Kloster Amorbach

 

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Im Otterbachtal bei Amorbach entsprang eine Quelle, der schon in römischer Zeit Heilkraft nachgesagt wurde. Schon die Römer sollen hier einen Altar zu Ehren der dort wohnenden Quellnymphe errichtet haben. Es zählte durchaus zur “Strategie der iro-schottischen Mönche, die kurz nach 700 in den Südwesten des damaligen Germaniens zur Mission gekommen sind, heidnische Kultstätten um zu widmen. So soll der fränkische Gaugraf Ruthard 714 Pirmin und seine Gefährten gerufen haben, um den Odenwald zu christianisieren. Sie sollen auch ins Otterbachtal gekommen sein und sich an der Quelle niedergelassen haben und dort eine hölzerne Kirche gebaut haben. 734 wurde dann das Kloster Marienmünster gebaut und die Kirche angeblich von Bonifatius geweiht. Der erste Abt soll Amor gewesen sein und über 20 Jahre dort  regiert haben. Daher leitet sich auch der Name Amorbach ab. Andere leiten den Namen aber auch von “amarbach” her, was auf den Wasserreichtum der Gegend hinweist aber auch vom lateinischen amara=Sumpf abgeleitet sein könnte.

Aber weder Pirmin noch Amor sind für die Gründung Amorbachs historisch belegt und Pirmin war wohl in der fraglichen Zeit an anderen Orten. Auf jeden Fall hatte das Kloster eine interessante Lage an der Kreuzung eines alten Fernwegs gelegen, der vom Mainknie bei Miltenberg an den Necker nach Wimpfen führte und der Straße von Worms durch den Odenwald nach Würzburg. Es passte sicher in den Ausbauplan  der Karolinger, aber dass die vier um den Odenwald liegenden Klöster Fulda, Lorsch, Mosbach und Amorbach von der Zentralgewalt praktisch den Auftrag hatten, das unbesiedelte Waldgebiet zu erschließen lässt sich aus den Urkunden nicht erschließen. Für Lorsch (772) und Fulda (774) ist die Erhebung zur Reichsabtei urkundlich belegt, für Amorbach und Mosbach nicht. Auch erhalten Lorsch und Fulda

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großzügige Schenkungen von den Karolingern und viele Privilegien. Für die beiden kleineren Abteien ist nichts derartiges belegt.  Aus der Zeit der Karolinger gibt es nur zwei Urkunden die Amorbach betreffen, die eine ist eine Urkunde von 788, in der Karl der Große der Kirche von Würzburg Schenkungen seines Vaters für die Kirche Würzburg bestätigt. Das aber ist genau die Urkunde, mit denen das Bistum gegenüber Otto III. seine Ansprüche auf Amorbach “dokumentiert”. Die andere ist eine Schenkung Ludwig des Deutschen aus dem Jahr 849. Doch auch diese wird nicht als echt angesehen. Amorbach soll auch wegen seiner Rolle als Reichskloster stark in die Sachsenmission einbezogen gewesen sein. So stellte es die ersten 6 Bischöfe des um 800 gegründeten Bistums Verden an der Aller. Allerdings ist erst Haruch bis 808 Abt in Amorbach “echt” nachgewiesen. Der erste Verdener Bischof war Suitbert, ein Angelsachse und von 767-775 Abt in Amorbach. Er soll 786 von Karl dem Großen als Bischof nach Ostfalen entsandt worden sein. Die angeblich von Karl dem Großen am 29. Juni 786 ausgestellte Urkunde ist aber, wie man weiß, eine Fälschung aus dem 12. Jahrhundert, um mit der Konstruktion einer falsche Frühgeschichte des Bistums Verden von Hermann von Verden, um Ansprüche des Erzbistums Bremen abzuwehren.

Zwischen 915 und bis zur Schlacht auf dem Lechfeld 955 und dem Sieg Ottos des Großen über die Ungarn fallen diese immer wieder sengend und mordend im südlichen Teil des Reiches ein. Auch Amorbach wird zwei Mal geplündert und niedergebrannt. Viele Mönche werden ermordet. Der Maler Oswald Onghers hat “Die Ermordung der Mönche des Klosters Amorbachs durch die Hunnen” 1662 gemalt. Die Urkunden gehen verloren, vielleicht ein Grund, für die urkundenlose Zeit Amorbachs unter den Karolingern.

Die erste Urkunde für Amorbach ist 996 ausgestellt. Mit dieser Urkunde verleiht Otto dem Kloster die Immunität. Am 4. April 999 stellt Otto III. für das Bischof Würzburg auf Bitten des verstorbenen Bischofs Bernward (990-995) eine Urkunde aus, mit der er die Abteien Neustadt am Main, Schwarzach, Amorbach, Murrhardt und Schlüchtern dem Bistum Würzburg unterstellt, weil sie diesem ungerecht entzogen worden seien. Allerdings ist da Otto einer Fälschung aufgesessen.

Unter Erzbischof Brun von Köln (925-965) wurde 951 im Kloster Lorsch der ordo Gorziensis eingeführt.  Die Klöster von Fulda, Corvey, St. Gallen, St. Martin in Köln und Amorbach sind von dort aus reformiert worden. Die Gorzer Reformbewung unterschied sich stark von der von Cluny. Gorze plädierte für ein Reichsmönchtum unter weltlicher Herrschaft. Amorbach wird bis 1000 im Sinne Gorzes reformiert. Heinrich II.(1002-1024) war ein Schüler des Reformanhängers Erzbischof Adalbert von Magdeburg (910-981). Er förderte auch die Reformbewegung in den Klöstern des deutschen Reiches. 1013 setzte er in Fulda den Abt Brantho II., obwohl rechtmäßig gewählt kurzerhand ab und ersetzte ihn durch den Lorscher Reformabt, der dann in Fulda und Lorsch in Personalunion Abt war. Als dieser 1018 starb brachte er den Amorbacher Reformabt Richard ins Spiel, der dann auch gewählt wurde und von 1018-1039 ebenfalls in Personalunion Abt von Fulda und Amorbach war.

Schenkungen vom Kloster Lorsch um 1000 hängen wohl mit der Reformierung Amorbachs zusammen.

1015 gründete Heinrich II. das Kloster Michelsberg in Bamberg. Die ersten Mönche kamen aus Amorbach und Fulda.

Am 15. April 1016 verleiht Heinrich II. in Bamberg dem “ in der Wildnis des Odenwalds gelegenen  Abtei Amorbach” auf Bitten des Bischofs Heinrich von Würzburg die Immunität, das ist die Befreiung kirchlicher Personen oder Gütern von weltlichen Diensten oder Abgaben, aber auch die Zugriffsbeschränkung weltlichen Rechts auf kirchliche Besitztümer oder Orte.

Im Oktober 1016 verleiht er dem Kloster Prüm unter Abt Urold Immunität und Königsschutz. Das geschieht auf Bitten mehrerer Bischöfe und Auch Abt Richards von Amorbach.

Aus dieser Zeit stammt der Watterbacher Tragaltar, eine Goldschmiedearbeit aus dem frühen 11. Jahrhundert. Sie wurde möglicherweise für das Kloster Amorbach

401px-Watterbacher_Tragaltar_c1020geschaffen und ist heute im Bayrischen Nationalmuseum zu bewundern.

Nachfolger Abt Richards wird Abt Ezzelin. Er konnte durch Kauf des “Mudauer Odenwalds den Amorbacher Grundbesitz vergrößern. Gekauft hat er ihn um 1050 wohl von den Herren von Lohrbach. Die Benediktiner von Amorbach legten hier Rodungssiedlungen an, aus denen die Ortschaften um Mudau herum ihren Ursprung fanden. 1271 gelangten die Herrschaftsrechte durch Kauf von den Herren von Dürn an das Erzstift Mainz. Mudau bildete den Mittelpunkt der “Mudauer Zehnt”.Nach 1100 fand auch die Hirsauer Reformbewegung Anhänger im Kloster Amorbach, was noch heute die Westtürme der Abtei bezeugen. Die doppeltürmige Westfassade war Merkmal des Hirsauer Baustils.

1168 bestätigt Friedrich I. dem Bischof Herold von Würzburg die hohe Gerichtsbarkeit und untersagt gleichzeitig den Wiederaufbau der Burg Frankenberg,weil von da aus der Frieden in der gesamten Provinz ins besondere der Abtei Amorbach zerstört worden sei. Man kann annehmen, dass damit auch ein Vogteiwechsel für die Abtei erfolgt ist. Die Herren von Dürn werden zwar expressis verbis 1246 in dieser Funktion bezeugt. Es ist aber wahrscheinlich, dass sie schon zu Barbarossas Zeiten Vogteirechte über die Abtei ausübten. Rupert von Dürn war ein treuer Gefolgsmann Friedrichs I. und nahm an sechs Italienzügen des Kaisers teil. Er war bei der Krönung Barabarossas als König des Arelats sowie Heinrichs zum König  von Sizilien teil Außerdem fungierte bei ungefähr 140 Herrscherurkunden als Zeuge. Die Staufer hatten Interesse an diesem Raum und übten über Edelfreie wie die Herren von Dürn indirekte Herrschaft aus. Ihren Verwaltungssitz hatten sie in Walldürn. 1253 erhob Konrad von Dürn den Klosterort Amorbach zur Stadt. Die Familie der Dürn erlebte unter Konrad den Höhepunkt ihrer Macht, aber es setzte auch schon der Niedergang ein. Konradstarb 1253 danach wurde die Herrschaft unter die drei Söhne geteilt. Der Wildenberger Zweig unter Ulrich verkaufte 1271 Wildenberg samt umliegenden Dörfern an das Erzstift Mainz, 1272 die Stadt Amorbach den Zehnt und die Vogteirechte über das Kloster. Damit nahm das Stift im Odenwald den Platz der Dürn ein. Das Erzstift war der weltliche Herr geworden. Die kirchliche Herrschaft verblieb beim Bistum Würzburg.

Von 1373 bis 1397 war Friedrich Feyser Amorbacher Abt. Er ließ 1395 das Amorbacher Urbar anlegen, ein Güter-und Rechtsverzeichnis der Abtei.Wie viele andere Klöster hatte Amorbach um 1400 mit dem Rückgang der Klosterdisziplin zu kämpfen. Abt Dietrich von Kunnich (1406-1428) öffnete das Kloster auch für Nichtadelige, ein Rezept das auch in Rot, Steingaden und Reichenau gewirkt hatte.

Der Neffe Dietrichs, Heinrich von Kunnich (1428-1456) erreichte wie wirtschaftliche Gesundung der Abtei. 1448 wurde die Klostermühle und das Backhaus neu gebaut.

Das Kloster war nun in 19 Dörfern Vogteiherr und bezog Einkünfte aus 100 Ortschaften.

Dann kam allerdings das Jahr 1525 mit dem großen Bauernkrieg. Die Klöster waren als Zehntherren der Bauern natürlich besonders im Visier der Bauern.

kolwitzbauer22Der Odenwälder Haufe kam im April in die Nähe von Burg Hornberg. Der Bauernführer Wendelin Hipler nahmen Götz von Berlichingen als Hauptmann für 4 Wochen auf. Der Helle Haufe zog auf seinem Zug von Buchen vors Kloster Amorbach. Die Bauern forderten nun von Abt und Konvent Kleinodien, goldene und silberne Kirchengefäße und Bargeld. Dann wurde das Kloster geplündert. Es sollte auch gebrandschatzt werden. Dagegen wandte sich der Rat von Amorbach, weil das Kloster zu nah an den Häusern liege. Das Kloster wurde daraufhin nicht in Brand gesteckt sondern zerstört. Nur die Zinsbücher des Klosters gingen in Flammen auf. Götz von Berlichingen wird sich auf dem Reichstag von Speyer persönlich gegenüber Georg Truchsess von Waldburg rechtfertigen und erklären, das Niederbrennen von Wildenberg, die Plünderung Amorbachs und die Verwüstung von Miltenberg sei alles gegen seien Willen geschehen. Er habe sich dem Bauernhaufen nur angeschlossen, um schlimmeres zu verhindern. Das Kloster erholte sich relativ bald von Raub und Plünderung.

Die Reformation konnte sich in Amorbach nicht durchsetzen

1547 musste Amorbach  unter dem  dem Markgrafenkrieg leiden. Sehr viel schlimmer traf es aber Kloster und Umgebung im Dreißigjährigen Krieg. 1631 nahm Gustav Adolf Amorbach ein. Er setzte einen von Gemmingen als Präfekten ein. Das Kloster aber schenkte er mit allen Gütern dem Grafen von Erbach. Das Kloster wurde aufgehoben. Nach der verlorenen Schlacht von Nördlingen 1634. Die Schweden und der Graf von Erbach wurden von den Kaiserlichen vertrieben. Kaiser Ferdinand restituierte das Kloster wieder. Der Krieg war noch lange nicht zu Ende. 1643 zogen hessische Soldaten durch. Im April 1645 kamen die Schweden nochmals zurück. Im Juni 1645 nahm die bayrische Armee ihr Hauptquartier in Amorbach. 1648 rückten Franzosen ein. Die Pest und der Krieg hatten den Odenwald fast entvölkert. Die wirtschaftlichen Grundlagen waren weggebrochen.

Es lebten  nur noch 11 Mönche im Kloster.

Zwar war 1648 der Westfälische Friede geschlossen worden.  Aber 1674 überschritten französische Truppen den Rhein unter Marschall Turenne, eroberten die Pfalz und verwüsteten sie. Amorbach entging wieder einmal nur knapp einer Brandschatzung. Erst nach diesen Kriegswirren erholte sich die Abtei wieder.

1656 war Amorbach im Zuge von Gebietsbereinigungen weltlich und auch kirchlich an Mainz gekommen. Der Mainzer Erzbischof Johann Philipp von Schönborn (1605-1673) schränkte die Rechte Amorbachs zugunsten der fürstbischöflichen Gewalt ein. Er war übrigens einer der ersten Reichsfürsten, von Friedrich von Spee nachhaltig beeinflusst, der die Abhaltung Hexenprozessen auf seinem Territorium verbieten ließ.

330px-Kloster_Amorbach_17351660 wurde ein Gebäudetrakt mit Abtswohnung, Kellerei und Gästehaus gebaut.

Unter Abt Cölestin Mann, der von 1674-1713 regierte, lebten wieder 41 Mönche im Kloster. Unter Abt Engelbert Kirnbacher, der von 1728-1753 regierte wurde 1734 groß die Tausendjahrfeier begangen. Die Abteikirche wurde von 1742-1747 barock umgestaltet. 1778-1803 regierte mit Benedikt Külsheimer der letzte Abt des Klosters. Noch in seiner Amtszeit bekam Amorbach 1782 die seinerzeit größte Orgel der Welt, erbaut von den Gebrüdern Stumm aus dem Hunsrück.1783.1786 entstand noch ein neuer Konventsbau im amorbacher Zopfstil. Eine neue Bibliothek und ein Festsaal (Grüner Saal)wurden gebaut

Mit der Säkularisation 1803 endeten über 1000 Jahre Abteigeschichte. 24
Mönche mussten das Kloster verlassen.

Das Kloster fiel an die Fürsten von Leiningen. Der ehemalige Klostergarten wurde von Friedrich Ludwig Sckell zu einem Landschaftsgarten im englischen Stil umgestaltet, dem sogenannten Seegarten. Von ihm stammen auch die Englischen Gärten in Eulbach und München.

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