Reichsabtei Elchingen

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Um 1075 wird Graf Adalbert von Elchingen (Ravenstein-Irrenberg) als Sohn des Hochfreien Adalbert des Älteren von Stubersheim geboren. 1102 oder 1103 heiratet er Bertha von Boll (Gräfin von Elchingen). Diese ist die Tochter Friedrichs I. von Schwaben und der Agnes, der Tochter von Kaiser Heinrichs IV. Diese beiden haben eine Tochter, Luitgard, die mit Konrad dem Großen von Wettin vermählt ist.

Graf Adalbert gründete vor 1120 zusammen mit seiner Gemahlin Bertha ein Kloster in den Ulmer Donauauen. Es entstand als Reformkloster, Klöster die zwischen 1080 und 1020 in rascher Folge gegründet wurden, sowie Neresheim, Wiblingen, Blaubeuren, Zwiefalten und Lorch. Die Erneuerungsbewegung des benediktinischen Mönchtums ging von Cluny in Burgund aus und wurde in Deutschland hauptsächlich von Hirsau getragen.

Der erst Abt in Elchingen war Andreas von Aichheim. Er regierte von 1128-1139. Die ersten Mönche kamen aus Lorch und aus Hirsau. Sie brachte auch außer den Reformideen die neue romanische Bauweise im streng gebundenen System mit, das sogenannte Hirsauer Bauschema. Hierbei werden die Querarme, der Chorarm und die beiden Langhausjoche mit ihren Seitenschiffen aus den Maßen der Vierung der Kirche entwickelt. In dieser Weise wurde die erste Klosterkirche in Elchingen zwischen 1150 und 1160 errichtet und der Mutter Gottes und den Aposteln Petrus und Paulus geweiht. Markgraf Konrad von Meißen, der Schwiegersohn des Stifterpaares, verlegte das Kloster auf seine Burg über dem Dorf Elchingen.

300px-Dresden_Fuerstenzug_Konrad_der_GrossePapst Innozenz II. (1130-1143) nahm das Kloster in den Schutz des Apostolischen Stuhles. Das Kloster erhielt reiche Schenkungen und hatte schon bald großen Grundbesitz und Wohlstand. Es wurde aber auch von großen Bränden heimgesucht, so im Jahre 1395, 1430 durch Blitzschlag und 1469. Viele Urkunden gingen so verloren. Abt Friedrich Zwirner (1431-1461)aus Bernstadt gilt als wichtiger Bauherr.

In seiner Regierungszeit war das Kloster abgebrannt. Auch sein Nachfolger

Paul Kast aus Ulm ist als großer Bauherr überliefert. Dieser wurde noch zu Lebzeiten Friedrichs Zwirner, der 1465 starb, zum Abt gewählt. Kast starb 1498.

Noch in seiner Amtszeit wurde das Kloster von König Maximilian 1486-1519)  zur freien Reichsabtei erhoben. Der Abt war als Reichsprälat im Reichstag des Heiligen Römischen Reiches vertreten. Doch die Reichsstadt Ulm hatte ein Aufsichtsrecht über das Kloster. Fast ein Jahrhundert lag der Konvent im Streit mit der Stadt Ulm.

Die Lage an den bedeutendsten Heerstraßen der damaligen  Zeit, nämlich Ulm-Nürnberg und Ulm Augsburg brachte dem Kloster  nicht nur Segen. Mehrmals wurde es restlos ausgeplündert.

Im 15. galten die Elchinger Mönche und ihr Klosterleben als vorbildlich. Sie stellten öfters auch Äbte für Klöster in Schwaben und verbreiteten so die vom Kloster Melk ausgehende Reformbewegung des Benediktinerordens in Schwaben.

Unter Abt Hieronymus Herzog, der 1519 Abt wurde und 1541 starb wurde das Kloster im Bauernkrieg 1525 kurz vor der Schlacht von Leipheim von 4000 Langenauern und 5000 Leipheimern geplündert.

1520-1522 wird in Ulm die Reformation eingeführt. Die Reichstadt Ulm unterband den katholischen Gottesdienst. Abt und Mönche wurden gezwungen, das Kloster zu verlassen. Unter Abt Andreas Thierlin (1541-1547) besetzten 1546 spanische Truppen das Kloster. Im Donaufeldzug des Schmalkaldischen Krieges wurde das Kloster  dann in Brand gesetzt. 1547 setzte Kaiser Karl V. (1520-1556) die Mönche aber wieder ein. Noch während des klosterneubaus starb Abt Andreas 1547. Sein Nachfolger Thomas Klaus aus Weisenhorn starb nur 16 Tage nach seiner Wahl an der Pest. Der Abtei blieben nur wenige Jahre der Erholung und Entspannung.

Unter den Äbten Johannes II. Speigelin (1620-1638) und Johannes III. Treu aus Günzburg 1638-1657 tobte der Dreißigjährige Krieg. Die Abtei hatte wieder Plünderung und Zerstörung zu erleiden und musste immense Abgaben leisten.

Abt Johannes Treu gründete zum Dank für die Rettung aus Kriegsnöten die Siebenschmerzensbruderschaft. Die seit alter Zeit bestehende Wallfahrt zur Schmerzhaften Mutter Gottes von Elchingen nahm großen Aufschwung.

170px-Wolframs-Eschenbach_Liebfrauenmünster_Marienkapelle_Gnadenbild_detail Abt Anselm Bauser (1657-1685) erneuerte die Kirche in “italienischem Stil”

Das Kloster gelangte nochmals zu großer Blüte. Unter Abt Robert Kolb (1766-1793)

wurde die Klosterkirche noch einmal durch Blitzschlag zerstört. Sie wurde aufwändig frühklassizistisch erneuert. Der Wettenhausener Stiftsbaumeister Joseph Dossenberger (1720-1785), ein Schüler von Dominikus Zimmermann, entwarf den Bau. Die Ausstattung des Langhauses sowie die Deckenfresken übernahm Januarius Zick (1730-1797), der ja auch in Wiblingen und Rot an der Rot

gewirkt hatte.

Robert II. von Elchingen wurde 1801 zum Abt gewählt. Aber 1802 wurde das Kloster säkularisiert. Der letzte Abt starb 1810 in Elchingen.

Die Besitzungen des Stiftes fielen an Bayern. Die Gebäude wurden versteigert. Dei Bibliothek kam nach Dillingen.

1840 waren fast alle Klostergebäude abgerissen.

Berühmt wurde Elchingen auch in den Napoleonischen Kriegen. Am 14. Oktober 1805 schlug der französische Marschall Ney österreichische Truppen, die sich auf dem Klosterberg verschanzt hatten. Von seinem Kaiser erhielt der siegreiche Feldherr den Titel eines Herzogs von Elchingen.

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Kommentar (1)

  1. Ahnenjäger

    An alle Geschichtsintressierten, ich schreibe das hier mal so dazu, kann ja in obigen Text eingefügt oder wenn zu speziell ja auch wieder gelöscht werde.

    Geschichtszusätze, in Klammern eingefügt

    Um 1075 wird Graf Adalbert von Elchingen (Ravenstein-Irrenberg) als Sohn des Hochfreien Adalbert des Älteren von Stubersheim geboren. 1102 oder 1103 heiratet er Bertha von Boll (Gräfin von Elchingen). Diese ist die Tochter (Herzog)Friedrichs I. von Schwaben und der Agnes(von Waiblingen),der Tochter von Kaiser Heinrichs IV. Berthas Tochter ist, Luitgard,(* 1103/04 und gest. am 19.Juni 1145 in Gerbstedt, beigesetzt am 21. November 1145 in der Stiftskirche auf dem Petersberg bei Halle/S.) die mit Konrad von Wettin ( 1098/99 – 2.Februar 1157) vermählt (spätestens 1119- vermutlich aber 1118)ist.
    Lit.:
    -http://de.wikipedia.org/wiki/Agnes_von_Waiblingen
    -Chr. Schöttgen
    ( Münchener DigitalisierungsZentrum Signatur: Germ.sp 415, Geschichte von Conrad dem Großen, hier Seite 62 § 15 ff.
    – Fleyer der Gemeinde Bad Boll, Seite 5 über Berta von Boll

    Gruß Ahnenjäger

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