenstößen am Etzel.

Zürich wurde zurückgeschlagen und es kam zunächst zu einem Waffenstillstand. Im November 1440 kamen die Züricher mit 6000 Mann nach Pfäffikon. Inzwischen hatten sich die Truppen von Uri, Schwyz und Unterwalden vereint, was auch die Zürichern

erfuhren. Sie zogen sich aus Pfäffikon zurück. Die Schwyzer befragten nun die Hofleute unter Eid über die Hofrodel. Diese bejahten, dass dieser richtig sei. Daraufhin zogen die Schwyzer die Vogtei an sich.

Am 1.12. 1440 wurde der Kilchbergische Vertrag zwischen Zürich und Schwyz,den Graf Hugo von Montfort vermittelt hatte,   in Luzern beurkundet. Am 1. Januar 1441 verhandelten Schwyz und Zürich erfolglos. Die Lage verkomplizierte sich weiter.

Am 2. Februar 1440 war Friedrich III. von den deutschen Kurfürsten zum König gewählt worden. Anlässlich der Krönung zum König schloss Zürich mit Friedrich in Aachen einen Vertrag ab. Zürich sollte Teile der Grafschaft

Kyburg an Friedrich zurückgeben. Dafür war Friedrich bereit, als König die Privilegien der Stadt Zürich zu erneuern und die restliche Herrschaft der Stadt anzuerkennen. Auch Rapperswil hatte sich mit Friedrich verbündet. Im September weilte Friedrich in

Zürich um die Huldigung der Stadt entgegen zu nehmen. Bei dieser Gelegenheit waren auch die Regalien an Abt verliehen worden. Zwischen dem 1.und 4. Mai 1443 wurde in Einsiedeln nochmals erfolglos versucht, den Frieden wieder her zu stellen.

Am 22. Mai 1443 in Freienbach und am 24. Mai am Hirzel trafen die eidgenössischen und die Heere Friedrichs und Zürichs aufeinander. Beides Mal behielten die Eidgenossen die Oberhand. Da die Heuernte war, zogen sich Schwyz zurück, um nach der Ernte wieder zu

kommen. Sie waren aber nicht stark genug, um Zürich ein zu nehmen. Aber die Züricher erlitten am 23. Juli in der Schlacht bei St. Jakob an der Sihl eine vernichtende Niederlage. Bürgermeister Stüssi fiel auf der Sihlbrücke.

Auch Rapperswil konnte nicht eingenommen worden. Abt Rudolf und Bischof Heinrich IV. von Hewen vermittelten einen Waffenstillstand von acht Monaten. Niemand kümmerte sich aber darum. Auch Friedensverhandlungen in Baden kamen nicht voran.

Die Belagerung von Rapperswil dauerte von April  1444 bis Dezember 1445. Das stiftische Gebiet wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Auch die Besitzungen in Fahr hatten zu leiden. Die Kirche von Weiningen wurde sogar niedergebrannt.

Endlich kam es im Juni 1446 zu einem Waffenstillstand. Allerdings dauerten die Friedensverhandlungen noch 4 Jahre. Erst am  8. April 1450 kam es im Kloster Kappel zu einem Vergleich. Am 24. August 1450 erneuerten Zürich und die anderen Eidgenossen

auf einer Wiese bei Einsiedeln feierlich die alten Bünde und tauschten die im Krieg erbeuteten Fahnen aus.

Die Wallfahrt war in den Kriegszeiten zurückgegangen. Am 3.3. 1442 wurde das Privileg von fremden Pilgern Beichte hören zu dürfen, um fünf Jahre verlängert. In der Regierungszeit Abt Rudolfs wird auch das sogenannte Waldstattbuch aufgesetzt,

das die Rechte und Pflichten der Waldleute enthielt. In Eschenz wurde 1446 ein neues Verzeichnis der zehntpflichtigen Güter aufgenommen.

Die letzte Urkunde Abt Rudolfs ist am 11.11.1446 ausgestellt. es geht dabei um das Präsentationsrecht in der Pfarreikirche Wald. Sein Nachfolger erscheint bereits am  12. Februar 1447. Zwischenzeitlich muss Abt Rudolf also gestorben sein.

Franz von Hohenrechberg war ein Cousin mütterlicherseits des verstorbenen Abtes Rudolf. Auch er wird bei der Ämterverteilung durch Abt Burkhard im Jahr 1428 genannt. Er erhielt die Propstei Fahr. Als Abt erscheint er erstmals am 12.2. 1447.

Es geht um die Festlegung der ersten Früchte. Dies geschah zusammen mit seinem Cousin Konrad von Hohenrechberg, der Dompropst in Konstanz war. Da das Stift verarmt war, wurden nur 700 Gulden festgesetzt.

In seiner Regentschaft wurde der alte Zürichkrieg definitiv beendet. Die Verhandlungen hatten in Einsiedeln stattgefunden und der Entscheid wurde beim Abt hinterlegt.

Am 25. Oktober 1449 hatte Papst Nikolaus V. (1447-1455) den Abt von Kloster Reichenau Friedrich von Wartenberg (1427-1453) beauftragt, dem unter den Kriegsfolgen leidenden Kloster Einsiedeln zu helfen, wieder in den Besitz verlorener Güter

zu gelangen. Als Prokurator des Abtes beim Heiligen Stuhl ließ Abt Friedrich auch   ein Transsumpt der Bulle Papst Leos VIII. aus dem Jahr 964, das 1383 von Heinrich von Brandis,  Bischof von Konstanz, erstellt wurde, und nun von neuem

durchgesehen, abgeschrieben und für echt erklärt wird durch den Notar Johannes Vogelli vidimieren.Der Papst verlieh am 23. März 1452 allen Besuchern der Gnadenkapelle einen Ablass. Am 3.4. 1452  bestägtigte Papst Nikolaus V.  Abt Franz von Hohenrechberg

und dem Konvent von Einsiedeln die Privilegien. Am 25. 4.verlängerte er die Vollmacht, Pilgern Beichte zu hören um weitere 15 Jahre, vor allem  erklärte er das Kloster aber für exemt. Damit unterstand es nicht mehr der Gewalt des Bischofs von

Konstanz. Im weltlichen Bereich gab es noch einen Streit um die Weiden. Der Schwyzer Landammann Ital Reding und das Neunergericht entschieden aber im Rathaus zu Schwyz am 20. Oktober, dass diese Allgemeingut seien.

Die Regierungszeit von Abt Franz dauerte nur 5 Jahre. Er verstarb am 18. Juli 1452. Auf ihn folgte Gerold von Sax. Er war der Bruder seines Vorvorgängers Rudolf und ebenfalls 1428 mit einem Amt bedacht worden. Er erhielt damals

Kantorei und Kellerei. Mit ihm sind nun alle damals Genannten zu Abtswürden gekommen. Er übertrug  Rudolf von Falkenstein, den ältesten Konventualen von Einsiedeln die Kantorei und Kellerei.

Am 15. November 1452 vidimierte der Konstanzer Bischof Heinrich IV. von Hewen (1436-1462) die Bulle, die Papst Nikolaus Abt Franz ausgestellt hatte. Sie wurde auch zur Veröffentlichung in der ganzen Diözese befohlen.

Am 13.8.1454 beauftragte Papst Nikolaus den Konstanzer Dompropst und den Domdekan sowie den Züricher Propst gegen Ulrich Tailer, einen Konstanzer Kleriker, sowie andere Kleriker und auch Laien in Konstanz vorzugehen, die dem Kloster “schwere Schäden”

zugefügt hätten. Worin diese bestanden, wird in der Urkunde nicht gesagt. Nur knapp sechs Wochen später beauftragte der Papst den Domdekan von Konstanz und den von Straßburg sowie den Züricher Propst Nachforschungen anzustellen über Entfremdung von

Klostergütern durch frühere Äbte und Konventualen. Möglicherweise war dies eine Retourkutsche der Kleriker, die angeblich das Stift geschädigt hätten. Was aus beiden Sachen geworden ist, ist nicht bekannt.

Papst Nikolaus starb am 24. März 1455. Auf ihn folgte Calixt III. (1455-1458).Dieser Papst verlieh Abt Gerold am 5.12.1457 das Privileg  “sich einen Beichtvater zu wählen, der ihn von den Sünden freisprechen kann, ausgenommen die dem Papst vorbehaltenen, und

dazu Pflichten zu veräussern, ausser die Pflicht der Pilgerreise an die Grabstätten der heiligen Apostel Petrus und Paulus und des heiligen Jacobus” Der Nachfolger von Papst Calixt, Pius II. (1448-1464), der als

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der als Enea Silvio Piccolomini ein bedeutender Humanist, Schriftsteller und Gelehrter war, zeigte sich als Gönner des Stifts.

Am 6.7.1462 erneuert Abt Gerold das Burgrecht mit Zürich, wobei auf Grund der geänderten politischen Lage die Veste Pfäffikon keine Rolle mehr spielt. Die übrigen Bedingungen von beiden Seiten bleiben dieselben.

Vertragspartner waren der Rat der Stadt Zürich und Bürgermeister Rudolf von Cham einerseits und Abt Gerold andrerseits.

Am 29. Mai 1463 bestätigte der Papst dem Kloster den den apostolischen Schutz und die Privilegien des Stiftes.

Nur 4 Tage später nämlich am 02.06. 1463 bestätigte er dem Kloster das Privileg, nur Adlige oder  “hervorragende Männer” Männer ins Kloster auf nehmen zu müssen. Wenn dafür extra eine päpstliche Bulle ausgestellt wird, scheint es wohl

Bestrebungen gegeben zu haben, diese “alte, streng befolgte Übung” auszuhebeln. Anfang des 15. Jahrhunderts scheinen viele Klöster enorme Probleme gehabt zu haben. Bei vielen war die adlige Exklusivität vielleicht nicht die

Ursache aber eben doch mit schuldig am schlechten Zustand der Nachwuchsprobleme. Das Kloster Reichenau hatte um 1400 noch zwei Mönche in Steingaden lebte sogar nur noch ein Konventuale im Kloster. Die Klöster, die sich für alle

öffnete, erlebten dann immer einen neuen Aufschwung. In Amorbach öffnete Abt Dietrich von Kunnich (1406-1428) das Kloster für Nichtadelige. In Rot gilt Heinrich Merk (14-15-1420) als 2. Gründer. Er kümmerte sich auch um das Filialkloster

Steingaden. Auf der Reichenau wurde Friedrich von Wartenberg (1427-1458) von Papst Martin eingesetzt. Er hob die Beschränkung für den Hochadel auf. In St. Gallen wurde mit Ulrich Rösch ein Bäckersohn der erste Abt, der nicht adelig war.

Er war dies von 1463-1491.Auch er wird gerne 2. Klostergründer genannt. Bei all diesen Klöstern hatte die Öffnung eine große Wirkung. Die Ordensdisziplin wurde wieder gestärkt, zumal alle Äbte großen Wert auf die Bildung ihrer Mönche legten.

Die wirtschaftlichen  Probleme  schwanden auch. Einsiedeln hielt aber noch, so wie es aussieht, am alten Herkommen fest.

Auch unter Abt Gerold gab es Neuzugänge im Kloster. Aber es waren eben nur enge Familienangehörige. Konrad von Rechberg wurde aufgenommen. Er war Vetter von Abt Gerold und Sohn des Bruders von Abt Franz. Um 1454 trat Albrecht von Bonstetten ins Kloster

ein.Er war der Sohn der Schwester der beiden Äbte Gerold und Rudolf Elisabeth von Sax. Aus dieser Familie waren schon zwei Mitglieder Kanoniker in Einsiedeln. Burkhard von Bonstetten ist 1244 in Einsiedeln erwähnt und Hermann von Bonstetten war bei dem

Überfall Schwyzer auf das Kloster dabei. Er war später erst Pfleger in St. Gallen und von 1333-1360 dort Abt. Auch Barnabas von Misox trat in Einsiedeln ein. Er stammte aus dem Familienzweig der Sax-Misox, also auch ein Verwandter.

Am 18.12. 1463 befiehlt der Papst den Dompröpsten von Chur,Basel und Zürich, dafür zu sorgen, dass entfremdetes Klostergut zurück gegeben wird.

Am 25. Februar verkaufte Abt Gerold Güter und Rechte im Zugerland. Er bekam dafür 3000 Gulden. Für die Eidgenossen waren informiert worden  für Zürich Heinrich von Cham, für Luzern Kaspar von Hertenstein, der in Luzern ab 1468 Schultheiß war und Hans

Reding für Schwyz. Zum einen war das eine gute Gelegenheit, sich von etwas freimachen zu können, was ihm immer wieder Schwierigkeiten bereitet hatte. Zum andern brauchte er Geld für seinen Italienreise. Später auftauchende Schwierigkeiten

waren damals noch nicht absehbar.

Am 1.2.1464  erlaubte Papst Pius dem Kloster, die Beichte von Pilgern zu hören und er bestätigte die Ablässe. Im März machte sich der Abt mit größerem Gefolge und 22 Pferden auf den Weg nach Rom. Am 11. März legte er einen Aufenthalt in Chur ein,

wo es um Streitigkeiten zwischen seinem Vetter, dem Grafen Georg von Werdenberg-Sargans und den Herren von Brandis um die Grafschaft Vaduz ging. Dabei verwies Graf Hugo XIII. von Montfort (+ 1491) im Beisein mehrerer Äbte die Sache an ein Schiedsgericht

bestehend aus den Vertretern von Bern, Schwyz und Glarus.Als der Abt auf das Gebiet des Herzogs von Mailand  Francesco  Sforza I.(1401-1466)kam, erhielt er durch das gesamte Gebiet das herzogliche Ehrengeleit und hielt ihn auch gastfrei.

Er scheint auch vorher schon ziemlich Aufsehen erregt zu haben. Bei Firenzuola, einem kleinen  Dorf in der Nähe von Florenz, kam es zu einem Auflauf, weil viele Leute herbeidrängten, um die schönen Pferde des Abtes zu besichtigen. Dabei wurden sogar zwei

Knechte festgesetzt, die die Leute zurückdrängten. Es wirkt nicht unbedingt so, dass hier ein Abt unterwegs war, der eigentlich auf die erschütterten Finanzen seines Stiftes achten  musste. In einem Bericht des Mailänder Gesandten an Herzog Francesco

ist die Rede davon, dass der Abt als Beauftragter für den Bund von Deutschland zum Papst gehe.Möglicherweise handelt es sich um die 1425 gegründete Konfraternität, bei der damalige Einsiedler Abt Burkhard den Vorsitz übertragen bekam.

Die Reise zum Papst scheint durchaus erfolgreich gewesen zu sein. Denn am 10.4. 1264 erlaubte der  Papst in Pietrolo wo sich damals der päpstliche Hof in den Bädern aufhielt, “Abt Gerold von Sax zu Einsiedeln und seinen Nachfolgern, päpstliche Briefe ohne

Erlaubnis des Ordinarius auszuführen. Damit der Abt in seinem Recht nicht behindert wird, schreibt der Papst den Bischöfen von Basel und Chur sowie dem Propst von Zürich”. Am selben Tag bestätigte er die Bullen von Papst Eugen IV., Papst Nikolaus V. und Papst

Leo VIII. In Siena erhält er noch einen Ablassbrief  für die Kirche von Freienbach aus, der ihm von sieben Kardinälen ausgestellt worden war. Über Zürich geht er nach Einsiedeln zurück. In Zürich siegelt er am 1. Juni nochmals in der Streitsache seines Vetter, die von

Chur am 11. März 1464 nach Zürich verwiesen worden ist. In Konstanz bemühte er sich gleich beim Bischof um die Vidimierung der erhalten Bullen. Dort war inzwischen Burkhard II. von Randegg (1462-1466) auf Heinrich IV. als Bischof gefolgt. Mit der

Sakramentenspendung für Pilger gab es keine Probleme. Dafür erklärte  er sogar die Synodalstatuten für aufgehoben. Probleme gab es aber bei der Exemtion. Das war eigentlich immer und überall ein Zankapfel zwischen Bischof und Abt.

Am 18. Januar 1465 einigten sich Bischof und Abt auf die Anerkennung der Bullen zur Sakramentenspendung, den Engelweihablass und die Ernennung der Konservatoren. Verzichten musste auf die Exemtionsbulle vom 2. Juni 1463 und auch für seine Nachfolger

versprechen, sich dieser Exemtion nicht zu bedienen.

In der Nacht vom 21. April 1465 brach in der Gnadenkapelle ein Feuer aus, dem diese zum Opfer fiel und der das Münster bis zum Fronaltar zerstörte. Auch zehn Glocken, die Orgel, Paramente und Bücher wurden ein Raub der Flammen. Schuld hatte angeblich der

Mesner, der die Kerzen nicht sorgfältig genug gelöscht hatte. Die Schwyzer setzten nun den Ratsherren Josef Stadler zum Baumeister. Außerdem verlangten sie den Klosterschatz, um die Kirche wieder aufbauen zu können. Die Sache eskalierte nun. Der Abt sagte,

es sei kein Geld vorhanden. Das habe er auf seiner Italienreise verbraucht. Außerdem erkenne er die Schwyzer als Kastvögte nicht an. diese hätten sich den Entscheid Kaiser Sigismunds erschlichen. Aber er fand es geraten, nach Zürich zu gehen und sich an die

Eidgenossen zu wenden. In der Zeit führte Richard von Falkenstein die Verwaltung des Stifts. Er nahm am 17.12.1465 ein Darlehen von 800 Gulden auf wohl zur Wiederherstellung von Kirche und  Kapelle. Dafür verpfändete er den Weinzehnten und Güter in Meilen.

Im November trafen sich eidgenössische Boten, der Bischof von Konstanz und der Abt in Einsiedeln. Doch eine Einigung kam nicht zustande. Die Schwyzer warfen Abt Gerold vor, in Pfäffikon und an anderen Orten Stiftsgut entfremdet zu haben. Wohl Anfang 1466

erklärten die Schwyzer mit Hilfe des Konstanzer Bischofs und Richard von Falkenstein den Abt für abgesetzt. Die Kirche war inzwischen wieder eingewölbt, was auf Anordnung von Bischof Burkhard von Konstanz geschehen war. Eine neue Weihe war nicht

nötig, wie der Bischof entschied, da die Kirchenmauern intakt geblieben waren.

Der Abt hatte sich mittlerweile an den Papst gewandt. Paul II. (1464-1471) der Nachfolger von Papst Pius II. beauftragte am31.5. 1466  “den Erzbischof von Mainz sowie die Bischöfe von Strassburg und Basel, Abt Gerold von Sax zu Einsiedeln, den Bischof Burkhard von

Konstanz und die Herren von Schwyz aus dem Amt vertrieben haben, wieder einzusetzen und zwischen den Parteien Recht zu üben”. Appellation war nicht gestattet. Am 28. Juni 1466 ermahnte der Domprobst von Chur, Johannes Hopper, den Papst Pius II. zum Konservator des

Stifts ernannt hatte, Richard von Falkenstein sowie den Ammann und die Leute von Schwyz, Abt Gerold von Sax seine Abtwürde zuzusprechen. Er berief auch einen Beschwerdetag nach Wil ein. Auf Ersuchen der Eidgenossen wurde der Tag dann  in

Zürich abgehalten. Am 5.9. 1466 wurde eine Einigung erzielt. auch die Verteilung der Opfer wurde geregelt. Die Einigung hatte allerdings keinen bestand. Aber Abt Gerold konnte zurückkehren, rechtzeitig zum Fest der Engelweihe. Schon im April hatten die

7 alten Orte der Eidgenossenschaft zu diesem Fest in einem Geleitbrief für die Hin-und Rückreise Sicherheit versprochen. Das Fest von 1466 wurde die glanzvollste Engelweihfeier des Mittelalters, die uns bekannt ist.

Über 130 000 Menschen waren in 14 Tagen gekommen. Auch die drei Einsiedler Madonnen wurden vom Meister E S zu diesem Termin geschaffen.

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Die Sache mit dem Verkauf der Güter und Rechte im Zugerland schwebte aber immer noch. Erst 14.3 1468 erklärte Rudolf Schiffmann, Bürger und des Rats von Luzern, als Obmann in einem Streit zwischen Schwyz und Zug den Verkauf für ungültig.

Die Finanznot des Abtes war nicht geringer geworden. Als er im April 1468 bei der Fraumünsterabtei in Zürich 260 Gulden aufnehmen musste, ärgerte das die Schwyzer so, dass sie den Abt gefangen setzten. Das brachte ihnen den Bann ein.

Sie wurden durch die Vollmacht des Generalvikars von Konstanz im Oktober wieder gelöst. Schließlich einigte man  sich auf einen  Handel. Die Schwyzer waren bei der letzten Geldaufnahme des Abtes in Höhe von 1000 Gulden behilflich.

Im Gegenzug trat er zurück. Seinen Abtstitel behielt er bei. Nach seiner Resignation im Spätherbst 1469 war er noch zwei Mal als Vermittler tätig. Er starb am 15.10.1480.

Konrad von Hohenrechberg ist 1440 geboren und war wohl schon seit 1454 im Kloster. Am 27.10.1469, Schwyz in der minderern Ratstube hatte Abt Gerold eidlich auf das Amt des Abtes gegen eine Rente von 200 Florin jährlich verzichtet. Nach der Resignation  Gerolds

von Sax wurde Konrad die Verwaltung der Abtei übertragen, von wem ist nicht bekannt.Das Stift lag darnieder und die Zeit war reif für Reformen. Bischof Hermann III. (1466-1474)gibt dem Pfleger und Konvent von Einsiedeln Satzungen und Ordnungen, um die

zerfallene Zucht und Regel wieder herzustellen, will aber damit keinen Eingriff in die Ordensregeln tun, und behält sich und seinen Nachkommen Änderung dieser Satzungen vor. Die Verordnungen scheinen die Beobachtung der Gelübde und Disziplin, den

Gottesdienst und die Verwaltung betroffen zu haben. Ein Dekan und ein Kustos wurden ernannt und auch Abrechnung mit den Stiftsammännern wurden gemacht. Das lässt darauf schließen, dass man versuchte, den Vorgaben des Bischofs nachzukommen.

Dringlich war aber auch die bauliche Wiederherstellung des Stifts. Zunächst hatte man sich vor allem auf die Gnadenkapelle konzentriert, da das fest der Engelweihe ja bevorstand. Nun bemühte man sich um die Herstellung der Kirche und der

Stiftskirche. Als Baumeister fungierte weiter Jos Stadler aus Schwyz und nach 1480 der Ratsherr Gilg Mettler aus Schwyz. Aber 1471 bis 1473 leitete Hans Niesenberger aus Graz die Bauarbeiten. Er ist erstmals 1459 anlässlich einer Versammlung süddeutscher

Steinmetzmeister in Regensburg genannt. Er war dann wohl in der Bauhütte des Klosters Weissenau tätig, was wir aus einer Weissenauer Urkunde von 1477 wissen. 1471 schloss er in Freiburg einen Vertrag für die Tätigkeit am Münster ab.

Dieser erlaubte auch Nebentätigkeiten. aus Baurechnungen in Freiburg von 1472 und 1473 wissen wir, dass er auch in Einsiedeln tätig war. Er hatte einen Sohn, der ebenfalls Hans hieß und mit ihm arbeitete. Der Sohn lässt sich noch 1505 in Einsiedeln

nachweisen. Von Freiburg wurde Niesenberger 1483 nach Mailand berufen und arbeitete dort bis 1486 am Dom. Er hatte also durchaus einen Ruf. Erste Schwierigkeiten für den Pfleger tauchten auf, als die Schwyzer als Vögte ebenfalls einen Schlüssel für die

Opferstöcke verlangten.Es ging ja nicht nur um die Opferstöcke sondern vor allem um deren Inhalt. Abt Ulrich Rösch aus St. Gallen erreichte am 29.3. 1470  einen Vergleich im Streit zwischen Konrad von Hohenrechberg, dem Pfleger von Einsiedeln, und denen von

Schwyz wegen der Schlüssel zum Opferstock dahin, dass so lange Konrad Pfleger ist, denen von Schwyz auch einer der drei Schlüssel zum Opferstock gegeben werde und sie über den dritten Teil des Opfers zu Tilgung der Schulden des Gotteshauses und an dessen

Baukosten verwenden mögen, jedoch unvorgreiflich der Rechte des Gotteshauses. Ein weiterer Streit konnte ebenfalls mit einem Schlichter beigelegt werden. 1370 hatte das Kloster Einsiedeln die Herrschaft Reichenburg von Rudolf Tumpter genannt Keller

für 1200 Gulden erworben. Nun beanspruchte Schwyz die hohe Gerichtsbarkeit für sich. Am 22. 2. 1472 entschied der Rapperswiler Schultheiß Bilgeri Steiner, dass die hohen Gerichte und der Blutbann Schwyz zusteht, die niedere Gerichtsbarkeit aber beim Kloster

Einsiedeln verbleibt.Auch von Unbillen der Natur blieb das Stift nicht verschont. 1475 und 1477 ging schwerer Hagelschlag über Einsiedeln und Zürich nieder und in den Jahren 1478 und 1481 litten die Stiftsbesitzungen in der March schwer.

Nachdem Abt Gerold 1480 verstorben war, erfolgte die Wahl des Nachfolgers am 29. Oktober 1480. Es war eine kleine Wahlversammlung. Der Konvent bestand ja nur noch aus drei Mitgliedern. Als Stimmenzähler fungierten der Dompropst Hopper sowie der Abt von

Rüti Markus Wiler (1477-1502). Zunächst wollte der bisher als Pfleger wirkende Konrad das Amt gar nicht annehmen. Er wusste ja nach 10 Jahren in dieser Funktion, was auf ihn zukommen würde. Erst Abt Ulrich Rösch, die Schwyzer und andere Leute brachten ihn

nach langem Zureden dazu, das Amt anzunehmen. Am  29.10.1480 wurde die Wahl in Pfäffikon beurkundet. Der Notar Johannes Jörger aus Buchhorn fertigte auch ein Protokoll angefertigt. Es ist das erste dieser Art, das erhalten ist.

Am 8.12. 1480 veröffentlichte der Konstanzer Bischof die Wahl und als sich kein Einspruch erhob, erklärte sie am 15.1. 1481 als rechtlich vollzogen. Die Eidgenossen ersuchten um geringere Gebühr. Die zu zahlende Taxe wurde dann auf

650 Gulden statt 800 festgesetzt. Am 28. März 1881 bezahlte Abt Konrad die Gebühr. Allerdings meldete sich nun Rom. Abt Gerold hatte ja 1465 die Exemtion der Abtei erreicht und gemäß dieser Bulle wären nun  333 1/3 Goldgulden an  die päpstliche

Kanzlei zahlen müssen. Aber noch Gerold hatte ja auf die Exemtion verzichtet und so zahlte Konrad natürlich nicht auch noch an Rom. Die päpstliche Kanzlei reklamierte aber und beauftragte den Propst des Benediktinerinnenklosters in

Feldbach im Oberelsass, gegen Konrad, sowie die Äbte von Weingarten ,Kaspar Schiegg (1477-1491), St. Blasien, Eberhard von Reischach (1482-1491) und Kempten, Johann von Rietheim (1481-1507)vor zu gehen. Sie waren alle in derselben Zeitspanne zu Äbten

gewählt worden und hatten dasselbe Problem.Konrad wandte sich an seinen Diözesanbischof, das war inzwischen Otto IV. von Sonnenberg (1474-1491). Dieser setzt sich für Konrad ein und erledigte das Problem.

Die Lage des Stifts war nach wie vor nicht rosig. Aber Schwyz übernahm 1. Juni 1482 eine vom Stift in Bern eingegangene Schuld von 700 Gulden und kurz danach lieh es dem Abt 400 Gulden, die die Stiftshöfe von Niderwil bei Bremgarten verzinsen mussten.

Doch das Stift musste weiter zu Verkäufen greifen. Am 15.4.1483 verkaufte Abt Konrad alles, was das Stift in Riegel im Breisgau noch besaß an das Stift Ettenheimmünster. Damit endeten die Einsiedler Beziehungen zum Breisgau, die seit dem 10. Jahrhundert

bestanden hatten.

1490 zog sich Abt Konrad weitgehend nach St. Gerold zurück, wo er die Propstei innehatte. In Einsiedeln bestellte er mit Barnabas von Mosax einen Pfleger. Das kann auch daran liegen, dass er sich mit den Schwyzern überworfen hatte. Das heißt aber nicht,

dass er resignierte. Papst Innozenz VIII. (1484-1492) beauftragte ihn zusammen mit den Äbten von Rüti und Fischingen, dass in Rapperswil  Amt und Vesper gesungen wurden. Auch der Nachfolger von Papst Innozenz, Alexander VI. (1492-1503)

bedachte den Abt mit Aufträgen. Zusammen mit den Pröpsten von Zürich und Luzern wurde er am 28. Juli 1493 zum Verteidiger der kirchlichen Rechte des Klosters Disentis bestellt. Mit der Verwaltung der Propstei St. Gerold gab es immer wieder Probleme, so dass

Konrad am 29. März 1498 diese auch dem Pfleger Barnabas von Misox übertrug. Er bedingte sich dafür die Entrichtung von 100 Gulden jährlich aus. Allerdings wurde das hinfällig. Denn Barnabas verstarb am  31. August 1501 in Einsiedeln. Nun musste der Abt wieder

die Verwaltung  von Einsiedeln und St. Gerold übernehmen. Außer Abt Konrad lebten jetzt nur noch zwei Konventualen im Kloster, nämlich Johann Baptist von Mosax. Dieser war ein Neffe des Pflegers Barnabas. Er war 1498 ins Kloster eingetreten. Er war wohl ohne

Beruf ins Kloster gekommen. Da er stolz, jähzornig und pflichtvergessen war, wollte ihn Konrad nicht zum Priester weihen lassen. Er überwarf sich mit dem Abt. Er bat die Schwyzer, ihm entweder auf eine Höhere Schule oder in der Fastenzeit zur Priesterweihe  zu

verhelfen. Sie taten weder das eine noch das andere.Erst als der Abt ihn einsperren ließ, verwandten sich für ihn. Darauf kam er frei. Er bedankte sich bei den Schwyzern. Sie mussten ihn aber bald auch einsperren. Im August und September 1510

lässt er sich in Luzern nachweisen. Kurz danach ist er wohl gestorben. Eine wesentlich rühmlichere Erscheinung im Kloster stellt Albrecht von Bonstetten dar. Er war der Sohn von Kaspar von Bonstetten und der Elisabeth von Sax, der Schwester der beiden Äbte

Rudolf und Gerold. Um 1454 ist er ins Kloster Einsiedeln eingetreten. Möglicherweise war er 1464 bei der Italienreise von Abt Gerold dabei. 1466 wurde er die in die junge, gerade 9 Jahre vorher gegründete Universität Freiburg immatrikuliert.

In den Universitätsmatrikeln von Freiburg findet man da folgenden Vermerk “Albertus de Bonstetten monasterii Heremitarum professus sub forma nobilis, tredeeima Maij.” In Freiburg hatte er sich für die sieben freien Künste eingeschrieben, den damals üblichen

Start eines Studiums. In Basel setzte er sein Studium bis 1468 fort. In Freiburg lernte er den Mönch und späteren Abt der Reichenau Martin von Weißenburg kennen. In Basel freundet er sich mit dem Basler Kanoniker Arnold Truchsess von Wolhusen an, der ihn  dazu

ermuntert, in Pavia zu studieren. Zunächst ist er aber wieder in Einsiedeln.  Dort erscheint er am 9. März 1469 als Dekan. 1471 ging er schließlich nach Pavia, versehen mit einem Empfehlungsbrief der eidgenössischen Boten an den Herzog Galeazzo Maria Sforza.

Ohne akademischen Grad kehrte er 1474 nach Einsiedeln zurück. Dort empfing er die Priesterweihe. Er brachte auch Handschriften unter anderem eine der Werke des Petrarca mit. Er machte sich einen Namen als Frühhumanist. Er führte mit vielen

seiner gelehrten Zeitgenossen einen ausführlichen Briefwechsel. Die wichtigsten seiner erhaltenen lateinischen und z. T. selbst ins Deutsche übersetzten Abhandlungen sind: die älteste Beschreibung der Schweiz (1479), Darstellungen der Burgunderkriege (1477),

der Lebensgeschichte der Schweizer Heiligen Nikolaus von der Flüe (1479), Meinrad (1480) und Ida (1481); ferner der Geschichte des Klosters Einsiedeln (1480) und des Hauses Österreich (1499), sowie ein Marienbrevier (1493).

Bald genoss er auch das Ansehen der Großen seiner  Zeit. Am 20.10.1482 ernannte ihn Kaiser Friedrich zum Pfalzgrafen und Hofkaplan und stattete ihn mit verschiedenen Privilegien aus. 1491 ernannte ihn Maximilian zu seinem Hofkaplan

und der Kaiser verlieh ihm 1492 das Privileg 10 Wappenbriefe zu verleihen und zehn Doktoren zu Rittern zu schlagen. Als Maximilian mittlerweile Kaiser geworden (1493-1519) in Freiburg weilte, besuchte er Albrecht persönlich. Er bestätigte die Ernennung zum

Hofkaplan und promovierte ihn zum Doktor beider Rechte. Außerdem änderte er das Recht 10 Ritter zu schlagen um in das Recht zehn Doktoren beider Rechte, der freien Künste und der Medizin ernennen zu können. Er vermittelte für sich und Abt Konrad das Privileg,

sich einen beliebigen Beichtvater suchen zu dürfen, der ihm einmal im Leben und im Augenblick des Todes einen vollkommenen Ablass gewähren zu können. Auch für die Wallfahrt vermittelte er einen Ablass und das Brevierprivileg für Priester.

Er hatte noch einen Rechtstreit mit einem Memminger Drucker zu führen, war für die Abtei  wohl noch vermittelnd tätig. Dann erfahren wir nichts mehr von ihm. Wir wissen nur, dass er vor dem 11. Januar 1505 gestorben sein muss.

Um 1499 trat Diebold von Geroldseck ins Kloster Einsiedeln ein. Er war der Sohn von Gandold I. von Geroldseck und der Kunigunde von Montfort. Der Stammsitz war Hohengeroldseck  nahe Seelbach bei Lahr hatten. Er hatte 4 Schwestern und zwei Brüder.

Seine Schwestern waren in Klöstern untergebracht und zwar in Zürich in Fraumünster, im Damenstift  in Säckingen und im Kanonissenstift in Bad Buchau. Seine Brüder hatten die obere Herrschaft von Geroldseck inne. Diebold legte um 1505 seine Profess ab.

Am 10. Januar 1503 erwarb Abt Konrad vom Schwyzer Landamman das hintere Sihltal.  Dem Verkäufer oder seinen männlichen Nackommen wurde das Recht eingeräumt, “wegen der vielen Dienste, die sein Vater und Bruder und er selbst dem Gotteshaus bewiesen”

dieses innerhalb von 32 Jahren zum Verkaufspreis zurück zu erwerben. Abt Konrad nutzte dieses Gut hauptsächlich zur Pferdezucht. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Pferdezucht im Kloster wohl schon 500 Jahre und der Marstall Einsiedeln ist das älteste

Gestüt Europas. Die oben erwähnte Urkunde von Heinrich IV. von 1064, indem er den Dienstleuten Einsiedelns das Recht, lässt auf einen Marstall und auch indirekt auf Pferdezucht schließen. Im 15. Jahrhundert gab es auch das weltliche Hofamt des

Marschalls, dem der Marstall und das Gestüt unterstanden und der den Abt auf seien Reisen zu begleiten hatte und dabei auch für die Unterkunft sorgen mussten.

Bei dem Überfall der Schwyzer auf das Kloster 1314 nahmen die Schwyzer neben Kühe auch Pferde als wertvolle Beute mit.  Erinnert sei auch an den Auflauf, der auf der Italienreise von Abt Gerold entstand, weil die Menge sich drängte, um die schönen Pferde des

Abtes zu bewundern. Unter Abt Konrad nun begann die Pferdezucht in größerem Masse. Er belieferte unter anderem den Markgrafen von Mantua Francesco Gonzaga (1486 –1519). er war Oberbefehlshaber der päpstliche Truppen unter Papst Julius II.

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und Bannerträger der Kirche. Erste Rechnungen aus dem Jahre 1513 belegen den Handel mit den “Cavalli della Madonna” Allerdings hat es ab dem Jahr 1518 Probleme mit der Bezahlung. Noch im Jahre 1598 schuldete das Haus Mantua dem Stift

600 Gulden. Im Jahre 1684 standen 94 Pferde, darunter 14 Füllen im klösterlichen Gestüt. Eine gewichtige Rolle spielten die Einsiedler Pferde beim Bau der neuen Klosteranlage zwischen 1704 und 1734. Sie besorgten den Transport des Sandsteins vom

Steinbruch am Etzel zum Kloster. 1764-1766 wurde der barocke Marstall nach den Plänen des Einsiedler Klosterbruders Kaspar Braun aus Bregenz errichtet. Bauherr war Abt Nikolaus Imfeld. 1763 wurde in England das General Stud Book angelegt.

Als aber 1798 die französischen Revolutionsheere unter General Schauenburg nach Einsiedeln kamen, nahmen die Offiziere die Pferde an sich.

Heute stehen wieder 11 Stuten, 4 Wallache und Junghengste in Einsiedeln.

Zurück zu Abt Konrad. Die Folgen des letzten Klosterbrandes waren noch nicht beseitigt. Da brach 1509 jetzt erneut ein Brand, der 4. aus. Im Dorf hatte es in einer Bäckerei zu brennen begonnen. Nur 16 Häuser blieben verschont. Im Kloster wurde das

Münster schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nur die Gnadenkapelle, die Abtei und das Haus der Kapitularen blieben unbeschädigt. Alles andere fiel den Flammen zum Opfer. Es flossen zwar viele Spenden, aber trotzdem mussten neue Schulden aufgenommen

werden. Zur Engelweihfeier von 1511 war alles wieder einigermaßen instand gesetzt.

In der Schweiz versuchten die Eidgenossen allmählich , den Einfluss des bischöflichen Kurie  in Konstanz immer stärker zurück zu drängen. So ermunterten wohl auch die Schwyzer den Abt, in Rom einen neuen Anlauf in Sachen Exemtion zu nehmen.

Die Zeit war günstig. Den Julius II. (1503-1513) war auf die Unterstützung der Eidgenossen angewiesen,wenn er seine politischen Ziele durchsetzen wollte. Er hatte die Wiedergewinnung der Gebiete, die unter seinem Vor-vorgänger Alexander VI. verloren gegangen waren,

im Auge. Am Rande bemerkt, dieser Papst war es auch, der die Schweizergarde als päpstliche Leibwache gründete. 1506 zog eine Truppe von 150 Mann erstmals in den Vatikan ein. Unterstützt von den 12 Orten ersuchte der Abt um die Bestätigung des

Engelweihablasses, die Genehmigung Pilgern die Beichte abzunehmen und vor allem um die erneute Verleihung der Exemtion. Am 2.1. 1512 bestätigte  Papst Julius II. auf Bitte der Gesandten der XII Kantone die Privilegien von Papst Leo VIII., Papst Nikolaus V. und

Papst Pius II. Der Bischof von Chur Paul Ziegler (1505-1541), der Abt von St. Gallen Franz von Gaisberg (1504-1529) und der Propst von Zürich wurden zu Exekutoren und Protektoren dieser Sache ernannt.

Inzwischen kränkelte der Abt immer mehr. Auch zeigte er sich seinem Amt nicht mehr gewachsen. Er wandte sich deshalb an die Schwyzer Schirmherren, einen Verwalter für das Stift zu bestellen. Am 18. Dezember 1513 wurde ein Vertrag mit dem

Abt geschlossen. Er bezog eine jährliche Pension von 240 Gulden. Er durfte einige Güter des Stiftes behalten. Auch Pferde und Vieh durfte er behalten bzw. ankaufen. Zum Pfleger wurde Diebold von Geroldseck bestimmt. Der Abt zog sich nicht von allen Geschäften

zurück. Sein großes Abteisiegel hatte er zerbrochen, sein kleines aber behalten. Damit erledigte er immer noch kleine Privatgeschäfte. Diebold nahm erst mal den Wiederaufbau der beim Brand erneut geschädigten Kirche auf. Einen der beiden Türme ließ er

abtragen, weil er stark beschädigt war und neu aufbauen. Die Meister Egenmüller und Augustin schufen einen neuen Hochaltar. Von dem Einsiedler Goldschmied Meister Lienhard ließ er die Reliquien neu fassen und ein Kreuz machen. Der Chor wurde

ausgemalt und die Sakristei hergestellt. Im Kloster wurde der Marstall, eine Fleischkammer und eine Schleife neu gebaut. In Pfäffikon wurde ein neues Kornhaus erstellt, die Teufelsbrücke restauriert und der Weg über den Etzel verbessert.

Den Exemtionsstreit mit Konstanz brachte er mit Hilfe der Schwyzer und Kardinal Schinners, Bischof in Sitten seit 1499,  zu einem glücklichen Ende. Am 10.12. 1518 bestätigte Leo X. (1513-1521) das Privileg der Exemtion “auf ewige Zeiten”.

Auch das Privileg Pilgern Beichte zu hören und den Engelweihablass verlängerte er auf ewige Zeiten. Mit der Durchführung des Privilegs wurde der Bischof von Pistoia Antonio Pucci, sowie die Pröbste von Basel und Zürich betraut.

Das wohl einschneidendste Erlebnis für Diebold war die Berufung Zwinglis als Leutpriester nach Einsiedeln. Zwingli kam 1519 nach Zürich. In Einsiedeln folgte Leo Jud auf ihn, der später neben Zwingli der bedeutendste Züricher Reformer wurde.

Eine Reihe von Stiftspfarreien war allmählich von Gefolgsleuten Zwinglis besetzt. Auf der Ufnau hatte Ulrich von Hutten Zuflucht gefunden.Dort hatte dieser seine letzten Tage verbracht.

Gegen 1525 überwarf sich Diebold mit den Schwyzern. Die Schwyzer warfen ihm schlechte Verwaltung vor. Hauptgrund dürfte aber das enge Verhältnis zu Zwingli gewesen sein, der spätestens seit der Züricher Disputation für die Schwyzer nicht mehr tragbar

war. Man verhandelte noch, aber ohne Ergebnis. Anfang Januar legte Diebold sein Amt nieder, zerschnitt seien Bestallungsbrief und zerbrach sein Siegel. Zunächst ging er zu seinen Brüdern. Diebold war wohl eine Abfindung in Aussicht gestellt worden, die

er aber nicht erhalten hatte. Er kam deswegen 1527 nach Zürich, setzte sich dort im Einsiedlerhof fest und begann die Gefälle des Klosters im Zürcher Amt einzuziehen. Obwohl frühere Zusagen Zürichs an Schwyz vorlagen, schützte Zürich Diebold. Es kam

zum sogenannten Geroldseckischen Handel, der erst 1529 vertraglich beigelegt wurde. Diebold heiratete wie Zwingli auch. Diebold starb am 11.Oktober 1531 in der Schlacht bei Kappel. Zwingli fiel in die Hände der katholischen Innerschweizer und wurde getötet.

Abt Konrad wurde am 9.2.1518 von Kaiser Maximilian aufgefordert, am Reichstag zu erscheinen. Am 2.5.1518  bestätigte Maximilian auf Ansuchen des Abts Konrad III. von Hohenrechberg zu Einsiedeln, welcher deshalb Botschaft zu ihm schickte, alle Freiheiten,

Gnaden, Rechte u.s.w. des Gottshauses Einsiedeln, insbesondere die goldene Bulle Kaiser Karls IV., und nimmt dasselbe in seinen besondern Schirm. Einen Tag später verlieh er ihm die Regalien. Am 20. Januar 1526 war Abt Konrad nicht mehr in der Lage, die

Geschäfte zu führen. Schwyz setzte deshalb seinen Ratsherrn und Altvogt zu Einsiedeln Martin von Kriens zum Schaffner des Gotteshaus ein. Am 20. Juli 1526 verzichtete er auf die Abtei und nur wenig später, am 1. September 1526 verstarb er.

Kurz vorher am 8. August hatten die Schwyzer den Sankt Gallener Konventualen Ludwig Blarer  geholt und ihn am 14.8. 1426 in den Besitz der Abtei gesetzt.Wie Pater Rudolph Henggeler in seinem Typoskript auf Seite  436 vermerkt entstammte

Ludwig nicht dem St. Gallener Zweig der  Familie Blarer. Die Familie ist um 1228 in St. Gallen erwähnt. Ab 1330 verlagerte sich das Tätigkeitsgebiet der Familie nach Konstanz, wo sie vor allem im Leinwandhandel tätig war und zu großem Reichtum kam.

Sie stellte immer wieder Bürgermeister und Ratsherren der Stadt Konstanz. Sein Vater war nach Henggeler Bartholomäus Blarer, auch Bürgermeister in Konstanz. Ludwig ist um 1485 geboren und kam schon früh ins Stift Sankt Gallen, wo er 1504 zum ersten Mal

erwähnt wird. Dort ist der Jüngste der Konventualen auf der Liste zur Abtswahl. er war Ökonom in Rorschach. 1515 ist er Cellerar und Ökonom in St. Gallen. 1516 bestellte ihn Abt Franz Gaisberg  zum Dekan. Ganz klösterlich scheint er bis dahin nicht gelebt zu haben,

den er hatte nachweislich einen Sohn namens Wolfgang. Am 8. August 1526  war der Schwyzer Josef Amberg in St. Gallen bei Abt Franz, um ihn zu bitten, seinen Dekan nach Einsiedeln als Abt zu entsenden. Dieser gab der Bitte statt. Ludwig gab seine St.

Gallener Pfründen ab. Er nahm die Berufung an allerdings vorbehaltlich der päpstlichen Bestätigung und kirchenrechtlich war das ja nicht unproblematisch. Abt und Konvent von St. Gallen versprachen,ihn wieder als gleichberechtigten Konventualen

auf zu nehmen, wenn er Einsiedeln ohne Pension wieder aufgebe.Am 10.08 verließ Ludwig St. Gallen. Am Vorabend von Mariä Himmelfahrt führte ihn der regierende Landamman Martin Andermatt  in  die Kirche. Das Te Deum erklang

und die Untergebenen huldigten dem neuen Abt. Amselben Tag wurde die Einsetzung beurkundet. In der Urkunde wurde der Landamman Martin Andermatt genannt, der Altamman Martin zu Bachi,die Vögte Josef Amberg, Martin von Kriens und Heinrich Lilie.

Der erst Einspruch kam allerdings aus anderer Richtung. Am 16. November 1526 waren die süddeutschen Grafen und Freiherren in Tübingen versammelt und  wandten sich an Schwyz.

“ Die zu Tübingen versammelten Grafen und Herren an Schwyz.  Das Gotteshaus sei von Kaisern und Königen mit der Freiheit begabt, dass der Abt vom Konvent erwählt werde und von Fürsten, Grafen oder Herrenstammen soll. Nun höre

man, dass ein Abt erwählt sei, der diese Eigenschaften nicht besitze was den Rechten der Herren einen Abbruch tue. Da nun Schwyz als Kastvogt das Gotteshaus bei seinen Freiheiten  handhaben sollte, so ersuche man es, dafür zu sorgen, dass dasselbe bei seinem

alten Recht  und Herkommen bleibe und den Grafen und Herren im Reich und ihren Nachkommen ihre Rechte nicht entzogen werden” (Eidgenössische Abschiede IV, 1a. S.1125)Doch die Zeiten, dass der süddeutsche Adel solche Ansprüche stellen konnte,

waren vorbei. Zudem hatte ja gerade das Stift eindringlich bewiesen, wohin es führte, wenn Klöster zu Versorgungsinstrumenten der Nachkommen des Adels verkamen. Das Kloster war verschuldet, die klösterliche Disziplin war dahin.

Kaiser Karl V. ließ sich mit der Anerkennung des Abtes nicht ganz so viel Zeit. Am 3.7. 1532 verlieh der Kaiser dem Abt und dem Kloster die Regalien. Seit dem Reichstag zu Speyer 1529 hatte der neue Glaube immer mehr Anhänger. Längst war es nicht mehr nur eine

Glaubensfrage sondern einfach auch ein Machtfrage, was sich ja auch in den entstehenden Bünden zeigte, so der Schmalkaldische Bund von 1531 der protestantischen Stände oder der Katholisch Liga von 1538. Natürlich lag es im Interesse des Kaisers,

die katholische Seite zu stützen. Nicht so einfach war es mit Rom. Die Einsetzung des neuen Abtes war ja ohne jegliche kirchliche Erlaubnis geschehen. In seinem Breve vom 8.1. 1528 bestätigte Papst Clemens VII. (1523-1534) Ludwig als Administrator von

Einsiedeln. Bedingung war allerdings ein apostolisches Indult, das natürlich nicht vorlag. Es wurde aber auch keine Bulle ausgefertigt. Zwar war eine Frist von 6 Monaten gesetzt. Aber die politische Lage in der Eidgenossenschaft verlangte andere Prioritäten.

Es war die Zeit der Kappeler Krieg, wobei der erste ohne Blutvergießen endete und 1529 nochmals  friedlich beigelegt werden konnte, sogenannte Kappeler Milchsupp. Der zweite im Oktober 1531 endete aber blutig. Das war die oben erwähnte Schlacht,

bei der Zwingli und Diebold von Geroldseck ums Leben kamen. Erst im Sommer 1532 ersuchte Abt Ludwig mit Unterstützung der fünf Eidgenössischen Ort beim Bischof von Albano Ennio Filonardi, der von 1531 –1533 letztmals päpstlicher Nunitius in der Schweiz war,

um die Bestätigung der Wahl. Doch der Nuntius erklärte ihm, dafür keine Vollmacht zu haben. Nun bat der Abt Schwyz den Landamman Gilg Reichmuth auf Kosten des Klosters nach Rom zu schicken, was auch geschah. Die fünf Orte fertigten ihm am 12. März

1533 ein Empfehlungsschreiben aus. Darin hieß es: “ Die Boten der 5 Orte schreiben an den Papst, in den letzten Tagen habe der erwählte Abt von Einsiedeln bei dem Legaten Verulan um Bestätigung nachgesucht, aber die Antwort erhalten.

dass demselben die Vollmacht nicht zustehe, sie zu gewähren; demzufolge bitte Schwyz, dass man sich bei seiner Heiligkeit für den Abt verwende. Dazu sei man besonders geneigt und bitte daher, den Genannten bestens empfohlen zu halten,

zumal das Gotteshaus durch die verdammte neue Sekte Abgang erlitten ,durch eine Feuersbrunst beinahe gänzlich zerstört und durch die großen Kosten für den Wiederaufbau schwer beladen sei,” (Eidgenössische Abschiede IV.,1c, S. 36)

Auch der Kaiser wurde um Interstützung in der Sache gebeten.

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Am 26. April 1533. bestätigte Papst Clemens Ludwig als Abt nachdem er wie ausdrücklich in der Urkunde steht erneut gewählt wurde. Erst jetzt, knapp 7 Jahre nach sein er Amtseinführung, war er also auch formal in  seinem Amt angekommen.

Am 6.5. 1533 erfolgte die Bestätigung der Exemtion und Privilegien.Dazu zählte auch das Recht der Pontifikalien und die Erteilung der niederen Weihen. mit einer Urkunde vom nächsten Tag wird auf das zitierte Schreiben der 5 Orte geantwortet und erklärt, “die

Bestätigung Ludwig Blarers als Abt habe er (der Papst)gratis und ohne Gegenleistung gewährt”.  Trotz der mittlerweile bestehenden Gegensätze bemühte sich Abt Ludwig rasch um das Burgrecht von Zürich. So lange Diebold noch in Zürich war, stemmte er sich mit

macht dagegen und sagte, der einzige rechtmäßige Konventuale Einsiedelns zu sein.

Nach seinem Tod waren die Problem wohl ausgeräumt. Schwierigkeiten gab es nur noch wegen der Bezahlung, denn Diebold hatte offenkundig nie die Steuer für das Burgrecht erbracht. Der Abt wollt natürlich nicht für Diebold bezahlen. Es ging um die

Jahre ab 1526. Zunächts bot der Abt zwei Jahre an. Schließlich einigte man sich darauf, dass der Abt der Stadt Zürich einen Hengst aus dem Gestüt gebe, um die Sache aus der Welt zu schaffen. Am 30.9. 1533 stellte die Stadt die Verleihungsurkunde für Abt

Ludwig aus. Kurz danach gab es wieder Auslegungsschwierigkeiten, denn Ludwig wollte gestützt auf die alten kaiserlichen Privilegien Zollfreiheit in Zürich, was ihm der Rat nicht zugestehen wollte. Obwohl der Landammman Josef Amberg die alten kaiserlichen

Freiheiten vorlegte, beharrte die Stadt auf ihrem Standpunkt.

Auf Papst Clemens folgte 1534 Papst Paul III (bis 1549). Dieser bestätigte am 13.12. 1537 die Exemtion und die Privilegien für Abt Ludwig. Er erweiterte das Privileg. Der Abt durfte nun auch die Firmung spenden und Kirchen und Kelche  weihen, solange “die Häresie

in der Schweiz dauern sollte”. Diese Privileg gilt heute noch. Zwar waren praktisch alle führenden Köpfe der Reformation als Priester auf Einsiedler Pfarreien tätig. Stürmischer ging es aber in St. Gallen zu. Im Februar 1529 fand dort der Bildersturm statt

als Abt Franz in Rorschach im Sterben lag. Vadian veranlasste die Säkularisation des Stifts. Erst der Sieg der katholischen Kräfte bei Kappel 1531 mischte die Karten neu. (mehr dazu siehe St. Gallen) St. Gallener Mönche flohen nach Einsiedeln, wo sie gastliche

Aufnahme fanden. Sie brachten auch Reliquien von Otmar und Notker mit, die bis 1538, bis sich die Lage in St. Gallen wieder beruhigt hatte, in  Einsiedeln blieben.

1535 nahm Abt Ludwig die ersten Novizen im Kloster auf. Diese, nämlich Joachim Eichhorn von Wil und Rudolf Brunolt von Rapperswil, beide bürgerlicher Herkunft, legten 1536 ihre Profess ab. Es folgten noch 5 weitere Mönche und zwei Laienbrüder.

Zwei Mönche sandte er nach Ochsenhausen und Hirsau, um die dortige Ordenszucht kennenzulernen und die in Einsiedeln zu heben. Er führte auch die Tonsur und Ordenstracht, wie sie in St. Gallen üblich war, in Einsiedeln ein.

Abt Ludwig starb am  26. Februar 1544.Einen Monat später am 28. März wählten die 4 vorhandenen Konventualen einen neuen Abt. Diese Wahl unterschied sich in einem Punkt wesentlich. Hier stand nicht ein Familienclan zu Wahl, sondern Mönche,

die imselben Orden aber eben nicht miteinander verwandt waren. Joachim Eichhorn  ist 1516 in Wil geboren und entstammt einer Familie, die sich in Wil seit dem 16. Jahrhundert nachweisen lässt. Von seinen Geschwistern besuchte ein Bruder, Peter die

Klosterschule in St. Gallen, trat dort ins Kloster ein und wurde 1549 Abt in Wettingen. Joachim trat 1535 ins Kloster Einsiedeln ein. Er war einer der ersten Novizen nach der Glaubensspaltung. Der Wahl wohnten die Äbte von St. Gallen Diethelm Blarer von Wartensee

(1530-1564),von Muri Laurentius von Heidegg (1508-1549) und von Fischingen Markus Schenklin (1540-1553) bei.

Papst Paul bestätigte die Wahl am 23.11.1544. Die katholischen Orte hatten gebeten, auch dieses Mal die Bestätigung persönlich vorzunehmen.Schon in Jahr nach seiner Wahl erneuerte er am 11. Mai 1545 das Burgrecht mit Zürich.

Am 5. Juli 1546 verlieh Kaiser Karl V. Abt und Kloster die Regalien. Der Papst bestätigte 5 Tage später die Privilegien des Stifts. Sein Nachfolger Paul IV. (1555-1559) bestätigte am 10.7.1556 die Privilegien des Stifts und die Exemtion.

Nachdem Ferdinand I. auf seinen Bruder Karl 1558 als deutsche Kaiser gefolgt war,bestätigte auch er am 3. Oktober 1558 die alten Freiheiten des Stiftes ebenso wie die Regalien.Als Ferdinand 1564 starb, folgte sein Sohn Maximilian II. als deutscher Kaiser. Auch er

bestätigte Regalien und alte Freiheiten im April 1566.Die Herren von Schwyz kümmerten sich sehr intensiv um “ihr” Kloster. Schon am Tag der Wahl trafen die Vertreter der Schirmorte bei ihm ein, der Landammann Josef Amberg, der Statthalter Ulrich Auf der

Mauer, sowie der Bannerherr, also der Heerführer von Schwyz Hieronymus Schorno. Sie trafen folgende Vereinbarung mit ihm: Er soll Gottesdienst nach der Regel Benedikts halten. Der Abt soll die Freiheiten des Gotteshauses erhalten. Er darf nichts

verbriefen, versetzen oder verzinsen. Was nicht bereits Lehen war, darf nicht als Lehen vergeben werden. Der Abt darf keine Verwandten als Diener oder Ammann annehmen. Ohne Wissen des Konvents und der Schirmherren darf er keinen Amann einsetzen.

Aber auch der Konvent noch Schwyz dürfen ihm einen Ammann gegen seinen Willen aufdrängen. Gegenüber den Schirmherren ist er zu jährlicher Rechnungslegung verpflichtet. Und schließlich sollen weder Abt noch Konvent durch Umgang mit schlechten Weibern

Ärgernis geben. Er hatte ein fast reibungsloses Verhältnis mit dem Schirmherren. Mit der Amtsführung waren sie sehr zufrieden und schon um 1550 war das Stift fast schuldenfrei. Trotzdem wollte er sich weitgehend aus der Abhängigkeit lösen und versprach

deshalb auch eine alte Schuld bei Schwyz von 1589 Gulden mit jährlich 50 Gulden abzutragen. Viele Urbarien liess er neu erneuern. In Fahr erwarb er eine Reihe von Gütern zurück. In Einsiedeln und Pfäffikon erwarb er Güter und auf der Ufnau

erwarb er viele Güter zurück, die in Privatbesitz übergegangen waren. Auch als Bauherr war er tätig. Er ließ das untere Münster, das immer noch von dem Brand von 1509 geschädigt war, wölben, er ließ eine neue Prälatenstube erbauen und schön ausmalen.

Mit dem Orgelbauer Balthasar Mygel von  alten Mygelburg  schloss er am 11. Juli 1557 einen Vertrag über eine neue Orgel, obwohl dieser zu derzeit Probleme wegen Gotteslästerung und Landfriedensbruch hatte. Die Orgel mit 18 Registern steht im oberen

Münster. In Pfäffikon ließ er aus einem alten Weinkeller die neue Schlosskapelle erstellen. Zwei neue Kornschütten und weitere Gebäude wurden dort errichtet. In Freienbach wurde der Pfarrhof und die untere Schloßmühle neu erbaut.

Den Lehenseid wegen Halsgerichtsbarkeit und Blutbann leistete er dem kaiserlichen Rat Gerwig Blarer, der auch Abt von Weingarten und Ochsenhausen sowie päpstlicher Legat war. (Zu Gerwig Blarer siehe Kloster Weingarten) Gerwig Blarer bestätigte die

Eidesleistung in einer Urkunde vom 28.11.1560. Abt Joachim war auch auf die Reichstage von Ulm 1552 und 1558 geladen worden, wobei er sie wahrscheinlich nicht besucht hat.

In der Amtszeit von Abt Joachim wurden 21 Konventualen neu aufgenommen. In allen Benediktinerklöstern wurde seit der Reformation großer Wert auf die Ausbildung der Mönche gelegt.

Auch Joachim schickte einige von ihnen zum Studium nach Freiburg im Breisgau und Dillingen. So war Ulrich Witwiler  in Freiburg. Johannes Heider von Wil hatte in Freiburg den Magister Artium gemacht. Balthasar Wickmann studierte ebenfalls

in Freiburg. Kaspar Müller von Ägeri war in Dillingen. Von den Konventualen Joachims wurden 4 Äbte, Ulrich Witwiler und Adam Heer in Einsiedeln, Johannes Heider in Pfäfers und Andreas Hersch in Engelberg.

Council_of_Trent

1545 war das Konzil von Trient als Reaktion auf die Reformation Martin Luthers einberufen worden. Es tagte in 4 Sitzungsperioden(3 in Trient eine in Bologna) zwischen 1545 und 1563. Die 3 Trientiner Periode wurde 1562 von Papst Pius IV. (1559-1565) wieder

einberufen. Am 25. Januar 1562 hatten sich Schweizer Prälaten und Vertreter der Schweizer Geistlichkeit in Rapperswil versammelt. Dabei bestimmten sie Abt Joachim zu ihrem Vertreter in Trient. Zusammen mit Ritter Melchior Lussi (1529-1606), dem Gesandten

der katholischen Orte am Konzil von Trient, ging er an den Konzilsort. Allerdings musste der Abt krankheitsbedingt am 16. August nach St. Gerold gehen. Als er wieder nach Trient zurückkehren wollte,war das Konzil abgeschlossen. Wichtigstes Resultat

ist das “Tridentische” Glaubensbekenntnis.Die Glaubensspaltung hatte die katholischen Orte auch räumlich von ihrem Bischofssitz Konstanz getrennt. So gab es Bestrebungen, Abt Joachim die Bischofswürde zu verschaffen. Doch die Pläne zerschlugen sich.

Zur Umsetzung der Konzilsbeschlüsse sollten Diözesansynoden abgehalten werden. Für Konstanz war die Synode 1567 vorgesehen. Papst Pius forderte die Äbte von Einsiedeln und St. Gallen eigens auf, die Synode zu besuchen. Allerdings befürchteten die beiden

Äbte,dass Konstanz in ihre Rechte eingreifen wolle. Erst als Bischof Markus Sitticus von Hohenems (1561-1589)zusicherte, ihre Freiheiten zu wahren, nahmen die beiden Äbte an der Synode teil

Nach 25 – jähriger Regierung starb Abt Joachim am 13. Juni 1569.

Adam Heer wurde am 16. Juni 1569 von Dekan Konrad Beul und dem Konvent  zum neuen Abt gewählt. Sein Vater war Johannes Heer aus Rapperswil, sein Großvater mütterlicherseits Joachim Am Grüt. Er war Ratsschreiber in Zürich und erbitterter Gegner von

Zwingli. Sein Sohn Johann Christoph, also der Onkel des neuen Abtes war von 1549 bis 1564 Abt von Muri.Von den Töchtern des Züricher Ratsschreibers war eine, Sophia,1540 Schaffnerin und ab 1550  Äbtissin in  Tänikon, die andere Meliora Meisterin in

Hermetschwil. Adam legte 1553 in Einsiedeln die Profess ab. Er wurde  zunächst zum Subdiakon, dann zum  Diakon geweiht. Die Priesterweihe empfing er 1558. Er war danach wohl Subprior und hatte dieses Amt bis zu seiner Abtswahl inne.

Anwesend waren auch Otmar Kunz, Abt von St. Gallen (1564-1577) Hieronymus Frei (1564-1585).  Er erneuerte rasch das Burgrecht mit Zürich, schon am 13.8. 1569. Am 29. September hatte er das Schirmrecht mit Schwyz erneuert. Auch vom neuen Abt verlangte

Schwyz jährliche Rechnungslegung. Papst Pius V. bestätigte Adam Heer am 19. 11. 1569 als Abt von Einsiedeln. 44 Goldscudi und 5 Julier wurden an Gebühren fällig. Die Abtsweihe nahm Weihbischof Jakobus von Konstanz an Lichtmess 1570 im Beisein der Äbte

von Konstanz und Muri vor. Maximilian II verlieh ihm 1572 die Regalien. Mit dem Empfang beauftragte er Johann Andreas von Schwalbach. Dabei bat er auch darum, die Huldigung vor dem Abt der Prämonstratenserabtei Minderau,

dem heutigen Weissenau die Huldigung vornehmen zu dürfen. Abt war damals (1563-1575) Michael Hablützel.

Schon ein Vierteljahr nach seiner Wahl hielt er  mit dem Schwyzer Landammann Schorno die erste Abrechnung ab. Auch hat sich ein Tagebuch erhalten, in dem der seien Tätigkeit festhielt, was gegen den Vorwurf unsolider Wirtschaftsführung, der später gegen ihn

erhoben worden ist, eigentlich entkräftet. Gleich zu Beginn seiner Regierungszeit entwickelte er eine rege Bautätigkeit. Die Gangulfskapelle wurde erneuert, ein Jahr später eine neue Kustorei erbaut. 1574 wurde der Chor neu ausgeführt. 1575 wurde mit dem

Presbyterium begonnen, das ein Jahr später fertiggestellt wurde. Neue Ornate, eine neue Mitra wurden erworben, alte Reliquiare wurden erneuert. Aber auch weltliches Silberzeug wurde beschafft, wozu der Abt vermerkte “ist alles zalt”. Auch das spricht für einen

geordneten Haushalt. Er sorgte auch für die Anlegung eines neuen Pilgerwegs und kümmerte sich um den auswärtigen Stiftsbesitz. Ein großes Augenmerk richtete er auf den Nachwuchs und in seiner Amtszeit gab es 19 Neueintritte. Auch für die Bildung seines

Nachwuchses sorgte er. Vier Mönche ließ er  in Dillingen studieren, einen in Freiburg. Joachim Müller war in Dillingen und schloss mit dem Baccalaureat in der Bibelwissenschaft und der Theologie ab. Wolfgang Andreas Spieß war ebenfalls in Dillingen. Er wurde

später von der Stadt Solothurn als Administrator ans Kloster Beinwil berufen. Das Kloster befand sich damals im Pfandbesitz der Stadt und stand leer. Adelrich Johann Suter war ab 1582 in Dillingen, wobei die Angehörigen die weitere Ausbildung mit 100 Gulden

unterstützten. Martin Gassenhauser schloss auch in Dillingen mit dem Magister artium et philosophiae ab. Auch Medard Frei war in Dillingen. Joachim von Beroldingen studierte erst in Bologna mit gutem Erfolg Rhetorik und studierte danach in Freiburg weiter.

1575 wurde in Rom das Heilige Jahr begangen. Papst Bonifatius VIII. (1294-1303)hatte 1300 erstmals ein Jubeljahr ausgerufen, das alle 25 Jahre gefeiert wird. 1575 war auch Karl Borromäus dabei und in diesem Jahr wurde der Besuch der sieben Hauptkirchen Roms

eingeführt. Im November informierte er den Konvent und Schwyz von seinem Vorhaben. Versehen mit Empfehlungsschreiben des Konvents und von Schwyz machte er sich am 19. November begleitet von Pater Johannes Heider, den wir oben als Absolventen in

Freiburg erwähnt haben, auf nach Rom.Mit dabei waren auch  Ludwig Bucher und Konrad Niggli. Unterwegs war man 4 Tage Gast bei Karl Borromäus, auf Antrag der katholischen Orte schon 1560 während des Konzils von Trient  zum Protektor Helvetiae ernannt

worden, war dieser in Einsiedeln natürlich kein Unbekannter. An Silvester 1574 hatte der Abt eine Privataudienz bei Papst Gregor XIII. Es ging vor allem um die Bestätigung der Privilegien, wie dies Papst Pius IV.1563 gemacht hatte. Nur standen jetzt die

Bestimmungen des Konzils von Trient gegen Teile der Privilegien und so kam der Abt nicht zum Ziel. Am 3. März 1575 kehrte der Abt nach Einsiedeln zurück. Von Rom zurück kümmerte er sich verstärkt um Fahr. Er suchte wieder Klosterfrauen in Fahr anzusiedeln,

aus dem im Zuge der Reformation praktisch alle Nonnen aus dem Kloster ausgetreten waren. Er weilte gerade in Fahr, als in die Nachricht von einem erneuten Klosterbrand eintraf. Eine Bande von Mordbrennern hatte in der Gegend gehaust. Unter anderem hatte sie

ein Jahr zuvor in Chur einen großen Brand gelegt bei dem 53 Häuser zerstört wurden. Hauptmann Stör und seine Kumpane wurden gefasst und hingerichtet. Das Innere des Münsters war unzerstört, aber die Sakristeien und das Konventsgebäude fielen den Flammen

zum Opfer. Auch ein großer Teil des Dorfes wurde vernichtet. Die Mönche kamen dann für ein dreiviertel Jahr in Pfäffikon unter.

Zur Erinnerung an die Brandkatastrophe ließ der Abt am 24. April eine Prozession abhalten. Die St. Georgs-oder Reliquienprozess wird bis auf den heutigen Tag durchgeführt.

Unverzüglich wurde mit dem Wiederaufbau begonnen,aber es dauerte lange, bis alles wieder in Stand gesetzt war. Bald darauf bahnte sich auch ganz persönliches Unglück für den Abt an. Schon seit seiner Wahl hatte der Abt eine spürbare Opposition im Kloster,

vor allem in der Person Wolfgang Kalchofners, der von 1552-1553 Pfarrer auf der Ufnau war. Danach wurde er Dekan. Ab 1556 war er Statthalter in Pfäffikon, wo er 1573 starb. Möglicherweise wäre er selbst gerne Abt geworden.

Sein Verhältnis zu den Schirmherren war anfangs gut. Allerdings versuchten sie sich immer wieder in Klosterangelegenheiten ein zu mischen. Als 1571 der Stiftskanzler Jörg Dietschie aus Schwyz gestorben war, hätten die Schwyzer gerne wieder einen Schwyzer in

diesem wichtigen Amt gesehen und legten das dem Abt auch nahe. Dieser aber berief sich auf sein Recht der freien Wahl und bestellte  den Glarner Walter Schiesser als neuen Kanzler. Dies wurde in Schwyz übel vermerkt. Die Klosteropposition hinterbrachte den

Schwyzern 1574, der Abt haushalte schlecht, worauf er sich im Januar 1574 vor dem zweifachen Rat verantworten musste. Der Abt führte dies auf üble Nachrede zurück. Das angespannte Verhältnis zeigte sich vor allem beim Klosterbrand. Zwar sandte Schwyz gleich

Boten zum Kloster. Er sandte Dekan und Kanzler um Hilfe an die Schirmherren, bekam aber nur zur Antwort, man habe kein Geld. Das Kloster ließ man lange warten, dem Dorf aber hatte man gleich Hilfszahlungen geschickt.Dann wurde dem Abt

auch lockerer Lebenswandel unterstellt. Als er im Frühjahr 1578 in Pfäffikon erkrankte, wurde das Gerücht gestreut, er leide an einer Geschlechtskrankheit. Es wurde ihm auch unterstellt, dass er 5 oder 6 Kinder habe. Der Abt wies das zwar zurück,

aber das Gerede war nun mal da. Der Abt wurde nun nach Schwyz bestellt. Dort wurde er erst mal auf dem Pfarrhaus festgesetzt. Für die innere Klosterverwaltung wurde der Dekan Ulrich Witwiler eingesetzt. Für das Äußere wurde der Schwyzer Ratsherr Balthasar

Kyd eingesetzt, der bald mit der Überprüfung der Stiftsfinanzen begann. Natürlich wandten sich beide Seiten  an die vorgesetzte Kircheninstanz. Nuntius Bonhomini -er war 1579-1581 apostolischer Nuntius mit besonderen Rechten in der Schweiz. Vom Papst hatte

er alle Vollmachten, in dieser Angelegenheit vorzugehen.Dem Nuntius hatte der Abt bekannt, dass er zwei Söhne habe, von denen allerdings nur noch einer am Leben sei. Vom Nuntius wurde der Abt in Chur gehört. Dann erging schließlich am 11. Juli 1580 das

Urteil. Er sollte für 8 Jahre vorläufig der Verwaltung enthoben sein. Das Kloster durfte er in dieser Zeit nicht betreten oder sich ihm nur auf drei Meilen nähern. Die Schwyzer hatten auf eine Amtsenthebung hingearbeitet. Doch Bonhomini meinte, dass

dies nach kanonischem Recht nicht möglich sei. Die Lage war nicht besonders gut. Der Konvent wollte ein ordentliches Oberhaupt bekommen, zumal zu befürchten war, dass sich Schwyz weiterhin in klösterliche Belange mischte. Man fürchtet aber auch

Eingriffe des Abtes von St. Gallen oder von Rom einen fremden Abt aufgezwungen zu bekommen. So beschlossen Konvent und Schwyz gemeinsam, den Abt zu bewegen, dass er resigniert. Das tat er schließlich 1585 und machte so den Weg frei.

Seit 1579 lebte er in St. Gerold, 1580 übernahm er die Verwaltung der Propstei. Er verwaltete sie vorbildlich. Er starb 1610 vom Klerus der umliegenden Pfarreien als Vater und Führer respektiert. auch im Volke genoss er größtes Ansehen.

Ulrich Wittwiler stammt aus Rorschach ist als Sohn des Heinrich Wittwiler und der Agatha Gerschwiler 1535 geboren und legte 1549 unter Abt Joachim die Profess ab. Er wurde 1550 zum Subdiakon und 1551 zum Diakon geweiht. Er zählte zu den Mönchen, die von Abt

Joachim zum Studieren geschickt worden waren. In Freiburg schloss 1556 mit dem Master artium und philosophiae ab. Zum Priester wurde er am 21. Dezember 1556 geweiht. Von 1558 bis 1580 war er Pfarrer von Einsiedeln.

Nuntius Bonhomini bestellte ihn am 15. August 1579 zum Administrator des Stifts.

Am 23. Oktober wählte ihn der Konvent zum neuen Abt. Papst Sixtus V. (1585-1590)bestätigte die Wahl am 17. April 1586. Die Herren von Schwyz baten den Gardehauptmann der Schweizer Garde Jost Segesser von Brunegg, dass er sich beim Papst verwende, dass

dem Kloster  die Annaten für die Wahlbestätigung erlassen würden und verwiesen auf den nicht lange zurückliegenden Klosterbrand, die Misswirtschaft des vorhergehenden Abtes und mehrere Jahre mit Missernten.Die Regalien verlieh ihm Kaiser Rudolf II (1576-

1612) am 23. Mai 1588. Er hatte auch ein Ladungen zu den Reichstagen  von 1594 und 1597 erhalten,die beide vom Kaiser nach Regensburg einberufen waren.Abt Ulrich beauftragte den Abt von Weingarten, Georg Wegelin (1586-1617) für ihn die Huldigung beim

Kaiser vorzunehmen. Er delegierte den Weingartner Abt auch zum Empfang der Urkunde nach Prag. Der Weingartner Abt wurde 1604 Vorsitzender der oberschwäbischen Benediktinerkongregation und hatte in Ordenskreisen sicher schon einen guten Ruf, so dass es

nicht verwunderlich ist, dass Abt Ulrich gerade diesen Amtsbruder zu der Mission ausgesucht hatte.

Drei Schwerpunkte seiner Amtszeit lassen sich feststellen. Vordringlich war natürlich der Wiederaufbau des Stifts und die Schuldentilgung. immerhin waren mittlerweile 25 000 Gulden an Schulden aufgelaufen. Da war er sehr erfolgreich. Bis 1590 hatte er 40 000

Gulden verbaut, gleichzeitig aber 13000 Gulden Schulden abgebaut. Dazu hatte er noch Geld verliehen. Ein großes Augenmerk legte er auf die Mehrung des Reliquienschatzes der Kirche. Ab 1593 war Elias Heymann von Senheim, vormals Rektor der Universität

Trier versehen mit Empfehlungsschreiben von ihm in der Schweiz, aber auch in Italien, Österreich, dem Elsass dem Rheinland und natürlich auch in Trier unterwegs, um Reliquien für Einsiedeln zu erwerben. Auch für den Nachfolger von Abt Ulrich war er tätig.

Bedingt durch die Querelen um den alten Abt hatte es zunächst wenig Nachwuchs im Kloster gegeben. Aber in seiner Regierungszeit kamen doch 15 Neueintritte dazu. Und er sorgte dafür, dass weiter Mönche an die Universitäten gingen. Zu Dillingen und Freiburg

war noch Luzern als Studienort gekommen. Benedikt Kessel wurde kurz nach seiner Profess nach Monte Cassino geschickt. Er blieb dort 5 Jahre. Schon kurz nach seiner Rückkehr 1591 wurde er wegen Vergehen in Pfäffikon eingesperrt, wurde dann ins Kloster

zurückgerufen, aber schon ein Jahr später des Klosters verwiesen. Er wurde nochmals begnadigt, bald aber erneut rückfällig und wurde wieder eingekerkert. Er konnte entkommen und versah, dann eine Pfarrstelle in Graubünden. Allerdings fiel er dann vom

Glauben ab, wurde in Appenzell Prädikant und starb schließlich an der Pest.

Nicht nur Theologie oder Philosophie studierten Einsiedler Mönche. Bartholomäus Kolin studierte in München Musik und wurde ein hervorragender Organist. Allerdings starb er mit nur 32 Jahren an der Pest.

Nach dem Konzil von Trient wurde im Zuge der Gegenreformation ein starkes Gewicht auf die Reform auch des klösterlichen Lebens gelegt. Der Nuntius Bonhomini hatte die Angelegenheit des  Abtes Adam Heer als auch willkommenen Anlass genommen, in der

Schweiz die Klosterreform anzugehen. Man beobachtete die klösterliche Disziplin sehr streng. Schon Bonhomini hatte ja weitreichende Vorschriften erlassen. Auch Abt Ulrich sorgte für Hebung der Klosterdisziplin. Für den Propst des Klosters Fahr hatte er 1586

eine eigene Ordnung erlassen.Auch Äbte anderer Klöster gingen wieder aus Einsiedeln hervor.Nachdem Bonhimini in Einsiedeln Abt Adam  seines Amtes enthoben hatte, ging er nach Pfäfers weiter. Um dieses Kloster stand es nicht besser als in Einsiedeln.

Dort war Bartholomäus Spiess Abt (1575-1584), dem ebenfalls Misswirtschaft vorgeworfen wurde. und auch er lebte im Konkubinat. Bonhomini berief nun Johannes Heider nach Pfäfers als Verwalter ein. Nachdem Abt Bartholomäus 1584 starb folgte ihm Johannes

Heider als Abt nach. Andreas Hersch wurde 1592 zum Abt von Engelberg bestellt.

Auch Abt Ulrich hatte Probleme mit Konstanz. Darin liegt vielleicht der Grund, dass man sich intensiv um die Bestätigung der Exemtion mühte. Am 24.7. 1597 erfolgte dies so wie die Bestätigung der Privilegien durch Papst Clemens.

Am 10. Oktober 1600 starb Abt Ulrich.

Nur 5 Tage nach dem Tod des Abtes erfolgte die Neuwahl. Auch der resignierte Abt Adam Heer nahm an der Wahl teil. Augustin I. Hofmann wurde der neue Abt. Sein Vater Andreas hatte in Baden eine kleine Schule errichtet. Dieser stand er 14 Jahre vor.

Dann wurde er von Abt Joachim nach Einsiedeln an die Klosterschule berufen. In Einsiedeln heiratete er Anna Ochsner, mit ihr bekam er 4 Kinder, drei Töchter und einen Sohn. Der Sohn Augustin wurde 1555 in Einsiedeln geboren. Schon mit 16 Jahren trat er hier ins

Kloster ein. Seine Profess legte er am 29. Juni 1572 ab. Er hatte noch drei Schwestern, die alle Nonnen im Klarissenkloster Paradies in Schaffhausen wurden. Augustin wurde 1579 Priester.Er war ein guter Musiker und wurde Stiftsorganist. 1583 wurde er von

Abt Ulrich zum Subprior berufen und ein Jahr später wurde er Dekan des Stifts.Schon vor der Wahl trafen die Mönche eine Vereinbarung und verpflichteten sich zu deren Einhaltung. Sie enthielt Grundsätze einer Reform. Das Hineinreden von Laien sollte verhindert

werden. Der Abt sollte drei Konventualen zu sich an den Hof holen, darunter den Ökonom und den Cellerar, die die Aufsicht über den Haushalt und die Ökonomie führen sollten. Klagen oder sonstige Vorstellungen sollten von einem dritten Pater

entgegengenommen werden, der diese dann dem Abt unterbreitete. Der Abt war somit entlastet und konnte sich uneingeschränkt seinem Amt widmen. Dass man es Ernst meinte mit der Minderung des Einflusses von Laien, zeigte sich schon bei der Wahl. Zwar waren

acht Abgeordnete von Schwyz mit ebenso vielen Dienern in Einsiedeln. Doch wurden sie erst nach der Wahl vom Ergebnis in Kenntnis gesetzt. Die Wahl  fand unter dem Vorsitz des päpstlichen Nuntius statt Johannes della Torre (Nuntius von 1600-1606) statt.

Die Äbte Benedikt Rennhas, Fischingen und Johann Jodok Singisen, Muri  assistierten. Diese Drei nahmen am Sonntag Lätare 1601 auch die Abtsweihe vor, nachdem Papst Clemens VIII. am 15. Februar 1601 den neuen Abt in seinem Amt bestätigt hatte. Zugleich

bestätigte er alle Temporalia und Spiritualia des Klosters. Abtsweihe und päpstliche Bestätigung des Abtes kosteten das Kloster insgesamt 1731 Gulden , wobei sich die Annaten allein auf 1472 beliefen. Kaiser Rudolf II. verlieh am 8. Oktober 1601 die Regalien an den

Abt. Da in der Regierungszeit des Abts der Kaiser zweimal wechselte, musste der Abt die Regalien nochmals zweimal beantragen. Kaiser Matthias (1612-1619) verlieh sie ihm im Oktober 1614 und Kaiser Ferdinand II. (1619-1637) machte dies am 8. März 1621.

Rudolf hatte auch die alten Freiheiten bestätigt.Wichtigstes Ereignis gleich zu Anfang der Amtszeit von Abt Augustin war die Gründung der Schweizer Benediktinerkongregation. Das Konzil von Trient hatte 1563 das Ordensdekret verkündet. Zwar ist jedes

Benediktinerkloster bis heute eine selbstständige Gemeinschaft unter einem Abt.  Das Dekret schrieb nun vor, dass sich alle selbstständigen Klöster, die keinem Verband oder einem Generalkapitelangehörten, sich innerhalb eines Jahres zu einer Kongregation

zusammenschließen mussten. So schnell ging es aber doch wieder nicht. Aber in vier Schweizer Klöstern begannen Reformansätze zu wirken, so in St. Gallen, Einsiedeln, Muri und Fischingen. Nuntius della Torre machte sich nun für einen Zusammenschluss der

Klöster stark. Am 29. Mai 1602 bestellte er die Äbte von St. Gallen (Bernhard Müller 1594-1630)Fischingen (s.o.) und Muri (s.o.) nach Einsiedeln. Dort forderte er sie zur Kongregationsbildung auf. Die Gründung wurde in Einsiedeln beschlossen. Schon einen guten

Monat später, am 12. Juli 1602 trafen sie sich wieder in Wil. Dort wurden Reformmassnahmen besprochen, die in elf Artikeln formuliert wurden.

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Beim nächsten Treffen in Pfäffikon am 4. November war  Abt Michael Saxer (1600-1626) von Pfäfers dabei und bei der nächsten Sitzung in Rheinau am 12. Mai 1604 kam Engelberg  mit Abt Jakob Benedikt Sigrist (1603-1619) dazu. Beide Äbte mussten vor dem Beitritt

versprechen, die beschlossenen Reformen anzunehmen. Disentis wurde 1617 in Muri in die Kongregation aufgenommen. Abt war Sebastian von Castelburg (1614-34) . Da der Abt aber in den Bündner Wirren fliehen musste, die weltliche Obrigkeit sich der

Verwaltung bemächtigte, griffen die Reformen aber erst unter dem aus Kloster Muri kommenden Administrator und Abt  Augustin Stöcklin (1634-1641)nach 1634. Das Kloster Beinwiel kam wegen des Widerstands des Basler Bischof erst 1647 unter Abt

Fintan Kiefer (1633-1675) zur Kongregation. 1648 wurde es nach Mariastein verlegt. Nach der Verlegung an den Wallfahrtsort blühte es auf. 1647 waren damit alle Schweizer Benediktinerklöster, die die Reformation überstanden hatte in der Schweizer

Benediktinerkongregation vereint.

Die Statuten forderten tägliches Lesen der Messe. Die Mönche sollten ihre Mahlzeiten gemeinsam einnehmen, dabei geistliche Lesungen hören. Jedes Privateigentum wurde verboten. Nach der Komplet ist strengstes Stillschweigen einzuhalten. Auch darf

nichts mehr gegessen oder getrunken werden. Nächtliche Zusammenkünfte sind strengsten verboten. Frauen dürfen die Klausur nicht betreten. Die Äbte sollen mittags und abends für mässige aber gesunde Nahrung sorgen. Mönche, die bisher außerhalb der Klausur

wohnten, müssen nun in die Klausur zurück. Wenn der Abt zu Versammlungen musste, darf er nur zwei, höchstens drei Diener mitbringen.Neben diesen praktischen Lebensregeln griff die Kongregation aber auch bei materiellen oder personellen Notlagen ein,

zum Beispiel nach Brandfällen oder bei materieller Misswirtschaft. Die Kongregation wurde am 29. Mai 1602 von Papst Klemens VIII. gegründet und am 13. Dezember 1608 von Papst Paul V. approbiert.

Die Päpste verliehen der Kongregation die Exemtion. Gregor XV. tat dies 20. Mai 1622, sein Nachfolger Urban VIII. am 30. März 1624. Jurisdiktionsstreitigkeiten gab es trotzdem wegen des Visitationsrechts von Bischöfen, des Vorsitzes bei der Abtswahl, des Rechts

auf Wahlbestätigung, der Abtsweihe  und noch anderen Steitpunkten.

Die Schweizer Kongregation hatte durchaus Anziehungskraft und auch ausländische Klöster baten um Mithilfe bei der Durchführung von Reformen. Kempten war von 1664-1679, Murbach von 1666-1686 und Fulda von 1672-1679 der Schweizer Kongregation

angegliedert. Wegen des Adelsprivileg konnten diese Klöster aber nicht dauernd bei den Schweizern verbleiben.

Eine große Bewährungsprobe wartete auf den Abt in den Pestjahren. Drei mal grassierte die Seuche in Einsiedeln. Auf die Seuche im Jahr 1611 hatte man sich gut vorbereitet. Man hatte nicht nur zum Sakramentenempfang, zu einer Prozession nach St. Gangulf

und zu ernster Lebensführung aufgefordert, sondern  auch sanitäre Vorschriften gegeben. Die Klosterapotheke gab besondere Medizinen aus. Zwei bis drei Totengräber wurden bestimmt und es wurde angeordnet, dass die, die am gleichen Tag sterben sollten, in

eine gemeinsames Grab gelegt wurden. Wie man aus den Todesfällen im Konvent schließen kann, grassierte die Seuche ab September und Oktober in Einsiedeln. Der Pfarrer von Einsiedeln. P. Markus Eichhorn und der von Freienbach, P. Johann Schlachter erlagen

der Pest. Im Konvent  fielen ihr noch zwei Patres und zwei Fratres zum Opfer. 1626 wütete die Seuche erneut, doch traf es diesmal keine Konventsmitglieder. Nur drei Jahre später schlug die Pest erneut zu. Dieses Mal fielen ihr zwei Patres zum Opfer.

Als Konsequenz hatte der Abt beschlossen, den Friedhof fürs Dorf weg von der Klosterkirche auf den heutigen Platz zu verlegen.

Großes Gewicht legte der Abt nach wie vor auf die Ausbildung seiner Mönche. 15 studierten in Dillingen. Pro Platz beliefen sich die Kosten auf 50 Gulden, die meist in Naturalien und dies überwiegend in Käse bezahlt wurden. In München  studierten 4 Leute aus

Einsiedeln, hier wurde mit Ziegen bezahlt. 5 Mönche waren in Freiburg, einer in Salzburg und zwei in Mailand. Von den Freiburger Studenten ist vor allem Johann Fridolin Rößler zu nennen. Er hatte zunächst in Dillingen Syntax studiert. Dort wurde er 1617

Baccalaureus und 1618 Magister der Philosophie. 1619 wurde er zum Priester geweiht und 1624/25 studierte er Theologie in Freiburg.Seit 1620 wurde in Einsiedeln ein eigenes Hausstudium eingerichtet, an dem Pater Rößler Philosophie und Theologie unterrichtete.

Schwierigkeiten gab es 1615 mit den Jesuiten. Im Vorjahr hatten zwei Jesuiten bei der Engelweihfeier geholfen, Beichte zu hören.Die Jesuiten schlugen nun vor, 6 Jesuiten auf Kosten des Stifts in Einsiedeln unterzubringen und zu unterhalten.

Das war allerdings nicht im Sinne des Abtes. Gute Beziehungen hatte er zu Kardinal Verallo, der von 1606-1608 auch Nuntius in Luzern war und auch zu einigen Kapuzinermönchen. Im Zusammenspiel brachten sie den Papst dazu, das Ansinnen der Jesuiten fallen zu

lassen. Streitigkeiten gab es auch zwischen Weingarten und Einsiedeln. 1613 kaufte Kloster Weingarten von den Grafen von Sulz die Herrschaft Blumenegg. Teile gehörten auch zur Herrschaft Sankt Gerold, in denen ja Einsiedeln das Sagen hatte.

Kaiser Ferdinand II. hatte in dieser Sache die Äbte Johann Eucharius (1616-1631)von Kempten und Bernhard Müller von St. Gallen, sowie den Bischof Heinrich V. von Knöringen (1599-1646) von Augsburg sowie den Grafen Hugo von Montfort als Richter bestellt.

Sie sollten versuchen die Sache gütlich zu regeln oder sich dann richterlich zu entscheiden. Sie wurde erst erledigt, als Einsiedeln 1648 von Weingarten die Landeshoheit kaufte.

Die Beziehungen zu Konstanz waren nicht sehr gut. Die Innerschweiz fühlte sich von Konstanz abgeschlossen. Man ersuchte deshalb, den Abt von Einsiedeln zu ermächtigen, Glocken und Paramente zu weihen. Auch erhoffte man  die Berechtigung,

die Firmung zu spenden, was der Abt von Einsiedeln ja schon mal hatte. Man wollte den Abt von Einsiedeln zum Bischof machen, um die vernachlässigten innerschweizer Pfarreien besser betreuen zu können. Konstanz erfuhr davon und konnte dies mithilfe des

Metropoliten von Mainz hintertreiben.

Als Abt war Augustin ein reger Bauherr. In Einsiedeln ließ er ein neues Bibliotheksgebäude errichten. Die Kirche ließ er durch den Maler Hans Heinrich Gessner ausmalen. Zwei neue Orgeln wurden aufgestellt.

Die Teufelsbrücke ließ er 1614 reparieren.

Probleme scheint er mit der Gesundheit gehabt zu haben. Dreimal suchte er Bäder auf. Am 20. Februar 1629 erlitt er einen Schlaganfall, an dessen Folgen er am 2. März 1629 verschied.

Das Kapitel versammelte sich und beschloss, Nuntius Rocci (in der Schweiz 1628-1629 Nuntius) zu benachrichtigen und zur Wahl einzuladen. Nicht benachrichtigt und nicht zur Wahl geladen wurde Schwyz. Das Verhältnis scheint nicht ungetrübt gewesen zu sein.

Im Konvent wurde kolportiert, einige Schwyzerherren hätten behauptet, sie könnten den Einsiedler Abt nach Gutdünken ein- und absetzen.Seit der Berufung von Abt Ludwig Blarer hatten immer Vertreter der Schwyz der Abtswahl beigewohnt. Das wurde immer

mehr als Eingriff in die Rechte des Kapitels betrachtet. Zufälligerweise aber waren Landamman Reding und der Schwyzer Seckelmeister in Einsiedeln. Dort erfuhren sie von der anstehenden Wahl und verlangten, teilzunehmen. Nuntius Rocci, der ja geladen und

auch anwesend war, forderte die beiden auf, ihre Beweise vorzulegen. Das konnten sie natürlich nicht. Am nächsten Tag forderten sie eine Audienz beim Kapitel und nochmals der Wahl bei zu wohnen. Das Kapitel bestimmte aber drei Männer, denen sie ihr

Anliegen vorbringen konnten. Ihre Forderung bei der Wahl dabei zu sein, wurde abgewiesen. Ihnen wurde mitgeteilt, dass sie nach erfolgter Wahl vorgelassen würden, zum Tod des alten Abts kondolieren könnten und dem neuen zu seiner Wahl zu gratulieren.

Gewählt wurde Plazidus Reimann am 9. März 1629. Er war am 19. August 1594 in Einsiedeln geboren.Er entstammte einer Familie, die schon 1384 in Einsiedeln erwähnt wird.Er legte 1611 seine Profess ab.Danach studierte er in Dillingen und wurde am 10. April 1617

Baccalaureus der Philosophie. Er erkrankte und wurde nach Einsiedeln zurückberufen. 1618 wurde er zum Priester geweiht.1620 musste er nochmals ins Bad nach Griesbach. Als er zurückkehrte wurde er in Einsiedeln Novizenmeister. 1622 war er Pfarrer und

Beichtiger im Kloster Münsterlingen. 1628 wurde er in Einsiedeln Statthalter und nur ein Jahr später wurde er im Alter von 34 Jahren zum Abt gewählt. Die Wahl fand am 6. März statt. Da ein Schreiben in Rom liegen blieb, erfolgte die Bestätigung

aus Rom erst am 29. Oktober 1629.  Die Weihe nahm Nuntius Rocci am 25. November vor. Die Äbte von Muri Johann Jodok Singisen (1596-1644) sowie Placidus Brunschwiler (1616-1672) von Fischingen assistierten ihm.

Abt Placidus hatte zwei Brüder, der eine Augustin war seit 1626 Amann des Gotteshauses, der andere, Johann Georg war Vogt der Waldstatt. Durch ihre Heiraten waren sie mit angesehenen Schwyzer Familien verwandt.

Das Emporkommen der Familie weckte auch Neid, insbesondere Ludwig Öchslin, der frühere Vogt hatte seine Probleme. Er war schon vorher wegen Schimpfreden gegen den verstorbenen Abt aufgefallen. Deswegen hatte er in Gegenwart einiger Abgeordneter von

Schwyz vor Abt Placidus Reimann und  einiger Konventualen Abbitte zu leisten. Eigentlich hätte der ehemalige Vogt öffentlich widerrufen müssen. Darauf hatte der Abt aber verzichtet. Die Abbitte wurde am 2. April getan. Die Retourkutsche kam aber schnell.

Abt Augustin hatte einen neuen Friedhof anlegen lassen, was ja eine Konsequenz auf die Pest war. Abt Placidus wollte nun am 20. April den neuen Friedhof den neuen Friedhof weihen. An diesem Tag aber protestierte der Rat  und verbot Beerdigungen auf

dem neuen Friedhof.  Schwyz legte er Einspruch ein. Man begründete das so, dass der Friedhof zu weit weg sei. Somit würde der Toten auch zu wenig gedacht. Der Abt nun berief sich auf seine landesherrliche Befugnis, diese Entscheidung zu treffen. Ein Schreiner

aus dem Elsass war gerade in dieser Zeit gestorben und diesen ließ der Abt nun auf dem neuen Friedhof bestatten. Schwyz suchte nun zu vermitteln, aber Vorschläge wie z. B. dass ärmere Einsiedler auf dem neuen Friedhof ihre letzte Ruhe finden sollten,

besser situierte aber nach wie vor auf dem alten Friedhof zu beerdigen seien, waren für alle Einsiedler unannehmbar. Als sich Schwyz aber voll auf die Seite des Abtes stellten, mussten die Einsiedler nachgeben. Es ging jetzt nur noch um die bereits aufgelaufenen

Kosten. Die Einsiedler baten um Übernahme der Hälfte der Kosten, wozu sich der Abt aus Güte schließlich bereit erklärte. Bald gab es aber auch Schwierigkeiten mit Schwyz. Im weitesten Sinne ging es um die Landeshoheit. Die Schwyzer hatten mehr und mehr

versucht, die Abtei voll unter ihre Oberhoheit zu bringen, was ja durchaus im Zug der Zeit lag. Gerade die protestantischen Fürsten hatten ja gezeigt, dass der Deckmantel Religion beziehungsweise Konfession sich auch vorzüglich zur Machtausweitung eignete.

aber auch katholische Gegenden machten sich dieses Prinzip voll zu Nutze. Dass die Abtei da ihre eigen Position wahren wollte, hatte der Konvent schon bei der Wahl von Abt Placidus gezeigt. Beide Seiten versuchten genauestens ihre alten Vorrechte zu wahren.

Das begann bei der Rechnungslegung. Schwyz wollte eine spezifizierte Rechnung des Klosters vorgelegt, das Kloster legte nur eine allgemeine Generalrechnung vor. Auch bei der Rechtssprechung wurde haarklein auf Zuständigkeiten geachtet. Der Abt verwahrte

sich dagegen, dass Gotteshausleute sich vor anderen Gerichten als vor seinem verantworten mussten, auch wenn die Tat außerhalb der Gemarkung des Stifts vorgefallen war.Weiterer Zündstoff lag in anfallenden Kriegskosten beziehungsweise Stellung von

Truppenkontingenten. So forderte Schwyz Leute an für einen Zug nach Bellinzona. Die Einsiedler wollten aber nur mit Zustimmung des Abtes ziehen, die dieser dann auch erteilte. Als die Schweden in Deutschland eingriffen und sich die allgemeine Lage verschärfte,

hatte das auch Auswirkungen auf die Eidgenossenschaft. 1631 forderte Schwyz eine Aufstellung der Waffen, die in Einsiedeln vor zu finden waren. 1633 fielen schwedische Truppen im Thurgau ein, um Konstanz zu belagern. Daraufhin ließ auch Schwyz seine

Truppen mobilisieren, was natürlich Kosten verursachte. Die Schwyz lieh sich vom Kloster insgesamt 3000 Gulden, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass dies eine rückzahlbare Anleihe und keine Kriegssteuer sei. Schwyz bestätigte dies, versuchte aber später

trotzdem dies als Steuer zu deklarieren. Nur Kriege waren teuer und  Schwyz benötigte mehr Geld. Also schrieb man 1634 eine Landessteuer aus. Der Beschluß wurde allerdings gefasst, ohne den Abt zu begrüßen. Darin sah dieser eine Verletzung seiner Rechte.

Er versuchte die Angelegenheit zunächst gütlich zu regeln. Man verhandelte in Rothenturm am 7. und 8. April 1636. Der Abt war ebenfalls anwesend  und man schien einer Lösung nahe zu kommen. Doch dann schlug die Stimmung plötzlich um, woran Ludwig Öchslin,

der schon früher als Scharfmacher gegen den Abt aufgetreten war, nicht unbeteiligt gewesen zu sein schien. Am 22. April 1637 forderte Schwyz eine unverzügliche Einlieferung der Steuer. Der Stiftsammann überließ in dieser Sache für Einsiedeln die Entscheidung dem Abt,

seinem Bruder. Abt Placidus untersagte die Einlieferung der Steuer. Nun eskalierte die Angelegenheit weiter. Schwyz bestellte am 3. Mai 1637 mit Konrad Heinrich ab Yberg einen Landvogt für Einsiedeln. Schon einen Tag später hatte sich der Abt an den päpstlichen

Nuntius gewandt. Das war von 1630-1639 Ranuccio Scotti (1597-1659). Aber auch  Schwyz hatte den Nuntius kontaktiert. Der Abt suchte auch die Vermittlung der katholischen Orte. Der Nuntius hatte darauf verwiesen, dass die Einsetzung eines Landvogts für

Einsiedeln wohl eher eine Sache sei, die den Kaiser berühre. Schließlich war der Abt ja auch Reichsfürst. Einsiedeln hatte auch den kaiserlichen Abgeordneten, Freiherrn Peter von Schwarzenberg in Luzern informiert.Über den Nuntius ging die Sache nun auch an

den Papst. Von allen Seiten ergingen Mahnungen an Schwyz. Das fruchtete aber nichts. Schwyz war entschlossen, die Angelegenheit ohne Vermittlung durchzufechten. Die Sache eskalierte weiter. Schwyz hatte den Stiftsammann als Rebell erklärt und seine

Güter eingezogen, nachdem er nicht in Schwyz erschienen war, der Nuntius drohte mit Kirchenstrafen, der Kaiser verwandt sich in Schwyz fürs Kloster. Schwyz verwies auf die Gefahren, die den anderen Ständen dadurch für Demokratie und Souveränität drohe.

Erst 1642 fruchteten die Friedensbemühungen allmählich. Am 20. April 1642 hatte ein großes Brandunglück Schwyz getroffen. Der Abt sandte trotz aller Streitigkeiten als einer der ersten eine Soforthilfe von 400 Kronen, das versöhnte weiter. Man verhandelte und

am 10./11.9. 1642 hatte man eine grundsätzliche Verständigung gefunden. Allerdings dauerte es noch drei Jahre bis zu einem formellen Friedensvertrag. Am 21. Juni 1645 kam er schließlich zustande. Billig war das nicht. Nach Berechnungen des Abtes

hatte der langwierige Streit das Kloster 11.848 Gulden gekostet. Aber das Stift hatte seine Unabhängigkeit bewahrt. Wie oben erwähnt wurde auch der lange schwelende Streit zwischen den Klöstern Weingarten und Einsiedeln erst unter Abt Placidus erledigt.

Auch gegen Eingriffe des  Bischofs in Konstanz in seine Zuständigkeit musste der Abt sich zur Wehr setzen. 1639 hatte er zwei Konventuale aus Einsiedeln Pater Kolumban Ochsner (+1656) und Pater Wolfgang Weishaupt (+1676)nach Rom geschickt. Am Collegium

studierten sie Theologie und privatim wurden sie von Doktor Anton Nanni in kanonischem Recht unterrichtet. Nach Abschluss ihrer Studien besuchten sie noch die beiden bedeutenden Benediktinerabteien Subiaco und Monte Cassino. Beide hatten dem Abt mit

ihren nun erworbenen Rechtskenntnissen erklärt, dass er aufgrund der päpstlichen Privilegien volle Jurisdiktionsgewalt über den ihm unterstellten Ordens-und Weltklerus, aber auch das ihm untergebene Volk habe. Einen Ehehandel in Kuhbach zog der Abt nun

vor sein Offizialat.Das Offizialat entschied den Fall, aber eine Partei wandte sich nun an Konstanz. Das Bistum nahm den Einspruch an und berief die andere Partei vor sein Gericht. Dagegen verwahrte sich nun der Abt und leitete die Streitsache an Rom weiter.

Er hatte sich an Pater Wilfrid Selby gewandt, den Prokurator also den Ordensbeaufragten der englischen Benediktiner. Bei Selby hatten die beiden nach Rom entsandten Patres gewohnt, als sie ihre Rechtsstudien in Italien absolvierten.Der Papst, zu der Zeit

Innozenz X. (1644-1655) wies 1646 die Sache an den Nuntius in Luzern das war von 1646-1647 Alphonsus Sacrati. Der Nuntius lud nun den Konstanzer Bischof vor sich, dass war Sixt Werner Vogt von Altensumerau und Praßburg (1645-1689). Der schickte seinen

Dompropst nach Luzern und ließ erklären, dass er zu Verhandlungen bereit sei.

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Abt Placidus ließ nun seien Rechtstitel dem Bischof unterbreiten. Man kam zu keiner Einigung. Es gab weitere Versuche so 1652 auf Einladung des Bischofs. Der Abt kam nach Münsterlingen. Man kam sich in der Sache aber nicht näher. Beide Seiten beharrten immer

wieder auf ihren Positionen und Vermittlungsbemühungen von verschiedenen Seiten scheiterten. Die Sache zog sich. Auch eine Konferenz in Luzern 1665 erbrachte nichts. Der Nuntius schlug schließlich vor, die Frage in Rom einem Kardinalskollegium vor zulegen.

Am 15. Mai 1668 entschied der Papst, inzwischen Clemens IX (1667-1669)dass die Bulle Leos X. vom 10. Dezember 1518 sich nur auf das Stift, nicht aber auf dessen Pfarreien beziehe. Das war allerdings nicht im Sinne des Stiftes. Es erreichte immerhin,dass die

Untersuchungen wieder aufgenommen  wurden. Der Abt bestellte eine Fünferkommission, die sich vorab damit befassen sollte. Das Ende dieses Streits aber erlebte weder der Abt noch sein Nachfolger. Auch mit dem Bistum Chur hatte es Schwierigkeiten gegeben.

Dort konnte man sich allerdings einigen. Nuntius Frederico Borromeo (1655-1663) erreichte 1665 einen Vergleich zwischen Bistum und Stift.

Ein gutes Verhältnis hatte der Abt zum Kaiser. Drei Jahre nach dem Amtsantritt von Abt Plazidus bestätigte Kaiser Ferdinand II. (1619-1637) dem Kloster die Rechte und Privilegien. Die Regalien verlieh der Kaiser dem Abt am 5. März 1632. Er stand beim Kaiser wohl in

hohem Ansehen und erhielt am 16. März 1636 die Würde eines kaiserlichen Pfalzgrafen. Auch die Nachfolger des Kaisers, Ferdinand III.(1637-1657) und Leopold I.(1658-1705) bestätigten die Privilegien 1639 bzw. 1660. Als der 30-jährige Krieg in Deutschland tobte,

war das Kloster auch eine Zufluchtsstätte für Amtsbrüder aus deutschen Klöstern. So erhielten die Äbte von Weingarten, Ochsenhausen, Fulda, Gozau und Isenburg ein Obdach in Einsiedeln.Und auch Konventuale wurden in Einsiedeln aufgenommen. Bis zu 30

Mönche aus anderen Klöstern kamen in Einsiedeln unter.St. Peter im Schwarzwald hatte sogar sein  Archiv, seine Reliquien und seine Kostbarkeiten bei ihren Schweizer Ordensbrüder in Sicherheit gebracht. Seinerseits ließ der Abt die Einsiedler Reliquien und

das Archiv während des 1. Villmergerkriegs nach Schwyz verbringen (5.Januar-7. März 1656). Eine führende Rolle nahm das Stift auch in der Schweizer Benediktinerkongregation ein. Abt Plazidus wechselte sich im Vorsitz mit dem Abt von St. Gallen Pius Reher

(1630-1654)ab. Auch in der Kongregation musste er sich mit dem Bistum Konstanz auseinandersetzen, denn das Bistum versuchte die Privilegien, die Papst Urban VIII. der Kongregation verliehen hatte, zu beseitigen. Der Prokurator der englischen Benediktiner

Wilfried Selby wurde auch zum Prokurator der Schweizer Benediktiner berufen und erwirkte am 26. September 1631 ein Dekret, dass die Privilegien als zu Recht bestehen ließ. Bestätigt wurde dies auch von Papst Leo X. 1646, nachdem anläßlich der Abtswahl in

Rheinau erneut Streit ausbrach. Von 1630-1644 war Dominikus Tschudi Sekretär der Schweizer Benediktinerkongregation. Er hatte 1613 seine Profess in Muri abgelegt. Als Sekretär sammelte Tschudi 1636 alle bis dahin ergangenen Erlasse.  Die Äbte approbierten dies

als erweiterte Satzung und am 2. Dezember 1636 wurden sie in Einsiedeln promulgiert. Das ist ein Vorgang der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt zu vergleichen, d.h. diese Sammlung erhielt nun in der Schweizer Kongregation praktisch

Gesetzeskraft. Problem gab es mit den Klöstern Pfäfers und Disentis.Beide Abteien waren in Schieflage geraten. Vor allem Muri, später auch St. Gallen kümmerten sich um die Klöster. Zwei Äbte aus Muri, ab 1634 August Stöcklin und ab 1642 Adalbert Bridler

brachten das Kloster wieder vorwärts. Für einige Zeit schlossen sich auch die Klöster Kempten und Murbach der Kongregation an. Die Schweizer Benediktiner unterstützen ihre Brüder bei der Hebung der Ordenszucht. Mönche aus St. Gallen wirkten in Murbach

und von Einsiedeln wurde zunächst Christoph von Schönau nach Kempten abgeordnet. Dieser hatte am 9. Juni 1647 seine Profess abgelegt. In Kempten war Roman Giel von Gielsberg 1339 in einer für Kempten schwierigen Zeit zum Abt gewählt worden.

1632 hatten protestantische Bürger der Stadt Kempten zusammen mit den Schweden das Stift in einen Trümmerhaufen verwandelt.Der Konvent war in Schloss Schwabelsberg nahe Kempten  versammelt. Der Abt strebte für seinen Konvent strenge

Askese an. Außerdem wollte er die Ordensgemeinschaft auch für nichtadelige Mitglieder öffnen. Das scheiterte aber am Widerstand der Reichsritterschaft. 1664 wurde der Einsiedler Mönch Christoph nun auf Bitten der schwäbischen Ritterschaft und des

Konstanzer Bischofs als Subprior nach Kempten geschickt.Am Anfang scheint seine Tätigkeit ziemlich schwierig gewesen zu sein, zumal Abt Roman als schwierig galt, ein schroffes Wesen hatte und auch sehr sprunghaft war. Auch hat er wohl seinem Schweizer

Mitbruder das Leben schwer gemacht. Erst unter Abt Bernhard Gustav von Baden-Durlach änderte sich das. Sein Rat wurde geschätzt und er war auch Begleiter von Kemptener Mönchen in Fulda,Köln und Bonn. Er wollte schon 1671 nach Einsiedeln zurückkehren,

musste aber bis 1678 in Kempten bleiben, ehe er als Dekan nach Einsiedeln zurück durfte. Als weiterer Einsiedler Mönch war Pater Benno Zimmermann in Kempten. Er wirkte dort von 1664 bis 1670 als Theologieprofessor.

Auch andere Mönche aus Einsiedeln waren als Lehrer tätig. An der Benediktiner-Universität in Salzburg lehrte Augustin Reding als Theologieprofessor von 1654-1657. Später wurde er dann Nachfolger von Abt Plazidus.Auf Pater Augustin folgte Pater Bernhard Waibel

1657 in Salzburg. Er hatte 1638 seine Profess abgelegt. In Salzburg hatte er die Professur für spekulative Theologie und Exegese inne. Er war acht Jahre Vizerektor des Salzburger Kollegs und zwei Jahre Prokanzler der Universität. 1667 musste er zurückkehren,

da ihn der Abt wegen der Konstanzer Angelegenheit nach Rom schicken wollte. 1671 erbat ihn der Salzburger Erzbischof Max Gandolf von Kuenburg (1668-1687) für den Wallfahrtsort Maria Plein. Dort sollten sich jüngere Kräfte auf ihre Lehrtätigkeit in Salzburg

vorbereiten. Älteren Lehrkräften wurde die Möglichkeit gegeben, sich dorthin zurück zu ziehen. In Gengenbach wirkte Pater Basilius Strecker von 1655-1657 als Philosophieprofessor.

In der 40 –jährigen Amtszeit von Abt Plazidus werden 85 neue Mitglieder in den Konvent aufgenommen. Auch Pater Raphael Gottrau hatte unter Abt Plazidus die Profess abgelegt. Er wurde sein übernächster Nachfolger. Pater Bonifaz Tschupp hatte 1645

seine Profess in Einsiedeln abgelegt. 1667 wurde er zum Abt von Päfers gewählt.

Auch in weltlichen Angelegenheiten war der Abt ein gesuchter Vermittler. 1639 trafen sich erstmals Vertreter von Frankreich und Bayern, um dem mörderischen Ringen ein Ende zu machen. In Einsiedeln kamen die Gesandten zusammen. Inwieweit

der Abt dabei beteiligt war, ist nicht klar, aber es war das erste Mal überhaupt in diesem großen Krieg, dass Gespräche gesucht wurden. Im Schweizer Bauernkrieg von 1653 wurde der Abt vom Großen Rat von Luzern um Vermittlung gebeten.

Allerdings waren die Leidenschaften zu stark aufgepeitscht, so dass die Vermittlungsbemühungen des Abtes  zunächst nicht zum Ziel kamen. Auch im Zwyerhandel war sein Rat gefragt. Freundschaftliche Beziehungen hatte der Abt auch zu anderen Orden,

so den Schweizer Kapuziner und Franziskanern. Die Wallfahrt nahm unter Abt Plazidus großen Aufschwung. Gerade in sehr schweren Zeiten suchen Menschen vermehrt Trost. Nach einem erfüllten Leben verstarb Abt Plazidus am 10.Juli 1670.

P. Augustin Reding von Schwyz

Augustin Reding wurde am 10. August 1625 in Lichtensteig geboren. Dort war sein Vater Johann Rudolph von Reding-Biberegg Landvogt des Fürstabts von St. Gallen. Der Vogt war in zweiter Ehe mit Margareta Pfyffer von Altishofen verheiratet. Er wurde wegen

seiner klassischen Bildung  gerühmt und gelegentlich “eidgenössischer Cicero” oder der Seneca der Schweiz genannt. Zwei Brüder Augustins gingen ebenfalls ins Kloster. Als Jost Dietrich 1652 geboren trat er in Einsiedeln ins Kloster ein und erhielt dort den

Ordensnamen Plazidus. 1668 legte er seine Profess ab. Ein weitere Bruder Heinrich wurde Jesuit in Freiburg im Üchtgau. Dort starb er 1682. Auch drei Schwestern nahmen das Ordensgewand. Maria Katharina war Zisterzienserin in Magdenau, Maria Margaretha war in

St. Maria zu den Engeln in Wattwil  und Maria Mechthild schließlich war Priorin in Fahr von 1696 bis 1724. Augustin legte 1641 seine Profess ab. 1649 wurde er Priester und schon vor seiner Priesterweihe wurde er mit 24 zum Lehrer der Philosophie bestellt. Abt

Plazidus wollte seinem jungen Lehrer akademische Würden verschaffen. Der Rektor der Universität Johann Caspar Helbing signalisierte Entgegenkommen. Er erlangte in Freiburg ohne vorher die Universität besucht zu haben, die akademischen Grade. Am 5. und 12.

Oktober 1654 legte er in Freiburg die Prüfungen ab. Er erhielt den Grad eines Lizentiaten, das ist die Lehrbefähigung und Magister der Theologie. Augustin wurde dann als Professor an die 1622 gegründete Benediktineruniversität in Salzburg geschickt. Der Salzburger

Erzbischof Guidobald(1654-1668)schätzte ihn  sehr und ernannte ihn  zu seinem Geistlichen Rat.1657 rief Abt Plazidus seinen geschätzten Lehrer nach Einsiedeln zurück.

Er hatte ihn auf inständige bitten des Erzbischofs und der Äbtissin von Nonnberg, wo er das Amt des Beichtvaters versah schon ein Jahr länger als Abt Plazidus es beabsichtigt hatte. Augustin übernahm von Pater Bernhard den Lehrstuhl für Theologie. Der Abt

ernannte ihn auch zu seinem Offizialen.In dieser Funktion sollte er dem Abt vor allem im Streit mit Konstanz zur Seite stehen. 1659 wurde Augustin Dekan. Das verlieh seiner Verhandlungsposition noch mehr Gewicht. Einmal liess er aus Versehen eine von Konstanz

gegen Einsiedeln erwirkte Bulle fallen. Das wurde sofort so interpretiert, als habe sie Augustin aus Verachtung fallen lassen. Der Bischof verhängte die Suspension über den Abt, das ist das Verbot der Amtsausübung. Über Augustin und 15 Kapitularen aber wurde die

Exkommunikation verhängt. Zwar hob der Nuntius dieses Vorgehen  sofort auf, aber als Hebel bei der Abtwahl diente es wohl doch. Am 16. Juni 1670 hatte ihn das Kapitel zum Gehilfen des kranken Abts gewählt. Einen knappen Monat später verstarb Abt Plazidus

und es war klar, wer der neue Abt werden sollte. Augustin wurde zum neuen Abt gewählt. Er sandte sofort zwei Patres nach Konstanz, die dort erstens seine Wahl zum Abt meldeten und gleichzeitig seinen Willen zur friedlichen Beilegung des Streites  bekunden

ließen. Der neue Amtsinhaber erklärte sich bereit, die bischöfliche Gerichtsbarkeit anzuerkennen, Visitationen der Klosterpfarreien zu zu lassen und auf die Appellation nach Rom zu verzichten. Dafür erhoffte er, dass Entgegenkommen in anderen strittigen

Punkten gezeigt wurde. Gleiches ließ er auch in Rom verlauten. Aber Konstanz setzte alle Hebel in Bewegung und erreichte dass die Konsistorialkonkregation (1588 von Papst Sixtus V. gegründet) die Abtswahl für ungültig erklären liess. Als dies in Einsiedeln

bekannt wurde, stellte Abt Augustin sofort sein  Amt zu Verfügung. Aber er wurde erneut einstimmig gewählt. Allerdings war klar, dass die Bestätigung aus Rom kaum mehr zu Erreichen  war. Aber am 1. Juli 1671 bestätigte Papst Clemens X. (1670-1676) die Wahl.

Am 17. Juli 1670 war Augustin zum Abt gewählt worden. Schon 4 Tage später berief er das erste Generalkapitel ein und bekundete die Absicht, dies alle drei Jahre zu tun. Er sah sich so um Einklang mit der Regel aber auch mit den Bestimmungen,die Papst Benedikt

XII. 1336 in seiner Bulle “Summi magistri”(kurz Benedicta) erlassen hatte. Ein Pater sollte ihn bei der Rechnungsführung unterstützen. Außerdem bestimmte er drei Kapitularen,denen wollte er jährlich Rechenschaft über den ökonomischen  Stand des Klosters

ablegen. Dieser sollte schriftlich im Dekanat hinterlegt werden. In St. Gerold wollte er die Klausur einführen. Er wollte auch ihre Meinung  der Mönche zum Weitergang des Konstanzer Handels hören. Wie vorgesehen fand 3 Jahre später also 1673 das nächste

Generalkapitel statt. Dabei ging es hauptsächlich um die Stellung der Expositi, also der Patres, die ihn den Klosterpfarreien tätig waren. Beim dritten Generalkapitel 1679 wurden vor allem die Baupläne des Abtes besprochen. Beim letzten Generalkapitel 1682 wurde

vor allem über Pfäfers geredet,die Verhältnisse dort, die Novizenaufnahme und die Abtwahl. 1682 umfasste der Konvent 100 Mitglieder und dabei sollte es nach Meinung des Abtes auch bleiben. Es war schon eine große Leistung, einen  solchen Konvent zu führen.

Daneben schwelte weiter der Streit mit Konstanz. Er betätigte sich als Vermittler in mehreren Streitigkeiten.So vermittelte er eine Sache zwischen dem Stift Schäni und Benken, bei der es um eine Kollatur ging. Auch einen Streit zwischen Luzern und dem damaligen

Nuntius in der Schweiz Odoardo Cibo (1670-1679) konnte er beilegen, was sicher auch an den guten Beziehungen zwischen Abt und Nuntius lag. Das Professbuch erwähnt auch den Beistand, den der Abt der bayrischen Benediktinerkongregation gab, als es um deren

Errichtung und damit verbunden vor allem die Exemtion ging. Der bayrische Episkopat hatte bis zuletzt versucht dies zu verhindern. Im Professbuch steht, dass Kardinal Scarlatti erklärt habe, dass die Kongegregation ihre Exemption dem Kloster Einsiedeln verdanke.

Um das genau zu beurteilen, müsste man aber wohl die Korrespondenz des Abbate Scarlatti lesen, die mir leider nicht zugänglich ist. Sie ist im Diözesanarchiv Passau “Die  Errichtung der Benediktinerkongregation in Bayern” (lateinisch-italienisch)

Erwähnt werden muss noch, dass Scarlatti nicht Kardinal war, sondern als Gesandter für Bayern in Rom tätig war. Seit 1678 hatte das Kurfürstentum wieder eine diplomatische Vertretung beim Heiligen Stuhl. Sie wurde in der Zeit von Angehörigen der Familie

Scarlatti wahrgenommen. Am 16. Juni 1684 trafen sich die Äbte von 18 bayrischen Klöstern, die die bayrische Benediktinerkonkregation gründen wollten, unterstützt von  Kurfürst Max Emanuel. Sie wurde am 26.8.1684 durch das Breve von Papst Innozenz XI.

(1676-1689) gegründet. Vorbild für die Kongregation war die Helvetische Kongregation. Deswegen wurde sie auch der Jurisdiktion des Nuntius in Luzern unterstellt. Das Treffen der bayrischen Äbte fand in der Zeit statt, als sich auch Augustin in Rom aufhielt.

Augustin war von März bis Juni dort, um sich persönlich um den Streit mit Konstanz zu kümmern. Seine theologische Arbeit war in Rom ja durchaus beachtet worden. Am 28. April hatte er eine Audienz beim Papst. Er konnte dem Papst nicht nur seine Werke

über das Tridentiner Konzil und das auf päpstlichen Wunsch verfasste Buch über die Annalen des Baronius vorlegen, sondern er konnte auch den Streit mit Konstanz aus Einsiedler Sicht erläutern. Der Papst befragte ihn auch eingehend über die kirchlichen

Verhältnisse in der Schweiz und in Deutschland. Er beklagte sich dabei, dass die Bischöfe in Deutschland sich viel mehr um ihre weltlichen als die geistlichen Angelegenheiten kümmerten. Den Streit mit Konstanz wollte er aber nicht ohne neue Überweisung an die

Kommission entscheiden.

Wenn man sich vor Augen hält, wie der Abt von seinen durch das Kloster vorgegebenen Aufgaben auch zeitlich in Anspruch genommen war, kann man seine schriftstellerische Produktion nur bewundern. Seine Schrift übers Konzil von Trient sowie über die Annalen

des Baronius wurde oben erwähnt.Die Schrift für das Tridentinum umfasste 8 Bände und erschien von 1677-1684.Sie richtete sich hauptsächlich gegen den Züricher reformierten Theologen Johann Heinrich Heidegger (1635-1698), der von 1659-1665 in Steinfurt in

Westfalen als Professor lehrte. Von 1667 bis zu seinem Tod lehrte er in Zürich. In seinen kontrovers theologischen Schriften setzt er sich vor allem mit dem Konzil von Trient, den Wallfahrten und der unbefleckten Empfängnis auseinander. Cesare Baronio (+ 1607)

war italienischer Kirchenhistoriker, Schüler des Philipp Neri und hat eine große Kirchengeschichte von Christi Geburt bis 1198 verfasst. nicht zuletzt wegen dieser Leistung wurde er apostolischer Protonotar, Kardinal (1596) und schließlich Bibliothekar der

Vatikanischen Apostolischen  Bibliothek. Johann Heinrich Ott (um 1617-1682) war Professor für Hebräisch und ab 1668 für Kirchengeschichte. Dieser hatte Baronio in seinen Schriften angegriffen. Auf Wunsch von Papst Innozenz hatte Augustin seine

Verteidigungsschrift “Vindex veritatis annalium ecclesiasticorum Baronii” verfasst.1688 schrieb er die “Oeconomica cathedra apostolica”, die sich vor allem mit Gallikanismus auseinandersetzt. Darin hatte sich vor allem das Autonomieverständnis der

französischen Kirche manifestiert.  Unter Ludwig XIV. erreichte diese Bewegung ihren Höhepunkt. Exponent war der französische Bischof von Meaux Jacques Bénigne Bossuet (1627-1704), unter dessen Federführung auf dem Nationalkonzil von 1682 die

4 gallikanischen Artikel verkündet wurden. Diese Schrift Augustins fand in Rom die größte Anerkennung. Sein Hauptwerk ist die Theologia scholastika. Sie erschien von 1697 an in 13 Bänden.

Natürlich lagen einem solchen Abt die Studien in seinem eigenen Kloster besonders am Herzen. Er unterrichtete noch selbst im studium kontroversisticum. Die Abtei genoss den besten Ruf. Einsiedler Konventualen wurden nach Engelberg,

Pfäfers, Maria Stein und Ebersmünster erbeten. Aber auch nach Einsiedeln kamen Mönche, um dort Unterricht zu erhalten, so aus Pfäfers, Kempten und Gengenbach.

Nachdem Muster der Benediktineruniversität sollte auch für die Schweiz eine Benediktinerakademie gegründet werden. Sitz sollte das Kloster Pfäfers sein. Das Projekt kam aber nicht zustande.

Die Konfirmation des Abtes aus Rom hatte sich ja wegen der Konstanzer Einsprüche verzögert. So konnte der Abt auch erst nach 1671 um die Verleihung der Regalien beim Kaiser einkommen. Er hatte dafür Dr. Franz von Mayersheim bestellt. Begleitet wurde

dieser von den Grafen Brandis. Aus Kostengründen wollte der Abt nur die Verleihung der Regalien ohne die Bestätigung der Privilegien. Er wurde darauf hingewiesen, dass das eine nicht ohne das andere gehe. Insgesamt mussten dafür 1800 Gulden aufgewendet

werden. Zum Hause Habsburg hatte der Abt ein sehr herzliches Verhältnis. So wurde er durch einen eigenen Gesandten von der Geburt des späteren Thronfolgers Joseph I. persönlich benachrichtigt.

Auch als Landesvater war Augustin tätig. Gleich nach seinem Amtsantritt versuchte er Seiden-und Baumwollweben als Hausindustrie einzuführen, umso den Erwerb zu mehren. Im Stift selbst ließ der Abt eine Wollweberei einführen, über die zunächst

P. Rupert von Roll(bis Oktober 1675) die Aufsicht führte. Auch auf die Entsumpfung der Moore sollte mehr Augenmerk gelegt werden. Man konnte sie als Heu und Streuwiesen nutzen.

Zwei Erwerbungen in der Zeit Augustins waren wichtig. In Bellenz (Bellinzona)hatte er auf Drängen der Orte Schwyz, Uri und Unterwalden, die dort regierten, das dortige Gymnasium von den Jesuiten übernommen. Diese hatten in Bellenz seit 1646 eine

Schule geführt, aber 1674 den Unterricht eingestellt. Das Kapitel war zunächst dagegen. Man war aber gezwungen, auf die Orte Rücksicht zu nehmen und auch Nuntius Odoardo Cybo (1670-1679)hatte sich stark gemacht. Also wurde Pater Wolfgang Weißhaupt, der

ja 1639 zum Studium der Theologie und des kanonischen Rechts von Abt Plazidus nach Rom geschickt worden war, nach Bellenz gesandt. Er sollte dort die Übernahme untersuchen. Er wurde dann auch zum Propst der neuen Niederlassung bestimmt, starb aber schon

im Folgejahr und wurde in Bellenz bestattet. Mit Pater Wolfgang war Pater Pius Kreuel (Profess 1659) geschickt worden, um die neue Niederlassung in Augenschein zu nehmen. Er musste auch schon 1676 nach Einsiedeln zurückkehren, um dort die Stiftsorgel zu

reparieren. Drei  weitere Patres und ein Frater kamen nach Bellenz, um dort den Unterricht zu übernehmen von etwa 30 Schülern zu übernehmen. Pater Aegidius Effinger (Profess 1647) wirkte von 1675-1677 als Lehrer in Bellenz. Pater Roman Steinegger arbeitete

als Grammatiklehrer in Bellenz, starb aber schon am 18.Januar 1677 an einem heftigen Fieber, das er sich wohl bei einem Krankenbesuch zugezogen hatte. Pater Meinrad Steininger (Profess 1662)war Professor der Theologie, als er die Stelle in Bellenz übernahm.

Er war bis 1677 in Bellenz.Frater Maurus von Roll (Profess 1669)war seit 1675 als Prokurator tätig.1677 feierte er seine Primiz. Danach war er weiter für die Finanzen der jungen Niederlassung tätig. Anselm Bissling (Profess 1662)war auf Pater Wolfgang Weißhaupt als

Probst in Bellenz gefolgt. 1680 stürzte er in Bellenz vom Pferd. er wurde danach zwar nochmals leidlich hergestellt, verstarb aber im April 1681. Sein unmittelbarer Nachfolger, Pater Eustach Reutti vertrug das Klima in Bellenz nicht, und musste schon einen Monat

später nach Einsiedeln zurück. Auf ihn folgte Pater Desiderius Scolar (Profess 1663), der 13 Jahre Propst in Bellenz war. Abt Augustin war zeitlebens ein großer Gönner des Bellenzer Gymnasiums und besuchte es drei Mal persönlich.

Ein weiterer wichtiger Erwerb war die Herrschaft Sonnenberg in Thurgau. Das dortige Schlossgut war zuletzt im Besitz der Familie von Beroldingen. Der letzte Besitzer Sebastian Ludwig von Beroldingen hatte es zunächst dem Kloster Einsiedeln angeboten.

Da er aber keinen katholischen Käufer gefunden hatte,veräußerte er die Herrschaft für 80.000 Gulden an die Stadt St. Gallen. Aber die Herrschaft sollte nicht in nichtkatholische Hände gelangen. Nun machte der Bruder des Besitzers sein Zugrecht geltend, also das

Recht des nächsten Erben, ein aus der Familie veräußertes Grundstück binnen eines Jahres gegen Ersatz von Preis und Kosten , dieses wieder an sich zu ziehen. Luzern wandte sich zusammen mit dem Nuntius an Einsiedeln. Die Kaufsumme wurde nun auf die

Schweizer Klöster verteilt und die Herrschaft erworben. Auch der Papst war durch den Nuntius von dem Vorfall unterrichtet. Er sprach den Äbten sein Lob aus, war doch ein für die katholische Sache wichtiger Vorposten erhalten geblieben.

Nicht erfolgreich war der Abt dagegen auch beim Versuch, alten Stiftsbesitz im Elsass zurück zu erwerben.

Relativ ruhige Zeiten hatte die helvetische Benediktiner Kongregation. Nur das Kloster Pfäfers war in Schwierigkeiten geraten. 1665 war das Kloster niedergebrannt.Abt Justus Zink (1645-1677), in dieser Zeit Abt, war der Lage nicht gewachsen. Der Nuntius

bewegte ihn zum Rücktritt. Mit Bonifaz Tschupp, bisher Stiftsdekan in Einsiedeln wurde ein neuer Abt bestellt. Die Schwierigkeiten hielten aber an. Man wollte das Kloster ganz aufheben und die Mönche auf andere Klöster verteilen. Dann aber beschlossen

die in Einsiedeln versammelten Äbte, Päfers zunächst auf 30 Jahre mit Einsiedeln zu vereinigen. 1682 kam die Union zustande. Sie wurde allerdings mit dem Tod von Abt Augustin wieder aufgehoben.

Abt Augustin vermehrte den Reliquienschatz des Klosters. Unter ihm wurde die Große Monstranz fertiggestellt. Für den täglichen Gebrauch ließ der Abt eine weitere Monstranz fertigen.

Abt Augustin genoss großes Ansehen. Sein wissenschaftlicher Ruf, aber auch der seiner Konventualen waren unbestritten.

Gegen Ende der 80-iger Jahre wurde der Abt der Abt von einem Stein-und Bruchleiden geplagt. Sein Zustand verschlechterte sich. Im Dezember erhielt er auf eigenen Wunsch mit Pater Adelrich Suter (Profess 1657) einen Koadjutor.

Er verstarb am 13. März 1692.

Unter seiner Regierung hatte sich die Zahl der Konventualen fast verdoppelt. Allerdings hatte sich auch der Schuldenstand des Klosters vergrößert, was dann den Nachfolger doch etwas belastete.

Am 24. März 1692 wurde Raphael von Gottrau zum neuen Abt gewählt. Er war der 2. Sohn des Francois Pierre Jean Gottrau und der Marie Margerite Weck als Francois Othmar geboren. (alle Daten aus Gottrau,de Gottrau site genealofique et heraldique du canton de

Fribourg)Im 14. Jahrhundert blühte das Städtchen Freiburg im Üechtland vor allem durch den Leder-und Tuchhandel auf. Auch die Familien Gottrau und Weck waren in diesem Geschäft reich geworden und gehörten ab dem Ende des Jahrhunderts dem städtischen

Patriziat an. Abt Raphael hatte 9 Geschwister, 6 Brüder und drei Schwestern. Sein Vater gehörte dem Familienzweig der Grange-Montagny an und war 1662 Vogt von Bulle und seit 1670 Ratsherr in Freiburg. Franz Othmar studierte am Jesuitenkolleg St. Michael in

Freiburg.  1665 trat er  ins Kloster Einsiedeln ein.

Am 25. April 1666 legte er als Frater Raphael seine Profess ab.Am 15. August 1670 wurde er in Pfäffikon zum Priester geweiht.Er wurde 2. Exorzist in Einsiedeln und ab 1574 war er Bibliothekar in Einsiedeln. Im Sommer 1676 schickte ihn Abt Augustin an die Schule

nach Bellenz, doch schon im November kam er nach Einsiedeln zurück. 1678 war er wieder 2. Bibliothekar in Einsiedeln. Er sollte zusammen mit dem Bibliothekar Leodegar Fleischlin (Profess 1656) die Neuordnung der Bibliothek voranbringen. Nach der Union mit

Pfäfers wurde Raphael als Dekan nach Pfäfers geschickt, doch auch dort blieb er nicht lange. Schon ein halbes Jahr später kehrt er zurück. 1684 war er ein halb es Jahr Brüderinstruktor. Er sollte dann nach Fahr, wurde aber nach Münsterlingen als Pfarrer beordert.

Dort vertrug er aber das Klima nicht und er kam schon im Februar nach Einsiedeln zurück. Obwohl Raphael Ämter immer nur kurze Zeit innehatte und auch nie lange an einem Ort blieb, wurde er am 24. März 1692 zum Abt gewählt. Das geschah allerdings erst im

dritten Wahlgang. Die päpstliche Bestätigung durch Innozenz XII. (1691-1700) erfolgte am 15. Oktober 1692. so konnte auch die Abtweihe erst am 28. Dezember 1692 statt. Der neue Nuntius Marcello d’Aste (1692-1695) nahm die Weihe unter Assistenz der Äbte von

Pfäfers Bonifaz Tschupp und Muri Plazidus Zurlauben vor. Kaiser Leopold I. verlieh die Regalien am 3. September 1694.

Die finanzielle Lage des Stiftes zwangen den Abt schon gleich zum Handeln. Dass er erst im dritten Wahlgang zum Zug kam, hatte ja auch mit dieser Situation zu. Eine Fraktion der Äbte hätte lieber einen in weltlichen Angelegenheiten erfahrenen Verwalter als

neuen Abt gesehen. Die Schuldenlast des Klosters betrug nicht weniger als 208 860 Gulden, was immerhin eine Zinslast von 7000 Gulden verschlang. Ein Verkauf war angeraten. Sonnenberg war aus politischen Gründen kaum machbar.

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Also dachte man an Ittendorf. Das wurde kurz nach dem 30-jährigen Krieg 1650 vom Kloster Salem mit allen Rechten und Gütern erworben. Von 1671-1677 baute es das Kloster Einsiedeln als Statthalterei zum Schloss aus. Heute ist es nach einer Volksabstimmung

1972 ein Stadtteil von Markdorf. Die älteren Mönche waren gegen den Verkauf, doch Abt Raphael sah sich zum Handeln gezwungen. Rupert von Roll (Profess1668), der wir gesehen haben, 1675 der Wollweberei vorstand, war seit 1692 Statthalter in Einsiedeln.

Er wurde vom Abt nach Ittendorf geschickt, um das Anwesen in Augenschein zu nehmen. Der Fürstbischof von Chur Ulrich von Federspiel (1692-1728) zeigte sich am Erwerb der Herrschaft interessiert, war allerdings nicht bereit mehr als 70.000 Gulden zu zahlen.

Der Bischof von  Konstanz schlug einen Tausch mit Gütern im Thurgau vor. Damit wäre dem Stift, das ja Geld brauchte, nicht gedient gewesen. Aber das Kloster Weingarten zeigte sich stark interessiert. Weingarten hatte nach dem verheerenden Krieg von 1618-1648

vor allem unter Abt Wegelin, der noch während des Krieges regierte, einen enormen Aufschwung genommen. Der Weingartner Prior war 1693 in Einsiedeln. Die Sache wurde dem Kapitel vorgetragen und von 40 Kapitularen sprachen sich 36 für den Verkauf aus.

Der Verkaufspreis wurde zunächst auf 178.000 Gulden festgelegt, allerdings wollte Weingarten nur 132.000 zahlen. Nach zähen Verhandlungen einigte man sich schließlich auf 136.000 Gulden. Ganz reibungslos ging es nicht, da die Herrschaft Heiligenberg,

die Stadt Überlingen, das Stift Salem und der Bischof von Konstanz noch Rechtsansprüche geltend machten und deshalb gegen den Kauf Einspruch erhoben. Am 14. März 1693 gab das Stiftskapitel sein Zustimmung  zu dem Verkauf. Zur Regelung des Verkaufs wurden

die Patres Ottmar Reutti (Profess 1652) 1691 Propst von St. Gerold und Benno Zimmermann (Profess 1654) nach Ittendorf geschickt. Weingarten war ein guter Schuldner. Schon am 23. Mai 1693 wurde das erste Geld nach Einsiedeln geschickt. Bereits im Dezember

scheint die komplette Schuld getilgt gewesen zu sein. Zwar gab es in dieser Sache noch 1697 Verhandlungen vor dem Landgericht in Weingarten. Der Verkauf aber war durch. Das Kloster verwendete sofort 121.642  Gulden zur Tilgung und hatte so seine Schuldenlast

um mehr als die Hälfte reduziert.

Ein weiteres Problem war mit der Auflösung der Union mit Pfäfers bereinigt. Stand noch der Streit mit dem Bistum Konstanz an. In Konstanz war Marquard Rudolf von Rodt 1689 zum Fürstbischof gewählt worden. Die Bischofsweihe fand 1690 statt. Der Abt hatte ihm

durch den Stiftsdekan gratulieren lassen. Auch als Pater Benno wegen des Ittendorfer Kaufs dort war, ging er in Meersburg vorbei und ließ durch den Abt ausrichten, dass er an einer Lösung des Streits interessiert wäre. Auch vom Kapitel bekam der Abt freie Hand in

der Sache. Der Abt setzte auf eine persönliche Begegnung und als er im Juni 1693 im Thurgau war, ging er von Freudenfels ins Chorherrenstift Kreuzlingen und von dort nach Meersburg. Dort stieg er im Bären ab und ließ dem Fürstbischof seine Ankunft melden

und bat um eine Audienz. Man wurde sich einig, Advokaten aus dem Spiel zu lassen. Abt Raphael schlug vor, die Äbte von Weingarten Willibald Kobolt (1683-1697) und St. Gallen Cölestin Sfondrati (1687-1696) mit der Vermittlung zu betrauen. Sie hatten sich dazu

bereit erklärt. Am 10. Dezember 1693 wurde ein Treffen im Augustinerchorherrenstift Öhningen vereinbart. Vom Kloster Einsiedeln kamen Pater Meinrad Steinegger, mittlerweile Subprior in Einsiedeln und Josef Dietrich, damals Statthalter in Freudenfels.

Auf Konstanzer Seite verhandelten Generalvikar Johannes Blau (1692-1694) und Offizial Johann Hugo Kessler (1692-1711). Man einigte sich über dem Stifte unterstellten Pfarreien in Einsiedeln, Freienbach, Oberkirch-Kaltbrunn, Feusisberg, Ettiswil, Reichenburg,

Maria Zell bei Sursee, Ägeri, Eschenz, Sarmenstorf und Wagen. Der Bischof sollte in all den Kirchen als Ordinarius gelten. Auch in der Stiftskirche sollte der Bischof die Pontifikalien ausüben dürfen, das heißt Weihen vornehmen. Doch von jeglicher Jurisdiktion,

Visitation und Korrektion blieb sie ausgenommen. In diesem Fall wurden die Rechte des Bischofs auf den Abt übertragen. Es wurden noch Regelungen, die Weltgeistliche betrafen. Am 12. Januar 1694 stimmte das Kapitel dem Konkordat zu. Damit wurde ein Streit

abgeschlossen,der über Jahrzehnte geschwelt hatte. Das war das wichtigste Ereignis in der Regierung von Abt Raphael.Schon 1698 trat er von seinem Amt zurück und machte gesundheitliche Gründe geltend. Er ging nach Freudenfels, wo er am 4. Januar 1707

verstarb. In der Propsteikirche Klingenzell ist er bestattet.

Nachdem Abt Raphael am 30. September 1698 von seinem Amt zurückgetreten war, versammelte sich das Kapitel am 04.10. zur Wahl des neuen Abtes. Johann Josef von Roll war am 30. September 1653 als Sohn des Landvogts und Hauptmann Philipp von Roll und der

Maria Gugger geboren worden. Seine Familie zählte zu den vornehmsten in Solothurn. Am 4.August 1669 legte er die Profess ab und erhielt den Ordensnamen Maurus. Kurz nachdem er Subdiakon geworden war, wurde er 1675 nach Bellenz in die neue Schule

geschickt. 1676 kehrte er nach Einsiedeln zurück, um die weiteren Weihen zu empfangen. Am 20.Dezember 1676 wurde er zum Priester geweiht. Seine Primiz durfte er in Solothurn  feiern. Damit wurde auch die Bedeutung seiner Familie gewürdigt.

1677 kehrte er nach Bellenz zurück, wo er das Amt des Prokurators versah. Am 24. Oktober 1693 wurde er zum Propst von Bellenz. Die Niederlassung blühte unter ihm. Er erwarb sich einen guten  Ruf als Verwalter und Vorgesetzter. Das hat wohl dazu

beigetragen, dass er am 5. Oktober zum Abt erwählt wurde. Es waren vier Wahlgänge erforderlich. Den Vorsitz führte der Nuntius Giulio Piazza (1698-1702). Bei der Wahl waren auch Abt der Abt von Muri, Plazidus Zurlauben und der von St. Gallen, Leodegar

Bürgisser (1696-1717) anwesend. Am 30.03.1700 bestätigte Papst Innozenz XII den neuen Abt in seinem Amt. Die Abtsweihe erfolgte dann am 10. Oktober 1700 praktisch mit denselben Agierenden. Weniger glücklich verlief die Verleihung der Regalien.

Zum einen gab es Schwierigkeiten mit dem kurtrierischen Residenten in Wien, von Heunisch. Dieser sollte sich um die Verleihung der Regalien bemühen und erhielt dazu insgesamt 2000 Gulden. Das schien ihm nicht zu reichen und er verlangte mehr.

Es ergaben sich jahrelange Rechtsstreitigkeiten, in deren Verlauf Kaiser Leopold starb.Ein Freiherr von Au und Philipp Jakob Kistler sollten nun die Verleihung vorwärts bringen. Kaiser Joseph I. (1705-1711) erteilte am 7. Oktober 1706 die Investitur. Wie es scheint

wurde darüber allerdings kein Diplom erstellt, da die Angelegenheit mit von Heunisch immer noch strittig war. Auch Kaiser Joseph starb 1711 bei einer Pockenepidemie, die im Frühjahr 1711 Österreich heimsuchte. Unter einem neuen Kaiser, Karl VI. (1711-1740)

wurden die Reichsinsignien schließlich am 22. August 1714 verliehen. Das hatte sich wegen des spanischen Erbfolgekriegs 1701-1714, in den auch Karl noch verwickelt war, nochmals verzögert. Nur 7 Tage später, am 29.8. 1714 verstarb Abt Maurus an einem

Schlaganfall.

Das wichtigste Vorhaben in der Amtszeit von Abt Maurus war der Klosterneubau. Schon unter Abt Plazidus gab es Überlegungen in dieser Richtung. Unter Abt Augustin wurde mit dem Bau des Chores und der Beichtkapelle der Anfang der Baumaßnahmen ergriffen.

Problem war aber nach wie vor die Schuldenlast des Stiftes.Aber die alten Gebäude waren in schlechtem Zustand, der Konvent wuchs. Und so wurde ein Neubau unabhängig von der Finanzlage immer dringlicher. Am 8. Februar 1702 gab das Kapitel Günes Licht.

Frater Caspar Moosbrugger sollte einen Riss und ein Modell des neuen Klosters erstellen. Mit seinem Bruder Johann Moosbrugger wurde ein Vertrag über die Bauausführung abgeschlossen. Am 25. März 1704 teilte der Abt den katholischen Orten seine Bauabsicht

mit und am 31. März wurde der erste Spatenstich zum Neubau gemacht.

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Ein bisschen genauer soll hier Caspar Moosbrugger betrachtet werden. Er wurde am 15. Mai 1656 als Sohn des Christian und der Anna Beer in Au im Bregenzer Wald geboren.  Dort begründete Michael Beer (*1605) die Auer Zunft. Seine Idee war, dass das ganze Dorf

sich auf den Bau von Kirchen spezialisierte. In der Auer Zunft waren Baumeister, Maurermeister, Zimmerleute, Steinmetze und Stukkateure vereinigt. Die wichtigsten Familien waren Beer, Thumb und Moosbrugger und Kuen. Zwischen 1670 und 1700 war fast die

gesamte männliche Bevölkerung von Au im Bauhandwerk tätig. Andreas machte eine Maurer und Steinmetzlehre in Au. 1673 wurde er von Christian Thumb (1645-1725) freigesprochen. Bei ihm hatte er auch seine Lehre gemacht. 1673 hatte der Konvent in

Einsiedeln ja beschlossen, den Chor zu vergrößern. Abt Augustin hatte den Bau  an den Bregenzer Baumeister Johann Georg Kuen (1642-1691) vergeben. Unter ihm arbeitete Andreas Moosbrugger als Steinmetz in Einsiedeln am Bau des Chores und der Beichtkirche.

1681 bewarb er sich um die Aufnahme ins Kloster. Nach positivem Bescheid legte er am 21. November 1682. Er nahm den Ordensnamen Caspar an. Das Kloster erkannte seine Fähigkeiten und förderte sie. Er bildete sich fort. Er kopierte publizierte italienische

Architektur und konstruierte sie nach. Eine seine ersten Arbeiten war  die Magdalenenkapelle, das ist der Chor der Beichtkapelle  im Stift. Im September 1683 war er in Disentis.  Dort hatte er für Abt Adalbert de Medell (1655-1696). Dort legte er für den geplanten

Klosterneubau “ettlich Riss” vor. Schon kurz danach bat der Weingartner Abt  Willibald Kobold Bruder Caspar um mit ihm über den Weingartner Klosterneubau zu sprechen. Die Architektur der Weingartner Klosterkirche, der größten Barockkirche nördlich der Alpen

fußt weitgehend auf den Plänen von Bruder Caspar.So wie es aussieht, wurde der Rat Bruder Caspars immer gefragter. Im Dezember 1684 wurde er nach Muri bestellt. Abt Plazidus Zurlauben  plante in Muri einen Klosterneubau. In Muri übernahm er die Planung und

ab 1694 die Ausführung. In Fischingen plante und baute er zwischen 1685-1687 die neue Klosterkirche. In Münsterlingen folgten 1691 die Klausurgebäude . Zwischen 1694 und 1698 wurde die Klosterkirche in Muri erbaut. Ab 1704 war er mit der Planung von

Einsiedeln betraut. Diese Aufgabe nahm ihn auch so stark in Anspruch, dass andere Projekte zurücktraten. Um 1715 war Caspar Moosbrugger wohl nochmals in seiner Heimat in Au. Dabei entstanden wahrscheinlich die sogenannten “Auer Lehrgänge”, das sind zwei

Skizzenbücher. Der erste Teil enthält einen allgemeinen Teil zur fachlichen Ausbildung.  Daran schließt ein Kapitel über “die Prinzipien der Geometrie” an. Dann folgen Skizzen von Säulen-, Mauern- und Fassadenteilen, sowie Altäre und Chorgestühl und Grundrisse.

Der zweite Teil enthält Grundrisse und Architekturentwürfe von ausgeführten und nicht ausgeführten Projekten. 1720 war er nochmals in St. Gallen dort entwarf er für den Abt Joseph von Rudolfi (1717-1740) Pläne für den Kirchenneubau in St. Gallen.

Bruder Caspar verstarb am 26. August 1723. Nach seinem Tod wurde er als “archtitectus celeberissimus” bezeichnet. Seine Bedeutung liegt vor allem in der Weiterverarbeitung vorhandener Tendenzen. So haben auch Franz Beer in Weißenau und Dominikus

Zimmermann in Steinhausen seine Idee von der Ovalchorlösung  aufgegriffen.

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Nach diesem Exkurs zurück zu Abt Maurus. Neben der Bautätigkeit waren kleiner Probleme zu lösen. Kleinere Reibereien mit Schwyz mussten beseitigt werden. Schwierig war die Getreideversorgung wären des Spanischen Erbfolgekriegs,

da die süddeutschen Getreidemärkte durch die Kriegsereignisse für die Innerschweiz gesperrt waren. Wie auch während des 30-jährigen Krieges kamen eine Reihe von Flüchtlingen aus anderen Abteien nach Einsiedeln, so aus Ochsenhausen,

Wiblingen, Murbach und Schuttern.

1702 feierte die Schweizerische Benediktiner prunkvoll, wie das im Barock üblich war ihr hundertjähriges Bestehen.

Mit nur 61 starb Abt Maurus. Auf ihn folgte nach der Wahl am 13. September 1714 Thomas Schenklin. Er wurde am 24.Juni 1681 in Rorschach geboren. Sein Vater war Johann Jakob Schenklin, der erst Lehensvogt in St. Gallen und unter Abt Gallus Alt  fürstäbtlicher

Kanzler von St. Gallen.

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Aus seiner Familie waren schon zwei Äbte hervorgegangen, Markus von Schenkli (1540-1553), der aus St. Gallen kam. Er errichtete das im Zug der Reformation erloschene Kloster in Fischingen wieder.Auch im Kloster von Alt St. Johann regierte ein Mitglied der

Familie als Abt,nämlich Albrecht. 1697 wurde er ins Kloster aufgenommen unter der Bedingung, dass sein Lebensunterhalt gesichert sei. Ihm wurden dann 400 Taler Erbteil von zu Hause zugesichert. Am 8. Dezember 1698 legte er als erster unter Abt  Maurus

die Profess ab. Am 28. März 1705 wurde er zum Priester geweiht. In den Jahren davor war er schwer erkrankt, genas aber wieder. Er hat wohl auch Philosophie studiert, denn im Oktober 1706 wurde er von Abt Maurus als Philosophiedozent nach Bellenz geschickt.

Drei Jahre später kam er zurück nach Einsiedeln, wo er Klerikern in Philosophie und Theologie Unterricht gab. Am 10. April 1771 wurde er Kapitelsekretär. Vor seiner Abtswahl war er Fraterinstruktor und Subprior. Als Sekretär war er während des Toggenburger

Kriegs  in mehreren Missionen des Abt Maurus tätig.  Der Toggenburger Krieg ging vom 12. April bis zum 11. August 1712 war ein Konflikt, der sich an Auseinandersetzungen des St. Galler Abt Leodegar Bürgisser mit seinen reformierten Untertanen in der

Grafschaft Toggenburg entzündete. Siehe dazu Blog St. Gallen.

Bei der Wahl zum Abt führte Martin Battaglino den Vorsitz, der Auditor der Nuntiatur. Der Nuntius Giacomo Carraciolo (1710-1716 weilte zu der Zeit in Lugano. Die Äbte von Muri, Plazidus Zurlauben und Rheinau Gerold II. Zurlauben (1697-1735) waren anwesend.

Papst Clemens XI. (1700-1721) bestätigte die Wahl am 23. Februar 1715. Die Weihe nahm der päpstliche Nuntius unter Assistenz der Äbte von Muri und Rheinau am 7. Juli 1715 vor.

Am 23. März 1716 verlieh Kaiser Karl VI. die Regalien. Die Bestätigung der Privilegien erfolgte aber erst  am 30. April 1720. Am 13. August 1718

hatte der Kaiser den Blutbann über St. Gerold verliehen.

Drängendste Aufgabe für den neuen Abt war die Weiterführung und Vollendung des Stiftbaus. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit begann er mit dem weiteren Ausbau. Bis 1718 war der Stiftsbau mit Ausnahme des nördlichen Halbflügels beendet. 1719 befragte der

Abt das Kapitel wegen des Neubaus, den schon Abt Augustin erwogen hatte. Der Konvent hatte wegen der zu erwartenden Schuldenlast zunächst gezögert. Das Kapitel gab nun sofort seine Zustimmung, zumal Bruder Caspar doch schon älter war und kränkelte.

Mit Michael Rueff, der ja schon nach dem Tod von Johann Moosbrugger 1710 an seine Stelle getreten war, wurde ein Vertrag geschlossen. Michael Rueff war der Schwager von Johann und Vormund seiner Kinder.

Man legte das alte Münster nieder in dem Maß, wie der Neubau fortschritt, um den Gottesdienst möglichst wenig zu beeinträchtigen. Im August 1723 hatte man nach intensiver Beratung auf den eigentlich vorgesehenen   Kuppelbaus zu verzichten zum einen

aus Kostengründen zum  anderen aber auch wegen des für für einen Kuppelbau ungünstigen Klimas. 1726 waren die Türme fertiggestellt worden und im Oktober konnten die  Glocken aufgezogen werden. Damit war die Kirche im Äußeren fertig. Auch für en Innen-

ausbau hatte der Abt hervorragende Kräfte gewonnen. Am 19. Februar 1724 hatte Abt Thomas Aegidius Asam (1692-1750)als Stukkateur und Cosmas Damian Asam(1696-1739) als Maler unter Vertrag genommen. Sie arbeiteten von 1724-1726 im Kloster Einsiedeln.

1730 arbeiteten Diego (1674-1750) und Carlo (1686-1775)Carlone, beide aus der italienischen Künstlerfamilie aus Scaria. Diego hatte in Einsiedeln 16 Figuren geschaffen sowie die allegorischen Verzierungen an den 8 Altären im Hauptschiff sowie die beiden

Grabdenkmäler über der Gruft der Fürstäbte. Carlo hat die Altarblätter des Benedikt und Meinradsaltar geschaffen. Sowie der Planer der Einsiedler Kirche ihre Vollendung nicht erleben durfte, hat auch Abt Thomas die Vollendung des kircheninneren nicht mehr

erlebt. Er verstarb mit 53 Jahren am 27. August 1734.

Auf Abt Markus folgte Nikolaus Imfeld. Er wurde am 25. April 1694 als Sohn des Johann Sebastian und der Maria Ursula Imfeld in Sarnen geboren. Er wurde auf den Namen Anton Sebastian getauft. Sein  Vater war Lehrer und Organist. Die Familie war damals

eine der führenden in Obwalden. Anton Sebastian hatte einen drei Jahre älteren Bruder, den Justus Ignaz. Dieser wurde später Landschreiber, Landessäckelmeister und war 1764 regierender Landammann von Obwalden, ein Amt, das 100 Jahre zuvor auch der

Urgroßvater der beiden, Hans Peter Imfeld innehatte. Anton Sebastian trat ins Kloster Einsiedeln ein. Am 21. November 1714 legte er als Nikolaus die Profess ab. Am 25. Mai 1720 wurde er zum Priester geweiht. Nach seiner Priesterweihe studierte er noch weiter.

Am 25. 10. 1721 wurde er zum Katecheten für die Schulkinder bestimmt. Ab 28. April 1723 war er Philosophieprofessor. Im Mai 1733 wurde er Subprior. Am 7. September 1734 erfolgte seine Wahl zum Abt. Nuntius Giovanni Battista Barni (1731-1743) führte den

Vorsitz.Anwesend waren auch die Äbte von Pfäfers  Ambros Müller (1725-1738) und Muri Gerold Haimb (1723-1751). Die päpstliche Bestätigung durch Papst Clemens XII. (1730-1740) erfolgte am 15. Dezember 1734. Da die Kirche praktisch beendet war, hatte man

beschlossen Kirchweihe und Abteinsetzung gleichzeitig zu begehen. Am 1. Mai 1735 nahm der Nuntius die Abtweihe vor und die Äbte von Muri und Pfäfers weihten die Altäre. Kaiser Karl VI. verlieh die Regalien am 12. August 1735. Auch die Nachfolger des Kaisers

taten dies, Franz I. (1745-1765), der Gemahl Maria Theresias  am 24.7. 1747 und Joseph II. (1765-1790) bestätigte am 22. September 1767 die Privilegien des Stifts.

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Abt Nikolaus vollendete nun vor allem den Bau der Ökonomiegebäude, die zum Teil schon von Abt Thomas begonnen worden waren. Noch Abt Thomas hatte das Fundament zur Bäckerei gelegt. 1735 folgten die Schlosserwerkstätten. 1740 wurde mit dem Bau der

Hofmühle begonnen. Da es aber nicht genug Wasser gab, ließ Abt Nikolaus die Mühle an der Alp bauen. Nun musste noch der Chorumbau ins Werk gesetzt werden, da der unter Abt Augustin erbaute Chor nicht recht zur Kirche passte. Der Augsburger Architekt und

Maler Franz Kraus wurde mit dem Umbau betraut. Er schuf auch die Deckengemälde im Chor. Er konnte seine Arbeit allerdings nicht beenden. Er erkrankte und verstarb im August 1752. Seine Gemälde vollendete ein Maler Ruepp aus Augsburg.

Die Statuen im Chor schuf der Bildhauer Johann Baptist Babel (1716-1799). Nun wurden auch die Ökonomiegebäude vollends zum Abschluss gebracht. 1764 wurde der Marstall erbaut und 1767 der Ochsenstall. 1770 war der letzte Trakt errichtet und damit der

Klosterbau abgeschlossen. Den Marstall hatte Bruder Kaspar Braun abgeschlossen. Er ist 1714 in Bregenz geboren. Er war zunächst Steinhauer von Beruf, ist dann aber ins Kloster Einsiedeln eingetreten. 1748 hat er die Profess abgelegt. Er war dann auch

Architekt tätig. 1759 hat er das Gasthaus am Etzel bei der Meinradskapelle, die Caspar Moosbrugger 1698 gebaut hatte, errichtet. In Pfäffikon baute er 1760 das neue Schloss. Im Kloster Einsiedeln war ihm die Aufsicht über die Gebäude anvertraut.

Auch zwei Patres aus Frankreich waren in Einsiedeln. Das war einmal Plazidus Beurret. Er hatte seine Profess 1714 abgelegt. Aegidius Docourt hatte seine Profess 1718 abgelegt. Er stammte wie sein Mitbruder aus Pruntrut. Beide waren am Umbau der Bibliothek

beteiligt. Die Bibliothek war  nun nicht nur bestens untergebracht. Der Abt stattete sie auch bestens mit Büchern aus.

Auch auf das Archiv richtete der Abt sein Augenmerk. Um 1770 ließ er es neu ordnen. Der Archivschreiber Wolfgang Dietele legte damals die Summarien an, die heute noch die Benutzung des Archivs erleichtern.

Unter Abt Nikolaus flammte der Streit mit Konstanz wieder auf. Es ging um das Recht Einsiedelns, die ihm inkorporierten Kirchen zu weihen. Der Nuntius hatte zwar 1740 zu Gunsten von Einsiedeln entschieden. Der Bischof und der Abt versuchten das

Problem ohne Rom zu lösen. Dazu traf man sich am 17. Mai zu einer Konferenz auf Schloss Sonneberg. Sein Kompromissvorschlag brachte der Abt im Konvent aber nicht durch. Vor allem Pater Meinrad Brenzer (Profess 1728) war dagegen. Er war lange Archivar und

auch Notarius Apostolicus. Die Frage blieb so ungelöst.

1764 wurde das Kloster auch in den “Harten-und Lindenhandel” hineingezogen. Das war einmal eine Auseinandersetzung von Franzosenfreunden und Anhängern der spanischen und habsburgischen Parteien. Es war aber auch eine sozial motivierte

Bewegung gegen die führenden Geschlechter in Schwyz, angeführt von aufstrebenden Politikern aus der ländlichen Mittelschicht,denen die höchsten Landesämter verwehrt blieben. Im Hungerjahr 1770 unterstützte der Abt beide Seiten tatkräftig, was half, dass

manche Wunde vernarbte.

Um 1755 hatte man um Einsiedeln mit dem Anbau von Kartoffeln begonnen,die bald zu einem der wichtigsten Nahrungsmittel des Hochtals werden sollte

Abt Nikolaus war in den letzten 15 Jahren seiner Amtszeit immer wieder krank. Ein Steinleiden setzt ihm schwer zu. Mehrmals dachte man schon, dass er sterben müsse. Im Alter von 80 verstarb er am 1. August 1773 nach großer Lebensleistung

und hinterließ ein gut bestelltes Feld.

Am 11. August 1773 versammelte sich das Kapitel zur Wahl des neuen Abtes. Gewählt wurde Marian Müller. Er war am 2. Oktober 1724 als Joseph Leodegar Müller geboren. Er war das jüngste von 15 Kindern des  Michael Müller und der  Magdalen Höltschi

in Aesch im Kanton Luzern. Schon mit 7 wurde er in Sachseln von einem Geistlichen unterrichtet. Sein Talent wurde wohl erkannt und mit 12 siedelte er an die Klosterschule in Einsiedeln über. 1741 meldete er sich für das Kloster an und am 20. Januar 1742

trat er das Noviziat an und ein Jahr später legte er als Frater Marian seine Gelübde ab. Er hatte wohl besonderes Redetalent, denn als er am 12. November 1747 Diakon wurde erhielt er auch den Auftrag, Unterricht in Rhetorik zu erteilen.

Auch musste er bei besonderen Anlässen Reden halten. Als am 14.9. 1747 Kardinal Angelo Maria Querini, Kardinalbibliothekar der Vatikanischen Bibliothek Einsiedeln besuchte, hatte er die Aufgabe, den Gast mit einer lateinischen Rede zu begrüßen.

Welche Ehre aber auch Herausforderung für einen jungen Mönch, denn Kardinal Querini stand mit bedeutenden Philosophen seiner Zeit im Gedankenaustausch und unterhielt einen Briefwechsel so z. B. mit Voltaire, Friedrich dem Großen, Montfaucon oder

Gottsched. Auch als die Äbte der Schweizer Kongregation zur  Jahrhundertfeier der Engelweihe in Einsiedeln versammelten begrüßte sie jetzt Pater Marian mit einer Rede in Latein. Seine Priesterweihe hatte er am 9. Juni1748 erhalten.

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Pater Marian hatte ja schon vor seiner Priesterweihe  Unterricht erteilt hatte, war es nur folgerichtig, dass Abt Nikolaus ihn auch weiter mit einer solchen Aufgabe betraute. Er wurde ans Gymnasium nach Bellenz geschickt, wo er 14 Jahre verbrachte.

Er lehrte dort 8 Jahre Rhetorik, zwei Jahre Philosophie und 4 Jahre Moraltheologie. Während seiner Zeit in Bellenz führten seine Schüle Komödien auf, die er verfasst hatte. Auch musikalisch war er begabt. 1751 schickte ihn  das Kloster nach Mailand

um bei Meister Giuseppe Palladino, das Komponieren zu erlernen. Der Musiker ist heute allerdings in Vergessenheit geraten. Als 1755 der Mailänder Kardinal Giuseppe Pozzobonelli Einsiedeln besuchte, war wieder Pater Marian der Begrüßungsredner.

1763 wurde er von Bellenz zurückberufen. Er übernahm gas Amt des Subpriors und war vor allem als Sekretär für Abt Nikolaus zuständig, er langsam alt wurde. 1771 übernahm er das Archiv, das unter seiner Leitung neu geordnet und registriert wurde. Der

Archivschreiber Dietele wurde oben erwähnt.

Pater Marian wurde 11. August 1173 zum neuen Abt gewählt. Nur einen Monat später, am 11. September 1773 bestätigte Papst Clemens IV. (1769-1774) die Wahl. Die Weihe nahm Nuntius Luigi Valenti Gonzaga (1764-1773)vor. Die Äbte von St. Gallen

Beda Angehrn (1767-1796) und Muri Bonaventura Bucher (1757-1776) assistierten. Kaiser Joseph II. verlieh dem Abt am 31. September 1776 die Regalien.

Dass Abt Marian sein Hauptaugenmerk auf Bildung und Schulen richten würde, ergab sich aus seinem bisherigen klösterlichen Werdegang fast zwangsläufig. Bei der Förderung der Volksschulen tat sich besonders Pater Isidor Moser hervor.

Seine Profess hatte er 1759 abgelegt. 1764 oder 1765 war er Dorfkatechet in Einsiedeln für die Schulkinder und ab 1767 war er Oberkatechet für die Schulentlassenen. Gleichzeitig war er aber auch als Philosophieprofessor, später als Theologieprofessor tätig.

Er arbeitete am “Grossen Einsiedlischen Katechismus”. Er schrieb auch eine Reihe kleiner Unterrichtsbücher für die Schulen sowie Gesangbücher. Im September 1774 wurde Pater Isidor erstmals Pfarrer in Einsiedeln. 1776 hielt er einen eigenen Unterrichtskurs

für Lehrer ab und er gab eine Schrift über die Verbesserung der Schulen heraus. Auch P. Johann Schreiber (Profess 1754)schrieb in der in Luzern erscheinenden “Historischen, philosophischen und moralischen Wochenschrift” einen Artikel zur “verbesserung

der Schulen” Auch die Gymnasien standen im Blickfeld des Abtes. Hier war vor allem Pater Robert Kech tätig. Er hatte seine Profess 1759 abgelegt. Er wirkte von 1763 bis 1764 als Lehrer in Bellenz,danach an der Klosterschule in Einsiedeln. Er gab eine lateinische

Grammatik für Gymnasien und später ein Übungsbuch heraus.

Die Bibliothek wurde weiterausgebaut.

Auf seiner ersten  Schweizer Reise war Goethe vom 09.bis 15. Juni in Zürich. Bei diesem Aufenthalt wanderte er von Zürich aus mit den Grafen Friedrich und Christian von Stolberg sowie Graf Christian von Haugwitz nach Einsiedeln.

Auch der Physiker Volta hatte zwei Jahre später Einsiedeln besucht. Auch Abt Martin Gerbert aus St. Blasien, das er schon aus seiner Studienzeit kannte. Er hatte ein halbes Jahr in Einsiedeln studiert. Er initiierte das Projekt “Germania sacra”.

Abt Marian versuchte das Problems des Weiherechts mit dem Konstanzer Bistum zu klären. Der Abt traf sich am 30. Mai 1775 mit Konstanzer bevollmächtigten in Freudenfels.  Der Abt wollte nicht, dass das Weiherecht Einsiedelns von einer vorherigen Erlaubnis

durch den Bischof abhängig gemacht wurde. Es kam aber nicht zu einer Einigung, da Bischof Franz Konrad von Rodt am 16. Oktober 1775 starb. Der Abt wandte sich zwar an den Nachfolger Maximilian Christoph von Rodt (1775-1779). Doch die Dinge blieben liegen.

Abt Marian war nie von besonders kräftiger Gesundheit. Ab 1777 verschlechterte sich aber sein Zustand stetig.  Am 17. November 1780 verstarb er schließlich erst 56 Jahre alt.

Am 4. Dezember 1780 wählte das Kapitel unter Vorsitz von Nuntius Giovanni Battista Caprara (1775-1785) Abt Beat Küttel zum neuen Abt von Einsiedeln. Anwesend war auch der Abt von St. Gallen Beda Angehrn und Gerold Meyer (1776-1810) aus Muri.

Papst Pius VI. (1775-1799) bestätigte die Wahl schon am 10. April 1781, so dass die Weihe durch Nuntius Caprara am 6. Mai erfolgen konnte. Kaiser Joseph II. verlieh die Regalien am 1. November 1781. Die Nachfolger Kaiser Leopold II. (1790-1792) tat dies am

17.Oktober 1791 und Kaiser Franz II. (1792-1806) am 24. November 1794. Beide bestätigten auch die Privilegien des Stifts. Kaiser Franz war der letzte Kaiser, der die Regalien verlieh.  Denn am 6. August 1806 erfolgte die

“Erklärung Sr. Maj. des Kaisers Franz II, wodurch er die deutsche Kaiserkrone und das Reichsregiment niederlegt, die Churfürsten, Fürsten und übrigen Stände, wie auch alle Angehörige und Dienerschaft des deutschen Reiches, ihrer bisherigen Pflichten entbindet”

(Dokumentarchiv.de). Damit war das Heilige Römische Reich erloschen.

Abt Beat Küttel  wurde am 2. Juni 1733 als Marzell Küttel geboren. Seine Eltern waren der Landammann von Gersau Johann Georg Küttel (1697-1792) und Maria Magdalena Camenzind. Marzell Küttel legte am 29. September im Kloster Einsiedeln seine Profess als

Frater Beat ab. Am 25. Mai 1755 wurde er zum Priester geweiht.

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Zunächst unterrichte Pater Beat an der Klosterschule Rhetorik. Ab Januar 1762 war er Vorsteher der Schule.1766 wurde Pater Beat durch Abt Nikolaus zum Stiftstatthalter ernannt. Ab 1772 war er Stiftsdekan. Er war damit auch für das wirtschaftliche Wohlergehen

des Stifts zuständig.

Gleich zu Beginn seiner Regierungszeit brachte er den Ausgleich mit Konstanz zustande. Abt Beat hatte sich mit dem letzten Salemer Abt Robert Schlecht (1778-1802) in Verbindung gesetzt. Auch die Zisterzienserabtei am Bodensee hatte Schwierigkeiten mit

dem Konstanzer Bischof. Auch er hatte es geschafft den Konflikt seines Klosters mit dem Bistum Konstanz offiziell beizulegen. Er hatte Pater Beda Müller (Profess 1755), der ihm im Amt als Statthalter folgte, als er selbst Dekan wurde, extra nach Salem geschickt,

weil der Salemer Abt ja im Einsiedler Streit mit Konstanz vermitteln sollte. Der Kanzler von Salem Seyfried wurde nun in den Verhandlungen mit dem Konstanzer Bischof zum Sachwalter Einsiedelns bestellt. Am 24. Juli 1782 einigte man sich und ein

Konkordat wurde mit Bischof Maximilian Christoph von Rodt wurde abgeschlossen.

Wichtigstes Bauvorhaben in der Regierungszeit war der Neubau der Residenz von Bellenz, der von 1781-1783 erfolgte. Pater Beda Müller wurde  am 6. Januar 1782 als Propst nach Bellenz geschickt doch verstarb er dort schon am 5. Juni des Folgejahres im Alter von 51

Jahren.

Es wird nun Zeit für einen kleinen Exkurs. Am 14. Juli 1789 stürmte die Pariser Bevölkerung die Bastille. Die Revolution war  ausgebrochen.Dieses Fanal wirkte auch in anderen Ländern.In der Schweiz sah man den Beweis, dass eine Revolution machbar ist und man

konnte mit französischem Eingreifen drohen.Überall in der Schweiz wurde nun mit einer Unzahl von Petitionen Veränderungen angestrebt. In St. Gallen kam es zu einer friedlichen Einigung. Abt Beda schloss im November gegen den Willen des Konvents eine

Vereinbarung mit einer Volksversammlung  in Gossau mit 20.000 Teilnehmern einen “Gütlichen Vertrag” ab.  1797 verlangte die Bevölkerung  in Baselbiet   Freiheit und Gleichheit. Die Schlösser Waldenburg, Hornburg undFarnsburg wurden in Brand gesteckt.

Der konservative Bürgermeister Andreas Merian in Basel trat zurück. Dann erst gab der Rat zögerlich nach und war bereit, die Forderungen der Landbevölkerung zu erfüllen. 1793 anerkannten die Alten Orte die Befreiung des Thurgau und die gleichberechtigte

Aufnahme des Kantons Thurgau in die Eidgenossenschaft. Im Waadtland erhob Fréderéric Caeser de La Harpe die Forderung nach der Unabhängigkeit von Bern. Er bat auch die französische Republik öffentlich um militärische Unterstützung  gegen Bern.

Die Landvögte von Bern verloren die Kontrolle. Der Rat von Bern  demonstrierte Macht und sandte 5000 Soldaten ins Waadtland. Darauf griffen die Waadtländer zu den Waffen und riefen die Republik Léman aus. Frankreich erklärte Bern unter einem Vorwand

den Krieg. Bern verlor zwei Schlachten bei Fraubrunn und am Grauholz. Die Stadt am 5. März 1798 besetzt und geplündert.

Das Französische Direktorium hatte 1797 Peter Ochs beauftragt, eine Verfassung auszuarbeiten. Peter Ochs hatte in Basel und Leyden Rechte studiert

und in Leyden promoviert. Die Verfassung war der französischen Verfassung ähnlich. Es gab ein Parlament mit zwei Kammern, einer zentralen Regierung, das Direktorium und einem obersten Gericht. Die

föderalistische Struktur der Schweiz wurde abgeschafft.

Am 12. April 1798 versammelten sich 121 Abgeordnete aus den Kantonen Aargau, Basel, Bern, Fribourg, Léman (Waadt), Luzern, (Berner)

Oberland, Schaffhausen, Solothurn und Zürich. Peter Ochs proklamierte vom Balkon des Aarauer Rathauses die Helvetische Republik. Diese war als “Schwesterrepublik” eng an die französische Republik gebunden

Die Urschweiz war bei der Gründung nicht dabei und lehnte die Helvetische Republik ab. Die Revolutionäre wollten die neue Ordnung mit Hilfe von französischen Truppen erzwingen. Uri, Glarus und Schwyz

nahmen die Verfassung am 28.3.1798 an, als die Franzosen in großer Überzahl anrückten und keine Hilfe kam. Nidwalden wehrte sich bis zuletzt. Stans wurde erobert und ging in Flammen auf. 368 Nidwalder fanden den Tod.

Die Helvetische Republik schaffte die Leibeigenschaft und politische Untertanenverhältnisse ab. Eine wichtige Errungenschaft war die Rechtsgleichheit. Ein einheitliches Strafgesetzbuch wurde eingeführt das sich an dem Code penal orientierte. Mittelalterliche

Rechtsvorschriften wurden abgelöst und endlich die Folter abgeschafft. Der Schweizer Franken wurde eingeführt . Die Einheitswährung beendete den Münzwirrwarr. Die Volksschulbildung wurde verbessert. Das war auch die Zeit eines Johann Heinrich Pestalozzi

(1746-1827). Was Kirche und Staat angeht, die Helvetische Republik sollte ein laizistischer Staat sein. Geistliche und Laien wurden einander gleich. Die geistliche Gerichtsbarkeit der katholischen Kirche wurde ebenso abgeschafft wie die Sittengerichte in

den reformierten Kantonen. Am 27.4. 1798 wurde dem päpstlichen Nuntius die Anerkennung versagt. Am 8.5. 1798 wurde das Vermögen der Stifte und Klöster einer staatlichen Zwangsverwaltung unterworfen und am 17.9. zum Nationaleigentum erklärt,

also säkularisiert. Am 4.4.1799 schränkte die helvetische Exekutive die Prozessionen ein und verbot auf diese Weise die Wallfahrten. Den Klöstern wurde verboten, Novizen und Professen aufzunehmen.

Zurück zu Abt Beat. 1790 baten Mönche aus Frankreich um Aufnahme im Kloster, um hier ihr Ordensleben fortsetzen zu können. 1792 waren schon 48 ausgewanderte Geistliche da. 1797 waren über zwei Jahre verteilt über 2000 Emigranten aus Frankreich

in Einsiedeln gewesen. Natürlich waren das überwiegend Anhänger des Ancien Régime. Ende April 1798 rückten französische Truppen gegen Schwyz vor. Mit einem solchen Einfall hatte man nicht gerechnet und war auch nicht vorbereitet.

Pater Konrad Tanner hatte vorher mit großer Umsicht als Propst in Bellenz gearbeitet. 1795 wurde er als Statthalter nach Einsiedeln bestellt. Am 3. Mai 1798 rückten die Franzosen nun in Einsiedeln ein. General Nouvion besetzte das Kloster.

Die Stiftsmitglieder waren alle schon ab dem 29. April  geflüchtet, die meisten nach Vorarlberg, einige nach Disentis. Nur Pater Martin du Fay de la Vallaz (Profess 1785) war zurückgeblieben. Vor seinem  Eintritt ins Kloster hatte  er im französischen Regiment seines

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Stiefvaters General Pankraz de Courten gedient und war dort mit 24 schon Hauptmann. Er war auf eigenen Wunsch geblieben, um das schlimmste für das Kloster abzuwenden. Am 4. September begann, die Plünderung des Klosters. Die Bibliothek, das

Naturalienkabinett aber auch viele Möbel gingen an das Direktorium. Ende Mai wurde die Gnadenkapelle niedergerissen. Die Orgeln wurden an einen  Uhrmacher in Aegeri verkauft und am 4. Juni wurden die Glocken vom Turm geworfen. Das Vieh war entweder

geschlachtet worden  oder wurde der Heeresverwaltung übergeben, auch die Pferde. Pater Martin machte man das Angebot, wieder in die Armee einzutreten, was er natürlich ablehnte. Am 9. Mai wurde er aus der Schweiz verbannt. Er wurde nach Konstanz

eskortiert und ging dann nach Petershausen, wo er bis 1799 blieb.Seine Familie hatte sich mittlerweile für ihm verwendet. Er durfte dann nach Siders, wurde allerdings bald wieder als Aufwiegler und Ruhestörer an die Landesgrenze nach Basel verbracht. Er hielt

sich dann auf Gütern von Kloster St. Blasien auf. Er erhielt dann im August 1801 vom Justizminister in Bern die Erlaubnis, bei seiner Mutter in Siders zu bleiben wo er dann bis zu seiner Rückkehr am 11. Februar 1802 blieb.

Pater Konrad Tanner war vom Abt beauftragt worden, Ornate, das Haupt des Heiligen Meinrads und das Gnadenbild in Sicherheit zu bringen, was ihm gelang, vor die Franzosen in Einsiedeln einmarschierten. Er ging zuerst nach Tirol. 1799 kehrte er nach Einsiedeln

zurück, musste aber mit den Schätzen erneut flüchten. Er kam dann bis nach Linz, kehrte später über Innsbruck 1802 nach St. Gerold, wo er 1802 Pfarrer wurde. Dort wurde er 1806 ins Kloster zurückberufen. Der Abt selbst war zunächst nach St. Gerold geflüchtet.

Der größte Teil der Stiftsmitglieder ging nun ebenfalls nach St. Gerold. Das aber war zu klein. Der Abt mühte sich nun die Patres irgendwie unter zu bringen. Man hatte angedacht mit Zustimmung der Kurie von Konstanz das Kloster Reichenau wieder zu besiedeln.

Doch das zerschlug sich. Einige Patres fanden Aufnahme in den Stiften von Augsburg, Ottobeuren, Petershausen, Salem und Stams. Aber auch in Schwaben kämpften die Franzosen und die Patres mussten wieder weiterfliehen.

Die Beschlüsse der Helvetischen Republik, das Vermögen der Stifte einer staatlichen Zwangsverwaltung zu unterwerfen, um sie schließlich zum Nationaleigentum zu überführe, galt natürlich auch für Einsiedeln. Und so wurde auch Kloster Einsiedel am 17. 9. 1798

aufgehoben. Das Zisterzienserkloster in Stams hatte Abt Beat Asyl angeboten. Er blieb aber zunächst in St. Gerold. Im Frühjahr rückten die Franzosen aber auch in Schwaben weiter vor, so dass die Lage in St. Gerold immer unsicherer wurde. Da ging der Abt

schließlich doch nach Stams.

Erzherzog Karl (1771-1847) hatte die französischen Truppen unter General Jourdan in Oberschwaben am 21. März 1799 bei Ostrach und am 25. März bei Stockach besiegt. Am 5. Juni schlug er General Massena bei Zürich. Am 8. Juni rückten die Kaiserlichen

nun in Einsiedeln ein. Einige Patres unter ihnen Pater Konrad Tanner konnten wieder ins Kloster zurückkehren. Das war zunächst allerdings nicht von langer Dauer. Die Franzosen rückten wieder vor und nahmen am 14. August Einsiedeln aufs Neue ein.

Die Heimkehrer mussten erneut eilends fliehen. Diesmal machten sich auch viele Dorfbewohner auf die Flucht. Nachdem im Kloster nichts mehr zu holen war, wurde jetzt das Dorf geplündert. Schnell wurde wieder der Zustand vor den französischen Niederlagen

hergestellt. Masséna siegte in der 2. Schlacht von Zürich am 25.und 26. September 1799. Die Lage war nun für den Konvent nicht rosiger wie im Jahr zuvor und Abt musste sehen, wo seine Konventualen im Winter bleiben konnten. Abt Beat war mittlerweile in

Herdwangen untergekommen, wo Kloster Petershausen ein Rentamt hatte. Von dort schickte er Pater Markus Landtwig, der in friedvolleren Tagen auch als Vizekapellmeister im Kloster tätig war, in verschieden süddeutsche Klöster um um Asyl zu bitten.

Diesmal kamen einige in Tirol und zwar in Stams, Wilten und Fiecht unter. Andere fanden Zuflucht in bayrischen Klöstern, in Ottobeuren, Benediktbeuren, Regensburg,Roth und Weyarn. Die Franzosen rückten Anfang 1800 auch in Schwaben weiter vor, so dass

Abt Beat in Herdwangen auch nicht mehr sicher war. Er wandte sich auch in die Benediktinerabtei Fiecht im Inntal. Dort blieb er bis zum 13.April 1801. Die gesamte Lage änderte sich aber doch rasch.

Am 9. Februar 1799 hatte in Frankreich ein Staatsstreich stattgefunden. Er beendete die Regierung des Direktoriums und damit auch die französische Revolution. Napoleon Bonaparte wurde als Erster Konsul Alleinherrscher. Am 12. Dezember 1799 wurde die

Verfassung des Konsulats verabschiedet und 1800 durch eine Volksabstimmung angenommen. Kurz zuvor hatte Napoleon seinen Bruder Lucien zum Innenminister ernannt. Dieser überwachte auch die Abstimmung. Napoleon hatte praktisch die Fäden in  der

Hand und das Abstimmungsergebnis für die neue Verfassung war entsprechend eindeutig. 99 % der Wahlberechtigten stimmten dafür. Nur der Erste Konsul bestimmte die Minister. Er konnte Gesetze verfassen und verabschieden.

In der Schweiz begünstigte der Erste Konsul die Föderalisten aus machtpolitischen Gründen gegen die Befürworter des Einheitstaats, die Unitarier.

Die Helvetische Republik versank bald im Chaos. In nur zwei Jahren zwischen 1800 und 1802 gab es mindestens 4 Staatsstreiche. 1802 zogen die französischen Truppen überraschend aus der Helvetischen Republik ab. Damit hatte die Exekutive ihre Machtbasis

verloren. In der Innerschweiz brach sofort ein Aufstand los. Der “Stecklikrieg” von 1802 erfasste rasch alle 19 Kantone. Die Zentralbehörden waren zur Flucht nach Lausanne gezwungen. Napoleon beorderte die Konfliktparteien zur “Consulta” nach Paris.

Dort arbeiteten Vertreter der Kantone und  Gemeinden zusammen mit den französischen Unterhändlern Kantonsverfassungen und eine Bundesverfassung aus. Die föderalistische Zukunft der Schweiz war gesichert. Die Kantonssouveränität wurde

wiederhergestellt. Die Mediationsakte erstellte Napoleon weitgehend selbst. Mediation heißt zwar Vermittlung, aber es war praktisch das Diktat Napoleons. Wichtig für unser Thema, die Güter der Klöster werde zurückerstattet, aufgehobene werden

wiederhergestellt mit Ausnahme von Kloster St. Gallen da man die Substanz des neugegründeten Kanton St. Gallen gefährdet hätte, was die Wiederherstellung des Stifts wohl bewirkt hätte. auch Novizen konnten wieder aufgenommen werden.

Abt Beat kehrte am 11. Januar 1802 in sein Kloster zurück. Das Kloster war in denkbar schlechtem Zustand und in seiner Existenz noch nicht gesichert. Das Aufhebungsdekret von 1798 war noch in Kraft. Aber am 19.02.1803 wurde die sogenannte Mediationsakte

veröffentlicht. Napoleon sah sich als Vermittler, französisch médiateur. Aber die Akte war natürlich ein Diktat. Aber sie bestimmte, dass die Klöster ihre Güter in der Schweiz zurückerhalten sollten. Am 15. März 1803 teilte die Regierung des neugebildeten

Kantons Schwyz dem Kloster mit, dass alle im Kanton gelegenen Güter des Stiftes zurückgegeben würden. Jetzt war die Wiederherstellung des Stifts endgültig gesichert. Aber die Klostergebäude waren schwer beschädigt, die Gnadenkapelle abgerissen.

und das Gnadenbild noch in der Fremde. In der Ökonomie war noch ein Pferd und ein Schwein. So startete man den Wiederaufbau.St Gerold, die Zufluchtsstätte vieler Mönche in dieser Zeit ging allerdings verloren. Sie wurde mit dem Reichsdeputations-

hauptschluss vom 25. Februar 1803 eingezogen und zusammen mit der Herrschaft Blumenegg, die dem Stift Weingarten gehört hatte an den Fürsten von Oranien übergeben.

Am 8. März 1804 wurde die Übereinkunft (das Convenium) zwischen dem Stift und dem Kanton Schwyz ausgefertigt. Darin hieß es unter a) “ Der Kanton nimmt unser Stift unter seinen unmittelbaren Schutz, garantiert und verspricht ihm seine Existenz, die Sicherheit

seines Eigentums, Güter,Kapitalien, Zinse und rechtliche Gefälle, sowie die freie Administration derselben, jedoch mit dem Vorbehalt der Kastenvogtei.” Rechte, Polizeiordnung und auch Abtwahl wurden in weiteren Punkzen angesprochen. Im

Gegenzug verpflichtete sich die Abtei jährlich 7000 Gulden quartalsweise Steuern an die Kantonskasse zu zahlen. Allerdings wird dem Kloster zugesichert, dass der Kanton “billige Rücksicht nehmen” würde, wenn das Kloster diese Summe “ohne merkliche

Schwächung seiner ökonomischen Substanz” nicht mehr leisten könne. Damit war nun auch die Existenz des Klosters wieder schriftlich garantiert.

Die Schule in Bellenz wurde am 16. August 1805 wieder übernommen. Am 29. September 1806 nahm Abt Beat die ersten Novizen wieder auf. Das war nötig, denn die Zahl der Klosterinsassen war seit dem Einmarsch der Franzosen 1798 von 93 auf

65 zurückgegangen. 13 Konventsmitglieder waren im Exil gestorben und mussten außerhalb von Einsiedeln bestattet werden. Natürlich hatte diese schwere Zeit, die das Stift durchmachen musste, auch die Kräfte des Abtes aufgezehrt.

Er verstarb am 18. Mai 1806.

Konrad IV. Tanner war als Judocus Meinrad Tanner am 29. Dezember 1752 in Arth am Zugerseee zur Welt gekommen. Sein Vater war Schulvogt der Gemeinde.Sein Vater starb mit 46. Nun kümmerte sich Landammann Josef Viktor Lorenz von Hettlingen

den der junge Waise wie einen zweiten Vater verehrte. Er trat früh in die Klosterschule in Einsiedeln ein. Dort trat er mit 18 ins Kloster ein. Am 8. September 1772 legte er als Frater Konrad sein Profess ab. Primiz feierte er am 1. Juni 1777. Am 6. Januar

1782 bestimmte ihn Abt Beat als Lehrer am Gymnasium Bellenz. Er schrieb einige Bücher zur Jugenderziehung. In Bellenz hatte er die Präzeptur übernommen und er stellte für den Schulbetrieb genaue Vorschriften auf.

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Von 1787-1789 war er wieder in Einsiedeln. Dort sollte er die Stiftsbibliothek übernehmen.Neuordnung und Katalogisierung waren seine Aufgabe. Er wurde eigens an eine Reihe süddeutscher Klöster geschickt, um die dortigen Einrichtungen zu studieren.

1789 wurde er Probst in Bellenz und er übte das Amt zur größten Zufriedenheit des Abtes aus. Er verwaltete den Wirtschaftsbetrieb sehr umsichtig. Er war auch ein kluger Vorgesetzter für Patres und Schüler. Deshalb berief ihn Abt Beat 1795 nach Einsiedeln zurück.

Dort wirkte er als Stiftsstatthalter. In den schweren Zeiten des Klosters war er einer der letzten die das Stift verließen. Er führte die Verhandlungen mit Konstanz wegen der Besiedelung der Reichenau und er brachte das Gnadenbild und das Haupt des Meinrad in

Sicherheit. 1806 wurde er von Abt Beat wieder nach Einsiedeln berufen. Er wurde nun Novizenmeister. Am 30. Mai 1806 wurde er zum Abt gewählt. Am 11. September weihte ihn Nuntius Fabrizio Sceberras Testaferrata (1803-1815) zum Abt. Die Äbte von Rheinau

Januarius Frei (1805-1831) und von Fischingen Augustin Bloch (1776-1815)assistierten. Abt Konrad brauchte keine Bestätigung der Privilegien mehr oder Fürstentitel, denn das war Vergangenheit. Auch die Huldigung der Gotteshausleute entfiel.

Drängendstes Problem waren zunächst die Finanzen. Der verstorbene Abt hatte gerade mal 3920 Gulden in bar hinterlassen, was natürlich nicht überraschte. Den jährlichen Klosterbedarf hatte der Abt auf 26 000 Gulden geschätzt. Ausländische Schuldzahlungen

blieben aus. Der Kanton begnügte sich dann mit einer jährlichen Zahlung von 300 Gulden. Auf eine gute Ausbildung seiner Patres legte er großen Wert. Viele erhielten Unterricht in höherer Mathematik, Physik und Hebräisch. Einige schickte er nach Frankreich oder

in die französische Schweiz, damit sie sich in der französischen Sprache ausbilden konnten. Die Bibliothek wurde gut mit Schweizer Geschichte ausgestattet. Auch auf die eigene Klostergeschichte legte er Gewicht. Die Patres sollten ihre Erlebnisse während des

Exils aufzeichnen. Die alte Klosterchronik wurde 1823 durch Pater Josef Tschudi neu herausgegeben. Die Herausgabe der  Monumenta Germaniae förderte er. Er wurde deshalb zum Ehrenmitglied der Gesellschaft “pro aperiendis fontibus historiae medii aevi”

ernannt. Seine Bemühungen, die dem österreichischen Kaiserhaus geliehenen 100.000 Gulden zurück zu bekommen, blieben  so erfolglos wie die Rückforderung des Kapitals, das  1794 an den emigrierten Erzbischof von Paris geliehen worden war.

Der Hochaltar wurde 1821 renoviert. Der Kirchplatz und die Kramgasse wurden restauriert. Die Klosterwaldungen wurden neu vermessen und eine Wollfabrik wurde im Stift wieder angelegt.

Die Lage aller Mitglieder der Schweizer Kongregation war nicht gerade rosig. Das Kloster Sankt Gallen war untergegangen. Besonders schwierig war die Lage der Klöster Muri und Rheinau, die in reformierten Kantonen lagen. Der Abt von Sankt Gallen Pankratius

Vorster zog sich immer mehr  von den Geschäften zurück.  Alle Klöster mussten sehen, wie sie mit der neuen Situation zurecht kamen. Ein Zusammenschluss fehlte, auch weil keiner der Äbte die Führung übernehmen wollte. Nach 1815 konsolidierte sich

die Lage allmählich. Abt Konrad übernahm die Initiative, um die Klöster wieder enger zusammen zu führen und die alte Kongregation wieder aufleben zu lassen. Er holte sich Rückendeckung vom Nuntius. Das war 1818/1819 Vincenzo Macchi. Auch die

Bundesbehörde in Luzern und die Kantonsbehörde in Schwyz informierte er. Erst dann lud er die Äbte auf den 28. Mai 1819 nach Einsiedeln ein. Nur Abt Pankratius Vorster aus St. Gallen und Abt Anselm Huonder aus Disentis erschienen nicht.

Disentis war am 6. Mai 1799 von den Franzosen in Schutt und Asche gelegt werden und Abt Lorenz Cathomen verstarb kurz danach in seiner Heimat in Brigel. Da das Kloster in Trümmern lag, beschlossen die verbliebenen Konventualen die Abtwahl

zu verschieben. 1804 wählten sie mit Anselm Huonder einen neuen Abt. Dieser machte sich auch gleich an die Wiederherstellung des Klosters, doch das nahm Jahre in Anspruch. Aus Pfäfers kam Stiftsdekan Johann Baptist Steiner, da Abt Joseph Arnold

(1805-1819) kurz vorher verstorben war. Die Versammelten wählten Abt Konrad zum Ersten Visitator und die Äbte Januarius Frei von Rheinau sowie Ambrosius Bloch (1816-1838) wurden zu Mitvisitatoren bestellt.

Die grundlegende territoriale Neuordnung in Deutschland und auch der Schweiz infolge der französischen Revolution und der napoleonischen Kriege hatte natürlich auch Auswirkung auf die Bistümer in Deutschland und der Schweiz. 1815 waren die

bayrischen,württembergischen, österreichischen und schweizer Teile vom Bistum Konstanz abgetrennt. Die schweizerischen Gebietsteile wurden von dem Propst von Beromünster, Franz Bernhard Göldlin (1762-1819) als Generalvikar verwaltet.Er favorisierte

ein Vierwaldstätterbistum mit Sitz in Luzern. Sein Plan scheiterte aber am Widerstand der Regierungen und der Kurie.Die Erhebung der Abtei Einsiedeln zum Bischofssitz für ein Bistum zunächst für Schwyz wurde auch angedacht.Göldlin starb am 16. September

1819. Die Teile des alten Bistums Konstanz wurden zunächst provisorisch Chur unterstellt. Schwyz schloss sich 1824 definitiv an Chur an. Damit war für Abt Konrad klar, dass er nicht Bischof würde, was er nie angestrebt hatte. Papst Pius VII. (1800-1823)

erließ am 16. August 1821 die Zirkumsskriptionsbulle “Provida sollersque”. Das war die Neuumschreibung der katholischen Diözesen in Deutschland nach dem Wiener Kongress und trug den territorialen und politischen Veränderungen Rechnung.

Der letzte Bischof Konstanzer Bischof Karl Theodor von Dalberg (1744-1817) war  am 10. Februar 1817 in Regensburg verstorben. Der Bischofsstuhl blieb vakant. Die päpstliche Bulle von 1821 erklärte das Bistum Konstanz für aufgelöst. Mit Bischof

Bernhard Boll wurde am 21. Oktober 1827 der erste Freiburger Erzbischof geweiht. Bis zur Säkularisation war er Zisterziensermönch in Salem.

Abt Konrad hatte sich nie einer besonders guten Gesundheit erfreut.Ab 1810 war immer in Kur in Pfäfers. 1822 im Jahr  seines goldenen Professjubiläums. Im Frühjahr 1824 war er schwer krank, doch ein Jahr später am 7. April 1825 verstarb er an Brustwassersucht.

Der Tod des Abtes gibt wieder Gelegenheit, auf die Zeitereignisse zu schauen.

Napoleon hatte Europa praktisch neugeordnet. Der Flickenteppich Deutsches Reich wurde von Napoleon beendet. Es gab fast 350 selbstständige Einzelstaaten auf dem Gebiet des Reiches. Der Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 war die letzte

Sitzung des “immerwährenden Reichstages” und das letzte Gesetz. Die deutschen Fürsten sollten für ihre territorialen Verluste auf dem linken Rheinufer entschädigt werden. Säkularisation und Mediatisierung waren die Instrumente. Das Kirchengut wurde

verweltlicht und den Fürsten gegeben. Das bedeutet das Ende der Klöster in Deutschland. Die Reichsritterschaft verlor ihre Reichsunmittelbarkeit. Ihre Gebiete wurden ebenfalls zur Entschädigung herangezogen. 1806 war die Zahl der Territorien auf etwa

34 geschrumpft. Wie die Klöster verschwanden auch die Reichsstädte. Von 51 wurden 45 aufgelöst. Kleiner Fürstentümer und Grafschaften wurden aufgelöst und den benachbarten großen Fürstentümern Baden, Württemberg, Preußen und Bayern zugeschlagen.

Auf Druck Napoleons hatte Kaiser Franz am 6. August 1806 abgedankt. Das deutsche Reich hatte aufgehört zu existieren. Bis dahin hatte es insgesamt 844 Jahre bestanden. Die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16.-19. Oktober 1813 besiegelte die Niederlage Napoleons.

Nach dem Intermezzo der hundert Tage wurde Napoleon auf St. Helena verbannt. Im Wiener Kongress von 1814-1815 versuchten Vertreter aus rund 200 europäischen Staaten,Herrschaften, Körperschaften und Städten eine dauerhafte europäische

Nachkriegsordnung zu erarbeiten. Ziel war es, zwischenstaatliche Gewalt zu vermeiden und mögliche Konflikte in Zukunft diplomatisch zu lösen.

In der Schweiz erhielten in einigen Kantonen nach der Völkerschlacht restaurative Kräfte wieder Auftrieb. In Bern übernahm am 23.12. 1813 wieder das Patriziat die Regierung und forderte die Kantone Waadt und Aargau auf, wieder unter die bernische Herrschaft

zurückzukehren. Anfang 1814 kam das Patriziat auch in Freiburg, Solothurn und Luzern wieder an die Macht. In dieser Zeit entbrannte aber auch ein Streit um einen neuen Bundesvertrag. Eine gemäßigte Partei, die die Mediationsverfassung reformieren wollte,

stand eine restaurative Partei gegenüber, die Machtverhältnisse der vorhelvetischen Ordnung wieder einführen wollte. Am 8.9. 1814wurde der neue Bundesvertrag verabschiedet und 3 Tage später Genf, das Wallis und Neuenburg als neue Kantone

aufgenommen. Der Wiener Kongress regelte am 20.03.1815 die Abfindungen und die Landesgrenzen. er anerkannte die 22 Kantone. Nachdem der 1. Pariser Frieden am 30. Mai 1814 nach dem Sturz Napoleons die Koalitionskriege vorläufig beendet hatte,

beendete der 2. Pariser Frieden vom 20.11. 1815 die Koalitionskriege definitiv. Wichtigstes Ergebnis für die Schweiz war,dass die unterzeichnenden Mächte die immer währende Neutralität der Schweiz anerkannten. Die Gebietsforderungen der Schweiz, unter

anderem war Konstanz gefordert worden, wurden nur zum kleinen Teil erfüllt. Der Schweiz wurden drei Millionen Francs Kriegsentschädigung zugesprochen. In der Zeit nach der europäischen Neuordnung erlebte die Schweiz 1816/17 die letzte schwere Hungersnot

ihrer Geschichte. Die Industrialisierung setzte ein. Die jährliche Spinnwarenproduktion steigerte sich zwischen 1814-27 von 680 auf 2800 Tonnen. In Rheineck wurde 1825 die erste mechanische Weberei eröffnet. In dieser Zeit begann auch die industrielle

Schokoladenproduktion. Parallel zur Industrialisierung entwickelte sich das Bankwesen. 1815 gab es in der ganzen Schweiz gerade 10 Banken, 1830 waren es bereits 74. In Bern wurde 1825 die erste Banknote ausgegeben.

Wichtige Passtraßen wurden ausgebaut. Das Verkehrswesen wurde leistungsfähiger und  auch der Tourismus nahm Aufschwung. Die wirtschaftliche Modernisierung untergrub die Fundamente der restaurativen politischen Ordnung. Gesellschaftliche Schichten, die

offen für liberale Ideen waren wurden gestärkt. Dieser Abschnitt der Restauration endet so um 1830. Die Modernisierung war auch von starkem Bevölkerungswachstum begleitet. Allerdings schafften es Industrie und Landwirtschaft nicht, diese Zunahme vollständig

zu absorbieren, was die traditionell vorhanden ländliche Armut zum Massenphänomen ausweitete.

Zurück zum Kloster Einsiedeln. Am 28. Dezember 1772 wurde Jakob Josef Müller als Sohn von Josef Jakob Müller und der Maria Anna Scherzinger in Schmerikon geboren. Schon sehr jung kam er in die Klosterschule nach Einsiedeln und schon mit 16 meldete er

sich als Novize Kloster an. Als Frater Cölestin legte er am 25. April 1790 legte er die Profess ab. Der päpstliche Nuntius Pietro Gravina (1794-1798) erteilte ihm am 11. September 1776 in Luzern die Priesterweihe.

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Er kam zunächst an die Klosterschule. Dann besetzten die Franzosen 1798 das Kloster und die Mönche mussten ins Exil. Zuerst kam er in Bludenz unter. Im November aber musste er weiter. Mit vier Mitbrüdern wandte er sich nach Bayern. Über Kempten,

Ottobeuren und Wessobrunn gelanget er nach Benediktbeuren. Da aber viele nicht in Benediktbeuren unterkommen konnte, musste er am 15. 12. 1798 weiterziehen. Im Professbuch steht, dass Pater Cölestin über München, Freising Landshut nach Asbach

kam und dort gute Aufnahme fand. Es müsste sich um Stift Adbach handeln, heute ein Ortsteil von Rotthalmünster. Das war ein kleines Kloster in der Nähe von Passau, das sich bis zu seiner Aufhebung eines ausgezeichneten Rufes erfreute. Dazu passt auch, dass er

vom Bischof von Passau, am 31. Dezember 1799 die Erlaubnis zur Ausübung der Seelsorge erhielt. Das war damals Bischof Leopold Leonhard von Thun, der letzte Fürstbischof von Passau. Es haben sich auch laut Professbuch Predigten aus Münchheim erhalten,

was auch Sinn macht, denn Münchham war eine Pfarrei, die seit 1338 dem Kloster Asbach inkorporiert war und aus Münchham kann leicht Münchheim werden, zumal wie das Professbuch vermerkt, näher Nachrichten fehlen. In Asbach blieb Pater Cölestin

von 1800 bis 1801 danach wanderte er weiter und kam auch nach Wien. Im Frühjahr 1803 kehrte er nach Einsiedeln zurück und wirkte dort zunächst als Unterpfarrer. Von seinen Mitbrüdern wurde er am 7. Oktober 1803 in die Kommission gewählt, die einen Plan

einer neuen Klosterordnung erstellen sollte.Zu Beginn des Jahres 1804 wurde die Klosterschule wiedereröffnet. Zunächst setzt Abt Beat Pater Anselm Zelger als Schulpräfekten ein. Er hatte am 31.8.1788 seine Profess abgelegt. Er war bei der Besetzung des Klosters

mit einigen Schülern nach St. Gerold geflohen. Zusammen mit Pater Dekan kam er am 29. November 1801 als erster wieder nach Einsiedeln zurück. Schon im Herbst 1804 nahm Pater Cölestin die Stelle von Pater Anselm ein. Pater Anselm war Lehrer für Theologie

und Philosophie von 1817 bis zu seinem Tode 1834 war er Statthalter. Pater Cölestin kümmerte sich sehr um die Schule. er gab auch ein Lehrbuch für den Rhetorikunterricht heraus. Wichtig waren ihm die Lateinkenntnisse seiner Zöglinge. Ab 5. Januar 1811

musste er die Stelle des Oberpfarrers in Einsiedeln übernehmen, da Pater Isidor Moser aus Altersgründen um seine Entlassung bat, was ihm 18.11. gewährt wurde. Pater Isidor hatte seine Profess 1759 abgelegt und insgesamt drei Mals als Pfarrer in Einsiedeln

gewirkt. Für Pater Cölestin war das Amt als Einsiedler Pfarrer eine wichtige Station, da er von Amts wegen mit Land und Leuten in Berührung kam und die Einsiedler Verhältnisse gut kennenlernte. Aber schon 1815 wurde er als Statthalter nach Sonnenberg gesandt.

Mit Sonneberg war auch Gachnang verbunden  und Pater Cölestin musste zwei weit auseinander gelegen Besitzungen verwalten. Den Anforderungen des Hungerjahrs zeigte er sich gewachsen. Auch erwies er sich als geschickter Verwalter und so Verwunderte

es nicht, dass nach dem Tod von Abt Konrad seine Mitbrüder ihn zum neuen Abt wählten. Abt Ambrosius Bloch von Muri  saß der Wahl vor. Papst Leo XII. (1823-1829) bestätigte die Wahl am 27. Junin 1825. Wegen der zu erwartenden Auslagen wollte der neue Abt

die Weihe zunächst nicht in Einsiedeln stattfinden lassen. Doch das Kapitel überredete ihn, die Weihe doch in Einsiedeln vorzunehmen.  Fürstbischof Karl Rudolf Graf von Buol-Schauenstein (1794-1833) nahm die Benediktion unter Assistenz der Äbte von

Rheinau Januarius Frey (1805-1831) und Pfäfers Plazidus Pfister (1819-1836) vor. Der Pfäferser Abt hielt die Festpredigt.

Als erstes hatte der neue Abt den Steuerstreit zu lösen. Beim Tode Abt Konrads war er gerade in der Schwebe.Am 26. Januar 1825 hatte der Kantonsrat die Verlängerung des Conveniums mit drei stimmen Mehrheit abgelehnt, aber auch beschlossen, einen

neuen “Subsidienvertrag” mit dem Stift abzuschließen. Der neue Abt schaltete sich persönlich in die Verhandlungen ein. Nach zähen Verhandlungen einigte man sich schließlich darauf, dass das Stift 200 Louisdor entrichten sollte, wovon die Hälfte dem ganzen

Kanton, die andere Hälfte dem Alten Land zu fallen sollte.

Was weiter zur Lösung anstand, war, wie man mit St. Gerold umgehen sollte. Mit Abt Konrad war der letzte “Pensionär” von St. Gerold gestorben. Der mit Österreich geschlossene Pachtvertrag lief 1825 aus. Es war die Frage, ob man Anstrengungen unternehmen

solle, diesen alten Stiftsbesitz wieder zu erwerben oder nicht. Die in Vorarlberg weilenden Patres waren überwiegen dafür, den Vertrag  Pachtvertrag nicht zu verlängern bzw. die Aufgabe der Propstei. Aber das eigens für diese Frage einberufenen Kapitel

entschied sich für eine Erneuerung des Vertrages auch unter dem Gesichtspunkt einer Zufluchtsstätte. Ein drittes Problem beschäftigte Abt Cölestin zu Beginn seiner Amtszeit. Das war die Wiedergewinnung des “Wiener Kapitals”. Wien hatte mittlerweile das

Zurechtbestehen der Forderung anerkannt. Dr. Römer aus Stuttgart hatte für das Stift verhandelt. Am Ende erhielt das Stift schließlich 78565 Gulden zurück. Ausgeliehen hatte es dem Kaiserhaus aber 300 000 Gulden. Darauf waren ja seit 1805 auch Zinsenangefallen.

Allerdings musste man in diesen Zeiten froh sein, überhaupt etwas zurück zu erhalten. Noch schlechter war es um Forderungen bestellt, die man  gegen den Bischof von Paris, den Grafen Fugger von Pappenheim und dem Fürsten von Schwarzenberg hatte.

Auf die 50000 Gulden, die schon 1764 an Schwarzenberg geliehen worden waren, erhielt man dann immerhin wieder regelmäßig Zinsen.

Am 19. November 1816 hatte Abt Konrad einen Vergleich mit den Einsiedlern abgeschlossen. Es ging dabei um die sogenannten drei dreizerteilten Güter, die so hießen, weil sie Allmende waren, also der Allgemeinheit zur Nutzung zur Verfügung standen,

das Stift aber Miteigentumsrecht beanspruchte und auch der Vogt ein mitsprachrecht hatte, wenn es zu Streitigkeiten zwischen den Nutznießern kam. Der Vergleich gewährte einen gleichberechtigten Anteil und regelte die Verteilung des jährlichen Ertrages

nach einer schon 1564 getroffenen Übereinkunft. Doch 1826 kam es zu Streitigkeiten. Bestrebungen liefen darauf hinaus, dem Kloster die Nutznießung der Allmendgüter und vor allem die Mitbestimmung über die Verwendung der aus den Gütern fließenden

Einnahmen zu entziehen. Abt Cölestin machte persönlich vor der Landgemeinde die Rechte des Stiftes geltend. Ein friedlicher Ausgleich war nicht  zu erreichen. So brachten beide Seiten die Sache vor den Landamman und den Rat von Schwyz.

Am 18. Februar 1829 anerkannte der Kantonsrat Miteigentums, Mitverwaltungsrechte und Mitnutzungsrechte des Klosters. Er setzte fest, dass eine eigene Behörde einzurichten sei, die vom Dorf und Kloster gestellt werde und von der Bezirksbehörde

vollständig unabhängig sein sollte. Da einige im Dorf damit nicht zufrieden waren und deshalb immer wieder Sand ins Getriebe streiten, so dass der Kompromiss nicht funktionieren konnte, wurden die Vorschläge von beiden Seiten am 7. Mai 1830

einer Landsgemeinde vorgelegt. Der Antrag des Klosters wurde abgelehnt. Falls dieses ablehnte sollte der Fall vor ein Kantonslandgericht gehen. Dazu kam es dann. Das Kloster akzeptierte schließlich einen Vergleich, die dreizerteilten Güter gingen an die

Gemeinde über. Das Kloster behielt nur den sogenannten Gärstlinsberg.Diese Lösung war allerdings nur von kurzer Dauer. Da der Kanton dringend Geld brauchte, wurde auch an das Stift die Forderung erhoben, eine jährliche Steuer zu entrichten. Der

Abt erklärte sich zu einer freiwilligen Abgabe bereit nicht aber eine jährliche Verpflichtung, da dafür keine gesetzlichen Vorgaben vorlagen. 1835 wurden schließlich die Genossengüter neu geregelt. Die Genossame erhielt nun privatrechtlichen Charakter, das heißt,

der Nutzen der Güter floss nicht mehr dem Gemeinwesen, sondern den Genossen zu. Das Stift erklärte sich bereit auf Forderungen von 15.000 Gulden zu verzichten und erhoffte sich im Gegenzug eine gütliche Lösung der Steuerfrage. Doch eine Lösung ohne Prozess

erschien immer schwieriger. Schließlich lenkte das Stift um des lieben Friedens Willen ein. Am 22. Januar 1837 einigte man sich auf einen Vergleich. Das Kloster musste den Gästlinsberg wieder abtreten aber ihm wurde ein Miteigentum an der Genossame im Sinne

des Vertrages von 1564 zugestanden. Damit war die Steuerfrage und die Frage der dreizerteilten Güter endlich geklärt.

Das Jahr 1830 war ein sehr unruhiges Jahr für den Kanton Schwyz. Das alte Land Schwyz hatte immer mehr versucht, seine alte Stellung geltend zu machen. Reichenburg hatte praktische eine Trennung von Einsiedeln vollzogen. Man drängte auf eine neue Verfassung

hin. In einem Memorial stellten die Bezirke Richtlinien für diese Verfassung auf. Am 26. April 1831 erschien die neue Staatsverfassung. Die Klöster wurden der Staatsaufsicht unterstellt. Sie hatten am Ort ihrer Niederlassung Beiträge zu den Bezirkslasten und

öffentlichen Anstalten zu leisten. Außerschwyzerische Novizen durften nur mit Erlaubnis des Kantonsrats ins Kloster aufgenommen werden. Sie unterstanden der Ortspolizei. Ankauf von Gütern und Kapitalien war ihnen untersagt. In Bezug auf Handel

und Gewerbe waren sie auf Hausbedarf und die Erzeugnisse ihrer Güter beschränkt. Weitere Unruhe verursachte der sogenannte Horn-und Klauenhandel. Es ging hier zunächst um eine Auseinandersetzung um die Nutzung der Allmend zwischen Besitzern

von Großvieh (Hornmännern) und Kleinvieh (Klauenmännern). Das weitete sich aber bald zu einer Auseinandersetzung zwischen konservativen (Hornmänner) und liberalen Kräften (Klauenmännern) aus und endete schließlich in einer handfesten Prügelei,

der sogenannten Prügellandsgemeinde vom 6.5. 1838 in Rothenturm Die eidgenössische Tagsatzung musste eingreifen und beschloss, dass eine weitere Kantonsgemeinde unter eidgenössischer Aufsicht abgehalten wurde. Diese fand am 22.7. 1838 statt. Die

Hornmänner siegten auf der ganzen Linie und hatten damit die Macht für die konservativen Kräfte auf Jahre hinaus gesichert.

Zwei weitere Ereignisse sind zu erwähnen. Am 21. April 1840 kaufte das Stift St. Gerold von der K.u.K.  Staatsgüterveräußerungskommission in Innsbruck. Von einem Erwerb der Herrschaft Blumenegg hatte man abgesehen. Ursprünglich hatte man gehofft,

damit den Erwerb von St. Gerold zu beschleunigen, hatte dies aber eher verzögert. Einen Rückschlag gab es dagegen beim Kloster Fahr. Seit der Helvetik hatte es als Exklave zum Kanton Aargau gehört. Zwar hatte der Kanton 1805 den Fortbestand der Klöster,

die in seinem Bereich lagen, garantiert, aber allmählich mischte sich die Staatsgewalt immer stärker ein. Im Aargau hatte es eine starke Bewegung für eine Verfassungsrevision gegeben. Am 5. Januar 1841 fand darüber eine entscheidende Abstimmung ab.

Die Katholiken unterlagen. In Solothurn war zu dieser Zeit Unruhen ausgebrochen. Klöster wurden als Urheber der Unruhen bezichtigt und man verlangte die Aufhebung der Klöster. Am 15. Januar erschien eine bewaffnete Abteilung vor dem Kloster und verlangte

von den Frauen, das Kloster innerhalb von 8 Tagen zu verlassen. Zwar setzte sich Einsiedeln sofort juristisch zu Wehr und legte Protest bei der Tagsatzung ein. Es dauerte dann aber zwei Jahre, bis die Frauen unter Bedingungen wieder zurückkehren konnten.

Die Regierungszeit von Abt Cölestin war alles andere als ruhig. Wie ernst er manchmal die Lage sah, zeigt auch, dass er sich von dem Bayernkönig Ludwig (1825-1848) die Zusicherung geben lassen hatte, dass man sich im Falle der Vertreibung in einem aufgelassenen

Kloster in Bayern niederlassen konnte.

Ein großes Augenmerk legte er natürlich auf das Schulwesen, was ihn bei den Umbrüchen natürlich auch besonders forderte. Und wie allen Äbten in Einsiedeln stand natürlich die Wallfahrt im Vordergrund. In der Schweizer Benediktinerkongregation war zum 1.

Visitator gewählt worden. Die Lage vieler Klöster war nicht rosig. Päfers ging dem Untergang entgegen. Rheinau im Kanton Zürich und Fischingen im Kanton Thurgau bereiteten Kummer. in Muri im Aargau waren die Mönch vertrieben worden

und fanden in Gries bei Boten eine neue Heimat.

In Bayern wurden nach der Säkularisation Benediktinerklöster wieder besiedelt. Einsiedeln unterstütze diesen Prozess tatkräftig. Am 16. Dezember 1834  wurde in Augsburg St. Stephan als Benediktinerkloster von  König Ludwig I. neu gegründet.

Bis zur Säkularisation war es ein freiweltliches adeliges Damenstift. St. Stephan wurde Mutterkloster für die Priorate Metten und Ottobeuren. Von Metten aus wurden weitere ehemalige Benediktinerklöster wie das Kloster Scheyern (1838), das Kloster

Weltenburg (1842) und Andechs (1846) und 1850 schließlich St. Bonifaz in München wiederbesiedelt. Mit Zustimmung des Kapitels sandte Abt Cölestin Pater Gregor Waibel (Profess 1807) und Pater Meinrad Kälin (Profess 1807)nach Augsburg. Pater Gregor wurde

Prior und Pfarrer in Ottobeuren. Für ihn war es auch so etwas wie eine Rückkehr, denn er hatte 1805 in Ottobeuren Rhetorik studiert.Pater Gregor blieb bis 1839 in Ottobeuren. Pater Meinrad wirkte als Professor in Augsburg, war im neuen Kloster von 1835 Subprior

bis 1839 und danach Prior bis 1845. In Augsburg war er auch Mitglied des polytechnischen Vereins des Oberdonaukreises. 1845 kehrte er in die Schweiz zurück. Auch Kolumban  Mösch (Profess 1827) war von 1835 bis 1844 in Ottobeuren. Franz Sales Müller (Profess

1811) war von 1839 bis 1846 als Pfarrer in Ottobeuren. Pater Ambros Röslin (Profess 1824) wurde 1839 als Lehrer nach St. Stephan in Augsburg geschickt, wo er bis 1848 tätig war. Danach kehrte er wieder nach Einsiedeln zurück. Vom Stift Muri unterstütze Pater

Reginbold Reimann die Bemühungen der Benediktiner in Bayern. Auch um mithilfe zur Wiedererrichtung des Stifts Weltenburg bat man Einsiedeln um Hilfe. Die politischen Unwägbarkeiten ließen auch über eine Klostergründung in Galizien nachdenken.

Das Projekt wurde aber nicht weiter verfolgt.

Am 25. April 1840 konnte der Abt sein goldenes Professjubiläum feiern. Seine Gesundheit aber ließ nach. Mehrmals suchte er Bäder auf. 1845 stellten sich starke Schmerzen ein. Er hatte ein krebsartiges Beinleiden. Am 26. März 1846 verstarb er.

Am 23. April 1846 wurde mit Heinrich Schmid ein neuer Abt gewählt. Es war der 50. in der Reihe der Einsiedler Äbte. Schon im ersten Wahlgang erreichte er die erforderliche Zahl der Stimmen.

Abt Heinrich

Heinrich Schmid kam am  17. Februar 1801 als Sohn der Bauern Heinrich Schmid und Maria Verena Bütler in Baar zur Welt. Dort besuchte er die Schule und wechselte dann 1814 auf das Städtische Gymnasium nach Zug. Von Herbst 1818 an besuchte

er die Klosterschule in Einsiedeln.1819 begann er mit dem Noviziat und seine Profess legte er am 22. Oktober 1820 zusammen mit Pater Gallus Morel und Pater Athanas Tschopp ab.

Im Zusammenhang mit Konstanz wurde oben die Bulle Provida sollersque vom 16. August 1821. In Württemberg wurde Rottenburg zum Bischofssitz erhoben . Interessanterweise erteilte der erste Bischof von Rottenburg Johann Baptist von Keller

(1821-1828) dem späteren Abt die Priesterweihe. Nach seiner Primiz wurde er als Mathematiklehrer an der Klosterschule eingesetzt. Er ging auch Pater Josef Tschudi (Profess 1810) zur Hand, der von 1819 bis 1832 Stiftsarchivar war. Als Pater Josef 1832

Statthalter in Pfäffikon wurde, war es nur folgerichtig, dass Pater Heinrich ihm im Amt folgte. Die Stelle des Archivars wurde immer als Vorstufe zur Tätigkeit eines Verwalters einer Klosterökonomie betrachtet. Auch die Ernennung zum Stiftsstatthalter

1839 wirkte so logisch.Die Tätigkeit als Archivar hatte für Heinrich den praktischen Vorteil, dass er sich in die Rechte und Befugnisse und die Nutzungsanteile der Allmende gut einarbeiten konnte. Als Statthalter kümmerte er sich vor allem um die Stiftswaldungen.

1831 veranlasste er eine Bestandsaufnahme aller Wälder. Er sorgte für die Verbesserung der Bodenkultur. Er erliess genaue Anweisungen zur Schonung des Jungholzes und darüber wo und wie Holz geschlagen werden darf. Diese Massnahmen kann man als Beginn

einer “modernen” Forstwirtschaft sehen.Die Güter des Stifts wurden ebenfalls vermessen.

Auch auf die Pferdezucht im Stift richtete er sein Augenmerk. Schon 1784 hatte Pater Isidor Moser (Profess  1759) in seiner Zeit als Statthalter in Einsiedeln von 1782-1787  das Gestütsbuch des Kloster Einsiedeln begründet.

Pater Heinrich führte nun zur Blutauffrischung der Einsiedler Pferdezucht die sogenannte englische Rasse im Marstall ein. 1840 wurde ein Zuchtbuch angelegt.

In der Verwaltung sorgte er für eine bessere Buch-und Geschäftsführung. Auch als Baumeister war er tätig. Er baute das Pfarrhaus in Schnifis. Das Schulhaus in Einsiedeln wurde unter seiner Leitung und nach seinen Plänen erbaut.

Als es im November 1846 bezogen werden konnte, war Heinrich bereits Abt. In den letzten Regierungsjahren Abt Coelestins war er bereits dessen wichtigste Mitarbeiter gewesen und so war es klar, dass er zu dessen Nachfolger gewählt wurde. Die Bestätigung

durch den Papst verzögerte sich allerdings, da Papst Gregor XVI. am 1. Juni verstarb. Sein Nachfolger wurde Pius IX. (1846-1878). Diese erfolgte am 27. Juli 1846. Die Weihe nahm Nuntius Alessandro Macioti (1845-1848) unter Assistenz des  Bischofs von Chur

Kaspar von Karl (1844-1859) sowie des Abtes von Engelberg Eugen von Büren (1822- 1851) vor. Zusammen mit Heinrich wurde auch der neugewählte Abt von Dissentis Anselm Quinter (1846-1858) geweiht.

Am Anfang der Regierung Abt Heinrichs fand die letzte militärische Auseinandersetzung auf dem Gebiet der Schweiz statt, der Sonderbundskrieg. Es war ein Bürgerkrieg, der von 3. bis 29. November 1847 dauerte. In den Jahren 1844 und 1845 fanden die

Freischarenzüge statt. In Luzern hatten die Konservativen unter Josef Leu und Constantin Siegward-Müller einen von ihnen initiierte Verfassungsrevision durchgesetzt und den Sieg davon getragen. Darauf hin forderten sie von der Tagsatzung, dass der Kanton

Aargau gezwungen werde, die im Rahmen des Aargauer Klosterstreits (s.o. Kloster Fahr) die aufgehobenen Klöster wieder herzustellen. 1843 erklärte der Kanton nur die Frauenklöster wieder her zustellen. Daraufhin fassten  die katholischen Kantone

Luzern, Uri, Zug, Schwyz, Obwalden, Nidwalden und das Wallis den Beschluss, sich von der Eidgenossenschaft zu trennen, falls der Kanton Aargau, die Klöster nicht wieder vollständig wieder herstelle. Der Kanton Aargau vermutete, dass die Jesuiten dahinter

steckten und forderte, dass diese aus der Schweiz ausgewiesen würden. Im Wallis wurden die Liberalen gewaltsam nieder geworfen. Der Kanton Luzern berief Jesuiten an die Höheren Lehranstalten von Luzern. Das konfessionalisierte die politische

Auseinandersetzung zwischen dem liberal-radikalen und konservativen Lager. Freischaren versuchten die Regierung in Luzern zu stürzen, scheiterten aber in zwei Angriffen. Der konservative Politiker Josef Leu wurde am 20. Juli 1845

erschossen. Dies und die Furcht vor weiteren Freischarenzüge veranlasste die konservativen Kantone, einen förmlichen Bund zu schließen. Als die Beschlüsse bekannt wurden, beantragte Zürich im Sommer 1846, den Bund gemäß Bundesvertrag für

aufgelöst zu erklären. Im Juli 1847 waren in Genf und St. Gallen die Liberalen an die Macht gekommen. Nun wurde eine Revision des Bundesvertrags und eine Ausweisung der Jesuiten beschlossen.Die Sonderbundskantone vertrauten auf die Hilfe Frankreichs und

Österreichs blieben  Mahnungen und und Vermittlungen unzugänglich und rüsteten. Am 4. November 1847 entschied die Tagsatzung in Bern auf Waffengewalt. Sonderbundstruppen fielen am 3. November ins Tessin ein. Am 12. November unternahmen sie einen

Vorstoß ins aargauische Freiamt. Der General der Sonderbundstruppen  Johann Ulrich von Salis-Soglio kam am 27. September in Einsiedeln an. Er machte dem Abt seine Aufwartung und logierte im Kloster. Ab 11. November rückten die eidgenössischen

Truppen mit 100 000 Mann unter General Guillaume-Henri Dufour rückten gegen die Sonderbundskantone vor. Am 11. November kapitulierte Freiburg. Die Truppen der  Sonderbundskantone wurden am 23. November geschlagen. Daraufhin kapitulierte Luzern

und wurde besetzt. Am nächsten Tag kapitulierten die übrigen innerschweizer Kantone des Sonderbunds. Abt Heinrich hatte Kunde vom Fall Luzerns erhalten und begab sich am 25. November zum Kommandeur  der Schwyzer Truppen Alois von Reding nach

Biberbrück. Er machte die aussichtslose Lage klar und riet dringend, einen Waffenstillstand einzugehen. Dieser kam zustande und wurde am 27. November vom Schwyzer Volk angenommen.

Der Sonderbundskrieg hatte 150 Menschen das Leben gekostet und 400 Verletzte gefordert. In den besiegten Kantonen wurden Verfassung und Regierungen im liberalen Sinne revidiert. Die Kriegskosten mussten von den Verlierern durch hohe Reparationen

beglichen werden. Am 28. November erschien Oberstbrigadier Blumer und nahm mit seinem Stabe im Kloster Quartier.  Im Dorf waren rund 1000 Mann stationiert.  Die Einquartierung dauerte vom 28. November 1847 bis 11. Februar 1848. Die Kosten für Verpflegung

und Einquartierung beliefen sich auf 40.000 Gulden, für die das Kloster aufkommen musste.Schwieriger war die Lage im Kanton Schwyz. Das Kloster hatte sich bereit erklärt, die Hälfte der Kriegsschulden, das waren immerhin 110.000 Franken freiwillig zu

übernehmen. Das war dem Kanton noch nicht genug, am 30. Oktober nahm der Kantonsrat die Verteilung der Lasten zwischen Kanton und Kloster vor. Dem Kloster wurde die Hälfte der Staatsschulden, das waren 2269.83 Franken. Gleichzeitig wurde der Verkauf

von Liegenschaften untersagt. Doch die Herrschaft Gachnang im Thurgau, die man 1632 erworben hatte, musste aufgegeben werden.

Auch Bellenz ging verloren. 1852 hatte die Regierung im Tessin einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Aufhebung aller männlichen Orden vorsah. Auch die Residenz in Bellenz war auf der Liste der aufzuhebenden Klöster. Zwar machte Probst Pius Regli

(Profess 1812) die Regierung darauf aufmerksam, dass die Residenz kein Kloster darstelle. Ohne Erfolg. Am 28. Mai 1852 nahm der Große Rat den Aufhebungsantrag mit einer Stimme Mehrheit an. Der Probst wurde dann vom Kloster beauftragt,

den Prozess gegen die Tessiner Regierung wegen der Güter, die dem Kloster gehörten, zu führen. Er wurde am 26. Oktober 1855 schiedsgerichtlich entschieden. Dem Kloster wurde die Residenzbibliothek sowie eine Entschädigung von 40.000

Franken zugesprochen. Das Kloster hatte aber in 175 Jahren rund 175.000 Franken eigene Mittel aufgebracht.

Der Sonderbundskrieg und seine finanziellen Folgen, aber auch die Vorgänge in Bellenz, haben die unsichere Lage der Schweizer Klöster deutlich gemacht. Der Gedanke in der Neuen Welt eine Niederlassung zu schaffen, war nachvollziehbar, Der Anstoß kam

allerdings aus den USA selbst.

1822 war in Lyon basierend auf den Ideen und initiiert von Pauline Jaricot das Werk der Glaubensverkündung gegründet worden. Das Werk verbreitete sich rasch in Europa. Von 1846 bis 1850 war damals Pater Gallus Morel in der Schweiz Präfekt des

Werkes. Nachdem Der Strom europäischer Einwanderer und darunter eben auch vieler deutschsprachige wurde das Problem der seelsorgerischen Betreuung dieser Menschen immer drängender. Zwar hatte das wiedergegründete Benediktinerkloster

Metten und vor allem der aus Metten kommende Pater Bonifaz Wimmer sich intensiv um Amerika gekümmert. Pater Bonifaz war auch Begründer des benediktinischen Mönchtums in Amerika. Wie wir oben gesehen haben, begann sich benediktinisches

Leben nach den Klosteraufhebungen der Säkularisation gerade wieder zu entfalten. Da waren einfach noch nicht genug Kräfte für eine umfassende Missionstätigkeit in Übersee frei.

1847 wandte sich nun John Henni an den Präfekten der Glaubenskongregation, Gallus Morel. John Henni war seit 1843 Bischof in Milwaukee. Er stammte aus Obersaxen in Graubünden. Der Zeitpunkt der Anfrage war allerdings nicht sehr günstig,

denn es war ja die Zeit des Sonderbundkrieges. 1852 erneuerte der Bischof seine Bitte. Ein Pater sollte kommen und schauen, wo eine Benediktinerniederlassung gegründet werden könne. Das sollte bald geschehen, da die Grundstückspreise im Steigen

begriffen waren. Allerdings hatte kurz zuvor der Bischof Jacques Maurice de St. Palais (1849-1877) von der amerikanischen Diözese Vincenne in Indiana Gelegenheit mit Abt Heinrich persönlich zu sprechen. 1851 war der Bischof in Rom und kam auch nach

Einsiedeln. In der erst 1834 gegründeten Diözese lebten etwa 4000 Katholiken, verteilt auf 50.000 Quadratmeilen. Die Zahl war ständig im Steigen begriffen und der überwiegende Teil der Gläubigen war deutschsprachig. Nur 3 Priester standen dem

Bischof zur Seelsorge zur Verfügung.  Abt Heinrich war zu der Zeit mit dem Ausbau der Schule der Schule beschäftigt und auch die finanziellen Nachwirkungen der letzten Jahre lasteten noch auf dem Kloster. Im Folgejahr kam der Generalvikar der

Diözese Pater Joseph Kundek (1810-1857) nach Einsiedeln. Pater Joseph Kundek war kroatischer Priester, der deutsch sprach. Er tat viel für die Ansiedlung deutscher Einwohner. Er gründete Siedlungen. Ferdinand war das erste komplette deutsche Dorf, das er

gründete. Dann folgte Fulda und Celestine. In Einsiedeln hatte sich die Lage inzwischen geändert. Die Regierung im Tessin hatte gerade die Residenz in Bellenz aufgehoben. Dadurch wurden Kräfte frei. Und es lief ja auch ein Prozess gegen die Tessiner Regierung.

Vielleicht erhoffte man sich auch daraus finanzielle Mittel zu bekommen, um ein  solches Unternehmen finanzieren zu können. Der Abt und der Konvent gaben also die Zustimmung zu einer Gründung in der Neuen Welt. Natürlich wurde der Plan auch dem

Papst vorgelegt. Pater Gallus Morel stellte das Vorhaben in Rom persönlich vor. Die geplante Klostergründung sollte auch der Erziehung von Weltgeistlichen dienen. Kardinal Fransoni, seit 1834 Präfekt der Kongregation De Propaganda fide, teilte am 22.

November 1852 mit, dass Papst Pius das Werk lobe. Auch dem Werk der Glaubensverbreitung in Lyon wurde das Projekt vorgelegt. Die finanzielle Hilfe des Werks sah der Abt auch deswegen für wichtig an, dass in der Schweiz nicht der Gedanke aufkomme, man

verlagere Klostervermögen aus der Schweiz nach Amerika. Der Abt schickte Pater Karl Brandes (Profess 1832 in Solesmes, erneuert in Einsiedeln 1850) nach Lyon. Seine Mission war erfolgreich, wobei ihm vielleicht seine Zeit in einem französischen Kloster half.

Das Werk sicherte eine Unterstützung von 12 bis 15000 Franken zu, nur noch der Zentralrat in Paris müsse zustimmen. Nun holte Abt Heinrich auch die Zustimmung des Kapitels ein. Diese wurde am 19. November 1852 gegeben. Nun wählte der Abt aus den Patres,

die sich freiwillig gemeldet hatten, zwei aus. Das war einmal Pater Beda O’Connor, ein gebürtiger Ire, der als Knabe nach Einsiedeln kam und praktisch kein Wort deutsch konnte. Das lernte er in Einsiedeln natürlich rasch. Seine Profess legte er 1847 ab.

In Einsiedeln unterrichte er Englisch. Für seine neue Aufgabe war er dank seiner Sprachkenntnisse natürlich bestens gerüstet. Er wurde begleitet von Pater Ulrich Christen (Profess 1832).

Pater BedaPater Ulrich

Pater Beda war ab 1886 Kanzler des Bischofs von Vincennes, ab 1870 war er dessen Generalvikar. Abt Heinrich ernannte ihn 1871 zum Apostolischen Notar. Er verstarb mit erst 50 Jahren in Terrehaute.

Pater Ulrich war erst an der Kirche St. Joseph in Jasper, danach an der Ferdinandskirche in Ferdinand und schließlich an der Maria Hilfkirche in Dubois. Er 1865 wieder nach Einsiedeln zurück. Schon im April 1835 hatte Pater Ulrich

1400 Juchart Landgekauft, was den Abt doch etwas aus der Fassung brachte. Er beruhigte sich erst wieder nach einem Schreiben des Bischofs und Pater Kundeks. Der Kauf erwies sich aber als sehr vorteilhaft, den er aber vorbehaltlich der Zustimmung

des Kapitels gemacht hatte. Die Zustimmung wurde erteilt. Bischof und Generalvikar hatten weiteres Land geschenkt. Am 21. März 1854 wurde die klösterliche Niederlassung eröffnet, die man unter das Patronat St. Meinrads stellte.

Die Niederlassung war um weitere zwei Patres verstärkt worden, nämlich Pater Hieronymus Bachmann (Profess 1818). Er war zweimal in USA, erstmals von 1853 bis 1854 und dann nochmals 1855 für zwei Jahre. Mit Pater Hieronymus ging Pater Eugen Schmerzmann

nach Amerika.  Er gehörte zwar dem Stift Engelberg an, half in der Zeit aber als Lehrer in Amerika aus. Pater Eugen war der erste Pater, der in Amerika verstarb und zwar im Jahr 1854. Ihnen folgten Pater Athanasius Tschopp (Profess 1820) und Pater Johannes

Chrysostomus Foffa (Profess 1851). Pater Athanasius war für ein Jahr ab 1855 als Prior von St. Meinrad in Amerika. Pater Johannes Chrysostomus war zweimal in Amerika, einmal von 1855-1871 und ein zweites Mal für 10 Jahre 1875 bis 1885. Da war er dann Pfarrer in

Belleville. Die Unternehmung in Amerika erwies sich als glückhaft. Doch bereitete die Verschuldung der neuen Niederlassung dem Abt zunehmend Sorgen und er meinte dieser Entwicklung durch eine teilweise Liquidation des Besitzes entgegen wirken zu

müssen. Bischof Jaques Maurice de Palais reiste 1859 extra nach Einsiedeln und erreichte, dass man die Lage von St. Meinrad zuhause nun doch günstiger beurteilte. Der Bischof erhielt auch zwei neue Hilfskräfte die für St. Meinrad wichtige Impulse brachten.

Pater Martin Marty hatte sein Studium bei den Jesuiten in Freiburg begonnen. Als die Jesuiten 1848 dort vertrieben wurden, ging er nach Einsiedeln. 1855 legte er dort seine Profess ab. In Einsiedeln war er Professor für Moraltheologie. Vom Abt wurde er 1860 nach

St. Meinrad nach Amerika gesandt.  1865 wurde Prior. Seiner geschickten Leitung war es zu verdanken, dass das Priorat zur selbstständigen Abtei erhoben wurde und Pater Martin wurde der erste Abt. 1876 ging Abt Martin zu den Sioux-Indianern.

Er wurde “zum Apostel der Sioux-Indianer” und war einer der bedeutendsten Missionare seiner Zeit. Er wurde zum Titularbischof von Tiberias ernannt. Er legte 1879 die Abtswürde nieder. Ihm wurde die Indianermission anvertraut und er war sämtliche Katholiken

des Riesengebietes anvertraut. 1889 wurde das Territorium von Dakota in die beiden Staaten Nord-und Süddakota aufgeteilt. Auch die kirchliche Aufteilung folgte. Martin Marty wurde der erste Bischof des neuen Bistums Sioux Falls. Bischof Martin verstarb

1896 mit 63 Jahren. Mit Pater Marin war Pater Fintan Mundwiler (Profess  1855) nach Amerika gegangen. Er wurde der erste Prior der zur Abtei erhobenen Niederlassung und als Abt Martin zum Bischof erhoben wurde, wählten seine Mitbrüder den

bisherigen Prior zum Nachfolger des bisherigen Abtes. Abt Fintan wurde 1855 der erste Präses der Schweizerisch-Amerikanischen Benediktinerkongregration. Auch er verstarb mit 63 am 14. Februar 1898 in St. Meinrad in Amerika.

Zurück nach Europa. Abt Heinrich war ja gleich am Tag nach seiner Weihe bestellten ihn die Äbte der Kongregation zu ihrem Präses. Am 28. Oktober 1846 brannte das Kloster Dissentis nieder.Dem Wiederaufbau folgte eine drückende Schuldenlast.

Der Kanton Graubünden stellte das Kloster unter Staatsaufsicht. Das kantonale Klostergesetzes von 1861 verhinderte die Novizenaufnahme. Das Kloster geriet an den Rand des Untergangs. Als Abt Anselm 1859 verstarb, blieb der Abtsstuhl zunächst mal unbesetzt.

Abt Heinrich wurde zum Apostolischen Administrator der Abtei bestellt. Abt Heinrich sandte Patres aus Einsiedeln nach Disentis um die Dinge dort zu bessern, allerdings kaum mit Erfolg da man dort “von Fremden” nichts wissen wollte.

Am 15. Juli 1859 ernannte Papst Pius IX. Pater Georg Ulber zum Abt von Dissentis.Pater Georg hatte 1840 seine Profess in Einsiedeln abgelegt. Er verhandelte nun mit der Regierung in Graubünden. Doch die erzielte Übereinkunft wurde von Rom nicht angenommen.

Daraufhin verzichtete Pater Georg auf die an ihn ergangene Berufung. Nun wurde Placidus Tenner vom Nuntius zum Oberen, nicht zum Abt ernannt. Abt Heinrich hatte auch wegen der politischen Lage seine Stelle als Apostolischer Administrator

niedergelegt. Nun ernannte Rom den Bischof als apostolischen Delegaten für Disentis, mit dem Recht, Obere nach eigenem Gutdünken einzusetzen. Davon machte Bischof Nikolaus Franz Florentini (1859-1876) und bestellte Paul Birker als Abt von Disentis

Abt Paul war am 27. August 1847 von König Ludwig I. als erster Abt von St. Bonifaz in München ernannt worden. Er hatte sehr strenge Vorstellungen von mönchischer Askese und Klosterleben. In seinem Konvent konnte er sich damit nicht durchsetzen und trat

1854 zurück. Er war ein anerkannter Schulmann. Deshalb bemühte er sich in Disentis vor allem um die Hebung des Schulwesens, auch um die Regierung in Graubünden günstig zu stimmen. Unterstützt wurde er in seinem Bemühen durch Kapitularen aus Einsiedeln.

Seine Regierung war aber nicht sehr glücklich und so dankte er 1877 auch in Dissentis ab. Bessere Zeiten für Disentis gab es erst, als ein Stimmungsumschwung im Volk und der Regierung für ein besseres Umfeld gesorgt hatten.

Im Thurgau war die Meinung vieler Politiker Klöster seien  „jedem gemeinnützigen Wirken fremd geblieben“.  Staatliche Klösterverwalter wurden eingesetzt. Man beschloss, dass Novizenaufnahme bewilligt werden musste oder ganz oder

sie wurde gleich ganz verboten. 1848 beschloss der Große Thurgauer Rat alle Klöster bis auf eines aufzuheben, das dann 1869 auch noch folgte. Dies betraf die Klöster Augustiner-Chorherrenstift St. Pelagius Bischofszell (seit etwa 850),

Augustiner-Chorherrenstift St. Ulrich und Afra Kreuzlingen (seit 968), Benediktinerinnenkloster Münsterlingen  (seit etwa 1100)

Bendiktinerkloster Fischingen (seit 1135), Zisterzienserinnenabteien Feldbach (seit 1253), Kalchrain (seit 1330) und Tänikon (seit 1249)*

Kartäuserkloster Kartause Ittingen (seit 1461, zuvor Augustinerkloster),Kapuzinerkloster Frauenfeld (seit 1559)

und 1869 Dominikanerinnenkloster St. Katharinental

Für Rheinau hatte der Züricher Rat 1835 das Verbot der Novizenaufnahme beschlossen und damit das Kloster zum Aussterben verurteilt. 1874 wurde Kloster Mariastein vom Kanton Solothurn aufgehoben.

Damit existierten in der Schweiz nur noch drei Benediktinerklöster als Abt Heinrich starb.

Am 8. September 1869 wurde in Rom das 1. Vatikanische Konzil eröffnet. Auch Abt Heinrich war zu diesem Konzil berufen worden und nahm daran teil. Zusammen mit Prior Martin Marty von St. Meinrad und Pater Georg Ulbers, der ja in Disentis hätte Abt werden

sollen reiste man nach Loreto und Assisi. Zum St. Benediktsfest in Monte Cassino 1870 hielt Abt Heinrich das Pontifikalamt. Wichtigstes Ergebnis des Konzils war das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes bei “endgültigen Entscheidungen in

Glaubens-und Sittenlehrern.” Das führte mancherorts zu heftigen Reaktionen. Österreich kündigte ein 1855 geschlossenes Konkordat. Es kam zu Kirchenabspaltungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die altkatholische Kirche, in der Schweiz

Christkatholische Kirche. die Gemeinschaft selbständiger katholischer Kirchen ist in der Utrechter Union zusammengeschlossen. Das Erzbistum Utrecht ist die älteste altkatholische Kirche und seit 1723 von Rom unabhängig.

Abt Heinrich konnte im Jahr 1870 auch sein goldenes Professjubiläum feiern.

Abt Heinrich verstarb am 28. Dezember 1874.

Abt Basilius

Am 28 Dezember 1821 kam Abt Basilius als Johann Anton Oberholzer auf dem Gut Buchholz bei Uznach zur Welt. Seine Eltern waren die Bauersleute Alois Oberholzer und Anna Bochsler. Er besuchte die Schule in Uznach. Dort wurde er schon früh

als Sänger geschult. Er erlernte auch das Orgel-Klavier-und Geigenspiel. Danach besuchte er eine Art Höhere Realschule. Ab Herbst 1835 besuchte er die Klosterschule in Einsiedeln. Seine musikalischen Talente wurden dort gefördert.

Irgendwann aber sagt ihm das nicht mehr zu und er wollte das Studium nach der sechsten Klasse aufgeben. Sein Vater hatte sich nach einem Platz in einem Handelshaus in St. Gallen für ihn umgesehen. Auf dem dahin besann er sich aber eines anderen

und kehrte nach Einsiedeln zurück und meldete sich dort für das Noviziat an. Er wiederholte die 6. Klasse und beschäftigte sich viel mit Musik. Im September 1845 legte er als Frater Basilius die Profess ab. Er studierte Theologie und wurde am 19. September 1846

zum Priester geweiht. Nach seiner Primiz wurde er dem Präfekten und Rektor am Gymnasium Pater Rupert Ledergerber zur Seite gegeben um in den Ferien die Studenten zu überwachen und Unterricht in Gesang und Musik zu geben. Im neuen Schuljahr

unterrichtete er an zwei Klassen Mathematik, in der ersten Klasse Griechisch. Daneben übernahm er noch eine Zahl Gesangs-und Musikstunden. Als 1848 die Schule vergrößert wurde, bestellte ihn der Abt zum Vizepräfekten.

Von 1846 bis 1850 war er auch Vizekapellmeister. Er war ein ausgezeichneter Musikant und konnte die meisten Instrumente spielen. Er war ein sehr guter Lehrer und kam mit dem ihm anvertrauten jungen Leuten bestens klar.

Am 22. Dezember 1858 bestellte ihn Abt Heinrich zum Stiftsküchenmeister. Das sollte die Vorbereitung zum Statthalter in Pfäffikon sein. Diesen Posten musste er am 14. Mai 1859 antreten. Er ging nur ungern von Einsiedeln weg. Er wurde oft von seinen

ehemaligen Studenten aber auch Mitbrüdern in Pfäffikon besucht. An seinem neuen Platz aber arbeitete er sich gut ein und verwaltete den Betrieb in Pfäffikon bestens. Als sich der Gesundheitszustand von Abt Heinrich zunehmend

verschlechterte, kam auch ihm das Gerücht zu Ohren, er werde in Einsiedeln als neuer Abt gehandelt. Er eilte sofort nach Einsiedeln, um Abt Heinrich zu bitten, ihn unverzüglich nach Amerika zu schicken. Als er in Einsiedeln ankam, stand es schon so schlecht

um Abt Heinrich, dass er seine Bitte nicht mehr vorbringen wollte.

Am 13. Januar 1875 wählten in seine Mitbrüder zum neuen Abt. Die Weihe nahm Weihbischof Kaspar Willi von Chur an, der ja auch dem Orden der Benediktiner angehörte. Laut Professbuch assistierten ihm die Äbte von Rheinau und Engelberg.

Für Engelberg war das Abt Anselm Villiger (1866-1901). Für Rheinau müsste das der letzte Abt Leodegar Inneichen gewesen sein. Allerdings war das Kloster ja 1862 aufgehoben worden und in eine kantonale Heil-und-Pflegeanstalt umgewandelt worden.

Auch müsste das kurz vor seinem Tod gewesen sein. denn Abt Leodegar verstarb 1876.

Als Schulmann lagen ihm natürlich die Schulen am Herzen. Ein großer neuer Schlafsaal wurde gebaut. Dazu kamen sanitäre Anlagen. Die Schule bot nun 130 Schülern Platz. 10 neue Musikzimmer wurden eingerichtet.

Er sandte seine Mönche auch an Hochschulen in Rom, Leipzig, Berlin, München und Tübingen.1880 hatte er  Columban Brugger, seinen Späteren Nachfolger zum Studium nach Karlsruhe geschickt. Das zeugt für Offenheit und Weitsicht des Abtes.

Die Gründung des Polytechnikums Karlsruhe erfolgte durch Großherzog Ludwig von Baden  am 7. Oktober 1825 in seiner Residenzstadt. Es war eine der erste Hochschulen dieser Art in Deutschland. Ihr Bildungsangebot lässt auf den ersten Blick nicht

unbedingt  auf ein klösterliches Profil zu passen, zeigt aber, dass der Abt die besonderen Begabungen seiner Mönche im Blick hatte und sie förderte.

Als seinen Nachfolger in Pfäffikon schickte Abt Basilius Pater Dominikus Matter (Profess 1863) Am 7. Februar 1875 wurde Pater Dominikus Statthalter in Pfäffikon. Dort blieb er bis zum 30. Dezember 1922. Im darauffolgenden April verstarb er im Alter von 85 im

Kloster. Schon von Beginn seiner Regierungszeit an versuchte er den Betrieb im Kloster rationeller zu gestalten. Eine Reihe landwirtschaftlicher neuer Maschinen wurde erworben. Die Torfgewinnung wurde 1877 auf maschinellen Betrieb umgestellt.

Im Kloster wurde 1876 eine für die damalige Zeit moderne Dampfheizung errichtet, die danach 50 Jahre ihren Dienst versah. Das war zunächst gegen den Widerstand einiger Konventualen erfolgt, die Unannehmlichkeiten wegen der Bauarbeiten befürchteten.

Stiftsstatthaler war von  1869 bis 1895 Pater Raphael Kuhn (Profess 1847). Er hatte einiges unternommen, um seine Mitbrüder von den Vorzügen einer Dampfheizung zu überzeugen. Wichtigstes Argument war für ihn die Verminderung der Brandgefahr. Denn im

Kloster fielen durch die Dampfheizung “100 Feuerherde” weg. Er lobte die Vorzüge der Dampfkraft. Er plante damit den Betrieb einer Mühle, einer Säge, einer Dampfwäscherei, ja sogar einer Dampfküche und einer Badeanstalt für die Mönche. Die

Technikbegeisterung von Pater Raphael kam nicht von ungefähr. Den er in Kremsmünster ab September 1850 ein Jahr Physik studiert. Danach unterrichtete er in Einsiedel bis 1869 Physik und Astronomie. 1867 besuchte er die Weltausstellung in Paris.

1663 hatte Abt Plazidus Reimann eine neue wasserbetriebene Säge an der Alp erbauen lassen. Beim Klosterneubau leistete die Sägerei wertvolle Dienste. Allerdings war sie so baufällig geworden, dass sie 1787 durch einen Neubau ersetzt wurde.

Anfang des 19. Jahrhunderts kam es immer wieder zu Streitigkeiten mit anderen Wasserwerksbesitzern. 1878 entschieden  die Waldleute, wegen Überschwemmungsgefahr die Alp tiefer zu legen. Da entschloss sich das Kloster zum Verkauf der Mühle.

Mit dem Erlös baute man auf dem Klosterareal eine neue Mühle und 1882 nahm man eine neue mit Dampf betriebene Säge in Betrieb. Lange Transportwege entfielen nun. Das Kloster konnte seine Werkstätten mit zugeschnittenem Nutzholz versorgen.

Auch der Marstall hatte die Aufmerksamkeit des Abtes. Auf dem Freiherrenberg wurde ein neuer Pferdestall erstellt. Zwei Bundeshengste wurden 1891 eingestellt. Das Kloster wurde immer wieder für seine Zuchterfolge bei Pferden, aber auch beim

Braunvieh ausgezeichnet. 1891 wurde im Konventgarten ein großes Bienenhaus erbaut. Auch in der Kirche wurden Neuerungen vorgenommen zum Beispiel ein neuer Bodenbelag oder 1866 eine neu Bestuhlung.

Auch die Benediktinerkonkregation brauchte immer mal wieder personelle Hilfe.  So kam Pater Paul Schindler (Profess 1862)1876 nach Disentis. Dort war er von 1877 bis 1879 Prior. Von 1888-1890 war er Theologieprofessor am Ordenskolleg S. Anselmo in Rom.

In Monte Cassino und in Delle, wohin die Benediktiner von Mariastein ausgesiedelt waren, unterrichteten Konventualen aus Einsiedeln.

Das Missionswerk in Amerika forderte und erhielt immer wieder personelle Unterstützung. Pater Wolfgang Schlumpf hatte seine Profess 1853 abgelegt. 1862 kam er in Amerika in St. Meinrad. Abt Martin Marty sandte ihn 1878 nach Arkansas.

Dort gründete er die neue Niederlassung San Subiaco, deren Prior er wurde. Diese entwickelte sich zu einem blühenden Kloster. Es wurde 1891 zur Abtei erhoben. 1887 traf das Kloster St. Meinrad in USA ein Brandunglück. Aber man begann sofort mit

einem Neubau, auch von Einsiedeln tatkräftig unterstützt. Pater Vinzenz Wehrle (Profess 1876) kam 1882 nach St Meinrad, Von dort ging er weiter nach Neu-Subiaco. In Devils Lake gründete er eine klösterliche Niederlassung die 1899 nach Richardton verlegt wurde.

1901 wurde dort ein kanonisches Priorat errichtet. Pater Vinzenz wurde dort Prior. Papst Pius X. (1903-1914) erhob es zur 24. November 1903 zur Abtei St. Maria. Der Prior wurde Abt von Richardton. Am 9. April 1910 ernannte ihn Papst Pius zum Bischof von

Bismark. als Abt von Richardton resignierte er 1915.

Für das Kloster Fahr konnte Abt Basilius Erleichterungen erreichen. In einem Gesetz von 1865 war dem Kloster Fahr die Novizenaufnahme untersagt. 1886 konnte Abt Basilius diese Bestimmung revidieren. Allerdings blieb die Zahl der Klosterfrauen auf 30

beschränkt.

1893 konnte Abt Basilius sein 50-jähriges Professjubiläum feiern. Er war da allerdings schon krank. Ein Magenleiden ging allmählich in Krebs über, dem er am 28. November 1895 erlag.

P. Kolumban (Johann Baptist) Brugger von Basel

Columban Brugger wurde am 17. April 1855 als Johann Brugger in Basel geboren. Seine Eltern Johann Brugger und Katharina Gerspach hatten seit 1871 das schweizerische Bürgerrecht. Zunächst besuchte er die von den Schulbrüdern in Basel geleitete

Schule. Er hatte eine große Begabung für Musik und in Basel hatte er schon für Musikunterricht. Ab 1868 besuchte er die Stiftschule. Dort verbrachte er viel Zeit mit praktischen und theoretischen Musikstudien. Aber bald zeigte er auch eine besondere

Vorliebe für Technik. mit 17 meldete er sich ins Kloster an. Als Frater Columban legte er am 2. September 1873 seine Profess ab. Er beendete sein Physik-und Philosophiestudium. Am 20.September 1879 wurde er zum Priester geweiht. Seine technische

Begabung förderte der Abt mit einem Studium an der Universität Karlsruhe. Vin 1881 bis 1889 unterrichtete er Mathematik am Stiftsgymnasium, 1883 und 1884 auch Physik und Chemie. Daneben war er auch Vizekapellmeister. Hier pflegte er vor allem den

gregorianischen Choral, das in einer Zeit, in der dieser alten Tradition noch nicht soviel Gewicht beigemessen wurde wie heute. Er baute das physikalische Kabinett aus. Für sein physikalisches Interesse hatte er in seinem Abt einen großzügigen

Förderer und Gönner. Im Physikzimmer wurde auch eine elektrische Anlage erstellt, die es ermöglichte, die Kirche zu beleuchten. Am 31. März 1894 wurde er Nachfolger des verstorbenen Siftsdekans Ildefons Hürlimann (Profess 1845, Stiftsdekan von 1867

bis zu seinem Tod 1894). Damit musste er seine Tätigkeit als Lehrer aufgeben. Kurz nach seiner Ernennung zum Dekan brach ein schweres Magenleiden aus, an dem er fast gestorben wäre. Er erholte sich zwar, musste aber zeitlebens strengste Diät halten.

Trotz gesundheitlicher Bedenken wurde Pater Columban am 5. Dezember 1895 zum neuen Abt gewählt. Am 21. März 1895 weihte ihn der Abt von Muri-Gries Augustin Grüninger (1887-1897). Anwesend waren die Äbte der Schweizer Benediktinerklöster,

aber auch Laurentius Wocher (1893-1895)Abt des Klosters Mehrerau. Im Zuge des Klosterstreits im Kanton Aargau mussten die Mönche ihr Kloster Wettingen am 12. Januar 1841 verlassen. Sie gründeten ihr Kloster 1854 in der alten BenedikinerAbtei Mehrerau bei

Bregenz neu. Aus Kloster Ölenberg war Abt Francois Struck (!889-1912) dabei. Ölenberg  im Deparment Haut-Rhin in der Nähe von Mülhausen war 1825 von Trappisten wieder besiedelt worden. Auch zwei Bischöfe weilten der Amtseinsetzung bei,

nämlich Bischof Johannes Fidelis Battaglia (1889-1905) vom Bistum Chur und der Basler Bischof Leonhard Haas (1888-1906). Der neue Abt wurde bald zum Präses der schweizerischen Benediktiner gewählt.

Zu Beginn seiner Amtszeit widmete er sich der Orgel. Musikalisch und physikalisch bewandert besorgte er einen Teil des Umbaus in den Einsiedler Werkstätten zusammen mit seinen Brüdern selbst. Die Federführung hatte die Stuttgarter Firma Weigle,

die damals als führend auf dem Gebiet des Orgelbaus galt. Am 24. November 1898 wurde die neue Orgel eingeweiht, de damals wohl das modernste Orgelwerk ihrer Zeit war. Unter Abt Columban hielt auch die elektrische Kraft Einzug im Kloster.

Überall gab es elektrische Beleuchtung und auch eine große Dieselmotoranlage wurde erstellt. Der Abt ließ auch ein Photoatelier im Kloster errichten. Trotz seiner Technikbegeisterung vergaß er auch die Landwirtschaft nicht. Die neue Benediktscheuer

auf dem Freiherrenberg wurde errichtet. Die Stiftsstatthalterei wurde als eigene Viehzuchtgenossenschaft geführt und errang Diplome und Medaillen. Auch die gute Düngerwirtschaft und vorbildliche Weg-und trinkwasseranlagen auf der Alp Sihltal wurden geehrt.

Zur Jahrhundertwende hatte der Konvent 143 Mitglieder erreicht, soviel wie nie zuvor.

Bei der Einweihung eines Blitzableiters zog sich der Abt eine Erkältung zu. Dazu kam eine Blinddarmentzündung und weiter Komplikationen. Am 23. Mai 1905 verstarb er im Alter von nur 51 Jahren.

Abt Thomas bossart

Am 30. Mai 1905 wurde Thomas II. Bossart zu Abt Columbans Nachfolger gewählt. Er ist am  16. September 1858 als Kaspar Bossart in Altishofen im Kanton Luzern geboren. Sein Vater Kaspar war Gerichtsschreiber. Seine Mutter

war Verena Schiffmann. Im Herbst 1872 kam er an die Stiftsschule nach Einsiedeln. 1878 meldete er sich zum Kloster an. Am 8. September 1879 legte er seine Profess ab. Er studierte Theologie und wurde am 20. April 1884 zum Priester geweiht.

Abt Basilius schickte ihn nach seiner Priesterweihe zu einer weiteren Ausbildung nach Rom. Dort erwarb er an der Gregorianischen Universität den Doktorgrad und kehrte nach Einsiedeln zurück um als Theologieprofessor an der Hauslehranstalt

des Kloster zu wirken. Abt Basilius schickte ihn dann aber als Theologieprofessor an das neuauflebende Ordenskollegium nach Rom. Doch im November 1895 musste er nach Einsiedeln zurück um an der Wahl des Nachfolgers für den verstorbenen

Abt Basilius teilzunehmen. Auch er kam neben Pater Columban als neuer Abt in Frage. Als dieser gewählt war, ernannte er bald darauf Pater Thomas zum Dekan. Bei der Wahl nach Columbans Tod wurde Thomas am 30. Mai 1905 im ersten Wahlgang zum neuen Abt

gewählt. Am 11. Juni 1905 weihte ihn sein Freund Hildebrand de Hemptinne zum Abt. Hildebrand hatta 1870 seine Profess im Kloster Beuron abgelegt. Papst Leo XIII. (1878-1903)hatte 1893 die benediktinische Konföderation gegründet, das ist die Gemeinschaft

der 20 Benediktinerkongregationen mit derzeit 341 selbstständigen Mönchsklöstern.Papst Leo XIII. ernannte Hildebrand de Hemptinne zum ersten Abtprimas.

Im Kloster wurde eine neue Kanalisation und eine eigen Wasserversorgung geschaffen. Die Klosterkirche wurde durchgreifend umgestaltet. Das Naturalienkabinett wurde vergrößert. Die Zahl der Laienbrüder wuchs stetig. Für die Laienbrüder wurde ein neues

Stockwerk aufgebaut.Die Gärtnerei erhielt ein großes Treibhaus und die Klosterküche wurde umgestaltet. An äußeren Ehren lag dem Abt nicht. Er war zum Beispiel für die Nuntiatur in Wien in Aussicht genommen worden, konnte dies aber verhindern .

Am 12. Mai 1913 wählten die versammelten Äbte in Rom Thomas zum Abtprimas. Der Gewählte wollte die Wahl auf keinen Fall annehmen und der Papst wollte ihn nicht zwingen. so konnte er ins Stift zurückkehren.

Als im August 1914 der 1.Weltkrieg  ausbrach half der Abt, wo er konnte. Dem zweiten Abtprimas der Benediktiner Fidelis von Stotzingen (1913-1947) gewährte er Asyl. Auch der Generalobere der Pallotiner Karl Gissler (1909-1919) kam in Einsiedeln unter.

Deshalb kamen immer wieder  Gesandte von Österreich, Bayern und Preussen vorübergehend nach Einsiedeln. Auch der frühere Reichskanzler von Bülow war unter den Besuchern. In der Presse der Entente wurde das nicht immer sehr freundlich aufgenommen.

Aber Abt Thomas hielt streng an der neutralen Haltung fest. Doch stand das Kloster allen Besuchern aus beiden Lagern offen.

Für deutsche Kriegsgefangene stellte er  Pater Sigismund de Courten (Profess 1888) zur Verfügung, der sie besuchte und sich um ihre Seelsorge annahm. Er war Geistlicher Abgeordneter des Schweizer Bundesrats und des Heiligen Stuhls. Um seiner Mission eine

bessere Wirkung zu verschaffen ernannte ihn der Schweizer Bundesrat am 20. März 1917 zum Feldprediger-Hauptmann. Vor allem nach dem Krieg war der Abt in großem Umfang helfend tätig. Wie kaum ein Einsiedler Abt vor ihm war er weit über die Schweizer

Grenzen hinaus angesehen und verehrt. Im September 1919 zog er sich aufgrund einer Erkältung ein Nierenleiden zu, dass zwar durch strenge Diät und mehrere Kuraufenthalte gelindert aber nicht mehr geheilt werden konnte. Am 7. Dezember 1913

erlag er seiner Krankheit.

Abt-Ignatius-staub

Auf ihn folgte Pater Ignatius Staub. Er ist am 19. Dezember als Josef Thomas Staub in Baar geboren. Seine Eltern waren Karl Josef Staub und Anna Maria Trinkler. Ab 1886 besuchte er die Stiftsschule in Einsiedeln. 1892 trat er ins Kloster ein und legte am 1. September

1895 die Profess ab. Am 16.Juli 1899 wurde er zum Priester geweiht. 1902 sandte ihn Abt Columban zum Studium der Geschichte nach Freiburg im Uechtgau, wo er mit einer Arbeit über den Konstanzer Generalvikar (1518-1523) Johann Fabri  am 10. Mai 1910

zum Doktor promovierte. Im April 1916 bestellte ihn Abt Thomas zum Stiftsbibliothekar. 1922 gab er ein “Lehrbuch des Mittelalters” heraus

Am 19. Dezember 1923 wurde er zum Nachfolger des verstorbenen Abtes Thomas gewählt. Die Weihe nahm der päpstliche Nuntius Lugi Maglione (1920-1926)am 28. Januar 1924

vor.1925 wurde ein Vertrag zwischen dem Kanton Schwyz und dem Kloster Einsiedeln geschlossen. Eine landwirtschaftliche Schule wurde gegründet, vom Kloster finanziert und betrieben. Sie ist die älteste Berufsschule im Kanton Schwyz.

Im Jahr 1924 hatte der Apostolische Administrator für den Tessin Benediktiner von Einsiedeln nach Ascona gerufen. Sie übernahmen das Collegium Papio, das schon 1585 auf Initiative von Karl Borromäus gegründet wurde. Die Mönche aus Einsiedeln wirkten bis 1964

in Ascona.

Seit 1931 war er Vorstandsmitglied der Allgemeinen Geschichtsforschenden Gesellschaft der Schweiz. Das war die Dachorganisation der Schweizer Historikerschaft.

Er war Abt bis 1947 und verstarb am 29. März 1947.

Abt Benno

Auf ihn folgte Benno Gut 1947- 1959. Er wurde am 1. April 1897 als Walter Gut in Reiden im Kanton Luzern geboren. Sein Vater war der Organist und Lehrer Gottfried, seine Mutter Marie Oetterli.

Er besuchte das Gymnasium in Luzern und wechselte 1916 auf die Stiftsschule nach Einsiedeln. Ab 1916 begann er ein Musikstudium in Basel. Sein Noviziat machte er in Einsiedeln. Dann wurde er zum Theologiestudium

nach Rom geschickt. Dann wurde er zum Priester geweiht. Er setzte seine Theologiestudien an der Benediktinerhochschule St. Anselmo fort. Dort promovierte er am 29. Juni 1923 zum Doktor der Theologie. Er kehrte nach Einsiedeln zurück

und war dort 1923!924 Choralmagister. Dann war er für zwei Jahre Direktor der Studentenmusik. Er lehrte auch Exegese an der theologischen Hauslehranstalt. Außerdem war er in Einsiedeln von 1923-1930 als Lehrer an der Stiftsschule.

1930 wurde er als Professor für Apologetik nach St. Anselmo berufen. Nebenher studierte er auch am Päpstlichen Bibelinstitut in Rom. Dort erwarb er 1934 ein Lizentiat, das ist ein akademischer Grad und beinhaltet eine Lehrerlaubnis.

1935 unternahm er eine Studienreise nach Palästina und Kleinasien. Nach seiner Rückkehr war er in St. Anselmo Lehrer für neutestamentliche Exegese. Während des Krieges kehrte er nach Einsiedeln zurück. Seit August 1942 war er Präfekt am

Internat. 1947 wurde er zum Nachfolger des verstorbenen Ignatius Straub gewählt. Die Abtweihe nahm Nuntius Filippo Bernardini (1935-1953) vor.

Schon sein Vorgänger Ignatius Straub hatte von seinen Patres eine Bittschrift erhalten, mit der er gebeten wurde, sich um überseeische Missionsaufgaben zu kümmern. Im November 1939 sandte er Pater Leopold Haniman (Profess 1919 +1976) und Polykarp Buchser

(Profess 1926 + 1972) als Pioniere nach Argentinien. Dann brach aber der II. Weltkrieg aus und verzögerte das Projekt. Nach dem Krieg gab der Apostolische Nuntius Giuseppe Frietta (päpstlicher Nuntius in Argentinien 1936-1953) einen Tipp. In der Nähe des Dorfes

hatte eine Frau Maria Marenco, Witwe des Verstorbenen Cayetano Sancho Diaz auf der Farm ihres Mannes eine gemeinnützige Stiftung mit einer landwirtschaftlichen Schule eingerichtet. Diese wollte sie nun einem Orden übergeben. Das Kapitel beschloss im

Februar 1948 unter Abt Benno Gut eine klösterliche Niederlassung in Argentinien zu errichten. Am 28 März 1948 reisten 6 Einsiedler Patres und 6 Brüder nach Argentinien ab. Unter ihnen war Pater Eugen Pfiffner (Profess 1919 +1959) Er wurde der erste Prior in

Los Toldos. Pater Albert Huber (Profess 1929) war von Abt Ignatius Straub an die ETH, wo er Agronomie studierte. Er sollte die landwirtschaftliche schule, die nach dem Willen der Stifterin errichtet werden sollte, leiten. Das Schulexperiment wurde nach 3 Jahren

abgebrochen. Pater Albert trat 1954 einen Heimaturlaub an, blieb dann aber auf Dauer in Einsiedeln. Dort war er wieder an der Stiftsschule tätig, betreute aber nebenbei auch die Pferdezucht in Einsiedeln.  1963 veröffentliche er das Buch “1000 Jahre Pferdezucht

Kloster Einsiedeln.” Er verstarb am 26. April 1981 im Alter von 75 Jahren. Das Kloster Los Toldos wurde am 03.05. 1948 gegründet. Abt Benno weihte es am 07.04. 1951. Nach dem Tod des ersten Priors folgte ihm Pater Josef Felber als Prior. Auf sein Bestreben hin

wurde mit Pater Pedro Alluralde der erste aus Argentinien stammende Mönch Prior in Los Toldos. Am 31.07. 1968 sprach Rom die kanonische Errichtung eines selbstständigen Priorats aus. Damit war Los Toldos von Einsiedeln unabhängig. 1981 erhielt Los Toldos

von den Bischöfen von Paraguay eine Einladung, ein Tochterkloster in Paraguay zu errichten. Der Konvent sprach sich dafür aus und am 22.07. 1984 begannen 5 Mönche aus Los Toldos unter Leitung von Prior Pedro Alluralde mit der errichtung von tupasy Maria in

Paraguay.

In Einsiedeln wurde 1956 die Renovierung der Klosterfassade abgeschlossen.

1959 stellte sicher bisherige Abtprimas der Benediktinerkonföderation  Bernhard Kälin nicht mehr zur Wahl als Abtprimas, was er von 1947-1959 war. Von 1945-1947 war er Abt in Muri-Gries. Der Äbtekongress der Benediktinerkonföderation wählte nun Abt

Benno Gut zum 4. Abtprimas. Von Amts wegen ist der Primas Abt der Primitialabtei Sant Anselmo in Rom. Abt Benno resignierte auf Einsiedeln und übersiedelte nach Sant Anselmo, wo er ja schon als Lehrer tätig war.

Seine kirchliche Karriere ging noch weiter. 1960 wurde er Mitglied des vorbereitenden Zentralkomitees des 2. Vatikanischen Konzils, an dem er als Konzilsvater teilnahm. Papst Paul VI. ((1963-1978) wurde er 1967  zum Titularerzbischof

von Tuccabora in Mauretanien ernannt. Kardinal Eugène Tisserant weihte ihn in Einsiedeln zum Bischof. Papst Paul kreierte ihn zum Kardinaldiakon. Seine Titelkirche war S. Giorgio in Velabro. Daraufhin trat er als Abtprimas zurück. In diesem amt

folgte ihm der bisherige Erzab Rembert Weakland, Erzabt von St. Vincent in Latrobe nach. Benno Gut wurde vom Papst am 8. Januar 1968 zum Präfekten der Rietenkongregation und zum Vorsitzenden des Liturgierats bestellt. Einen Monat wurde

er auch Mitglied der Kommission zur Revision des kanonischen Rechts. Benno gut starb am 8. Dezember 1970 in Rom und ist in Einsiedeln beigesetzt.

Auf ihn folgte Raymund Tschudi 1959-1969. Er ist am 7. Juli 1914 in Basel geboren. In Einsiedeln besuchte er ab 1927 das Stiftsgymnasium. Er trat dort ins Kloster ein und legte 1936 seine Profess in Einsiedeln ab. 1940 wurde er zum Priester

geweiht. In Fribourg studierte er Geschichte und Pädagogik. 1945 promovierte er. Dann unterrichte er am Stiftsgymnasium in Einsiedeln. Nach 1947 ging er als 2. Sekretär des Abtprimas Bernhard Kälin nach Rom. 1948/49 war er Lehrer am Collegio Papio

in Ascona. Dann ging er nach Einsiedeln zurück. In Einsiedeln wurde er 1956 Novizenmeister. Nach der Wahl Abt Bennos zum Abtprimas, wurde er dessen Nachfolge. Die Weihe erteilte ihm der apostolische Nuntius Nuntius Gustavo Tessa (1953-1959)

1969 legte er überraschend seine Ämter nieder und trat aus der Klostergemeinschaft aus. Bis zu seinem Tod 2011 lebte er in München.

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Georg Holzherr wurde am 22. Januar 1927 in Neuendorf im Kanton Solothurn in eine Bauernfamilie geboren. er besuchte das Gymnasium in Beromünster bis 1944. Bis 1948 war er in der Stiftsschule in Einsiedeln. Dort trat er 1948 ins Kloster ein

und legte 1949 als Bruder Georg seine Profess ab. Er studierte Philosophie in Einsiedeln und 1950-1953 Theologie in Sant Anselmo in Rom. In Montecassino wurde er am 24. Juni 1953 zum Priester geweiht. Bis 1956 folgte ein Studium Kirchenrecht an

der Lateranuniversität in Rom. Dort promovierte er zum Dr.jur.cand. Ein Studium Moraltheologie und Pschyologie in München folgte. Von 1957-1969 war er Lehrer an der Stiftschule in Einsiedeln. 1967 wurde er zum Sekretär der Schweizer Benediktinerkongregation

ernannt. Nach dem Rücktritt Raymund Tschudis wurde er 1969 im dritten Wahlgang zum 57. Abt des Klosters Einsiedeln gewählt. Nach der päpstlichen Bestätigung weihte ihn sein Vorvorgänger Kardinal Benno Gut zum Abt. Sicherlich hatte der Rücktritt seines

Vorgängers auch für Unruhe im Kloster gesorgt. Daneben war eine seiner ersten Aufgaben die Umsetzung der Beschlüsse des 2. Vatikanischen Konzils im Bereich der Liturgie. Er musste eine Balance finden, die klösterliche Liturgie in der Kernsubstanz zu erhalten

und gleichzeitig den Anforderungen des Konzils gerecht zu werden. Als Territorialabt war Georg Holzherr auch Mitglied der Schweizerischen Bischofskonferenz. Da war er neben dem Ressort Liturgie eine Zeit lang auch für die Ökumene und Fragen der

Medienarbeit zuständig.

Dem Rückgang der Klostermitglieder musste begegnet werden. Abt Georg tat dies mit einer Konzentration auf die Aufgaben, die sich mit dem Gemeinschaftsleben und Gebetsleben verbinden ließen. Auch die Klosterwirtschaft musste Einschnitte hinnehmen.

Erstmals in 1000 Jahren wurde Klosterland verpachtet. Der Grundbesitz wurde reduziert. Die Theologische schule öffnete sich für auswärtige Dozenten und Schüler und konnte so erhalten werden. Die landwirtschaftliche schule in Pfäffikon wurde dem kanton

abgetreten. Die Stiftsbibliothek und die barocke Klosterkirche wurden restauriert. auch in verschiedenen Statthaltereien wurden Sanierungen durchgeführt. Kurz vor Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren reichte Abt Georg seinen Rücktritt ein.

Als Spiritual im Benediktinerinnenkloster St. Lazarus verbrachte er seinen Lebensabend. Er verstarb am 26. Februar 2012.

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Derr jetzige Abt Martin Werlen ist am 26. März 1962 als Stefan Werlen geboren. Seine Profess legt er am 11. Juli 1987 ab. Er studierte Theologie in Einsiedeln und den USA. Am 25. Juni 1988 wurde er zum Priester geweiht. Am 10. November 2001 wurde er zum 58. Abt

gewählt. Am 16. Dezember 2001 wurde er geweiht. Am 13. Januar 2012 erlitt er infolge eines Sportunfalls eine Hirnblutung. Das Sprachzentrum war beeinträchtig. Er musste praktisch wieder Lesen und Schreiben lernen. Nach Reha und 160 Therapiesitzungen sieht er

sich wieder geheilt. (Bericht in der NZZ vom 27. Mai 2012) Sein Amt wird er 2013 abgeben.(Medienmitteilung  vom 21. Januar 2013)

Der Konvent umfasst laut homepage des Klosters etwa 70 Mönche. Das Kloster besteht seit 934 und ist eines der wenigen Klöster im deutschsprachigen Raum, die ununterbrochen bestehen

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22 Okt. 2013

DIE FAMILIE VON STADION

Stadion-Wappen

 

Die Familie von Stadion stammte ursprünglich aus Graubünden. Im 13. Jahrhundert erwarb sie Besitz in Schwaben. Erstmals urkundlich erwähnt wird ein Henricus de Lapide in einer Urkunde vom 9. September 1197, die

Herzog Philipp von Schwaben in Rottweil ausstellt und in der er dem Kloster Obermarchtal alle von seinem Vater Friedrich und seinem Bruder Heinrich bewilligten Begünstigungen  bestätigt und erneuert . In dieser Urkunde

tritt ein Henricus de Lapide als Zeuge auf (WUB II, Nr. 503). In Schwaben benennt sich die Familie nach ihrem Herrensitz Oberstadion. In einer Urkunde vom 13. Mai 1270 wird dominus Waltherus de Stadegun genannt. (WUB VII. Nr.119)

Im 14. Jahrhundert erscheinen die Enkel des ober genannten Walters wieder in Rätien und Glarus als bischöfliche und österreichische Lehensträger. Am 14. Dezember 1138 stellen Ludwig und Walter von Stadion
dem Churer Bischof Ulrich V. (Ribi) von Lenzburg (1331-1355) für die Burg(Alt-)Aspermont ob Trimmis einen Pfandrevers aus. Von 1338-1343 sassen sie als Pfandinhaber auf der Burg. 1340 wurde Ludwig österreichischer Vogt in Glarus. Am 3. 1354  urkundet der Churer Bischof Ulrich V. (Ribi) von Lenzburg (1331-1355) , dass Ritter Ludwig von Stadion mit seiner Zustimmung die Feste (Alt-)Aspermont Heinrich und Martin Buwigs um 600 Pfund und zwar unter gleichen Bedingungen wie dieselbe Burg dem Stadion vom Hochstift Chur versetzt worden war. Ludwig wird in der Urkunde allein erwähnt. Sein Bruder Walter war ja 1352 bei Näfels im Kampf gegen die Glarner gefallen. Von 1348-1353 sassen die Stadion auf der Marschlins bei Iglis,die 1337 als Lehen an Herzog Albrecht II gekommen war.

1339 hatten die Brüder Walter und Ludwig zusammen mit seinem Sohn Eitel für drei Jahre von Swigger von Schellenberg die Kastvogtei über das Kloster Ochsenhausen gekauft.

Ludwig war mit Anna von Frielingen (+ 1357  Daten Ludwigs und Annas nach Wilhelm Karl Prinz zu Isenburg, Europäische Stammtafeln) verheiratet und hatte mit ihr 4 Kinder, drei Töchter und den Sohn Eitel. Ludwig starb  1364. Eitel hatte drei Söhne,

Wilhelm, Konrad und Johann. Unter diese wurde der Stadionsche Besitz aufgeteilt. Eitel starb 1386. Konrad begründete die elsässische Linie. Johann der Reiche war württembergischer Landhofmeister und hatte mit Margareta von Stain einen Sohn Ludwig, der aber schon 1472 verstarb (nach Wilhelm Karl Prinz zu Isenburg)Ludwig war mit Margareta von Gravenegg verheiratet, mit der eine Tochter hatte, Waldburg von Stadion. Diese starb1498. Die Söhne Konrad, Burkhard, Wilhelm und Nikolaus hatten keine Nachkommen, bzw. erreichten das heiratsfähige Alter nicht.Damit war die Familie ausgestorben. Johann der Reiche hatte ein  beträchtliches Vermögen erworben, dass alles der Linie von Konrad zufiel.

Konrad hatte drei Söhne, Walter, Pankraz und Johann. Pankraz war mit Agnes von Laubenberg verheiratet. Aus dieser Ehe gingen vier Söhne hervor nämlich Konrad, Nikolaus, Johann und Walter. Nikolaus war mit Agnes von Gültingen verheiratet. Nikolaus von Stadion ließ sich in Schelklingen nieder. Der Bruder von Nikolaus war mit Clara von Wernau  verheiratet. Die Familie war auch in Schelklingen begütert. Außerdem lag die Pfandherrschaft über Schelklingen bei der schwäbischen Linie der Familie Stadion.Das alles mögen Gründe gewesen sein, die Nikolaus veranlasst haben, seinen Wohnsitz in Schelklingen zu nehmen. Dort erwarb er kurz vor 1475 ein Haus.In diesem Haus wurde 1878 sein Sohn Christoph geboren.

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In Schelklingen hat Christoph wohl die Lateinschule besucht. Schon mit 12 Jahren immatrikulierte er sich am 22. April 1490 an der Universität in Tübingen. 1491 wurde er Baccalaureus und am 28. Januar 1494 erhielt er den Magister der Artistenfakultät.

In Tübingen setzte er sich mit dem Humanismus auseinander. Ab 1494 studierte er in Freiburg im Breisgau. 1497 wechselte er nach Bologna und studierte dort Rechtswissenschaften. Nicht vor 1506 machte er in Ferrara den Doktor jur. Er kehrte nach Deutschland zurück und wurde in Augsburg Domherr. 1517 wurde er Domdekan. Auch erhielt er den Rang eines kaiserlichen Rats. Der Augsburger Bischof Heinrich von Lichtenau (1505-1517) wählte in Absprache mit dem Domkapitel bereits todkrank Christoph zu seinem

Koadjudator. Am 10. April 1517 übertrug ihm Papst Leo X. (1513-1521) das Recht auf Nachfolge. Zwei Tage später verstarb Bischof von Lichtenau. Christoph von Stadion wurde am 5.7. 1517 zum Bischof geweiht. Der Beginn seiner Regierung ist zu stürmischen

Zeiten erfolgt. Am 31. Oktober 1517 schlug Luther seine Thesen in Wittenberg an.Auf dem Reichstag in Augsburg 1518 war Martin Luther selbst zugegen. Dort fand vom 12.-14. Oktober die Unterredung mit Kardinal Thomas Cajetan statt, bei der ihn dieser aufforderte, seine 95 Thesen zum Ablass zu widerrufen, da er diese für ketzerisch hielt. Luther widerrief nicht. Seiner drohenden Verhaftung entzog er sich durch Flucht.

220px-Luther-vor-CajetanIn Augsburg hatte Luther schon viele Anhänger. Bischof Christoph nahm aber zunächst eine entschiedene Position gegen diese neue Strömung ein. So belegte er den Pfarrer von Jengen, Caspar Aquila mit dem Bann.

Aquila stammte aus Augsburg und hatte in Wittenberg Theologie studiert. Dann wirkte er als Feldprediger bei Franz von Sickingen. 1516 übernahm er eine Pfarrstelle in Jengen in der Nähe von Buchloe. Dort wurde er mit den Schriften Luthers vertraut.

Er heiratete und predigte im lutherischen Sinn. Die Reformation in Jengen war eingeführt. Bischof Christoph ließ den Pfarrer zudem in Dillingen festsetzen. Bischof Christoph nahm aber eine zunehmend verbindlichere Haltung an. Er näherte sich stark an Erasmus

von Rotterdam an. Erasmus hatte 1516  eine kritische Edition des griechischen Neuen Testaments herausgegeben, die auch Martin Luther als Ausgangstext für seine Bibelübersetzung nutzte und damit natürlich ein wichtiger Wegbereiter für die Reformation war.

Doch Luther hatte die Gegensätzlichkeit der theologischen Standpunkte schon 1516 erkannt. Erasmus sah die Freiheit des Menschen darin, die ihm von Gott angebotene universale Gnade abzulehnen oder anzunehmen. Erasmus sah sehr wohl die Mißstände in der

Kirche und trat auch für eine innere Reform ein. Für ihn war Toleranz und Neutralität wichtig. Die Gefahren der Religionskriege sah er voraus. Bischof Christoph stand mit Erasmus seit 1528 in Verbindung. Als auf dem Augsburger Reichstag 1530 die Confessio Augustana verkündet wurde, nahm Bischof Christoph eine versöhnliche Haltung ein. Er zeigte weitestes Entgegenkommen gegen die Forderungen der Protestanten.Die Confessio Augustana war eine der grundlegenden Bekenntnisschiften der lutherischen Reichsstände. Verfasst worden war sie von Philipp Melanchthon. Kaiser Karl ließ eine  Erwiderung darauf verfassen, die “confutatio”. Federführend war der papsttreue Theologe Johannes Eck, der in der Leipziger Disputation von 1519 das Streitgespräch mit Luther führte. Die Bemühungen Bischof Christophs waren weitgehend erfolglos. Das machte ihn müde und hoffnungslos. Der Bauernkrieg von 1525 hatte auch das Gebiet seines Hochstiftes schwer erschüttert. Am 18. Januar 1537 erließ die Freie Reichsstadt Augsburg ein Dekret, das den Klerus der Stadt zur Ausreise zwang. Bischof Christoph hatte schon vorher einen Sitz in Dillingen. Nun wurde auch der Sitz des Hochstifts nach Dillingen verlegt. Von jetzt an residierte der Bischof im Dillinger Schloss. Beim Reichstag in Nürnberg 1543 war er als Kaiserlicher Kommissar tätig. Beim Reichstag erlitt er einen Schlaganfall, an dem er verstarb. Er wurde in der Dillinger Pfarrkirche bestattet. Als Landesherr hatte er 1519 eine Straf-und Gerichtsordnung für Rettenbach erlassen. Auch hatte er Anläufe zur Reform des Klerus unternommen, allerdings ohne die notwendige Nachhaltigkeit. Er war geprägt von einer erasmisch-humanistischen Auffassung des Christentums. Er war wohl –sicher auch bedingt durch seinen Studiengang- wohl mehr Jurist als Theologe.

Auch war er wohl etwas zaghaft und dem Tumult abgeneigt, keine guten Voraussetzungen für diese stürmischen Zeiten. Und so fällt seine Bilanz auch etwas durchwachsen aus. Er galt aber als einer der gelehrtesten Bischöfe Deutschlands. Er  war geachtet von

Fürsten und vom Kaiser. In Zusmarshausen hatte er Hospital gestiftet, das bis in die Neuzeit Bestand hatte.

Der Bruder Bischofs Christoph Johann war mit Agnes von Stain verheiratet. Mit ihr hatte er sieben Söhne unter anderem Johann Christoph von Stadion und Johann Kaspar von Stadion. Johann Kaspar wurde am 21. Dezember 1567 in Beffort geboren, einem kleinen

Städtchen und Schloss im Sundgau. 1594 trat er in den Deutschen Orden ein. Er kam an den Hof des Hoch und Deutschmeisters Erzherzog Maximilians von Österreich. 1594 zog der Erzherzog nach Ungarn, wo sein Bruder Matthias den Oberbefehl im Kampf

220px-Brunnenfigurstadion

gegen die Türken den Oberbefehl innehatte.Im Jahre 1596 wechselte der Oberbefehl an Maximilian. Johann Kaspar bekam dabei den Befehl über eine Schar mit 1000 Pferden übertragen. Bis 1597 kämpfte er in Ungarn. Dann kehrte er nach Wien zurück.

1606 war Komtur in Freiburg, 1624 – 26 auf der Mainau. 1626 Landkomtur. Bis zum Tode Erzherzogs Maximilian war er auch dessen Oberstkämmerer und Oberhofmeister. Dann war er am Hof des Bruders des Kaisers Ferdinand II., Erzherzog Leopolds

in Innsbruck als kaiserlicher Kämmerer und diesem zugeordneter Assistenzrat. Er hatte seine administrativen Fähigkeiten ja schon unter Beweis gestellt und auch ausreichend Kriegserfahrung im Kampf gegen die Türken erworben. Als dann der kaiserliche

Feldmarschall Hans Freiherr von Molart am 15. Juni 1619 starb, berief ihn Kaiser Ferdinand zum Präsidenten des Hofkriegsrats. Auch Kommandant der Stadt Guardia Wien war er. Diese war eine dem Hofkriegsrat unterstellte Einheit, die den Auftrag hatte,

für die „Ordnung auf den Stadtmauern“ zu sorgen. Er wurde oft zu den Kriegsobersten in die Feldlager geschickt, um ihnen beratend zur Seite zu stehen. Auch als es im österreichischen Heer um Reformprojekte und Operationspläne geht, hat seine Stimme Gewicht.

Am 16. Januar 1622 bestimmte ihn der Kaiser als Mitglied in den Geheimen Rath, in welchem Eggenberg, Trauttmannsdorf,Liechtenstein, Ulm und Stralendorf außer ihm Sitz und Stimme hatten.  Auch im Orden ging sein Aufstieg weiter. 1626 hatte er die Landkomtur

Elsass inne. 1627 wählte ihn das Generalkapitels des Deutschen Ordens zum Hoch und Deutschmeister. Ende März 1621 sollte er das Kommando über die Reichsmiliz übernehmen. Er lehnte jedoch ab. Als Gustav Adolf nach Deutschland vorstieß, war

Johann Kaspar auch bei der Schlacht von Nördlingen 1634 dabei. Für seine Kaisertreue übertrug ihm Ferdinand 1637 die Grafschaft Weikersheim. Mittlerweile hochbetagt wurde ihm Erzherzog Leopold Wilhelm als Koadjudator zur Seite gestellt.

Trotz seines hohen Alters wurde er aber immer als diplomatischer und strategischer Berater gerufen. Auch 1641 machte er sich mit 74 Jahren nochmals auf den Weg zur kaiserlichen Hauptarmee. In dem Dorf Ammern in der Nähe von Mühlhausen in Thüringen

erlitt er einen Schlaganfall und starb. Er wurde nach Mergentheim überführt, wo er bestattet ist.

Der Bruder Johann Kaspars Johann Christoph war mit Margareta von Sickingen verheiratet. Aus dieser Ehe gingen 5 Söhne und eine Tochter hervor. Der Sohn Johann Christoph von Stadion wurde am 15.06. 1610 geboren. Er heiratete Maria Magdalena von Ostein,

die am 22.10. 1610 geboren ist. Aus dieser Ehe gingen 10 Kinder hervor. Zwei davon wollen wir näher betrachten. Am 16.01. 1637 kam Franz Kaspar zur Welt. Er wurde 1673 Bischof von Lavant und war das bis 1704.  Vorher war Franz Kaspar Domherr in Salzburg,

Bamberg und Würzburg. Ernannt hatte ihn der Salzburger Erzbischof Maximilian Gandolph (1668-1687). Der Bischofssitz war in St. Andrä im Lavanttal. Lavant war ein Salzburger Eigenbistum. Am 28. März 1679 schenkte Erzbischof Maximilian Gandolf

Gut und Schloss Thürn im Lavanttal dem Bistum Lavant, da das Einkommen des Bischofs so gering war. Er konnte auch Schloss Kolleg für das Bistum erwerben. Darüber gibt es einen Kaufbrief vom 20. April 1693, indem der Verkauf an den Domprobst bestätigt wird.

Auch Reideben konnte für das Domkapitel erworben werden.

In St. Andrä hatte Bischof Franz die Loreto – Kirche gebaut. Franz Kaspar war wohl  “ein Mann voll wahrer Gottesfurcht,christlicher Liebe und Milde, unermüdlichen Eifers in Erfüllung seiner hohen seelsorgerlichen Pflichten” wie es 1841 bei Karlmann Tangl in der

Reihe der Bischöfe von Lavant auf Seite 304 heißt.

Johann Philipp Joseph, Graf von Stadion-Warthausen, und Thannhausen, der Bruder Franz Kaspars , ist am 6.10.1652 in Maasmünster im Elsass geboren. Er war drei mal verheiratet.  Seine politische Karriere startete er als Würzburger Gesandter in Paris.Dann wurde

mainzischer Kammerpräsident und schließlich kurmainzischer Oberhofmeister. Damit hatte er automatisch großes Gewicht im Deutschen Reich, denn der Mainzer Erzbischof war auch Reichserzkanzler.  Aufgrund seiner herausragenden reichsrechtlichen Stellung war der Erzbischof der zweitwichtigste Mann im Heiligen Römischen Reich. Im Laufe der Jahre war diese Position allmählich unumstritten, aber Ende des 15. Jahrhunderts hatten die Mainzer Erzbischöfe sie wieder erreicht. Der Erzkanzler hatte besondere

Vorzüge und Rechte bei der Kaiserwahl und Krönung. Er hatte das Recht, die Kaiser-oder Königswahl zu leiten. Beim Tod des jeweiligen Reichsoberhaupts war er für die Zeit des Interregnums war er praktisch Reichsverweser. Er war beim Tod des Kaisers sofort zu

benachrichtigen. Er berief dann die Kurfürsten ein und setzte Wahlort und Wahltermin fest.

Kurmainz unterhielt am kaiserlichen Hof eine eigene Kanzlei, die Reichskanzlei oder Reichshofkanzlei genannt wurde. Folglich verfasste also Kurmainz die  Reichskanzleiordnungen. Die Reichskanzlei bewahrte das kaiserliche

Siegel und führte das Reichsarchiv. Eine wichtige Funktion hatte noch das Reichsdirektorium auf dem Immerwährenden Reichstag. Kurmainz führte das Direktorium und in diesem Sinne kann man  Kurmainz  durchaus als Vorgänger des heutigen

Bundesratspräsidenten sehen. Diese exponierte Stellung hatte natürlich auch eine rege Korrespondenz mit dem Kaiser, dem Papst, den Reichsständen und den bedeutenden , kleinen und auswärtigen Herrschern zufolge. Und so hatte der oberste Landesbeamte

eben eine ganz andere Funktion in diesem Apparat wie der eines kleines Kurfürstentums. Johann Philipp von Stadion wirkte bei vielen Türkenhilfen mit. Die Kriege gegen Ludwig XIV. waren natürlich ein Thema. An der Augsburger Liga, ein am 9. Juli

1686 geschlossenes Defensivbündnis zwischen Kaiser Leopold I., König Karl II. von Spanien, König Karl IX. von Schweden, Kurfürst Maximilian II.von Bayern und den Mitgliedern des fränkischen und oberrheinischen Reichskreises, wirkte er mit. Auch beim Ausbruch

des Pfälzischen Erbfolgekriegs war er tätig. Er nahm er  als Gesandter des Rheinkreises an den Friedensverhandlungen  von Utrecht im September 1712 teil. Der Friede wurde 1713 geschlossen. Auch bei den Verhandlungen für den

Frieden von Baden im Aargau war er dabei. Kaiser Leopold I. (1640-1705) erhob ihn am 21. April 1686 zum Freiherrn und am 1. Mai  1705 erfolgte die Standeserhöhung zum Grafen.  1696 erwarb er die Herrschaft Warthausen und 1705 die Herrschaft Thannhausen.

1653 hatte Graf Georg Ludwig von Sinzendorf die Reichsherrschaft Thannhausen  käuflich erworben. Von Sinzendorf war Reichserbschatzmeister, wurde allerdings 1680 wegen Betrugs und Unterschlagung seines Amtes enthoben. Die Familie musste die Herrschaft

verkaufen, um Steuerschulden zu tilgen. Diese Herrschaft erwarb dann Graf Johann Philipp  1705. Infolge dieses Erwerbs wurde er am 3. Mai 1708 in das Schwäbische Reichsgrafenkolleg aufgenommen.

Graf Johann Philipp war dreimal verheiratet. Seine erste Ehefrau Anna Maria Eva Faust von Stromberg verstarb am 10.10.1683. Aus dieser Ehe waren fünf Kinder hervorgegangen, 3 Töchter und zwei Söhne. Franz Konrad von Stadion wurde am 28. August 1679 in

Arnstein geboren.Er startete seine kirchliche Laufbahn sehr früh. Schon 1695 trat er in das Domstift in Bamberg ein. Er studierte in Rom und Angers. Seit 1709 war er kurmainzischer Gesandter am brandenburgischen und sächsischen Hof. Seit 1719 war er auch im

Würzburger Domkapitel vertreten.1727 wurde er in Würzburg Domprobst. Am 23. Juli 1753 wurde er Nachfolger des verstorbenen Fürstbischofs  Johann Philipp Anton von und zu Frankenstein. Er verstarb nach nur vier Jahren im Amt des Bamberger

Bischofs im März 1757. Er galt als religiös. Er veranlasste die Einführung eines neuen Katechismus für den Schulunterricht im Hochstift Bamberg. Auch förderte er die Volksmission der Jesuiten in Bamberg.

Zurück zu Graf Johann Philipp. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratete er Maria Anna Gräfin von Schönborn. Sie war die Nichte seines Dienstherrn, des Erzbischofs Lothar Franz von Schönborn (1655-1729). Aus dieser Ehe gingen 9 Kinder hervor,

für uns im Rahmen des Blogs von Interesse Anton Heinrich Friedrich. In dritter Ehe heiratete Johann Philipp Maria Anna, Freiin Wambolt von Umstadt. Auch diese Ehe war kinderreich. 10 Nachkommen entsprossen ihr.

Kommen wir nun zu Anton Heinrich Friedrich, Graf von Stadion-Warthausen und Thannhausen. Bei einer Schlossführung in Warthausen wurde mein Interesse für dieses Mitglied der Familie von Stadion geweckt. An ihn wird ja auch im Rahmen des Biberacher

Schützenfestes erinnert. Bei der Recherche fand ich aber die gesamte Familie so interessant, dass ich da vieles halt nicht einfach unter den Tisch fallen lassen wollte.

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Anton Heinrich wurde am 5. April 1691 in Würzburg geboren. Er studierte an der Universität Mainz Jura und Kameralwissenschaften. Die Kameralwissenschaften sollten Studierenden, die Kammerbeamte werden wollten, die erforderlichen Kenntnisse

für die Verwaltung in einem absolutistischen Staat vermitteln. Kameralwissenschaft wurde in zwei Teile gegliedert, zum einen Ökonomie, zum anderen Verwaltung. Schon in seinem Studiengang wurde der junge von Stadion also bestens auf den

angestrebten Beruf vorbereitet. Natürlich wurde auch er nach Abschluss seines Studiums auf Kavalierstouren geschickt. Er reiste nach Holland, Italien und Frankreich. Er begegnete dort den größten Geistern seiner Zeit, so in Frankreich Voltaire,

der ihn sehr beeindruckte. Er blieb auch weiter in Verbindung mit Voltaire. Er war sehr begabt und seine Reisen unternahm er mit sehr wachen Augen. Er wurde schon sehr jung in den Staatsdienst aufgenommen. Anton Heinrichs Vater trat 1737 von

allen Ämtern am kurmainzischen Hof zurück. Anton Heinrich begann seine öffentliche Laufbahn auch in kurmainzischen Diensten. Er wurde Geheimer Rat, dann Hofmarschall.In Bischofsheim, dem heutigen Tauberbischofsheim wurde er 1718

Oberamtmann. Dann kam er nach Mainz, wo er Staatsund Hofminister und schließlich  wie sein Vater Oberhofmeister wurde. Der erste Mainzer Erzbischof, unter dem er diente, war Philipp Karl von Eltz-Kempenich. Philipp Karl wurde im Juni 1732 neuer Erzbischof

in Köln und blieb dies bis zu seinem Tod 1743. Auf ihn folgte Johann Friedrich Karl von Ostein, ein Cousin von Anton Heinrich. Beide Herrscher waren schwach und in Staatsgeschäften sehr unerfahren.

1737 , imselben Jahr als Graf Johann Philipp von allen Ämtern zurückgetreten war, hatte Anton Heinrich den Rollingschen Hof erworben. Der Geheime Hofrat Lothar Friedrich von Rollingen hatte ihn in den Jahren 1628 bis 1633 erbauen lassen. Nach dem Erwerb durch

Anton Heinrich wurde er das Gebäude in Stadionscher Hof umbenannt.

Nachdem Tod von Philipp Karl von Eltz-Kempenich am 21. März 1743 wählte das Mainzer Domkapitel auch unter dem Druck der Pragmatischen Armee Johann Friedrich Karl von Ostein zum neuen Mainzer Erzbischof. Der bisherige Domkustos war

ein entschiedener Parteigänger Habsburgs. Nach dem Tod Karls VII. (1742-1745) gelang es ihm, im Bayrisch-Österreichischen Erbfolgekrieg zu vermitteln. In Füssen wurde  am 22. 4. 1745 Frieden geschlossen und damit der  Österreichischen Erbfolgekrieg  zwischen

Österreich und Bayern beendet. Kurfürst Max Joseph verzichtete auf die Kaiserwürde und alle Ansprüche auf österreichische Länder, anerkannte die Pragmatische Sanktion und versprach gegen Rückgabe seiner Länder Franz Stephan, dem Gemahl Maria Theresias,

bei der Kaiserwahl seine Stimme. Formell beendet war der Krieg zwar erst mit dem Frieden von Aachen. Der Füssener Friede hatte zunächst nur die Einigung zwischen Bayern und Österreich gebracht. In Aachen wurden Vereinbarungen zwischen

Österreich und England, die in diesem Krieg verbündet waren und Preussen und Frankreich andererseits getroffen. Im Bereich des Kurstaates war aber der Friede schon mit dem Vertrag in Füssen eingetreten.  Der Mainzer Erzbischof lud als Reichserzkanzler

zur Kaiserwahl nach Frankfurt. Dort wurde am 13. September 1745 Franz Stephan von Lothringen zum Kaiser gewählt. Der bayrische Kurfürst hatte sich in Füssen ja bereit erklärt, der Wahl zu zustimmen. Sieben der neun Kurfürsten stimmten für Franz I. Stephan.

Als er am 4. Oktober 1745 im Kaiserdom zu Frankfurt gekrönt wurde, kniete seine Gemahlin Maria Theresia nicht wie üblich neben ihrem Mann. Sie blieb unter den Zuschauern. Im Gegensatz zum neugewählten Kaiser besaß sie als Monarchin von Ungarn und

Böhmen und regierende Erzherzogin der habsburgischen Erblande wirkliche Macht. Der Kaiser war im 18. Jahrhundert für Zeremonien und Repräsentation zuständig. Er nahm Adels-und Ordensverleihungen vor. Friedrich der Große sagte zur Kaiserwürde, sie sei nur

“leerer Titel”.

Natürlich war die agierende Person immer der Mainzer Erzbischof. Man kann aber annehmen, dass Graf Anton Heinrich die Strippen zog, zumal er gut vernetzt war, während Friedrich Karl von Ostein ja kaum praktische Erfahrung in Staatsgeschäften hatte.

Auch im Kurstaat stellte der Oberhofmeister die Weichen. Er führte ein gültiges Landrecht im Kurstaat ein, das willkürlichen Rechtsabweichungen ein Ende machte. Ergänzt wurde das durch eine neue zeitgemäße Gerichtsordnung. Sie regelte den Verlauf von

Verfahren in Bürgerlichen und Strafsachen. Er erließ für die Förderung von Handel und Verkehr wichtige Verordnungen. Er führte zwei vierzehntägige Messen in Mainz ein. Er erließ Verordnungen zur Regelung des Messkredits und der Zahlungstermine. Er schuf

eine Vertretung des Handelsstandes unter Leitung des Vicedom-Amts. Das ist der Vorläufer einer künftigen Handelskammer. Sie hatte über alles zu beraten, „was zur Aufnahme der Gewerbe und Kauffmannschaft dahier gereichen, und Schaden und Abgang zu

verhindern vermag.“  Begleitet wurde dies von einer Neuregelung des Schiffahrtswesens. Auch über eine Verbesserung des Pfandverkehrs wurde nachgedacht. Das Löschwesen wurde verbessert. Und man versuchte den Bettelunfug in Griff zu bekommen.

1746 wurden die Privilegien der Universität erneuert. Der Erzbischof ließ einen botanischen Garten errichten und ein Anatomisches Institut wurde errichtet. Der Einfluss der Jesuiten wurde allerdings nicht zurückgedrängt.

Wenig Unterstützung hatte der Oberhofmeister von seinem Erzbischof allerdings, wenn es um religiöse Angelegenheiten ging. Als er ein 1720 errichtetes Kreuz entfernen ließ,um Platz für die Messe zugewinnen wurde geschickt Stimmung gegen den

aufklärerischen Oberhofmeister gemacht. Um die aufgebrachte Menge zu beruhigen, ließ die Regierung ein neues Kreuz errichten. Johann Baptist Horix war Doktor beider Rechte, der weltlichen und kirchlichen. Er unterrichtete als Professor an

der Universität Mainz. Er war einer der ersten Dozenten, die ihre Vorlesungen in deutsch hielten. In einer Arbeit “Tractatiuncula in fontibus juris canonici germanici”, kämpfte er gegen die von Rom angestrebte Vermehrung der Machtvollkommenheit an.

Die Geistlichkeit regte sich gegen den Gelehrten und ruhte nicht, bis dieser gemaßregelt wurde. Es gelang auch von Stadion darin zu verwickeln. Dieser musste schließlich eine Erklärung abgeben, er habe an der Arbeit des von ihm protegierten Professors

keinen Anteil.  Dies alles und die Erkenntnis, dass er bei seinem Herrn keinen Rückhalt hatte, veranlassten ihn, sich nach Warthausen zurück zuziehen, ohne aus dem Staatsdienst auszuscheiden.

Christoph Martin Wieland nennt einen anderen Grund für den Rückzug aus Mainz: „Der Graf von Stadion hatte den Cardinalnepoten, wie man ihn damals  am mainzer Hofe nannte, zum Fenster hinauswerfen wollen, und erhielt daher den Befehl, nach Warthausen, eine Stunde von Biberach, wo er Oberamtmann war, sich zu verfügen, und nicht eher als gerufen wieder  bei Hofe zu erscheinen.“(in Historisches Taschenbuch 10 S. 395 f.)

Sein Vater Johann Philipp hatte die Herrschaft Warthausen ja 1695 erworben.

Anton Heinrich hatte am 27. Juni 1724 in Ebnet bei Freiburg Maria Anna Augusta Antonia Euphemia Euphrosyna von Sickingen zu Hohenburg geheiratet. Dieser Ehe entstammten drei Söhne, von denen einer allerdings nur ein Jahr alt wurde und drei Töchter.

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Aus seiner Zeit aus Tauberbischofsheim stammt Georg Michael Anton Frank von Lichtenfels gen. von La Roche, den er zwar nicht legitimierte, der aber beste Ausbildung erhielt.

Zu Schloss Warthausen siehe Blog.  Graf von Stadion hatte sich 1756 ins Biberacher Bürgerrecht eingekauft. Er hatte auch ein Haus in Biberach erworben, das der damalige Biberacher Bürgermeister Wilhelm von Brandenburg erbaut hatte.

(Biberacher Bauchronik von 1928-Preisersche Chronik-S. 174.) Er ließ es kostbar einrichten. Die Rokoko-Stuckdecken im Haus, die Balustertreppe und die Tür mit Messingbeschlägen stammen wohl aus dieser Zeit.

Von Stadion nutzte das Haus als Sommerresidenz, wenn er in Biberach weilte. In diesem Haus hat er wohl auch Christoph Martin Wieland getroffen, der ja nur ein paar hundert Meter davon entfernt wohnte und als Städtischer Kanzleiverwalter

arbeitete. Als Georg Michael La Roche Warthausener Oberamtmann war, bewohnte er dieses Haus in der heutigen Biberacher Hindenburgstraße.

Graf Anton Heinrich hatte auch in Warthausen einige Veränderungen vorgenommen. So ließ er die bis dahin gotische Schlosskapelle barockisieren. Im heute sogenannten Damensalon ist eine aus der Zeit von 1720 original erhaltene Seidentapete zu bewundern.

Dort ist auch viel Porzellan ausgestellt. Vieles  sind Hochzeitsgeschenke zur Vermählung mit Maria Anna Augusta. Es sind alle Manufakturen der damaligen Zeit vertreten. Auch eine beachtliche Chinosoirie-Sammlung ist zusehen.

Ein Schmuckstück ist natürlich die Bibliothek, zum einen der Raum selbst, aber natürlich der Inhalt. Licht erhält der Raum durch zwei Fenster in Ost-West-Richtung. Er hat also den ganzen Tag Tageslicht. Die Fenster sind mit Butzenglas versehen,

das eine fokussierende Wirkung hat und so lange Tageslicht herrscht, optimale Lesebedingungen bietet. Die Bibliothek ist ins Denkmalbuch Baden-Württemberg eingetragen und wird von der Landesbibliothek betreut. Es ist dies ein repräsentatives

Zeugnis süddeutscher und aristokratischer Bibliothekskultur. Zusätzlich interessant ist die Bibliothek natürlich auch durch die Tatsache, dass sich Wieland oft und gerne in Warthausen aufgehalten hat, oder mit Wielands Worten Johann Georg Zimmermann

in einem Brief vom 22. Juni 1762 in Christoph Martin Briefwechsel hsg v. der Dt.Akademie der Wiss. (WB) Bd. III, Berlin 1975,S.93 “ un endroit où je passe de tems en tems quelques jour´s aussi agreablement qu’il le faut oublier ma situation desastreuse dans ma

villaine patrie”. Interessant ist die Bibliothek natürlich vor allem dadurch, dass die Möglichkeit, diese Bibliothek zu nutzen, in die Zeit fiel, in der Wieland an der Geschichte des Agathon und an seinen Shakespeare –Übersetzungen arbeitete. Die Bibliothek umfasst

rund 1400 Bände. Mehr als die Hälfte davon sind Geschichtswerke, Reisebeschreibungen, staatswissenschaftliche und ökonomische Beschreibungen. Sehr vieles davon sind französische Werke. Sie hat auch eine umfangreiche höfische Traktatliteratur,

Werke über Grundlagen der Adelserziehung. Wieland war ja ab 1772 in Weimar als Prinzenerzieher für die beiden Söhne von Anna Amalia von Sachsen-Weimar tätig. Dann sind in der Stadionschen Bibliothek natürlich  politische und philosophische Werke der

europäischen Frühaufklärung vertreten, die meisten in französischer Sprache oder Übersetzung. Francis Bacon Neuf Livres De la Dignité et De l’Acroissement des Sciences, Pierre Bayle, Dictionnaire historique et critique, einige Bücher von Réné Descartes,

Hugo Grotius Le Droit, La Guerre et la Paix,Voltaire, Oeuvres, Anti-Macchiavelli. Nicht verwunderlich ist Voltaire, schließlich ist von Stadion ja schon auf seinen Kavalierstouren begegnet und war von ihm beeindruckt. Dann ist Leibniz in Warthausen zu finden.

Einen großen Rahmen nimmt die französische Literatur von 1600 bis 1750 ein. Englische Literatur ist in Warthausen kaum verzeichnet. Daraus kann man schließen, dass Wielands  Rezeption englischer Literatur schon in seine Schweizer Zeit von 1752-1759

bei Bodmer fiel. Deutsche Dichtung des 18. Jahrhunderts ist in der Stadionschen Bibliotherk kaum präsent. Es ist noch eine handsignierte Aussage von Kant zu finden und natürlich eine komplette Wielandausgabe, die aber möglicherweise erst durch die Enkel

von Anton Heinrich hinzukamen.

Ab 1761 lebte Graf Anton Heinrich in Warthausen. Auch Georg Michael Frank von La Roche ging mit dem Grafen nach Warthausen. Er war dort Oberamtmann und übernahm die Verwaltung des Guts. 1753 hatte er Sophie von Gutermann geheiratet. Sie war

die Tochter des Kaufbeurer Arztes Georg Friedrich Gutermann zu Gutershofen.Sie war von ihrer Familie nach Biberach gebracht worden, weil sie sich in Augsburg mit dem Italiener Giovanni Ludovico Bianconi verlobt hatte. Die Familie wünschte aber die

Eheverbindung auch aus konfessionellen Gründen nicht. In Biberach traf sie den evangelischen Pfarrersohn, ihren Cousin Christoph Martin Wieland. Ihre Seelenverwandschaft führte bald dazu, dass sie sich verlobten. Allerdings löste Sophie diese

Verlobung als Wieland bei Johann Jakob Bodmer in Zürich weilte. Ende 1753 heiratete sie nun Georg Michael Frank von La Roche. Sophie war als Hofdame und Gesellschafterin am Warthauser Hof. Wieland war mittlerweile zunächst Senator und dann

Kanzleiverwalter in Biberach.Nicht weit von Warthausen ist das Kloster Obermarchtal. Dort war  Sebastian Sailer Prämonstratensermönch. Er war gefragter Prediger und vielseitiger Autor. 1764 war Ignaz Valentin Heggelin Pfarrer in Warthausen geworden,

auch er durchaus mit den Schriften der Aufklärung vertraut. Dann war noch Maria Maximiliana, die Tochter des Grafen. Seit 1754 ist sie als Stiftsdame des Freiweltlichen Damenstifts in Buchau verzeichnet. Am 18. Januar 1775 wurde sie dort als letzte Äbtissin

gewählt. Dieser kleine Kreis traf sich regelmäßig zum Gedankenaustausch in Warthausen und ist später als Warthauser Musenhof bekannt geworden. Auch Johann Heinrich Tischbein war immer wieder zugegen und fertigte Porträts des Kreises an. Auch das obige

Bild von Anton Heinrich Johann stammt von ihm. Als Johann Heinrich gerade 14 Jahre alt war, malte er ein Porträt des Kochs des Grafen. Das wurde auch dem Grafen gezeigt. Er erkannte das Talent des Jungen. Er förderte ihn und ermöglichte ihm eine Ausbildung in

Paris. Später stellte er den Kontakt zum Landgrafen Wilhelm VII. her. Er fertigte ein Porträt des Landgrafen an. Obwohl der Maler nur einen Tag zur Verfügung hatte und er außerdem von heftigen Zahnschmerzen geplagt war, gelang das Bild so gut,

dass er zum Hofmaler Wilhelms VII. ernannt wurde.

Auch den aus Reutte in Tirol zugewanderten Tischler Anton Haaf hatte er gefördert. Er hatte ihn auf die Bauakademie nach Wien geschickt. In Warthausen führte er im Auftrag des Grafen einige Umbauten durch. In Bönningheim wurde er mit dem Neubau des

Schlosses beauftragt, das über  Anton Heinrichs Vater in den Besitz der Familie Stadion gelangt war. Die Pläne für das Schloss stammen aber wohl von Anselm Franz Reichsfreiherr von Ritter zu Groenesteyn, der auch den Stadionschen Hof in Mainz gebaut hatte, der

manchmal als der “ große    Bruder “ des Bönnigheimer Schlosses bezeichnet wurde.

Nicht nur Friedrich der Große hatte in seinem Land die Kartoffel eingeführt. Auch Graf von Stadion hatte das in seiner kleinen Herrschaft gemacht. Die Riss hatte ein neues Bett bekommen und auf dem neugewonnenen Land ließ der Graf die Kartoffel

anpflanzen.

Zu von  Ostein’s Nachfolger Emmerich Josef v. Breidbach-Büresheim kam es wieder zu freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem ehemaligen Oberhofmeister und dem Kurfürsten, ohne dass Graf Anton Heinrich wieder in den kurmainzischen Staatsdienst

zurückkehrte. Und dank dieser Beziehung hatte er durchaus noch Einfluß. So wurde auf seinen Rat Christoph Martin Wieland als Professor der Philosophie nach Erfurt berufen, was in konservativen Mainzer Kreisen nicht besonders gut ankam. Auch beim Umbau

des Mainzer Schulwesens  spielten Stadion’s Freunde Freiherr v. Benzel-Sternau und Großhofmeister v. Grosschlag, beide freisinnige Männer, eine hervorragende Rolle.

Die Ehe mit Maria Anna von Sickingen war wohl nicht besonders glücklich. Maria Anna war wohl etwas engstirnig fromm und so ziemlich das Gegenteil ihres freisinnigen Gattens. Das Ehepaar lebte meist getrennt, sie die meiste Zeit in Freiburg.

Graf Anton Heinrich Friedrich verstarb am 26. Oktober 1768 in Warthausen.

Er hatte eine enorme politische Gestaltungskraft gezeigt. Ohne selbst schriftstellerisch tätig zu sein, hat er durch die Förderung Wielands und Sophie La Roches auch der deutschen Literatur Impulse gegeben. Seine Förderung Wielands in Biberach,

die Möglichkeit in Warthausen zu arbeiten und dass von Stadion Wieland den Weg nach Erfurt geebnet hat, hat diesem sicher einiges erleichtert.

Und auch seine Söhne haben wohl einiges von seinem Talent geerbt. La Roche hat in Trier dieselbe Stellung wie der Vater in Mainz eingenommen. Seine Frau Sophie war die bedeutendste Schriftstellerin ihrer Zeit. Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim

gilt als der erste von einer Frau geschriebene Roman. Über ihre Tochter Maximiliane wurde sie zur Großmutter von Bettina von Arnim und Clemens Brentano.

Der Sohn von Graf Anton Heinrich Johann Franz Konrad von Stadion zu Warthausen und Thannhausen wurde  am 15.03.1736 geboren. Er heiratete Maria Ludovica geb. Zobel von Giebelstadt. Am 18. Juni 1763 wurde Johann Philipp Karl Joseph Graf von Stadion

geboren. Sein erster Sohn Friedrich Lothar Graf von Stadion-Warthausen wurde am 6. April 1761 geboren. Er erkrankte früh an Tuberkulose und musste deshalb auf sein Erzgeburtsrecht verzichten. Er wurde für den geistlichen Dienst bestimmt und wurde Domherr in

Mainz. Sein Bruder  Johann Philipp Carl Joseph wurde am 18.06.1763 in Warthausen geboren. Johann Philipp studierte Jura in Nancy und Göttingen. Nach dem Studium ging er mit seinem Bruder auf Kavalierstour begleitet vom gemeinsamen

Erzieher Joseph Hieronymus Karl Kolborn. Für die beiden Brüder blieb er zeitlebens ein enger Berater und Vertrauter.

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Johann Philipp absolvierte ein Praktikum am Wiener Hofrat. 1787 trat er in den österreichischen diplomatischen Dienst ein. von 1787 bis 1790 war er Gesandter in Stockholm. Dann übernahm er die Gesandtschaft in London. Er konnte das angespannte britisch-

österreichische Verhältnis entspannen. Er trug auch maßgeblich zum Eintritt Englands in die Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich bei. 1793  Johann Amadeus Franz de Paula Thugut die Leitung der österreichischen Außenpolitik. Von Stadion hatte

sachliche Differenzen mit der österreichischen Politik und quittierte deshalb seinen Dienst. Er lebte auf den böhmischen Gütern der Familie. 1794 vermählte er sich mit Marie Anna Gräfin v. Thannhausen,deren Vater Joseph Johann Nepomuk Georg von Stadion

kurmainzischer  Geheimrat und Obersilberkämmerer war. Aus dieser Ehe gingen acht Kinder hervor.

Als Thugut 1800 zurücktrat folgte Johann Ludwig Graf von Cobenzl auf ihn. Er hatte die Verhandlungen beim Rastatter Kongress geleitet, die zum Friedensvertrag von Lunéville führten. Nun nahm auch von Stadion seine diplomatische Laufbahn wieder auf.

Er wurde 1801 Gesandter in Berlin. Danach folgte ab 1803 die Vertretung in Petersburg. 1805 trug er wesentlich zum Bündnis gegen die Expansionsbestrebungen Napoleons bei. Stadion hatte 1803 geraten, das alte Reich aufzulösen in der Hoffnung,

den Rheinbund verhindern zu können. Allerdings trog die Hoffnung. 1805 war Stadion zum Außenminister ernannt worden. Die Reformen des Schulwesens, innere Reformen, Verwaltungsreformen waren Schwerpunkte der Stadionschen Tätigkeit.

Er  befürwortete den österreichischen Aufstand von 1809. Aber Preußen hatte Stadions Hoffnungen enttäuscht und sich nicht daran beteiligt. Nach der österreichischen Niederlage wurde Stadion durch Metternich abgelöst. Ab 1815 war er als

Finanzminister tätig. Im Zug der Neuordnung des Finanzwesens gründete von Stadion 1816 die Österreichische Nationalbank. Sie hatte das Monopol auf die Emission von Banknoten. Die Wirtschaft hatte eine solide Geldquelle und es trat eine Beruhigung des

österreichischen Geldwesens ein.

Von Stadion gehörte in seiner Eigenschaft als Graf von Warthausen auch der Württembergischen Ständeversammlung an. Mit dem württembergischen König, der seine Standeserhöhung ja Napoleon verdankte, lebte er im Dauerkonflikt.

Das führte dazu, dass Warthausen 1826 verkauft wurde. Graf Philipp Johann starb am 15. Mai 1824 in Baden bei Wien.

Damit soll der Blick auf rund 1000 Jahre interessanter Familiengeschichte abgeschlossen sein.

01 Okt. 2013

Die Große Ravensburger Handelsgesellschaft

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                                                                        Die Wirtschaft im Spätmittelalter

Im Mittelalter war der Großteil Europas landwirtschaftlich geprägt. Die Bauern produzierten überwiegend für den Eigenbedarf. Da sie der Kirche den Zehnten entrichten mussten und ihren Grundherren Frondienste

leisten mussten, wurden kaum Überschüsse produziert, die gehandelt werden hätten können. Auch waren die Verbindungen in die Regionen sehr schlecht, so das meist nur für das Umland produziert wurde.

Es gab auch Handwerker auf dem Land, die aber praktisch nur für das Dorf und dessen Bedarf produzierten. Auf dem Land herrschte Selbstversorgung. Der tägliche Bedarf, auch Kleidung wurde selbst produziert.

Das blieb so im gesamten Frühmittelalter,das man grob von 500 nach Christus bis 1000 datieren kann. Im Hochmittelalter (1000-1300) werden in zunehmenden Maße Städte gegründet. Die Dominanz des Landes bleibt aber bestehend.

In den Städten lebten Handwerker, aber auch Dienstleister wie Bader, die auch eine medizinische Grundversorgung erbrachten. Man könnte sie als “Ärzte des kleinen Mannes” bezeichnen. Sie waren einerseits durchaus angesehen, da sie

aber Pflegebedürftige, Kranke und Verwundete berührten, zählten sie zu den unehrlichen Berufen, die gar nicht oder sehr spät in Zünfte aufgenommen wurden, in Augsburg und Würzburg z.B. 1373, in Hamburg 1375.

Im Süden des deutschen Reiches wie in Wien wurde Bader ein geregelter Ausbildungsberuf mit Lehre, Wanderschaft und schließlich Meisterprüfung. Dienstleister waren auch Stadtbüttel oder Prostituierte.

Die Handwerker waren in Zünften oder Gilden organisiert. Diese regulierte meistens die Preise, legte die Absatzmengen fest, überwachte die Qualität, legte die Zahl der Betriebe und Angestellten fest. Der einzelne Handwerker

hatte einerseits kaum eine Chance, aus eigener  Kraft nach oben zu kommen oder zu expandieren. Andrerseits gewährleistete die strenge Regulierung ein gutes und einigermaßen geregeltes Auskommen. Die Mitglieder zahlten Beiträge in

eine gemeinsame Kasse. Wenn nun ein Zunftmitglied krank wurde, unterstütze ihn die Zunft. Diese hatte also auch eine Versicherungsfunktion.

Im Spätmittelalter  herrscht zunächst eine Krise, die aber abflaut. Um 1450 setzt ein Wideraufschwung ein. Verschieden Gründe hatten zu der Krise geführt.  Ein wichtiger war die Schwarze Pest. 1348 erreichte sie aus Asien kommend Europa.

Sie verbreitete sich rasch entlang der Handelswege und wütete vor allem in den Städten. In einigen Regionen reduzierte sich die Bevölkerung in der Folge um mehr als 50 %. Auf ganz Europa bezogen kann man annehmen, dass die Bevölkerung

von etwa 100 Millionen auf 50 Millionen sank. Weitere Gründe waren Kriege, so zum Beispiel der “Hundertjährige Krieg” zwischen England und Frankreich (1338-1453), der vor allem Westeuropa verwüstete.

Die Einnahme Konstantinopels durch die Türken (1453). Damit ist ein Rückgang des Handels verbunden, vor allem des Orient- Handels. Vor allem Venedig ist davon betroffen. Die Nahrungsmittelproduktion ging zurück. Zwischen 1315 und 1317

wurde Europa von einer großen Hungersnot heimgesucht. Verantwortlich dafür war zum  Beispiel ein Rückgang der Rodungen. Außerdem wurden immer mehr Wiesen in Ackerland verwandelt. Dadurch nahm der Viehbestand ab, mit der Folge, dass weniger

Düngemittel zur Verfügung standen und damit wieder die Bodenproduktivität abnahm. Auch Klimaveränderungen, ausgelöst durch die Rodungen haben wohl eine Rolle gespielt. Auf dem Land hat dies auch zu sozialen Spannungen geführt, die

schließlich in den Bauernunruhen mündeten, die ja keine auf Deutschland beschränkte Erscheinung waren.

Die Krise ist aber auch Vorbedingung für den Wiederaufschwung.Pest und Hungersnöte führen zu einem Bevölkerungsrückgang zwischen 1350 und 1450. Die Geldlöhne steigen und die Nahrungspreise sinken. Die steigenden Löhne haben auch

wieder Auswirkungen auf das Bevölkerungswachstum. Ab etwa 1450 nimmt die Bevölkerung wieder zu. Wegen der Wüstungen steht unbebautes Land zur Verfügung. Es kann wieder vermehrt Viehzucht betrieben werden. Damit stehen wieder mehr

Düngemittel zur Verfügung. Die Bodenproduktivität steigt wieder an. Ab etwa 1450 kann der Wiederaufschwung einsetzen.

Das Mittelalter hatte eine erstaunliche technische und ökonomische Dynamik. Mühlen waren eine wichtige Energiequelle. Mit der Wasserkraft werden auch Webstühle und Spinnräder betrieben.

Die Maschinenbautradition setzte schon im Frühmittelalter ein. Der Tretwebstuhl wird eingerichtet, dadurch wird das Weben schneller. Spinnanlagen, die mehrere Fäden auf einmal spinnen werden eingerichtet.

Die Herstellung von Eisen macht im Mittelalter enorme Fortschritte. Aus Eisen werden Werkzeuge, aber auch Waffen und Rüstungen hergestellt. Eisenpflüge werden produziert, was wiederum die landwirtschaftliche Produktion steigert.

In der  Zeit ab 1500 entstehen die sozialen Voraussetzungen für den Handelskapitalismus. In den zentraleuropäischen Städten entsteht das Wirtschaftsbürgertum

 

                                                                                             Buchhaltung, Bankwesen

 

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Im späten Mittelalter werden in den Kaufmannskontoren die geschäftlichen Vorgänge genauer erfasst. Dadurch steigern die Kaufleute ihre Effizienz. Der italienische Mathematiker und Franziskanermönch Luca Pacioli

(um 1445 bis 1514) beschrieb in seinem 1494 gedruckten Buch Summa de Arithmetica, Geometria,Proportioni et Proportinalità das System der doppelten Buchführung. Das Buch wird in andere Sprachen übersetzt und von

vielen Autoren kopiert. So verhalf es der doppelten Buchführung zum Durchbruch. Charakteristisch ist einerseits die Führung von getrennten Kapital-und Ertragskonten und andrerseits die Verbuchung von Soll-und Habenposten

in zwei Kolonnen, bzw. auf zwei gegenüberliegenden Seiten. Max Weber hat zur doppelten Buchführung bemerkt, dass sich ohne sie der moderne Kapitalismus mit seinen komplexen Geschäften nicht hätte entwickeln können.

In der Mitte des 13. Jahrhunderts wird international anerkanntes Geld geprägt, was den Handel wesentlich erleichtert. Ab 1252 gibt es in Florenz den Florin, eine Goldmünze mit 3,54 g Feingold. 1284 folgte Venedig mit dem Golddukaten,

der in den beiden folgenden Jahrhunderten als Welthandelsmünze angesehen werden kann. Dennoch war der Geldverkehr recht umständlich. Zum einen brauchte der Kaufmann eine Riesenbörse, da ja die verschiedensten Währungen

im Umlauf waren. Ein sehr schönes Exemplar wurde auf der Ausstellung Bayern-Italien in Füssen gezeigt. Auch war es ein Risiko, Münzen in großen Mengen mit sich zu tragen. Bald reichte für Großkaufleute und überregionale Händler die

Abwicklung des Zahlungsverkehrs mit ortsüblichen Münzen nicht mehr aus. Die Messen in der Champagne waren wichtige Handelsplätze des Mittelalters. Dort entstanden auch neue Kreditinstrumente. So wurde dort der Wechsel erfunden

oder auch neu erfunden. Es entstehen Techniken des Zahlungsverkehrs. Man verrechnet jetzt über ein Jahr weg und nur noch Saldi führen zu Edelmetalltransporten von Flandern nach Italien oder umgekehrt.

In Norditalien entstehen große Handelsgesellschaften wie la vera società, die größte. Diese Gesellschaften üben auch bald bankähnliche Funktionen aus. Das Ersetzen von Bargeldern durch Kreditgeschäfte, vor allem Wechsel,

erhöht die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Die Medici in Florenz organisieren ihre Bank in Form einer Holding. Der Konkurs einer einzelnen Gesellschaft gefährdet somit nicht mehr das Ganze. Vor allem in Florenz, später auch in Genua

entwickelt sich das Bankwesen. Dies schlägt sich auch in einer Vielzahl moderner Bankbegriffe nieder, die alle aus dem Italienischen stammen wie Kontokorrent, Skonto, Giro, Diskont aber auch Bankrott. Bald bürgert sich der Begriff

Lombarden für die italienischen Bankiers ein, obwohl viele Bankzentren gar nicht in der Lombardei liegen. Im Lombardsatz lebt das noch fort. Damit entwickeln sich Handeln und das gesellschaftliche Leben enorm, vor allem in den

oberitalienischen Städten aber auch in deutschen Städten, die Import und Export betreiben, wie Nürnberg, Augsburg,Köln, Ulm aber auch Ravensburg. Diese Städte blühen auf und haben auch eine große Anziehung auf Künstler.

Auch glänzen sie mit großen repräsentativen Bauten, in Köln der Dom, in Ulm das Münster, Gotteshäuser, die für die Einwohnerzahl fast überdimensioniert sind. Prachtvolle Rathäuser wie in Augsburg zeugen vom Reichtum der

Städte.

In Ulm wirken Künstler wie Syrlin, Erhart oder Multscher, in Nürnberg Veit Stoß und Dürer,  in Augsburg Elias Holl, der Erbauer des Rathauses Hans Holbein der Ältere und Hans Holbein der Jüngere und Hans Burgkmaier

                                                                                                                  Handelswege

 

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In der Römerzeit war abgesehen vom Technischen der Straßenbau besser zu bewerkstelligen als dann im Mittelalter. Die Zentralgewalt plante und führte  die Streckenführung und Bau der Straßen in

standardisierten Verfahren durch. Sie waren Instrument der Eroberungspolitik und wurden nach militärischen Gesichtspunkten geplant. Wichtig war der rasche Truppentransport. Die Römerstraßen wurden bis ins

Mittelalter und darüberhinaus genutzt aber kaum ausgebessert oder gar ausgebaut. Neben den Römerstraßen gab es die Altstraßen, die meist unbefestigte Naturwege waren, und die Täler mieden, da dort meist Auenwälder

wuchsen und mäandernde Flüsse waren. Man bevorzugte Höhenwege oft entlang von Wasserscheiden, lateinisch strata alta, also Höhenstraße, daher vielleicht der Name Altstraße. Auf den Höhen konnten Gefahren auch schon von

weitem gesehen werden. Im Mittelalter gab es viele Kleinstaaten.So machte es für  die Herrschenden wenig Sinn in befestigte Straßen zu investieren. Erst zu Beginn der Neuzeit deuten Ausbau, Pflege und Ausbesserung vor allem wichtiger Fernstraßen auf gezielte

Wirtschafts-,Territorial und Verkehrspolitik hin. Die wichtigsten Straßen waren die öffentlichen Straßen und Heerstraßen. Das waren immer Hauptstraßen. Auf diesen standen die Benutzer unter dem Land oder Königsfrieden.

Heerstraßen wurden zunehmend  Handelswege.

Wichtige Straßen war der Hellweg. Der keltische Namensteil deutet darauf hin, dass hier ursprünglich Salz transportiert wurde.

Der Schwabenweg verband die deutschsprachigen Länder mit der französischen Route des Jakobswegs. Er begann in Konstanz und endete dann natürlich auch in Santiago de Compostela. Schon im Mittelalter kamen viele Schwaben in Konstanz an. von dort ging es weiter nach Kloster Einsiedeln und weil er eben von vielen Schwaben genutzt wurde, wurde er schon in dieser Zeit Schwabenweg genannt. Von Einsiedel ging es über Genf auf dem französischen weg weiter in Richtung Spanien.

Die via imperii ist eine der bekanntesten alten Fernhandelsverbindung und sie führte von Venedig über den Brenner über Augsburg Nürnberg schließlich nach Cölln dem heutigen Berlin. Von dort bestand eine Verbindung zu den Hansestädten an der Ostsee

bis nach Stettin. Von dort wurde sie über Danzig nach Königsberg weitergeführt. In Leipzig kreuzte sie mit der via regia. Sie war unter besonderem Friedensschutz und führte von Frankfurt über Fulda, Erfurt Leipzig bis nach Breslau in Schlesien.

220px-Via_Imperii_und_Via_RegiaAls ältester befestigter Verkehrsweg in Bayern gilt die Via Claudia Augusta von Rom über den Reschenpass nach Augsburg und von dort in bis in das Donau-Ries. Sie war die wichtigste Verbindung im Italienhandel.

In den Alpen ging es oft auch nur über Saumpfade weiter, zumal die Saumgenossenschaften den Alpentransit gut geregelt hatten. Wichtige Säumerwege in der Schweiz waren Gotthard, Grimsel und Griesspass, in Österreich Hohe Tauern, Silvretta und Ötztal,

in Deutschland und Tschechien der Goldene Steig.

Wegen der schlechten Beschaffenheit der Straßen wurde aber ein großer Teil des Handels auf den Flüssen abgewickelt. Die wichtigste Wasserstraße war natürlich der Rhein, aber auch die Nebenflüsse, zum Beispiel der Main. Transportiert wurden meistens

Massengüter wie Bau-und Brennholz, Bau-oder Mühlsteine, Getreide, Salz, Wein oder Eisen. Die Transportkosten auf dem Wasserbetrugen  nur ein Sechstel des Straßentransport. Erst im 15. Jahrhundert begann der Landtransport den zu Wasser zu überflügeln,

da die Binnenschiffahrt durch Mühlendämme oft behindert wurde und die Straßen, aber auch die Sicherheit allmählich besser wurden.

                                                                         Verkehrsmittel

Auf den Straßen waren natürlich die Handelszüge unterwegs, schwere eisenbeschlagene Wägen, meistens von mindestens 4 Pferden gezogen. Es gab oft Rad-und Achsenbrüche. Gemäß dem damaligen Gewohnheitsrecht

gehörte alles, was auf den Boden fiel dem Grundherrn. Auch das ein Grund, dass diese wenig Interesse an der Instandhaltung der Straßen hatten, zumal das ja auch eine gute Einnahmequelle war. Fuhrleute hatten immer Ersatzräder und Achsen dabei.

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Begleitet wurden die Transporte praktisch immer von Reisigen, also Bewaffneten, die die Transporte schützen sollten. Im Mittelalter entwickelte sich das Geleitwesen. Gegen Geldzahlung wurden die Händler zunächst von Bewaffneten begleitet,

später wurde ein Schutzbrief ausgestellt, in dem sich der Geleitherr verpflichtete, Schadenersatz zu leisten, wenn der Kaufmann durch Überfälle zu Schaden kam, eine Art Versicherungsschutz also.

Auf dem Ober-und Mittelrhein und dem Main waren meist sogenannte Lauerdannen unterwegs, das waren Einwegschiffe, auf denen Wein, Holz,Steine und sonstige Güter transportiert wurden. Am Zielort wurden sie dann als Bau-oder Brennholz

verkauft. Sie hatten eine Tragkraft von bis zu 40 Tonnen. Oberhalb von Köln war der Oberländer das Großschiff des Mittelrheins. Auf dem Bodensee waren “Lädinen”unterwegs, Lastensegler, die bis zu 120 Tonnen Ladung aufnehmen konnten,

das entspricht einer Ladung von 120 Fuhrwerken. Und bei entsprechenden Windverhältnissen bewältigte eine Lädine die Strecke von Bregenz nach Konstanz in 10 Stunden.

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Für die Hochseeschiffahrt muss natürlich die Hansekogge erwähnt werden, die bis zu 200 Tonnen Lasten transportieren konnte und bei normaler Windstärke etwa 3,5 Knoten pro Stunde schaffte.

                                                              Handelsgüter

 

Die große Ravensburger Handelsgesellschaft wurde um 1380 gegründet und am Anfang stand vor allem die Vermarktung des heimischen Tuches im Vordergrund, also vor allem Leinen und Barchent.Leinen war der wichtigste Stoff in Schwaben, hergestellt aus Flachs

und das Allgäu galt bis ins 19. Jahrhundert als das blaue Allgäu. Der blaublühende Flachs hat zu dieser Bezeichnung geführt. Ab dem 14. Jahrhundert kam der Barchent auf. Vom frühen 14. Jahrhundert an wurde Baumwollgarn aus dem Mittelmeerraum

eingeführt. Die Barchentweberei begann. Das war ein Mischgewebe aus Leinen (Kette) und Baumwolle (Schuß)Das Gewebe war hautfreundlicher als reines Leinen und außerdem war es leichter zu färben. Ab 1380 setzte in Regensburg die Produktion

hochwertigen Barchents ein. Bald unterlag er strengen Qualitätsanforderungen. Beschaumeister überprüften Qualität und Maß und vergaben so etwas wie Gütesiegel. Regensburg bezeichnete die beste Qualität seiner Tuche mit 3 Kronen, 2 Kronen  erforderten

einen Baumwollanteil von mindestens 7,5 Pfund. Mindere Qualitäten erhielten eine Krone. Aber alles wurde mit Bleisiegeln oder Bleistempeln gekennzeichnet. Was den Anforderungen nicht entsprach, wurde zerschnitten. Eine Basler Ordnung von 1409

gab für die beste Qualität einen Ochsen, die zweitbeste mit einem Löwen und die dritte mit einer Traube. In Konstanz entsprach dem Ochs, Löwe, Traube und Stern, in München Ochs Löwe, Traube Stern. Ulmer Barchent war mit Gütesiegel

so gut wie bares Geld. Der Verkauf von Biberacher Barchent lässt sich 1386 in Prag nachweisen.

1393 wurde in Ravensburg eine der ersten Papiermühlen nördlich der Alpen errichtet. Im Ravensburger Bürgerbuch werden Anfang des 14. Jahrhunderts zwei Brüder erwähnt, ein Hans und Frik Holbein. Sie hatten in der Ravensburger Oehlschwang den sogenannten

Hammer gekauft, der am Flattbach lag. Der Flattbach fließt durch Ravensburg und mündet beim früheren Gerber-und Färberviertel Pfannenstiel in die Schussen. Dort errichteten sie die erste Papiermühle. Drei, die ganz nahe beieinander waren, bestanden noch im

Jahr 1825. Allerdings führte die Wasserentnahme bald zu Streitigkeiten mit Mitbürgern. Die Holbeins  kamen aber rasch zu großem Vermögen und bald wurde ihnen das Amt des Stadtammans übertragen, dem Älteren  Frik von 1344-1359 und Frik dem Jüngeren von

1367-1398. Sie heirateten in die angesehensten Familien ein. Friedrich Gutermann, der sich mit der Herstellung des Linnenpapiers in Ravensburg befasste und mit der Familie Holbein vermutet sogar, dass der Maler Hans Holbein der Jüngere dieser Familie

entsprungen ist.

Von 1348-1359 war Burkhard Holbein aus derselben Familie Abt im Kloster Weissenau. 1404 macht Frik Holbein bedeutende Stiftungen. Aber schon 1358 wurde Frik Holbein  seines Amtes enthoben und sogar der Stadt verwiesen weil er “Geheimnisse der Stadt”

verraten haben soll und feindliche Truppen gegen sie geworben haben soll. Auch sein Sohn Hans scheint bald Probleme bekommen zu haben. 1366 verkaufte er all seine Besitzungen. Man findet jetzt nur noch Veräußerungen in den Ravensburger Akten.

Es ist möglich, dass die letzten Familienmitglieder nach diesen Ereignissen nach Augsburg ausgewandert  sind und damit wäre die Verbindung zum Maler Hans Holbein gegeben.

Das Wasserzeichen der Holbeinschen Papiere war der Ochsenkopf.

Nach dem Sturz der Familie Holbein gingen ihre Papiermühlen in den Besitz der Ravensburger Handelsgesellschaft über. Schon die Holbeins waren schnell reich geworden. Und auch für die Ravensburger Handelsgesellschaft war Papier sicher ein wichtiger Baustein

zum wirtschaftlichen Erfolg und der Gesellschaft stand ein weiteres Eigenprodukt zur Verfügung.  Ravensburger Papier hatte einen ausgezeichneten Ruf und man dominierte den Papierhandel. Augsburg produzierte erst im Jahr 1519 Papier wie die Ravensburger

und Ulm schickte 1632 eine Abordnung nach Ravensburg, um von den dortigen Papiermühlen zu lernen. Natürlich handelte die Ravensburger Gesellschaft in beide Richtungen. Neben den heimischen Tuchen handelte man mit Wolle, Damast,

Samt  und Seide. Farbstoffe wie Safran und Purpur waren im Angebot, Kurzwaren wie Draht,Stricke aber auch Hüte oder Reitsporen. Sie handelte mit Gewürzen aus dem Orient. Der Gewürzhandel wurde

damals überwiegend über die italienischen Häfen abgewickelt. Das man damit auch viel Geldverdienen konnte, zeigt ja der Name “Pfeffersäcke”, der ursprünglich auf die Hansekaufleute angewandt wurde, bald aber wurden auch die großen süddeutschen

Handelshäuser damit bedacht, die ja allmählich die Hanse überrundeten. Aber auch Luxuswaren wie Korallen und Perlen waren zu haben.Was die Ravensburger Handelsgesellschaft nur in sehr begrenztem Rahmen machte, waren Geldgeschäfte womit die Fugger ja

reich wurden. Karl V. wäre ohne die Fuggerschen Gelder wohl kaum Kaiser geworden. Im Gegenzug für die Finanzierungen bekamen die Fugger das Erzgeschäft, den Silberbergbau in Tirol und Kupfer in Oberungarn, der heutigen Slowakei.

       Die großen Familien der Ravensburger Handelsgesellschaft

 

Die wichtigsten Gesellschafter stellten vor allem drei Familien, das waren die Humpis aus Ravensburg, die Mötteli aus Buchhorn (dem heutigen Friedrichshafen) und die Muntprat aus Konstanz.

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Das erste Mitglied der Familie Humpis, das urkundlich nachzuweisen ist, ist ein Heinrich Humpis. Er wird 1218 als Zeuge erwähnt und tritt hinter dem Ravensburger Amman auf. Verheiratet ist er mit Sanna von Altdorf.

Der nächste Träger des Namens erscheint erst wieder 1252. Da tritt ein “Huntpize” wieder als Zeuge auf. Ein Jahr später folgt ein Heinrich, der 1258 gemeinsam mit einem anderen Verwandten nur Huntpizus genannt wird und beide werden als Bürger von Altdorf

bezeichnet. Daraus kann man folgern, dass die Familie aus Altdorf, dem heutigen Weingarten stammt. Sanna erscheint nochmals 1253. In Altdorf wird ein Konrad als filius Sanne bezeichnet.In einer Konstanzer Bischofsurkunde wird ein Heinrich

als filius domin sannu als letzter Zeuge hinter Klerikern aufgeführt. Es lässt sich zwar nicht mehr feststellen, wer die domina Sanne war, aber allein die Bezeichnung domina lässt annehmen, dass Sanne zu einer Ministerialenfamilie gehören muss und in Altdorf

ist das natürlich eine Welfenfamilie.Um 1260 gab die Familie die Bezeichnung Sannensohn auf – oder ist ausgestorben. 1264 wird ein Heinrich Hunpiß in ponte de Altdorf erwähnt. Das muss eine Scherzachbrücke in Altdorf gewesen sein.

Dieser Heinrich erscheint 1270 als Bürger Ravensburg. Die Übersiedlung nach Ravensburg ist wahrscheinlich wegen des finanziellen Vorteils erfolgt. Heinrich hat einen Sohn, Konrad, der 1298 Amann in Ravensburg wird. Diesen Posten hat er wahrscheinlich bis zu

seinem Tod im Jahre 1328 inne.Er eröffnete auch die lange Liste der Amtsinhaber der höchsten Ravensburger Ämter der Familie Humpis, erst Stadtamman und ab 1347 Bürgermeister in 230 Jahren, also in dem Zeitraum von 1298-1528

hatten die Humpis das Amt 77 mal inne! Auf Konrad folgte Wilhelm 1328-1344. Wilhelm hatte 1326 einen Sohn. Wahrscheinlich war das Frick (Friedrich). Er wurde von Herzog Stephan, der in der Zeit die Reichslandvogtei Schwaben innehatte,

als Vogt in Oberschwaben eingesetzt. Schon in den Städten Ulm (1327), Konstanz 1342 und Biberach und in Kempten (1344) hatten die Zünfte nach Aufständen die Privilegien des Stadtadels beschnitten. 1345 taten es die Lindauer

Zünfte ihnen gleich. Als Landvogt wirkte Frick  Humpis vermittelnd. In Biberach erzwang er die Herausgabe der Häuser der vertriebenen reichen Bürger. In Lindau stellte er die Ruhe wieder her.Er erzwang eine Zunftverfassung und die Einführung des

Bürgermeisteramtes. Er war auch Unterhändler des Kaisers beim Streit um Feldkirch anlässlich eine Montfortschen Erbteilung. Er war verheiratet mit Clara von Engertswiler. Engertswiler ist eine Wüstung bei Bergatreute. Mit Clara hatte er drei Kinder, den 1343

geborenen Johannes, genannt Henggi, der später auch Bürgermeister von Ravensburger wurde und vor allem wurde er zum Mitbegründer der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft,  die Tochter Agathe, die 1343 geboren wurde und die dann Lütfrid Muntprat

heiratete, und der Mitbegründer der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft wurde. Der zweite Sohn Ital wurde 1346 geboren und er wurde Stammvater der Waltramser und Ratzenrieder Linie der Humpis. Frick starb schon  am 26.08. 1346 und hinterließ drei

unmündige Kinder.Clara heiratete in zweiter Ehe den Johannes von Ankenreute. Die Kinder wuchsen in Ankenreute auf und Henggi wurde zum Kaufmann erzogen.

Henggi wurde 1365 erstmals Ravensburger Bürgermeister, in den Folgejahren bis 1406 noch sechsmal. 1385 war er einer von zwei Schiedsleuten für den Schwäbischen Städtebund. Seine Zuständigkeit erstreckte sich von Basel bis zum Allgäu. Er war verheiratet mit

Elisabeth Erler. Ihr Vater Johannes war Mitglied der Gesellschaft zum Esel. Nach der Reformation, die i n Ravensburg 1544 eingeführt wurde, waren vorwiegend katholische patrizische Familien in Ravensburg in der Gesellschaft. Ihre Mitglieder waren kleinere Ministeriale und Kaufleute, die sich fast ausschließlich mit dem Groß-

und Fernhandel befassten. Ihre Zunftstube war in dem Haus in der Marktstraße 1, dem man aus heute unbekannten Gründen den Namen zum Esel gab. Diesen Namen übernahm auch die Gesellschaft. Es gab natürlich auch Beziehungen zu den benachbarten lokalen

Patriziergesellschaften Zur Katz in Konstanz, zum Sünfzen in Lindau, zum Golden Löwen in Memmingen. Fast alle Mitglieder  der beiden Ravensburger Patriziergesellschaft Zum Esel und Zur Katz sind auch Gesellschafter der Ravensburger Handelsgesellschaft

Die beiden hatten zwei Söhne und zwar Jos II (Jodokus) und Frick III. Jos wird 1397 erstmals genannt. Nach dem Tod von Henggi 1429 teilen die Brüder den Komplex untereinander auf. Jos II war bis 1437 Regierer der Ravensburger Handelsgesellschaft.

Er gab sein Amt aber nicht an die Ravensburger Linie zurück, sondern nominierte seinen Sohn Jos III. Dies wurde von seinen Kontrahenten Frick III und dessen Sohn  Onofrius aufs heftigste bekämpft. Jos III. musste schließlich 1462 abtreten,

kam aber 1477 nochmals kurzfristig an die Macht, wurde aber dann gezwungen, endgültig abzutreten. Das ganze Ravensburger Patriziat war in den Streit verwickelt. 1477 trat Konrad Ankenreute und viele bewährte und erfahrene Gesellen mit ihrem Kapital aus der

Gesellschaft aus und gründete die Ankenreutegesellschaft. 30 Jahre machten sie der Muttergesellschaft die Märkte streitig und lieferten einen erbitterten Konkurrenzkampf. Onofrius, ab 1477 Regierer der Großem Handelsgesellschaft, war mit der 1421 in Augsburg

geborenen Patriziertochter Benedicta Arzt  verheiratet. Sie war die Tochter von Ulrich Arzt, dem seinerzeit reichsten Bürger von Augsburg, der zusammen mit Bartholomäus Welser in der Welser Gesellschaft in Augsburg tätig war, neben den Fuggern die

bedeutendste Augsburger Handelsgesellschaft. Ihre Nichte Sybille war mit Jakob Fugger dem Reichen verheiratet. Man kann also feststellen, dass die bedeutendsten Handelsfamilien Süddeutschlands miteinander verschwägert waren.

Jos war mit Elisabeth Rätz verheiratet, die aus einem Memminger Patriziergeschlecht stammte und 1400 in Memmingen geboren ist. Sie hatten 4 Töchter und einen Sohn. Die älteste, Agnes, war mit Johann Brandenburger, einem Biberacher Patrizier und

Bürgermeister verheiratet. Die Brandenburg betrieben auch Handel mit dem Ausland. Der Sohn Jos III. ist laut Ausweis des Ravensburger Steuerbuchs von 1473 der mit Abstand reichste Bürger Ravensburgs.Jos III. starb 1488. Er hatte zwei Söhne, Jos V und Jakob, die

Ratzenried erbten. Die Ravensburger Besitzungen gingen nach dem Tod von Hans dem Jüngeren 1513 auf den Herren von Neidegg über,den Schwiegersohn von Hans II. der Parteigänger der Ratzenrieder war und sich in der Ratzenrieder Pfarrkirche beerdigen ließ.

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Der Großvater von Rudolf Mötteli dem Alten Ulrich stammte aus Buchhorn. Der Name seiner Ehefrau ist nicht bekannt. Sein Sohn Frick war Mitglied der Ravensburger Gesellschaft zum Esel. Rudolf nun war mit einer Schwester  von Henggi  verheiratet,

deren Vorname nicht bekannt ist. Aus dieser Ehe entsprossen zwei  Söhne, Hans und Rudolf.

Zusammen mit Henggi gründete er die Große Ravensburger Handelsgesellschaft. Rudolf der Alte starb nach 1426. Rudolf der Jüngere machte seine Lehr- und Wanderjahre im südfranzösischen und spanischen Handelsgebiet der Ravensburger Handelsgesellschaft.

Er kehrte an den Bodensee zurück, ging zunächst nach Buchhorn und erwarb dort 1441 das Bürgerrecht. Sein Ravensburger Bürgerrecht erneuerte er 1448 um 5 Jahre. Hans der andere Sohn von Rudolf dem Älteren war Bürger in St. Gallen und Vogt in Arbon. Hans

starb 1453. Rudolf war verheiratet mit Walburga Muntprat und hatte mit ihr einen Sohn, Jakob Mötteli vom Rappenstein.Rudolf hatte einen Halbbruder, Lutfried. Dieser wird 1454 erstmals erwähnt. Er war verheiratet mit Barbara Kupferschmied. Er diente 10 Jahre in

der Ravensburger Handelsgesellschaft. Um 1450 kam es wohl zu einem Zerwürfnis. Daraufhin gründeten Rudolf und  Luitfried eine eigene Gesellschaft, die Mötteli-Gesellschaft, die in Avignon, Saragossa, Lyon, Genf und Frankfurt und Nürnberg nachgewiesen ist.

Luitfried wurde der Spanienhandel weitgehend überlassen. Nach Spanien wurde überwiegend Leinwand exportiert und da St. Gallen ein  Zentrum der Leinwandfabrikation war, übersiedelte er nach St. Gallen und erwarb 1454  dort das Bürgerrecht. Zwischen 1467

und 1479 war er Ratsherr in St. Gallen. Er verstarb 1481. Rudolf übersiedelte nach Zürich und nahm dort 1458 das Bürgerrecht an. Dort ging er dann nach Schloss Alt-Regensberg. Dort pflegte er Landwirtschaft, Fischzucht und Obstbau. 1464 wurde er ins Luzerner

Bürgerrecht aufgenommen und 1465 ins Landrecht beider Unterwalden. Er ging allerdings keinem Streit aus dem Weg, lebte 1475 in Lindau. Er nannte sich mittlerweile vom Rappenstein. Kurz vor seinem Tod wurde er in Lindau auf kaiserlichen Befehl

mit seinem Sohn inhaftiert, warum genau lässt sich nicht mehr sicher aufklären. Der Reichtum der Mötteli war in der Schweiz geradezu sprichwörtlich.

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Die Familie der Muntprat kommt wahrscheinlich aus Italien. Ein Heinrich Muntprat erscheint urkundlich erstmals 1351 und wird dort Kawerze genannt, so wurden ausländische Kaufleute, meist Italiener genannt. Er war wohl 1320 in

Konstanz geboren und mit einer Ursula verheiratet. Er hatte vier Kinder und zwar  Johann I., der wahrscheinlich 1347 in Konstanz geboren ist, dann Lütfried I, der 1349 geboren ist, eine Schwester namens Anna 1351 und schließlich Konrad, der 1353

auf die Welt kam. Johann I. ist von 1375-1417 im Konstanzer Rat nachzuweisen. Er war verheiratet. Sein Sohn Heinrich II. ist 1370 in Konstanz geboren. Lütfried ist seit 1377 im Konstanzer Rat. Er war mit Anna Blarer verheiratet und hatte mit ihr drei Kinder,

Hans II. geboren 1385, Lütfried II. geboren 1390 und Ludwig I. geboren 1395. Lütfried verstarb 1404. Anna Muntprat war mit Albrecht Blarer verheiratet, mit dem die Familie über Lütfried verschwägert war.Konrad war von 1380-1396 im Konstanzer Rat und starb nach

1413. Er hatte einen Sohn Ludwig II., der 1420 geboren ist. Der Sohn von Johann I. Heinrich II. ist 1370 in Konstanz geboren.Lütfried war in zweiter Ehe mit Ursula Humpis verheiratet, der Tochter von Frick Humpis. Lütfried hatte mit Anna Blarer drei Söhne,

Hans II., der 1385 geboren ist,Lütfried, der 1390 geboren ist. Er saß mindestens von 1416 im Rat bis 1447. 1443 war er Bürgermeister in Konstanz. Ab 1417 beteiligte er sich an der Ravensburger Handelsgesellschaft. Ab 1418 gehörte er zu den Konstanzer Bürgern, die

über 5000 Gulden fahrendes Vermögen zu versteuern hatten. Aber sein Vater war wohl schon bei der Gesellschaft dabei.  Lütfried II. nahm 1411 das Ravensburger Bürgerrecht an. Er verstarb 1447.Schon ab 1419 waren die

Muntprats in der Schweiz begütert. Von 1419-1439 besassen sie in Altenklingen eine Gerichtsherrschaft. Sie hatten ab 1440 die Herrschaft Spiegelberg inne, nach der sie sich dann auch nannten,Sie besaßen auch die Burg Rosenberg, Lommis,Zuckenried, halb

Weinfelden und die halbe Vogtei Eggen. Hans war mit Elisabeth Humpis verheiratet, der Tochter von Henggi, dem Begründer der Ravensburger Gesellschaft. Von 1416-1422 saß er im Konstanzer Rat. Er starb 1422. Hans hatte 6 Kinder und zwar

Konrad II., der 1413 geboren wurde,Walpurg, aus dem Jahre 1415, die mit Rudolf Mötteli verheiratet war.Agathe wurde 1417 geboren. Sie war mit Rudolf von Breitenlandenberg verheiratet. Hans IV. ist 1420 geboren. Er war zu Lebzeiten der reichste Konstanzer

Bürger. Dann gab es noch ein Tochter, die mit dem Ulmer Rudolf Besserer verheiratet. Dessen Mutter wieder war eine geborene Mötteli, eine Tochter von Rudolf.

Während niemals ein Nachkomme von Rudolf Mötteli jemanden aus dem Hause Humpis geheiratet hatte, gab es, wie zu sehen ist zwischen den Familien Humpis und Muntprat mehrere Ehen. Henggi Humpis und Lütfried Muntprat waren in ihrer Zeit wohl die

reichsten Bürger Schwabens.

Im “Werdbuch” der Ravensburger Gesellschaft sind 38 Gesellen mit ihren Einlagen verzeichnet. Den größten Betrag hatte der “Reiche Möttelin” mit Bruder und Schwester eingelegt, nämlich 150.000 Gulden. Dann folgten Jos III., Frick III. und Onofrius Humpis mit

zusammen 131 000 Gulden. 100 000 Gulden betrug die Einlage des Roth von Schreckenstein. Die Familie zählte zum alten Stadtadel Ulms und ist. 1237 wird das erste Familienmitglied als Ministeriale der Grafen von Dillingen urkundlich erwähnt.Mitglieder der

Familie waren Bürgermeister der Stadt Ulm, saßen im Rat oder waren Richter in Ulm. Zweige der Familie waren aber auch in Ravensburg und Augsburg. Dann folgten Hans und Rudolf Besserer mit ihrer Schwester mit

zusammen 54000 Gulden. Die Familie Besserer war mit Schwerpunkt in Ulm ansässig, wo ein Jerg Besserer erstmals 1212 erwähnt wird.Es bildete sich eine 3. Hauptlinie aus, deren Stammvater Otto der Besserer von Schnirpflingen nach seinem Gut genannt wurde.

Aus diesem Zweig siedelte  Conrad mit dem Beinamen zu Bußmannshausennach 1400 nach Ravensburg. Dieser hatte zwei Söhne und zwar Rudolf und Hans. Bei diesen beiden müsste es sich um die Gesellen der Ravensburger Gesellschaft handeln. Rudolf war 1452

Freischöffe des Römischen Reiches. Zusammen mit Jacob Truchsess von Waldburg besiegelte er einige der Privilegien der Stadt Ravensburg. Conrads Mutter war Ursula Mötteli und sein Sohn Rudolf wohl 1415 in Ulm geboren, war mit einer Frau

aus der Familie Muntprat, deren Mutter die Tochter von Henggi Humpis war, verheiratet. Hans um 1415 wohl auch in Ulm geboren, wanderte 1457 nach Ravensburg aus. Conrads 3. Sohn ist 1418 in Ulm geboren. Er heiratete Barbara Muntprat, eine Schwester seiner

Schwägerin.

Im Werdbuch folgt nun Haber von Randegg mit 40000. Doch handelt es sich hier wohl um Faber oder Fauber von Randegg. Die Familie war ein Rittergeschlecht, die sich nach ihrem Stammsitz von Randegg nannt. Die Burg war Randegg, einem Ortsteil von

Gottmadingen .1275 ist die Burg im Besitz des Heinrichs von Randegg.Im Schwabenkrieg werden Burg und Ort von den Eidgenossen zerstört. Berühmtestes Mitglied der Familie war Burkhard von Randegg, der von 1462-1466 Bischof in Konstanz war. 1444 wird ein

Faber zu Randegg ins Ravensburger Patriziat aufgenommen. 1463 stiftet Franz Faber von Randegg und seine Ehefrau die Kaplanei St. Franz in Ravensburg.

Dann ist die Familie Geldrich mit 34000 Gulden aufgeführt. Die Geldrichs sind seit 1350 in Ravensburg nachweisbar.1350,1361 und 1364 wird ein Friedrich Geldrich als Bürge erwähnt. Er hatte zwei Söhne Konrad und Heinz. Konrad wird 1408, Heinz 1410 als

Ravensburger Bürger aufgenommen. Konrad heiratete Margarete Hüpschli. Sie hatten einen Sohn, Konrad III. Dieser heiratete Margarete Täschlerin. Konrad III. starb 1500 in Ravensburg. Seine Frau Maragrete vor 1485.Es gab noch einen Konrad II., der der Sohn von

Heinz war. Konrad III. begleitet in Ravensburg öffentliche Ämter.

Von 1472-1481 und dann wieder von 1502-1520 und dann wieder von 1524 bis 1560 (Conrad, Johann und Jacob) waren Familienmitglieder der Geldrich Bürgermeister.

Außerdem versah die Familie das Amt des Stadt-Ammans, so 1465-1469 und dann wieder  1529-1531.

1564 wird Jacob Geldrich als Bürgermeister genannt. 1529 war er Amman. Konrad hatte einen Sohn Hans. Er heiratete Barbara Humpis, die Tochter von Jos IV. Zusammen mit seinen Schwägern wurde er 1518

mit der Senftenau belehnt, einer Wasserburg des Grafen Ulrich von Montfort. 1334  wurde sie von den Grafen an den Kaiser als Lehen übergeben, der diese dann an wechselnde Patriziergeschlechter vergab, die die Senftenau meist als Sommersitz

nutzten. Konrad wird 1559 geadelt. Er hat mit Magdalena Schindelin einen Sohn, Konrad, der Elisabeth von Ulm heiratete. Diese hatten zwei Kinder, Anna Maria Geldrich und Hans Friedrich, der herzoglich- württembergischer Truchsess wurde.

Sürg von Sürgenstein ist mit 24000 Gulden vermerkt. Die Sürgenstein waren  eine Freiherrenfamilie, die auf St. Gallener Ministeriale zurückging. Das Schloss Sürgenstein liegt auf dem Gemeindegebiet von Heimenkrich, gegenüber Eglofs am linken Ufer der oberen

Argen. Die Familie war in Ravensburg gut vernetzt. Hans IV. von Sürgenstein ist 1415 geboren. Sein Sohn war Heinrich IV und ist 1450 geboren. Er war Mitglied der Ravensburger Handelsgesellschaft und mit Amalia Humpis verheiratet. Er führte den Titel eines

kaiserlichen Küchenmeisters und hatte auch Reichslehen und St. Gallische Lehen inne. Amalia war die Tochter von Hans V. 1432 und 1445 ist auch ein Sürg von Sürgenstein in Ravensburg Amtmann. Der zweite Sohn von Hans IV. war Hans Sürg von Sürgenstein und ist

1460 geboren. Dieser hatte drei Söhne, von den der Älteste Philipp 1495 geboren ist und mit Anna Humpis aus der Linie Waltrams verheiratet ist. Der dritte Sohn Conrad war mit der Schwester von Anna, Maria, die 1495 geboren ist, verheiratet. Der

Bruder von Anna und Maria, Friedrich VI. war 1500 geboren. Er war mit Anastasia Sürg von Sürgenstein verheiratet.

Mit einer Einlage von 20000 Gulden ist Teschler verzeichnet. 1481 wird ein Patrizier Teschler erwähnt.Bis 1600 ist die Familie aber nicht in öffentlichen Ämtern verzeichnet.  Der Name lässt vermuten, dass es eine Handwerkerfamilie war.Teschler bedeutet soviel wie Taschenmacher.

Um 1550 waren Angehörige der Familie in Ravensburg ansässig. Sie waren aufgrund ihrer erfolgreichen Handelstätigkeit aus dem Handwerk in den Kreis der vermögenden Ravensburger Familien aufgestiegen. Um 1540 war ein Konrad Teschler Ravensburger Bürger

und Ratsherr. Er hatte einen Sohn Franz, der um 1545 nach Nürnberg zog, dort die Witwe Anna Koberger heiratete und so das Nürnberger Bürgerrecht erwarb.  Dann gibt es noch einen Niklas Teschler, der möglicherweise um 1410 in Ravensburg geboren ist. Niklas war 1453 und 1456-1457 Bürgermeister in Wien.

Er müsste auch aus unserer Ravensburger Familie Teschler stammen.

Ebenfalls mit 20000 Taler dabei ist die Familie Croaria.Die Familie ist seit dem 15. Jahrhundert in Konstanz ansässig und erhielt schon 1398 von Kaiser Wenzel viele Privilegien. 1453 ist ein Ulrich von Croaria in Konstanz. Andreas wird um 1470 erstmals Sattler genannt,

Ulrich und Johann erhalten 1504 das ihren Vorfahren vom Kaiser verliehe Palatinat bestätigt. Hans von Croaria war 1491 Stadtamtmann in Konstanz. Von 1510-1513 war im Rat. Hieronymus der Älter war von 1492-1496 Rektor der Universität Tübingen. Er war es wohl,

der 1484 in die Ravensburger Gesellschaft zum Esel aufgenommen wurde, bei der wie wir schon gesehen haben viele Mitglieder der Ravensburger Handelsgesellschaft waren

Verbleibt noch eine Einlage mit 12000 Gulden der Familie von Neidegg. Diese waren mit der Familie Humpis verschwägert. Hans II. überließ die Gebäude an der Markstraße 47 und Humpisstraße seinem Schwiegersohn von Neidegg.

Noch zwei Familien sollen näher betrachtet werden, nämlich Ankenreute und Krell. Klemens Ankenreute war ein wichtiger und erfahrener Geselle der Ravensburger Gesellschaft. Als der Familienstreit kulminierte, trat er mit eine Zahl von Gesellen aus, zog Kapital

ab und gründete eine eigene Gesellschaft, die Ankenreutegesellschaft und lieferte ihr über 30 Jahre einen erbitterten Konkurrenzkampf.

Die Familien von Ankenreute und Humpis kommen schon früh miteinander in Berührung. Frick, der schwäbische Landvogt verstarb ja früh. Und wie bei der Familie Humpis gezeigt, heiratete seine Frau Clara  noch einmal und zwar den Johannes von Ankenreute, der

am 24.02. 1366 Bürger zu Ravensburg genannt wird. Ihre beiden unmündigen Söhne brachte sie in die Ehe mit und diese wuchsen beim Stiefvater auf der Wasserburg Baumgarten auf. Clemens von Ankenreute wurde 1425 in Ravensburg geboren. Er war Großhändler

in  Barcelona, wohl im Auftrag der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft. Er war mit Eva Humpis von Waltrams verheiratet, einer Tochter von Jos IV. Mit ihr hatte er 4 Kinder, einen Sohn dessen Vornamen wir nicht kennen und der 1478 geboren ist, dann Konrad,

der 1480 geboren ist und die Ankenreuter Gesellschaft leitete. Der dritte Sohn Anton ist 1482 und ebenfalls für die Ankenreuter Gesellschaft tätig und zwar in Valencia und Saragossa. Die Tochter Kunigunde ist 1485 geboren und heiratet Joachim Besserer, den Sohn

von Lütfried Besserer, der in 1. Ehe mit  Agnes Humpis, die Tochter von Frick III. verheiratet ist. Clemens war es auch, der sich 1477 von der Ravensburger Gesellschaft trennte und die Ankenreuter Gesellschaft gründete.

Die Familie von Ankenreute war schon seit Anfang bei der Patriziergesellschaft Zum Esel dabei.

Noch eine Person aus der Endzeit der Ravensburger Gesellschaft. Oswald Krell oder auch Kröll geschrieben ist 1480 in Lindau geboren. Er war der Sohn von Melchior Krell, der 1540 geboren ist und von Anna von Nidegg , die 1455 geboren ist. Oswald heiratete die

1485 geborene Agathe von Essendorf. Agathe stammte aus dem Geschlecht der Familie von Essendorf. Ihre Mutter war Appollonia Humpis, die 1455 geboren ist. Allerdings konnte ich nicht feststellen aus welchem Familienzweig sie stammt. Oswald arbeitete für die

Ravensburger Handelsgenossenschaft. In der Zeit von 1495 bis 1503 war er im Gelieger Nürnberg als Faktor tätig. Im Auftrag der Gesellschaft besuchte er die die Herbstmessen im Jahr 1497, 1500 und 1503 in Frankfurt. 1497 wird er vom Nürnberger Rat zusammen

mit dem Nürnberger Schembarthauptmann Wolf Ketzel zu einem zu einem Monat Haft “ uff einen versperrten Turm” verurteilt, aber das ist wohl eher als fastnächtlicher Rügebrauch ähnlich dem  “Grobgünstigen Stockacher Narrengericht” als eine Maßnahme

im strafrechtlichen Sinne zu sehen zumal der Schembartlauf im spätmittelalterlichen Nürnberg eine beliebte Faschingsveranstaltung der Nürnberger Patrizier war, die bis zur Einführung der Reformation  in Nürnberg 1524 jährlich stattfand.

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1499 ließ er sich von dem damals gleichaltrigen Dürer porträtieren. Das Bild ist heute in der Alten Pinakothek in München zu bewundern. 1503 kehrte Krell in seine Heimatstadt Lindau zurück und übernahm dort die Filiale der Ravensburger Handelsgesellschaft, was

urkundlich bis 1525 zu belegen ist. 1512 war er Amtmann in Lindau, 1513 schickte ihn die Stadt zum Reichstag nach Augsburg und 1514 wurde er erstmals zum Lindauer Bürgermeister gewählt. Dieses Amt bekleidete er regelmäßig bis 1531.

Als 1510 die Pest in Lindau wütete, brauchte man einen neuen Begräbnisplatz. Dieser wurde auf dem Äschacher Berg in einem Baumgarten angelegt.  Auch eine kleine Kapelle wurde errichtet, die weitgehend von der Familie

Krell errichtet wurde, weshalb sie bis heute Krellsche Kapelle heißt. Krell war 1528 zur Reformation übergetreten, andere Mitglieder der Ravensburger Handelsgesellschaft blieben beim  alten Glauben. Und die Gesellschaft hielt sich nach

wie vor an das Zinsverbot der katholischen Kirche. Auch dies und die religiöse Spaltung haben unter anderem wahrscheinlich zum Ende der Gesellschaft beigetragen.

Der Lindauer Bürger Hans Hainzel von Tegelstein hatte 1390 den Hof Nidernstad mit Burgstall in Egnach gekauft, wo die Konstanzer Bischöfe eine Schiffslände für ihr Gericht in Egnach hatten. 1490 kaufte Oswald Kröll diesen Hof

und errichtete auf einer Insel am See Schloß Luxburg. Er nannte sich  dann auch Luxburg. Das Schloss blieb bis 1596 im Besitz der Familie Kröll.

Krölls Frau Agathe war seit 1514 Mitglied der Sünfzengesellschaft in Lindau. 1542, das ist 8 Jahre nach Oswalds Tod unterschreibt sie eine Erweiterung der Sünfzenordnung. Das Ehepaar hatte 11 Kinder. 3 kamen  nach Oswalds Tod bei einem Bootsunglück ums

Leben. Oswald Kröll stirbt 1534.

Nachdem oben einige Gesellschafteranteile der Ravensburger Handelsgesellschaft aufgezeigt wurden noch ein kurzer Blick auf die Kaufkraft des Geldes. Um 1500 hatte der Gulden ein Gewicht von 2,48 Gramm. Das heißt unsere Gesellen mit 100.000 Gulden hatten

praktisch 248 Kilo Gold als Einlage, bei dem Goldkurs vom 21.08.2012 heißt das 52,72 $ je Gramm Gold also rund 13 Millionen $ oder 16 Mio €. Dürer zahlte z. B. für sein Haus in Nürnberg 275 Gulden. Also hätte die Einlage eines Gesellen gereicht, ungefähr 360 Wohnhäuser in damals bester Lage in Nürnberg zu erwerben. Aber das war ja nur die Einlage, mit der gearbeitet wurde und damals noch reicher Ertrag erzielt wurde. Außerdem war die Einlage in der Regel nur ein Teil des Vermögens eines Gesellen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Henggi als reichster Zeitgenosse galt oder Reichtum der Mötteli in der Schweiz legendär wurde.

Die Quellenlage war bis 1909 nicht besonders gut. Der württembergische Bibliothekar und Historiker Wilhelm Heyd gab 1890 eine Monographie aufgrund der wenigen vorhanden Akten heraus. Per Zufall wurden 1909 im Kloster Salem zahlreiche Akten der

Gesellschaft gefunden, die als “unnütze Handelssachen deklariert waren und über Jahrhunderte unbeachtet geblieben waren. Aloys Schulte gab dann 1923 die Geschichte der großen Ravensburger Handelsgesellschaft in drei Bänden heraus. Schulte galt mit diesem

als Pionier der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

 

                                                                               Die Gelieger

 

Die Ravensburger Handelsgesellschaft war in Memmingen, Konstanz und Sankt Gallen vertreten. Die auswärtigen Niederlassungen wurden auch “Gelieger” genannt. In Italien gab es drei Gelieger.  Das größte und wichtigste war  Genua. Schon 1221 lassen sich

deutsche Kaufleute in Genua nachweisen. Genua hatte eine günstige Lage und erteilte deutschen Kaufleuten schon sehr früh Privilegien. Das erklärt auch, dass sich die Ravensburger dort sehr früh niederließen.

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In Genua hatten die Ravensburger wie auch in Barcelona, praktisch die Monopolstellung. Um 1440 lässt sich wie das Museum Humpis Quartier bei seiner Pressemitteilung zur Sonderausstellung “Die Humpis in Genua” bemerkt,

kaum ein deutscher Kaufmann feststellen, der nicht der Ravensburger Handelsgesellschaft angehört. In Genua wurde ein umfangreicher Handel in beiden  Richtungen betrieben. Aus Schwaben kam Leinwand und Barchent. aus Flandern

wurden feinste Leinwandsorten wie Berkan, das sind dünne Kleiderstoffe aus Ziegenhaar und Wolle,Bursat, das sind leichte Stoffe mit Seide als Kett- und Wolle als Schlußfaden. Genuesische Seidenstoffe wie Samt und Brokat wurden von Genua in die Levante

verhandelt und die italienische Wolltuchindustrie wurde mit Merinowolle versorgt.

Das Gelieger in Venedig wurde schon relativ früh aufgegeben. Den Gewürzhandel übernahm nun Genua. Pfeffer, Ingwer Muskat und Gewürznelken wurden nun eingekauft und auf der Frankfurter Messe gehandelt. Ein wichtiger Geschäftszweig in Genua war auch

der Metallhandel.An Rohmaterial wurde vor allem Kupfer nach Genau eingeführt. Aus Nürnberg kam Messing, Zinn und Silber. Fertigwarne waren Armbrustwinden, Blech,Schlüssel, Kupfer und Messingdraht. Der Handel mit Meeresstoffen machte Genua ab 1497

zum ertragreichsten Gelieger der Ravensburger. Von dort wurden auch Luxusartikel wie Korallen, Straußfedern und Perlen gehandelt. Was in Genua immer wieder Schwierigkeiten machten, waren Machtkämpfe des Adels und Revolutionen. Seit 1441 hatten die

deutschen Kaufleute einen von ihnen gewählten und von der Stadt bestätigten Konsul. Er bekam ein bestimmten Anteil beim Verkauf der Waren als sogenanntes Konsulgeld. Im Jahre 1479 amtierte z.B. der Genuese Dr. Pallo Baxadone als Konsul. Am 23. Dezember

1466 wurde ein Handelsvertrag abgeschlossen, den Heinrich Fry erwirkt hatte. Er Kaufmann und Geschäftsführer der Ravensburger Gesellschaft in Genua. Der Vertrag ist bei Heyd abgedruckt. Fry war wohl schon vorher in Italien. Ebenfalls bei Heyd gibt es

einen für Fry am 20. November 1447 ausgestellten Geleitbrief von Francesco Sforza, dem Mailänder Herzog. Dass die Handelsgesellschaft nicht nur im Inland – auf die verschiedenen Fehden mit Raubrittern wird noch eingegangen werden- mit

Diebstahl behelligt wurde, zeigen die Bemühungen Heinrich  Frys um die Herausgabe geraubter Ware in Genua, auch das bei Heyd abgedruckt.

Wichtig war Genua für die Ravensburger auch durch die Seeverbindung nach Spanien, vor allem als die großen Entdeckungen gemacht waren. Die Große Handelsgesellschaft versäumte es allerdings, anders als die Welser und die Fugger, aktiv am Indienhandel

teilzunehmen. Die Welser hatten sogar eigene Kolonien errichtet. Dieses Versäumnis war ein Baustein zum Niedergang der Ravensburger Handelsgesellschaft oder wie Gorbatschow 500 Jahre später in anderem Zusammenhang gesagt hat “Wer zu spät kommt, den

bestraft das Leben”. Der Handel, vor allem der Spezereihandel verlagerte sich von Genua nach Lissabon und Antwerpen. 1503 erfahren wir von der Rekordanz die Gabriel  Gessler, der 1511 Faktor des Geliegers Wien war, dass der Pfeffer für die Messe in Frankfurt

1503 in Antwerpen besorgt worden war. Die letzten Bilanzen aus Genua für Ravensburg werden 1507 erstellt. Man kann daher annehmen, dass das Gelieger Genua in diesem Jahr aufgelöst wurde.

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Der erste Nachweis für das Gelieger Mailand stammt aus dem Jahr 1447. Zunächst war dort Heinrich Fry aus Konstanz, der schon oben erwähnt ist, als Faktor genannt. Die Ravensburger erfassten in Mailand den lombardischen Handel. Es wurde nur wenig

schwäbischer Barchent nach Mailand exportiert. Es sind nur 34 Ballen nachweisbar. Es wurde aber sehr viel schwarzer und auch anderer Barchent von den Mailänder Webereien, die seit langem gerühmt wurden nach Norden geliefert.

Vor allem wurde er aber von hier aus von der Gesellschaft für die Gelieger in Spanien geliefert. Gesuchte Handelsware aus Mailand waren aber feinste Stoffe aus Seide, Gold und Silber, Damaste und Brokate. In Mailand verkaufte die Gesellschaft Straußenfedern.

Nur für die Gesellen wurden in Mailand Perlen und Edelsteine gekauft. In Mailand erwarben die Ravensburger Artikel der Mailänder Goldschläger und der Metallindustrie. Eisendraht, Nadeln und vor allem Nägel wurden  verhandelt. Im Gegenzug wurde

Kupfer,Zinn und Messing eingeführt, in großen Mengen auch Schmirgel, mit dem man Metall polierte. Aus Spanien kamen Schaffelle und Lammfelle. Es gab auch einen  nennenswerten Lebensmittelexport aus Mailand und zwar Käse aus der Landschaft Piacenza,

Konfekt,Weinbeeren, Thunfisch. Über Mailand wurde hauptsächlich Barchent sowie Erzeugnisse der Metallwarenindustrie gehandelt, ansonsten Luxusgüter.

Am 22. März 1475 erneuerte Herzog Galeazzo Maria der Sohn von Francesco Sforza den Freiheitsbrief für Jos Humpis und Genossen, das heißt es muss schon vor diesem Brief einer für die Ravensburger Handelsgesellschaft ausgestellt gewesen sein.

1486 fielen die Graubündner über Bormio und Chiavenna in die Lombardei ein.Onofrius Humpis befürchtete, dass sich daraus Komplikationen ergeben würden, weil er befürchtete, dass die Mailänder Beamten die Mitglieder der Gesellschaft berauben würden,

weil sie mit den Graubündner gemeinsame Sache machen würden. Die Ravensburger verwahrten sich gegen diesen Verdacht. Daraus versicherte der Herzog mit einer Urkunde vom 29. Juli 1486 weiterhin sein Wohlwollen.

Am 2. Oktober 1490 stellte Giovanni Galeazza Sforza, der von 1476-1494 Herzog in Mailand war, für Onofrius Humpis und die Große Handelsgesellschaft wird einen Privilegienbrief aus. Darin wurden ihm unter der Zusicherung, dass die Zölle bezahlt wurden, die

Zusagen von 1475 erneut eingeräumt.

Zu Misstimmungen kam es allerdings als 1497 zwei Wagen, die der Ravensburger Handelsgesellschaften die Mailänder Zollstelle passierten. Ihre Ladung war als Zinn deklariert, tatsächlich war unter dem Zinn eine Platte Silber versteckt. Das Silber wurde konfisziert

und zusätzlich ein hohes Strafgeld erhoben. Die Gesellschaft kämpfte nun mit allen Mitteln um die Rückgabe des Silbers. Nachdem auch die Eidgenossenschaft, wo die Gesellschaft ja auch einige Mitglieder hatte, eingeschaltet worden war, willigte der Herzog

schließlich ein, was wohl dem mächtigen Einfluss der Eidgenossenschaft zu zuschreiben war. 1520 war Paul Hinterofen aus Wangen Faktor in Mailand. In diesem Jahr wurde das Gelieger Mailand aufgelöst. Hinterofen blieb in Mailand, betrieb

aber jetzt eigene Geschäfte.

Von den drei italienischen Geliegern bestand Venedig am kürzesten. Aber um 1448 stand es in höchster Blüte. Hans Griesinger war zu derzeit Faktor.Die Gelieger halfen sich wohl gegenseitig aus. Die beiden Nürnberger Agenten Oswalt Morgen und

Hans Lewtin zahlten an den Deutschordenspfarrer Kunisch in Danzig, der im Auftrag des Hochmeisters Ludwig von Ehrlichshausen handelte für die Aushändigung von Urkunden, die Riga betrafen 2500 Dukaten. Diese streckte der Faktor in Venedig dem Nürnberger

Gelieger vor, die dann  wieder von dort zurückzuzahlen waren. Nach Venedig lieferten die Ravensburger hauptsächlich oberschwäbisches Leinen und von dort wurde Baumwolle für die Barchentindustrie und Gewürze vor allem aber Indigo, der zum Färben benötigt

wurde, eingeführt. Schon ab 1474 wurde eine dauerhafte Vertretung in Venedig aufgegeben. Im Mittelmeer in der Gegend von Neapel scheint die Handelsgesellschaft zweimal Opfer von Piraten geworden zu sein. Das geht aus Briefen der Stadt Bern hervor, die

sich deshalb an den französischen König Ludwig IX., da die Kaperkapitäne vom König angestellte Kapitäne waren. Die Stadt Bern hatte sich eingesetzt, weil auch Berner Bürger bei der Ravensburger Handelsgesellschaft Mitglied waren.

Das Gelieger von Brügge. 1437 lässt sich erstmals nachweisen, dass die Handelsgesellschaft auch in Brügge vertreten war. Aber schon vor dem Zusammenschluss zur Ravensburger Gesellschaft waren die Muntprats z.B. in Venedig schon 1404, in Barcelona 1406 und in

Brügge 1410 mit einem ständigen Faktor vertreten. Über Brügge wurden fast ausschließlich Waren aus Spanien eingeführt. Vor allem Safran wurde eingeführt. Safran wurde im Spätmittelalter nicht nur sehr intensiv in der Küche benutzt sondern auch zum

Gelbfärben verwendet. Zwischen 1425 und 1440 exportierte die Ravensburger Gesellschaft fast 20000 Kilo Safran aus Barcelona. 1478 wurde auch Reis eingeführt. Mit Reis wurde allerdings nur ein kurzer Versuch gestartet. Außerhalb der romanischsprachigen Welt

gab es noch keinen festen Bedarf an Reis. Man kannte ihn einfach zu wenig. Der Handel war somit hochspekulativ. Außerdem wurde der Reis erst im September geerntet, die Schiffe ruhten aber im Winter meist. Somit blieb er

bis zu den Frühjahrspassagen ruhen und  blockierte das investierte Geld. Schon bald nach 1480 wurde das Reisgeschäft deshalb aufgegeben.

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Brügge war nach dem Tod von Karl dem Kühnen über die Hochzeit seiner Tochter Maria von Burgund durch die Heirat mit dem späteren Kaiser Maximilian an Habsburg gekommen. Flandern war unter Ludwig XI. und Maximilian geteilt worden.

Das lief allerdings nicht ganz reibungslos. Maximilian wurde sogar von seinen eigenen Untertanen in Brügge gefangen gehalten. Sein Vater stellte ein Reichsheer zusammen vor allem mit Truppen aus Schwaben, befreite seinen Sohn und konnte die Lage in Burgund

einigermaßen stabilisieren. Die Ravensburger Gesellschaft kehrte Brügge den rücken. Es lässt sich nicht beweisen, ob sie nochmals zurückgekehrt waren. Um 1485 hatten die Kaufleute schon ihr Haupthandelsfeld von Brügge nach Antwerpen verlegt.

Das Gelieger von Antwerpen. Die Antwerpener Messen hatten Brügge allmählich den Rang abgelaufen. Auch hatte sich hier ein beachtlicher Geldhandel entwickelt, den die Ravensburger allerdings kaum nutzten, da sie sich dem Geldhandel ja

weitgehend fernhielten. Die Entdeckungsfahrten der Spanier und Portugiesen und der Seeweg nach Indien gaben der Stadt an der Schelde einen enormen Auftrieb. Der Gewürzhandel hatte sich von Genua nach Antwerpen verlagert.

Im Gegensatz zu Brügge spielte der Spanienhandel kaum mehr eine Rolle. Nun standen Luxusstoffe aus Genua wie schwarzer Samt. Einen großen Anteil hatte nach wie vor der Handel mit niederländischer Leinwandel. Der Handel mit Pfeffer fand nur  gelegentlich

statt. zum einen fanden die Gesellen nie so ganz die Einstellung zum Gewürzhandel. Vor allem fehlte es aber dazu an barem Geld. Beide niederländische Gelieger waren wichtig für die Handelsgesellschaft auch weil diese über einen Hafen verfügten.

Das Gelieger Antwerpen lässt sich bis 1527 nachweisen.

Das Gelieger Lyon. Lyon war schon von den Kelten besiedelt. Als lugdunum war es seit 27 nach Christus römischer Verwaltungssitz und schließlich die Hauptstadt Galliens. Bei der Christianisierung spielte es eine wichtige Rolle. Der Erzbischof von Lyon ist

seit 1074 unter Papst Gregor VII. Primas von Frankreich bis heute. Unter den Kriegen mit England hatte Lyon sehr zu leiden. Zum Anfang des 14. Jahrhunderts wütete die Pest in der Region. Der völlig verarmten Stadt stiftete Dauphin Karl zwei Messen von je sechs

Tagen, eine an Ostern und eine im November. 1444 kam noch eine dritte Messe und 1462 eine vierte dazu.  Das Ende des 100-jährigen Krieges bewirkte auch eine strake Belebung des Handels. Ab 1440 zogen diese Messen auch den internationalen Handel an.

Man kann annehmen, dass die Ravensburger Kaufleute schon auf den Messen von 1420 vertreten waren. Ludwig XI., der die Messe von 1462 gestiftet hatte unterstützte nun Lyon massiv. Das richtete sich vor allem gegen Genf. Genf ging

dadurch wie beim Gelieger Genf noch zu zeigen ist, bald ins Hintertreffen. Dazu kam noch der Vorteil der verkehrsgünstigen Lage mit der Anbindung über die Rhone ans Mittelmeer. Schon 1465 scheint die Ravensburger Gesellschaft von Genf nach Lyon umgezogen

zu sein. Belegen lässt sich ein festes Gelieger allerdings erst 1474. Faktor war der St. Gallener Philipp Fechter.Das erste überlieferte Privileg für deutsche Kaufleute mit dem Handel für Lyon ist eine am 14. März 1516 ausgestellte Urkunde. Sie garantiert freies

und sicheres Geleit. Wolf Apenteger von der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft war beauftragt worden sich darum zu bemühen. Diese Privileg erstreckte sich vor allem auf Kaufleute, die Bleisilber, Kupfer, Metalle, Harnische und Hellebarden nach

Frankreich einführten. Das verwundert nicht denn im Frühjahr rüsteten der französische König Franz und der deutsche Kaiser Maximilian zu einem neuen Waffengang in Italien. In dieser Zeit war das Gelieger wohl nicht mehr ständig besetzt.Lyon wie die übrigen

französischen Gelieger spielte bei den Ravensburg nie die Rolle wie die Niederlassungen in Spanien oder Italien. Lyon passte nicht gut zu den Ravensburger Grundsätzen, Waren möglichst am Ursprungsort tu kaufen und dann in weitentlegenen Gebieten zu

verkaufen. Lyon bot nur zwei Dinge. Safran, der war aber von schlechter Qualität und Cannemasse, das sind aus Hanfgarn gefertigte Gewebe, die zwar dauerhafter sind wie die aus Flachs aber weniger geschmeidig und merklich schwerer. Außerdem brauchten sie

länger  zum Bleichen. Das waren die Hauptwaren der Messe in Lyon und so nicht besonders reizvoll für die Gesellschaft. Aus Valencia führten sie Ravensburger Rohseide und Zucker ein. Aus Deutschland sind einmal Hüte, zweimal Schmalz, Silber und Zinn

verzeichnet. Der Wert der beiden Gelieger Avignon und Lyon betrug 1497 nur 4102 Gulden.

Genf wurde um 1032 an das Heilige Römische Reich deutscher Nation angegliedert.als Messestadt gewann in dem Maß an Bedeutung wie die Champagnermessen an Bedeutung verloren. Für Kaufleute aus Italien war Genf ein wichtiger Standort, für die

Ravensburger weniger, da sie nicht auf die Waren, die auf der Genfer Messeangeboten wurden,  angewiesen waren. Das Gelieger von Genf lässt sich 1454 erstmals belegen. Nikolaus Stoß aus Ravensburg war damals Faktor von Jos und Ital Humpis.

Genf war außer den beiden Geliegern Wien und Nürnberg der mit rund 420 Kilometer der nahegelegenste Standort. Ihr Handelszüge brauchten von Ravensburg aus 13 Tage. Wie schon bei Lyon bemerkt wurde,

begünstigte der französische König Lyon massiv. Außerdem behinderte er den Messestandplatz Genf. So verbot er seinen Kaufleuten den Besuch der Messen in Genf. Diese protektionistische Politik zeigte Wirkung. Auch die Ravensburger verlagerten ihre Tätigkeit

weitgehend nach Lyon. Der letzte Beleg für einen Besuch der Ostermesse stammt aus dem Jahr 1478.

Das dritte Gelieger im französischen Raum war Avignon. Diese Niederlassung war für die Ravensburger vor allem durch ihre verkehrstechnische Lage wichtig. Zum einen liegt Avignon an der Rhone, bietet also einen Wasserweg zum Mittelmeer.

Zum andern war sie eine wichtige Station auf dem Landweg nach Spanien. Bedeutend war sie vor allem durch die auch im Volkslied besungene Brücke. Im 12. Jahrhundert erbaut war sie dann die damals längste Brücke Europas. Von Ludwig VIII.

bei der Belagerung Avignons während der Albigenserkriege 1226 zerstört, baute sie Hugues II. de Sade 1355 wieder auf.

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Reich wurde die Stadt natürlich auch durch die Anwesenheit der Päpste während der “babylonischen Gefangenschaft der Kirche” von 1309 bis 1377. Schon 1303 gründete Papst Benedikt VIII. dort die Universität Avignon. Clemens  VI. verleibte die Stadt 1348 dem

Kirchenstaat ein. Die Kurie war einer der größten Endverbraucher von Luxuswaren.Etwa ab 1420 lässt sich belegen, dass die Ravensburger Handelsgesellschaft in Avignon Handel betrieb. Rudolf Mötteli verbrachte dort einen Teil seiner Lehrzeit. In Avignon wurde

fast nur Cannemasse gekauft, das gegen Zucker, der in Valencia gekauft wurde, eingetauscht.Avignon war für die Ravensburger eher als Lager- und Umladeplatz, denn als Handelsplatz wichtig. Es verliert schon bald seine eigene Rechnung und steht seit 1497

mit Lyon und Genf in einer Wertsumme zusammen.

In Frankreich waren Gesellen auch noch in Bourg en Bresse und in Bouc bei Marseille und Perpignan stationiert. Die Agenten erhielten die Gelder, die auf den Lyoner Messen übrig geblieben waren und kauften damit bei den Webern in Bourg en Bresse ein. Die

Tuche gingen wann wieder nach Valencia weiter, wie man zum Beispiel aus eine Bestellung aus Valencia von 1472 nachvollziehen kann. Diepold Burklin war zu der Zeit Faktor in Valencia.

Spanien. Der Handel mit Spanien war der wichtigste Posten in der Tätigkeit der Ravensburger Handelsgesellschaft.Reisen der Ravensburger Kaufleute nach Spanien lassen sich schon 1394. Die Humpis und Mötteli waren in diesem Jahr schon in Barcelona. 1400

folgten die Muntprat. Die ersten Beleg für ein Gelieger in Barcelona sind 1408 festzustellen und schon im Januar 1406 agierte Jos Humpis in Barcelona im Namen seiner Genossen Rudolf Mötteli und Lütfried Muntprat. Der sich intensivierende Handel mit

Katalonien dürfte dann auch den Ausschlag für den Zusammenschluss der bisher selbstständigen Familienfirmen gewesen sein. Er senkte ganz erheblich die Kosten, die bei gesonderten Reisen und Warentransport angefallen wären. Sie erlaubte größere

Warenquantitäten. Außerdem verringerte sie die Konkurrenz sowohl im Einkauf als auch im Verkauf. Am 7. Januar 1420 gewährte König Alfons V. von Aragon deutschen und savoyischen Kaufleuten ein Handelsprivileg, das den direkten Handel mit Aragon und

Katalonien weiter erleichterte. Es sicherte den Kaufleuten auf fünf Jahre Schutz und Geleit zu. Es legte einen Wertzoll auf aus-und eingeführte Waren fest und gewährte die Ernennung eines besonderen Konsuls für Barcelona. Dieser war gleichzeitig Richter und

Schatzmeister für ihre Zollangelegenheiten. Ein solcher Konsul führte dazu ein Zollregister, das sich von 1425-1440 erstreckt. Daraus lässt sich ersehen, dass an dem Handel hauptsächlich Kaufleute aus Oberschwaben neben einigen wenigen Nürnberger Kaufleuten

beteiligt waren. Dem Spanienhandel zusätzlichen Auftrieb verlieh in dieser Zeit die von Kaiser Sigismund verhängte Blockade Venedigs, weil die Stadt mit seinen Eroberungen in Venetien und Friaul den König herausgefordert und in dessen  Rechte verletzt hatte.

Dadurch konnten auf der Handelsstraße nach Spanien besonders große Gewinne realisiert werden. Zudem fiel in dieser Zeit der Stapelzwang in Genua. Damit war der Seeweg Genua-Spanien offen.Diese günstigen äußeren Umstände ließen

das Gelieger rasch aufblühen. Aber von 1462 bis 1472 herrschte Bürgerkrieg in Katalonien. Die Rebellion gegen König Joan II. endete 1473 in einer Belagerung der Stadt, an deren Ende sie zerstört wurde. Dies spielte natürlich dem Handel schwer mit und

1477 überlegten die Ravensburger, ob sie das Gelieger schließen sollten. 1480 bestand das Gelieger noch. Aber 1481 wurden für Katalonien enorme Einfuhrsteuern erhoben. Zudem wurden noch eine große Zahl von Waren ausgeschlossen. Dies machte den

Handel unrentabel. 1497 bezeichnete eine Notiz von Hans Hinderofen den Wert des Geliegers Barcelona nur noch mit 80 Gulden. Zwischen 1440 und 1480 hatte die Ravensburger Handelsgesellschaft über 50 % des Gesamthandels in Barcelona abgedeckt.

Allein 1443 lieferte die Gesellschaft 385 Ballen Leinwand 37 Ballen Barchent und 2 Ballen Cannemasserie. Ein Ballen, das waren 75,250 Kilogramm. Es wurden also ganz schöne Mengen an Textilien abgesetzt.Dazu wurden im selben Jahr noch Tuche

aus den Niederlanden Hüte sowie Garne abgesetzt. Auch Metalle stellten einen großen Posten. Kupfer, Messing, Messingdraht und Messingblech standen auf der Liste. An Ausfuhrgütern stand vor allem Safran. 1443 waren das 7712 Pfund.

Dazu kamen 15230 Kaninchenfelle, 344 Pfund Korallen und 12 Körbe “trockene Weinbeeren”. Die politischen Wirren sowie die Vertreibung der Juden, die im Handel eine große Rolle spielten und die Inquisition ließen den Handel im Jahre 1495 praktisch zur

Bedeutungslosigkeit herabsinken.

Ein weiteres Gelieger befand sich in Saragossa. Die Ravensburger Handelsgesellschaft ist dort seit 1430 nachgewiesen. Saragossa war die Hauptstadt des Königreichs Aragon und das war der Hauptlieferant von Safran. Safran war im Mittelalter nicht nur Gewürz, es

wurde auch zum Färben verwandt, und war deshalb hochgeschätzt.Allein aus Barcelona exportierte die Ravensburger Gesellschaft in nur 15 Jahren nämlich von 1425 bis 1440 knapp vierzigtausend Pfund Safran. Die mühsame Gewinnung verursachte einen hohen

Preis. Aber nicht nur der Preis, auch die Wertschöpfung war hoch. Die erhöhte Nachfrage der deutschen Kaufleute nach Safran ließ schon um 1380 die Preise für Safran in die Höhe schnellen, wie wir aus dem Schreiben eines Faktors der florentinischen Firma

Datini aus  Florenz aus einem Schreiben aus Barcelona erfahren. Interessant war für die deutschen Kaufleute auch der Handel mit Wolle, die in Saragossa von ausgezeichneter Qualität aber immer noch verhältnismäßig billig beziehen konnte. Nach Saragossa wurde

vor allem Leinwand eingeführt. Die Ravensburger Leinwand erfreut sich in Saragossa großer Beliebtheit. Der gute Ruf deutscher Leinwand zeigt sich zum Beispiel auch, dass Papst Johannes XXII. (1316-1344) seine Tafel mit “ tavolia d’Alamania” decken.

In Saragossa erlebte die Gesellschaft etwas, was ihr sehr selten passierte. Als Ulrich Ehinger dort die Geschäftsführung übernahm, vernachlässigte er seine Handelspflichten. Er feierte rauschende Feste und führte auf Kosten der Gesellschaft ein luxuriöses

und sorgenfreies Leben. Natürlich hatte es einige Zeit gedauert, bis dies in Ravensburg ruchbar wurde. Ein Brief von Saragossa nach Ravensburg war 36 und 46 Tagen unterwegs. Das Krise konnte nochmals überwunden werden. Doch war das Gelieger in sehr

schlechtem Zustand. Deshalb wurden die Gesellen Ulrich Gessler und Heinrich Stüdlin nach Saragossa geschickt. Sie waren praktisch ständig damit beschäftigt in Aragon herum zu reisen und Schulden einzutreiben.

Ulrich Hessler wechselte übrigens spätestens 1528 zu den Welsern und war für sie in Sevilla tätig. Nach dem die Ravensburger ihre Geschäftstätigkeit eingestellt hatten, kamen sehr viele der leitenden Angestellten bei der Welser-Vöhlin Gesellschaft unter.

Die Familie Ehinger aus Konstanz hatte über Jahre hinweg Mitglieder der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft gestellt. Das Gelieger wurde 1526 aufgelöst.

Valencia war das dritte Gelieger der Ravensburger in Spanien. Erste genaue Nachrichten stammen aus dem Jahr 1445. Haupteinfuhrartikel für Valencia war Barchent. Aus Mailand und Cambrai wurde Leinwand geliefert, auch aus Flandern wurde Leinwand eingeführt.

Für Valencia sind noch drei Dinge besonders zu erwähnen. Einmal war es das einzige Gelieger, in dem Kleinhandel betrieben wurde. Die Bodega machte bis 1477 gute Geschäfte. In Valencia arbeitete die erste Druckerei des Königreiches Aragon und führte damit

1474 hochmoderne Buchdruckkunst ein. Als Drucker arbeitete Lambert Palmer aus Köln. Dann waren noch Johannes aus Salzburg und Paul Hurus (Paulus de Constantia) dort tätig. Dort wurde eine “ Biblio Sacra Sermone Valentino reddita” gedruckt. Von ihr

existieren heute allerdings nur die letzten 4 Blätter in einem einzigen Exemplar im Dom von Valencia. Die Ravensburger Handelsgesellschaft und vor allem der aus Isny stammende Faktor Jacob Vizlant bestritt die Kosten. Man kann annehmen, dass dabei auch

Ravensburger Papier zum Einsatz kam. Paul Hurus ließ sich bald darauf in Barcelona nieder.1476 ging er nach Saragossa weiter. Seit 1481 arbeitet er allein. Bald stand er an der Spitze aller Offizinen, also Buchdruckwerkstätten. Hurus pflegte gute Beziehungen zu

Süddeutschland und so gelangten Holzschnitte deutscher Inkunabeldrucker in spanische Übersetzungen.

Ein drittes. Die Ravensburger Handelsgesellschaft stieg selbst in die Zuckerproduktion ein. Seit 1461 betrieb sie in der Nähe von Valencia eine eigene Zuckerfabrik. Schon in islamischer Zeit wurde der Zuckerrohranbau im späteren Königreich Valencia gepflegt.

Es gab auch genügend Wälder, die genügend Brennholz für das Zuckerkochen lieferte. Doch schon vor dem Investment in Valencia hatte sich der Zuckermarkt geändert. 1420 hatten portugiesische Seefahrer die unbewohnte Insel Madeira entdeckt.

Schon 1425 ließ Heinrich der Seefahrer Madeira kolonisieren und Zuckerrohrplantagen auf der Insel anlegen. Der Zuckerhandel zeigte allerdings, dass die Gesellschaft mittlerweile schwerfällig reagierte. In einem Brief der Geschäftsleitung an das Gelieger

Valencia vermerkt man dort  ” Am Zucker haben wir zu Lyon schon lange verloren. Wisst dass er zu Brügge jetzt nichts gilt, dort läuft nur der portugiesische aber vielleicht kommt einmal der Tag, da der Zucker wieder etwas wert ist.” Die schlimmsten Befürchtungen

der Ravensburger waren nicht eingetreten. Der zunehmende Holzmangel auf Madeira ließ die Preise wieder ansteigen. Die Gewinnspanne war trotzdem recht klein geworden. Also verkauften sie schließlich 1480 ihre Zuckerfabriken, kaufte direkt bei den

Herstellern und setzte ihn vor allem in Mailand und Genua ab. Die Entdeckung der zentralamerikanischen Inseln schließlich führte zu einem raschen Niedergang des Zuckeranbaus in Valencia. Auf den kurzen Versuch mit Reis aus Valencia wurde schon beim Gelieger

Brügge eingegangen.Valencia wurde als letztes der drei spanischen Gelieger aufgelöst.

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Im deutschsprachigen Raum hatte die Gesellschaft zwei Gelieger und zwar das in Wien und das in Nürnberg. Natürlich bot sich Wien als kaiserliche Residenzhauptstadt der Habsburger und Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches als Sitz eines Geliegers

an.Außerdem lag der ungarische Absatzmarkt geradezu vor der Tür. Erste Nachrichten für das Gelieger Wien gibt es aus dem Jahre 1440. Dort ist in einem Satzbuch, das ist ein Buch in dem mit Satz oder Burgrecht einer Hypothek vergleichbares Recht eingetragen

werden.  Dort verpfändet ein gewisser Hans Hämerl zwei Hypotheken zwei Häuser in Wien, da er der Ravensburger Handelsgesellschaft 285 Pfund schuldete. Wir wissen ziemlich wenig über die Tätogkeit des Geliegers Wiens. Es scheint so, dass die Gesellschaft in

Wien keine Einkäufe tätigte und nur Waren weiterhandelte, die sie von anderen Geliegern z.B. Mailand und Antwerpen bezog. Wir erfahren von einem Einkauf, in dem der Wiener Faktor Heinrich im Steinhaus Zobelfelle zu überhöhte4m Preis angekauft hat. Und

wir wissen, dass Hans Gessler 1520 noch für die Ravensburger tätig war, das Gelieger da also noch bestand.

As 15. und 16. Jahrhundert gilt als die blühende Zeit Nürnbergs. Handwerk und Handel florierten. Kunst und Wissenschaft blühten auf. Nürnberg war eine wichtige Reichsstadt. 1424 hatte Kaiser Sigismund der Stadt Nürnberg die Reichskleinodien

“für ewige Zeiten” anvertraut. Künstler wie Veit Stoß, Adam Kraft und vor allem Albrecht Dürer begründeten den künstlerischen  Ruf Nürnbergs. In Nürnberg wurde die erste Papiermühle Deutschlands gebaut. Martin Behaim schuf dort den ersten Globus und Peter

Henlein erfand die Taschenuhr.Aber sicher hat natürlich vor allem die verkehrstechnisch günstige Lage Nürnberg für die Ravensburger Handelsgesellschaft interessant gemacht. Nürnberg lag in der Mitte Europas und es war neben Köln und Prag die größte Stadt im

Heiligen Römischen  Reich. Der erste Nachweis für die Präsenz der Ravensburger Handelsgesellschaft stammt aus dem Jahr 1439. Nürnberg war der Hauptlieferant für Metalle. Nürnberg war eine Hochburg der Waffenherstellung. Bekannt sind die Harnische. In

Nürnberg wurde die “Nürnberger Schere” erfunden, das ist eine für militärische Zwecke verwendbare Steigleiter und schon vor 1517 das Radschloss bei Handfeuerwaffen. Die Gesellschaft verschaffte der Stadt Ravensburg  aus Nürnberg Hakenbüchsen,

Handbüchsen, Schlangen und Model zum Gießen der Geschosse sowie Eisen und Blei. Und bei der Ausstellung des Handelsprivileg für Lyon wurde ja schon darauf hingewiesen, dass sich diese vor allem auf Kaufleute, die Waffen lieferten erstreckten.

Dank der florierenden Wirtschaft lebte natürlich auch eine zahlungskräftige Kundschaft in der Stadt. So standen neben Safran und Zucker Luxuswaren wie Perlen, Damaste und Korallen auf der Liste. Das Nürnberger Gelieger wurde bis 1527 geführt.

In Frankfurt hatte die Gesellschaft kein eigene Gelieger oder zu mindestens einen Agenten wie in Köln. Aber natürlich war sie auf der Frankfurter Messe präsent.

Die Ravensburger Gesellschaft bot auf der Frankfurter Messe Safran an, das Gelieger Saragossa lieferte nach Lyon, von dort ging es weiter nach Genf und von Genf gelangte schließlich die Ware auf die Messe. Das  Einkaufsbuch der Familie Mulich,

einer Nürnberger Fernhandelskaufmannsfamilie von der Fastenmesse von 1495 zeigt zum Beispiel, dass die Ravensburger Gesellschaft für die Firma der Familie Mulich für 850 Gulden Waren lieferte. Daneben wurde die Firma auch von Georg Fugger  und Peter Watt

mit je 700 Gulden beliefert. Auch Einkäufe tätigte die Handelsgesellschaft. So bezog sie 1475 Blech von der Witwe des Nürnberger Blechschmieds Konrad Eschenloer. Zur Frankfurter Fastenmesse gibt es auch einen Geleitbrief, den Herzog Christoph von

Württemberg am 14. Februar 1459 in Mömpelgard ausstellt und indem er auf Bitten der Stadt Ravensburg zusichert “Eure Mitbürger Kaufleuten durch unser Fürstenthum Württemberg” zu begleiten. Es wird darauf verwiesen, dass das auch früher schon so

gehandhabt worden ist, auch die möglichen Gefahren werden erwähnt, das Nebenstraßen zu vermeiden seien. Es wird ausdrücklich gesagt, dass das Geleit auch für die kommenden Messen gelten soll. Auch daraus ergibt sich, dass die Ravensburger

Handelsgesellschaft ein ständiger Besucher der Frankfurter Messe war.

In den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts war in Köln Peter Lutzenkirchen unter anderem für die Ravensburger Gesellschaft tätig. Er war verheiratet mit der Seidenmacherin Fygen. Er unterhielt aber auch Beziehungen zu anderen oberdeutschen

Handelshäusern wie den Vöhlin-Welser. Seine Tochter Agnes heiratet 1492 Andreas Imhof, einen Faktor der Vöhlin-Welser Gesellschaft.

In der Schweiz, die damals ja noch zum Heiligen Römischen Reich zählte, gab es außer dem Gelieger in Genf noch einen Agenten in Bern unter anderem Hans Fränkli, der 1458 Seckelmeister der Stadt Bern war und sein Schwiegersohn Anton Archer, der von

1477-1503 Berner Seckelmeister war. Die Stadt Bern setzte sich auch außenpolitisch immer wieder für die Handelsgesellschaft ein, sowohl gegenüber dem französischen König, als es um von Seeräubern geraubte Ware ging als auch in Savoyen und Italien.

Begründet wurde das immer damit, dass Berner Bürger Gesellen der Ravensburger Handelsgesellschaft waren. Auch in Zürich und Luzern lebten Gesellen der Ravensburger. Nach dem Schwabenkrieg 1499 (siehe dazu auch Beitrag  Kloster St. Gallen) zogen sich die

meisten Schweizer Gesellen  aus der Gesellschaft zurück. Besonders enge Beziehungen gab es zu St. Gallen. Dort benützten die Ravensburger sogar die Bleichen und natürlich waren sie ein wichtiger Abnehmer der St. Gallener Leinwand. In St. Gallen, ebenso

wie in Memmingen und Konstanz arbeitete ein Bevollmächtigter der Gesellschaft.

                       Die Geschichte der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft

Ladislaus Suntheim, der um 1440 in Ravensburg geborene Theologe, Historiker und Genealoge, der 1460 zum Procurator der Rheinischen Nation gewählt worden war, das ist ein Bediensteter in der Staatsverwaltung  oder in der Rechtspflege , gab schon um 1495

eine Beschreibung seiner Heimatstadt heraus die “Beschreibung der Stadt Ravensburg und des Schussentals”.  Darin schreibt er “Item die erst geselschafft in Hoch-Tewtschn-lannden ist zu Ravenspurg durch die burger, genannt die Motzli[28] erfunden unnd gemacht

wordenn und in die selben geselschafft sind noch maln khomen: die Humpis, Pesserer, Taschler, Geldrich, Montpratn, Neydeckhenn, Anckareyte und annder etc. unnd ist die Gros Geselschafft wordenn unnd haben gehannttirt in das Kunigreich von Appels[29], in

Lampartten[30], in die Kunigreich von Arragon, Valens, in Kastilia unnd in Katalonia etc.; dar nach sein annder geselschafft auferstannden als der Sechli zu Memmingen, der Meiting zu Augspurg, der Metzli zu Sannd Gallen unnd yetz der Fuker zu Augspurg unnd der

Welsser daselbs etc. unnd in annderen stetten desgleichnn. Das ist wohl die erste Beschreibung der Ravensburger Handelsgesellschaft. Die Ravensburger Kaufleute haben sich schon früh im Fernhandel umgetan. so erscheinen 1390 ein Johannes, Konrad und Ulrich

Wirt im Fondaco dei Tedeschi. Möglicherweise ist Konrad Wirt identisch mit dem Konrad Wirt, der 1397 und 1401 in Ravensburg Bürgermeister war. Auch sind zwei Brüder Wirt bei der Gründung der Ravensburger Patriziergesellschaft zum Esel dabei. Auch Konrad

und Johann Segelbach erscheinen auf der Liste des Fondaco dei Tedeschi. Johann Segelbach ist 1401 Bürgermeister in Ravensburg und beide Brüder sind wieder unter den Gründern der Gesellschaft zum Esel. Auch ein Johann Muntprat wird erwähnt, der als

Ravensburger bezeichnet war, aber im Auftrag zweier Konstanzer Bürger bezeichnet wird. Auch in Spanien sind Ravensburger Bürger unter den ersten namentlich bekannten Kaufleuten aus Deutschland. Humpis und Mötteli lassen sich 1394  in Barcelona

nachweisen, die Muntprat folgen 1402. Ein genaues Gründungsdatum für eine gemeinsame Handelsgesellschaft gibt es nicht, aber so um 1380 bereits dürften sich die Familien Humpis, Mötteli und Muntprat zu einem gemeinsamen Unternehmen

zusammengeschlossen haben. Einige Vorteile gemeinsamen Vorgehens wurden schon beim Gelieger Barcelona aufgezählt. Neben der Kostensenkung spielte sicher auch die Risikominimierung eine gewichtige Rolle. Die Unsicherheiten beim Transport, egal ob zu

Wasser oder Land bargen immer das Risiko des Verlusts einer Ladung. auf mehrere Schultern verteilt, trug sich die Last leichter. Es mussten nicht nur Raubritter oder Piraten sein, manchmal genügten auch einfache Unfälle oder Fahrlässigkeit. So ging 1480 einmal

eine ganze Ladung Zucker verloren, Als ein Fuhrmann auf dem Weg von der Rhonemündung 13 Kisten Zucker in die Durance kippte. Bei Seetransporten waren meist Faktoren der Gesellschaft dabei, während  Landtransporte Fuhrleuten anvertraut wurden. Für

Seetransporte schloss die Gesellschaft meist eine Transportversicherung  ab, um sich gegen Warenverlust durch Piraterie oder Schiffbruch abzusichern. Selbst war die Gesellschaft nicht im Versicherungsgeschäft tätig.

Die Vereinigung der Ravensburger Kaufleute erhielt rasch Zuwachs. Sie liest sich fast wie die Liste der Gründungsmitglieder der Gesellschaft Zum Esel. Aber auch Konstanzer Patrizier waren bald dabei. Bald waren über 100 Gesellschafter aus über 10 Städten im

Bodenseeraum und Oberschwaben vertreten. Auch  Schweizer Bürger waren unter den Gesellschafter, so aus Bern, Zürich und Luzern.Noch 1498 lassen sich 38 Gesellen nachweisen. Der rasche Eintritt vieler Gesellen hatte natürlich einen raschen Kapitalzufluss zur

Folge.  Andrerseits machte sie die Gesellschaft natürlich auch schwerfällig, stärker als das später zum Beispiel bei den Fuggern der Fall war. Die Ravensburger Gesellschaft war nach dem  Vorbild der italienischen Binnenhandelsgesellschaft (compagnia) aufgebaut.

Die Mitglieder der Gesellschaft hatten nicht nur Anteil am Geschäftskapital, sondern sie arbeiteten aktiv im Unternehmen mit. In einem schriftlich fixierten Gesellschaftervertrag wurde die Kapitalbeteiligung, aber auch Kompetenzen, Rechte und Pflichten

fest. Leider ist kein einziger solcher Vertrag erhalten geblieben, so dass wir über die interne Struktur heute im Ungewissen bleiben. Gewinne und Verluste wurden anteilig im Verhältnis zur Kapitalbeteiligung verteilt.

In Urkunden aus Bern,Luzern und Konstanz wird die Gesellschaft “magna societas mercatorum altioris alamaniae” genannt. In einer genuesischen Urkunde ist von der societas Alamanorum ,quae dicitur de Josumpis. In Mailand war sie als compagnia grande bekannt

und in Spanien lief sie unter dem Namen der wichtigsten Gesellschafter Joushompis (oder Joghompis) y compania.

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Egal unter welchem Namen, sie war eine der bedeutendsten Handelsgesellschaften, die rund 150 Jahre im Fernhandel mit Spanien, Italien und Frankreich eine wesentliche Rolle spielte.

An der Spitze der Gesellschaft standen drei Regierer. Der erste bekannte war Henggi Humpis, der 1429 verstarb. wie wir oben gesehen haben, hat er in der Stadt Ravensburg aber auch im Schwäbischen Bund eine gewichtige Rolle gespielt. Die ersten

beiden Regierer führten die Geschäfte und waren auch für die Gesellschaft unterwegs, der dritte führte jeweils die Hauptbuchhaltung, die in Ravensburg war (oberes Bild der Geschäftssitz). Die Gelieger standen unter der Leitung eines

Faktor, der dafür mit Quartier, Speis und Trank und Kleidung versorgt wurde.Wenn die Gesellen zum Handeln  unterwegs waren oder mit Wissen der Anderen zum “Wohl und Nutzen” reisten, stand ihnen eine “Zehrung” aus dem “gemeinen seckel

und gelt” der Gesellschaft zu. Auf Reisen und in den Geliegern wurden die Gesellen von Kopf bis Fuß neu eingekleidet und gut schwäbisch von der Gesellschaft immer ermahnt, sorgfältig damit um zu gehen. An Waffen erhielt der Kaufmann ein Schwert.

Es war ein ausdrückliches Privileg, dass er dies auch auf der Frankfurter Messe tragen durfte. Arzt-und Apothekerkosten gingen zu Lasten der Gesellschaft. Auf “Reisespesen” achtete man streng, d.h., die Gesellen wurden angehalten, wo immer zu Fuß zu gehen und

auf teure Mietpferde zu verzichten. Es gibt einen amüsanten Briefwechsel mit dem Patriziersohn Claus Bützel, der wohl 1472 in Bourg en Bresse war. Er scheint wohl nicht begeistert gewesen zu sein, zu Fuß zu gehen. Doch es wird ihm gesagt

“Es sind ebenso gute Herren zu Fuß gegangen”. Die Kosten für Schuhe wurden ersetzt. So legte der Geselle Heinz Wyer eine Abrechnung vor, nach der in knapp drei Jahren 22 paar Schuhe verbraucht hatte. Diese bekam er natürlich anstandslos bezahlt. Das gibt

auch eine gute Vorstellung, was im Dienst der Gesellschaft zu leisten war. Neben den Kosten für die Schuhe wurden dem Gesellen auch Versäumnisgelder für Messen, sowie das Beichtgeld bezahlt und sogar noch zwei Rosenkränze. Es scheint also, dass

das Seelenheil ihrer Gesellen der Gesellschaft durchaus am Herzen lag.

Wie konnte man Geselle werden? Voraussetzung war, Bürger einer Reichsstadt zu sein. Eine Einlage war zu leisten, die allerdings im Lauf der Vertragszeit zum Teil zurückgezogen werden konnte. Dies wurde in den Papieren vermerkt und dann natürlich

das Anrecht auf Gewinnbeteiligung entsprechend gekürzt. “Verlieren der ganzen und halben Gewinnung” war dann zu lesen. Die Gesellen wurden von den Regierern in die Gesellschaft aufgenommen. Sie mussten dann dorthin gehen, wo sie die Regierer nach

eigenem Ermessen senden konnte. Seinen Posten durfte niemand ohne Urlaub verlassen. Es musste ein Treueversprechen an Eides statt ab gelegt werden. Darin verpflichtete sich der Geselle, sich an die Ordnung der Gesellschaft zu halten, Treue und Fleiß zu

bewahren und zu Gehorsam gegenüber den Vorgesetzten. Das war kein Versprechen auf Lebenszeit. Viele nahmen städtische Beamtungen an, manche Glieder reich gewordener Geschlechter taten einige Zeit Dienst und lebten danach als reiche Privatleute.

Am Ende Rechnungsperiode wurde die Dividende ausgezahlt. Falls ein Geselle durch nachlässige Geschäftsführung einen Schaden verursacht hatte, musste er dafür haften. Vor allem wer bares Geld ausgeliehen hatte wurde er streng gerügt und

schadenersatzpflichtig gemacht. Die Gesellen waren nicht an der Spitze der Gelieger. Diesen Posten versah ein “Obmann”. Dieser hatte Prokura, aber nicht allein, so dass auch während seiner Abwesenheit die Gesellschaft nicht handlungsunfähig war.

Die Prokuristen konnten rechtsverbindliche Verträge eingehen. Der Prokurist stand dem Personal eines Geliegers verpflichtet. Er besorgte die Buchführung und war zur Rechnungslegung verpflichtet. Er unterlag der Verschwiegenheitspflicht in geschäftlichen

Dingen.

Die “Ehrung” war ein Mittel besonders erfolgreiche Gesellen auszuzeichnen, alle anzuspornen, so etwas wie heute die Erfolgsbeteiligungen. Die Ehrung wurde ins Wertbuch eingetragen und nahm am Gewinn  des neuen Geschäftsjahres teil, bedeutete also

die Möglichkeit, sein Einkommen durch Fleiß entsprechend zu steigern. Die Regierer erhielten keine Ehrung sondern ein Entgeld das meist bei 150 Gulden lag.

Bilanz wurde in der Regel nach drei Jahren gezogen. Die Dividende wurde festgelegt. Die “Rechnung” das war die Hauptversammlung. Die drei Regierer und der Neunerausschuß waren anwesend. Dieser Ausschuss ist dem heutigen Aufsichtsrat zu vergleichen.

Die Gesellschafter waren auch anwesend. Nach einer Aufstellung aus dem Jahr 1477 wurde in einem Zeitraum von einem knappen Monat, das war die längste “Rechnung” kräftig gespeist und getrunken.

“20 3/4 Lämmer; dann 401 Pfund Rindfleisch, 23 Pfund Hammelfleisch, 28 1/2 Pfund Schweinefleisch, 20 Stück Leberwurst, 9 Pfund Wurst, 7 1/2 Pfund Kalbfleisch, 7 Zungen, Wild-pret, 44 Hähne, 102 Hühner, 52 Spislyvögel, 50-60 große Vögel, 300 Vögel, 2 Rebhühner,

1 Haselhuhn, 1 Cuter. Getrunken wurden insgesamt 2.261 Maß Wein” .

In der Spätzeit der Gesellschaft erzielte die Ravensburger Gesellschaft etwa 7 % Kapitalrendite, das war etwas weniger als die 9 % der geringer kapitalisierten Nürnberger Gesellschaft Weiser, aber nicht zu vergleichen mit den rund 20 %, die die Firma

von Jakob Fugger zwischen 1511-1527 jährlich erwirtschaftete.

Die Kommunikationswege sind natürlich in keinster Weise mit heute zu vergleichen. Im Zeitalter von Telefon, Fax und Email läuft das ja praktisch zeitgleich ab. Auf die Brieflaufzeit nach Sargossa wurde bereits verwiesen. Der wichtigste deutsche Handelsplatz

Nürnberg war per Brief in etwa 5 Tagen zu  erreichen, nach Mailand dauerte es 8 Tage, nach Genf war der Brief 9 Tage unterwegs. Zwei Wochen nahm die Kommunikation mit Wien, Lyon oder Genua in Anspruch. Das südfranzösische Avignon erhielt die Post

nach etwa 19 Tage und die spanischen Gelieger wurden zwischen 36 und 46 Tagen kontaktiert. Mitunter dauerte das noch länger, im schlimmsten Fall 10 Wochen!

Ein großes Problem stellt die Sicherheit der Wege dar.Einerseits waren da die Kaufleute, die ihre wertvollen Waren zu den großen Handelsplätzen transportieren mussten. Zum andern waren da Leute, die die Unsicherheit der Wege, aber auch das spätmittelterliche

Fehderecht für ihre Zwecke nutzten. Siehe dazu den Blog über Götz von Berlichingen, der ja fast so etwas wie ein “Fehdeunternehmer” war. Auch die Ravensburger Gesellschaft hatte unter solchen Zeitgenossen schwer zu leiden. Viele Kaufleute, nicht nur in

Ravensburg, waren ja gleichzeitig in öffentlichen Ämtern, oft Bürgermeister oder Amtleute. Erinnert sei hier auch an die herausragende Stellung von Henggi Humpis im Schwäbischen Städtebund.

Im Schwäbischen Unterland machten Wegelagerer die Straßen unsicher. Sie hatten es auf Kaufleute abgesehen, die zur Frankfurter Messe zogen, und beraubten sie. Auf dem Bodensee waren zur gleichen Zeit fast so etwas wie die Seeräuber unterwegs.

Berüchtigt waren Graf Heinrich von Lupfen, Hans von Rechberg Heinrich von Ysenburg. Ein reichsstädtisches Heer mit seine  Hauptleuten Walter Ehinger aus Ulm, Hans Vöhlin aus Memmingen und Jacob Schellang aus Ravensburg zog nun von Überlingen aus

gegen die Burgen der Ritter und zerstörte sie.Im Bodenseeraum wurden die Burgen Schrozberg gegenüber Schönau, Hilzingen,Randeck und Wasserburg zerstört.

Gleichzeitig gingen die Städte im schwäbisch-fränkischen Raum gegen die dort tätigen Ritter vor und brachen deren Burgen.Das waren vor allem Neuenfels und Maienfels. Für Maienfels wurde ein kaiserliches Widersaufbauverbot erteilt, das die Ganerben

allerdings umgingen, in dem sie Burg und Städtlein 1464 der Pfalz zu Lehen übertrugen.

Walter Ehinger war Ulmer Patrizier und Bürgermeister. Hans Vöhlin war Memminger Bürgermeister, sein Sohn Hans der Jüngere war Teilhaber der Vöhlin-Welserschen Handelsgesellschaft. Jacob Schellang hatte 1420 das Ravensburger Bürgerrecht erworben,

war Ratsmitglied und auch in der Gesellschaft zum Esel dabei. Seine Frau war eine Barbara Humpis.

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Wenn man die Liste der Hauptleute betrachtet, sieht man Patrizier aus den oberdeutschen Städten aber eben gleichzeitig Vertreter wichtiger Handelsgesellschaften. Es scheint, dass nicht nur Konkurrenzsituation herrschte, sondern dass man

durchaus  auch gewillt war, für gemeinsame Interessen gemeinsam vorzugehen.

Eine langwierige Fehde hatte die Gesellschaft mit den Herren von Stain auszufechten. Die Herren von Stein saßen zeitweise auf über 50 Herrschaften vor allem in Schwaben, so auf Rechtenstein, Klingenstein und Gundelfingen im Lautertal.

Sie galten das ganze Mittelalter durch als sehr streitbar. Im 15. Jahrhundert war oft der Stoßseufzer zu hören “ Wer will bleiben von Händeln rein, der hüt sich vor Freyberg, Rechberg und vor Stain.” Die Auseinandersetzungen zogen sich fast über

20 Jahre hin und im Ravensburger Stadtarchiv sind eine Reihe von Fehdebriefen und auch Versöhnungsbriefe zu finden. Ein Versöhnungsbrief, der am St. Gallus Tag (16.Oktober) 1458 geschrieben ist, nennt “Hans von Klingenstein,der jung, Hans Böck,

genannt Heinerlin und Wolf, seine gedingten und gebrödeten Knechte” auf der Seite der Ritter und “Ytal und Josen Huntbiß” und ihrer Bürgergesellschaft,  erklären, dass Fehde und Feindschaft geherrscht haben. Vor “Jakob Truchsess von Waldburg

Hofmeister und Landvogt” Mit diesem Brief wird  versprochen, dass die Fehde nun zu Ende sei. Dieser und  einige andere Briefe sind abgedruckt bei Johann G. Eben, Versuch einer Geschichte der Stadt Ravensburg von Anbeginn bis auf die heutigen Tage, erschienen

1835.Bei der Belagerung von Gundelfingen 1463 hatte die Stadt Ravensburg einen großen Teil ihrer Kriegsgeräte verloren. Nur gut, dass wie beim Gelieger Nürnberg gezeigt wurde, die Ravensburger Handelsgesellschaft auch als Waffenhändler fungierte.

Eine allmähliche Erschöpfung beider Parteien, aber auch Versöhnungen und Vergleiche wie der oben erwähnte und nicht zuletzt die Vergrößerung der Rittergesellschaft von St. Georgen Schild, die 1406 im Zusammenhang mit dem Appenzeller Krieg

zum ersten Mal als Zusammenschluss von niederen und hohen Adligen auftrat als Reaktion auf den gesellschaftlichen Wandel, Mitte des 15. Jahrhunderts schlossen sich der Gesellschaft immer mehr Prälaten als Vertreter geistlicher Gebiete der Rittergesellschaft

an, führten zum Nachlassen der Raubritterplage. Ziel der Rittergesellschaft war die Sicherung des Landfriedens und allmählich mussten die Kaufleute nicht mehr befürchten, dass ihre Waren und Handelszüge auf den Straßen überfallen und beraubt wurden.

Nach 1450 stiegen die Möttelis aus der Ravensburger Handelsgesellschaft aus. Lütfried und Rudolf Mötteli gründeten eine eigene Gesellschaft. Ihre Geschäfte betrieben sie nun von St. Gallen aus.Lütfried ließ sich 1454 ins St. Gallener Bürgerrecht aufnehmen,

Rudolf 1458 ins Züricher Bürgerrecht.Warum das geschah, lässt sich nicht mehr nach vollziehen. Es ist aber denkbar, dass es wegen der Familienfehde war, in der Familie Humpis ausbrach, als Henggi Humpis 1429 starb und die Ravensburger Linie und die

Ratzenrieder Linie sich die Führung der Handelsgesellschaft streitig machten.

Die Möttelis waren schwerpunktmäßig weiterhin in Spanien tätig. Sie lässt sich in Saragossa nachweisen. Sie war die einzige deutsche Gesellschaft, die ein  Kontor im damals islamischen Granada unterhielt. Die Mötteligesellschaft war auch in Avignon,

Lyon, Genf Nürnberg und Frankfurt vertreten. Sie vertrieb hauptsächlich Leinwand, Barchent-und Wolltuche sowie Metallwaren. Importiert wurde Safran, Zucker, Baumwolle und Korallen. Rudolf überließ die Geschäfte mehr und mehr Lütfried.

Rudolf übersiedelte ins Schloß Alt-Regensberg bei Regensdorf im Kanton Zürich, das er samt Leuten, Gütern, Zehnten und Zinsen erworben hatte. Er erneuerte dort die alten Bauten und erprobte sein kaufmännisches Denken nun in der Pflege von

Landwirtschaft, Obstbau und Fischzucht. Rudolf war ein typischer Vertreter des reichen Bürgertums, das den sozialen Aufstieg in den Adel anstrebte.

Nach dem Tod Henggis ging die Führung der Gesellschaft an seine Neffen Jos.II aus der Ratzenrieder Linie über.Jos II. war der Sohn von Henggis 1346 geborenen Bruder Ital. Da Jos II. ein kaufmännisches Genie war und auch über enormes  Organisationstalent

verfügte, scheint das zunächst noch kein Problem gewesen zu sein. Jos straffte die Gesellschaft im Inneren und verschaffte ihr schließlich Weltgeltung, was auch daraus zu ersehen ist, dass die Gesellschaft in romanisch sprachigen  Ländern meist naxch im benannt

ist. “Joushompis oder Joghumpis”. Problematisch wurde es, als er 1437 nicht daran dachte, das Amt an die Ravensburger Linie zurück zu geben. Er nominierte für das Amt seinen Sohn Jos III (geboren 1430). Dagegen werden sich seine Kontrahenten  aus der

Ravensburger Linie Frick III. (geboren1426), der Cousin von Jos III. und Fricks Sohn Onofrius “Noffre” (geboren 1450). Der Streit spaltete auch die Familie tief. So war der jüngere Sohn von Frick III. Parteigänger der Ratzenrieder Linie. Er bezog ein Haus in der

Herrenstraße 41 und ließ sich sogar in der Ratzenrieder Pfarrkirche beerdigen. Jos III. musste seinen  Stuhl 1462 zugunsten der Ravensburger Linie räumen, kam 1477 nochmals kurz an die Macht. Dann wurde er gezwungen endgültig abzutreten.

Onofrius war nun Regierer. Er starb 1496 und ihm folgte als letzter Regierer Konrad II, der die Gesellschaft von 1496-1530 als letzter Regierer leitete. Nicht nur die Familie wurde von dem Streit betroffen. Er ging auch quer durch das Ravensburger

Patriziat. Der Streit wurde mit härtesten Bandagen geführt. Es gibt Hinweise auf zwei vereitelte Entführungen auf Onofrius mit Lösegeldforderungen. Jos III. seinerseits überfiel zwei Ravensburger Kaufleute vor den Toren der Stadt und kerkerte sie in  seinem

Schloss ein. 1477 als Jos III. zur Abdankung gezwungen wurde, trat Klemens von Ankenreute mit einer beachtlichen Zahl von Gesellen aus der Handelsgesellschaft aus, alle zogen ihr Kapital ab und Klemens gründete die Ankenreutegesellschaft. Er war ja

nicht irgendwer sondern immerhin mit einer Humpis, nämlich Eva, der Tochter von Jos II. verheiratet. Clemens war für die Gesellschaft in Barcelona tätig gewesen. Nicht nur Kapital war damit abgezogen worden, sondern eben auch viel Berufserfahrung,

und “Connections”. Nicht umsonst wurde nach der Gründung der Ankenreutegesellschaft den Teilhaber der Ravensburger Gesellschaft streng untersagt, sich mit den Ankenreuteleuten zu unterhalten. Der Absprung einer Reihe von Gesellen hat sicher

nicht zum Niedergang der Ravensburger Gesellschaft geführt. Aber geschwächt worden, begleitet von dem jahrelangen Familienzwist, dürfte sie schon. werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Konkurrenzsituation außer der “hausgemachten” Konkurrenz.

In Süddeutschland entstand zu dieser Zeit eine Reihe von Handelsgesellschaften, wobei der oben zitierte Ladislaus Suntheim schreibt,dass die Ravensburger Gesellschaft  in Ravensburg “erfunden und gemacht” worden sei.

Die Diesbach-Watt Gesellschaft ist in den Quellen zwischen 1420 und 1460 belegt. Initiiert ist sie von dem Berner Niklas Diesbach (um 1375-1380 bis um 1436) der die Gesellschaft zusammen mit den beiden Kaufleuten, Peter und Hug von Watt gründete.

Ende der 1440-iger Jahre befindet sich der Hauptsitz in Bern. St. Gallener Leinwand war von Anfang an das Haupthandelsprodukt, dazu kam Barchent aus den schwäbischen Weberstädten Ulm, Augsburg, Biberach und Memmingen. Die Leinwand wurde in

Genf, Südfrankreich und Spanien verkauft, der Barchent in Schlesien und Polen. Von dort bezog die Gesellschaft Wachs und Pelze. In Warschau wurden Hermelin, Marder, Eichhörnchen  und Kaninchenfelle gekauft, die in den oberdeutschen Städten

vertrieben wurden. Das Warenangebot wurde ergänzt durch Messing aus Nürnberg und Kupfer aus den oberungarischen Bergstädten. In Spanien bezog man hauptsächlich Safran,aber auch mediterrane Produkte wie Datteln, Malvasier und Rosenlikör.

Das Angebot war also durchaus vergleichbar mit dem Ravensburger.Bemerkenswert war bei der Diesbach-Watt Gesellschaft nicht so sehr das Angebot als die geographische Ausdehnung ihrer Aktivitäten. Das erforderte ein gut funktionierendes

Kommunikationsnetz, gezielt angelegte Niederlassungen sowie eine ständige Anpassung der Geschäftsstrategie. Ihre Blüte erlebte die Gesellschaft in den 1440-er Jahren. Dann  setzte ein rascher Niedergang ein. Die Gesellschaft machte dafür die kriegerischen

Ereignisse im eidgenössischen und süddeutschen  Raum verantwortlich. Dazu kamen Zwistigkeiten unter den Teilhabern, die sich lähmend auf die Betriebsleitung auswirkte. Um 1460 löste sich die Gesellschaft nach rund

dreißigjähriger Tätigkeit wieder auf.

Die Welser-Vöhlinsche Handelsgesellschaft entstand, als die Ravensburger ihre Hochzeit schon hinter sich hatten. In den 90-Jahren des 15. Jahrhunderts fusionierten die beiden Gesellschaften der Vöhlin und Welser. Die Vöhlin stammten ursprünglich aus St. Gallen,

sind aber seit 1340 in Memmingen nachzuweisen. Sie waren Mitglieder der Memminger Patrizier und viele ihrer Familienmitglieder begleideten das Amt des Memminger Bürgermeisters. Hans Vöhlin ist uns schon als Heerführer  beim Zug der Reichsstädte gegen

das Raubrittertum am Bodensee begegnet. Schon in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts handelten die Vöhlins mit Barchent, Salz, Wein Eisen und Sensen. Ihre Geschäfte tätigten sie aber hauptsächlich in Wien, in der Steiermark und in der Eidgenossenschaft.

Sie stieg aber bald auch in das Geldgeschäft ein. In kurzer Zeit nahm sie im internationalen Zahlungsverkehr eine wichtige Stellung ein. Auch im Montanbereich , vor allem im Tiroler Silberhandel war die Gesellschaft bald erfolgreich tätig. Diese beiden

Geschäftsfelder unterschieden sie doch stark von der Ravensburger Handelsgesellschaft. Die Welser waren in Augsburg und Nürnberg tätig. Die Welser sind 1246 erstmals in Augsburg nachweisbar und die Welschersche Handelsgesellschaft ist erstmals 1420 in

Augsburg belegt. Anton Welser (1451-1518) lebte und arbeitete in Augsburg, sein jüngerer Bruder Jakob (1468-1541) begründete die Nürnberger Linie.Die Kinder von Hans Vöhlin dem Älteren Katharina und Konrad heirateten beide in das Haus Welser ein.

Katharina heiratete Anton Welser und Konrad Barbara Welser. Diese Heiratsverbindungen leitete die Fusion der beiden Familiengesellschaften ein, die dann Anton Welser 1498 mit Konrad Vöhlin vollzog.  Die Firma “Anton Welser, Konrad Vöhlin und Mitverwandte”

nahm ihre Tätigkeit auf. Neben den beiden Familienoberhäupten waren noch 16 Gesellschafter in der Firma. Neben Augsburg blieb Memmingen bis zum Tode Konrad Vöhlins 1511 zweite Firmenzentrale. Man kann also ähnliches für Elser-Vöhlin sagen, was

Andreas Meyer für in Die Große Ravensburger Handelsgesellschaft in der Region festgestellt hat:  “Durch Konnubium, nicht durch Zusammenschluss“Vergenossenschaftung von Kaufleuten” wuchs die Gesellschaft”. Mögliche Ehepartner suchte und fand man im

entsprechenden patrizischen Milieu Süddeutschlands”. Wenn man die Heiratsverbindungen der süddeutschen Patrizier betrachtet, gewinnt man den Eindruck, dass die Verbindungen  sehr wohl überlegt waren, fast so nach habsburgischem Motto “Tu felix

Austria nubes”. Wenn man nun Vöhlin-Welser mit der Ravensburger Handelsgesellschaft vergleicht, so fällt ins Auge, dass neben der Tätigkeit im  Montanbereich und Geldgeschäft gleich nach den großen Entdeckungen ein beherzter Einstieg ins überseeische

Geschäft stattgefunden hatte. Die Welser beteiligten sich finanziell an der Finanzierung portugiesischer Schiffe für den überseeischen Gewürzhandel und gründeten sogar Kolonien in Venezuela. Die Ravensburger nahmen an diesen Geschäften nicht teil,

sondern beschränkten sich auf ihre bisherigen Geliegern. So verloren sie den Anschluss an die neuen gewinnträchtigen Handelsmöglichkeiten.

Betrachten wir noch kurz den wohl berühmtesten Konkurrenten der Ravensburger Handelsgesellschaft, nämlich die Fugger. Hans Fugger war um 1408 aus dem kleinen Dorf Graben in der Nähe von Augsburg in die Reichsstadt Augsburg eingewandert.

Hans Fugger war Mitglied der Weberzunft, handelte aber schon bald mit Baumwolle aus Italien und war als Weberverleger tätig. D. h. er lieferte den Rohstoff, also Baumwolle und Weber verarbeiteten dies auf seine Rechnung, während er den

Verkauf der Fertigware organisierte. Hans hatte zwei Söhne, nämlich Andreas (1394/1395-1457/1458) und Jakob (nach 1396-1469). Das Familienvermögen wurde 1455 aufgeteilt und die beiden Linien trennten sich und gingen verschiedene Wege.

Andreas war der Stammvater der Fuggerlinie “vom Reh” und Jakob der Linie “ von der Lilie”. Die Familie vom Reh ging schon früh bankrott, was vor allem daran lag, dass sie Kaiser Maximilian einen Kredit einräumte, der nicht genügend abgesichert war.

Die Reichstadt Leuven in Brabant bürgte. Die Schulden ließen sich bei der Stadt nicht eintreiben. Die Firma ging bankrott.Jakob Fugger der Älter hatte mit seiner zweiten Gemahlin 11 Kinder von denen die Söhne Ulrich, Georg und Jakob (später genannt

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der Reiche) seine Firma übernahmen. Sie machten sie zu einem der größten und reichsten Handelshäuser Europas. Seine Ausbildung hatte er mit 14 Jahren in Venedig begonnen. Italien galt ja für angehende Kaufleute als das Ausbildungsland schlechthin.

Allerdings sollte er wohl zunächst Kleriker werden und hatte auch eine Ausbildung zum Kleriker. Er erhielt eine Pfründe in St. Veit in Herrieden in Franken. Allerdings war er dort wohl nie. Als der Vater 1469 starb, sollte er noch weiter Kleriker bleiben,

erst als 1473 Jakobs Bruder Peter in Nürnberg starb, wurde er vom älteren Bruder Ulrich in die Firma geholt.1485 übernahm er die Innsbrucker Niederlassung der Fugger. Der junge Fugger schaffte es, die Silber und Kupfergeschäfte monopolähnlich in seiner Hand zu

konzentrieren. Dazu hatte er umfangreiche Darlehen an den Landesherren Sigmund der Münzreichen gegeben. Die Firma Fugger übernahm die Besoldung der Beamten und erhielt dafür Vorzugspreise bei der Berechnung von Metallieferungen, sowie

Exportvergünstigungen und andere Privilegien. Schon in Kürze beherrschte die Faktorei den Bergbau in Schwaz und die Münze in Hall. Er entwickelte ein kombiniertes System  von Kapital und Politik, das für ihn typisch wurde. Seine Finanzkraft stellte er

fast ausschließlich dem Erzhaus Österreich zur Verfügung. Das Eingreifen Fuggers hatte zum Rücktritt des Landesherren und zur Übergabe Tirols an Maximilian, seinen späteren Großkunden geführt. Fugger genoss nun königlichen Schutz.

Er hatte polnisch-schlesische- ungarische Geschäftsfreunde. Einer der wichtigsten war Johannes Thurzo der Ältere, ein Krakauer Geschäftsmann. Schon 1494 war sein Einstieg ins ungarische Bergwesen und den Metallhandel offensichtlich geworden. Er hatte in

Kärnten bei Villach und in Thüringen Betriebe zur Metallverarbeitung der ungarischen Erze errichten lassen. Auch der Kirche stellte er die Organisation seine auf europäischer Bühne wirkenden Unternehmens zur Verfügung. Die Organisation des

Jubeljahres 1500 und die Verbreitung des Ablasses durch Raymund Kardinal Peraudi (1435-1505) brauchte eine funktionierende Organisation. Im Firmenvertrag von 1502 hatte er zwar formal Gleichberechtigung, de facto aber die Führung inne.

Die Finanzkraft der Fugger und die Protektion durch Maximilian waren nicht allein massgebend für den Aufstieg der Fugger. Ein wichtiger Finanzier war Melchior von Meckau, der 1488 Fürstbischof von Brixen wurde. Er war bald so etwas wie ein

Bergbauunternehmer.  1498 befanden sich bereits 31 % aller Gruben am Schneeberg, im Berggerichtsbezirk von Sterzing-Gossensaß in Südtirol gelegen. Er wurde sehr reich und war auch immer wieder bei der für Maximilian so wichtigen Geldbeschaffung

behilflich. Und der Fürstbischof, seit 1503 Kardinal legte sein Geld bei den Fuggern an. Seine Einlagen überstiegen das eigene Vermögen der Gebrüder Fugger. Diese Querverbindungen sowie die Auswirkungen auf die römischen Fuggergeschäfte im

Sektor der Pfründen-Ablass-und Gebührenüberweisungen waren lange unbekannt. Als der Kardinal 1509 plötzlich verstarb, erhob Papst Julius II. Anspruch auf den Nachlass von Kardinal Melchior. Das brachte die Fuggerfirma an den Rand des Konkurses.

Glücklicherweise brachte zu diesem Zeitpunkt die französische Offensive und den Sieg von Agnadello Maximilian in Bedrängnis und er hatte wieder einmal Geldbedarf. Er half den Fuggern als diplomatische Mittler über die römischen Schwierigkeiten hinweg.

1508 hatte sich Fugger an einer deutschen Gewürzflotte beteiligt.Der Gewürzhandel war ein wichtiger Baustein in der Vermögensmehrung der Fugger.Das Vermögen der Familie war in den Jahren von 1494-1527 fast um das vierzigfache angewachsen.

1514 wurde Fugger als erster deutscher Kaufmann in den Reichsgrafenstand erhoben.

Das gesteigerte Ansehen der Fugger führte nun auch dazu, dass der Mainzer Kurerzbischof Albrecht von Brandenburg eine Anleiheanfrage des Vatikans an die Fugger

richtete. Sie finanzierten nun die Pfründebemühungen um Mainz, Halberstadt und Magdeburg vor und sie waren der deutschen Erhebung des Ablasses für St. Peter beteiligt und waren damit mitten in der Vorgeschichte der Reformation.

Als Kaiser Maximilian 1519 starb, standen Karl aus dem Hause Habsburg und Franz I.aus dem Hause Valois zur Wahl. Dafür wurden enorme Bestechungssummen aufgebracht. 852000 Gulden kostete die Wahl, davon finanzierten die Fugger mehr als eine halbe Million.

Die Kurfürsten und den Abgesandten Karls hatten eine Wahlkapitulation unterzeichnet, nach der auch die Handelshäuser abgeschafft werden sollten. Das scheiterte am Widerstand der oberdeutschen Handelshäuser. Auf deren Intervention unterzeichnete

Karl V. 1525 ein neues Handelsgesetz das den Interessen der Handelshäuser entgegenkam.

Jakob Fugger verstarb am 30.12 1525 in Augsburg. Er hatte seinen Neffen Anton als Nachfolger bestimmt.

Vergleicht man nun die Ravensburger Gesellschaft mit ihren Konkurrenten, so ist zu sagen, dass sie mit Diesbach –Watt oder Mötteli oder Ankenreute durchaus vergleichbar ist. Einmal bewegten sie sich im gleichen oder ähnlichen

Geschäftsfeld. Auch der regionale Tätigkeitsbereich war ähnlich wobei Diesbach-Watt noch wesentlich stärker in Osteuropa tätig waren. Vöhlin-Welser und vor allem Fugger waren sehr schnell global tätig,

die Ravensburger hatten sich auf Spanien,Italien und Frankreich und natürlich Deutschland beschränkt. Das Kreditgeschäft hat im Gegensatz zu den Welsern und vor allem den Fuggern nur eine

marginale Rolle gespielt. Es hat eigentlich mehr im Rahmen von Gewährung von Zahlungszielen statt gefunden.

                                                        Niedergang und Ende

Bericht der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft 1477 nach Andreas Sattler
Liebe Freunde, […] euch verlangt mit Recht zu wissen, wie unsere Abschlussrechnung ausgefallen ist. Was uns Gott zu Gewinn gegeben hat, waren 21 Prozent [in drei Jahren], wofür wir dem Allmächtigen Lob und Dank sagen. Ihr werdet das wohl verstehen, denn der Lauf der Welt ist wirklich allenthalben wild und schwer und ungetreu. Der Kaufleute sind mehr als rote Hunde, alle Winkel sind voll, und der Gewinn ist schmal. Wenn man das bedenkt, liebe Freunde, so müssen wir zufrieden sein und hoffen, dass unsere Sachen fortan besser werden, ihr selbst werdet dazu helfen, wie wir zu euch allen das Zutrauen haben. So hoffen wir mit Gottes Hilfe, unsere Sache ebensowohl zu Nutzen zu schieben als andere Leute, denn wir haben einen guten Kredit und sind bis jetzt immer redlich mit unseren Waren umgegangen. Das lasst uns weiterhin so halten, so kann es uns nicht anders denn gut gehen. Ebenso haben wir für den Kauf wie für den Verkauf Kunden, um die mancher viel gäbe. Solche Stege und Wege in Deutsch- und Welschland zu haben, ist kein geringes Kleinod, dazu ein löblich ehrbar Wesen; von keiner Gesellschaft in der Welt hat man je gehört, dass sie so lange und so redlich bestanden habe, schier bei hundert Jahren. Große Almosen und Zierden zur Ehre Gottes hat die Gesellschaft gestiftet und stiftet sie noch alle Tage, und so möge es auch bleiben. Auch sind in unser Land durch die Gesellschaft großes Gut und Reichtum gekommen. Sollte dies aufhören, das wäre, meine ich, wider Gott, Schande und Schaden, es ist so mancher dadurch allenthalben erfreut worden. Darum liebe Freunde, jung und alt, lasst uns das ehrsame Wesen hochhalten, ein jeglicher in seinem Stand, wie es unsere Vorfahren getan haben, dann geht es uns gewiss wohl, wenn wir nur selber wollen.
Aus: Große Rekordanz (d. h. offener Brief) für Genf, Avignon, Barcelona, Saragossa, Valencia und Lyon, verfasst von Andreas Sattler. Nach A. Schulte (Hrsg): Geschichte der großen Ravensburger Handelsgesellschaft, Bd. III, S. 52 f.

Ein Jahresbericht der Handelsgesellschaft aus dem Jahre 14777 , das war das Jahr, in dem die Ankenreute Gesellschaft gegründet wurde, klingt noch recht zuversichtlich.Die Gesellschaft war allerdings etwas schwerfällig geworden. Man ließ den Geliegern im

Einkauf kaum freie Hand, obwohl die Leute vor Ort den besseren Einblick hatten. Dadurch entging manches gute Geschäft. Der Geschäftsgang scheint bis etwa 1510 noch durchaus befriedigen zu sein. Das lässt sich unter anderem auch daraus ersehen,

dass bis 1510 noch jährlich 600 Gulden  an Spenden getätigt werden. Bis 1525 sinkt der Betrag kontinuierlich auf etwa 100 Gulden ab. Der Rückgang von Umsatz und Gewinn verringerte natürlich auch die Barmittel, die zum schnellen

Einkauf einfach nötig waren. Bis Gelder oder Kauferlaubnis aus Ravensburg  da waren, hatten die Wettbewerber meistens schon gehandelt und so das Geschäft gemacht. Ein weiteres Hemmnis war, dass nun die Reformation auch vor der

Handelsgesellschaft nicht halt gemacht hatte. Der Lindauer Oswald Kröll,die Konstanzer Apenteger, Ruland Muntprat, Jörg von Hoff und Konrad Zwick und Kaspar von Ulm bekannten sich alle zur neuen Lehre, währen die letzten Regierer  Konrad

Humpis, Alexius Hilleson und der Wangener Hans Hinterofen sowie praktisch alle Familienmitglieder blieben beim alten Glauben.

Sicher hatten auch die massiven Familienstreitigkeiten der Humpis die gesamte Gesellschaft geschwächt und in Mitleidenschaft gezogen. In Manchen Arbeiten über die Gesellschaft ist auch vom Buddenbrook-Sybndrom die Rede, also vom Niedergang von

Familiengesellschaften, wie sie ja Thomas Mann in seinem Roman plastisch geschildert hat. Wir haben bei den Möttelis ja schon gesagt, dass viele Vertreter des Bürgertums den sozialen Aufstieg in den Adel anstrebten. Die Humpis hatten das geschafft,

hatten kleine Schlösser erworben und waren unsagbar reich. Durchaus verständlich, dass man sich damit zufrieden gab. 1527 war die Gesellschaft nur noch in Mailand und Genua, sowie in Antwerpen vertreten.

In Deutschland wurden noch Geschäfte in Nürnberg, Wien und natürlich in Ravensburg sowie in Frankfurt auf der Messe getätigt.

1530 hatte die Gesellschaft noch ein Dekret zur Eintreibung von Schulden in Mailand. Demnach bestand da die Gesellschaft noch. Danach erfährt man nichts mehr über sie.

1447 waren die Humpis an die Herrschaft  Brochenzell gekommen. Sie erbauten sich dort das Humpisschloss. Diess fiel 1721 an das Kloster Weingarten, weil Freiherr Marquard Humpis seine Schulden nicht mehr bedienen konnte.

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04 Okt. 2012

Kloster Heiligkreuztal

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Um 1140 lebte in dem Dorf Altheim eine Beginengesellschaft, wegen ihres Habits auch “Graue Schwestern” genannt. Das “Grosse vollständige Reallexikon aller Wissenschaften und Künste” von 1733

gibt sogar an, dass dort 60 Nonnen gelebt hätten. Andere Quellen erzählen auch, dass die Frauen unter Kriegswirren gelitten hätten. Deshalb wandte sich diese Gesellschaft  nun an den Abt von Salem, zu der Zeit Eberhard I. von Rohrdorf (1191-1240) und bat um

Aufnahme in den Ordensverband der Zisterzienser. Dieser Bitte wurde 1204 stattgegeben und so kam Heiligkreuztal zu den schwäbischen Zisterzienserinnenklöster, die in kurzer Folge gegründet wurden.

Ausführlicher ist das im Beitrag über Kloster Baindt beschrieben.

Konrad von Markdorf (1227, gefallen 1235 in einer Fehde gegen die Herren von Rhäzüns) verzichte auf seine angestammten Rechten auf ein Hofgut  in dem Ort “Wasserschapf” was auf den Quellreichtum des Ortes hindeutet.Konrad von Markdorf verzichtete auf den

Grund. Die Schwestern kauften 1227 das Gut für 21 Mark Silber von dem Ritter Werner von Altheim.Aber erst eine große finanzielle Schenkung des Grafen Egon von  Grüningen –Landau, der urkundlich nicht genau fassbar ist, ermöglichte dann eine würdige

Unterkunft. Graf Egons Schwester Hailwilgilde wurde erste Äbtissin des Klosters. Sie starb um 1240. Die Herren von Grüningen-Landau nennen sich nach einer Burg, die oberhalb der Donau errichtet wurde und sind eng verwandt mit den Grafen von Württemberg.

Eberhard Ritter von Landau hat die Grafschaft Landau übrigens 1444 samt der Burg für 14409 Gulden an Truchsess Eberhard von Waldburg verkauft. Der Truchsess überließ die Grafschaft dem Kloster, dieses ließ die Burg niederreißen. Aus dieser Grafschaft besaß.

das Kloster noch das Dorf Andelfingen.

Die Stiftungsurkunde ist nicht mehr vorhanden. Die Totenregister des Klosters, aber auch die drei Hirschgeweihe im Klosterwappen weisen auf die Familie Landau hin. Graf Egon soll nun dem Kloster eine Reliquie, nämlich einen Splitter vom Kreuz Jesu geschenkt

haben, die er sich vom Kloster Reichenau verschafft habe. Das sei auch Anlass zur Umbenennung in Heiligkreuztal gewesen sein. Eine andere Herleitung des Namens ist ein Messingkreuz mit einem Christusbild, das bei der Gründung des Klosters von einem

Wildschwein ausgegraben werden sein soll. Beide Reliquien waren um 1800 noch im Kloster vorhanden.

Kommen wir wieder zu den geschichtlich fassbaren Fakten. 1233 nimmt Abt Wilhelm das Kloster in den Zisterzienserorden auf. Zu dieser Zeit war allerdings Gauthier d’Orchies (1219-1236)Abt in Citeaux. In Urkunde 825 des WUB ist der Name entsprechend

in Frater G. abgeändert.

König Heinrich VII.(1222-1242) nimmt das neugegründete  Kloster in einer am 15. Juni 1234 in Nürnberg ausgestellten Urkunde in seinen besonderen Schutz und zwar den Ort selbst und die Personen, mit allem was sie an zeitlichen Gütern

besitzen und er gewährt den Boten des Klosters zum Almosensammeln freies Geleit. Das illustriert auch die guten Beziehungen des Salemer Abtes Eberhard zu den Staufern.

Das finanzielle Wohlergehen des jungen Klosters fördert auch Papst Gregor IX. (1227-1241)  einer am 16.Juni 1237 in Viterbo ausgestellten Urkunde, in der er  die Gläubigen der Erzdiözese Mainz zu Spenden für das Kloster Heiligkreuztal auffordert, wo der Orden der

Zisterzienser eine Kirche und ein Kloster neu errichtet haben “ecclesiam et claustrum inciperint de novo construere” Am 3. März 1238 stellt Papst Gregor eine Urkunde aus, in der den Abt, den Konvent und das Zentralkapitel des Zisterzienserordens beauftragt,

Kloster Heiligkreuztal unter die Obhut des Zisterzienserabtes zu stellen.

1241 schenken die Grafen Eberhard und Ulrich von Württemberg dem Kloster einen Hof in Enslingen.

Am 21. Oktober 1242 weiht Bruder Johannes, Bischof und Meister des Predigerordens einen Altar und den Friedhof in Heiligkreuztal. Dies geschieht mit Einwilligung des Bischofs in Konstanz. Gleichzeitig ordnet er die jährliche Weihegedenkfeier mit Ablasserteilung

auf den Sonntag nach dem St. Gallustag (16. Oktober)an.

1243 schenkt Albert,genannt Schedel von Steußlingen seine Besitzungen in Andelfingen den Schwestern in Heiligkreuztal.

Der übernächste Papst Innozenz IV.(1253-1254) nahm das Kloster in einer am 16. Dezember 1247 in Lyon ausgestellten Urkunde in seinen Schutz. Er bestätigte sämtliche Besitzungen des

Kloster, wobei er einige Orte namentlich angibt, wo die Besitzungen liegen, z.B. Altheim, Langenenslingen, Riedlingen,Markdorf usw.Vor allem aber wird das Kloster in all seinen Rechten, Freiheiten und Immunitäten bestätigt. Es unterstand also nicht mehr

der Gewalt des Bischofs und weltlicher Gerichte.Dies geschah in der Amtszeit der zweiten Äbtissin, Bertha Freiin von Justingen, die auf Hailwilgilde gefolgt war. Im Kloster kamen vor allem Adlige aus der näheren Umgebung unter. So erhielt das Kloster auch rasch

bedeutende Schenkungen und blühte auf.

Aber auch Käufe standen statt. So kaufte das Kloster 1251 das Kloster die Besitzungen des Schwigger von Gundelfingen in Dollendorf.

1252 überträgt Ritter Wolfrad der Jüngere von Veringen dem Kloster ihm überlassene Güter in Huseberg.

Der Konventsbau zog sich bis 1256 hin. Am 4. Juli 1256 erfolgte die feierliche Klosterweihe. Diese nahm der Augsburger Bischof Siboto von Seefeld (1227-1247) vor.

Siboto war 1217 in die Zisterienzerabtei in Kaisheim eingetreten. Und so lässt es sich erklären dass der Konstanzer Bischof Eberhard II. seinem Augsburger Mitbruder, der 1227 Augsburger Bischof geworden war, den Vortritt ließ, obwohl das Kloster in seinem

Sprengel lag. Die Weihe erfolgte zu Ehren der Heiligen Jungfrau und des Kreuzes. Er ordnete die jährliche Feier des Einweihungsfestes an und erteilt für diesen Tag Ablässe.

1257 überlässt  Abt Burkhard von der Reichenau dem Kloster Heiligkreuztal eine Mühle in Altheim gegen einen jährlichen Wachszins.

1263 erhält das Kloster von Anshelm von Justingen und Anselm von Wildenstein eine Schenkung in Neufra.

Im Jahr 1266 baut das Kloster seine Besitzungen in Andelfingen aus und zwar kauft es vom Kapitel der Konstanzer Kirche,dem Dekan und Propst mit Einwilligung Bischof Eberhard einige Höfe um 23 Mark Silber. Außerdem kauft es von Anselm von Justingen dessen

Andelfinger Besitzungen um 5 1/2 Mark Silber. Ob es sich bei Anselm um einen Familienangehörigen der Äbtissin handelt, lässt sich aus der Urkunde nicht ersehen, ist aber nicht von der Hand zu weissen, die Äbtissin ist zu der Zeit Bertha Freiin von Justingen.

1267 erhält das Kloster weitere Güter in Andelfingen. Der Schenkende ist Graf Hartmann von Grüningen. In diesem Jahr werden auch Güter in Wilflingen gekauft und zwar von der Familie von Veringen, von denen das Kloster ja schon 1252 Schenkungen erhalten hat.

1270 ist der gesamte Ort Andelfingen wohl weitgehend im Besitz des Klosters. Graf Hartmann der Ältere hat den Ort mit dem Patronatsrecht mit allem Zubehör für 206 Mark Silber verkauft. Die Kirche in Konstanz wurde mit der Übertragung anderer Lehen für ihre

Lehensrechte in Andelfingen entschädigt.

Auch in Hayingen kam das Kloster zu Gütern.1271 schenkt Ulrich von Gundelfingen genannt von Otterswang Heiligkreuztal einen Hof. 1284 verkauft das Kloster mit Bewilligung seiner Visitatoren und des Abtes von Salems seine Besitzungen in Hayingen an

den Abt und Konvent in Zwiefalten.

1286 kauft das Kloster von Graf Hermann von Veringen dessen Besitzungen in Friedingen mit allem Zubehör und Rechten.

1287 verkaufen die Herren von Grüningen ihre Güter in Binzwangen an das Kloster.

Im Jahr 1299 befiehlt Bischof Heinrich von Konstanz (1293-1306) allen Geistlichen seiner Diözese den besonderen Schutz des Klosters Heiligkreuztal auf Grund der Bulle Gregors IX vom 4. März 1238, deren Wortlaut in die Urkunde aufgenommen ist.

Um 1315 wirkt ein Meister Konrad mit Laienbrüdern in Heiligkreuztal und erbaut eine dreischiffige, flachgedeckte Pfeilerbasilika. Diese wird 1319 von dem Konstanzer Bistumsverweser Johannes VI. geweiht. In der Zeit war der Konstanzer Bischofsstuhl vakant und

erst mit Rudolf II. von Montfort besteigt 1322 wieder ein gewählter Bischof den Stuhl. In Heiligkreuztal war Helena Murzelerin Äbtissin, die von 1312-1326 regierte.

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Eines der bekanntesten Kunstwerke des Klosters aus dieser Zeit ist die Johannesminne, die noch heute in der Kirche steht. Die Schnitzerei aus Nussbaum ist um 1310 von einem seeschwäbischen Meister geschaffen worden und war von einem Konstanzer Künstler

bemalt worden. Die Johannesminne war vor allem in oberschwäbischen Frauenklöstern eines der beliebtesten Andachtsbilder. Es sind aber nur noch wenige erhalten. Zu den weiteren Kostbarkeiten zählt das spätgotische Kruzifix, das aus der Zeit um 1450 stammt

und wohl von Hans Multscher für das Kloster Heiligkreuztal geschaffen wurde (Siehe auch Blog über Hans Multscher).

72_Kruzifix_jpg_240467Dann ist auch das Chorgestühl sehenswert, das 1532 von Michael Zey, einem Schreiner in Riedlingen geschaffen wurde.Es ist mit Menschen und Tierköpfen verziert und ist 1699 auf die Empore versetzt worden.

In dieser Zeit wirkte Veronika von Rietheim. Sie war von 1520-1551 Äbtissin und gab dem Kloster weitgehend sein heutiges Aussehen. Sie wurde 1472 geboren und war die Tochter des Reichsritters Ulrich von Rietheim und der Veronika von Landau.

Sie veranlasste eine Heiligkreuztal-Reimchronik von Bruschius in der auch die Gründerschaft der Grafen von Landau-Grüningen erzählt wird, für die es in den Urkunden keine Bestätigung gibt. Auch die Bilder der Grafen von Landau-Grüningen im Kreuzgang des

Klosters wurden unter ihrer Aufsicht angefertigt. Unter ihrer Ägide wurde das hochgotische Münster erbaut von dem durch den Uracher Steinmetz und Bildhauer Joseph Schmid, der 1520 die Seitenschiffe und 1532 das Hochschiff einwölbte. Kreuzgang, Kapitelsaal

und Refektorium folgten. Im Obergeschoss gab es Raum für Nonnenzellen. 1549 wurde eine Pfisterei mit Staffelgiebeln erbaut. Darin waren Mühle und Bäckerei. Dank ihrer regen Bautätigkeit kann man sie durchaus als zweite Gründerin des Klosters bezeichnen

zumal sie sich auch um die Reformbestrebungen, die in dieser Zeit der Glaubensspaltung in allen beim alten Glauben gebliebenen Klöstern lebendig wurde,verdient machte. Siehe dazu den Beitrag über Kloster Baindt und Heggbach. Reformation und Bauernkrieg

machten ihre  Aufgabe nicht einfacher. Zwar ging ihr Kloster im Gegensatz zu vielen anderen – Gutenzell  wurde geplündert,Salem musste die Bauern des Seehaufens verpflegen,Baindt und Weissenau gingen in Flammen auf- relativ unbeschadet aus

dem Bauernkrieg hervor, aber es musste doch durchgestanden werden. Äbtissin Veronika starb 1551 .

Anfang des 17. Jahrhunderts ließ Äbtissin Anna Stebenhaber das Münster ausmalen und frühbarock ausstatten. Dann brach der Dreißigjährige Krieg aus. Nach der Schlacht von Rain am Lech wurde Oberschwaben

Kriegsschauplatz. Ulm wurde Stützpunkt der schwedischen Armee. Bis zur Niederlage der Schweden bei Nördlingen hatten schwäbische Städte und Klöster unter schwedischen Überfällen zu leiden. Auch Heiligkreuztal wurde mehrfach von den Schweden überfallen

und ausgeplündert. Der Prager Friede von 1634 brachte zunächst ruhigere Zeiten. Doch kehrte der Krieg 1643 zurück und die Plünderungen setzten aufs neue ein. Heiligkreuztal war auch wieder betroffen. Nach dem Krieg erholte sich das Kloster rasch.

1652 wurde östlich des Konventsbaus ein neues Äbtissinnenhaus errichtet. 1686 entstand eine Apotheke mit Krankenzimmern. Weitere Verwaltungs-und Wirtschaftsgebäude kamen hinzu.

Eine Äbtissin mit langer Amtszeit war Maria Anna von Holzapfel. Sie regierte von 1723-1761. Sie ließ eine Remise errichten, in der die Kutsche der Äbtissin untergebracht war. Durch die Hintertür kam man in den Pferdestall.1744 ließ sie die Bibliothek und das Archiv

im ehemaligen Sommerrefektorium unterbringen.

image360px-Heiligkreuztal_Epitaph_Maria_Josepha_Holzapfel_1761

In der Kirche ließ sie eine zweite Orgel errichten. Bei Joseph Anton Feuchtmayr (1696-1770)dem  bekannten Stukkateur und Bildhauer des Rokoko gab sie einen stuckmarmornen Altar in Auftrag. Stuckmayr hat ja auch für Salem gearbeitet.

Der Honigschlecker auf der Birnau zählt zu seinen bekanntesten Werken. Der bauliche Zustand zeugte von der wirtschaftlichen Stärke des Klosters. Die Klostermauer war fast zwei km lang und umfasste ein Gelände von etwa 16 ha.

Darin waren Münster, ein Kornhaus, eine Pfisterei mit Mühle, eine Brauerei, ein Bauhof, eine Ziegelei, der “Lange Bau”, der als Viehstall und Scheune diente. Im “Verwaltungsbereich” war ein Amtshaus für den Oberamtmann, ein Gästehaus,

ein Beichtigerhaus für den Nonnenseelsorger und das Äbtissinnenhaus.

Reichsunmittelbar war das Kloster nie geworden. Der Konvent umfasste meist etwa 25 Nonnen, fast alle adliger oder patrizischer Herkunft. Der höchste Stand war 1382 mit 125 Nonnen. Bis zur Säkularisation war es unter österreichischer Landeshoheit.

es gehörte zu Vorderösterreich,hatte Sitz und Stimme bei den Landständen. Die Steuern entrichtete es in die schwäbisch-österreichische Kasse. Zu seinem Herrschaftsgebiet zählten acht Dörfer und Weiler und drei Höfe. (Heiligkreuztal,Andelfingen, Binzwangen,

Friedingen,Ertingen,Waldhausen, Beuren und Hundersingen. Es hatte 3279 Einwohner und übte für Teile seines Herrschaftsgebiets sogar die Blutgerichtsbarkeit aus. Die Vogtei hatten seit 1535 die Grafen bzw. Fürsten von Hohenzollern inne.

Kurz vor dem Ende des Klosters wurde es nochmals in Kriegswirren gestürzt. Die nachrevolutionären Kriege hatten 1796 nochmals Oberschwaben voll erfasst. Im Sommer hatten die Franzosen systematisch zur Ernährung und Bezahlung ihrer Armee

die Gegenden Südwestdeutschlands hemmungslos ausgeplündert. Die kleinen  Staaten des schwäbischen Reichskreise mussten horrende Kontributionen für die Unterhaltung der Rhein-Mosel-Armee aufbringen. Viele Landesbewohner dienten im Landsturm,

einer Art Miliz. Das Land zwischen Oberrhein und Oberschwaben befand sich im offenen Aufstand gegen die Franzosen. Österreichische Truppen lagen bei Ravensburg, der französisch General Moreau lag im September in Bad Buchau. Am 2. Oktober  kam es

dann zur Schlacht bei Biberach. Die Heiligkreuztaler Äbtissin  Maria Bernharda Kohlund war  mit ihren Nonnen auf der Flucht. Nur 8 Jahre später kam dann aber das aus für das Kloster.Die Regensburger Reichsdeputation vom August 1802 beendete 650 Jahre

Klostergeschichte. Am 16.Juli 1804 wurde das Kloster Herzog  Friedrich II. von Württemberg übergeben, der als Friedrich I. 1806 zum König aufstieg. Die 36 Nonnen durften zwar im Kloster bleiben, doch wurde ihr klösterliches Leben zunehmend eingeschränkt.

1809 wurde der Chorgesang unterbunden. Das Kloster verwahrloste. Die letzte Äbtissin verstarb 1822. 1843 verließen die letzten Schwestern Heiligkreuztal 1972 erwirbt die 1948 von Alfred Lange in Aulendorf gegründete Stefanusgemeinschaft  Kloster

Heiligkreuztal.Die Gemeinschaft nahm umfassende Renovierungs-und Umbauarbeiten vor und richtete eine Stätte für religiöse und wissenschaftliche Tagungen ein. Das Land restaurierte das Äußere der ehemaligen Abteikirche.

Heute präsentiert sich in Heiligkreuztal eine bestens erhaltene Vierflügelanlage mit Klosterkirche, den ehemaligen Amtshäusern und Wirtschaftshäusern. Sie spiegelt das Klosterbauschema der Zisterzienser , aber auch den Herrschaftsanspruch der Barockzeit

wider.

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16 Juli 2012

Kloster Baindt

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1240 machte Konrad von Winterstetten eine Schenkung. Daraufhin wurde das Kloster Baindt gebaut. Aber man muss eigentlich ein paar Jahre zurückgehen, nämlich ins Jahr 1237. Da taten sich einige Frauen in

Seefelden am Bodensee, heute eine Teilgemeinde von Unteruhldingen-Mühldorf zusammen. Unter geistlicher Aufsicht und Leitung von Eberhard von Rohrdorf, dem 5. Abt der Zisterzienser Abtei Salem, lebten sie in klösterlicher Gemeinschaft

nach der Regel der Zisterzienser. Werfen wir erst einen Blick auf Eberhard von Rohrdorf. Er ist um 1160 vermutlich in Messkirch geboren. Er war der erste deutschstämmige Abt und der erste Salemer Abt, der nicht aus dem Gründungskonvent des

elsässischen Mutterklosters Lützel stammte. Er war der bedeutendste Abt der Frühzeit des Klosters. Er hatte Frauengemeinschaften im oberschwäbischen Raum unterstützt und sie dem Orden der Zisterzienser zugeführt.

So kam es in rascher Folge zu Klostergründungen in Gutenzell, Heggbach, Heiligkreuztal, Wald, Rottenmünster und Baindt. Eberhards Einfluss bei Wald, Rottenmünster und Heggbach war so stark, dass man ihn fast als Mitbegründer

bezeichnen kann. Er vermittelte die Aufnahme der neugegründeten Klöster in den päpstlichen Schutz und die vollberechtigte Integration in den Ordensverband. Dabei hilfreich dürfte es auch gewesen, dass er mit Konrad von Urach verwandt war, der Nachfolger

Bernhards in Clairvaux war und später Abt von Citeaux und zu diesem Zeitpunkt auch schon Generalabt der Zisterzienser war. Er erlangte wie für Wald die Exemtion von der bischöflichen Gewalt, wobei ihm die Verwandtschaft mit dem Konstanzer Bischof Diethelm

von Krenklingen (1189-1206) sicherlich hilfreich war. Die entsprechende Urkunde für Wald ließ er in seiner Abtei schreiben. Eberhard verband religiöse Motive mit Ordensinteressen und politischen Interessen. Er war zeitlebens aktiver und treuer Anhänger der

Staufer, was nicht verwunderlich ist, entstammt er doch einem hochadeligen Familienverband, der zur staufischen Partei in Schwaben zählte. In seinem weiteren Verwandtenkreis waren Graf Gottfried von Helfenstein-Sigmaringen (1210-ca.1240) und dessen Frau

Adelheid, Graf Egino von Urach und Heinrich von Neuffen (1200-1240) mit seinen Söhnen Heinrich und Gottfried und dann natürlich Konrad von Urach (1177/80-1227). Seit der Erbschaft Friedrich Barbarossas war Oberschwaben aus einem welfischen

Herrschaftsgebiet zu einem staufisch beherrschten Raum geworden.Der Zisterzienserorden hatte ja ein besonderes Schutzverhältnis zum Kaiser bzw. König, in das die neuen Frauenabteien eingebunden wurden, was wieder eine weitere Stärkung der

staufischen Herrschaft in Schwaben und damit im  Reich bewirkte. Wenn man die geographische Lage der neuen Klöster betrachtet, lässt sich das sicher so deuten. Baindt befand sich im Zentrum des ursprünglichen welfischen Machtbereichs

zwischen Donau und Bodensee, Heggbach und Gutenzell an dessen nördlichen Rand. Rottenmünster lag vor den Toren der staufischen Stadt Rottweil, die ein alter Vorort des Herzogtums Schwaben war. Wald lag im ehemaligen Herrschaftsbereich der Grafen von

Pfullendorf, der auch über Erbschaft an Friedrich I. gekommen war.

Erste Äbtissin der Seefelder Klostergemeinschaft war Tudecha. Nach sechseinhalb Jahren wurde das Kloster nach Boos bei Saulgau verlegt. 1231 hatten hier Mengener Beginen von dem Edelfreien Adelbert von Bittelschieß und seinen Söhnen für 48 Mark Silber

ein Gut mit Kirche gekauft. Der Kauf wurde unter anderem von Burkhard von Weckenstein bezeugt, der Kloster  Wald gestiftet hatte. Damit laufen die Fäden wieder in  Richtung Salem. Am 20.06.1236 stellt Bischof Gregor IX. (1227-1241) das Kloster unter seinen

besonderen Schutz.Im selben Jahr  erhalten die Äbte von Tennenbach (Rudolf I. von Zähringen) und Wettingen (Konrad)  den Auftrag, das finanziell schlecht gestellte Kloster in Augenschein zu nehmen, es dem Orden anzugliedern und Salem zu unterstellen. Das

Votum der Äbte fiel allerdings nicht sehr günstig aus. Außerdem scheinen die Beginen auch Probleme mit  benachbarten

Edelleuten gehabt zu haben. Auf Vermittlung Salems kam nun Schenk Konrad von Winterstetten ins Spiel, der sich ihrer annahm und versprach ein anderes Kloster zu stiften.

Wer war Konrad Schenk von Winterstetten?

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Konrad war Neffe von Eberhard von Tanne-Waldburg (1170-1234), der als Stammvater des Hauses Waldburg gilt. Beide bekleideten hohe Ämter am staufischen Hof. Eberhard wird erstmals

1225 als Reichstruchsess genannt. Konrad war Schenk. Beide waren von 1220-1225 als Vormünder und Ratgeber König Heinrichs VII. (12111-1242)tätig. Die Beziehungen zu den Staufern waren eng. In der Zeit von 1220-1225 wurden die Reichskleinodien auf der

Waldburg verwahrt. Konrad war an wichtigen politischen Entscheidungen beteiligt. So war er 1223 an den deutsch-dänischen Verhandlungen in Nordhausen beteiligt, als König Waldemar II. (1202-1241) gefangen genommen worden war. Konrad war auch Suevie

procurator und suevie prefectus . Ab 1214 nannte er sich nach der Burg Winterstetten in der Nähe von Biberach. Sicherlich hilfreich für die neue Stiftung war, dass der zuständige Konstanzer Bischof Heinrich von Tanne (1233-1248) ebenfalls aus dem Hause Waldburg

stammte und damit ein enger Verwandter Konrads war.

Konrad  besaß die Hälfte von Baindt als kaiserliches Lehen. Die andere war ihm von den

Grafen Bertold und Konrad zu Heiligenberg verpfändet. Von diesen erwarb er den Weiler Baindt und die Pfarrkirche. Äbtissin war Anna von Frankenberg, die 1232 auf die verstorbene Tudecha gefolgt war.

1240 hatte Propst Wilhelm und der Konvent von Weissenau Schenk Konrad zugesagt, wegen des Weissenauer Hofs in Sulpach gegen seine Klostergründung in Baindt keine Einwände zu machen.

Am 28. Dezember 1240 rief er die Klosterfrauen nach Baindt und übergab ihnen die Güter. Am 21. August 1240 übergaben die beiden Heiligberger Grafen ihr Lehen, das Dorf Baindt samt Kirche und Patronat den von Boos nach Baindt übergesiedelten Schwestern

“sanctimonialibus”  des Zisterzienserordens. Die Übergabe fand zweimal auf öffentlicher Straße statt, einmal vor der Klosterpforte in Salem und dann  nochmals in Altdorf und zwar in Anwesenheit König Konrads IV.

Am 3.1. 1241 weihte der Konstanzer Bischof Heinrich die Kirche und das Kloster in Baindt. Am selben Tag bestätigte der Bischof, dass Schenk Konrad von Winterstetten die Pfarrkirche zu Baindt samt ihrem Wittum, also das unbewegliche Vermögen der Pfarrpfründe

für die Errichtung des Zisterzienserinnenkloster Baindt bestimmt. Nach bischöflichem Spruch sollte er dafür mit der Hälfte eines Gutes im “burgo” Altdorf entschädigt werden.

Am 14. März und 15. Oktober 1241 ließ er die Stiftung durch Friedrich II. und dessen Sohn Konrad bestätigen. Sie unterstellten das Kloster auch dem unmittelbaren Schutz des Reiches.

“genehmigt auf bitte des schenken Conrad von Winterstetten dass dieser das cisterciensernonnenkloster Baindt aus gütern gründe die derselbe vom grafen Heiligenberg kaufte und aus anderen die er vom reiche zu lehen trug, nachdem er diesen gütern andere

vom grafen Gotfrid von Marstetten zu Ursingen erkaufte mittelst aufgabe an könig Conrad und rückempfang derselben zu leben substituirt hat, und nimmt das kloster mit dessen besitzungen in des reiches schutz. “ wie es im Regest 4337 steht.

Im Juli 1241 schloss Schenk Konrad mit Abt Hugo von Weingarten einen Tauschvertrag ab. Kloster Baindt erhielt aus diesem Tausch einen Hof in Holzhäusern sowie den Zehnten in Grünenberg und auf dem Entersberg. Um mögliche spätere Streitereien zwischen

Kloster Baindt und Weingarten auszuschließen, bestätigte Bischof Heinrich diesen Tauschvertrag.

Im Oktober 1241 nimmt König Konrad auf Bitten Konrads von Winterstetten das Kloster nochmals in seinen Schutz und befreit es von jeglicher Vogtei. So erlebte Baindt, der “hortus floridus”, wie es 1478 erstmals genannt wird, gleich zu seiner Gründung eine

Blütezeit.

Schenk Konrad vermachte dem Kloster noch kurz vor seinem Tod die Güter in Wizmannsreuti und Morschweiler. Der Klostergründer verstarb am 24. Februar 1243 auf seinem Schloss in Altenthann.  Er wurde in Baindt bestattet, wo auch seine Gattin Guta von Neuffen

ihre letzte Ruhe fand.

Zu der Zeit war Adelheid von Zusdorf Äbtissin. Sie war 1242 auf Anna von Frankenberg gefolgt. Um 1242 wird auch die Baindter Konventanlage vollendet.

In der Amtszeit Adelheids erfolgen mehrere Stiftungen.  So macht um 1246 Heinrich von Herlazhofen eine Stiftung “zur Abwaschung der Kleider der Schwestern”

1246 übergibt um seines und des Seelenheils seiner Eltern willen und mit Einwilligung seiner Erben Konrad von Zusdorf sein ganzes Gut in Waldhausen dem Kloster Baindt und erhält es dann als Lehen wieder zurück.

Am 12. Oktober 1249 nimmt Papst Innozenz IV. (1243-1254) das Zisterzienserinnenkloster Baindt mit dessen Angehörigen und Besitzungen in seinen Schutz und verleiht ihm zahlreiche Rechte und Begünstigungen.

1255 kaufen Äbtissin Adelheid und der Konvent von Baindt ein Gut in Wänizhofen an der Schussen für 40 Mark Silber.

Im Mai 1257 schenkt Irmengard von Schmalegg dem Kloster Baindt einen Hof in Haidgau. Dies genehmigen die Schenken Heinrich und Konrad von Schmalegg mit Einwilligung ihrer Brüder, die Kanoniker sind. Irmengard ist mit Konrad verheiratet und die

Tochter von Konrad Schenk von Winterstetten, dem Klostergründer.Nach dem Tod ihres Gatten tritt sie ins Kloster Baindt ein, wird dort aber nicht Äbtissin wie in manchen älteren Quellen angegeben. Mit ihrem Gatten hatte sie 6 Söhne und 4 Töchter. Einer

der Söhne ist Ulrich, der sich später von Winterstetten nennt und als Minnesänger bekannt ist.

Am 11. März 1262 nimmt Papst Urban IV. (1262-1264) wie sein Vorgänger Papst Innozenz das Kloster in seinen besonderen Schutz.

Am 3. Dezember 1262 bestätigt Konradin die von seinem Großvater Friedrich (März 1241) und von seinem Vater Konrad (Oktober 1241) erhaltenen Rechte und Freiheiten. Auch billigt er Erwerbungen des Klosters sowohl von denen seiner Vogtei

unterworfenen Kirchen und Klöstern als auch von  seinen Dienstmannen, Bürgern und anderen Leuten.

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Am 29. Oktober 1268 war Konradin in Neapel hingerichtet worden. Damit endete die Dynastie der Staufer. Es folgte das Interregnum, die “schreckliche,die kaiserlose Zeit”. Als Rudolf von Habsburg (1273-1291)zum Kaiser gewählt wurde, war ein Kloster,  das so stark

auf die Staufer ausgerichtet war, natürlich darauf angewiesen, dass es auch mit dem neuen Herrscher gut zurecht kam.  Schon am 28. Juni 1275 nahm Rudolf das Kloster in seinen Schutz und bestätigte ihm” das allen Cisterzienserklöstern gewährte recht zu

erwerbungen von den unter  königlicher vogtei stehenden klöstern und kirchen, sowie die von ministerialen, bürgern oder andern leuten des reiches herrührenden und alle andern besitzungen”.

1275 stirbt Äbtissin Adelheid wohl schon vor dem Mai. Denn am 8. Mai tritt ihre Nachfolgerin,  Tudecha II. in einer Kaufurkunde auf. Abt Heinrich II. (1270-1279) und der Konvent von Weissenau verkaufen “um ihrer Schulden willen der Äbtissin Tudecha ihren Hof in

Sulpach um 220 Mark Silber. Diesem Verkauf stimmten auch der Roter Abt Berchtold und sein Konvent sowie der Konstanzer Bischof Rudolf I. von Habsburg Laufenburg (1274-1293) zu, wobei die Zustimmung des Roter Abts wohl früher folgte, denn in der mir

vorliegenden Roter Abtsliste wird dieser nur bis 1273 geführt. Der Weissenauer Abt versichert übrigens, dass er das  Geld voll erhalten habe und zum “Bedarf unseres Kloster nützlich ausgegeben habe (in usus nostri monasteri utliter expendisse). Der Kauf wird durch

eine Schuldverschreibung am selben Tag an den Juden Isaak, Sohn des Leo finanziert, der in Schaffhausen  saß. Auch mussten sie die Hilfe von Kloster Weingarten in Anspruch nehmen und verkauften diesem ihre Güter in Eggenreute. 1278 musste dann aber

Weingarten die Restschuld von 51 Mark Silber übernehmen von dem Juden König in Schaffhausen und erhielt dafür von Baindt Güter in Altdorf und Witzmannsreute.

Tudecha regierte nur 4 Jahre. Aus sie folgte Guta I. von Gundelfingen. Sie war wohl die Tochter des Ulrich von Gundelfingen genannt von Otterswang.

1275 und 1320 wurden Hochaltäre errichtet der von 1320 wird am 14.02 von Bischofvikar Recrehensis geweiht wird. 1309 erhielt die Abtei ein frühgotisches Chorgestühl.

1293 richtete das Kloster eine Grangie in Bürgberg ein, also einen wirtschaftlichen Außenbetrieb der Zisterzienser im  Mittelalter, der in Zisterzienserinnenklöstern meist von Konversen bewirtschaftet wurde. Konversen kamen meist aus dem bäuerlichen Umfeld.

Sie mussten wie die Mönchen ein Gelöbnis ablegen, ohne Vollmönch werden zu können. Das band sie ans Kloster, bot ihnen aber lebenslange Versorgung und Sicherheit.

Am 28. Mai erteilte König Heinrich VII., der erste Luxemburger (1308-1313) Holzrechte im Altdorfer Wald. “Äbtissin und Konvent des Zisterzienserinnenklosters Baindt in der Diö­zese Konstanz, seinen Frommen (.. abbatisse et conventui de Bunde, Cystercien. ordinis,

Con­stancien. dyocesis, dilectis devotis nostris), sich aus seinem und des Reiches Forst, ge­nannt »Altdorferwald« (de nemoribus nostris et imperii dictis ›Altdorferwalt‹), mit Holz zum Bauen, Heizen und für ihre und ihrer Höfe Um­zäu­nun­gen zu versorgen und dort

dreihundert Schweine zu weiden. “ Kurze Zeit später erhielt das Kloster von Heinrich die Zollfreiheit gewährt. “

König Heinrich begnadet die Nonnen des Zisterzienserinnenklosters Baindt (religiosas et in Christo nobis dilectas sanctimoniales monasterii in Bunde [!] ordinis Cystercien.) mit dem Ver­bot, daß die Eigen­leute des Klosters (homines proprietatis titulo predicto

monasterio per­ti­nen­tes) von seinen und des Reiches Städten als Bürger (in concives) aufgenommen werden und dort Bürgerrechte er­hal­ten; darüber hinaus befreit er die Nonnen von der Zahlung jegli­chen Zolls und Un­gelds (a solucone [!] thelonii cuiuslibet et ungelti

de rebus suis quibuslibet fa­cien­da)”

Am 30.4. 1215 bestätigte Philipp der Schöne (von 1314-1330 Gegenkönig des Heiligen Römischen Reiches) alle Rechte des Kloster Baindt, auch die Holzrechte im Altdorfer Wald sowie das Recht, dort 300 Schweine zu mästen.

1347 wird Europa von der ersten Pestwelle überrollt. 1349 war die Pest in Süddeutschland ausgebrochen. Man nimmt an, dass in Deutschland jeder 10. Einwohner der Seuche zum Opfer fiel. Das Kloster Baindt wurde auch heftig betroffen. Ein Teil der Konventualinnen

starb. Um 1350 wurde das große Pestkreuz errichtet.

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Von dieser ersten Pestwelle scheint sich das Kloster aber rasch erholt zu haben. Schon 1355 wurde die Priorin Elisabeth von Gundelfingen mit 12 Schwestern nach Oberösterreich entsandt. Dort übernahm sie die neugegründete Abtei

Mariensaal in Schlierbach. Eberhard V. von Walsee hatte das Kloster in diesem Jahr gestiftet. Sein Großvater Eberhard III. (+1288) war ein  Gefolgsmann Rudolfs von Habsburg. Mit ihm schlug seine Familie im Südosten Wurzeln. Er war

mit Adelheid von Waldburg (+1275) verheiratet. Seine Söhne und deren Nachkommen standen bald an der Spitze des Habsburger Hofadels.Aus dieser engen Verwandtschaft heraus ist auch die Beziehung zu Baindt klar.

Am 22. Februar wurde von Eberhard V. und seiner Frau Anna die Stiftungsurkunde ausgestellt. Er war zu der Zeit Landeshauptmann ob der Enns. Einen Tag später gab  Bischof Gottfried von Weißeneck (1342-1362) seine Einwilligung zu der Stiftung.

Herzog Albrecht II übernahm im April 1355 den Schutz des Klosters und die Vogtei. Das Kloster bestand bis 1620 als Frauenkloster und wurde dann von Zisterziensermönchen übernommen. Im Stift steht heute noch die Schlierbacher Madonna (um 1320),

die die Schwestern alter Tradition folgend aus Baindt mitgebracht hatten. Dies geschah in der Amtszeit von Hiltrudis von Königsegg (1345-1358), die ja schon in der schlimmen Pestzeit regiert hatte, aber auch diese Tochtergründung miterleben konnte.

Am 18.10.1374 wurde die Pfarrkirche in Boos dem Kloster Baindt inkorporiert. 1376 wurde Baindt reichsunmittelbar, war aber der Reichsabtei Salem unterstellt.

Am 5. April 1376 stellt Karl IV. (1355-1378)  in Nürnberg eine Urkunde aus in der er “empfängt in des reichs beschirmniss abt und convent von Roth, Weissenau, Schussenried, Weingarten, Baindt, Buchau, sämmtlich in Constanzer diöces, sammt gütern und rechten,

freit sie von allen beschwernissen, wie sie von seinen reichsvorfahren gefreit sind, und gebietet allen reichsständen namentlich in Oberschwaben, deren güter und habe zu schützen.” Anna IV Humpis (1375 –1383) war wohl die erste Baindter Fürstäbtissin und

Mitglied im  Reichsprälatenstand.  1522 war die Abtei im Reichsmatrikelverzeichnis aufgeführt und hatte ebenso wie Heggbach und Gutenzell 5 Fußsoldaten zu stellen.

1437 wurde der Abtei Baindt wie auch Gutenzell von Kaiser Sigismund die niedere Gerichtsbarkeit erteilt. Die Folgejahre scheinen ohne gravierende Ereignisse verlaufen zu sein.

Ein  einschneidendes Ereignis, nicht nur für das Kloster Baindt sondern mit Sicherheit für ganz Süddeutschland war der Bauernkrieg 1525. Das Verhältnis zwischen Abtei und Dorf scheint zu diesem Zeitpunkt nicht mehr das beste gewesen zu sein.

Kurz vor der Vertrag von Weingarten geschlossen wurde (17.04.1525), brannten die Baindter Bauern das Kloster nieder. Anna VII. (1520-1529) war zu der Zeit Äbtissin. Sie ließ aber das Kloster umgehend wieder aufbauen  1529 waren die Gebäude erneuert und 1560

erhielt die Kirche ein spätgotisches Deckengewölbe.

Die Reformation scheint in Baindt weniger Probleme bereitet haben als anderswo. Vielleicht hat sich da die Nähe zum Kloster Weingarten ausgewirkt, in dem mit Abt Gerwig Blarer einer der führenden Köpfe der Gegenreformation tätig war.

Zwei Ereignisse erzwangen eine Reform des Zisterzienserordens. Das eine war die Reformation, die auch viele Zisterzienserklöster erfasste. Das andere war das Konzil von Trient (in vier Sitzungsperioden von 1545 und 1563) Die Filiationskette, das verbindende

Element der Zisterzienserklöster war an vielen Stellen unterbrochen. Nun trat an ihre Stelle wie auch vom Tridentinum gefordert an ihre Stelle Generalvikariate oder Provinzen. Ihnen standen vom Generalkapitel des Ordens ernannte Generalvikare vor.

Das bedeutet eine Beschneidung der Kontrollrechte der Äbte der Primarabteien und eine Ausrichtung der Klöster auf einheitliche Ziele. Im Kloster Fürstenfeld im heutigen Fürstenfeldbruck versammelten sich vom 14. September bis 20. September 1595

17 Äbte aus dem oberdeutschen Raum auf Einladung des Generalabtes Edmond de la Croix (1584-1604). In den Fürstenfelder Statuten wurden die Grundlagen einer Reform festgelegt. Zum ersten Generalvikar wurde der Salemer Abt Petrus Müller (1593-1615)

ernannt. Auch in der Folgezeit war immer der Salemer Abt Generalvikar der Oberdeutschen Zisterzienserkongregation, die 1624 gegründet wurde und auch noch Elsässer und Schweizer Klöster umfasste.

Die oberdeutsche Kongregation war in vier Provinzen gegliedert. In der schwäbischen Provinz waren Salem, Kaisheim, Schöntal und Stams in Tirol. Natürlich gehörten die Nonnenklöster, die ihren

Vaterabteien unterstellt waren, automatisch dazu, so auch Baindt. Papst Urban VIII. (1623-1644) bestätigte die Kongregation am 10.07.1624. Für die Nonnenklöster blieb das System der Vateräbte aufrecht erhalten. Dabei wurde einmal jährliche Visitation durch den

Vaterabt  und alle 4 Jahre durch den Provinzvikar festgelegt. Schon 1573 hatte Nicolas I. Bucherat die deutschen Klöster visitiert und dabei eine strenge Klosterreform gefordert. Gemeinsamer Tisch und strenge Klausur, eigentlich alte zisterziensische Lebensregeln

sollten wieder beachtet werden. Äbtissin Elisabeth IV.Hartmann (1598-1625)führte dies 1607 auch wieder für Baindt ein. 1606 schloss die Äbtissin einen Vertrag mit dem Erbtruchsess Heinrich von Waldburg wegen der beiderseitigen Ansprüche des Klosters in den

erbtruchsessichen Landen. Das Kloster konnte die Lehen mit eigenen Leuten besetzen und diese mit Ehrschatz, Handlohn,Weglöse, Zinsen und Gülten belegen und sonstige Leibeigenschaftsabgaben erheben. Lehensbrief und Reverse mussten vom Truchsessen

oder dessen Beamten besiegelt werden. Für alle übrigen Fälle, hohe und niedere Gerichtsbarkeit, Bußen, Schlaghändel, Gebot und Verbot, forstliche und alle übrige Obrigkeit war die Herrschaft Waldburg zuständig. Frondienste beanspruchte sie in dem bisher

üblichen Maß.

1622 ließ Äbtissin Elisabeth den Langbau erstellen und die Klostermühle umbauen. Das deutet auf wieder prosperierende Verhältnisse. Dann aber suchte der Dreißigjährige Krieg das Land heim.

Unbenannt

Am 14./15. April 1632 verlor Tilly die Schlacht bei  Rain am Lech. Ulm wurde Stützpunkt der schwedischen Armee. Im Mai überfallen erstmals schwedische Truppen Kloster Baindt. Die meisten Klosterfrauen fliehen. Nach der Schlacht bei Rain hatte  Aldringen  den

Oberbefehl über die Truppen der Liga erhalten. 1633 richtete er sein Hauptquartier in Ravensburg ein.Gegen den Befehl Wallensteins vereinigte er sich Am 29. September 1633  in der Nähe von Ravensburg mit den Truppen des Herzogs von Feria. Das heißt ganz in

der Nähe von Baindt lagen  über 10.000 Soldaten. Am 3. Oktober entsetzten sie das von General Horn belagerte Konstanz und am 20. Oktober Breisach. Die Erfolge der beiden habsburgischen Truppenteile verwundern, wenn man weiß, wie heruntergekommen und

ausgehungert diese Truppen waren. Die Schlacht von Nördlingen am 6. September 1634 sah die kaiserlichen Truppen als Sieger über die Schweden und ihre protestantischen deutschen Verbündeten. Das führte in der Folge zum Prager Frieden und

brachte zunächst mal wieder ruhiger Zeiten für Oberschwaben und damit auch für Kloster Baindt. Allerdings war wieder einmal die Pest ausgebrochen, zum zweiten Mal in Baindt. Innerhalb von kurzer Zeit starben 7 Mitglieder des Konvents. Da ein Großteil der

Klosterfrauen ja schon bei dem schwedischen Überfall geflohen waren, war das natürlich ein weiterer gravierender Aderlass. Und der Krieg dauerte ja noch weitere 13 lange und schwere Jahre. 1643 war er wieder mit voller Wucht nach Oberschwaben

zurückgekehrt. Das Kloster wurde dreimal ausgeplündert und war ohne Vieh. Das Kloster wurde wieder größtenteils zerstört. 4 Äbtissinnen hatten das Kloster während des Krieges regiert. Auf Äbtissin Elisabeth war Juliana Rembold gefolgt (1625-1630).

Ihre Nachfolgerin war Katharina III. Rueff. Erst Äbtissin Barbara I. Weglin (1644-1653) durfte den Frieden, der 1648 in Münster geschlossen wurde, erleben.

1649 wurde das Ordensleben wieder aufgenommen und auch mit der Wiederherstellung des Klosters begonnen. 1675 wird ein neuer frühbarocker Hochaltar aufgestellt. Der Salemer Vaterabt Anselm I. (1664-1680) weihte diesen am 02.07. 1675.

Äbtissin ist in dieser Zeit Barbara II. Sauther (1672-1688) Zwei Jahre später wird ein Nebenaltar zu Ehren des Heiligen Joseph geweiht. 1688 herrschte schon wieder Krieg im Lande. Der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688-1697). Im ersten  Kriegsjahr

wurde auch in Südwestdeutschland gekämpft, vor allem in der Pfalz und der Kurpfalz. Er erreichte Oberschwaben und den Bodensee aber nicht mehr, reichte jedoch aus, um die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen. So fliehen die Baindter

Konventualinnen in Richtung Bodensee.

Die Barockisierung der Abtei geht weiter. Um 1700 wird der Nonnenchor auf die Westempore verlegt. 1705 weiht der Salemer Abt Stephan I. Jung (1698-1725) eine Barockglocke für die Pfarrkirche St. Johannes.

In der Abteikirche wird 1720 ein neues Gestühl und eine Tragekanzel eingebaut. Von 1724-1729 wird die Kirche weiter barock ausgestaltet. Das Kloster erhält ein neues Gästehaus,das Äbtissin Maria Magdalena von Dürrheim (1723-1751) 1729 erbauen  lässt.

klosterhof1

 

Doch nicht nur bei der barocken Ausgestaltung der Kirche, die 1742 weitergeführt und 1764 unter der Äbtissin Cäcilia Seitz (1751-1768) 1764 schließlich abgeschlossen wurde, erwarb sie sich Verdienste. Auch auf der politischen Ebene hatte sie Meriten.

Der Habsburger Karl VI. (1711-1740) erneuerte 1735 die 1437 gewährte niedere Gerichtsbarkeit. Schon 1741, also in den Anfangsjahren von Maria Theresia (1740-1780)wurde diese Privileg erneuert.

1742 wurde die Orgel erneuert.

Am 18.7. 1743 werden die beiden Katakombenheiligen Donatus und Bonifatius übertragen. Zwischen dem 16.und 19. Jahrhundert wurden in Rom. Viele Gebeine aus den Katakomben entfernt. Es ist dabei nicht sicher, ob es sich um Christen oder gar um

Märtyrer handelt. Den Gebeinen wurde posthum ein Name zugeordnet und ein schwunghafter Handel vor allem in die deutschsprachigen Gebiete nördlich der Alpen getrieben. Dieser Handel kam erst um 1860 zum Erliegen. So hat auch Gutenzell seine

Katakombenheiligen, nämlich die heilige Märtyrerin Juliana, Schussenried, Rot an der Rot aber auch normale Pfarrkirchen wie Biberach oder Wolfegg und Kisslegg.

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Am 15.10.1743 wird der neue Choraltar und das Pestkreuz von Abt Konstantin Miller (1725-1745) geweiht. Aber auch auf wirtschaftlichem Gebiet geht es weiter. 1746 wird das Wasch-und Schlachthaus gebaut. Das war noch unter Äbtissin Magdalena.

Ihre Nachfolgerin Cäcilia lässt 1766 das klösterliche Bräuhaus errichten.  1763 werden 3 neue Glocken gegossen  und die Klostermauer erweitert. Ein Jahr später wird der Chorraum stuckiert und 1760 wird durch Abt Anselm II. (1746-1778),

dem Erbauer der Birnau, ein Altar mit einem Geißelheiland geweiht. Noch zwei weitere Altarweihen erlebt das Kloster, nämlich 1777 und 1780.

1788 erwirbt Baindt unter Äbtissin Bernarda von Markdorf (1768-1802) vom Augustinerstift in Waldsee dessen Weingärten in Markdorf, was nicht weiter wundert, den sie stammte ja aus der Familie von Markdorf.

Am 15.01. 1797 wird mit 37 Konventualinnen die seit langem höchste Zahl erreicht.

Am 25.02. 1802 weihte Abt Kaspar Oexle (1802-1804) die letzte Äbtissin Xaveria Lohmiller, die 1836 verstarb.

Der Reichsdeputationshauptschluss vom 25.Februar 1803 regelte die Entschädigung für die durch den Friedensvertrag  von Lunéville 1801  an Frankreich abgetretenen  linksrheinischen Güter deutscher Fürsten. Dies geschah durch die Säkularisation der

geistlichen Herrschaften. Das bedeutet das Ende der Klöster in Süddeutschland. Graf von der Leyden, der in Hohengeroldseck in der Gemeinde Seelbach in der Ortenau ansässig war, nahm das Kloster in Besitz. Von ihm ging es an das Haus Aspermont-Linden

und 1812 ging es schließlich in Privatbesitz über. Die Abteikirche wurde 1817 zur Pfarrkirche erklärt. 1841 wurde mit dem Abriss der Klausurgebäude begonnen. Nur der Ostanbau des Südflügels, das Gästehaus und das um 1600 errichte Amtshaus blieben bestehen

1850 starb die letzte Baindter Klosterfrau.

Die Gebeine des Klostergründers wurden 1842 in die Kirche übertragen und im Südschiff beigesetzt.

1903 wurden Teile des Gebäude, vor allem das Gästehaus von den Franziskanerinnen in Heiligenbronn übernommen und zum  Kinderasyl ausgebaut. Als Kinderheim St. Josef wurde es bis 1980 geführt. 1980 wurde dort eine Heimsonderschule

für Sehbehinderte und Blinde gegründet. Auch ein kleiner Schwesternkonvent im Haus St. Menas besteht noch. Dort werden auch Gäste und Pilger aufgenommen und zu Gespräch und Gebete eingeladen. So wird doch noch eine über 750 dauernde Klostertradition

fortgeführt.

08 Juli 2012

Kloster Hördt

 

 

 

 

 

Wappen Hördt

 

Hördt war schon um 5000 vor Christus also in der Jüngeren Steinzeit besiedelt. Auf den Ortsfluren hat man Steinbeile und Gefäße gefunden, die die Anwesenheit des Menschen bezeugen.

1937 wurde ein spätbronzezeitliches Urnengräberfeld aus der Zeit um etwa 1000 vor Christus entdeckt. Auch römische Spuren lassen sich belegen. Auf einer Anhöhe nach Bellheim war ein römischer

Wachturm an der Grenze zweier Verkehrswege im Gewann “Alter Turm”. Man hat auch Göttersteine und einen Brückenstein aus dem 2. nachchristlichen Jahrhundert gefunden, was eine römische Siedlung vermuten lässt.

Eine erste urkundliche Erwähnung erfolgt um 800 als Agboto, ein Edler aus dem Elsass, dem Kloster Fulda eine Kirche,mehrere Höfe und 63 Leibeigene schenkt und zwar in der Regierungszeit von Abt Baugulf des 2. Abtes von Fulda (779-802).

Aufgeführt ist die Urkunde im Kopialbuch des Rabanus Maurus, dem 3. Nachfolger von Baugulf, also dem 5. Fuldaer Abt.

Die “Geburtsurkunde” von Kloster Hördt stammt aus dem Februar 1103. Die Gesamtquellenlage zu Hördt ist allerdings sehr schlecht und auch aus der Bausubstanz ist nur noch wenig vorhanden.

Anlass ist eine Schenkung an den Bischof von Speyer.Ein Herimann wird in der Urkunde als homo ingenuus bezeichnet und als Stifter genannt. Homo ingenuus lässt sich am besten mit “Gemeinfreier” übersetzen.

In der Schenkungsurkunde ist nichts über den Stifter gesagt. Der Speyrer Archivdirektor Anton Doll vermutet, dass dieser Herimann aus dem Geschlecht der Staufenberger mit dem Nebengeschlecht der Ebersteiner

entstammt.Möglich ist sogar eine Verbindung des Herimann mit dem ersten Stifter in Hördt, Agboto. Agboto war begütert in Hördt und stammte aus dem Elsass. Die Vorfahren des Herimann waren rechts des Rheines um Karlsruhe herum ansässig

waren aber auch begütert im Elsass und der Ostpfalz. Eine Verbindung zwischen den beiden Familien ist also gar nicht so abwegig. Auffallend ist, dass der Stifter bei der Schenkung selbst nicht zu gegen war.

1638 wurde im Innenraum der Kirche eine Darstellung des Stifters gefunden, die ihn in militärischer Tracht darstellt. Das lässt denkbar erscheinen, dass er an einem Kreuzzug teilgenommen hat und deshalb an dem Schenkungsakt

selbst nicht anwesend war. Die Schenkung erfolgt an den Bischof Johannes I. Graf im Kraichgau, der in Speyer von 1090-1104 in Speyer regierte. Er stammte aus der Familie der Zeisolf-Wolfram und war im Investiturstreit der treueste  Parteigänger des Kaisers

Heinrich IV. der auch als Zeuge in der Schenkungsurkunde genannt wird. Bischof Johannes war Neffe des Kaisers. Sein Vater war Graf Wolfram, seine Mutter Azela eine Schwester Kaiser Heinrichs. Johannes starb im Bann. Seine Nichte Adelheid, mit der er

zusammen an der Gründung des Klosters Blaubeuren beteiligt war, reist nach seinem Tod nach Rom und versuchte beim Papst den Bann zu lösen.

Der Stifter stattete errichtete das Kloster auf seinem Eigengut und stattete es reich mit Gütern aus. So erhielt es seine Güter in Hördt, Kuhardt, Bellheim, Ottersheim, Karlbach, Rietburg und Knielingen sowie den halben Zoll in Hochstatt. Es wurde der Gottesmutter

Maria geweiht. Das Kloster und die Dorfkirche wurden dem Speyrer Bischof übergeben, wie man aus einer Passage der Schenkungsurkunde entnehmen kann, die besagt, dass das Kloster auf Bitten des Kaisers und des Bischofs Johannes der Speyrer Domkirche zu

Eigentum gibt. Hördt war im Reformverbund der Augustinerchorherren im 1089 gegründeten Stift von Marbach im Elsass,zu dem auch Frankenthal, Backnang, Indersbach und Interlaken, Goldbach, St. Leonhard in Basel und im Elsass Schwarzenthann in den Vogesen

und St. Arbogast und St.Trinitas in Straßburg gehörten. Eine der wichtigsten Persönlichkeiten aus der frühen Klostergeschichte Marbachs war Manegold von Lauterbach, der erste Propst von Marbach und großer Anhänger Papst Gregors, des Gegenspieler Heinrichs

IV. im Investiturstreit war.

1139 bestätigte Papst Innozenz II. in seiner Bulle vom 26.4., dass im Kloster Hördt die Regel des Heiligen Augustinus befolgt werden soll. Außerdem bestätigte er die Schenkungen des Stifters. 1140 verstarb der erste gewählte Propst des Stifts

Anselm. Auf ihn folgt Burkard, der 1147 verstarb. In der Amtszeit von Albert, dem 3. Propst stellt Kaiser Friedrich I. am 18.Dezember 1155 auf dem Trifels eine Urkunde aus,in der er  das Augustiner-Chorherrenstift Hördt (Herdensem itaque ęcclesiam in honore beatę

dei genitricis et perpetuę virginis Marię constructam) in seinen Schutz nimmt, bestätigt die Besitzungen, den Domvogt von Speyer als zuständigen Vogt, verbietet die Einsetzung eines Untervogtes, verfügt, daß die anfallenden Gebühren zu zwei Dritteln an den Propst

von Hördt und zu einem Drittel an den Vogt fallen sollen, und setzt die dem Vogt zu leistenden Abgaben während des zweimal im Winter und einmal im Sommer zu haltenden Gerichtstages im einzelnen fest. Außerdem bestätigt er die auf Bitten Heinrichs III. (=IV.)

erfolgte Übergabe des Stiftes an die Speyerer Domkirche durch den Gründer Hermann (von Spiegelberg), wobei die Einkünfte dem Stift zugute kommen sollen, ordnet das rechtliche Verhältnis zwischen dem Propst und dem Bischof (prelatus a fratribus canonice

electus episcopo non hominium faciat, sed curam tantum ab ipso suscipiat), gewährt das Asylrecht sowie das Recht zum Klostereintritt für alle mit Ausnahme der Hörigen (Insuper quisquis terminos prefixos quacumque occasione intraverit, nisi forte iudiciali sententia

dampnatus, donec inde exeat, pacem habeat; quisquis etiam seculum proponit relinquere et ad meliorem vitam ad idem cenobium confugere exceptis quorumlibet mancipiis, nemo illum presumat ledere aut retrahere) und setzt als Strafe 4 Pfund Goldes für Edelfreie

und Ministerialen sowie das Scheren der Haare und die Prügelstrafe oder 60 Solidi für die übrigen fest. Als Zeugen werden genannt: Bischof Gunther von Speyer, Abt Engelschalk von Weißenburg, Propst Widekind des Dreifaltigkeitsstiftes (in Speyer), Kanoniker

Theoderich von Speyer, Notar Heinrich, Pfalzgraf Konrad bei Rhein, Herzog Friedrich von Schwaben, Graf Emicho von Leiningen, Helmger, Ulrich, Wolfram, Konrad, Berthold, Wecil, Walther, Sigeboto. – Arnoldus Maguntine sedis archiep. et archicanc.;

Vorher, nämlich 1148 hatte das Kloster vom Speyrer Bischof Günter Graf von Henneberg (1146-1161) die Ägidius-Kapelle in Speyer sowie das Hospital mitsamt seien zugehörigen Besitzungen erhalten und erfüllte damit den Willen seines Gründers,

des Kanonikus Burchard zu Sankt Guido, und seiner bereits verstorbenen Mutter. Bischof Ulrich war es auch, der dem zwischen Mühlacker und Lienzingen zu gründenden Kloster seinen endgültigen Platz in Mailbronn  durch eine Stiftung des Bischofslehen in dem

abgelegenen Tal Mulenbrunnen zuwies.  Nach Albert regierte Konrad als Propst ab 1170. er starb 1193 als 4. Propst. Welche Wertschätzung das noch junge Stift “bei Hofe” schon genoss, zeigt die Tatsache, dass Kaiser Friedrich am 1. Mai 1171  in Herbrechtingen (in

loco Herbrehtingin prope fluvium Brencę) die dortigen Weltgeistlichen entfernt (… seculares clericos, qui ordinem et cultum speculativę vitę nimium excesserant, spontanea et voluntaria eorum deliberatione competenter amovimus …) und  sie ersetzt mit Zustimmung

Bischof Konrads von Augsburg sowie des Klerus und der Ministerialen dieses Bistums durch Augustiner-Chorherren aus Hördt unter Führung des Propstes Adelbert, bestätigt und erweitert die Besitzungen und Rechte dieser Kirche, wobei er selbst einen Hof zu

Herbrechtingen, den er von der Augsburger Kirche zu Lehen trägt, übergibt, eine Reihe von Lehen und Gütern für diese Kirche käuflich erwirbt und an sie überträgt und seinen Söhnen und Erben die Investiturrechte hinsichtlich der Propstei vorbehält, da er über

Herbrechtingen als Lehen von Seiten der Augsburger Kirche verfügt, spricht Bischof Konrad jeglichen Einfluß auf die Einsetzung des Propstes ab und legt hinsichtlich der Propstwahl fest, daß bei Uneinigkeit sein Sohn bzw. der Erbe, der dieses Augsburger

Kirchenlehen innehat, als Vermittler eingeschaltet werden soll. Zeugen: die Äbte Siegfried von Anhausen, Heinrich von Lorch, Hartmann von Echenbrunn und Theoderich von Donauwörth, die Pröpste Wortwin von Wettenhausen, Gerung von Roggenburg, Grim von

Ursberg und Albert von Heiligenkreuz (zu Augsburg), die Grafen Otto von (Ober-)Kirchberg, Theobald von Lechsgemünd und Ludwig von Helfenstein, Degenhard von Hellenstein, Diemo und sein Bruder Gottfried von Gundelfingen, Arnold von Biberbach, Anselm von

Duringheim (Türkheim?), Mundschenk Konrad, Folknand von Hohenstaufen und Diepold Gusse. ‒ Heinricus imperialis aulę canc. vice Christiani Moguntini archiep. et archicanc.;

1171 sind auch Besuche von Hildegard von Bingen in Hördt nachgewiesen. Auch das weist auf die Bedeutung von Stift Hördt hin.

1175 schenkte der Ritter Konrad aus Rülzheim  dem Augustinerchorherrenstift in Hördt einige Weingärten, was  Kaiser Friedrich in einer Urkunde von 1175 bestätigt (wohl irrig für 1174). Diese waren zunächst aufgelassen worden wurden dann aber an Propst

Konrad übergeben. 1182 vermachten die Eheleute Vimar und Agnes dem Stift ihre Güter in Leimersheim, die als Leimersheimer Forst bekannt waren. Der Ritter Konrad von Riet hatte dem Stift 1195 seine Güter in Offenbach und dem Dörfchen Altheim geschenkt.

In derselben Zeit erhielt das Kloster auch Güter in Dannstadt und Rohrbach. Philipp von Schwaben, der jüngste Sohn Friedrich Barbarossas bestätigt diese Schenkung in einer am 29. April 1200 in Spiegelberg ausgestellten Urkunde. Gleichzeitig nimmt er die Kirche

wie sein Vater und sein Bruder in seinen besonderen Schutz. Am 25. Februar 1220 nimmt Kaiser Friedrich II. das Kloster Hördt in seinen Schutz und verfügt, “dass niemand dasselbe belästige, weder an Sachen noch an Personen”. Als Zeugen wurden genannt

Konrad III. von Scharfenberg, der Bischof 1200-1224  von Speyer und seit 1212 gleichzeitig von Metz war und der 4 Kaisern bzw. Königen als Reichskanzler diente, sowie der Abt von Weissenburg Wolfram (1197-1224).Pfarrer Michael Frey, der 1836 einen allgemeinen

Überblick über die Geschichte des königlichen bayrischen Rheinkreises geschrieben hat, sieht diesen Brief vor allem gegen Werner von Bolanden gerichtet, der um 1220 hatte dieser die Klosterhöfe in Rohrbach und Dannstadt schwer beschädigt hatte.

1277 wird wieder ein Hördter Propst genannt, nämlich Volkert. Dieser schenkt dem Kloster Eusserthal 2 1/2 Joch Güter in Offenbach für die Aufnahme seines Bruders. Das Kloster Hördt hatte 1254 Güter vom Kloster Heimbach erworben. Bei diesem Erwerb wird kein 

Propst genannt. Auch 1267 wird kein Propst sondern ein Prior namens Walter genannt.Zweimal wurde der Landvogt des Speiergaus für das Kloster Hördt tätig. 1205 ist Graf Friedrich von Leiningen als Landvogt bezeugt und 1301 Graf Friedrich III. von Leiningen.

1277 soll eine vertragliche Einigung mit den Hördter Bauern erzielt worden sein.

1278 wurde das Kloster von einer Feuersbrunst heimgesucht.

Friedrich III. entschied  im Namen König Albrechts am 13. März 1299 einen Streit zwischen dem Kloster und der Gemeinde Dettenheim um das Grundstück Melfurt zugunsten des

Klosters. Im selben Jahr verkaufte Propst Heinrich einen Hof des Klosters in Kandel und in Steinweiler an das Kloster Selz. Heinrich von Bannacker war von 1301-1303 Landvogt des Speiergaus. Der neue Vogt schützte im Auftrag von König Albrecht das Privileg des

Klosters Hördt, in Bellheim im sogenannten Jungholz sein Vieh zur Weide treiben zu dürfen. Am 5. Mai 1304 besiegelte der Untervogt Johannes von  Mülnhofen den Entscheid des Landgerichts bei Landau eine alte Streitsache zwischen Landau und dem Kloster

Hördt. Demnach sollte jede “am Giessen” entstandene Anschwemmung dem Kloster gehören.

Kloster Hördt

Im Jahr 1306 erscheinen 3 Leute aus dem Hördter Konvent in einer Schenkungsurkunde für das Kloster Eusserthal und treten bei einer Schenkung als Zeugen auf, nämlich der Propst Ulrich, ein  Prior Friedrich sowie ein Kanoniker aus Hördt

Johannes genannt von Rülzheim. Abt in Eusserthal war zu derzeit Konrad.

Im Jahre 1328 nahm Propst Johann einen Gütertausch vor. Er tauschte die Güter des Klosters bei Mühlhausen bei Landau gegen  andere bei Ottersheim. 1336-1339  ist der Propst Volzo bezeugt. Es ist der letzte Propst, der nur mit Vornamen bezeichnet  ist.

Man könnte daraus schließen, dass bis zu ihm die Pröpste aus der Kommunität heraus gewählt wurden. Nach 1341 stammen alle Klostervorsteher aus der näheren Umgebung, z.B. Zeiskam, Kirrweiler, Kandel u.a. Man könnte daraus folgern, dass sich der Wahlmodus

geändert hat. Die Kandidaten mussten vor der Wahl nicht mehr unbedingt dem geistlichen Stand angehören. Wohl alle Pröpste von Hördt haben dem niederen Adel angehört. Der Ritterstand formiert sich und wird zu einem festen Bestandteil der Hierarchie des

Landes. Die Ritter wurden Lehensträger des jeweiligen Grundherrn und übernahmen Aufgaben ihres Herrn. Die Familien wurden zu Rittergeschlechtern und waren dem niederen Adel gleich.

Volzo hatte 1336 einen Vergleich mit dem Kloster Gottesau in Karlsruhe geschlossen. Zwischen den beiden Klöster war es zu Streitigkeiten wegen Fischereirechten im Altrhein gekommen. Am  16. September 1336 am Tag nach dem Fest der Kreuzerhöhung einigten

sich Abt Nikolaus von Gottesaue und die Gemeinde Eggenstein auf der einen Seite und Propst Volzo und der Hördter Konvent auf der anderen Seit über die Besitzverhältnisse des Altrheins zwischen Potz und Winden. Pfalzgraf Rupprecht I. erklärte dann  1361 den

Rheinarm  zwischen Potz und Schröck mit den Weiden, Inseln, Wald  und Goldgründen zwischen der Abtei Gottesaue und der Propstei Hördt als gemeinschaftlich. In diesem Vergleich erscheint auch der Propst Hugo von Zeiskam. Zwei Jahre vorher, nämlich 1359

hatte er durch seine  Räte einen Zwist zwischen der Propstei und den Bauern von Potz wegen des Beholzungsrechts aussöhnen lassen.

1381 kam es wieder mal zu einem Streit, diesmal zwischen dem Dorf Hördt und dem Kloster. Als Vermittler trat der pfälzische Hauptmann Graf Heinrich von Spanheim auf, der öfters Streitigkeiten im Namen des Pfalzgrafen zu schlichten hatte.

1418 ist Werner von Waldheim Propst. In seiner Zeit gab es Weidstreitigkeiten zwischen dem Ritter Johann von Otterbach und der Propstei Hördt. Pfalzgraf Ludwig III.(Pfalzgraf von 1410-1436 und Sohn Ruprechts der den Gottesauer Streit schlichten ließ)ließ den

Streit schlichten. Dieselbe Streitigkeit gab es auch mit dem Dorf Hördt. Diese wurde 1374 auf Initiative Kurfürst Friedrichs von der Pfalz (1425-1476) geschlichtet.                                                                                                                                                                                       

In Speyer war inzwischen Reinhard von Helmstadt 1438 Bischof geworden. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit war die Bemühungen um Reformen des Welt-und Ordensklerus. Auch in Hördt hatte die Tendenz zur Verweltlichung um sich gegriffen, so dass Bischof

Reinhard sich gezwungen sah 1454 in Hördt einzugreifen. in seinen Bemühungen wurde er unterstützt von Propst Heinrich von Mühlhofen, der dem Kloster eine neue , strengere Ordnung gab und damit den Anstoss zu einem neuen blühenden Klosterleben gab.  

Der Propst soll seinem Konvent ein leuchtendes Vorbild sein. Die Gottesdienstzeiten wurden geregelt, Gebetszeit festgelegt. Die Messe sollte mindestens einmal täglich gelesen werden und wenigsten einmal pro Woche eine Seelenmesse samt Vigil für die

verstorbenen Gönner und Wohltäter des Konvents abgehalten werden. Wer nicht pünktlich bei den Andachten oder der Messe war, erhielt einen Abzug auf seine tägliche Lebensmittelration. Die Chorherren sollten bei der Messe in Chorkleidung erscheinen.

Das Essen sollte gemeinschaftlich im Speisesaal eingenommen werden. Bei Tisch sollten Lesungen gehalten werden. Niemand sollte Tanzbelustigungen oder Wirtshäuser besuchen. Mit Personen des anderen  Geschlechts sollte man sich nicht in Verbindungen

einlassen. Wöchentlich sollten zwei Kapitelsversammlungen abgehalten werden, bei denen wirtschaftliche Belange beraten, Fehler gerügt und bestraft und Zerwürfnisse beigelegt werden sollten. Falls das nicht gelang, sollten Streitigkeiten vor das geistliche

Gericht in Speyer gebracht und dort entschieden werden. Für die Handhabung der Ordnung sollte ein Prior gewählt werden. Für die Eintreibung und Verwaltung der Gefälle, das waren die Abgaben an das Kloster, sollte ein Schaffner eingestellt werden, der einmal

jährlich vor dem Propst und gesamten Kapitel Rechnung legen musste. Diese, sowie die Urkunden und Privilegien des Klosters sollten in einer Lade verwahrt werden, über die nur drei Personen die Schlüsselgewalt hatten. Auch die Schule, die schon vorher

bestanden hatte, wurde erneuert. in dieser Schule wurden Adelssöhne aber auch Jungen aus dem Dorf erzogen. Es war eine wichtige Ausbildungsstätte für die Söhne der Grafen und Ritter des Speyergaus.

“Das Kloster stand in seinem besten Flor”  sagt Pfarrer Frey zu dieser  Epoche und es war wohl die blühendste Zeit, die Hördt erlebt hat.

Natürlich gab es auch weiterhin Streit. So war der Zwist mit Kloster Gottesaue wieder ausgebrochen. Aber Propst Heinrich verglich sich 1455 mit dem Gottesauer Abt Matthias. Die gemeinschaftliche Besitzung wurde geteilt und außerdem festgelegt, dass alle

5 Jahre die Teilung untersucht und erneut verglichen werden soll. Auf Heinrich von Mühlhofen  folgt Heinrich zum Jungen als Propst. Dieser soll 1466 die Propstei an seinen Vetter Georg abgetreten haben.

1471 trat Bernhard von Angelloch sein Amt an, Mitglied einer Ministerialenfamilie, die in Waldangelloch im Kraichgau ansässig war. Im 16. Jahrhundert waren 13 männliche Mitglieder dieser Familie  im Malteserorden oder Deutschen  Orden tätig.

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Bernhard ordnete 1474 die Bezüge der Pfarrei in Leimersheim neu. Pfarrer war zu der Zeit Johann Kleue. Mit der Gemeinde Hört hatte es mal wieder Streit gegeben. Unter dem Burgvogt Johann von Gemmingen schloss er einen Vergleich

mit der Gemeinde. 6 Chorherren waren allerdings der Meinung, dass dieser Vertrag die Rechte des Klosters beeinträchtige. Sie unterschrieben eine Protestation gegen diesen Vergleich. Das waren Reinhard von Monzingen, manchmal auch Gerhard von Monzingen

genannt, Eberhard von Lautern, Konrad Bock von Erfenstein, Konrad Nagel von Königsbach und Eberhard von Angelloch.Die Protestation wurde am 1. September unterzeichnet und Heinrich Oppenheimer beauftragt, die Rechte des Stifts geltend zu machen.

Gerhard von Menzingen wurde nun Propst. Er begab sich mit einigen Chorherren zum Kurfürsten Philipp von der Pfalz (1448-1508) nach Heidelberg um von ihm die Freiheiten des Klosters bestätigen zu lassen. Dabei beachtete er den Vertrag, den sein Vorgänger

Bernhard mit der Gemeinde Hördt geschlossen hatte, nicht.  Diese reichte deshalb Klage beim kurfürstlichen Hofgericht in Heidelberg ein und drohte mit Pfändung. Daraufhin fungierten Erpho, der Dechant in Klingenmünster war und Friedrich von Rosenberg

als Schiedsrichter. Diese beiden sprachen aber gegen die Gemeinde. Neun Jahre später brachte die Gemeinde neue Ansprüche vor. 1486 kam es schließlich zu einem gütlichen Vergleich. Kurz danach verstarb Reinhard von Monzingen. Auf ihn folgte Johann von

Gemmingen.Er war nur kurze Zeit Propst. Sein Nachfolger war  Georg zum Jungen. Von ihm wissen wir nur, dass er 1493 mit dem Hagenbacher Pfarrer Ort einen Vergleich wegen der Verwaltung der Pfarrei Leimersheim abschloss. Dann wurde Florenz Schlider von

Lachen Propst. Er hatte eine lange Amtszeit von über 25 Jahren, die allerdings gewaltsam beendet wurde. 1489 kaufte er eine Weingülte in Mussbach, das war eigentlich eine Abgabe, die in Wein zu entrichten war. Mit den umliegenden Gemeinden schloss der im

Laufe von 18 immer wieder Verträge ab, die aber bald verletzt und erneuert wurden. Die kleinsten Vorteile oder zu fürchtende Nachteile wurden genauestens verhandelt und die Vorgänge zeigen, dass das Verhältnis der Vertragsparteien gestört war.

1525 brach der Bauernkrieg aus und für Hördt und die naheliegenden Klöster wie Eusserthal oder Klingenmünster brachen schwere Zeiten herein. Über Hördt fiel der Nussdorfer Haufe und die Bruhrainer Bauern her, die ja auch im Bundschuh  beteiligt waren.

(siehe dazu Beitrag zu Joss Fritz). Das Kloster war natürlich eine beste Zielscheibe. Der Aufstand entlud sich ja in  Gewalt gegen Klöster und Adlige. Und ein Kloster, das viele adlige Chorherren in seinen Reihen hatte, dazuhin recht wohlhabend war,

hatte besonders zu leiden. Das Kloster wurde gebrandschatzt, geplündert und geradezu verwüstet. Der Propst wurde misshandelt. Und an den Misshandlungen starb er einige Zeit später am 7. Januar 1526. Von diesem Schlag erholte sich das Kloster nicht mehr. Der

Niedergang war eingeleitet.

Am Tag nach dem Tod von Probst Florenz versammelte Prior Johannes von  Schwalbach das Kapitel  in der Kirche.  Im Beisein des kaiserlichen Notars Nikolaus Roßbach überzeugte er seine Mitbrüder, sofort die Wahl des neuen Propstes vor zu nehmen.

Gewählt wurde Sigismund von Wittstadt genannt Hagenbuch. Er ersuchte gleich um die bischöfliche Bestätigung in Speyer. Gemäß altem Brauch wurde jeder aufgefordert, der etwas gegen die Wahl Sigismunds ein zuwenden habe, auf Montag nach

Mariä Reinigung, das ist Maria Lichtmess vor dem Bischof zu erscheinen habe. Als das nicht der Fall war, schwor Sigismund vor dem bischöflichen Generalvikar  Georg von Sternfels,  “seinem Oberhirten unterthänig und folgsam zu seyn”, die Ordensregel

treu zu beobachten und zu handhaben, das dem Kloster unrechtmäßig Entfremdete wieder einzutreiben und ohne Einwilligung des Bischofs nichts vom Habe und Gute des Konvents zu veräußern. Daraufhin erhielt er seine Bestätigung und er bekam die

Weisung, sich vom Landdechanten von Billigheim in sein Amt einführen zu lassen. Er galt als klug und fromm und kümmerte sich um das zeitliche wie geistige Wohl des Klosters. Nicht nur die Folgen des Bauernkriegs machten dem Kloster zu schaffen,

auch die Reformation mit ihrer immer stärker fühlbaren Kirchenspaltung. Von 1556 bis 1660 musste das Kloster und seine Untertanen neunmal die Religion wechseln (lutherisch,calvinisch,katholisch) 1531 erhielt das Kloster mit Philipp von Flersheim

(1529-1552), der auf Bischof Georg Pfalzgraf bei Rhein, den Bischof, unter dem Sigismund sein Amt antrat, folgte. 1535 ließ er das alte Potz nach Neupotz verlegen, weil es immer wieder vom Rhein bedroht war. Auch er hatte immer wieder Streitigkeiten

mit der Gemeinde Hördt. Diese wurden schließlich 1538 unter Vermittlung des kurpfälzischen Vogts in Germersheim, Friedrich von Fleckenstein beigelegt. Der Vergleich legte die gemeinschaftliche Nutzung des Dorfbrunnens, Weiderechte, Fischrechte

und Beholzungsrechte fest. Sigismund verstarb kurz nach der Einigung. Auf ihn folgte Melchior Reuß von Albsheim. Er schloss 1539 einen neuen Vertrag mit der Gemeinde wegen der alten Zwistigkeiten ab. 1544 schloss er mit der Gemeinde Rülzheim einen

Vergleich wegen des Beholzungsrecht der alten Klostermühle ab. Er starb am 27. April 1550 und wurde neben Propst Florenz bestattet. Sein Nachfolger Ulrich von Bernburg war 5 Jahre Propst in  Hördt. Urkundlich erscheint er nur einmal

und zwar im Jahre 1554, wo es um Überlassung einiger Felder an die Gemeinde Hördt und im Gegenzug auf Verzicht auf Weiderechte geht. Er verstarb 1555. Die letzte Wahl war dann die von Wendelin, was man zum Zeitpunkt der Wahl noch nicht ahnte.

1557 wurde auf Befehl Ottheinrichs von der Pfalz die lutherische Kirchenordnung eingeführt. Wendelin ließ sich 1559 von Kaiser Ferdinand (1558-1564), alle Freiheiten bestätigen, die das Kloster von den Kaisern Heinrich, Adolf, Albrecht, Ludwig und Maximilian

erhalten hatte, bestätigen. Dies wurde ihm auch gewährt. 1563 schloss er noch Verträge ab. Er verstarb 1566. Und mit ihm endete die Geschichte des Kloster Hördt definitiv. Die Chorherren, die noch beim alten Glauben blieben, wurden vertrieben. Der alte

Gottesdienst wurde verbannt und dafür der  calvinistische eingeführt. Die Schule wurde aufgehoben, kurze Zeit später von Kurfürst Friedrich in ähnlicher Form in der ebenfalls leer stehende Abtei in Selz neu errichtet. Die Gefälle wurden von Heidelberg aus

verwaltet. 1622, der 30-jährige Krieg tobte schon, gab es nochmals kurz Hoffnung für das Kloster. Erzherzog  Ferdinand II. von Habsburg (1619-1637) vertrieb den Grafen von Mansfeld aus dem Elsass. Österreich führte die alte Ordnung wieder ein.

Dem Speyrer Bischof von Sötern (1610-1652) der auch Bischof von Trier und damit Kurfürst sowie Fürstabt von Prüm war, wurden die Gefälle des Kloster Hördt wieder überlassen. Das Kloster war aber so verfallen, dass die Einkünfte mehrerer

Jahre nicht ausgereicht hätten, das Kloster wieder herzustellen. Auch war die militärische Lage des Klosters so ungünstig, dass Philipp beschloss die Stiftung Hördt in die Stiftung Philippsburg zu verlegen, was 1625 urkundlich bestätigt wurde.

Philipp hatte sich mittlerweile an die Franzosen angeschlossen, wurde in Trier gefangengenommen und nach Wien gebracht.  Die kaiserlichen Truppen hatten mittlerweile wieder die Gegend um Hördt besetzt und Kaiser Ferdinand übertrug Hördt wieder direkt

dem General der Augustiner. Peter Krane von Jestersheim wurde 1637 von dem Mainzer Erzbischof in sein Amt eingeführt. Dieses wiederum lag nicht im Sinne des in Wien inhaftierten Speyrer Bischof. Von Wien aus belegte er Peter Krane mit dem Bann. Trotz aller

Schikanen konnte sich Peter Krane in Hördt halten. Rom, an das sich der bedrängte Probst gewandt hatte, bestätigte 1638 seinen Besitzanspruch auf Hördt und auch Kaiser Ferdinand stellte ihm einen Schutzbrief aus.Trotz dieses Schutzbriefs wurde der Propst

schließlich aus dem Kloster gedrängt. Die Zeiten waren einfach so. Mit dem Westfälischen Frieden wurde Propst Krane wieder in sein Kloster eingeführt. Prior Peter Dancart aus Frankenthal setzte den alten Prior wieder in Amt und Würden ein. Doch Fürstbischof

von Sötern gab nicht klein bei. Im November ließ er durch bischöfliche Beamte aus Speyer Propst Krane gefangen nehmen  und aus dem Kloster werfen. Kurz danach musste der Bischof auf kaiserlichen Befehl aber Hördt mit allen Gefällen dem Kurfürsten von der

Pfalz  Karl I. Ludwig überlassen. Aber auch die Kurpfalz verblieb nicht im ungestörten Besitz. Im Jahre 1680 erhob die Reunionskammer in Breisach Anspruch auf das Oberamt Germersheim und nahm die Gegend mit bewaffneter Macht in Besitz. Die kurpfälzische

Verwaltung wurde aus Hördt verdrängt und der französische König ernannte den Straßburger Generalvikar Herr von Ratabon wurde mit Zustimmung des Papstes Propst in Hördt. Der Friede von Rijswik und vor allem die Klausel ermöglichte es dem

Kurfürsten Karl Ludwig, der katholisch war, die katholische Ansprüche durch zu setzen. 1705 wurden die Hördter Gefälle wieder unter die Aufsicht des Propstes Freiherr von Wieser gestellt. Damit werden die Pfarrer der umliegenden Gemeinden besoldet.

Nach der französischen Revolution 1789 erobern französische Truppen im Oktober 1792 Speyer, Mainz und Worms. Das linke Rheinufer war besetzt und alle Güter des Adels und der Geistlichkeit wurden an meistbietende versteigert. In Hördt gelangte zunächst eine

Gesellschaft aus Paris, dann der Rentner Vollmar aus Germersheim und später der Kaufmann Rausch aus Straßburg in den Besitz der klösterlichen Felder von Hördt. Die Gebäude wurden niedergerissen, die Steine ausgegraben, der Boden eingeebnet.

Heute ist vom Kloster praktisch nichts mehr zu sehen. Eine jahrhunderte alte Tradition war zu Ende gegangen.

13 Juni 2012

Matthias Erzberger

Unbenannt

Am 26. September 1875 wird Matthias Erzberger in dem kleinen Albdörfle bei Münsingen geboren. Er war eines von 6 Kindern des Postboten und Schneiders Josef Erzberger

und dessen Frau Katharina geborene Flad. Sein Geburtshaus ist heute die Erzberger-Gedenkstätte. In Bichishausen, Nachbarort von Buttenhausen und beides Teilorte der Gemeinde Münsingen

besuchte er die Volksschule. Schon dort war seine auffallende Begabung zu erkennen.Von Bichishausen wechselte er in die Präparandenanstalt in Schwäbisch Gmünd. Das war damals die unterste Stufe der Volkschullehrerprüfung.

Danach  besuchte er das katholische Lehrerseminar in Saulgau. Das war eigentlich die einzige Möglichkeit, die sich einem Kind aus so armen Hause bot. Mit 19 Jahren legte er die Volksschullehrerprüfung ab.

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Er war dann in Göppingen, Marbach und Stuttgart als Volksschullehrer tätig. 1896 begann er aber ein Studium des Staatsrechts und der Nationalökonomie in Freiburg im Üechtland. Im gleichen Jahr arbeitete er aber bereits als Redakteur beim

“Deutschen Volksblatt”, einer katholischen Tageszeitung mit dem Untertitel eine politische Zeitung, die seit 1848 in Stuttgart erschien. Sein Studium schloss er deshalb nicht ab. Gleichzeitig engagierte er sich in

katholischen Arbeitervereinen und der Zentrumspartei, die seit 1881 stärkste Reichstagsfraktion war. 1899 beteiligte er sich an der Gründung Christlicher Gewerkschaften.

Er blieb seinem katholischen und sozialen Milieu,  den “Kleinen Leuten” treu und schrieb zahllose Briefe und Eingaben. Seine vielen Zeitungsartikel zeugten von seinem enormen Engagement.

1903 wurde er erstmals in den Reichstag gewählt und zwar für den Wahlkreis 16 in Württemberg. Das waren die Städte Biberach, Bad Waldsee, Leutkirch und Wangen.

In Biberach hielt er seine Wahlveranstaltungen immer im Grünen Baum ab. Dort ist am 20.12. 2012, also an seinem Geburtstag, ein Saal nach ihm benannt worden.

Erzberger war der jüngste Reichstagsabgeordnete und kam  mit 28 Jahren in den Reichstag. Das aktive und passive Wahlrecht lag damals bei 25. Sein politischer Ziehvater war

der Reichstagsabgeordnete Richard Müller, in Fulda geboren und von 1893-1918 im Reichstag. In der ersten Legislaturperiode gab es die sogenannten Kolonialskandale. Ein deutscher Kolonialbeamter Georg Schmidt

hatte in Togo mehrere minderjährige Afrikanerinnen vergewaltigt. Das sollte vertuscht werden. Doch Erzberger deckte dies auf. Als dann der Reichstag einen Nachtragshaushalt von 29 Millionen Reichsmark für den Krieg in Südwestarika forderte,

kritisiert vor allem Erzberger die umfangreichen Ausgaben und die Kolonialkriege. Daraufhin lehnte die Zentrumsfraktion, selbst nicht ganz einig, den Antrag ab. Eine knappe Mehrheit 177:168 votierte gegen den Nachtragshaushalt.

Reichskanzler von Bülow löste noch am selben Tag den Reichstag auf. Es kam zu Neuwahlen, die auch als “Hottentottenwahl” – wegen des Volksaufstands in Südwestafrika bezeichnet wurden. Die Wahlbeteiligung war mit 84,7 % die höchste aller bisherigen

Reichstagswahlen. Das Zentrum konnte knapp dazu gewinnen und erreichte nun 105 statt 100 Sitze.

1909 scheiterte der “Bülow-Block” an der Reichsfinanzreform. Es ging vor allem um die Erbschaftssteuer. Dagegen hatten sich vor allem die Konservativen, aber auch das Zentrum gewandt. Als die Mehrheit gegen Bülows Entwurf stimmte, trat er zurück.

Allerdings brachten er die Finanzreform noch vor dem Ende seiner Kanzlerschaft mit veränderten Inhalten und Mehrheiten doch noch durch.

Eindeutiger Sieger der Reichstagswahl 1912 war die SPD mit 34,8 % der Stimmen und 110 Sitzen. Das Zentrum erreichte 16,4 % und 91 Sitze und war damit zweitstärkste Kraft.

Im Oktober 1914 wurde durch einen Erlass des Reichskanzlers Bethmann von Hollweg die Zentralstelle für Auslandsdienste eingerichtet. Erzberger übernahm  die Leitung. Nach seinen Worten  sollte sie dem Ausland zeigen, wie es in Deutschland aussieht und

was das deutsche Volk in seiner Gesamtheit anstrebt, um hierdurch ein bleibendes Fundament für die gerechte Beurteilung der deutschen Sache zu schaffen.

Anfangs war Erzberger für die Errichtung einer kontinentalen Hegemonie und für Annexionen vor allem in Belgien, dessen Häfen eine Ebenbürtigkeit mit England sichern sollten. Er war auch gegen ein Nachgeben auf amerikanischen Druck und für den U-Bootkrieg.

Er war noch gegen eine Ablehnung aus völkerrechtlichen Gründen, teilte aber auch nicht den blinden Glauben an die Wunderwaffe. Bis 1916 konnte er seine Partei davon abhalten, sich offen für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg auszusprechen.

1916 konnte er sich mit seiner Position auch des sicheren Eintritts der USA in den Krieg bei einem uneingeschränkten U-Boot Krieg nicht mehr durchsetzen. Er hatte sich mittlerweile von einem begeisterten Annexionisten zu einem vorsichtigen Realpolitiker

gewandelt, der das Machtpotential der USA in seine Überlegungen einbezog. Als einer von wenigen bürgerlichen Politikern begrüßte er das Friedensangebot von Bethmann Hollweg und setzte vor allem große Hoffnungen auf das Vermittlungsangebot des

amerikanischen Präsidenten vom 21. Dezember 1916. Er war mittlerweile überzeugt, dass der Krieg mit militärischen Mitteln allein nicht mehr zu gewinnen sei. Er war bereit, Vermittlung egal woher sie käme, zu akzeptieren. In Deutschland lagen nur noch die

Sozialdemokraten auf dieser Linie. Das Friedensangebot der Mittelmächte wurde von der Entente abgelehnt und am 9. Januar 1917 kam es dann zur Entscheidung, den uneingeschränkten U-Boot-Krieg zu eröffnen.

Die militärische Lage wird immer kritischer.  In einer Debatte am 6. Juli 1917 fordert Erzberger den Verzicht auf Annexionen.  Am 19. Juli 1917 wird von den Mehrheitsparteien, dem Zentrum und den Mehrheitssozialisten eine von ihm initiierte Friedensresolution

eingebracht.

“ Der Reichstag erstrebt einen Frieden der Verständigung und der dauernden Versöhnung der Völker. Mit einem solchen Frieden sind erzwungene Gebietserwerbungen und politische, wirtschaftliche oder finanzielle Vergewaltigungen unvereinbar.
Der Reichstag weist auch alle Pläne ab, die auf eine wirtschaftliche Absperrung und Verfeindung der Völker nach dem Kriege ausgehen. Die Freiheit der Meere muß sichergestellt werden. Nur der Wirtschaftsfriede wird einem freundschaftlichen Zusammenleben der Völker den Boden bereiten.”

Dies war über die Proteste des Kanzlers und der Obersten Heeresleitung hinweg geschehen und zeigte erstmals einen ernsthaften Riss durch den innenpolitischen Konsens, den der Krieg hervorgebracht hatte. (Kaiser Wilhelm am 1. August in seiner “Balkonrede”:

“Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche”) Der Krieg aber war verloren. Am 30. September 1918 trat Reichskanzler Georg Graf von Hartling zurück. Ihm folgte Max von Baden nach. Dieser wurde am 3.10.1918 als Reichskanzler und preußischer

Ministerpräsident berufen. Erzberger wurde zum Minister ohne Geschäftsbereich ernannt. Am  6. November übernahm er die Waffenstillstandskommission. Am 8. November begannen die Verhandlungen. Auf alliierter Seite saß der französische General

Foch. Die Waffenstillstandsbedingungen waren so hart, dass die Annahme einer Kapitulation gleichkam. Erzberger versuchte mit Berlin Kontakt aufzunehmen, erreichte aber nur Hindenburg. Der aber forderte die Annahme des Waffenstillstands, wenn nötig unter

allen Bedingungen. Am 11. November 1918 unterzeichneten Foch und Erzberger in dem berühmten Eisenbahnwaggon die Kapitulation. Erzberger wusste sehr wohl, was das für ihn bedeutete. Fortan war er die Hassfigur für die Rechten.

Die Herren Militärs hatten sich aber geschickt aus der Verantwortung gezogen, einen Zivilisten vorgeschickt, der das Desaster, das sie angerichtet hatten, ausbaden durfte, sie aber konnten getrost an der “Dolchstoßlegende” stricken.

Irgendwie ist es bezeichnend, dass es im Hauptort des Erzbergerschen Wahlkreises nur in einem kleinen Ortsteil eine “Erzbergerstraße” gibt. Die “Hindenburgstraße” ist aber nach wie vor die zentralst gelegene Straße Biberachs!

220px-Bundesarchiv_Bild_183-2004-0206-500,_Erzberger_auf_dem_Weg_zu_WaffenstillstandsverhandlungenDolchstoß

Ab 16. Oktober mehrten sich die Abtretungsempfehlungen, später Forderung an Kaiser Wilhelm. Am 28. Oktober reiste der Kaiser zum großem Hauptquartier nach Spa in Belgien ab. Das war im 1. Weltkrieg zunächst die militärische Zentrale, später auch

die politische der Führung des deutschen Kaiserreichs. Die Lage im Reich wurde immer undurchsichtiger und schwieriger. Kaiser Wilhelm wollte noch am 8. November im Einklang mit der Obersten Heeresleitung an der Spitze des Heeres

nach Deutschland einmarschieren. Bald aber wurde klar, dass die Truppe mehrheitlich nicht mehr hinter dem Kaiser stand. Am 9. November gab der Kanzler Max von Baden eigenmächtig die Abdankung des Kaisers bekannt. Die Revolution war nach

dem Kieler Matrosenaufstand und der Novemberrevolution in Berlin angekommen. Am 9. November rief Philipp Scheidemann vom Westbalkon des Reichstagsgebäudes die Republik aus, auch um Karl Liebknecht zuvor zu kommen. Dieser hatte kurze Zeit später

vor dem Berliner Stadtschloß die “Freie sozialistische Republik Deutschland ausgerufen.” Am 10. November verließ der Kaiser Spa. Dazu hatte ihm Hindenburg geraten. Am 19. Januar fand die Wahl zur Verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung statt.

Diese trat am 6. Februar in Weimar zusammen. Erzberger war ebenfalls in die Nationalversammlung gewählt worden. Das Zentrum hatte 19,7 % der Stimmen oder 91 Sitze erhalten und war hinter der SPD mit 163 Sitzen zweitstärkste Kraft.

Die Volksversammlung wählte am 11. Februar Friedrich Ebert zu Reichspräsidenten. Dieser beauftragte Scheidemann mit der Regierung. Erzberger gelang es, in seiner Partei eine Mehrheit für eine Beteiligung für eine Koalition mit der SPD zu organisieren.

Das Zentrum stellte drei Minister. Erzberger war Minister ohne Geschäftsbereich und war weiterhin mit  Friedensverhandlungen betraut. Im Gegensatz zum Außenminister Ulrich Graf von Brockdorf-Rantzau befürwortete er den Versailler Vertrag und wurde deshalb

als” Erfüllungspolitiker” bezeichnet, was ihm ebenso wie später Walther Rathenau zum Verhängnis wurde. Beide wurden zu Opfern von Fememorden der Organisation Consul.

Im Juni ging es vor allem u die Kriegsschuldfrage und ob der Versailler Vertrag unterzeichnet werden solle oder nicht. Erzberger war der Meinung, dass bei einer Ablehnung die völlige Besetzung  Deutschlands drohe. Befürworter und Gegner  waren  etwa gleich

stark. Aber am 19. Juni verhärteten sich die Fronten. Scheidemann und mit ihm Brockdorff-Rantzau und der Justizminister traten zurück. Damit war das Kabinett Scheidemann am Ende. Auf ihn folgte Gustav Bauer. Erzberger wurde Finanzminister im Kabinett Bauer

und setzte die Finanzreform durch.Der Zeitjournalist Robert Leicht meint dazu, “Erzberger setzte in wenigen Monaten durch, was einem Paul Kirchof unter Friedensbedingungen nie gelingen würde”: eine völlig neue Finanzverfassung für Deutschland. Bis 1918 finanzierte sich der Haushalt des Kaiserreichs aus den sogenannten Matrikularbeiträgen. Das waren Abgaben, die die Länder zu zahlen hatten. Dabei wurde die Höhe der Beiträge nicht aufgrund der

Wirtschaftskraft der Länder sondern ihrer Einwohnerzahl festgelegt. Erzberger führte den direkten Lohnsteuerabzug ein. Das ist die Grundlage des Steuersystems, das heute noch in Kraft ist. Das Reich erhielt die ausschließliche Steuerhoheit. Damit war das Reich

nicht mehr wie im Kaiserreich von den Ländern abhängig. Erzberger strebte eine spürbare Entlastung der sozial schwächeren Schichten an. Im Dezember 1919 kam noch das Reichnotopfer hinzu, eine einmalige Abgabe auf Einkommen und Vermögen, die vor allem

im Besitzbürgertum für große Empörung sorgte. Zwar war die Dringlichkeit unumstritten, brachte ihn aber auf der Rechten in den Ruch eines “Konfiskatorischen Sozialisten”(H.A.Winkler). Die Staatschuld hatte 1913 etwa 5 Milliarden Reichsmark betrag. 1919 waren

daraus 153 Milliarden geworden. Das deutsche Reich hatte den Krieg überwiegend über Anleihen finanziert– aber den Krieg verloren. Die Hoffnung dies aus den Reparationen der besiegten Gegner zu bezahlen, war damit geplatzt wie ein schöner Ballon.

Deutschland bat nicht zur Kasse, sondern wurde zur Kasse gebeten. 1921 wurden Deutschland 130 Millionen Goldmark als Reparationszahlungen auferlegt. Das Reichsschatzamt hatte 1919 noch mit maximal 30 Milliarden gerechnet. Einen Staatsbankrott lehnte Erzberger

genau so ab wie Inflation. Beides hätte vor allem die kleinen Leute getroffen, die schon 90 % der Kriegsanleihen gezeichnet hatten. Gerade das Reichsnotopfer belegt, dass dies nicht der Erzbergersche Weg war. Allerdings

verpuffte der Effekt eben wegen der Inflation ziemlich wirkungslos. Flankiert wurden die Maßnahmen durch die Einführung einer einheitlichen Reichssteuerverwaltung. Steuergesetze sind immer nur so gut, wie sie umgesetzt werden.

Eine finanztechnische Schulung der Beamten war vorgesehen. Erzberger strebte an “eine im einheitlichen Geiste erzogene und geschulte Beamtenschaft “ heranzuziehen. Es war absehbar, dass dieses Vorhaben eine Kapitalflucht zur Folge haben würde.

Deshalb hatte Erzberger drastische Grenzkontrollen und drakonische Strafen für Gesetzesverletzungen vorgesehen. Die hohen Steuern waren der Preis für die falsche Führung des Krieges durch die Kreise, die jetzt das lauteste Geschrei anstimmten.

In nur acht Monaten hatte Erzberger seine Reform durchgesetzt. Das ging nur, weil er seit der Friedensresolution von 1917 zum Inneren Führungszirkel der neuen politischen Entscheidungsträger gehörte. Erzberger wurde zum meist gehassten Politiker der

Nachkriegszeit. Aber er wehrte sich wie er zum Beispiel in der parlamentarischen Auseinandersetzung vom 25. Juli 1919 zeigte. Da ging es um die Kriegszielpolitik. Er sagte unter anderem

»Jeder Friedensvertrag ist die Schlußrechnung eines Krieges. Wer den Krieg verliert, verliert den Frieden, und wer hat bei uns den Krieg verloren? Ich habe es Ihnen nachgewiesen: diejenigen, welche den handgreiflichen Möglichkeiten eines maßvollen und würdigen Friedens immer wieder einen unvernünftigen, trotzigen und verbrecherischen Eigensinn entgegenstellten[…]. Die moralische Verantwortung dafür, daß schließlich kein besserer Friede mehr möglich war, tragen diejenigen, welche die alte Regierung unterstützt haben und welche den Kampf gegen die Friedenszielresolution des Reichstags in dieser Weise führten, wie ich sie vorhin zeichnen durfte. Dadurch, daß wir Ihren Waffenstillstand und Ihren Frieden unterzeichnen mußten, haben wir für Ihre Schuld gebüßt. Diese Schuld werden Sie niemals los, und wenn Sie hundertmal Ihre Hände durch ein ›Nein‹ in Unschuld waschen wollen. Sie werden diese Schuld nicht los, weder vor uns, noch vor der Geschichte, noch vor Ihrem eigenen Gewissen“

Natürlich bekämpfte die Rechte Erzberger mit allen Mitteln. Schon als er 1909 um die Auseinandersetzungen über die Kolonien mit Helfferich die Klingen kreuzte, waren harte Debatten im Parlament erfolgt und Erzberger drängte Helfferich aus

seinem Amt. Nun schlug dieser zurück und griff Erzberger in seiner Artikelserie “Fort mit Erzberger” wegen seiner Unterschrift unter das Waffenstillstandsabkommen und seiner Rolle als Befürworter des Versailler Vertrags als Vaterlandsverräter und

Novemberverbrecher an. Infam wurde es, als er Erzberger der Steuerhinterziehung bezichtigte und behauptete, Erzberger hätte Gelder in die Schweiz verschoben. Ein Vorwurf mit höchster Brisanz gerade einem Finanzminister gegenüber,

der Kapitalflucht unnachsichtig bekämpfte. Erzberger blieb gar nichts anderes übrig als eine Beleidigungsklage gegen Helfferich anzustrengen. Erzberger gewann seinen Prozess zwar. Die Begründung war aber so schwach, dass das einer Niederlage

gleich kam. Helfferich wurde nur zu einer Strafe von 300 Mark verurteilt. Noch am Tag der Urteilverkündung, nämlich am 12. März 1920 trat Erzberger zurück. Erzberger zog sich aus der aktiven Politik zurück, um sich mit ganzen Kräften seiner Rehabilitierung zu

widmen.Das war wohl auch einigen Zentrumsleuten nicht ganz unangenehm.

Bereits am 26. Januar hatte es ein Attentat auf Erzberger gegeben, bei dem er nur leicht verletzt wurde, aber zutiefst beunruhigt. Der Täter, ein ehemaliger Fähnrich, Oltwig von Hirschfeld wurde zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. 4 weitere Anschläge wurden

noch  auf ihn verübt. Seiner Tochter sagte er, „die Kugel, die mich töten soll, ist schon gegossen“. Am 26. August 1921 war er mit dem Radolfzeller Reichstagsabgeordneten Carl Diez auf einem Spaziergang bei Bad Griesbach im Schwarzwald unterwegs,

Der Vorwurf des Meineids war schon im Juni bei einer Voruntersuchung zusammengebrochen. Das Verfahren wegen Steuerhinterziehung und Kapitalflucht war am 17. August 1921 ergebnislos eingestellt worden. Einer Rückkehr in die Politik stand nichts mehr im

Wege. Auf dem Weg zum Kniebis lauerten ihm Heinrich Tillesen und Heinrich Schulz, beide ehemalige Marineoffiziere und Mitglieder der rechten Organisation Consul auf.

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Beide konnten fliehen und nach der Machtübernahme durch die Nazis wurden beide 1933 nach der Straffreiheitsverordnung aus demselben Jahr amnestiert  „Für Straftaten, die im Kampfe für die nationale Erhebung des Deutschen Volkes, zu ihrer Vorbereitung oder

im Kampfe für die deutsche Scholle begangen sind, wird Straffreiheit (…) gewährt.“ auch nochmals 1946.

Erst 1947 wurde die  Amnestie nach einem öffentlichen Skandal aufgehoben und Tillesen 1947 in Konstanz zu 15 Jahren Zuchthaus und Schulz in Offenburg zu 12 Jahren  Zuchthaus verurteilt. Beide saßen nur einen Teil der Strafe ab. Tillesen

wurde 1952  Haftverschonung gewährt. Im Dezember wurde die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt.1958 wurde die Strafe auf dem Gnadenweg erlassen. Auch die Witwe von Erzberger hatte sich für die Begnadigung ausgesprochen. Tillesen verstarb mit 90.

Auch bei Heinrich Schulz war die Strafe im Dezember 1952 zur Bewährung ausgesetzt worden.

Matthias Erzberger wird am 31.8. 1921 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem katholischen Friedhof in Biberach beigesetzt. Am selben Tag fanden im ganzen Reich Protestkundgebungen gegen den Rechtsradikalismus statt.

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Matthias Erzberger war einer der gestaltungsmächtigsten Politiker des späten Kaiserreichs und der frühen Republik.Erzbergers Leistung als Finanzminister würdigte schließlich Alex Möller, der bis 1971 Finanzminister in der sozialliberalen Koalition

im Kabinett Brandt war.  Ein Gedenken Erzbergers hat vor allem seine Hauptleistung zu umfassen: das große finanzpolitische Reformwerk, das nachhaltig bis in unsere Gegenwart hereinwirkt. Seine Reform der Finanzverwaltung hat ein geschlossenes Verwaltungssystem geschaffen, das – unbeschadet des Wandels in der Verwaltungshoheit – in dem einheitlichen Behördenaufbau, dem einheitlichen Besteuerungsverfahren, den einheitlichen Verwaltungsrichtlinien und der einheitlichen Fachausbildung der Finanzbeamten fortlebt und damit eine möglichst gleichmäßige Steuererhebung in allen Bundesländern gewährleistet. Seine Reform des Finanzausgleichs hat in Überwindung des entwicklungshemmenden Matrikularbeitragssystems dynamische Lösungsmöglichkeiten der Steuerverwaltung zwischen Oberstaat, Gliedstaaten und Gemeinden eingeleitet; das heutige Steuerverbundsystem in der Bundesrepublik geht im Prinzip auf das Vorbild der  Erzbergerschen  Reform zurück.

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07 Mai 2012

Joss Fritz

 

 

 

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Obwohl im Netz gute Seiten und viel Informationen zu Joss Fritz zu finden sind, will ich ihn dennoch in meinen Blog aufnehmen. Zum einen fasziniert mich gerade die Zeit des Joss Fritz, diese Zeit eines gewaltigen Umbruchs,

zum andern passt er gut ins Umfeld meiner Kategorie “Personen der Geschichte”, sind da doch Zeitgenossen oder auch Vorläufer versammelt. Auch bei der Beschäftigung mit Klöstern wird man fast bei jedem Kloster auf Bauernunruhen stoßen

und so ergänzt sich das einfach bestens.

Was war das für eine Zeit, in die Joss oder Jodocus  wie sein Taufnahme lautete, geboren wurde?  Will Erich Peukert nennt sie Zeit der Wende, das apokalyptische Saeculum. Huizinga sieht den Herbst des Mittelalters.

Die Zeit ist aus den Fugen geraten , wie Skaespeare 1602 in seinem Hamlet bemerken wird.

Das Zeitalter der Entdeckungen beginnt. 1487 umsegelt Bertolomeu Diaz(um 1450 bis 1500) die Südspitze Afrikas. 1492 entdeckt  Christoph Kolumbus (1451-1506)

Amerika. 1509 entwickelt Kopernikus (1473-1543) sein Heliozentrisches Weltbild, nicht mehr die Erde steht im Mittelpunkt,sondern die Sonne.

Um 1350 hatte Berthold Schwarz, ein Freiburger Franziskaner Mönch durch Zufall das Schwarzpulver entdeckt. So konnte man die Feuerwaffen, Gewehr und Kanonen entwickeln, was die Kriegstechnik

entscheidend veränderte.

Die wichtigste technische Entwicklung im 15. Jahrhundert war der Satz mit beweglichen Lettern, den der Mainzer Johannes Gutenberg (um 1400-1468) 1440 entwickelte. Die Verwendung dieser (in Europa)

neuen Technik revolutionierte den Buchdruck und löste eine Medienrevolution aus. Man denke nur an die Flugblätter. Reformation, aber auch die Bauernkriege nutzten dieses neue Medium intensiv

und die Reformation hätte sich ohne Buchdruck vielleicht nicht so schnell entwickelt.

Die Städte begannen sich in dieser Zeit rasant zu entwickeln. Die Bürger traten als gesellschaftlich wichtige neue Gruppe auf den Plan. Nürnberg, Augsburg waren die neuen starken Zentren. Nürnberg, begünstigt durch seine

verkehrstechnische Lage wurde wichtig für den Fernhandel. Zum Handel kamen Finanzgeschäfte, Beteiligung in Montanunternehmen. Die Unternehmen der Fugger und Welser in Augsburg

hatten Weltgeltung und beeinflussten  die europäische Politik. Die Fugger finanzierten die Habsburger und ohne das Fuggersche Kapital wäre Karl V. möglicherweise nicht Kaiser geworden.

Selbst in kleineren deutschen Städten kamen die Kaufleute nach oben, so die Ravensburger Handelsgesellschaft der Humpis, die bis etwa 1530 zu den bedeutendsten Handelsunternehmen des Spätmittelalters zählte.

Der Aufstieg der Städte verlangte aber auch eine Rechtssicherheit. So kam es auch zu einer allmählichen Übernahme des römischen Rechts. Der Ruf nach dem alten Recht wird in den Bauernkriegen immer wieder laut.

Bauernunruhen sind zu Zeiten von Joss Fritz auch nicht neu.

Der Appenzeller Krieg von 1401-1408 (siehe dazu Beitrag Kloster Sankt Gallen) war auch eine Auseinandersetzung zwischen den Appenzeller Bauern und dem

Landesfürsten, in diesem Fall dem Sankt Gallener Abt Heinrich von Gundelfingen.

1476  tritt der Pfeifer von Niklashausen im Taubertal auf. Das war nicht nur eine religiöse Bewegung sondern auch begleitet von Forderungen nach Abschaffung der Standesunterschiede, Abgabenfreiheit und Befreiung von Frondiensten

und die Überführung von privatem und hoheitlichen Besitz an Feldern, Wiesen und Gewässer  in die Allmende. (siehe dazu Beitrag Der Pfeiffer von Niklashausen)

1491 gibt es Bauernunruhen im Allgäu und Bereich der Fürstabtei Kempten. von 1498-1502 gärt es im Kloster Ochsenhausen. 1502 schloss Abt Hieronymus Biechelberger mit den Klosterbauern einen Untertanenvertrag ab, der zwar 1525 im Bauernkrieg

wieder zurückgenommen wurde, aber der Grund dafür sein dürfte, dass das Kloster Ochsenhausen relativ unbeschadet durch den Bauernkrieg kam.(siehe dazu Beitrag Kloster Ochsenhausen)

1493 begegnen wir zum ersten Mal dem Bundschuh und zwar im Elsass.

Unbenannt

In Schlettstadt hatten sich 110 Verschwörer zusammengetan und wählten den Bundschuh als Symbol. Das Beispiel des Hans Böhm in Niklashausen vor Augen wollten sie gegen das undurchsichtige Rechtssystem und die hohen Steuern und die damit

einhergehende Verschuldung der Bauern aufbegehren. Der Aufstand wurde aber rasch niedergeschlagen. Die Anführer, Johann Ullman ein ehemaliger Bürgermeister von Schlettstadt und Jakob Hanser, der Schultheiß von

Blienschweiler bezahlten ihr Aufbegehren mit ihrem Leben.

Kommen wir nun zu Joss Fritz. Er ist um 1470 in Untergrombach als Sohn des Michels und der Magdalena Fritz geboren, beide Leibeigene. Joss Fritz wird Landsknecht. Er kann Lesen und Schreiben und kommt in der Welt herum.

Das Jahr 1501 war ein schweres Hunger-und Pestjahr. In Süddeutschland wütetet die Pest. Die Lage der Landbevölkerung hat sich enorm verschlechtert. Untergrombach gehörte damals zum Fürstbistum Speyer. Der regierende Fürstbischof war

Ludwig von Helmstatt (1478-1506). Er entstammt einer Familie, die mit Reinhard und Raban von Helmstatt schon zwei Fürstbischöfe gestellt hat. Ludwig erscheint 1453 als Domherr zu Speyer. 1478 wird er vom Domkapitel einstimmig zum Bischof

gewählt. Papst Sixtus IV. bestätigt die Wahl und am 13. Dezember 1478 wird er in der Liebfrauenkirche  in Bruchsal von dem Wormser Bischof Reinhard von Sickingen  geweiht. Das Hochstift war zu diesem Zeitpunkt schon stark verschuldet.

Reich und Kurpfalz erhoben weitere finanzielle Forderungen. Der Bischof konnte die Belastung kaum vermindern, konnte sich aber durch Umwandlung von kurzfristigen in langfristige Darlehen und Zinssenkungen  etwas Luft verschaffen.

Er erhob zahlreiche außerordentliche Steuern, hatte aber immer den Rückhalt des Domkapitels. Der Bischof wird als Bauherr der Liebfrauenkirche  genannt. Die steigende Steuerlast bei gleichzeitiger Einschränkung der  Forst-Weide-und Fischereirechte weckte den

Unmut der Bauern. Wie schon 1493 sammelten sich die Unzufriedenen unterm Zeichen des Bundschuhs im Bruchrain bei Untergrombach. Ob Joss Fritz schon in Schlettstadt dabei war, ist nicht belegt. In Untergrombach zählte er aber zu den Hauptinitiatoren.

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Die Bewegung wuchs sehr rasch an und zählte bald siebentausend Verschwörer. Die Aufnahme in den Bund wurde wie eine religiöse Zeremonie abgehalten. Wer aufgenommen werden wollte, musste kniend fünf Vater unser und Ave Maria beten.

Als Erkennungszeichen diente das Losungswort: “Loset was ist nun für ein Wesen”  Der dazu gehörige Antwortreim war:”Wir mögen vor Pfaffen und Adel nit genesen”. Der Zweck war Umsturz der weltlichen und geistlichen Aristokratie.

Sie forderte Freiheit von Zins und Zehnten weder an “Fürsten noch Edle noch Pfaffen”. Es sollte kein Zoll und keine Steuer mehr bezahlt werden. Weide, Fischerei, Jagd und Wald sollten für alle offen und frei sein. Klöster und Kirchengüter sollten bis auf eine

kleine Zahl eingezogen werden und verteilt werden. Als erstes sollte Bruchsal, wo mehr als die Hälfte der Bürger im Einverständnis war, überfallen und eingenommen werden. Der große Haufe aber sollte gleich in die Markgrafschaft

Baden weiter ziehen und dann fort und immer weiter und sich an keinem Ort länger als 24 Stunden aufhalten bis sie alle Lande in ihr Bündnis eingebracht hätten, die ursprüngliche Freiheit und damit die  Gerechtigkeit Gottes auf Erden

eingeführt hätten. Die Schlettstatter hatten die Beichte verboten, nicht so die Untergrombacher und das wurde ihnen zum Verhängnis. Ein badischer Söldner, Lux Rapp, hatte sich in einer Beichte dem Pfarrer anvertraut und dieser gab

sein Wissen unter Missachtung des Beichtgeheimnisses an die Obrigkeit weiter. Dadurch bekam sie Wind von der Sache. In Schlettstadt versammelten sich nun Vertreter der Fürsten, Herren und Städte und berieten unter Vorsitz des Kaiser

Maximilian über das weitere Vorgehen. Es dauerte bis die Maschinerie in Gang kam, was den Anführer der Verschwörer Zeit gab, zu entkommen. Natürlich wurden Leute, derer man habhaft werden konnte, grausam bestraft. Zehn Bauern wurden

zur Abschreckung geköpft oder gevierteilt oder an der Landstraße aufgehängt. Joss Fritz aber war geflüchtet. Die Bauern blieben ruhig, aber nicht, weil sie mutlos waren. Sie wollten die Herren einfach wieder sorglos machen. Die Verhältnisse

und auch die Gesinnungen hatten sich ja nicht geändert.Die meisten Flüchtlinge gingen in die Schweiz, in den Schwarzwald oder nach Württemberg. Joss Fritz zog mehrere Jahre unerkannt in Oberschwaben herum. Er hielt sich im Gebiet des Bodensees

auf, war bei Lenzkirch und bei Stockach. In Nenzingen, heute im Kreis Konstanz, heiratete er um 1510 die Bauerstochter Else Schmid. 1512 zog er in das Dörfchen Lehen, heute ein Stadtteil von Freiburg. Dort erhielt er sogar eine Anstellung und zwar

als Bannwart des Balthasars von Blumeneck, eines Adligen, der im Schlößchen von Lehen residierte. Dort sammelte er wieder Getreue um sich. Er bestellte sie immer auf die Hartmatte, das ist ein Wiesengrund an der Dreisam gelegen.

Mit dem Ortspfarrer, einem Pater Johannes Schwarz war er im Einverständnis. Seine ersten Lehener Vertrauten waren Hans und Augustin Enderlin, Hieronymus, einem Bäckergesellen aus Tirol, der als geschickter Redner galt, Kilian Meyer, ein Bauer aus Lehen,

Hans und Karius Heitz, die Bauern Peter Stübler und Jakob Hauser, dann Thomas Müller und Marx Sudlin und  der Schneider Hans Hummel, der aus Feierbach stammte. Ein Stoffel oder Veltlin aus Freiburg galt als weiterer

Hauptmann. Dieser hielt sich oft in Waldkirch auf. Dieser scheint wie Joss eine imposante Persönlichkeit gewesen zu sein. Die neue Bewegung zog rasch viele neue Leute an. Auch rekrutierten sie viele Bettler, damals eine durchaus bedeutende Volksgruppe.

Den Hauptleuten versprachen sie 2000 Gulden, wenn sie in der Markgrafschaft Baden einen Aufstand verursachen würden.

Anders als im Bruhrain hatte der Bundschuh diesmal ein Programm, das 14 Pumnkte umfasste. Joss musste die Rechtmäßigkei der Artikel auf der Grundlage der Bibel nachweisen.

Artikel 1 besagte, dass niemand mehr einen Herrn anerkennen solle, als Gott, den Kaiser und den Papst.

2. Sollte jeder nur dort vor Gericht gestellt werden, wo er zuhause war. Das Rottweiler Gericht sollte abgeschafft werden und die geistlichen Gerichte sollten nur noch für das Geistliche zuständig sein.

3. Sollten Zinsen abgeschafft sein wenn die Zinsleistung inzwischen dem Kapital entsprach  und alle Zins-und Schuldbriefe vernichtet werden.

4. Zinsen, die bisher weniger eingebracht hatten sollten so behandelt werden, wie das göttliche Recht anzeige und unterweise

5. Fisch und Vogelfang, Holz,Wald und Weide sollte frei und Armen und Reichen gemein sein.

6. Jeder Geistliche soll auf eine Pfründe beschränkt sein.

7. Klöster und Stifte sollten an Zahl beschränkt sein. Ihre überflüssigen Güter genommen werden und daraus eine Kriegskasse des Bundes gebildet werden.

8. Alle unbilligen Steuern und Zölle sollten abgeschafft werden.

9.Ein beständiger Friede solle herrschen. Wer sich dagegen widersetze solle getötet werden. Wer aber durchaus kämpfen wolle, soll mit Handgeld gegen die Türken oder ungläubigen geschickt werden.

10. Wer dem Bund anhängt, soll seines Leibes und Gutes sicher sein, wer sich widersetzt gestraft werden.

11. Eine gute Stadt oder Festung soll als Halt und Mittelpunkt des Unternehmens genommen werden.

12. Jedes Bundesmitglied soll das Seinige zu den Mitteln der Ausführung beisteuern.

13. Sobald der Haufen des Bundes sich vereinigt habe, soll man sich an den Kaiser wenden

14. Falls dieser das nicht annehme, soll die Eidgenossenschaft um Bündnis und Beistand aufgerufen werden.

Einige ähnliche Forderungen werden 1525 in den Memminger Artikel ebenfalls gestellt.

Großen Wert scheint Joss Fritz auf die Fahne gelegt zu haben. Sie galt als Zeichen der Verschwörung  und selbst der zum Fähnrich gewählte Jakob Huser bekam sie nicht zu Gesicht. Nachdem ein Freiburger  und ein in Lehen

ansässiger Maler es abgelehnt hatten, die Fahne zu malen wurde schließlich ein Heilbronner Maler oder ein Maler in Metz überredet. Sie enthielt unter anderem den Bundschuh,  ein  weißes Kreuz und trug die Inschrift

“Herr steh deiner göttlichen Gerechtigkeit bei” Vor Verrat wurde die Bewegung dadurch geschützt, dass die Mitstreiter jeweils nur ganz wenige Mitglieder kannten.

Für den 9. Oktober war der Beginn des Aufstands geplant. Die Erhebung in Biengen, heute ein Ortsteil von Krozingen sollte der Beginn sollte die Maßenerhebung ausgelöst werden.

Aber zwei Wochen nach dem treffen auf der Hartmatte war der Bundschuh verraten. Rasch erfolgten die ersten Festnahmen. Joß Fritz und Hieronymus flohen in die Schweiz. Dort traf er sich in im solothurnischen Seewen mit

Mayer, Enderlin und Hauser. Von dort schickte Joß Fritz Augustin Enderlin und Thoma Müller zurück nach Lehen, um die noch nicht endeckten Mitverschwörer nach Schaffhausen zu beordern. Sie entledigten sich dort ihres Auftrags.Dann gingen sie durch den

Schwarzwald nach Schaffhausen. Dort wurden sie am 24. Oktober entdeckt und gefangengenommen. Kilian Meyer und Jakob Hauser wurden von Basler Häschern am 18. Oktober zwischen Liestal und Seewen auf freiem Feld

ergriffen. Joss Fritz aber konnte entkommen, ob viele Straßenkontrollen waren und viele Streifen unterwegs waren. Seine Frau Else wurde ebenfalls inhaftiert. Sie wurde am 24. Oktober wieder aus der Haft entlassen und es wird vermutet, dass

ihr Mann öfters bei ihr war. Hans Hummel konnte sich zunächst in Sicherheit bringen. Er wurde später gefasst und 1514 in Freiburg hingerichtet. Hingerichtet wurden auch  Hans und Augustin Enderlin (1513 in Schaffhausen, bzw. Freiburg)

Kilian Meyer 1513 in Basel, Jakob Hauser und Thomas Müller (1513 in Schaffhausen) und Marx Sudlin 1514 in Freiburg.

1517 organisierte Joss Fritz nochmals eine  Verschwörung, diesmal überwiegend im Straßburger Raum aber letztlich auch wieder ohne Erfolg.

Das letzte Mal soll Joss Fritz zwischen 1524 und 1525 am Oberhein gesehen worden sein.

Dort verliert sich seine Spur

Joss Fritz ist breit und ist leibeigen,
schon dreimal hat man ihn geschasst.
Die Weiber kreischen auf der Tenne,
wenn er beim Tanz die Punze fasst.
Und rasches Flüstern zwischen Türen,
das, meinen viele, ist die Brunst.
Und nachts das Rascheln, Strohgeknister
ist heimlich geile Weibergunst.
Und doch ist das der Bundschuhführer,
der heimlich kommt, organisiert
und agitiert und der auch zügelt,
wenn wilde Wut die Köpfe schnürt.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
ehe der Habicht schreit.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
vor der Zeit.

Und als die schönen Schlösser brannten
im schönen Nachtigallenmai,
und als der bunte Haufe rannte
vor Fürstenheer und Reiterei,
und wurden Köpfe abgeschnitten,
geblendet viele und gehetzt,
die Organisation verraten,
die Bundschuhfahne war zerfetzt,
da lernten die, die übrigblieben:
es war ein ganzes Stück zu früh,
noch viel zu stark war dieser Gegner,
und viel zu wenig waren sie.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
ehe der Habicht schreit.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
vor der Zeit.

Joss Fritz, gejagt auf allen Straßen,
im Weiberrock, am Bettlerarm,
wird Fisch und taucht im Volke unter
und wieder auf als Dorfgendarm,
und lernt den Feind und lernt die Schliche,
taktiert und reorganisiert
und konspiriert mit Pfaff und Bürger
und mancher Mann sympathisiert.
Den Aufruhr in die Köpfe tragen
wie kaltes Feuer, heißes Eis,
geduldig, listig und verschlagen,
und warten können, weil er weiß:
Lasst nicht die roten Hähne flattern
ehe der Habicht schreit.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
vor der Zeit.

Und als die Bänkelsänger sangen,
und als die Nachricht schneller lief,
geheime Zinken an den Türen,
und als zu oft die Eule rief,
und als die Bundschuhfahne wehte
beim wilden Hagebuttenfest,
und als sie fast dreitausend waren
und Waffen überall versteckt,
und als ein paar nicht warten wollten,
und einer bei der Folter schrie
und Pläne, Plätze, Namen nannte,
da war es wieder mal zu früh.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
ehe der Habicht schreit.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
vor der Zeit.

Verrat. Und wieder auf den Straßen
Joss Fritz gejagt, gesucht, versteckt.
Und die ihn hören und berühren
sind aufgerührt und angesteckt.
Mal ist er Mönch, mal Landsknecht, Bettler,
mal zieht ein Gaukler über Land,
und mal erkennen ihn Genossen
am Muttermal auf seiner Hand.
Das große Bündnis will er knüpfen
mit Ritter, Bürger, Bauer, Pfaff,
Plebejer, Bettler und Soldaten,
und immer warnt er vor der Hast.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
ehe der Habicht schreit.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
vor der Zeit.

Und als die schönen Sensen glänzten
und Morgensterne glänzten mit,
und als der Hammer Helme knackte,
und als die Sichel schneller schnitt,
und als die schönen Schlösser brannten,
und als der Bischof Gnade bat,
und als die Reiterheere flohen
und Mauern brachen vor der Stadt,
da ging die Saat auf, die er säte
im schönen Nachtigallenmai.
Und zieht dahin, der helle Haufe,
Joss Fritz ist irgendwo dabei
und lässt die roten Hähne flattern
beim hellen Habichtschrei,
und lässt die roten Hähne flattern
und ist dabei,
und war dabei.

Franz Josef Degenhardt

Unbenannt

02 Mai 2012

Kloster Andechs Der Heilige Berg

 

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Die Familie der Andechs-Meranier

 

Die Andechs-Meranier sind ein altes bayrisches Adelsgeschlecht, dessen Hauptbesitz zunächst im oberen Lech- und Isargebiet  und um Erding und Ebersberg herum lag.

Ihr Aufstieg begann im frühen 11. Jahrhundert. Zu ihrer Blütezeit waren sie mit dem höchsten deutschen Adel verwandt. Die Ursprünge der Familie liegen im Dunkeln und auch die Familienhistorie bewegt sich zunächst im legendären Bereich.

Sie sieht in Rasso ihren Gründer. Graf Rasso soll aus dem Frankenreich stammen , Herzog von Bayern, Franken,Schwaben und Burgund, Meranien und Kärnten gewesen sein, dazu Markgraf von Österreich, Pfalzgraf bei Rhein sowie Graf von Görz und Andechs. Angeblich hat er sich große Verdienste bei der Befreiung des Heiligen Landes aus den Händen der Ungläubigen erworben. Zum Dank dafür hatte er ein kaiserliches Schreiben erhalten. Mit dessen Hilfe konnte er einen großen Reliquienschatz in Konstantinopel, Rom und Mailand erwerben, die den Grundstock für den Heiligen Schatz in Andechs bildeten. Er kehrte in die Heimat zurück und soll 954 in Grafrath an der Amper ein Kloster gegründet haben.

1_Graf_Rasso_B_097_Andechs_Wallfahrtskirche_Seitenaltar_Detail_Foto_Schmid_a558eee36bEr soll dort seine letzten Tage verbracht haben und ist im Kloster bestattet. Nach Diessener und Andechser Quellen wurde das Kloster von Herzog Arnulf dem Bösen zerstört, der seinen Beinamen von mönchischen Chronisten hatte, weil er als bayrischer Herzog in den Jahren von 908-914 viele Kirchengüter einzog, so dass die Klöster Benediktbeuren, Niederaltaich, Isen, Mosburg, Schäftlarn, Tegernsee und Wessobrunn fast ihren gesamten Besitz verloren.

Die Gebeine Rassos wurden erhoben und 1468 in einem Hochgrab über dem Bodengrab beigesetzt. Es entwickelte sich bald eine lebhafte Wallfahrt, da seinen Gebeinen große Wunderkraft nachgesagt war. Aus den Aufzeichnungen der Wunder aus den Jahren 1444-1728 sind 12.131 Einträge erhalten.

Rasso_von_Andechs2Zwei weitere Mitglieder der Familie werden als Heilige verehrt. In Diessen war das Grab des seligen Rathard. Er gründete 815 mit Unterstützung seines Bruders,des Augsburger Bischofs Hanto (807-815) bei der St. Georgskirche in Diessen ein Augustiner-Chorherrenstift. Er selbst lebte dort als Priester und starb in dem Stift. Er wird als Seliger verehrt. Auch dieses Kloster soll durch Herzog Arnulf den Bösen  zerstört worden sein. Vom Besuch seines Grabes versprachen sich ebenfalls viele Kranke Genesung. Nach der Zerstörung des Stifts soll Gräfin Kunizza in Diessen wieder ein Kloster mit drei Priestern gegründet haben. In dessen Kirche fand sie ihre letzte Ruhestätte. Sie war angeblich eine Enkelin Ottos I. und war mit

Rocho, dem Bruder des heiligen Rassos verheiratet. Auch Rocho war wohl ein sehr frommer Mann, er soll auf einer Pilgerreise nach Jerusalem gestorben und dort begraben sein.

Sichere Belege für die Familie stammen erst aus dem 11. Jahrhundert. Dass sie von den Agilolfingern oder Luitpoldingern abstammen, lässt sich nicht beweisen.In Güteraufzeichnungen, sogenannten Traditionsbücher süddeutscher Domstifte und Klöster finden sich erste Belege. Einzelne Familienmitglieder werden in Königs-und Kaiserurkunden erwähnt. Auch in Nekrologen oder Totenbücher geistlicher Gemeinschaften, vor allem im Nekrolog des Klosters Diessen finden sich Hinweise auf frühe Andechser. Das älteste zweifelsfrei zur Familie der Grafen von Diessen und Andechs zählende Familie ist Graf Friedrich I. Er starb ca.1030 und ist in einer Urkunde König Heinrichs II. (1002-1024) als Graf von Haching genannt. In der am 30.06. 1003 ausgestellten Urkunde wird von Friedrich berichtet, dass er in Haching zu Gericht zu sitzen pflegte und dass zu seiner Grafschaft der Forst gehörte, der sich von Wolfratshausen zwischen Isar und Loisach zum Gebirge hin erstreckte.

1003_urkundeGraf Friedrich ist auch noch in anderen Quellen nachgewiesen. So beurkundete er eine Schenkung des Adeligen Ratpots an das Kloster Tegernsee. Er war auch zugegen als die Kaiserin Kunigunde kurz nach dem Tod ihres Gemahls Heinrich II. in Regensburg 1025 einen Teil ihres Besitzes an das Domstift Freising veräußerte.

Bei diesem Rechtsgeschäft begleitete ihn sein Sohn Berthold, der in dieser Urkunde als “Berthold, Sohn des Grafen Friedrich” bezeichnet wird. Dieser ist wohl identisch mit dem Grafen Bertold von Diessen, der in späteren Urkunden als Zeuge aufgeführt wird, so als Bischof Nitker von Freising (1039-1052) dem Kloster Schliersee seinen Zehnten im Dorf Vagen übereignete.

Berthold I. hatte noch einen Bruder, den Grafen Otto II., den Grafen von Thanning, der die Wolfratshausener Linie begründete. Zur Familie Friedrichs und seiner Söhne zählte noch ein Graf Rasso von Diessen, ohne dass die verwandtschaftlichen Beziehungen näher bekannt sind.

Bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts hatte die Andechser Familie ihren altbayerischen Besitz erfolgreich abgerundet und konsolidiert. Sie betrieb eine geschickte Heiratspolitik und konnte so sich so Besitz und Einfluss im östlichen und mittleren Alpenraum und in den  Gegenden des Obermains verschaffen.

Graf Otto besaß spätestens seit den 60-iger Jahren des 11. Jahrhunderts die Grafschaft Wolfratshausen. Den Hauptgerichtsort Haching verlegte er nach Thanning. Außerdem gelang es ihm, in Tirol Fuss zu fassen. Er verfügte bereits über Freisinger Lehen, die er von Bischof Meginwart (1078-1098) erhalten hatte. In dem Dorf Amras, das heute nach Innsbruck eingemeindet ist, hatte er Eigenbesitz. Dort errichte er eine Herrschaft, deren Verwaltungsmittelpunkt die Burg Amras bildete.

Dieser Besitz war vor allem auch dadurch bedeutend, weil von hieraus alle Wege Richtung Süden über den Brenner zum Unterinntal verliefen und überwacht werden konnten. Der Brixener Bischof Altwin 1049-1097), mit dem Otto eng zusammenarbeitete stand während des Investiturstreit ebenso wie der Andechser auf Seiten des Kaisers. Das war sicher der Grund, dass Otto die Grafschaft erhalten hatte. Den Gegnern des Kaisers, an der Spitze Herzog Welf IV.(um 1040-1101) gelang es, den Brixener Bischof aus seinem Bistum zu vertreiben. Auch Otto verlor Grafschaftsrechte im Gebirge. Trotzdem blieb er Parteigänger des Kaisers und erschien noch 1104 in Regensburg beim Reichstag an der Seite des Kaisers. An Rechtsgeschäften, die die Welfen und deren Anhänger betrafen, scheint er sich aber erst beteiligt zu haben, als die Auseinandersetzungen zwischen dem salischen Herrscher und seinem welfischen Gegner beigelegt waren. Im vorgerückten Alter verstarb Otto um 1120. Er war wohl der erste aus seiner Familie, der in nähere Beziehung zum salischen Kaiserhaus getreten war, worauf ihm ja der Schutz der wichtigen Verbindungsstraße über den Brenner zwischen Deutschland und Italien anvertraut worden war. Wahrscheinlich hatten auch die Verbindungen zum Kaiserhof eine Rolle gespielt, als seine Tochter Adelheid mit Berengar von Sulzbach verheiratet worden war.

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Die Grafen von Sulzbach lassen sich mit dem Grafen von Gebhard I. auf das Jahr 1030 zurückführen. Sie waren im Nordgau begütert. Das waren im 7. Jahrhundert das Gebiet nördlich der Donau zwischen  Neuburg an der Donau und Regensburg.

Um 1060 umfasste es auch die Obermaingegend und reichte bis ins Egerland. Nach der wittelsbachischen Zweiteilung des Jahres 1329 entstand der Name Oberpfalz. Die Sulzfelder hatten ihren Stammsitz auf Burg Rosenfeld im Areal des Altstadtkerns des heutigen Sulzbach-Rosenberg. In 150 Jahren erlebte das Geschlecht dank höchst einflussreicher Eheverbindungen einen rasanten Aufstieg, erlosch aber nach nur 150 Jahren wieder. Graf Berengar I. (vor 1080-1125), der Enkel des Grafen Gebhards I. war im engsten Umfeld der Salier zu finden. Er war Stifter von Berchtesgaden und Baumburg sowie Mitstifter des späteren Reformklosters Kastl, das er zusammen mit der Markgräfin Luitgard von Zähringen und dem Konstanzer Bischof Gebhard III., deren Bruder, gründete. Er war Anhänger und Teil einer adligen Führungsgruppe eines kirchlichen Reformkreises. Er war massgeblich am Sturz Kaiser Heinrichs IV. und der Einsetzung von dessen Sohn  als Kaiser Heinrich V. beteiligt. Er war dann wichtigster Berater des neuen Kaisers, der den Investiturstreit 1122 mit dem Wormser Konkordat beenden konnte. Die eheliche Verbindung mit dem einflussreichen Grafen Berengar wertete auch das Ansehen der Andechser Familie stark auf. Vier seiner sechs Kinder verheirate der Graf höchst vorteilhaft. Sein Sohn Gebhard III. war in 2. Ehe mit Mathilde, der Tochter des bayrischen Herzogs Heinrich IX., verheiratet. Die Tochter die aus der Verbindung mit Adelheid, der Tochter Diessener Grafen Otto mit Berengar hervorging, war Gertrud, die in den 30-iger Jahren Herzog Konrad von Schwaben heiratete, der 1138 als Konrad III. den deutschen Königsthron bestieg.

Eine weitere Tochter, Bertha wurde 1146 Gemahlin des griechischen Kaisers Manuel I. und war unter dem Namen Irene griechische Kaiserin. Dann war noch Luitgard. sie war mit Gottfried II dem Grafen von Löwen verheiratet. Sie war Herzogin von Niederlothringen. Berengars einziger Sohn Gebhard III. hatte ebenfalls nur einen Sohn, nämlich Berengar II. Dieser nahm am Italien Feldzugs Kaiser Friedrich Barbarossas teil und starb dort an der Pest. Als Graf Gebhard 1188 verstarb, war die Familie im Mannesstamm ausgestorben. Der Aufstieg der Diessener Grafen begann jetzt aber erst so richtig.

 

         Die Gründung des Hausklosters Diessen

Zwar trennten sich die beiden Familienzweige räumlich. Die Zusammengehörigkeit des Geschlechts ging aber nicht verloren.

 

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Wohl um die gleiche Zeit fassten beide Linien den Entschluss, am Ort ihres bisherigen Stammsitzes eine geistliche Gemeinschaft zu gründen. Das war im späten 11. Jahrhundert war das in vielen Adelsfamilien gängige Praxis, man denke nur an das Kloster Limburg der Salier, Kloster Lorch der Staufer oder Altdorf und Steingaden der Welfen. In solchen Stiftungen fanden  die Angehörigen der Gründerfamilien zumeist ihre letzte Ruhestätte, hier für das Seelenheil der Wohltäter gebetet. Oft war es auch  Ort, an dem man wichtige Urkunden aufbewahrte. Nicht selten geschah es, dass die Gründer noch die Vogtei über die Stiftung vorbehielten. So hatten sie auch am wirtschaftlichen Wohlergehen dieser Stiftungen Anteil. Auch in Diessen war das so.

Bei St. Georg wurde eine Geistliche Gemeinschaft ins Leben gerufen. Bald aber zeigte sich, dass der Platz für das Vorhaben wenig günstig war. Anfang der 20-er Jahre verlegte man die Gründung an einen höher gelegenen Platz bei St. Stephan.

Man stattete die Stiftung größtenteils mit Gütern aus dem Besitz der gräflichen Familie aus. Aber auch Ministeriale beider Linien konnten als Schenker auftreten, die teilweise Lehensgut mit Zustimmung der Herren aber teilweise auch Eigenbesitz übergaben. Die Mitglieder der Gemeinschaft sollten nach der Regel des Heiligen Augustinus leben, so wollten es die Stifter.

Dass die gräfliche Familie die Stiftung nicht einem Mönchsorden übertrug sondern den Augustinerchorherren, lässt vermuten, dass sie den Reformkreisen nahestand, die sich seit der Jahrhundertwende eine Erneuerung des religiösen Lebens zur Aufgabe gemacht hatten. Dafür spricht auch die Wahl des jungen Propstes aus dem Stift Rottenbuch. Rottenbuch war das Mutterstift der Augustinerchorherren in Altbayern und führend in der Kanonikerreform. Auch der erste Propst des Stifts Berchtesgaden und Baumburg, Eberwin kam aus Rottenbuch. Und sicher gab es über die Diessener Gräfin Adelheid auch Querverbindungen zu Rottenbuch. Schließlich war sie mir Berengar von Sulzbach verheiratet, der wie oben gesagt die beiden Klöster gestiftet hatte. Einer der bedeutendsten Vertreter dieser Reformrichtung war Erzbischof Konrad I . von Salzburg (um 1075-1147), der seine Diözese reformierte und vielen Klöstern die Regel der Augustiner-Chorherren durchsetzte. Darüberhinaus könnten auch Nützlichkeitserwägungen eine Rolle gespielt haben. Augustinerstifte wurden oft in Form von Doppelklöstern gegründet. Neben dem Männerkonvent bestand ein Frauenkloster. Damit hatten die Gründer Diessens die Möglichkeit, sowohl den männlichen als auch den weiblichen Familienangehörigen, die unverheiratet blieben, ein standesgemäßes Auskommen im Stift zu verschaffen.

Man findet eine Reihe von Mitgliedern des Hauses Andechs im Diessener Konvent, so z.B. Konrad, ein Onkel Graf Bertholds II. oder seine Tochter Mechthild, die schon als Kind den Chorfrauen zur Erziehung übergeben wurde. Sie blieb im Stift, wurde Leiterin der Kanonissen, bis sie auf Geheiß des Papstes als Äbtissin nach Edelstetten ging und dort als Reformerin tätig wurde.

Sie stand schon zu Lebzeiten im Ruf der Heiligkeit. einer Überlieferung zufolge kehrte sie später nach Diessen zurück und starb dort 1160. Auch ihre Schwester Euphemia gehörte dem Diessener Konvent an und wurde als Selige verehrt. Sie starb 1180 laut Stiftsnekrolog als Äbtissin des Klosters Altomünster.

Erster Propst des Diessener Stifts war Hartwig. Er starb 1173. Papst Innozenz II. (1130-1142) stellte der Stiftung 1132 ein Schutzprivileg aus. In dieser Urkunde wurden Graf Berthold II. und Graf Otto III. sowie deren Gemahlin Sophie und Lauritta sowie deren Kinder als Stifter genannt. Er bestätigte die Transferierung sowie alle Besitzungen und Einkünfte, darunter die Wallfahrt zum Seligen Rasso in Grafrath,die bis 1803 Filiale des Stifts blieb.

Auf Initiative Hartwigs wird wohl das Frauenkloster bei St. Stephan vor 1120 gegründet. Allerdings geht dies während der Kriegswirren und Pestzeiten im 14. Jahrhundert schon wieder zugrunde.

 

     Die Wolfratshausener Linie

 

Der Bruder Ottos, eines der Stifter von Diessen war Heinrich I. von Wolfratshausen.

Er war Domkanoniker in Bamberg und in Regensburg. 1132 wurde er zum Nachfolger Bischof Konrads von Regensburg gewählt. Sicher hat sich der Domvogt von Regensburg Graf Friedrich von Bogen eingesetzt, der auch mit den Andechsern verwandt war.Das Domkapitel hat möglicherweise für Heinrich votiert, da seine Familie ja kirchlichen Reformkreisen nahestand. Auch der verstorbene Bischof Konrad hatte Verbindungen zu diesen Kreisen und schon als Siegburger Abt war er “als Säule des mönchischen Ideals” gewählt worden. Während seines Episkopats versuchte er, die Bildung des Klerus zu verbessern und förderte und unterstütze die Reformen in Klöstern seines Sprengels wie Mondsee oder Weltenburg.

Die Wahl und der Beginn der Regierung des neuen Regensburger Oberhirten war von divergierenden politischen Interessen überschattet. Der Bayernherzog Heinrich X. der Stolze stritt mit dem Bogener Grafen um die Regensburger Domvogtei. Außerdem wollte er als Welfe mit Sicherheit keinen Bischof aus einem Haus, das den Staufern nahestand, ja sogar verwandtschaftlich mit ihnen verbunden war. So wollte er die ohne sein mitwirken zustande gekommene Wahl nicht anerkennen und versuchte die Erhebung des Wolfratshausener zum Bischof zu vereiteln. Heinrich wandte sich nun an seinen Metropoliten, den Salzburger Erzbischof Bischof

Konrad. Dieser hatte schon vorher gezeigt, dass er auch nach dem Wormser Konkordat an den früheren Ansprüchen der Kirche in der Investiturfrage festhielt als er  1125 in Brixen Reinbert  unter klarer Verletzung des Konkordats zum Bischof weihte. Reinbert war um 1116 Abt von Sankt Peter in Salzburg und hatte sich als Verfechter der Hirsauer Reform die Gunst Konrads erworben. Der Salzburger Erzbischof weihte Heinrich zum Bischof, noch bevor dieser das “Zepterlehen”, also die weltliche Belehnung durch den König erhalten hatte, ein  Verstoss gegen das 1122 mühsam ausgehandelte Konkordat. Daraufhin rückte Heinrich X mit seinem Heer gegen Regensburg vor, eroberte die Burg Donaustauf und ließ die Umgebung der Bischofstadt verwüsten. Der Neffe des neuen Bischofs, Graf Otto V. von Wolfratshausen mischte sich auch ein. Als Herzog Heinrich am Jahresende Wolfratshausener Gebiet, durchzog wurde er von Otto überfallen. Dies nahm der Bayernherzog nicht ungesühnt hin. Ende Januar 1133 erschien er mit einem Heer im Inntal und brannte die Burg Amras nieder. Danach wurden die umliegenden Besitzungen des Grafen verwüstet. Dann zogen die Truppen des Herzog nach Wolfratshausen und begannen mit der Belagerung. Dann aber kam Bischof Heinrich mit einem Entsatzheer begleitet vom Markgrafen von Österreich, vom Grafen von Bogen und anderen Adligen. In letzter Minute vermittelte Pfalzgraf Otto von Wittelsbach einen Waffenstillstand zu vermitteln. Der Bogener verständigte sich mit Heinrich dem Stolzen und Otto von Wolfratshausen, der mit Justicia von Bayern, der Tochter Ottos von Wittelsbach verheiratet war, musste sich dem Herzog ergeben. Wenige Monate später belehnte Kaiser Lothar den Regensburger Bischof mit seinem Hochstift. Das öffnete auch den Weg zur Aussöhnung Bischof Heinrichs mit dem Bayernherzog. Umsonst war es nicht. Der Bischof musste die hochstiftische Grafschaft um Kitzbühl und Rattenberg dem Herzog Heinrich dem Stolzen zum Lehen geben. Auf Lothars 2. Italienzug war auch der Regensburger Bischof dabei. Im Jahr 1137 wurde Heinrich sogar vom Kaiser zum Erzkanzler für Italien ernannt.

Auf der Rückkehr von diesem Italienzug starb Kaiser Lothar am 3.12. 1137 in Breittenwang bei Reutte in Tirol. Er hatte seinem Schwiegersohn Heinrich die Markgrafschaft Tuszien und das Herzogtum Sachsen verliehen. Vor allem hatte er ihm die Reichsinsignien übertragen, was durchaus als Designation zum König verstanden werden konnte. Doch der Staufer Konrad wurde von einer Minderheit  welfenfeindlicher Fürsten am 7. März 1138 in Koblenz in der Basilika St. Kastor zum König ausgerufen. Konrad war ein Enkel Heinrichs IV. und betonte die Kontinuität der salischen Herrschaft in  seiner Person. Aber ein gewichtiger Grund war sicher auch, dass Konrad über eine wesentlich schwächere Machtbasis als der Welfe Heinrich und Fürstenschaft und Kirche glaubten, Konrad besser unter Kontrolle halten zu können. Bischof Heinrich stellte sich auf die Seite des neuen Königs, was bei den verwandschaftlichen Bindungen der Staufer und des Hauses Andechs ja nicht verwunderlich war. Wenn immer Konrad in Regensburg war, war Heinrich in seiner Nähe zu finden. 1147 hatte Adam, der erste Abt von Ebrach in Regensburg zum Kreuzzug aufgerufen. Adam war mit Bernhard von Clairvaux befreundet und von diesem mit der Kreuzzugspredigt in Ostfranken und Bayern beauftragt worden.

Auch Bischof Heinrich nahm das Kreuz und brach gemeinsam mit König Konrad zum Kreuzzug auf. Dieser endete allerdings in einer Katastrophe und Bischof Heinrich kehrte nur wenige Monate später aus Kleinasien zurück. Der Vorwurf der Treulosigkeit, ja auch des Verrats wurden gegen den Bischof erhoben. Er habe Konrad den Rat gegeben, den verhängnisvollen Weg durch die phrygische Wüste zu nehmen. Doch Konrad selbst nahm den Bischof gegen diese Verunglimpfungen in einem Brief an Papst Eugen III. in Schutz. Heinrich ging im Jahre 1150 nochmals als Wallfahrer ins Heilige Land um sein Kreuzzugsgelübde zu erfüllen. Im Juni 1151 kehrte er wieder aus Palästina zurück. Als Reichsfürst trat er nicht besonders in Erscheinung. Als geistlicher Leiter seines Bistums führte er die Reformen seines Vorgängers fort. Er unterstützte die Gründung von Klöster. Unter seiner Regierung entstanden unter anderem die Konvente von Rohr (1133), Reichenbach (1135 Kirchweihe durch Bischof Heinrich), Paring (1141) oder Biburg (1133). Auch mit dem Bau der Steinernen Brücke in Regensburg wurde während seiner Amtszeit begonnen.

RegensburgSteinerne-Bruecke-und-DomBischof Heinrich verstarb im Mai 1155 und wurde in St. Emmeran in Regensburg begraben.

Weniger gut ging es dem Neffen des Bischofs, dem Grafen Otto V. Ottos Burg in Wolfratshausen ging im Frühjahr in Flammen auf . Er selbst wurde gefangen genommen und in Ravensburg drei Jahre in Haft gehalten. Seine Frau Richenza ging zu ihrem Vater, dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach zurück. Erst 1136 vor dem 2. Italienzug Lothars kam es zur Versöhnung mit Herzog Heinrich dem Stolzen.

Er begleitet ihn in dessen Gefolge nach Italien. Es ist nicht sicher, ob das ein echter Friedensschluss war. Wahrscheinlich schien es Herzog Heinrich ratsamer den alten Gegner in Gnaden aufzunehmen und so in seiner Nähe zu haben als ihn in der Heimat zurück zu lassen, während er in Italien weilte. am 10. November 1136 wurde er von einem Speer tödlich am Kopf getroffen. Otto hinterließ keine Kinder. so fiel sein Erbe an seinen Bruder, den Grafen  Heinrich II. Er scheint weitgehend

der politischen Linie seines Onkels, des Regensburger Heinrichs gefolgt zu sein und wurde dadurch auch in dessen Auseinandersetzungen hineingezogen, so

bei der Belagerung der Burg Valley, bei der die Belagerer eine empfindliche Niederlage kassierten oder bei der Empörung gegen Herzog Heinrich Jasomirgott.

Auch in seinen Tegernseern Vogtsrechten wurde er in die Schranken gewiesen. Heinrich erkrankte schwer. Er machte fromme Stiftungen für sein Seelenheil

Er starb am 2. Mai 1157 kinderlos. Die Wolfratshausener Linie der Grafen von  Diessen war mit Heinrich erloschen. Ihr Besitz fiel an die Andechser Linie.

 

        Die Grafen von Andechs

Die Andechser Grafen hatten sich aus den kriegerischen Händel, die vor allem im Konkurrenzkampf zwischen Staufern und Welfen wurzelten herausgehalten.Ihr Stammbesitz lag natürlich um Diessen und die Burg Andechs. Aber auch in Franken waren sie begütert und die Anfänge einer zielstrebigen Territorialpolitik in Franken lassen sich ab etwa 1110 verfolgen.  Um Schweinfurt lebten die Grafen von Schweinfurt. Das waren mit die mächtigsten Territorialherren in Ostfranken.

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Um 955 wird Otto III. von Schweinfurt geboren. Er war von 1024-1031 Graf im Nordgau und loyaler Gefolgsmann des Saliers Heinrich III. Dieser ernannte 1047 zum Herzog von Schwaben. Er war mit Irmingard der Tochter des Markgrafen Ulrich Manfred von Turin aus der Familie der Arduine verheiratet. Er hatte mit Irmingard 5 Töchter. Die Älteste war mit dem Grafen Herrmann von Kastl verheiratet und nach dessen Tod um 1074 heiratete sie dessen Bruder Friedrich. Die jüngste Tochter Gisela war mit Arnold von Diessen verheiratet. Judith war in erster Ehe mit Herzog

Konrad I. von Bayern verheiratet. Eine Tochter, Eilika, ging ins Kloster und wurde Äbtissin von Niedermünster in Regensburg und Beatrix war mit Heinrich II. von Hildrizhausen  im Schönbuch verheiratet. Als Otto 1057 starb wurde das Erbe unter die vier verheirateten Töchter und die Witwe aufgeteilt. An Gisela fielen die Güter um Kulmbach und die Plassenburg. Gisela und Arnold hatten zwei Söhne, nämlich Gebhard und Berthold II. Die beiden Söhne teilten sich das väterliche Erbe auf. Gebhard erhielt den Besitz am Inn und die Hallgrafschaft, Berthold den altbayrischen und fränkischen Besitz.

In Oberfranken hatten die Bischöfe von Bamberg, vor allem Bischof I. (um 1060-1139)  im 12. Jahrhundert begonnen, ihr Hochstift mit einem Burgenkranz zu sichern. Vielleicht als Antwort auf diese Burgenpolitik hat auch Berthold begonnen, seine Besitzungen im Zweimaingebiet mit Burgen zu sichern. Spätestens zu Beginn der 30-er Jahre ist wohl die Plassenburg errichtet worden. Seit 1137 werden Berthold und seine Kinder immer wieder als Grafen von Plassenburg bezeichnet. Um dieselbe Zeit ist wohl Kulmbach zu Füssen der Plassenburg gegründet worden. Um 1174 taucht der Ort in den Quellen auf. Auch um Bayreuth hatte man um diese Zeit mit dem Landesausbau begonnen. Nicht nur um die fränkischen Besitzungen kümmerte sich Berthold. Er war auch häufig als Vogt von Benediktbeuren tätig und auch Dießen behielt er im  Auge. Gewicht scheint auch der Besitz in den östlichen Alpenländern gehabt zu haben. Eine enge Beziehung hatte Berthold zu dem 1074 wieder errichteten Kloster in der Steiermark, was nicht verwunderlich ist. Hatte doch Admont mit Abt Wolfhold (1115-1137) und Abt Gottfried (1138-1165), die beide als Mönche aus St. Georgen kamen und das Kloster Admont nach dem Vorbild von Hirsau-St. Georgen formte. Die “Admonter Reform” strahlte unter vielen anderen Klöstern auch auf Benediktbeuren aus. Graf Bertold übergab seine Tochter Kunigunde der geistlichen Gemeinschaft in Admont und beschenkte das Kloster. Auch Agnes, die Tochter Graf Ottos III. von Wolfratshausen erhielt in Admont ihre Erzziehung vor sie Äbtissin in Neuburg an der Donau wurde. Seit Beginn der 40-er Jahre hielt sich Berthold auffallend häufig am königlichen Hof Konrads auf. Er wird praktisch jedes Jahr als Zeuge in Königsurkunden genannt. Das mag damit zusammenhängen, dass seine Interessen nun mit den mit den weltlichen Interessen der Bischöfe von Bamberg kollidierten. Über verschlungene Erbwege waren weitere Teile aus der Hinterlassenschaft Ottos von Schweinfurt an die Grafen von Andechs gelangt. Ottos Witwe Irmingard hatte in 2. Ehe den Grafen Ekbert von Schweinfurt geheiratet. Aus dieser Ehe ging ein Sohn hervor, der Markgraf Ekbert II. von Meissen. Dieser blieb kinderlos. Dessen Witwe  Oda übertrug diesen Besitz an ihre Schwester Kunigunde von Beichlingen.Diese stattete ihre Tochter Mechthild mit diesen Gütern aus. Noch zu Lebzeiten der Mutter hatte deren Tochter Adela die Burgen Giech und Lichtenfels. Adela heiratete

einen  Grafen Reginboto von Giech. Deren gemeinsame Tochter Kunizza wiederum heiratete  Grafen von Andechs-Plassenberg  Poppo I., den Sohn Bertholds II.Aus Bamberger Sicht stellte der erneute Gebietszuwachs der Andechser eine Bedrohung der weltlichen Herrschaft des Hochstifts dar, zumal die Andechser Besitzungen  sich nun die zwischen hochstiftischen Gütergruppen um Banz und Burg- bzw. Altenkunststadt schoben. außerdem konnte die wichtige Talstraße von Bamberg nach Kronach vom nun andechsischen Lichtenfels kontrolliert werden. Unter dem Bamberger Bischof Otto I. stellte dies noch kein Problem dar. Doch sein Nachfolger Bischof Egilbert (1139-1146) sah das anders. Wohl auf Betreiben des Bischofs wurde die Ehe zwischen Kunizza und Poppo wegen zu naher Verwandtschaft für ungültig erklärt. Kunizza übereignete ihre Erbschaft dem Hochstift und trat ins Kloster ein. Poppo nahm dies nicht so einfach hin, zumal aus der Ehe bereits ein Sohn, Heinrich, hervorgegangen war. Es kam zu einer längeren Fehde, die erst 1143 mit einem Schiedsvertrag beendet wurde. Zunächst schien es, dass der Vertrag ein Erfolg für das Hochstift war, doch bald zeigte sich, dass die Andechser die besseren Karten hatten. Dem Bischof waren die Befestigungen vor Burg Giech zugesprochen, dazu die Hälfte der Burg Lichtenfels sowie mehrere Güter im Maintal. Die übrigen Güter aus der Erbschaft sollten bei Poppo und dessen Sohn Heinrich sowie dem Bruder Poppos, Graf Berthold III. auf Lebenszeit verbleiben und nach deren Tod an das Hochstift Bamberg fallen. Für den Verzicht auf einen  Teil der Mitgift wurden die Andechser mit der Grafschaft im Radenzgau entschädigt. Der Radenzgau deckt sich im wesentlichen mit dem heutigen Regierungsbezirk Oberfranken ohne Bamberg. Aber Graf Poppo nahm ebenfalls das Kreuz. Vor seiner Abreise gab er seinen Sohn Heinrich ins Kloster Admont, damit er dort Mönch werde. Poppo starb nun 1148 bei Konstantinopel. Nun trat Graf Berthold III. das Erbe an. Von einem Verzicht war nicht mehr die Rede. Berthold verhandelte mit dem Nachfolger Bischof Egilberts, dem Bischof Eberhard II. von Otelingen (1146-1170) neu. In dem Giechburgvertrag von 1149 wurde festgelegt, dass der zukünftige Erstgeborene von Berthold in den Besitz des Giecher Erbes gelangen sollte.

300px-GiechburgMit dem Giechburgvertrag hatte Berthold noch zu Lebzeiten  seines Vaters bewiesen, dass er auch er durchaus in der Lage war, den Besitz des Hauses zusammen zu halten. Auch dass er die Vogteien über die Klöster Langheim (1132 als Tochterkloster von Kloster Ebrach gegründet) und St. Getreu in Bamberg (1124 von Bischof Otto gestiftet) gewinnen konnte, belegt die wachsende Stärke der Andechser.

Graf Berthold II. verstarb 1151. als 1157 die Wolfratshausener Linie ausstarb, war das Familiengut im westlichen Alpenvorland wieder in einer Hand vereint. Graf Berthold war in erster Ehe mit Sophie von Istrien, die als Mitgift Güter südöstlich der Alpen in das Haus Andechs eingebracht hatte, verheiratet. Nach dem Tod ihres Bruders, des Markgrafen Poppo III. von Istrien, 1141 konnte Berthold auch einen Großteil des Erbes in Krain, Kärnten und der Untersteiermark sichern.Als Sophie starb heiratete Berthold in 2. Ehe Kunigunde die Tochter des Grafen Ekbert II. von Formbach. Als die Familie von Formbach mit Kunigundes Bruder Ekbert III. ausstarb, erhob Berthold III. Ansprüche auf diesen Besitz. Die ostbayrischen Besitzungen der Formbacher bestanden zu einem großen Teil aus Reichslehen. Den Ausschlag zum Erwerb dieser Besitzungen dürfte die Nähe Bertholds zum Staufer Kaiser Friedrich I. gewesen sein. Er stand schon seit Jahren im Dienste Friedrichs. Nach dem Tod König Konrads hatte er an den Gesprächen teilgenommen, die die Bischöfe von Bamberg und Würzburg 1152 mit Friedrich von Schwaben, dem späteren Kaiser Friedrich wegen der Königswahl führte. Er scheint sich auch in den Jahren 1154-1158 ständig am Hofe Friedrichs aufgehalten zu haben. Auch sein Bruder Otto IV. dürfte zu den Mitarbeitern des Hofes gezählt haben. Otto war Kanoniker am Augsburger Dom und der Propstei St. Stephan in Bamberg. Daneben hatte er auch die Würde eines Propstes am Aachener Marienstift inne. Diese Würde war zumeist Mitgliedern der Hofgeistlichkeit vorbehalten. Otto wurde schließlich 1164 zum Nachfolger Bischofs Hartmann von Brixen (1140-1164) gewählt. Bischof Hartmann war von Konrad zunächst nach Salzburg berufen worden und dann auf Betreiben Konrads 1140 Bischof in Brixen. Er war schon in Salzburg als Leitfigur der gregorianischen Kirchen-und Klerusreform gesehen worden und hatte als eifriger Reformbischof in Brixen großes Ansehen genossen.

Otto verdankte seinen Aufstieg sicher vor allem dem Einfluss des Kaisers, der das an einer der wichtigsten Alpenstraßen gelegene Bistum in sicheren Händen wissen wollte. Zur Zeit der Wahl Ottos herrscht in der Kirche Schisma. Seit der Wahl von 1159 gab es zwei Päpste und zwar Alexander III. und Viktor IV. Viktor IV. unterstützte Friedrich. Nur ein auf Seiten Viktors stehender Oberhirte hätte Otto zum Bischof weihen können. Er verzichtete deshalb nach der Belehnung durch den Kaiser auf die Weihe. Deshalb benötigte er in Brixen einen Hilfsbischof, der die geistlichen Funktionen für ihn ausüben konnte. Die weltlichen Funktionen aber nahm er energisch wahr. Wahrscheinlich im Einverständnis mit dem Kaiser belehnte er seinen Bruder Berthold mit Grafschaftsrechten im Inn- und Pustertal. Außerdem übertrug er ihm die Vogteien über das Hochstift sowie über das von Hartmann 1140 gegründete Kloster Neustift bei Brixen. Graf Berthold hatte nun die Kontrolle über den Weg nach Süden über das Eisacktal und den Brenner. Dieser Machtzuwachs veranlasste viele Angehörige freier Familien als ministeriale in Andechser Dienste zu treten, wie zum Beispiel die Herren von Freundsburg und Rotenburg im Inntal, im Wipptal die Familien von Matrei und Stubai, südlich von Brixen die Herren von Säben, Villanders und Gufidaun.

Otto verzichtete 1170 aus uns unbekannten Gründen auf das Hochstift Brixen. Er wurde dann allerdings 1177 zum Nachfolger des verstorbenen Bischofs Hermann II. zum Bischof von Bamberg gewählt. Trotz des Rücktritts Ottos blieben die Rechte, die Graf Berthold durch seinen Bruder dazugewonnen hatte, bei seinem Haus. Er gründete in der Nähe von Amras, dem ursprünglichen Herrschaftszentrum der Andechser im Inntal einen Markt. Von den Prämonstratenser in Wilten erwarb er Grund zu seinem auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses gelegen Gebiet und ließ beide Plätze durch eine Brücke verbinden. Dieser Handelsplatz der nach der Innbrücke benannt wurde, erlangte bald  große Bedeutung.

2001

1040 war Istrien von Heinrich III. in eine Markgrafschaft des Heiligen Römischen Reiches umgewandelt. Zuletzt hatten sie die Spanheimer inne. Engelbert III. war mit Mathilde von Sulzbach, der Tochter Berengars von Sulzbach und Adelheids von Diessen verheiratet. Engelbert verstarb 1173 ohne Nachkommen. Daraufhin vergab Friedrich Barbarossa die Markgrafenschaft an Berthold III. Das bedeutete keinen Machtzuwachs für die Andechser, da sie in Istrien nicht begütert waren und es auch nicht wurden. Auch hatte Berthold markgräfliche Rechte dort nicht ausgeübt. Aber die Andecher waren nun im Kreis der Reichsfürsten angekommen. Der Reichfürstenstand hatte im 12. Jahrhundert als eine neue, sowohl gesellschaftlich als auch verfassungsrechtlich bedeutsame Gruppe herausgebildet. Friedrich Barbarossa hatte die territorialen Herrschaften neu zugeschnitten. An die Stelle der mächtigen Stammesherzogtümer traten kleinere territoriale Herrschaften, die durch das Reichslehnsrecht stärker vom König abhängig waren. Die Konsequenz war, dass die mächtigsten Fürsten herabgedrückt, die weniger mächtigen aufgewertet wurden. Wichtig war vor allem, dass dieser neue Reichsfürstenstand nach unten abgeschlossen war. Grafen zählten bis auf individuelle Ausnahmen nicht dazu. Nur wer vom König formell aufgenommen wurde, gehörte künftig zu diesem Kreis. Einen weiteren Beleg dafür, dass die Andechser im Hochadel angekommen waren lieferte die Erhebung von Bertholds Sohn, Berthold IV. zum Herzog Meranien von Ende 1180.

Das Herzogtum Meranien entstand  auch aus der Bildung einer kleineren Territorialherrschaft.  Konrad III. hatte den Welfen Heinrich den Stolzen entmachtete, ihn mit Acht und Bann belegt. Sein Nachfolger Friedrich suchte den Ausgleich mit den mit ihm verschwägerten Welfen. Heinrich der Löwe erhielt Teile des vormaligen Herzogtum Baierns als Lehen zurück. 1153 wurde dann ein Wittelsbacher, nämlich Konrad II. von Scheyern-Dachau zum Herzog von Meranien erhoben. Meranien, also am Meer gelegen, war ein kleiner Landstrich am Quarnero-Golf, den 1063 Ulrich von Weimar-Orlamünde Kroatien entrissen hatte. Ulrich war der Großvater von Sophie, die mit dem Grafen Berthold II. von Andechs verheiratet war.Konrad II. nannte sich aber meist Herzog von Dachau. so konnte dieser Titel des Herzogs von Meranien an den Markgrafen von Istrien neu vergeben werden. Anlas für diese Standeserhöhung war wohl die Vergabe des Herzogtum Bayerns an den Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach. Es scheint, dass dies bei einem Teil des bayrischen Adels auf Widerspruch stieß, so stark dass Grafen und andere hohe Herren den Wittelsbacher nicht als ihren neuen Herrn anerkennen wollten. So war mit der Verleihung des Titels eines Herzogs von Meranien  an das Haus Andechs sichergestellt, dass dieses auch in Zukunft den gleichen Rang einnehmen würde wie das Wittelsbacher Geschlecht. Berthold IV. war seit der Standeserhöhung zwar höheren Ranges als sein Vater. doch vertrat dieser weiter die Belange des Hauses.  Berthold IV. scheint bereits zu Lebzeiten seines Vaters die Verwaltung der Andechser Besitzungen an Donau und Inn übertragen bekommen zu haben.  1186 begleitete er König Heinrich VI., den Sohn Barbarossas nach Italien. Er scheint sich auch oft bei seinem Onkel Otto in Bamberg aufgehalten zu haben. Nach seinem Verzicht auf das Brixener Hochstift 1170 wurde er 1174 Dompropst in Bamberg. Nach dem Tod Bischof Heinrichs II. 1177 wurde er zu dessen Nachfolger in Bamberg gewählt. Wohl Anfang 1178 war er von Friedrich I. mit dem Hochstift belehnt worden. Da Papst Alexander III. mittlerweile mit dem Kaiser Frieden geschlossen hatte, stand einer Weihe zum Bischof während des 3. Laterankonzils im März 1179 nichts mehr im Wege. Als geistlicher Fürst nahm er mindestens einmal im Jahr, oft auch häufiger an Beratungen am kaiserlichen Hof teil. Außerdem scheint er auch eine wichtige Rolle in den Beziehungen des Kaisers zu den italienischen Kommunen und insbesondere zur Kurie eine Rolle gespielt zu haben. Vielleicht nahm er auch deshalb an der Kaiserkrönung Heinrichs VI. 1191 in Rom teil. 1185 brannte der Georgsdom in Bamberg ab. Er wurde abgerissen und erst 1215 mit der Neuerrichtung durch Bischof Ekbert von Andechs 1215 neu errichtet.

Bischof Otto, der in den Bamberger Bischofslisten als Otto II. geführt wird trug aber auch Sorge für sein Bistum. Burgen seines Hochstifts wurden nicht als Lehen weitergegeben und seiner Kirche entfremdet. Große Verdienste erwarb er sich um die Kolonisation und Kultivierung des Frankenwaldes. Er wies den Klöstern Langheim (1132 von Bischof Otto I. gegründet), Prüfening (1119 von Bischof Otto I. gegründet) und Ensdorf (1121 durch Otto I. gegründet) Waldgebiete mit der Auflage zu, diese zu roden und dort Kirchen zu errichten. Außerdem erreichte er 1189 die Heiligsprechung seines Vorgängers und 1139 verstorbenen Bischof Otto I.  1190 wurde auf seinen Entschluss das Spital am Pyhrn gegründet und einer Laienbruderschaft übergeben. 1196 war Otto noch auf dem Reichstag in Würzburg dabei, als Heinrich VI.  die Reichsfürsten für seinen Plan, das römische Reich in eine erbliche Monarchie umzuwandeln zu gewinnen suchte. Otto gab seine Zustimmung.

Kurze Zeit nach dem Reichstag verstarb er  und wurde im wohl nur notdürftig hergestellten Dom begraben.

Herzog Berthold IV. war wie sein Vater und Onkel der staufischen Sache eng verbunden. Er trat im Heer Friedrich Barbarossas 1189 von Regensburg aus den Kreuzzug an, bei dem der Kaiser 1190 im Saleph ertrank. Die meisten Kreuzfahrer traten nun den Heimweg an. Nur ein kleiner Rest unter ihnen Herzog Berthold setzten den Zug fort. Er scheint bis 1191 im Heiligen Land geblieben zu sein und dann auf dem Seeweg nach Europa zurückgekehrt zu sein. Über die Jahre nach dem Kreuzzug sind wir nicht besonders gut unterrichtet. Er erschien aber häufig auf den Reichstagen. Als nach dem Tod Heinrichs VI. wieder zwei Könige Philipp von Schwaben, der Bruder des Verstorbenen und Otto IV. ,der Sohn Heinrich des Löwen, um die Macht in Deutschland kämpften findet man Berthold wieder auf der Seite der Staufer.

Das Ansehen des Hauses Andechs war nie größer als unter Bertold. Das zeigt sich auch in Heiratsperspektiven der Töchter. Früher wurden die Frauen der Andechser meistens mit deutschen Grafen verheiratet. Jetzt konnten die Töchter an ausländische Höfe verheiratet werden. Alle Töchter Bertholds IV. entstammten seiner zweiten Ehe mit Agnes von Rochlitz aus dem Hause Wettin. Die Wettiner hatten zu diesem Zeitpunkt schon die Markgrafenwürde in Meißen inne. Hedwig (1174-1243) wurde im Benediktinerinnenkloster in Kitzingen erzogen. Ihre Schwester Mechthild wurde dort späte Äbtissin. Mit 12 wurde sie mit dem schlesischen Piastenfürsten Heinrich verheiratet (um 1165- 1238). Heinrich war Herzog von Schlesien und wurde 1233 auch Herzog von Polen.Hedwig wurde Herzogin von Schlesien. Aus der ehe gingen sieben Kinder hervor. Die Geburtenfolge von Agnes und Hedwig ist nicht ganz sicher.  Agnes wurde entweder 1172 geboren, dann wäre sie die erste Tochter oder 1175, dann wäre sie nach Hedwig geboren. Agnes wurde 1196 mit König Philipp II. von Frankreich verheiratet. Dieser hatte sich  allerdings am 14. August 1193 mit Ingeborg, der Schwester König Knuds IV. von Dänemark verheiratet, nachdem seine erste Gemahlin,Isabella 1190 gestorben war.

Schon gleich nach der Krönung am nächsten Tag soll Philipp eine offene Abneigung gegen seine neue Gemahlin gezeigt haben. Kurz nach der Hochzeit verstieß er sie und betrieb ein Scheidungsverfahren. Im November hob Erzbischof Wilhelm von Reims den Ehebund mit fadenscheinigen Gründen auf. Ingeborg wurde in ein Kloster abgeschoben. Zwar hatte sich der König scheiden lassen, aber die Kurie hatte dem von französischen Prälaten ausgesprochenen Scheidungsurteil nicht zugestimmt. Die meisten Zeitgenossen beurteilten die neue Verbindung des Königs ziemlich negativ. Die Andechserin wurde als Ehebrecherin, Beischläferin abqualifiziert. 1198 bestieg Papst Innozenz III.den Stuhl Petri.Er zwang Philipp sogar 1200 sich von Agnes zu trennen, obwohl beide schon eine Tochter hatten. Er musste sich einem päpstlichen Tribunal für Eheangelegenheiten unterwerfen. Als das Gericht im Frühjahr 1201 zusammentrat. Als sich andeutete dass ein Urteil zugunsten von Ingeborg zu erwarten war, verließ Philipp kurzerhand die Versammlung , noch ehe die nach Frankreich entsandten Kardinallegaten verkündet hatten. Agnes verstarb 1201 nach der Geburt ihres Sohnes Philipps. Damit hatte die Auseinandersetzung Philipps mit der Kurie ein Ende. Aus der Beziehung waren zwei Kinder hervorgegangen, nämlich der erwähnte Philipp “Hurepel”(+ 1234), der nachmalige Graf von Boulogne und Namur sowie zuerst Maria (+ 1223), die zunächst Philipp, Markgraf von Namur und nach dessen Tod 1212 zwei Jahre später Herzog Heinrich I. von Brabant (+ 1235) heiratete. 1201 rückte die Kirche von ihrer harten Haltung ab. Der Papst fertigte eine Bulle aus in der die Kinder “speciali gratia” legitimierte. In der Bulle wird dem König zugestanden, dass er davon ausgegangen sei, dass zwischen ihm und Agnes ein rechtmässiges vinculum conjugale bestanden habe.   Der französische König ließ Agnes in Saint-Corentin bei Mantes honorifice, also in allen Ehren bestatten. Den dort bestehenden Damenkonvent baute er zu einer stattlichen Abtei aus. 1213 setzte er Ingeborg wieder pro forma in ihre Rechte als Königin ein.

Um 1185 wurde Gertrud geboren. Sie heiratete vor 1203 den Sohn des ungarischen Königs Bela III. (um 1148 bis 1196) Andreas (um 1177-1235). Sein Bruder Emmerich verdächtigte ihn, wohl nicht zu Unrecht die ungarische Königswürde zu usurpieren.220px-Andreas_Getrude_Ungarn

 

Schon 1197 hatte er sich  gegen seinen Bruder erhoben und ihm mit Waffengewalt die Abtretung Kroatiens, Dalmatiens und Slawoniens abgetrotzt. Diese Gebiete hatte Bela erst wieder für das Arpadenreich zurückgewonnen. 1203 setzte er Andreas in Gran fest.

Seinen Sohn Ladislaus, der sich noch im Kleinkindesalter befand, hatte er zum Mitkönig eingesetzt und damit seinem Bruder die Nachfolge versperrt. Die Gemahlin von Andreas, Gertrud entledigte er ihrer Güter und schickte sie nach Deutschland zurück.

Warum es zu dieser andechsisch-arpadischen Eheverbindung gekommen war, lässt sich nur vermuten. Sicher hatte der Vater Gertruds, Herzog Bertold IV., ein strategisches Interesse, familiäre Beziehungen zu Geschlechter zu gründen, deren Herrschaftsgebiete

im Umkreis des eigenen Reichslehen an der oberen Adria lagen. Aber sicher hatte auch Andreas seine Gründe, Rückhalt bei den Staufern im Thronstreit mit seinem Bruder zu suchen. Im deutschen Thronstreit, der nach dem überraschenden Tod Heinrichs VII. 1197

war Papst Innozenz III. als Schiedsrichter aufgetreten und hatte den Welfen Otto IV. , den Sohn Heinrichs des Löwen unterstützt, nachdem dieser im “Neußer Eid” am 8. Juni 1201 die päpstlichen Gebietsforderungen in Sizilien und Mittelitalien anerkannt hatte.

Auf Bitten des Papstes hatte Emmerich den Welfen mit einem Truppenkontingent unterstützt. Dieser Gegensatz könnte auch die harsche Behandlung Gertruds durch Emmerich erklären. Die Lage für  Andreas wendete sich allerdings schnell. Emmerich hatte seinen

Bruder aus der Haft entlassen und starb kurz danach 1204. Emmerichs Witwe floh kurz nach Emmerichs Tod mit i9hrem Sohn Ladislaus an den babenbergischen Hof in Österreich. Als der Thronfolger 1205 im Exil starb, war der Weg für Andreas endgültig frei. Seine

Gattin Gertrud hatte er bereits wieder aus Deutschland zurückgeholt. Gertrud hatte einen großen Einfluss im Königreich Ungarn. Sie begünstigte ihre Landsleute in Ungarn stark, was ihr die Feindschaft der ungarischen Adelsopposition einbrachte. Der

herausragende Protégé war ihr Bruder Berthold V. (um 1180-1251). Auf ihr Betreiben wurde Berthold zum Erzbischof von Kalocza erwählt. Auch sein Schwager begünstigte ihn weiter. Er wurde 1209 zum Banus von Dalmatien und Kroatien ernannt, was etwa einem

Markgrafen entsprach. 1212 wurde er Vojvode von Siebenbürgen, das entspricht etwa einem Herzog. Kurz danach erhielt er noch die Bács und Bodrog verliehen. Diese Bevorzugung scheint die Ungarn besonders verärgert zu haben. 1213 befand sich Andreas auf

einem Feldzug in Halitsch in Galizien. Die Adligen nutzten die Abwesenheit des Königs, überfielen das Gefolge Gertruds. Die meisten der fremden Adligen wurden erschlagen, die Königin regelrecht zerstückelt. Nach seiner Rückkehr nahm Andreas blutig Rache und

ließ zahlreiche Verschwörer ebenfalls zerstückeln. Bertold geriet in Gefangenschaft, konnte aber entfliehen. Sein Aufstieg war kurzzeitig unterbrochen. Papst Honorius III. (1216-1227) ernannte ihn 1218 zum Patriarchen von Aquileja. Bis zu seinem Tod 1251 war er

dort als erfolgreicher Kirchenfürst tätig. Er stärkte die landesherrliche Stellung des Patriarchats in Friaul erheblich. Andreas blieb nicht lange Witwer. Er heiratete 1215 Jolanthe von Courtenay. Aus der Ehe mit Gertrud waren 5 Kinder hervorgegangen, nämlich Maria

(1204-1237), die mit dem Zaren von Bulgarien Iwan Asen verheiratet war, dann Bela IV. 1206-1270, der 1235 König von Ungarn wurde, Elisabeth (1207-1237), die schon mit 4 Jahren dem Landgrafen von Thüringen versprochen wurde und an dessen Hof kam. 1221

heiratete sie den Landgrafen Ludwig, der aber schon 1227 auf dem 5. Kreuzzug an einer Seuche starb. Elisabeth wurde schon 1235 heilig gesprochen. Auf Elisabeth folgten noch zwei Söhne, nämlich Koloman (1208-1241), der Fürst von Halitsch wurde und Andreas,

der 1234 verstarb, Fürst von Halitsch-Prezmysl wurde und 1221 Maria von Nowgorod heiratete.  Die beiden Andechserinnen also zu mindestens kein glückliches Ende. Agnes starb in einem  Kloster an gebrochenem herzen und Gertrud wurde ermordet. Die vierte

der Schwestern Mechthild starb 1254 als Äbtissin von Kitzingen. Die männlichen Nachkommen Bertholds wurden zwei Geistliche, nämlich Berthold  V., der schließlich Patriarch von Aquileja wurde und Ekbert, der von 1203-1237 Bischof von Bamberg war.

Die beiden im weltlichen Stand verbliebenen Söhne teilten sich das Erbe Bertholds IV. Otto VII. (1204-1234) folgte seinem Vater in der Herzogswürde nach. Er erbte den ausgedehnten fränkischen Besitz sowie die Grafschaft Windberg aus dem Formbacher Erbe.

Heinrich IV.(um 1175-1228) übernahm den Markgrafentitel. Er erbte die altbayrische Hinterlassenschaft sowie die Familiengüter in den Alpen.

                                  Der Königsmord von Bamberg

Höhepunkt der Andechser Familiengeschichte sollte die Ehe zwischen Otto VII. Beatrix von Burgund werden. Sie war die Tochter des vierten Sohns von Barbarossa Pfalzgraf Otto (1170-1200)und Nichte Philipps von Schwaben. Eine langjährige treue Gefolgschaft

sollte nun mit einer Eheverbindung der Staufer und Andechser abgeschlossen werden. Aber auch die ungeregelten Machtverhältnisse in der Grafschaft Burgund sollten neu geregelt werden. Philipp beabsichtigte, die Grafenrechte und den staufischen Besitz in

Burgund an Otto zu übertragen und diesen Besitz durch die Vermählung familienpolitisch und erbrechtlich abzusichern. Am 21. Juli 1208 nun versammelte sich der staufertreue Adel in der Residenz des Bischofs von Bamberg, Ottos Bruder um zusammen mit dem

König zu feiern. Da ermordete Pfalzgraf Otto von Wittelsbach den König, wohl eine Privatrache. Philipp soll1203 seine 5 – jährige Tochter Beatrix mit Otto verlobt haben. 1208 aber dachte Philipp gar nicht daran, dem Wittelsbacher eine seiner Töchter zur Frau zu

geben. Das Verlöbnis wurde annulliert. Otto fühlte sich persönlich gekränkt und ermordete Philipp in Bamberg.  Ekbert und Heinrich gerieten in den Verdacht der Mitwisserschaft und wurden ebenso wie der Mörder in Acht und Bann getan.

Reichsmarschall Heinrich von Kalden stellte den Vogelfreien bei Kelheim und tötete ihn.

Der Vetter des Mörders Ludwig I. von Baiern (1183-1231) wechselte ohne Bedenken die Seiten und stellte sich auf die Seite des Welfen Gegenkönigs Otto IV. So rettete er den wittelsbachischen Familienbesitz und außerdem brachte er auch die Lehen und  den

Andechser Familienbesitz in Oberbayern an sich. Es ist durchaus denkbar, dass er bei der Verhängung der Acht über die Andechser seine Hände im Spiel hatte.

Otto geriet nie in den Verdacht der Mitwisserschaft und durfte auf seinen Gebieten verbleiben. Ekbert und Heinrich aber verloren ihren ganzen Besitz, alle Rechte und Einkünfte. Sie waren recht und friedlos

Die politische Großwetterlage änderte sich wieder.  Die Stauferpartei wollte Friedrich mit Unterstützung Papsts Innozenz gegen Otto IV.  zum König machen. Dafür brauchte der Papst Unterstützung. So konnte Ekbert 1211 auf den Bischofstuhl in Bamberg

zurückkehren. Mit Heinrich gelang schließlich auch ein Ausgleich mit dem Baiernherzog. Er kostete zwar Bamberger Güter, aber der Markgrafentitel sowie Besitz um Wolfratshausen, Diessen und Starnberg, sowie die Vogteien über die Klöster Benediktbeuren und

Tegernsee gingen an die Andechser zurück.

170px-Ekbert

                                                                            

Heinrich wurde 1228 rehabilitiert. Er verstarb  aber im selben Jahr kinderlos. Seine Güter fielen an seinen Bruder Otto VII. Herzog Otto VII. hatte aus seiner Ehe mit Beatrix einen Sohn Otto VIII. und 5 Töchter,

nämlich Agnes, Beatrix, Margarethe, Alice und Elisabeth. Der Sohn ist 21226 bezeugt. 1234 erbt er das Herzogtum Meranien und die Pfalzgrafschaft Burgund. Im selben Jahr heiratete er Elisabeth von Tirol, die Tochter des Grafen Adelbert III. von Tirol.

Zu Beginn seiner Herrschaft stand er unter der Vormundschaft seines Onkels des Bischofs Ekbert von Bamberg. Der 1237 verstarb. Aber auch Otto verstarb 1248 kinderlos, so dass das Haus Andechs-Meranien ausgestorben war. Das Erbe wurde unter die 5 Schwestern

Ottos VII. aufgeteilt.

 

                  Die Heiligen des Hauses Andechs

 

Neben den eher sagenhaften Heiligen aus der Frühgeschichte der Andechser hat die Familie auch zwei historisch belegte, kanonisierte Heilige, nämlich die heilige Hedwig und die heilige Elisabeth.

Wie wir oben gesehen haben, lebte Hedwig in der Glanzzeit der Andechser Familie. Sie wurde wahrscheinlich 1174 geboren. Zunächst wurde sie ins Benediktinerinnenkloster in Kitzingen zur Erziehung gegeben, wo ihre Schwester später Äbtissin wurde.

Hedwig_von_Schlesien

Schon mit zwölf wurde sie1186 an den Piastenfürsten Heinrich verheiratet. Der Ehe entstammten 7 Kinder, nur drei ihrer Kinder erreichten das Erwachsenalter. Bolko von Schlesien, ist zwischen 1190 und 1194 geboren. Konrad von Schlesien ist 1191 geboren und kam

bei einem Jagdunfall ums Leben. Heinrich II. kam 1196 auf die Welt und fiel 1241 in der Mongolenschlacht bei Liegnitz. Sophia ist zwischen 1188 und 1190 geboren und Agnes um 1190. Gertrud war mit dem Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach verlobt, dem wir schon

beim Bamberger Königsmord begegnet sind. Nach Ottos Tod wird Gertrud später Äbtissin von Trebnitz.

1201 verstarb Boleslaw der Lange (1127-1201) , der Vater Heinrichs. Hedwigs Gatte trat nun die Nachfolge an. Aber auch die Ehefrau trat sofort in Erscheinung. Sie nahm mit Eifer an den Regierungsgeschäften teil. Das erste Werk des jungen Herzogpaars war die

Gründung des Frauenklosters Trebnitz. Schon 1202 stellte der Papst die Schutzurkunde aus. Natürlich unterzeichnete Heinrich dem damaligen Recht entsprechend die Urkunden, aber nicht nur die Legende besagt, dass Hedwig die eigentliche Gründerin des Klosters

war. Hedwig soll ihren Brautschatz zur Gründung des Klosters gestiftet haben. Das Kloster wurde den Zisterienserinnen übertragen. Als Äbtissin berief Hedwig Petrissa, ihre ehemalige Lehrerin aus Kitzingen. Auch bei der Besiedelung des Klosters wurden familiäre

Bindungen wirksam. Die Zisterzienserinnen kamen vom Karmeliterkloster St. Theodor in Bamberg, wo Hedwigs Bruder Ekbert Bischof, und Hedwigs Onkel Poppo Dompropst waren. Im Kloster wurden sowohl adlige als auch nichtadlige Frauen aufgenommen, in

damaliger Zeit keineswegs selbstverständlich. Deutsche wurden ebenso wie Slawinnen aufgenommen. Die Nonnen waren als Lehrerinnen zahlloser Klostertöchter tätig und mussten auch die Bevölkerung ärztlich betreuen. Trebnitz war das erste Frauenkloster im

östlichen Raum und von hier aus erfolgten zahlreiche weitere erfolgreiche Klostergründungen. Das Herzogspaar stiftete nun viele weiter Kirchen und Klöster. Unter Boleslaw war die Ansiedlung von Deutschen noch eher sporadisch erfolgt. Unter Heinrich und

Hedwig wurde sie durchdacht und in geordnete Bahnen gelenkt. Hedwig war eine fürsorgliche Landesmutter für alle, für neuangesiedelte Deutsche, für die ansässigen Slawen und die polnischen Hofleute ihres Mannes. Der schlesische Hof galt bald als beispielhaft

in Sitte und Frömmigkeit. Prunk und Überfluss am Hof wurden vermieden. Hedwig war bei ihren Untertanen beliebt wie selten eine Herrscherin. Sie galt als Mutter der Armen. 1209 legte sie zusammen mit ihrem Mann das Gelöbnis der ehelichen Enthaltsamkeit ab.

Ihr gesamtes Leben erschien nun als Wende zur Geistigkeit. Sie verschenkte ihre kostbaren Gewänder, verzichtet auf Schmuck. Die Legende berichtet, dass sie sich wie eine Arme kleidete und auch im strengen Winter keine Schuhe trug. Sie fastete und kasteite sich.

Sie verbrachte viele Stunden im Gebet. Sie lebte noch mehr für die Armen und Kranken. Sie hatte schwere Schicksalsschläge zu ertragen. Sie hatte zwei Kinder verloren, ein Neugeborenes dessen Taufe noch mit großem Pomp in Glogau gefeiert worden war. Dann

starb ein erwachsener Sohn bei einem Jagdunfall und wie das Chronicon silesiacum berichtet nach einem Streit mit dem Bruder. Schwer getroffen haben sie sicher die Vorgänge in Bamberg. Der Verlobte ihrer Tochter war zum Königsmörder geworden und selbst

getötet worden und schlimmer war für sie sicher, dass ihre Brüder der Mitwisserschaft geziehen und geächtet wurden. Kurz danach ist ja wohl auch die Burg ihrer Eltern zerstört worden. Sicher hatte aber auch die Ideen  der Franziskaner, das neue Armutsideal einen

starken Einfluss. Hedwigs Beichtvater Herbord war Franziskaner. 1238 schließlich starb Heinrich. 1241 bedrohten die Mongolen Europa. Hedwigs Sohn stellte sich ihnen in Wahlstatt bei Liegnitz und fiel in der Schlacht. Hedwig und ihr Konvent entkamen, weil sie sich

in Krossen an der Oder in Sicherheit bringen konnten. Hedwig starb am 15. Oktober 1243 in Trebnitz. Schon 1267 wurde sie von Papst Klemens IV. heiliggesprochen. sie ist die Patronin Schlesiens und Polens.

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Die heilige Elisabeth von Thüringen war die Tochter Gertruds von Andechs und Andreas von Ungarn.Sie wurde am 7. Juli 1207 wahrscheinlich in Sáraspotak in Ungarn geboren. Als Kleinkind ist Elisabeth wohl bald nach ihrer Geburt  an eine Amme gegeben  worden,

wie das damals an  Fürstenhöfen üblich war. Schon mit 4 Jahren wurde sie verlobt. Eine thüringisch-ungarische Eheverbindung wurde angestrebt. Natürlich verbanden sich damit politische Interessen. So hofften die staufisch gesinnten Reichsfürsten den

leben_sarospatak ungarischen König als Bundesgenossen gegen den welfischen Kaiser Otto IV. zu gewinnen. Zu diesen staufischen Parteigängern zählte der Mainzer Erzbischof Siegfried, König Ottokar I. von Böhmen, Herzog Leopold VI. von Österreich

und Landgraf Hermann I. von Thüringen. In dieser Zeit hielten  Bischof Ekbert von Bamberg und Herzog Heinrich IV. von Istrien wegen des Bamberger  als Königmords am ungarischen Hof als Flüchtlinge auf. Sie könnten am Zustandekommen des Heiratsvertrags

beteiligt gewesen sein. Belege gibt es dafür jedoch nicht. Profitiert hätten sie aber auf jeden Fall. Als Mitgift erhielt die ungarische Königstochter 1000 Mark Silber. Das ist ein ansehnlicher Betrag, aber durchaus nicht unüblich. Elisabeth wird von einem Grafen

Berthold und seiner Frau an den thüringischen Hof gebracht. Die beiden blieben über ein Jahr in Thüringen, bis sich das Kind in seine Umgebung eingewöhnt hatte. Elisabeth wurde in Thüringen zusammen mit den kindern des Landgrafen erzogen. Die Erziehung war

der Landgräfin Sophie, einer Tochter des Herzog Otto I. von Baiern, anvertraut. Sie galt als fromm. Der Hof des Landgrafen stand damals in hoher kultureller Blüte. Dichter und Sänger fanden dort gastliche Aufnahme. Die Wartburg wurde unter Hermann der Hauptsitz

der Ludowinger. Dort soll 1206 auch der Sängerkrieg stattgefunden haben, an dem Walter von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach teilnahmen. Hermann war am französischen Hof erzogen worden und mit zeitgenössischer französischer Literatur vertraut.

Er förderte deren deutsche Neubearbeitung. so sollen am, Landgrafenhof der Eneasroman von Heinrich von Veldeke, Wolframs Willehalm vielleicht auch Teile von Parzival, sowie Herborts von Fritzlars Liet von Troye.

Nach fränkischem Recht war Elisabeth mit 14 heiratsfähig. Sie wurde mit dem Landgrafen Ludwig vermählt. Ludwigs Bruder Hermann, mit dem die Heirat geplant war verstarb aber schon 1216 noch vor seinem Vater dem Landgrafen Herrmann I. Dieser starb 1217 und

nun trat Ludwig seine Nachfolge an. Eigentlich sollte Elisabeth nach Ungarn zurückgeschickt werden. Ludwig aber verliebte sich in Elisabeth und heiratete sie 1221, nachdem sie volljährig geworden war.Kurz nach der Eheschließung übernahm der junge Landgraf auch

die Vormundschaft über seinen Wettiner Neffen Heinrich den Erlauchten ( um 1215-1288), dem Sohn seiner Schwester Jutta. Ludwig und Elisabeth bekamen in rascher Folge 3 Kinder. Hermann benannt nach seinem Großvater väterlicherseits kam 1222

wie schon sein Vater Ludwig auf der Creuzburg an der Werra auf die Welt. Er heiratete 1239 Helene von Braunschweig. Er starb noch jünger als sein Vater, nämlich schon mit 19 kinderlos. Bei einem so frühen Tod gab es auch Vergiftungsgerüchte, die aber

nie bewiesen wurden. 1224 kam Sophie zur Welt. Sie heiratete später im Jahre 1239 Heinrich den II. von Brabant, nachdem dessen erste Frau Maria von Schwaben verstorben war. Heinrichs Tochter aus 1. Ehe Beatrix war übrigens die Gemahlin von Heinrich Raspe,

dem Onkel seiner 2. Frau Sophie. Mit ihr bekam Heinrich noch zwei Kinder,1243 Elisabeth  (+ 1261), die 1243 Herzog Albrecht I. von Braunschweig-Lüneburg heiratete und1244 den späteren Landgrafen Heinrich I. von Essen genannt das Kind. So wurde sie zur

Stammutter der späteren Landgrafen von Hessen. Ludwig war schon tot, als die dritte Tochter Gertrud geboren wurde. Sie kam in das Prämonstratenserstift Altenberg bei Wetzlar. Dort wurde sie 1248 Äbtissin, was sie bis zu ihrem Tod 1297 blieb.

Landgraf Ludwig begann seine Regentschaft gleich mit einem Feldzug gegen die Verbündeten des Erzbischof Siegfried von Mainz. Mainz und Thüringen waren die beiden konkurrierenden Territorialmächte in Thüringen und Hessen. Im Verlauf des Kriegszugs wurde

er von Siegfried mit dem Kirchenbann belegt. Zwar vermittelten die Äbte Kuno von Fulda und Ludwig  Hersfeld 1219 einen Frieden, doch der Konflikt brach im folgenden Jahr schon wieder aus. Der Markgraf kam dann wohl zu der Einsicht, dass der Mainzer Erzbischof

mit seinen territorialpolitischen Vorstellungen  einer Ausdehnung der thüringischen Herrschaft im Westen  im Wege stehen würde. Also vermied Ludwig künftig Auseinandersetzungen mit dem Erzbistum. Dieser Entschluss dürfte ihm auch durch die Übertragung

der Vormundschaft für seinen Neffen Heinrich erleichtert worden sein. Nun suchte Heinrich seine politischen  Ziele vorwiegend im mitteldeutschen Raum zu verwirklichen. Als treuer Anhänger Friedrichs II. scheint er sogar ausersehen gewesen zu sein, zusammen

mit dem Deutschen Orden das heidnische Preußen zu erobern.

Wie damals üblich wurde bei der Heirat die Witwenversorgung der Frau geregelt. Zu ihrer Mitgift in Höhe von 1000 Mark Silber erhielt sie vom Landgrafen einen Betrag in gleicher Höhe. Diese Summe durfte nicht veräußert werden, sozusagen “mündelsicher”

angelegt werden mussten, wurden ihr  anlässlich der Hochzeit Liegenschaften überschrieben, die ihr im Falle einer Witwenschaft ein standesgemäßes Leben ermöglicht hätte. Die Ehe scheint glücklich gewesen zu sein. Elisabeths Leben unterschied sich von dem

anderer Landesherrinnen durch ihre Frömmigkeit. Sie betete viel, erlegte sich körperliche Bussen auf, fastete und geißelte sich. Das lag durchaus im Zeitgeist. Außergewöhnlich aber war ihre karitative Tätigkeit. Sie zeigte eine beispiellose Fürsorge für Arme und

Kranke. pflegte Kranke und Elende und scheute sich auch nicht vor ekelerregenden Krankheiten. Als im Jahr 1226 eine große Hungersnot ausbrach, wurde sie zur Erretterin der Verhungernden, wie ihr Beichtvater Konrad von Marburg später an Papst Gregor IX.

schrieb. Sie ließ die gräflichen Kornspeicher öffnen und die Vorräte an die Hungernden verteilen. Auch Schmuck und Kleidung gab sie zum Ankauf von Lebensmitteln weg. Am Fuß der Wartburg ließ sie in Eisenach ein Hospital errichten, das sie zweimal täglich

besuchte. Nicht nur Erwachsene fanden dort Aufnahme, elternlose Kinder kamen dort unter. Dies scheint durchaus im Einvernehmen mit ihrem Gatten geschehen zu sein. Ganz wichtig in ihrem Leben war Konrad von Marburg.

Konrad ist zwischen 1180 und 1190 geboren. Er hatte an einer Universität kirchliches und weltliches Recht studiert, wie sein Titel Magister zeigt. 1214 erweckte er erstmals öffentliches Aufsehen durch seine Predigten. 1215 war er von Papst Innozenz III. beauftragt

worden, Kreuzzugspredigten zu halten. 1227 berief Papst Gregor IX. (1227-1241) erstmals päpstliche Sonderbeauftragte, sogenannte Inquisitoren, die in Deutschland nach Ketzern fahnden sollten. Eigentlich war das Aufgabe der Bischöfe. Sie kamen aber ihrer  nach

Meinung des Papstes ihrer Aufgabe nur mangelhaft nach. Die Kirche konnte zwar die Inquisitionsverfahren durchführen, war aber bei der Urteilsvollstreckung auf den “weltlichen” Arm der Gerichtsbarkeit angewiesen. Konrad wurde von Gregor für Deutschland

beauftragt. Konrad nahm seine Auftrag mit großem Eifer nach. Die Ketzerverfolgung nahm in Deutschland an Umfang und Schärfe zu. Da er auch vor hohen Adelskreisen und Bischöfen nicht zurückschreckte, machte er sich rasch viele Feinde.   Als er schließlich 1233

den Grafen Heinrich III. von Sayn, einen der mächtigeren Herren im Rheinland und selbst Kreuzzugsteilnehmer als Ketzerhelfer anklagen wollte, erreichte dieser dass der Fall der Inquisitionsgerichtsbarkeit entzogen und einem Reichsgericht im Dom zu Mainz

überstellt wurde, an dem auch Kaiser Heinrich VII. teilnahm. Nach dieser unerwarteten Niederlage machte sich Konrad in Begleitung zweier Mönche auf den Heimweg nach Marburg. Kurz vor erreichen seines Ziels lauerten ihm 6 Berittene auf, vermutlich

Gefolgsleute des Grafen zu Sayn unter ihnen als Hauptbeteiligte Mitglieder der Ritterfamilie von Dernbach, die ihren Hauptsitz in der Nähe von Herborn hatten und erschlugen Konrad und seine Begleiter.

Zurück zu Ludwig und Elisabeth. 1224 nahm Ludwig das Kreuz. Von Kaiser Friedrich erhielt er für sich und seine Begleiter einen Kostenzuschuss von 5000 Mark. Überhaupt unterhielt er freundschaftliche Beziehungen zum Kaiser. 1225 war Ludwig auf einem Feldzug

im Osten. 1226 wurde er zum Marschall von Friedrich ernannt, also einem der höchsten militärischen Dienstgrad. Außerdem erhielt er die Eventualbelehnung der Markgrafschaft  von Meißen. Im Frühjahr war er mit dem Kaiser auf einem Feldzug in Italien unterwegs

und im im Juni  1227 brach er zum  Kreuzzug auf. Er überquerte die Alpen und wollte sich in Süditalien einschiffen. Vorher hatte er seien Bruder Heinrich Raspe zu seinem Stellvertreter für die Zeit des Kreuzzugs eingesetzt.

 

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Noch vor das Heer sich einschiffte, brach eine Seuche aus. Tausende erkrankten,auch Ludwig. Trotz seiner Erkrankung, ging Ludwig in Brindisi an Bord, starb aber in Otranto mit nur 27 Jahren. Die junge Witwe war trieftraurig. “Mit ihm ist mir die Welt gestorben”.

Zum Schmerz über den frühen Tod ihres Mannes kam auch bald die Auseinandersetzung mit den Geschwistern des verstorbenen Landgrafen. Wahrscheinlich hatten sie sich mit dem Gedanken getragen, ihre Schwägerin nach Ablauf der Trauerzeit wieder zu 

verheiraten. Die  wären in der gräflichen Familie verblieben , da ja Heinrich Raspe die Vormundschaft innehatte. Wenn sie im Witwenstand blieb, hätten die beiden Brüder die Güter, die ihr bei der Hochzeit von Ludwig als Witwengut überschrieben worden

waren, übergeben müssen. Außerdem hätte  man ihr ihre Mitgift von 1000 Mark Silber aushändigen müssen. Doch weder Heinrich Raspe noch sein Bruder Konrad waren bereit, die Güter, auf die sie Anspruch hatte, auszuhändigen. Sie waren nur willens,

für Elisabeths Unterhalt in einem gemeinsamen Haushalt zu sorgen. Schnell kam es zum Streit mit ihr und dem neuen Landgrafen, in dessen Verlauf sie die Wartburg verlassen musste. Elisabeth ging nach Eisenach, wo sie bei einem Schankwirt übernachten musste,

in einem Abstellraum, wo auch die Schweine untergebracht waren. Ihre Andechser Verwandten, zu denen sie wohl in den vergangenen Jahren in freundschaftlicher Beziehung stand, kümmerten sich um sie. Elisabeths Tante Mechthild, die Kitzinger Äbtissin holte

sie nach Bamberg an den Hof ihres Onkels, des Bischoffs Ekbert. Auch er versuchte sie, mit dem Gedanken sie mit dem Gedanken an eine Wiederverheiratung vertraut zu machen, sah aber bald ein, dass seine Nichte fest entschlossen war, ihr Leben der

Frömmigkeit, der Askese und dem Dienst am Nächsten zu widmen. So wies er ihr die Burg Pottenstein als vorläufigen Wohnsitz zu. Im Frühjahr 1228 kehrte Konrad aus Rom zurück. Er konnte sie davon abhalten, auf ihre Witwengüter zu verzichten. Konrad schrieb

später, er habe dies getan um die ihr zustehenden Einkünfte den Armen und Kranken  zukommen zu lassen sowie zum Seelenheil ihres verstorbenen  Mannes durch Messen und andere frommen Werke beizutragen. Ähnlich nüchtern dachte auch ihr Onkel Ekbert

und setzte sich bei den landgräflichen Verwandten für Elisabeth ein. Schließlich wurde wahrscheinlich unter Beteiligung Konrads folgende  Vereinbarung getroffen. Der landgräfliche Hof zahlte 2000 Mark Silber an Elisabeth und stellt ihr in Marburg ein Grundstück

zur Erbauung eines Hospitals Verfügung. Elisabeth konnte nun ihr Hospital in Marburg  gründen sowie es wohl schon zu Lebzeiten ihres Mannes geplant war. Konrad war Anfang 1229 wieder in Rom wohl um vom Papst ähnliche Vergünstigungen zu erlangen, wie sie

schon das von Ludwig 1221 gestiftete Hospital in Gotha. Ludwig hatte dann vom Papst die Erlaubnis erhalten, eine Kirche und einen Friedhof beim Spital zu errichten und einen Kaplan anzustellen. Mit ihrem Witwengut hätte Elisabeth das Hospital reichlich mit

Einkünften ausstatten können  und so für eine solide wirtschaftliche Basis sorgen können.  Elisabeth ging aber nicht sachgemäß mit dem Geld um. Sie holte alle Bettler aus der Stadt und Umgebung und verteilte an einem Tag 500 Mark Silber unter sie. Elisabeth hätte

diese Summe gar nicht weggeben dürfen. Sie durfte das Geld nicht nach eigenem Gutdünken verschenken sondern es war ihr nur treuhänderisch übergeben worden zum Nutzen des Spitals und würde nach ihrem Tod wieder an ihre Kinder und Verwandte

zurückfallen. Konrad hielt Elisabeth in eiserner Zucht. Wenn sie ihrem Mitleid wieder einmal freien Lauf gelassen hatte und Almosen über das ihr zugestandene Maß ausgeteilt hatte, wurden ihr Bussübungen auferlegt und es setzte wohl auch Hiebe.  Das harte

und entbehrungsreiche Leben ertrug sie nicht lange. Sie starb nach kurzer Krankheit im November 1231 im Alter von nur 24 Jahren. Schon bald nach ihrem Tod überlegten sich ihre früheren Vertrauten, einen Heiligsprechungsprozess anzustreben. Zunächst aber

musste der weltliche Streit um das Hospital ausgetragen werden. Elisabeth hatte das Hospital für den Fall ihres Todes dem Johanniter-Orden vermacht. Zu einer solchen Übertragung war sie aber nicht berechtigt, da sie nur ein Nutzungsrecht , nicht aber das

Eigentum  besass, wie die Landgrafen betonten. Der Papst an den sich die Johanniter gewandt hatten,  bestimmte drei Speyrer Geistliche als Richter. Der Prozess wurde 1232 entschieden. Um eine Weiterführung an eine höher Instanz zu vermeiden, wurde Konrad

von beiden Parteien als Schiedsrichter.  Der erkannte im August 1232 dem Johanniterorden jegliches Recht an dem Spital ab. Das Heilgsprechungsverfahren kam rasch in Gang, geriet jedoch durch den Tod Konrads ins Stocken. Elisabeths Schwager Konrad hatte

mittlerweile den weltlichen Stand verlassen und war dem Deutschen  Orden beigetreten. Er sollte den Orden nach dem Tod von Hermann von Salza leiten. Der Orden erhielt das von Elisabeth gegründete Spital. Papst Gregor und Kaiser Friedrich II. bestätigten die

Schenkung. Konrad war nun die treibende Kraft im Heilgsprechungsprozess. Schon 1235, also gut 30 Jahre vor ihrer Tante Hedwig wurde Elisabeth in Perugia heiliggesprochen.

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Der Andechser Heiltumschatz

 

Das Kloster Andechs verfügt über einen reichen Reliquienschatz dessen Anfänge auf den legendären Gründer der Familie Andechs, Graf Rasso zurückgehen. Er soll von einer Pilgerfahrt ins heilige Land die “Herrenreliquien” mitgebracht haben. Sie bilden den

Grundstock des Heiltums. Es waren ein Zweig aus der Dornenkrone Christi, ein Teil des Spottzepters, ein Stück vom Kreuz und auch ein Teil des Schweißtuches. Dazu kamen immer wieder weitere kostbare Stücke, auch Textilreliquien, so die Stola des Heiligen

Johannes Evangelist und der “Gürtel” der Magdalena. Auch Stücke, die wie Reliquie verehrt wurden zählen dazu, so die Goldene Rose, die von den Päpsten als Auszeichnung an hochrangige Adlige verliehen wurde. Die Andechser Rose wurde von einem Florentiner

Goldschmied geschaffen und wohl von Papst Nikolaus V. dem bayrischen Herzog Albrecht III. zum Dank für die Gründung des Kloster Andechs geschenkt. Auch das Siegeskreuz wird verehrt. Es ist ein Bronzekreuz, das im 12. Jahrhundert wohl von einem

schwäbischen Künstler geschaffen worden ist. Das Andechser Missale erzählt, dass ein Engel Kaiser Karl das Kreuz überreicht habe. Natürlich sind auch die Heiligen der Familie Andechs-Meranien bei den Reliquien den Andechser Reliquien vertreten. So werden  in

Andechs das sogenannte Elisabethkreuz, das Kreuz, das Papst Gregor IX.Elisabeth überreicht haben soll, als sie thüringische Landgräfin war und Teile des Brautkleids der Heiligen Elisabeth verwahrt. Noch 1929 kamen Reliquien dazu. So schenkte Kardinal Bertram

von Breslau (1859-1949) dem Kloster einen Splitter aus dem Haupt der Heiligen Hedwig. Kernstück des Heiltums bilden die Drei Heiligen Hostien Zwei der Hostien sollen von Papst Gregor dem Großen herstammen,  die dritte mit dem Monogramm Jesu auf Papst

Leo IX. 1392 wurden die Hostien vom Papst Bonifatius IX.  beglaubigt, was aber vielleicht auch im Zusammenhang mit dem Schisma gesehen werden. Bonifatius wurde in Deutschland als rechtmässig angesehen, als in Avignon sein Gegespieler Clemens VII. amtierte.

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In Erling, dem Dorf unterhalb der im 13. Jahrhundert geschleiften Burg Andechs gab es zwei Pfarrkirchen. Die Wittelsbacher hatten nach dem Erlöschen der Familie Andechs die Rechte übernommen. Ohne Bedenken übertrugen sie dies Rechte, fast so, als wolle man

die Erinnerung an ein Haus, dem man doch übel mitgespielt hatte, vergessen machen. Die Rechte auf die  St. Martinskirche gingen zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt an die Chorherren in Polling. Ludwig der Bayer schenkte die St. Vituskirche 1317 an das

Kloster Ebersberg.  Zur Vituskirche gehörte auch eine kleine Kapelle auf dem Gebiet der geschleiften Burg. Es ist nicht ganz sicher, ob diese als geweihter Ort der Zerstörung entging oder nachträglich als Sühnekapelle errichtet wurde. Der Patron war der von den

Andechsern verehrte Nikolaus von Myra. Nun waren die Ebersberger Benediktiner Patronatsherren einer der beiden Erlinger Pfarreien und gleichzeitig Besitzer des Kirchleins auf dem Andechser Berg. An einem Sonntag im  Mai 1388 soll  während des

Gottesdienstes, den der Wallfahrtskaplan Jakobus Dachauer zelebrierte eine Maus in der Nikolauskirche über den Boden gehuscht sein und  einen Zettel im Maul getragen und auf einer Altarstufe liegen lassen. Der Zettel war ein Teil des Heiltumsverzeichnisses.

Der Kaplan meldete den Fund sofort an den herzoglichen Hof nach München. Dort erfasste man die Bedeutung des Zettels sofort. Am 26. Mai 1388 kamen die beiden Herzöge Stephan von Bayern-Ingolstadt und Friedrich von Bayern-Landshut in die kleine Kapelle.

In ihrem Beisein begannen die Grabungen. Zutage gefördert wurde eine eisenbeschlagene Kiste, die die Andechser Reliquien enthielten. Es war ein ungeheurer Schatz, der zu sehen war. Nur Rom oder Konstantinopel hatten zu derzeit so kostbare Reliquien in noch

größerer Zahl. Natürlich weckte dieser Fund Begehrlichkeiten und warf auch Fragen auf. Wie konnte es sein, das so bedeutende Reliquien überhaupt in Vergessenheit geraten waren? Oder dass sie so lange Zeit in einer kleinen Kapelle verborgen blieben. So

wurden bald Zweifel an der Echtheit der Reliquien laut. So brauchte man ein en unverdächtigen Zeugen, der das Alter und die Echtheit des Fundes beweisen konnte. Diese Rolle sollte dem “Andechser Missale” zufallen. Das Messbuch war zu Beginn des 10.

Jahrhunderts an einem unbekannten Ort geschrieben worden. Teile waren verloren gegangen. Blätter warn herausgetrennt worden, um den Pergamentbedarf zu decken, wohl auch, weil man die altertümliche Notenschrift nicht mehr  lesen konnte.

Im Mittelalter enthielten Messbücher nicht  nur für den Gottesdienst. Oft wurden auch Inventarlisten von kirchlichen Gegenständen, Verzeichnisse von Reliquien, manchmal  historische Notizen, ja sogar Abschriften wichtiger Urkunden in so ein Messbuch

eingetragen. Das Andechser Missale, lange eine wertlose Handschrift schien schon wegen seines hohen Alters bestens geeignet, nun Texte aufzunehmen, die über das Schicksal der Reliquien in früherer Zeit Auskunft geben konnten. Um 1388 fertigten drei

Schreiber eindrucksvolle, manchmal auch phantastische Geschichten. Der erste Schreiber verfasste einen Brief, der angeblich 1102 von Bischof Otto dem Heiligen von Bamberg an seien Vater den Grafen Berthold von Andechs und seinen Bruder den Markgrafen

Berthold von Istrien geschrieben hatte. Darin wird von einem von Papst Leo berichtet, der einst ein von Papst Gregor geweihtes Altarsakrament geschickt habe, das überall dort, wo es hingebracht wurde, Not und Elend vertrieben habe. Es werde nun den Andechser

Verwandten übergeben zum Nutzen ihres Landes und ihrer Leute. Auch wird von einem Bischof Hermann von Augsburg berichtet, der angeblich im Jahr 1128 die Gläubigen der umliegenden Dekanate verpflichtet habe, jeweils am Dienstag nach dem Pfingstfest auf

den Andechser Berg zu den Reliquien zu wallfahren und eine Abgabe zu entrichten. Ein zweiter Schreiber berichtet nur wenig später über die Herkunft der Andechser Reliquien, erzählt von der Gründung des Klosters Grafrath und dem Grafen Rasso und dass die

Mönche mit den Reliquien  auf den Andechser Berg geflüchtet seien, als Herzog Arnulf der Böse die geistliche Stiftung zerstört habe. Das Missale selbst sei am Ende des 13. Jahrhunderts durch Bruder Konrad von Hornstein, einen Mönch des Klosters auf dem

Petersberg bei Rosenheim nach Andechs gebracht worden. Das Missale enthält auch eine Gründungsgeschichte des Diessener Stifts. Ein dritter Schreiber  trägt schließlich einen Schutzbrief Herzog Ludwig des Strengen sowie eine Bestätigungsurkunde Kaiser Ludwig

des Bayern ein. Die Einträge ins Missale seien auf kaiserliche Anordnung  gemacht worden. Die Einträge waren über das ganze Missale verstreut und erweckten so den Eindruck, als seien sie über einen langen Zeitraum von verschiedenen Personen gemacht worden.

Wenn auch über das ganze Buch verstreut, gaben die Berichte zusammen genommen  eine geschlossene Geschichte der Reliquien. Wenn man den Aufzeichnungen Glauben schenkte, musste man annehmen, dass es sich bei dem –heute würde man sagen –

spektakulären Fund  nicht um einen verdächtigen Zufallsfund handelte, sondern dass man einen Schatz gehoben habe, der zwar seit langem verschollen  und in Vergessenheit geraten war.  Die wichtigste Folgerung aber war, dass der vergrabene Schatz Kaiser

Ludwig noch bekannt war, als er die Kapelle an das Kloster Ebersberg schenkte. Und wenn das zutraf, konnten die wittelsbachischen Herzöge natürlich keine Ansprüche auf den Schatz erheben. Auch konnten sie nicht behaupten, ihr Vorfahre hätte die Kapelle auf

dem Andechser Berg nicht weggegeben, wenn er von dem Schatz unter dem Altar gewusst hätte. Ein Teil der Quellen, die den Schreibern im Missale dienten, ist bekannt. Die Schreiber scheinen Urkunden aus der Kaiserzeit Ludwigs gekannt zu haben. Auch

eine Lebensbeschreibung der Heiligen Elisabeth könnte ihnen zugänglich gewesen sein. Zur frühen Geschichte der Andechser halfen ihnen die Diessener Chorherren. Die Schreiber erhielten wohl Einblick in das Diessener Totenverzeichnis vom Beginn des 13.

Jahrhunderts an. auch über die Kunstschätze erhielten sie Auskünfte. Andere Quellen, zum Beispiel die Chronik des Mönches  Ekkehard von Aura gehörte nachweislich zum Bestand der Ebersberger Bibliothek. Man kann als sicher annehmen, dass die Ebersberger

Mönche Verfasser und Auftraggeber der Einträge im Andechser Missale waren. Die Fälsche hatte gute Arbeit geleistet, nur mit der Begehrlichkeit der Obrigkeit hatte er nicht gerechnet. Der Ebersberger Abt Philipp ließ die Schätze in sein Kloster bringen.

Der Wittelsbacher Hof gaben dies aber nicht zu. Er zwang den Abt, diese wieder an seinen Fundort zurück zu bringen. Da die kleine Kapelle auf dem Andechser Berg aber angeblich nicht sicher und würdig war, ließen die Herzöge den Schatz  nach München bringen.

Dort wurde er zunächst in  de Sankt Lorenzkirche aufbewahrt. Wahrscheinlich am 31. Juli 1390 wurden die Reliquien erstmals öffentlich gezeigt und zogen eine große Menschenmenge an. Verbunden mit einem Ablassbrief könnte sich die Anziehung noch erheblich

steigern lassen. So reiste Herzog Stephan III. nach Rom um an den Feierlichkeiten des Jubeljahres teil zu nehmen, das Papst Urban VI. ausgeschrieben hatte  und sein Nachfolger Bonifaz IX. jetzt abhielt. Dem Stand nichts im Wege, zumal der Papst den französischen

König als Freund und Verbündeten gewinnen wollte. Und Stephan war Schwiegervater des Umworbenen. Zusätzlich war Stephan mit einem Gutachten des Theologieprofessor  Johannes Dominici aus Gubbio, falls sich die Kurie über Herkunft des Fundes und die

Umstände seiner Entdeckung unterrichten wollte. Auf Ebersberger Ansprüche wurde hier freilich nicht hingewiesen. Im erteilten Ablassbrief war ein ungewöhnlicher Zusatz, nämlich dass der Gnadenerweis so lange gültig sein soll, als nicht von dritter Seite ein

Ablassbrief in gleicher Angelegenheit vorgewiesen sei, der früheren Datums sein oder das Datum der vorliegenden Urkunde trage. Das zeigt, dass nach Meinung der Kurie das Recht der Herzöge nicht unbestritten war. Das aber konnten nur die Mönche in Ebersberg

sein. Es scheint, dass diese der Wegnahme des Schatzes durch die Wittelsbacher nicht tatenlos zugesehen hatten. Es scheint, das sie sich an den Papst um Hilfe gewandt hatten und möglicherweise auf Herausgabe der Reliquien geklagt hatten. Die Kurie hatte eine

Lösung gefunden,die einander ausschließenden Interessen der beiden Bittsteller in Einklang zu bringen. Die Wittelsbacher erhielten ihren Ablassbrief. Dieser wurde aber vom Stillhaltend der Ebersberger abhängig gemacht. 1391 gewährte nun der herzogliche

Viztum für Oberbayern Otto von Pienzenau ein Darlehen von 800 Gulden. Dafür waren ihm und seien erben ein “Ewiggeld”, das sind jährliche Einkünfte in Höhe von 50 Gulden zugesagt worden. Das Kloster musste diesen Betrag aber nicht ausbezahlen. Es sollten

davon 12 Gulden an  den Abt und 18 Gulden an die Mönchsgemeinschaft fließen. Die Mönche ließen nun die Wittelsbacher für zwei Jahre gewähren.  Das Spektakel aber wurde ein immer größerer Erfolg biss zu 60000 Pilger waren in manchen Wochen in der Stadt.

Nachdem Jahr 1393 zeigten die Wittelsbacher den Schatz für lange Zeit nicht mehr. Die Eberberger hatten wohl ihre Ansprüche in Rom wieder geltend gemacht. Das Urteil stand nur dem Papst zu und der bestätigte dem Kloster Ebersberg das Recht an dem Fund.

Nun hätten die Wittelsbacher den Fund eigentlich herausgeben müssen, taten sie aber nicht. Für die Kurie war der Streit wohl zu unbedeutend und auch der Einfluss der Herzöge zu groß, als dass dem päpstlichen Urteil mit geistlichen Strafen Geltung geschafft

wurde. Das Nachsehen hatten die Ebersberger Mönche. Das Kloster gab nach, zumal man am kürzeren Hebel saß. Um 1400 traten Abt und Konvent in Verhandlungen mit dem Münchner Hof. Man einigte sich und bat die Kurie, die Verfügungen zugunsten der

Ebersberger Mönche  aus den 90-Jahren zurückzunehmen., was Papst Bonifaz 1402 tat. Nach der Entscheidung des Papstes wurde ein Teil der Reliquien auf den Andechser Berg zurückgebracht. Im Rahmen des Ausgleichs zwischen Kloster Ebersberg und dem

wittelsbachischen Hof waren Teile aus dem Andechser Reliquienschatz ans Kloster Ebersberg gelangt. Nach dem Ausgleich der Herzöge mit dem Kloster Ebersberg  ließ Herzog Ernst, der das Wort vom Heiligen Berg prägte, zwischen  1416 und 1423 die heute noch

bestehende dreischiffige gotische Hallenkirche errichten. Die Betreuung der Andechser Wallfahrt in die Hände eines Kollegiatsstifts  mit sechs Kanonikern und einem Propst. Bepfründete Chorherren brachten für die Wallfahrtsseelsorge nicht den gewünschten

Erfolg. Der Sohn und Nachfolger Herzog Ernsts, Albrecht III. (1401-1460) beriet sich mit dem päpstlichen Kardinallegaten Nikolaus von Kues. Mit Nikolaus hatte der Wittelsbacher einen kompetenten Gesprächspartner. Er war im  Dezember 1450 von Papst Nikolaus V.

zum päpstlichen Legaten für Deutschland Legaten ernannt worden und mit außerordentlichen Vollmachten zur Kirchen-und Klosterreform in Deutschland, Österreich und den Niederlanden ausgestattet worden. Nachdem er in anderen Fällen von Hostienwundern

sehr scharf vorgegangen war, hatte er 1453 die Andechser Reliquien diplomatisch approbiert. Als er 1452 als Legat auf dem Weg nach Böhmen war, kam er auch für drei Tage ins Kloster Tegernsee. Er war von der Spiritualität und der Frömmigkeit der Mönche

beindruckt und vom monastischen und geistigen Leben im Kloster so angetan, dass er sich sogar eine Zelle für seine alten Tage reservieren ließ. Das Kloster war erst im Jahre 1426 “auf Kurs” gekommen. Der erst 24 –jährige Kaspar Ayndorffer war zum Abt bestimmt

worden, was er bis 1461 blieb. Er führte sofort die Melker Reform ein und Tegernsee wurde zu dem wichtigsten bayrischen Reformkloster. 1455 wurde Andechs mit Mönchen aus dem Reformkloster Tegernsee besiedelt

 

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                                                                           Das Kloster Heiligenberg

Am 23. 1455 bezogen sieben Mönche aus Tegernsee das von Albrecht gestiftete Kloster. Es waren dies Johannes Hausmann aus Landsberg, Johann Senior aus Landshut, Eberhard Stöcklin aus Wolfratshausen, Matthias Praitenwieser aus Dorfen, Leonhard Egerer

aus München, Fridrich Diakonus aus Landshut und Oswald Rott aus Tittmonning. Als Prior oder Administrator in Spiritualibus wählten sie Johann Senior. Es war sicher kein Zufall, dass der Tegernseer Abt seine profiliertesten Schreiber nach Andechs geschickt hatte.

Entsprechend der Melker Reform, der wichtigster Vertreter Tegernsee ja war,sah man in der Schaffung einer guten Bibliothek als wichtige Voraussetzung für ein observantes Klosterleben. Nach einer dreijährigen Konsolidierungszeit wählten die Mönche Eberhard

Stöcklin als ihren ersten Abt. Bei seiner Weihe 1458 erhielt er das Recht der Pontifikalien. In diesem Jahr schrieb Herzog Albrecht auch die Grundausstattung des Klosters fest. Die geistlichen Aufgaben der Mönche waren Gottesdienst, Pflege und Verwahrung des

Heiltums, Gebetsgedächtnis und ewiger Jahrtag für die Stifter und die kirchliche Verwendung der Wallfahrtsgaben. Außerdem bestimmte er Andechs zu seiner Grablege. Er starb am 29. Februar 1460 und wurde  in Andechs bestattet.  Heute ist dort ein kleiner

abgeschlossener Friedhof, der nur gelegentlich für die Öffentlichkeit zugänglich ist, wie zum Beispiel am Tag des Offenen Denkmals. 10 Familienmitglieder der Wittelsbacher, fast alle aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts haben dort ihre letzte Ruhestätte

gefunden.

Abt Eberhard Stöcklin starb am 17. April 1462. Auf ihn folgte  Johannes Hausmann, der schon 1455 mit aus Tegernsee kam. Er hatte in Benediktbeuren seine Profess abgelegt und war dann nach Tegernsee gegangen . In seiner Andechser  Amtszeit erhielt das Kloster

erhebliche Stiftungen und konnte seine wirtschaftliche Grundlage beachtlich erweitern. Zwar nicht ganz so wichtig, aber für Andechs sicher erwähnenswert, Abt Johannes ließ 1463 ein neues Wirtshaus in Andechs erbauen und bemalen.

Abt Johannes starb am 18. Oktober 1475. Auf ihn folgte Andreas Örtl aus Tölz(1475-1492), der 1455 in Tegernsee seine Profess abgelegt hatte. Unter Abt Andreas hatten einige Mönche ihre Profess abgelegt, so zum Beispiel der aus Isny stammende Johannes

Kiesinger, der 1846 Abt in Wessobrunn wurde und wohl auch Johann II. von Schrattenbach, der in Kaufbeuren geboren ist und 1492 der erste aus dem Kloster stammende Andechser Abt. geworden ist. 1488 vidimierte er eine Urkunde aus dem Jahr 1411, in der es

um eine Messtiftung ging. In Widdersberg, das heute zur Gemeinde Herrsching gehört war Andechs durch Herzog Ernst zu Besitz gekommen. Den dortigen Besitz rundete Abt Andreas durch den Erwerb kleinerer Güter um 1475 ab.

Im Oktober 1492 wurde Johann II. von Schrattenbach zum Nachfolger von Abt Andreas gewählt. Bei dieser Wahl war auch der Wessobrunner Abt anwesend. 1494 liess er den Heiltumsaltar schaffen, von dem heute nur noch zwei Flügel erhalten sind, die aber

vermuten lassen, dass dieser Andechser Altar einer der größten spätgotischen Altäre in Bayern gewesen sein muss.Die beiden Flügel werden heute in der oberen Kapelle aufbewahrt. Das Aussehen des Altar ist auch auf einem zweiteiligen Holzschnitt überliefert,

den Abt Johann 1496 herstellen ließ und der dazu bestimmt war, Bedeutung und Ruhm der Gnadenstätte Andechs weithin bekannt zu machen zumal es ja gerade in dieser Zeit eine richtige Wettbewerbssituation von Wallfahrtsorten gab. Flankiert wurde diese

Werbemaßnahme durch die von Herzog Sigismund von Bayern 1497 in Auftrag gegebene Blutenburger Heiltumstafel, die in der Hofkapelle der Blutenburg in München aufgehängt war und so ein namhafter Werbeträger für die Andechser Wallfahrt war.

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Unter Abt Johann kam Andechs auch 1494 in den Besitz eines Stadthauses in München. Es handelte sich dabei um die ehemalige Synagoge in der Judengasse. Als Herzog Ernst 1442 die Juden aus München vertreiben ließ,  wurde an das ehemalige Grufthaus eine

Kirche angebaut. Das Haus war mittlerweile durch Herzog Albrecht und seine Gemahlin Anna von Braunschweig, die Nachfolgerin der Agnes Bernauer an Dr. Hans Hartlieb geschenkt worden, der ein berühmter Lehrer der Arzneikunde und Leibarzt des herzoglichen

Paares war. 1750 wurde das Gebäude gründlich renoviert, wobei Pfeiler, die noch aus der Zei der Synagoge stammten, entfernt wurden. Die Kirche wurde on Andechser Mönchen bis zur Säkularisation versorgt.

Am 14. Februar 1518 geht Andechs mit dem Stift Sankt Peter in Salzburg eine Konföderation ein. Abt in Salzburg war zu der Zeit Ulrich Plankenfelser (1415-1420). Die Konföderation ist Ausdruck gemeinsamer Reformgesinnung. Man versichert sich gegenseitige

Gastfreundschaft und gemeinsames Totengedenken. Abt Johann starb 1521.

Als Martin Luther am 31.10.1517 seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche angeschlagen hat, konnte er sich nicht träumen lassen, was dies auslöste. Die Einheit der Kirche ging verloren. Was eigentlich nur als Ankündigung eines wissenschaftlichen Dialogs

gedacht war, löste schließlich sogar blutige Religionskriege aus. Die Reformation löste bei vielen Andechs vergleichbaren Klöstern einen disziplinären wie wirtschaftlichen Niedergang aus. Besonders hart traf es natürlich Klöster wie Andechs, deren Kraft –

wirtschaftlich wie geistig- stark auf der Betreuung von Reliquien beruhten. Reliquien waren suspekt geworden, das Mönchtum hatte rapide an Ansehen verloren. Nur noch wenige gingen ins Kloster, Spenden versiegten. Der Personalstand im Kloster war für die

Prälatenwürdigkeit zu gering. Die Vorsteher waren keine Äbte mehr, nur noch Administratoren. Christoph Riedter, Edler von von Bocksberg (1521-1529) musste erleben wie Mönche aus seinem Konvent aus seinem Kloster austraten und sich der Reformation

zuwandten wie z.B. Ambrosius Rank aus Weilheim 1525. Zwar predigten reformatorisch gesinnte Pfarrer gegen die Wallfahrt sowie zum Beispiel der Pfarrer Wolfgang Hackenschmit aus Sielenbach. Aber er wurde seines Amtes enthoben .

Den Niedergang des Klosters in den nächsten 50 Jahren konnten auch 5 Äbte und 4 Administratoren nicht aufhalten. Das änderte sich erst mit David Aichler. Dieser wurde 1545 in Mindelheim geboren und trat in das Benediktinerkloster in Ottobeuren ein, wo er am

14.Mai 1564 die Profess ablegte. In Ottobeuren legte er einen Bibliothekskatalog an. Von 1571-1576 war er Administrator des Klosters St. Mang in Füssen. 1588 wurde er zum Abt von Andechs postuliert. Er war administrativ erfahren und gelehrt. Auf der Grundlage

des Visitationsprotokolls von 1588 führte er wieder ein gewissenhaftes klösterliches Leben  ein. Der Verbesserung der klösterlichen Disziplin folgte der wirtschaftliche Aufschwung, der durch zahllose herzogliche Dotationen verstärkt wurde. Er vergrößerte den

Bestand der Andechser Bibliothek. 1598 übertrug Wilhelm V. die Liegenschaften und Gebäude der ehemaligen Augustinerpropstei Paring dem Kloster Andechs. Dieses führte es als kleinen Gutsbetrieb mit seelsorgerlicher Betreuung.

Abt David verfasste auch mehrere geschichtliche Werke, darunter eine Geschichte Füssens und das Chronicon Andecense (München 1595). Für die Kirche waren neue Ausstattungsgegenstände erworben worden. Die neue Vöhlinkapelle entstand von 1591-1594.

1593 wurde der südliche Kirchvorplatz als Versammlungsort für Pilger angelegt.Wenn vom Erker der Vöhlinkapelle die Herrenreliquien gezeigt wurden.Von daher hat der Platz auch seinen Namen Frohnhof, also Herrenhof.

Abt David war eine wichtige Person der bayrischen Gegenreformation und sein Wirken in Andechs war so erfolgreich, dass er auch mit der Visitation anderer Klöster betraut wurde. Er verstarb am 25. Februar 1596 in Andechs.

Auf ihn folgte Alexander Sauter. Er verkaufte klösterlichen Streubesitz und erwarb dafür die Hofmarksgüter Kerschlach und Vorderfischen. Aber schon 1600 wurde er zum Reichsabt von Ottobeuren berufen, was er bis 1612 war. Nachfolger Abt Alexanders wurde

Johann V. Chrysostomus Huttler, der aus Mindelheim stammt. Mit ihm begann ein weiterer Aufschwung.Von 1601 bis 1602 erbaute er eine neue Bibliothek. Er kaufte kontinuierlich neue Bücher und förderte das Hochschulstudium seiner Novizen als Grundlage einer

kirchlichen und klösterlichen Erneuerung. 1607 wurde die Wallfahrtskirche im Renaisssancestil umgebaut.Herzog Maximilian I. stiftet eine Orgel, die 1608 aufgestellt wird und 1610 wird von Hans Degler aus Weilheim der neue Gnadenaltar mit der heutigen

Madonna errichtet.  Abt Johann stirbt schon im Alter von 35 Jahren an der Pest.

Unbenannt

1580 wird Michael Einslin in Kempten geboren. 1596 tritt er ins Kloster Andechs ein.1599 bis 1603 studierte er in Ingolstadt und wurde 1604 Priester. 1610 wird er der 15. Abt von Andechs. Pater Willibald Mathäser, der von 1954 Cellerar von Andechs  und von 1968

als Archivar von St. Bonifaz tätig war, bezeichnete Michael Einslin als bedeutendsten Abt von Andechs. Er setzte sich sehr für die Klosterdisziplin und die Wallfahrt ein. Er gründete die “Bruderschaft von den hl. drei Hostien”. Er setzte sich auch früh für die Förderung

der Studien ein.  1623 gründete er zusammen mit dem Erzbischof Paris Graf von Lodron, der auch in Ingolstadt studiert hatte, den Äbten Gregor von Ottobeuren, Heinrich von Niederaltaich, Joachim von St. Peter in Salzburg und Stephan von Scheyern.  Am 1.

September wurde der Vertrag geschlossen. Darin wird unter anderem der Lehrplanumfang, die Entsendung und der Unterhalt der Professoren, die Organisation der Universität und der Neubau der Universität an der Salzach geregelt. 1623 und 1637 war Abt

Michael Mitglied des Salzburger Universitätspräsidiums. Viele gelehrte Patres aus Andechs wurden in der Folgezeit an die Augsburger Universität geschickt, was den Stellenwert der gelehrten Bildung in Andechs  zeigte. So stand die Andechser Bibliothek auch

immer in der Fürsorge des Abtes. 1630 kaufte er für 800 Gulden eine ganze Bibliothek von dem Füssener Edelmann Ilsung. Nachdem  nach der Schlacht am Weißen Berg (8.11.1620) bayrische truppen teile der Oberpfalz besetzt hattenund 1628 das Fürstentum der

Oberen Pfalz wieder an den wittelsbachisch-bayrischen Staatsverband gekommen war, war Abt Michael einer der eifrigsten, wenn auch erfolglosen Befürworter der Rückgabe bzw. Neubesiedlung der dortigen Benediktinerklöster. Er trug auch einen Großteil des

Missionswerks der Benediktiner zur Rekatholisierung der Oberpfälzer Gebiete. Er trieb auch das Zustandekommen einer bayrischen Benediktinerkongregation voran.Dies sowie die Unterordnung unter das Staatskirchenregimes de bayrischen Kurfürsten brachte

ihn allerdings in Konflikt mit seinem Diözesanbischof Heinrich von Knöringen (1599-1646), einen machtbewussten Kirchenbischof von unnachgiebiger Strenge. Ein von seinem Nachfolger in der Dillinger Universitätskirche rühmt in als “murus immobilis pro religione

et domo dei”. Er wurde sogar inhaftiert und von seinem Amt suspendiert. Nur durch kurfürstliche  Unterstützung entkam er der Haft und zurück auf sein Amt.  Die Pläne vom Zusammenschluss des Ordens unter Führung von Bursfelde hatten sich allerdings

zerschlagen und erst 1682 gelang der Zusammenschluss der bayrischen Benediktiner. Trotz oder vielleicht auch wegen des Dreßigjährigen Krieges  nahm die Wallfahrt einen erheblichen Aufschwung. Zwischen 1622 und 1626 wurden eine halbe Million Pilger gezählt.

Die Kriegswirren und die Leiden, die das Klöster und die umliegenden Dörfer zu ertragen hatten, wurden immer schlimmer, wie der Pfarrer von Erling und Nachfolger von Abt Michael Maurus Friesenegger in seiner Chronik eindringlich erzählt. 1628 brach in Erling

die Pest aus. Man hatte den Wallfahrern verboten, in den Dörfern zu übernachten. Dorfwachen waren ausgestellt und die Wallfahrer mussten unter Eid aussagen, dass sie nicht aus angesteckten Dörfern kämen. Trotz Verbot hatte man Wallfahrer übernachten lassen

und wie Maurus schreibt, die Pest gleich mit. Innerhalb kurzer Zeit fielen der Seuche 21 Dorfbewohner zum Opfer. Niemand wollte solche Verstorbene begraben und so mussten die Angehörigen “nächtlicherweise ohne alle Ceremonie zu Grabe bringen”.

Im Juli 1630 brach in Bayern und Schwaben eine “fürchterliche Viehseuche” aus, die viele Kühe und noch mehr Pferde tötete. Aber auch das Wild in den Wäldern war betroffen. Da der Krieg immer schrecklicher wurde und vor allem immer näher rückte, wurde für

die Diözese ein 40-stündiges Gebet verordnet, das auf die Sonn-und Feiertage verteilt wurde. 1631 schlugen die Schweden die kaiserliche und bayrische Armee in Sachsen und zerstreuten sie. Am 15. Oktober wurde der Abt nach München bestellt. Da der Abt nicht

anwesend war, ging der Prior und fand ganz München “in größter Bestürzung und Verwirrung”. Der Kurfürst teilte dem Prior mit, dass “der ketzerische Teil von Augsburg den Schwedenkönig um Hilfstruppen angerufen und der König dieseleben auch zugesagt habe”

und also ein Einfall in Bayern zu befürchten sei. Der Schatz und alle anderen Kostbarkeiten sollten deshalb nach Ingolstadt, Wasserburg, Braunau, Burghauen oder an einen anderen befestigten Ort in Sicherheit gebracht werden und außerdem sofort 6000 Gulden

“Anlehen zur Unterhaltung des Militärs ohne Weigerung einzuschicken”. Im Februar sollten die Reliquien wieder ausgepackt werden und an ihren Ort gestellt werden “um dem Volk die überflüssige Furcht zu benehmen” Doch am 5. April rückten die Schweden auf

Donauwörth zu. Der Kurfürst befahl dem Abt schriftlich, den Schatz in Sicherheit zu bringen. Der Prior brachte den Schatz nach Burghausen, während der Abt die Heiligen Hostien auf der Brust nach München brachte. Überall vergrub man sein Hab und Gut, packte

ein und flüchtete. Am 15. Mai ergab sich München gegen 300 000 Taler und andre Bedingungen, war aber dann unter dem Schwedenkönig “sicherer als in der kurfürstlichen Garnison”. Anders ging es aber auf dem Land zu,das wie man sagte, der König seinen

Soldaten zur Beute überlassen hatte. “Da wurde kein Gutes, keiner Ehre auch des Leben nicht verschont”. Am 18. Mai rückten schwedische Reiter auf Kloster Heiligenberg vor. Am Abend vor Himmelfahrt wurde das von Abt Johannes Hausmann errichtete  Wirtshaus

niedergebrannt. Die Schweden zogen nach drei Wochen wieder aus dem Kloster ab, da der bayrische Kurfürst auf Nürnberg zugezogen war und so den Schwedenkönig gezwungen hatte, ihm nachzuziehen. Der Chronist berichtetet Schlimmes von den drei Wochen.

“Das Gotteshaus war voll Gestank und Pferdemist, auf den Altären Überbleibsel von Futter, die Opferstöcke alle zerbrochen, und die Grabstätte des Stifters geöffnet.” Wunderbares erzählte der Chronist von dem Muttergottes Bild, das auf dem unteren

Hochaltar stand. Es war von keiner Gewalt herabzuwerfen und zu bewegen gewesen. Auch sei es nicht gelungen, das Kloster anzuzünden, obwohl an mehreren Stellen Feuer gelegt worden sei. Die “Ketzer von  Augsburg, Ulm und Nürnberg verlangten der Wallfahrt

zum Trotz das Kloster zu verheeren.” Aber es sei nicht gelungen. Das Kloster wurde allerdings verwüstet und restlos ausgeraubt. Vieh und Geflügel wurden geraubt, die Schwaig Rottfeld niedergebrannt. Das Dorf Elling wurde eingeäschert. 43 Häuser brannten ab.

Die Bewohner durften nichts retten.Im Dorf waren bis auf 4 Pferde und 3 Stück Hornvieh alle Tiere verloren. Der Chronist zeigt sich verwundert über die Grausamkeit gegen “die Alten, einfältigen und Presthaften”. Ins Kloster wurde zwar eine Schutztruppe gelegt.

Das Kloster musste die Truppe unterhalten und zusätzlich noch 220 Gulden Bargeld abgeben. Zwar gab es eine gute Ernte. Wegen des Mangels an Zugtieren war sie aber schwer einzubringen. Im Frühjahr sollten die Felder bestellt werden, aber die meisten Pferde

waren ja verloren. Man tat sich zusammen, wer nicht auf dem Feld arbeitete, bewachte die Arbeitenden. Ständig zog Kriegsvolk durch. Aber das war nicht das einzig Schlimme. Zuerst gab es einen kalten Mai mit Schnee und Eis. Dann folgte

Michael Einslin

große Trockenheit.Lebensmittel wurden rar und sehr teuer. “Viele Leute lebten schon von Kräutern und bei noch mehrern war Nachmehl und Kleiebrod die beste Speise”. Waren konnten nur noch sehr unsicher weitertransportiert werden, weil Räuber

und Gesindel unterwegs war.Dann brach auch noch eine Viehseuche aus, die im Kloster und Umland großen Schaden verursachte. Die Ernte war in diesem Jahr noch schwerer einzubringen. Auf die wenigen Pferde, die man noch hatte, musste unheimlich aufgepasst

werden. Sobald man einen Schuss hörte, floh man mit ihnen ins Kiental,um sie in  Sicherheit zu bringen. Immer wieder verlangten umherziehende Truppen horrende Kontributionen und drohten bei Nichtzahlung mit den schlimmsten Konsequenzen.

Am 23. Oktober war der Abt wieder im Kloster. aus München hatte er den sächsischen Kurfürsten mitgebracht, der dort gefangen war. Immer wieder marschierten Heere durch. Besatzer oder Beschützer, das machte bald keinen unterschied mehr. Alle hausten

gleich schrecklich. Ende Dezember warn 1500 Spanier in Erling. Im Kloster nahmen zwei Grafen Quartier. Im Dorf lagen die Mannschaften und das ganze Dorf schien in Feuer zu stehen. Die Soldaten hatten aus den Häusern das Mobiliar geholt und “füllten alle Gassen

mit fürchterlichen Wachfeuern”. Die Besatzung blieb über den Jahreswechsel, weil es kein Winterquartier gab. 1500 Mann mussten verpflegt werden. Die Lebensmittellieferungen klappten nicht mehr. Alles hungerte, selbst die Offiziere, die zwar genug

Geld hatten, aber  auch für teures Geld gab es nicht mehr zu kaufen. Düstere Aussichten auch für das kommende Jahr. Man hatte das Saatgetreide in der Dorfkirche untergebracht, aber es wurde von dort geraubt. Als die Truppen schließlich abzogen, nicht ohne das

Vieh das noch da war,mit zu nehmen, hinterließen sie ein unbeschreibliches Bild der Verwüstung. Die Häuser waren alle beschädigt, hatten keine Dächer mehr, Mittelwände und Balken waren herausgerissen. Zäune, Obstbäume, Hausrat, Fuhrwerke “und was

immer von Holz war, ging in den Flammen auf.” In den beiden Kirchen sah es nicht besser aus. Alles war voller Unrat, alles was aus Holz war, war den Flammen zum Opfer gefallen. Zwar waren die Soldaten jetzt weg. Zurückgeblieben waren Kranke und Entkräftete,

die in großer Zahl starben und niemand beerdigte sie mehr. Die Ernte fiel in diesem Jahr besser aus, wenngleich es nach wie vor unheimlich beschwerlich war, sie einzubringen. Die Menschen waren “vom Hunger abgemergelt”. Dazu fehlte es an Pferden,

Fuhrwerken und anderen zur Ernte notwendigen Instrumente. Es kam weiteres Elend auf die Überlebenden zu. “Die Menschen haben noch nicht recht angefangen, neu zu leben, stellte sich wieder ein anderes Übel ein”. Im Juli brach die Pest aus. Oft konnten die

Toten nicht mehr beerdigt werden. Die Lebenden waren zu geschwächt, diese traurige Pflicht zu leisten. Die Toten blieben so oft in den Häusern liegen. So musste man manchmal einfach das Haus samt den Toten verbrennen. “Vorhin, in den besseren Zeiten zählte

dieses Dorf (Erling) noch 500 Seelen, zu Ende dieses Jahres waren noch 190 übrig.” Weil es an allem mangelte, Pferden, Samen und auch kaum mehr einer in der Lage war, zu dreschen, konnte man sich leicht ausmalen, dass auch die nächsten Jahre Hungerjahre sein

würden. Im November flaute die Pest wieder ab und da an den Dörfern Strohkreuze aufgerichtet waren zu Zeichen, dass Dorf von der Pest befallen war, kamen wenigstens weniger Plünderer. Da man im Vorjahr einige Siege erreicht hatte und darüber hinaus das

“die Erschöpfung an allen Lebensmitteln” ließen für das Jahr 1635 etwas mehr Ruhe erhoffen. Im Januar aber herrschte bitter Kälte und die ohnehin schon Entkräfteten drohten in ihren Häusern zu erfrieren. In der Diözese Augsburg waren 400 Pfarreien ohne Hirten,

weil die Seelsorger teils gestorben, teils wegen des Hungers weggezogen waren. Die großen Dorfschaften, in denen vor dem Krieg bis zu 1000 Seelen wohnten, hatten oft nur noch 20-30 Bewohner. Von Augsburg erzählte man sich Schreckliches. In München waren

die Lebensmittel rationiert und es gab nur noch kümmerliche Rationen. Im Juli reiste Kurfürst Maximilian von Bayern nach Wien um Prinzessin Maria Anna, die Tochter Ferdinands II. zu heiraten. Auch der 1635 zwischen dem Kaiser und der katholischen Liga

einerseits und Kursachsen andrerseits beendete den Krieg zwischen den Reichsständen und machte en Menschen wieder ein bisschen Hoffnung.  Kurfürst Maximilian den Andechser Schatz von  Salzburg auf den Heiligen Berg zurückbringen, nachdem die

Kriegsgefahr geringer geworden war. Im Frühjahr war nur wenig ausgesät worden. Dazu kam noch eine schlechte Ernte. Das wenige, was dann noch wuchs fraßen die Mäuse. Im Kloster reichten die Erntevorräte nur bis Martini. Danach musste alles für teures Geld in

München zugekauft werden. Im August aber kam der Schatz nach Andechs zurück und die Mönche fanden “alles ohne die geringste Verletzung”. Im Herbst grassierte wieder die Pest, in Schwaben noch stärker als in Bayern. Diesmal betraf es vor allem die

Reichstädte. Maurus Friesenegger gibt für Augsburg die Zahl von 80.000 Einwohnern an. Das ist sicher viel zu hoch gegriffen. Augsburg hatte vor dem Krieg etwa 48 000 Einwohner. Aber die Verluste waren auf jeden Fall enorm. Eine Zählung von 1635 ergab

16432 Einwohner, davon 731 Fremde. Krieg, Hunger und Seuchen hatten die Stadt aber schon etwa zwei Drittel ihrer Bevölkerung gekostet. Ähnlich sah es in den anderen Reichsstädten wie z. B. Ulm aus. Das Himmelfahrtsfest wurde 1636 sehr festlich begangen.

Der Kurfürst hatte seine Trompeter geschickt um das Fest “mehr zu solennisieren”. Auch wurden Zelte für die Wallfahrer bereit gestellt, da die Unterkünfte in Erling immer noch in äußerst desolatem Zustand waren. 1637 starb Kaiser Friedrich am 15. Februar. Aber

das Jahr 1637 verschonte Erling und Heiligenberg in vor schlimmen Erlebnissen. Nur aus Schwaben drangen schlimme Nachrichten. Aber nach 18 Jahren war man einfach nur dankbar, dass es diesmal nicht so schlimm gekommen ist. “ Gott sey in Allem gepriesen!

und ihm sei tausend Dank, dass uns dieses Jahr nur die bittere Geisel des Krieges nicht getroffen!” Das Jahr 1638 begann in Erling und Heiligenberg stürmisch. Kaum ein Dach, das nicht ab gedeckt wurde. Im Kloster wurde die Kirche so stark beschädigt, dass der

Einsturz drohte. Der Kurfürst schickte seinen Baumeister nach Heiligenberg “um die Gefahr zu untersuchen und dem Ruin des Klosters zuvorzukommen. Der Sturm hatte einen Schaden von 1000 Gulden am Kloster verursacht. Im Juli reparierte der kurfürstliche

Baumeister Michael Haigel den Kirchturm. Außerdem stellte er zusammen mit dem Wessobrunner Maurermeister Georg Schmutzer  das von den Schweden abgebrannte Wirtshaus wieder her.

Am 23. August besuchte Herzog Albert der Leuchtenberger, der Bruder des Kurfürsten Maximilian zusammen mit seinem Sohn  Sigmund Albert das Kloster Heiligenberg. Da erlitt Abt Michael auf den Tag genau dreißig Jahre nachdem er Abt geworden war einen

Schlaganfall, an dem er noch am selben Tag verstarb. Am 28. September wurde der neue Abt Maurus Frieseneger gewählt und einen Tag später geweiht. Er war 1590 als Sohn eines Bäckermeisters geboren worden, besuchte bis 1612 das Jesuitengymnasium in

München. 1614 legte er im Kloster Heiligenberg  die Profess ab. Dann war er Novizenmeister. Von 1627-1638 war er Pfarrvikar von St. Vitus in Erling und zugleich Subprior der Abtei. In seiner Erlinger Zeit begann er mit der Chronik von Erling und Heiligenberg. Sie

schildert die Begebenheiten In Erling und dem Kloster während des Krieges von 1627-1648. Es ist eines der bedeutendsten autobiographischen Zeugnisse seiner Zeit. In seiner Amtszeit als Abt setzte er sich wie sein Vorgänger für die Gegenreformation in   der

Oberpfalz ein und förderte die Benediktineruniversität in Salzburg, mit der das Kloster Heiligenberg in enger Verbindung stand.

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Die nächsten beiden Jahre verliefen einigermaßen ruhig.1544 hatte Abst Maurus schon einige Häuser im Dorf wieder aufgebaut und verkaufte sie weiter “aber alle sehr wohlfeil und unter der Hälfte verkauft, als was sie gekostet, weil noch niemand gerne Häuser

und Güterübernehmen wollte, die wegen dem ungewissen Ausgang des Kriegs noch nicht sicher zu behaupten waren.” Im August 1642 schlug der Blitz in den Turm der Klosterkirche, allerdings ohne weiteren Schaden zu verursachen, was aber in wenigen Jahren

schon siebenmal passiert war. Der Chronist vermerkt das nicht ohne Sorge, dass der Turm doch einmal Feuer fangen wird. Nicht unberechtigt, wie die Zukunft zeigt. Die letzten Kriegsjahre verbrachte der Abt öfters in Tegernsee. Und im letzten Jahr des

mörderischen Krieges war der Abt in Salzburg an der Universität. Am 6. November machte sich der Abt auf nach Heiligenberg und er fand es besser an, als er befürchtet hatte, wenngleich der Getreidekasten ganz leer war. Wie er  in seiner Chronik geschildert hatte,

Abst Maurus schon in den letzten Kriegsjahren mit dem Wiederaufbau begonnen. Das Kloster erholte sich vergleichsweise schnell. Mit einem gewissen Stolz vermerkt Abt Maurus, dass Pater Mathias aus dem Kloster 1652 Prior in Nieder-Altaich und 1653 Abt von

Asbach wird.Er ist damit das zweite Andechser Konventsmitglied, das in einem anderen Kloster Abt wird. Abt Maurus stirbt am 11. Mai 1655 wo er vor dem Liebfrauenaltar bestattet wird. Auf ihn folgt der aus Landsberg stammende Cölestin Probst. Er lehrte auch an

der Universität Salzburg. Er dankt 1665 ab und wird noch bis 1666 an der Universität Salzburg geführt. Sein Nachfolger ist der aus Weilheim stammende Abt Maurus von Rambeck. Seine Profess hatte am 12.6.1650 abgelegt.Am14 1. 1666 wurde er zum Abt gewählt.

Studiert hatte er in Andechs,  Salzburg und Wien. Er bekam schnell Gelegenheit, seine Tatkraft unter Beweis zu stellen. Am 3. Mai 1669 schlug, man ist versucht zu sagen, wieder Mal der Blitz ins Kloster ein. Nur wurde diesmal das gesamte Kloster mit Ausnahme der

heiligen Kapelle und des Reliquienschatzes ein Raub der Flammen. Grade mal zwanzig Jahre nach dem verheerenden großen Krieg eine erneute Katastrophe. Doch Abt Maurus begann unverzüglich mit dem Neubau. Das Kloster erhielt im Wesentlichen seine

Gestalt, die es heute noch hat. Er setzte sofort alle Hebel in Bewegung, um Bauhilfen für Kloster und Kirche zu erhalten. Die Oberösterreichische Hofkammer bewilligte aus dem Ehrenbergischen Gehölz 30-40 Lärchenstämme, bei der bayrischen Landesherrschaft

bemühte er sich ebenfalls um Bauholz und Futtergetreide für die Zugpferde, die für den Holztransport benötigt wurden. Der Kurfürst genehmigte 600 Stämme Bauholz und 30 Scheffel (ein Scheffel entspricht ungefähr 50 Liter) Hafer. Außerdem schickte er seinen

Prior zu anderen Klöstern und Stiften, um Gelbeihilfen zu bekommen. Viel war  freilich nicht zu bekommen. Der Krieg lag noch viel zu kurz zurück. Ottobeuren und Tegernsee schenkten jeweils 150 Gulden nicht ohne umständliche Entschuldigungen, nicht mehr

geben zu können. Auch um Darlehen ging der Abt Klöster an. Rott bewilligte 500 Gulden zinslos, Ettal 300 und Benediktbeuren schenkte 150 Gulden. Kapital, das das Kloster beim Bundeszahlamt und die bei der gemeinen Landschaften stehenden Kapitalien von

5000 Gulden kündigte er. Den Kurfürsten bat er um eine Anleihe aus der Konvertitenkasse. Dazu wurden Risse über das Aussehen des alten und die Planung des neuen Klosters verlangt, dazu einen Kostenvoranschlag für die Baukosten. Das besorgte der Münchner

Hofbaumeister Marx Schinnagl (von 1654-1681 Hofbaumeister) Sein Kostenvoranschlag vom Februar 1670 belief sich auf 27230 Gulden. Die Bischöfe von Freising, Salzburg, Augsburg, Regensburg und Passau bat er um den Konsens für eine Kirchenumlage.Sämtliche

Kirchen in Bayern sollten mit einer Abgabe belegt werden und zwar je Gulden Vermögen zwei Kreuzer, weniger vermögende ein Kreuzer. So sollten die geschätzten Kosten in vier Jahren zusammen kommen. Als  der Abt gehört hatte, dass die Pfarrkirche St.

Peter ein neues Uhrwerk bekommen sollte, bat er Bürgermeister und Rat, ihm das alte für seine Kirche zu überlassen, was dann tatsächlich geschah. Noch 1669 konnte die Kirche neue eingedeckt werden. 1671 wurde das Kloster wieder bezogen. 5 neue Glocken

wurden aufgezogen. Ein neues Chorgestühl folgte. 1679 entstand  der obere Hochaltar.  Doch trotz dieser finanziellen Lasten blieb das Kloster wirtschaftlich handlungsfähig. Es kam sogar weiterer Grundbesitz hinzu. War Wein als Tischgetränk im Kloster erst

1524 erlaubt, so wurden 1674 zwei Weingüter in Moritzing bei Bozen gekauft. 1687 wurde eine erste  Wasserleitung gebaut, was die Wasserversorgung auf dem Heiligenberg wesentlich verbesserte.

Ein weiteres wichtiges Ereignis für die Benediktinerklöster in Bayern war des Breve “Circumspecta”  von Papst Innozenz XI. (1676-1689). Damit wurde die bayrische Benediktiner Kongregation 1684 gegründet. An dem vom Tridentinum schon 1563 geforderten

Zusammenschluss von Klöstern in einer Kongregation arbeiteten die bayrischen Benediktinerklöster ja schon 1627, als die Äbte von  Andechs, Tegernsee und Scheyern beim bayrischen Kurfürsten einen Vorstoß zu einem Zusammenschluß der Klöster machte. Dies

scheiterte ja am Widerstand der Bischöfe, allen voran der Augsburger Bischof Heinrich von Knöringen, da sie einen Verlust an Einflußnahme  befürchteten. Der Augsburger Bischof verbot weitere Initiativen in dieser Frage. Als 1681 der bayrische Kurfürst die

Benediktiner unterstützte, kam wieder Bewegung in die Angelegenheit. Die bayrischen Prälaten trafen sich am 16. Juni 1684 in München  mit dem bayrischen Gesandten Abbate Scarlatti in Rom. Mit dem Breve wurde die bayrische Kongregation am 26. August 1684

als Institution zur Stärkung der monastischen Disziplin, der Wissenschaft und des Glaubens gegründet. Im November 1684 fand unter dem Abt Cölestin Vogel von St. Emmeran als Präses das erste Generalkapitel statt. Die Bischöfe von Regensburg und Passau hatten

den Klöstern ihrer Diözese die Teilnahme verboten. Und auch der Augsburger Bischof hatte sich wegen der in seinen Augen rechtswidrigen Exemtion der Mitgliedsklöster an den Kurfürsten gewandt. Der Kurfürst wies dies aber zurück und erreichte eine “amicabilis

compositio “ mit den Bischöfen. Darin wurde festgehalten, dass  die bayrischen Benediktinerklöster zum Gehorsam ihrem Diözesanbischof verpflichtet waren. 19 der 26 bayrischen Klöster traten der Kongregation bei. Die bayrische Kongregation war nach dem

Vorbild der Helvetischen gegründet worden. Deshalb wurde die Jurisdiktion dem päpstlichen Nuntius in Luzern übertragen. Im Auftrag des Präses reisten nun die Äbte Plazidus von Benediktbeuren und Bernhard Wenzl von Tegernsee nach Luzern zu Federico

Baldeschi. Mit ihm erörterten sie die Kongregationsprobleme und erstatten nach ihrer Rückkehr am 9. Juni in München dem Kurfürsten Bericht. Das Generalkapitel versammelte sich ab dem 2. Generalkapitel, das am 1686 in Scheyern abgehalten wurde im

Dreijahresrhythmus. Ein wichtiges Instrument der Kongregationstätigkeit waren Visitationen, die zunächst jährlich und seit 1687 alle drei Jahre stattfinden sollten. 1788 wurde in Wessobrunn die Gründung einer wissenschaftlichen Gesellschaft beschlossen, die in

Verbindung mit der Kurfürstlichen Akademie in München stand. Die Kongregation bestand bis zur Säkularisation 1803 und wurde 1858 durch Papst Pius IX. in den wiederhergestellten Klöstern in Bayern wieder gegründet.

Abt Maurus II. stirbt 1686.  Ihm folgt Quirin Wessenauer aus Salzburg nach. Er übernahm 1690 den Besitz des Hochschlosses Pfähl. Das Kloster war allerdings nicht am Schloss sondern nur am Grundbesitz interessiert. Schon im 30.-jährigen Krieg stark beschädigt

verfiel es weiter.Abt Quirins letzte Lebensjahre waren von neuen Kriegswirren überschattet. Er starb 1704 in München.

Der letzte spanische Habsburger Karl II. hatte keinen Erben und so wurde ab 1697 an allen europäischen Höfen über die spanische Thronfolge nachgedacht. Sowohl der französische König Ludwig XIV. als auch der deutsche Kaiser, der Habsburger Leopold I. waren

mit Töchtern von Philipp IV. von Spanien verheiratet. Beide machten Erbansprüche auf den Bourbonenthron geltend. Die Machtkonstellation würde erheblich erschüttert, sollte sich Frankreich oder Kaiser Leopold Spanien ganz einverleiben.  Nun handelte Ludwig

XIV. mit Wilhelm III. von England, der daran interessiert war, Frankreich nicht zu stark werden zu lassen, einen Teilungsvertrag aus. Der bayrische Prinz Joseph-Ferdinand (1692-1699), der Sohn des bayrischen Kurfürsten Max Emanuel  sollte Spanien bekommen. Die

restlichen europäischen Besitzungen Spaniens sollten zwischen Ludwig und Leopold geteilt werden. Der Plan aber wurde hinfällig. Denn der bayrische Prinz starb im Alter von 6 Jahren. Kurz vor seinem Tod änderte Karl II. sein Testament den Enkel Ludwigs XIV.

Philipp von Anjou zum Erben ein. Am 1. November 1700 starb Karl. Der französische König nahm das Testament nur zögerlich an. Er erlaubte Philipp als Philipp V. den spanischen Thron zu besteigen. Am 1. Februar 1700 zog Philipp in Madrid ein . Leopold legte

zunächst nur Protest ein. Gleichzeitig hatte sich aber auf Betreiben Englands die Große Haager Allianz gebildet.Der bayrische Kurfürst hatte sich gegen Zahlung von Subsidien zum Unterhalt einer 15000 Mann starken Armee dafür zu sorgen, dass das vom

schwäbischen und fränkischen Reichskreis gebildete Bündnis auch im Kriegsfall neutral blieb. Das reichte allerdings noch nicht um Max Emanuels Träume von einer Gebietserweiterung oder einer souveränen Krone zu erfüllen. 1702 schlug er deshalb dem

französischen König vor, das bereits bestehende Defensivbündnis in ein Offensivbündnis umzuwandeln. Der Kaiser erklärte am 1702 Frankreich den Krieg. Offen zeigte sich der Konflikt, als Max Emanuel die schwäbische Reichsstadt Ulm überfiel. Er hatte damit

Landfriedensbruch begangen. Bald hatte Max Emanuel auch Memmingen und Dillingen in seiner Hand und bedrohte Augsburg und Neuburg an der Donau, schließlich sogar Regensburg, die Stadt des Immerwährenden Reichstages. Ein Vorstoß nach Tirol glückte

wegen eines Aufstandes der dortigen Bevölkerung nicht. In der 2. Schlacht von Höchststädt wurde das bayrisch-französische Heer von  dem englisch-österreichischen Heer unter dem Duke of Marlborogh, einem Vorfahren von Winston Churchill und Prinz Eugen von

Savoyen geschlagen. Max Emanuel ging mit seinem Bruder Joseph Clemens von Bayern, dem Kurfürsten von Köln ins Exil. Er wurde in die Reichsacht getan. Bayern war von österreichischen Truppen besetzt und kam unter kaiserliche Verwaltung.Im Frieden von

Rastatt 1714 wurden Max Emanuel sowie sein Bruder Joseph Clemens wieder restituiert und der Vorkriegszustand weitgehend wieder hergestellt.

Der in München als Sohn des Bäckermeisters Georg und seiner Frau Barbara geborene Maurus hatte mehrere Brüder. Zwei Heinrich und Marin waren Patres in Andechs und Schäftlarn. Gregor war Prior in Weihenstephan und Benno hatte in Wessobrunn 1698 seine

Profess abgelegt und war bis zu seinem Tod Pfarrer in Wessobrunn. Maurus schließlich wurde 1705 zum Nachfolger von Abt Qurin gewählt. Trotz der schwierigen Zeitläufte führte er das Kloster sowohl durch den spanischen als durch den österreichischen

Erbfolgekrieg (1740-1748), was seiner Gewandtheit zu zuschreiben war. Das Kloster ging einer Zeit hoher Blüte entgegen. 1721 war im Gut Kerschlach ein Neubau errichtet worden. Obwohl das Kloster über eine große Anzahl eigener Pferde verfügte, sei der Abt

eigens nach Keferloh gereist, um für das Gestüt einen Zuchthengst und zwei Stuten zu kaufen. Er hatte während seiner Amtszeit die Kirche mit einer neuen großen Orgel versehen, da die alte wohl beim großen Kirchenbrand verloren

gegangen war. Er starb 1746.

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Als sein Nachfolger wurde Bernhard Schütz aus Wessobrunn gewählt. Das große Ereignis in der Amtszeit von Abt Bernhard war das anstehende 300-jährige  Jubiläum der Abtei 1751 hatte sich das Kapitel für die leichte bauliche Veränderung und Ausgestaltung im Stil

des Rokoko entschieden. Schon 1721 waren die Fenster der gotischen Wallfahrtskirche verändert worden. Die wandfeste Ausstattung übernahm Johann Baptist Zimmermann (1680-1758), älterer Bruder des Dominikus, des Erbauers von Steinhausen und der Wies.

An beiden  hatte auch Johann Baptist mitgearbeitet. Er war seit 1729 Hofstuckateur mit Hofschutz (Das umfasst Steuerbefreiung, Befreiung vom Zunftzwang und weiteren Vorrechten). Nachdem er mit der Stuckierung des Treppenhauses von Schleißheim seinen

ersten Auftrag  erhalten hatte, avancierte er allmählich zum bevorzugten Stuckateur des bayrischen Adels. Das Bildprogramm von Zimmermann stellt Andechs nicht nur als Ort des Heiles sondern auch Ort der Heilung dar. 26 Bilder auf der Emporenbrüstung erzählen

die Geschichte des heiligen Schatz, aber auch den vergeblichen Versuch der Schweden, die Marienstatue zu stürzen, aber auch die Feuersbrunst von 1669. Im Andechser Heiligenhimmel werden sind Menschen um die Dreihostienmonstranz versammelt. Es sind

Heilige, die angeblich mit diesen drei Hostien in Zusammenhang standen. Dann sind auch Heilige und Selige des Andechser Grafengeschlechts abgebildet sowie Heilige von den Reliquien in Andechs aufbewahrt sind. In Gewölben wird auf Stifter und Wohltäter der

Kirche hingewiesen. Der Weilheimer Maler Franz Xaver Schmädl arbeitete für die bewegliche Ausstattung. Auch der Münchner Bildhauer Johann Baptist Straub arbeitete an den Altären. Im Refektorium arbeitete der Wessobrunner Stuckateur Franz-Xaver Schmuzer

(1713-1775). Dort  ist auch ein blauer von fünf Löwen getragener Kachelofen mit dem Abtswappen von Bernhard Schütz. Aber auch das Jubiläum selbst wurde zum großen Fest. Es wurde in der Woche vor dem Michaelstag begangen. Der Andechser Pater, Gregor

Schreyer,der 1740 sein Ordensgelöbnis in Andechs abgelegt hatte, hatte für jeden Tag der 8 Festtage eine Messe komponiert, die mit eigens aus München gekommen Musikern aufgeführt wurde. Er wurde von seinen Zeitgenossen als versierter Geiger und Organist

geschätzt. Er hatte Einfluss auf die Musikentwicklung im Orden der Benediktiner in Bayern. Natürlich wurden auch Festpredigten gehallten. Es gab aber auch große theologische Disputation. Auch die Wallfahrt hatte Konjunktur. Über 80 000 Menschen seien in dieser

Woche nach Andechs gepilgert und –so wird überliefert- über 30 Priester zugleich  hätten Kommunion austeilen müssen. Viele Andechser Patres  lehrten an der Universtität Salzburg. Wie das Beispiel Gregor Schreyer zeigt, hatte auch die Pflege der Musik ihren

Stellenwert.

1759 verstarb Abt Bernhard Schütz. Sein Nachfolger wurde Meinrad Mosmüller aus Issing, heute Gemeinde Vilgershofen. Er war wie sein Vorgänger Novizenmeister im gemeinschaftlichen Noviziat der bayrischen Benediktinerkongregation. Er lässt zwischen 1763

und 1767 die zweigeschossige Klosterapotheke errichten. Er starb 1767. Ihm folgten mit Josef Hörl aus Hamfeld (1767-1775). Zur Zeit seines Amtsantritts herrschte eine große Hungersnot. Trotzdem konnte er den wirtschaftlichen Zustand der Abtei erfolgreich

verbessern. Johann Baptist Bergmann aus Regensburg  wurde am 8. September 1776 gewählt. Ihm lag die Förderung wissenschaftlichen Strebens am Herzen. So kümmerte sich um Vermehrung des Archivs und der Bibliothek. Aus seiner zeit stammt das physikalische

und Naturalienkabinett. Er starb am 30. November 1790. Mit Gregor Rauch  wurde am 3. Januar 1791  der letzte Abt in Heiligenberg bis zur Säkularisation 1803 gewählt  . Gregor war Sohn des Lehrers Johann Michael und der Maria Elisabeth Rauch. Er hatte noch 5

Geschwister, die alle ebenfalls Benediktiner waren. Er starb am 12. März 1812 bei seinem Bruder P. Placidus, der Pfarrer in Epfach war.

1803 wurden alle Klöster nach dem Reichsdeputationshauptschluss aufgelöst. In Andechs wurde alles verkauft. nur die alte Apotheke und die Wallfahrtskirche blieb in Staatsbesitz. 1812 wurde die Apotheke aufgelöst. Ihr Inventar ging an das Allgemeine

Krankenhaus nach München. Die Konventualen durften zwar noch im Kloster wohnen bleiben. Aber jedes monastische Leben war ihr untersagt, so dass die ehemalige klösterliche Gemeinschaft rasch auseinanderfiel. Vor allem die jüngeren Mönche suchten neue

Aufgaben in der Seelsorge oder Lehre.

Die Versuche mit der Einrichtung einer regionalen Industrie gingen schief. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel ging das ehemalige Klostergut an den Freiherren von Jordan, der es erfolgreich bewirtschaftete. Er verkaufte es 1846 für 65000 Gulden an König Ludwig I.

von Bayern, der es aus seiner Privatschatulle erwarb. König Ludwig hatte schon die Klöster Metten (1830), Scheyern ( 1837)Weltenburg (1842) und in München sollte die Abtei St. Bonifaz neu gegründet werden. Zur wirtschaftlichen Versorgung wurde das Kloster

Andechs als Priorat der Stadtniederlassung gegründet.

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Paul Birker wurde am 19. Oktober 1814 als Sohn des Zimmermanns Josef Birker und der Agnes Abt in Sonthofen geboren. Nach dem Besuch des St. Anna Gymnasiums in Augsburg studierte er Theologie in München. Danach trat er in die neugegründete

Benediktinerabtei St. Stephan in Augsburg ein. Dort legte er 1838 die Profess ab und empfing ein Jahr später die Priesterweihe. Er wurde Novizenmeister und Prior des 1835 als Priorat von St. Stephan wiedergegründeten Kloster Ottobeuren. 1847 bestellte ihn

König Ludwig zum 1. Abt von St. Bonifaz in München. die Weihe erfolgte am 5. Mai 1851. Mit seinen strengen Vorstellungen von mönchischer Askese und Klosterleben konnte er sich im Konvent allerdings nicht durchsetzen. 1854 trat er deshalb zurück.

Er ging schließlich in die Schweiz, war hoch angesehen als Gelehrter, Schulmann und Prediger und bekam das Kloster Disentis übertragen.Allerdings resignierte er 1877 auch dort und zog sich nach St. Bonifaz zurück, wo er 1888 starb.

Auf ihn folgte Daniel Bonifaz von Haneberg. Er wurde am 16. Juni 1816 als dritter von vier Söhnen des Bauern Thomas Haneberg  auf einem Einödhof bei Kempten geboren. Da seine Sprachbegabung früh erkannt wurde, wurde er nach Kempten aufs Gymnasium

geschickt. Nach der dritten Gymnasialklasse wechselte er nach München. An der Universität München  studierte er Philosophie, Theologie und orientalische Sprachen. Neben Hebräisch, seinem Studienfach sprach er Arabisch, Koptisch, Armenisch, Farsi, Sanskrit und

Chinesisch. Natürlich beherrschte er Englisch, Französisch und Portugiesisch. Neugriechisch sprach er wie seine Muttersprache. Verständigen konnte er sich aber auch in Russisch und Türkisch. Zu seinen Universitätslehrern zählten Ignaz Dollinger und Johann Adam

Möhler, der römisch-katholischen Theologen, der die jüngere Tübinger Schule prägte. Ab 1840 war Haneberg außerordentlicher Professor, ab 1844 ordentliche Professor an der Uni München. Ab 1846 war ordentliches Mitglied der  Deutschen Morgenländischen

Gesellschaft. 1850 trat er als Novize in St. Bonifaz ein. Während seines Noviziats unterbrach er seine Vorlesetätigkeit für ein Jahr. 1854 wurde er zum Nachfolger für den zurückgetretenen Abt Paul Birker gewählt und am 16. März 1855 geweiht. Neben seiner

Bestimmung als Ökonomie erhielt Andechs die Aufgabe, ein Rettungs- und Erziehungshaus für  verwahrloste und gefährdete Jugendliche einzurichten. Dies geschah 1856 unter Abt Daniel Bonifaz. Das Haus arbeitete mit unterschiedlichem Erfolg und teilweise

auch gegen den Widerstand staatlicher Kulturpolitiker.

Papst Pius IX. wollte Daniel Bonifaz an die vatikanische Bibliothek berufen. Doch dagegen intervenierte Maximilian II. Dreimal war Daniel Bonifaz schon für einen Bischofsstuhl vorgeschlagen worden. Den 4. konnte er auch auf ausdrücklichen Wunsch von Papst Pius

IX. nicht mehr ausschlagen. So wurde er 1872 auf den Bischofstuhl von Speyer erhoben. Dort wirkte noch bis zu seinem Tod als richtiger Seelsorgebischof. Er ist im Speyrer Dom begraben.

Das 400-jährige Jubiläum der Klostergründung wurde 1858 begangen. Die Zeitläufte waren andere geworden. Die Wallfahrt war zum Erliegen gekommen. Bitt-und Wallfahrtszüge waren verpönt.Großartige Kirchenfestlichkeiten fanden nicht mehr statt. “ nur mehr

die lebenslustige Welt bestieg den heiligen Berg um Naturschönheiten zu genießen oder irdische Interessen zu verfolgen” wie Pater Magnus Sattler in seinem “Büchlein vom Heiligen Berg” fast wehmütig vermerkt. Das Jubiläum wurde aber von einer großen

Menschenmenge begangen. Man war dankbar, dass Andechs “in den religiösen zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts bewahrt worden und wieder eine Trost-und Zufluchststätte für Hilfsbedürftige jeder Art”  geöffnet war.

In St. Bonifaz folgte Benedikt Zenetti auf Abt Daniel Bonifaz. Benedikt Zenetti wurde am 13. Mai als Sohn des bayrischen Regierungsbeamten Johann Baptist von Zenetti und seiner Ehefrau Josepha von Mieg geboren. Er war auf den Namen Wilhelm getauft worden.

Sein Vater wurde später Regierungspräsident der Pfalz. Wilhelm Zenetti begann 1839 an der Universität München mit dem Studium der Philosophie und Rechtswissenschaften. 1844 wechselte er zur Theologie und wurde am 1. August 1847 zum Priester geweiht. Er

trat zur gleichen Zeit wie sein Vorgänger in das neugegründete Kloster Sankt Bonifaz ein und nahm den Ordensnamen Benedikt an. König Ludwig berief ihn 1866 als ersten Prior in das wiedergegründete Kloster Schäftlarn. 1872 folgte er Abt Daniel Bonifaz nach.

Er war bis zu seinem Tod 1904 Abt in St. Bonifaz

Eine wichtige Person war für das Kloster Andechs der Prior Magnus Sattler (1827-1901) Er war ab 1858 Oberer und von 1873 an bis kurz vor seinem Tod Prior in Andechs. Mit Wagemut und Tatkraft legte er die Grundlage für das nachhaltige Wirtschaftswachstum

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der klösterlichen Wirtschaftsbetriebe im 20. Jahrhundert. Die klostereigene Landwirtschaft stellte die Hauptlebensgrundlage dar. Die Brauerei war nur ein Nebenbetrieb, der Rohstoffe verarbeitete. Dessen Abfälle wiederum standen der Landwirtschaft als

Futtermittel zur Verfügung. 1871 ließ Pater Magnus die Brauerei auf Dampfbetrieb umstellen. 1893 wurden Fasstadel und Lagerhalle und 1894 das Sudhaus erneuert.1890 war der Klosterladen errichtet worden. Viele  andere Wirtschaftsgebäude wurden saniert,

neue Ställe gebaut. Der Viehbestand wurde verdoppelt, der Grundbesitz erweitert. Unter seinem Nachfolger als Prior Augustin Engel wird 1907 die siebenstöckige Mälzerei im neubarocken Stil erbaut. sie soll auch den abrutschenden Osthang sichern. Schließlich

entstehen 1925 und 1958 neue Füllereianlagen.

Auch als Buchautor hatte sich Magnus Sattler einen Namen gemacht mit seiner Chronik von Andechs “Das Büchlein vom Heiligen Berg.

Abt Georg Danner hatte 1905 die Schwaige Rothenfeld erworben. Hier wurde nun eine Fürsorgeanstalt gebaut. Seit 1879 waren auch straffällig geworden Jugendliche in Andechs aufgenommen worden. Da immer weniger Brudermönche in Andechs tätig waren,

die Kosten aber davonliefen und die wirtschaftliche Lage in den 20-iger Jahren immer schwieriger wurde, musste Abt Bonifaz Wöhrmüller (1919-1951) 1925 die Sankt Nikolausanstalt und 1933 die Gregoriusanstalt aufgeben. Die Gebäude wurden an die

Redemptoristen verkauft.

Im 2. Weltkrieg werden 25000 der wertvollsten Bände der Stiftsbibliothek von St. Bonifaz, die 130000 Bände umfasst, nach Andechs ausgelagert. Der in München verbleibende Bestand geht in der Nacht vom 9. März (auf Aschermittwoch) 1943 in flammen auf.

Durch eine glückliche Fügung wird das Kloster in den letzten Kriegstagen nicht bombardiert. Die Stadtabtei war aber völlig zerstört worden. Hinsichtlich der Ernährung wurde sie aber vom Landpriorat über Wasser gehalten. Abt Hugo Lang wurde 1951 als Nachfolger

von Abt Bonifaz Wöhrmüller gewählt. Er ist in Rottenburg an der Laaber am 3. Dezember 1892 geboren. In München hatte er Philosophie und katholische Theologie studiert. 1911 trat er in St. Bonifaz ein, 1918 wurde er zum Priester geweiht und 1925 promovierte er

in Tübingen. Seit 1946 war er Honorarprofessor an der Universität München. Einen Namen machte er sich als Rundfunkprediger mit seinen Sonntagspredigten, die der Bayrische Rundfunk von 1946-1952 ausstrahlte. 1951 wurde erschließlich Abt von St Bonifaz.

Seine wirtschaftlichen Kompetenzen wurden allerdings nicht so hoch eingeschätzt.

1968 trat mit Bruder Oswald Eser der letzte Andechser Brauer aus dem Konvent in den Ruhestand.

Nachfolger von Abt Hugo Lang wurde Odilo Lechner, der 1931 in München geboren wurde. Er studierte in München, Innsbruck und Würzburg Philosophie und Theologie. 1952 trat er in die

Benediktinerabtei St. Bonifaz ein. 1956 wurde er zum Priester geweiht. 1961 studierte er weiter und promovierte 1963 bei Professor Rudolf Berlinger  zum Doktor der Philosophie. 1964 wurde er Abt von St. Bonifaz und zweimal (1972-1978 und 1984-1993) und

1972-1982 1. Vorsitzender der Salzburger Abtskonferenz. 2003 löste ihn der jetzige Abt Johannes Eckert ab. Die letzte Wahl ging nicht ohne großes öffentliches Aufsehen ein. Von vielen war der bisherige Andechser Prior und Cellerar Anselm Bilgri

als neuer Abt erwartet worden. Nach Differenzen mit dem neuen Abt nahm Anselm Bilgri ein Sabbatjahr und erklärte dem Abt ein Jahr später, dass er nicht in die klösterliche Gemeinschaft zurückkehren werde.

Seit 1992 dem 10. Todestag von Carl Orff finden in Andechs die Carl Orff Festspiele in Andechs statt, seit 2011 in Trägerschaft des Klosters selbst. Carl Orff ist in der Schmerzhaften Kapelle” des Klosters  Andechs begraben

Zu 550 Jahrfeier, das wieder größer und festlich begangen wurden, pilgerten wieder Tausende auf den Heiligen Berg.

20 Mönche leben derzeit in den beiden Häusern der Abtei St. Bonifaz und Andechs, davon drei mit zeitlicher Profess und ein Novize.

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01 März 2012