Monatliches Archiv: März 2026

Widerstand im Dritten Reich und Widerstandskämpfer

Der Widerstand tat sich schwer in Deutschland, so wie auch die Deutschen große Schwierigkeiten mit Menschen hatten, die Widerstand leisteten. Oft wurde das mit Vaterlands oder Volksverrat bezeichnet, auch noch nach dem Krieg. In der ersten Meinungsumfrage 1951 missbilligten 30 % der westdeutschen Bevölkerung das Attentat vom 20. Juli, 30 % hatten keine Meinung und nur 40 % sprachen sich positiv aus. Zwar standen viele Deutsche dem Regime am Anfang kritisch gegenüber. Andrerseits waren sie durchaus bereit, dem Kabinett Hitler zunächst einen Vertrauensvorschuss einzuräumen. Von Beginn ihrer Herrschaft war die Propaganda ein wichtiges Mittel, die Macht zu stabilisieren und die Deutschen hinter sich zu bringen. Dazu kam, dass in Deutschland Demokratie noch keine eingeübte Form des Zusammenlebens in einem Staatsgefüge war, als Folge eines totalen Zusammenbruchs entstand und von Anfang von links und rechts massiv bekämpft wurde. Wirtschaftliche Katastrophen wie die Inflation in der Anfangszeit der Weimarer Republik oder Weltwirtschaftskrise mit der Massenarbeitslosigkeit in der Endphase der Republik waren nun wirklich nicht werbewirksam oder anziehend. Die Erfolge in der

Aussenpolitik, wirtschaftliche Scheinerfolge, von der Propaganda entsprechend herausgestellt, der innere Friede, der in der Republik zu herrschen schien, bestätigte und festigte die Nationalsozialisten in ihrer Herrschaft. Von Anfang an herrschten die Nationalsozialisten mit einer raffinierten Technik aus Lockung und Zwang. Die Nazis schafften es geschickt, praktisch all ihren Aktionen ein Mäntelchen von Legalität umzuhängen. Aber das Parlament entmachtete sich selbst. Die Mehrheit der Sozialdemokraten und Gewerkschaften wurde überrumpelt und setzte der Auflösung und dem Verbot ihrer Organisation im Sommer 1933 keinen Widerstand entgegensetzten. Flankiert wurde das sofort mit harter Repression. Konzentrationslager wurden errichtet. Prominente Vertreter von Sozialdemokratie, Gewerkschaften und politischem Katholizismus sassen im KZ oder im Gefängnis. Daneben hatten sie mit Gestapo und SS einen Herrschaftsapparat aufgestellt und diesen der gesetzlichen Kontrolle entzogen.

Viele Regimekritiker zogen sich ins Private zurück oder in die innere Emigration.

Widerstand gab es aus allen Lagern. Die Arbeiterbewegung als der große politische Gegner in der Zeit der Weimarer Republik wurde von den Nationalsozialisten sofort nach der Machtergreifung massiv bekämpft. Viele KPD-Abgeordnete wurden gleich nach der Reichstagswahl trotz Immunität verhaftet, am 12.03. wurden ihre Mandate für ungültig erklärt, am 15.03. die Partei verboten. Das bedeutete entweder Konzentrationslager Untergrund oder Exil. Im KZ wurden illegale Häftlingsstrukturen aufgebaut. Viele KPD-Angehörige kämpften im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Faschisten. Der Deutsch-Russische Nichtangriffspakt vom 23. August 1939 erschwerte die Situation für die inzwischen illegale KPD, wie für alle kommunistischen Parteien in Europa zusätzlich. Sie waren ja alle in der Kommunistischen Internationalen organisiert. Nun hatte die kommunistische Führungsmacht plötzlich ein Bündnis mit den Nationalsozialisten geschlossen. Die Lage änderte sich grundlegend erst  mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion,

wie schon oben bei der Résistance kurz angedeutet wurde. Ab Juni 1941 entstanden auch in Deutschland wieder kommunistische Widerstandsgruppen.

Die SPD schickte ihre besonders gefährdeten Mitglieder Otto Wels, Paul Hertz, Friedrich Stampfer, Erich Ollenhauer, Siegmund Crummenerl nach Prag. Dort sollten sie das Prager Auslandszentrum aufbauen. Von Mai 1934 begann man mit der Ausgabe der

Deutschland-Berichte der Sopade. Die Berichterstattung aus dem Reich empfand man von Beginn an als politischen Widerstand. Als “Wahrheitsoffensive” wollte man die Realität des Dritten Reiches jenseits der nationalsozialistischen Propaganda aufzeigen.

Die Berichte wurden für die Exilantengemeinde aber auch für Regierungen und Journalisten in Westdeutschland eine durchaus verlässliche Quelle. Erich Rinner gab die Berichte heraus.

Zwischen 1929 und 1933 hatte sich um den ehemaligen KPD-Funktionär Walter Loewenheim und andere KPD-Funktionäre die Gruppe Neu Beginnen gebildet. Beim Machtantritt der Nationalsozialisten war sie auf die Illegalisierung der Arbeiterbewegung

vorbereitet. Sie hatte schon vorher sehr konspirativ gearbeitet und konnte ihr Untergrundnetz ausbauen. 1934 erschien die Programmschrift „Neu beginnen! Faschismus oder Sozialismus”. Die Widerstandskonzepte von Sopade und Neu Beginnen beide von

inhaltlicher und zeitlicher Parallelität wurden von  von den Beteiligten durchaus als Konkurrenz empfunden. Man arbeitete aber auch zusammen. Beide Gruppen lehnten kommunistische Widerstandskonzeptionen ab. So verurteilten beide „alle terroristischen Maßnahmen“ Beide erkannten auch, das „Ende des Faschismus von dem spontanen Aufstand der Volksmassen“ nicht zu erwarten sei, Loewenstein schneller als Rinner.

 

1. “Die Rote Kapelle”

 

Im September 1942 gelang es der Gestapo, über 120 Mitglieder der “Roten Kapelle” festzunehmen. Der Begriff war von der Gestapo als Sammelbegriff für Gruppen von NS-Gegnern mit tatsächlichen oder vermuteten Funkkontakten zur Sowjetunion.

Tatsächlich war es die größte und vielfältigste Widerstandsbewegung, die in Berlin gegen Hitler und die Nazis arbeitete. Sie umfasste ein breites Spektrum. Angehörige des gehobenen Bürgertums waren hier genauso tätig wie einfache Arbeiter,Sympathisanten der äußersten Linken, aber auch bündisch-nationale Rechte. Dieses Netzwerk trug den Widerstand in den nationalsozialistischen Alltag. Man unterstützte Verfolgte, versteckte Juden, trieb aber auch mit Flugblattaktionen politische Aufklärung und unterhielt auch Kontakte zu anderen Widerstandskämpfern

Die Gruppe um Harro Schulze Boysen und Arvid Harnack war eher lose und informell organisiert.

Harold Schulze-Boysen wurde am 2. September 1909 in Kiel geboren. Er studierte 1928/29 in Freiburg und 1929-1931 in Berlin Rechtswissenschaften. Ein Auslandsaufenthalt in Frankreich kam er mit einem Kreis von Intellektuellen im Umfeld der Zeitschrift “Plans”

zusammen. Die 1930 von dem französischen Anwalt Philippe Lamour  gegründete avantgardistische Zeitung, die sich mit den Themen Kunst, Architektur, Stadt und Politik befasste. Zu ihren Mitarbeitern zählte u.a. auch Le Corbusier. Zurück in Berlin übernahm er die Schriftleitung der Zeitung “Der Gegner”. Sein Vorgänger war Franz Jung, Expressionist, Dadaist, KPD-Mitglied. Er hatte die Zeitung 1930 wieder gegründet. Schulze-Boysen wollte nach seiner Rückkehr aus Frankreich eine gegen die aufstrebenden Nazis gerichtete Jugendbewegung aufbauen. Im Umfeld der Zeitschrift hatte sich ein Kreis gebildet, der fast alle politischen Mächte der Republik befehdete. sie wollten die Gegner von links und rechts zu einer dritten Kraft zusammenführen gegen die Nazis. Sprachrohr war die Zeitschrift “Der Gegner” Von Schulze-Boysen veranstalte in Berliner Cafés sogenannte Gegner-Abende, Diskussionsrunden, in den über die Zukunftsfragen deutscher Politik debattiert wurde und zu denen auch Vertreter der Parteien eingeladen wurden.

Die Abende hatten einen enormen Zulauf und Schulze-Boysen hatte einen breitgefächerten Bekanntenkreis. Er hielt Kontakt zu praktisch allen oppositionellen Jugendgruppen, aber er hatte auch persönliche Beziehungen zu nationalistischen Kreisen. Die Machtübernahme Hitlers überraschte ihn nicht. Er glaubte aber, dass durch einen Generalstreik bald wieder zu Fall käme. Die Polemiken im “Gegner” gegen die nationalsozialistische Gefahr waren von Nummer zu Nummer heftiger geworden und so überraschte es

nicht, dass die SS kurz nach der Machtergreifung Rache nahm. Ein Rollkommando der SS-Standarde überfiel die Redaktionsräume, verwüstete sie und beschlagnahmte sämtliche Exemplare der Zeitschrift, die inzwischen verboten war. Harold Schulze-Boysen und seine Freunde Adrien Turel und Henry Erlanger wurden in wilde KZs verschleppt. Henry Erlanger wurde zu Tode geprügelt. Die beiden anderen überlebten nur knapp. Turel, er war Schweizer, ging 1934 in die Schweiz zurück. Die Mutter von Harold, Marie Luise Boysen, bekam ihren Sohn schließlich frei. Sie versprach, dass ihr Sohn fortan von jeder “staatsfeindlichen Aktion” Abstand nehmen  und außerdem Berlin verlassen würde.

Diese Tage in den Folterkellern der SS wurden für ihn zum Schlüsselerlebnis. Wolf Oschlies schreibt in seinem Artikel “Widerstand im Dritten Reich 1933-1945” (online auf www.zukunft-braucht-erinnerung.de/widerstand im dritten Reich) von der Triade Verstrickung-Distanzierung-Widerstand.Harold ging auf innere Distanz um Regime. Der Weg zum Widerstand aber war nun vorgegeben. Harold begann nun eine Fliegerausbildung an der Deutschen Verkehrsfliegerschule in Warnemünde.  Unter seinen Lehrgangsteilnehmern blieb er aber isoliert, zumal er sich auch nicht von dem Begeisterungstaumel der “ nationalen Revolution” anstecken ließ. Seinen Vorgesetzten war seine Vergangenheit ja auch bekannt und so viel er prompt bei der Abschlussprüfung durch.

Er scheiterte im Kunstflug. Dass er doch in den Machtapparat des Regimes eindringen konnte, dazu verhalfen ihm einmal seine immensen Sprachkenntnisse. Er beherrschte Französisch, Englisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch und Holländisch. Dazu lernte er noch Russisch. Dann war es seine Heirat mit Libertas („Libs“) Haas-Heye. Sie war die Enkelin von Fürst Philipp zu Eulenburg und Hertefeld, väterlicher Freund  Kaiser Wilhelms. Sie lebte zeitweise auf Schloss Liebenberg, dem Familiensitz ihres Großvaters.

Gutsnachbar war 1933 Hermann Göring geworden, der sich in der Nähe sein Anwesen Carinhall bauen ließ. Man unterhielt gutnachbarliche Beziehungen und als Libertas Harold heiratete, war Hermann Göring Trauzeuge. Libertas konnte die Protektion weiter nutzen und Harold kam im Reichsluftfahrtministerium unter. Zunächst erhielt er einen privaten Angestelltenvertrag. Er wurde in die Auslandspressegruppe eingegliedert. Diese Abteilung war mit der Beobachtung fremder Luftwaffen betraut und gehörte zum Luftwaffenführungsstab. Er befasste sich mit wehrpolitischen Büchern. Er meldete sich zu Reserveübungen, wurde Leutnant. Sein Diensteifer fiel auf. Er wurde  als Artikelschreiber für „Jahrbuch der deutschen Luftwaffe“ herangezogen. Für seine offiziell-

journalistische Arbeiten, bekam er auch geheime Unterlagen zu Gesicht. Er gelangte zu der Überzeugung, dass Adolf Hitlers Weg in den Krieg führte. Der spanische Bürgerkrieg und die deutsche Verwicklung darin, brachte Harold Schulze-Boysen und seine kleine Gruppe dazu aktiven Widerstand gegen das Regime zu leisten. Seine kleine Gruppe, das waren Menschen, die sich schon seit der gemeinsamen Arbeit beim “Gegner” kannten.

Dazu gehörte der aus Stuttgart stammende Bildhauer Kurt Schumacher. Er  hatte eine Ausbildung zum Holzbildhauer gemacht. Danach arbeitete und studierte er bei Ludwig Gies, dann  bis 1935 an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst (VVS) in Berlin

als Meisterschüler. Diese privilegierte Stelle ermöglichte es ihm, mit eigenem Atelier zu arbeiten. Dieses Atelier diente auch als konspirativer Briefkasten, dort trafen sich Regimegegner unter dem Deckmantel des Modellstehens. Er zählte als abstrakter Künstler schnell zu den Verfemten. Dazu kam, dass er KPD-Mitglied war. Seine Frau Elisabeth geborene Hohenemser war Grafikerin und hatte von 1928-1933 ebenfalls an den VVS in der Grafikklasse studiert. Ihr Vater stammte aus einer jüdischen Bankiersfamilie. Nach den Nürnberger Gesetzen 1935 galt sie als Halbjüdin. Eine feste Anstellung war ihr damit verwehrt. Sie heiratete Kurt 1934. Das Ehepaar konnte sich nur mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten.

Zu dem Kreis gehörte auch Walter Küchenmeister. Er stammte aus Waldheim in Sachsen. Ab 1921 war er für die KPD tätig. Er war Redakteur der Westfälischen Arbeiterzeitung und des Ruhrechos. 1926 wurde er wegen “unproletarischen Verhaltens” aus der KPD ausgeschlossen .

Er wurde als Polizeispitzel verdächtigt und soll Gelder unterschlagen haben. Nach der Machtübernahme wurde er von der SA in das KZ  und Zuchthaus Sonnenburg östlich von Köstrin verschleppt. Nach neun Monaten wurde er schwerkrank entlassen. Er litt an einem Magengeschwür und Lungentuberkulose. Über Kurt Schumacher hatte er seine Lebensgefährtin, die Ärztin Elfriede Paul kennengelernt. Sie hatte eine Praxis in Berlin Wilmersdorf, die ähnlich wie Schumachers Atelier zum Treffpunkt der Gruppe um Schulze-Boysen wurde.

1936 stießen zwei weiter Aktivisten zu dem Kreis. Das war die 1915 geborene Gisela von Poellnitz. Sie hatte wohl schon vor 1933 dem Kommunistischen Jugendverband angehört. Sie arbeitete unter Gösta von Uexküll bei der United Press. Der 1902 in Velbert geborene Günther Weisenborn war nach abgeschlossenem Germanistik und Medizinstudium ab 1927 in Berlin als Schauspieler tätig. 1928 wurde er Dramaturg an der Volksbühne. Er schrieb Theaterstücke und Bücher, die aber nach der Machtübernahme der der Nazis verboten wurden. Er konnte aber unter Pseudonym weiterschreiben. Er emigrierte 1936 in die USA, kehrte aber schon 1937 nach Deutschland zurück. Er führte ein Doppelleben. Er nahm am nationalsozialistischen Kulturbetrieb teil. Seit 1941 war er Dramaturg am Schillertheater. Gleichzeitig arbeitete er in der Gruppe von Harold Schulze-Boysen mit.

Zur Zeit des Spanischen Bürgerkriegs schritt man also zur Tat. Im Reichsluftfahrministerium arbeitete der Sonderstab W unter Leitung des Generals der Flieger Helmuth Wilberg. Über ihn  liefen alle deutschen Hilfsaktionen, also Freiwillige, Waffen und Munition.

Harold sammelte nun alle Informationen, die er über den Sonderstab W bekommen konnte. Diese gab er in Briefen,Gisela von Poellnitz in den Briefkasten der sowjetischen Botschaft warf, weiter. Aber die Gestapo kam ihnen auf die Spur. von Poellnitz wurde verhaftet. Die Verschwörer sahen sich schon am Ende. Von Küchenmeister fuhr nach Köln, um sich in die Niederlande abzusetzen. Aber von Poellnitz wurde aus der Haft entlassen. Sie hatte nichts verraten. Schulze-Boysen kam mit einer Verwarnung durch die Gestapo davon. Das aber hielt ihn nicht vor weiterer konspirativer Tätigkeit ab. Er setzte nun auf Politische Aufklärung. Man verteilte Flugblätter, ließ sie in öffentlichen Verkehrsmittel oder Telefonzellen liegen oder man verschickte sie in frankierten Umschlägen.

Auch wurde der Widerstandskreis ständig vergrößert. So kamen vor Kriegsausbruch das Ehepaar Walter und Martha Husemann und die Tänzerin Oda Schottmüller  dazu.

Husemann, geboren am 2.12. 1909  war schon seit seiner Jugend der KPD verbunden. 1924 war er beim Walter und Martha Husemann. 1928 trat er in die KPD ein. Nach der Machtergreifung engagierte er sich im Widerstand gegen Hitler.Zusammen mit seinem Vater wurde er als Schutzhäftling erst ins KZ Sachsenhausen und dann nach Buchenwald verschleppt. Marta Husemann, die am 20. 8. 1913 in Berlin geboren wurde, war auch sehr früh bei der KPD aktiv. Mit 15 trat sie auch in den Kommunistischen Jugendverband ein, ab 1931 war sie KPD-Mitglied. 1932 spielte sie die Hauptrolle in dem Film Kuhle Wampe. 1936 wurde sie erstmals von der Gestapo verhaftet, 1937 war sie Schutzhäftling im KZ Moringen. Sie knüpfte wohl den Kontakt zu Harold Schulze-Boysen.

Die 1905 geborene Oda Schottmüller machte nach dem Besuch der Odenwaldschule von 1992-1924 ab 1924 bis 1927 eine kunsthandwerkliche Ausbildung in Pforzheim. 1928 begann sie eine Ausbildung zur Tänzerin in Berlin. Anfang 1930 war sie auch Schülerin des

Bauhauslehrers Johannes Itten im Bereich Bildhauerei. Um 1935 lernte sie den Bildhauer Kurt Schumacher kennen und kam so in Kontakt mit der Gruppe um Harold Schulze Boysen.

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Ein anderer Kreis hatte sich auch schon 1933 um den am 24.05. 1901 in Darmstadt geborenen Arvid Harnack gebildet. Zu Arvids Familie gehören eine Reihe von Familienmitgliedern, die im Widerstand tätig waren.Sein jüngerer Bruder Falck hatte Kontakte zu Hans Scholl und Sophie Scholl.Als die beiden zum Tod verurteilt wurden, musste er befürchten, dass ihm dasselbe Schicksal blühte. Doch er wurde überraschend frei gesprochen.Aber er wurde aus seiner regulären Einheit ins Strafbataillon 999 abkommandiert.Im Dezember 1943 wurde er verhaftet und sollte in ein  KZ eingeliefert werden. Er konnte aber entfliehen. Er schloss sich der griechischen Partisanenbewegung ELAS an. Er gründete in Griechenland Antifaschistische Komitee Freies Deutschland (AKFD).

Falck war das einzige im Widerstand tätige Mitglied, der Familie Harnack, das nicht mit dem Leben bezahlen musste.

Ernst Harnack, Sohn des Onkels von Arvid und Falck, des Theologen Arnold von Harnack wurde wegen Beteiligung der Verschwörung zum 20. Juli 1944 vom Volksgerichtshof am 1. Februar 1945 zum Tode verurteilt und am 5. März 1945 in Plötzensee hingerichtet.

Klaus Bonhoeffer, Cousin von Arvid und Falck und Bruder von Dietrich Bonhoeffer wurde ebenfalls im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 am 2. Februar 1945 vom Volksgerichtshoff zum Tode verurteilt und in der Nacht vom 22.zum 23. April 1945, als sich die Rote Armee schon in den Außenbezirken von Berlin befand, von einem Sonderkommando des RSHA zusammen mit 12 Mitgefangenen ermordet. Dietrich Bonhoeffer, Theologe und Mitglied der Bekennenden Kirche war seit 5. April 1943 inhaftiert und am 9. April 1945 auf ausdrücklichen Befehl Hitlers im KZ Flossenbürg hingerichtet.

Zurück zu Arvid. Nach dem Notabitur 1918 studierte er in Jena Graz und Hamburg Rechtswissenschaften. Er promovierte 1923. 1926 erhielt er ein Rockefeller-Stipendium. Bis 1928 studierte er an der University of Wisconsin-Madison in den USA Nationalökonomie. 1926 heiratete er dort die Literaturwissenschaftlerin Mildred Fish. Zurück in Deutschland promovierte er 1930 in Gießen bei dem Nationalökonomen Friedrich Lenz. Mit diesem gründete er 1931 die „Arplan“ (Arbeitsgemeinschaft zum Studium der Planwirtschaft). Sie wurde wohl auch durch die sowjetische Botschaft rege gefördert. So war der sowjetische Botschaftsrat Bessanow Mitglied der Arplan. Harnack erhoffte sich

für Deutschland eine Rolle als geistige und wirtschaftliche Brücke zwischen Ost und West. Als Erster Sekretär der Arplan organisierte er 1932 eine Studienreise in die mit der Gesellschaft in die Sowjetunion.

Nach der Machtübernahme Hitlers musste Arplan aufgelöst werden. Harnack hatte seine juristische Ausbildung mit dem Assessorexamen in Jena abgeschlossen. Er bekam nun eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft im  im Reichswirtschaftsministerium in Berlin.

Er brachte es dort bis  zum Oberregierungsrat. Er war geheimes KPD-Mitglied. Zur Tarnung seiner illegalen Aktivitäten wurde er 1937 NSDAP Mitglied. Ab 1935 unterhielt er Kontakte zu Mitarbeitern des sowjetischen Nachrichtendienstes NKGB. 1936 nahm er Kontakte zur US-Botschaft auf. Seine Frau war Vorsitzende des Frauen-Clubs an der Berliner US-Botschaft. Die Familie hatte auch sehr gute Beziehungen zu Botschaftsmitgliedern, so zu William Dodd, der von 1933 bis 1937 amerikanischer Botschafter in Berlin war und zu dem Ersten Botschaftssekretär Donald Heath, der dieses Amt von 1938-1941 bekleidete. 1939 verfassten die Harnacks ein geheimes Memorandum für das amerikanische Außenministerium. In Amerika wurde Hitlers Expansionsdrang zu dieser Zeit noch nicht allzu ernst genommen. Die Nazis genossen durchaus Sympathien in den USA. So sah zum Beispiel Joseph Patrick Kennedy, 1937-1940 US Botschafter in London, der bekennender Antisemit war, in Hitler das Bollwerk gegen den Bolschewismus.

Das Ehepaar Kuckhoff stieß bald zu der Gruppe um Harnack. Greta, geborene Lorcke,  studierte in Berlin und Würzburg Volkswirtschaft und Soziologie und von 1927-1928  an der University of Wisconsin-Madison wo sie Arvid und Mildred Harnack kennenlernte.

In Zürich arbeitete sie als Assistentin des Aktienrechtlers Rosendorff. Von 1932 bis 1933 war sie wissenschaftliche Assistentin von Karl Mannheim am Institut für Sozialforschung in Frankfurt. 1933 hatte sie einen Studienaufenthalt der London School of Economics.

Dort bereitet sie die Emigration von Karl Mannheim vor, der 1933 entlassen wurde, weil er Jude war. 1933 lernte sie auch ihren späteren Mann kennen, den Dichter Adam Kuckhoff,den sie 1937 heiratete. Sie arbeitete als Dolmetscherin im rassenpol. Amt der NSDAP.

Sie war als Mitübersetzerin von  Mein Kampf” auf englisch tätig, weil sie hoffte, damit die englische Öffentlichkeit über Hitler aufklären zu können. Ihr Mann Adam Kuckhoff, aus Aachen stammen hatte in Freiburg, München und Heidelberg studiert. Er war überzeugter Anhänger der Freistudentischen Bewegung und studierte ganz im Sinne der “Finkenschaft”, wie die freistudentische Bewegung auch geheißen wurde, querbeet alle Fächer, die ihn interessierten, Philosophie und Medizin, Nationalökonomie und Germanistik, Philologie und Geschichte. 1912 promovierte er in Halle an der Saale über “Schillers Theorie des Tragischen”. Zu Ende des 1.Weltkrieges folgte eine lange Theaterpraxis. Er war als Schauspieler und Regisseur am Düsseldorfer Schauspielhaus, an den  Bühnen in Elberfeldt und Frankfurt am Main tätig. Drei Jahre leitete er gemeinsam mit Robert George das Frankfurter Künstlertheater, eine Wanderbühne, die im Rheinland zielstrebig volksbildnerische Absichten verfolgte.

1927 gab er Georg Büchner in einer kommentierten Volksausgabe heraus. Von 1927-1929 arbeitete er als Lektor im Jenaer Eugen Diederichs Verlag und gab die Monatsschrift “Die Tat” heraus. Das bisher eher konservativ ausgerichtete Journal bekam in kurzer Zeit

ein neues linkes Profil, was bald zur Trennung führt. Ab 1933 war er als freier Schriftsteller tätig. Schon zu Beginn des Dritten Reiches hatte er Kontakte zu linken Widerstandskreisen. Zum Freundeskreis der Kuckhoffs zählte auch Oda Schottmüller.

Ab etwa 1938 begannen die beiden Kreise um Schulze-Boysen und Harnack zusammenzuarbeiten. Nach den Novemberpogromen 1938 hatten Gruppenmitglieder Juden zu Verstecken, gefälschten Ausweisen und zur Flucht verholfen.

Zu Kriegsbeginn stießen weitere Gruppen dazu,so ein Kreis von Jungkommunisten um Hans Coppi, eine Gruppe um den Psychoanalytiker John Rittmeister oder der  Freundeskreis des Schauspielers Wilhelm-Schürmann-Hoerster.

In den Jahren 1940-1942 wurden Flugschriften verfasst, Flugblätter verteilt oder die regimekritischen Predigten des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen. Als im Mai 1942 die nationalsozialistische Hetzausstellung

„Das Sowjetparadies“ wurde, führte die Gruppe eine Plakatklebeaktion durch. Harro Schulze-Boysens Ehefrau Libertas dokumentierte nationalsozialistische Gewaltverbrechen an der Zivilbevölkerung, soweit sie davon erfuhr.

Am 17. Juni 1941 warnte Harro Schulze-Boysen die sowjetische Botschaft vor dem bevorstehenden Überfall auf die Sowjetunion. Die Warnung wurde an Stalin weitergeleitet, von diesem aber schroff zurückgewiesen wurde.

„Schicken Sie Ihren Informanten aus dem Stab der deutschen Luftwaffe zu seiner Hurenmutter zurück. Das ist kein Informant, sondern ein Desinformator.“ (zitiert nach Spiegel online Eines Tages “Horrorbriefe an die Ostfront”).

Natürlich war die Sowjetunion an einem Informantennetz  in Deutschland interessiert. Der Botschaftsmitarbeiter Alexander Edberg, mit richtigem Namen Alexander M. Korotkow, gewann Harnack als Informanten. Er übergab zwei Kurzwellensender an Greta Kuckhoff, die aber beide nicht funktionierten. Es gibt einen einzigen Funkspruch nach Russland. Aber genau wegen eines Funkspruchs nach Belgien, den die Gestapo auffangen und entschlüsseln konnte, flog die Gruppe auf.

Die Gestapo reagierte schnell. Zwischen August 1942 und März 1943 wurden ungefähr 130 Mitglieder verhaftet. Mindestens 57 der Verhafteten, darunter 19 Frauen wurden vom Volksgerichtshof oder dem Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt.

Auf Weisung der Reichskanzlei hatte das Verfahren vor dem Reichskriegsgericht stattgefunden, obwohl fast alle Angeklagten Zivilisten waren. Mit der Oberaufsicht war Hermann Göring beauftragt worden. Dieser berief Manfred Roeder als Ankläger.

Bei Göring genoss er höchstes Vertrauen und wurde oft zu besonders schwierigen Fällen herangezogen. Seinen Gegner galt er als „Bluthund Hitlers“ (Spiegel Nr. 21 vom 20. Mai 1968 S. 80). Das Verfahren widersprach den elementarsten rechtsstaatlichen

Anforderungen. Den Angeklagten wurde die Anklageschrift nicht ausgehändigt. Sie durften ausschließlich von 4 Offizialverteidigern verteidigt werden, die kaum Akteneinsicht erhielten. Sie konnten keine Zeugen benennen und keine Rechtsmittel ergreifen.

Die Willfährigkeit des Gerichtes zeigt sich auch darin, dass zwei langjährige Freiheitsstrafen ohne weiteres in Todesstrafen umgewandelt wurden, nur weil dem Führer das Urteil missfallen hatte. Alle Verfahren fanden unter strengster Geheimhaltung statt.

Die Hinrichtungen fanden auf Drängen Hitlers sehr schnell statt. Die Verurteilten sollten die sich abzeichnende Katastrophe von Stalingrad nicht mehr erleben. Makabres Detail.Die Leiche von Libertas Schulze-Boysen wurde nicht in Liebenberg bestattet,

sowie sich Libertas das gewünscht hatte. Sie wurde Anatomische Institut der Universität Berlin, wo der Anatom Hermann Stieve anhand der Leichen hingerichteter Frauen etwas makabre Forschungen über den Zusammenhangzwischen Todesangst und Menstruationszyklus anstellte. Auch über das Ende der “Roten Kapelle” hinaus erfuhr sie keine Gerechtigkeit. Zwar hatte gerade diese Gruppe ein breites soziales und politisches Spektrum abgedeckt  und den Widerstand in den Alltag des Nationalsozialismus getragen. Eine unheilige Allianz von von unverbesserlichen Nationalsozialisten, opportunistischen Wendehälsen und Angehörigen der konservativen Widerstandsgruppe um Graf Stauffenberg, die für sich ein Widerstandsmonopol in Anspruch nahmen 

stempelten die Rote Kapelle schon in den Fünfziger Jahren als  kommunistische, von Moskau gelenkte und hauptsächlich auf Spionage ausgerichtete Organisation, die mit „echtem“ Widerstand nichts zu tun gehabt habe. Die Gestapo war auf eine zufällige

beiläufige Verbindung des Widerstandsnetzes um Oberleutnant Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack mit  dem sowjetischen Militärgeheimdienst in Westeuropa gestoßen und hatte diese für zentral gehalten und ihr auch den Namen gegeben. Sie gab auch

die Widerstandsgruppen für von Moskau gesteuert aus. Diese Fiktion wurde über den Krieg hinaus aufrecht gehalten. Auch Gestapogrößen wie Kaltenbrunner, SS-Standartenführer Walter Huppenkothen oder Horst Kopkow, als SS-Hauptsturmführer Leiter der

Sonderkommission Rote Kapelle übernahmen dies gerne, bot sie doch die Chance im aufkommenden Kalten Krieg und der Überlegung, sich gegen Spionage aus Russland zu schützen sich den Westalliierten als “Spezialisten” anzudienen. Manfred Roeder, der das Verfahren vor dem Reichskriegsgericht leitete, diente dem amerikanischen Militärnachrichtendienst Counter Intelligence Corpss (CIC)  unter dem Decknamen „Othello“ als informeller Mitarbeiter. Im Januar 1945 war er zum Generalrichter ernannt worden, das war die höchste Stufe, die ein Richter beim Reichskriegsgericht entweder der Luftwaffe oder dem Heer erreichen konnte. 1945 hatten Mitglieder er Roten Kapelle, nämlich Adolf Grimme, Günther Weisenborn und Greta Kuckhoff Anzeige gegen ihn erstattet, erst Grimme allein bei der Britischen Militärregierung wegen Körperverletzung im Amt und Aussageerpressung erstattet.. Die beiden anderen hatten zusammen mit Grimme beim Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erstattet. Es kam sogar zu einem Verfahren. Als Entlastungszeuge trat ausgerechnet Alexander Kraell auf, der Vorsitzender Richter beim 2. Senat des Reichskriegsgerichts war. Auch er war für zahlreiche Todesurteile gegen Mitglieder der Roten Kapelle verantwortlich. Er überstand sowohl das Verfahren vor dem Britischen Militärgericht wie das vor dem Internationalen Militärgerichtshof unbeschadet. Wie unbelehrbar er bis zum Schluss war, zeigt auch, dass er 1957 erwog, gegen die überlebenden Angeklagten der Roten Kapelle, die ihn nach dem Krieg verklagt hatten, zivilrechtlich mit Schadenersatzklagen vorzugehen. Er starb am 18. Oktober 1971 und konnte bis dahin  von der Justiz unbehelligt seine Pension genießen.

Horst Kopkow wurde nach London gebracht und ließ sich vom britischen Geheimdienst MI6  vier Jahren nach seinen Methoden gegen die sowjetische Spionage befragen. Dieses Wissen schützte ihn vor möglichen Kriegsverbrecheruntersuchungen, so dass er im Juni 1948 für tot erklärt wurde. Er wurde mit einer falschen Identität zwischen 1949 und 1950 nach Westdeutschland entlassen. Er war dann honoriger Geschäftsführer bei einem Textilunternehmen und starb erst 1996 an Lungenentzündung in Gelsenkirchen.

Alexander Kraell war mittlerweile Sozius von Fabian von Schlabrendorff, einem Überlebenden der Verschwörung vom 20. Juli 1944 und späterem Mitglied des Bundesverfassungsgerichts geworden. Von Schlabrendorff hatte bei den Roten Kapelle Mitgliedern

das christlich-moralische Element vermisst und beurteilte den Prozess gegen sie als rechtsstaatlich einwandfrei. Erst das Ende des Kalten Krieges und der Spaltung Deutschlands, damit verbunden auch die Erschließung neuer Quellen und nicht zuletzt die Tatsache, dass eine neue Juristengeneration herangewachsen war, die nicht mehr in die NS-Vergangenheit verstrickt war ermöglichte einen neuen Blick auf die “Rote Kapelle”. Trotzdem dauerte es noch bis zum 8. September 2009 bis der der Deutsche Bundestag die wegen

“Kriegsverrat” gefällten Urteil der NS-Justiz aufhob und damit die Widerstandskämpfer rehabilitierte.

 

2. Die weiße Rose

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“Die weiße Rose”

Die Weiße Rose war ein studentischer Widerstandskreis an der Universität München um die Geschwister Scholl. Hans Scholl wurde am 22. September 1918 in Ingersheim, einem Stadtteil von Crailsheim, Sophie am 9. Mai 1921 in Forchtenberg im Hohenlohekreis geboren. Ihr Vater Robert war dort Bürgermeister. Die Mutter Magdalena war bis 1916 Diakonisse in Schwäbisch Hall. Die Familie hatte 6 Kinder. Nachdem Robert Scholl in Forchtenberg als Bürgermeister nicht mehr wiedergewählt wurde, wurde er Leiter der

Handwerkskammer in Stuttgart. Die Familie zog deshalb nach Ludwigsburg. 1932 erfolgte der Wechsel nach Ulm, wo er eine Kanzlei als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater innehatte. In Ulm verbrachten die Kinder der Familie Scholl ihre Jugend- und Schulzeit.

Das Familienklima wird sicher am besten mit christlich geprägt von der Mutter und liberal vom Vater umschrieben. Die Eltern Scholl sahen die anfängliche Begeisterung ihrer Kinder für den Nationalsozialismus sicherlich mit gemischten Gefühlen. Hans war schon

1933 im Jungvolk der Hitlerjugend aktiv. 1937 wurde beide kurzzeitig inhaftiert. Gegen  Hans wurde ein Verfahren wegen “Fortsetzung der bündischen Jugend” eröffnet. Nach einer Amnestie 1938 wurde das Verfahren eingestellt. Sophie hatte 1937 Fritz Hartnagel kennengelernt. Sophie war damals 16, Fritz hatte sich 1936  freiwillig zur Wehrmacht gemeldet und absolvierte eine Ausbildung zum Berufsoffizier. Er stammte aus Ulm und war als sie sich bei einer Tanzveranstaltung trafen, Fähnrich in Augsburg. Er war begeisterter Soldat. Aus der zunächst flüchtigen Bekanntschaft wurde eine intensive Brieffreundschaft und allmählich auch eine Liebesbeziehung. Die Beziehung war nicht frei von Spannungen und Konflikten. Sophie fühlte sich zu jung für eine feste Bindung. Auch die damals noch große Begeisterung für den Soldatenberuf stand zunächst zwischen ihnen. Sophie hatte 1940 hatte in Ulm eine Ausbildung zur Kindergärtnerin begonnen. Das bewahrte sie aber nicht vor der Verpflichtung zum RAD, den sie in Krauchenwies und Blumberg

ableistete. In dieser Zeit kam sie mit den Werken des Kirchenvaters Augustinus von Hippo in Berührung. In seinen Schriften fand sie Halt und Orientierung. 1942 begann sie in München Biologie und Philosophie zu studieren. Dort studierte bereits ihr Bruder Hans seit 1939 Medizin. Er hatte 1937 sein Abitur in Ulm gemacht. Danach folgte ein halbes Jahr Arbeitsdienst in Göppingen beim RAD. 1938 absolvierte er die auf ein Jahr verkürzte Militärausbildung beim Kavallerieregiment 18 in Bad Cannstatt. Nach einem medizinischen Praktikum in Tübingen studierte er in München ab 1939 Medizin. Im Mai wurde er als Sanitäter an der Westfront. eingesetzt. Otl Aicher, Klassenkamerad von Wolfgang, dem jüngsten der Geschwister Scholl, und spätere Ehemann von Inge, der Ältesten, machte Hans mit Carl Muth bekannt. Dieser ein katholischer Publizist und Vertreter des katholischen Existenzialismus war Herausgeber der Zeitung Hochland, die er 1903 gründete. Die Zeitung eckte schon früh mit der Amtskirche an und wurde 1911 von Rom indiziert.Während der Weimarer Republik kritisierte sie zwar den Parteienstaat, stellte sich aber auf die Seite der Republik. Seit 1931 bezog sie klar Stellung gegen den Nationalsozialismus,durfte aber zunächst auch nach der Machtübernahme weiter erscheinen.Nach 1939 wurden mehrere Ausgaben beschlagnahmt und eingestampft. Am 1. Juni 1941 wurde sie aber vom Reichspresseamt verboten. Carl Muth besaß die Fähigkeit, Begabungen zu finden und förderte diese. So fand er auch Gefallen an Hans,

der für ihn dann seine Privatbibliothek ordnete und katalogisierte. Als Sophie ihr Studium in München aufnahm, kam sie auch bei Muth unter.  Prägend war seine regelmäßigen Gespräche wie z. B. über die Verflechtung von christlichem Glauben und politischem Handeln. Über Muth wurden sie auch mit dessen  literarischen Freundeskreis wie zum Beispiel Werner Bergengruen und Theodor Haecker bekannt. Haecker gehörte zu den bedeutendsten Schriftstellern zwischen den beiden Weltkriegen. Er war ein enger Mitarbeiter Carl Muths bei Hochland und er wurde geistiger Mentor der Geschwister Scholl. Seit 1935 hatte er Redeverbot und ab 1938 waren ihm selbstständige Buchveröffentlichungen verwehrt. Die Flugblätter der Weißen Rose zeigten eine starke motivische

Verwandtschaft zu den Notaten Haeckers. Das verwundert nicht. Denn der Freundeskreis traf sich regelmäßig zu Teestunden, wo über Bibelstellen diskutiert wurde.

Im April 1941 wurde Hans in eine Münchner Studentenkompanie versetzt. Hier lernte er Alexander Schmorell, Medizinstudent und Sanitäter wie Hans kennen. Alexander Schmorell wurde am 16.September 1917 als Sohn des ostpreussischen Pelzhändlers und Arztes

Karl-August Schmorell und der russischen Priestertochter Natalija Petrovna Vvedenskaja geboren. seine Mutter starb ein Jahr später bei einer Typhusepidemie während des Bürgerkrieges. Sein Vater emigrierte mit seiner zweiten Ehefrau und Alexander 1921 nach Deutschland. 1935 besuchte er das Neue Realgymnasium in München. Sein Mitschüler dort war Christoph Probst, auch er dann Mitglied der Weißen Rose. Nach seinem Abitur absolvierte er den RAD.Seinen Wehrdienst leistete er bei der Reitenden Artillerie der Wehrmacht ab.  Beim Anschluss Österreichs und später beim Einmarsch in der Tschechoslowakei nahm er als Soldat teil. Ab dem Sommersemester 1939 begann er ein Medizinstudium in Hamburg. Dort traf er Traute Lafrenz wieder, die er kennengelernt hatte,

als sie beim RAD als Erntehelferin in Ostpreussen eingesetzt war. Sie studierte wie Alexander Medizin in Hamburg und als sie 1941 nach München wechselte, kam sie dort in Kontakt  mit Hans Scholl und Christoph Probst. Sie war dann auch an den Aktivitäten der  kam er in die

Hamburger Weißen Rose beteiligt. Im Sommer 1940 nahm Alexander am Frankreichfeldzug teil. Im September kehrte er zur Weiterführung seines Studiums nach München zurück. Er wurde der 2. Studentenkompanie der Medizinstudenten zugeteilt. Die Mitglieder konnten normal studieren, wurden aber in den Semesterferien an die Front geschickt.Neben Hans und Alexander waren Willi Graf und Christian Propst in der Studentenkompanie. Er führt seinen Schulfreund Christian Probst und Traude Lafrenz in den  Kreis um Hans Scholl ein. In seiner Münchner Zeit entdeckte Alexander seine Begeisterung für die Bildhauerkunst. Er wurde Privatschüler des Bildhauers Karl Bauer, einem Nachbarn von Lilo Ramdohr, die er bei einem Zeichenkurs kennengelernt hatte.. Diese zählte ebenfalls zum Unterstützerkreis der Weißen Rose. Alexander hatte dieselbe Wellenlänge wie Hans. Sie famulierten zusammen am selben Krankenhaus. Sie machten gemeinsame Paddeltouren und sie entschlossen sich beide zum Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime. Hans hatte wohl schon im Frühjahr 1942 von den nationalsozialistischen Verbrechen gegen Juden und Polen erfahren. Zwischen dem 27. Juni und dem 12. Juli 1942 verfassen und versenden Hans und Alexander die ersten beiden Flugblätter. Wahrscheinlich wissen auch Sophie, Christoph Propst und Traute Lafrenz von der Aktion Bescheid. Das erste Flugblatt begann “Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique „regieren“ zu lassen” und es rief zum Widerstand auf: “Leistet passiven Widerstand – Widerstand -, wo immer Ihr auch seid, verhindert das Weiterlaufen dieser atheistischen Kriegsmaschine, ehe es zu spät ist, ehe die letzten Städte ein Trümmerhaufen sind, gleich Köln, und ehe die letzte Jugend des Volkes irgendwo für die Hybris eines Untermenschen verblutet ist. Vergeßt nicht, daß ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt! “ (online in Flugblatt I bpb). Im Winter 1942 wurde die Gruppe um Sophie Scholl und Willi Graf erweitert.

Willi Graf ist am 2. Januar 1918 in Euskirchen – Kuchenheim geboren. Seine Familie zog nach Saarbrücken. Dort besuchte er die Schule und machte das Abitur. 1938 begann er sein Medizinstudium in Bonn. von 1940-bis 1942 nahm er als Sanitäter an verschiedenen Kriegseinsätzen teil. 1942 kam er in die  2. Studentenkompanie der Medizinstudenten. Dort kam er in Kontakt mit der Weißen Rose und wurde aktives Mitglied der Gruppe.

Christoph Probst wurde am 6. November 1919 in Murnau geboren. Sein Vater Hermann war promivierter Chemiker. Er war Privatgelehrter und Sanskritforscher. Er beschäftige sich mit indischer Philosophie. Er war mit Paul Klee und Emil Nolde und Gabriele Münter befreundet, alle “verfemte Künstler”. 1925 trennten sich die Eltern. Von 1925 bis 1928 lebte Christoph bei seiner Mutter im Gabriele Münter Haus in Murnau.1928 heirate Hermann Probst die Jüdin Elise Rosenthal. Christophs Schulzeit war durch häufigen Schulwechsel geprägt. von 1932 bis 1935 besuchte er die Internatsschule in Marquartstein, eine Reformschule, die bis zu ihrer Verstaatlichung 1943 kritische Distanz zum Nationalsozialismus wahrte. Ab 1935 besuchte er das Neue Realgymnasium in  München,

an dem auch Alexander Schmorell Schüler war.1936 nahm sich sein Vater in einer Nervenheilanstalt das Leben, was Christoph tief traf, da er seinen Vater sehr verehrte. Auch für seine Steifmutter hatte der Suizid gravierende Folgen, da sie als Jüdin nun nicht mehr vor antisemitischer Verfolgung geschützt war. Sie wurde allerdings von dem Bürgermeister und Ortsgruppenleiter von Ruhpolding geschützt und fand Unterkommen bei einer mutigen Familie. Trotzdem ist es sehr bemerkenswert, dass sie niemand aus der Gemeinde verriet und sie so das 3. Reich überleben konnte.

Christoph kam nach dem Tod seines Vaters ans Landerziehungsheim Schondorf, das dem Nationalsozialismus ebenfalls distanziert gegenüber stand. Mit nur 17 Jahren macht er dort das Abitur. 1939 begann er mit dem Studium der Medizin in München.

1941 heirate er Herta Dohrn. Der Vater Harald leite das Festspielhaus Hellerau, eine reformpädagogische Schule. Er hatte das Haus 1922 dem Gründer von Hellerau Karl Schmidt abgekauft, nachdem dieser wegen der Inflation in wirtschaftliche Schieflage geraten war.

Damit sollten die grundsätzlichen Ziele des Projektes gewahrt werden. ab 1933 wurden die finanziellen Probleme immer größer und Harald Dohrn musste 1938 das gesamte Gelände an den NS-Staat veräußern. Harald Dohrn geriet als Familienangehöriger natürlich

auch ins Visier der NS-Justiz als Christoph Probst verhaftet wurde. Er wurde aber frei gesprochen. Ganz kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner in Bayern hatte er sich an einem Aufruf der Freiheitsaktion Bayern, das war ein Aufruf an die Bewohner in Bayern  zu kapitulieren, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Er wurde denunziert und 29. April 1945 von einem Kommando der SS im Perlacher Forst erschossen. Am 30. April nahmen die Amerikaner München ein.

Christoph Probst hatte drei Kinder, Michael, Vincent und Katja. Christoph traf Willi Graf erst 1942. Hans Scholl hatte er durch seinen Freund Alexander kennengelernt. Er nahm nun auch an den Leseabenden der Gruppe teil. Er wurde von Hans und Alexander über die Flugblatt-Aktionen eingeweiht. Um seine Familie nicht zu gefährden.

Beim 6. und letzten Flugblatt har auch Professor Kurt Huber mitgewirkt. Er wurde am 24. Oktober 1893 in Chur in Graubünden geboren. Schon 1896 zogen seine Eltern nach Stuttgart. Dort legte er am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium das Abitur ab. Nach dem Tode des Vaters 1911 zog die Mutter mit den Kindern nach München. An der uni München studierte er Musikwissenschaften,Philosophie und Psychologie. 1917 promovierte er mit dem Prädikat “magna cum laude”. 1920 habilitierte er sich in Psychologie und war ab 1926 als außerordentlicher Professor als Dozent an der Münchner Uni tätig. Er hatte zwei Interessenschwerpunkte, das eine war die Volksliederforschung, das andere Leibniz. Er erwarb sich schnell die Anerkennung der Fachwissenschaft durch seine Veröffentlichungen über

Musikpschychologie und Musikästethik. Sie brachte ihn mit Carl Orff zusammen, mit dem er an der Edition von Musikalien arbeitete, zwei Hefte „Musik der Landschaft, Volksmusik in neuen Sätzen aus dem Bajuwarischen Raum“. Mit Kiem Pauli, einem bayrischen Musikanten und Volksliedsammler organisierte er Preissingen in Rottach-Egern und dabei in Vergessenheit geratenes Liedgut in Bayern wiederentdeckt.

Als die Nazis an die Macht kamen, ging es mit seiner Karriere nicht so vorwärts, da er wohl auch als politisch unzuverlässig denunziert. 1937 baute er in Berlin das Volksliederarchiv auf. Auch ein Lehrauftrag an der dortigen Uni war ihm in Aussicht gestellt worden.

Da er sich aber weigerte, für den NS-Studentenbund Kampflieder zu komponieren und das Amt Rosenberg, die weltanschauliche Führungsorganisation der NSDAP, den Lehrauftrag rückgängig machte, kehrte er nach München zurück. 1940 trat er in die NSDAP ein und wurde sogar verbeamtet. Der nicht ganz linientreue Professor aber hatte starken Zulauf in seinen Vorlesungen. Studenten aller Fakultäten hörten bei ihm, auch der Freundeskreis um Hans Scholl. Im Dezember 1942 suchten Hans und Alexander den persönlichen Kontakt zu Professor Huber. Bei ihm hatten sie „Leibniz und seine Zeit“ gehört. In dieser Vorlesung hatte er auf die staatsbürgerliche Verantwortung der intellektuellen verwiesen. Am 5. Flugblatt arbeiteten sie gemeinsam, das 6. entwarf Karl Huber.

Vom 23. Juli 1942 bis 30. Oktober 1942 waren Scholl, Schmorell und Graf wieder als Sanitäter an der Ostfront. Das Fronterlebnis führte zu zwei Konsequenzen. Es folgte eine weitere Flugblattaktion, diesmal in wesentlich höherer Auflage (geschätzt zwischen 6000

und 9000) und sie wurden auch in weiterem Raum verteilt, diesmal in mehreren süddeutschen und einigen österreichischen Städten. Die Gruppe nahm nun auch Kontakte zu anderen Widerstandsgruppen aus, im Saarland, woher Willi Graf stammte und in Hamburg

über Traude Lafrenz . Lilo Ramdohr hatte den Kontakt zu Falk Harnack hergestellt, der wiederum Kontakte zu Arvid Harnack herstellen sollte. Allerdings wurde die Gruppe um Arvid Harnack in diesem Zeitraum von der Gestapo entdeckt. (s.o.)

Das 5. Flugblatt war eine sehr klare ungeschminkte Darstellung der Lage. “Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, nur noch verlängern!” und weiter “Ich kämpfe bis zum letzten Mann, sagt Hitler – indes ist der Krieg bereits verloren”. Die Verfasser machten sich auch schon Gedanken über die Zeit nach dem Krieg. “ Das kommende Deutschland kann nur föderalistisch sein. Nur eine gesunde föderalistische Staatenordnung vermag heute noch das geschwächte Europa mit neuem Leben zu erfüllen.” Sie schlossen:

“Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa.” (online in Flugblatt V bpb).

Am 13. Januar 1943 wurde im kongressaal des Deutschen Museums der 470. Jahrestag der Gründung der Ludwigs Maximilians Universität gefeiert. Der Gauleiter von München- Oberbayern Ein “150-iger%” Nazi hielt eine Rede, bei der gegen die Drückeberger zu Felde zog und an die Studentinnen gerichtet sagte er, sie sollten anstatt sich rumzutreiben lieber „dem Führer ein Kind schenken“. Die Rede führte zu Tumulten. Der offensichtlich angetrunkene Gauleiter wurden von Studenten aus dem Saal gedrängt. Die jungen Zuhörer, viele Soldaten verließen den Saal. Unter Anführung eines hochdekorierter Leutnant wurden bereits festgesetzte Kommilitonen aus den Händen der Polizei befreit. Dieses Ereignis bestärkte die Gruppe in ihrem Tun.

Die Kapitulation in Stalingrad gab den Anlass zum 6. und letzten Flugblatt. Es wendete sich direkt an die Studenten und begann: “Erschüttert steht unser Volk vor dem Untergang der Männer von Stalingrad. Dreihundertdreißigtausend deutsche Männer hat die geniale Strategie des Weltkriegsgefreiten sinn- und verantwortungslos in Tod und Verderben gehetzt. Führer, wir danken dir !” und dann wurde abgerechnet mit der “Weltanschaulichen Schulung” “In einem Staat rücksichtsloser Knebelung jeder freien Meinungsäußerung sind wir aufgewachsen” Es bezog sich direkt auf die Rede des Gauleiters Paul Giesler “Frontkämpfer werden von Studentenführern und Gauleiteraspiranten wie Schulbuben gemaßregelt, Gauleiter greifen mit geilen Späßen den Studentinnen an die Ehre.”und daraus folgerten die Verfasser des Flugblattes logisch “Es gibt für uns nur eine Parole: Kampf gegen die Partei! Heraus aus den Parteigliederungen, in denen man uns politisch weiter mundtot halten will! (online in Flugblatt VI bpb).

Am  3., 8. und 15. Februar tauchten an den Mauern der Universität die Parolen „Nieder mit Hitler“ und „Freiheit“. Alexander Schmorell, Hans Scholl und Willi Graf hatten dies nachts angeschrieben. Vom 15. auf 16. Februar wurden in München 800 bis 1200 Flugblätter

verteilt. Die letzte Aktion wurde ihnen zum Verhängnis. Am 18. Februar kamen Inge und Hans morgens in die Uni. Die Hörsäle waren noch geschlossen und die beiden legten Flugblätter ab. Dabei wurden sie dem Hausmeister Jakob Schmidt entdeckt und zusammen mit anderen so lange festgehalten bis die Gestapo eintraf. Schon die ersten Flugblätter ließen das Regime sehr nervös reagieren. Die Gestapo ermittelte aber bis zur Verhaftung der Geschwister Scholl ohne Ergebnis.„Fahndungserfolg“  bestand zunächst nur darin, dass akribisch alle Empfänger notiert worden waren, die die Schriften nach Erhalt ordnungsgemäß bei den Ermittlungsbehörden ablieferten. Die Ermittler waren aber immer bestens informiert, denn die Studenten hatten es nicht versäumt, die Flugblätter dem

Polizeipräsidium druckfrisch per Einschreiben zuzusenden!  Historiker können heute dank dieser Aufzeichnungen den Adressatenkreis  der Weissen Rose näher bestimmen. Eine Großfahndung unter Einschaltung aller verfügbaren Stapo- und Kriminalbeamten,

Textanalysen durch den Münchner Altphilologen und Spezialisten für Rhetorik Richard Härder, um ein Täterprofil zu erstellen, belegen unter welchem Druck die Gestapo stand.

Nach der Verhaftung von Inge und Hans wurden die beiden bis zum 21. Februar stundenlang vernommen. Da bei Hans auch der Textentwurf von Christoph Probst gefunden wurde, geriet dieser ebenfalls unter Tatverdacht und wurde verhaftet.

Schon am 22. Februar verhandelte der Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler , der dazu eigens aus Berlin gekommen war. Die Anklage lautete auf “Wehrkraftzersetzung Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat”.

Freisler, der sich “als politischer Soldat” Hitlers verstand, brüllte die Angeklagten, wie er es in allen seinen Prozessen an, erniedrigte sie. Aber sie ließen sich nicht einschüchtern. Sie antworteten ruhig und gefasst. Freisler verkündete das Todesurteil, das noch am selben Tag vollstreckt wurde. In der Urteilsbegründung wurde ganz im Sinne der Dolchstoßlegende argumentiert: “Wer so, wie die Angeklagten, getan haben, hochverräterisch die innere Front und damit im Kriege unsere Wehrkraft zersetzt und dadurch den Feind des Reiches begünstigt (§ 5 Kriegssonderstraf VO und § 91b StrGB), erhebt den Dolch, um ihn in den Rücken der Front zu stoßen!” Und daraus wurde gefolgert, dass “zum Schutze des kämpfenden Volkes und Reiches nur eine gerechte Strafe” folgen kann, die Todesstrafe. (Dossier bpb Sophie Scholl und die Weiße Rose, hier das Todesurteil und die Begründung). Ein Gnadengesuch der Eltern wurde abgelehnt. Das Signal war klar. Der NS-Staat kennt seinen Gegnern gegenüber keine Gnade.

Fritz Hartnagel hatte erst im Lazarett von der Inhaftierung seiner Braut Sophie erfahren, wie es in Telegramm an den Volksgerichtshof hieß, in dem er um die Aufschiebung der Urteilvollstreckung bat, nicht wissend, dass da Sophie schon 5 Tage tot war.

Alexander Schmorell versuchte zu fliehen, was ihm nicht gelang. Er musste nach München zurück, tauchte dort zunächst unter, wurde aber am 24. Februar 1943 während eines Bombenangriffs in einem Luftschutzkeller erkannt und festgenommen.

Kurt Huber wurde am 27. Februar verhaftet. Willi Graf war zusammen mit seiner Schwester am 18. Februar verhaftet worden. Am 19. April 1943 fand der zweite Prozess der Weißen Rose in München statt, ebenfalls unter Vorsitz von Roland Freisler.

Angeklagt waren Alexander Schmorell, Karl Huber, Willi Graf und elf weitere Personen, darunter Traute Lafrenz ,Eugen Grimminger, Heinrich Bollinger und Falk Harnack. Alexander Schmorell, Karl Huber, Willi Graf wurden zum Tode verurteilt, das Urteil an Alexander Schmorell und Kurt Huber am 13. Juli 1943 vollstreckt. Willi Graf wurde erst am 12. Oktober 1943 hingerichtet. Die Gestapo hatte bis dahin versucht, Namen aus dem Umfeld der Weißen Rose heraus zu pressen. Die anderen Angeklagten erhielten zum Teil mehrjährige Haft-oder Zuchthausstrafen. Traude Lafrenz wurde wegen „Mitwisserschaft” zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Eugen Grimminger, der die Gruppe von Stuttgart aus mit Sachspenden unterstützt hatte, wurde zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, Heinrich Bollinger aus dem Umfeld von Willi Graf wegen Verteilung von Flugblättern zu 7 Jahren Zuchthaus. Falk Harnack wurde aus Mangel an Beweisen und wegen „einmalig besonderer Verhältnisse“    freigesprochen. Er wurde dann zunächst der Gestapo überstellt. Im August 1943 wurde er von seiner bisherigen Einheit abkommandiert  zum Strafbataillon 999 nach Griechenland. Dort gelang es ihm  zu desertieren. Er schloss sich der griechischen Partisanenbewegung ELAS an. Bis in die letzten Kriegstage hinein hatten sich die Prozesse gegen die Weiße Rose in München, Hamburg und Donauwörth. Das letzte Todesurteil in diesem Zusammenhang wurde in Donauwörth am 13. Oktober 1944 gefällt. Hans Conrad Leipelt hatte das 6. Flugblatt der Weißen Rose nach der Hinrichtung der Geschwister Scholl und Christoph Probst erhalten, es nach Hamburg gebracht dort mit dem Zusatz versehen “Und ihr Geist lebt trotzdem weiter” und verteilt. Als er Geld für die mittelose Witwe von Kurt Huber sammelte, wurde er denunziert. Das Todesurteil an

Hans Conrad Leipelt wurde am 25. Januar 1945 in München-Stadelheim vollstreckt.     

Die Familie Scholl wurde zunächst in Sippenhaft genommen. Die Frauen mussten auf dem blanken Beton schlafen. Der Vater war wegen Hörens von Feindsendern zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. In der Ulmer Lokalpresse begann eine gnadenlose Hetzkampagne, so dass die Familie schließlich in den Schwarzwald umsiedelte. Nach dem Krieg ernannten die Amerikaner aber Robert Scholl am 7. Juni 1945 zum Ulmer Oberbürgermeister, ein Amt, das er bis 1948 innehatte.

Fritz Hartnagel, Sophies Freund, stand auch nach der Hinrichtung der Geschwister zur Familie, unterstütze sie finanziell und zeigte sich demonstrativ mi Robert in der Öffentlichkeit. Im Oktober 1945 heiratete er Elisabeth Scholl, Sophies Schwester.

Eine Spruchkammer stufte ihn in einem Entnazifierungsverfahren als “Mitläufer” ein und belegte ihn mit einer Geldbuße von 200 Mark. Das hätte es ihm unmöglich gemacht, sein Jurastudium, das er an der Uni München begonnen hatte, fortzusetzen.

Erst ein Einspruch, detaillierte Stellungnahme und eine Reihe von Zeugenaussagen brachten die Kammer dazu, die Einstufung zu korrigieren. Er konnte sein Studium beenden, wurde schließlich Vorsitzender Richter am Landgericht Stuttgart. Er engagierte sich gegen die Wiederbewaffnung, baute die Organisation Internationale der Kriegsdienstkrieger auf und engagierte sich in der Friedensbewegung. Er nahm auch in Mutlangen an der Blockade gegen die Pershing-Raketen teil. Er wurde wegen Nötigung angezeigt und vom Amtsgericht Schwäbisch Gmünd zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen verurteilt.

 

§. Jugendopposition im Dritten Reich

Das nationalsozialistische System hatte gleich nach der Machtübernahme begonnen alle Bereiche des Lebens nach seinen Vorstellungen umzugestalten. Die Hitlerjugend und unter deren Dach der Bund Deutscher Mädel wurde

zum alleinigen Staatsjugendverband ausgebaut. Deshalb wurden alle anderen bisher bestehenden Jugendverbände aufgelöst, verboten oder “gleichgeschaltet. Das traf Pfadfinder, Sozialistische Arbeiterjugend, Bündische Organisationen in der Tradition des

“Wandervogels” Sportverbände und konfessionelle Jugendbünde. Die Jugendlichen wurden zum Übertritt gezwungen.Für die HJ bedeutete es einen totalen Wandel von Aufgabe und Struktur. Vor 1933 war sie eine unbedeutende Größe innerhalb der deutschen Jugendbewegung. Nun aber war der Anspruch auf alleinige Vertretuq ng der Jugend. Nun musste eine nach Millionen zählende Schar von Jugendlichen “verwaltet” und unterhalten werden. Die Reichsjugendführung wollte die Jugend ideologisch gewinnen. Man war also gezwungen, auf die beliebten jugendbewegten Riten und Verhaltensmuster zurückzugreifen. Man “bediente” sich also im weit gefächerten Angebot ursprünglich bündischen Lebens. Ob das aus Pragmatismus war oder eher aus der Not geboren, da man selbst nicht über ausreichende Grundlagen zu verfügen, spielt eigentlich keine Rolle. Man Griff auf das Liedgut der sozialistischen Jugendbewegung zurück, übernahm die Texte teilweise wörtlich.Auch der “Zupfgeigenhansl”, das Liederbuch der Wandervogelbewegung bildete einen wichtigen Grundstock für die Lieder, die in der HJ gesungen wurden. Singen war neben Sport und Spiel die wichtigste Säule des Angebots an die Jugend in der Zeit, in der es weder Fernsehen, noch Computer noch Gameboy gab.

Ab 1936 hatte die HJ die Stellung einer Staatsjugendorganisation erreicht. Nun oblag ihr die Aufgabe, die gesamte Erziehung der Erziehung außerhalb der Schule und des Elternhauses-und im Zweifelsfall gegen dieses zu lenken. Im Frühjahr 1939 wurde die

“Jugenddienstpflicht” eingeführt. Das zeigte den Zwangscharakter der Jugendorganisation der Nazis noch klarer.“Weltanschauliche Schulung“, militärischer Drill, Befehl und Gehorsam bildeten Rahmen wie Inhalt des Dienstes. Die Teilnahme am Dienst konnte durch die Polizei erzwungen worden. Natürlich forderte das den Widerstand vieler Jugendlicher heraus. Das ging von der stillen Verweigerung bis bis zur offenen Auflehnung gegen das totale Erfaßtwerden durch den Staat. Die Formen des Jugendprotests waren vielfältig

und sie hatten wie aus Gestapoberichten hervorgeht eine beträchtliche Größenordnung.

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In München hatte sich um Walter Klingenbeck ein Freundeskreis gegründet, dessen Verbrechen darin bestand,ausländische Rundfunksender zu hören. Seit 1. September 1939 stand darauf Zuchthausstrafe und die “Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen” vom 1. September 1939 regelte in Absatz 2 “Wer Nachrichten ausländischer Sender, die geeignet sind, die Widerstandskraft des deutschen Volkes zu gefährden, vorsätzlich verbreitet, wird mit Zuchthaus, in besonders schweren Fällen mit dem Tode bestraft.” (RGBl Teil I 1939 S.1680). Walter Klingenbeck wurde 1924 in München geboren. Bis 1936 war er überzeugtes Mitglied der katholischen Jungschar, die 1936 aufgelöst wurde. Das weckte in ihm schon in sehr jungen Jahren die Regimekritik.zusammen mit seinem Vater hörte er regelmäßig Radio Vatikan und als sein Vater die seit Kriegsbeginn verbotenen Sender nicht mehr hörte, machte er allein weiter.Zusammen mit drei anderen Lehrlingen, die eine ähnliche politische und religiöse Grundeinstellung verband, hörten sie die deutschsprachigen Sendungen der BBC und Radio Vatikan. In Bogenhausen folgten sie dem Aufruf der BBC und malten an 40 Gebäuden das V-Zeichen an. sie wurden denunziert und vor Gericht gestellt.Klingenbeck und seine Freunde Hans Haberl und Daniel von Recklinghausen wurden zum Tode verurteilt, der 4. Erwin Eidel zu acht Jahren Zuchthaus. Zwar durfte gegen einen nicht Volljährigen die Todesstrafe nicht verhängt werden. Aber die im Oktober 1939 erlassene

„Verordnung zum Schutz gegen jugendliche Schwerverbrecher“ machte über die Ausnahme wenn Jugendliche über 16 in ihrer geistigen und seelischen Entwicklung einer über 18 Jahre alten Person gleich zu achten sind, den Weg zur Todesstrafe frei.

Karl Engert, Vizepräsident am Volksgerichtshof und seit 1921 Parteimitglied und überzeugter Nationalsozialist führte den Prozess und berief sich auf die Ausnahme. Haberl und von Recklinghausen wurden  ein Jahr nach dem Prozess begnadigt und am Kriegsende von den Alliierten aus dem Gefängnis befreit. Walter Klingenbeck wurde am 5. August 1943 im Alter von nur 19 Jahren hingerichtet.

In Berlin hatte sich um Hanno Günther eine kleine Gruppe gebildet, die in Flugblättern gegen den Krieg Stellung nahmen. Hanno Günther wurde am 12. Januar 1921 in Berlin geboren. Seine Eltern meldeten in an der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln an, der damals bekanntesten Reformvolksschule Berlins. An der Rütli-Schule lernte Hanno Mitschüler kennen, die sich später zu einer oppositionellen Gruppe gegen das Nazi-Regime zusammenschlossen. Die Schule wurde gleich nach der Machtergreifung aufgelöst. 1934 meldeten ihn die Eltern in der Aufbauschule der Insel Scharfenberg an. Diese Schule war für ihren demokratischen Schulgeist bekannt. Doch 1934 hatte der Reformgeist der Schule schon sein Ende gefunden. Die Reformpädagogen hatten die Schule verlassen.

Die Nazis hatten das aktive NSDAP-Mitglied Studienrat Felix Scholz als Schulleiter eingesetzt und schon 1936 konnte dieser melden, “daß die „Umwandlung der Städtischen Schulfarm Insel Scharfenberg in eine Pflanzstätte nationalsozialistischer Erziehung“

(zitiert in: Schulfarm Insel Scharfenberg Historisches online) Als Hanno Günther einen Aufsatz schrieb, der einem Lehrer nicht gefiel, wurde ihm “empfohlen”, die Schulfarm zu verlassen. Ohne abgeschlossen Schulausbildung ging er von der Schule ab und begann eine Bäckerlehre. Aus der HJ trat er aus, was 1936 noch kein Problem war. Er stieß zu einem Gesprächsreis um Elisabeth Pungs, die sich in ihrer Wohnung mit KPD-Mitgliedern oder Sympathisanten traf. Dort wurde über Politik diskutiert, aber auch marxistische Werke gelesen. Elisabeth Pungs beeinflusste Hanno politisch sehr stark. Nach dem Überfall auf Polen verfassten die beiden insgesamt 6 Flugblätter “Das freie Wort”. Außerdem brachten sie Klebezettel mit Parolen an gut sichtbaren Stellen an. Da hieß es z.B.

„Jeder Sieg bringt neuen Krieg!“. Sie wollten der allgemeinen Jubelstimmung die in Deutschland vor allem nach dem Sieg über Frankreich herrschte etwas entgegensetzen. 1940 traf er sich auch mit ehemaligen Klassenkameraden von der Rütlischule, deren systemkritischen Haltung ihm bekannt war. Dazu zählte Dagmar Petersen, Emmerich Schaper, Wolfgang Pander und Bernhard Sikorksi. Mit ihnen traf er sich regelmäßig und las ähnlich wie im Kreis um Elisabeth Pungs marxistische Schriften. Hanno war ständig auf der Suche nach neuen Kontakten, um seine Widerstandsaktivitäten auszuweiten. So bekam er auch den Kontakt zu Herbert Bochow vermittelt. Das war ein KPD-Funktionär, gleich nach der Machtergreifung in Schutzhaft genommen und bis 1984 im KZ Sachsenburg festgehalten. Kurz nach seiner Entlassung geriet er erneut ins Visier der Gestapo. Im November 1934 wurde er zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten verurteilt. Nach seiner Entlassung fand er im Sommer 1936 Kontakt zur Untergrundorganisation der KPD in Dresden. Der erfahrene Widerstandskämpfer Bochow riet Hanno, die gefährlichen Flugblattaktionen einzustellen. Nach anfänglichem Zögern folgte er schließlich dem Rat. Ironischerweise wurde ihm genau dieser Kontakt zum Verhängnis. Bochow war nämlich im Juni 1941 verhaftet worden. Nach tagelangen Verhören und Folterungen war er zusammengebrochen und hatte alle seine Kontakte preisgegeben. So kam die Gestapo auf die Spur Hannos und seiner Gruppe. Am 28. Juni wurde die Gruppe verhaftet.

Emmerich Schaper starb schon  an den Folgen der brutalen Verhöre. Der Prozess fand am 9. Oktober 1942 vor dem Volksgerichtshof statt. Den Vorsitz hatte Robert Hartmann inne, seit 1936 am Volksgerichtshof. Während des Krieges war er 1. Vorsitzender des 2. Senats und außerdem war er auch Richter am Sondergericht in Prag. Dagmar Petersen wurde zu sieben Jahren Zuchthaus, die übrigen Angeklagten ausnahmslos zum Tode verurteilt. Die Urteile wurden am 3. Dezember 1942 vollstreckt. Er war in Berlin an zahlreichen Todesurteilen beteiligt. In Prag war für mindestens 21 Todesurteile gegen tschechische Gegner des Regimes mitverantwortlich. Seine blutige NS-Vergangenheit hinderten seine Nachkriegskarriere als Jurist nicht. Er war Leiter des Amtsgerichts Königswinter und

konnte 1961 eine wohldotierte Ausstiegsmöglichkeit nutzen. Er konnte seine Pension völlig unbehelligt von der Justiz verleben

Neben diesen kleinen Gruppen bildeten sich vor allem im Krieg an vielen Orten Cliquen und Banden. Man lehnte die HJ ab. Man demonstrierte in Kleidung  und Auftreten einen Lebensstil, der sich deutlich von der Staatslinie abhob. Man pflegte freie Fahrten, wie sie in der Wandervogelbewegung üblich waren. Dies aber hatte die HJ-Führung verboten. Es wurde auch auf strenge Geschlechtertrennung geachtet. Man ging gemeinsam auf Fahrt. Die Mädchen, die sich den wilden Jugendgruppen anschlossen, hatten sich nicht in die von den Nationalsozialisten geforderte “Frau-und Mutterrolle drängen lassen. Ihre Anwesenheit bei den wilden Gruppen machte diese natürlich zusätzlich attraktiv. Überwacht wurde das Leben der Jugendlichen vom HJ-Streifendienst. Bis 1936 waren seine Befugnisse auf die HJ begrenzt, seit 1938 war er aber für die gesamte Jugend zuständig. Die Überwachung “bündischer Gruppen” wurde in den Richtlinien für den HJ-Streifendienst vom 1. 06. 1938 geregelt. Da hieß es unter 1. “Die bündische Jugend ist in allen ihren Erscheinungsformen reichsgesetzlich verboten. Bündische Betätigung ist staatsfeindliche Betätigung. Die Überwachung der sich bündisch betätigenden Jugendlichen ist Sache der HJ und gehört damit zu einer wesentlichen Aufgabe des SRD.” (Quelle:

Hellfeld: Bündische Jugend und Hitlerjugend, S. 189f.) Ein Zusammentreffen mit dem Streifendienst führte immer zu Auseinandersetzungen, die immer öfter mit Gewalt ausgetragen wurden und von den wilden Jugendgruppen auch oft provoziert wurden.

Die Prügeleien mit der HJ führten zu verstärkter Verfolgung durch den Staatsapparat und so wurde eine Spirale der Gewalt in Bewegung gesetzt.

Einen guten Einblick in die Formen der Jugendopposition bietet eine Denkschrift, die Reichsjugendführung im September 1942 vorgelegt hatte. Sie stammte von Reichsbannführer William Knopp, der Hauptabteilungsleiter im Personalamt war und in dieser Funktion

die Führung der HJ-Überwachungsdienststellen und des HJ-Streifendienstes innehatte. In “Cliquen- und Bandenbildung unter Jugendlichen“ Die Masse der “auffälligen” Jugendlichen wurde im wesentlichen in zwei Gruppen aufgeteilt in

in „Zusammenschlüsse mit vorwiegend krimineller Tätigkeit“ und in „Zusammenschlüsse mit weltanschaulich-politischer Grundhaltung (Gegner-gruppen)“. Die “kriminellen Gruppen” bestanden im wesentlichen aus den von jeher bekannten jugendlichen Diebesbanden. Die andere Gruppen setzten nach der Denkschrift „bewußt Traditionen der ehemaligen bündischen Jugend und der konfessionellen Jugendverbände fort“. Erstaunlich war auch die Verbreitung opponierender Jugendlichen. Es gab nur wenige Großstädte ohne solche Gruppen. Allein die bloße Existenz solcher nichtangepasster Jugendgruppen bereitete den Behörden insbesondere der Gestapo großen Verdruss. Auch der “Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei “ Heinrich Himmler reagierte.

In seinem Erlass vom 25.10. 1944 wurde festgestellt: „In allen Teilen des Reiches, insbesondere in größeren Städten haben sich seit einigen Jahren – und in letzter Zeit in verstärktem Maße – Zusammenschlüsse Jugendlicher (Cliquen) gebildet. Diese zeigen z. T. kriminell-asoziale oder politisch-oppositionelle Bestrebungen und bedürfen deshalb, vor allem in Hinblick auf die kriegsbedingte Abwesenheit vieler Väter, Hitler-Jugend-Führer und Erzieher, einer verstärkten Überwachung.“ Die oben angeführte Denkschrift

hatte zwei Grundtypen der nichtangepassten Jugendlichen hervorgehoben. Das eine war die „individualistisch-liberalistischen“ Gruppen, die unter dem Sammelbegriff “Swing-Jugend” zusammengefasst wurden. Das waren meist Söhne und Töchter aus der bürgerlichen Mittelschicht. Die “Swing-Jugend” war ursprünglich in Hamburg entstanden,  aber bald in vielen norddeutschen Städten verbreitet. Man gefiel sich in “lässigem” und auffälligen auftreten in der Öffentlichkeit. Man zeigte Vorlieben für Jazz und Swing

von den Nazis als “undeutsche Negermusik” abqualifiziert. Zwar zeigte die Swing-Jugend keine ausdrückliche politische Betätigung, aber das forciert angelsächsische Gehabe und die Vorlieben für verpönte Musikstile provozierte natürlich. Das Regime betrachte das als Widerstand und regierte entsprechend. Verfolgung und Einweisung ins KZ zeigten, dass die Nazis selbstbestimmtes Jugendleben nicht hinnahmen. Neben dieser ausgesprochen bürgerlichen Gruppe war er andere Grundtyp eine Gruppierung mit jungen Arbeitern und Lehrlingen meist proletarischer Herkunft. Das waren die “Edelweisspiraten” im Rheinland und im Ruhrgebiet vor allem in den Großstädten Essen, Köln, Düsseldorf, die Leipziger oder Erfurter Meuten, in Dresden bezeichnetet sie sich als Mob in

München als Blasen. Sie waren robuster und rowdyhafter. Deshalb erschienen sie den Behörden auch als besonders gefährlich. Das Edelweiss war eines von vielen Kennzeichen der bündischen Jugend. Unangepasste Jugendliche trugen es nun versteckt unterm Revers. Die „Lieblingsblume des Führers“ war überall zu bekommen. Mit Beginn des Krieges wurde die Verfolgung der Jugendgruppen mit immer rabiateren Methoden durchgeführt. Folter und Gefängnishaft gehörten nun zum Instrumentarium. Die Protesthaltung steigerte sich nun zur Wut. Die Sinnlosigkeit des Krieges wurde immer offensichtlicher. Nun wurden auch selbstgebastelte Judensterne getragen, eine gefährliche Aktion. Kölner Edelweisspiraten halfen, Juden zu verstecken, versorgten ausgemergelte Zwangsarbeiter mit Brot, das sie aus einem gekaperten Zug geklaut hatten, ließen sogar Waggons entgleisen, was als Sabotage mit dem Tode bestraft wurde. Es gab aber auch nur Großstadtkriminalität. Edelweisspiraten wurden neben Schlägereien mit der HJ auch wegen Einbruch oder Schwarzhandel verurteilt. Die größte Gruppe der Edelweisspiraten gab es in Köln. Dort dürfte es wohl rund 3500 gegeben haben. Der spektakulärste Fall ereignete sich in Köln-Ehrenfeld.Allerdings zeigt gerade dieses Beispiel  die Problematik, wie es bewertet werden soll. War die Köln-Ehrenfelder Gruppe bewertet werden. Waren es Widerstandskämpfer oder schlicht Gewalttäter. Zentrale Figur der Ehrenfelder Gruppe war der 23 –Jährige Hans Steinbrück. Er war ein entsprungener

KZ-Häftling. Im August 1944 startete er eine Einbruchsserie in Köln-Ehrenfeld und zwar recht erfolgreich. Zunächst hatten sie  Werkzeug und ein paar Säcke Zement gestohlen. Ein Einbruch in ein Lebensmittellager brachte eine Beute von einigen Zentner Butter und Margarine, was auf dem Schwarzmarkt 12.000 Reichsmark für jeden Beteiligten erbrachte. Zum Vergleich ein Arbeiter arbeitete in dieser Zeit für einen Wochenlohn von 50 Reichsmark. Der nächste Einbruch im selben Lager war noch erfolgreicher. Man erbeutete

26 Zentner Butter im Wert von 123.000 Reichsmark. Steinbrück legte aber nun ein regelrechtes Waffenarsenal an. Der Grund dafür ist nie völlig geklärt worden. Aber es existierte sogar ein Plan, die Kölner Gestapozentrale in die Luft zu sprengen.

Natürlich hatte die Einbruchsserie auch Aufsehen und Aufmerksamkeit erregt. Eine Heeresstreife wurde auf Steinbrücks Unterschlupf hingewiesen. Steinbrücks Wirtin und zwei Jüdinnen wurden verhaftet. Ein Posten wurde vor dem
Haus als Wache postiert. Am nächsten Tag kam es zu einer Schießerei, bei der ein Polizeibeamter, der NSDAP-Ortsgruppenleiter von Ehrenfeld und ein HJ-Streifenführer getötet wurden. Steinbrück und seine Gruppe konnte zunächst unerkannt entkommen. Aber

nun wurde die Lage für die Gestapo ernst und der Kampf gegen solche Cliquen kriegswichtig. Am 4. Oktober wurde Steinbrück als letzter verhaftet. Insgesamt wurden 13 Leute festgesetzt. Die Geständnisse wurden erprügelt. Die Gestapo legte ihnen 5 Morde

sowie versuchten Sprengstoffdiebstahl zur Last. Ohne Gerichtsurteil wurden sie am 19. November öffentlich gehenkt. 5 von ihnen war gerade mal 16 Jahre alt. Staatliche Stellen taten sich schwer mit der Bewertung der Ehrenfelder Gruppe. Sie übernahmen lange die Bewertung der Gestapo. Schon 1952 hatte die Familie von Bartholomäus Schink die Anerkennung des Ermordeten als Politisch Verfolgtem beantragt. Das wurde abgelehnt, worauf ein langer Rechtsstreit folgte. 1984 wurde er aber ebenso wie der Kölner Edelweisspirat Jean Jülich als Gerechter unter den Völkern gewürdigt. 1986 wurde eine Gedenktafel angebracht, die allerdings 2002 wieder abgenommen wurde, weil dort die Unterführung bei Streckenarbeiten der Bahn verbreitert wurde. Erst 2003 wurde die Gruppe vom Kölner Regierungspräsidenten rehabilitiert und als „politisch Verfolgte und Widerstandskämpfer“ bezeichnet.  Auch unter den Historikern ist die Meinung geteilt, ob die unangepassten Jugendlichen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu rechen seien. Klar ist aber, dass sie ihr Leben ohne Bevormundung und Indoktrination durch die Nationalsozialisten leben wollten oder wie der Kölner Zeitgeschichtler Martin Rüther, der sich mit den Edelweisspiraten befasste resümiert: Sie waren

„nicht dezidiert politisch“  aber stets bereit, Konflikte mit dem Regime zu provozieren, viel mehr, „als sich der größte Teil der erwachsenen Bevölkerung jemals traute“.( In Spiegel 45 /2005 vom 07.11.2005 “Widerstand aus der Gosse)

 

4. Kreisauer Kreis

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Dem Nationalsozialismus standen weite Teile des Bürgertums am Anfang mehrheitlich mit Sympathie, oft sogar mit Begeisterung gegenüber. Sie lagen durchaus auf Linie mit einem Staat, der an patriotische Gefühle appellierte, der gegen die politische

Linke vorging. Es war nur eine Minderheit konservativer oder liberal denkender Bürger, die von Anfang an skeptisch gegen das Regime waren. Sie zeigten ihre Vorbehalte aber nicht offen, hatten sich in die “innere Emigration” zurückgezogen. Der augenscheinliche Erfolg der Nationalsozialisten lähmte auch die Regimegegner. Offene Kritik wurde nicht geübt. Nur im Kreise Gleichgesinnter wurden politische Ereignisse und Lebensumstände kritisch kommentiert. Erst allmählich wuchs die moralische Empörung über die alltägliche Gewalt.In ganz verschiedenen Kreisen der traditionellen Eliten, die von den Nationalsozialisten entmachtet worden waren oder die nach anfänglicher Gefolgschaft zur Einsicht in die wahre Natur des Regimes kamen, entstand Unruhe: Zum einen über die Radikalisierung der nationalsozialistischen Politik, insbesondere gegenüber den Juden. Zum andern war es die expansionistische Außenpolitik Hitlers, die ganz offensichtlich auf Krieg angelegt war. Nun begannen Mitglieder der traditionellen Elite aus den

verschiedensten Kreisen aus der Verweigerung und Distanz allmählich zum Widerstand überzugehen. Es war eine Auseinandersetzung auch um eine Zukunft, die man nicht einem menschenverachtenden Gegner überlassen wollte. In mehreren Widerstandskreisen wurde über eine Neuordnung nach dem Ende der NS-Herrschaft, die man erhoffte nach gedacht. Durch persönliche Beziehungen einzelner Mitglieder verknüpft wurden nun Informationen unter den verschiedenen Gruppen weiter gegeben und man suchte auch Kontakt zum militärischen Widerstand. Es wurde konkret für die Zeit nach Hitler geplant und auf seinen Sturz hingearbeitet.

Der Kreisauer Kreis entstand um 1940 um Helmut James Graf von Moltke und Peter Graf York von Wartenburg. Schon vor dem Krieg hatten sich Gesprächskreise von Regimekritikern um die beiden gebildet. Bis Anfang Juni 1941 fanden mehrere Gesprächsrunden statt. Daneben suchte man zuverlässige Personen zu gewinnen, die sich an einem systematischen Neuordnungskonzept für Deutschland beteiligen wollten. Man wollte tragfähige Entwürfe ausarbeiten. Freya von Moltke, die Gattin von Helmut James organisierte

vom 22.-25 Mai 1942 ein erstes Treffen auf Schloss Kreisau, genauer gesagt im “Berghaus”, in dem die Familie von Moltke seit Anfang der 30-iger Jahre lebte, nachdem sie das Herrenhaus, also das Schloss aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben hatte.

Ein zweites Treffen fand vom 16. bis 18. Oktober 1942 statt. Das dritte Treffen fand wieder an Pfingsten statt, vom 12. bis 14. Juni 1943. Die Lage hatte sich stark geändert. Die 6. Armee hatte in Stalingrad kapituliert. Die Wehrmacht hatte sich von der Linie Don/Wolgau auf das Donezbecken zurückgezogen. Es war offensichtlich geworden, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Die Verbrechen von Wehrmacht und SS in Russland waren den Kreisauern bekannt geworden. Die Ergebnisse der Tagungen waren in mehreren Grundsatzerklärungen festgehalten worden. In der Denkschrift von Moltkes von 1941 über „Ausgangslage, Ziele und Aufgaben“,die aus der Beratung im engeren Freundeskreis hervorging, heißt es daß „das Kriegsende eine Chance zur

günstigen Neugestaltung der Welt bietet, wie die Menschheit sie seit dem Zerfall der mittelalterlichen Kirche noch nicht gehabt hat“. Die Kreisauer formulierten das Konzept der “kleinen Gemeinschaften”. Jede Form vorstaatlicher Kommunikation genossenschaftlicher Prägung, egal ob es sich um Familie,die Nachbarschaft, Vereine, Studiengruppen, Wohngemeinschaften, Jugendgruppen oder soziale und kulturelle Einrichtungen bis hin zu Gemeinschaftsleistungen wie Feuerwehr oder Kindergärten aber auch Kirchen oder kulturelle und wissenschaftliche Vereinigungen sollten zum Ausgangspunkt der politischen Verfassung gemacht werden. Das sozialpolitische Programm strebte die Sicherung sozialer Grundrechte an, sah eine eingehende Regelung der Arbeitsbedingungen vor, schloß Mitbestimmung am Arbeitsplatz ebenso ein wie überbetriebliche Mitbestimmung. Ebenso sollte das Recht auf Arbeit sichergestellt sein. Das parlamentarische System hatte sich nach Meinung der Kreisauer als untauglich erwiesen.

Die Einwirkung politischer Parteien sollte möglichst unterbunden werden. Die außenpolitischen Entwürfe zielten konsequent auf eine Einigung Europas. Die Kreisauer wollten einen Sturz Hitlers. Deswegen suchte man auch den Kontakt zum Widerstand. Der Sturz aber sollte nicht durch ein Attentat und die Tötung Hitlers erfolgen, sondern durch dessen Gefangenahme. Die Bestrafung der NS-Verbrechen sollte von einem internationalen Gerichtshof erfolgen.

Der Kreisauer Kreis hatte sich zu einem Zentrum des bürgerlichen Widerstandes entwickelt. Er bestand aus mehr als 20 Aktiven und ebenso vielen Sympathisanten. Er umfasste ein breites Spektrum von Sozialdemokraten über Konservative sowie Angehörige der beiden großen Konfessionen, die geeint waren von der Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus und dem Willen, eine Neuordnung für Deutschland nach dem Nationalsozialismus zu entwickeln. Da man sich immer wieder in kleinen Gruppen traf, wussten viele der Kreisauer gar nicht, wer alles zum Kreis gehörte nur von Moltke und von York hatten die Fäden in der Hand. Sie hatten Kontakte zu allen Teilnehmern und koordinierten die Diskussion der Konzepte. Parallel zu den Gesprächen und Tagungen wurde der Kontakt

zu anderen Widerstandsgruppen gesucht. Man hatte Kontakt zum militärischen Widerstand bestanden um Ludwig Beck.Auch zu der Gruppe um Goerdeler gab es Beziehungen, wie zu dem Gewerkschafter Wilhelm Leuschner oder dem Diplomaten Ulrich von Hasell.

Von Moltke und von Trott suchten auch Kontakte zum Widerstand in den besetzten Ländern wie Norwegen, Dänemark und den Niederlanden sowie zu den Alliierten. Ebenso standen die Kreisauer mit kritischen Kirchenmännern wie dem Berliner Bischof Preysing

in Verbindung.

Im Januar 1944 wurde von Moltke von der Gestapo verhaftet, weil er seinen Freund Otto Kiep gewarnt hatte, dass in den Teekreis von Hanne Solf ein Gestapospitzel eingeschleust worden war und deshalb bald Verhaftungen stattfinden würden. Die Gruppe konnte zwar Kontakt zu von Moltke halten, bekam ihn aber nicht frei. Die Arbeit der Gruppe war der Gestapo zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Der Kreisauer Kreis reduzierte sich nun zu einer Rumpfgruppe. Einige aus dem Kreis schlossen sich nun der Gruppe um

von Staufenberg an, zu der ja schon vorher Kontakte bestanden. Nach dem gescheiterten Attentat wurden viel verhaftet. Acht wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Die wichtigsten Mitglieder waren Helmut James Graf von Moltke und Peter Graf York von Wartenburg, die den Kreis ja geführt hatten. Dann ein Vetter von Moltke Carl Friedrich von Trotha, der Rechts-und Staatswissenschaftler Horst von Einsiedel, Hans Lukaschek,

der Pädagoge Adolf Reichwein, der SPD-Politiker Carlo Mierendorf, der 1943 bei einem Bombenangriff auf Leipzig ums Leben kam, dessen Freund und ebenfalls SPD-Politiker Theodor Haubach, die  Jesuitenpatres Augustin Rösch und dessen Sekretär Lothar König und  Alfred Delp, der spätere CDU-Politiker Eugen Gerstenmaier.

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Helmut James Graf von Moltke wurde am 1907 auf dem Familiengut Kreisau geboren. Sein Großvater Wilhelm von Moltke hatte Kreisau 1891 als Erbe von seinem Bruder, dem preussischen Generalfeldmarschall und Chef des preussischen Generalstabs

Helmuth von Moltke übernommen. Er kam 1905 bei einem Unfall mit einer Pferdekutsche ums Leben.nun wurde Helmuth, der Vater von Helmut James Herr über Kreisau. Kurz nach dem Tod seines Vaters heiratete Helmuth die Südafrikanerin

Dorothy, das einzige Kind von Jessie und Sir James Rose Innes. Sir James war Justizminister von Transvaal und von 1914-1927 Obererster Richter Südafrikas. Dorothy hatte eigentlich ihre Ausbildung in Europa fortsetzen wollen. Nun wurde sie Herrin über Kreisau

und innerhalb von wenigen Jahren Mutter von 5 Kindern. Als erster Sohn wurde Helmut James am 11. März 1907 in Kreisau geboren. Nach dem Besuch des Landerziehungsheim Schondorf, in dem wie oben beschrieben auch Christoph Probst Schüler war, und dem

Realgymnasium in Potsdam begann er mit dem Studium der Rechtswissenschaften. Noch ein Wort zum Landerziehungsheim. Auf seiner Homepage wird das Erziehungsziel der Einrichtung so beschrieben: “gegenseitige Erziehung zu Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Engagement und Verantwortung”. Helmut James studierte in Breslau, Heidelberg, Berlin und Wien. In Waldenburg in Niederschlesien (heute Wałbrzych in Polen) lernte er den dortigen Landrat kennen und war erschüttert über die dortigen Lebensbedingungen. Schlesien war nach dem 1. Weltkrieg zwischen Polen und Deutschland geteilt worden und das Steinkohlerevier von Waldenburg war  in den 20-iger Jahren einer der ärmsten Landstriche Mitteleuropas.Helmut James ließ es nicht bei der Erschütterung. Zusammen mit drei Hochschullehrern und zwei Studenten gründete er am 18. September 1927 in Kreisau die Löwenberger Arbeitsgemeinschaft. Das Ziel war Menschen aller Konfessionen, Generationen und Bevölkerungsschichten zur Lösung der

wirtschaftlichen Probleme zusammen zu bringen. Die Studenten waren neben Heinrich sein Vetter Carl Dietrich von Trotha und Horst von Einsiedel. Alle drei waren dann auch im Kreisauer Kreis im Widerstand aktiv. In den Jahren 1928, 1929 und 1930 fanden drei Arbeitslager statt. Sie waren ein voller Erfolg und wurden national und international stark beachtet. In allen Ländern Deutschlands wurden sie nachgeahmt.

Vormittags stand körperliche Arbeit auf dem Programm, nachmittags Vorträge und Gesprächsrunden, abends wurden kulturelle Veranstaltungen angeboten.

Der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise beendete die Tätigkeit der Löwenberger  Arbeitsgemeinschaft. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte der Rechtshistoriker und Soziologe Eugen Rosenstock-Huessy  in die Vereinigten Staaten. Er war

jüdischer Herkunft und hatte die Zeichen der Zeit erkannt. Er hatte die Freiwilligen Sozialen Arbeitsdienste konzipiert und auch die Arbeitslager der Löwenberger Arbeitsgemeinschaft durchgeführt. Mit seiner Emigration verlor die Arbeitsgemeinschaft ihren führenden Kopf. Walter Hammer, Gründer und Leiter des Arbeitskreises Deutscher Widerstand nannte ihn den „Erzvater des Kreisauer Kreises“  genannt. Die Löwenberger Arbeitsgemeinschaft kann sowohl was die personelle Zusammensetzung als auch die weltanschauliche Prägung als Keimzelle des Kreisauer Kreises angesehen werden.

In Berlin hatte Helmut James die österreichische Pädagogin Eugenie Schwarzwald kennengelernt, die zusammen mit ihrem Mann das Schwarzwald’sche Wohlfahrtswerk in Wien gegründet. Auf ihre Einladung war er auch in ihrer Villa am Grundlsee im Salzkammergut. Er war so angetan, dass er zwei Semester in Wien studierte, um vom Schwarzwaldkreis profitieren zu können. Am Grundlsee war auch Carl Deichmann zu Gast, Sohn des Kölner Bankiers Carl Theodor Deichmann. Carl und Helmut James kannten sich von einem gemeinsamen Schuljahr im Internat Schondorf. Carls Schwester Frey besuchte ihren Bruder am Grundlsee und lernte dort 1929 Helmut James kennen. Sie verliebte sich in ihn “Ich sah ihn und mein Herz stand still” (zitiert in Freya von Moltke, Ein Jahrhundertleben 1911- 2010, München 2011, S. 36). Die Deichmanns zählten zu den reichsten Kölner Familien.Allerdings musste das Bankhaus Deichmann am 24. September 1931 bedingt durch die allgemeine Wirtschaftskrise Konkurs wegen Zahlungsunfähigkeit anmelden. Carl Theodor Deichmann verlor sein gesamtes Vermögen.

1929 übernahm  Heinrich James das verschuldete Familiengut, das ebenfalls schwer unter der Wirtschaftskrise litt. Er begann den Betrieb, auf dem etwa 60 Menschen beschäftigt waren, zu sanieren. 1930 war Freya zum ersten Mal in Schlesien.

Die wirtschaftliche Lage von Kreisau besserte sich. Im Oktober 1931 heirateten Freya und Helmut James, “arm” wie Freya betonte. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Helmut James ging zur Fortsetzung seiner Ausbildung nach Berlin. Er arbeitete dort als Referendar. Freya, die ebenfalls Jura studierte, setzte ihr Studium fort, das sie mit der Promotion abschloss. 1934 bestand Helmut James sein Assessorexamen. Allerdings waren jetzt schon die Nazis an der Macht. Er verzichtete auf die Richterlaufbahn, da er sonst in die NSDAP hätte eintreten müssen. Er arbeitete zunächst in der Kanzlei für internationales Privatrecht von Karl von Lewinski. Hier befasste er sich vor allem mit den Problem von Juden, die von den Folgen der nationalsozialistischen Judenpolitik und Gesetzgebung betroffen waren. Von 1938-1935 arbeitete er in der Kanzlei von Paul Leverkühn und von 1941 bis zu seiner Verhaftung  in der Kanzlei von Friedrich Carl Sarre und Eduard Wätjen. Von 1935 bis 1938 hielt er sich regelmäßig in Großbritannien auf, wo er ebenfalls Jura studierte. 1938 legte er dort seine letzten Examina ab und wurde damit Barrister, das ist englischer Rechtsanwalt. Imselben Jahr lernte er auf einem Familienfest in Breslau Peter Graf Yorck von Wartenburg kennen, mit dem er weitläufig verwandt war. Kurz nach Beginn des Krieges wurde er zum Kriegsverwaltungsrat ernannt. Er war nun als Sachverständiger für Kriegs- und Völkerrecht im Amt Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht tätig. Seine Stellung nützte er zum individuellen Widerstand gegen das NS-Regime. Er unterstützte die Flucht von Verfolgte und verhinderte Geiselerschießungen. Zu seinem Aufgabenbereich zählte vor allem die Erstellung von Gutachten in Fragen des Kriegsvölkerrechts. Er hoffte damit humanitär auf das militärische Geschehen einwirken zu können. Seine Dienstreisen ins Ausland nutzte er, um Verbindungen des Widerstands ins Ausland zu knüpfen und zu festigen. Im Innern suchte er Kontakte zu Regimegegnern. So intensivierte er seine Bekanntschaft mit Wartenburg. Mit ihm zusammen hatte er einen Gesprächskreis installiert, den die Gestapo bei ihren Ermittlungen “Kreisauer Kreis” nannte. (s.o.). Er nahm auch Kontakt zu Generaloberst a.D. Ludwig Beck sowie zu dessen Nachfolger General Franz Halder, aber auch zu     Angehörigen des zivilen Widerstands wie  Carl Friedrich Goerdeler auf. 1943 erfuhren Mitglieder des Kreisauer Kreis von Attentatsplänen der Offiziersgruppe um Friedrich Olbricht und Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Er selbst begann in dieser Sache auch anders zu denken, nachdem immer mehr von den Verbrechen der Nazis bekannt geworden war. Bisher hatte er die Ablehnung vor allem ethisch-religiös begründet. Außerdem sah er die Gefahr, dass eine neue Dolchstoßlegende gebildet werden könnte. Wie oben erwähnt wurde er im Januar 1944 von der Gestapo verhaftet. Im Februar kam er ins KZ Ravensbrück. Ein Urteil war noch nicht vorgesehen, sondern nur eine Strafversetzung „pflichtvergessener Beamter“. Seine Frau konnte ihn besuchen. Er trug Zivilkleidung und bekam Akten aus dem Amt zur Bearbeitung überbracht. Nach dem Attentat vom 20. Juli änderte sich das grundlegend.Er wurde von der Gestapo im Zusammenhang  mit dem Attentat vernommen ohne dass die Gestapo bereits Näheres über seine Kenntnisse wusste. Ein Gnadengesuch seiner Frau an Himmler wurde abgelehnt. Im Januar 1945 wurde er vor dem Volksgerichtshof angeklagt. Unter Vorsitz von Roland Freisler wurde er zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 23. Januar 1945 vollstreckt.

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Peter Graf Yorck von Wartenburg wurde am 13. November 1904 als 5. von insgesamt 10 Kindern geboren. Sein Vater war der schlesische Landrat Heinrich  Graf Yorck von Wartenburg . Sein Ururgroßvater hatte in den französischen Befreiungskriegen eigenverantwortlich ein Neutralitätsabkommen mit Russland abgeschlossen, die Konvention von Tauroggen und so den Kriegen eine entscheidende Wende gegeben. Der Familienstammsitz war Klein-Öls (heute Olesnica Ml., Polen).

Heinrich  Graf Yorck von Wartenburg verfügte über eine profunde humanistische Bildung und vermittelte dies auch an seine Kinder.Seine Mutter, Sophie Gräfin Yorck von Wartenburg, war eine geborene Freiin von Berlichingen und eine Nachfahrin von Götz von Berlichingen.  Peter wurde bis zu seinem 16. Lebensjahr ausschließlich von Hauslehrern unterrichtet. Im Oktober 1920 trat er in die evangelische humanistische Klosterschule in Roßleben ein, die vor ihm schon sein älterer Bruder Paul besucht hatte. Das ist eine Schule mit langer Tradition. 1554 war die Schule gestiftet worden und mit der Schulgründung war Georg Fabricius, ein Schüler Melanchthons, beauftragt worden. Nach der Machtergreifung der Nazis schaffte es der damalige Erbadministrator Wolf-Dietrich von Witzleben, die Umwandlung der Klosterschule in eine Napola zu verhindern. Die Schule muss schon von einem besonderen Geist geprägt gewesen zu sein, denn viele ehemalige Klosterschüler schlossen sich dem Widerstand gegen das NS-Regime an.

6 von ihnen sowie ein Mitglied der Stifterfamilie, der General Erwin von Witzleben, wurden hingerichtet. Neben Peter Graf Yorck von Wartenburg waren das Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld, Egbert Hayessen, Wolf-Heinrich Graf von Helldorff und Heinrich Graf von Lehndorff-Steinort sowie Nikolaus Christoph von Halem. Eine besondere Freundschaft verband ihn mit Graf von Schwerin und von Kessel.

Am 23. Februar 1923 verstarb sein Vater. Zwei Monate später machte Peter sein Abitur in Rossleben. In Bonn begann er das Studium der Rechts-und Staatswissenschaften. Er schloss sich damit der Familientradition an. Denn schon sein Vater hatte wie dann auch sein älterer Bruder Paul in Bonn Jura studiert und beide gehörten der schlagenden Studentenverbindung Corps Borussia an. Bis nach dem Ende des 2.Weltkriegs stammten praktisch alle Corpsstudenten des Corps Borussia aus dem preussischen oder norddeutschen Adel.

Der Dachverband, der Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) hatte bereits 1933 auf Druck der Nationalsozialisten seine Satzung so geändert, dass alle Zugehörigen Corps gezwungen waren, Mitglieder mit jüdischer Abstammung oder mit jüdischen Ehefrauen aus dem Corpsverband auszuschließen. Der Ausschuss des aktiven Corps sowie der AH-Verband lehnte dies 1934 kategorisch ab. Als das Corps im September 1935 eine letzte Frist bis 15. Oktober 1935 gesetzt bekam, den Ausschluss der jüdischen Mitglieder zu vollziehen, legte der AH-Vorsitzende den Betroffenen nahe, die Bandniederlegung “freiwillig” zu vollziehen. Paul Yorck von Wartenburg wandte sich vehement dagegen, dass eine freiwillige Bandniederlegung auch nur erwogen wurde. Er erklärte seinen Austritt aus dem AH-Verband und verließ die Versammlung. Darauf fasste der AH-Verband, den einstimmigen Beschluss, den AH-Verein aufzulösen. Das aktive Corps schloss sich dem an. Das hatte zur Folge, dass der Ausschluss jüdischer Mitglieder nie beschlossen wurde.

Peter studierte drei Semester in Bonn. Ab Oktober studierte er drei weitere Semester in Breslau. Am 14. Oktober 1926 machte er in Breslau das Referendarexamen. Sein Referendariat absolvierte er an den Amtsgerichten Wansen (heute Wiązów) und Brieg (heute

Brzeg) Im Oktober 1927 schrieb er seine juristische Promotion in Breslau. An der Uni Breslau hatte er auch Kontakte zu den Professoren Eugen Rosenstock, Gerhard Schultze-Gaevernitz und Hans Peters. Sie gründetet die Löwenberger Arbeitsgemeinschaft. Vom 14. März bis 1. April 1928 fand das erste Löwenberger Arbeitslager statt. Peter arbeitete an diesem und den  beiden weiteren mit (siehe auch Moltke).Hans Peters gehörte ab 1940 dem Kreisauer Kreis an. Dort wirkte er als Fachmann für Kultur- und Hochschulfragen.Er hielt auch Kontakt zum Berliner Bischof Konrad Graf von Preysing.

Im April 1928 lernte er Marion Winter kennen, auch sie ist promovierte Juristin. Am 31. Mai 1930 heirateten die beiden in Berlin. Zwei Tage vorher hatte Peter sein Assessorexamen erfolgreich abgelegt. Seine restliche Referendariatszeit leistete er in Wansen ab.Dann arbeitete er in Berlin der Anwaltskanzlei Dr. A.Lindgens. Ab dem 1. Oktober 1931 arbeitete er als Gerichtsassessor im Landgericht Oppeln (heute Opole) Im April 1932 erhielt er eine Anstellung bei der Osthilfe, von 1926-1937 ein agrarpolitisches Unterstützungsprogramm der Reichsregierung und der preussischen Regierung für die östlichen preussischen Provinzen. Am 1. April 1932 wurde er verbeamtet. Der Machtwechsel beeinflusste natürlich auch seine weitere Laufbahn. Die nationalsozialistische Ideologie lehnte er von Beginn an ab. Er lehnte auch einen Eintritt in die NSDAP ab. Er absolvierte den halbjährigen Arbeitsdienst, was als Ersatz für die Parteimitgliedschaft galt. Nur so konnte er eine Anstellung als Assessor erhalten. Er wurde Bearbeiter für Landwirtschafts-und Preisfragen. Sein Vorgesetzter wurde Josef Wagner. Er hatte, bis er 1941 einer Intrige zum Opfer fiel, einen großen Einfluss in der Verwaltung und Reichspolitik. Er erfreute sich der besonderen Gunst Hitlers. 1928 war er zum Gauleiter des Gaues Westfalen ernannt worden. Von 1928 –1930 gehörte er als einer von 12 Abgeordneten zu den ersten Reichstagsabgeordneten der NSDAP. 1935 wurde er von Hitler zusätzlich zum westfälischen Gauleiter auch zum Gauleiter von Schlesien ernannt. 1935 wurde er außerdem Oberpräsident für die Provinz Niederpreussen. Am 29. Oktober 1930 wurde er zum Reichskommissar für Preisbildung ernannt. Die neue Behörde wurde in Berlin aufgebaut und Wagner nahm seinen Mitarbeiter Peter Graf Yorck mit nach Berlin.

Nach den Novemberpogromen  gründete er 1938 mit Fritz-Dietlof von der Schulenburg und Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld einen Gesprächskreis über die Grundsätze einer Reichsverfassung nach dem Ende der Herrschaft des Nationalsozialismus.

Zu Beginn des Krieges war er Leutnant in der Funktion des Adjutanten eines Panzerregiments eingesetzt. Wegen eines Bandscheibenschadens war er nicht frontverwendungsfähig. Er arbeitete dann im Wirtschaftsstab Ost, einer der größten wirtschaftlichen Behörden des Deutschen Reiches im Nationalsozialismus.

Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er am selben Tag im Bendlerblock verhaftet. Am 8. August 1944 wurde er durch den Volksgerichtshof unter Vorsitz von Reinhold Freisler zum Tode verurteilt und noch am 8. August auf ausdrücklichen Befehl von Hitler erhängt.

Friedrich Adam von zu Solz ist am 9.August 1909 in Potsdam geboren. Seit 1915 besuchte er die Vorschule des Königlichen Französischen Gymnasiums am Berliner Reichstagsufer 6.

Als seine Familien nach Kassel zog, kam er auf das dortige Wilhelmsgymnasium.

Im April 1922 bis zu seinem Abitur  besuchte er das Städtische Gymnasium in Hannoversch Münden und wohnte im Alumnat des Klosters Loccum.

Der Familientradition folgend studierte er Rechtswissenschaften nach einem ersten Semester in München wechselte er an  an die Georg-August-Universität Göttingen.

Ein wichtiges Ereignis war für ihn  als 19-jähriger ein mehrwöchiger privater Aufenthalt in Genf.

Am Sitz des Völkerbunds und zahlreicher anderer internationaler Organisationen konnte er Möglichkeiten internationaler Zusammenarbeit und weltweiter Bemühungen um Frieden beobachten.

Das beeinflusste seine politischen Ziele für die Zukunft.

1929 erfolgte sein erster Aufenthalt in England.

Dem folgte ein Gasttrimester am Mansfield College in Oxford.

In der britischen Labour-Bewegung fand er ein großes Vorbild.

Nach seiner Rückkehr aus England setzte er sein sein Jurastudium in Berlin an der Friedrich-Wilhelms-Universität fort.

Die soziale Not, Die wachsende Arbeitslosigkeit vor allem bedingt durch die Weltwirtschaftskrise beunruhigten ihn.

Um sich besser auf sein Examen konzentrieren zu können, kehrte er zum Sommersemester 1930 nach Göttingen zurück.

Im Dezember 1930 bestand Adam von Trott sein juristisches Referendarexamen und promovierte ein halbes Jahr später mit einer Dissertation über Hegels Staatsphilosophie und das internationale Recht an der Universität Göttingen.

Gleich nach dem Staatsexamen begann er seinen Referendardienst am Amtsgericht in Nentershausen bei Bebra.

Noch während seiner Examenszeit hatte er sich um ein Rhodes-Stipendium, das ist ein Stipendium für ein Studium  an der Universität Oxford.

Nachdem er eine Zusage erhalten hatte, unterbrach er sein Refenderiat und wurde  für ein zweijähriges Zusatzstudium in England beurlaubt.

Nach seinem Examen in Oxford kehrte er in ein politisch völlig veränderten Deutschland zurück.

Er setzte seine Referendarausbildung am Amtsgericht Rotenburg an der Fulda, am Landgericht Hanau und bei der Staatsanwaltschaft in Kassel fort.

Für das obligatorische Anwaltspraktikum wählte er eine von jüdischen Anwälten geführte Kanzlei in Berlin.

Trotz erheblichen Drucks passte er sich nicht an das neue Regime an. Das wurde im Schulungszeugnis vermerkt und er  wurde auch nicht als Regierungsreferendar übernommen. Seine Zulassung zum Assessorexamen war lange Zeit gefährdet.

Und trotz des Drucks knüpfte er Kontakte zu Regimegegnern jeglicher Couleur. Diese reichten von Konservativen über sozialistische und kommunistische Untergrundkämpfern, die er auch aktiv unterstützte.

Seinen jüdischen Freundeskreis gab er nicht auf sondern gewann neu jüdische Freunde dazu.

Rassisch und politisch Verfolgten half er auf vielfache Weise und scheute dabei auch persönliche Risiken nicht.

Im Oktober 1936 bestand er sein Assessorexamen.

Er wollte nicht emigrieren. Er stand aber unter erheblichem politischen Druck.

Er beantragte auch deshalb bei bei der britischen Rhodes-Stiftung, das ihm noch zustehende dritte Stipendienjahr in Peking verbringen zu dürfen.

Er verknüpfte das mit der Absicht, in China Material für eine Habilitationsschrift über den chinesischen Souveränitätsbegriff zu sammeln. Seinem Antrag wurde stattgegeben.

Im Frühjahr 1937 reiste er in die USA, wo er sich mehrere Monate auf seinen Forschungsaufenthalt in China vorbereitete.

Bei seiner Ankunft geriet er in den “. Japanisch-Chinesischen Krieg, der 1937 begann und erst am 9. September 1945 mit der Kapitulation der japanischen Einheiten in China endete.

Trotz der widrigen Umstände harrte er in China aus und versuchte, seine Studien in Peking weiter zu betreiben.

Sein Aufenthalt in USA und Asien erweiterte seinen politischen Horizont.

Am 27. Oktober 1938 verstarb sein Vater in Imshausen.

Friedrich Adam kehrte deshalb vorzeitig nach Deutschland zurück. Er suchte dort aber vergeblich einen Arbeitsplatz ohne der NSDAP beitreten zu müssen.

Hitlers Expansionskurs, den er als höchst gefährlich einschätzte, brachte ihn zu einer politischen Initiative. Er reiste im Juli 1939 nach London. Er konnte dort ein Gespräch mit

dem britischen Außenminister Lord Halifax führen. Dieser vermittelte ein Treffen  mit  Premierminister Neville Chamberlain. Von Trott warne ausführlich vor Hitler, allerdings erfolglos.

Das Institute of Pacific Relations (IPR) in New York wollte von Trott als wissenschaftlichen Mitarbeiter gewinnen. Den Direktor des IPR Edward C. Carter hatte er bei seinem USA-Aufenthalt kennen gelernt.

Nach seiner Rückkehr aus China hatte sich von Trott der deutschen Widerstandsbewegung, die im Entstehen war, angeschlossen.

Er gehörte auch dem Kreisauer Kreis an.

Ungeachtet des hohen Risikos bemühte sich Trott in den USA aktiv, die Ziele und Probleme der deutschen Umsturzbewegung  bekannt zu machen.

Seine Staatsstreichpläne beriet er in den USA mit kundigen deutschen Exilanten.

Er kehrte nach Deutschland zurück trotz der eindringlichen Warnungen seiner britischen und amerikanischen Freunde.

1940 war er zurück in Berlin und  nahm ein Angebot des Auswärtigen Amtes an als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Informationsabteilung.

Entgegen seiner vertraglich zugesicherten “gutachtlichen Tätigkeit  in Fragen des Fernen Ostens und der Vereinigten Staaten“ setze man ihn Referatsleiter für

Propaganda und Gegenpropaganda in Großbritannien, den USA und dem Fernen Osten ein.

Das behagte ihm zwar überhaupt nicht, aber diese Stelle war eine geeignete Basis für seine Arbeit im Widerstand.

So standen ihm vielfältige und unverdächtige Informationsquellen und Kontaktmöglichkeiten zur Verfügung.

Zur Tarnung trat er Ende Juni 1940 der NSDAP bei.

Er wurde erst zum 1. Juli 1941 als Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in ein unbefristetes Angestelltenverhältnis übernommen.

Er konnte die ungeliebte Zuständigkeit für Großbritannien abgeben und  nach der Kriegserklärung Deutschlands an die USA am 11. Dezember 1941 auch die für die USA.

Er hatte schon seit seiner Rückkehr aus China ein dichtes Netz von Widerstandskontakten von Zivilisten und Militärs geknüpft.

Seine Tätigkeit im Auswärtigen Dienst nutzte er auch zu internationalen Kontakten.

Zwischen 1940 und 1944 konnte er elf Dienstreisen in die Schweiz, vier nach Schweden und eine in die Türkei.

In der Schweiz fand er Unterstützung von Willem Adolf Visser ’t Hooft,  der ab 1948 Generalsekretär des neugegründeten Ökumenischen Rat der Kirchen war.

Er unterstützte die Bekennende Kirche in Deutschland.

Im Mai 1942  nahm Visser’t Hooft  eine Denkschrift des Widerstands nach London mit. Über Trotts britischen Freund Stafford Cripps gelangte dies an Winsaton Churchill.

Sie wurde allerdings gemäß seiner Direktive des „völligen Stillschweigens“ („Absolute Silence“) gegenüber allen Kontaktversuchen aus Deutschland nicht beantworte

1944 traf sich  Visser’t Hooft  mehrmals mit Vertretern von Widerstandsgruppen aus neun europäischen Ländern.

Bei seiner letzten Schwedenreise traf Trott im Juni 1944 den jungen Willy Brandt in Stockholm und informierte ihn über den bevorstehenden Umsturz und bat ihn, „sich der neuen Regierung zur Verfügung zu stellen“.

Er reiste auch in die besetzten Niederlande und riskierte dort vier Treffen mit niederländischen Widerstandskämpfern.

Am 19. Juli 1944 besuchte Claus Graf Schenk von Stauffenberg Trott in seiner Wohnung in Berlin-Dahlem.

Die beiden waren befreundet und Trott gehörte mit dem Sozialdemokraten Julius Leber zu den engsten zivilen Mitarbeitern Stauffenbergs.

Trott bestärkte ihn bei dem Besuch,  das geplante Attentat am 20. Juli 1944 durchzuführen.

Nach dem gescheiterten Attentat wurde von Trott am 25. Juli 1944 verhaftet.

Eine mögliche Flucht hatte er abgelehnt, weil er fürchtete, dass sonst Rache an seiner Familie genommen würde.

Am 15. August 1944 wurde unter Vorsitz von Roland Freisler wegen Hoch-und Landesverrat zum Tode verurteilt.

Das Urteil wurde am 26. August 1944 vollstreckt.

Adolf Reichwein wurde am 3. Oktober 1898 in Ems geboren.

Er wurde im November 1616 als Kriegsfreiwilliger eingezogen. 1917 bestand er als Externer am Realgymnasium in Friedberg das Abitur.

Ende 1917 wurde er bei Cambrai schwer verwundet. Er kam in ein Lazarett in Frankfurt.

Noch als Genesender begann er ein Studium in Frankfurt.

1920 wechselte er nach Marburg, wo Friedrich Wilhelm Wolters sein Lehrer wurde. Dieser gehörte zu den zentralen Figuren des George Kreis.

In den 1920-er Jahren war er in Berlin und in Thüringen in der Erwachsenenbildung tätig.

Von 1930 bis 1933 war er Professor an der neu gegründeten Pädagogischen Akademie Halle (Saale)

Nach der “Machtergreifung” wurde er 1933 aus politischen Gründen entlassen.

Er hatte dann eine Stelle als Volksschullehrer an der Ein-Klassenschule in Tiefensee, wo er bis 1938 vielbeachtete Unterrichtsversuche im Sinne der Reformpädagogik durchführte.

Ab 1939 war er am Staatlichen Museum für deutsche Volkskunde in Berlin museumspädagogisch und als regelmäßiger Autor für die Wochenzeitschrift Deutsche Zukunft tätig.

Er gehörte dem Kreisauer Kreis an .

Im Falle eines erfolgreichen Umsturzes war er als Kultusminister vorgesehen.

Am 22. Juli 1944 trafen er und Julius Leber sich mit Mitgliedern der Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation, eine Widerstandsgruppe der KPD.

Darunter befand sich auch Ernst Rambow, ein KPD-Funktionär, der seit 1940 für die Gestapo arbeitete. Er verriet Leber und Reichwein.

Beide wurden auf dem Weg zu einem weiteren Treffen der Organisation von der Gestapo verhaftet.

Nach einem Prozess am Volksgerichthof unter Roland Freisler wurde Reichwein am 20. Oktober 1944 hingerichtet.

Theodor Haubach wurde am 15. September 1896 in Frankfurt geboren.

Sein Vater, Emil Haubach, verstarb am 17.10. 1896.also nur ein Monat nach Theodors Geburt.

Seine Mutter Emilie entstammte einer jüdischen Familie.

Theodor besuchte das Ludwig-Georg-Gymnasium in Darmstadt.

Einer seiner Mitschüler dort war Carlo Mierendorf , mit dem er bis zu dessen Tod eng befreundet blieb.

1914 meldete er sich freiwillig.

Er wurde mehrfach verwundet.

Nach dem Krieg arbeitete er im Arbeiter- und Soldatenrat in Butzbach mit.

Er begann auch bereits mit dem Schreiben von Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln.

Er arbeitete an der 1919 von Carlo Mierendorf gegründeten politischen Zeitschrift das Tribunal mit.

Von 1919 bis 1923 studierte er  in Heidelberg, München und Frankfurt Philosophie, Soziologie und Wirtschaft.

In Heidelberg entwickelten sich auch persönlich Beziehungen zu seinem Professor Karl Jaspers, die bis in die Zeit des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus gepflegt wurden.

Mit seiner Arbeit “Versuch einer Phänomenologie des aesthetischen Bewusstseins im Grundriss” wurde er 1923 bei Jaspers promoviert.

1922 trat er in die SPD ein. Sein Freund Carlo Mierendorf war schon seit 1920 bei der SPD.

1923 kam er nach Hamburg und war dort Assistent am „Institut für auswärtige Politik“.

1923 siedelte er nach Hamburg über.

1924 war im ReichsbannerSchwarz-Rot-Gold Vorstandsmitglied im Gau Hamburg-Bremen-Nordhannover, später Vorsitzender des Reichsbanners Hamburg.

Er war als Redner im Gau und auf Reichsebene tätig.

1924 wurde er als Redakteur beim Hamburger Echo angestellt. Dort traf er mit mit Gustav Dahrendorf zusammen, der ebenfalls beim Hamburger Echo tätig war.

Gustav Dahrendorf ist der Vater des deutsch-britischen Soziologen Ralf Gustav Dahrendorf.

1924 gründete er mit Gustav Dahrendorf , Adolf Vagts und Egon Bandmann, alle von der SPD sowie Hans Robinsohn, Ernst Strassmann und Heinrich Landal (alle DDP)  den “Klub vom 3. Oktober”.

Ziel war der gemeinsame Kampf gegen die Feinde der Weimarer Republik. Die Gründung des Klubs war sehr ungeschminkt mit dem  Versagen der “Linksparteien begründet worden.

Von 1927 bis 1929 war er Abgeordneter der Bürgerschaft Hamburg.

Ende 1929 wechselte Haubach ans Innenministerium nach Berlin. Der sozialdemokratische Innenminister Carl Severing (Von 1928-1930 Innenminister im 2. Kabinett von Hermann Müller) berief ihn als Pressereferent an sein Ministerium.

Die Regierung Müller trat aber schon am 27. März 1930 zurück.

Den Sitz im Reichstag bei der Reichstagswahl 1930 verpasste er knapp.

Carl Severing wurde am am 21. Oktober 1930 erneut preußischer Innenminister.Eine seiner ersten Amtshandlungen war den Berliner Polizeipräsidenten Albert Grzesinski, der sein Amt wegen einer privaten Affäre aufgeben hatte müssen, zurückzuholen.

Haubach wurde Pressereferent beim Berliner Polizeipräsidium.

Mit dem “Preussenschlag” vom 20. Juli 1932 wurde mit einer Notverordnung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg die legale Regierung des Freistaates Preussen durch den Reichskanzler Franz von Papen als Reichskommissar ersetzt.

Sowohl Severing als Haubach verloren ihre Ämter.

Schon kurz nach der “Machtergreifung” am 30. Januar 1933 begann die Verfolgung Haubachs durch die Nationalsozialisten

1933/1934 baute er mit Karl Heinrich, einem hessischen Polizeioffiziers und eines sozialdemokratischen Aktivisten eine hauptsächlich aus Reichsbannermitgliedern bestehende sozialdemokratische Untergrundorganisation auf.

1934 wurde er verhaftet und war bis 1936 im KZ Esterwegen im Emsland.

Dort hatte er Julius Leber kennen gelernt.

Nach seiner Haftentlassung erhielt er Arbeit in der Papierfabrik seines Studienkollegen Viktor Bausch.

Unmittelbar nach Kriegsbeginn wurde er wie mehr als 70 führende Vertreter der zerschlagenen Oppositionsparteien und insbesondere Gewerkschafter im Rahmen der Kriegssonderaktion

verhaftet.

1943 stießen er und Carlo Mierendorf durch Vermittlung von von Adolf Reichwein zum Kreisauer Kreis.

Im Februar 1944 kam Carlo Mierendorf bei einem Bombenangriff in Leipzig ums Leben.

Seine Beerdigung war Theodor Haubachs letzter öffentlicher Auftritt.

Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944, von dem er im Urlaub in Bayern erfahren hatte, kehrte er trotz Warnungen nach Berlin zurück.

Am 9. August 1944 wurde er in Berlin verhaftet.

Am 15. Januar 1945 verurteilte ihn  Roland Freisler zum Tode.

Am 23. Januar wurde er schwerkrank auf einer Trage in den Hinrichtungsschuppen geschleppt und  in Berlin-Plötzensee erhängt.

Mit ihm starb mit Helmuth James Graf von Moltke.

Adolf Reichwein wurde am 3. Oktober 1898 in Bad Ems geboren.

Seine Familie siedelte 1904 nach Ober-Rosbach über.

Sein Vater war dort als Lehrer, Chorleiter und Organist tätig.

1914/1915 besuchet er die Oberrealschule in Bad Nauheim.

1916 wurde er als Kriegsfreiwilliger eingezogen.

Im Februar 1917 bestand er das Abitur.

Bei Cambrai wurde er Ende 191 schwer verwundet.

1918 kam er in ein Lazarett in Frankfurt. Dort lernte er seine spätere Ehefrau Eva Hillmann kennen.

In Frankfurt begann er ein Studium unter anderem bei  Hugo Sinzheimer und Franz Oppenheimer.

1920 wechselte er nach Marburg. Dort wurde Friedrich Wolters einer seiner wichtigsten Lehrer.

Dieser gehörte zu den zentralen Figuren des George-Kreises.

1921 promovierte er in Marburg über die geistigen und künstlerischen Einflüsse Chinas auf Europa im 18. Jahrhundert.

Am 9. Oktober 1923 kam der gemeinsame Sohn Gert zur Welt.

Dieser ertrank aber am 18.September 1925 in einer Regentonne im elterlichen Garten.

Dieser Unglücksfall belastete die Ehe und führte schließlich zur Trennung und Scheidung am 24. November 1927.

In den 20-3r Jahren war Adolf Reichwein in der der Bildungspolitik und Erwachsenenbildung in Berlin und Thüringen tätig.

In der Zeit von 1929 bis 1930 als Leiter der Pressestelle und persönlicher Referent des preußischen Kultusministers Carl Heinrich Becker.

In dieser Zeit kam er mit der Löwenberger Arbeitsgemeinschaft in Kontakt.

Dort lernte er spätere Mitglieder des Kreisauer Kreises kennen.

Von 1930 bis 1933 war Reichwein Professor an der neu gegründeten Pädagogischen Akademie Halle (Saale).

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde er aus politischen Gründen entlassen.

Er arbeitete dann als Volksschullehrer in Tiefensee in Brandenburg. Dort führte er vielbeachtete Unterrichtsversuche im Sinne der Reformpädagogik durch.

Er arbeitete an mehreren Unterrichtsfilmen der Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (RWU) mit.

Ab 1939 war er am Staatlichen Museum für deutsche Volkskunde in Berlin museumspädagogisch und als regelmäßiger Autor für die Wochenzeitschrift Deutsche Zukunft tätig.

Im Kreisauer Kreis war er als Kultusminister im Falle eines erfolgreichen Umsturzes des Hitlerregimes vorgesehen.

Am 22. Juni 1944 trafen er und Julius Leber führende Mitgliedern der kommunistischen Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation, unter denen sich der Gestapo-Spitzel Ernst Rambow befand.

Am 4. Juli 1944 sollte ein weiteres Treffen mit den Kommunisten stattfinden. Auf dem Weg dahin wurde er von der Gestapo verhaftet.Roland Freisler führte einen Prozess vor dem Volksgerichtshof

gegen ihn. Er wurde zum Tode verurteilt und am 20. Oktober 1944 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee erhängt.

Alfred Delp ist am 15. September 1907 in Mannheim geboren.

Er wuchs in Hüttenfeld, einem Stadtteil von Lampertheim, auf.

Seine Großmutter setzte die evangelische Erziehung des Jungen durch, was die Familie stark belastete.

Er wurde 1921 konfirmiert, nach einem Streit mit dem evangelischen Pfarrer in der katholischen Kirche zur Erstkommunion zugelassen und auch gefirmt.

1922 wurde er in das Bischöfliche Konvikt in Dieburg aufgenommen.Er war Mitglied und Gruppenführer im katholischen Jugendbund Neudeutschland.

Auch Willi Graf von der Weißen Rose (s.o.) war Mitglied in Neudeutschland.

Am 16. März 1926 machte er sein Abitur als Prüfungsbester.

Am 22. April 1926 begann er sein Noviziat in der Societas Jesu in  Tisis / Vorarlberg.

Er begann seien Ausbildung im Jesuitenorden und studierte Philosophie und Theologie.

Am 24. Juni 1937 wurde er durch den Münchner Kardinal Michael von Faulhaber  (5.März 1869 in Heidenfeld +12. Juni 1952) zum Priester geweiht.

Sein Antrag auf Aufnahme in die „Reichsschrifttumskammer“  wurde abgelehnt. Diese wäre notwendig gewesen, wenn er Schiften veröffentlichen wollte.

Durch Vermittlung des Jesuitenprovinzials Augustin Rösch kam Alfred Delp an den Kreisauer Kreis und arbeitete dort Frühjahr 1942 mit.

Dort arbeitete er an einem Modell für eine neue Gesellschaftsordnung für die Zeit nach dem Ende des Nationalsozialismus.

Es ging ihm vor allem um die Positionen der katholischen Kirche bei einem Neuaufbau Deutschlands im Hinblick auf die Katholische Soziallehre.

Nach dem Scheiterndes Attentats vom 20. Juli 1944 wurde er am am 28. Juli 1944 in St. Georg in München-Bogenhausen verhaftet.

Er war zwar an den Vorbereitungen zum Attentat nicht beteiligt. Aber seine Mitarbeit im Kreisauer Kreis, sein Wirken als Jesuitenpater und seine christlich-soziale Weltanschauung

machten ihn im Sinne der NSDAP natürlich schuldig.

Die Gestapo hatte ihm zwar Freilassung gegen Ordensaustritt angeboten, was Delp natürlich ablehnte.

Am 11. Januar 1945 wurde  er in einem Prozess vor dem Volksgerichtshof durch Roland Freisler wegen Hoch-und Landesverrat zum Tod durch den Strang verurteilt.

Am 2. Februar 1945 wurde er zusammen mit mit Carl Goerdeler und Johannes Popitz hingerichtet.

Ziviler Widerstand um Sozialdemokraten und Gewerkschaftern aber auch national konservative Honoratiorenzirkel

Carl Friedrich Goerdeler wurde am 31. Juli 1884 in Schneidemühl, Provinz Posen geboren.

Er war ab 1911 als Kommunalpolitiker tätig.

1912 war er Erster Beigeordneter in der Kommunalverwaltung von Solingen.

Im Ersten Weltkrieg war er als Offizier und Verwaltungsexperte in Weißrussland stationiert.

1920 wurde er zum Zweien Bürgermeister von Königsberg gewählt.

Er trat der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) bei.

1930 wurde er zum Oberbürgermeister von Leipzig gewählt.

Unter Reichskanzler Heinrich Brüning (31. März 1930-30.Mai 1932) war er Reichskommissars für Preisüberwachung.

Die Machtergreifung 1933 bewertete er zunächst durchaus positiv.

Obwohl er den Beitritt zur NSDAP ablehnte, blieb er Oberbürgermeister von Leipzig.

1934 wurde er erneut zum Reichspreiskommissar berufen.

Er überwarf sich aber bald mit Hitler.

Wegen seiner Bedenken gegen die Wirtschaftspolitik und seines Widerspruchs gegen die Autarkieforderung wird er von Adolf Hitler als Reichspreiskommissar entlassen.

Er wurde aber zum Leipziger Oberbürgermeister wiedergewählt.

Im November 1936 beseitigten die Nationalsozialisten in einer Nacht-und Nebelaktion das Leipziger Denkmal des  Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy aufgrund dessen jüdischer Herkunft. Goerdeler stellte  demonstrativ

den Antrag, zum 1. April 1937 aus dem Amt des Leipziger Oberbürgermeisters entlassen zu werden.

Robert Bosch stellte Goerdeler als „wirtschaftspolitischen Berater“ ein. Unter diesem Deckmantel konnte Goerdeler im Ausland Kontakte knüpfen und pflegen.

Er unternahm nun viele Reisen, die ihn nach England, Frankreich, Kanada und den USA, in die Schweiz, den Balkan und den Orient einschließlich der Türkei führten.

Er schickte auch Reiseberichte an Hermann Göring, um wenigsten diesen auf die Gefahren des außenpolitischen Kurses hinzuweisen.

Zu Kriegsbeginn kehrte er nach Deutschland zurück.

Er beteiligte sich an den Planungen für einen Staatsstreich zur Ausschaltung Hitlers in der Gruppe um Ulrich von Hassel, der von 1932 bis 1938 deutscher Botschafter in Rom war.

Von Hassel wirkte als Vermittler zwischen dem konservativen Widerstand um Goerdeler und den jüngeren Widerständlern im Kreisauer Kreis.

Goerdeler arbeitete nun gezielt auf einen Staatsstreich hin, lehnte aber ein Attentat aus moralischen Gründen und aus der Furcht vor einer neuen Dolchstoßlegende ab.

Der Gestapo waren Goerdelers Aktivitäten nicht verborgen geblieben.

Vor der Verhaftung durch die Gestapo gewarnt, konnte er am 18.07 1944 fliehen, wurde aber am 12. August 1944 erkannt und in einem Gasthof in Stuhm in Ostpreussen verhaftet.

Am 8. September wurde ihm vor dem Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler der Prozess gemacht und zum Tode verurteilt.

Er wir noch monatelang von der Gestapo verhört.

Am 2. Februar 1945 wurde er auf Drängen des Reichsjustizministers Otto Georg Thierack (1942 bis 1945) und wohl auch unmittelbaren Befehl Hitlers in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Wilhelm Leuschner  war Gewerkschafter und sozialdemokratischer Politiker.

Er wurde  am 15. Juni 1890 in Bayreuth geboren.

1904 machte er eine Lehre als Holzbildhauer und trat schon 1907 in die Gewerkschaft ein.

1909-1910 studierte er an der königlichen Kunstgewerbeschule Nürnberg, der heutigen Kunstakademie.

1913 trat er in die SPD ein.

Im Oktober 1916 wurde er zum Militär eingezogen.

Er war zunächst in Pinsk in Weißrussland stationiert und ab 1917 in Verdun.

Während des Krieges lernte er Englisch und Französisch, dass er bald so gut sprach, dass er sich mit den Leuten verständigen konnte.

1921 gründete er die Volkshochschule Darmstadt als eingetragenen Verein.

1928 wurde er Innenminister in Hessen.

Zu seinen engsten Mitarbeitern im Ministerium zählten  Ludwig Schwamb, später im Kreisauer Kreis, und Carlo Mierendorf (s.o.)

Seit 1929 war er im Reichsausschuss des Reichsbanners Schwarz Rot Gold.

In dieser Eigenschaft ließ er 1931 interne Papiere der NSDAP veröffentlichen, die Pläne der Partei für eine gewaltsame Machtübernahme aufdeckten.

Damit machte er sich natürlich die NSDAP zum Feind.

Im Januar 1933 wurde in den Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes gewählt.

Gleich nach der Machtergreifung der NAZIS musste er als hessischer Innenminister zurücktreten.

Als faktischer Gewerkschaftsführer verweigerte er standhaft, mit  der am 10. Mai 1933 von Robert Ley gegründete Deutsche Arbeitsfront zusammen zu arbeiten.

Er kam in Schutzhaft.

Im Juni 1933 wurde er erneut verhaftet und kam in verschieden Konzentrationslager, unter anderem in das Lager Börgermoor im Emsland.

Er wurde misshandelt aber nicht gebeugt.

Als er 1934 entlassen wurde, begann er mit dem Aufbau eines reichsweiten Widerstandsnetzes.

1936 übernahm er von Ernst Schneppenhorst die Leitung einer kleinen Fabrikationsstätte für Bierschankutensilien.

Schneppenhorst war  SPD – Mitglied und vertrat bis zum Reichstagsbrand Franken  für die SPD im Reichstag.

Er wurde in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1945 von einem Sonderkommando des Reichssicherheitsamtes ermordet

Die Fabrikationsanlage wurde bald zur Schaltzentrale der illegalen Reichsleitung der deutschen Gewerkschaften.

In dieser Zeit war Hermann Maaß (Am 20. Oktober 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet) sein engster Mitarbeiter.

Leuschner organisierte nicht nur gewerkschaftsnahen Widerstand.

Er hatte viele Kontakte zu Regimegegnern wie dem “Roten Stoßtrupp”, das war die größte und älteste linkssozialistische Widerstandsgruppe,

dem Kreis um Carl Friedrich Goerdeler  und auch dem Kreisauer Kreis.

Nach dem Putsch gegen Hitler sollte er im Schattenkabinett im Schattenkabinett Beck/Goerdeler möglicherweise Vizekanzler werden.

Er wurde am 16. August 1944 denunziert, verhaftet  und am 7. und 8. September unter Roland Freisler zum Tode verurteilt.

Am 29. September 1944 wurde er in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

 

Reinhold Frank - Alchetron, The Free Social Encyclopedia

Reinhold Frank wurde am 23. Juli 1896 in Bachhaupten, heute Gemeinde Ostrach geboren.

Er besuchte das erzbischöfliche Gymnasialkonvikt in Sigmaringen. Nach dem Abitur 1915 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdient und wurde dreimal schwer verwundet.

Nach dem Krieg studierte er Rechtswissenschaften in Freiburg.

1923 trat er in die Anwaltskanzlei von Franz Xaver Honold in Karlsruhe ein. Zu diesem hatte er ein sehr gute Verhältnis. Er wurde Pate von Honolds Sohn Robert.

Honold war von 1926 bis 1931 badischer Gesandter in Berlin. In dieser Zeit leitete Reinhold Frank die Kanzlei in Karlsruhe.

Als Anwalt ist er zunächst unpolitisch.

1933 wurde er Vertreter der Zentrumspartei im Karlsruher Bürgerausschuss.

1934  wurden die örtlichen Bürgervertretungen aufgehoben.

In Honolds Kanzlei bildete sich allmählich ein Gesprächskreis von Regierungsgegnern.

Frank blieb Rechtsanwalt am Oberlandesgericht in Karlsruhe.

Er übernahm aber immer öfters Verteidigungsmandate von angeklagten NS-Gegnern und musste immer wieder nach Berlin.

Dabei lernte er auch Eugen Bolz kennen, von 1928 bis 1933 württembergischer Staatspräsident. Nach der Machtergreifung wurde er durch den württembergischen Gauleiter

Wilhelm Murr aus dem Amt verdrängt.

Bolz wurde mehrere Wochen inhaftiert.

Als dieser polizeilich gesucht wurde, versteckte ihn Reinhold Frank eine Woche lang in seiner Wohnung.

Frank kam in Kontakt mit der Widerstandsgruppe um Goerdeler. Er hatte sich Goerdeler gegenüber bereit erklärt,

in Baden an führender Stelle zum Wiederaufbau bereit zu stehen, falls der geplante Umsturz glücken sollte.

So kam er auf eine Liste mit den Namen der Verschwörer. Hier wurde er als “Unterbeauftragter für Baden” geführt.

Noch in der Nacht nach dem gescheiterten Attentat nahm ihn die Gestapo in Karlsruhe fest und überführte ihn nach Stuttgart ins Gefängnis.

Dann kam er nach Berlin. Dort wurde er monatelang verhört.

Am 12. Januar 1945 wurde er unter Roland Freisler zum Tode verurteilt.

Am 23. Januar 1945 wurde er mit Eugen Bolz hingerichtet.

Die Reichswehr hatte die Machtübernahme Hitlers in der Mehrheit begrüßt.

Nach dem Röhmputsch wurden auch der ehemalige Reichswehrminister Kurt von Schleicher (1932) und von Ende 1932 bis 28.01.1933 Reichskanzler, und seine Ehefrau Elisabeth von Schleicher ermordet.

Schleicher war auch General de Reichswehr.

Den Morden fiel auch Ferdinand von Bredow zum Opfer. Er war zuletzt Generalmajor der Reichswehr und seit 1932 stellvertretender Reichswehrminister.

Nur wenige Offiziere empörten sich über die Morde.

Hans Oster, geboren am 9. August 1887 in Dresden, ermordet am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg nahm als Hauptmann im Generalstab am 1. Weltkrieg teil.

Im Mai 1933 erhielt er eine zivile Anstellung im Forschungsamt. Das war ein Nachrichtendienst. im Oktober 1933 wechselte er in die Abwehrabteilung des Reichswehrministeriums.

Schon vor 1933 stand er den Nationalsozialisten ablehnend gegenüber. Die Ereignisse beim Röhmputsch bestärkten ihn in der Ablehnung der Regierung Hitler.

Er mißbilligte die Zerstörung des Rechtsstaates und verabscheuten die Methoden des NS-Regimes, dessen Antisemitismus und Kirchenfeindschaft.

Am 2. August 1934 verstarb Reichspräsident Paul von Hindenburg. Das Amt des Reichspräsidenten und Staatsoberhaupt verschmolz.

Die Amtsbezeichnung für Hitler lautete nun „Führer und Reichskanzler“.

Auch am 2. August 1934  ließ Reichswehrminister Werner von Blomberg (1933-1938) in Absprache mit Walter von Reichenau (1884-1942- federführend an der Eingliederung der Reichswehr in den NS-Staat beteiligt)

alle Reichswehrangehörigen, einen persönlichen Treueid auf Hitler abzulegen. Eine gesetzliche Grundlage dafür gab es nicht.

Aber das  stellte für viele Soldaten Soldaten eine nahezu unüberwindbare ethische Barriere dar, sich gegen das Regime zu stellen.

Hitler dankte ihm das mit der Übertragung des Oberbefehls über die gesamte Wehrmacht, als Heer und Kriegsmarine und ab 1936 über die neu aufgestellte Luftwaffe.

1936 ernannte er ihn als ersten Soldaten der Wehrmacht zum Generalfeldmarschall. Im Januar 1937 erhielt er das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP.

1935 wurde  Admiral Wilhelm Canaris (1887-1945 ) überraschend zum Chef der Abwehrabteilung im Reichskriegsministerium berufen. Sein Vorgänger war seit September 1932  Conrad Patzig.

Dieser scheiterte aber an der Auseinandersetzung um Kompetenzen und Zuständigkeiten. Vor allem der Sicherheitsdienst SD der SS war zum innenpolitischen Rivalen der Abwehrabteilung geworden.

Dies führte schließlich zur Absetzung von Patzig.

Canaris war kein grundsätzlicher Gegner der Nationalsozialisten, aber Hitlers Kriegsvorbereitungen brachten in Distanz zu ihnen. Und auch er sah sich dem zunehmenden Druck des SD ausgesetzt.

Er nahm alte Kontakte zu ausländischen Nachrichtendiensten wie z. B. dem Chef des italienischen Nachrichtendienstes Servicio Informazioni Militari (SIM), Oberst Mario Roatta (2. Januar 1887 – 7. Januar 1968) wieder auf.

Er setzte Oster  wieder in seinen alten Rang als Ersatzoffizier ein.

Auch alte Kameraden aus Freikorpszeiten wie Major Hans Piekenbrock sammelte er um sich. Diesem übertrug er die Leitung der Abwehrabteilung I,die  für den Geheimen Meldedienst und aktive Erkundungen zuständig war.

Oster übernahm als  Oberstleutnant  die Leitung der Zentralabteilung im Amt Abwehr. Er war für die Finanz- und Personalangelegenheiten zuständig und führte die zentrale Agentenkartei.

Schon im Amt Abwehr begann er, ein Netzwerk von Kontakten zu Opponenten des NS-Regimes in Staat, Verwaltung und Sicherheitsorganen zu knüpfen. So arbeitete er etwa mit Hans von Dohnanyi ( 1. Januar 1902 in Wien bis  9. April 1945 im KZ Sachsenhausen) und Hans Bernd Gisevius (14. Juli 1904 in Arnsberg – 23. Februar 1974 in Müllheim zusammen, um Beweismaterial für einen späteren Prozess gegen die NS-Führung zu sammeln. Ende September 1938 berief ihn Canaris zum Leiter der Zentralabteilung der

Erste Aktionen und Planungen innerhalb der Wehrmacht  gegen die Pläne Hitler gab es relativ früh, spätestens als dieser seine aggressiven Ziele offen legte, wie sie im Hoßbachprotokoll festgehalten wurde. Der Generalstabschef des Heeres, Generaloberst Ludwig Beck (29. Juni 1880 in Biebrich bis 21. Juli 1944 in Berlin), war entsetzt über die Pläne und vor allem über die Verantwortungslosigkeit, mit der Hitler bereit war, einen Krieg mit den Westmächten zu riskieren. Er legte dann später seine Kritik schriftlich dar, Kernpunkt, das Militär sollte an der Entscheidung  über Krieg und Frieden beteiligt sein.  Er schlug einen geschlossenen Rücktritt der Generalität vor, falls Hitler weiter zum Krieg dränge. Als er damit keinen Erfolg hatte, trat er im August 1938 zurück.

Im militärischen Widerstand gab es zwei Strömungen. Die eine beabsichtigte lediglich, Hitler dazu zu bringen, seine Kriegspläne aufzugeben.

Die andere, vertreten durch die Männer der Abwehr, zielte dahin, Hitler festzunehmen und vor Gericht zu stellen.

Im Laufe der Sudetenkrise kam es zu einer gründlichen Planung eines Putschversuchs von Heeresoffizieren und Beamten im Auswärtigen Amt. Ein Stoßtrupp unter Führung von Hauptmann Friedrich Wilhelm Heinz und Korvettenkapitän Franz Maria Liedig sollte in die Reichskanzlei eindringen, Hitler festsetzen und später sollte er vor Gericht gestellt werden. Während einer Besprechung wurde der Plan noch in einem Punkt abgeändert. Hitler sollte während eines inszenierten Handgemenges in der Reichskanzlei erschossen werden, da selbst ein angeklagter

Hitler noch eine Gefahr darstelle. Geplanter Tattag war der 28. September 1938, der Tag an dem sich Hitler mit Chamberlain, Daladier und Mussolini auf die friedliche Regelung der Sudetenkrise geeinigt hatten. Hitler erschien nun plötzlich als der Friedensbewahrer.

Die Verschwörer sahen nun keinen Rückhalt für ein gewaltsames Vorgehen gegen Hitler mehr in der Bevölkerung. Das Vorhaben wurde nicht durchgeführt. Nur noch ein kleiner Kern der Verschwörer blieb zusammen und es dauerte lange, bis sie sich von dem Scheitern erholt hatten. (s.O.)

1939 wurde Oster zum Obersten befördert.

Zu beginn des Zweiten Weltkrieges ließ Oster  den Alliierten Informationen über die deutschen Angriffspläne gegen die Niederlande, Belgien und Dänemark zukommen.

Von Canaris gedeckt leitete er die Kontakte zum Oberkommandos des Heeres mit Hilfe von Männern wie Helmuth Groscurth (1898-1943) und Georg Thomas (1890-1946).

Diese versuchten in der Zeit zwischen dem Überfall auf Polen und dem Beginn des Westfeldzuges die nationalsozialistischen Kriegspläne zu durchkreuzen.

Oster warnte Belgien und die Niederlande vor dem dem geplanten Angriffstermin.

Am 8. Oktober 1939  ließ er seinen Wagen bei Gijsbertus Jacobus Sas (1892-1948), der von 1936/37 und wieder ab  1939 bis zum deutschen Angriff auf die Niederlande niederländischer Militärattaché in Berlin war und informierte ihn

über den geplanten Angriff.

Im Herbst und Winter 1939/1940 wurde der Termin 29 mal verschoben. Oster informierte jedes Mal. Seine Glaubwürdigkeit litt aber natürlich.

In der Nachkriegszeit wurden diese Informationen  Oster immer zum Vorwurf gemacht.

1942 wurde Oster zum Generalmajor befördert.

Sein enger Mitarbeiter Hans von Dohnanyi (1902-1945) wurde am 5. April 1943   unter dem Vorwurf angeblicher Devisenvergehen von der Gestapo festgenommen.

Nun geriet auch Oster in das Visier der Gestapo.

Er wurde unter Hausarrest gestellt und wenig später aus der Abwehr entlassen.

Die Entlassung Osters war der schwerste Rückschlag, den der Widerstand bis dahin erlitt.

Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Oster verhaftet.

Genau einen Monat vor der militärischen Kapitulation fand im KZ Flossenbürg unter Vorsitz von Otto Thorbeck (1912-1976),  Chefrichter beim SS- und Polizeigericht in München,

ein Schauprozessgegen  Generalmajor Oster, Dietrich Bonhoeffer, Karl Sack, Ludwig Gehre und Wilhelm Canaris statt.

Sie wurden am 8. April ohne jeden rechtlichen Mindeststandard zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 9. April vollstreckt.

Zur Belustigung der anwesenden SS-Männer mussten sich die Verurteilten entkleiden und nackt zum Galgen gehen.

General Ludwig Beck wurde am 29. Juni 1880 in Biebrich geboren.

Im Ersten Weltkrieg war er zunächst Zweiter Generalstabsoffizier , dann Erster Generalstabsoffizier.

Im April 1918 wurde er zum Major befördert.

In der Weimarer Republik wurde er 1919 in die vorläufige Reichswehr übernommen.

Er hatte verschiedene Truppenkommandos inne.

Am 1. Oktober 1927 wurde er um Obersten befördert.

1930 war er Zeuge Zeuge im Ulmer Reichswehrprozess vor dem Reichsgericht gegen die Offiziere Ludin, Scheringer und Wendt aus dem 5. Artillerie-Regiment wegen Bildung einer NS-Zelle in der Reichswehr.

Als deren Regimentskommandeur setzte er sich für die angeklagten Offiziere ein.

Am 1. Februar 1931 wurde er zum Generalmajor befördert.

Nach der Machtergreifung wurde Beck im Oktober 1933 Chef des Truppenamtes im Reichswehrministerium.

Den Gewaltmethoden des neuen Regimes zum Beispiel im “Röhmputsch” stand er kritisch gegenüber.

Den neuen Machthabern hatte er aber eine positive Einstellung.

Als aber nach dem Tod Hindenburgs die Wehrmacht auf Adolf Hitler vereidigt wurde, kamen bei Beck die ersten Zweifel auf.

Als Chef des Truppenamtes wurde er zu einem der Architekten und Planer der Aufrüstung der Wehrmacht.

Am 16. März 1935 wurde die Wehrpflicht eingeführt.

Das war der Startschuss für eine mit immensem Aufwand betriebene Aufrüstung und den Aufbau der deutschen Streitkräfte zu einer schlagkräftigen, zunächst zur Verteidigung und später auch zum Angriff befähigten Armee.

Die ersten rassistischen Maßnahmen des Regimes brachten ihn noch nicht zur Opposition.

Erst das außenpolitische Va Banque Spiel Hitlers brachten ihn dazu, mit Denkschriften, Vorträgen, Gesprächen und Appellen an die Führung von Wehrmacht und NSDAP vor dem Risiko eines nicht begrenzbaren Krieges zu warnen.

Er war der Meinung, selbst die Aggression gegen die kleine Tschechoslowakei würde einen Weltkrieg entfesseln.

Er war entsetzt über die Verantwortungslosigkeit, mit der Hitler bereit war, Deutschland in einen Krieg mit den Westmächten hineinzuführen.

Er versuchte,ein gemeinsames Vorgehen der Generalität gegen die Kriegsplanungen Hitlers zu organisieren, und schlug  einen geschlossenen Rücktritt der Generalität vor, falls Hitler weiter zum Krieg dränge.

Nur die Generäle von Reichenau und Busch, einer der treuesten Anhänger von Hitler, widersprachen.

Nun total isoliert bat Beck  am 18. August 1938 um seine Enthebung als Generalstabschef des Heeres.

Am 27. 8. übergab er die Dienstgeschäfte an Franz Halder (1884-1972).

Auf Bitten Hitlers verzichtete er auf die öffentliche Bekanntgabe seiner Demission, was ihr natürlich die politische Symbolkraft nahm.

Da auch die “Septemberverschwörung” 1938, die am  28.9. stattfinden sollte und die maßgeblich von Hans Oster geplant war durch die Ereignisse auf der Münchner Konferenz entscheidend durchkreuzt wurden,

war der Widerstand zunächst mal ausgebremst.

Beck wurde noch zum Generalobersten befördert. Er schied mit Wirkung vom 1. November 1938  dem aktiven Dienst aus.

Beck wurde Mitglied der “Mittwochsgesellschaft”, ein exklusiver Kreis, in dem man nur Mitglied wurde, wenn man gewählt wurde.

Während der Zeit des Nationalsozialismus ging ein Teil der Gruppe auf kritische Distanz.

Beck wohnte in Berlin. Seine Wohnung wurde zur Zentrale der kleinen Zirkel des nationalkonservativen Widerstandes.

Natürlich wurde sie von der Gestapo observiert.

Am 8. Januar 1943 trafen erstmals Vertreter des militärischen Widerstands unter Becks Leitung in der Berliner Wohnung Yorks von Wartenburg zusammen.

Bei diesem Treffen wurde Goerdeler als Kanzler einer Übergangsregierung akzeptiert.

Am 20. Juli 1944 wurde Beck nach dem missglückten Attentat  und die Widerstandsgruppe um ihn im Bendlerblock gefangengenommen.

Nach eigener Bitte wurde ihm von durch Generaloberst Friedrich Fromm ( 1888-1945) die Gelegenheit zur Selbsttötung mit einer Pistole gegeben.

Nach zweimaligem Fehlschlag erteilte Fromm einem Feldwebel den Befehl Beck zu erschießen.

Beck wurde mit anderen Opfern des 20. Juli auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg begraben.

Die Rache der SS ging aber über den Tod hinaus. Wenig später wurden die Toten exhumiert, ihr Leichen im Krematorium verbrannt und die Asche

auf den Berliner Rieselfeldern verstreut.

Henning von Tresckow wurde am 10. Januar 1901 in Magdeburg geboren und verstarb am 21. Juli 1944 bei Ostrów Mazowiecka in durch Suizid.

Zuletzt war er Generalmajor der deutschen Wehrmacht.

Er war neben Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg eine zentrale Figur des militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.

Er entstammte einer alten preußisch-märkischen Adelsfamilie. In der Familie gab es eine lange Reihe von Offizieren.

Sein Vater Hermann hatte es bis zum General der Kavallerie in der preußischen Armee gebracht.

Er wuchs mit zwei Schwestern und seinem Bruder Gerd (21. März 1889-6. September 1944) auf Gut Wartenberg  in der Woiwodschaft Westpommern in Polen auf.

Im Juni1917 meldete er sich freiwillig mit 16 Jahren zum Potsdamer 1. Garderegiment zu Fuß.

Er machte seine Ausbildung zum Fahnenjunker .Im Frühjahr 1918 wurde er an die Westfront versetzt und war Zugführer einer Maschinengewehr-Kompanie.

Als einer der jüngsten Leutnante der Truppe erhielt er im Juli 1918 das Eiserne Kreuz II. Klasse.

Nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 kehrte das Regiment nach Potsdam zurück, wo dieses am 11. Dezember 1918 aufgelöst wurde.

1920 verabschiedete  er sich vorerst vom Militär.

Im Wintersemester begann er an der  Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin ein Studium der Rechtswissenschaften. Dieses setzte er in Kiel fort.

Er arbeitete dann im Bankhaus Wilhelm Kann in Potsdam als Bankkaufmann an der Börse.

Von  Juli bis Dezember 1924  unternahm er ein Weltreise von Amsterdam, London, Paris und Lissabon nach Rio de Janeiro und Buenos Aires bis Santiago de Chile.

Die Reise  musste er vorzeitig abbrechen,  um sein Familiengut Wartenberg zu retten.

Mit Fürsprache des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg trat er am 1. Februar 19216 wieder in die Reichswehr ein.

Er wurde Zugführer in der 1. Kompanie des 9.  Infanterie-Regiments, das ebenfalls in Potsdam.

Am 1. Februar 1928 wurde er zum Oberleutnant befördert.

Ende der 1920-er Jahre warb er in Offizierskasinos für die nationalsozialistische Bewegung, da er auf Erneuerung hoffte.

Im  von Tresckows Regiment dienten viele Widerstandskämpfer wie z.B. Hasso von Boehmer (1904-5. März 1945, in Berlin-Plötzensee erhängt),

Alexis von Renne (1903-12.10 1944, in Berlin-Plötzensee hingerichtet) und Hans-Alexander von Voss (1907- 8. November 1944, Suizid).

Am 1. Mai 1934 wurde er zum Hauptmann befördert.

Der kurz danach folgende Röhmputsch brachte ihn in Distanz zum Nationalsozialismus.

Die Röhmmorde verurteilte er als Bruch jeden Rechtsgrundsatzes.

Von Juli 1934 bis September 1936 war er auf der Kriegsakademie in Berlin-Moabit.

Er galt als der mit Abstand Beste seines Jahrganges.

Ab 28. September 1936 arbeitete er in der 1. Abteilung des Generalstabs  im Reichswehrministerium.

Sein unmittelbarer Vorgesetzter war Major i. G. Adolf Heusinger (von 1957-1961 der erste Generalinspekteur der Bundeswehr)

Im Juni 1937 musste er Pläne zum Aufmarsch gegen die Tschechoslowakei erarbeiten.

Er sollte dann noch eine wesentlich aggressivere Neufassung des Plans verfassen.

So bekam er erstmals Einblick in Hitlers außenpolitische Ziele und erkannte sie als ein für das Reich äußerst gefährliches Vabanquespiel.

In den Planungen wurden die Gegenzüge der mächtigen Nachbarstaaten, die wohl erfolgt wären, einfach übergangen.

Spätestens seit der Sudetenkrise wünschte er sich, dass sich die Wehrmacht gegen SS und Gestapo positionieren würden.

Als Anfang 1938 haltlose Vorwürfe wegen privater Affären gegen Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Werner von Blomberg (1878-1946), und des Oberbefehlshabers des Heeres, Werner von Fritsch (1880-1939)

erhoben wurde, führte das zur Krise. Blomberg hatte sich ebenso wie Fritsch bei dem Treffen mit Adolf Hitler, dessen Inhalt im “Hoßbachprotokoll” überliefert ist, massiv gegen Hitlers vorgestellte Kriegspläne gestellt.

Blomberg hatte am 12. Januar 1938 die die 35 Jahre jüngere Margarethe Gruhn geheiratet. Kurz nach der Eheschließung tauchten Gerüchte auf, dass seine Frau als Prostituierte registriert war.

Hitler wurde davon am 24. Januar informiert. Als Blomberg sich weigerte,die Ehe zu annullieren, entließ ihn Hitler mit “Goldenem Handschlag”, d.h. er erhielt 50.000 Reichsmark bei seinem Abschied.

Hitler hatte die Möglichkeit bekommen, sich der wichtigsten Kritiker seiner Außenpolitik zu entledigen.

Er etablierte das Oberkommando der Wehrmacht. Es war Hitler unterstellt. Damit hatte er den Oberbefehl über die Wehrmacht übernommen.

Die Blomberg-Fritsch-Krise brachte ihn erstmals in  Kontakt mit oppositionell eingestellten militärischen und zivilen Kreisen.

Zentralfigur des militärischen Widerstands war der spätere  Generalfeldmarschalls Erwin von Witzleben (1881-8. August 1944, hingerichtet) (Zu Witzleben s.u.)

Gemeinsam mit Wolf von Baudissin (1907-1993) (einer der geistigen Väter der Inneren Führung-“Staatsbürger in Uniform”) suchte er das Gespräch mit von Witzleben.

Dieser überzeugte von Tresckow, in der Armee zu bleiben.

Nach den Novemberpogromen von 1938 stellte er sich auf die Seite der Regimegegner.

Er legte auch früher mit den Nationalsozialisten geteilte Positionen ab.

Im Januar 1939 wurde Tresckow nach Elbing zur 21. Infanterie-Division versetzt und wurde dort Kompaniechef.

Am 1. März 1939 wurde er zum Major befördert.

Kurz vor Kriegsausbruch wurde er Erster Generalstabsoffizier (Ia) in der 228. Infanteriedivision. Mit dieser nahm er am Überfall auf Polen teil

Für seine erfolgreiche Operationsführung wurde er ausgezeichnet.

Die NS-Verbrechen in Polen  nahm er sehr wohl wahr und bestärkte ihn in seiner Regimekritik.

Generalleutnants Erich von Manstein (1887-1973) sorgte dafür, dass er in die Führungsgruppe der Heeresgruppe A unter Gerd von Rundstedt (1875-1953) versetzt wurde.

Hier bekam er unmittelbaren Einblick in die Auseinandersetzungen der Heeresführung und Hitler um den Westfeldzug.

Nun begann sich auch die militärische Opposition für ihn zu interessieren.

Er hatte erste Kontakte mit Hans Oster (s.o)

1942 konnte er seinen Cousin Alexander Stahlberg (1912-1995) bei von Manstein platzieren. Er wurde Mansteins Ordonanzoffizier.

Tresckow wollte eine Vertrauensperson bei von Manstein haben, damit dieser im Falle des geplanten Hitler-Sturzes auf Seite der Widerständler stehen würde.

Die Erfolge beim Westfeldzug beeindruckten Tresckow noch.

Das änderte sich spürbar, als er im Juni 1945 an die Ostfront versetzt wurde.

Er sprach Hitler, dem “größten Feldherrn aller Zeiten”, zu dem dieser bis 1943 von der Propaganda hochstilisiert wurde, jegliche militärische Fähigkeit ab,

erkannte dagegen “militärischen Wahnsinn“ und einer „Amateurstrategie“ (Winfried Heinemann: Der militärische Widerstand und der Krieg. In: Jörg Echternkamp (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg,

Bd 9, Halbband 1, S. 763)

Ab Herbst entwickelte er sich zu einem der maßgeblichen Akteure im militärischen Widerstand.

Er schickte seinen Cousin Fabian von Schlabrendorff (1907-1980), nach Berlin, um echte Kontakte zum zivilen Widerstand zu knüpfen.          

Am 1. April 1942 wurde er zum Oberst im Generalstab   ernannt.

Die Rückschläge in der Schlacht um Moskau vom Oktober 1941 bis 7. Januar 1942, der ersten Niederlage, die die Wehrmacht seit Kriegsbeginn  hinnehmen musste,

brachten ihn dazu, sich aktiv mit Attentatsplänen auf Hitler zu befassen.

Schon 1942 versuchte er Generäle, für seine Putschpläne zu gewinnen. Aber sowohl von Kluge (1882-1944, Suicid), von Manstein und Heinz Guderian (1888-1954)

Am 23. Januar 1943 traf er sich mit Goerdeler und Friedrich Olbricht (1888-20. Juli 1944)  in Berlin, um den Umsturz zu koordinieren.

Außerdem wollte er Generalfeldmarschall von Kluge (1882-1944) mit Unterstützung von Goerdeler dazu bewegen, dass die Feldmarschälle Hitler  bedrängen sollten.

Er beauftragte Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff (1905-1980)einen geeigneten Sprengstoff für ein Attentat auf Hitler zu besorgen.

Dieser entschied sich nach Tauglichkeitsprüfungen am Dnjepr für eine britische Haftmine.

Zusammen mit von Schlabrendorf schmuggelte von Tresckow am 13. März 1943 eine als zwei Flaschen Cointreau getarnte Box in Hitlers Flugzeug nach Rastenburg, das war der Flugplatz für die Wolfsschanze, Hitlers Hauptquartier.

Das Päckchen wurde im Frachtraum des Flugzeugs transportiert, wo es wohl vereiste. Der Zünder versagte.

Die nächste Gelegenheit zu einem Attentat bot sich aber schon 10 Tage später.

Am 21. März 1943 fand der erste öffentliche Auftritt Hitlers  nach der Kapitulation der 6. Armee  in Stalingrad statt. Hitler sollte im Berliner Zeughaus eine Ausstellung russischer Beutewaffen besichtigen.

von Gersdorff  hatte sich bereit erklärt, sich mit Hitler in die Luft zu sprengen. Aber Hitler hetzte durch die Ausstellung und verließ sie bereits nach zwei Minuten wieder.

Von Gersdorf konnte gerade noch die Bombe auf der Toilette entschärfen.

Vom 25.Juli-9. Oktober 1943 war er in die Führerreserve nach Berlin versetzt.

Als Sekretärin forderte er Margarethe von Oven an. Er vertraute ihr voll, da sie die beste Freundin seiner Ehefrau war.

Sie tippte Anordnungen und Verfügungen, die als „Operation Walküre“ den späteren Staatsstreich vorbereiteten.Die Operation Walküre waren ursprünglich

Planungen der Wehrmacht zur Unterdrückung eines möglichen Aufstandes gegen das nationalsozialistische Regime. Er wurde von den Widerstandskämpfern um Claus Schenk Graf von Stauffenberg und von Tresckow für ihren Umsturzplan umfunktioniert.

Sie passten den Plan der Wehrmacht unauffällig an die Bedürfnisse, die nach einem Attentat auf Hitler notwendig geworden wären, an.

Generalfeldmarschall von Witzleben sollte nach gelungenem Attentat auf Hitler neuer Oberbefehlshaber der Wehrmacht werden.

Von Treschkow und Stauffenberg hatten sich 1943 kennengelernt, als dieser 1943 nach Berlin versetzt worden war.Er war mittlerweile auch Regimegegner geworden und suchte nun bewusst Kontakte im militärischen Widerstand.

Es ging jetzt nur noch darum , einen entschlossenen Attentäter zu finden.

Von Tresckow hatte keinen unmittelbaren Zugang zu Hitler.

Im Oktober 1943 wurde von Tresckow wieder an die Ostfront versetzt.

Dadurch wurde er von den Vorgängen in Berlin isoliert.

Von Stauffenberg wurde nun die zentrale Figur der Verschwörer.

Anfang 1944 konnte von Tresckow mit Rittmeister Eberhard von Breitenbuch (1910-1980)einen Hitlerattentäter rekrutieren.

Am 11. März 1944 war er bei einer Lagebesprechung am Obersalzberg bei Berchtesgaden dabei. Erstmals aber ließen Wachoffiziere der SS Ordonanzoffiziere entgegen der bisherigen Praxi ohne Begründung

nicht zur Besprechung zu. Von Breitenbuch saß über anderthalb Stunden mit geladener Browning im Vorzimmer im Irrglauben, man habe von den Plänen der Verschwörer erfahren.

Das geplante Attentat konnte natürlich nicht stattfinden.

Am 20. Juli 1944  unternahm von Stauffenberg dann das Attentat auf Hitler.

Er erfuhr am Nachmittag des 20. Juli wohl von Stauffenberg, dass das Attentat gescheitert sei.

Am 21.Juli fuhr er  an die Front nahe Ostrów Mazowiecki (Bezirk Bialystok)und erschoss sich, einen Partisanenüberfall vortäuschend.

Er wollte nicht bei der zu erwartenden Folter Namen weiterer Beteiligte preisgeben müssen.

Am 24. Juli meldete der  Wehrmachtbericht, dass der Generalmajor „in vorderster Linie den Heldentod“ gefunden habe. Sein Leichnam wurde n ach Wartenberg überführt und dort ohne militärische Ehren bestattet.

Gerüchte über einen Suicid verdichteten sich.

Als die Gestapo die Beteiligung von Tresckows aufgedeckt hatte, wurde er durch den „Ehrenhof“ des Deutschen Heeres aus der Wehrmacht ausgestoßen.

Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben wurde am 4. Dezember 1881 in Breslau geboren.

Im Ersten Weltkrieg war er 1914 Hauptmann und Kompaniechef im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 6 .

Er kämpfte bei bei Verdun, in der Champagne und in Flandern. Er wurde schwer verwundet.

Den Krieg beendete er als Erster Generalstabsoffizier der 121. Infanterie-Division.

Nach dem Krieg wurde er als Kompaniechef übernommen in die Reichswehr übernommen.

1934 wurde er zum Generalmajor ernannt und als Kommandeur zur 3. Division in Potsdam versetzt.

Schon 1934 bekannte er Farbe.

Nach der Ermordung der Generale Kurt von Schleicher (1882-1934)und Ferdinand von Bredow(1884-01.07.1934)  wurde er beim Chef der Heeresleitung vorstellig und protestierte  gegen die Ermordung der beiden Generale  und eine forderte gerichtliche Untersuchung.

Sein militärischer Aufstieg ging aber weiter.

Er wurde als Nachfolger von General Werner von Fritsch (1880-1939) Befehlshaber des Wehrkreises III in Berlin.

1936 wurde er zum General der Infanterie befördert.

Ab 1937 versuchte er Hitler zu stürzen.

Während der Sudetenkrise wurde die Septemberverschwörung (siehe unter Oster)geplant.

Beteiligt waren neben Hans Oster, Paul von Hase (1885-8. August 1944, hingerichtet), Erich Hoepner (1886-8. August 1944, hingerichtet) und Franz Halder (1884-1972)

Hitlers Erfolg beim Münchner Abkommen entzog dem geplanten Staatsstreich aber den Boden.

Im September 1939 übernahm der wenig später zum Generaloberst beförderte Witzleben den Oberbefehl über die im Westen stationierte 1. Armee.

Beim Angriff auf Frankreich am 10. Mai 1940 überwand  die Heeresgruppe C , bei der er kämpfte, die Maginotlinie.

Am 17. Juni mussten mehrere französische Divisionen kapitulieren.

Von Witzleben wurde mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

Am 19. Juli wurde er zusammen mit 11 weiteren Generälen zum Generalfeldmarschall befördert.

Mitte März 1942 wurde er angeblich aus gesundheitlichen Gründen in die Führerreserve versetzt.

Franz Halder hatte sich mittlerweile von der militärischen Opposition distanziert.

Auf dessen Betreiben war von Witzleben in die Führerreserve versetzt worden.

Er wurde durch von Rundstedt ersetzt.

Die Verschwörer um von Stauffenberg hatten ihm beim geplanten Staatstreich eine Schlüsselrolle zugedacht.

Er sollte nach Hitlers Tod den Oberbefehl  über die gesamte Wehrmacht übernehmen.

Am 20. Juli 1944 hielt er sich zunächst im Oberkommando des Heeres in der Bendlerstraße in Berlin auf.Nach dem missglückten Attentat wurde er am nächsten Tag

auf dem Gut seines Adjutanten Wilhelm Graf zu Lynar (1899- 29. September 1944, hingerichtet) verhaftet .

Er wurde am 02.08 1944 von dem an diesem Tag eingerichteten “Ehrenhof” unter Vorsitz von Rundstedt unehrenhaft aus der Wehrmacht ausgestoßen.

Dieser hatte die Aufgabe, Mitglieder der Wehrmacht, die am Attentat vom 20. Juli 1944 mitgewirkt hatten, aus der Wehrmacht auszustoßen.

Damit war nicht mehr ein militärisches Gericht für sie zuständig.

Sie konnten von der politischen Justiz des Volksgerichtshof verurteilt werden.

Die Verhandlung fand am 07./08. gegen ihn und 7 weitere Beteiligte, unter ihnen Erich Hoepner (1886- 08.08.1944, hingerichtet) statt.

Die Verhandlung wurde von Roland Freisler geleitet.

Alle 8 Beklagten wurden am 8. August zum Tod verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet, auf ausdrücklichen Befehl Hitlers durch Erhängen

und nicht wie sonst bei Militärangehörigen durch Erschießen.

 

Carl-Heinrich von Stülpnagel wurde am 2. Januar 1886 in Berlin geboren. Er entstammte einem alten uckermärkischem Adelsgeschlecht.

Am Ende des Ersten Weltkrieges war Stülpnagel Erster Generalstabsoffizier der 18. Infanterie-Division an der Westfront.

In der Reichswehr brachte er es bis zum Oberst i. G. 1932.

Bis 1933 arbeitete er zusammen mit mit Generalmajor Ludwig Beck (s.o.) eine Dienstvorschrift für die „Truppenführung“ aus.

Seine privaten Interessen lagen an Gärten um 1730. Dazu verfasste er verschieden Schriften.

Ab 1. Dezember 1932 übernahm er die Leitung der Abteilung Fremde Heere, die unter diesem Namen bis 1938 arbeitete.

Zwischen 1934 und 1935 wurden die Aufsplittung der der Aufgaben zur Feindlageanalyse zwischen der Reichswehr und der Luftwaffe vorgenommen.

Das geschah in seiner Amtszeit.

Zwei politische Ereignisse des Jahres 1934 verstärkten seine kritische Distanz zum Nationalsozialismus.

Am 25. März 1934 wurde der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1892-1934) von österreichischen Nationalsozialisten erschossen.

Die Absprachen zur Vorbereitung des Putsches und damit in die tatsächliche Vorgehensweise der Machthaber in Berlin gegen die Dollfuß-Regierung in Wien hatte er in Berlin  miterlebt.

Kurz danach  am 30. 1934  wurden im sogenannten Röhmputsch, einer „Säuberungsmaßnahme“  im Deutschen Reich rund 100 Personen von SS, SD und Gestapo ermordet, im Wesentlichen die Führungsriege der SA, aber auch andere, bei Hitler in Ungnade gefallene Parteigänger, politische Gegner, Juden und vollkommen Unbeteiligte. So wurden die beiden Reichswehrgenerale Kurt von Schleicher (1882-1934, Reichskanzler 1932-1933) und Ferdinand von Bredow (1884-1934) ermordet.

Auch Gustav Ritter von Kahr (1862–1934, Generalstaatskommissar 1923–1924), den Hitler für den gescheiterten Putsch 1923 verantwortlich machte, fiel dem Mordkomplott zum Opfer.

Hitlers innerparteilicher Rivale Gregor Strasser (1892- 30.06.1934 in Berlin) wurde ebenfalls ermordet.

Zu den politischen Gegnern ist Erich Klausener (1885-30ö. Juni 1934 in Berlin)zu rechnen. Er war Leiter der Katholischen Aktion in Berlin, eine Laienbewegung der katholischen Kirche.

Auf dem märkischen Katholikentages am 24. Juni 1934 im Hoppegarten hielt er eine leidenschaftliche Rede vor 60.000 Zuschauer.

Er forderte für die Katholiken das Recht , ihr innerkirchliches Leben ungestört führen zu können.

Diese Rede war in den Augen vieler Beobachter ausschlaggebend für seine spätere Ermordung.

Diese beiden Ereignisse zeigten von Stülpnagel die Skrupellosigkeit des NS-Systems, Personen, die andere Auffassungen zur Erreichung eines politischen Zieles haben, durch Mord aus dem Wege zu räumen. Dies  prägte seine Motivation nachhaltig.

Er war in die Septemberverschwörung von 1938 eingeweiht.

Er gehörte auch im Winter 1939/40 zu den entschiedenen Gegnern Hitlers im Generalstab des Heeres.

Während der zweiten Phase des Westfeldzugs führte er zeitweilig das II. Armeekorps. Anschließend wurde er Vorsitzender der deutsch-französischen Waffenstillstandskommission bis zum Dezember 1940.

Im Russlandfeldzug führte die 17. Armee als Kommandierender General. So wurde er mit den Morden an Juden in der Ukraine konfrontiert.

Da er die Besatzungs-und Eroberungspolitik ablehnte, reichte er am 4. Oktober 1941 seinen Rücktritt als Oberbefehlsheber der 17. Armee ein, offiziell als Krankmeldung

Im Februar 1942 wurde er  als Nachfolger seines entfernten Verwandten Otto von Stülpnagel(1878-1946) zum Militärbefehlshaber in Frankreich mit Sitz in Paris ernannt, was er bis Juli 1944 blieb.

Im Verwaltungsstab von Stülpnagel gab es eine Reihe von Verschwörern. Casar von Hofacker (1896-20.12.1944 in Plötzensee hingerichtet) war wohl der eigentliche Anführer der Widerstandsbewegung im Westen.

Elmar Michel (1897-1977) war Leiter der zivilen Gesamtverwaltung beim deutschen Militärbefehlshaber Frankreich. Er wurde im Juni 1944 von Hofacker in die Verschwörungspläne eingeweiht und erklärte sich bereit, mitzumachen.

Walter Bargatzky (1910-1998) war kein engeres Mitglied des Widerstandes.

Aber er kämpfte er mit Rechtsgutachten gegen die völkerrechtswidrige Verbringung von Kunst- und Kulturgütern aus Frankreich nach Deutschland, wenn auch ohne Erfolg. Sein widerständiges Handeln ließ ihn fast zwangsläufig in Kontakt treten mit dem Kreis der sich ab 1943/1944 in Paris bildenden militärischen Opposition.

Am 20. Juli 1944 ließ von Stülpnagel in Paris die wichtigsten Funktionäre und Führer der SS, des SD und der Gestapo festnehmen. Insgesamt wurden 1.200 Angehörige des NS-Regimes verhaftet.

Als die Nachricht vom Scheitern des Attentats Paris erreichte, enthob ihn Generalfeldmarschall von Kluge seines Posten.

Er erhielt den Befehl, sich beim Oberkommando der Wehrmacht in Wünsdorf bei Berlin zu melden. Unterwegs bei Verdun ließ er

seinen Fahrer anhalten. Er stieg aus dem Wagen, schoss sich in den Kopf und stürzte in die Maas. Er wurde aber aus dem Wasser gezogen, schwer verletzt und erblindet in ein Lazarett gebracht.

Dort verhaftetet ihn die Gestapo.

Er wurde am 30. August 1944 vom Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler zum Tod durch den Strang verurteilt und noch am selben Tag in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde am 15. November 1907 auf Schloss Jettingen im Landkreis Günzburg geboren.

Sein Vater Alfred Schenk Graf von Stauffenberg war Oberhofmarschall bei König Wilhelm II. (1891-1918) von Württemberg.

Von 1913-1916 wurde er an einer Privatschule für Elementarunterricht unterrichtet.

Danach besuchte er das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart.

Am 5. März 1926 legte er das Abitur ab.

Obwohl er reges Interesse für Architektur hatte, entschied er sich für den Militärdienst.

Am 1. April 1926 trat er als Fahnenjunker in das 17. Bayerische Reiter-Regiment in Bamberg ein.

Die Offiziersprüfung bestand er als 6. bester seines Jahrgangs.

Am 1. Januar 1930 wurde er zum Leutnant ernannt und erhielt sein Offizierspatent.

Er stand der Konservativen Revolution nahe. Das ist ein Sammelbegriff für politische Strömungen, die sich in der Weimarer Republik entwickelten.

Diese Strömung hatte entschieden antiliberale, antidemokratische, antiegalitäre und ultranationalistische Züge und wird werden von Historikern

der vergleichenden Faschismusforschung vollständig oder zumindest teilweise einem eigenständigen, vom Nationalsozialismus abzugrenzenden  „deutschen Faschismus“ zugeordnet.

Anfangs der 30-iger Jahre sympathisierte er wie viele gleichgesinnte Offiziere mit Adolf Hitler.

Er sah ihn als Mann von Potential und traute ihm zu, das Volk hinter sich zu einen.

Vor der Reichspräsidentenwahl 1932 sprach er sich für Hitler und gegen den Amtsinhaber Paul von Hindenburg aus.

Dem Gedanken des Führertums, der Volksgemeinschaft, dem Grundsatz Gemeinnutz geht vor Eigennutz und dem Kampf gegen die Korruption, aber auch  dem Rassengedanke und dem Wille zu einer neuen deutschbestimmten

Rechtsordnung  konnte er durchaus etwas abgewinnen.

Wie die meisten Offiziere aus Stauffenbergs Generation, darunter auch viele  aus dem späteren Widerstand, Stand der den Zukunftsversprechen der nationalsozialistischen Bewegung und ihrem Führer aufgeschlossen gegenüber.Aber er behielt aufgrund seines elitären Selbstverständnisses auch eine bis in die NS-Zeit hinein wirksame Distanz gegenüber der NSDAP und ihren Parteiorganisationen wie etwa der SA aufrecht.

Am 1. Mai 1933 wurde er zum Oberleutnant befördert.

Am 26 November 1933 heiratete er seine Verlobte  Nina Freiin von Lerchenfeld (27. August 1913 – 2.4. 2006) Aus der ehe gingen 5 Kinder hervor.

Von 1934 bis 1936 war von Stauffenberg als Bereiter-Offizier an der Kavallerieschule Hannover. Ein Bereiter ist für Ausbildung und Training von Pferden zuständig, auch für Pflege und Überwachung des Gesundheitszustandes der Pferde.

Ab 1. Oktober 1936 nahm er an der Generalstabsausbildung an die Kriegsakademie in Berlin-Moabit teil.

Dort lernte er  Albrecht Mertz von Quirnheim (25. März.1905- 20.Juli1944) und Eberhard Finckh (7. November 1899-30. August 1944, hingerichtet in Berlin-Plötzensee) kennen.

Albrecht Mertz zählte zum engsten Kreis um von Stauffenberg und wurde in der Nacht des 20. Juli zusammen mit von Stauffenberg standrechtlich erschossen.

Eberhard Finckh war am 20. Juli 1944 in Paris und leitete die dort die Festnahme des SD ein. Nach dem Scheitern des Anschlags wurde er nach Berlin gebracht.

Er wurde unehrenhaft aus der Wehrmacht ausgestoßen, am 29. August 1944 vom Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler zum Tode verurteilt und am 30. August in Plötzensee hingerichtet.

Von Stauffenberg wurde am 1. Januar 1937 zum Rittmeister befördert.

Am 1. Juli 1938 wurde er Zweiter Generalstabsoffizier bei der 1.Leichten Division in Wuppertal.

Sein Vorgesetzter war Generalleutnant Erich Hoepner (14. September 1886- 8. August 1944  in Plötzensee auf ausdrücklichen Befehl Hitlers erhängt)

Die Division beteiligte sich im Oktober 1938 am Einmarsch ins Sudetenland nach dem Münchner Abkommen.

Im August 1939 wurde die Division nach Schlesien verlegt.

Am 1. September 1939 überfiel Deutschland Polen und löste damit den Zweiten Weltkrieg aus.

Der Vormarsch verlief unerwartet schnell.  Er bereitete der Wehrmacht und auch von Stauffenberg als verantwortlicher Quartiermeister logistische Schwierigkeiten.

Am 12. September war bereits Radom erreicht, wo die erste Kesselschlacht des 2. Weltkrieges erfolgreich geschlagen wurde.

Stauffenberg schrieb in einem Brief an seine Frau: “„Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun. In Deutschland sind sie sicher gut zu brauchen, arbeitsam, willig und genügsam.“ (Harald Steffahn: Stauffenberg, Hamburg 2002, S. 71). Die Historiker Heinrich August Winkler und Saul Friedländer sehen dieses Zitat als Beleg an, dass von Stauffenberg zu diesem Zeitpunkt mit der nationalsozialistischen Rassenideologie über einstimmte.

Während des Polenfeldzugs ließ  er einen deutschen Offizier vor ein Militärgericht stellen weil dieser  zwei polnische Frauen hatte erschießen lassen hatte.

Der verbrecherische Charakter der NS-und Kriegsführung wurde ihm wohl erst in den Jahren 1941/42 zunehmend klarer und brachte ihn zum Umdenken und schließlich zur gezielten Kontaktsuche nach Hitlergegnern.

Nach dem Ende der Kampfhandlungen in Polen wurde die 1. Leichte Division an den Standort Wuppertal zurückgeführt.

Sie wurde zur zur 6. Panzer-Division unter dem Befehl von Generalmajor Werner Kempf (1886-1964) umgegliedert .

Die Division wurde in den Bereitstellungsraum an die Westfront verlegt.

Der Westfeldzug wurde vom Oberbefehlshaber des Heeres Walther von Brauchitsch (1881-1948) und Generalstabschef Franz Halder (1884-1972) für nicht vertretbar gehalten.

Sie näherten sich kurzzeitig der militärischen Opposition an und erklärten sich um die Jahreswende 1939/1940 bereit, Hitler zu verhaften, sobald er den Angriffsbefehl geben würde.

General von Manstein hatte den “Sichelschnittplan” entwickelt , der für den Westfeldzug kriegsentscheidend war.

Noch vor Abschluss der Westoffensive wurde Stauffenberg von seiner Panzer-Division abgezogen und am 27. Mai 1940 zum Oberkommando des Heeres (OKH) versetzt.

Dort übernahm er die Leitung der Gruppe II der Organisationsabteilung .

Er erhielt hier Einsichten, die einem normalen Generalstabsoffizier nicht möglich waren.

Am 18. Dezember 1940 erteilte Hitler mit der Weisung 21  dem OKW einen Führererlass . Darin wurde die Vorbereitung die Vorbereitung eines schnellen Feldzuges zur Niederwerfung der Sowjetunion befohlen.

“Die deutsche Wehrmacht muss vorbereitet sein, auch Vorbereitung des Krieges gegen England Sowjetrussland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen (Fall Barbarossa)” (Bundesarchiv “Weisung Nr 21 – Fall Barbarossa“ Seite 1)

Das OKH kehrte in sein Hauptquartier nach Wünstorf zurück.

Stauffenbergs Referat arbeitete an der organisatorischen Vorbereitung des Unternehmens Barbarossa mit.

Im April 1941 wurde er zum Major i. G. befördert.

Nach über zwei Jahren im Stabsdienst bat er um eine Frontverwendung.

Im März 1943 wurde er zur 10. Panzerdivision. Sie unterstand der 5. Panzerarmee und hatte in dieser den Rückzug von Erwin Rommels Panzergruppe Afrika gegen die Alliierten abzudecken.

Sein Kommandeur war Generalmajor Friedrich von Broich (1896-1974, von 12. Mai 1943 bis 7.Oktober 1947 in britischer Kriegsgefangenschaft).

Zu diesem hatte er ein Vertrauensverhältnis.

Am 7. April 1943 geriet Stauffenbergs Kübelwagen unter Beschuss britischer Jagdflieger.

Er wurde schwer verwundet. In einem Feldlazarett bei Sfax musste ihm seine zerschossene rechte Hand sowie Ring- und Kleinfinger der linken Hand amputiert werden.

Er verlor auch sein linkes Auge, weil ein Geschoss  bis in den Schädelknochen gelangt war.

Über das Kriegslazarett Tunis-Carthago gelangte er am 21. April 1943 in in das Reservelazarett München 1. Dort wurde er in der chirurgischen Abteilung von Max Lebsche (1886-1957) behandelt.

Lebsche war ein Gegner des Nationalsozialismus. So organisierte er ein Treffen mit Pfarrer Muhler (1892-1963)(ab 1953 Stadtpfarrer in München) und dem  Jesuitenprovinzial P. Augustin Rösch S.J. (1893-1961).

Bei diesem Treffen informierte Pfarrer Muhler P. Rösch über die drohende Beschlagnahme von 24 Klöstern in Elsass und Lothringen. P. Rösch gehölrte zusammen mit den Patres Delp und König zum

“Münchner Zweig “ des Kreisauer Kreises.

In München wurde von Stauffenberg durch seinen  Onkel, dem Bruder von Stauffenbergs Mutter, Nikolaus Graf von Üxküll-Gyllenband betreut.

Am 1. Mai 1933 trat dieser in die NSDAP ein.

Allerdings widersprach die Art und Weise, in der die Nazis ihre Politik umsetzten, seinem Verständnis von Anstand, Ehre und Tradition.

Seine Bedenken und Skrupel vermittelte er seinen Neffen Claus und versuchte sie schon 1939 für den Widerstand zu gewinnen.

1943 wurde Nikolaus in die Umsturzpläne eingeweiht.

Vom Attentat erfuhr er in Lautlingen. 2 Tage später wurde er von der Gestspo verhaftet und nach Berlin gebracht.

Am 13. September 1944 wurde er unter Roland Freisler zum Tode verurteilt und am 14. September erhängt.

Nach seinem Lazarettaufenthalt kehrte von Stauffenberg am 3. Juli 1943 nach Lautlingen zurück.

Im Herbst 1943 ließ er sich nach Berlin versetzen und suchte dort bewusst Kontakt zu Hitlergegnern um General Friedrich Olbricht (1888-20. Juli 1944,standrechtlich erschossen) an.

Er kam schon 1938 Hans Osten (s.o.) in Kontakt mit den Widerstandskreisen um Generaloberst Ludwig Beck.

Ab 15. Februar 1940 war er Leiter Allgemeinen Heeresamtes im Oberkommando des Heeres.

Ab 1943 wurde er zusätzlich Leiter des Wehrersatzamtes beim Oberkommando der Wehrmacht.

Er beteiligte sich an den Planungen zum Attentat auf Hitler.

1943 forderte er Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim (1905-20.  Juli 1944, standrechtlich erschossen) als Mitarbeiter an.

Er wurde nach dem gescheiterten Attentat ebenfalls standrechtlich erschossen.

Die Hinwendung von Stauffenbergs zum militärischen Widerstand geschah auch aus der Erkenntnis, dass nur die Wehrmacht, auch weil sie von der Gestapo und dem SD kam infiltriert war,

über die notwendigen Machtmittel zu einem Umsturz verfügte.

Ein Großteil der Verschwörer stammte aus den konservativen Kreisen von Bürgertum, Adel und Militär und lehnte eine parlamentarische Demokratie als Staatsform ab.

Von Stauffenberg  strebte aber wohl eine breite Basis an. So forderte er die Aufnahme von Sozialdemokraten wie Julius Leber  (1891-5. Januar 1945, in Plötzensee hingerichtet) in die neu zu bildende Regierung. Diesen hatte er

über  seinen Cousin Graf Yorck von Wartenburg kennengelernt. Leber hatte Kontakt zu Carl Friedrich Goerdeler und zum Kreisauer Kreis. Zu ihm hatte von Stauffenberg ein besonderes Vertrauensverhältnis.

In den Putschplänen war er als Innenminister vorgesehen.

Auch ein Bündnis mit den Kommunisten strebte er an, um eine möglichst breite Unterstützung für den Umsturz und eine danach zu erschaffende Neuordnung des Staates zu erlangen.

Am 22. Juni 1944 traf er sich mit den Sozialdemokraten Julius Leber und Adolf Reichwein und den Kommunisten Anton Saefkow (1903- 18. September 1944, hingerichtet) und Franz Jacob(1906-18. September 1944, hingerichtet) .

Da bei diesem Treffen auch der Gestapo-Spitzel Ernst Rambow anwesend war, wurde Leber Anfang Juli 1944 von der Gestapo verhaftet.

Von Stauffenberg hatte, als er in Berlin zurück war, mit Olbricht, Albrecht Mertz von Quirnheim und Henning von Tresckow die Pläne  für das Unternehmen Walküre ausgearbeitet.

Offiziell diente dieser Plan der Niederwerfung möglicher Unruhen im Inneren, etwa bei einem Aufstand der zahlreichen Zwangsarbeiter.

Von Stauffenberg und von Tresckow ergänzten diesen Plan und hatten somit einen getarnten Umsturzplan für einen Staatsstreich.

Die geplante Ermordung Hitlers sollte “frontfremden Parteifunktionären” angelastet werden.

Man hatte damit einen Grund, für die Verhaftung der Angehörigen von NSDAP, SS, SD und Gestapo.

Die Befehlshaber der Wehrkreiskommandos im gesamten Großdeutschen Reich sollten sofort nach der Auslösung von Walküre die nun notwendigen Befehle erhalten.

Die militärische Lage war spätestens seit der Invasion  so aussichtslos geworden, dass kaum jemand noch an den “Endsieg” glaubte.

Mitte Juni 1944 wurde von Stauffenberg Chef des Stabes des Befehlshabers des Ersatzheeres. Am 1. Juli 1944 wurde er zum Oberst i.G. befördert.

Eine Schwachstelle des Planes war, dass von Stauffenberg das Attentat ausführen musste aber außerdem von Berlin aus den geplanten Staatsstreich leiten musste.

Am 11. Juli 1944 und am 15. Juli  waren Lagebesprechungen anberaumt, am 11. Juli auf dem Berghof bei Berchtesgaden, am 15. Juli  im Führerhauptquartier Wolfsschanze.

Beide Gelegenheiten brach er vorzeitig ab, weil entweder Heinrich Himmler oder Hermann Göring nicht anwesend war.

Am 20. Juli sollte der Anschlag auf keinen Fall abgeblasen werden.

Am 20. Juli 1944 flog von Stauffenberg mit seinem Adjutanten, Oberleutnant Werner von Haeften (1908-20. Juli 1944) zur Wolfsschanze bei Rastenburg in Ostpreussen.

Die Besprechung war wegen eines geplanten Besuchs von Benito Mussolini unerwartet um eine halbe Stunde vorverlegt worden.

Außerdem fand sie nicht  wie üblich in einem Betonbunker, sondern in einer leichten Holzbaracke statt. Die Sprengladung konnte  so nicht die erhoffte Wirkung entfalten.

Stauffenberg stellte seine Aktentasche mit der Sprengladung neben einem massiven Tischblock etwa zwei Meter von Hitler entfernt ab.

Der Tischblock schwächte die Wirkung der Sprengladung weiter ab.

Von Stauffenberg verließ die Besprechung unter dem Vorwand, telefonieren zu müssen.

Von Haeften und Stauffenberg  konnten die Wolfsschanze rechtzeitig verlassen, in dem festen Glauben, Hitler sei tot.

Aber schon wenige Minuten nach dem Scheitern wurde in Berlin klar, dass Hitler überlebt hatte. Joseph Goebbels wurde in Berlin gegen 13:00 verständigt,

dass das Attentat gescheitert sei.

Walküre wurde erst gegen 16.30, also etwa 4 Stunden nach dem Attentat ausgelöst.

Da kamen schon Fernschreiben aus der Wolfsschanze an, dass Befehle aus dem Bendlerblock ungültig seien.

Die meisten Offiziere außerhalb des Bendlerblocks verhielten sich wegen dieser widersprüchlichen Lage abwartend. Die Fernschreiben der Verschwörer mit den Walküre-Befehlen wurden weitgehend nicht befolgt.

Gegen 22:30 wurde Stauffenberg und seine Mitverschwörer von regimetreuen Offizieren verhaftet.

Generaloberst Fromm (1888-12. März 1945, hingerichtet) gab unter Berufung auf ein Standgerichtsurteil den Befehl

Claus Schenk Graf von Stauffenberg gemeinsam mit Werner von Haeften, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Friedrich Olbricht zu erschießen.

Fromm kannte die Umsturzpläne und tolerierte sie, beteiligte sich aber nicht an ihnen.

Fromms eigenmächtige Entscheidung, die greifbaren Attentäter sofort standrechtlich hinrichten zu lassen, erzürnte Hitler.

Zum einen war das nach dem militärischen Ehrenkodex eine vergleichsweise wenig ehrenrührige Hinrichtungsart. Zum andern konnten sie von der Gestapo nicht verhört und gefoltert werden.

Somit konnten auch keine Informationen über weitere Informationen über Mitverschwörer gesammelt werden.

Nachdem allmählich ruchbar wurde, dass Fromm Kenntnis von den Umsturzplänen wusste, wurde er am 14. September 1944 aus dem Heer entlassen.

So konnte er vor den Volksgerichtshof gestellt werden.

Eine direkte Beteiligung konnte ihm nicht nachgewiesen werden.

Er wurde wegen Feigheit vor dem Feind zum Tode verurteilt und am  12. März 1945 im Zuchthauses Brandenburg-Görden erschossen.

Damit war das letzte von insgesamt 42 Attentaten auf Adolf Hitler gescheitert.

Die ersten Attentatsversuche sind schon in den 1920-er Jahren belegt.

Hitler hatte Angst vor Attentaten.

Schon in den 1920 –Jahren hatte er er private Leibwächter beschäftigt. Als er 1933 Reichskanzler wird, übernahm die Gestapo seinen Schutz.

Außerdem erhielt er „Leibstandarte SS Adolf Hitler“. Über 20 Soldaten bewachten ihn. Sie waren ausgewiesene Spezialisten im Personenschutz.

Auch gepanzerte Flugzeuge und Limousinen standen ihm zur Verfügung.

Die Führermaschine war eine Spezialanfertigung. Die viermotorige Focke Wulf 200 Condor hatte stärkere Motoren und besondere Sicherheitsvorkehrungen: Es gab zwei Maschinengewehr-Kanzeln oben und unten und einen Notausstieg. Im Ernstfall konnte

Hitler diesen mit einem Hebel neben seinem Sitz öffnen und dann mit einem Fallschirm abspringen. Später kam noch eine Panzerung seiner Kabine dazu, ebenso wie ein Schleudersitz.

Auch der Wagen des Führers war nicht irgendein Auto. Es war eines der schwersten und schnellsten Fahrzeuge, die Daimler-Benz liefern konnte. Mit Kruppstahl gepanzert. Seiten- und Windschutzscheiben bestehen aus dickem Panzerglas. Angeblich waren auch die Reifen gegen Beschuss geschützt. Dem Auto folgten immer mindestens zwei Wagen des SS-Begleitkommandos mit je sechs Mann Besatzung.

Dazu kam was Hitler selbst einmal in Bezug auf Anschläge gesagt haben soll: „Das einzige Gegenmittel ist ein unstetes Leben“

Er nahm stets andere Wege, sagte Reisen erst kurz zuvor zu oder im letzten Moment wieder ab und verließ Veranstaltungen früher als geplant.

Der SD überprüfte alle Örtlichkeiten, bevor Hitler auch nur einen Fuß dorthin setzt. Außerdem sorgte er dafür, dass Hitlers Aufenthaltsorte und Pläne möglichst lange geheim

blieben.

Um nicht Giftanschlägen zum Opfer zu fallen,ließ er sich von einem eigenen Koch verköstigen. Und er aß er nicht mehr einen Bissen, bevor sein Leibarzt die Speisen nicht vorgekostet hatte.

Das Regime nahm blutig Rache.

Über 700 Personen wurden inhaftiert, über 110 Personen wurden hingerichtet.

Für die Militärs ließ Hitler am 2. August 1944 den „Ehrenhof der Wehrmacht“ errichten.

Wehrmachtsangehörige konnten aus unehrenhaft aus der Wehrmacht ausgestoßen werden. Das Militärstrafrecht war nicht anwendbar und so konnten

Wehrmachtsangehörige vor den Volksgerichtshof gestellt werden.

Es kam zu mehr als 50 Prozessen mit mehr als 200 Angeklagten und mehr als 100 Todesurteilen.

Die Familien der Verschwörer verfielen der Sippenhaft. Die Kinder erhielten andere Familiennamen und wurden in Kinderheime verbracht.

Das funktionierte nur so gut, weil die Justiz reibungslos mitarbeitete.

Reichsjustizminister war Otto Thierack .

Volksgerichtshofspräsident war Roland Freisler (1893-3. Februar 1945 bei einem Bombenangriff in Berlin)

Seine Witwe Marion Russegger (1910–1997) erhielt bis zu ihrem Tod Rente und ab 1974 zusätzlich einen Berufsschadensausgleich, weil so die Begründung

im Falle Freisler unterstellt werden müsse, dass er, wenn er den Krieg überlebt hätte, als Rechtsanwalt oder Beamter des höheren Dienstes ein höheres Einkommen erzielt hätte(!).

Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof war Ernst Lautz (1887-1979).

Er wurde am 14. Dezember 1947 im Nürnberger Juristenprozess wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Am 31. Januar 1951 entschied der amerikanische Hohe Kommissar John Jay McCloy (1889-1995) dem Gnadengesuch von Lautz stattzugeben und setzte seine Strafe auf den verbüßten Teil herab.

 

 

 

24 März 2026