Fürststift Kempten

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752 gab es eine Missionszelle, die von St. Gallener Mönchen besetzt war. Daraus entstand bis 770 das königliche Eigenkloster Kempten. Es wurde durch Karl den Großen und seine Gemahlin Hildegard aus deren mütterlichem Erbgut reich beschenkt und blühte rasch auf. Es erlangte sehr früh Immunität, Besteuerungsrecht und Zwing und Bann über die Hintersassen. Es erhielt Befreiung aus öffentlichen Diensten und 834 aus der Heeresfolge. 853 gab es Streitigkeiten um Rodungsrechte. Deshalb wurde in königlichem Auftrag die marca Campidonesis genau abgegrenzt. Diese Grenzsetzung hatte bis zur Säkularisation 1803 Bestand. 839 erhielt das Kloster das Privileg der freien Abtwahl. Doch wurde dies nicht immer beachtet. 941 übertrug König Otto die reformbedürftige Abtei Bischof Ulrich von Augsburg. Dieser baute das von den Ungarn zerstörte Kloster wieder auf. Seine früheren Freiheiten und Rechte wurden von Otto II. (983) und Otto III. (983) bestätigt. 1062 bestätigte Heinrich IV. die Reichsunmittelbarkeit der Abtei, nachdem sie immer wieder gefährdet schien. Mehrfach wurde die Abtei an Bischöfe und weltliche Größen vergeben. Die Vogtei wurde von  vom König eingesetzten Untervögten wahrgenommen. Allerdings konnten sie die Welfen in den Wirren des Investiturstreits dauerhaft an sich bringen. Beim Tode Welf VI. ging die Vogtei an die Staufer über. Die Markgrafen von Ronsberg übten im Auftrag der Welfen und dann der Staufer die Vogteirechte über Teile des Klosterbesitzes aus. Die Ronsberger starben 1212 aus. Kaiser Friedrich II. verlieh Abt Heinrich die Grafschaftsrechte innerhalb der Grenzmarken von 853 als Reichslehen. Dafür erhielt der die Vogteirechte. Aber schon 1218 verzichtete er und 1224 sein Sohn Heinrich VI. auf die Stiftsvogtei. Unter Konrad IV. waren die Vogteirechte wieder in der Hand des Königs. Konradin verpfändete sie dann wieder 1262 an das Stift. Rudolf I. und Karl IV. versuchten die Rechte wieder einzuziehen, aber sie wurden jedes Mal wieder an das Stift selbst verpfändet. Allerdings waren spätestens seit Rudolf die Vogtei über die Stadt Kempten und die Stiftsvogtei getrennt. Die Äbte waren seit 1197 infuliert und trugen ab 1348 den Titel Fürstabt.

Die Exemtion, also die Unabhängigkeit von jeglicher bischöflichen Gewalt wurde vom Heiligen Stuhl 1419 und 1483 nochmals bestätigt. Die Stadt Kempten war 1289 reichsfrei geworden und es gab ständige Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Stift. Diese verschärften sich, als sich die Stadt 1527 völlig vom Stift frei gekauft hatte und protestantisch geworden war. Große Probleme hatte das Stift auch 1525 im Bauernkrieg. Abt war Sebastian Breitenstein, der ziemlich starrsinnig war, sein bäuerlicher Gegenspieler Jörg Schmid von Leubas,  der sich mit anderen

2Bauern in Marktoberdorf zum Allgäuer Bund zusammengeschlossen hatte. Versöhnungsversuche des Fürstbischofs von Stadion scheiterten. Das Kloster von Kempten wurde geplündert und teilweise zerstört.  12000 Bauern hatten sich an der Leubas verschanzt. Diesem Haufen standen 1500 Reiter und 6000 Fussknechte unter dem Truchsess von Waldburg, dem Bauernjörg, gegenüber. Georg von Frundsberg schloss sich dem Heer des Truchsessen an. Die “Kanonade an der Leubas“ dauerte drei Tage. Die Bauern wurden zusammengeschossen. Die Rädelsführer, unter ihnen Jörg Schmid, wurden hingerichtet.

Noch schlimmer erging es dem Stift im Dreißigjährigen Krieg. 1632 verwandelten die Bürger der protestantischen Reichsstadt Kempten zusammen  mit den Schweden das Stift in einen Trümmerhaufen. 1639 wurde der reformfreudige und tatkräftige aber auch eigenwillige  Roman Giel von Gielsberg Fürstabt. Er berief den Vorarlberger Baumeister Michael Beer und ließ ab 1651 die Residenz und Stiftskirche St. Lorenz neu errichten. Er baute damit die erste große Klosteranlage nach dem  Dreißigjährigen Krieg nach Vorbildern des italienische Frühbarocks in Deutschland. Er war jedoch weiterhin in Zwistigkeiten sowohl mit dem Konvent als auch mit den Untertanen verstrickt. Erst sein Koadjutor und späterer Nachfolger Bernhard Gustav von Baden-Durlach  (1669-1677), der zugleich Fürstabt von Fulda und Kardinal war, konnte die Zustände stabilisieren.

Im Reichstift Kempten fand im jahre 1775 auch der letzte Hexenprozess auf deutschem Boden statt. Angeklagt war Anna Maria Schwegelin, eine Magd aus Lachen, das als eine Enklave zum Territorium der Fürstabtei gehörte. Den Prozess führte der Landrichter Johann Franz Wilhelm Treuchtlinger, der schon vorher Todesurteile erwirkte, die noch 1739 und 1755 vollstreckt wurden. Auch die Angeklagte Schwegelin wurde am 7. April 1775 zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde allerdings nicht mehr vollstreckt. Sie wurde zwar begnadigt, aber im Gefängnis behalten und starb dort am 07.02.1781. Dass der letzte Hexenprozess auf deutschem Boden in Kempten statfand, hängt weniger mir der Rückständigkeit der Fürstabtei als mit der Person des Landrichters Treuchtlinger zusammen. Es war aber schon so, dass die Hexenverfolgung gerade in kirchlichen Territorien oft stärker war. Man denke nur an Ellwangen oder Würzburg.

Als im Zuge der Säkularisation das Fürststift Bayern einverleibt wurde, war es mit Schulden in Höhe von 2,25 Millionen Gulden belastet. Das Stift wurde aufgelöst. 94 Bilder aus der fürstlichen Sammlung gingen nach München. Das Archiv wurde ins Allgemeine Reichsarchiv übernommen.

Teile der Bibliothek gingen nach Augsburg. Der Rest verkam.

Die Prunkräume der Residenz können besichtigt werden. Die Räume der Residenz werden als Amts-und Landgericht und von der Staatsanwaltschaft genutzt.

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