SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz
Autor: Franz-Karl | Kategorie: Berichte rund um die Pfalz
Die Städte Schpira (Speyer), Warmaisa (Worms)und Magenza (Mainz), wie sie auf hebräisch heißen, wurden 2021
zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt.
SchUM ist das Akronym, also das aus den (hebräischen Anfangsbuchstaben) der drei Städte zusammengesetzte Wort.
Die Welterbestätte umfasst den Speyerer Judenhof, den Wormser Synagogenkomplex und die Alten Jüdischen Friedhöfe in Worms und Mainz.
Die SchUM-Stätten von Speyer, Mainz und Worms sind Wiege der askenaischen-jüdischen Kultur im Mittelalter.
Ein Aschkenasi ist ein Jude, dessen Vorfahren in Mittel-, Ost- oder Nordeuropa lebten.Diese Juden entwickelten über Jahrhunderte eigene religiöse Bräuche, kulturelle Traditionen und eine eigene Sprache, das Jiddische. Der Begriff „Aschkenasi“ kennzeichnet somit eine spezifische jüdische Identität, die sich von anderen jüdischen Gruppen, wie den Sephardim, unterscheidet.
Am Ende des 10.Jahrhunderts waren in den drei Städten Jeschiwas (Talmudschulen) gegründet worden.
Bis dahin waren die jüdischen Zentren in Mesopotamien die geistliche Autorität der in der Zerstreuung lebenden Juden.
Nun entwickelte sich ein von der babylonischen Tradition unabhängiges Judentum: das aschkenasische Judentum, mit eigenen Rechtsauslegungen.
Der berühmteste Talmudschüler war Rabbi Schlomo ben Isaak, genannt Raschi, der von 1055 bis 1065 in Worms studierte. Raschi gilt bis heute als der bedeutendste Kommentator der Hebräischen Bibel und des Babylonischen Talmuds. Die SchUM-Gemeinden sind auch wegen ihrer
Rechtsbestimmungen (Takkanot) berühmt. Diese wurden beim Auftreten neuer Rechtsprobleme, für die es nach jüdischem Recht noch keine Verordnungen gab, erlassen. Nicht mehr zeitgemäße Rechtsbestimmungen wurden angepasst.
Während des ersten Kreuzzugs 1096 kam es zu blutigen Judenverfolgungen. Das Kreuzugsheer bestand in erster Linie aus einfachen Menschen, Bauern, aber auch tausende von Bettlern und verarmten Bauern.
Diese zogen plündernd und mordend an Rhein, Main und der Donau entlang. Tausende Juden wurden brutal ermordet, mussten unter Zwang zum Christentum konvertieren oder begingen Selbstmord, um der Zwangstaufe zu entgehen.Das bewirkte eine
Auswanderungswelle unter den verbleibenden Juden. Vom 13. bis ins 15. Jahrhundert verlagerte sich der Mittelpunkt des europäischen Judentums nach Polen und Litauen.
Bekannte askenasische Juden sind z. B. Albert Einstein, Sigmund Freud und Franz Kafka.
Im folgenden werde ich die Geschichte der drei Städte darstellen und dabei auch die jeweiligen SchUM-Stätten, einbetten.
1. Mainz

Mainz ist heute Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz. Es wurde schon in keltischer Zeit besiedelt. Dann kamen die Römer. Im Jahr 13/12 vor Christus ließ der römische Feldherr Drusus (38 a.C-9 a.C) ein Militärlager für 12.000 Soldaten
errichten. Daraus entstand eine Siedlung, die sich bald zur römischen Stadt „Mogontiacum“, benannt nach dem keltischen Gott Mogon, entwickelte.
Zeitweise lebten hier bis zu 50.000 Menschen.
Das römisch Mainz lag verkehrsgünstig an der Mündung des Main in den Rhein.
Von hier aus ließ sich die nahe gelegene Grenze des Imperium Romanums, der Limes, sehr gut verteidigen und von hier aus ließen sich Feldzüge gegen die Germanen organisieren.
Um 80 p.C. wurde die Stadt zur Hauptstadt der neu eingerichteten Provinz Germania Superior.
Es gibt noch zahlreiche Funde aus römischer Zeit, so der Isis-Tempel, dessen Fundamente erst zwischen 2000 und 2001 entdeckt wurden.
Die Nachbildung der Jupitersäule steht vor dem Mainzer Landtag. Sie ist wohl zwischen 65-67 p.C. entstanden, wie sich aus Inschriften erschließen lässt.
Beim Bau der Eisenbahn 1884 fand man die Fundamente des Bühnenhauses. Sie wurden vermessen und abgerissen, um die Gleise und Bahnsteige des Südbahnhofs anzulegen.
1914 wurden erneut Mauerreste gefunden, die nun mit dem lange gesuchten Theater in Verbindung gebracht wurden.
1916 bestätigten neue Ausgrabungen die Annahme. Wegen der Not des Ersten Weltkriegs konnte aber nicht weiter gegraben werden.
Seit 1999 laufen nun große Grabungen.
Es war das größte Theater nördlich der Alpen und bot Platz für etwa 10.000 Besucher. Die Breite des Zuschauerraumes betrug 116 m, die der Bühne 42 m.
Es gab wohl auch ein Amphitheater in Mainz, das bisher aber noch nicht lokalisiert werden konnte.
Im Landesmuseum sind in der sogenannten Steinhalle sind viele Steindenkmäler ausgestellt.
Im Museum für Antike Schifffahrt sind die Römerschiffe ausgestellt sind, die 1980/81 bei den Bauarbeiten für einen Hotelkomplex am Rheinufer gefunden wurden.
Auf dem Kästrich in der Mainzer Oberstadt wurden die Reste eines römischen Stadttores aus dem 3.Jahrhundert gefunden.
Nach dem Zusammenbruch des Limes 259/60 n. Chr. wurde nun eine Stadtmauer für die bis dahin unbefestigte Provinzhauptstadt gebaut. Das Stadttor ist ein Teil davon.
Die Herrschaft der Römer endete so ab 300.
Der Übergang war nicht abrupt. In Mainz lebte eine romanisierte Bevölkerung weiter.
Die fränkische Besiedlung konzentrierte sich vor allem auf Landgemeinden.
Ein wesentliches Element der Kontinuität zwischen Antike und Mittelalter am Rhein war das Christentum.
Nachdem dieses unter Konstantin Anfang des 4. Jahrhunderts im römischen Reich anerkannt war, bildete sich auch in Mainz eine christliche Gemeinde. Mainz wurde Sitz eines Bischofs.
Missionserzbischof Bonifatius (um 673-754)war von 746 bis zu seinem Märtyrertod im Jahre 754 Mainzer Bischof. Nach ihm wurde die Erzbischofswürde fest mit dem
Mainzer Stuhl verbunden.
Nachfolger von Bonifatius wurde Lullus (755-786)
975 wurde Willigis (975-1011) Erzbischof von Mainz. Er wurde Reichserzkanzler und seit Willigis war diese Würde meist mit mit dem Erzbistum Mainz verbunden.
Von Papst Benedikt VII. (974-983) erhielt er ein Privileg mit der Ernennung zum päpstlichen Vikar auf Lebenszeit. Das war verbunden mit der Praezedenz, das ist der Vorrang
vor den übrigen Erzbischöfen und Bischöfen des nordalpinen Reiches besitzen.
983 erhielt er von Otto II. (973-983) beim Reichstag von Verona die Veroneser Schenkung und damit Gebiete von Ingelheim bis nach Heimbach und nach Kaub sowie das Gebiet beiderseits der unteren Nahe und den Rheingau rechts des Rheins.
Das war der Grundstock für den späteren Kurstaat Kurmainz, dessen Landesherr der Mainzer Erzbischof war.
Bischof Willigis ist auch der Bauherr des Mainzer Doms. Er wurde 1009 vollendet und war damals der erste Kirchenbau dieser Größe nördlich der Alpen.
Willigis ließ außerdem die Stiftskirche St. Stephan erbauen, wo er begraben ist, da der Dom bei seinem Tod noch nicht weit genug hergestellt war.
In St. Stephan sind auch die Kirchenfenster von Marc Chagall (1887-1985,die er von 1978 bis zu seinem Tod gestaltete.
Es sind insgesamt 9 Fenster und Chagall wollte diese als Beitrag zur jüdisch-deutschen Aussöhnung verstanden wissen.
Sie sind heute natürlich eine weitere Mainzer Sehenswürdigkeit.
Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken (1111-1137)besaß genug Macht, um 1125 das Königswahlrecht zu reformieren.
Nicht mehr alle deutsche Fürsten sollten den deutschen König wählen sondern nur noch 10 (später 7) aus den vier Provinzen Franken, Sachsen, Schwaben und Bayern.
Einer davon war auch der Erzbischof von Mainz, der sich ab jetzt Kurfürst nennen durfte.
Unter Adalbert erhielten die Mainzer erstmals spezielle Bürgerrechte, insbesondere die Unabhängigkeit von auswärtigen Gerichtsbarkeiten und das Privileg, keine Abgaben an auswärtige Vögte bezahlen zu müssen.
Friederich Barbarossa (1152-1190) kassierte das aber, als Mainzer Bürger wegen einer Steuerstreitigkeit Erzbischof Arnold von Selenhofen (1153-1160) erschlugen.
1184 fand einer der großartigsten Hoftage des ganzen Mittelalters in Mainz statt. Anlass war die Schwertleite der Söhne Heinrich VI.(1191-1197) und Friedrich VI.(1167-1191) Herzog von Schwaben.
1212 krönte Siegfried II. von Eppstein (1200-1230) den Staufer Friedrich II. (1212-1250) im Mainzer Dom zum König.
1244 verlieh Erzbischof Siegfried III. von Eppstein (1230-1249) den Mainzer Bürgern ein umfassendes Freiheitsprivileg.
Alte Rechte wurden bestätigt. Ein 24 köpfiger Stadtrat, der durch die Bürgerschaft gewählt wurde, wurde eingerichtet.
Dieser erhielt Rechte über die Verwaltung des Spitals. Die Bürger mussten außerhalb der Stadt keinen Kriegsdienst mehr für den Erzbischof leisten.
Der Erzbischof versprach im Umkreis von 7 Kilometern jenseits der Stadtgrenzen keine befestigten Anlagen anzulegen.
Außerdem versprach er das Festhalten am Judenschutz.
Der Erzbischof blieb zwar formal Stadtoberhaupt. Aber Mainz war nun eine Freie Stadt (nicht Freie Reichstadt!), die sich auf kommunaler Ebene selbst verwalten konnte.
Freie Städte hatten sich von ihrem (erz-)bischöflichen Herrn befreit und waren auch dem Kaiser gegenüber nicht mehr zur Abgabe von Steuern und zur Leistung von Kriegsdiensten verpflichtet.
Reichsstädte unterstanden keinem Landesherren sondern unmittelbar der Zentralgewalt, also dem König oder Kaiser.
Zu den Freien Städten gehörte neben Mainz auch Basel, Straßburg, Augsburg, Regensburg, Köln, Worms und Speyer.
1254 schlossen Mainz und Worms ein Schutzbündnis, dem sich bald Oppenheim und Bingen anschloss. Dieses Bündnis weitete sich bald zum Rheinischen Städtebund aus,das schließlich
über 100 Städte umfasste.
Nach dem plötzlichen Tod Wilhelms von Holland(1248-1254 deutscher Gegenkönig, 1254-56 König) am 28. Januar 1256 begann rasch der Niedergang des Städtebundes.
Mit dem Erreichen der Stadtfreiheit hatte eine Glanzzeit von Mainz begonnen.
Die Mainzer Stiftsfehde von 1461/62 leitete das Ende der Stadtfreiheit ein.
Mainz wurde kurfürstliche Residenzstadt.
Um 1450 erfand Johannes Gutenberg (um 1400-vor 1468) den Buchdruck mit beweglichen Metallettern und die Druckerpresse.
Natürlich gibt es in Mainz ein Museum, das Gutenberg Museum, Reichklarastraße 1, 55116 Mainz und das Gutenbergdenkmal, vom dänische Bildhauer Berthel Thorvaldsen entworfen und 1837 eingeweiht. es steht am Gutenbergplatz 5.
1477 gründete Erzbischof Diether von Isenburg (1459-1461 und 1475-1482) die Mainzer Universität.
Die Reformation konnte sich in Mainz nicht durchsetzen.
Mitte des 16. Jahrhunderts erhielt Mainz anstelle der mittelalterlichen Stadtbefestigung eine moderne Stadtbefestigung.
Trotzdem wurde es im Dreißigjährigen Krieg im Dezember von den Schweden kampflos eingenommen.
1644 besetzten die Franzosen Mainz und zogen erst 1650 wieder ab.
Erzbischof Johann Philipp von Schönborn (1647 – 1673) hatte am Westfälischen Frieden mitgewirkt.
Mainz erhielt seine Besitzungen im Hessischen und Erfurt zurück.
Er ließ Mainz zu einer zusammenhängenden Festung ausbauen.
Von Friedrich von Spee (1591-1635) beeinflusst war er einer der ersten Reichsfürsten, der die Abhaltung von Hexenprozessen auf seinem Territorium verbieten ließ.
Er führte die Allgemeine Schulpflicht wieder ein .
Mit Dekret vom 12. November 1671 begrenzte er die Juden in Mainz zahlenmäßig.
Außerdem wies er sie in ein eigenes, abgeschlossenes Wohnviertel ein.
Die Mainzer Judengasse zählt zu den jüngsten Ghettos im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation.
Von 1695-1729 war Lothar Franz von Schönborn, der Neffe von Johann Philipp von Schönborn, Maiknzer Erzbischof.
Er konzentrierte sich auf den Wiederaufbau des Kurstaates, der im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688-1697 und im Spanischen Erbfolgekrieg 1701-1714 schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war.
Lothar Franz war der große Barockbaumeister von Mainz.
In seiner Zeit entstand der Jüngere Dalberger Hof 1718, Herrensitz der Freiherren von Dalberg, das Rochusspital (1721- 1729), mit dem Lothar Franz das Problem der Armen und Kranken in den Griff zu bekommen versuchte
Das Lustschloss Favorite am Mainzer Rheinufer wurde 1722 fertiggestellt, allerdings schon während der Belagerung von Mainz 1793 in den Koalitionskriegen vollständig zerstört.
1726 wurde der Neubrunnen errichtet, der den Bürgern des Bleichenviertels ein besseres Trinkwasser garantieren sollte.
Von 1743-1763 war Johann Friedrich Karl von Ostein Kurfürst.
Sein Großhofmeister war Friedrich von Stadion (1691-1768). Er war der Cousin von Johann Friedrich Karl von Ostein .
Friedrich von Stadion hatte bei den Regierungsgeschäften weitgehend freie Hand.
Er war Anhänger der französischen Aufklärung. Er war ein Freund von Voltaire, mit dem er korrespondierte.
Nun setzte im Kurfürstentum Mainz ein Reformprozess nach den Grundsätzen der Aufklärung ein.
1746 wurde die Porzellanmanufaktur Höchst gegründet.
In Mainz wurden ein Pfandhaus, Kaufhaus, Weinmarkt, Zuchthaus und eine Lotterie eingerichtet. Die Landstraßen und Schiffahrtswege wurden verbessert und eine Handelskommission gegründet. 1752 wurden Handelskammer und Handelsgericht eingeführt .
Eine Sammlung von Polizei und Handelssachen wurde veröffentlicht, die bis zum Ende des Kurstaates in Gültigkeit blieben.
Hofrat, Hofkammer und Hofgericht wurden im Geheimen Rat zusammengelegt und so Verwaltung, Finanzen und Justiz zentralisiert.
Er war ein Förderer des Malers Johann Heinrich Tischbein und des Dichters Christoph Martin Wieland, auf dessen Empfehlung er eine Professur in Erfurt erhielt. Von dort aus wurde er zum Prinzenerzieher in Weimar.
Herzogin Anna Amalia, Herzogin von Sachsen-Weimar und Eisenach holte ihn 1772 zur Erziehung ihrer Söhne Carl August und Friedrich Augustin nach Weimar.
Über ihn kam Goethe 1775 nach Weimar. 1776 zog Goethe Johann Gottfried Herder als Generalsuperintendenten nach Weimar. Dann folgte Schiller aus Jena.
1737 erwarb von Stadion in Mainz das Palais des Lothar Franz von Rollingen, der sich mit dem Bau ruiniert hatte. Es war das erste barocke Adelspalais in Mainz und verhalf im zum Namen Stadioner Hof.
Seine Adresse Große Bleiche 15. Er wurde im Krieg schwer beschädigt. Die französische Besatzungsmacht ließ ihn 1949 wieder aufbauen.
Zu Beginn der 1990-er Jahre wurde er renoviert und die barocken Fassaden mit ihrer ursprünglichen Farbgebung wieder hergestellt.
Der letzte Kurfürst von Mainz Friedrich Karl Joseph von Erthal (1774-1802) trat am 4. August 1792 dem preußisch-österreichischen Bündnis gegen die französischen Revolutionstruppen bei.
1792 fielen die französischen Revolutionstruppen in das Reich ein.
Die französische Revolutionsarmee unter General Adam-Philippe de Custine (1740-1793) begann am 18. Oktober 1792 mit der Einschließung und der Belagerung der Stadt.
Am 22. Oktober 1792 kapitulierte Mainz, Residenz- und Festungsstadt des ranghöchsten Kurfürsten des Reiches, kampflos. Der Erzbischof und das Domkapitel verließen die Stadt. Es brach bis zum Juli 1793 die Zeit der vom Mainzer Jakobinerklub.
Der Mainzer Jakobinerclub gilt als erste demokratische Bewegung Deutschlands und war eine prägende politische Kraft der kurzlebigen Mainzer Republik.
Am 14. April wurde Mainz von 32.000 deutschen, vor allem preußischen Soldaten eingeschlossen und beschossen, was schwere Schäden verursachte.
Ende 1793 verlor Mainz seinen Status als Residenz.
Der Friede von Campo Formio am 17. Oktober 1797 führte zur Aufgabe des linksrheinischen Gebietes.
Am 30. Dezember 1797 wurde Mainz die Hauptstadt des neuen Departements du Mont Tonnere (Donnersberg)
1789 fand die französische Revolution statt, die in Mainz bald Anhänger fand.
1799 war Napoleon der bestimmende Mann Europas geworden.
In Mainz forcierte er den Festungsausbau.
Mainz sollte zum Schaufenster des Empire werden.
Mit dem Code Civil wurde eine einheitliche Rechtsprechung eingeführt. Mainz war als Zweitresidenz Kaiser Napoleons vorgesehen und sollte dementsprechend umgestaltet werden.
Mit der Niederlage Napoleons endete auch die französische Ära von Mainz
1819 kam Mainz zum Großherzogtum Hessen. Dort war es Hauptstadt der Provinz Rheinhessen geworden.
Die Verlust der Residenzfunktion führte zu einer Provinzialisierung der Stadt.
Mainz blieb Bundesfestung des Deutschen Bundes, was die Ausdehnung der Stadt und die Einwohnerzahl stark beeinträchtigte.
Die Stadt wuchs von 22.000 Einwohnern um 1800 auf 64.000 Einwohner um 1890 an, was aber im Vergleich zu anderen Städten wenig war.
Erst die Stadtmauererweiterung und der Bedeutungsverlust der Festung-die Festung Metz diente nun als Bollwerk des Deutschen Reiches- löste einen Bauboom aus.
Nach Abriss der Stadtmauern begann ein kurzer Aufschwung, der aber vom Ersten Weltkrieg beendet wurde.
Im Waffenstillstand von Compiegne am 11.November 1918 musste Deutschland einwilligen, alle deutschen Truppen hinter der Front hinter den Rhein zurückzuziehen.
Stattdessen besetzten Truppen der Siegermächte Frankreich, Belgien, Großbritannien und USA die linksrheinischen Gebiete sowie drei rechtsrheinische „Brückenköpfe“ mit je 30 Kilometer Radius um Köln, Koblenz und Mainz.
Am besetzten Mainz gingen die “Goldenen Zwanziger”“ vorüber.
Der Nationalsozialismus konnte in Mainz aufgrund des starken Katholizismus in der Stadt und auch einer starken Arbeiterbewegung schwer Fuß fassen,
setzte sich aber bald wie überall im Reich durch.
Die 3000 jüdische Bürger von Mainz wurden fast vollständig deportiert. Über 1000 kamen in Konzentrationslagern um.
Bis 1942 wurde die Stadt vom Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont.
Dann begann der Bombenkrieg, der sich zunehmend steigerte.
Der schlimmste Angriff erfolgte am 27. Februar 1945, als Mainz durch britische Bomber fast völlig zerstört wurde und ca. 1200 Menschen getötet wurden. Durch Brandbomben war ein Feuersturm entfacht worden. Am Ende des Krieges war die nördliche Altstadt zu etwa 80 % zerstört, die
südliche aber beinahe ganz erhalten.
Am 21. März 1945 wurde Mainz von US-Truppen besetzt.
Der Krieg endete am 8. Mai 1945 durch die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht.
Mainz wurde von den Franzosen besetzt.
Die Grenze zwischen französischer und amerikanischer Besatzungszone bildete auf der Höhe von Mainz der Rhein, weswegen die rechtsrheinischen Stadtteile abgetrennt wurden. Einem Vorschlag aus dem Wiesbadener Regierungspräsidium folgend wurden die Stadtteile nördlich der Mainmündung, Amöneburg, Kastel und Kostheim, nach Wiesbaden eingemeindet.
Die Franzosen gründeten 1946 das Bundesland Rheinland-Pfalz und bestimmten Mainz als Hauptstadt.
Auf ihre Initiative wurde 1946 die Universität, die Johannes Gutenberg-Universität, neu gegründet.
Sie hat heute über 30.000 Studenten und trägt entscheidend zum Rufe der Stadt als als wissenschaftliches Zentrum bei.
Universität und Uniklinik haben über 8.500 Beschäftigte und sind der größte Arbeitgeber der Stadt.
1976 wurde das ZDF auf dem Mainzer Lerchenberg angesiedelt.
Außerdem ist in Mainz ein Studio des SWR. Mainz ist also durchaus eine Medienstadt.
Zum Jüdischen Erbe von Mainz zählt der Judensand in Mainz, ein jüdischer Friedhof mit über 1500 Grabsteinen viele aus dem 11. Jahrhundert und damit neben den Judensand in Worms
der älteste jüdische Friedhof Europas.
Unter dem Rabbiner Gerschom ben Jehuda (ca. 960-1040) wurde in Mainz eine Talmudschule gegründet. Mainz galt als bis Westeuropa ausstrahlendes Zentrum der jüdischen Lehre und Wissenschaft.
Gershoms Rechtssprüche hatten einen starken Einfluss einen starken Einfluss auf die Entwicklung des westeuropäischen Judentums.
Seit dem 15.01. 2026 gibt es im Landesmuseum Mainz die Ausstellung “Shalom am Rhein”, die als Dauerausstellung über 1000 Jahre jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz informiert.
Die Neue Synagoge in Mainz wurde 2010 eingeweiht. Sie verbindet Gegenwart mit dem geistigen Erbe von SchUM.
Mainz ist natürlich untrennbar mit der Fasnacht verbunden.
Am 26. Februar 1838 fand der erste „Fastnachtmontagszug“ statt.
Im Vorfeld der Revolution von 1848 fand eine Politisierung der Fassnacht statt.
Neben der Strassenfasnacht vor allem mit dem Rosenmontagszug finden vor allem Sitzungen statt.
Die im Fernsehen übertragenen Sitzungen wurden zum überregionalen Erlebnis der Fastnacht.
Mainz ist natürlich eng mit dem Weinbau verbunden.
Das kann man am besten in den historischen Weinstuben in der Altstadt erleben.
Mainz ist Landeshauptstadt von Rheinland–Pfalz und mit 224.684 dessen größte Stadt.
Mainz ist Sitz des römisch-katholischen Bistums Mainz.
2. Worms
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Worms liegt in Rheinhessen am Rhein und schon in der Zeit der Kelten besiedelt worden. Auch der Name ist keltischen Ursprungs. Borbetomagus könnte sich auf die Lage der Siedlung in einem wasserreichen Quellgebiet beziehen.
Zwei keltische Siedlungen bestanden im Stadtgebiet.
Um 80 vor Christus brach die keltische Zivilisation plötzlich zusammen.
Um 30 nach Chr. gab es wohl einen kleinen Militärstützpunkt, um die Straße und den Rheinübergang zu bewachen.
Anders als in Mainz und Speyer wurden aber bauliche Spuren eines Kastells nie gefunden.
Ab etwa 40 n. Chr. ist durch Grabinschriften die Anwesenheit von Auxiliartruppen belegt.
Die keltische Siedlung verlagerte sich allmählich hin zum Militärstützpunkt. Es gab eine rasche Bevölkerungszunahme.
Ende des. 1. Jahrhunderts verlegten die Römer die Grenze vom Rhein an den Neckar-Odenwald-Limes.
Das erübrigte römische Militärpräsenz. Das Militär verließ die Stadt.
Römische Provinz Germania superior („Obergermanien“) eingerichtet wurde.
Aus Borbetomagus und seinem Umland wurde die Civitas Vangionum geschaffen.
Die Vangionen waren ein Volksstamm erstmals bei Caesar erwähnt, wobei es nicht klar ist, ob es Kelten oder Germanen waren.
In der Stadt gab es Produktionsstätten zur Glasherstellung, Steinmetze und Töpfer. Das älteste Zeugnis für einen Rheinschiffer ist ein Grabstein.
In der Schlacht bei Mursa, eine der blutigsten der gesamten römischen Geschichte siegte Constantius II. (317-361) gegen den Aufrührer Magnentius.
In dieser Schlacht ging die Legio XXII Primigenia zugrunde, die bis dahin von Mainz aus die Grenze der Provinz Germania prima gesichert hatte. Das führte dazu, dass Alemannen schon im folgenden Jahr die Germania prima überfielen und sich dort – linksrheinisch – einige Jahre festsetzen konnten, vermutlich bis 357.
Die Villenkultur im Umland von Worms bestand fort und es gibt Zeugnisse für Fernhandel.
Die Civitas Vangionum kam zunächst unter alemannische Herrschaft und wurde um 500 ins Frankenreich eingegliedert.
Das Christentum ist schon früh in Worms belegt, allerdings teilweise im Legendären.
Das erste belegte christliche Grab in Worms ist das Grab der Paula aus der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts.
Die gesicherte Bischofsliste setzt mit mit Bischof Berchtulf(614 nachweisbar) ein. Er nahm an der Pariser Synode von 614 teil. Dort wurde Chlothar II. (584-629) zum König der Franken eingesetzt.
Unter den Karolingern war Worms eines der Machtzentren des Frankenreichs.
Die Wormser Bischöfe standen im 8. und 9. Jahrhundert dem Königshof nahe.
926 fand der einzige Reichstag in Worms unter Kaiser Heinrich I. (917-936) statt.
An ihm nahm auch Bischof Richowo (914-949) teil.
Auf dem Reichstag von Worms 961 ließ Otto I. (936-973) seinen damals siebenjährigen Sohn Otto II. (973-983) zum König krönen.
976 erhielt Otto von Worms (um 948-1004), Sohn des Saliers Konrad des Roten (um 922-955) das neugeschaffene Herzogtum Kärnten zum Lehen.
Mit den Saliern begann der Aufstieg Worms zur größten Blüte.
Im Winter 1073/74 verblieb die Stadt auf der Seite Heinrichs IV. (1056-1105)
Die Einwohner von Worms vertrieben 1073 den Wormser Bischof Adalbert II. (1070-1107), einen Gegner König Heinrichs.
Sie empfingen Heinrich mit größten Ehren.
Zum Dank stellte Heinrich 1074 für die Wormser Fernhändler eine Urkunde zum Dank für die Wormser Bürger für die erwiesene Treue aus und
befreite die Fernhändler von Zöllen in vielen Orten.
Heinrich übernahm faktisch das Stadtregiment.
1076 fand in Worms ein Reichstag statt, auf dem eigentlich Papst Gregor VII. (1073-1085) für abgesetzt erklärt werden sollte. Im Gegenzug bannte der Papst den König was zum Gang nach Canossa führte.
1098 fand der nächste Reichstag in Worms statt, dessen Verhandlungen zum Ausgleich zwischen dem Kaiser, den Welfen und den Zähringern dienten.
1122 wurde in Worms das Wormser Konkordat beschlossen, das den Investiturstreit beendete.
Nach dem Erlöschen der Salier 1125 suchten auch die Staufer eine enge Beziehung zur Stadt Worms.
1184 bestätigte Friedrich Barbarossa(1152-1190) die Privilegien der Stadt Worms
Der Dom St. Peter in Worms ist ist der kleinste und schlankste der drei rheinischen Kaiserdome. Er wurde im Wesentlichen von 1130 bis 1181 erbaut, also insgesamt nach dem Speyerer Dom (1025–1106).
Bischof Burchard II. (+ 6. Dezember 1149) ließ bereits 1130 wohl wegen schwerer Bauschäden den von seinem Vorgänger begonnenen Neubau abreißen und durch einen Neubau ersetzen.
Auf seine Initiative wurde 1142 das Zisterzienserkloster Schönau im Odenwald gegründet.
Der Wormser Dom wurde zur Grablege der Salier. 9 sind in der Saliergruft bestattet.
Zum jüdischen Erbe in Worms zählt das jüdische Viertel mit Synagoge, Mikwe und jüdischem Museum.
Die Synagoge geht auf das Gebetshaus zurück, das 1034 gestiftet wurde. Sie war eine der größten im Heiligen Römischen Reich und hatte bis zu 300 Mitgliedern.
Sie wurde erstmals schon während der Judenverfolgungen im Zweiten Kreuzzug 1146 beschädigt.
Der Rabbi Schlomo Jizchaki lebte von 1055 bis 1065 in Mainz und Worms. Er ist einer der bedeutendsten Gelehrten des Mittelalters
und der bekannteste jüdische Bibelexeget überhaupt. Sein Bibelkommentar wird bis heute studiert und in den meisten jüdischen Bibelausgaben abgedruckt; sein Kommentar des babylonischen Talmuds gilt ebenfalls als einer der wichtigsten .
Das Jüdische Museum befindet im Raschi-Haus, das ist das ehemalige Gemeindehaus. Die Wormser Mikwe wurde nach dem Vorbild der Mikwe in Speyer gebaut und ist etwas kleiner.
Der Heilige Sand war der Friedhof der jüdischen Gemeinde in Worms. Er gilt als der älteste erhaltene jüdische Friedhof in Europa. Die ältesten der etwa 2.500 Grabsteine stammen aus dem 11. Jahrhundert.
Was ich sehr erstaunlich finde, er hat die Zeit des Nationalsozialismus nahezu unbeschädigt überstanden.
Zurück zur Geschichte von Worms.
1233 kam es zu einer “Rachtung”, das ist ein Vertrag, zwischen Bischof Heinrich II. von Saarbrücken (1217-1234) und den Bürgern,
in dem unter anderem das Verfahren zur Wahl des Stadtrates festgelegt wird, bei dem der Bischof erheblichen Einfluss ausübt.
Am Ende des 15. Jahrhunderts versuchte Bischof Johann von Dalberg (1482-1503) noch einmal, die Stadtherrschaft wieder an den Bischof zu bringen. Das misslang aber.
1489 entschied Kaiser Friedrich III. (1440-1493), dass die Stadt nicht mehr zu einem Huldigungseid gegenüber dem Bischof verpflichtet war.
1494 huldigte die Stadt König Maximilian (1486-1519).
Spätestens jetzt war Worms Freie Reichsstadt. Im Reichsstädtekollegium hatte Worms wie Speyer einen Sitz in der Rheinischen Bank.
1495 fand unter Maximilian ein Reichstag statt. Dabei wurde das Reichskammergericht gegründet, die Reichssteuer eingeführt und ein Fehdeverbot mit dem Ewigen Landfrieden erlassen.
Rechtsansprüche sollten nun nicht mehr im Kampf sondern auf dem Rechtsweg geltend gemacht werden. Allerdings dauerte es noch ziemlich lange, bis der Rechtsweg die Waffe ersetzt.
Um 1500 besitzt die Stadt Worms neben zahlreichen Stiften und Klöstern neun Pfarreien und ca. 15 Kapellen sowie Spitäler und Klosterhöfe. Die Stadt zählt etwa 6000 Einwohner, davon umfasst die jüdische Gemeinde ca. 250 Personen.
1510 verlieh Kaiser Maximilian der Stadt Worms das Recht, Goldmünzen zu prägen.
1513/14 kam es in der Stadt zu heftigen Konflikten um die Verfassung der Stadt.
Es gab Machtkämpfe um die Stadtherrschaft, die sich gegen die überkommene Ratsherrschaft wandten. Die von der Geistlichkeit im Herbst 1513 bei der städtischen Unterschicht geschürten Unruhen richteten sich gegen das patrizische Ratsregiment.
Im Frühjahr 1514 begann die mittelrheinische Ritterschaft unter Führung von Franz von Sickingen (1481-1523)eine Fehde gegen die Stadt Worms zu führen.Er wurde dabei auch durch Götz von Berlichingen (um 1480- 1562) Für rund drei Jahre geriet deren Handel und agrarische Versorgung durch Wegelagerei in hohe Bedrängnis. Weder das mit Bangen in der Stadt verbliebene Reichskammergericht noch die Landesfriedensbemühungen des jungen oberrheinischen Reichskreises vermochten Abhilfe zu schaffen.
Kaiser Maximilian ächtete Franz von Sickingen deshalb 1515.
Bürgeraufstand und die Fehde zerrütteten die ohnehin geschwächten Finanzen der Stadt weiter.
Am 27. Januar 1521 eröffnete Kaiser Karl V. (1519-1555) den Reichstag von Worms. Hier verteidigte Martin Luther (1483-1546) seine Thesen.
Mit dem Wormser Edikt vom 26. Mai 1526 wurde die Reichsacht über Martin Luther verhängt und die Lektüre und Verbreitung seiner Schriften verboten.
Luther hatte Worms schon am 26. April 1521 verlassen.
Der Reichstag von Worms sind wie der Reichstag von Speyer von 1529 wichtige Ereignisse in der Geschichte der Reformation.
Als Erinnerung an den Wormser Reichstag wurde am 25. Juni 1868 das neue Denkmal eingeweiht.
Es gilt neben dem Internationalen Reformationsdenkmal in Genf als das größte seiner Art.
Im Bauernkrieg 1525 versuchte der Wormser Stadtrat alle bischöflichen Privilegien zu beseitigen. Das gelang nicht, aber Worms wurde evangelisch.
Der Bischof und die Geistlichen behielten ihre Sonderrechte und den Dom, römisch-katholische Gläubige konnten jedoch nicht Mitglied im Stadtrat werden.
1529 erschien die nach ihrem Druckort benannte Wormser Bibel, die erste evangelische deutschsprachige Bibel.
Während des Interims 1548-1552 werden evangelische Gottesdienste untersagt.
Im Augsburger Religionsfrieden von 1555 bleibt die katholische Minderheit von der Ratsmitgliedschaft ausgeschlossen.
Bürgerrecht und Handwerksausübung wird den Katholiken jedoch weiterhin zugestanden.
Am Ostermontag 1615 kam es zum Aufruhr gegen die Juden. Grund war die Verschuldung der Handwerker bei der Judenschaft, die das gesamte Kredit- und Darlehensgeschäft sowie den Pfandhandel in den Händen hatte.
Die Juden wurden über den Rhein vertrieben, ihre Häuser in der Judengasse geplündert und zerstört. Die Synagoge wurde zum Teil abgerissen, auf dem Friedhof wurden Grabsteine umgestürzt und zerschlagen.
1616 sorgte Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz (1596-1632), militärisch dafür, dass die Juden wieder nach Worms zurückkehren konnten.
Die Juden erhielten Schadensersatz durch die Stadt.
1620 ermöglichte David ben Joshua Joseph Oppenheim durch umfangreiche Stiftungen den Wiederaufbau der Männer- und Frauensynagoge.
1618 beginnt der 30-jährige Krieg, der Worms bald schwer in Mitleidenschaft ziehen wird.
Am 14. Oktober 1620 überquerte Prinz Heinrich Friedrich von Oranien (1584-1647) mit 5000 Mann zu Pferd und 6000 Mann zu Fuß, sowie 20 Geschützen bei Worms über eine eigens dafür geschlagene Brücke den Rhein.
Am 18. August 1622 erhielt Worms unter dem Befehl von Erzherzog Leopold(1586-1632) (Bruder Kaiser Ferdinand II.) eine Besatzung von 2400 Mann.
Am 16. Mai 1632 machten die Schweden das Karmeliterkloster mitsamt der Kirche und der St. Annakapelle dem Erdboden gleich. Die Karmeliter verließen daraufhin Worms und kehrten erst 1657 zurück, als Bischof Hugo Eberhard (1654ä-1663)
sie in die Stadt aufnahm und ihnen die Stephanskirche zum Gebrauch überließ.
Zwischen 1632 und 1644 zerstörten die schwedischen Truppen die Vorstädte und brannten die gesamte Anlage des Heilig-Geist-Hospitals vor der Leonhardspforte an der Straße nach Speyer nieder.
1635 überschritt der kaiserliche General Gallas (1588-1647) den Rhein und nahm Worms kampflos ein.
Eine kaiserliche Garnison wurde eingerichtet. Die Schweden verließen Worms.
1644 besetzte der französische Marschall Turenne (1611-1675) die mit Flüchtlingen überschwemmte Stadt.
1666/67 starben mehr als 1000 Menschen in Worms beim einer Pestepidemie.
Um 1675 bauten die Jesuiten ihr neues Kollegium mit eigener Kapelle. Bis zu diesem Zeitpunkt diente die Nikolauskapelle als Gotteshaus des an der Seminariumsgasse gelegenen Jesuitengymnasiums.
Im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688-97 hatte Worms ebenfalls schwer zu leiden.
Im Herbst 1688 standen französische Truppen vor den Stadttoren. Angesichts des ungenügenden Verteidigungszustandes schloß der Magistrat mit den Franzosen eine Kapitulation ab. Durch diese wurden der Stadt alte Rechte garantiert, ausgenommen das Obrigkeitsrecht über die Juden. Eine französische Besatzung bezog in der Stadt Quartier.
Im Frühjahr 1689 mussten trotz aller gegenteiliger Versprechungen die Einwohner die Befestigungen schleifen. Einige Türme und Mauern an der sumpfigen Rheinfront bleiben ausgenommen.
Am 31. Mai 1689 ließ der französische General Mélac (+ 12. Sept. 1709) die Städte Speyer, Worm und Oppenheim in Brand setzen.
Sämtliche öffentliche Gebäude, Spitäler, Kirchen, Klöster (ausgenommen Mariamünster im Süden und Kapuziner im Norden der Stadt) und 964 Bürgerhäuser verbrannten.
1695 lebten in den Ruinen der Stadt nur noch 1000 Menschen.
Der Gesamtschaden wurde mit 3.009.020 Reichsthalern angegeben. Das sind etwa 5.25,604 €
1719 begann Fürstbischof Franz Ludwig von der Pfalz (1694-1732) mit dem Neubau des fürstbischöflichen Residenzschlosses. Außerdem ließ er den Dom wiederherstellen und stiftete den Hochaltar von Balthasar Neumann.
Im August 1743 waren 70.000 Mann des Heeres König Georgs II. (1693-1760)von England, der in Worms sein Hauptquartier eingerichtet hatte, in der Stadt einquartiert.
Er hatte am Österreichischen Erbfolgekrieg teilgenommen, um Maria Theresia zu unterstützen.
1656 bis 1763 fand der Siebenjährige Krieg statt.
Die Stadt hatte unter Einquartierungen und hohe Kontributionszahlungen zu leiden.
1759 wurde ein französisches Militärhospital eingerichtet.
Am 1.8.1759 trafen bei Minden Truppen aus Großbritannien, Preußen, Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) und Hessen-Kassel auf ein französisch-sächsisches Heer.
Die Franzosen wurden vernichtend geschlagen und erlitten schwere Verluste.
Im Wormser Militärhospital wurden die Verwundeten aufgenommen.
Wegen der großen Anzahl musste man auch auf die Nachbarorte ausweichen.
Die schlechte Lage von Worms- 30-jähriger Krieg- Zerstörung 1689- Kriegslasten im 7-jährigen Krieg
veranlasste Kaiser Franz I. (1745-1765), der Stadt einen Zahlungsaufschub auf 10 Jahre zu gewähren.
Jährlich sollten 4000 Gulden, das sind immerhin etwa 1.606.410,00 € getilgt werden.
Nach der französischen Revolution wechselte die Stadtherrschaft oft.
1792 war Worms von französischen Truppen besetzt, 1793, von preußischen. 1794 kehrten die Franzosen zurück.
Nach dem Frieden von Campo – Formio am 17. Oktober 1797 wurde Worms Teil der französischen Republik.
Es gehörte nun als Garnisonshauptstadt zum Arrondissement Speyer innerhalb des Departements Donnersberg (Mont Tonnerre) mit Sitz in Mainz.
Worms gehörte nun bis 1814 zum Ersten Französischen Kaiserreich.
Nach dem Wiener Kongress vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 kam Worms zum Großherzogtum Hessen und war Teil der Provinz Rheinhessen.
Die fortschrittlichen Errungenschaften wie wie Gerichtsorganisation, Code Napoléon und Zivilstandsregister wurden beibehalten.
Am 10. Februar 1817 stirbt Carl Theodor von Dalberg, 1802-1803 der letzte Bischof von Worms.
1835 wurden in Rheinhessen die vier Kreise Mainz, Bingen, Alzey und Worms als staatliche Verwaltungsbezirke eingerichtet.
1842 genehmigte Großherzog Ludwig II.(1830-1848) von Hessen die Einrichtung einer Handelskammer in Worms.
Am 25. Juni 1868 wurde das Lutherdenkmal, das weltweit größte Reformationsdenkmal eingeweiht.
1933 hielt der Nationalsozialismus Einzug in Worms.
In der Reichskristallnacht 1938 wurde die jüdische Synagoge in Brand gesetzt und völlig zerstört.
Worms wurde vom Bombenkrieg nicht verschont.
Am 21. Februar 1945 wurde Worms in einem Nachtangriff bombardiert.
Die Wohnviertel wurden schwer beschädigt, fast alle Kulturdenkmäler werden Raub der Flammen.
239 Menschen kamen ums Leben.
Am 18. März 1945 griffen amerikanische Bomber an.
141 Opfer sind zu beklagen.
Am 20. März 1945 sprengten deutsche Truppen bei ihrem Rückzug die Ernst-Ludwig-Brücke.
Die Amerikaner erreichten Worms.
Am 10. Juli wurden die amerikanischen Truppen von französischen abgelöst.
1946 wurde die vormalige hessische Provinz Rheinhessen zum Regierungsbezirk Rheinhessen des damals neu gegründeten Landes Rheinland-Pfalz.
Am 4. September 1951 verlaießen die Franzosen Worms
Die Innenstadt wurde nach dem Krieg im modernen Stil wieder aufgebaut.
Worms hat heute 85600 Einwohner (Stand 2063)
3. Speyer

Worms liegt am Rhein. Das überschwemmungssichere Hochufer machte es schon in frühester Zeit zu einem wichtigen Siedlungsort.
Die ersten Funde stammen schon aus der Jungsteinzeit.
Der wohl bekannteste Fund entstand wohl zwischen 1400 und 1300 vor Christus.
In Schifferstadt, rund 35 Kilometer von Worms entfernt wurde der Goldene Hut von Schifferstadt gefunden,
einer von vier Goldenen Hüten aus der späten Bronzezeit (1550-1200 vor Christus). Er befindet sich heue im Historischen Museum der Pfalz. Er ist ein wichtiges Zeugnis aus der keltischen Vergangenheit der Gegend.
Die Gegend von Speyer war das Siedlungsgebiet der keltischen Mediomatriker.
An der Mündung des Speyerbachs oberhalb des Floßhafens in Speyer mündet er in den Rhein. Dort legten keltische Siedler eine kleine befestigte, stadtartig angelegte Siedlung an.
Um 70 vor Christus überschritten die Sueben mit anderen germanischen Stämmen, darunter den Nemetern, die Caesar in De bello Gallico erstmals erwähnt, den Rhein.
Um 15 nach Christus ließ Drusus auf Veranlassung von Kaiser Tiberius (42 vor-37 nach) von den Alpen bis zur Nordsee entlang des Rheins Kastelle für Legionen und Hilfstruppen anlegen. Eines dieser Lager und Kastelle war Speyer, das an der römischen Rheintalstraße um 10 v. Chr. vermutlich für eine 500 Mann starke Infanterietruppe errichtet wurde. Das zweite wurde etwa 10 nach errichtet und daraus entwickelte sich eine ausgedehnte römische Siedlung.
Speyer zählt somit zu den ältesten Städten Deutschlands. Älter ist wohl nur Mainz und Worms, das “halboffiziell” die älteste Stadt ist.
Speyer hatte um 30 n. schon Marktrecht.
Speyer gehörte ab 83 n zur Provinz Germania superior und war Selbstverwaltungssitz mit dem Namen Civitas Nemetum.
Aus dieser Zeit stammt auch der “Römerwein”, die älteste erhaltene und noch verschlossene Weinflasche Deutschlands. Sie ist ebenfalls im Historischen Museum der Pfalz ausgestellt.
Um 150 erschien die Stadt unter dem keltischen Namen Noviomagus (Neufeld) in der Weltkarte des Griechen Ptolemaios
2013 und 2014 wurden römische Gräber entdeckt, die zu einem Gräberfeld aus dem 1.-5. Jahrhundert zählen.
Die Stürme der Völkerwanderungszeit verschonten auch Speyer nicht.
Ab 260 musste die römische Reichsgrenze auf den Rhein zurückgezogen werden. Speyer war wieder Grenzstadt geworden.
Um 275 wurde Speyer total zerstört wie zahlreiche Skelettfunde und Brandspuren belegen.
Spätestens 369 war Speyer wieder Garnisonstadt geworden. Im Bereich des Domhügels entstand eine mächtige Festung mit 2,5 m starken Wehrmauern.
Um diese Zeit gab es schon eine Christengemeinde in Speyer.
346 wird Jesse als erster Bischof in Speyer genannt . Ab diesem Zeitpunkt ist Speyer also als Bischofssitz belegt.
Um 500 entwickelte sich das Dorf Altspeyer.
Der Name von Nemetum wechselte auf Spira und deutet darauf hin, dass nicht mehr lateinisch gesprochen wurde.
In einer Schlacht 496/497 bei Zülpich besiegten die Franken unter Chlodwig (466-511) die Alamannen und Speyer wurde Teil des fränkischen Königreichs.
Wirtschaftlich kam Speyer aus der Isolation und auch das Christentum , das unter den Alamannen bedrängt war, erblühte wieder.
Um 614 wird Hilderich von Speyer als Bischof von Speyer erwähnt. Er ist der erste konkret fassbare Bischof von Speyer, mit dem auch die zusammenhängende Bischofsliste beginnt.
Mit der Einrichtung des Bistums Speyer muss auch der Bau einer Kathedrale für den Bischof verbunden gewesen sein.
König Sigibert III. (, * 630- 656) sicherte der Speyrer Kirche den Zehnten und befreite sie von der Besteuerung durch den Gaugrafen.
Der Speyrer Bischof war zu der Zeit Dragobodo (660-700), der auch als Gründer von Kloster Weissenburg gilt.
Ihm wurde auch die Immunität durch König Childerich II. (662-674) zugestanden.
Kaiser Karl der Große (768-814) bestätigte die Privilegien am 25. Juni 782.
Die Karolinger bauten in Speyer eine Königpfalz.
Karl der Große weilte mehrere Male in Speyer.
Ludwig der Fromme (813-840) hielt in Speyer 838 einen Hoftag ab und begann damit eine Serie. In Speyer wurden bis 1570 50 Hof und später Reichstage ausgerichtet.
Stadtherr von Speyer war ein vom König bestellter Gaugraf.
Aber schon im 6. und 7. Jahrhundert wurden dem Bischof Rechte übertragen, so dass er praktisch zum Stadtherren aufstieg.
782 ist von einer Domkirche die Rede.
Mit der Reichsteilung von Verdun 843 lag Speyer nun im ostfränkischen Teil des Reiches.
König war Ludwig der Fromme (813-840)
Auf ihn folgte Ludwig der Deutsche (843-876)
Speyrer Bischöfe nahmen nun an zahlreichen Synoden teil und führten im Auftrag des Kaisers Verhandlungen in Paris und Rom.
846 weihte Bischof Gebhard I. (846–880) einen zweiten Dom.
Um 900 regierte Gaugraf Werner im Speyergau. Er ist der erste historisch fassbare Salier.
Er versuchte sein Territorium auf Kosten der Kirche zu vergrößern. Es kam deshalb zu Auseinandersetzungen mit Bischof Einhard I. (895-913)
Gaugraf Werner ließ ihn 913 blenden. Bischof Einhard starb an den Folgen.
Im Oktober 969 verlieh Otto der Große (936-973) der Speyrer Domkirche das Immunitätsprivileg, eine eigene Gerichtsbarkeit und die Kontrolle über Münze und Zoll.
Mit dem Münzrecht entwickelte sich Speyer bis zum 12. Jahrhundert zu einer der wichtigsten Münzstätten im Reich.
Damit waren die Gaugrafen in Speyer kein Machtfaktor mehr.
Speyer erhielt auch ausdrücklich die Stadtherrschaft übertragen.
Bischof Balderich (970-986) gründete die Domschule in Speyer, die bald zu einer der bedeutendsten des Reiches wurde.
Sie wurde zu einer Ausbildungsstätte für Diplomaten und Statthalter bzw. Funktionäre des Reiches.
Im 10. Jahrhundert erlebte Speyer einen Bevölkerungszuwachs. Auch die Wirtschaft wuchs, nicht zuletzt begünstigt durch die verkehrsgünstige Lage der Stadt.
Am 4. September 1024 wurde Konrad II. (1024-1039) deutscher König und ab 1027 Kaiser.
Konrad förderte gezielt Stadt und Kirche von Speyer. Die Salier gelten als zweite Gründer Speyers.
Angeblich legte er am 12. Juli 1030 den #Grundstein zu Kloster Limburg bei Dürkheim und noch am gleichen Tag den Grundstein zum Dom von Speyer.
Limburg sollte das Hauskloster der Salier werden und der Speyrer Dom die Grablege. Kloster und Dom sind etwa 40 Kilometer entfernt, für die damalige Zeit also eine beachtliche Strecke.
Die Hauptbaumeisters des Doms waren Bischof Reginbald II. (1033-1039) von Speyer und Gumbert (1035-1038), Abt von Kloster Limburg.
Beide kamen aus der Schule von St. Gallen, in der besonders auch die Kenntnisse der Architektur, Geometrie und Arithmetik gelehrt wurden.
Der Speyrer Dom ist mit einer Gesamtlänge von 134 Metern die größte romanische Kirche weltweit. Seit 1981 gehört er zu den Weltkulturerbestätten der UNESCO und da die SchUM-Städte seit
2021 ebenfalls Weltkulturerbe sind, ist Speyer zweimal im Weltkulturerbe vertreten.
Im Dom sind die Gräber von 5 Bischöfen sowie die Gräber von
Konrad II. († 1039)
Gisela von Schwaben († 1043), Kaiserin, Gemahlin von Konrad II.
Heinrich III. († 1056), Sohn Konrads II.
Heinrich IV.(† 1106), Sohn Heinrichs III.,
Bertha von Savoyen († 1087), Kaiserin, Gemahlin Kaiser Heinrich IV.
Heinrich V. († 1125), Sohn Heinrichs IV.
Beatrix von Burgund († 1184), zweite Gemahlin Friedrichs Barbarossa, und ihre Tochter Agnes († 1184)
Philipp von Schwaben († 1208), Sohn Friedrich Barbarossas
Rudolf von Habsburg († 1291)
Adolf von Nassau († 1298)
Albrecht von Österreich († 1308), Sohn Rudolfs von Habsburg
Der Dombau brachte der Stadt einen weiteren Aufschwung. Viele Handwerker, Künstler und Händler waren zugezogen.
Bischof Reginbald hatte die schon fertig gestellte Krypta geweiht und am 3. Juli 1039 Kaiser Konrad im noch nicht fertig gestellten Dom bestattet.
Der Sohn Konrads II., Heinrich III. (1039-1056) setzte den Dombau fort.
Er schenkte dem Dom das prachtvolle Speyerer Evangeliar, das wahrscheinlich 1046 im Kloster Echternach im Auftrag Heinrichs für den Dom angefertigt worden ist.
Heute befindet es sich in der Bibliothek des Escorial.
1046 brachte Heinrich von seiner Kaiserkrönung aus Italien die Gebeine des des seligen Guido von Pomposa mit, die im St. Johannes Stift in Speyer beigesetzt wurden.
Heinrich III. wurde im Oktober 1056 im Beisein von Papst Viktor II. (1055-10567) im noch immer unvollendeten Dom beigesetzt.
Nach seinem Tod übernahm seine Witwe, Agnes von Poitou (um 1025-1077), die die Regentschaft für ihren sechsjährigen Sohn Heinrich IV.(1056-1105)Unter Heinrich IV. kam es zum Investiturstreit.
Heinrich IV. musste im Winter 1076/77 den Gang nach Canossa antreten.
Die Speyrer Bischöfe, vor allem Rüdiger Huzmann (1074-1090) blieben königtreu.
Er wurde für seine königstreuen Aktivitäten wurde er von Papst Gregor VII. (1073-1085) gebannt.
Bischof Rüdiger siedelte 1084 erstmals Juden in Speyer an. Er erteilte ihnen auch Privilegien, und verschieden Rechte, wie sie bisher noch nie im Reich üblich waren.
Heinrich der IV. bestätigte diese Privilegien am 19. Februar 1090. (Heinrich IV. – RI III,2,3 n. 1314)
Der Dom zu Speyer bekam bald statische Probleme. Außerdem musste das Fundament gegen Überschwemmungen des nahen Rheins geschützt werden Im Jahr 1080 ließ Heinrich knapp 20 Jahre nach seiner Fertigstellung den Dom zur Hälfte abreißen und ihn noch größer wieder aufbauen.
Im Mittelschiff wurde die Decke abgetragen, der Bau wurde um fünf Meter erhöht. Statt der flachen Holzdecke entstand das größte Kreuzgratgewölbe im damaligen Reichsgebiet.
Heinrich IV. starb 1106, wurde von seinem Sohn Heinrich V. (1106-1125) aber erst am 14. August 1111 im Königschor des Speyerer Doms beigesetzt, da der Umbau des Doms noch nicht beendet war.
Bis dahin hatte Heinrich IV. in der ungeweihten Afrakapelle gelegen.
Anlässlich der Beerdigung erteilte Heinrich V. den Bürgern der Stadt mit dem Großen Freiheitsbrief den Bürgern der Stadt große Privilegien. Sie befreiten die Speyerer von der drückenden Erbschaftssteuer und gewährte ein Mitspracherecht bei Münzverschlechterungen. Außerdem wurde der Beherbergungs- und Transportzwang (auf dem Rhein) aufgehoben und die Bürger waren nicht mehr gezwungen, den Bannwein zu kaufen. Sie konnten nicht mehr vor außerstädtische Gerichte gestellt werden und wurden von Markt- und Handelsabgaben sowie Zöllen in der Stadt befreit.
Speyer war die erste deutsche Stadt, in der die Bürger solche Freiheiten erhielten.Dieser Brief wurde in goldenen Buchstaben über dem Domportal angebracht.Kaiser Friedrich I. (1152-1190) erneuerte diese Privilegien am 27 Mai 1182. (MGH DDF 827)
Heinrich V. starb 1125 und wurde als letzter salischer Kaiser im Speyrer Dom beigesetzt.
Nach dem Tod Lothars von Supplinburg (1125-1137) wurde mit Konrad III. der erste Staufer deutscher König.Er führte in Speyer die Politik der Salier fort.Die Domschule hatte die Funktion einer Reichskanzlei.
An Weihnachten 1146 predigte Bernhard von Clairvaux (um 1090-1153) im Speyrer Dom und rief zum Kreuzzug auf.
Konrad wurde durch diese Predigt bewogen, am Kreuzzug teil zu nehmen.
Anfang des 13. Jahrhunderts gelang es der Stadt Speyer immer mehr stadtherrliche Rechte auszuüben.
1230 erließ der Rat der Stadt mit dem Einverständnis des Bischofs das erste Speyrer Stadtrecht.
Auch im 13. Jahrhundert gründeten viele Orden Klöster in Speyer oder errichteten bestehende Klöster Stadthöfe in Speyer, so 1212 die Zisterzienser aus Eußerthal.
Schon 1159 hatte Bischof Günter von Henneberg (1146-1161) Kloster Maulbronn einen Hof in Speyer geschenkt, aus dem der Maulbronner Hof an der Johannesstraße in Speyer hervorging. Der Stadthof in Speyer war der wichtigste Handelsplatz des Klosters.
Im Juli 1245 erteilte Friedrich II. (1212-1250)der Stadt Speyer das Privileg einer vierzehntägigen Herbstmesse (Friedrich II. – RI V,1,1 n. 3488), Das kann durchaus als gezielte Wirtschaftsförderung gesehen werden.
Im Juli 1254 schloss sich Speyer mit 58 anderen Städten zum Rheinischen Bund der Städte und Fürsten zusammen.
Dieser Bund wurde von Mainz gegründet. Auch Köln, Worms, Straßburg und Basel gehörten dem Bund an.
Am 1. November 1265 wurde die Reichsunmittelbarkeit Speyers bestätigt.
Am 31. Oktober 1293 schlossen Bischof Friedrich von Bonlanden (1272-1302 und der Rat der Stadt einen Vertrag, der alle Forderungen der Stadt festschrieb
und das Ende der bischöflichen Macht festschrieb. Speyer war damit endgültig freie Reichsstadt.
Die Stadt war Mitglied der rheinischen Bank im Reichsstädtekollegium des Reichstages
Maximilian I (1493-1519) besuchte Speyer schon 1494.
Im Vorfeld der Reformation bestand in Speyer ein humanistischer Freundeskreis. Zu ihm zählte bereits Bischof Matthias von Rammung (1464-1478)
und Bischof Ludwig von Helmstatt (1478-1504). Dieser berief 1483 den Humanisten Jakob Wimpfeling (1450-1528) als Domprediger nach Speyer.
Erasmus von Rotterdam (zwischen 1466 und 1469-1536) war vier mal in Speyer.
Speyrer Druckereien haben sich früh an der Verbreitung lutherischer Schriften beteiligt.
Papst Hadrian VI. ( 1522-23) forderte 1522 den Rat der Stadt auf, Verbreitung solcher Schriften zu unterlassen.
Auf dem Reichstag von Speyer von 1526 ging es zunächst um die Religionsfrage, die Kaiser Karl in seinem Sinne vorantreiben wollte.
Es sollten Mittel und Wege gefunden werden, die Glaubenseinheit und hergebrachte kirchliche Ordnung bis zu einem freien Konzil zu bewahren, Ketzerei, Missbrauch und Unordnung zu ahnden und schließlich das Wormser Edikt zu exekutieren.
Aber das Wormser Edikt von 1521 wurde praktisch aufgehoben und das Entscheidungsrecht in Glaubensfragen wurde praktisch auf die Reichsstände verlegt.
Außerdem ging es um die Türkenhilfe und die Finanzierung des Reichsregiments und Reichskammergerichts.
Dieses sollte von Esslingen nach Speyer verlegt werden.
1529 fand der Reichstag wieder in Speyer statt.
Den Beschluss zur Glaubensfrage von 1526 hatte Karl V. aufgehoben.
Diese beschloss auf dem Reichstag auch ein Ausschuss aus 18 Mitgliedern.
Die drei einzigen anwesenden lutherischen Mitglieder im Ausschuss stimmten dagegen.
Die Beschwerde der evangelischen Reichsstände am 12. April gegen diesen Beschluss, mit dem das Wormser Edikt wieder in Kraft treten sollte, blieb zwecklos; der Beschluss des Ausschusses ging auch in der Hauptversammlung durch.
Die evangelischen Fürsten und Reichsstädte waren nicht bereit, sich diesem Mehrheitsbeschluss zu unterwerfen und verfassten am 19./20. April 1529 ein Protestschreiben. Sie verwahrten sich nicht nur dagegen, dass der Beschluss von 1526 einfach durch Mehrheitsentscheid aufgehoben werden konnte, sondern vertraten überdies das Prinzip, dass Glaubensangelegenheiten überhaupt nicht durch Mehrheitsvoten entschieden werden können. Der Reichstag verweigerte die Annahme der Appellation, welches daraufhin Kaiser Karl V. übersandt wurde. Mit der gegen den Reichstagsbeschluss gerichteten Protestation zu Speyer der evangelischen wurde die Trennung der der christlichen Kirche West-Europas besiegelt.
Seit dem Reichstag von 1529 nennt man die Anhänger der reformatorischen Bewegung auch Protestanten
Die Verlagerung des Reichskammergerichts nach Speyer bedeutete für die Stadt, dass einschließlich der Familien und des Gesindes
dass zwischen 630 und 800 Personen, die mit dem Gericht in Verbindung standen, in Speyer lebten. Das waren zwischen 8 und 10 % der Stadtbevölkerung .
Die Anwesenheit des Reichskammergerichts bewirkte sicher auch, dass es in Speyer nur zum einer Hexenverbrennung kam.
Zwischen 1530 und 1620 verlief die Zeit in Speyer friedlich, bis auf das Jahr 1552 im 2. Markgrafenkrieg (1552-1555) Markgraf Albrecht Alcibiades (541-1554) das Hochstift
Speyer überfallen und forderte von von Bischof Rudolf von und zu Frankenstein (1552-1560) eine Brandschatzung von 150.000 Gulden, das sind etwa 60.166.779,00 €.
Als ihm diese verweigert wurde, brannte er die Madenburg und das Hambacher Schloss nieder.
Schwere Zeiten brachen für Speyer mit dem Dreißigjährigen Krieg an, der 1618 begann.
Speyer gehörte seit der Gründung 1608 der Protestantischen Union an.
Es hatte aber natürlich Verpflichtungen gegenüber dem Reich, das die katholische Sache vertrat.
Es wurde ständig zum Tragen der Kriegslasten für das Reich herangezogen.
1621 trat Speyer aus der Protestantischen Union aus.
Zwischen 1632 und 1635 wurde Speyer abwechselnd von den Schweden, Kaiserlichen und Franzosen erobert.
Von 1635 – 1644 war Speyer von den Kaiserlichen besetzt, dann nochmals die Franzosen über das Kriegsende hinaus.
Dazu kam 1632 die Pest und 1636/37 eine Hungersnot.
Zwar verfiel die Bausubstanz, doch Speyer überstand den Krieg relativ unzerstört.
Nach dem Frieden von 1648 musste das Reich eine Abfindung von 5 Millionen Goldgulden an Schweden bezahlen, davon entfielen
37.000 Gulden, das sind etwa 14.841.139,00 €.
Nach dem Krieg entwickelte Frankreich eine Vormachtstellung in Europa.
1661 wurde Landau französisch und zur Festung ausgebaut.
Nach dem Tod von Kurfürst Karl II von der Pfalz am 26. Mai 1685 beanspruchte König Ludwig XIV. (1643-1715) von Frankreich rechtswidrig Teile der Kurpfalz
als Erbe seiner Schwägerin Liselotte von der Pfalz (1652-1722) und brach den Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) vom Zaun
1689 ließ Generalleutnant Joseph de Montclar (1625-1690) die Stadtmauern von Speyer abreissen.
Am 23. Mai 1689 erteilte General Duras(1625-1704) der Befehl, die Stadt innerhalb einer Woche zu räumen.
Der Domschatz wurde auf Veranlassung des Domkapitels nach Mainz gebracht.
Die Bewohner erhielten ein Umsiedlungsangebot ins Elsass oder nach Lothringen, auf das kaum jemand einging.
Am 31. Mai steckten die Franzosen die Stadt in Brand, die fast völlig zerstört wurde. Auch der Dom war schwer beschädigt.
Auf Befehl der Franzosen durfte Speyer nicht länger bewohnt werden.
Die Bevölkerung verteilte sich auf den ganzen süddeutschen Raum mit Schwerpunkt Frankfurt.
Dahin hatte sich auch der Magistrat geflüchtet.
169 machte sich der Stadtrat daran, die verstreute Bevölkerung wieder zu sammeln.
Auch im Spanischen Erbfolgekrieg von 1701-1714 hatte die Stadt schwer zu leiden, vor allem durch Kontributionszahlen.
In diesem Krieg musste Speyer 17.000 Gulden, das sind etwa 6.818.902,00 €.
Die vier Kriege des 18. Jahrhunderts kosteten die Stadt 100.000 Gulden, das sind 40.111.186,00 €.
Die Stadt war hoch verschuldet und die Bürger litten unter einer enormen Steuerlast.
Trotzdem begann man Mitte der 70-iger Jahre mit dem Wiederaufbau des Domes.
Mit der französischen Revolution 1789 endete auch die Reichsstadtgeschichte Speyers.
1792 wurde Speyer von den Revolutionstruppen der Armée du Rhin eingenommen.
Es wurde kurzfristig mehrmals zurückerobert, aber die linksrheinische Pfalz wurde am 21. März 1797 endgültig annektiert.
Speyer wurde Unterpräfektur im Département du Mont-Tonnerre (Donnersberg)
Bis zum Wiener Kongress blieb Speyer französisch.
Dann fiel das Gebiet der späteren Pfalz dem Königreich Bayern zu.
Speyer wurde Kreishauptstadt des Rheinkreises. Es wurde Sitz des pfälzischen Postwesens, der Verwaltung des Salzmonopols, der Oberzoll-Inspektion, des Landkommissariats für die nördliche Vorderpfalz und das Gendarmeriekommandos für den Rheinkreis.
Die Stadt hatte zu dieser Zeit etwa 6.000 Einwohner
Am 5. Jun 1817 schloss Bayern mit dem Vatikan das Bayrische Konkordat ab.
Speyer wurde wieder Bischofssitz.
Der erste Bischof nach der Wiedereinrichtung des Bistums wurde Matthäus Georg von Chandelle(1818-1826)
Speyer hatte zu dieser Zeit nicht das beste Einvernehmen mit dem Königreich Bayern,
zumal die Münchner Regierung 1819 Waren aus der Pfalz mit Zöllen belegte.
Die Stadt Speyer verfügte über das beste Bildungswesen in der Pfalz.
1817 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt.
Der Dom wurde notdürftig wieder hergestellt und 1822 wieder eingeweiht.
Auf Initiative König Ludwigs I. von Bayern wurde das Innere des Domes, der durchweg als „Nationaldenkmal“ betrachtet wurde, in den Jahren 1846 bis 1853 durch Johann Schraudolph ausgemalt.
Speyer hatte mit der Neuen Speyrer Zeitung ein sehr liberales Presseorgan und eckte oft in München an und bekam immer wieder Probleme mit der Zensur.
Nach dem Hambacher Fest 1832 wurde die NSZ das Sprachrohr der liberalen Bewegung in der Pfalz.
Nach der Märzrevolution von 1848 marschierten preußische Truppen am am 16. Juni 1849 in der Pfalz ein und besetzten Speyer ohne Widerstand.
Am 21. Juni verhängte die bayrische Regierung den Kriegszustand über die Pfalz. Die alte Regierung wurde wieder eingesetzt.
Der Pfälzische Aufstand, der die Verteidigung der die Verteidigung der Frankfurter Reichsverfassung und die Loslösung vom Königreich Bayern zum Ziel hatte, war
niedergeschlagen. Viele revolutionär gesinnte Speyrer verließen das Land.
1853-56 wurde der Speyrer Hafen gebaut.
Von 1893 bis 1904 wurde Gedächtniskirche der Protestation zur Erinnerung an die auf dem Reichstag von 1529 erfolgte Prostestation erbaut.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Speyer Lazarettstadt.
Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges besetzten die Französen das linke Rheinufer.
Die Machtergreifung am 30. Januar 1933 verlief in Speyer praktisch wie im Reich.
Bei der Reichstagswahl vom 5. März 1933 erzählte die NSDAP mit 30,2 % der Stimmen den geringsten Anteil einer pfälzischen Stadt.
In der Reichspogromnacht vom 9. September 1938 wurde die jüdische Synagoge niedergebrannt. Der jüdische Friedhof wurde verwüstet.
Speyer wurde schon während des Frankreichfeldzugs von ersten Bombenangriffen getroffen.
In den Bombenangriffen nach 1944 wurde der Gesamtschaden auf 8-10 % geschätzt.
53 Menschen kamen ums Leben 327 wurden verletzt.
Am 24. März 1945 besetzten Amerikaner Speyer.
Dann folgten die Franzosen.
Speyer wurde wieder französische Garnisonstadt.
Die gesprengte Rheinbrücke wurde durch eine Fährverbindung ersetzt.
Erst 1956 gab es mit der neuen Rheinbrücke wieder eine Straßenverbindung über den Rhein.
Speyer zählte im Jahr 2023 51.203 Einwohner.
19 Apr. 2026