DIE FAMILIE VON STADION

Stadion-Wappen

 

Die Familie von Stadion stammte ursprünglich aus Graubünden. Im 13. Jahrhundert erwarb sie Besitz in Schwaben. Erstmals urkundlich erwähnt wird ein Henricus de Lapide in einer Urkunde vom 9. September 1197, die

Herzog Philipp von Schwaben in Rottweil ausstellt und in der er dem Kloster Obermarchtal alle von seinem Vater Friedrich und seinem Bruder Heinrich bewilligten Begünstigungen  bestätigt und erneuert . In dieser Urkunde

tritt ein Henricus de Lapide als Zeuge auf (WUB II, Nr. 503). In Schwaben benennt sich die Familie nach ihrem Herrensitz Oberstadion. In einer Urkunde vom 13. Mai 1270 wird dominus Waltherus de Stadegun genannt. (WUB VII. Nr.119)

Im 14. Jahrhundert erscheinen die Enkel des ober genannten Walters wieder in Rätien und Glarus als bischöfliche und österreichische Lehensträger. Am 14. Dezember 1138 stellen Ludwig und Walter von Stadion
dem Churer Bischof Ulrich V. (Ribi) von Lenzburg (1331-1355) für die Burg(Alt-)Aspermont ob Trimmis einen Pfandrevers aus. Von 1338-1343 sassen sie als Pfandinhaber auf der Burg. 1340 wurde Ludwig österreichischer Vogt in Glarus. Am 3. 1354  urkundet der Churer Bischof Ulrich V. (Ribi) von Lenzburg (1331-1355) , dass Ritter Ludwig von Stadion mit seiner Zustimmung die Feste (Alt-)Aspermont Heinrich und Martin Buwigs um 600 Pfund und zwar unter gleichen Bedingungen wie dieselbe Burg dem Stadion vom Hochstift Chur versetzt worden war. Ludwig wird in der Urkunde allein erwähnt. Sein Bruder Walter war ja 1352 bei Näfels im Kampf gegen die Glarner gefallen. Von 1348-1353 sassen die Stadion auf der Marschlins bei Iglis,die 1337 als Lehen an Herzog Albrecht II gekommen war.

1339 hatten die Brüder Walter und Ludwig zusammen mit seinem Sohn Eitel für drei Jahre von Swigger von Schellenberg die Kastvogtei über das Kloster Ochsenhausen gekauft.

Ludwig war mit Anna von Frielingen (+ 1357  Daten Ludwigs und Annas nach Wilhelm Karl Prinz zu Isenburg, Europäische Stammtafeln) verheiratet und hatte mit ihr 4 Kinder, drei Töchter und den Sohn Eitel. Ludwig starb  1364. Eitel hatte drei Söhne,

Wilhelm, Konrad und Johann. Unter diese wurde der Stadionsche Besitz aufgeteilt. Eitel starb 1386. Konrad begründete die elsässische Linie. Johann der Reiche war württembergischer Landhofmeister und hatte mit Margareta von Stain einen Sohn Ludwig, der aber schon 1472 verstarb (nach Wilhelm Karl Prinz zu Isenburg)Ludwig war mit Margareta von Gravenegg verheiratet, mit der eine Tochter hatte, Waldburg von Stadion. Diese starb1498. Die Söhne Konrad, Burkhard, Wilhelm und Nikolaus hatten keine Nachkommen, bzw. erreichten das heiratsfähige Alter nicht.Damit war die Familie ausgestorben. Johann der Reiche hatte ein  beträchtliches Vermögen erworben, dass alles der Linie von Konrad zufiel.

Konrad hatte drei Söhne, Walter, Pankraz und Johann. Pankraz war mit Agnes von Laubenberg verheiratet. Aus dieser Ehe gingen vier Söhne hervor nämlich Konrad, Nikolaus, Johann und Walter. Nikolaus war mit Agnes von Gültingen verheiratet. Nikolaus von Stadion ließ sich in Schelklingen nieder. Der Bruder von Nikolaus war mit Clara von Wernau  verheiratet. Die Familie war auch in Schelklingen begütert. Außerdem lag die Pfandherrschaft über Schelklingen bei der schwäbischen Linie der Familie Stadion.Das alles mögen Gründe gewesen sein, die Nikolaus veranlasst haben, seinen Wohnsitz in Schelklingen zu nehmen. Dort erwarb er kurz vor 1475 ein Haus.In diesem Haus wurde 1878 sein Sohn Christoph geboren.

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In Schelklingen hat Christoph wohl die Lateinschule besucht. Schon mit 12 Jahren immatrikulierte er sich am 22. April 1490 an der Universität in Tübingen. 1491 wurde er Baccalaureus und am 28. Januar 1494 erhielt er den Magister der Artistenfakultät.

In Tübingen setzte er sich mit dem Humanismus auseinander. Ab 1494 studierte er in Freiburg im Breisgau. 1497 wechselte er nach Bologna und studierte dort Rechtswissenschaften. Nicht vor 1506 machte er in Ferrara den Doktor jur. Er kehrte nach Deutschland zurück und wurde in Augsburg Domherr. 1517 wurde er Domdekan. Auch erhielt er den Rang eines kaiserlichen Rats. Der Augsburger Bischof Heinrich von Lichtenau (1505-1517) wählte in Absprache mit dem Domkapitel bereits todkrank Christoph zu seinem

Koadjudator. Am 10. April 1517 übertrug ihm Papst Leo X. (1513-1521) das Recht auf Nachfolge. Zwei Tage später verstarb Bischof von Lichtenau. Christoph von Stadion wurde am 5.7. 1517 zum Bischof geweiht. Der Beginn seiner Regierung ist zu stürmischen

Zeiten erfolgt. Am 31. Oktober 1517 schlug Luther seine Thesen in Wittenberg an.Auf dem Reichstag in Augsburg 1518 war Martin Luther selbst zugegen. Dort fand vom 12.-14. Oktober die Unterredung mit Kardinal Thomas Cajetan statt, bei der ihn dieser aufforderte, seine 95 Thesen zum Ablass zu widerrufen, da er diese für ketzerisch hielt. Luther widerrief nicht. Seiner drohenden Verhaftung entzog er sich durch Flucht.

220px-Luther-vor-CajetanIn Augsburg hatte Luther schon viele Anhänger. Bischof Christoph nahm aber zunächst eine entschiedene Position gegen diese neue Strömung ein. So belegte er den Pfarrer von Jengen, Caspar Aquila mit dem Bann.

Aquila stammte aus Augsburg und hatte in Wittenberg Theologie studiert. Dann wirkte er als Feldprediger bei Franz von Sickingen. 1516 übernahm er eine Pfarrstelle in Jengen in der Nähe von Buchloe. Dort wurde er mit den Schriften Luthers vertraut.

Er heiratete und predigte im lutherischen Sinn. Die Reformation in Jengen war eingeführt. Bischof Christoph ließ den Pfarrer zudem in Dillingen festsetzen. Bischof Christoph nahm aber eine zunehmend verbindlichere Haltung an. Er näherte sich stark an Erasmus

von Rotterdam an. Erasmus hatte 1516  eine kritische Edition des griechischen Neuen Testaments herausgegeben, die auch Martin Luther als Ausgangstext für seine Bibelübersetzung nutzte und damit natürlich ein wichtiger Wegbereiter für die Reformation war.

Doch Luther hatte die Gegensätzlichkeit der theologischen Standpunkte schon 1516 erkannt. Erasmus sah die Freiheit des Menschen darin, die ihm von Gott angebotene universale Gnade abzulehnen oder anzunehmen. Erasmus sah sehr wohl die Mißstände in der

Kirche und trat auch für eine innere Reform ein. Für ihn war Toleranz und Neutralität wichtig. Die Gefahren der Religionskriege sah er voraus. Bischof Christoph stand mit Erasmus seit 1528 in Verbindung. Als auf dem Augsburger Reichstag 1530 die Confessio Augustana verkündet wurde, nahm Bischof Christoph eine versöhnliche Haltung ein. Er zeigte weitestes Entgegenkommen gegen die Forderungen der Protestanten.Die Confessio Augustana war eine der grundlegenden Bekenntnisschiften der lutherischen Reichsstände. Verfasst worden war sie von Philipp Melanchthon. Kaiser Karl ließ eine  Erwiderung darauf verfassen, die “confutatio”. Federführend war der papsttreue Theologe Johannes Eck, der in der Leipziger Disputation von 1519 das Streitgespräch mit Luther führte. Die Bemühungen Bischof Christophs waren weitgehend erfolglos. Das machte ihn müde und hoffnungslos. Der Bauernkrieg von 1525 hatte auch das Gebiet seines Hochstiftes schwer erschüttert. Am 18. Januar 1537 erließ die Freie Reichsstadt Augsburg ein Dekret, das den Klerus der Stadt zur Ausreise zwang. Bischof Christoph hatte schon vorher einen Sitz in Dillingen. Nun wurde auch der Sitz des Hochstifts nach Dillingen verlegt. Von jetzt an residierte der Bischof im Dillinger Schloss. Beim Reichstag in Nürnberg 1543 war er als Kaiserlicher Kommissar tätig. Beim Reichstag erlitt er einen Schlaganfall, an dem er verstarb. Er wurde in der Dillinger Pfarrkirche bestattet. Als Landesherr hatte er 1519 eine Straf-und Gerichtsordnung für Rettenbach erlassen. Auch hatte er Anläufe zur Reform des Klerus unternommen, allerdings ohne die notwendige Nachhaltigkeit. Er war geprägt von einer erasmisch-humanistischen Auffassung des Christentums. Er war wohl –sicher auch bedingt durch seinen Studiengang- wohl mehr Jurist als Theologe.

Auch war er wohl etwas zaghaft und dem Tumult abgeneigt, keine guten Voraussetzungen für diese stürmischen Zeiten. Und so fällt seine Bilanz auch etwas durchwachsen aus. Er galt aber als einer der gelehrtesten Bischöfe Deutschlands. Er  war geachtet von

Fürsten und vom Kaiser. In Zusmarshausen hatte er Hospital gestiftet, das bis in die Neuzeit Bestand hatte.

Der Bruder Bischofs Christoph Johann war mit Agnes von Stain verheiratet. Mit ihr hatte er sieben Söhne unter anderem Johann Christoph von Stadion und Johann Kaspar von Stadion. Johann Kaspar wurde am 21. Dezember 1567 in Beffort geboren, einem kleinen

Städtchen und Schloss im Sundgau. 1594 trat er in den Deutschen Orden ein. Er kam an den Hof des Hoch und Deutschmeisters Erzherzog Maximilians von Österreich. 1594 zog der Erzherzog nach Ungarn, wo sein Bruder Matthias den Oberbefehl im Kampf

220px-Brunnenfigurstadion

gegen die Türken den Oberbefehl innehatte.Im Jahre 1596 wechselte der Oberbefehl an Maximilian. Johann Kaspar bekam dabei den Befehl über eine Schar mit 1000 Pferden übertragen. Bis 1597 kämpfte er in Ungarn. Dann kehrte er nach Wien zurück.

1606 war Komtur in Freiburg, 1624 – 26 auf der Mainau. 1626 Landkomtur. Bis zum Tode Erzherzogs Maximilian war er auch dessen Oberstkämmerer und Oberhofmeister. Dann war er am Hof des Bruders des Kaisers Ferdinand II., Erzherzog Leopolds

in Innsbruck als kaiserlicher Kämmerer und diesem zugeordneter Assistenzrat. Er hatte seine administrativen Fähigkeiten ja schon unter Beweis gestellt und auch ausreichend Kriegserfahrung im Kampf gegen die Türken erworben. Als dann der kaiserliche

Feldmarschall Hans Freiherr von Molart am 15. Juni 1619 starb, berief ihn Kaiser Ferdinand zum Präsidenten des Hofkriegsrats. Auch Kommandant der Stadt Guardia Wien war er. Diese war eine dem Hofkriegsrat unterstellte Einheit, die den Auftrag hatte,

für die „Ordnung auf den Stadtmauern“ zu sorgen. Er wurde oft zu den Kriegsobersten in die Feldlager geschickt, um ihnen beratend zur Seite zu stehen. Auch als es im österreichischen Heer um Reformprojekte und Operationspläne geht, hat seine Stimme Gewicht.

Am 16. Januar 1622 bestimmte ihn der Kaiser als Mitglied in den Geheimen Rath, in welchem Eggenberg, Trauttmannsdorf,Liechtenstein, Ulm und Stralendorf außer ihm Sitz und Stimme hatten.  Auch im Orden ging sein Aufstieg weiter. 1626 hatte er die Landkomtur

Elsass inne. 1627 wählte ihn das Generalkapitels des Deutschen Ordens zum Hoch und Deutschmeister. Ende März 1621 sollte er das Kommando über die Reichsmiliz übernehmen. Er lehnte jedoch ab. Als Gustav Adolf nach Deutschland vorstieß, war

Johann Kaspar auch bei der Schlacht von Nördlingen 1634 dabei. Für seine Kaisertreue übertrug ihm Ferdinand 1637 die Grafschaft Weikersheim. Mittlerweile hochbetagt wurde ihm Erzherzog Leopold Wilhelm als Koadjudator zur Seite gestellt.

Trotz seines hohen Alters wurde er aber immer als diplomatischer und strategischer Berater gerufen. Auch 1641 machte er sich mit 74 Jahren nochmals auf den Weg zur kaiserlichen Hauptarmee. In dem Dorf Ammern in der Nähe von Mühlhausen in Thüringen

erlitt er einen Schlaganfall und starb. Er wurde nach Mergentheim überführt, wo er bestattet ist.

Der Bruder Johann Kaspars Johann Christoph war mit Margareta von Sickingen verheiratet. Aus dieser Ehe gingen 5 Söhne und eine Tochter hervor. Der Sohn Johann Christoph von Stadion wurde am 15.06. 1610 geboren. Er heiratete Maria Magdalena von Ostein,

die am 22.10. 1610 geboren ist. Aus dieser Ehe gingen 10 Kinder hervor. Zwei davon wollen wir näher betrachten. Am 16.01. 1637 kam Franz Kaspar zur Welt. Er wurde 1673 Bischof von Lavant und war das bis 1704.  Vorher war Franz Kaspar Domherr in Salzburg,

Bamberg und Würzburg. Ernannt hatte ihn der Salzburger Erzbischof Maximilian Gandolph (1668-1687). Der Bischofssitz war in St. Andrä im Lavanttal. Lavant war ein Salzburger Eigenbistum. Am 28. März 1679 schenkte Erzbischof Maximilian Gandolf

Gut und Schloss Thürn im Lavanttal dem Bistum Lavant, da das Einkommen des Bischofs so gering war. Er konnte auch Schloss Kolleg für das Bistum erwerben. Darüber gibt es einen Kaufbrief vom 20. April 1693, indem der Verkauf an den Domprobst bestätigt wird.

Auch Reideben konnte für das Domkapitel erworben werden.

In St. Andrä hatte Bischof Franz die Loreto – Kirche gebaut. Franz Kaspar war wohl  “ein Mann voll wahrer Gottesfurcht,christlicher Liebe und Milde, unermüdlichen Eifers in Erfüllung seiner hohen seelsorgerlichen Pflichten” wie es 1841 bei Karlmann Tangl in der

Reihe der Bischöfe von Lavant auf Seite 304 heißt.

Johann Philipp Joseph, Graf von Stadion-Warthausen, und Thannhausen, der Bruder Franz Kaspars , ist am 6.10.1652 in Maasmünster im Elsass geboren. Er war drei mal verheiratet.  Seine politische Karriere startete er als Würzburger Gesandter in Paris.Dann wurde

mainzischer Kammerpräsident und schließlich kurmainzischer Oberhofmeister. Damit hatte er automatisch großes Gewicht im Deutschen Reich, denn der Mainzer Erzbischof war auch Reichserzkanzler.  Aufgrund seiner herausragenden reichsrechtlichen Stellung war der Erzbischof der zweitwichtigste Mann im Heiligen Römischen Reich. Im Laufe der Jahre war diese Position allmählich unumstritten, aber Ende des 15. Jahrhunderts hatten die Mainzer Erzbischöfe sie wieder erreicht. Der Erzkanzler hatte besondere

Vorzüge und Rechte bei der Kaiserwahl und Krönung. Er hatte das Recht, die Kaiser-oder Königswahl zu leiten. Beim Tod des jeweiligen Reichsoberhaupts war er für die Zeit des Interregnums war er praktisch Reichsverweser. Er war beim Tod des Kaisers sofort zu

benachrichtigen. Er berief dann die Kurfürsten ein und setzte Wahlort und Wahltermin fest.

Kurmainz unterhielt am kaiserlichen Hof eine eigene Kanzlei, die Reichskanzlei oder Reichshofkanzlei genannt wurde. Folglich verfasste also Kurmainz die  Reichskanzleiordnungen. Die Reichskanzlei bewahrte das kaiserliche

Siegel und führte das Reichsarchiv. Eine wichtige Funktion hatte noch das Reichsdirektorium auf dem Immerwährenden Reichstag. Kurmainz führte das Direktorium und in diesem Sinne kann man  Kurmainz  durchaus als Vorgänger des heutigen

Bundesratspräsidenten sehen. Diese exponierte Stellung hatte natürlich auch eine rege Korrespondenz mit dem Kaiser, dem Papst, den Reichsständen und den bedeutenden , kleinen und auswärtigen Herrschern zufolge. Und so hatte der oberste Landesbeamte

eben eine ganz andere Funktion in diesem Apparat wie der eines kleines Kurfürstentums. Johann Philipp von Stadion wirkte bei vielen Türkenhilfen mit. Die Kriege gegen Ludwig XIV. waren natürlich ein Thema. An der Augsburger Liga, ein am 9. Juli

1686 geschlossenes Defensivbündnis zwischen Kaiser Leopold I., König Karl II. von Spanien, König Karl IX. von Schweden, Kurfürst Maximilian II.von Bayern und den Mitgliedern des fränkischen und oberrheinischen Reichskreises, wirkte er mit. Auch beim Ausbruch

des Pfälzischen Erbfolgekriegs war er tätig. Er nahm er  als Gesandter des Rheinkreises an den Friedensverhandlungen  von Utrecht im September 1712 teil. Der Friede wurde 1713 geschlossen. Auch bei den Verhandlungen für den

Frieden von Baden im Aargau war er dabei. Kaiser Leopold I. (1640-1705) erhob ihn am 21. April 1686 zum Freiherrn und am 1. Mai  1705 erfolgte die Standeserhöhung zum Grafen.  1696 erwarb er die Herrschaft Warthausen und 1705 die Herrschaft Thannhausen.

1653 hatte Graf Georg Ludwig von Sinzendorf die Reichsherrschaft Thannhausen  käuflich erworben. Von Sinzendorf war Reichserbschatzmeister, wurde allerdings 1680 wegen Betrugs und Unterschlagung seines Amtes enthoben. Die Familie musste die Herrschaft

verkaufen, um Steuerschulden zu tilgen. Diese Herrschaft erwarb dann Graf Johann Philipp  1705. Infolge dieses Erwerbs wurde er am 3. Mai 1708 in das Schwäbische Reichsgrafenkolleg aufgenommen.

Graf Johann Philipp war dreimal verheiratet. Seine erste Ehefrau Anna Maria Eva Faust von Stromberg verstarb am 10.10.1683. Aus dieser Ehe waren fünf Kinder hervorgegangen, 3 Töchter und zwei Söhne. Franz Konrad von Stadion wurde am 28. August 1679 in

Arnstein geboren.Er startete seine kirchliche Laufbahn sehr früh. Schon 1695 trat er in das Domstift in Bamberg ein. Er studierte in Rom und Angers. Seit 1709 war er kurmainzischer Gesandter am brandenburgischen und sächsischen Hof. Seit 1719 war er auch im

Würzburger Domkapitel vertreten.1727 wurde er in Würzburg Domprobst. Am 23. Juli 1753 wurde er Nachfolger des verstorbenen Fürstbischofs  Johann Philipp Anton von und zu Frankenstein. Er verstarb nach nur vier Jahren im Amt des Bamberger

Bischofs im März 1757. Er galt als religiös. Er veranlasste die Einführung eines neuen Katechismus für den Schulunterricht im Hochstift Bamberg. Auch förderte er die Volksmission der Jesuiten in Bamberg.

Zurück zu Graf Johann Philipp. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratete er Maria Anna Gräfin von Schönborn. Sie war die Nichte seines Dienstherrn, des Erzbischofs Lothar Franz von Schönborn (1655-1729). Aus dieser Ehe gingen 9 Kinder hervor,

für uns im Rahmen des Blogs von Interesse Anton Heinrich Friedrich. In dritter Ehe heiratete Johann Philipp Maria Anna, Freiin Wambolt von Umstadt. Auch diese Ehe war kinderreich. 10 Nachkommen entsprossen ihr.

Kommen wir nun zu Anton Heinrich Friedrich, Graf von Stadion-Warthausen und Thannhausen. Bei einer Schlossführung in Warthausen wurde mein Interesse für dieses Mitglied der Familie von Stadion geweckt. An ihn wird ja auch im Rahmen des Biberacher

Schützenfestes erinnert. Bei der Recherche fand ich aber die gesamte Familie so interessant, dass ich da vieles halt nicht einfach unter den Tisch fallen lassen wollte.

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Anton Heinrich wurde am 5. April 1691 in Würzburg geboren. Er studierte an der Universität Mainz Jura und Kameralwissenschaften. Die Kameralwissenschaften sollten Studierenden, die Kammerbeamte werden wollten, die erforderlichen Kenntnisse

für die Verwaltung in einem absolutistischen Staat vermitteln. Kameralwissenschaft wurde in zwei Teile gegliedert, zum einen Ökonomie, zum anderen Verwaltung. Schon in seinem Studiengang wurde der junge von Stadion also bestens auf den

angestrebten Beruf vorbereitet. Natürlich wurde auch er nach Abschluss seines Studiums auf Kavalierstouren geschickt. Er reiste nach Holland, Italien und Frankreich. Er begegnete dort den größten Geistern seiner Zeit, so in Frankreich Voltaire,

der ihn sehr beeindruckte. Er blieb auch weiter in Verbindung mit Voltaire. Er war sehr begabt und seine Reisen unternahm er mit sehr wachen Augen. Er wurde schon sehr jung in den Staatsdienst aufgenommen. Anton Heinrichs Vater trat 1737 von

allen Ämtern am kurmainzischen Hof zurück. Anton Heinrich begann seine öffentliche Laufbahn auch in kurmainzischen Diensten. Er wurde Geheimer Rat, dann Hofmarschall.In Bischofsheim, dem heutigen Tauberbischofsheim wurde er 1718

Oberamtmann. Dann kam er nach Mainz, wo er Staatsund Hofminister und schließlich  wie sein Vater Oberhofmeister wurde. Der erste Mainzer Erzbischof, unter dem er diente, war Philipp Karl von Eltz-Kempenich. Philipp Karl wurde im Juni 1732 neuer Erzbischof

in Köln und blieb dies bis zu seinem Tod 1743. Auf ihn folgte Johann Friedrich Karl von Ostein, ein Cousin von Anton Heinrich. Beide Herrscher waren schwach und in Staatsgeschäften sehr unerfahren.

1737 , imselben Jahr als Graf Johann Philipp von allen Ämtern zurückgetreten war, hatte Anton Heinrich den Rollingschen Hof erworben. Der Geheime Hofrat Lothar Friedrich von Rollingen hatte ihn in den Jahren 1628 bis 1633 erbauen lassen. Nach dem Erwerb durch

Anton Heinrich wurde er das Gebäude in Stadionscher Hof umbenannt.

Nachdem Tod von Philipp Karl von Eltz-Kempenich am 21. März 1743 wählte das Mainzer Domkapitel auch unter dem Druck der Pragmatischen Armee Johann Friedrich Karl von Ostein zum neuen Mainzer Erzbischof. Der bisherige Domkustos war

ein entschiedener Parteigänger Habsburgs. Nach dem Tod Karls VII. (1742-1745) gelang es ihm, im Bayrisch-Österreichischen Erbfolgekrieg zu vermitteln. In Füssen wurde  am 22. 4. 1745 Frieden geschlossen und damit der  Österreichischen Erbfolgekrieg  zwischen

Österreich und Bayern beendet. Kurfürst Max Joseph verzichtete auf die Kaiserwürde und alle Ansprüche auf österreichische Länder, anerkannte die Pragmatische Sanktion und versprach gegen Rückgabe seiner Länder Franz Stephan, dem Gemahl Maria Theresias,

bei der Kaiserwahl seine Stimme. Formell beendet war der Krieg zwar erst mit dem Frieden von Aachen. Der Füssener Friede hatte zunächst nur die Einigung zwischen Bayern und Österreich gebracht. In Aachen wurden Vereinbarungen zwischen

Österreich und England, die in diesem Krieg verbündet waren und Preussen und Frankreich andererseits getroffen. Im Bereich des Kurstaates war aber der Friede schon mit dem Vertrag in Füssen eingetreten.  Der Mainzer Erzbischof lud als Reichserzkanzler

zur Kaiserwahl nach Frankfurt. Dort wurde am 13. September 1745 Franz Stephan von Lothringen zum Kaiser gewählt. Der bayrische Kurfürst hatte sich in Füssen ja bereit erklärt, der Wahl zu zustimmen. Sieben der neun Kurfürsten stimmten für Franz I. Stephan.

Als er am 4. Oktober 1745 im Kaiserdom zu Frankfurt gekrönt wurde, kniete seine Gemahlin Maria Theresia nicht wie üblich neben ihrem Mann. Sie blieb unter den Zuschauern. Im Gegensatz zum neugewählten Kaiser besaß sie als Monarchin von Ungarn und

Böhmen und regierende Erzherzogin der habsburgischen Erblande wirkliche Macht. Der Kaiser war im 18. Jahrhundert für Zeremonien und Repräsentation zuständig. Er nahm Adels-und Ordensverleihungen vor. Friedrich der Große sagte zur Kaiserwürde, sie sei nur

“leerer Titel”.

Natürlich war die agierende Person immer der Mainzer Erzbischof. Man kann aber annehmen, dass Graf Anton Heinrich die Strippen zog, zumal er gut vernetzt war, während Friedrich Karl von Ostein ja kaum praktische Erfahrung in Staatsgeschäften hatte.

Auch im Kurstaat stellte der Oberhofmeister die Weichen. Er führte ein gültiges Landrecht im Kurstaat ein, das willkürlichen Rechtsabweichungen ein Ende machte. Ergänzt wurde das durch eine neue zeitgemäße Gerichtsordnung. Sie regelte den Verlauf von

Verfahren in Bürgerlichen und Strafsachen. Er erließ für die Förderung von Handel und Verkehr wichtige Verordnungen. Er führte zwei vierzehntägige Messen in Mainz ein. Er erließ Verordnungen zur Regelung des Messkredits und der Zahlungstermine. Er schuf

eine Vertretung des Handelsstandes unter Leitung des Vicedom-Amts. Das ist der Vorläufer einer künftigen Handelskammer. Sie hatte über alles zu beraten, „was zur Aufnahme der Gewerbe und Kauffmannschaft dahier gereichen, und Schaden und Abgang zu

verhindern vermag.“  Begleitet wurde dies von einer Neuregelung des Schiffahrtswesens. Auch über eine Verbesserung des Pfandverkehrs wurde nachgedacht. Das Löschwesen wurde verbessert. Und man versuchte den Bettelunfug in Griff zu bekommen.

1746 wurden die Privilegien der Universität erneuert. Der Erzbischof ließ einen botanischen Garten errichten und ein Anatomisches Institut wurde errichtet. Der Einfluss der Jesuiten wurde allerdings nicht zurückgedrängt.

Wenig Unterstützung hatte der Oberhofmeister von seinem Erzbischof allerdings, wenn es um religiöse Angelegenheiten ging. Als er ein 1720 errichtetes Kreuz entfernen ließ,um Platz für die Messe zugewinnen wurde geschickt Stimmung gegen den

aufklärerischen Oberhofmeister gemacht. Um die aufgebrachte Menge zu beruhigen, ließ die Regierung ein neues Kreuz errichten. Johann Baptist Horix war Doktor beider Rechte, der weltlichen und kirchlichen. Er unterrichtete als Professor an

der Universität Mainz. Er war einer der ersten Dozenten, die ihre Vorlesungen in deutsch hielten. In einer Arbeit “Tractatiuncula in fontibus juris canonici germanici”, kämpfte er gegen die von Rom angestrebte Vermehrung der Machtvollkommenheit an.

Die Geistlichkeit regte sich gegen den Gelehrten und ruhte nicht, bis dieser gemaßregelt wurde. Es gelang auch von Stadion darin zu verwickeln. Dieser musste schließlich eine Erklärung abgeben, er habe an der Arbeit des von ihm protegierten Professors

keinen Anteil.  Dies alles und die Erkenntnis, dass er bei seinem Herrn keinen Rückhalt hatte, veranlassten ihn, sich nach Warthausen zurück zuziehen, ohne aus dem Staatsdienst auszuscheiden.

Christoph Martin Wieland nennt einen anderen Grund für den Rückzug aus Mainz: „Der Graf von Stadion hatte den Cardinalnepoten, wie man ihn damals  am mainzer Hofe nannte, zum Fenster hinauswerfen wollen, und erhielt daher den Befehl, nach Warthausen, eine Stunde von Biberach, wo er Oberamtmann war, sich zu verfügen, und nicht eher als gerufen wieder  bei Hofe zu erscheinen.“(in Historisches Taschenbuch 10 S. 395 f.)

Sein Vater Johann Philipp hatte die Herrschaft Warthausen ja 1695 erworben.

Anton Heinrich hatte am 27. Juni 1724 in Ebnet bei Freiburg Maria Anna Augusta Antonia Euphemia Euphrosyna von Sickingen zu Hohenburg geheiratet. Dieser Ehe entstammten drei Söhne, von denen einer allerdings nur ein Jahr alt wurde und drei Töchter.

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Aus seiner Zeit aus Tauberbischofsheim stammt Georg Michael Anton Frank von Lichtenfels gen. von La Roche, den er zwar nicht legitimierte, der aber beste Ausbildung erhielt.

Zu Schloss Warthausen siehe Blog.  Graf von Stadion hatte sich 1756 ins Biberacher Bürgerrecht eingekauft. Er hatte auch ein Haus in Biberach erworben, das der damalige Biberacher Bürgermeister Wilhelm von Brandenburg erbaut hatte.

(Biberacher Bauchronik von 1928-Preisersche Chronik-S. 174.) Er ließ es kostbar einrichten. Die Rokoko-Stuckdecken im Haus, die Balustertreppe und die Tür mit Messingbeschlägen stammen wohl aus dieser Zeit.

Von Stadion nutzte das Haus als Sommerresidenz, wenn er in Biberach weilte. In diesem Haus hat er wohl auch Christoph Martin Wieland getroffen, der ja nur ein paar hundert Meter davon entfernt wohnte und als Städtischer Kanzleiverwalter

arbeitete. Als Georg Michael La Roche Warthausener Oberamtmann war, bewohnte er dieses Haus in der heutigen Biberacher Hindenburgstraße.

Graf Anton Heinrich hatte auch in Warthausen einige Veränderungen vorgenommen. So ließ er die bis dahin gotische Schlosskapelle barockisieren. Im heute sogenannten Damensalon ist eine aus der Zeit von 1720 original erhaltene Seidentapete zu bewundern.

Dort ist auch viel Porzellan ausgestellt. Vieles  sind Hochzeitsgeschenke zur Vermählung mit Maria Anna Augusta. Es sind alle Manufakturen der damaligen Zeit vertreten. Auch eine beachtliche Chinosoirie-Sammlung ist zusehen.

Ein Schmuckstück ist natürlich die Bibliothek, zum einen der Raum selbst, aber natürlich der Inhalt. Licht erhält der Raum durch zwei Fenster in Ost-West-Richtung. Er hat also den ganzen Tag Tageslicht. Die Fenster sind mit Butzenglas versehen,

das eine fokussierende Wirkung hat und so lange Tageslicht herrscht, optimale Lesebedingungen bietet. Die Bibliothek ist ins Denkmalbuch Baden-Württemberg eingetragen und wird von der Landesbibliothek betreut. Es ist dies ein repräsentatives

Zeugnis süddeutscher und aristokratischer Bibliothekskultur. Zusätzlich interessant ist die Bibliothek natürlich auch durch die Tatsache, dass sich Wieland oft und gerne in Warthausen aufgehalten hat, oder mit Wielands Worten Johann Georg Zimmermann

in einem Brief vom 22. Juni 1762 in Christoph Martin Briefwechsel hsg v. der Dt.Akademie der Wiss. (WB) Bd. III, Berlin 1975,S.93 “ un endroit où je passe de tems en tems quelques jour´s aussi agreablement qu’il le faut oublier ma situation desastreuse dans ma

villaine patrie”. Interessant ist die Bibliothek natürlich vor allem dadurch, dass die Möglichkeit, diese Bibliothek zu nutzen, in die Zeit fiel, in der Wieland an der Geschichte des Agathon und an seinen Shakespeare –Übersetzungen arbeitete. Die Bibliothek umfasst

rund 1400 Bände. Mehr als die Hälfte davon sind Geschichtswerke, Reisebeschreibungen, staatswissenschaftliche und ökonomische Beschreibungen. Sehr vieles davon sind französische Werke. Sie hat auch eine umfangreiche höfische Traktatliteratur,

Werke über Grundlagen der Adelserziehung. Wieland war ja ab 1772 in Weimar als Prinzenerzieher für die beiden Söhne von Anna Amalia von Sachsen-Weimar tätig. Dann sind in der Stadionschen Bibliothek natürlich  politische und philosophische Werke der

europäischen Frühaufklärung vertreten, die meisten in französischer Sprache oder Übersetzung. Francis Bacon Neuf Livres De la Dignité et De l’Acroissement des Sciences, Pierre Bayle, Dictionnaire historique et critique, einige Bücher von Réné Descartes,

Hugo Grotius Le Droit, La Guerre et la Paix,Voltaire, Oeuvres, Anti-Macchiavelli. Nicht verwunderlich ist Voltaire, schließlich ist von Stadion ja schon auf seinen Kavalierstouren begegnet und war von ihm beeindruckt. Dann ist Leibniz in Warthausen zu finden.

Einen großen Rahmen nimmt die französische Literatur von 1600 bis 1750 ein. Englische Literatur ist in Warthausen kaum verzeichnet. Daraus kann man schließen, dass Wielands  Rezeption englischer Literatur schon in seine Schweizer Zeit von 1752-1759

bei Bodmer fiel. Deutsche Dichtung des 18. Jahrhunderts ist in der Stadionschen Bibliotherk kaum präsent. Es ist noch eine handsignierte Aussage von Kant zu finden und natürlich eine komplette Wielandausgabe, die aber möglicherweise erst durch die Enkel

von Anton Heinrich hinzukamen.

Ab 1761 lebte Graf Anton Heinrich in Warthausen. Auch Georg Michael Frank von La Roche ging mit dem Grafen nach Warthausen. Er war dort Oberamtmann und übernahm die Verwaltung des Guts. 1753 hatte er Sophie von Gutermann geheiratet. Sie war

die Tochter des Kaufbeurer Arztes Georg Friedrich Gutermann zu Gutershofen.Sie war von ihrer Familie nach Biberach gebracht worden, weil sie sich in Augsburg mit dem Italiener Giovanni Ludovico Bianconi verlobt hatte. Die Familie wünschte aber die

Eheverbindung auch aus konfessionellen Gründen nicht. In Biberach traf sie den evangelischen Pfarrersohn, ihren Cousin Christoph Martin Wieland. Ihre Seelenverwandschaft führte bald dazu, dass sie sich verlobten. Allerdings löste Sophie diese

Verlobung als Wieland bei Johann Jakob Bodmer in Zürich weilte. Ende 1753 heiratete sie nun Georg Michael Frank von La Roche. Sophie war als Hofdame und Gesellschafterin am Warthauser Hof. Wieland war mittlerweile zunächst Senator und dann

Kanzleiverwalter in Biberach.Nicht weit von Warthausen ist das Kloster Obermarchtal. Dort war  Sebastian Sailer Prämonstratensermönch. Er war gefragter Prediger und vielseitiger Autor. 1764 war Ignaz Valentin Heggelin Pfarrer in Warthausen geworden,

auch er durchaus mit den Schriften der Aufklärung vertraut. Dann war noch Maria Maximiliana, die Tochter des Grafen. Seit 1754 ist sie als Stiftsdame des Freiweltlichen Damenstifts in Buchau verzeichnet. Am 18. Januar 1775 wurde sie dort als letzte Äbtissin

gewählt. Dieser kleine Kreis traf sich regelmäßig zum Gedankenaustausch in Warthausen und ist später als Warthauser Musenhof bekannt geworden. Auch Johann Heinrich Tischbein war immer wieder zugegen und fertigte Porträts des Kreises an. Auch das obige

Bild von Anton Heinrich Johann stammt von ihm. Als Johann Heinrich gerade 14 Jahre alt war, malte er ein Porträt des Kochs des Grafen. Das wurde auch dem Grafen gezeigt. Er erkannte das Talent des Jungen. Er förderte ihn und ermöglichte ihm eine Ausbildung in

Paris. Später stellte er den Kontakt zum Landgrafen Wilhelm VII. her. Er fertigte ein Porträt des Landgrafen an. Obwohl der Maler nur einen Tag zur Verfügung hatte und er außerdem von heftigen Zahnschmerzen geplagt war, gelang das Bild so gut,

dass er zum Hofmaler Wilhelms VII. ernannt wurde.

Auch den aus Reutte in Tirol zugewanderten Tischler Anton Haaf hatte er gefördert. Er hatte ihn auf die Bauakademie nach Wien geschickt. In Warthausen führte er im Auftrag des Grafen einige Umbauten durch. In Bönningheim wurde er mit dem Neubau des

Schlosses beauftragt, das über  Anton Heinrichs Vater in den Besitz der Familie Stadion gelangt war. Die Pläne für das Schloss stammen aber wohl von Anselm Franz Reichsfreiherr von Ritter zu Groenesteyn, der auch den Stadionschen Hof in Mainz gebaut hatte, der

manchmal als der “ große    Bruder “ des Bönnigheimer Schlosses bezeichnet wurde.

Nicht nur Friedrich der Große hatte in seinem Land die Kartoffel eingeführt. Auch Graf von Stadion hatte das in seiner kleinen Herrschaft gemacht. Die Riss hatte ein neues Bett bekommen und auf dem neugewonnenen Land ließ der Graf die Kartoffel

anpflanzen.

Zu von  Ostein’s Nachfolger Emmerich Josef v. Breidbach-Büresheim kam es wieder zu freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem ehemaligen Oberhofmeister und dem Kurfürsten, ohne dass Graf Anton Heinrich wieder in den kurmainzischen Staatsdienst

zurückkehrte. Und dank dieser Beziehung hatte er durchaus noch Einfluß. So wurde auf seinen Rat Christoph Martin Wieland als Professor der Philosophie nach Erfurt berufen, was in konservativen Mainzer Kreisen nicht besonders gut ankam. Auch beim Umbau

des Mainzer Schulwesens  spielten Stadion’s Freunde Freiherr v. Benzel-Sternau und Großhofmeister v. Grosschlag, beide freisinnige Männer, eine hervorragende Rolle.

Die Ehe mit Maria Anna von Sickingen war wohl nicht besonders glücklich. Maria Anna war wohl etwas engstirnig fromm und so ziemlich das Gegenteil ihres freisinnigen Gattens. Das Ehepaar lebte meist getrennt, sie die meiste Zeit in Freiburg.

Graf Anton Heinrich Friedrich verstarb am 26. Oktober 1768 in Warthausen.

Er hatte eine enorme politische Gestaltungskraft gezeigt. Ohne selbst schriftstellerisch tätig zu sein, hat er durch die Förderung Wielands und Sophie La Roches auch der deutschen Literatur Impulse gegeben. Seine Förderung Wielands in Biberach,

die Möglichkeit in Warthausen zu arbeiten und dass von Stadion Wieland den Weg nach Erfurt geebnet hat, hat diesem sicher einiges erleichtert.

Und auch seine Söhne haben wohl einiges von seinem Talent geerbt. La Roche hat in Trier dieselbe Stellung wie der Vater in Mainz eingenommen. Seine Frau Sophie war die bedeutendste Schriftstellerin ihrer Zeit. Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim

gilt als der erste von einer Frau geschriebene Roman. Über ihre Tochter Maximiliane wurde sie zur Großmutter von Bettina von Arnim und Clemens Brentano.

Der Sohn von Graf Anton Heinrich Johann Franz Konrad von Stadion zu Warthausen und Thannhausen wurde  am 15.03.1736 geboren. Er heiratete Maria Ludovica geb. Zobel von Giebelstadt. Am 18. Juni 1763 wurde Johann Philipp Karl Joseph Graf von Stadion

geboren. Sein erster Sohn Friedrich Lothar Graf von Stadion-Warthausen wurde am 6. April 1761 geboren. Er erkrankte früh an Tuberkulose und musste deshalb auf sein Erzgeburtsrecht verzichten. Er wurde für den geistlichen Dienst bestimmt und wurde Domherr in

Mainz. Sein Bruder  Johann Philipp Carl Joseph wurde am 18.06.1763 in Warthausen geboren. Johann Philipp studierte Jura in Nancy und Göttingen. Nach dem Studium ging er mit seinem Bruder auf Kavalierstour begleitet vom gemeinsamen

Erzieher Joseph Hieronymus Karl Kolborn. Für die beiden Brüder blieb er zeitlebens ein enger Berater und Vertrauter.

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Johann Philipp absolvierte ein Praktikum am Wiener Hofrat. 1787 trat er in den österreichischen diplomatischen Dienst ein. von 1787 bis 1790 war er Gesandter in Stockholm. Dann übernahm er die Gesandtschaft in London. Er konnte das angespannte britisch-

österreichische Verhältnis entspannen. Er trug auch maßgeblich zum Eintritt Englands in die Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich bei. 1793  Johann Amadeus Franz de Paula Thugut die Leitung der österreichischen Außenpolitik. Von Stadion hatte

sachliche Differenzen mit der österreichischen Politik und quittierte deshalb seinen Dienst. Er lebte auf den böhmischen Gütern der Familie. 1794 vermählte er sich mit Marie Anna Gräfin v. Thannhausen,deren Vater Joseph Johann Nepomuk Georg von Stadion

kurmainzischer  Geheimrat und Obersilberkämmerer war. Aus dieser Ehe gingen acht Kinder hervor.

Als Thugut 1800 zurücktrat folgte Johann Ludwig Graf von Cobenzl auf ihn. Er hatte die Verhandlungen beim Rastatter Kongress geleitet, die zum Friedensvertrag von Lunéville führten. Nun nahm auch von Stadion seine diplomatische Laufbahn wieder auf.

Er wurde 1801 Gesandter in Berlin. Danach folgte ab 1803 die Vertretung in Petersburg. 1805 trug er wesentlich zum Bündnis gegen die Expansionsbestrebungen Napoleons bei. Stadion hatte 1803 geraten, das alte Reich aufzulösen in der Hoffnung,

den Rheinbund verhindern zu können. Allerdings trog die Hoffnung. 1805 war Stadion zum Außenminister ernannt worden. Die Reformen des Schulwesens, innere Reformen, Verwaltungsreformen waren Schwerpunkte der Stadionschen Tätigkeit.

Er  befürwortete den österreichischen Aufstand von 1809. Aber Preußen hatte Stadions Hoffnungen enttäuscht und sich nicht daran beteiligt. Nach der österreichischen Niederlage wurde Stadion durch Metternich abgelöst. Ab 1815 war er als

Finanzminister tätig. Im Zug der Neuordnung des Finanzwesens gründete von Stadion 1816 die Österreichische Nationalbank. Sie hatte das Monopol auf die Emission von Banknoten. Die Wirtschaft hatte eine solide Geldquelle und es trat eine Beruhigung des

österreichischen Geldwesens ein.

Von Stadion gehörte in seiner Eigenschaft als Graf von Warthausen auch der Württembergischen Ständeversammlung an. Mit dem württembergischen König, der seine Standeserhöhung ja Napoleon verdankte, lebte er im Dauerkonflikt.

Das führte dazu, dass Warthausen 1826 verkauft wurde. Graf Philipp Johann starb am 15. Mai 1824 in Baden bei Wien.

Damit soll der Blick auf rund 1000 Jahre interessanter Familiengeschichte abgeschlossen sein.

Kommentar (1)

  1. Kenis

    Herr,
    Stift Munsterbilzen 1766 (Principaute de Liege)
    Sofia Helena von Stadion-Tannhausen (+1789) ist gegen die aufname in stift von Princess Maria Cunegonde von Sachsen.
    Wissen sie warum ?

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