Bad Urach Residenzschloss, Hohenurach, Runder Berg

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Im Hirsauer Codex wird in Fol 34 erstmals der Gau Swiggerstal im Zusammenhang mit einer Wiese in Ruderchingen (Riederich)erwähnt. Swiggerstal, das ist das Ermstal.

Auch ein Graf Egino wird an dieser Stelle erwähnt. Graf Egino hatte einen Bruder, Rudolf, der die Achalm errichtete. Die Erben Eginos I. errichteten im oberen Ermstal

bei Urach zwei Burgen, eine Wasserburg im Tal und die Höhenburg. Die Höhenburg wurde wohl zwischen 1030 und 1050 möglicherweise von Egino II.  (+ 1105) errichtet und

war der  Stammsitz der Grafen von Urach, die Wasserburg, diente den Grafen als Stadtsitz. Als Burggründer kommt aber auch dessen Sohn Egino III. in Betracht.

Einige Familienmitglieder der Grafenfamilie von Urach machten vor allem in kirchlichen Ämtern Karriere. So wurde Gebhard II. von Urach (+ 1110) Benediktiner. 1091 wurde er Nachfolger

des Hirsauer Abtes Wilhelm. Von 1104-1107 war er Bischof in Speyer und gleichzeitig Abt in Lorsch. Sein Bruder Kuno war ab 1108 Kardinal und von 1114-1121 päpstlicher Legat. Gebhard von Urach,

(+1141) der Neffe der beiden war von 1131-1140 Bischof von Straßburg. Berthold von Urach (+1242)war Zisterzienser und von 1207-1221 Abt von Tennenbach, danach bis 1230 Abt von Lützel.

Am höchsten auf der kirchlichen Karriereleiter stieg Konrad von Urach. Er ist um 1180 geboren und starb 1227 in Bari. Er war auch Zisterziensermönch. 1209 ist er als Abt von Villers nachweisbar,

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von dort wechselte er nach Clairvaux, wo er zum Abt gewählt worden war. Ab 1217 war er Abt von Citeaux und Generalabt des Zisterzienserordens. Anfang 1219 ernannte ihn Papst Honorius zum Kardinal. 1220-1223 war er päpstlicher Legat in Frankreich

und 1224-1226 in Deutschland.

Die Grafen von Urach waren Parteigänger der Staufer. Um 1250, als die Macht der Staufer verfiel, gingen auch die Grafen von Urach unter.Graf Egino IV, genannt der Bärtige, geboren um1160 in Urach, heiratete 1180 Agnes, die Tochter

des Zähringerherzogs Berthold IV. Als dieser 1218 starb, fiel das rechtsrheinische Hausgut der Zähringer an die Grafen von Urach. Allerdings geriet er in Konflikt mit dem Stauferkaiser Friedrich II. Dieser wollte mit dem Zähringer Erbe, Reichsgut wieder herstellen und seine Hausmacht vergrößern. Es kam zum Kampf zwischen Kaiser und Herzog. Allerdings musste Friedrich einlenken, da er auf das Wohlwollen Kardinal Konrads, des Bruders Eginos angewiesen war, da er auch in Querelen mit dem Papst verstrickt war.

Also einigte man sich auf einen Vergleich. Der Herzogtitel von Zähringen fiel aber nicht an den Uracher Grafen. Der Sohn Egino V. nannte sich nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1230 Egino I., Graf in Freiburg.

Ein Sohn Eginos, nämlich Heinrich von Urach, geboren um 1215, war zunächst Graf von Urach. Bei der Erbteilung von 1245 erhielt er mit seinem Bruder Konrad zähringische Besitzungen im Schwarzwald und in der Baar.Ab 1250 nannte er sich Graf von Urach und Fürstenberg, später nur noch Fürstenberg, das ist das heute noch bestehende Fürstengeschlecht in Donaueschingen. 1254 tauschte er die Hälfte von Urach gegen die Hälfte von Wittlingen und 1254 verkaufte er wohl aus Geldmangel Burg und die meisten Besitzungen um Urach an Graf Ulrich von Württemberg. Berthold IV. von Urach , ein Bruder Eginos V., des Grafen in Freiburg, starb 1261. Damit erlosch die Linie der Uracher Grafen. Urach war ab jetzt ein Teil der Grafschaft Württemberg.

                                                                                                                                       Hohenurach

 

Das genaue Datum, wann die Burg erbaut wurde und auch ob sie Egino II. oder Egino III. erbaut hat ist nicht bekannt. Die erste urkundliche Erwähnung von Hohenurach ist 1235. In einem Schreiben an Kaiser Friedrich II., berichtet Konrad von Hohenlohe,dass

Graf Egino von Freiburg sich mit beträchtlicher Streitmacht in Urach festgesetzt habe. Es ist die Urkunde Nr. 387 datiert von Juli 1235 und im Fürstenbergischen Urkundenbuch. 1140 wird Comes Egeno de Hura in einer Schenkungsurkunde genannt. (Fürstenbergisches

Urkundenbuch Nr. 87. Es ist Graf Egino III. Das deutet auch auf eine Adelsburg hin, denn ab dem 11. Jahrhundert begann der Adel sich nach Burgen zu nennen. Also muss die Nennung von Urach wohl eher auf die Burg als auf die Stadt Urach bezogen werden.

Die zerstörte Burg besteht aus drei Teilen, die untere Festung mit der Burgkapelle. Von der unteren Festung stehen noch die Mauerreste. Die Burgkapelle war dem heiligen Clemens geweiht. Die genaue Lage der Kapelle ist wegen der späteren

Umbaumaßnahmen nicht bekannt.Das Patrozinium der Burgkapelle verwundert nicht, denn Gebhard II. von Urach, der Bruder Eginos II. und möglicher Erbauer von Hohenurach, war wie oben gezeigt ja Hirsauer Abt. 1091 kamen die Reliquien

des heiligen Clemens nach Hirsau und damit auch die Verehrung dieses Heiligen nach Süddeutschland. 1091 wurde in Hirsau die neue Kirche geweiht und dabei die Reliquien von Clemens an zwei Altären niedergelegt. Gebhard ging 1105 als Bischof nach Speyer. Das legt nahe, das dass Patrozinium der Burgkapelle in dem Zeitraum zwischen 1091 und 1105 übernommen worden ist, die Kapelle also nicht vor 1191 geweiht worden ist. Da de Burg  ja im Zusammenhang mit der Kapelle steht, kann die Burg wohl nicht vor 1080 erbaut

worden sein, eher später. Die Kapelle wird 1236 erstmals genannt, das Patrozinium 1491.

1427 fand ein grundlegender Umbau und eine Erweiterung der Burg durch Graf Ludwig I. von Württemberg (1412-1450)statt. Die Grafen von Württemberg hatten aber wohl auf Hohenurach nie einen dauerhaften Aufenthalt genommen.

Als Herzog Ulrich in Konflikt zum Reich und zum Schwäbischen Bund geraten war, wurde er 1519 nach dem er die Reichsstadt Reutlingen überfallen hatte, wurde er vom Schwäbischen Bund unter Führung von Georg Truchsess von Waldburg aus dem Land vertrieben.

Die Festung Hohenurach wurde vom Schwäbischen Bund übernommen. Als Ulrich dann 1534 ins Land zurückkehrte, nahm er mir Unterstützung des Landgrafen Philipp von Hessen Hohenurach wieder ein.

Nach dem Sieg Kaiser Karl V. bei Mühldorf am Inn 1547 musste sich Stadt und Festung den Truppen des Kaisers und seinem Feldherrn Herzog Alba ergeben.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Festung neun Monate belagert und wurde erst eingenommen als der Hunger die Belagerten bezwang. Am 24. Juli 1635 wurde die Festung übergeben. Nun blieb Hohenurach in österreichischem Besitz und wurde

erst 1649 nach dem Westfälischen Frieden wieder zurückgegeben. 1694 flog der Pulverturm in die Luft. Aber noch bis 1767 hatte die Festung eine kleine Besatzung mit eigenem Kommandanten. Erst in diesem Jahr gab Herzog Carl den Befehl zum Abbruch,

weil er Ziegel und Steine für den Bau des Jagdschlosses Grafeneck brauchte. Seither ist Hohenurach eine Ruine. Wie auch andere Landesfestungen diente Hohenurach auch als Gefängnis.

Graf Eberhard im Barte ließ dort 1490 seinen Vetter Heinrich, den Vater des Herzog Ulrich wegen Geisteszerrüttung unterbringen. 1519 starb er auf der Festung. Nicodemus Frischlin, späthumanistischer Philologe und von Kaiser Rudolf II zum Poeta laureatus

gekrönt, machte er sich als Professor an der Universität auch wegen seiner Streitlust wenig Freunde. Eine ordentliche Professur wurde ihm verwehrt und er musste schließlich außer Landes gehen. Eine1590 gegen den württembergischen Hof verfasste Streitschrift

brachte auch diesen gegen den streitbaren Dichter aus. In Mainz wurde er von Fahndern des württembergischen Kanzler dingfest gemacht. Der Erzbischof bewilligte seine Auslieferung. Auf der Burg Wirtenberg wurde er zunächst unter Hausarrest gestellt und dann unter verschärften Bedingungen auf Hohenurach eingekerkert. Beim Fluchtversuch stürzte er ab und brach sich das Genick. Auf Geheiß des Herzogs wurde er aber nicht wie in solchen Fällen üblich annonym verscharrt sondern auf dem Uracher

Friedhof bestattet. Matthäus Enzlin (1556-1613),württembergischer Kanzler unter Herzog Friedrich von Württemberg und dessen juristischer Berater, wurde nach dem Tod des Herzogs auf Hohenurach eingekerkert und nach einem sehr fragwürdigen Prozess

16.13 in Urach hingerichtet.

                                                                                                                                                                       Residenzschloss  

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Herzog Ludwig I. von Württemberg (1412-1450) wurde zusammen mit seinem Bruder Ulrich nach dem Tode ihres Vaters Eberhard IV. 1419 unter Vormundschaft gestellt. Die Vormundschaft wurde von Beamten, sogenannten Regentschaftsräten übernommen.

1426 wurde er  im Alter von 14 Jahren für volljährig erklärt und regierte Württemberg zunächst allein. 7 Jahre später also 1433 wurde auch Ulrich volljährig und regierte nun mit. 1441 einigten sich die Brüder auf Landesteilung, die im Nürtinger Vertrag 1442

besiegelt wurde. Ludwig erhielt den Uracher Teil und nach dem Tod seiner Mutter Henriette von Mömpelgard (heute Montbéliard) auch die Grafschaft Mömpelgard.

Ludwig baute Urach zur Residenzstadt aus und hatte ja schon 1427 Hohenurach umgebaut.

Das ältere Schloss,das vorher auf dem Grund des heutigen Residenzschloss liegt, ließ er abreißen. Sein Sohn Graf Eberhard im Bart (1445-1496) wurde am 11. Dezember in Urach geboren. Nachdem sein Vater 1450 an der Pest gestorben war,

trat er 1459 ebenfalls minderjährig die Herrschaft über die Grafschaft Württemberg-Urach an. 1474 heiratete er Barbara Gonzaga von Mantua. Eberhard nahm aus diesem Grund Verschönerungen im Schloss vor.Das ist vor allem der “Palmensaal”.

Über eine Außentreppe konnte man auch zu Ross in den Saal gelangen, der im ersten Obergeschoss liegt. Der Palmensaal ist der zentrale Empfangs-und Festsaal.Der Saal ist mit einem anspruchsvollen Bildprogramm dekoriert. Wandhohe Palmen

zusammen mit Eberhards Motto “attempto”- ich wags zieren die Wände. Sie erinnern an Eberhards Pilgerreise 1468 nach Jerusalem. Dort wurde er in der Grabeskirche zusammen mit seinen Begleitern zum Ritter vom heiligen Grab

geschlagen. angeblich hat er auf seiner Pilgerfahrt das Gelübde abgelegt, sich in Zukunft nie mehr den Bart schneiden werde und erhielt so den Beinamen “im Bart”. Im Palmensaal ist auch sein Ahnennachweis ausgemalt. Er präsentierte damit die

Verwandtschaft des Hauses Württemberg mit den Fürstenhäusern Europas. Sie ist die älteste noch erhaltene heraldische Ahnenprobe nördlich der Alpen. Im 16. Jahrhundert wurde der Palmensaal zum Jagdsaal umgestaltet. Die Wappen

Herzog Ulrichs kamen dazu und in einer Fensternische Malereien aus dem Jahre 1611. Zu Zeiten Carl Eugens wurde der Saal in ein fürstliches Appartement mit Gardesaal umgewandelt.

Den Goldenen Saal ließ ebenfalls Eberhard im Bart erbauen. Ebenfalls einer Hochzeit verdankt der Saal seine heutige Ausgestaltung. Anläßlich seiner Hochzeit mit Barbara Sophie von Brandenburg ließ   Herzog Johann Friedrich den Saal im Stil

der Spätrenaissance ausmalen. An verschiedenen Stellen im Saal kann man Initialen des Paares sehen. Die reich vergoldeten Decken und Wanddekorationen illustrieren den Namen des Saales. Vom ursprünglichen Inventar ist noch ein

reich verzierter goldener Ofen aus dem Jahre 1665 zu sehen.

Das Schloss beherbergt auch noch eine Sammlung von 22 Prunkschlitten.

Graf Eberhard brachte 1482 den Münsinger Vertrag zustande. Damit wurden auch die beiden Landesteile Württemberg-Urach und Württemberg-Stuttgart wiedervereinigt. Sein Vetter Eberhard der Jüngere überließ damit die Regierung seines Landesteils

dem Uracher Grafen. Die Residenz wurde nun nach Stuttgart verlegt. Kaiser Maximilian erhob

1495 die Grafschaft zum Herzogtum und Eberhard wurde herzog von Württemberg und Teck. Urach verlor seine Bedeutung als Regierungssitz, das Residenzschloss blieb aber beliebtes Jagdschloss der Herzöge von Württemberg.

                                                                                                                                                                                                                                                      Graf Eberhard im Bart

Unbenannt

Am Anfang seiner Regierungszeit musste sich Eberhard vor allem gegen die Ansprüche seines Onkels, des Pfalzgrafen Friedrichs des Siegreichen wehren.Erst nach dessen Tod konnte er sich verstärkt der Innenpolitik zuwenden.

1477 gründete er die Universität Tübingen. Sie sollte die bessere Ausbildung der weltlichen diener und des Klerus sicherstellen.  Erster Rektor und langjähriger Kanzler der Universität wurde Johannes Nauclerus.

Eberhard, selbst des Lateins unkundig ließ er viele Texte ins Deutsche übersetzen.

Das Stift Sindelfingen, ein Chorherrenstift, das seit dem 11. Jahrhundert bestand, wurde von Eberhard nach Tübingen verlegt. Von den zehn früheren Sindelfinger Chorherren wurden acht Professoren in Tübingen, darunter auch der erste Rektor.

Eberhards Politik war immer auf Ausgleich bedacht.  Im 1488 gegründeten Schwäbischen Bund war Eberhard von Anfang an beteiligt und nahm neben Hugo von Werdenberg und Berthold von Mainz eine zentrale Stellung ein.

Wichtig war ihm die Reformierung von Klöstern. Er holte die von ihm geschätzten Brüder vom gemeinsamen Leben ins Land,eine Gemeinschaft der devotia moderna. Er ließ in Urach, Dettingen an der Erms, Tübingen und Herrenberg Stifte errichten.

Von Zeitgenossen geschätzt und geehrt, Maximilian verlieh ihm den Orden vom Goldenen Vlies, Papst Sixtus IV. die goldene Rose verstarb er 1496 in Tübingen. Auch die Nachwelt verehrte ihn. die patriotisch gesinnte württembergisch

gesinnte Geschichtsschreibung verklärte ihn als ersten württembergische Herzog. Seine Büste wurde in der Walhalla aufgestellt und Justinus Kerners “Preisend mit viel schönen Reden” besingt ihn als reichsten deutschen Fürsten, wobei sein Reichtum nicht im

Materiellen

                                                                                                                                                                                                                                                    Der Runde Berg

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Der Runde Berg bei Urach ist ein Herrensitz mit zugehöriger Handwerkersiedlung. Er vom Dritten Jahrhundert p.C. bis in das erste Viertel des Sechsten. Jahrhunderts p.C. besiedelt, dann nochmals in bescheidenerem Maße vom letzten Viertel

des Siebten bis zur Mitte des Achten Jahrhunderts bewohnt. Während der zeit der Ungarneinfälle im Zehnten Jahrhundert war nicht kontinuierlich besiedelt sondern wohl eher als Refugium genutzt. Im Siebten Jahrhundert war bis zum umkreis von 15 Kilometern

mit einem Kranz von Siedlungen umgeben, deren Ortsnamen alle den Bestandteil-“hausen”aufweisen und die wohl der Versorgung der Burgsiedlung dienten. Im Elften Jahrhundert war der Sitz auf dem runden Berg sicher verlassen.

Man hat sehr viel Keramik auf dem Runden Berg gefunden. Die zweitgrößte Materialgrube ist das Glas. Es wurden aber auch Fibel, Gürtel und Waffengefunden.

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