Personen der Geschichte

Widerstand im Dritten Reich und Widerstandskämpfer

Der Widerstand tat sich schwer in Deutschland, so wie auch die Deutschen große Schwierigkeiten mit Menschen hatten, die Widerstand leisteten. Oft wurde das mit Vaterlands oder Volksverrat bezeichnet, auch noch nach dem Krieg. In der ersten Meinungsumfrage 1951 missbilligten 30 % der westdeutschen Bevölkerung das Attentat vom 20. Juli, 30 % hatten keine Meinung und nur 40 % sprachen sich positiv aus. Zwar standen viele Deutsche dem Regime am Anfang kritisch gegenüber. Andrerseits waren sie durchaus bereit, dem Kabinett Hitler zunächst einen Vertrauensvorschuss einzuräumen. Von Beginn ihrer Herrschaft war die Propaganda ein wichtiges Mittel, die Macht zu stabilisieren und die Deutschen hinter sich zu bringen. Dazu kam, dass in Deutschland Demokratie noch keine eingeübte Form des Zusammenlebens in einem Staatsgefüge war, als Folge eines totalen Zusammenbruchs entstand und von Anfang von links und rechts massiv bekämpft wurde. Wirtschaftliche Katastrophen wie die Inflation in der Anfangszeit der Weimarer Republik oder Weltwirtschaftskrise mit der Massenarbeitslosigkeit in der Endphase der Republik waren nun wirklich nicht werbewirksam oder anziehend. Die Erfolge in der

Aussenpolitik, wirtschaftliche Scheinerfolge, von der Propaganda entsprechend herausgestellt, der innere Friede, der in der Republik zu herrschen schien, bestätigte und festigte die Nationalsozialisten in ihrer Herrschaft. Von Anfang an herrschten die Nationalsozialisten mit einer raffinierten Technik aus Lockung und Zwang. Die Nazis schafften es geschickt, praktisch all ihren Aktionen ein Mäntelchen von Legalität umzuhängen. Aber das Parlament entmachtete sich selbst. Die Mehrheit der Sozialdemokraten und Gewerkschaften wurde überrumpelt und setzte der Auflösung und dem Verbot ihrer Organisation im Sommer 1933 keinen Widerstand entgegensetzten. Flankiert wurde das sofort mit harter Repression. Konzentrationslager wurden errichtet. Prominente Vertreter von Sozialdemokratie, Gewerkschaften und politischem Katholizismus sassen im KZ oder im Gefängnis. Daneben hatten sie mit Gestapo und SS einen Herrschaftsapparat aufgestellt und diesen der gesetzlichen Kontrolle entzogen.

Viele Regimekritiker zogen sich ins Private zurück oder in die innere Emigration.

Widerstand gab es aus allen Lagern. Die Arbeiterbewegung als der große politische Gegner in der Zeit der Weimarer Republik wurde von den Nationalsozialisten sofort nach der Machtergreifung massiv bekämpft. Viele KPD-Abgeordnete wurden gleich nach der Reichstagswahl trotz Immunität verhaftet, am 12.03. wurden ihre Mandate für ungültig erklärt, am 15.03. die Partei verboten. Das bedeutete entweder Konzentrationslager Untergrund oder Exil. Im KZ wurden illegale Häftlingsstrukturen aufgebaut. Viele KPD-Angehörige kämpften im Spanischen Bürgerkrieg gegen die Faschisten. Der Deutsch-Russische Nichtangriffspakt vom 23. August 1939 erschwerte die Situation für die inzwischen illegale KPD, wie für alle kommunistischen Parteien in Europa zusätzlich. Sie waren ja alle in der Kommunistischen Internationalen organisiert. Nun hatte die kommunistische Führungsmacht plötzlich ein Bündnis mit den Nationalsozialisten geschlossen. Die Lage änderte sich grundlegend erst  mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion,

wie schon oben bei der Résistance kurz angedeutet wurde. Ab Juni 1941 entstanden auch in Deutschland wieder kommunistische Widerstandsgruppen.

Die SPD schickte ihre besonders gefährdeten Mitglieder Otto Wels, Paul Hertz, Friedrich Stampfer, Erich Ollenhauer, Siegmund Crummenerl nach Prag. Dort sollten sie das Prager Auslandszentrum aufbauen. Von Mai 1934 begann man mit der Ausgabe der

Deutschland-Berichte der Sopade. Die Berichterstattung aus dem Reich empfand man von Beginn an als politischen Widerstand. Als “Wahrheitsoffensive” wollte man die Realität des Dritten Reiches jenseits der nationalsozialistischen Propaganda aufzeigen.

Die Berichte wurden für die Exilantengemeinde aber auch für Regierungen und Journalisten in Westdeutschland eine durchaus verlässliche Quelle. Erich Rinner gab die Berichte heraus.

Zwischen 1929 und 1933 hatte sich um den ehemaligen KPD-Funktionär Walter Loewenheim und andere KPD-Funktionäre die Gruppe Neu Beginnen gebildet. Beim Machtantritt der Nationalsozialisten war sie auf die Illegalisierung der Arbeiterbewegung

vorbereitet. Sie hatte schon vorher sehr konspirativ gearbeitet und konnte ihr Untergrundnetz ausbauen. 1934 erschien die Programmschrift „Neu beginnen! Faschismus oder Sozialismus”. Die Widerstandskonzepte von Sopade und Neu Beginnen beide von

inhaltlicher und zeitlicher Parallelität wurden von  von den Beteiligten durchaus als Konkurrenz empfunden. Man arbeitete aber auch zusammen. Beide Gruppen lehnten kommunistische Widerstandskonzeptionen ab. So verurteilten beide „alle terroristischen Maßnahmen“ Beide erkannten auch, das „Ende des Faschismus von dem spontanen Aufstand der Volksmassen“ nicht zu erwarten sei, Loewenstein schneller als Rinner.

 

1. “Die Rote Kapelle”

 

Im September 1942 gelang es der Gestapo, über 120 Mitglieder der “Roten Kapelle” festzunehmen. Der Begriff war von der Gestapo als Sammelbegriff für Gruppen von NS-Gegnern mit tatsächlichen oder vermuteten Funkkontakten zur Sowjetunion.

Tatsächlich war es die größte und vielfältigste Widerstandsbewegung, die in Berlin gegen Hitler und die Nazis arbeitete. Sie umfasste ein breites Spektrum. Angehörige des gehobenen Bürgertums waren hier genauso tätig wie einfache Arbeiter,Sympathisanten der äußersten Linken, aber auch bündisch-nationale Rechte. Dieses Netzwerk trug den Widerstand in den nationalsozialistischen Alltag. Man unterstützte Verfolgte, versteckte Juden, trieb aber auch mit Flugblattaktionen politische Aufklärung und unterhielt auch Kontakte zu anderen Widerstandskämpfern

Die Gruppe um Harro Schulze Boysen und Arvid Harnack war eher lose und informell organisiert.

Harold Schulze-Boysen wurde am 2. September 1909 in Kiel geboren. Er studierte 1928/29 in Freiburg und 1929-1931 in Berlin Rechtswissenschaften. Ein Auslandsaufenthalt in Frankreich kam er mit einem Kreis von Intellektuellen im Umfeld der Zeitschrift “Plans”

zusammen. Die 1930 von dem französischen Anwalt Philippe Lamour  gegründete avantgardistische Zeitung, die sich mit den Themen Kunst, Architektur, Stadt und Politik befasste. Zu ihren Mitarbeitern zählte u.a. auch Le Corbusier. Zurück in Berlin übernahm er die Schriftleitung der Zeitung “Der Gegner”. Sein Vorgänger war Franz Jung, Expressionist, Dadaist, KPD-Mitglied. Er hatte die Zeitung 1930 wieder gegründet. Schulze-Boysen wollte nach seiner Rückkehr aus Frankreich eine gegen die aufstrebenden Nazis gerichtete Jugendbewegung aufbauen. Im Umfeld der Zeitschrift hatte sich ein Kreis gebildet, der fast alle politischen Mächte der Republik befehdete. sie wollten die Gegner von links und rechts zu einer dritten Kraft zusammenführen gegen die Nazis. Sprachrohr war die Zeitschrift “Der Gegner” Von Schulze-Boysen veranstalte in Berliner Cafés sogenannte Gegner-Abende, Diskussionsrunden, in den über die Zukunftsfragen deutscher Politik debattiert wurde und zu denen auch Vertreter der Parteien eingeladen wurden.

Die Abende hatten einen enormen Zulauf und Schulze-Boysen hatte einen breitgefächerten Bekanntenkreis. Er hielt Kontakt zu praktisch allen oppositionellen Jugendgruppen, aber er hatte auch persönliche Beziehungen zu nationalistischen Kreisen. Die Machtübernahme Hitlers überraschte ihn nicht. Er glaubte aber, dass durch einen Generalstreik bald wieder zu Fall käme. Die Polemiken im “Gegner” gegen die nationalsozialistische Gefahr waren von Nummer zu Nummer heftiger geworden und so überraschte es

nicht, dass die SS kurz nach der Machtergreifung Rache nahm. Ein Rollkommando der SS-Standarde überfiel die Redaktionsräume, verwüstete sie und beschlagnahmte sämtliche Exemplare der Zeitschrift, die inzwischen verboten war. Harold Schulze-Boysen und seine Freunde Adrien Turel und Henry Erlanger wurden in wilde KZs verschleppt. Henry Erlanger wurde zu Tode geprügelt. Die beiden anderen überlebten nur knapp. Turel, er war Schweizer, ging 1934 in die Schweiz zurück. Die Mutter von Harold, Marie Luise Boysen, bekam ihren Sohn schließlich frei. Sie versprach, dass ihr Sohn fortan von jeder “staatsfeindlichen Aktion” Abstand nehmen  und außerdem Berlin verlassen würde.

Diese Tage in den Folterkellern der SS wurden für ihn zum Schlüsselerlebnis. Wolf Oschlies schreibt in seinem Artikel “Widerstand im Dritten Reich 1933-1945” (online auf www.zukunft-braucht-erinnerung.de/widerstand im dritten Reich) von der Triade Verstrickung-Distanzierung-Widerstand.Harold ging auf innere Distanz um Regime. Der Weg zum Widerstand aber war nun vorgegeben. Harold begann nun eine Fliegerausbildung an der Deutschen Verkehrsfliegerschule in Warnemünde.  Unter seinen Lehrgangsteilnehmern blieb er aber isoliert, zumal er sich auch nicht von dem Begeisterungstaumel der “ nationalen Revolution” anstecken ließ. Seinen Vorgesetzten war seine Vergangenheit ja auch bekannt und so viel er prompt bei der Abschlussprüfung durch.

Er scheiterte im Kunstflug. Dass er doch in den Machtapparat des Regimes eindringen konnte, dazu verhalfen ihm einmal seine immensen Sprachkenntnisse. Er beherrschte Französisch, Englisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch und Holländisch. Dazu lernte er noch Russisch. Dann war es seine Heirat mit Libertas („Libs“) Haas-Heye. Sie war die Enkelin von Fürst Philipp zu Eulenburg und Hertefeld, väterlicher Freund  Kaiser Wilhelms. Sie lebte zeitweise auf Schloss Liebenberg, dem Familiensitz ihres Großvaters.

Gutsnachbar war 1933 Hermann Göring geworden, der sich in der Nähe sein Anwesen Carinhall bauen ließ. Man unterhielt gutnachbarliche Beziehungen und als Libertas Harold heiratete, war Hermann Göring Trauzeuge. Libertas konnte die Protektion weiter nutzen und Harold kam im Reichsluftfahrtministerium unter. Zunächst erhielt er einen privaten Angestelltenvertrag. Er wurde in die Auslandspressegruppe eingegliedert. Diese Abteilung war mit der Beobachtung fremder Luftwaffen betraut und gehörte zum Luftwaffenführungsstab. Er befasste sich mit wehrpolitischen Büchern. Er meldete sich zu Reserveübungen, wurde Leutnant. Sein Diensteifer fiel auf. Er wurde  als Artikelschreiber für „Jahrbuch der deutschen Luftwaffe“ herangezogen. Für seine offiziell-

journalistische Arbeiten, bekam er auch geheime Unterlagen zu Gesicht. Er gelangte zu der Überzeugung, dass Adolf Hitlers Weg in den Krieg führte. Der spanische Bürgerkrieg und die deutsche Verwicklung darin, brachte Harold Schulze-Boysen und seine kleine Gruppe dazu aktiven Widerstand gegen das Regime zu leisten. Seine kleine Gruppe, das waren Menschen, die sich schon seit der gemeinsamen Arbeit beim “Gegner” kannten.

Dazu gehörte der aus Stuttgart stammende Bildhauer Kurt Schumacher. Er  hatte eine Ausbildung zum Holzbildhauer gemacht. Danach arbeitete und studierte er bei Ludwig Gies, dann  bis 1935 an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst (VVS) in Berlin

als Meisterschüler. Diese privilegierte Stelle ermöglichte es ihm, mit eigenem Atelier zu arbeiten. Dieses Atelier diente auch als konspirativer Briefkasten, dort trafen sich Regimegegner unter dem Deckmantel des Modellstehens. Er zählte als abstrakter Künstler schnell zu den Verfemten. Dazu kam, dass er KPD-Mitglied war. Seine Frau Elisabeth geborene Hohenemser war Grafikerin und hatte von 1928-1933 ebenfalls an den VVS in der Grafikklasse studiert. Ihr Vater stammte aus einer jüdischen Bankiersfamilie. Nach den Nürnberger Gesetzen 1935 galt sie als Halbjüdin. Eine feste Anstellung war ihr damit verwehrt. Sie heiratete Kurt 1934. Das Ehepaar konnte sich nur mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser halten.

Zu dem Kreis gehörte auch Walter Küchenmeister. Er stammte aus Waldheim in Sachsen. Ab 1921 war er für die KPD tätig. Er war Redakteur der Westfälischen Arbeiterzeitung und des Ruhrechos. 1926 wurde er wegen “unproletarischen Verhaltens” aus der KPD ausgeschlossen .

Er wurde als Polizeispitzel verdächtigt und soll Gelder unterschlagen haben. Nach der Machtübernahme wurde er von der SA in das KZ  und Zuchthaus Sonnenburg östlich von Köstrin verschleppt. Nach neun Monaten wurde er schwerkrank entlassen. Er litt an einem Magengeschwür und Lungentuberkulose. Über Kurt Schumacher hatte er seine Lebensgefährtin, die Ärztin Elfriede Paul kennengelernt. Sie hatte eine Praxis in Berlin Wilmersdorf, die ähnlich wie Schumachers Atelier zum Treffpunkt der Gruppe um Schulze-Boysen wurde.

1936 stießen zwei weiter Aktivisten zu dem Kreis. Das war die 1915 geborene Gisela von Poellnitz. Sie hatte wohl schon vor 1933 dem Kommunistischen Jugendverband angehört. Sie arbeitete unter Gösta von Uexküll bei der United Press. Der 1902 in Velbert geborene Günther Weisenborn war nach abgeschlossenem Germanistik und Medizinstudium ab 1927 in Berlin als Schauspieler tätig. 1928 wurde er Dramaturg an der Volksbühne. Er schrieb Theaterstücke und Bücher, die aber nach der Machtübernahme der der Nazis verboten wurden. Er konnte aber unter Pseudonym weiterschreiben. Er emigrierte 1936 in die USA, kehrte aber schon 1937 nach Deutschland zurück. Er führte ein Doppelleben. Er nahm am nationalsozialistischen Kulturbetrieb teil. Seit 1941 war er Dramaturg am Schillertheater. Gleichzeitig arbeitete er in der Gruppe von Harold Schulze-Boysen mit.

Zur Zeit des Spanischen Bürgerkriegs schritt man also zur Tat. Im Reichsluftfahrministerium arbeitete der Sonderstab W unter Leitung des Generals der Flieger Helmuth Wilberg. Über ihn  liefen alle deutschen Hilfsaktionen, also Freiwillige, Waffen und Munition.

Harold sammelte nun alle Informationen, die er über den Sonderstab W bekommen konnte. Diese gab er in Briefen,Gisela von Poellnitz in den Briefkasten der sowjetischen Botschaft warf, weiter. Aber die Gestapo kam ihnen auf die Spur. von Poellnitz wurde verhaftet. Die Verschwörer sahen sich schon am Ende. Von Küchenmeister fuhr nach Köln, um sich in die Niederlande abzusetzen. Aber von Poellnitz wurde aus der Haft entlassen. Sie hatte nichts verraten. Schulze-Boysen kam mit einer Verwarnung durch die Gestapo davon. Das aber hielt ihn nicht vor weiterer konspirativer Tätigkeit ab. Er setzte nun auf Politische Aufklärung. Man verteilte Flugblätter, ließ sie in öffentlichen Verkehrsmittel oder Telefonzellen liegen oder man verschickte sie in frankierten Umschlägen.

Auch wurde der Widerstandskreis ständig vergrößert. So kamen vor Kriegsausbruch das Ehepaar Walter und Martha Husemann und die Tänzerin Oda Schottmüller  dazu.

Husemann, geboren am 2.12. 1909  war schon seit seiner Jugend der KPD verbunden. 1924 war er beim Walter und Martha Husemann. 1928 trat er in die KPD ein. Nach der Machtergreifung engagierte er sich im Widerstand gegen Hitler.Zusammen mit seinem Vater wurde er als Schutzhäftling erst ins KZ Sachsenhausen und dann nach Buchenwald verschleppt. Marta Husemann, die am 20. 8. 1913 in Berlin geboren wurde, war auch sehr früh bei der KPD aktiv. Mit 15 trat sie auch in den Kommunistischen Jugendverband ein, ab 1931 war sie KPD-Mitglied. 1932 spielte sie die Hauptrolle in dem Film Kuhle Wampe. 1936 wurde sie erstmals von der Gestapo verhaftet, 1937 war sie Schutzhäftling im KZ Moringen. Sie knüpfte wohl den Kontakt zu Harold Schulze-Boysen.

Die 1905 geborene Oda Schottmüller machte nach dem Besuch der Odenwaldschule von 1992-1924 ab 1924 bis 1927 eine kunsthandwerkliche Ausbildung in Pforzheim. 1928 begann sie eine Ausbildung zur Tänzerin in Berlin. Anfang 1930 war sie auch Schülerin des

Bauhauslehrers Johannes Itten im Bereich Bildhauerei. Um 1935 lernte sie den Bildhauer Kurt Schumacher kennen und kam so in Kontakt mit der Gruppe um Harold Schulze Boysen.

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Ein anderer Kreis hatte sich auch schon 1933 um den am 24.05. 1901 in Darmstadt geborenen Arvid Harnack gebildet. Zu Arvids Familie gehören eine Reihe von Familienmitgliedern, die im Widerstand tätig waren.Sein jüngerer Bruder Falck hatte Kontakte zu Hans Scholl und Sophie Scholl.Als die beiden zum Tod verurteilt wurden, musste er befürchten, dass ihm dasselbe Schicksal blühte. Doch er wurde überraschend frei gesprochen.Aber er wurde aus seiner regulären Einheit ins Strafbataillon 999 abkommandiert.Im Dezember 1943 wurde er verhaftet und sollte in ein  KZ eingeliefert werden. Er konnte aber entfliehen. Er schloss sich der griechischen Partisanenbewegung ELAS an. Er gründete in Griechenland Antifaschistische Komitee Freies Deutschland (AKFD).

Falck war das einzige im Widerstand tätige Mitglied, der Familie Harnack, das nicht mit dem Leben bezahlen musste.

Ernst Harnack, Sohn des Onkels von Arvid und Falck, des Theologen Arnold von Harnack wurde wegen Beteiligung der Verschwörung zum 20. Juli 1944 vom Volksgerichtshof am 1. Februar 1945 zum Tode verurteilt und am 5. März 1945 in Plötzensee hingerichtet.

Klaus Bonhoeffer, Cousin von Arvid und Falck und Bruder von Dietrich Bonhoeffer wurde ebenfalls im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 am 2. Februar 1945 vom Volksgerichtshoff zum Tode verurteilt und in der Nacht vom 22.zum 23. April 1945, als sich die Rote Armee schon in den Außenbezirken von Berlin befand, von einem Sonderkommando des RSHA zusammen mit 12 Mitgefangenen ermordet. Dietrich Bonhoeffer, Theologe und Mitglied der Bekennenden Kirche war seit 5. April 1943 inhaftiert und am 9. April 1945 auf ausdrücklichen Befehl Hitlers im KZ Flossenbürg hingerichtet.

Zurück zu Arvid. Nach dem Notabitur 1918 studierte er in Jena Graz und Hamburg Rechtswissenschaften. Er promovierte 1923. 1926 erhielt er ein Rockefeller-Stipendium. Bis 1928 studierte er an der University of Wisconsin-Madison in den USA Nationalökonomie. 1926 heiratete er dort die Literaturwissenschaftlerin Mildred Fish. Zurück in Deutschland promovierte er 1930 in Gießen bei dem Nationalökonomen Friedrich Lenz. Mit diesem gründete er 1931 die „Arplan“ (Arbeitsgemeinschaft zum Studium der Planwirtschaft). Sie wurde wohl auch durch die sowjetische Botschaft rege gefördert. So war der sowjetische Botschaftsrat Bessanow Mitglied der Arplan. Harnack erhoffte sich

für Deutschland eine Rolle als geistige und wirtschaftliche Brücke zwischen Ost und West. Als Erster Sekretär der Arplan organisierte er 1932 eine Studienreise in die mit der Gesellschaft in die Sowjetunion.

Nach der Machtübernahme Hitlers musste Arplan aufgelöst werden. Harnack hatte seine juristische Ausbildung mit dem Assessorexamen in Jena abgeschlossen. Er bekam nun eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft im  im Reichswirtschaftsministerium in Berlin.

Er brachte es dort bis  zum Oberregierungsrat. Er war geheimes KPD-Mitglied. Zur Tarnung seiner illegalen Aktivitäten wurde er 1937 NSDAP Mitglied. Ab 1935 unterhielt er Kontakte zu Mitarbeitern des sowjetischen Nachrichtendienstes NKGB. 1936 nahm er Kontakte zur US-Botschaft auf. Seine Frau war Vorsitzende des Frauen-Clubs an der Berliner US-Botschaft. Die Familie hatte auch sehr gute Beziehungen zu Botschaftsmitgliedern, so zu William Dodd, der von 1933 bis 1937 amerikanischer Botschafter in Berlin war und zu dem Ersten Botschaftssekretär Donald Heath, der dieses Amt von 1938-1941 bekleidete. 1939 verfassten die Harnacks ein geheimes Memorandum für das amerikanische Außenministerium. In Amerika wurde Hitlers Expansionsdrang zu dieser Zeit noch nicht allzu ernst genommen. Die Nazis genossen durchaus Sympathien in den USA. So sah zum Beispiel Joseph Patrick Kennedy, 1937-1940 US Botschafter in London, der bekennender Antisemit war, in Hitler das Bollwerk gegen den Bolschewismus.

Das Ehepaar Kuckhoff stieß bald zu der Gruppe um Harnack. Greta, geborene Lorcke,  studierte in Berlin und Würzburg Volkswirtschaft und Soziologie und von 1927-1928  an der University of Wisconsin-Madison wo sie Arvid und Mildred Harnack kennenlernte.

In Zürich arbeitete sie als Assistentin des Aktienrechtlers Rosendorff. Von 1932 bis 1933 war sie wissenschaftliche Assistentin von Karl Mannheim am Institut für Sozialforschung in Frankfurt. 1933 hatte sie einen Studienaufenthalt der London School of Economics.

Dort bereitet sie die Emigration von Karl Mannheim vor, der 1933 entlassen wurde, weil er Jude war. 1933 lernte sie auch ihren späteren Mann kennen, den Dichter Adam Kuckhoff,den sie 1937 heiratete. Sie arbeitete als Dolmetscherin im rassenpol. Amt der NSDAP.

Sie war als Mitübersetzerin von  Mein Kampf” auf englisch tätig, weil sie hoffte, damit die englische Öffentlichkeit über Hitler aufklären zu können. Ihr Mann Adam Kuckhoff, aus Aachen stammen hatte in Freiburg, München und Heidelberg studiert. Er war überzeugter Anhänger der Freistudentischen Bewegung und studierte ganz im Sinne der “Finkenschaft”, wie die freistudentische Bewegung auch geheißen wurde, querbeet alle Fächer, die ihn interessierten, Philosophie und Medizin, Nationalökonomie und Germanistik, Philologie und Geschichte. 1912 promovierte er in Halle an der Saale über “Schillers Theorie des Tragischen”. Zu Ende des 1.Weltkrieges folgte eine lange Theaterpraxis. Er war als Schauspieler und Regisseur am Düsseldorfer Schauspielhaus, an den  Bühnen in Elberfeldt und Frankfurt am Main tätig. Drei Jahre leitete er gemeinsam mit Robert George das Frankfurter Künstlertheater, eine Wanderbühne, die im Rheinland zielstrebig volksbildnerische Absichten verfolgte.

1927 gab er Georg Büchner in einer kommentierten Volksausgabe heraus. Von 1927-1929 arbeitete er als Lektor im Jenaer Eugen Diederichs Verlag und gab die Monatsschrift “Die Tat” heraus. Das bisher eher konservativ ausgerichtete Journal bekam in kurzer Zeit

ein neues linkes Profil, was bald zur Trennung führt. Ab 1933 war er als freier Schriftsteller tätig. Schon zu Beginn des Dritten Reiches hatte er Kontakte zu linken Widerstandskreisen. Zum Freundeskreis der Kuckhoffs zählte auch Oda Schottmüller.

Ab etwa 1938 begannen die beiden Kreise um Schulze-Boysen und Harnack zusammenzuarbeiten. Nach den Novemberpogromen 1938 hatten Gruppenmitglieder Juden zu Verstecken, gefälschten Ausweisen und zur Flucht verholfen.

Zu Kriegsbeginn stießen weitere Gruppen dazu,so ein Kreis von Jungkommunisten um Hans Coppi, eine Gruppe um den Psychoanalytiker John Rittmeister oder der  Freundeskreis des Schauspielers Wilhelm-Schürmann-Hoerster.

In den Jahren 1940-1942 wurden Flugschriften verfasst, Flugblätter verteilt oder die regimekritischen Predigten des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen. Als im Mai 1942 die nationalsozialistische Hetzausstellung

„Das Sowjetparadies“ wurde, führte die Gruppe eine Plakatklebeaktion durch. Harro Schulze-Boysens Ehefrau Libertas dokumentierte nationalsozialistische Gewaltverbrechen an der Zivilbevölkerung, soweit sie davon erfuhr.

Am 17. Juni 1941 warnte Harro Schulze-Boysen die sowjetische Botschaft vor dem bevorstehenden Überfall auf die Sowjetunion. Die Warnung wurde an Stalin weitergeleitet, von diesem aber schroff zurückgewiesen wurde.

„Schicken Sie Ihren Informanten aus dem Stab der deutschen Luftwaffe zu seiner Hurenmutter zurück. Das ist kein Informant, sondern ein Desinformator.“ (zitiert nach Spiegel online Eines Tages “Horrorbriefe an die Ostfront”).

Natürlich war die Sowjetunion an einem Informantennetz  in Deutschland interessiert. Der Botschaftsmitarbeiter Alexander Edberg, mit richtigem Namen Alexander M. Korotkow, gewann Harnack als Informanten. Er übergab zwei Kurzwellensender an Greta Kuckhoff, die aber beide nicht funktionierten. Es gibt einen einzigen Funkspruch nach Russland. Aber genau wegen eines Funkspruchs nach Belgien, den die Gestapo auffangen und entschlüsseln konnte, flog die Gruppe auf.

Die Gestapo reagierte schnell. Zwischen August 1942 und März 1943 wurden ungefähr 130 Mitglieder verhaftet. Mindestens 57 der Verhafteten, darunter 19 Frauen wurden vom Volksgerichtshof oder dem Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt.

Auf Weisung der Reichskanzlei hatte das Verfahren vor dem Reichskriegsgericht stattgefunden, obwohl fast alle Angeklagten Zivilisten waren. Mit der Oberaufsicht war Hermann Göring beauftragt worden. Dieser berief Manfred Roeder als Ankläger.

Bei Göring genoss er höchstes Vertrauen und wurde oft zu besonders schwierigen Fällen herangezogen. Seinen Gegner galt er als „Bluthund Hitlers“ (Spiegel Nr. 21 vom 20. Mai 1968 S. 80). Das Verfahren widersprach den elementarsten rechtsstaatlichen

Anforderungen. Den Angeklagten wurde die Anklageschrift nicht ausgehändigt. Sie durften ausschließlich von 4 Offizialverteidigern verteidigt werden, die kaum Akteneinsicht erhielten. Sie konnten keine Zeugen benennen und keine Rechtsmittel ergreifen.

Die Willfährigkeit des Gerichtes zeigt sich auch darin, dass zwei langjährige Freiheitsstrafen ohne weiteres in Todesstrafen umgewandelt wurden, nur weil dem Führer das Urteil missfallen hatte. Alle Verfahren fanden unter strengster Geheimhaltung statt.

Die Hinrichtungen fanden auf Drängen Hitlers sehr schnell statt. Die Verurteilten sollten die sich abzeichnende Katastrophe von Stalingrad nicht mehr erleben. Makabres Detail.Die Leiche von Libertas Schulze-Boysen wurde nicht in Liebenberg bestattet,

sowie sich Libertas das gewünscht hatte. Sie wurde Anatomische Institut der Universität Berlin, wo der Anatom Hermann Stieve anhand der Leichen hingerichteter Frauen etwas makabre Forschungen über den Zusammenhangzwischen Todesangst und Menstruationszyklus anstellte. Auch über das Ende der “Roten Kapelle” hinaus erfuhr sie keine Gerechtigkeit. Zwar hatte gerade diese Gruppe ein breites soziales und politisches Spektrum abgedeckt  und den Widerstand in den Alltag des Nationalsozialismus getragen. Eine unheilige Allianz von von unverbesserlichen Nationalsozialisten, opportunistischen Wendehälsen und Angehörigen der konservativen Widerstandsgruppe um Graf Stauffenberg, die für sich ein Widerstandsmonopol in Anspruch nahmen 

stempelten die Rote Kapelle schon in den Fünfziger Jahren als  kommunistische, von Moskau gelenkte und hauptsächlich auf Spionage ausgerichtete Organisation, die mit „echtem“ Widerstand nichts zu tun gehabt habe. Die Gestapo war auf eine zufällige

beiläufige Verbindung des Widerstandsnetzes um Oberleutnant Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack mit  dem sowjetischen Militärgeheimdienst in Westeuropa gestoßen und hatte diese für zentral gehalten und ihr auch den Namen gegeben. Sie gab auch

die Widerstandsgruppen für von Moskau gesteuert aus. Diese Fiktion wurde über den Krieg hinaus aufrecht gehalten. Auch Gestapogrößen wie Kaltenbrunner, SS-Standartenführer Walter Huppenkothen oder Horst Kopkow, als SS-Hauptsturmführer Leiter der

Sonderkommission Rote Kapelle übernahmen dies gerne, bot sie doch die Chance im aufkommenden Kalten Krieg und der Überlegung, sich gegen Spionage aus Russland zu schützen sich den Westalliierten als “Spezialisten” anzudienen. Manfred Roeder, der das Verfahren vor dem Reichskriegsgericht leitete, diente dem amerikanischen Militärnachrichtendienst Counter Intelligence Corpss (CIC)  unter dem Decknamen „Othello“ als informeller Mitarbeiter. Im Januar 1945 war er zum Generalrichter ernannt worden, das war die höchste Stufe, die ein Richter beim Reichskriegsgericht entweder der Luftwaffe oder dem Heer erreichen konnte. 1945 hatten Mitglieder er Roten Kapelle, nämlich Adolf Grimme, Günther Weisenborn und Greta Kuckhoff Anzeige gegen ihn erstattet, erst Grimme allein bei der Britischen Militärregierung wegen Körperverletzung im Amt und Aussageerpressung erstattet.. Die beiden anderen hatten zusammen mit Grimme beim Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erstattet. Es kam sogar zu einem Verfahren. Als Entlastungszeuge trat ausgerechnet Alexander Kraell auf, der Vorsitzender Richter beim 2. Senat des Reichskriegsgerichts war. Auch er war für zahlreiche Todesurteile gegen Mitglieder der Roten Kapelle verantwortlich. Er überstand sowohl das Verfahren vor dem Britischen Militärgericht wie das vor dem Internationalen Militärgerichtshof unbeschadet. Wie unbelehrbar er bis zum Schluss war, zeigt auch, dass er 1957 erwog, gegen die überlebenden Angeklagten der Roten Kapelle, die ihn nach dem Krieg verklagt hatten, zivilrechtlich mit Schadenersatzklagen vorzugehen. Er starb am 18. Oktober 1971 und konnte bis dahin  von der Justiz unbehelligt seine Pension genießen.

Horst Kopkow wurde nach London gebracht und ließ sich vom britischen Geheimdienst MI6  vier Jahren nach seinen Methoden gegen die sowjetische Spionage befragen. Dieses Wissen schützte ihn vor möglichen Kriegsverbrecheruntersuchungen, so dass er im Juni 1948 für tot erklärt wurde. Er wurde mit einer falschen Identität zwischen 1949 und 1950 nach Westdeutschland entlassen. Er war dann honoriger Geschäftsführer bei einem Textilunternehmen und starb erst 1996 an Lungenentzündung in Gelsenkirchen.

Alexander Kraell war mittlerweile Sozius von Fabian von Schlabrendorff, einem Überlebenden der Verschwörung vom 20. Juli 1944 und späterem Mitglied des Bundesverfassungsgerichts geworden. Von Schlabrendorff hatte bei den Roten Kapelle Mitgliedern

das christlich-moralische Element vermisst und beurteilte den Prozess gegen sie als rechtsstaatlich einwandfrei. Erst das Ende des Kalten Krieges und der Spaltung Deutschlands, damit verbunden auch die Erschließung neuer Quellen und nicht zuletzt die Tatsache, dass eine neue Juristengeneration herangewachsen war, die nicht mehr in die NS-Vergangenheit verstrickt war ermöglichte einen neuen Blick auf die “Rote Kapelle”. Trotzdem dauerte es noch bis zum 8. September 2009 bis der der Deutsche Bundestag die wegen

“Kriegsverrat” gefällten Urteil der NS-Justiz aufhob und damit die Widerstandskämpfer rehabilitierte.

 

2. Die weiße Rose

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“Die weiße Rose”

Die Weiße Rose war ein studentischer Widerstandskreis an der Universität München um die Geschwister Scholl. Hans Scholl wurde am 22. September 1918 in Ingersheim, einem Stadtteil von Crailsheim, Sophie am 9. Mai 1921 in Forchtenberg im Hohenlohekreis geboren. Ihr Vater Robert war dort Bürgermeister. Die Mutter Magdalena war bis 1916 Diakonisse in Schwäbisch Hall. Die Familie hatte 6 Kinder. Nachdem Robert Scholl in Forchtenberg als Bürgermeister nicht mehr wiedergewählt wurde, wurde er Leiter der

Handwerkskammer in Stuttgart. Die Familie zog deshalb nach Ludwigsburg. 1932 erfolgte der Wechsel nach Ulm, wo er eine Kanzlei als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater innehatte. In Ulm verbrachten die Kinder der Familie Scholl ihre Jugend- und Schulzeit.

Das Familienklima wird sicher am besten mit christlich geprägt von der Mutter und liberal vom Vater umschrieben. Die Eltern Scholl sahen die anfängliche Begeisterung ihrer Kinder für den Nationalsozialismus sicherlich mit gemischten Gefühlen. Hans war schon

1933 im Jungvolk der Hitlerjugend aktiv. 1937 wurde beide kurzzeitig inhaftiert. Gegen  Hans wurde ein Verfahren wegen “Fortsetzung der bündischen Jugend” eröffnet. Nach einer Amnestie 1938 wurde das Verfahren eingestellt. Sophie hatte 1937 Fritz Hartnagel kennengelernt. Sophie war damals 16, Fritz hatte sich 1936  freiwillig zur Wehrmacht gemeldet und absolvierte eine Ausbildung zum Berufsoffizier. Er stammte aus Ulm und war als sie sich bei einer Tanzveranstaltung trafen, Fähnrich in Augsburg. Er war begeisterter Soldat. Aus der zunächst flüchtigen Bekanntschaft wurde eine intensive Brieffreundschaft und allmählich auch eine Liebesbeziehung. Die Beziehung war nicht frei von Spannungen und Konflikten. Sophie fühlte sich zu jung für eine feste Bindung. Auch die damals noch große Begeisterung für den Soldatenberuf stand zunächst zwischen ihnen. Sophie hatte 1940 hatte in Ulm eine Ausbildung zur Kindergärtnerin begonnen. Das bewahrte sie aber nicht vor der Verpflichtung zum RAD, den sie in Krauchenwies und Blumberg

ableistete. In dieser Zeit kam sie mit den Werken des Kirchenvaters Augustinus von Hippo in Berührung. In seinen Schriften fand sie Halt und Orientierung. 1942 begann sie in München Biologie und Philosophie zu studieren. Dort studierte bereits ihr Bruder Hans seit 1939 Medizin. Er hatte 1937 sein Abitur in Ulm gemacht. Danach folgte ein halbes Jahr Arbeitsdienst in Göppingen beim RAD. 1938 absolvierte er die auf ein Jahr verkürzte Militärausbildung beim Kavallerieregiment 18 in Bad Cannstatt. Nach einem medizinischen Praktikum in Tübingen studierte er in München ab 1939 Medizin. Im Mai wurde er als Sanitäter an der Westfront. eingesetzt. Otl Aicher, Klassenkamerad von Wolfgang, dem jüngsten der Geschwister Scholl, und spätere Ehemann von Inge, der Ältesten, machte Hans mit Carl Muth bekannt. Dieser ein katholischer Publizist und Vertreter des katholischen Existenzialismus war Herausgeber der Zeitung Hochland, die er 1903 gründete. Die Zeitung eckte schon früh mit der Amtskirche an und wurde 1911 von Rom indiziert.Während der Weimarer Republik kritisierte sie zwar den Parteienstaat, stellte sich aber auf die Seite der Republik. Seit 1931 bezog sie klar Stellung gegen den Nationalsozialismus,durfte aber zunächst auch nach der Machtübernahme weiter erscheinen.Nach 1939 wurden mehrere Ausgaben beschlagnahmt und eingestampft. Am 1. Juni 1941 wurde sie aber vom Reichspresseamt verboten. Carl Muth besaß die Fähigkeit, Begabungen zu finden und förderte diese. So fand er auch Gefallen an Hans,

der für ihn dann seine Privatbibliothek ordnete und katalogisierte. Als Sophie ihr Studium in München aufnahm, kam sie auch bei Muth unter.  Prägend war seine regelmäßigen Gespräche wie z. B. über die Verflechtung von christlichem Glauben und politischem Handeln. Über Muth wurden sie auch mit dessen  literarischen Freundeskreis wie zum Beispiel Werner Bergengruen und Theodor Haecker bekannt. Haecker gehörte zu den bedeutendsten Schriftstellern zwischen den beiden Weltkriegen. Er war ein enger Mitarbeiter Carl Muths bei Hochland und er wurde geistiger Mentor der Geschwister Scholl. Seit 1935 hatte er Redeverbot und ab 1938 waren ihm selbstständige Buchveröffentlichungen verwehrt. Die Flugblätter der Weißen Rose zeigten eine starke motivische

Verwandtschaft zu den Notaten Haeckers. Das verwundert nicht. Denn der Freundeskreis traf sich regelmäßig zu Teestunden, wo über Bibelstellen diskutiert wurde.

Im April 1941 wurde Hans in eine Münchner Studentenkompanie versetzt. Hier lernte er Alexander Schmorell, Medizinstudent und Sanitäter wie Hans kennen. Alexander Schmorell wurde am 16.September 1917 als Sohn des ostpreussischen Pelzhändlers und Arztes

Karl-August Schmorell und der russischen Priestertochter Natalija Petrovna Vvedenskaja geboren. seine Mutter starb ein Jahr später bei einer Typhusepidemie während des Bürgerkrieges. Sein Vater emigrierte mit seiner zweiten Ehefrau und Alexander 1921 nach Deutschland. 1935 besuchte er das Neue Realgymnasium in München. Sein Mitschüler dort war Christoph Probst, auch er dann Mitglied der Weißen Rose. Nach seinem Abitur absolvierte er den RAD.Seinen Wehrdienst leistete er bei der Reitenden Artillerie der Wehrmacht ab.  Beim Anschluss Österreichs und später beim Einmarsch in der Tschechoslowakei nahm er als Soldat teil. Ab dem Sommersemester 1939 begann er ein Medizinstudium in Hamburg. Dort traf er Traute Lafrenz wieder, die er kennengelernt hatte,

als sie beim RAD als Erntehelferin in Ostpreussen eingesetzt war. Sie studierte wie Alexander Medizin in Hamburg und als sie 1941 nach München wechselte, kam sie dort in Kontakt  mit Hans Scholl und Christoph Probst. Sie war dann auch an den Aktivitäten der  kam er in die

Hamburger Weißen Rose beteiligt. Im Sommer 1940 nahm Alexander am Frankreichfeldzug teil. Im September kehrte er zur Weiterführung seines Studiums nach München zurück. Er wurde der 2. Studentenkompanie der Medizinstudenten zugeteilt. Die Mitglieder konnten normal studieren, wurden aber in den Semesterferien an die Front geschickt.Neben Hans und Alexander waren Willi Graf und Christian Propst in der Studentenkompanie. Er führt seinen Schulfreund Christian Probst und Traude Lafrenz in den  Kreis um Hans Scholl ein. In seiner Münchner Zeit entdeckte Alexander seine Begeisterung für die Bildhauerkunst. Er wurde Privatschüler des Bildhauers Karl Bauer, einem Nachbarn von Lilo Ramdohr, die er bei einem Zeichenkurs kennengelernt hatte.. Diese zählte ebenfalls zum Unterstützerkreis der Weißen Rose. Alexander hatte dieselbe Wellenlänge wie Hans. Sie famulierten zusammen am selben Krankenhaus. Sie machten gemeinsame Paddeltouren und sie entschlossen sich beide zum Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime. Hans hatte wohl schon im Frühjahr 1942 von den nationalsozialistischen Verbrechen gegen Juden und Polen erfahren. Zwischen dem 27. Juni und dem 12. Juli 1942 verfassen und versenden Hans und Alexander die ersten beiden Flugblätter. Wahrscheinlich wissen auch Sophie, Christoph Propst und Traute Lafrenz von der Aktion Bescheid. Das erste Flugblatt begann “Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique „regieren“ zu lassen” und es rief zum Widerstand auf: “Leistet passiven Widerstand – Widerstand -, wo immer Ihr auch seid, verhindert das Weiterlaufen dieser atheistischen Kriegsmaschine, ehe es zu spät ist, ehe die letzten Städte ein Trümmerhaufen sind, gleich Köln, und ehe die letzte Jugend des Volkes irgendwo für die Hybris eines Untermenschen verblutet ist. Vergeßt nicht, daß ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt! “ (online in Flugblatt I bpb). Im Winter 1942 wurde die Gruppe um Sophie Scholl und Willi Graf erweitert.

Willi Graf ist am 2. Januar 1918 in Euskirchen – Kuchenheim geboren. Seine Familie zog nach Saarbrücken. Dort besuchte er die Schule und machte das Abitur. 1938 begann er sein Medizinstudium in Bonn. von 1940-bis 1942 nahm er als Sanitäter an verschiedenen Kriegseinsätzen teil. 1942 kam er in die  2. Studentenkompanie der Medizinstudenten. Dort kam er in Kontakt mit der Weißen Rose und wurde aktives Mitglied der Gruppe.

Christoph Probst wurde am 6. November 1919 in Murnau geboren. Sein Vater Hermann war promivierter Chemiker. Er war Privatgelehrter und Sanskritforscher. Er beschäftige sich mit indischer Philosophie. Er war mit Paul Klee und Emil Nolde und Gabriele Münter befreundet, alle “verfemte Künstler”. 1925 trennten sich die Eltern. Von 1925 bis 1928 lebte Christoph bei seiner Mutter im Gabriele Münter Haus in Murnau.1928 heirate Hermann Probst die Jüdin Elise Rosenthal. Christophs Schulzeit war durch häufigen Schulwechsel geprägt. von 1932 bis 1935 besuchte er die Internatsschule in Marquartstein, eine Reformschule, die bis zu ihrer Verstaatlichung 1943 kritische Distanz zum Nationalsozialismus wahrte. Ab 1935 besuchte er das Neue Realgymnasium in  München,

an dem auch Alexander Schmorell Schüler war.1936 nahm sich sein Vater in einer Nervenheilanstalt das Leben, was Christoph tief traf, da er seinen Vater sehr verehrte. Auch für seine Steifmutter hatte der Suizid gravierende Folgen, da sie als Jüdin nun nicht mehr vor antisemitischer Verfolgung geschützt war. Sie wurde allerdings von dem Bürgermeister und Ortsgruppenleiter von Ruhpolding geschützt und fand Unterkommen bei einer mutigen Familie. Trotzdem ist es sehr bemerkenswert, dass sie niemand aus der Gemeinde verriet und sie so das 3. Reich überleben konnte.

Christoph kam nach dem Tod seines Vaters ans Landerziehungsheim Schondorf, das dem Nationalsozialismus ebenfalls distanziert gegenüber stand. Mit nur 17 Jahren macht er dort das Abitur. 1939 begann er mit dem Studium der Medizin in München.

1941 heirate er Herta Dohrn. Der Vater Harald leite das Festspielhaus Hellerau, eine reformpädagogische Schule. Er hatte das Haus 1922 dem Gründer von Hellerau Karl Schmidt abgekauft, nachdem dieser wegen der Inflation in wirtschaftliche Schieflage geraten war.

Damit sollten die grundsätzlichen Ziele des Projektes gewahrt werden. ab 1933 wurden die finanziellen Probleme immer größer und Harald Dohrn musste 1938 das gesamte Gelände an den NS-Staat veräußern. Harald Dohrn geriet als Familienangehöriger natürlich

auch ins Visier der NS-Justiz als Christoph Probst verhaftet wurde. Er wurde aber frei gesprochen. Ganz kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner in Bayern hatte er sich an einem Aufruf der Freiheitsaktion Bayern, das war ein Aufruf an die Bewohner in Bayern  zu kapitulieren, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden. Er wurde denunziert und 29. April 1945 von einem Kommando der SS im Perlacher Forst erschossen. Am 30. April nahmen die Amerikaner München ein.

Christoph Probst hatte drei Kinder, Michael, Vincent und Katja. Christoph traf Willi Graf erst 1942. Hans Scholl hatte er durch seinen Freund Alexander kennengelernt. Er nahm nun auch an den Leseabenden der Gruppe teil. Er wurde von Hans und Alexander über die Flugblatt-Aktionen eingeweiht. Um seine Familie nicht zu gefährden.

Beim 6. und letzten Flugblatt har auch Professor Kurt Huber mitgewirkt. Er wurde am 24. Oktober 1893 in Chur in Graubünden geboren. Schon 1896 zogen seine Eltern nach Stuttgart. Dort legte er am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium das Abitur ab. Nach dem Tode des Vaters 1911 zog die Mutter mit den Kindern nach München. An der uni München studierte er Musikwissenschaften,Philosophie und Psychologie. 1917 promovierte er mit dem Prädikat “magna cum laude”. 1920 habilitierte er sich in Psychologie und war ab 1926 als außerordentlicher Professor als Dozent an der Münchner Uni tätig. Er hatte zwei Interessenschwerpunkte, das eine war die Volksliederforschung, das andere Leibniz. Er erwarb sich schnell die Anerkennung der Fachwissenschaft durch seine Veröffentlichungen über

Musikpschychologie und Musikästethik. Sie brachte ihn mit Carl Orff zusammen, mit dem er an der Edition von Musikalien arbeitete, zwei Hefte „Musik der Landschaft, Volksmusik in neuen Sätzen aus dem Bajuwarischen Raum“. Mit Kiem Pauli, einem bayrischen Musikanten und Volksliedsammler organisierte er Preissingen in Rottach-Egern und dabei in Vergessenheit geratenes Liedgut in Bayern wiederentdeckt.

Als die Nazis an die Macht kamen, ging es mit seiner Karriere nicht so vorwärts, da er wohl auch als politisch unzuverlässig denunziert. 1937 baute er in Berlin das Volksliederarchiv auf. Auch ein Lehrauftrag an der dortigen Uni war ihm in Aussicht gestellt worden.

Da er sich aber weigerte, für den NS-Studentenbund Kampflieder zu komponieren und das Amt Rosenberg, die weltanschauliche Führungsorganisation der NSDAP, den Lehrauftrag rückgängig machte, kehrte er nach München zurück. 1940 trat er in die NSDAP ein und wurde sogar verbeamtet. Der nicht ganz linientreue Professor aber hatte starken Zulauf in seinen Vorlesungen. Studenten aller Fakultäten hörten bei ihm, auch der Freundeskreis um Hans Scholl. Im Dezember 1942 suchten Hans und Alexander den persönlichen Kontakt zu Professor Huber. Bei ihm hatten sie „Leibniz und seine Zeit“ gehört. In dieser Vorlesung hatte er auf die staatsbürgerliche Verantwortung der intellektuellen verwiesen. Am 5. Flugblatt arbeiteten sie gemeinsam, das 6. entwarf Karl Huber.

Vom 23. Juli 1942 bis 30. Oktober 1942 waren Scholl, Schmorell und Graf wieder als Sanitäter an der Ostfront. Das Fronterlebnis führte zu zwei Konsequenzen. Es folgte eine weitere Flugblattaktion, diesmal in wesentlich höherer Auflage (geschätzt zwischen 6000

und 9000) und sie wurden auch in weiterem Raum verteilt, diesmal in mehreren süddeutschen und einigen österreichischen Städten. Die Gruppe nahm nun auch Kontakte zu anderen Widerstandsgruppen aus, im Saarland, woher Willi Graf stammte und in Hamburg

über Traude Lafrenz . Lilo Ramdohr hatte den Kontakt zu Falk Harnack hergestellt, der wiederum Kontakte zu Arvid Harnack herstellen sollte. Allerdings wurde die Gruppe um Arvid Harnack in diesem Zeitraum von der Gestapo entdeckt. (s.o.)

Das 5. Flugblatt war eine sehr klare ungeschminkte Darstellung der Lage. “Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, nur noch verlängern!” und weiter “Ich kämpfe bis zum letzten Mann, sagt Hitler – indes ist der Krieg bereits verloren”. Die Verfasser machten sich auch schon Gedanken über die Zeit nach dem Krieg. “ Das kommende Deutschland kann nur föderalistisch sein. Nur eine gesunde föderalistische Staatenordnung vermag heute noch das geschwächte Europa mit neuem Leben zu erfüllen.” Sie schlossen:

“Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa.” (online in Flugblatt V bpb).

Am 13. Januar 1943 wurde im kongressaal des Deutschen Museums der 470. Jahrestag der Gründung der Ludwigs Maximilians Universität gefeiert. Der Gauleiter von München- Oberbayern Ein “150-iger%” Nazi hielt eine Rede, bei der gegen die Drückeberger zu Felde zog und an die Studentinnen gerichtet sagte er, sie sollten anstatt sich rumzutreiben lieber „dem Führer ein Kind schenken“. Die Rede führte zu Tumulten. Der offensichtlich angetrunkene Gauleiter wurden von Studenten aus dem Saal gedrängt. Die jungen Zuhörer, viele Soldaten verließen den Saal. Unter Anführung eines hochdekorierter Leutnant wurden bereits festgesetzte Kommilitonen aus den Händen der Polizei befreit. Dieses Ereignis bestärkte die Gruppe in ihrem Tun.

Die Kapitulation in Stalingrad gab den Anlass zum 6. und letzten Flugblatt. Es wendete sich direkt an die Studenten und begann: “Erschüttert steht unser Volk vor dem Untergang der Männer von Stalingrad. Dreihundertdreißigtausend deutsche Männer hat die geniale Strategie des Weltkriegsgefreiten sinn- und verantwortungslos in Tod und Verderben gehetzt. Führer, wir danken dir !” und dann wurde abgerechnet mit der “Weltanschaulichen Schulung” “In einem Staat rücksichtsloser Knebelung jeder freien Meinungsäußerung sind wir aufgewachsen” Es bezog sich direkt auf die Rede des Gauleiters Paul Giesler “Frontkämpfer werden von Studentenführern und Gauleiteraspiranten wie Schulbuben gemaßregelt, Gauleiter greifen mit geilen Späßen den Studentinnen an die Ehre.”und daraus folgerten die Verfasser des Flugblattes logisch “Es gibt für uns nur eine Parole: Kampf gegen die Partei! Heraus aus den Parteigliederungen, in denen man uns politisch weiter mundtot halten will! (online in Flugblatt VI bpb).

Am  3., 8. und 15. Februar tauchten an den Mauern der Universität die Parolen „Nieder mit Hitler“ und „Freiheit“. Alexander Schmorell, Hans Scholl und Willi Graf hatten dies nachts angeschrieben. Vom 15. auf 16. Februar wurden in München 800 bis 1200 Flugblätter

verteilt. Die letzte Aktion wurde ihnen zum Verhängnis. Am 18. Februar kamen Inge und Hans morgens in die Uni. Die Hörsäle waren noch geschlossen und die beiden legten Flugblätter ab. Dabei wurden sie dem Hausmeister Jakob Schmidt entdeckt und zusammen mit anderen so lange festgehalten bis die Gestapo eintraf. Schon die ersten Flugblätter ließen das Regime sehr nervös reagieren. Die Gestapo ermittelte aber bis zur Verhaftung der Geschwister Scholl ohne Ergebnis.„Fahndungserfolg“  bestand zunächst nur darin, dass akribisch alle Empfänger notiert worden waren, die die Schriften nach Erhalt ordnungsgemäß bei den Ermittlungsbehörden ablieferten. Die Ermittler waren aber immer bestens informiert, denn die Studenten hatten es nicht versäumt, die Flugblätter dem

Polizeipräsidium druckfrisch per Einschreiben zuzusenden!  Historiker können heute dank dieser Aufzeichnungen den Adressatenkreis  der Weissen Rose näher bestimmen. Eine Großfahndung unter Einschaltung aller verfügbaren Stapo- und Kriminalbeamten,

Textanalysen durch den Münchner Altphilologen und Spezialisten für Rhetorik Richard Härder, um ein Täterprofil zu erstellen, belegen unter welchem Druck die Gestapo stand.

Nach der Verhaftung von Inge und Hans wurden die beiden bis zum 21. Februar stundenlang vernommen. Da bei Hans auch der Textentwurf von Christoph Probst gefunden wurde, geriet dieser ebenfalls unter Tatverdacht und wurde verhaftet.

Schon am 22. Februar verhandelte der Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler , der dazu eigens aus Berlin gekommen war. Die Anklage lautete auf “Wehrkraftzersetzung Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat”.

Freisler, der sich “als politischer Soldat” Hitlers verstand, brüllte die Angeklagten, wie er es in allen seinen Prozessen an, erniedrigte sie. Aber sie ließen sich nicht einschüchtern. Sie antworteten ruhig und gefasst. Freisler verkündete das Todesurteil, das noch am selben Tag vollstreckt wurde. In der Urteilsbegründung wurde ganz im Sinne der Dolchstoßlegende argumentiert: “Wer so, wie die Angeklagten, getan haben, hochverräterisch die innere Front und damit im Kriege unsere Wehrkraft zersetzt und dadurch den Feind des Reiches begünstigt (§ 5 Kriegssonderstraf VO und § 91b StrGB), erhebt den Dolch, um ihn in den Rücken der Front zu stoßen!” Und daraus wurde gefolgert, dass “zum Schutze des kämpfenden Volkes und Reiches nur eine gerechte Strafe” folgen kann, die Todesstrafe. (Dossier bpb Sophie Scholl und die Weiße Rose, hier das Todesurteil und die Begründung). Ein Gnadengesuch der Eltern wurde abgelehnt. Das Signal war klar. Der NS-Staat kennt seinen Gegnern gegenüber keine Gnade.

Fritz Hartnagel hatte erst im Lazarett von der Inhaftierung seiner Braut Sophie erfahren, wie es in Telegramm an den Volksgerichtshof hieß, in dem er um die Aufschiebung der Urteilvollstreckung bat, nicht wissend, dass da Sophie schon 5 Tage tot war.

Alexander Schmorell versuchte zu fliehen, was ihm nicht gelang. Er musste nach München zurück, tauchte dort zunächst unter, wurde aber am 24. Februar 1943 während eines Bombenangriffs in einem Luftschutzkeller erkannt und festgenommen.

Kurt Huber wurde am 27. Februar verhaftet. Willi Graf war zusammen mit seiner Schwester am 18. Februar verhaftet worden. Am 19. April 1943 fand der zweite Prozess der Weißen Rose in München statt, ebenfalls unter Vorsitz von Roland Freisler.

Angeklagt waren Alexander Schmorell, Karl Huber, Willi Graf und elf weitere Personen, darunter Traute Lafrenz ,Eugen Grimminger, Heinrich Bollinger und Falk Harnack. Alexander Schmorell, Karl Huber, Willi Graf wurden zum Tode verurteilt, das Urteil an Alexander Schmorell und Kurt Huber am 13. Juli 1943 vollstreckt. Willi Graf wurde erst am 12. Oktober 1943 hingerichtet. Die Gestapo hatte bis dahin versucht, Namen aus dem Umfeld der Weißen Rose heraus zu pressen. Die anderen Angeklagten erhielten zum Teil mehrjährige Haft-oder Zuchthausstrafen. Traude Lafrenz wurde wegen „Mitwisserschaft” zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Eugen Grimminger, der die Gruppe von Stuttgart aus mit Sachspenden unterstützt hatte, wurde zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, Heinrich Bollinger aus dem Umfeld von Willi Graf wegen Verteilung von Flugblättern zu 7 Jahren Zuchthaus. Falk Harnack wurde aus Mangel an Beweisen und wegen „einmalig besonderer Verhältnisse“    freigesprochen. Er wurde dann zunächst der Gestapo überstellt. Im August 1943 wurde er von seiner bisherigen Einheit abkommandiert  zum Strafbataillon 999 nach Griechenland. Dort gelang es ihm  zu desertieren. Er schloss sich der griechischen Partisanenbewegung ELAS an. Bis in die letzten Kriegstage hinein hatten sich die Prozesse gegen die Weiße Rose in München, Hamburg und Donauwörth. Das letzte Todesurteil in diesem Zusammenhang wurde in Donauwörth am 13. Oktober 1944 gefällt. Hans Conrad Leipelt hatte das 6. Flugblatt der Weißen Rose nach der Hinrichtung der Geschwister Scholl und Christoph Probst erhalten, es nach Hamburg gebracht dort mit dem Zusatz versehen “Und ihr Geist lebt trotzdem weiter” und verteilt. Als er Geld für die mittelose Witwe von Kurt Huber sammelte, wurde er denunziert. Das Todesurteil an

Hans Conrad Leipelt wurde am 25. Januar 1945 in München-Stadelheim vollstreckt.     

Die Familie Scholl wurde zunächst in Sippenhaft genommen. Die Frauen mussten auf dem blanken Beton schlafen. Der Vater war wegen Hörens von Feindsendern zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. In der Ulmer Lokalpresse begann eine gnadenlose Hetzkampagne, so dass die Familie schließlich in den Schwarzwald umsiedelte. Nach dem Krieg ernannten die Amerikaner aber Robert Scholl am 7. Juni 1945 zum Ulmer Oberbürgermeister, ein Amt, das er bis 1948 innehatte.

Fritz Hartnagel, Sophies Freund, stand auch nach der Hinrichtung der Geschwister zur Familie, unterstütze sie finanziell und zeigte sich demonstrativ mi Robert in der Öffentlichkeit. Im Oktober 1945 heiratete er Elisabeth Scholl, Sophies Schwester.

Eine Spruchkammer stufte ihn in einem Entnazifierungsverfahren als “Mitläufer” ein und belegte ihn mit einer Geldbuße von 200 Mark. Das hätte es ihm unmöglich gemacht, sein Jurastudium, das er an der Uni München begonnen hatte, fortzusetzen.

Erst ein Einspruch, detaillierte Stellungnahme und eine Reihe von Zeugenaussagen brachten die Kammer dazu, die Einstufung zu korrigieren. Er konnte sein Studium beenden, wurde schließlich Vorsitzender Richter am Landgericht Stuttgart. Er engagierte sich gegen die Wiederbewaffnung, baute die Organisation Internationale der Kriegsdienstkrieger auf und engagierte sich in der Friedensbewegung. Er nahm auch in Mutlangen an der Blockade gegen die Pershing-Raketen teil. Er wurde wegen Nötigung angezeigt und vom Amtsgericht Schwäbisch Gmünd zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen verurteilt.

 

§. Jugendopposition im Dritten Reich

Das nationalsozialistische System hatte gleich nach der Machtübernahme begonnen alle Bereiche des Lebens nach seinen Vorstellungen umzugestalten. Die Hitlerjugend und unter deren Dach der Bund Deutscher Mädel wurde

zum alleinigen Staatsjugendverband ausgebaut. Deshalb wurden alle anderen bisher bestehenden Jugendverbände aufgelöst, verboten oder “gleichgeschaltet. Das traf Pfadfinder, Sozialistische Arbeiterjugend, Bündische Organisationen in der Tradition des

“Wandervogels” Sportverbände und konfessionelle Jugendbünde. Die Jugendlichen wurden zum Übertritt gezwungen.Für die HJ bedeutete es einen totalen Wandel von Aufgabe und Struktur. Vor 1933 war sie eine unbedeutende Größe innerhalb der deutschen Jugendbewegung. Nun aber war der Anspruch auf alleinige Vertretuq ng der Jugend. Nun musste eine nach Millionen zählende Schar von Jugendlichen “verwaltet” und unterhalten werden. Die Reichsjugendführung wollte die Jugend ideologisch gewinnen. Man war also gezwungen, auf die beliebten jugendbewegten Riten und Verhaltensmuster zurückzugreifen. Man “bediente” sich also im weit gefächerten Angebot ursprünglich bündischen Lebens. Ob das aus Pragmatismus war oder eher aus der Not geboren, da man selbst nicht über ausreichende Grundlagen zu verfügen, spielt eigentlich keine Rolle. Man Griff auf das Liedgut der sozialistischen Jugendbewegung zurück, übernahm die Texte teilweise wörtlich.Auch der “Zupfgeigenhansl”, das Liederbuch der Wandervogelbewegung bildete einen wichtigen Grundstock für die Lieder, die in der HJ gesungen wurden. Singen war neben Sport und Spiel die wichtigste Säule des Angebots an die Jugend in der Zeit, in der es weder Fernsehen, noch Computer noch Gameboy gab.

Ab 1936 hatte die HJ die Stellung einer Staatsjugendorganisation erreicht. Nun oblag ihr die Aufgabe, die gesamte Erziehung der Erziehung außerhalb der Schule und des Elternhauses-und im Zweifelsfall gegen dieses zu lenken. Im Frühjahr 1939 wurde die

“Jugenddienstpflicht” eingeführt. Das zeigte den Zwangscharakter der Jugendorganisation der Nazis noch klarer.“Weltanschauliche Schulung“, militärischer Drill, Befehl und Gehorsam bildeten Rahmen wie Inhalt des Dienstes. Die Teilnahme am Dienst konnte durch die Polizei erzwungen worden. Natürlich forderte das den Widerstand vieler Jugendlicher heraus. Das ging von der stillen Verweigerung bis bis zur offenen Auflehnung gegen das totale Erfaßtwerden durch den Staat. Die Formen des Jugendprotests waren vielfältig

und sie hatten wie aus Gestapoberichten hervorgeht eine beträchtliche Größenordnung.

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In München hatte sich um Walter Klingenbeck ein Freundeskreis gegründet, dessen Verbrechen darin bestand,ausländische Rundfunksender zu hören. Seit 1. September 1939 stand darauf Zuchthausstrafe und die “Verordnung über außerordentliche Rundfunkmaßnahmen” vom 1. September 1939 regelte in Absatz 2 “Wer Nachrichten ausländischer Sender, die geeignet sind, die Widerstandskraft des deutschen Volkes zu gefährden, vorsätzlich verbreitet, wird mit Zuchthaus, in besonders schweren Fällen mit dem Tode bestraft.” (RGBl Teil I 1939 S.1680). Walter Klingenbeck wurde 1924 in München geboren. Bis 1936 war er überzeugtes Mitglied der katholischen Jungschar, die 1936 aufgelöst wurde. Das weckte in ihm schon in sehr jungen Jahren die Regimekritik.zusammen mit seinem Vater hörte er regelmäßig Radio Vatikan und als sein Vater die seit Kriegsbeginn verbotenen Sender nicht mehr hörte, machte er allein weiter.Zusammen mit drei anderen Lehrlingen, die eine ähnliche politische und religiöse Grundeinstellung verband, hörten sie die deutschsprachigen Sendungen der BBC und Radio Vatikan. In Bogenhausen folgten sie dem Aufruf der BBC und malten an 40 Gebäuden das V-Zeichen an. sie wurden denunziert und vor Gericht gestellt.Klingenbeck und seine Freunde Hans Haberl und Daniel von Recklinghausen wurden zum Tode verurteilt, der 4. Erwin Eidel zu acht Jahren Zuchthaus. Zwar durfte gegen einen nicht Volljährigen die Todesstrafe nicht verhängt werden. Aber die im Oktober 1939 erlassene

„Verordnung zum Schutz gegen jugendliche Schwerverbrecher“ machte über die Ausnahme wenn Jugendliche über 16 in ihrer geistigen und seelischen Entwicklung einer über 18 Jahre alten Person gleich zu achten sind, den Weg zur Todesstrafe frei.

Karl Engert, Vizepräsident am Volksgerichtshof und seit 1921 Parteimitglied und überzeugter Nationalsozialist führte den Prozess und berief sich auf die Ausnahme. Haberl und von Recklinghausen wurden  ein Jahr nach dem Prozess begnadigt und am Kriegsende von den Alliierten aus dem Gefängnis befreit. Walter Klingenbeck wurde am 5. August 1943 im Alter von nur 19 Jahren hingerichtet.

In Berlin hatte sich um Hanno Günther eine kleine Gruppe gebildet, die in Flugblättern gegen den Krieg Stellung nahmen. Hanno Günther wurde am 12. Januar 1921 in Berlin geboren. Seine Eltern meldeten in an der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln an, der damals bekanntesten Reformvolksschule Berlins. An der Rütli-Schule lernte Hanno Mitschüler kennen, die sich später zu einer oppositionellen Gruppe gegen das Nazi-Regime zusammenschlossen. Die Schule wurde gleich nach der Machtergreifung aufgelöst. 1934 meldeten ihn die Eltern in der Aufbauschule der Insel Scharfenberg an. Diese Schule war für ihren demokratischen Schulgeist bekannt. Doch 1934 hatte der Reformgeist der Schule schon sein Ende gefunden. Die Reformpädagogen hatten die Schule verlassen.

Die Nazis hatten das aktive NSDAP-Mitglied Studienrat Felix Scholz als Schulleiter eingesetzt und schon 1936 konnte dieser melden, “daß die „Umwandlung der Städtischen Schulfarm Insel Scharfenberg in eine Pflanzstätte nationalsozialistischer Erziehung“

(zitiert in: Schulfarm Insel Scharfenberg Historisches online) Als Hanno Günther einen Aufsatz schrieb, der einem Lehrer nicht gefiel, wurde ihm “empfohlen”, die Schulfarm zu verlassen. Ohne abgeschlossen Schulausbildung ging er von der Schule ab und begann eine Bäckerlehre. Aus der HJ trat er aus, was 1936 noch kein Problem war. Er stieß zu einem Gesprächsreis um Elisabeth Pungs, die sich in ihrer Wohnung mit KPD-Mitgliedern oder Sympathisanten traf. Dort wurde über Politik diskutiert, aber auch marxistische Werke gelesen. Elisabeth Pungs beeinflusste Hanno politisch sehr stark. Nach dem Überfall auf Polen verfassten die beiden insgesamt 6 Flugblätter “Das freie Wort”. Außerdem brachten sie Klebezettel mit Parolen an gut sichtbaren Stellen an. Da hieß es z.B.

„Jeder Sieg bringt neuen Krieg!“. Sie wollten der allgemeinen Jubelstimmung die in Deutschland vor allem nach dem Sieg über Frankreich herrschte etwas entgegensetzen. 1940 traf er sich auch mit ehemaligen Klassenkameraden von der Rütlischule, deren systemkritischen Haltung ihm bekannt war. Dazu zählte Dagmar Petersen, Emmerich Schaper, Wolfgang Pander und Bernhard Sikorksi. Mit ihnen traf er sich regelmäßig und las ähnlich wie im Kreis um Elisabeth Pungs marxistische Schriften. Hanno war ständig auf der Suche nach neuen Kontakten, um seine Widerstandsaktivitäten auszuweiten. So bekam er auch den Kontakt zu Herbert Bochow vermittelt. Das war ein KPD-Funktionär, gleich nach der Machtergreifung in Schutzhaft genommen und bis 1984 im KZ Sachsenburg festgehalten. Kurz nach seiner Entlassung geriet er erneut ins Visier der Gestapo. Im November 1934 wurde er zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten verurteilt. Nach seiner Entlassung fand er im Sommer 1936 Kontakt zur Untergrundorganisation der KPD in Dresden. Der erfahrene Widerstandskämpfer Bochow riet Hanno, die gefährlichen Flugblattaktionen einzustellen. Nach anfänglichem Zögern folgte er schließlich dem Rat. Ironischerweise wurde ihm genau dieser Kontakt zum Verhängnis. Bochow war nämlich im Juni 1941 verhaftet worden. Nach tagelangen Verhören und Folterungen war er zusammengebrochen und hatte alle seine Kontakte preisgegeben. So kam die Gestapo auf die Spur Hannos und seiner Gruppe. Am 28. Juni wurde die Gruppe verhaftet.

Emmerich Schaper starb schon  an den Folgen der brutalen Verhöre. Der Prozess fand am 9. Oktober 1942 vor dem Volksgerichtshof statt. Den Vorsitz hatte Robert Hartmann inne, seit 1936 am Volksgerichtshof. Während des Krieges war er 1. Vorsitzender des 2. Senats und außerdem war er auch Richter am Sondergericht in Prag. Dagmar Petersen wurde zu sieben Jahren Zuchthaus, die übrigen Angeklagten ausnahmslos zum Tode verurteilt. Die Urteile wurden am 3. Dezember 1942 vollstreckt. Er war in Berlin an zahlreichen Todesurteilen beteiligt. In Prag war für mindestens 21 Todesurteile gegen tschechische Gegner des Regimes mitverantwortlich. Seine blutige NS-Vergangenheit hinderten seine Nachkriegskarriere als Jurist nicht. Er war Leiter des Amtsgerichts Königswinter und

konnte 1961 eine wohldotierte Ausstiegsmöglichkeit nutzen. Er konnte seine Pension völlig unbehelligt von der Justiz verleben

Neben diesen kleinen Gruppen bildeten sich vor allem im Krieg an vielen Orten Cliquen und Banden. Man lehnte die HJ ab. Man demonstrierte in Kleidung  und Auftreten einen Lebensstil, der sich deutlich von der Staatslinie abhob. Man pflegte freie Fahrten, wie sie in der Wandervogelbewegung üblich waren. Dies aber hatte die HJ-Führung verboten. Es wurde auch auf strenge Geschlechtertrennung geachtet. Man ging gemeinsam auf Fahrt. Die Mädchen, die sich den wilden Jugendgruppen anschlossen, hatten sich nicht in die von den Nationalsozialisten geforderte “Frau-und Mutterrolle drängen lassen. Ihre Anwesenheit bei den wilden Gruppen machte diese natürlich zusätzlich attraktiv. Überwacht wurde das Leben der Jugendlichen vom HJ-Streifendienst. Bis 1936 waren seine Befugnisse auf die HJ begrenzt, seit 1938 war er aber für die gesamte Jugend zuständig. Die Überwachung “bündischer Gruppen” wurde in den Richtlinien für den HJ-Streifendienst vom 1. 06. 1938 geregelt. Da hieß es unter 1. “Die bündische Jugend ist in allen ihren Erscheinungsformen reichsgesetzlich verboten. Bündische Betätigung ist staatsfeindliche Betätigung. Die Überwachung der sich bündisch betätigenden Jugendlichen ist Sache der HJ und gehört damit zu einer wesentlichen Aufgabe des SRD.” (Quelle:

Hellfeld: Bündische Jugend und Hitlerjugend, S. 189f.) Ein Zusammentreffen mit dem Streifendienst führte immer zu Auseinandersetzungen, die immer öfter mit Gewalt ausgetragen wurden und von den wilden Jugendgruppen auch oft provoziert wurden.

Die Prügeleien mit der HJ führten zu verstärkter Verfolgung durch den Staatsapparat und so wurde eine Spirale der Gewalt in Bewegung gesetzt.

Einen guten Einblick in die Formen der Jugendopposition bietet eine Denkschrift, die Reichsjugendführung im September 1942 vorgelegt hatte. Sie stammte von Reichsbannführer William Knopp, der Hauptabteilungsleiter im Personalamt war und in dieser Funktion

die Führung der HJ-Überwachungsdienststellen und des HJ-Streifendienstes innehatte. In “Cliquen- und Bandenbildung unter Jugendlichen“ Die Masse der “auffälligen” Jugendlichen wurde im wesentlichen in zwei Gruppen aufgeteilt in

in „Zusammenschlüsse mit vorwiegend krimineller Tätigkeit“ und in „Zusammenschlüsse mit weltanschaulich-politischer Grundhaltung (Gegner-gruppen)“. Die “kriminellen Gruppen” bestanden im wesentlichen aus den von jeher bekannten jugendlichen Diebesbanden. Die andere Gruppen setzten nach der Denkschrift „bewußt Traditionen der ehemaligen bündischen Jugend und der konfessionellen Jugendverbände fort“. Erstaunlich war auch die Verbreitung opponierender Jugendlichen. Es gab nur wenige Großstädte ohne solche Gruppen. Allein die bloße Existenz solcher nichtangepasster Jugendgruppen bereitete den Behörden insbesondere der Gestapo großen Verdruss. Auch der “Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei “ Heinrich Himmler reagierte.

In seinem Erlass vom 25.10. 1944 wurde festgestellt: „In allen Teilen des Reiches, insbesondere in größeren Städten haben sich seit einigen Jahren – und in letzter Zeit in verstärktem Maße – Zusammenschlüsse Jugendlicher (Cliquen) gebildet. Diese zeigen z. T. kriminell-asoziale oder politisch-oppositionelle Bestrebungen und bedürfen deshalb, vor allem in Hinblick auf die kriegsbedingte Abwesenheit vieler Väter, Hitler-Jugend-Führer und Erzieher, einer verstärkten Überwachung.“ Die oben angeführte Denkschrift

hatte zwei Grundtypen der nichtangepassten Jugendlichen hervorgehoben. Das eine war die „individualistisch-liberalistischen“ Gruppen, die unter dem Sammelbegriff “Swing-Jugend” zusammengefasst wurden. Das waren meist Söhne und Töchter aus der bürgerlichen Mittelschicht. Die “Swing-Jugend” war ursprünglich in Hamburg entstanden,  aber bald in vielen norddeutschen Städten verbreitet. Man gefiel sich in “lässigem” und auffälligen auftreten in der Öffentlichkeit. Man zeigte Vorlieben für Jazz und Swing

von den Nazis als “undeutsche Negermusik” abqualifiziert. Zwar zeigte die Swing-Jugend keine ausdrückliche politische Betätigung, aber das forciert angelsächsische Gehabe und die Vorlieben für verpönte Musikstile provozierte natürlich. Das Regime betrachte das als Widerstand und regierte entsprechend. Verfolgung und Einweisung ins KZ zeigten, dass die Nazis selbstbestimmtes Jugendleben nicht hinnahmen. Neben dieser ausgesprochen bürgerlichen Gruppe war er andere Grundtyp eine Gruppierung mit jungen Arbeitern und Lehrlingen meist proletarischer Herkunft. Das waren die “Edelweisspiraten” im Rheinland und im Ruhrgebiet vor allem in den Großstädten Essen, Köln, Düsseldorf, die Leipziger oder Erfurter Meuten, in Dresden bezeichnetet sie sich als Mob in

München als Blasen. Sie waren robuster und rowdyhafter. Deshalb erschienen sie den Behörden auch als besonders gefährlich. Das Edelweiss war eines von vielen Kennzeichen der bündischen Jugend. Unangepasste Jugendliche trugen es nun versteckt unterm Revers. Die „Lieblingsblume des Führers“ war überall zu bekommen. Mit Beginn des Krieges wurde die Verfolgung der Jugendgruppen mit immer rabiateren Methoden durchgeführt. Folter und Gefängnishaft gehörten nun zum Instrumentarium. Die Protesthaltung steigerte sich nun zur Wut. Die Sinnlosigkeit des Krieges wurde immer offensichtlicher. Nun wurden auch selbstgebastelte Judensterne getragen, eine gefährliche Aktion. Kölner Edelweisspiraten halfen, Juden zu verstecken, versorgten ausgemergelte Zwangsarbeiter mit Brot, das sie aus einem gekaperten Zug geklaut hatten, ließen sogar Waggons entgleisen, was als Sabotage mit dem Tode bestraft wurde. Es gab aber auch nur Großstadtkriminalität. Edelweisspiraten wurden neben Schlägereien mit der HJ auch wegen Einbruch oder Schwarzhandel verurteilt. Die größte Gruppe der Edelweisspiraten gab es in Köln. Dort dürfte es wohl rund 3500 gegeben haben. Der spektakulärste Fall ereignete sich in Köln-Ehrenfeld.Allerdings zeigt gerade dieses Beispiel  die Problematik, wie es bewertet werden soll. War die Köln-Ehrenfelder Gruppe bewertet werden. Waren es Widerstandskämpfer oder schlicht Gewalttäter. Zentrale Figur der Ehrenfelder Gruppe war der 23 –Jährige Hans Steinbrück. Er war ein entsprungener

KZ-Häftling. Im August 1944 startete er eine Einbruchsserie in Köln-Ehrenfeld und zwar recht erfolgreich. Zunächst hatten sie  Werkzeug und ein paar Säcke Zement gestohlen. Ein Einbruch in ein Lebensmittellager brachte eine Beute von einigen Zentner Butter und Margarine, was auf dem Schwarzmarkt 12.000 Reichsmark für jeden Beteiligten erbrachte. Zum Vergleich ein Arbeiter arbeitete in dieser Zeit für einen Wochenlohn von 50 Reichsmark. Der nächste Einbruch im selben Lager war noch erfolgreicher. Man erbeutete

26 Zentner Butter im Wert von 123.000 Reichsmark. Steinbrück legte aber nun ein regelrechtes Waffenarsenal an. Der Grund dafür ist nie völlig geklärt worden. Aber es existierte sogar ein Plan, die Kölner Gestapozentrale in die Luft zu sprengen.

Natürlich hatte die Einbruchsserie auch Aufsehen und Aufmerksamkeit erregt. Eine Heeresstreife wurde auf Steinbrücks Unterschlupf hingewiesen. Steinbrücks Wirtin und zwei Jüdinnen wurden verhaftet. Ein Posten wurde vor dem
Haus als Wache postiert. Am nächsten Tag kam es zu einer Schießerei, bei der ein Polizeibeamter, der NSDAP-Ortsgruppenleiter von Ehrenfeld und ein HJ-Streifenführer getötet wurden. Steinbrück und seine Gruppe konnte zunächst unerkannt entkommen. Aber

nun wurde die Lage für die Gestapo ernst und der Kampf gegen solche Cliquen kriegswichtig. Am 4. Oktober wurde Steinbrück als letzter verhaftet. Insgesamt wurden 13 Leute festgesetzt. Die Geständnisse wurden erprügelt. Die Gestapo legte ihnen 5 Morde

sowie versuchten Sprengstoffdiebstahl zur Last. Ohne Gerichtsurteil wurden sie am 19. November öffentlich gehenkt. 5 von ihnen war gerade mal 16 Jahre alt. Staatliche Stellen taten sich schwer mit der Bewertung der Ehrenfelder Gruppe. Sie übernahmen lange die Bewertung der Gestapo. Schon 1952 hatte die Familie von Bartholomäus Schink die Anerkennung des Ermordeten als Politisch Verfolgtem beantragt. Das wurde abgelehnt, worauf ein langer Rechtsstreit folgte. 1984 wurde er aber ebenso wie der Kölner Edelweisspirat Jean Jülich als Gerechter unter den Völkern gewürdigt. 1986 wurde eine Gedenktafel angebracht, die allerdings 2002 wieder abgenommen wurde, weil dort die Unterführung bei Streckenarbeiten der Bahn verbreitert wurde. Erst 2003 wurde die Gruppe vom Kölner Regierungspräsidenten rehabilitiert und als „politisch Verfolgte und Widerstandskämpfer“ bezeichnet.  Auch unter den Historikern ist die Meinung geteilt, ob die unangepassten Jugendlichen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu rechen seien. Klar ist aber, dass sie ihr Leben ohne Bevormundung und Indoktrination durch die Nationalsozialisten leben wollten oder wie der Kölner Zeitgeschichtler Martin Rüther, der sich mit den Edelweisspiraten befasste resümiert: Sie waren

„nicht dezidiert politisch“  aber stets bereit, Konflikte mit dem Regime zu provozieren, viel mehr, „als sich der größte Teil der erwachsenen Bevölkerung jemals traute“.( In Spiegel 45 /2005 vom 07.11.2005 “Widerstand aus der Gosse)

 

4. Kreisauer Kreis

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Dem Nationalsozialismus standen weite Teile des Bürgertums am Anfang mehrheitlich mit Sympathie, oft sogar mit Begeisterung gegenüber. Sie lagen durchaus auf Linie mit einem Staat, der an patriotische Gefühle appellierte, der gegen die politische

Linke vorging. Es war nur eine Minderheit konservativer oder liberal denkender Bürger, die von Anfang an skeptisch gegen das Regime waren. Sie zeigten ihre Vorbehalte aber nicht offen, hatten sich in die “innere Emigration” zurückgezogen. Der augenscheinliche Erfolg der Nationalsozialisten lähmte auch die Regimegegner. Offene Kritik wurde nicht geübt. Nur im Kreise Gleichgesinnter wurden politische Ereignisse und Lebensumstände kritisch kommentiert. Erst allmählich wuchs die moralische Empörung über die alltägliche Gewalt.In ganz verschiedenen Kreisen der traditionellen Eliten, die von den Nationalsozialisten entmachtet worden waren oder die nach anfänglicher Gefolgschaft zur Einsicht in die wahre Natur des Regimes kamen, entstand Unruhe: Zum einen über die Radikalisierung der nationalsozialistischen Politik, insbesondere gegenüber den Juden. Zum andern war es die expansionistische Außenpolitik Hitlers, die ganz offensichtlich auf Krieg angelegt war. Nun begannen Mitglieder der traditionellen Elite aus den

verschiedensten Kreisen aus der Verweigerung und Distanz allmählich zum Widerstand überzugehen. Es war eine Auseinandersetzung auch um eine Zukunft, die man nicht einem menschenverachtenden Gegner überlassen wollte. In mehreren Widerstandskreisen wurde über eine Neuordnung nach dem Ende der NS-Herrschaft, die man erhoffte nach gedacht. Durch persönliche Beziehungen einzelner Mitglieder verknüpft wurden nun Informationen unter den verschiedenen Gruppen weiter gegeben und man suchte auch Kontakt zum militärischen Widerstand. Es wurde konkret für die Zeit nach Hitler geplant und auf seinen Sturz hingearbeitet.

Der Kreisauer Kreis entstand um 1940 um Helmut James Graf von Moltke und Peter Graf York von Wartenburg. Schon vor dem Krieg hatten sich Gesprächskreise von Regimekritikern um die beiden gebildet. Bis Anfang Juni 1941 fanden mehrere Gesprächsrunden statt. Daneben suchte man zuverlässige Personen zu gewinnen, die sich an einem systematischen Neuordnungskonzept für Deutschland beteiligen wollten. Man wollte tragfähige Entwürfe ausarbeiten. Freya von Moltke, die Gattin von Helmut James organisierte

vom 22.-25 Mai 1942 ein erstes Treffen auf Schloss Kreisau, genauer gesagt im “Berghaus”, in dem die Familie von Moltke seit Anfang der 30-iger Jahre lebte, nachdem sie das Herrenhaus, also das Schloss aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben hatte.

Ein zweites Treffen fand vom 16. bis 18. Oktober 1942 statt. Das dritte Treffen fand wieder an Pfingsten statt, vom 12. bis 14. Juni 1943. Die Lage hatte sich stark geändert. Die 6. Armee hatte in Stalingrad kapituliert. Die Wehrmacht hatte sich von der Linie Don/Wolgau auf das Donezbecken zurückgezogen. Es war offensichtlich geworden, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Die Verbrechen von Wehrmacht und SS in Russland waren den Kreisauern bekannt geworden. Die Ergebnisse der Tagungen waren in mehreren Grundsatzerklärungen festgehalten worden. In der Denkschrift von Moltkes von 1941 über „Ausgangslage, Ziele und Aufgaben“,die aus der Beratung im engeren Freundeskreis hervorging, heißt es daß „das Kriegsende eine Chance zur

günstigen Neugestaltung der Welt bietet, wie die Menschheit sie seit dem Zerfall der mittelalterlichen Kirche noch nicht gehabt hat“. Die Kreisauer formulierten das Konzept der “kleinen Gemeinschaften”. Jede Form vorstaatlicher Kommunikation genossenschaftlicher Prägung, egal ob es sich um Familie,die Nachbarschaft, Vereine, Studiengruppen, Wohngemeinschaften, Jugendgruppen oder soziale und kulturelle Einrichtungen bis hin zu Gemeinschaftsleistungen wie Feuerwehr oder Kindergärten aber auch Kirchen oder kulturelle und wissenschaftliche Vereinigungen sollten zum Ausgangspunkt der politischen Verfassung gemacht werden. Das sozialpolitische Programm strebte die Sicherung sozialer Grundrechte an, sah eine eingehende Regelung der Arbeitsbedingungen vor, schloß Mitbestimmung am Arbeitsplatz ebenso ein wie überbetriebliche Mitbestimmung. Ebenso sollte das Recht auf Arbeit sichergestellt sein. Das parlamentarische System hatte sich nach Meinung der Kreisauer als untauglich erwiesen.

Die Einwirkung politischer Parteien sollte möglichst unterbunden werden. Die außenpolitischen Entwürfe zielten konsequent auf eine Einigung Europas. Die Kreisauer wollten einen Sturz Hitlers. Deswegen suchte man auch den Kontakt zum Widerstand. Der Sturz aber sollte nicht durch ein Attentat und die Tötung Hitlers erfolgen, sondern durch dessen Gefangenahme. Die Bestrafung der NS-Verbrechen sollte von einem internationalen Gerichtshof erfolgen.

Der Kreisauer Kreis hatte sich zu einem Zentrum des bürgerlichen Widerstandes entwickelt. Er bestand aus mehr als 20 Aktiven und ebenso vielen Sympathisanten. Er umfasste ein breites Spektrum von Sozialdemokraten über Konservative sowie Angehörige der beiden großen Konfessionen, die geeint waren von der Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus und dem Willen, eine Neuordnung für Deutschland nach dem Nationalsozialismus zu entwickeln. Da man sich immer wieder in kleinen Gruppen traf, wussten viele der Kreisauer gar nicht, wer alles zum Kreis gehörte nur von Moltke und von York hatten die Fäden in der Hand. Sie hatten Kontakte zu allen Teilnehmern und koordinierten die Diskussion der Konzepte. Parallel zu den Gesprächen und Tagungen wurde der Kontakt

zu anderen Widerstandsgruppen gesucht. Man hatte Kontakt zum militärischen Widerstand bestanden um Ludwig Beck.Auch zu der Gruppe um Goerdeler gab es Beziehungen, wie zu dem Gewerkschafter Wilhelm Leuschner oder dem Diplomaten Ulrich von Hasell.

Von Moltke und von Trott suchten auch Kontakte zum Widerstand in den besetzten Ländern wie Norwegen, Dänemark und den Niederlanden sowie zu den Alliierten. Ebenso standen die Kreisauer mit kritischen Kirchenmännern wie dem Berliner Bischof Preysing

in Verbindung.

Im Januar 1944 wurde von Moltke von der Gestapo verhaftet, weil er seinen Freund Otto Kiep gewarnt hatte, dass in den Teekreis von Hanne Solf ein Gestapospitzel eingeschleust worden war und deshalb bald Verhaftungen stattfinden würden. Die Gruppe konnte zwar Kontakt zu von Moltke halten, bekam ihn aber nicht frei. Die Arbeit der Gruppe war der Gestapo zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Der Kreisauer Kreis reduzierte sich nun zu einer Rumpfgruppe. Einige aus dem Kreis schlossen sich nun der Gruppe um

von Staufenberg an, zu der ja schon vorher Kontakte bestanden. Nach dem gescheiterten Attentat wurden viel verhaftet. Acht wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Die wichtigsten Mitglieder waren Helmut James Graf von Moltke und Peter Graf York von Wartenburg, die den Kreis ja geführt hatten. Dann ein Vetter von Moltke Carl Friedrich von Trotha, der Rechts-und Staatswissenschaftler Horst von Einsiedel, Hans Lukaschek,

der Pädagoge Adolf Reichwein, der SPD-Politiker Carlo Mierendorf, der 1943 bei einem Bombenangriff auf Leipzig ums Leben kam, dessen Freund und ebenfalls SPD-Politiker Theodor Haubach, die  Jesuitenpatres Augustin Rösch und dessen Sekretär Lothar König und  Alfred Delp, der spätere CDU-Politiker Eugen Gerstenmaier.

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Helmut James Graf von Moltke wurde am 1907 auf dem Familiengut Kreisau geboren. Sein Großvater Wilhelm von Moltke hatte Kreisau 1891 als Erbe von seinem Bruder, dem preussischen Generalfeldmarschall und Chef des preussischen Generalstabs

Helmuth von Moltke übernommen. Er kam 1905 bei einem Unfall mit einer Pferdekutsche ums Leben.nun wurde Helmuth, der Vater von Helmut James Herr über Kreisau. Kurz nach dem Tod seines Vaters heiratete Helmuth die Südafrikanerin

Dorothy, das einzige Kind von Jessie und Sir James Rose Innes. Sir James war Justizminister von Transvaal und von 1914-1927 Obererster Richter Südafrikas. Dorothy hatte eigentlich ihre Ausbildung in Europa fortsetzen wollen. Nun wurde sie Herrin über Kreisau

und innerhalb von wenigen Jahren Mutter von 5 Kindern. Als erster Sohn wurde Helmut James am 11. März 1907 in Kreisau geboren. Nach dem Besuch des Landerziehungsheim Schondorf, in dem wie oben beschrieben auch Christoph Probst Schüler war, und dem

Realgymnasium in Potsdam begann er mit dem Studium der Rechtswissenschaften. Noch ein Wort zum Landerziehungsheim. Auf seiner Homepage wird das Erziehungsziel der Einrichtung so beschrieben: “gegenseitige Erziehung zu Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Engagement und Verantwortung”. Helmut James studierte in Breslau, Heidelberg, Berlin und Wien. In Waldenburg in Niederschlesien (heute Wałbrzych in Polen) lernte er den dortigen Landrat kennen und war erschüttert über die dortigen Lebensbedingungen. Schlesien war nach dem 1. Weltkrieg zwischen Polen und Deutschland geteilt worden und das Steinkohlerevier von Waldenburg war  in den 20-iger Jahren einer der ärmsten Landstriche Mitteleuropas.Helmut James ließ es nicht bei der Erschütterung. Zusammen mit drei Hochschullehrern und zwei Studenten gründete er am 18. September 1927 in Kreisau die Löwenberger Arbeitsgemeinschaft. Das Ziel war Menschen aller Konfessionen, Generationen und Bevölkerungsschichten zur Lösung der

wirtschaftlichen Probleme zusammen zu bringen. Die Studenten waren neben Heinrich sein Vetter Carl Dietrich von Trotha und Horst von Einsiedel. Alle drei waren dann auch im Kreisauer Kreis im Widerstand aktiv. In den Jahren 1928, 1929 und 1930 fanden drei Arbeitslager statt. Sie waren ein voller Erfolg und wurden national und international stark beachtet. In allen Ländern Deutschlands wurden sie nachgeahmt.

Vormittags stand körperliche Arbeit auf dem Programm, nachmittags Vorträge und Gesprächsrunden, abends wurden kulturelle Veranstaltungen angeboten.

Der Ausbruch der Weltwirtschaftskrise beendete die Tätigkeit der Löwenberger  Arbeitsgemeinschaft. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierte der Rechtshistoriker und Soziologe Eugen Rosenstock-Huessy  in die Vereinigten Staaten. Er war

jüdischer Herkunft und hatte die Zeichen der Zeit erkannt. Er hatte die Freiwilligen Sozialen Arbeitsdienste konzipiert und auch die Arbeitslager der Löwenberger Arbeitsgemeinschaft durchgeführt. Mit seiner Emigration verlor die Arbeitsgemeinschaft ihren führenden Kopf. Walter Hammer, Gründer und Leiter des Arbeitskreises Deutscher Widerstand nannte ihn den „Erzvater des Kreisauer Kreises“  genannt. Die Löwenberger Arbeitsgemeinschaft kann sowohl was die personelle Zusammensetzung als auch die weltanschauliche Prägung als Keimzelle des Kreisauer Kreises angesehen werden.

In Berlin hatte Helmut James die österreichische Pädagogin Eugenie Schwarzwald kennengelernt, die zusammen mit ihrem Mann das Schwarzwald’sche Wohlfahrtswerk in Wien gegründet. Auf ihre Einladung war er auch in ihrer Villa am Grundlsee im Salzkammergut. Er war so angetan, dass er zwei Semester in Wien studierte, um vom Schwarzwaldkreis profitieren zu können. Am Grundlsee war auch Carl Deichmann zu Gast, Sohn des Kölner Bankiers Carl Theodor Deichmann. Carl und Helmut James kannten sich von einem gemeinsamen Schuljahr im Internat Schondorf. Carls Schwester Frey besuchte ihren Bruder am Grundlsee und lernte dort 1929 Helmut James kennen. Sie verliebte sich in ihn “Ich sah ihn und mein Herz stand still” (zitiert in Freya von Moltke, Ein Jahrhundertleben 1911- 2010, München 2011, S. 36). Die Deichmanns zählten zu den reichsten Kölner Familien.Allerdings musste das Bankhaus Deichmann am 24. September 1931 bedingt durch die allgemeine Wirtschaftskrise Konkurs wegen Zahlungsunfähigkeit anmelden. Carl Theodor Deichmann verlor sein gesamtes Vermögen.

1929 übernahm  Heinrich James das verschuldete Familiengut, das ebenfalls schwer unter der Wirtschaftskrise litt. Er begann den Betrieb, auf dem etwa 60 Menschen beschäftigt waren, zu sanieren. 1930 war Freya zum ersten Mal in Schlesien.

Die wirtschaftliche Lage von Kreisau besserte sich. Im Oktober 1931 heirateten Freya und Helmut James, “arm” wie Freya betonte. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Helmut James ging zur Fortsetzung seiner Ausbildung nach Berlin. Er arbeitete dort als Referendar. Freya, die ebenfalls Jura studierte, setzte ihr Studium fort, das sie mit der Promotion abschloss. 1934 bestand Helmut James sein Assessorexamen. Allerdings waren jetzt schon die Nazis an der Macht. Er verzichtete auf die Richterlaufbahn, da er sonst in die NSDAP hätte eintreten müssen. Er arbeitete zunächst in der Kanzlei für internationales Privatrecht von Karl von Lewinski. Hier befasste er sich vor allem mit den Problem von Juden, die von den Folgen der nationalsozialistischen Judenpolitik und Gesetzgebung betroffen waren. Von 1938-1935 arbeitete er in der Kanzlei von Paul Leverkühn und von 1941 bis zu seiner Verhaftung  in der Kanzlei von Friedrich Carl Sarre und Eduard Wätjen. Von 1935 bis 1938 hielt er sich regelmäßig in Großbritannien auf, wo er ebenfalls Jura studierte. 1938 legte er dort seine letzten Examina ab und wurde damit Barrister, das ist englischer Rechtsanwalt. Imselben Jahr lernte er auf einem Familienfest in Breslau Peter Graf Yorck von Wartenburg kennen, mit dem er weitläufig verwandt war. Kurz nach Beginn des Krieges wurde er zum Kriegsverwaltungsrat ernannt. Er war nun als Sachverständiger für Kriegs- und Völkerrecht im Amt Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht tätig. Seine Stellung nützte er zum individuellen Widerstand gegen das NS-Regime. Er unterstützte die Flucht von Verfolgte und verhinderte Geiselerschießungen. Zu seinem Aufgabenbereich zählte vor allem die Erstellung von Gutachten in Fragen des Kriegsvölkerrechts. Er hoffte damit humanitär auf das militärische Geschehen einwirken zu können. Seine Dienstreisen ins Ausland nutzte er, um Verbindungen des Widerstands ins Ausland zu knüpfen und zu festigen. Im Innern suchte er Kontakte zu Regimegegnern. So intensivierte er seine Bekanntschaft mit Wartenburg. Mit ihm zusammen hatte er einen Gesprächskreis installiert, den die Gestapo bei ihren Ermittlungen “Kreisauer Kreis” nannte. (s.o.). Er nahm auch Kontakt zu Generaloberst a.D. Ludwig Beck sowie zu dessen Nachfolger General Franz Halder, aber auch zu     Angehörigen des zivilen Widerstands wie  Carl Friedrich Goerdeler auf. 1943 erfuhren Mitglieder des Kreisauer Kreis von Attentatsplänen der Offiziersgruppe um Friedrich Olbricht und Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Er selbst begann in dieser Sache auch anders zu denken, nachdem immer mehr von den Verbrechen der Nazis bekannt geworden war. Bisher hatte er die Ablehnung vor allem ethisch-religiös begründet. Außerdem sah er die Gefahr, dass eine neue Dolchstoßlegende gebildet werden könnte. Wie oben erwähnt wurde er im Januar 1944 von der Gestapo verhaftet. Im Februar kam er ins KZ Ravensbrück. Ein Urteil war noch nicht vorgesehen, sondern nur eine Strafversetzung „pflichtvergessener Beamter“. Seine Frau konnte ihn besuchen. Er trug Zivilkleidung und bekam Akten aus dem Amt zur Bearbeitung überbracht. Nach dem Attentat vom 20. Juli änderte sich das grundlegend.Er wurde von der Gestapo im Zusammenhang  mit dem Attentat vernommen ohne dass die Gestapo bereits Näheres über seine Kenntnisse wusste. Ein Gnadengesuch seiner Frau an Himmler wurde abgelehnt. Im Januar 1945 wurde er vor dem Volksgerichtshof angeklagt. Unter Vorsitz von Roland Freisler wurde er zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 23. Januar 1945 vollstreckt.

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Peter Graf Yorck von Wartenburg wurde am 13. November 1904 als 5. von insgesamt 10 Kindern geboren. Sein Vater war der schlesische Landrat Heinrich  Graf Yorck von Wartenburg . Sein Ururgroßvater hatte in den französischen Befreiungskriegen eigenverantwortlich ein Neutralitätsabkommen mit Russland abgeschlossen, die Konvention von Tauroggen und so den Kriegen eine entscheidende Wende gegeben. Der Familienstammsitz war Klein-Öls (heute Olesnica Ml., Polen).

Heinrich  Graf Yorck von Wartenburg verfügte über eine profunde humanistische Bildung und vermittelte dies auch an seine Kinder.Seine Mutter, Sophie Gräfin Yorck von Wartenburg, war eine geborene Freiin von Berlichingen und eine Nachfahrin von Götz von Berlichingen.  Peter wurde bis zu seinem 16. Lebensjahr ausschließlich von Hauslehrern unterrichtet. Im Oktober 1920 trat er in die evangelische humanistische Klosterschule in Roßleben ein, die vor ihm schon sein älterer Bruder Paul besucht hatte. Das ist eine Schule mit langer Tradition. 1554 war die Schule gestiftet worden und mit der Schulgründung war Georg Fabricius, ein Schüler Melanchthons, beauftragt worden. Nach der Machtergreifung der Nazis schaffte es der damalige Erbadministrator Wolf-Dietrich von Witzleben, die Umwandlung der Klosterschule in eine Napola zu verhindern. Die Schule muss schon von einem besonderen Geist geprägt gewesen zu sein, denn viele ehemalige Klosterschüler schlossen sich dem Widerstand gegen das NS-Regime an.

6 von ihnen sowie ein Mitglied der Stifterfamilie, der General Erwin von Witzleben, wurden hingerichtet. Neben Peter Graf Yorck von Wartenburg waren das Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld, Egbert Hayessen, Wolf-Heinrich Graf von Helldorff und Heinrich Graf von Lehndorff-Steinort sowie Nikolaus Christoph von Halem. Eine besondere Freundschaft verband ihn mit Graf von Schwerin und von Kessel.

Am 23. Februar 1923 verstarb sein Vater. Zwei Monate später machte Peter sein Abitur in Rossleben. In Bonn begann er das Studium der Rechts-und Staatswissenschaften. Er schloss sich damit der Familientradition an. Denn schon sein Vater hatte wie dann auch sein älterer Bruder Paul in Bonn Jura studiert und beide gehörten der schlagenden Studentenverbindung Corps Borussia an. Bis nach dem Ende des 2.Weltkriegs stammten praktisch alle Corpsstudenten des Corps Borussia aus dem preussischen oder norddeutschen Adel.

Der Dachverband, der Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) hatte bereits 1933 auf Druck der Nationalsozialisten seine Satzung so geändert, dass alle Zugehörigen Corps gezwungen waren, Mitglieder mit jüdischer Abstammung oder mit jüdischen Ehefrauen aus dem Corpsverband auszuschließen. Der Ausschuss des aktiven Corps sowie der AH-Verband lehnte dies 1934 kategorisch ab. Als das Corps im September 1935 eine letzte Frist bis 15. Oktober 1935 gesetzt bekam, den Ausschluss der jüdischen Mitglieder zu vollziehen, legte der AH-Vorsitzende den Betroffenen nahe, die Bandniederlegung “freiwillig” zu vollziehen. Paul Yorck von Wartenburg wandte sich vehement dagegen, dass eine freiwillige Bandniederlegung auch nur erwogen wurde. Er erklärte seinen Austritt aus dem AH-Verband und verließ die Versammlung. Darauf fasste der AH-Verband, den einstimmigen Beschluss, den AH-Verein aufzulösen. Das aktive Corps schloss sich dem an. Das hatte zur Folge, dass der Ausschluss jüdischer Mitglieder nie beschlossen wurde.

Peter studierte drei Semester in Bonn. Ab Oktober studierte er drei weitere Semester in Breslau. Am 14. Oktober 1926 machte er in Breslau das Referendarexamen. Sein Referendariat absolvierte er an den Amtsgerichten Wansen (heute Wiązów) und Brieg (heute

Brzeg) Im Oktober 1927 schrieb er seine juristische Promotion in Breslau. An der Uni Breslau hatte er auch Kontakte zu den Professoren Eugen Rosenstock, Gerhard Schultze-Gaevernitz und Hans Peters. Sie gründetet die Löwenberger Arbeitsgemeinschaft. Vom 14. März bis 1. April 1928 fand das erste Löwenberger Arbeitslager statt. Peter arbeitete an diesem und den  beiden weiteren mit (siehe auch Moltke).Hans Peters gehörte ab 1940 dem Kreisauer Kreis an. Dort wirkte er als Fachmann für Kultur- und Hochschulfragen.Er hielt auch Kontakt zum Berliner Bischof Konrad Graf von Preysing.

Im April 1928 lernte er Marion Winter kennen, auch sie ist promovierte Juristin. Am 31. Mai 1930 heirateten die beiden in Berlin. Zwei Tage vorher hatte Peter sein Assessorexamen erfolgreich abgelegt. Seine restliche Referendariatszeit leistete er in Wansen ab.Dann arbeitete er in Berlin der Anwaltskanzlei Dr. A.Lindgens. Ab dem 1. Oktober 1931 arbeitete er als Gerichtsassessor im Landgericht Oppeln (heute Opole) Im April 1932 erhielt er eine Anstellung bei der Osthilfe, von 1926-1937 ein agrarpolitisches Unterstützungsprogramm der Reichsregierung und der preussischen Regierung für die östlichen preussischen Provinzen. Am 1. April 1932 wurde er verbeamtet. Der Machtwechsel beeinflusste natürlich auch seine weitere Laufbahn. Die nationalsozialistische Ideologie lehnte er von Beginn an ab. Er lehnte auch einen Eintritt in die NSDAP ab. Er absolvierte den halbjährigen Arbeitsdienst, was als Ersatz für die Parteimitgliedschaft galt. Nur so konnte er eine Anstellung als Assessor erhalten. Er wurde Bearbeiter für Landwirtschafts-und Preisfragen. Sein Vorgesetzter wurde Josef Wagner. Er hatte, bis er 1941 einer Intrige zum Opfer fiel, einen großen Einfluss in der Verwaltung und Reichspolitik. Er erfreute sich der besonderen Gunst Hitlers. 1928 war er zum Gauleiter des Gaues Westfalen ernannt worden. Von 1928 –1930 gehörte er als einer von 12 Abgeordneten zu den ersten Reichstagsabgeordneten der NSDAP. 1935 wurde er von Hitler zusätzlich zum westfälischen Gauleiter auch zum Gauleiter von Schlesien ernannt. 1935 wurde er außerdem Oberpräsident für die Provinz Niederpreussen. Am 29. Oktober 1930 wurde er zum Reichskommissar für Preisbildung ernannt. Die neue Behörde wurde in Berlin aufgebaut und Wagner nahm seinen Mitarbeiter Peter Graf Yorck mit nach Berlin.

Nach den Novemberpogromen  gründete er 1938 mit Fritz-Dietlof von der Schulenburg und Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld einen Gesprächskreis über die Grundsätze einer Reichsverfassung nach dem Ende der Herrschaft des Nationalsozialismus.

Zu Beginn des Krieges war er Leutnant in der Funktion des Adjutanten eines Panzerregiments eingesetzt. Wegen eines Bandscheibenschadens war er nicht frontverwendungsfähig. Er arbeitete dann im Wirtschaftsstab Ost, einer der größten wirtschaftlichen Behörden des Deutschen Reiches im Nationalsozialismus.

Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er am selben Tag im Bendlerblock verhaftet. Am 8. August 1944 wurde er durch den Volksgerichtshof unter Vorsitz von Reinhold Freisler zum Tode verurteilt und noch am 8. August auf ausdrücklichen Befehl von Hitler erhängt.

Friedrich Adam von zu Solz ist am 9.August 1909 in Potsdam geboren. Seit 1915 besuchte er die Vorschule des Königlichen Französischen Gymnasiums am Berliner Reichstagsufer 6.

Als seine Familien nach Kassel zog, kam er auf das dortige Wilhelmsgymnasium.

Im April 1922 bis zu seinem Abitur  besuchte er das Städtische Gymnasium in Hannoversch Münden und wohnte im Alumnat des Klosters Loccum.

Der Familientradition folgend studierte er Rechtswissenschaften nach einem ersten Semester in München wechselte er an  an die Georg-August-Universität Göttingen.

Ein wichtiges Ereignis war für ihn  als 19-jähriger ein mehrwöchiger privater Aufenthalt in Genf.

Am Sitz des Völkerbunds und zahlreicher anderer internationaler Organisationen konnte er Möglichkeiten internationaler Zusammenarbeit und weltweiter Bemühungen um Frieden beobachten.

Das beeinflusste seine politischen Ziele für die Zukunft.

1929 erfolgte sein erster Aufenthalt in England.

Dem folgte ein Gasttrimester am Mansfield College in Oxford.

In der britischen Labour-Bewegung fand er ein großes Vorbild.

Nach seiner Rückkehr aus England setzte er sein sein Jurastudium in Berlin an der Friedrich-Wilhelms-Universität fort.

Die soziale Not, Die wachsende Arbeitslosigkeit vor allem bedingt durch die Weltwirtschaftskrise beunruhigten ihn.

Um sich besser auf sein Examen konzentrieren zu können, kehrte er zum Sommersemester 1930 nach Göttingen zurück.

Im Dezember 1930 bestand Adam von Trott sein juristisches Referendarexamen und promovierte ein halbes Jahr später mit einer Dissertation über Hegels Staatsphilosophie und das internationale Recht an der Universität Göttingen.

Gleich nach dem Staatsexamen begann er seinen Referendardienst am Amtsgericht in Nentershausen bei Bebra.

Noch während seiner Examenszeit hatte er sich um ein Rhodes-Stipendium, das ist ein Stipendium für ein Studium  an der Universität Oxford.

Nachdem er eine Zusage erhalten hatte, unterbrach er sein Refenderiat und wurde  für ein zweijähriges Zusatzstudium in England beurlaubt.

Nach seinem Examen in Oxford kehrte er in ein politisch völlig veränderten Deutschland zurück.

Er setzte seine Referendarausbildung am Amtsgericht Rotenburg an der Fulda, am Landgericht Hanau und bei der Staatsanwaltschaft in Kassel fort.

Für das obligatorische Anwaltspraktikum wählte er eine von jüdischen Anwälten geführte Kanzlei in Berlin.

Trotz erheblichen Drucks passte er sich nicht an das neue Regime an. Das wurde im Schulungszeugnis vermerkt und er  wurde auch nicht als Regierungsreferendar übernommen. Seine Zulassung zum Assessorexamen war lange Zeit gefährdet.

Und trotz des Drucks knüpfte er Kontakte zu Regimegegnern jeglicher Couleur. Diese reichten von Konservativen über sozialistische und kommunistische Untergrundkämpfern, die er auch aktiv unterstützte.

Seinen jüdischen Freundeskreis gab er nicht auf sondern gewann neu jüdische Freunde dazu.

Rassisch und politisch Verfolgten half er auf vielfache Weise und scheute dabei auch persönliche Risiken nicht.

Im Oktober 1936 bestand er sein Assessorexamen.

Er wollte nicht emigrieren. Er stand aber unter erheblichem politischen Druck.

Er beantragte auch deshalb bei bei der britischen Rhodes-Stiftung, das ihm noch zustehende dritte Stipendienjahr in Peking verbringen zu dürfen.

Er verknüpfte das mit der Absicht, in China Material für eine Habilitationsschrift über den chinesischen Souveränitätsbegriff zu sammeln. Seinem Antrag wurde stattgegeben.

Im Frühjahr 1937 reiste er in die USA, wo er sich mehrere Monate auf seinen Forschungsaufenthalt in China vorbereitete.

Bei seiner Ankunft geriet er in den “. Japanisch-Chinesischen Krieg, der 1937 begann und erst am 9. September 1945 mit der Kapitulation der japanischen Einheiten in China endete.

Trotz der widrigen Umstände harrte er in China aus und versuchte, seine Studien in Peking weiter zu betreiben.

Sein Aufenthalt in USA und Asien erweiterte seinen politischen Horizont.

Am 27. Oktober 1938 verstarb sein Vater in Imshausen.

Friedrich Adam kehrte deshalb vorzeitig nach Deutschland zurück. Er suchte dort aber vergeblich einen Arbeitsplatz ohne der NSDAP beitreten zu müssen.

Hitlers Expansionskurs, den er als höchst gefährlich einschätzte, brachte ihn zu einer politischen Initiative. Er reiste im Juli 1939 nach London. Er konnte dort ein Gespräch mit

dem britischen Außenminister Lord Halifax führen. Dieser vermittelte ein Treffen  mit  Premierminister Neville Chamberlain. Von Trott warne ausführlich vor Hitler, allerdings erfolglos.

Das Institute of Pacific Relations (IPR) in New York wollte von Trott als wissenschaftlichen Mitarbeiter gewinnen. Den Direktor des IPR Edward C. Carter hatte er bei seinem USA-Aufenthalt kennen gelernt.

Nach seiner Rückkehr aus China hatte sich von Trott der deutschen Widerstandsbewegung, die im Entstehen war, angeschlossen.

Er gehörte auch dem Kreisauer Kreis an.

Ungeachtet des hohen Risikos bemühte sich Trott in den USA aktiv, die Ziele und Probleme der deutschen Umsturzbewegung  bekannt zu machen.

Seine Staatsstreichpläne beriet er in den USA mit kundigen deutschen Exilanten.

Er kehrte nach Deutschland zurück trotz der eindringlichen Warnungen seiner britischen und amerikanischen Freunde.

1940 war er zurück in Berlin und  nahm ein Angebot des Auswärtigen Amtes an als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Informationsabteilung.

Entgegen seiner vertraglich zugesicherten “gutachtlichen Tätigkeit  in Fragen des Fernen Ostens und der Vereinigten Staaten“ setze man ihn Referatsleiter für

Propaganda und Gegenpropaganda in Großbritannien, den USA und dem Fernen Osten ein.

Das behagte ihm zwar überhaupt nicht, aber diese Stelle war eine geeignete Basis für seine Arbeit im Widerstand.

So standen ihm vielfältige und unverdächtige Informationsquellen und Kontaktmöglichkeiten zur Verfügung.

Zur Tarnung trat er Ende Juni 1940 der NSDAP bei.

Er wurde erst zum 1. Juli 1941 als Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in ein unbefristetes Angestelltenverhältnis übernommen.

Er konnte die ungeliebte Zuständigkeit für Großbritannien abgeben und  nach der Kriegserklärung Deutschlands an die USA am 11. Dezember 1941 auch die für die USA.

Er hatte schon seit seiner Rückkehr aus China ein dichtes Netz von Widerstandskontakten von Zivilisten und Militärs geknüpft.

Seine Tätigkeit im Auswärtigen Dienst nutzte er auch zu internationalen Kontakten.

Zwischen 1940 und 1944 konnte er elf Dienstreisen in die Schweiz, vier nach Schweden und eine in die Türkei.

In der Schweiz fand er Unterstützung von Willem Adolf Visser ’t Hooft,  der ab 1948 Generalsekretär des neugegründeten Ökumenischen Rat der Kirchen war.

Er unterstützte die Bekennende Kirche in Deutschland.

Im Mai 1942  nahm Visser’t Hooft  eine Denkschrift des Widerstands nach London mit. Über Trotts britischen Freund Stafford Cripps gelangte dies an Winsaton Churchill.

Sie wurde allerdings gemäß seiner Direktive des „völligen Stillschweigens“ („Absolute Silence“) gegenüber allen Kontaktversuchen aus Deutschland nicht beantworte

1944 traf sich  Visser’t Hooft  mehrmals mit Vertretern von Widerstandsgruppen aus neun europäischen Ländern.

Bei seiner letzten Schwedenreise traf Trott im Juni 1944 den jungen Willy Brandt in Stockholm und informierte ihn über den bevorstehenden Umsturz und bat ihn, „sich der neuen Regierung zur Verfügung zu stellen“.

Er reiste auch in die besetzten Niederlande und riskierte dort vier Treffen mit niederländischen Widerstandskämpfern.

Am 19. Juli 1944 besuchte Claus Graf Schenk von Stauffenberg Trott in seiner Wohnung in Berlin-Dahlem.

Die beiden waren befreundet und Trott gehörte mit dem Sozialdemokraten Julius Leber zu den engsten zivilen Mitarbeitern Stauffenbergs.

Trott bestärkte ihn bei dem Besuch,  das geplante Attentat am 20. Juli 1944 durchzuführen.

Nach dem gescheiterten Attentat wurde von Trott am 25. Juli 1944 verhaftet.

Eine mögliche Flucht hatte er abgelehnt, weil er fürchtete, dass sonst Rache an seiner Familie genommen würde.

Am 15. August 1944 wurde unter Vorsitz von Roland Freisler wegen Hoch-und Landesverrat zum Tode verurteilt.

Das Urteil wurde am 26. August 1944 vollstreckt.

Adolf Reichwein wurde am 3. Oktober 1898 in Ems geboren.

Er wurde im November 1616 als Kriegsfreiwilliger eingezogen. 1917 bestand er als Externer am Realgymnasium in Friedberg das Abitur.

Ende 1917 wurde er bei Cambrai schwer verwundet. Er kam in ein Lazarett in Frankfurt.

Noch als Genesender begann er ein Studium in Frankfurt.

1920 wechselte er nach Marburg, wo Friedrich Wilhelm Wolters sein Lehrer wurde. Dieser gehörte zu den zentralen Figuren des George Kreis.

In den 1920-er Jahren war er in Berlin und in Thüringen in der Erwachsenenbildung tätig.

Von 1930 bis 1933 war er Professor an der neu gegründeten Pädagogischen Akademie Halle (Saale)

Nach der “Machtergreifung” wurde er 1933 aus politischen Gründen entlassen.

Er hatte dann eine Stelle als Volksschullehrer an der Ein-Klassenschule in Tiefensee, wo er bis 1938 vielbeachtete Unterrichtsversuche im Sinne der Reformpädagogik durchführte.

Ab 1939 war er am Staatlichen Museum für deutsche Volkskunde in Berlin museumspädagogisch und als regelmäßiger Autor für die Wochenzeitschrift Deutsche Zukunft tätig.

Er gehörte dem Kreisauer Kreis an .

Im Falle eines erfolgreichen Umsturzes war er als Kultusminister vorgesehen.

Am 22. Juli 1944 trafen er und Julius Leber sich mit Mitgliedern der Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation, eine Widerstandsgruppe der KPD.

Darunter befand sich auch Ernst Rambow, ein KPD-Funktionär, der seit 1940 für die Gestapo arbeitete. Er verriet Leber und Reichwein.

Beide wurden auf dem Weg zu einem weiteren Treffen der Organisation von der Gestapo verhaftet.

Nach einem Prozess am Volksgerichthof unter Roland Freisler wurde Reichwein am 20. Oktober 1944 hingerichtet.

Theodor Haubach wurde am 15. September 1896 in Frankfurt geboren.

Sein Vater, Emil Haubach, verstarb am 17.10. 1896.also nur ein Monat nach Theodors Geburt.

Seine Mutter Emilie entstammte einer jüdischen Familie.

Theodor besuchte das Ludwig-Georg-Gymnasium in Darmstadt.

Einer seiner Mitschüler dort war Carlo Mierendorf , mit dem er bis zu dessen Tod eng befreundet blieb.

1914 meldete er sich freiwillig.

Er wurde mehrfach verwundet.

Nach dem Krieg arbeitete er im Arbeiter- und Soldatenrat in Butzbach mit.

Er begann auch bereits mit dem Schreiben von Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln.

Er arbeitete an der 1919 von Carlo Mierendorf gegründeten politischen Zeitschrift das Tribunal mit.

Von 1919 bis 1923 studierte er  in Heidelberg, München und Frankfurt Philosophie, Soziologie und Wirtschaft.

In Heidelberg entwickelten sich auch persönlich Beziehungen zu seinem Professor Karl Jaspers, die bis in die Zeit des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus gepflegt wurden.

Mit seiner Arbeit “Versuch einer Phänomenologie des aesthetischen Bewusstseins im Grundriss” wurde er 1923 bei Jaspers promoviert.

1922 trat er in die SPD ein. Sein Freund Carlo Mierendorf war schon seit 1920 bei der SPD.

1923 kam er nach Hamburg und war dort Assistent am „Institut für auswärtige Politik“.

1923 siedelte er nach Hamburg über.

1924 war im ReichsbannerSchwarz-Rot-Gold Vorstandsmitglied im Gau Hamburg-Bremen-Nordhannover, später Vorsitzender des Reichsbanners Hamburg.

Er war als Redner im Gau und auf Reichsebene tätig.

1924 wurde er als Redakteur beim Hamburger Echo angestellt. Dort traf er mit mit Gustav Dahrendorf zusammen, der ebenfalls beim Hamburger Echo tätig war.

Gustav Dahrendorf ist der Vater des deutsch-britischen Soziologen Ralf Gustav Dahrendorf.

1924 gründete er mit Gustav Dahrendorf , Adolf Vagts und Egon Bandmann, alle von der SPD sowie Hans Robinsohn, Ernst Strassmann und Heinrich Landal (alle DDP)  den “Klub vom 3. Oktober”.

Ziel war der gemeinsame Kampf gegen die Feinde der Weimarer Republik. Die Gründung des Klubs war sehr ungeschminkt mit dem  Versagen der “Linksparteien begründet worden.

Von 1927 bis 1929 war er Abgeordneter der Bürgerschaft Hamburg.

Ende 1929 wechselte Haubach ans Innenministerium nach Berlin. Der sozialdemokratische Innenminister Carl Severing (Von 1928-1930 Innenminister im 2. Kabinett von Hermann Müller) berief ihn als Pressereferent an sein Ministerium.

Die Regierung Müller trat aber schon am 27. März 1930 zurück.

Den Sitz im Reichstag bei der Reichstagswahl 1930 verpasste er knapp.

Carl Severing wurde am am 21. Oktober 1930 erneut preußischer Innenminister.Eine seiner ersten Amtshandlungen war den Berliner Polizeipräsidenten Albert Grzesinski, der sein Amt wegen einer privaten Affäre aufgeben hatte müssen, zurückzuholen.

Haubach wurde Pressereferent beim Berliner Polizeipräsidium.

Mit dem “Preussenschlag” vom 20. Juli 1932 wurde mit einer Notverordnung des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg die legale Regierung des Freistaates Preussen durch den Reichskanzler Franz von Papen als Reichskommissar ersetzt.

Sowohl Severing als Haubach verloren ihre Ämter.

Schon kurz nach der “Machtergreifung” am 30. Januar 1933 begann die Verfolgung Haubachs durch die Nationalsozialisten

1933/1934 baute er mit Karl Heinrich, einem hessischen Polizeioffiziers und eines sozialdemokratischen Aktivisten eine hauptsächlich aus Reichsbannermitgliedern bestehende sozialdemokratische Untergrundorganisation auf.

1934 wurde er verhaftet und war bis 1936 im KZ Esterwegen im Emsland.

Dort hatte er Julius Leber kennen gelernt.

Nach seiner Haftentlassung erhielt er Arbeit in der Papierfabrik seines Studienkollegen Viktor Bausch.

Unmittelbar nach Kriegsbeginn wurde er wie mehr als 70 führende Vertreter der zerschlagenen Oppositionsparteien und insbesondere Gewerkschafter im Rahmen der Kriegssonderaktion

verhaftet.

1943 stießen er und Carlo Mierendorf durch Vermittlung von von Adolf Reichwein zum Kreisauer Kreis.

Im Februar 1944 kam Carlo Mierendorf bei einem Bombenangriff in Leipzig ums Leben.

Seine Beerdigung war Theodor Haubachs letzter öffentlicher Auftritt.

Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944, von dem er im Urlaub in Bayern erfahren hatte, kehrte er trotz Warnungen nach Berlin zurück.

Am 9. August 1944 wurde er in Berlin verhaftet.

Am 15. Januar 1945 verurteilte ihn  Roland Freisler zum Tode.

Am 23. Januar wurde er schwerkrank auf einer Trage in den Hinrichtungsschuppen geschleppt und  in Berlin-Plötzensee erhängt.

Mit ihm starb mit Helmuth James Graf von Moltke.

Adolf Reichwein wurde am 3. Oktober 1898 in Bad Ems geboren.

Seine Familie siedelte 1904 nach Ober-Rosbach über.

Sein Vater war dort als Lehrer, Chorleiter und Organist tätig.

1914/1915 besuchet er die Oberrealschule in Bad Nauheim.

1916 wurde er als Kriegsfreiwilliger eingezogen.

Im Februar 1917 bestand er das Abitur.

Bei Cambrai wurde er Ende 191 schwer verwundet.

1918 kam er in ein Lazarett in Frankfurt. Dort lernte er seine spätere Ehefrau Eva Hillmann kennen.

In Frankfurt begann er ein Studium unter anderem bei  Hugo Sinzheimer und Franz Oppenheimer.

1920 wechselte er nach Marburg. Dort wurde Friedrich Wolters einer seiner wichtigsten Lehrer.

Dieser gehörte zu den zentralen Figuren des George-Kreises.

1921 promovierte er in Marburg über die geistigen und künstlerischen Einflüsse Chinas auf Europa im 18. Jahrhundert.

Am 9. Oktober 1923 kam der gemeinsame Sohn Gert zur Welt.

Dieser ertrank aber am 18.September 1925 in einer Regentonne im elterlichen Garten.

Dieser Unglücksfall belastete die Ehe und führte schließlich zur Trennung und Scheidung am 24. November 1927.

In den 20-3r Jahren war Adolf Reichwein in der der Bildungspolitik und Erwachsenenbildung in Berlin und Thüringen tätig.

In der Zeit von 1929 bis 1930 als Leiter der Pressestelle und persönlicher Referent des preußischen Kultusministers Carl Heinrich Becker.

In dieser Zeit kam er mit der Löwenberger Arbeitsgemeinschaft in Kontakt.

Dort lernte er spätere Mitglieder des Kreisauer Kreises kennen.

Von 1930 bis 1933 war Reichwein Professor an der neu gegründeten Pädagogischen Akademie Halle (Saale).

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde er aus politischen Gründen entlassen.

Er arbeitete dann als Volksschullehrer in Tiefensee in Brandenburg. Dort führte er vielbeachtete Unterrichtsversuche im Sinne der Reformpädagogik durch.

Er arbeitete an mehreren Unterrichtsfilmen der Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (RWU) mit.

Ab 1939 war er am Staatlichen Museum für deutsche Volkskunde in Berlin museumspädagogisch und als regelmäßiger Autor für die Wochenzeitschrift Deutsche Zukunft tätig.

Im Kreisauer Kreis war er als Kultusminister im Falle eines erfolgreichen Umsturzes des Hitlerregimes vorgesehen.

Am 22. Juni 1944 trafen er und Julius Leber führende Mitgliedern der kommunistischen Saefkow-Jacob-Bästlein-Organisation, unter denen sich der Gestapo-Spitzel Ernst Rambow befand.

Am 4. Juli 1944 sollte ein weiteres Treffen mit den Kommunisten stattfinden. Auf dem Weg dahin wurde er von der Gestapo verhaftet.Roland Freisler führte einen Prozess vor dem Volksgerichtshof

gegen ihn. Er wurde zum Tode verurteilt und am 20. Oktober 1944 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee erhängt.

Alfred Delp ist am 15. September 1907 in Mannheim geboren.

Er wuchs in Hüttenfeld, einem Stadtteil von Lampertheim, auf.

Seine Großmutter setzte die evangelische Erziehung des Jungen durch, was die Familie stark belastete.

Er wurde 1921 konfirmiert, nach einem Streit mit dem evangelischen Pfarrer in der katholischen Kirche zur Erstkommunion zugelassen und auch gefirmt.

1922 wurde er in das Bischöfliche Konvikt in Dieburg aufgenommen.Er war Mitglied und Gruppenführer im katholischen Jugendbund Neudeutschland.

Auch Willi Graf von der Weißen Rose (s.o.) war Mitglied in Neudeutschland.

Am 16. März 1926 machte er sein Abitur als Prüfungsbester.

Am 22. April 1926 begann er sein Noviziat in der Societas Jesu in  Tisis / Vorarlberg.

Er begann seien Ausbildung im Jesuitenorden und studierte Philosophie und Theologie.

Am 24. Juni 1937 wurde er durch den Münchner Kardinal Michael von Faulhaber  (5.März 1869 in Heidenfeld +12. Juni 1952) zum Priester geweiht.

Sein Antrag auf Aufnahme in die „Reichsschrifttumskammer“  wurde abgelehnt. Diese wäre notwendig gewesen, wenn er Schiften veröffentlichen wollte.

Durch Vermittlung des Jesuitenprovinzials Augustin Rösch kam Alfred Delp an den Kreisauer Kreis und arbeitete dort Frühjahr 1942 mit.

Dort arbeitete er an einem Modell für eine neue Gesellschaftsordnung für die Zeit nach dem Ende des Nationalsozialismus.

Es ging ihm vor allem um die Positionen der katholischen Kirche bei einem Neuaufbau Deutschlands im Hinblick auf die Katholische Soziallehre.

Nach dem Scheiterndes Attentats vom 20. Juli 1944 wurde er am am 28. Juli 1944 in St. Georg in München-Bogenhausen verhaftet.

Er war zwar an den Vorbereitungen zum Attentat nicht beteiligt. Aber seine Mitarbeit im Kreisauer Kreis, sein Wirken als Jesuitenpater und seine christlich-soziale Weltanschauung

machten ihn im Sinne der NSDAP natürlich schuldig.

Die Gestapo hatte ihm zwar Freilassung gegen Ordensaustritt angeboten, was Delp natürlich ablehnte.

Am 11. Januar 1945 wurde  er in einem Prozess vor dem Volksgerichtshof durch Roland Freisler wegen Hoch-und Landesverrat zum Tod durch den Strang verurteilt.

Am 2. Februar 1945 wurde er zusammen mit mit Carl Goerdeler und Johannes Popitz hingerichtet.

Ziviler Widerstand um Sozialdemokraten und Gewerkschaftern aber auch national konservative Honoratiorenzirkel

Carl Friedrich Goerdeler wurde am 31. Juli 1884 in Schneidemühl, Provinz Posen geboren.

Er war ab 1911 als Kommunalpolitiker tätig.

1912 war er Erster Beigeordneter in der Kommunalverwaltung von Solingen.

Im Ersten Weltkrieg war er als Offizier und Verwaltungsexperte in Weißrussland stationiert.

1920 wurde er zum Zweien Bürgermeister von Königsberg gewählt.

Er trat der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) bei.

1930 wurde er zum Oberbürgermeister von Leipzig gewählt.

Unter Reichskanzler Heinrich Brüning (31. März 1930-30.Mai 1932) war er Reichskommissars für Preisüberwachung.

Die Machtergreifung 1933 bewertete er zunächst durchaus positiv.

Obwohl er den Beitritt zur NSDAP ablehnte, blieb er Oberbürgermeister von Leipzig.

1934 wurde er erneut zum Reichspreiskommissar berufen.

Er überwarf sich aber bald mit Hitler.

Wegen seiner Bedenken gegen die Wirtschaftspolitik und seines Widerspruchs gegen die Autarkieforderung wird er von Adolf Hitler als Reichspreiskommissar entlassen.

Er wurde aber zum Leipziger Oberbürgermeister wiedergewählt.

Im November 1936 beseitigten die Nationalsozialisten in einer Nacht-und Nebelaktion das Leipziger Denkmal des  Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy aufgrund dessen jüdischer Herkunft. Goerdeler stellte  demonstrativ

den Antrag, zum 1. April 1937 aus dem Amt des Leipziger Oberbürgermeisters entlassen zu werden.

Robert Bosch stellte Goerdeler als „wirtschaftspolitischen Berater“ ein. Unter diesem Deckmantel konnte Goerdeler im Ausland Kontakte knüpfen und pflegen.

Er unternahm nun viele Reisen, die ihn nach England, Frankreich, Kanada und den USA, in die Schweiz, den Balkan und den Orient einschließlich der Türkei führten.

Er schickte auch Reiseberichte an Hermann Göring, um wenigsten diesen auf die Gefahren des außenpolitischen Kurses hinzuweisen.

Zu Kriegsbeginn kehrte er nach Deutschland zurück.

Er beteiligte sich an den Planungen für einen Staatsstreich zur Ausschaltung Hitlers in der Gruppe um Ulrich von Hassel, der von 1932 bis 1938 deutscher Botschafter in Rom war.

Von Hassel wirkte als Vermittler zwischen dem konservativen Widerstand um Goerdeler und den jüngeren Widerständlern im Kreisauer Kreis.

Goerdeler arbeitete nun gezielt auf einen Staatsstreich hin, lehnte aber ein Attentat aus moralischen Gründen und aus der Furcht vor einer neuen Dolchstoßlegende ab.

Der Gestapo waren Goerdelers Aktivitäten nicht verborgen geblieben.

Vor der Verhaftung durch die Gestapo gewarnt, konnte er am 18.07 1944 fliehen, wurde aber am 12. August 1944 erkannt und in einem Gasthof in Stuhm in Ostpreussen verhaftet.

Am 8. September wurde ihm vor dem Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler der Prozess gemacht und zum Tode verurteilt.

Er wir noch monatelang von der Gestapo verhört.

Am 2. Februar 1945 wurde er auf Drängen des Reichsjustizministers Otto Georg Thierack (1942 bis 1945) und wohl auch unmittelbaren Befehl Hitlers in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Wilhelm Leuschner  war Gewerkschafter und sozialdemokratischer Politiker.

Er wurde  am 15. Juni 1890 in Bayreuth geboren.

1904 machte er eine Lehre als Holzbildhauer und trat schon 1907 in die Gewerkschaft ein.

1909-1910 studierte er an der königlichen Kunstgewerbeschule Nürnberg, der heutigen Kunstakademie.

1913 trat er in die SPD ein.

Im Oktober 1916 wurde er zum Militär eingezogen.

Er war zunächst in Pinsk in Weißrussland stationiert und ab 1917 in Verdun.

Während des Krieges lernte er Englisch und Französisch, dass er bald so gut sprach, dass er sich mit den Leuten verständigen konnte.

1921 gründete er die Volkshochschule Darmstadt als eingetragenen Verein.

1928 wurde er Innenminister in Hessen.

Zu seinen engsten Mitarbeitern im Ministerium zählten  Ludwig Schwamb, später im Kreisauer Kreis, und Carlo Mierendorf (s.o.)

Seit 1929 war er im Reichsausschuss des Reichsbanners Schwarz Rot Gold.

In dieser Eigenschaft ließ er 1931 interne Papiere der NSDAP veröffentlichen, die Pläne der Partei für eine gewaltsame Machtübernahme aufdeckten.

Damit machte er sich natürlich die NSDAP zum Feind.

Im Januar 1933 wurde in den Bundesvorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes gewählt.

Gleich nach der Machtergreifung der NAZIS musste er als hessischer Innenminister zurücktreten.

Als faktischer Gewerkschaftsführer verweigerte er standhaft, mit  der am 10. Mai 1933 von Robert Ley gegründete Deutsche Arbeitsfront zusammen zu arbeiten.

Er kam in Schutzhaft.

Im Juni 1933 wurde er erneut verhaftet und kam in verschieden Konzentrationslager, unter anderem in das Lager Börgermoor im Emsland.

Er wurde misshandelt aber nicht gebeugt.

Als er 1934 entlassen wurde, begann er mit dem Aufbau eines reichsweiten Widerstandsnetzes.

1936 übernahm er von Ernst Schneppenhorst die Leitung einer kleinen Fabrikationsstätte für Bierschankutensilien.

Schneppenhorst war  SPD – Mitglied und vertrat bis zum Reichstagsbrand Franken  für die SPD im Reichstag.

Er wurde in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1945 von einem Sonderkommando des Reichssicherheitsamtes ermordet

Die Fabrikationsanlage wurde bald zur Schaltzentrale der illegalen Reichsleitung der deutschen Gewerkschaften.

In dieser Zeit war Hermann Maaß (Am 20. Oktober 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet) sein engster Mitarbeiter.

Leuschner organisierte nicht nur gewerkschaftsnahen Widerstand.

Er hatte viele Kontakte zu Regimegegnern wie dem “Roten Stoßtrupp”, das war die größte und älteste linkssozialistische Widerstandsgruppe,

dem Kreis um Carl Friedrich Goerdeler  und auch dem Kreisauer Kreis.

Nach dem Putsch gegen Hitler sollte er im Schattenkabinett im Schattenkabinett Beck/Goerdeler möglicherweise Vizekanzler werden.

Er wurde am 16. August 1944 denunziert, verhaftet  und am 7. und 8. September unter Roland Freisler zum Tode verurteilt.

Am 29. September 1944 wurde er in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

 

Reinhold Frank - Alchetron, The Free Social Encyclopedia

Reinhold Frank wurde am 23. Juli 1896 in Bachhaupten, heute Gemeinde Ostrach geboren.

Er besuchte das erzbischöfliche Gymnasialkonvikt in Sigmaringen. Nach dem Abitur 1915 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdient und wurde dreimal schwer verwundet.

Nach dem Krieg studierte er Rechtswissenschaften in Freiburg.

1923 trat er in die Anwaltskanzlei von Franz Xaver Honold in Karlsruhe ein. Zu diesem hatte er ein sehr gute Verhältnis. Er wurde Pate von Honolds Sohn Robert.

Honold war von 1926 bis 1931 badischer Gesandter in Berlin. In dieser Zeit leitete Reinhold Frank die Kanzlei in Karlsruhe.

Als Anwalt ist er zunächst unpolitisch.

1933 wurde er Vertreter der Zentrumspartei im Karlsruher Bürgerausschuss.

1934  wurden die örtlichen Bürgervertretungen aufgehoben.

In Honolds Kanzlei bildete sich allmählich ein Gesprächskreis von Regierungsgegnern.

Frank blieb Rechtsanwalt am Oberlandesgericht in Karlsruhe.

Er übernahm aber immer öfters Verteidigungsmandate von angeklagten NS-Gegnern und musste immer wieder nach Berlin.

Dabei lernte er auch Eugen Bolz kennen, von 1928 bis 1933 württembergischer Staatspräsident. Nach der Machtergreifung wurde er durch den württembergischen Gauleiter

Wilhelm Murr aus dem Amt verdrängt.

Bolz wurde mehrere Wochen inhaftiert.

Als dieser polizeilich gesucht wurde, versteckte ihn Reinhold Frank eine Woche lang in seiner Wohnung.

Frank kam in Kontakt mit der Widerstandsgruppe um Goerdeler. Er hatte sich Goerdeler gegenüber bereit erklärt,

in Baden an führender Stelle zum Wiederaufbau bereit zu stehen, falls der geplante Umsturz glücken sollte.

So kam er auf eine Liste mit den Namen der Verschwörer. Hier wurde er als “Unterbeauftragter für Baden” geführt.

Noch in der Nacht nach dem gescheiterten Attentat nahm ihn die Gestapo in Karlsruhe fest und überführte ihn nach Stuttgart ins Gefängnis.

Dann kam er nach Berlin. Dort wurde er monatelang verhört.

Am 12. Januar 1945 wurde er unter Roland Freisler zum Tode verurteilt.

Am 23. Januar 1945 wurde er mit Eugen Bolz hingerichtet.

Die Reichswehr hatte die Machtübernahme Hitlers in der Mehrheit begrüßt.

Nach dem Röhmputsch wurden auch der ehemalige Reichswehrminister Kurt von Schleicher (1932) und von Ende 1932 bis 28.01.1933 Reichskanzler, und seine Ehefrau Elisabeth von Schleicher ermordet.

Schleicher war auch General de Reichswehr.

Den Morden fiel auch Ferdinand von Bredow zum Opfer. Er war zuletzt Generalmajor der Reichswehr und seit 1932 stellvertretender Reichswehrminister.

Nur wenige Offiziere empörten sich über die Morde.

Hans Oster, geboren am 9. August 1887 in Dresden, ermordet am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg nahm als Hauptmann im Generalstab am 1. Weltkrieg teil.

Im Mai 1933 erhielt er eine zivile Anstellung im Forschungsamt. Das war ein Nachrichtendienst. im Oktober 1933 wechselte er in die Abwehrabteilung des Reichswehrministeriums.

Schon vor 1933 stand er den Nationalsozialisten ablehnend gegenüber. Die Ereignisse beim Röhmputsch bestärkten ihn in der Ablehnung der Regierung Hitler.

Er mißbilligte die Zerstörung des Rechtsstaates und verabscheuten die Methoden des NS-Regimes, dessen Antisemitismus und Kirchenfeindschaft.

Am 2. August 1934 verstarb Reichspräsident Paul von Hindenburg. Das Amt des Reichspräsidenten und Staatsoberhaupt verschmolz.

Die Amtsbezeichnung für Hitler lautete nun „Führer und Reichskanzler“.

Auch am 2. August 1934  ließ Reichswehrminister Werner von Blomberg (1933-1938) in Absprache mit Walter von Reichenau (1884-1942- federführend an der Eingliederung der Reichswehr in den NS-Staat beteiligt)

alle Reichswehrangehörigen, einen persönlichen Treueid auf Hitler abzulegen. Eine gesetzliche Grundlage dafür gab es nicht.

Aber das  stellte für viele Soldaten Soldaten eine nahezu unüberwindbare ethische Barriere dar, sich gegen das Regime zu stellen.

Hitler dankte ihm das mit der Übertragung des Oberbefehls über die gesamte Wehrmacht, als Heer und Kriegsmarine und ab 1936 über die neu aufgestellte Luftwaffe.

1936 ernannte er ihn als ersten Soldaten der Wehrmacht zum Generalfeldmarschall. Im Januar 1937 erhielt er das Goldene Parteiabzeichen der NSDAP.

1935 wurde  Admiral Wilhelm Canaris (1887-1945 ) überraschend zum Chef der Abwehrabteilung im Reichskriegsministerium berufen. Sein Vorgänger war seit September 1932  Conrad Patzig.

Dieser scheiterte aber an der Auseinandersetzung um Kompetenzen und Zuständigkeiten. Vor allem der Sicherheitsdienst SD der SS war zum innenpolitischen Rivalen der Abwehrabteilung geworden.

Dies führte schließlich zur Absetzung von Patzig.

Canaris war kein grundsätzlicher Gegner der Nationalsozialisten, aber Hitlers Kriegsvorbereitungen brachten in Distanz zu ihnen. Und auch er sah sich dem zunehmenden Druck des SD ausgesetzt.

Er nahm alte Kontakte zu ausländischen Nachrichtendiensten wie z. B. dem Chef des italienischen Nachrichtendienstes Servicio Informazioni Militari (SIM), Oberst Mario Roatta (2. Januar 1887 – 7. Januar 1968) wieder auf.

Er setzte Oster  wieder in seinen alten Rang als Ersatzoffizier ein.

Auch alte Kameraden aus Freikorpszeiten wie Major Hans Piekenbrock sammelte er um sich. Diesem übertrug er die Leitung der Abwehrabteilung I,die  für den Geheimen Meldedienst und aktive Erkundungen zuständig war.

Oster übernahm als  Oberstleutnant  die Leitung der Zentralabteilung im Amt Abwehr. Er war für die Finanz- und Personalangelegenheiten zuständig und führte die zentrale Agentenkartei.

Schon im Amt Abwehr begann er, ein Netzwerk von Kontakten zu Opponenten des NS-Regimes in Staat, Verwaltung und Sicherheitsorganen zu knüpfen. So arbeitete er etwa mit Hans von Dohnanyi ( 1. Januar 1902 in Wien bis  9. April 1945 im KZ Sachsenhausen) und Hans Bernd Gisevius (14. Juli 1904 in Arnsberg – 23. Februar 1974 in Müllheim zusammen, um Beweismaterial für einen späteren Prozess gegen die NS-Führung zu sammeln. Ende September 1938 berief ihn Canaris zum Leiter der Zentralabteilung der

Erste Aktionen und Planungen innerhalb der Wehrmacht  gegen die Pläne Hitler gab es relativ früh, spätestens als dieser seine aggressiven Ziele offen legte, wie sie im Hoßbachprotokoll festgehalten wurde. Der Generalstabschef des Heeres, Generaloberst Ludwig Beck (29. Juni 1880 in Biebrich bis 21. Juli 1944 in Berlin), war entsetzt über die Pläne und vor allem über die Verantwortungslosigkeit, mit der Hitler bereit war, einen Krieg mit den Westmächten zu riskieren. Er legte dann später seine Kritik schriftlich dar, Kernpunkt, das Militär sollte an der Entscheidung  über Krieg und Frieden beteiligt sein.  Er schlug einen geschlossenen Rücktritt der Generalität vor, falls Hitler weiter zum Krieg dränge. Als er damit keinen Erfolg hatte, trat er im August 1938 zurück.

Im militärischen Widerstand gab es zwei Strömungen. Die eine beabsichtigte lediglich, Hitler dazu zu bringen, seine Kriegspläne aufzugeben.

Die andere, vertreten durch die Männer der Abwehr, zielte dahin, Hitler festzunehmen und vor Gericht zu stellen.

Im Laufe der Sudetenkrise kam es zu einer gründlichen Planung eines Putschversuchs von Heeresoffizieren und Beamten im Auswärtigen Amt. Ein Stoßtrupp unter Führung von Hauptmann Friedrich Wilhelm Heinz und Korvettenkapitän Franz Maria Liedig sollte in die Reichskanzlei eindringen, Hitler festsetzen und später sollte er vor Gericht gestellt werden. Während einer Besprechung wurde der Plan noch in einem Punkt abgeändert. Hitler sollte während eines inszenierten Handgemenges in der Reichskanzlei erschossen werden, da selbst ein angeklagter

Hitler noch eine Gefahr darstelle. Geplanter Tattag war der 28. September 1938, der Tag an dem sich Hitler mit Chamberlain, Daladier und Mussolini auf die friedliche Regelung der Sudetenkrise geeinigt hatten. Hitler erschien nun plötzlich als der Friedensbewahrer.

Die Verschwörer sahen nun keinen Rückhalt für ein gewaltsames Vorgehen gegen Hitler mehr in der Bevölkerung. Das Vorhaben wurde nicht durchgeführt. Nur noch ein kleiner Kern der Verschwörer blieb zusammen und es dauerte lange, bis sie sich von dem Scheitern erholt hatten. (s.O.)

1939 wurde Oster zum Obersten befördert.

Zu beginn des Zweiten Weltkrieges ließ Oster  den Alliierten Informationen über die deutschen Angriffspläne gegen die Niederlande, Belgien und Dänemark zukommen.

Von Canaris gedeckt leitete er die Kontakte zum Oberkommandos des Heeres mit Hilfe von Männern wie Helmuth Groscurth (1898-1943) und Georg Thomas (1890-1946).

Diese versuchten in der Zeit zwischen dem Überfall auf Polen und dem Beginn des Westfeldzuges die nationalsozialistischen Kriegspläne zu durchkreuzen.

Oster warnte Belgien und die Niederlande vor dem dem geplanten Angriffstermin.

Am 8. Oktober 1939  ließ er seinen Wagen bei Gijsbertus Jacobus Sas (1892-1948), der von 1936/37 und wieder ab  1939 bis zum deutschen Angriff auf die Niederlande niederländischer Militärattaché in Berlin war und informierte ihn

über den geplanten Angriff.

Im Herbst und Winter 1939/1940 wurde der Termin 29 mal verschoben. Oster informierte jedes Mal. Seine Glaubwürdigkeit litt aber natürlich.

In der Nachkriegszeit wurden diese Informationen  Oster immer zum Vorwurf gemacht.

1942 wurde Oster zum Generalmajor befördert.

Sein enger Mitarbeiter Hans von Dohnanyi (1902-1945) wurde am 5. April 1943   unter dem Vorwurf angeblicher Devisenvergehen von der Gestapo festgenommen.

Nun geriet auch Oster in das Visier der Gestapo.

Er wurde unter Hausarrest gestellt und wenig später aus der Abwehr entlassen.

Die Entlassung Osters war der schwerste Rückschlag, den der Widerstand bis dahin erlitt.

Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Oster verhaftet.

Genau einen Monat vor der militärischen Kapitulation fand im KZ Flossenbürg unter Vorsitz von Otto Thorbeck (1912-1976),  Chefrichter beim SS- und Polizeigericht in München,

ein Schauprozessgegen  Generalmajor Oster, Dietrich Bonhoeffer, Karl Sack, Ludwig Gehre und Wilhelm Canaris statt.

Sie wurden am 8. April ohne jeden rechtlichen Mindeststandard zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 9. April vollstreckt.

Zur Belustigung der anwesenden SS-Männer mussten sich die Verurteilten entkleiden und nackt zum Galgen gehen.

General Ludwig Beck wurde am 29. Juni 1880 in Biebrich geboren.

Im Ersten Weltkrieg war er zunächst Zweiter Generalstabsoffizier , dann Erster Generalstabsoffizier.

Im April 1918 wurde er zum Major befördert.

In der Weimarer Republik wurde er 1919 in die vorläufige Reichswehr übernommen.

Er hatte verschiedene Truppenkommandos inne.

Am 1. Oktober 1927 wurde er um Obersten befördert.

1930 war er Zeuge Zeuge im Ulmer Reichswehrprozess vor dem Reichsgericht gegen die Offiziere Ludin, Scheringer und Wendt aus dem 5. Artillerie-Regiment wegen Bildung einer NS-Zelle in der Reichswehr.

Als deren Regimentskommandeur setzte er sich für die angeklagten Offiziere ein.

Am 1. Februar 1931 wurde er zum Generalmajor befördert.

Nach der Machtergreifung wurde Beck im Oktober 1933 Chef des Truppenamtes im Reichswehrministerium.

Den Gewaltmethoden des neuen Regimes zum Beispiel im “Röhmputsch” stand er kritisch gegenüber.

Den neuen Machthabern hatte er aber eine positive Einstellung.

Als aber nach dem Tod Hindenburgs die Wehrmacht auf Adolf Hitler vereidigt wurde, kamen bei Beck die ersten Zweifel auf.

Als Chef des Truppenamtes wurde er zu einem der Architekten und Planer der Aufrüstung der Wehrmacht.

Am 16. März 1935 wurde die Wehrpflicht eingeführt.

Das war der Startschuss für eine mit immensem Aufwand betriebene Aufrüstung und den Aufbau der deutschen Streitkräfte zu einer schlagkräftigen, zunächst zur Verteidigung und später auch zum Angriff befähigten Armee.

Die ersten rassistischen Maßnahmen des Regimes brachten ihn noch nicht zur Opposition.

Erst das außenpolitische Va Banque Spiel Hitlers brachten ihn dazu, mit Denkschriften, Vorträgen, Gesprächen und Appellen an die Führung von Wehrmacht und NSDAP vor dem Risiko eines nicht begrenzbaren Krieges zu warnen.

Er war der Meinung, selbst die Aggression gegen die kleine Tschechoslowakei würde einen Weltkrieg entfesseln.

Er war entsetzt über die Verantwortungslosigkeit, mit der Hitler bereit war, Deutschland in einen Krieg mit den Westmächten hineinzuführen.

Er versuchte,ein gemeinsames Vorgehen der Generalität gegen die Kriegsplanungen Hitlers zu organisieren, und schlug  einen geschlossenen Rücktritt der Generalität vor, falls Hitler weiter zum Krieg dränge.

Nur die Generäle von Reichenau und Busch, einer der treuesten Anhänger von Hitler, widersprachen.

Nun total isoliert bat Beck  am 18. August 1938 um seine Enthebung als Generalstabschef des Heeres.

Am 27. 8. übergab er die Dienstgeschäfte an Franz Halder (1884-1972).

Auf Bitten Hitlers verzichtete er auf die öffentliche Bekanntgabe seiner Demission, was ihr natürlich die politische Symbolkraft nahm.

Da auch die “Septemberverschwörung” 1938, die am  28.9. stattfinden sollte und die maßgeblich von Hans Oster geplant war durch die Ereignisse auf der Münchner Konferenz entscheidend durchkreuzt wurden,

war der Widerstand zunächst mal ausgebremst.

Beck wurde noch zum Generalobersten befördert. Er schied mit Wirkung vom 1. November 1938  dem aktiven Dienst aus.

Beck wurde Mitglied der “Mittwochsgesellschaft”, ein exklusiver Kreis, in dem man nur Mitglied wurde, wenn man gewählt wurde.

Während der Zeit des Nationalsozialismus ging ein Teil der Gruppe auf kritische Distanz.

Beck wohnte in Berlin. Seine Wohnung wurde zur Zentrale der kleinen Zirkel des nationalkonservativen Widerstandes.

Natürlich wurde sie von der Gestapo observiert.

Am 8. Januar 1943 trafen erstmals Vertreter des militärischen Widerstands unter Becks Leitung in der Berliner Wohnung Yorks von Wartenburg zusammen.

Bei diesem Treffen wurde Goerdeler als Kanzler einer Übergangsregierung akzeptiert.

Am 20. Juli 1944 wurde Beck nach dem missglückten Attentat  und die Widerstandsgruppe um ihn im Bendlerblock gefangengenommen.

Nach eigener Bitte wurde ihm von durch Generaloberst Friedrich Fromm ( 1888-1945) die Gelegenheit zur Selbsttötung mit einer Pistole gegeben.

Nach zweimaligem Fehlschlag erteilte Fromm einem Feldwebel den Befehl Beck zu erschießen.

Beck wurde mit anderen Opfern des 20. Juli auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg begraben.

Die Rache der SS ging aber über den Tod hinaus. Wenig später wurden die Toten exhumiert, ihr Leichen im Krematorium verbrannt und die Asche

auf den Berliner Rieselfeldern verstreut.

Henning von Tresckow wurde am 10. Januar 1901 in Magdeburg geboren und verstarb am 21. Juli 1944 bei Ostrów Mazowiecka in durch Suizid.

Zuletzt war er Generalmajor der deutschen Wehrmacht.

Er war neben Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg eine zentrale Figur des militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.

Er entstammte einer alten preußisch-märkischen Adelsfamilie. In der Familie gab es eine lange Reihe von Offizieren.

Sein Vater Hermann hatte es bis zum General der Kavallerie in der preußischen Armee gebracht.

Er wuchs mit zwei Schwestern und seinem Bruder Gerd (21. März 1889-6. September 1944) auf Gut Wartenberg  in der Woiwodschaft Westpommern in Polen auf.

Im Juni1917 meldete er sich freiwillig mit 16 Jahren zum Potsdamer 1. Garderegiment zu Fuß.

Er machte seine Ausbildung zum Fahnenjunker .Im Frühjahr 1918 wurde er an die Westfront versetzt und war Zugführer einer Maschinengewehr-Kompanie.

Als einer der jüngsten Leutnante der Truppe erhielt er im Juli 1918 das Eiserne Kreuz II. Klasse.

Nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 kehrte das Regiment nach Potsdam zurück, wo dieses am 11. Dezember 1918 aufgelöst wurde.

1920 verabschiedete  er sich vorerst vom Militär.

Im Wintersemester begann er an der  Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin ein Studium der Rechtswissenschaften. Dieses setzte er in Kiel fort.

Er arbeitete dann im Bankhaus Wilhelm Kann in Potsdam als Bankkaufmann an der Börse.

Von  Juli bis Dezember 1924  unternahm er ein Weltreise von Amsterdam, London, Paris und Lissabon nach Rio de Janeiro und Buenos Aires bis Santiago de Chile.

Die Reise  musste er vorzeitig abbrechen,  um sein Familiengut Wartenberg zu retten.

Mit Fürsprache des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg trat er am 1. Februar 19216 wieder in die Reichswehr ein.

Er wurde Zugführer in der 1. Kompanie des 9.  Infanterie-Regiments, das ebenfalls in Potsdam.

Am 1. Februar 1928 wurde er zum Oberleutnant befördert.

Ende der 1920-er Jahre warb er in Offizierskasinos für die nationalsozialistische Bewegung, da er auf Erneuerung hoffte.

Im  von Tresckows Regiment dienten viele Widerstandskämpfer wie z.B. Hasso von Boehmer (1904-5. März 1945, in Berlin-Plötzensee erhängt),

Alexis von Renne (1903-12.10 1944, in Berlin-Plötzensee hingerichtet) und Hans-Alexander von Voss (1907- 8. November 1944, Suizid).

Am 1. Mai 1934 wurde er zum Hauptmann befördert.

Der kurz danach folgende Röhmputsch brachte ihn in Distanz zum Nationalsozialismus.

Die Röhmmorde verurteilte er als Bruch jeden Rechtsgrundsatzes.

Von Juli 1934 bis September 1936 war er auf der Kriegsakademie in Berlin-Moabit.

Er galt als der mit Abstand Beste seines Jahrganges.

Ab 28. September 1936 arbeitete er in der 1. Abteilung des Generalstabs  im Reichswehrministerium.

Sein unmittelbarer Vorgesetzter war Major i. G. Adolf Heusinger (von 1957-1961 der erste Generalinspekteur der Bundeswehr)

Im Juni 1937 musste er Pläne zum Aufmarsch gegen die Tschechoslowakei erarbeiten.

Er sollte dann noch eine wesentlich aggressivere Neufassung des Plans verfassen.

So bekam er erstmals Einblick in Hitlers außenpolitische Ziele und erkannte sie als ein für das Reich äußerst gefährliches Vabanquespiel.

In den Planungen wurden die Gegenzüge der mächtigen Nachbarstaaten, die wohl erfolgt wären, einfach übergangen.

Spätestens seit der Sudetenkrise wünschte er sich, dass sich die Wehrmacht gegen SS und Gestapo positionieren würden.

Als Anfang 1938 haltlose Vorwürfe wegen privater Affären gegen Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Werner von Blomberg (1878-1946), und des Oberbefehlshabers des Heeres, Werner von Fritsch (1880-1939)

erhoben wurde, führte das zur Krise. Blomberg hatte sich ebenso wie Fritsch bei dem Treffen mit Adolf Hitler, dessen Inhalt im “Hoßbachprotokoll” überliefert ist, massiv gegen Hitlers vorgestellte Kriegspläne gestellt.

Blomberg hatte am 12. Januar 1938 die die 35 Jahre jüngere Margarethe Gruhn geheiratet. Kurz nach der Eheschließung tauchten Gerüchte auf, dass seine Frau als Prostituierte registriert war.

Hitler wurde davon am 24. Januar informiert. Als Blomberg sich weigerte,die Ehe zu annullieren, entließ ihn Hitler mit “Goldenem Handschlag”, d.h. er erhielt 50.000 Reichsmark bei seinem Abschied.

Hitler hatte die Möglichkeit bekommen, sich der wichtigsten Kritiker seiner Außenpolitik zu entledigen.

Er etablierte das Oberkommando der Wehrmacht. Es war Hitler unterstellt. Damit hatte er den Oberbefehl über die Wehrmacht übernommen.

Die Blomberg-Fritsch-Krise brachte ihn erstmals in  Kontakt mit oppositionell eingestellten militärischen und zivilen Kreisen.

Zentralfigur des militärischen Widerstands war der spätere  Generalfeldmarschalls Erwin von Witzleben (1881-8. August 1944, hingerichtet) (Zu Witzleben s.u.)

Gemeinsam mit Wolf von Baudissin (1907-1993) (einer der geistigen Väter der Inneren Führung-“Staatsbürger in Uniform”) suchte er das Gespräch mit von Witzleben.

Dieser überzeugte von Tresckow, in der Armee zu bleiben.

Nach den Novemberpogromen von 1938 stellte er sich auf die Seite der Regimegegner.

Er legte auch früher mit den Nationalsozialisten geteilte Positionen ab.

Im Januar 1939 wurde Tresckow nach Elbing zur 21. Infanterie-Division versetzt und wurde dort Kompaniechef.

Am 1. März 1939 wurde er zum Major befördert.

Kurz vor Kriegsausbruch wurde er Erster Generalstabsoffizier (Ia) in der 228. Infanteriedivision. Mit dieser nahm er am Überfall auf Polen teil

Für seine erfolgreiche Operationsführung wurde er ausgezeichnet.

Die NS-Verbrechen in Polen  nahm er sehr wohl wahr und bestärkte ihn in seiner Regimekritik.

Generalleutnants Erich von Manstein (1887-1973) sorgte dafür, dass er in die Führungsgruppe der Heeresgruppe A unter Gerd von Rundstedt (1875-1953) versetzt wurde.

Hier bekam er unmittelbaren Einblick in die Auseinandersetzungen der Heeresführung und Hitler um den Westfeldzug.

Nun begann sich auch die militärische Opposition für ihn zu interessieren.

Er hatte erste Kontakte mit Hans Oster (s.o)

1942 konnte er seinen Cousin Alexander Stahlberg (1912-1995) bei von Manstein platzieren. Er wurde Mansteins Ordonanzoffizier.

Tresckow wollte eine Vertrauensperson bei von Manstein haben, damit dieser im Falle des geplanten Hitler-Sturzes auf Seite der Widerständler stehen würde.

Die Erfolge beim Westfeldzug beeindruckten Tresckow noch.

Das änderte sich spürbar, als er im Juni 1945 an die Ostfront versetzt wurde.

Er sprach Hitler, dem “größten Feldherrn aller Zeiten”, zu dem dieser bis 1943 von der Propaganda hochstilisiert wurde, jegliche militärische Fähigkeit ab,

erkannte dagegen “militärischen Wahnsinn“ und einer „Amateurstrategie“ (Winfried Heinemann: Der militärische Widerstand und der Krieg. In: Jörg Echternkamp (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg,

Bd 9, Halbband 1, S. 763)

Ab Herbst entwickelte er sich zu einem der maßgeblichen Akteure im militärischen Widerstand.

Er schickte seinen Cousin Fabian von Schlabrendorff (1907-1980), nach Berlin, um echte Kontakte zum zivilen Widerstand zu knüpfen.          

Am 1. April 1942 wurde er zum Oberst im Generalstab   ernannt.

Die Rückschläge in der Schlacht um Moskau vom Oktober 1941 bis 7. Januar 1942, der ersten Niederlage, die die Wehrmacht seit Kriegsbeginn  hinnehmen musste,

brachten ihn dazu, sich aktiv mit Attentatsplänen auf Hitler zu befassen.

Schon 1942 versuchte er Generäle, für seine Putschpläne zu gewinnen. Aber sowohl von Kluge (1882-1944, Suicid), von Manstein und Heinz Guderian (1888-1954)

Am 23. Januar 1943 traf er sich mit Goerdeler und Friedrich Olbricht (1888-20. Juli 1944)  in Berlin, um den Umsturz zu koordinieren.

Außerdem wollte er Generalfeldmarschall von Kluge (1882-1944) mit Unterstützung von Goerdeler dazu bewegen, dass die Feldmarschälle Hitler  bedrängen sollten.

Er beauftragte Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff (1905-1980)einen geeigneten Sprengstoff für ein Attentat auf Hitler zu besorgen.

Dieser entschied sich nach Tauglichkeitsprüfungen am Dnjepr für eine britische Haftmine.

Zusammen mit von Schlabrendorf schmuggelte von Tresckow am 13. März 1943 eine als zwei Flaschen Cointreau getarnte Box in Hitlers Flugzeug nach Rastenburg, das war der Flugplatz für die Wolfsschanze, Hitlers Hauptquartier.

Das Päckchen wurde im Frachtraum des Flugzeugs transportiert, wo es wohl vereiste. Der Zünder versagte.

Die nächste Gelegenheit zu einem Attentat bot sich aber schon 10 Tage später.

Am 21. März 1943 fand der erste öffentliche Auftritt Hitlers  nach der Kapitulation der 6. Armee  in Stalingrad statt. Hitler sollte im Berliner Zeughaus eine Ausstellung russischer Beutewaffen besichtigen.

von Gersdorff  hatte sich bereit erklärt, sich mit Hitler in die Luft zu sprengen. Aber Hitler hetzte durch die Ausstellung und verließ sie bereits nach zwei Minuten wieder.

Von Gersdorf konnte gerade noch die Bombe auf der Toilette entschärfen.

Vom 25.Juli-9. Oktober 1943 war er in die Führerreserve nach Berlin versetzt.

Als Sekretärin forderte er Margarethe von Oven an. Er vertraute ihr voll, da sie die beste Freundin seiner Ehefrau war.

Sie tippte Anordnungen und Verfügungen, die als „Operation Walküre“ den späteren Staatsstreich vorbereiteten.Die Operation Walküre waren ursprünglich

Planungen der Wehrmacht zur Unterdrückung eines möglichen Aufstandes gegen das nationalsozialistische Regime. Er wurde von den Widerstandskämpfern um Claus Schenk Graf von Stauffenberg und von Tresckow für ihren Umsturzplan umfunktioniert.

Sie passten den Plan der Wehrmacht unauffällig an die Bedürfnisse, die nach einem Attentat auf Hitler notwendig geworden wären, an.

Generalfeldmarschall von Witzleben sollte nach gelungenem Attentat auf Hitler neuer Oberbefehlshaber der Wehrmacht werden.

Von Treschkow und Stauffenberg hatten sich 1943 kennengelernt, als dieser 1943 nach Berlin versetzt worden war.Er war mittlerweile auch Regimegegner geworden und suchte nun bewusst Kontakte im militärischen Widerstand.

Es ging jetzt nur noch darum , einen entschlossenen Attentäter zu finden.

Von Tresckow hatte keinen unmittelbaren Zugang zu Hitler.

Im Oktober 1943 wurde von Tresckow wieder an die Ostfront versetzt.

Dadurch wurde er von den Vorgängen in Berlin isoliert.

Von Stauffenberg wurde nun die zentrale Figur der Verschwörer.

Anfang 1944 konnte von Tresckow mit Rittmeister Eberhard von Breitenbuch (1910-1980)einen Hitlerattentäter rekrutieren.

Am 11. März 1944 war er bei einer Lagebesprechung am Obersalzberg bei Berchtesgaden dabei. Erstmals aber ließen Wachoffiziere der SS Ordonanzoffiziere entgegen der bisherigen Praxi ohne Begründung

nicht zur Besprechung zu. Von Breitenbuch saß über anderthalb Stunden mit geladener Browning im Vorzimmer im Irrglauben, man habe von den Plänen der Verschwörer erfahren.

Das geplante Attentat konnte natürlich nicht stattfinden.

Am 20. Juli 1944  unternahm von Stauffenberg dann das Attentat auf Hitler.

Er erfuhr am Nachmittag des 20. Juli wohl von Stauffenberg, dass das Attentat gescheitert sei.

Am 21.Juli fuhr er  an die Front nahe Ostrów Mazowiecki (Bezirk Bialystok)und erschoss sich, einen Partisanenüberfall vortäuschend.

Er wollte nicht bei der zu erwartenden Folter Namen weiterer Beteiligte preisgeben müssen.

Am 24. Juli meldete der  Wehrmachtbericht, dass der Generalmajor „in vorderster Linie den Heldentod“ gefunden habe. Sein Leichnam wurde n ach Wartenberg überführt und dort ohne militärische Ehren bestattet.

Gerüchte über einen Suicid verdichteten sich.

Als die Gestapo die Beteiligung von Tresckows aufgedeckt hatte, wurde er durch den „Ehrenhof“ des Deutschen Heeres aus der Wehrmacht ausgestoßen.

Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben wurde am 4. Dezember 1881 in Breslau geboren.

Im Ersten Weltkrieg war er 1914 Hauptmann und Kompaniechef im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 6 .

Er kämpfte bei bei Verdun, in der Champagne und in Flandern. Er wurde schwer verwundet.

Den Krieg beendete er als Erster Generalstabsoffizier der 121. Infanterie-Division.

Nach dem Krieg wurde er als Kompaniechef übernommen in die Reichswehr übernommen.

1934 wurde er zum Generalmajor ernannt und als Kommandeur zur 3. Division in Potsdam versetzt.

Schon 1934 bekannte er Farbe.

Nach der Ermordung der Generale Kurt von Schleicher (1882-1934)und Ferdinand von Bredow(1884-01.07.1934)  wurde er beim Chef der Heeresleitung vorstellig und protestierte  gegen die Ermordung der beiden Generale  und eine forderte gerichtliche Untersuchung.

Sein militärischer Aufstieg ging aber weiter.

Er wurde als Nachfolger von General Werner von Fritsch (1880-1939) Befehlshaber des Wehrkreises III in Berlin.

1936 wurde er zum General der Infanterie befördert.

Ab 1937 versuchte er Hitler zu stürzen.

Während der Sudetenkrise wurde die Septemberverschwörung (siehe unter Oster)geplant.

Beteiligt waren neben Hans Oster, Paul von Hase (1885-8. August 1944, hingerichtet), Erich Hoepner (1886-8. August 1944, hingerichtet) und Franz Halder (1884-1972)

Hitlers Erfolg beim Münchner Abkommen entzog dem geplanten Staatsstreich aber den Boden.

Im September 1939 übernahm der wenig später zum Generaloberst beförderte Witzleben den Oberbefehl über die im Westen stationierte 1. Armee.

Beim Angriff auf Frankreich am 10. Mai 1940 überwand  die Heeresgruppe C , bei der er kämpfte, die Maginotlinie.

Am 17. Juni mussten mehrere französische Divisionen kapitulieren.

Von Witzleben wurde mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.

Am 19. Juli wurde er zusammen mit 11 weiteren Generälen zum Generalfeldmarschall befördert.

Mitte März 1942 wurde er angeblich aus gesundheitlichen Gründen in die Führerreserve versetzt.

Franz Halder hatte sich mittlerweile von der militärischen Opposition distanziert.

Auf dessen Betreiben war von Witzleben in die Führerreserve versetzt worden.

Er wurde durch von Rundstedt ersetzt.

Die Verschwörer um von Stauffenberg hatten ihm beim geplanten Staatstreich eine Schlüsselrolle zugedacht.

Er sollte nach Hitlers Tod den Oberbefehl  über die gesamte Wehrmacht übernehmen.

Am 20. Juli 1944 hielt er sich zunächst im Oberkommando des Heeres in der Bendlerstraße in Berlin auf.Nach dem missglückten Attentat wurde er am nächsten Tag

auf dem Gut seines Adjutanten Wilhelm Graf zu Lynar (1899- 29. September 1944, hingerichtet) verhaftet .

Er wurde am 02.08 1944 von dem an diesem Tag eingerichteten “Ehrenhof” unter Vorsitz von Rundstedt unehrenhaft aus der Wehrmacht ausgestoßen.

Dieser hatte die Aufgabe, Mitglieder der Wehrmacht, die am Attentat vom 20. Juli 1944 mitgewirkt hatten, aus der Wehrmacht auszustoßen.

Damit war nicht mehr ein militärisches Gericht für sie zuständig.

Sie konnten von der politischen Justiz des Volksgerichtshof verurteilt werden.

Die Verhandlung fand am 07./08. gegen ihn und 7 weitere Beteiligte, unter ihnen Erich Hoepner (1886- 08.08.1944, hingerichtet) statt.

Die Verhandlung wurde von Roland Freisler geleitet.

Alle 8 Beklagten wurden am 8. August zum Tod verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet, auf ausdrücklichen Befehl Hitlers durch Erhängen

und nicht wie sonst bei Militärangehörigen durch Erschießen.

 

Carl-Heinrich von Stülpnagel wurde am 2. Januar 1886 in Berlin geboren. Er entstammte einem alten uckermärkischem Adelsgeschlecht.

Am Ende des Ersten Weltkrieges war Stülpnagel Erster Generalstabsoffizier der 18. Infanterie-Division an der Westfront.

In der Reichswehr brachte er es bis zum Oberst i. G. 1932.

Bis 1933 arbeitete er zusammen mit mit Generalmajor Ludwig Beck (s.o.) eine Dienstvorschrift für die „Truppenführung“ aus.

Seine privaten Interessen lagen an Gärten um 1730. Dazu verfasste er verschieden Schriften.

Ab 1. Dezember 1932 übernahm er die Leitung der Abteilung Fremde Heere, die unter diesem Namen bis 1938 arbeitete.

Zwischen 1934 und 1935 wurden die Aufsplittung der der Aufgaben zur Feindlageanalyse zwischen der Reichswehr und der Luftwaffe vorgenommen.

Das geschah in seiner Amtszeit.

Zwei politische Ereignisse des Jahres 1934 verstärkten seine kritische Distanz zum Nationalsozialismus.

Am 25. März 1934 wurde der österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1892-1934) von österreichischen Nationalsozialisten erschossen.

Die Absprachen zur Vorbereitung des Putsches und damit in die tatsächliche Vorgehensweise der Machthaber in Berlin gegen die Dollfuß-Regierung in Wien hatte er in Berlin  miterlebt.

Kurz danach  am 30. 1934  wurden im sogenannten Röhmputsch, einer „Säuberungsmaßnahme“  im Deutschen Reich rund 100 Personen von SS, SD und Gestapo ermordet, im Wesentlichen die Führungsriege der SA, aber auch andere, bei Hitler in Ungnade gefallene Parteigänger, politische Gegner, Juden und vollkommen Unbeteiligte. So wurden die beiden Reichswehrgenerale Kurt von Schleicher (1882-1934, Reichskanzler 1932-1933) und Ferdinand von Bredow (1884-1934) ermordet.

Auch Gustav Ritter von Kahr (1862–1934, Generalstaatskommissar 1923–1924), den Hitler für den gescheiterten Putsch 1923 verantwortlich machte, fiel dem Mordkomplott zum Opfer.

Hitlers innerparteilicher Rivale Gregor Strasser (1892- 30.06.1934 in Berlin) wurde ebenfalls ermordet.

Zu den politischen Gegnern ist Erich Klausener (1885-30ö. Juni 1934 in Berlin)zu rechnen. Er war Leiter der Katholischen Aktion in Berlin, eine Laienbewegung der katholischen Kirche.

Auf dem märkischen Katholikentages am 24. Juni 1934 im Hoppegarten hielt er eine leidenschaftliche Rede vor 60.000 Zuschauer.

Er forderte für die Katholiken das Recht , ihr innerkirchliches Leben ungestört führen zu können.

Diese Rede war in den Augen vieler Beobachter ausschlaggebend für seine spätere Ermordung.

Diese beiden Ereignisse zeigten von Stülpnagel die Skrupellosigkeit des NS-Systems, Personen, die andere Auffassungen zur Erreichung eines politischen Zieles haben, durch Mord aus dem Wege zu räumen. Dies  prägte seine Motivation nachhaltig.

Er war in die Septemberverschwörung von 1938 eingeweiht.

Er gehörte auch im Winter 1939/40 zu den entschiedenen Gegnern Hitlers im Generalstab des Heeres.

Während der zweiten Phase des Westfeldzugs führte er zeitweilig das II. Armeekorps. Anschließend wurde er Vorsitzender der deutsch-französischen Waffenstillstandskommission bis zum Dezember 1940.

Im Russlandfeldzug führte die 17. Armee als Kommandierender General. So wurde er mit den Morden an Juden in der Ukraine konfrontiert.

Da er die Besatzungs-und Eroberungspolitik ablehnte, reichte er am 4. Oktober 1941 seinen Rücktritt als Oberbefehlsheber der 17. Armee ein, offiziell als Krankmeldung

Im Februar 1942 wurde er  als Nachfolger seines entfernten Verwandten Otto von Stülpnagel(1878-1946) zum Militärbefehlshaber in Frankreich mit Sitz in Paris ernannt, was er bis Juli 1944 blieb.

Im Verwaltungsstab von Stülpnagel gab es eine Reihe von Verschwörern. Casar von Hofacker (1896-20.12.1944 in Plötzensee hingerichtet) war wohl der eigentliche Anführer der Widerstandsbewegung im Westen.

Elmar Michel (1897-1977) war Leiter der zivilen Gesamtverwaltung beim deutschen Militärbefehlshaber Frankreich. Er wurde im Juni 1944 von Hofacker in die Verschwörungspläne eingeweiht und erklärte sich bereit, mitzumachen.

Walter Bargatzky (1910-1998) war kein engeres Mitglied des Widerstandes.

Aber er kämpfte er mit Rechtsgutachten gegen die völkerrechtswidrige Verbringung von Kunst- und Kulturgütern aus Frankreich nach Deutschland, wenn auch ohne Erfolg. Sein widerständiges Handeln ließ ihn fast zwangsläufig in Kontakt treten mit dem Kreis der sich ab 1943/1944 in Paris bildenden militärischen Opposition.

Am 20. Juli 1944 ließ von Stülpnagel in Paris die wichtigsten Funktionäre und Führer der SS, des SD und der Gestapo festnehmen. Insgesamt wurden 1.200 Angehörige des NS-Regimes verhaftet.

Als die Nachricht vom Scheitern des Attentats Paris erreichte, enthob ihn Generalfeldmarschall von Kluge seines Posten.

Er erhielt den Befehl, sich beim Oberkommando der Wehrmacht in Wünsdorf bei Berlin zu melden. Unterwegs bei Verdun ließ er

seinen Fahrer anhalten. Er stieg aus dem Wagen, schoss sich in den Kopf und stürzte in die Maas. Er wurde aber aus dem Wasser gezogen, schwer verletzt und erblindet in ein Lazarett gebracht.

Dort verhaftetet ihn die Gestapo.

Er wurde am 30. August 1944 vom Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler zum Tod durch den Strang verurteilt und noch am selben Tag in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde am 15. November 1907 auf Schloss Jettingen im Landkreis Günzburg geboren.

Sein Vater Alfred Schenk Graf von Stauffenberg war Oberhofmarschall bei König Wilhelm II. (1891-1918) von Württemberg.

Von 1913-1916 wurde er an einer Privatschule für Elementarunterricht unterrichtet.

Danach besuchte er das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart.

Am 5. März 1926 legte er das Abitur ab.

Obwohl er reges Interesse für Architektur hatte, entschied er sich für den Militärdienst.

Am 1. April 1926 trat er als Fahnenjunker in das 17. Bayerische Reiter-Regiment in Bamberg ein.

Die Offiziersprüfung bestand er als 6. bester seines Jahrgangs.

Am 1. Januar 1930 wurde er zum Leutnant ernannt und erhielt sein Offizierspatent.

Er stand der Konservativen Revolution nahe. Das ist ein Sammelbegriff für politische Strömungen, die sich in der Weimarer Republik entwickelten.

Diese Strömung hatte entschieden antiliberale, antidemokratische, antiegalitäre und ultranationalistische Züge und wird werden von Historikern

der vergleichenden Faschismusforschung vollständig oder zumindest teilweise einem eigenständigen, vom Nationalsozialismus abzugrenzenden  „deutschen Faschismus“ zugeordnet.

Anfangs der 30-iger Jahre sympathisierte er wie viele gleichgesinnte Offiziere mit Adolf Hitler.

Er sah ihn als Mann von Potential und traute ihm zu, das Volk hinter sich zu einen.

Vor der Reichspräsidentenwahl 1932 sprach er sich für Hitler und gegen den Amtsinhaber Paul von Hindenburg aus.

Dem Gedanken des Führertums, der Volksgemeinschaft, dem Grundsatz Gemeinnutz geht vor Eigennutz und dem Kampf gegen die Korruption, aber auch  dem Rassengedanke und dem Wille zu einer neuen deutschbestimmten

Rechtsordnung  konnte er durchaus etwas abgewinnen.

Wie die meisten Offiziere aus Stauffenbergs Generation, darunter auch viele  aus dem späteren Widerstand, Stand der den Zukunftsversprechen der nationalsozialistischen Bewegung und ihrem Führer aufgeschlossen gegenüber.Aber er behielt aufgrund seines elitären Selbstverständnisses auch eine bis in die NS-Zeit hinein wirksame Distanz gegenüber der NSDAP und ihren Parteiorganisationen wie etwa der SA aufrecht.

Am 1. Mai 1933 wurde er zum Oberleutnant befördert.

Am 26 November 1933 heiratete er seine Verlobte  Nina Freiin von Lerchenfeld (27. August 1913 – 2.4. 2006) Aus der ehe gingen 5 Kinder hervor.

Von 1934 bis 1936 war von Stauffenberg als Bereiter-Offizier an der Kavallerieschule Hannover. Ein Bereiter ist für Ausbildung und Training von Pferden zuständig, auch für Pflege und Überwachung des Gesundheitszustandes der Pferde.

Ab 1. Oktober 1936 nahm er an der Generalstabsausbildung an die Kriegsakademie in Berlin-Moabit teil.

Dort lernte er  Albrecht Mertz von Quirnheim (25. März.1905- 20.Juli1944) und Eberhard Finckh (7. November 1899-30. August 1944, hingerichtet in Berlin-Plötzensee) kennen.

Albrecht Mertz zählte zum engsten Kreis um von Stauffenberg und wurde in der Nacht des 20. Juli zusammen mit von Stauffenberg standrechtlich erschossen.

Eberhard Finckh war am 20. Juli 1944 in Paris und leitete die dort die Festnahme des SD ein. Nach dem Scheitern des Anschlags wurde er nach Berlin gebracht.

Er wurde unehrenhaft aus der Wehrmacht ausgestoßen, am 29. August 1944 vom Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler zum Tode verurteilt und am 30. August in Plötzensee hingerichtet.

Von Stauffenberg wurde am 1. Januar 1937 zum Rittmeister befördert.

Am 1. Juli 1938 wurde er Zweiter Generalstabsoffizier bei der 1.Leichten Division in Wuppertal.

Sein Vorgesetzter war Generalleutnant Erich Hoepner (14. September 1886- 8. August 1944  in Plötzensee auf ausdrücklichen Befehl Hitlers erhängt)

Die Division beteiligte sich im Oktober 1938 am Einmarsch ins Sudetenland nach dem Münchner Abkommen.

Im August 1939 wurde die Division nach Schlesien verlegt.

Am 1. September 1939 überfiel Deutschland Polen und löste damit den Zweiten Weltkrieg aus.

Der Vormarsch verlief unerwartet schnell.  Er bereitete der Wehrmacht und auch von Stauffenberg als verantwortlicher Quartiermeister logistische Schwierigkeiten.

Am 12. September war bereits Radom erreicht, wo die erste Kesselschlacht des 2. Weltkrieges erfolgreich geschlagen wurde.

Stauffenberg schrieb in einem Brief an seine Frau: “„Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk welches sich nur unter der Knute wohlfühlt. Die Tausenden von Gefangenen werden unserer Landwirtschaft recht gut tun. In Deutschland sind sie sicher gut zu brauchen, arbeitsam, willig und genügsam.“ (Harald Steffahn: Stauffenberg, Hamburg 2002, S. 71). Die Historiker Heinrich August Winkler und Saul Friedländer sehen dieses Zitat als Beleg an, dass von Stauffenberg zu diesem Zeitpunkt mit der nationalsozialistischen Rassenideologie über einstimmte.

Während des Polenfeldzugs ließ  er einen deutschen Offizier vor ein Militärgericht stellen weil dieser  zwei polnische Frauen hatte erschießen lassen hatte.

Der verbrecherische Charakter der NS-und Kriegsführung wurde ihm wohl erst in den Jahren 1941/42 zunehmend klarer und brachte ihn zum Umdenken und schließlich zur gezielten Kontaktsuche nach Hitlergegnern.

Nach dem Ende der Kampfhandlungen in Polen wurde die 1. Leichte Division an den Standort Wuppertal zurückgeführt.

Sie wurde zur zur 6. Panzer-Division unter dem Befehl von Generalmajor Werner Kempf (1886-1964) umgegliedert .

Die Division wurde in den Bereitstellungsraum an die Westfront verlegt.

Der Westfeldzug wurde vom Oberbefehlshaber des Heeres Walther von Brauchitsch (1881-1948) und Generalstabschef Franz Halder (1884-1972) für nicht vertretbar gehalten.

Sie näherten sich kurzzeitig der militärischen Opposition an und erklärten sich um die Jahreswende 1939/1940 bereit, Hitler zu verhaften, sobald er den Angriffsbefehl geben würde.

General von Manstein hatte den “Sichelschnittplan” entwickelt , der für den Westfeldzug kriegsentscheidend war.

Noch vor Abschluss der Westoffensive wurde Stauffenberg von seiner Panzer-Division abgezogen und am 27. Mai 1940 zum Oberkommando des Heeres (OKH) versetzt.

Dort übernahm er die Leitung der Gruppe II der Organisationsabteilung .

Er erhielt hier Einsichten, die einem normalen Generalstabsoffizier nicht möglich waren.

Am 18. Dezember 1940 erteilte Hitler mit der Weisung 21  dem OKW einen Führererlass . Darin wurde die Vorbereitung die Vorbereitung eines schnellen Feldzuges zur Niederwerfung der Sowjetunion befohlen.

“Die deutsche Wehrmacht muss vorbereitet sein, auch Vorbereitung des Krieges gegen England Sowjetrussland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen (Fall Barbarossa)” (Bundesarchiv “Weisung Nr 21 – Fall Barbarossa“ Seite 1)

Das OKH kehrte in sein Hauptquartier nach Wünstorf zurück.

Stauffenbergs Referat arbeitete an der organisatorischen Vorbereitung des Unternehmens Barbarossa mit.

Im April 1941 wurde er zum Major i. G. befördert.

Nach über zwei Jahren im Stabsdienst bat er um eine Frontverwendung.

Im März 1943 wurde er zur 10. Panzerdivision. Sie unterstand der 5. Panzerarmee und hatte in dieser den Rückzug von Erwin Rommels Panzergruppe Afrika gegen die Alliierten abzudecken.

Sein Kommandeur war Generalmajor Friedrich von Broich (1896-1974, von 12. Mai 1943 bis 7.Oktober 1947 in britischer Kriegsgefangenschaft).

Zu diesem hatte er ein Vertrauensverhältnis.

Am 7. April 1943 geriet Stauffenbergs Kübelwagen unter Beschuss britischer Jagdflieger.

Er wurde schwer verwundet. In einem Feldlazarett bei Sfax musste ihm seine zerschossene rechte Hand sowie Ring- und Kleinfinger der linken Hand amputiert werden.

Er verlor auch sein linkes Auge, weil ein Geschoss  bis in den Schädelknochen gelangt war.

Über das Kriegslazarett Tunis-Carthago gelangte er am 21. April 1943 in in das Reservelazarett München 1. Dort wurde er in der chirurgischen Abteilung von Max Lebsche (1886-1957) behandelt.

Lebsche war ein Gegner des Nationalsozialismus. So organisierte er ein Treffen mit Pfarrer Muhler (1892-1963)(ab 1953 Stadtpfarrer in München) und dem  Jesuitenprovinzial P. Augustin Rösch S.J. (1893-1961).

Bei diesem Treffen informierte Pfarrer Muhler P. Rösch über die drohende Beschlagnahme von 24 Klöstern in Elsass und Lothringen. P. Rösch gehölrte zusammen mit den Patres Delp und König zum

“Münchner Zweig “ des Kreisauer Kreises.

In München wurde von Stauffenberg durch seinen  Onkel, dem Bruder von Stauffenbergs Mutter, Nikolaus Graf von Üxküll-Gyllenband betreut.

Am 1. Mai 1933 trat dieser in die NSDAP ein.

Allerdings widersprach die Art und Weise, in der die Nazis ihre Politik umsetzten, seinem Verständnis von Anstand, Ehre und Tradition.

Seine Bedenken und Skrupel vermittelte er seinen Neffen Claus und versuchte sie schon 1939 für den Widerstand zu gewinnen.

1943 wurde Nikolaus in die Umsturzpläne eingeweiht.

Vom Attentat erfuhr er in Lautlingen. 2 Tage später wurde er von der Gestspo verhaftet und nach Berlin gebracht.

Am 13. September 1944 wurde er unter Roland Freisler zum Tode verurteilt und am 14. September erhängt.

Nach seinem Lazarettaufenthalt kehrte von Stauffenberg am 3. Juli 1943 nach Lautlingen zurück.

Im Herbst 1943 ließ er sich nach Berlin versetzen und suchte dort bewusst Kontakt zu Hitlergegnern um General Friedrich Olbricht (1888-20. Juli 1944,standrechtlich erschossen) an.

Er kam schon 1938 Hans Osten (s.o.) in Kontakt mit den Widerstandskreisen um Generaloberst Ludwig Beck.

Ab 15. Februar 1940 war er Leiter Allgemeinen Heeresamtes im Oberkommando des Heeres.

Ab 1943 wurde er zusätzlich Leiter des Wehrersatzamtes beim Oberkommando der Wehrmacht.

Er beteiligte sich an den Planungen zum Attentat auf Hitler.

1943 forderte er Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim (1905-20.  Juli 1944, standrechtlich erschossen) als Mitarbeiter an.

Er wurde nach dem gescheiterten Attentat ebenfalls standrechtlich erschossen.

Die Hinwendung von Stauffenbergs zum militärischen Widerstand geschah auch aus der Erkenntnis, dass nur die Wehrmacht, auch weil sie von der Gestapo und dem SD kam infiltriert war,

über die notwendigen Machtmittel zu einem Umsturz verfügte.

Ein Großteil der Verschwörer stammte aus den konservativen Kreisen von Bürgertum, Adel und Militär und lehnte eine parlamentarische Demokratie als Staatsform ab.

Von Stauffenberg  strebte aber wohl eine breite Basis an. So forderte er die Aufnahme von Sozialdemokraten wie Julius Leber  (1891-5. Januar 1945, in Plötzensee hingerichtet) in die neu zu bildende Regierung. Diesen hatte er

über  seinen Cousin Graf Yorck von Wartenburg kennengelernt. Leber hatte Kontakt zu Carl Friedrich Goerdeler und zum Kreisauer Kreis. Zu ihm hatte von Stauffenberg ein besonderes Vertrauensverhältnis.

In den Putschplänen war er als Innenminister vorgesehen.

Auch ein Bündnis mit den Kommunisten strebte er an, um eine möglichst breite Unterstützung für den Umsturz und eine danach zu erschaffende Neuordnung des Staates zu erlangen.

Am 22. Juni 1944 traf er sich mit den Sozialdemokraten Julius Leber und Adolf Reichwein und den Kommunisten Anton Saefkow (1903- 18. September 1944, hingerichtet) und Franz Jacob(1906-18. September 1944, hingerichtet) .

Da bei diesem Treffen auch der Gestapo-Spitzel Ernst Rambow anwesend war, wurde Leber Anfang Juli 1944 von der Gestapo verhaftet.

Von Stauffenberg hatte, als er in Berlin zurück war, mit Olbricht, Albrecht Mertz von Quirnheim und Henning von Tresckow die Pläne  für das Unternehmen Walküre ausgearbeitet.

Offiziell diente dieser Plan der Niederwerfung möglicher Unruhen im Inneren, etwa bei einem Aufstand der zahlreichen Zwangsarbeiter.

Von Stauffenberg und von Tresckow ergänzten diesen Plan und hatten somit einen getarnten Umsturzplan für einen Staatsstreich.

Die geplante Ermordung Hitlers sollte “frontfremden Parteifunktionären” angelastet werden.

Man hatte damit einen Grund, für die Verhaftung der Angehörigen von NSDAP, SS, SD und Gestapo.

Die Befehlshaber der Wehrkreiskommandos im gesamten Großdeutschen Reich sollten sofort nach der Auslösung von Walküre die nun notwendigen Befehle erhalten.

Die militärische Lage war spätestens seit der Invasion  so aussichtslos geworden, dass kaum jemand noch an den “Endsieg” glaubte.

Mitte Juni 1944 wurde von Stauffenberg Chef des Stabes des Befehlshabers des Ersatzheeres. Am 1. Juli 1944 wurde er zum Oberst i.G. befördert.

Eine Schwachstelle des Planes war, dass von Stauffenberg das Attentat ausführen musste aber außerdem von Berlin aus den geplanten Staatsstreich leiten musste.

Am 11. Juli 1944 und am 15. Juli  waren Lagebesprechungen anberaumt, am 11. Juli auf dem Berghof bei Berchtesgaden, am 15. Juli  im Führerhauptquartier Wolfsschanze.

Beide Gelegenheiten brach er vorzeitig ab, weil entweder Heinrich Himmler oder Hermann Göring nicht anwesend war.

Am 20. Juli sollte der Anschlag auf keinen Fall abgeblasen werden.

Am 20. Juli 1944 flog von Stauffenberg mit seinem Adjutanten, Oberleutnant Werner von Haeften (1908-20. Juli 1944) zur Wolfsschanze bei Rastenburg in Ostpreussen.

Die Besprechung war wegen eines geplanten Besuchs von Benito Mussolini unerwartet um eine halbe Stunde vorverlegt worden.

Außerdem fand sie nicht  wie üblich in einem Betonbunker, sondern in einer leichten Holzbaracke statt. Die Sprengladung konnte  so nicht die erhoffte Wirkung entfalten.

Stauffenberg stellte seine Aktentasche mit der Sprengladung neben einem massiven Tischblock etwa zwei Meter von Hitler entfernt ab.

Der Tischblock schwächte die Wirkung der Sprengladung weiter ab.

Von Stauffenberg verließ die Besprechung unter dem Vorwand, telefonieren zu müssen.

Von Haeften und Stauffenberg  konnten die Wolfsschanze rechtzeitig verlassen, in dem festen Glauben, Hitler sei tot.

Aber schon wenige Minuten nach dem Scheitern wurde in Berlin klar, dass Hitler überlebt hatte. Joseph Goebbels wurde in Berlin gegen 13:00 verständigt,

dass das Attentat gescheitert sei.

Walküre wurde erst gegen 16.30, also etwa 4 Stunden nach dem Attentat ausgelöst.

Da kamen schon Fernschreiben aus der Wolfsschanze an, dass Befehle aus dem Bendlerblock ungültig seien.

Die meisten Offiziere außerhalb des Bendlerblocks verhielten sich wegen dieser widersprüchlichen Lage abwartend. Die Fernschreiben der Verschwörer mit den Walküre-Befehlen wurden weitgehend nicht befolgt.

Gegen 22:30 wurde Stauffenberg und seine Mitverschwörer von regimetreuen Offizieren verhaftet.

Generaloberst Fromm (1888-12. März 1945, hingerichtet) gab unter Berufung auf ein Standgerichtsurteil den Befehl

Claus Schenk Graf von Stauffenberg gemeinsam mit Werner von Haeften, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Friedrich Olbricht zu erschießen.

Fromm kannte die Umsturzpläne und tolerierte sie, beteiligte sich aber nicht an ihnen.

Fromms eigenmächtige Entscheidung, die greifbaren Attentäter sofort standrechtlich hinrichten zu lassen, erzürnte Hitler.

Zum einen war das nach dem militärischen Ehrenkodex eine vergleichsweise wenig ehrenrührige Hinrichtungsart. Zum andern konnten sie von der Gestapo nicht verhört und gefoltert werden.

Somit konnten auch keine Informationen über weitere Informationen über Mitverschwörer gesammelt werden.

Nachdem allmählich ruchbar wurde, dass Fromm Kenntnis von den Umsturzplänen wusste, wurde er am 14. September 1944 aus dem Heer entlassen.

So konnte er vor den Volksgerichtshof gestellt werden.

Eine direkte Beteiligung konnte ihm nicht nachgewiesen werden.

Er wurde wegen Feigheit vor dem Feind zum Tode verurteilt und am  12. März 1945 im Zuchthauses Brandenburg-Görden erschossen.

Damit war das letzte von insgesamt 42 Attentaten auf Adolf Hitler gescheitert.

Die ersten Attentatsversuche sind schon in den 1920-er Jahren belegt.

Hitler hatte Angst vor Attentaten.

Schon in den 1920 –Jahren hatte er er private Leibwächter beschäftigt. Als er 1933 Reichskanzler wird, übernahm die Gestapo seinen Schutz.

Außerdem erhielt er „Leibstandarte SS Adolf Hitler“. Über 20 Soldaten bewachten ihn. Sie waren ausgewiesene Spezialisten im Personenschutz.

Auch gepanzerte Flugzeuge und Limousinen standen ihm zur Verfügung.

Die Führermaschine war eine Spezialanfertigung. Die viermotorige Focke Wulf 200 Condor hatte stärkere Motoren und besondere Sicherheitsvorkehrungen: Es gab zwei Maschinengewehr-Kanzeln oben und unten und einen Notausstieg. Im Ernstfall konnte

Hitler diesen mit einem Hebel neben seinem Sitz öffnen und dann mit einem Fallschirm abspringen. Später kam noch eine Panzerung seiner Kabine dazu, ebenso wie ein Schleudersitz.

Auch der Wagen des Führers war nicht irgendein Auto. Es war eines der schwersten und schnellsten Fahrzeuge, die Daimler-Benz liefern konnte. Mit Kruppstahl gepanzert. Seiten- und Windschutzscheiben bestehen aus dickem Panzerglas. Angeblich waren auch die Reifen gegen Beschuss geschützt. Dem Auto folgten immer mindestens zwei Wagen des SS-Begleitkommandos mit je sechs Mann Besatzung.

Dazu kam was Hitler selbst einmal in Bezug auf Anschläge gesagt haben soll: „Das einzige Gegenmittel ist ein unstetes Leben“

Er nahm stets andere Wege, sagte Reisen erst kurz zuvor zu oder im letzten Moment wieder ab und verließ Veranstaltungen früher als geplant.

Der SD überprüfte alle Örtlichkeiten, bevor Hitler auch nur einen Fuß dorthin setzt. Außerdem sorgte er dafür, dass Hitlers Aufenthaltsorte und Pläne möglichst lange geheim

blieben.

Um nicht Giftanschlägen zum Opfer zu fallen,ließ er sich von einem eigenen Koch verköstigen. Und er aß er nicht mehr einen Bissen, bevor sein Leibarzt die Speisen nicht vorgekostet hatte.

Das Regime nahm blutig Rache.

Über 700 Personen wurden inhaftiert, über 110 Personen wurden hingerichtet.

Für die Militärs ließ Hitler am 2. August 1944 den „Ehrenhof der Wehrmacht“ errichten.

Wehrmachtsangehörige konnten aus unehrenhaft aus der Wehrmacht ausgestoßen werden. Das Militärstrafrecht war nicht anwendbar und so konnten

Wehrmachtsangehörige vor den Volksgerichtshof gestellt werden.

Es kam zu mehr als 50 Prozessen mit mehr als 200 Angeklagten und mehr als 100 Todesurteilen.

Die Familien der Verschwörer verfielen der Sippenhaft. Die Kinder erhielten andere Familiennamen und wurden in Kinderheime verbracht.

Das funktionierte nur so gut, weil die Justiz reibungslos mitarbeitete.

Reichsjustizminister war Otto Thierack .

Volksgerichtshofspräsident war Roland Freisler (1893-3. Februar 1945 bei einem Bombenangriff in Berlin)

Seine Witwe Marion Russegger (1910–1997) erhielt bis zu ihrem Tod Rente und ab 1974 zusätzlich einen Berufsschadensausgleich, weil so die Begründung

im Falle Freisler unterstellt werden müsse, dass er, wenn er den Krieg überlebt hätte, als Rechtsanwalt oder Beamter des höheren Dienstes ein höheres Einkommen erzielt hätte(!).

Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof war Ernst Lautz (1887-1979).

Er wurde am 14. Dezember 1947 im Nürnberger Juristenprozess wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Am 31. Januar 1951 entschied der amerikanische Hohe Kommissar John Jay McCloy (1889-1995) dem Gnadengesuch von Lautz stattzugeben und setzte seine Strafe auf den verbüßten Teil herab.

 

 

 

24 März 2026

Josef Bürckel Gauleiter und Reichsstatthalter

 

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Am 30. März 1895 wurde Josef Bürckel in Lingenfeld als Sohn des Bäckermeisters Michael Bürckel und dessen Ehefrau Magdalena geboren. Er war das jüngste von vier Kindern. In Lingenfeld

besuchte er die Volksschule. Danach ging er auf die Realschule in Karlsruhe. Von 1909 bis 1914 war er in Speyer an der Lehrerbildungsanstalt. Am 28. Juni 1914 wurde in Sarajevo der österreichische

Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau seine Frau Sophie Chotek ermordet. Das führte zur Julikrise und mündete in den 1. Weltkrieg, der am 28. Juli begann. In Deutschland befahl Kaiser Wilhelm am 1. August

die Mobilmachung. Am 3. August 1914 rief der Direktor der Lehrerbildungsanstalt in Speyer seine Schüler auf, freiwillig in die Truppe einzutreten. Die Schule würde dem keine Hindernisse

in den Weg legen, sondern die Anstalt würde sich als Ehre anrechnen, wenn auch ihre Schüler nicht hinter den Gymnasien und Hochschulen zurückstünden. Josef Bürckel war im wehrfähigen Alter und meldete

sich bereits am Mobilmachungstag beim 17b Infanterieregiment freiwillig. Am 3. November 1914 rückte er als Rekrut beim Feldartillerieregiment 12b  ein. Eine erste Not-Abschlussprüfung konnte er wegen seines Heeresdienstes

nicht ablegen. Er legte sie gegen Ende des Jahres 1915 ab. Er bestand mit Erfolg. Wegen eines Herzleidens wurde er am 12. August 1915 in das Kriegslazarett in Péronne (Département Somme) eingeliefert.

Am 4. Dezember 1915 wurde er zum Unteroffizier befördert. Am 17. Mai 1916 wurde er für den Schuldienst zurückgestellt. Er begann seinen Praxisdienst als Schuldienstanwärter an der katholischen Volksschule in Lingenfeld.

Er wurde dann weiter nach Bellheim und dann nach Minfeld versetzt, wo er bis zum Ende des Schulanwärterdienst am 28. Juli 1919 blieb. Danach fand die Prüfung zur Lehreranstellung auf Lebenszeit statt.

Nach seiner Anstellung als Hilfslehrer unterrichtete er bis zum 31. Januar 1920 in Bobenheim – Roxheim. Dann wurde er nach Rodalben versetzt und dort am 1. April 1921 zum Lehrer auf Lebenszeit ernannt.

Er hatte schon am 11. Juni 1920 in Lingenfeld Hilde Spies geheiratet. Zum Zeitpunkt der Eheschließung war sie noch nicht 21.  Am 21. August 1921 kam Josef Artur zur Welt. Josef Artur war während des Krieges Mitglied der Leibstandarde Adolf Hiltler.

Er fiel am 01. August 1944.

Durch Bürckels Anstellung auf Lebenszeit war die materielle Basis für die Familie des Lehrers gesichert. Am 10. März 1925 bekam die Familie nochmals Nachwuchs. Der zweite Sohn Hermann Jakob wurde geboren.

Über Bürckels Familienleben ist sonst nichts bekannt.

Auch zu seinen außerschulischen Aktivitäten, Kontakte zu Kollegen usw. gibt es kaum Informationen. Aber er war Chorleiter im Gesangverein in Rodalben und das lässt darauf schließen, dass er doch einiges Ansehen in Rodalben genoss.

Vermutlich schon 1921 trat er in die NSDAP ein. Es lässt sich nicht nachweisen, ob er in Rodalben schon parteipolitisch tätig war. Er hatte sich aber einseitig positioniert in seiner antiseparatistischen Tätigkeit und war sowohl von deutschen als

auch französischen Behörden verfolgt.

Die separatistische Bewegung setzte in der Pfalz unmittelbar nach Kriegsende ein. Am 11. November 1918 war das  Waffenstillstandsabkommen von Compiègne abgeschlossen worden und ab dem 1. Dezember 1918 besetzte

die französische 8. Armee unter General Augustin Grégoire Arthur Gérard (1857-1926) die Pfalz. Bis zum Ende des Ruhrkampfs unter Reichskanzler Gustav Stresemann waren rund 60.000 Mann in der Pfalz stationiert.

In der Pfalz regten sich nun separatistische Bestrebungen. Sie gingen von bürgerlichen Kräften bis weit in die Zentrumspartei hinein aus. Man hatte Angst vor einer ungewissen Zukunft in einem womöglich bald sozialistischen

Deutschland. auch versprach man sich durch eine Anlehnung an die Sieger bei der Reparationsfrage glimpflicher davon zu kommen. 1919 war in München der bayrische und sozialistische Ministerpräsident ermordet worden.

Ab 1920 rückte Bayern nach rechts und entwickelte sich unter dem Ministerpräsidenten Gustav von Kahr zur nationalistischen “Ordnungszelle” Deutschlands. In München sammelten sich militante Rechtsradikale.

Der innenpolitische Kampf zwischen Bayern und dem Reich erfuhr in dieser Zeit eine scharfe Zuspitzung. Die Pfalz als Teil Bayerns wurde so in die Auseinandersetzung hineingezogen. Auch das ein Grund für die starke separatistische Bewegung.

Das Ende des Ruhrkampfes und die Einführung der Rentenmark und damit  das Stoppen der Inflation entzogen der separatistischen Bewegung schließlich den Boden. Es gab noch zwei gewalttätige Aktionen. Am 5. November 1923 hatte Franz-Josef Heinz in  Speyer die “Autonome Pfalz” ausgerufen und eine Regierung gebildet. Das war wenige Tage vor dem Hitlerputsch in München.Heinz und zwei seiner Mitarbeiter wurden am 9. Januar 1924 in Speyer erschossen. Die Kommandomitglieder stammten aus den rechtsradikalen Kampfbünden in München (Bund Wiking, Bund Oberland, SA). Das Attentat wurde mit Billigung und Geldern der bayrischen Staatsregierung ausgeführt.

Am 17. Oktober fand in Pirmasens der Sturm auf das bayrische Bezirksamt statt. Das Gebäude war in Brand gesteckt worden. 12 Separatisten, die sich in dem Gebäude befunden hatten, kamen ums Leben. Von den Angreifern starben 6 und es gab

zwölf Schwerverletzte. Bei diesem Sturm war Bürckel beteiligt. In Münchweiler und Rodalben war er so etwas wie der geistige Führer des Abwehrkampfes. Am 7. Januar 1924 musste er nach Heidelberg fliehen. Er ging dann weiter nach Niederbayern

Die Regierung von Niederbayern übertrug ihm am 24. März 1924 eine erledigte Hilfslehrerstellung. Mittlerweile war die Separatistenbewegung zusammen gebrochen und Bürckel kehrte am 9. Mai 1924 in die Pfalz zurück und nahm am nächsten Tag seinen Schuldienst in Rodalben wieder auf.

Im März und April war die selbständige Partei NSDAP der Pfalz wiedergegründet worden, nachdem die NSDAP im Juli 1923 von der interalliierten Rheinkommission (IARK) verboten worden war. Man hatte eine eigene Satzung und eigene Mitgliedskarten.

Diese Taktik der Distanzierung von München hatte Erfolg. Am 27. März 1925 erfolgte die Aufhebung des Parteienverbots für die pfälzische NSDAP durch die IARK. Am 13. März 1926 fand der erste Gautag des Jahres in Kaiserslautern statt. Unter der Leitung des Ortsgruppenleiters Richard Mann wurde Bürckel in “demokratischer Versammlung” zum Gauleiter gewählt. Er hatte sich durch ”bahnbrechende Vorarbeit die Anwartschaft” verdient. (zitiert nach Josef Bürckel: Gauleiter Reichsstatthalter Krisenmanager Adolf Hitlers , von Lothar Wettstein S. 68) Am 26. März informierte Bürckel die Reichsleitung von seiner Wahl. Allerdings war Bürckel nicht in den amtlichen Parteiunterlagen als Mitglied geführt. Deshalb forderte die Parteileitung umgehend zur Anmeldung auf. Bürckel meldete sich am 9. April 1926 an und erhielt die Mitgliedsnummer 33979. In einem von der Parteikanzlei verfassten Lebenslauf Bürckels heißt es “Der Aktivist Josef Bürckel entschied sich bereits im Jahre 1921 für den “Aktivisten” Adolf Hitler” (Wettstein S. 69)

Ein publikumswirksames Ereignis hatte Bürckel für den September 1926 geplant.  Es sollte der erste Gauparteitag mit Adolf Hitler als Hauptredner werden. Der bayrische Ministerpräsident Heinrich Held hatte dies aber wegen der zu erwartenden

Auseinandersetzungen verboten. Die Besorgnis war durchaus berechtigt. Bei einer Kundgebung mit Gregor Strasser am 7. September 1926 in Kaiserslautern verhinderte nur beherztes Einschreiten der Polizei ein Blutvergießen. Strasser war in dieser Zeit bis 1928

als Reichspropagandaleiter der NSDAP tätig. Die Auseinandersetzungen mit den politischen Gegner veranlassten Bürckel den Aufbau der pfälzischen SA-Formationen voranzutreiben. Er beauftragte Fritz Schwitzgebel damit, vor allem weil dieser absolut

loyal war. Er war 1926 in die NSDAP eingetreten und wie Bürckel auch Lehrer, allerdings an der Oberrealschule (in Zweibrücken).Das zahlte sich auch für ihn  aus, 1929 war er bereits SA-Standardenführer, das entspricht einem Oberst. Ab 1935 war er Führer der SA-Brigade 51 Saar-Pfalz und wurde schließlich bis zum General befördert. Bürckel hatte in seiner gesamten Laufzeit alle Parteigenossen, die irgendwie Einfluss ausüben konnten, bewusst nach seinen eigenen Kriterien ausgewählt und so sich in seinem

Umfeld eine “Hausmacht” geschaffen.

1926 hatte Bürckel auch “Der Eisenhammer” gegründet und war dessen Herausgeber. Hauptschriftleiter war zunächst Fritz Hess. Es war eine nationalsozialistische Kampfzeitung, die wohl den Stürmer von Julius Streicher zum Vorbild hatte und diesem Pamphlet in nichts nachstand. Populistische Hetze,  Verleumdungen und pauschale Diskriminierungen gehörten zum Instrumentarium des Blattes.Vom 5.5. 1926-30.11. 1932 war Heinrich Förster Schriftleiter. Sowohl Hess, als auch Bürckel und Förster hatten  mehrere Verurteilungen sowohl von deutschen als auch französischen Militärgerichten, meist wegen Verleumdung oder übler Nachrede, Hess auch wegen Angriffen gegen separatistisch eingestellte Beamte und jüdische Richter. Allerdings bereiteten die Prozesse vor allem die von Förster Bürckel allmählich Probleme. Führende Mitglieder aus der pfälzischen NSDAP hatten Förster vorgeworfen, dass sein allzu rüder Ton in den Artikeln immer wieder zu Prozessen führten, die sehr wohl zu vermeiden gewesen wären

und meist verloren gingen. Das verursachte immer höhere Kosten. Der Angriff richtete sich auch direkt gegen Bürckel, da dieser Förster gewähren lasse und nicht einschreite, obwohl dieser seiner Aufgabe als Redakteur nicht gewachsen sei. Damit sei

Bürckel letztlich für das finanzielle Desaster verantwortlich. Nun erklärte Förster um den Monatswechsel Februar/März herum, dass er mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt als verantwortlicher Redakteur ausgeschieden sei. Bürckel ernannte Hess als

Stellvertreter in seinem Amt als Gauleiter und erklärte, er lege seinen Posten bis zur Klärung der Vorwürfe nieder. Das war aber kein Rücktritt sondern lediglich ein “Ruhenlassen”. Es blieb so ohne Wirkung. Bürckel fuhr unvermindert mit seiner populistischen

Parteiarbeit fort. In Pirmasens und Neustadt sollten am 20. April pompöse Feiern zu Hitlers Geburtstag stattfinden. Für den 30. April berief er den Gauparteitag nach Landau. Eingeladen waren Hans Dietrich, der für die Nationalsozialistische Freiheitspartei

den Wahlkreis 26 Franken vertrat. Die NSDAP war ja nach dem Hitlerputsch verboten worden war. Dietrich hatte 1928 auch am Eisenhammer mitgearbeitet. Dann Gottfried Feder, der sich ab 1927 zum Wortführer  der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik gemacht hatte. Der dritte geladene Reichstagsabgeordnete war Georg Strasser. Er hatte den revolutionären Sozialismus geprägt, den ja auch Bürckel vertrat. Strasser vertrat allerdings demokratische Grundsätze, die Bürckel radikal ablehnte.

Auch drei bayrische Landtagsabgeordnete waren eingeladen. Auch Hitler sollte an diesem Gauparteitag teilnehmen. Ob das aber nur ein geschickter Werbetrick war, lässt sich nicht feststellen. Denn die ganze Veranstaltung fand gar nicht statt. Der Stadtrat von Landau lehnte es nämlich ab, den Großen Festhallensaal zur Verfügung zu stellen. Das Reichsbanner, die 1924 gegründete “überparteiliche Schutzorganisation der Republik und der Demokratie im Kampf gegen Hakenkreuz und Sowjetstern” wie der SPD-Politiker Otto Hörsing, der sie ins Leben gerufen hatte, sie 1931 charakterisierte kündigte für 1927 ebenfalls eine Maifeier in Landau an. Da waren Zusammenstöße zu erwarten. Bürckel hatte zwar persönlich beim Stadtrat vorgesprochen, hatte aber keinen Erfolg.

Diese Schlappe war aber wohl einkalkuliert. Er schlachtete das auch sofort aus. Vor allem jüdische Stadträte hatten sich gegen die Überlassung der Stadthalle aus. Natürlich setzte Bürckel seine antijüdischen Hasstiraden fort und im Eisenhammer orakelte

er “Auch für Landauer Juden wird kommen der Tag”.

Er forcierte nun die Parteiorganisation. Er Bezirksgruppen, zuerst in Zweibrücken, Neustadt und Kusel und Ludwigshafen, danach in Landau und Frankenthal. Unabhängige propagandistischen Eigeninitiativen wurden von der Gauleitung nicht mehr geduldet.

Jede geplante Aktion und Tätigkeit musste von ihm gebilligt werden. Natürlich führte er den wachsenden Erfolg auf seine straffe Parteiführung zurück

Im Jahr 1927 hatte die NSDAP in der Pfalz ein deutliches Wachstum und auch einen Machtzuwachs verzeichnet.

Am 1. Juli 1927 wurde die Gauleitung von Lambrecht nach Neustadt verlegt. Ein ehrenamtlicher Geschäftsführer wurde eingestellt, der Bürckel entlasten sollte. Ein Untersuchungs-und Schlichtungsausschuss wurde als Parteigericht eingesetzt.

Er ließ sich zwar beraten. Aber die letzte Entscheidung behielt sich Bürckel immer vor. In seinem Gau galt das Führerprinzip auf Gauebene uneingeschränkt. Gehorsam und Unterordnung waren für Bürckel wichtiger als Eigeninitiative.

Die Querelen mit Förster gingen aber auch 1927 weiter. Er hatte sich mit der französischen Besatzungsmacht angelegt. Er wurde mehrfach zu Freiheitsstrafen verurteilt , vor allem aber drohte die Interalliierte Rheinkommission ein

Verbot des Eisenhammer an. Nun musste Bürckel einschreiten. Er schränkte den redaktionellen Verantwortungsbereich Försters stark ein und nahm die propagandistische Leitung des Verlags selbst in die Hand. Als seinen Stellvertreter

setzte er Ernst Ludwig Leyser ein. Dieser hatte NSDAP-Ortsgruppe in Neustadt  und der SA-Sturm-Ortsgruppe Neustadt gegründet. Leyser stand Bürckel, wie alle, die von ihm auf irgendwelche Posten gesetzt wurden, loyal zur Seite.

Das  Jahr 1928 war ein wichtiges Jahr für die NSDAP in der Pfalz. Am 28. Mai 1928 fand die Reichstagswahl statt und bei dieser Wahl trat die pfälzische NSDAP erstmals mit einer eigenen Liste an.

Mit enormem Aufwand startete die Partei. Zahlreiche öffentliche Veranstaltungen, Flugblätter und Tausende von Plakaten brachten aber einen kaum nennenswerten Mitgliederzuwachs. Bürckel erkannte,dass es taktisch falsch

war, sich mit der Propaganda auf die städtische Mittelschicht zu konzentrieren, die ländliche Bevölkerung, auch als Wählerschicht, aber zu vernachlässigen. Das ländlichen Gebiete der Nordpfalz wurden nun in verstärkte Werbeaktionen einbezogen

und diese waren erfolgreich. Bürckel sah sich bestätigt. In den Städten hatte die Partei bereits Fuss gefasst. Sie war in allen Städten vertreten nur in der Kreishauptstadt Speyer noch nicht. Am 10. März 1928 veranstalte Bürckel eine große Veranstaltung in Speyer mit dem

Reichstagsabgeordneten Friedrich. Nur wenige Tage später wurde die Speyrer Ortsgruppe sowie ein SA-Sturm gegründet. Die Ortsgruppe hatte Rudolf Trampler gegründet, der von Joseph Goebbels später am 21. August 1933 zum Landeskulturwart

der Reichspropagandastelle Rheinpfalz ernannt wurde. In den letzten beiden Kriegsjahren bekleideter er das Amt des Oberbürgermeisters von Speyer.

8709-Rudolf Trampler

Am 28. Mai 1928 fand die Reichstagswahl statt. Für die NSDAP verlief sie enttäuschend. Sie hatte 2,6 % der Stimmen erzielt, 0,4  weniger als bei den letzten Wahlen. Sie verlor auch 2 Abgeordnete und hatte im Reichstag jetzt 12 Sitze.

Zugewonnen hatte dagegen die SPD mit 3,8 % Zuwachs und 22 Mandaten mehr. Auch die KPD verzeichnete Gewinne und zwar 1,7 % und 9 Mandate mehr. Noch etwas mehr konnte die Reichspartei des deutschen Mittelstandes dazu gewinnen,

nämlich 2,2% Stimmenzuwachs und 11 Mandate mehr.  Es war eigentlich ein gefährliches Ergebnis, denn die bürgerlichen Parteien schlossen daraus, die NSDAP habe ihren Zenit bereits überschritten. Bürckel konnte aber mit “seinem”

Ergebnis mehr als zufrieden sein. Die NSDAP hatte in der Pfalz 5,7 % der Stimmen geholt, mehr als doppelt soviel wie auf Reichsebene und das Ergebnis der Wahlen von 1924 hatte er verdreifacht. 1924 entfielen auf die NSDAP 1,9 % der Stimmen.

Das machte natürlich Bürckel innerhalb der NSDAP stark. Bei Hitler stand er ohnehin in hohem Ansehen. Die NSDAP erhöhte ihre Werbeanstrengungen in den Bezirken Landau und Bergzabern. Das zahlte sich bereits ein Jahr später bei den Kommunalwahlen aus.

Zwei Monate nach den Wahlen fand auch der erste Gauparteitag in Pirmasens statt. Auch ein publikumswirksamer Marsch von 300 SA-Leuten durch Pirmasens wurde durchgeführt. Die bürgerliche Presse berichtete darüber nichts.

Sie hatte sich ohnehin für “Totschweigen” entschieden. Die weitere Entwicklung zeigt, dass da nicht unbedingt der richtige Weg war.

Bürckel schliff weiter an seiner Parteiorganisation. In seinem Führungskader sorgte er für rhetorisch besonders geschulte Parteiredner. Damit konnte er die Zahl seiner Veranstaltungen steigern. Der Zustrom potentieller Wähler nahm zu.

Er suchte die Auseinandersetzung mit den anderen Parteien auf seine Art. Öffentliche Kundgebungen ließ er oft -und zeitgleich mit Veranstaltungen der anderen Parteien abhalten. Er hoffte so, die Zuhörer für sich zu gewinnen.

Für das Jahr 1929 verlangte er von seinen Parteigenossen bedingungslosen und rücksichtslosen persönlichen Einsatz. Angst vor Straßenkämpfen oder Saalschlachten durfte es nicht geben. Nur dabei sein,

war nicht genug. Nur die KPD postulierte eine ähnliche Hingabe. Logische Folge war, dass die gewalttätigen Auseinandersetzungen hauptsächlich zwischen dem Roten Frontkämpferbund der KPD und der SA stattfanden.

1929  ließ er wieder prominente NS-Parteiführer auftreten. Goebbels sprach am 6. März 1929 erst in Zweibrücken und einige Stunden später in Pirmasens. Gottfried Feder trat drei Tage später in Speyer auf. Der Erfolg zeigte sich rasch.

In der Nordpfalz entstanden neue Ortsgruppen, in Frankenthal erhöhte sich die Mitgliederzahl um 40 %.

Nach den Kommunalwahlen war die Partei fast in allen Gemeinden vertreten. In Landau hatte die Partei erstmals kandidiert und hatte bei ihrer ersten Wahl sofort mit der SPD gleichgezogen.

1930 scheiterte die letzte parlamentarische Regierung der Weimarer Republik im März 1930. Hindenburg ernannte nun den Zentrumspolitiker Heinrich Brüning, der zunächst mit der Notverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen

regierte. Als auf Antrag der SPD diese gemäß Artikel 48 in der Weimarer Verfassung das Parlament von seinem Recht Gebrauch machte, die Notverordnung wieder aufzuheben, bat Brüning Hindenburg den Reichstag aufzulösen.

Die Neuwahlen wurden für den 14. September 1930 festgelegt. Bei der NSDAP gab es eine Premiere. Erstmals organisierte Joseph Goebbels den Wahlkampf der Nationalsozialisten zentral. Man verzichtete weitgehend auf antisemitistische Parolen.

Man prangerte den Verfall Deutschlands im “System Weimar” an, beschwor die Volksgemeinschaft. Wichtiges Thema war natürlich die Weltwirtschaftskrise, die als Komplott gegen Deutschland dargestellt wurde. Hitler engagierte sich in diesem Wahlkampf enorm. Zwischen dem 3. August und dem 13.September trat er in mehr als 20 Großveranstaltungen als Hauptredner auf. Für Bürckel war diese Wahl in doppelter Hinsicht bedeutsam. Erstens  wollte er natürlich ein beeindruckendes Ergebnis erzielen. Vor allem aber kandidierte er erstmals in einer Listenverbindung mit dem Wahlkreis Franken erstmals als Abgeordneter für die pfälzische NSDAP, und das mit ausdrücklicher Billigung Hitlers. Hitler unterstützte Bürckel auch persönlich. Auf einer der Großveranstaltungen

trat er am 26. August 1930 in der Eberthalle in Ludwigshafen auf. Das war das erste offizielle Auftreten Hitlers in der Pfalz. Am 30. Juni 1930 war Frankreich aus Mainz und der Pfalz abgezogen, nachdem Deutschland am 21. August 1929 den Youngplan angenommen

hatte, der die deutschen Reparationsverpflichtungen neuregelte. Darin war auch der Abzug Frankreichs festgelegt worden.

Es war ein blutiger Wahlkampf mit Zusammenstößen, Straßenschlachten und auch mit Toten. Am 14. September wurde gewählt, mit einer Wahlbeteiligung von 82,0 %, man vergleiche das mal mit der Wahlbeteiligung von heute!

Die NSDAP erzielte erdrutschartige Erfolge. Sie bekam 18, 3 % der Stimmen, was gegenüber der letzten Wahl einen Zuwachs von 15,7 % der Stimmen bedeutete. Mandate erhielt sie 107, also 95 mehr als 1928 und war hinter der SPD zweitstärkste

Kraft. Die SPD hatte 10 Sitze verloren, war aber mit 143 Sitzen immer noch stärkste Kraft. Nur die KPD (+ 2,5 %) und die Christlich-Nationale Bauern-und Landvolkpartei (+ 1,3 %) konnten Zugewinne erzielen.

Die pfälzische NSDAP lag auch bei dieser Wahl mit 22, 8 % der Stimmen deutlich über dem Reichsschnitt und auch über Bayern, wo die Nationalsozialisten 17,9 % errangen. In der Pfalz hatte die NSDAP sogar die SPD mit 0,4 % hinter sich gelassen

und war die stärkste Kraft geworden. Sie hatte 2, die SPD dagegen nur 1 Mandat errungen. Das 4. Pfälzer Mandat erhielt die Bayrische Volkspartei, die mit 12,8 % knapp vor dem Zentrum  (12,1 %)

Eine Sonderstellung nahm das Dorf Darstein ein. Es war die erste Gemeinde deutschlandweit mit 100 % Stimmen für die NSADAP. Das Dorf hatte bei 156 Einwohnern  106 Wähler. Natürlich bejubelte die nationalsozialistische Presse dieses Ergebnis.

Der Eisenhammer schrieb in seinem Artikel “Ein rein nationalsozialistisches Dorf” Darstein sei Vorbild für das ganze Reich. Als die Nazis an der Macht waren, wurde es zum Ehrendorf der NSDAP ernannt,. 1936 wurde in Köpenick sogar eine Straße nach Darstein benannt. Den “Darsteiner Weg” gibt es heute noch, er überdauerte sogar den Sozialismus. Darstein war übrigens protestantisch, die Konfessionsgrenzen waren damals sehr scharf. In katholischen Gemeinden waren meist halb so hoch wie in protestantischen Gemeinden. Auch die Gemeindegröße spielte eine Rolle. Je kleiner der Ort, desto größer die Chance für die Nationalsozialisten. So hatte sich die Strategie, in ländlichen Gegenden zu agitieren,  als richtig erwiesen.

Neben Bürckel kam Wilhelm Frick für die Pfalz in den Reichstag. Er war 1930 Innenminister in Thüringen und damit der erste nationalsozialistische Minister überhaupt in Deutschland. Er hatte am Hitlerputsch teilgenommen und Hitler

schätzte ihn als “durchgekochten Nationalsozialisten”.

Für Bürckel war die Wahl voll aufgegangen. Seine parteiinternen Gegner verstummten.  Nun war er plötzlich über seinen Gau hinaus bekannt geworden. Er wurde öffentlich wahrgenommen.

Ab 1930 hatte Bürckel außer dem Eisenhammer auch die NSZ-Rheinfront herausgegeben. Sehr schnell wandelte er diese in eine GmbH um, die finanziellen Schwierigkeiten des Eisenhammers, die er ja erlebt hatte, hatten ihn zu diesem Schritt gebracht.

Mit Billigung Hitlers hatte er diese Mitte der 30-iger Jahre in die “Josef-Bürckel-Stiftung “ eingebracht. Sie umfasste ein großes Verlagssystem. Seine Pfälzer Parteigenossen trieb er zur ständigen Abonnentenwerbung an. Außerdem erhielten alle Parteigenossen

die Anweisung, nur in der NSZ-Rheinfront zu inserieren. Außerdem wurden alle Parteigenossen mit Parteiausschluss bedroht, wenn sie eine nicht nationalsozialistische oder neben der NSZ-Rheinfront noch eine Nicht-NS-Zeitung abonniert hatten.

Außerdem war es ihnen verboten, in anderen Zeitungen zu inserieren. Gegen die anderen Pfälzer Presseorgane wurde recht hemdsärmelig vorgegangen. Amtliche Bekanntmachungen oder Anzeigen wurden ohne Rücksicht auf bestehende

Verträge entzogen.Dann wurden oft polemisch-verleumderische Vorwürfe gegen Redakteure und Verlagsleitungen erhoben. Man machte den Zeitungen also das Leben schwer, wo es nur ging. Bald war die NSZ-Rheinfront das auflagenstärkste

Presseorgan der Pfalz. Erstaunlich aber ist, dass sich Bürckel mit seinem Verlag, dessen Reichweite sich weit über die Pfalz hinaus erstreckte, über Metz, Nancy,Riga, Kiew, Athen bis nach Tromsoe, der Zentralisierung der regionalen Parteizeitungen

durch die Parteileitung widersetzen konnte. Max Amann war seit 1933 Präsident der Reichspressekammer, einer Unterabteilung der von Goebbels geleiteten Reichskulturkammer. Er kontrollierte praktisch die gesamte deutsche Presse. In diesem Dreigestirn

um die Macht im Pressewesen war noch Dr. Otto Dietrich, der am 30.April 1933 zum Vorsitzenden des Reichsverbandes der Deutschen Presse gewählt wurde. Goebbels setzte sich erst Ende März 1945, kurz vor seinem Selbstmord endgültig durch.

Bürckel hatte aber die Stellung seines Presseimperiums wahren können.

1927 hatte sich in Berliner Großbetrieben so etwas wie eine nationalsozialistische Arbeitnehmervertretung gebildet, die sich an der betriebsbezogenen Organisationstruktur der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition der KPD orientierte.

1928 wurde daraus die NSBO, die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation. Die sich verschärfende Weltwirtschaftskrise hatte auch die NSBO mehr und mehr in ein sozialistisches Fahrwasser gleiten lassen. Die Reichsleitung der NSDAP

konnte sich daher mit der NSBO zunächst nicht anfreunden. Die Reichstagswahlen vom September 1930 hatten aber gezeigt, dass die NSDAP auch bei Arbeitern immer mehr Anklang fand. Bürckel, der ja ohnehin für die sozialistische Ausrichtung

seiner Partei ähnlich wie Georg Strasser stand, erkannte sofort die Chancen, die sich daraus ergaben. Und wie er einige Jahre zuvor dafür gesorgt hatte, dass sich die NSDAP mit ihrer Werbung auf ländliche Bereiche konzentriert hatte, nahm er nun

die Arbeiterschaft ins Visier.

Ende Januar wurde in Kaiserslautern die “NSBO-Pfaff” gegründet. Pfaff war damals die zweitgrößte Nähmaschinenfabrik in Europa.Die Arbeit übernahm für ihn vor allem Claus Selzer. Er war seit 1930 in Ludwigshafen und dort Ortsgruppen und Kreisleiter

der NSDAP. Ab 1932 war er Reichstagsabgeordneter und 1934 war er Stellvertretender Leiter der NSBO. Seine Karriere beendete er als Generalkommissar von Dnjepropetrowsk, wo er 1944 angeblich an einer Fischvergiftung starb.

Bis Mitte 1931 hatte Selzer bereits 11 NSBO gegründet und mit großem Tempo ging es weiter. Im September gab es bereits 31 Betriebszellen, unter anderem in Ludwigshafen bei der IG Farben, der heutigen BASF.

Organisatorisch vereinfacht wurde die Arbeit durch die Umsiedlung de Gaubetriebszelle nach Neustadt in die Räume der Gauleitung, mit Erfolg wie die Zahlen belegen. Zum Jahresende gab es 48 Zellen mit über 1000 organisierten Mitgliedern.

Ein halbes Jahr später gab es 320 Zellen mit 6.698 organisierten Mitgliedern. Eine wichtige Etappe dahin waren die Betriebsratswahlen im März 1931. Diese wurden von der Gauleitung so konzentriert angegangen, als ob es sich um eine Reichstagswahl handelte.

Öffentliche Großveranstaltungen wurden abgehalten. Die Redner waren eigens für die Auseinandersetzung mit den gewerkschaftlichen Gegnern geschult worden. Die NSBO Kandidaten sollten über Kenntnisse verfügen, die es ihnen ermöglichte,

die Aufgabe eines Betriebsrates für alle Arbeitnehmer erfüllen zu können. Er selbst hielt sich bei diesen Veranstaltungen völlig zurück. Es gelang, der breiten Öffentlichkeit den Eindruck zu vermitteln, die NSBO sei eine von der NSDAP unabhängige

und nicht von ihr gesteuerte Organisation. Wieder hatte Bürckel sein politisches Gespür bewiesen, der Partei schon vor 1933 eine neue Zielgruppe zugeführt und sich selbst als fähigen Gauleiter gezeigt und sein persönliches Ansehen beim Führer gesteigert.

Die erste Amtszeit des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg endete am 25. April 1932. Brüning hatte vorher versucht, die Amtszeit Hindenburgs verlängern zu lassen. Das aber hätte eine Verfassungsänderung bedurft, zu der eine Zweidrittelmehrheit

notwendig war. Um diese Mehrheit zu bekommen, brauchte Brüning aber die Stimmen der Rechten. DNVP und NSDAP lehnten Brünings Vorschläge ab, obwohl er vor allem Hitler weitreichende Zugeständnisse gemacht hatte. Hitler schlachtete dies sofort aus

und spielte sogar  den Hüter der Verfassung. Eine vom Gesetz vorgesehene Volkswahl musste also abgehalten werden. Ein “Hindenburgausschuss” wurde ins Leben gerufen, der den bisherigen Präsidenten zur erneuten Kandidatur bewegen sollte.

Schließlich erklärte sich Hindenburg bereit, noch einmal zur Wahl anzutreten. Die Harzburger Front war auseinander gebrochen. DNVP und Stahlhelm. Sie wollten Hitler nicht den Sprung ins Präsidentenamt ermöglichen. Sie stellten mit Theodor Duesterberg einen

eigenen Kandidaten auf. Hitler hatte seinen Hut schon in den Ring geworfen. Göring hatte das schon in einer Rede im Sportpalast angekündigt. Allerdings war Hitler zu der Zeit staatenlos, konnte also gar nicht kandidieren. Ein Kunstkniff machte es

möglich. Im Freistaat Braunschweig regierte eine NSDAP-DNVP-Koalition. Der Freistaat ernannte ihn zum Schein zum Gesandten bei der Landesvertretung in Berlin.Das war ein Staatsbeamter und damit war automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft

verbunden. Für die KPD stand Ernst Thälmann zur Wahl. Außerdem trat noch Gustav A.Winter für die Inflationsgeschädigten an.

Die Wahlbeteiligung war mit 86,2 % hoch. im ersten Wahlgang erreichte aber keiner der Kandidaten die notwendige absolute Mehrheit, so dass ein zweiter Wahlgang erforderlich war.

Jetzt genügte die einfache Mehrheit. Hindenburg gewann mit 53,1 %. Hitler kam auf 36,7 % der Stimmen. Das war zwar ein deutlicher Zuwachs gegenüber der Reichstagswahl, 5 Millionen Stimmen mehr. Aber mit der eigenen Propaganda hatte man die Erwartungen so hoch geschraubt, dass das Ergebnis als Niederlage empfunden wurde. In der Pfalz hatte man gegenüber der Reichstagswahl 90.000 stimmen dazu gewonnen. Man war zwar enttäuscht aber doch stolz auf den Zugewinn. Bürckel erklärte seinen Anhängern “Die Schlacht ist aus, der Krieg geht weiter”

Hindenburg hatte seinen Sieg hauptsächlich den Sozialdemokraten und Katholiken zu verdanken, was er als Schmach empfand. Sein Groll richtete sich aber gegen Brüning, der sich im Wahlkampf wie kein anderer für ihn eingesetzt hatte.

Das Reparationsproblem stand kurz vor seiner endgültigen Lösung. In der vom 16. Juni bis 9. Juli tagenden Konferenz  aller betroffenen Staaten hatte man sich auf völlige Streichung der Reparationsschuld Deutschlands geeinigt. Zuvor aber hatte sich Brüning

die Sympathie der Präsidentenberater verscherzt, vor allem, weil er sich nicht als Marionette benutzen lassen wollte. Das war einmal Otto Meissner, der sowohl Mitarbeiter von Friedrich Ebert als auch von Hindenburg war. Er war engster Mitarbeiter

der Präsidenten Ebert und Hindenburg und arbeitete als Staatssekretär im Büro des Reichspräsidenten. Er war aber auch Chef der Präsidialkanzlei des Führers und das von 1933-1945. Dann ist Hindenburgs Sohn Oskar der  in dieser Zeit als Adjutant seines Vaters gearbeitet hat. Tucholsky sagt über ihn. Es sei der “in der Verfassung nicht vorgesehene Sohn des Reichspräsidenten”. Der Stuttgarter Historiker Wolfram Pyta schreibt in seiner umfassenden Hindenburgbiographie allerdings, dass Hindenburg sehr wohl gewusst habe, was er tue und nicht von “einer Kamarilla” gesteuert gewesen sei.

Brüning hatte auf Wunsch vieler Länder, auch Bayerns und Preussens beim Reichspräsidenten ein Verbot der SA und SS erwirkt, die er als Hauptursache der politischen Gewalt sah. Das war der Hauptgrund, der Brüning zu Fall brachte.

Brüning wollte den ostelbischen Gütern im Mai 1932 eine kräftige Finanzspritze zukommen lassen. Allerdings sollte der Staat nicht mehr sanierungsfähige Güter aufkaufen bzw. ersteigern und diese in Bauernstellen für Arbeitslose aufteilen.

Das wurde beim Präsidenten als “Agrarbolschewismus” denunziert. Der Entlassgrund war gefunden. Hindenburg entzog am 29. Mai dem Kanzler das Recht  auf die Anwendung der Notverordnung (Artikel 48 der Weimarer Verfassung).

Brüning musste zurücktreten “hundert Meter vor dem Ziel”, wie er das selbst empfand. Im Vorfeld hatte es Geheimverhandlungen zwischen Schleicher und Hitler gegeben. Hitler hatte zugesagt, eine neue Regierung parlamentarisch zu tolerieren,

wenn das SA-Verbot aufgehoben würde und Neuwahlen durchgeführt wurden. Brüning wurde also entlassen. Am 31. Juli wurden die Wahlen zum 6. Reichstag festgelegt.

Die Zeit für den Wahlkampf war nun äußerst knapp.

Die NSDAP hatte schon gleich nach der Wahl des Reichspräsidenten ihre Taktik geändert. Sie hielt ihre Versammlungen oft in von Linken bevorzugte Kneipen und nahm bewusst gewalttätige Auseinandersetzungen in Kauf. Außerdem spulte sie ein enormes

Auftrittspensum in der Öffentlichkeit ab. Täglich wurden Kundgebungen, Aufmärsche und öffentliche Versammlungen abgehalten. Das vermittelte den Eindruck großer Tatkraft und man konnte daraus den Schluss ziehen, dass die NSDAP in der Lage sein

werde, die großen Probleme, die anstanden, zum Wohle aller lösen zu können. Auch Anlässe, die nicht mit den Wahlen zusammenhingen, wurden benutzt, Aufmerksamkeit zu erregen.

1932 jährte sich zum Beispiel das Hambacher Fest zum 100. Mal. Reichsinnenminister Dr. Josef Wirth plante zum Jubiläum eine große gesamtdeutsche Feier. Die pfälzische Presse organisierte das Fest und wollte es frei von parteipolitischen

Aspekten halten. Festredner war Theodor Heuss, Mitglied des Reichstages von 1924 bis 1928 und 1930-1933. Bürckel sprach von einem demokratischen Rummel. Er erklärte, es sei das Fest eines ersterbenden Systems. Die 1832 beteiligten

Juden, z.B. Ludwig Börne überschüttete er mit antisemitischen Hasstiraden. Verstärkt wurde das durch Berichte in der nationalsozialistischen Presse, die sich gegen die Demokratie überhaupt wandte. Gleichzeitig wurden die Veranstalter des Festes von 1832 zu

Vorkämpfern für ein Drittes Deutschen Reichs hochstilisiert.

Zu schaffen machte der NSDAP das SA und SS-Uniformverbot, das ja Brüning durchgesetzt hatte. Zwar hatte von Papen gemäß den zwischen Schleicher und Hitler abgemachte Aufhebung des Verbotes am 16. Juni 1932 aufgehoben. Nun setzte der Straßenterror wieder ein. Die bayrische Regierung hatte aber gestützt auf ihre Polizeihoheit das Verbot bis  30. September 1932 verlängert. Für die NSDAP wirkte sich das noch verschärfend aus, da die bayrische Regierung alle Aufmärsche und Versammlungen  unter freiem

Himmel verboten hatte und bei Zuwiderhandlung mit Gefängnisstrafe gedroht hatte. Daraufhin erschienen die bayrischen nationalsozialistischen Abgeordneten in Uniform im Landtag. Trotz mehrfacher Aufforderung verließen sie den Saal nicht.

Daraufhin ließ der Landtagspräsident den Saal von der Polizei räumen. Von Papen war nun gezwungen, das Verbot aufzuheben. Bürckel wurde von der Aufhebung des Verbots noch vor der öffentlichen Verkündigung informiert und organisierte sofort

einen Demonstrationszug von mehr als 300 uniformierten SA und SS Männer.Da die Aufhebung noch nicht bekannt war, wurde in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt, diese Männer seien bereit, für ihre politische Überzeugung auch ins Gefängnis

zu gehen. Punktsieg für Bürckel.

Am 31. Juli wurde schließlich gewählt. Die Wahlbeteiligung war mit 84,1 %  wieder sehr hoch. Klarer Sieger war die NSDAP. Sie hatte 37,2 % der Stimmen errungen, gegenüber 1930 also nochmals ein Zuwachs von 19 % und auch die Zahl ihrer Abgeordneten

hatte sie mehr als verdoppelt. Statt 107 Sitze erhielt sie nun 230, also 123 Mandate mehr als 1930. In der Pfalz aber hatte die NSDAP ein geradezu triumphales Ergebnis erzielt. Sie erzielte 43, 7 % der Stimmen. Sie war stärkste Partei in der Pfalz, lag aber auch in ganz Süddeutschland an der Spitze. Nur Hessen-Nassau kam mit 43,6% ganz knapp an das Pfälzer Ergebnis. Württemberg erzielte 30,3 %, Baden 36,9 % Franken 39,9 %. Nur im Osten hatten einige Wahlkreise noch besser abgeschnitten. Reichsweit das beste Ergebnis für die NSDAP holte Schleswig-Holstein mit 51,0 %. Bürckel hatte mit diesem Resultat die Gunst Hitlers voll erworben und konnte sich nun ständig der Rückendeckung des Führers sicher sein.

Trotz dieses beeindruckenden Wahlergebnisses reichte es nicht zur Übernahme der Regierungsgewalt. Zur absoluten Mehrheit hatte es für die NSDAP nicht gereicht. Hitler beendete nun die Tolerierung von Papens. Von Schleicher bot Hitler eine Regierungsbeteiligung an. Das lehnte dieser aber ab und forderte eine Neubildung der Regierung unter seiner Führung. Aber nur mit BVP und Zentrum  zusammen hätte Hitler genug Sitze für eine Regierungsbildung gehabt. Einen Reichstagspräsidenten

Hermann Göring trug das Zentrum mit, mehr aber nicht. Auf eine Regierung Hitler ließ sich Hindenburg nicht ein. Das hielt er für nicht verantwortbar. Also ernannte er  nun Franz von Papen zum Reichskanzler. In der einzigen regulären Sitzung des  Reichstags erlitt von Papen zwar eine schwere Niederlage, blieb aber zunächst im Amt. Der Reichstag wurde aufgelöst und Neuwahlen für den 6. November 1932 angesetzt.

In den vorausgegangenen  Wahlkämpfen  hatte sich die NSDAP völlig verausgabt und auch kräftemäßig war man bis an die Grenzen gegangen.

Für den nun folgenden Wahlkampf setzte die Pfälzer NSDAP  eigens hergestellte Tonfilme über Auftritte von Hitler, Göring und Straßer und anderen Parteigrößen ein. Das war ein völlig neues Werbemittel.

Am 6. November 1932 wurde gewählt. Die Wahlbeteiligung lag mit 80,6 % deutlich niedriger als noch im Juli. Die Nationalsozialisten mussten Verluste hinnehmen. Sie verlor 4,2 und erhielt 33,1% was auch einen Verlust von 34 Sitzen gegenüber

den Juliwahlen bedeutete. In der Pfalz hatte es immerhin noch für 42,5 % gereicht. Sie lag also mit nur 1,2 % Verlust deutlich unter dem Reichsschnitt. Nur die KPD und die DNVP konnte Zugewinne erzielen. Bemerkenswert sind die Zugewinne der DNVP . Sie hatte nämlich die Regierung von Papen unterstützt. Man kann das also durchaus auch für eine Zustimmung der Regierung von Papen werten. Allerdings hatte die Wahl keine rechnerisch mehr mögliche Mehrheit von NSDAP, BVP und Zentrum mehr ermöglicht. Nur die klar antiparlamentarischen Parteien NSDAP, KPD und DNVP verfügten zusammen über eine Mehrheit.

Von Schleicher hoffte, den gemäßigten Flügel der NSDAP um Gregor Strasser für eine Regierungsbeteiligung zu gewinnen, was der NSDAP auch innerparteiliche Schwierigkeiten bereitet hätte, zumal da ja der Machtkampf zwischen Strasser und Hitler stattfand.

Auch glaubte er, die freien Gewerkschaften ins Boot holen zu können. So hätte er eine Regierung quer durch alle Lager mit parlamentarischer Mehrheit zustande gebracht. Das Konzept überzeugte von Hindenburg. Er entließ von Papen und beauftragte von

Schleicher mit der Regierungsbildung. Die Gewerkschaften zögerten aber. Von Schleicher hatte Strasser die Vizekanzlerschaft und den Posten des preussischen Ministerpräsidenten. Strasser aber fühlte sich Hitler immer noch verbunden und informierte ihn über

die Gespräche mit von Schleicher. Gleichzeitig beschwor er ihn, von der “Alles oder Nichts” Politik abzugehen und die Vizekanzlerschaft anzunehmen. Dazu fühlte sich aber Hitler zu stark und lehnte ab. Enttäuschte legte Strasser am 8. Dezember alle

Parteiämter nieder und reiste nach Italien ab. Hitler übernahm die meisten Ämter selbst, den Rest teilte er unter Goebbels, Darré und Hess auf. Er rief alle Reichstagsabgeordneten der NSDAP ins Palais des Reichspräsidenten und ließ sich dort ein “Gelöbnis

unwandelbarer Treue zum Führer und Schöpfer der Bewegung” geben. Auch die Gauleiter und Landesinspektoren gaben eine öffentliche Treueerklärung ab. Ein möglicher Putschversuch war so im Vorfeld abgeblockt. Von Schleichers Plan war der zweite wichtige Baustein weggefallen. Strasser zog sich nach dem 30. Januar 1933 ins Privatleben zurück und übernahm bei der Firma Schering Kahlbaum mit Hitlers Genehmigung eine Direktionsstelle in Berlin. Im Zuge des Röhmputsches wurde er aber am 30. Juni 1934

von der Gestapo verschleppt und ermordet.

Im gesamten Reich wurden insgesamt 18 Gautagungen durchgeführt, bei denen die Parteigenossen über die Ereignisse informiert wurden. Die Pfälzer Gautagung fand am 11. Dezember 1932 in Neustadt statt. Hauptredner war Dr. Robert Ley, der am

8. Dezember von Hitler zum Reichsorganisationsleiter der NSDAP ernannt worden war. Für die Pfälzer NSDAP sprachen Willy Schmelcher, der bis 1934 Fraktionsvorsitzender der NSDAP im Stadtrat von Neustadt war, dann Schwitzgebel, der ja schon mit dem Aufbau der SA-Formationen von Bürckel betraut worden war. Dann sprach natürlich auch Bürckel, der sich aber immer wieder auf die Gedanken von Gregor Strasser berief.

Nachdem von Schleicher mit seiner Kabinettsbildung nicht vorwärts kam, hatte von Papen sich zwei Mal mit Hitler getroffen und zwar am 4. und 10.Januar, ohne dass das von Schleicher wusste. Am 15. Januar war die NSDAP in Lippe bei der

Landtagswahl stärkste Kraft geworden. Am 18. Januar sprach von Papen nun mit einem größeren Kreis. Auch Himmler und Röhm waren dabei. Am 28. Januar trat von Schleicher zurück, da seine Verhandlungen zur  Unterstützung seiner Regierung  erfolglos geblieben waren.

Von Hindenburg aber lehnte von Schleichers  Staatsnotstandplan ab. Am 29. Januar einigten sich von Papen und Hitler. Von Papen legte  Hindenburg eine Kabinettsliste vor. Am 30. Januar ernannte der Reichspräsident Hitler zum Reichskanzler.

Unbenannt

Die NSDAP und Hitler waren am Ziel. Zunächst waren nur zwei Nationalsozialisten im Kabinett. Wilhelm Frick war Innenminister und Hermann Göring war Minister ohne Geschäftsbereich. Am 10. Februar hielt Hitler seine erste große öffentliche

Rede, nachdem er zum Reichskanzler ernannt worden war.

“Deutsches Volk! Gib uns vier Jahre Zeit, dann richte und urteile über uns. Deutsches Volk, gib uns vier Jahre, und ich schwöre dir: So wie wir, und so wie ich in dieses Amt eintrat, so will ich dann gehen. Ich tat es nicht um Gehalt und nicht um Lohn, ich tat es um deiner selbst wegen.“

Nach  der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war der Reichstag am 1. Februar aufgelöst worden. Deshalb waren Neuwahlen notwendig geworden, die am 5. März 1933 abgehalten wurden.

Die veränderte Lage hatte auch die Parteikassen wieder prall gefüllt, vor allem die Industrie hatte jetzt finanziert. Bürckel setzte bei seinem jetzigen Wahlkampf auch den Rundfunk als neues wirksames Medium ein. Auch neu in der Gaugeschichte,

er band jetzt die Frauen der Parteigenossen aktiv in den Wahlkampf ein.

Vom 27. auf den 28. Februar brannte der Reichstag. Schon am 4. Februar war Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes des Deutschen Volkes erlassen worden. Sie schränkte die Pressefreiheit und die Versammlungsfreiheit

stark ein und wurde vor allem genutzt, den politischen Gegner der NSDAP zu bekämpfen. Am Tag nach dem Reichstagsbrand wurde die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat erlassen, fast gleichlautend wie die Verordnung

vom 4. Februar. Sie setzte die Bürgerrechte der Weimarer Republik weitgehend außer Kraft. Sie war auch als Reichstagsbrandverordnung bezeichnet worden. Die Strukturen der KPD wurden praktisch zerschlagen. Trotz des rigorosen Einetzens dieses Instrumentes

schaffte die NSDAP die absolute Mehrheit nicht. Die Wahlbeteiligung war mit 88,74 % enorm hoch. Die NSDAP legte nochmals enorm zu, kam aber “nur” auf 43,9 %. Die KPD hatte  4,6 % verloren und kam auf 12,3 %. Wenn man aber bedenkt, welch enormem Terror die KPD ausgesetzt war, ist das gerade unter diesen irregulären Bedingungen ein ganz starkes Ergebnis. In der Pfalz wählten 46,5 % die NSDAP. Einen Sitz gewann man wieder dazu und hatte damit wie bei der Wahl vom Juli 1932 wieder 4 Mandate.

Bürckel hatte wieder mehr Stimmen als im Reichsdurchschnitt eingefahren. In 11 pfälzischen Amtsbezirken war die absolute Mehrheit geschafft worden.Ein total aus dem Rahmen fallendes Ergebnis sei aber auch noch erwähnt. War Darstein bei der Wahl von 1930

“ein rein nationalsozialistisches Dorf” geworden, so wählte das nur wenige Kilometer entfernt gelegene Hauenstein im März 1993 mit 92,6 % aller Stimmen die gemeinsame Liste von BVP und Zentrum. Es war damit reichsweit das höchste Ergebnis einer nicht nationalsozialistischen  Partei. Die NSDAP kam in Hauenstein nur auf 4,8 %.

In Ludwigshafen, der “marxistischen Hochburg” wurden 34,3 % erreicht. Das waren zwar gut 10 % unter dem Reichsdurchschnitt. Aber  Bürckel ließ das natürlich von einem Fackelzug durch Ludwigshafen feiern. Dem aus Parteiorganisation bestehende

Demonstrationszug schlossen sich Beamtenorganisationen, Militärvereine und berittene Landespolizei an (Wettstein S. 141). Auch forderte er “die Auflösung des bayrischen Landtages und sämtlicher Selbstverwaltungskörper und unverzügliche Ausschreibung von

Neuwahlen” (Wettstein ebda). Schließlich entsprächen sie nicht mehr der Mehrheit des bayrischen Volkes. In Bayern ging das sehr schnell, wobei Bayern das letzte Land war, in dem die Landesregierung abgesetzt wurde.

Den Anfang machte Hamburg noch am Abend der Reichstagswahl. Am nächsten Tag folgten  Lübeck Bremen und Hessen. Am 8. Mai waren Württemberg, Baden, Sachsen und Schaumburg-Lippe dran.Am 9. März 1933 übertrug Innenminister Frick die vollziehende Gewalt in Bayern auf Franz Ritter von Epp. Sein Freikorps war schon 1920 an der blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik beteiligt. Noch am 9. Mai kamen Adolf Wagner, der Gauleiter von München, Ernst Röhm, Heinrich Himmler und Ritter von Epp den bayrischen Ministerpräsidenten Heinrich Held auf und erklärten ihn für abgesetzt. Am 10. März wurde Ritter von Epp zum Reichskommissar ernannt. Am 15. März legte Held sein Amt nieder und zog sich nach Regensburg ins Privatleben zurück.

Der legislative Teil der “Gleichschaltung der Länder” war mit den beiden Gesetzen vom 31. März und 7. April 1933 abgeschlossen. Nachdem die Länder praktisch ausgeschaltet waren begann die Nazifizierung. In Städten und Dörfern wurden Nationalsozialisten eingesetzt.  Kaiserslautern setzte Bürckel persönlich den ständigen Stellvertreter des Vorstandes der Polizeidirektion Kaiserslautern Dr. Johannes Beck (Personalangabe nach Joachim Lilla: Staatsminister, leitende Verwaltungsbeamte und (NS-)Funktionsträger in Bayern 1918 bis 1945) ab. Vermutlich wurde er kurzzeitig in Schutzhaft genommen. Was hatte Bürckel erzürnt? Dr. Beck  hatte bei einer Wahlversammlung am 20. Februar den Gastredner und ehemaligen Reichskanzler Brüning eigenhändig in seinem Dienstwagen

zum Versammlungsort in Kaiserslautern gefahren, was Bürckel zu Rachedrohungen veranlasst hatte, die er nun nur ein paar Wochen später in die Tat umsetzen konnte. Am 10. März wurde auch schon das ein so genanntes Schutzhaft- und Arbeitslager in Neustadt in der ehemaligen Turennekaserne eingerichtet. Es war eines der ersten Lager dieser Art in Deutschland. In Neustadt wird am 10. März Dr. Forthuber seines Amtes als Oberbürgermeister enthoben und in Schutzhaft genommen. Er wurde durch RA Rudolf Hamann ersetzt. Dieser war seit 1927 niedergelassener Rechtsanwalt in Kaiserslautern. Am 1. 3. 1932 war er in die NSDAP eingetreten. Er war dann als Gauredner und Schulungsredner tätig. Von 1932-1935 war er SA-Rechtsberater bei der Brigade 151.

Mit Dr. Forthuber hatte sich Bürckel eine regelrechte Prozessfehde geliefert, die im Jahr 1926 anfing und die sich über Jahre erstreckte (s.o. den Streit um Förster, Redakteur des Eisenhammer.)

Am 17. März ordnete er Säuberungen an. Gleichzeitig forderte er alle jüdischen Bürgermeister und Stadträte auf, ihre Ämter niederzulegen.Und als Drohung schob er nach, dass wer sich weigere, in Schutzhaft und ins Arbeitslager Neustadt gebracht würde.

Natürlich gab es auch in der Pfalz Bücherverbrennungen, schon am 26. März in Kaiserslautern, dann  am 10. Mai 1933 in Landau, am 13. Mai in Oppau, am 14. Mai in Neustadt.Gaukulturwart war Kurt Kölsch.Er hatte seine Lehrerausbildung an der Lehrerbildungsanstalt in Kaiserslautern gemacht. Er hatte Bürckel kennengelernt, war von diesem 1930 in die NSDAP –Rheinpfalz und in den Nationalsozialistischen Lehrerbund eingeführt worden. Schon im Dezember wurde er von Bürckel zum Leiter der Abteilung Rasse und Kultur ernannt. Dann war er Gaukulturwart der Westmark.

Am 21. März wurde das Parlament feierlich eröffnet. Der Tag ist als “Tag von Potsdam” in die Geschichte eingegangen. Die Abgeordneten mit Ausnahme der SPD und KPD nahmen an einem Festakt teil an dem auch der Reichspräsident anwesend war.

Hitler – in Cut und Zylinder !- verneigte sich vor von Hindenburg und gab ihm die Hand. “Der Gefreite und der Feldmarschall”. Goebbels hatte das alles sehr publikumswirksam inszeniert. Selbst das Datum war mit Bedacht gewählt worden.

Am 21. März 1871 hatte sich nämlich der erste deutsche Reichstag konstituiert. Auch der Ort war mit Potsdam sehr bewusst gewählt worden. Potsdam, die Residenzstadt Friedrichs des Großen. Man versuchte also eine Linie zu ziehen von Friedrich

über Bismarck und dann zu Hitler. Am nächsten Tag fand die konstituierende Sitzung des Reichstages in der Krolloper statt, die Ausweichquartier war, weil der Reichstag wegen des Brandes nicht benützt werden konnte.

Am 22. März wurde das erste Konzentrationslager in Dachau in Betrieb genommen. Der nächste Tag aber ebnete den Weg in die Diktatur. Am 23. März wurde nämlich über das “Ermächtigungsgesetz” abgestimmt,

das “Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich”. Hitler wurde ermächtigt, Gesetze zu erlassen ohne Mitwirkung der Legislative. Das galt auch für Verträge mit dem Ausland. Die so beschlossenen Gesetze konnten von der Verfassung

abweichen. Weder ein Reichstagsausschuss noch der Reichsrat konnten Kontrolle ausüben oder nachträglich die Aufhebung beantragen. Das Gesetz sollte 4 Jahre gelten. Die Abgeordneten der KPD waren bereits alle inhaftiert oder wie Innenminister Frick das süffisant kommentierte “durch nützliche Arbeiten in den Konzentrationslagern” am Erscheinen gehindert. Alle 81 Abgeordneten waren entweder inhaftiert, geflohen oder untergetaucht. Auch von den 120 SPD Abgeordneten konnten nur noch 94 an der Abstimmung teilnehmen. Von der SPD waren 26 Abgeordnete entweder in Haft oder geflohen. Während der Abstimmung waren illegal bewaffnete SA und SS Angehörige im Reichstag anwesend. Otto Wels, Reichstagsabgeordneter und SPD-Vorsitzender,

wandte sich in seiner Rede gegen die Annahme des Gesetzes. Es war praktisch die letzte freie Rede im Parlament. Wels stand dann auch im August 1993 prompt auf der ersten Ausbürgerungsliste des Deutschen Reiches und erhielt die deutsche Staatsangehörigkeit

aberkannt. Zentrum und BVP hatten für ihre Partei Fraktionszwang für die Abstimmung durchgesetzt und stimmte, wenn auch nach langen innerparteilichen Debatten dem Gesetz zu. Der Reichstag hatte sich damit selbst entmachtet.

Der Terror hatte schon seit dem 10. März in Bayern und der Pfalz eingesetzt. Bis zum 13. März waren schon 2000 Menschen in “Schutzhaft” genommen worden. Im April waren es 5000. (Zahlen nach Matthias Becker in Geschichte von unten.de)

Die Gewalt um den 10. März war auch Bürckel aus dem Ruder gelaufen, so stark dass sich der Münchner Gauleiter Adolf Wagner und bayrische Innenminister gezwungen sieht, einen Funkbefehl absenden zu lassen, der besagt “Eigentum und Freiheit der Person

gegen ungesetzliche Eingriffe durch Dritte zu schützen (bei Wettstein S. 145). Mit der Errichtung des KZ Dachau wurde Heinrich Himmler, der Reichsführer SS zum politischen Polizeikommissar in Bayern ernannt.Das beendete die willkürlichen Verhaftungen von

Regimegegner und solche, sie man dafür ansah nicht, sondern brachte sie lediglich in geordnete Bahnen. Bürckel ordnete nach Rundfunkansprachen von Hitler an, dass die gesamte SA und SS, soweit sie nicht in die Hilfspolizei eingegliedert sind, ihrer gewohnten Tätigkeit wieder nachzugehen hätten. auch sollten wachen vor Bezirksämtern eingezogen werden, Gewerkschaftshäusern wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden und Zeitungsgebäude geräumt werden.

Damit die geplanten Säuberungsmassnahmen im Sinne de Nazis laufen konnten, hatte Reichskommissar Ritter von Epp angeordnet, dass jedem der bayrischen Regierungspräsidenten ein Sonderkommissar der SA beigeordnet wurde. Die ernannte

SA-Chef Ernst Röhm. Für die Pfalz war das Fritz Schwitzgebel, ein wie oben schon gezeigt ein Bürckel loyal ergebener SA-Führer, der natürlich sein volles Vertrauen besass. Bürckel hatte es immer verstanden, alle wichtigen Schaltstellen mit seinen Gefolgsleuten zu

besetzen, was ihm half, seine Macht innerhalb des Apparates zu sichern. An ihm ging nichts vorbei und er behielt sich immer die letzte Entscheidung vor, obwohl laut Röhm der Sonderkommissar der “Herr in seinem Bezirk sein soll, dem sich alles unterordnen soll”

(nach Wettstein S. 150)

Ein weiterer Schritt auf dem Weg in die Gleichschaltung war das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, das Wilhelm Frick gedeckt durch das Ermächtigungsgesetz am 7. April 1933 erließ. Das Gesetz legte fest, dass “Beamte nach Maßgabe

der folgenden Bestimmungen aus dem Amt entlassen werden (können), auch wenn die nach dem geltenden Recht hierfür erforderlichen Voraussetzungen nicht vorliegen.” §1. § 3 sagte, “Beamte, die nicht arischer Abstammung sind, sind in den Ruhestand zu versetzen. Nur Frontkämpfer aus den Jahren 1914-1918 waren davon ausgenommen. Dieses “Frontkämpferprivileg” hatte der Reichspräsident von Hindenburg von Hitler eingefordert. Zum Erstaunen er Nazis erfüllten diese Bedingung eine erstaunliche hohe Zahl

von Beamten so dass noch gut die Hälfte der rund 5000 jüdischen Beamten im Amt bleiben konnten. Erst die Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935 schuf die Voraussetzung alle jüdischen Beamten zu entlassen, da sie den Beamtenstatus von

einer neugeschaffenen Reichsbürgerschaft knüpfte. Es gab nun eine gesetzliche Grundlage und bürgerliche Kreise begrüßten, dass die Judenfrage geregelt war, zumal es eine durchaus herrschende Meinung war, dass  ein “übermächtiger Einfluss der jüdischen Fremdkultur” herrsche, und dass es durchaus in Ordnung war, wenn dieser beschnitten wird. Auf Druck der NSDAP wurde der “Arierparagraph” schnell  auf nahezu alle Organisationen, berufsständische Vereinigungen und Verbände ausgedehnt.

Ebenfalls am 7. April wurde das Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft erlassen, allerdings auch mit der Einschränkung des Frontkämpferprivilegs.

Das Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ vom 25. April 1933 begrenzte die Neuzulassung jüdischer Schüler entsprechend dem jüdischen Bevölkerungsanteil auf 1 1/2 % Im September wurde

die Reichskulturkammer gegründet, das bedeutete dass Juden aus der Presse sowie aus künstlerischen und freien Berufen ausgeschlossen wurden.

Am 29. September 1933 folgte das Erbhofgesetz. Der Besitz eines vererbbaren Hofes war nun an arische Abstammung gebunden. In  einem Dreivierteljahr nach der Machtergreifung waren die Juden aus allen beruflichen und gesellschaftlichen Bereichen

per Gesetz verdrängt worden.

Beim Kampf gegen Warenhäuser in “jüdischem Besitz” war man in der Pfalz schneller als bei der Ausgrenzung der Juden per Gesetz aus dem öffentlichen Leben. Der reichsweite “Judenboykott” ab 1. April 1933 begann in Ludwigshafen schon am 13. März.

die 4 (jüdischen) Kaufhäuser Wronker, Rothschild, Brandt und Tietz mussten ihre Erfrischungsräume, also heute die Restaurants  schließen. Der Ludwigshafener Oberbürgermeister Fritz Ecarius schildert das in einem Brief so

„Die Schließung der Erfrischungsräume der hiesigen Warenhäuser erfolgte nicht auf amtliche Anordnung. Es bestand die Gefahr, dass die Geschäfte dazu durch die erregten Volksmassen gezwungen worden wären. Die Geschäftsinhaber haben dann auf eigenen Antrieb die Erfrischungsräume geschlossen.“ (zitiert bei Matthias Becker in Geschichte von unten.de) Der Ludwigshafener OB war zwar kein Parteigenosse. Er galt als unpolitischer Technokrat und zeigte sich in der Öffentlichkeit immer als loyal gegenüber dem nationalsozialistischen Staat. er wurde erst 1937 in den Ruhestand versetzt, nachdem er sich mit Gauleiter Bürckel über die Einführung der Gasfernversorgung von Ludwigshafen überworfen hatte. Der Boykott wurde in Ludwigshafen nicht nur begonnen, er dauerte auch am längsten. Die Warenhäuser wurden schon 1934 “arisiert” und schon Ende März 1933 durften Hermann und Max Wronker die Geschäftsräume ihres Unternehmens nicht mehr betreten. Der Gründer der Kette wurde Ende 1942 zusammen mit seiner Frau in

Auschwitz ermordet, nachdem sie vom französischen Internierungslager in Gurs nach Auschwitz deportiert worden waren.

Natürlich gab es auch Reibereien mit der katholischen Kirche. Anders als sein Württemberger Kollege Gauleiter Murr (siehe diesen Blog) ging Bürckel den pfälzischen Klerus nicht so direkt an. Murr ließ den Rottenburger Bischof Johannes Baptista Sproll

und mehrere Pfarrer des Landes verweisen. Bürckel bestritt im Jahr 1933 das katholische Priester verhaftet worden seien. Auch Misshandlungen hätten nicht stattgefunden. “Wir greifen keine Religion und keine Priester an , sondern nur Parteimenschen in Uniform”

(zitiert bei Wettstein S. 167) In der Nacht vom 26 auf 27. Juli 1933 war in Rheingönnheim der katholische Priester Wilhelm Caroli überfallen und schwer verletzt worden.  Caroli war von 1928-1933 Schriftleiter des „Katholischen Kirchenblattes“ in Ludwigshafen

und hatte schon seit 1930 sehr kritisch zum Nationalsozialismus Stellung bezogen. Er verstarb übrigens 1942 nach einer halbjährigen Lagerhaft im KZ Dachau. Geradezu zynisch hört es sich an, wenn nach dem Überfall die Gauleitung zur Ergreifung der

Täter eine Belohnung von 500 Reichsmark aussetzte. Als Täter wurden übrigens 3 SA-Männer ermittelt. Diese wurden dann parteiintern gemaßregelt. Die staatsanwaltlichen Ermittlungen wurden aber nach der Verordnung vom 7. August 1933 eingestellt,

weil es sich um ein Vergehen zur Durchsetzung des NS-Staates aus politischer Überzeugung gehandelt habe. (zitiert bei Wettstein S. 167).

Die gespannten Beziehungen der katholischen Kirche hatten sich nach dem Ermächtigungsgesetz etwas entspannt. Zentrum und katholische Kirche waren eng verflochten. Nach dem Ermächtigungsgesetz gab Kardinal Adolf Bertram, der seit 1919 Vorsitzender

der Fuldaer Bischofskonferenz war, seelsorgerliche Anweisungen an die Mitglieder der Bischofskonferenz. Die ablehnende Haltung der kath. Kirche gegenüber der nationalsozialistischen Bewegung sollte nach der Erklärung Hitlers  korrigiert werden. So hob die Kirche das Verbot von Katholiken in die NSDAP einzutreten stillschweigend auf. Auch der Ausschluss von den Sakramenten und das Uniformverbot bei Gottesdiensten wurde revidiert.

Im Gemeinsamen Hirtenbrief vom 8. Juni 1933 heißt es unter anderem :”daß kein Gemeinwesen ohne Obrigkeit gedeiht,und nur die willige Einfügung in das Volk und die gehorsame Unterordnung unter die rechtmäßige Volksleitung die Wiedererstarkung der

Volkskraft und Volksgröße gewährleisten.” (zitiert bei Hans Müller: Katholische Kirche und Nationalsozialismus. Dokumente, S. 163)

Schon vorher hatte Adolf Hitler erklärt, wie seine “ nationale Regierung” die Rolle der Konfessionen sah. In seiner Regierungserklärung vom 23.03 1933 sagte er: “Die nationale Regierung sieht in den beiden christlichen Konfessionen wichtigste Faktoren der Erhaltung unseres Volkstums. Sie wird die zwischen ihnen und den Ländern abgeschlossenen Verträge respektieren; ihre Rechte sollen nicht angetastet werden. Sie erwartet aber und hofft, daß die Arbeit an der nationalen und sittlichen Erhebung unseres Volkes, die sich die Regierung zur Aufgabe gestellt hat, umgekehrt die gleiche Würdigung erfährt. Sie wird allen anderen Konfessionen in objektiver Gerechtigkeit gegenübertreten. “ Etwas überraschend  schloss der Vatikan dann am 22.Juli 1933 das Konkordat

mit der neuen Reichsregierung ab. Die katholische Kirche hoffte damit, die deutschen Bischöfe, ihre Bistümer und die Strukturen und die katholischen Verbände vor dem Zugriff des Regimes bewahren zu können. Der Schutz der Verbände schien dringend erforderlich, zumal der Straßenterror gegen die Verbände zunahm. So musste zum Beispiel der Gesellentag des Kolpingswerkes am 11. Juni 1933 in München nach tätlichen Übergriffen der SA abgebrochen werden.

Die Verhandlungen kamen auf Wunsch der Reichsregierung wieder in Gang. Franz von Papen betont, der in dieser Regierung Vizekanzler war, dass das vor allem seiner Initiative zu verdanken war. Hitler wollte vor allem den Klerus von parteipolitischer

Tätigkeit fernhalten. Am 22.6.1933 hatte Innenminister Frick die SPD mit der Begründung, sie sei “volks-und-staatsfeindlich”, aufgelöst. Am 4. Juli gaben die BVP und am 7. Juli das Zentrum auf Druck ihre Selbstauflösung bekannt. Nun musste der Heilige Stuhl

keine Rücksicht mehr auf den politischen Katholizismus nehmen.Am 8. Juli erfolgte die Paraphierung durch Regierungsvertreter und Vertreter der katholischen Kirche.

Bundesarchiv_Bild_183-R24391,_Konkordatsunterzeichnung_in_Rom

Das Konkordat umfasste 34 Artikel. Es regelte die wechselseitigen Rechte und Pflichten des Deutschen Reiches und der katholischen Kirche im Reichsgebiet und wird noch heute für die Bundesrepublik Deutschland als gültig betrachtet.

“Art. 1 Das Deutsche Reich gewährleistet die Freiheit des Bekenntnisses und der öffentlichen Ausübung der katholischen Religion. Es anerkennt das Recht der katholischen Kirche, innerhalb der Grenzen des für alle geltenden Gesetzes, ihre Angelegenheiten selbständig zu ordnen und zu verwalten und im Rahmen ihrer Zuständigkeit für ihre Mitglieder bindende Gesetze und Anordnungen zu erlassen.

Art. 5 Geistliche erhalten den gleichen Schutz des Staates wie Staatsbeamte

Art. 21 Der katholische Religionsunterricht in den Volksschulen, Berufsschulen, Mittelschulen und höheren Lehranstalten ist ordentliches Lehrfach und wird in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der katholischen Kirche erteilt. … “

(zit. nach: Das Zeitalter der Weltkriege und Revolutionen, herausgegeben von Martin Greschat und Hans-Walter Krumwiede (Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen; V), Neukirchen-Vluyn 1999, 75])

Damit waren für die Kirche wichtige Punkte festgeschrieben. Noch am selben Tag hob Adolf Hitler mit einer Verordnung Zwangsmaßnahmen gegen Geistliche und katholische Organisationen auf und bestätigte so die Hoffnungen, die die katholische

Kirche in den Vertrag gelegt hatte.

Nach der Reichstagswahl vom März hatte auf allen Feldern die “Nazifizierung” begonnen. Schnell richtete sich der Terror gegen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Am 13. März waren dem Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes

aus über 20 Orten gewaltsame Übergriffe und Besetzungen von Gewerkschaftshäusern gemeldet worden. Im März waren noch Betriebswahlen angesetzt worden. Es zeichnete sich eine Niederlage der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation ab.

sie kam nur auf 11,7 % der Stimmen, die freigewerkschaftlichen Listen erzielten 73,4 %. so wurden die Wahlen einfach ausgesetzt.

Der 1. Mai war erstmals zum gesetzlichen Feiertag mit Lohnfortzahlung worden erklärt worden. Am 2. Mai begann die Zerschlagung der Gewerkschaften. Um zehn Uhr wurden reichsweit alle Häuser des ADGB und des  Allgemeinen freien Angestelltenbundes AfA

und ihrer Mitgliedgewerkschaften besetzt. Führende Funktionäre wurden in Schutzhaft genommen. Das Vermögen der Gewerkschaften wurde eingezogen. Die Gewerkschaften waren zerschlagen.

Zurück zu Bürckel. Ludwig Siebert war am 12. April 1933 von Ritter von Epp zum bayrischen Ministerpräsidenten ernannt worden.Beide wollten die bayrischen Gauleiter, vor allem aber Bürckel in die Verwaltungshierarchie einbinden und so eine Einheit zwischen Regierung und Partei herstellen. Ludwig Osthelder hatte erst im September 1932 das Amt des Regierungspräsidenten übernommen. Nach Angriffen aus der NSDAP Bezirkstagsfraktion im Juli 1933 verzichtete er auf eine weitere Geschäftsführung und ließ

am 1. Oktober 1933 in den Einstweiligen Ruhestand versetzen. Siebert bot  nach dem Verzicht Ostfelders Bürckel das Amt des Regierungspräsidenten an. Bürckel lehnte dies umgehend ab, hätte es doch für ihn bedeutet sich den beiden Gauleitern

Adolf Wagner, München zugleich bayrischer Innenminister und Hans Schemm, Oberfranken und zugleich bayrischer Kultusminister unterzuordnen und Weisungen entgegen zu nehmen. Das deckte sich nicht mit seinem Machtbewusstsein, gestärkt durch das

Ansehen, das er bei Hitler genoss. Obwohl ihn auch Ritter von Epp inständig bat, ein Regierungsamt in Bayern anzunehmen. Er konnte sich nur eine eigenverantwortliche Staatsführung im Regierungsbezirk Pfalz vorstellen und war nur bereit, sich dem

Führer unterzuordnen. Am 8. Februar 1934 fand in München eine Gauleitertagung statt, bei der alle Gauleiter aufgefordert wurden, ein Ministeramt zu übernehmen.Nach langen Verhandlungen kam am 10. April das Ergebnis zustande, dass alle Gauleiter

als Sonderbeauftragte der Staatsregierung ernannt wurden, ohne Beamtenstatus und ohne jegliche Verwaltungstätigkeit aber mit Sitz und Stimme. Dem stimmte auch Bürckel zu. Am 24. April 1934 wurden die Gauleiter vereidigt, was Bürckel zunächst nicht

wollte-er habe bereits dem Führer den Treueid geleistet- musste aber dann doch nachgeben. Am 1. Mai übernahm Bürckel dann sein Amt als Sonderbeauftragter in Speyer. Auch hier testete er die Grenzen seiner Macht voll aus. Er schlug dem bayrischen Ministerpräsidenten Siebert Richard Imbt, den Kreisleiter und Bürgermeister von Kaiserlautern als kommissarischen Regierungspräsidenten für die Pfalz vor und ernannte ihn kraft seiner Amtsvollmacht auch gleich. Als er Imbt dann auch zu seinem

Stellvertreter als Sonderbeauftragten ernannte, wurde es dem Innenminister Frick zu viel. Er wies Siebert an, Bürckel sofort Imbt von diesem Posten abzuberufen zu lassen. Und Frick forderte Bürckel ultimativ auf, entweder das Amt des Regierungspräsidenten anzunehmen

oder das des Sonderbeauftragten niederzulegen. Bürckel verzichtete. Er hatte aber doch gewonnen. Das Amt des Regierungspräsidenten wurde nicht mehr besetzt. Stellvertretender Leiter der Kreisregierung wurde Oberregierungsrat Wemmer im Innenministerium. Die Zeit der Interimsverwaltung nutzte er, die Kreisbehörde in eine Parteibehörde umzuwandeln und mit ihm ergebenen Mitarbeitern zu besetzen. Er war dort der unangefochtene Chef. Seinen Weisungen wurde bedingungslos Folge geleistet.

Am 14. Oktober folgte ein Paukenschlag Hitlers. Der Deutsche Reichsrundfunk meldete, dass die deutschen Vertreter die in Genf tagende Abrüstungskonferenz verlassen hatten. Delegationsleiter war Rudolf Nadolny.Deutschland war auch aus dem Völkerbund

ausgetreten. Am Tag zuvor hatte Hitler in einer Kabinettssitzung erklärt, das Kabinett aufzulösen und Neuwahlen auszuschreiben und diese mit einem Volksentscheid zu seiner Friedenspolitik zu verbinden.Wahlen ist eigentlich nicht richtig ausgedrückt, denn seit

dem 14. Juli 1933 gab es in Deutschland keine Parteien mehr außer der NSDAP. An diesem Tag wurde nämlich das “Gesetz gegen die Neubildung von Parteien” erlassen.

“§ 1. In Deutschland besteht als einzige politische Partei die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.” war der erste Paragraph. (Quelle: Reichsgesetzblatt 1933 I S. 479)

Ein enormer Wahlfeldzug wurde trotzdem gestartet mit dem üblichen Szenario, Massenaufmärsche, Apelle, Plakatkrieg. Auch Intellektuelle warben für das “Ja”, so der Philosoph Martin Heidegger, der ohnehin nicht durch Distanz zum Nationalsozialismus aufgefallen ist, aber auch Gerhart Hauptmann, Ferdinand Sauerbruch. Auch die deutschen Bischöfe forderten zum Ja auf.Kardinal hatte in einer Wahlstellungnahme gesagt:”Reichskanzler Adolf Hitler hat das deutsche
Volk zu einer Abstimmung am 12. November aufgerufen,um vor der ganzen Welt den Friedenswillen des deutschen Volkes und seine Zustimmung zu den Friedensreden des Reichskanzlers
zu bekunden. Die deutschen Bischöfe, die von jeher in ihren Predigten und Hirtenbriefen für den Völkerfriedeneingetreten sind, begrüßen dieses öffentliche Bekenntnis zum
Frieden. Darum werden die Katholiken aus vaterländischem und christlichem Geist ihre Stimme für den Völkerfrieden, für die Ehre und Gleichberechtigung des deutschen Volkes erheben.
[…] Die Katholiken bekennen damit aufs neue ihre Treue zu Volk und Vaterland und ihren Dank für die weitschauenden und kraftvollen Bemühungen des Führers, dem deutschen
Volk die Schrecken eines Krieges und die Greuel des Bolschewismus
zu ersparen, die öffentliche Ordnung zu sichern und den Arbeitslosen Arbeit zu beschaffen.“ (in Entwurf III Faulhabers, 6.11.1933, in: Volk, Akten Faulhabers 1, S. 800.)

Bürckel forderte auf zur Abstimmung zu gehen und drohte, wer nicht zur Wahl ginge, würde als Separatist betrachtet. Auf den Einsatz einer großen Zahl von Rednern verzichtete er. Er setzte auf “private Gespräche”. Vor Ort

und in den Betrieben sollten die notwendigen Stimmen gesammelt werden. Auch setzte er auf die “Volksgemeinschaft”, diese beschwor er immer wieder. Am 8. November gab er eine Bekanntmachung heraus, die so nur im Gau Pfalz, nicht

aber in anderen Gauen zu finden war. “sämtlichen Bürgermeistern wird nach der Wahl eine Urkunde, unterzeichnet vom Kreiswahlleiter, ausgehändigt, aus welcher ersichtlich ist, wie die Bürger Gemeinde oder Stadt sich am 12. November zu

Deutschland und seinem Führer bekannten und wieviele sich dem Vaterland versagten” Außerdem hatte er ein Belohnungsangebot als Ansporn ausgearbeitet. “Die prozentuale Leistung am 12. November wird zur Grundlage genommen für die künftige

Nummerierung der Kreise, sodass der beste Kreis die Nummer 1 erhält, der zweitbeste die Nummer 2 usw. Die gleiche Nummerierung wird durchgeführt für die Ortsgruppen und Zellen innerhalb der Kreise.” (zitiert bei Wettstein S. 181)

Natürlich spornte das die Parteigenossen zu höchster Leistung an, den keiner wollte nach der Wahl als Versager gebrandmarkt werden. Damit hatte Bürckel auch über die Grenzen der Pfalz Aufsehen erregt.

Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps unterhielt den ganzen Tag eine Fahrbereitschaft, um Alte, Gebrechliche und Kranke zur Wahl zu bringen. Außerdem wurde auf perfide Art ein Grund gegeben, auf jeden Fall zur Wahl zu gehen.

Es wurde die Anordnung erlassen, dass die Wähler gleich nach der Stimmabgabe ein Wahlabzeichen offen zu tragen hatte. Das wurde ihnen aber erst im Wahllokal zum sofortigen Anstecken ausgehändigt.

Das Ergebnis war dann auch sehr eindeutig. 95,1 % billigten die Außenpolitik mit ihrer Zustimmung und in der gleichzeitigen Reichstagswahl erreichte die allein zur Wahl stehende NSDAP 92,2 %. Bürckel konnte mit dem Ergebnis zufrieden sein.

Der Gau Pfalz hatte wieder die Spitzenposition eingenommen. In der Pfalz hatten 97,0 % bei der Volksabstimmung mit Ja gestimmt und 96,87 % bei der gleichzeitigen Reichstagswahl für die NSDAP. Neinstimmen wurden keine verzeichnet.

Natürlich war das Ergebnis auch für Adolf Hitler wichtig. Zeigte es doch dem In-und dem Ausland, dass Hitler die große Mehrheit des deutschen Volkes hinter sich wusste.

Ein gravierendes Problem stand aber an. Es war die Rolle, die die SA im Reich spielen sollte. 1921 hatte Adolf Hitler die Gründung eines Wehrverbandes der NSDAP angeordnet. Die Sturmabteilung war eine auf Hitler eingeschworene

Kampforganisation der Partei. 1922 hatte er Hermann Göring, der auch 1922 in die NSDAP eingetreten war, mit der Führung  der im Aufbau befindlichen SA beauftragt. Sie beteiligte sich am gescheiterten Hitlerputsch.

Nach dem Putsch verbot der Chef der Reichswehr Hans von Seeckt die NSDAP aber auch rechtsextreme Wehrverbände. Als Auffangorganisation gründete Ernst Röhm den Frontbann im Mai 1924. schon im September soll er 30.000 Mitglieder

gehabt haben. Hitler wurde Ende 1924 aus der Haft entlassen. Im Februar 1925 wurde die NSDAP neugegründet. Auch die SA wurde wieder aufgestellt, diesmal in die Partei eingegliedert. Nach der Wiedergründung der Partei

war Hitler mit Röhm über die Rolle der SA in Streit geraten. Hitler vertrat jetzt die “Legalitätstaktik”. Da passte die Zusammenarbeit mit paramilitärischen Verbänden nicht mehr ins Konzept. Hitler brauchte keinen Wehrverband mehr,

sondern lediglich einen Saalschutz. Franz Pfeffer von Salomon übernahm auf Wunsch von Hitler den Posten des Obersten SA-Führers (OSAF). Er war Jurist und war am Ende des 1.Weltkrieg  Hauptmann und Bataillonskommandeur. Er entwickelte die bis zum Ende des „Dritten Reichs“ gültige organisatorische und regionale Gliederung der SA und schuf mit vormilitärischer Ausbildung, einheitlichen Uniformen und militärischer Disziplin eine schlagkräftige Parteimiliz. Außerdem unterstanden ihm auch die HJ und der NS-Studentenbund. Provozierende Aufmärsche, zur Schau gestellte Stärke sollte die nationalsozialistische Geschlossenheit zeigen und waren auch ein Instrument der NS-Propaganda. Gewalttätige Übergriffe auf den politischen Gegner, also vor allem Mitglieder

der KPD und SPD zählten zu ihrem Repertoire, aber auch Juden und christliche Gruppen wurden Ziel von Angriffen. Eine weitere Krise zeichnete sich im Vorfeld der Reichstagswahlen von 1930 ab. Aus der SA war die Forderung laut geworden, führenden Mitgliedern einen sicheren Listenplatz bei der Wahl zu  garantieren. Hitler lehnte das ab. Auch Pfeffer von Salomon bejahte die Trennung von SA-Führerschaft und Mandat. Die Berliner SA trat daraufhin in Streik. SA Männer besetzen am von 30. auf 31. August 1930 sogar die Gaugeschäftsstelle und die Redaktionsräume der Gauzeitung der Berliner NSDAP “Der Angriff” unter dem stellvertretenden OSAF Ost Walter Stennes. Es kam zu einer wilden Prügelei zwischen SA und SS-Männern, erst die herbeigerufenen Polizei konnte die Ordnung wieder herstellen. Pfeffer von Salomon trat zurück. Hitler eilte nach Berlin und übernahm selbst den Posten des OSAF .Zum Ausgleich wurde Pfeffer von Salomon bei der Septemberwahl 1932 als Reichstagskandidat aufgestellt. Für die tägliche Arbeit wurde der Posten des Stabschef neu eingerichtet. Hitler besetzt ihn mit seinem alten Kampfgefährten Ernst Röhm, der schon beim Putsch am 9. November 1923 dabei war. Röhm war nach Südamerika gegangen, hatte 1928 als Militärinstruktor  in Bolivien gearbeitet.

Er war 1930 aus Südamerika zurückgekehrt und trat wieder in die NSDAP ein.  Im Januar 1931 trat er den Posten des Staatschef der SA an. Der Konflikt zwischen Stennes und der SA-Führung war aber nicht ausgestanden. Zum einen lehnte er die unter Röhm gerade begonnene Umorganisation der SA ab. Hauptgrund der Ablehnung durch die NSDAP-Spitze war aber die aktionistische Ausrichtung von Stennes und seiner Leute. Mit der Notverordnung vom 28. März 1931 zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen ,

deutete die Regierung an, dass sie in Zukunft energischer gegen politische Gewalt vorgehen wolle. Das gefährdete die Erfolge, die die NSDAP mit der Reichstagswahl von 1930 errungen hatte. Der Umkreis um Stennes warf der “Hitler-Fraktion” vor, sich von den

alten Idealen des Nationalsozialismus abgewandt zu haben. Die SA weigere sich, sich “auf dem Altar der Legalität opfern” zu lassen. (Flugblatt »Pg., S.A.-Kameraden! Nationalsozialisten!«, 8.4.1931, BArch Bln, NS26) Hitler setzt Stennes schließlich ab, worauf es zum

zweiten “Stennes-Putsch” kam. Mehrere hundert SA-Leute besetzten das NSDAP Parteigebäude in der Berliner Hedemannstraße. Stennes wurde dann aus der Partei ausgeschlossen.

 

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Er und seine Gefolgsleute bemühten sich die Nationalsozialistische Kampfbewegung Deutschlands (NSKD)auf zubauen. Aber schon im Dezember hatten Geldnot und schwindende Mitgliederzahlen für das aus der NSKD gesorgt.Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kam Stennes im Mai 1933 zunächst in Haft. Aber Göring, der ihn noch aus gemeinsamen Kadettenzeiten in Berlin  kannte,unterstützte ihn. Auf Rat Görings wurde Stennes in China als Mitglied einer deutschen Militärmission Berater Tschiang Kai-scheks . Er befehligte dort die Leibgarde des Nationalistenführers und schulte Polizeioffiziere. (zur weiteren Geschichte von Stennes siehe siehe Spiegel online Eines Tages SA-Führer Stennes Von Hitlers Haudrauf zu Stalins Spion).

Unabhängig von diesen inneren Auseinandersetzungen wuchs die SA beständig und rasch an. Weltwirtschaftskrise und Wahlerfolge der NSDAP trugen ihren Teil dazu bei. Der Straßenterror nahm zu  und führte 1932 zu und führte 1932 zum SA und Uniformverbot.

(s.o.) Im Vorfeld der Reichstagswahl von 1932 kam es zu 300 Toten und über 1000 Verletzten. Bis Ende 1932 waren  92 SA-Leute bei Saal- und Straßenschlachten ums Leben gekommen.  Am 14. Januar 1930 wurde Horst Wessel, ein SA-Führer, angeschossen.

Am 23. Februar starb er im Krankenhaus. Eigentlich war es um eine private Auseinandersetzung gegangen. Es ging um Streit mit Mietzahlungen in einer Wohnung wo Wessel zur Untermiete wohnte. Goebbels, damals Berliner Gauleiter, griff das unter anderen Vorzeichen auf und nutzte den Tod Wessels zur hemmungslosen Agitation. Er stilisierte ihn zum “Märtyrer” der Bewegung. Er nannte ihn einen “Christussozialisten”, einen, der durch Taten rufe: »Kommt her zu mir, ich will Euch erlösen “
Zitiert nach R. G. Reuth, Goebbels  S. 162. Goebbels gestaltete ein pompöse Trauerfeier, bei der auch Göring, der SA-Führer von Pfeffer sowie Prinz August Wilhelm von Preußen anwesend waren. Nach der Machtübernahme gab es Horst Wessel Plätze.

Das Krankenhaus, in dem er gestorben war, wurde in “Horst Wessel Krankenhaus” umgetauft. Horst Wessel hatte irgendwann zwischen 1927 und 1929 einen Liedtext gedichtet, der zur offiziellen Parteihymne der NSDAP wurde. Nach der Machtübernahme

wurde es auf Anordnung von Innenminister Frick immer im Anschluss an die erste Strophe der Nationalhymne gesungen.

Nach der Machtübernahme war Göring Minister ohne Geschäftsbereich. Außerdem trat er am 30. Januar in die Kommissariatsregierung von Preussen als Innenminister ein. De jure regierte in Preussen zwar immer noch die Regierung Braun.

Von Papen hatte im Juli 1932 nach dem “Preussenschlag” die Regierung Braun abgesetzt. Doch das war vom Staatsgerichtshof für ungültig erklärt worden. Die Notverordnung „Zur Herstellung geordneter Regierungsverhältnisse in Preußen“ vom 6. Februar 1933

übertrug kurzerhand alle der Regierung Braun noch verbliebenen Befugnisse auf die Kommissariatsregierung von Papens. Es gab keine Neuwahlen. Das war ein zweiter Staatsstreich in Preussen. Per Erlass vom 23. Februar 1933 gründete

Göring die “Hilfspolizei”. Sie war 50.000 Mann stark und setzte sich überwiegend aus SA und SS- Einheiten zusammen. In Preussen galt ein Verteilerschlüssel, nach dem jeder 5. Hilfspolizist noch aus den Reihen des Stahlhelms kommen musste.

Die Gründung einer Hilfspolizei empfahl Göring auch für andere Länder. Das preussische Beispiel machte schnell Schule. Braunschweig richtete ihre HiPo schon am 1. März ein, Bayern stellte am 9./10. März eine HiPo auf, Württemberg am 10. März und Hamburg am 15. März. So wurde der Straßenterror gegen politisch Andersdenkende mit staatlichen Vollmachten durchgeführt. Hitler zog zweifachen nutzen aus der SA  in der Zeit unmittelbar nach der Machtübernahme. Seine Gegner konnte er einschüchtern und terrorisieren.

Bei den Konservativen konnte er sich als die Person geben, die als einzige in der Lage war, die SA zu bändigen.Hitlers Macht war im Lauf des Jahres 1933 vor allem dank der SA gesichert. Der Konflikt zwischen SA und Parteiführung, der ja schon von 1930 bis 1932

ausgetragen wurde (s.o.), war ja durch die Machtübernahme nur aufgeschoben, nicht aber gelöst worden. Röhm hatte-wie schon 1925 einmal- eine andere Vorstellung von der Rolle der SA. Ihm schwebte ein “NS-Volksheer” vor. Die Einheiten der Reichswehr sollten

in denen der SA aufgehen und so das NS-Volksheer bilden. Hitler aber brauchte die Reichswehr für seine zukünftigen Kriegspläne. Röhm hatte aber auch innerparteiliche Rivalen, nämlich Göring und Himmler. Es wurde nun der Eindruck erweckt, Röhm wolle zu einem Aufstand anstiften. Gerüchte wurden geschürt, Zitate bewusst gefälscht.

Am 30. Juni 1934 war Röhm zur Kur in Bad Wiessee, begleitet von mehreren SA-Führern. Der SS-Sturmbann Dachau, am 29. November 1934 in SS-Sturmbann Oberbayern umbenannt und Heinrich Himmler zur ausschließlichen Verfügung unterstellt-

verhaftete die SA-Führung am  30. Juni 1934 in Bad Wiessee. Zwischen 150 und 200 Menschen kommen in der “Nacht der langen Messer” ums Leben. Die in Bad Wiessee verhaftete SA-Führung wurde nach München-Stadelheim gebracht und dort erschossen.

Man hatte aber SA-Führer aus allen Teilen nach München zu einer Konferenz beordert. Die meisten kamen mit Nachtschnellzügen in München an, wurden sofort auf dem Bahnhof verhaftet, auch nach Stadelheim gebracht und erschossen. Nur bei Ernst Röhm, immerhin Hitlers Weggefährte zeigte der Führer noch Skrupel. Er sollte einen “ehrenvollen” Abgang erhalten. Er  wurde aufgefordert, Selbstmord zu begehen. Als er das nicht tat, wurde er auch erschossen. Goebbels war während dieser Aktionen auch in München und gab auf ein Zeichen Hitlers aus dem Braunen Haus das Stichwort “Kolibri” telefonisch nach Berlin durch. Daraufhin setzte auch dort die Mordaktion ein. Aber nicht nur die SA-Führung wurde liquidiert. Alte Gegner, Kritiker und Mitwisser wurden ebenfalls aus dem Weg geräumt. auch alte Rechnungen wurden beglichen. So starb Ritter von Kahr, der als bayerischer Generalstaatskommissar Hitler bei seinem Putsch 1923 die Unterstützung versagt hatte. Der ehemalige NSDAP-Organisationsleiter  Georg Strasser wurde am 30. Juni 1934 in Berlin von der Gestapo verhaftet, in das Gestapo-Hauptquartier in Berlin  in der Prinz-Albrecht-Straße  gebracht und dort liquidiert.Sein Tod wurde zunächst als Suizid deklariert. Gut möglich, dass sich Himmler und Göring eines potentiellen Konkurrenten entledigte, bevor diesem ein Come-Back gelang. Getötet wurden auch Regimegegner aus der katholischen Kirche wie Erich Klausener, der den Vorsitz der Katholischen Aktion in Berlin innehatte. Er war Beamter im preussischen Innenministerium.

Schon vor der Machtergreifung war er überzeugter Gegner linker wie rechter Kampforganisationen und hatte eben auch die SA mit den Mitteln der preussischen Polizei entschieden bekämpft. Auch der Münchner Journalist und Archivar Fritz Gerlich zählte zu den Opfern. Gerlich war von 1920-1928 Chefredakteur der Münchner Neuesten Nachrichten, einer Vorgängerzeitung der Süddeutschen Zeitung. Ab 1930 gab er die Zeitschrift “Illustierter Sonntag’” heraus, die ab 1932 als “Der Gerade Weg” erschien. Verleger war

Erich August Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg, der am Rande erwähnt mit dieser Zeitung eine Menge Geld verlor. Gerlich schrieb in der Ausgabe vom 31.Juli 1932 “Nationalsozialismus heißt: Lüge, Hass, Brudermord und grenzenlose Not”

(Digitalisat der Bayerischen Landesbibliothek)In derselben Ausgabe wird eine Zuschrift veröffentlicht, die sich wie eine Vorwegnahme des weiteren Schicksals von Gerlich liest “Sie erbärmlicher Schmutzfink.Seien sie überzeugt, daß die Stunde bald schlägt,

wo Deutschland von Ihnen und Ihresgleichen befreit wird. Wir werden an Ihnen und Ihrer schwarzen Sippe ein besonderes Exempel statuieren…” Gerlich wurde  am 9. März 1933 von einem SA-Trupp misshandelt, in Schutzhaft genommen und verblieb dort

bis zur Nacht vom 30. Juli, wo er in Dachau erschossen wurde. Von Papen konnte seine Mitarbeiter auch nicht mehr schützen, was seine Machtlosigkeit im Kabinett Hitler illustriert. Edgar Julius Jung wurde wohl in Oranienburg ermordet. Er war

politischer Berater und Redenschreiber von Papens und entwarf die Marburger Rede, die von Papen am 17.Juni 1934 vor Marburger Studenten hielt. Carl Fedor Eduard Herbert von Bose war Oberregierungsrat und Referent von von Papen. Er wurde erschossen, weil ja auch die “Papencique” zerschlagen werden sollte. Auch die Reichswehr hatte tote zu beklagen. So wurde Kurt von Schleicher, der ehemalige Reichskanzler und Ferdinand von Bredow, enger Mitarbeiter und Vertrauter Kurt von Schleichers ermordet.

Hitler hatte allerdings behauptet, von Schleicher und von Bredow hätten Landesverrat betrieben. Das empörte zwar die gesamte Generalität und sie beschwerte sich beim Reichwehrminister von Blomberg. Dieser versprach eine Dokumentation zu den Vorfällen zu liefern. es blieb aber bei dem Versprechen. Der einzige, der Konsequenzen daraus zog, war Generalleutnant Wolfgang Fleck, der seinen Abschied einreichte. Die angespannte Stimmung im Offizierskorps blieb aber und sie veranlasste Hitler zu der

Aussage in einer geschlossenen Versammlung, Untersuchungen hätten ergeben, dass die Generäle von Schleicher und von Bredow irrtümlich erschossen worden seien. Hitler hatte der Reichswehr auch zugesichert, dass sie das militärische Monopol behalten solle.

Trotzdem erhielt die SS schon wenige Monate später die Erlaubnis, eigene bewaffnete Verbände aufzustellen. Am 20. Juli 1934 löste Hitler die SS aus der SA und erhob sie zu einer selbstständigen Organisation im Rahmen der NSDAP. 1934 wurden solche Mordaktionen noch juristisch bemäntelt. Am 3. Juli 1934 erließ die Regierung das Gesetz über Maßnahmen der Staatsnotwehr. Im einzigen Artikel darin heißt es: “ Die zur Niederschlagung hoch- und landesverräterischer Angriffe am 30. Juni, 1. und 2. Juli 1934 vollzogenen Maßnahmen sind als Staatsnotwehr rechtens.”

Und was war mit Bürckel während des Röhmputsches?  Am Tag der Verhaftung Röhms hatte Bürckel die pfälzischen Bauern  zu einer Versammlung auf dem  “Thingplatz” am Königstuhl auf dem Donnersberg eingeladen.Bei dieser Veranstaltung griff er den landwirtschaftlichen Gaufachberater der NSDAP Ludwig Schickert scharf an. Die beiden hatten wohl schon seit 1932 Probleme miteinander.

Auch Walther Darré war anwesend. Er war am 28. Mai 1934 zum Reichsbauernführer und am 29. Juni, also am Vortag zum Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft ernannt worden. Dessen agrarpolitische Vorstellungen empfand er als unsozial. Die Politik

Darrés missachtete nach Bürckels Einschätzung die dringenden Belange der Bauern. Bürckel nahm kein Blatt vor den Mund. In einer im Protokoll nicht vorgesehenen Schlussrede wandte er sich direkt an den neuernannten Minister und bat ihn jede unsoziale, die dringenden Bedürfnisse der pfälzischen Bauern missachtende Politik zu unterlassen. Darré war über dieses unprogrammäßige Schlusswort erzürnt und ließ ihm, nachdem er nach Berlin zurückgekehrt war, ausrichten, sein Schlusswort auf dem Donnersberg

habe ihm so gut gefallen, dass er nicht umhin könnte “Gauleiter Bürckel mitzuteilen, dass gerade Georg Strasser erschossen worden ist.” (Wettstein S. 211). Bürckel hatte aus der Säuberung für sich den Schluss gezogen, dass sie sich gegen den Machtanspruch einer

der Sittenlosigkeit und Korruption verfallenen SA-Führung gerichtet hat. In diesem Sinn fiel auch sein Telegramm aus, das er am nächsten Tag an Hitler schickte. “Die Haltung des Gaus Pfalz ist ganz selbstverständlich. Für die durchgeführte Säuberung dankt das ganze pfälzische Volk, aber auch aufrichtig die SA des Gaues Pfalz.Ihr getreuer Bürckel”. Flankiert wurde das in einem Aufruf, der in allen pfälzischen Tageszeitungen veröffentlicht wurde. “Der Führer hat aufgeräumt und uns damit erlöst…” (Wettstein S. 212).

Hindenburg hatte das Vorgehen gegen die SA durchaus forciert. Als Hitler den kranken Präsidenten auf seinem Gut Neudeck besuchte, forderte Hindenburg Hitler auf, endlich “endlich etwas gegen die revolutionären Unruhestifter zu unternehmen”  und er überlegte wohl, das Kriegsrecht zu verhängen. Am 2. August 1934 starb der Reichspräsident Paul von Hindenburg. Der verstorbene Präsident sollte eigentlich auf seinen  ausdrücklichen Wunsch auf Gut Neudeck bestattet werden. Doch die Nazis ließen sich nicht nehmen, daraus eine perfekte Inszenierung nationalsozialistischer Machtausübung zu machen. Der Leichnam war am 7. August zum Tannenberg überführt worden. Am Tag darauf wurde er in einem pompösen Staatsakt beigesetzt von Hitler mit

“Toter Feldherr, geh‘ nun ein in Walhall!“  Schon am am 1. August Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs erlassen.

Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:

§ 1

  Das Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt. Infolgedessen gehen die bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler über. Er bestimmt seinen Stellvertreter.

§ 2

  Dieses Gesetz tritt mit Wirkung von dem Zeitpunkt des Ablebens des Reichspräsidenten von Hindenburg in Kraft.

Noch am Todestag von Hindenburg lässt Reichswehrminister General von Blomberg alle Soldaten einen Eid auf Hitler ableisten. Der Eid lautete nun “Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“ Dabei hatte der Reichswehrminister gar keine rechtliche Befugnis den Text des Eides zu ändern.

Er lautete bis dahin so: “Ich schwöre der Reichsverfassung und gelobe, daß ich als tapferer Soldat das Deutsche Reich und seine gesetzmäßigen Einrichtungen jederzeit schützen, dem Reichspräsidenten und meinen Vorgesetzten Gehorsam leisten will.“

Von Blomberg erhoffte sich von dieser Änderung der Reichswehr eine starke Position zu sichern. De facto stärkte er aber die Position Hitlers. Auch hatte dies Spätfolgen, die damals natürlich nicht abzusehen waren. Als es um den Widerstand gegen Hitler,

fühlten sich viele Offiziere auch durch den Eid auf Hitler gebunden und das machte den Widerstand für einzelne durchaus auch zu einer Gewissensentscheidung. Die deutsche Bevölkerung sollte die Zusammenlegung der Ämter des Reichspräsidenten und Reichskanzlers in einer Volksabstimmung absegnen, die für den 19. August 1934 angesetzt war. Bürckel war seit 7. August 1934 offizieller Sonderbevollmächtigter der Reichsregierung für die Saarabstimmung im Januar 1935. Schon am 18. Juli hatte Joseph Goebbels

den Pfälzer Gauleiter mit der Durchführung der Saarpropaganda beauftragt. Zwar ging es bei der Volksbefragung am 19. August eigentlich um nichts. Sie diente lediglich der Akklamation. Bürckel aber musste sich beweisen. In allen Wahlen hatte er ja immer

Spitzenergebnisse eingefahren. Und auch jetzt brachte er sein erprobtes Erfolgsrezept. Aufmärsche, Fahnen, Marschmusik und aus den Lautsprechern tönten reden Hitlers oder sonstiger Parteigrößen. Am 14. August fand in Speyer eine Massenkundgebung mit

mehr als 10.000 Teilnehmern statt. Seine Rede ließ er gleichzeitig über Lautsprecher in sämtliche Gemeinden des Kreises übertragen. Er schloss pathetisch “Ich sage, dass ich am Abend des 19. Augusts vor den Führer treten werde mit der Meldung: Mein Führer,

die Kompanie Pfalz steht geschlossen hinter dir! “ (Wettstein S. 214) Seine Prophezeiung  traf ein. Die Pfalz meldete 99,9 %. (Zahl nach Landesgeschichtliches Informationssystem  Hessen).

Das Saargebiet kam nach der Niederlage von 1918 unter die Regierung des Völkerbundes. 1920 wurde es für 15 Jahre unter französische Verwaltung gestellt. Für 1935 war vertragsgemäß eine Volksabstimmung vorgesehen, die den künftigen Status des Gebiets festlegen sollte Im Jahr 1931 hatte Bürckel eine Art Patenschaft für die saarländische NSDAP übernommen. Er ordnete Parteiredner für die Partei, aber auch Saalschutz durch SA und SS-Leute aus der Pfalz ab. Er versorgte sie mit Uniformen. Er gab saarländischen Parteigenossen die Möglichkeit, in der Pfalz zu hospitieren. Er kannte die saarländische NSDAP also genau. So war es nur folgerichtig, dass Hitler Bürckel nach der Machtergreifung zum Gauleiter des Gaus Saar ernannte,

ohne aber den amtierenden Gauleiter Karl Brück seines Amtes zu entheben. Er löste den Gau Saar auf und unterstellte die NSDAP seiner Gauleitung mit der Zentrale in Neustadt. Die Regierungskommission, das war die Behörde, die das Saargebiet im

Auftrag des Völkerbundes verwaltete, verabschiedete kurz darauf ein Gesetz, das die Parteien an der Saar zur rechtlichen Eigenständigkeit gegenüber dem Deutschen Reich verpflichtete. Somit konnte Bürckel nicht Gauleiter für die Saar bleiben. Als Strohmann

für Bürckel wurde Alois Spaniol, 1904 im saarländischen Lisdorf geboren, eingesetzt. Die bürgerlich-liberalen Parteien und das katholische Zentrum schlossen sich unter  auf eine Initiative des VölkIinger Industriellen Herrmann Röchling zur ,,Deutschen Front (DF)“ zusammen. Sie trat für den Anschluss des Saargebiets an das Reich ein. Bürgerliche Politiker und Pfarrer dienten als Aushängeschilder. Nach außen wirkte sie wie eine überparteiliche Bewegung. Tatsächlich aber stand sie vollständig unter der Kontrolle

der NSDAP und die Fäden hielt Bürckel in der Hand. Der DF gehörte als Nationalsozialist Jakob Pirro  an. Die Saar-NSDAP wurde am 26. Februar 1934 aufgelöst Neuer Leiter wurde Pirro. Er gilt als Vertrauter Bürckels, der also seine Strategie bei der Personalauswahl, alle Posten mit seinen Vertrauten zu besetzen fortführte.

Bürckel hatte mit der Saarpropaganda zwei Aspekte abzudecken. Zum einen musste er natürlich die Saarländer für die Rückgliederung begeistern. Er musste aber auch die Reichsbevölkerung für die innen-und außenpolitische Bedeutung sensibilisieren.

Für den Kampf um saarländische Stimmen griff er auf seine bewährten Propagandainstrumente zurück. Presse und Film und natürlich wie immer öffentliche Kundgebungen und Versammlungen wurden genutzt. Wichtigstes Propagandamittel wurde aber mehr und mehr der Reichsrundfunk. Für die Reichsdeutschen kreierte er Saarveranstaltungen und Saarausstellungen. In Zweibrücken fand am ersten Aprilwochenende die wohl erste offizielle Saarlandkundgebung statt. Über 70.000 Menschen waren gekommen.

Auch in Mannheim, Mainz und Ludwigshafen fanden große Kundgebungen statt. Sternfahrten zur saarländischen Grenze von Parteiorganisationen wurden organisiert. Aber auch der Sängerbund Westmark oder die NS-Frauenschaft waren eingebunden.

Der Sängerbund hielt in Zweibrücken eine Kundgebung ab und das Gautreffen der NS-Frauenschaft, auch in der Grenzstadt Zweibrücken hatte 10.000 Teilnehmer/Innen.

Bürckel sah aber auch, dass es außer diesem propagandistischen Trommelfeuer wichtig war, auch die katholische Kirche zu gewinnen. Immerhin waren 73 % der saarländischen Bevölkerung Katholiken. Wichtig war ihm eine offizielle Zustimmung der beiden für das Saarland zuständigen Oberhirten Franz Rudolf Bornewasser in Trier und Ludwig Sebastian in Speyer.

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Zwar waren beide Bischöfe national eingestellt und waren deshalb für die Rückgliederung des Saargebiets ins Reich, doch ganz so glatt lief es nicht, wie Bürckel sich das erhofft hatte. Sebastian hatte sich schon 1933 geweigert, einen von Bürckel vorbereiteten Wahlaufruf zu unterschreiben. Er hatte im März 1933 demonstrativ katholische Schutzhäftlinge in Neustadt besucht. Angesichts der ständig zunehmenden Repressalien gegen den Klerus und Ordensleute hatte er sich auch geweigert nach dem Abschluss des Reichskonkordats einen Dankgottesdienst zu feiern. Auch waren die Ausschreitungen in der Pfalz während der Gleichschaltung, die Schutzhaft für pfälzische Geistliche

und die Verfolgung von Mitgliedern des Zentrums und der BVP im Saarland durchaus registriert worden. Bürckel fuhr nun einen geschmeidigeren Kurs. So wies er die pfälzische Kreisregierung im Juni 1934 an, kein Uniformverbot für die katholischen Jugendverbände zu erlassen. Er verbot die Verbreitung des “Mythus des 20. Jahrhunderts” von Rosenberg, der bei der katholischen Kirche seit Anfang 1934 auf dem Index stand. Am 21. Juni 1934 ordnete er für Fronleichnam  für die Pfalz eine allgemeine Arbeitsruhe an.

Fronleichnam war seit dem Feiertagsgesetz vom 27. Februar 1934 kein Feiertag mehr. Außerdem ordnete im “Interesse des Religionsfriedens” behördlichen Schutz für Fronleichnamsprozessionen an. Auch untersagte er , dass in der Pfälzer und saarländischen

Presse antireligiöse und die Kirche verunglimpfenden Artikel veröffentlicht wurden. Gleichzeitig machte er Druck. Er intervenierte sogar beim Vatikan, um die beiden Kirchenfürsten zu veranlassen, ihre bisherige Neutralität aufzugeben.

Am 6. Januar 1935 wurde im Reich und auf Anordnung der fürs Saargebiet zuständigen Bischöfe von Trier und Speyer ein Hirtenbrief verlesen “Am Sonntag, den 13. Januar 1935, wird im Saargebiet die Volksabstimmung stattfinden über die Frage,

ob dieses deutsche Land seine Bewohner in der durch den Versailler Gewaltfrieden aufgezwungenen Trennung vom deutschen Reich verbleiben sollen (zitiert bei Wettstein S. 264)Bei Bischof Sebastian unterblieb die Formulierung vom “Versailler Gewaltfrieden”.

Aber natürlich hat dieser Hirtenbrief das Abstimmungsergebnis beeinflusst. Das Ergebnis war überzeugend. 90,8 % der Wähler entschied sich für das Rückkehr ins Reich. Für den Status quo stimmten 8,8 % und nur 0,4 % votierten für Frankreich.

Bürckel hatte seine Fähigkeit wieder voll unter Beweis gestellt. Hitler gratulierte zu dem Erfolg persönlich am Telefon und einem persönlich an ihn gerichteten Telegramm “Aufrichtigen Dank für Ihre vorbildliche Arbeit” (Wettstein S. 267)

Auch Goebbels, der sich oft über Bürckels “sozialistische Alleingänge” ärgerte oder Dr. Frey, den er mit seiner Personal-und Verwaltungspolitik in der Pfalz oft brüskierte, gratulierten.

Am 30. Januar wurde “Gesetz über die vorläufige Verwaltung des Saarlandes” erlassen. § 1 lautete: “An der Spitze der Verwaltung des Saarlandes steht bis zur Eingliederung in einen Reichsgau der Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes mit dem Amtssitz in Saarbrücken. Der Reichskommissar wird vom Führer und Reichskanzler ernannt”. Bürckel wurde am 11. Februar  zum Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes  ernannt und am 1. März 1935 in Saarbrücken von Dr. Frick in einem Festakt

in das Amt eingesetzt. Fast alle Parteigrößen waren dabei: Hitler, Heß, Goebbels, Himmler, Rosenberg, Darré, Ley. Auch die beiden Bischöfe Bornewasser und Sebastian waren anwesend. In seiner Antrittsrede versprach Bürckel den Bau von 2000 Häusern und

Siedlungen. Zur Rückgliederung des Saarlandes sagte er klar “diese sei keine bayrische,preußische Angelegenheit, sondern allein (eine)deutsche Angelegenheit (Wettstein S.270)Tatsächlich war das Saargebiet  das erste von den Nationalsozialisten geschaffene „führerunmittelbare Territorium“, in dem der Reichskommissar neben seiner Position als oberster Präsentant der Reichsaufsicht zugleich die Funktion eines Regierungschefs ausübte.Für seine Kirchenpolitik anerkannte er die Aufgabe der Kirche. Doch sagte er auch, dass der Nationalsozialismus als Träger des Staates ungehindert seine Aufgaben erfüllen werde. Jeder sollte auf seine Arbeit beschränkt werden.

Wie er das auch in der Pfalz gemacht hatte, besetzte er die führenden Posten mit ihm loyal ergebenen Parteigenossen. Durch Führererlass vom 17. Juni 1936 wurde Bürckel zum Reichskommissar für das Saarland ernannt. Im selben Jahr wurde er

auch Obergruppenführer der SA, das entspricht dem Rang eines Generals.

Noch ein Blick auf das gesamte Reichsgebiet und die weitere Entwicklung des nationalsozialistischen Herrschaftssystem.

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Auf dem Gebiet der Innenpolitik geschah auch Wichtiges

Mit dem “Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” vom 7. April 1933 hatte die Ausgrenzung der Juden begonnen.

Die “Nürnberger Gesetze”, die am Abend des 15. September 1935 anlässlich des 7. Reichsparteitag der NSDAP, des “Reichsparteitags der Freiheit”, einstimmig angenommen wurden, schlossen die Juden praktisch aus dem deutschen Volk aus.

Die beiden Gesetze, das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (RGBl. I S. 1146) und das “das Reichsbürgergesetz” (RGBl.I S. 1146) gaben der nationalsozialistischen Rassenideologie ihre juristische Grundlage.

An der Erarbeitung von Vorlagen und Gesetzesentwürfen maßgeblich beteiligt- auch für die “Nürnberger Gesetze” war als Referent im Innenministerium Hans Globke. Er gab auch zusammen mit seinem Vorgesetzten dem Staatssekretär

Wilhelm Stuckart den ersten Kommentar zu den Nürnberger Gesetzen und deren Ausführungsverordnungen heraus. Er verfasste auch das Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen vom 17. August 1938 , das Juden zur Führung

des zusätzlichen Vornamens Israel für Männer und Sara für Frauen verpflichtete. Er konzipierte auch das J, das Juden in ihre Pässe eingeprägt bekamen, mit.

Hans Globke brachte es trotz dieser Vorgeschichte zum Zeugen der Anklage im Nürnberger Prozess. Unter Adenauer wurde er Ministerialdirigent. Am Schluss brachte er es sogar zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Er war die Schaltstelle im Kanzleramt

und Adenauers engster Vertrauter. Auch über Ordensverleihungen konnte er sich nicht beklagen. Er erhielt das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Auch eine Karriere!

Mit dem Blutschutzgesetz wurde die Eheschließung sowie der außereheliche Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Nichtjuden verboten. Das Reichsbürgergesetz legte fest, dass nur “Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes“ Reichsbürger

sein konnten. Das hatte zur Folge,dass kein Jude mehr ein öffentliches Amt innehaben durften. Jüdische Beamte, die 1933 wegen des “Frontkämpferprivilegs” noch einmal davon gekommen waren, mussten nun bis zum 31. Dezember 1935 ihren Dienst quittieren.

Juden verloren das politische Wahlrecht und durch weitere Verordnungen zum Reichsbürgergesetz wurde jüdischen Ärzten und Rechtsanwälten auch ihre Zulassung entzogen.

Zu Gauleiter Bürckel. Gleich nach 1933 waren Juden aus ihren Geschäften gedrängt worden. Der Weinhandel war traditionell überwiegend von jüdischen Händlern betrieben und die waren planmässig aus dem Geschäft gedrängt worden, oft mit fadenscheinigen Vorwürfen von Weinbetrug und Weinpanscherei. Im Mainzer Karnevalszug von 1936 fuhr sogar ein Motivwagen mit, der den Vorwurf, dass Juden minderwertige Weine als Spitzenweine verkaufe. Dazu kam ein Weinjahrgang, dessen Mengen

das 2 1/2 fache eines normalen Jahrgangs ausmachte. Die Winzer fürchteten einen Preisverfall. Also proklamierte Bürckel “Die Deutsche Weinstrasse”. Sie verlief von Schweigen nach Bockenheim und sollte die schönsten Winzerdörfer der Pfalz verbinden.

Man musste lediglich neu ausschildern. Orte die an der Route lagen durften den Zusatz “an der Weinstraße” sowie Neustadt- bisher an der Haardt nun an der Weinstraße. Am 19.  Oktober 1935 wurde in Bad Dürkheim die Deutsche Weinstraße feierlich eröffnet.

Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden wurden nur zehn Tage vorher in Kenntnis gesetzt. Ursprünglich war geplant mit einer Pfälzerwald Hochstrasse vom Donnersberg bis zum Hohen Derst, der ist oberhalb von Dörrenbach für den Fremdenverkehr

und damit auch für den Wein zu werben. Bürckel war im Juli 1935mit seinem Gefolge in der Schweigener Gaststätte “Zum Bayerischen Jäger”eingekehrt. Dabei kam man auf die Änderung der Pläne. Am Anfang der Weinstraße steht das Deutsche Weintor,

das die provisorische Holzattrappe, die bei der Eröffnung stand, ersetzt hatte. Es gab einen Architektenwettbewerb, den die Architekten August Josef Peter und Karl Mittel aus Landau gewonnen hatten. Die Grundsteinlegung fand am 27. August 1936 statt, der Abschluss der Bauarbeiten wurde nicht einmal zwei Monate später, am 18. Oktober, gefeiert.

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Entlang der Weinstraße sollten 6 Bauwerke entstehen, die zum einen als Kelterstation, zum anderen als Gaststätte mit Ausflugszielcharakter dienen sollten. Gebaut wurde

aber noch 1936 nur der “Saarhof”. Er sollte so heißen, weil die Stadt Saarbrücken die Trägerschaft übernommen hatte. Der Rohbau wurde bei Kriegsbeginn vollendet. dann nahm ihn die Wehrmacht in Beschlag. 1944/45 kaufte die Gemeinde Leinsweiler das Anwesen von der Stadt Saarbrücken. 1951 übernahm es der Landkreis Landau.Heute ist der “Leinsweiler Hof” in Privatbesitz. Parallel zur Errichtung der Weinstraße begründete Bürckel Partnerschaften Pfälzer Winzergemeinschaften mit deutschen Städten. Natürlich überschritt Bürckel damit seinen Kompetenzrahmen, denn Weinbau und Weinwerbung lagen eigentlich im Zuständigkeitsbereich von Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Darré. Aber um Kompetenzen hat Bürckel sich nie gekümmert, zumal wenn er vom Zuständigen keine hohe Meinung hatte. Für die Weinstraße regelte er vieles mit einer Reihe von Erlassen. Aus Vorgärten mussten Reklameschilder, Leuchtstofftransparente, nicht für die Pfalz typische Pflanzen, selbst Gartenzwerge entfernt werden.

Modische Bauweisen, Edelputz und Mosaiken an den Hauswänden waren verboten. Alte Fachwerkhäuser, alte Wirtshausschilder und alte Zäune waren zu erhalten. Bürckel liess die postalische Bezeichnung “an der Weinstrasse” an die Ortsnamen anhängen-

werbewirksam bis heute.

Das Verhältnis des Nationalsozialismus zur Kirche, vor allem zur katholischen, war von Anfang an ziemlich gespannt. Und wie oben gezeigt gab es gleich zu Beginn massive Übergriffe auf Geistliche und vor allem heftige Verfolgung von Zentrumsmitgliedern.

Das Verhältnis entspannte sich nach dem Konkordat ein wenig und unter Gauleiter Bürckel in der Pfalz als es um die Saarabstimmung ging und Bürckel einfach auch die massive Unterstützung der Bischöfe brauchte, um ein möglichst gutes Stimmergebnis im Saarland zu erreichen. Der Speyrer Bischof Sebastian war von Anfang an nicht auf Konfrontation aus.Wie oben gezeigt wurde, verlief die Zeit kurz vor dem Ermächtigungsgesetz sehr turbulent. Auch in der Pfalz waren sehr viele katholische Geistliche in Schutzhaft genommen worden oder wie der Pfarrer von Rheingönnheim Caroli misshandelt worden. Bischof Sebastian willigte in ein Abkommen mit der Gauleitung ein, das katholischen Priestern strengste Zurückhaltung in politischen Fragen auferlegte. Getragen war dies von der

Hoffnung, die Haftentlassung der Pfarrer zu erreichen. Das Hauptziel des Bischofs lag darin, eine geregelte Seelsorge aufrecht zu erhalten. Nach dem für das Regime günstigen Ausgang der Saarabstimmung war man nicht mehr auf Rücksichtnahme auf die Kirche angewiesen. Eine Atempause verschafften nochmals die Olympischen spiel 1936 in Deutschland. Man wollte sich im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit natürlich gut zeigen. Es kam dann Ende 1936/Anfang 1937 zum Frankenholzer Schulstreik. Es ging hier um den Rang von Schulkreuzen und Hitlerbildern. Als der nationalsozialistische Schulleiter Philipp Klein Kreuze durch Hitlerbilder ersetzen ließ, behielten Eltern ihre Kinder daheim. Als die Gestapo gegen die Rädelsführer ermittelte, schlossen sich Bergleute dem Protest mit

einem Bummelstreik an. Darauf wurden 15 Grubenarbeiter fristlos entlassen, 5 Eltern in U-Haft genommen. Gauleiter Bürckel gab nach, ließ die Geldstrafen für die Schulverweigerung aufheben,

veranlasste, dass die Verhafteten entlassen wurden und machte den Platztausch von Hitlerbild und Kreuz rückgängig.  Bischof Sebastian hatte den Vorfall in seiner ganzen Diözese publik gemacht und mit klaren Worten darauf hingewiesen,dass Frankenholz kein Einzelfall sei sondern symptomatisch für die Gesamtentwicklung im Deutschen Reich war. Die Stellungnahme des Bischofs belegte, dass Bürckels Fiktion vom Religionsfrieden in seinem Gau nicht stimmte.Fast gleichzeitig ließ Bürckel eine Abstimmung über die Einführung einer Gemeinschaftsschule im Gau Saarpfalz durchführen und erhielt ein klares Votum für die Gemeinschaftsschulen. Das wieder zeigte, dass die Bereitschaft vieler Katholiken, sich den Forderungen des Nationalsozialismus zu widersetzen, sehr rasch an ihre Grenzern stieß, wenn konkrete Nachteile drohten. Die Abstimmung war am 19. März angesetzt worden und schon am 20. März abgehalten worden. So wurde den Pfarrern die Möglichkeit genommen, dagegen Stellung zu beziehen, z. b. in Predigten.

Der 20. März war der Samstag vor Palmsonntag. Am 21. März aber wurde in allen katholischen Kirchen die päpstliche Enzyklika “Mit brennender Sorge” verlesen. Schon im Januar 1937 hatte Papst Pius XI. die Kardinäle Faulhaber (München und Freising), Bertram (Breslau zugleich Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz),und Schulte(Köln) sowie die Bischöfe Galen (Münster) und Preysing (Berlin) nach Rom gerufen, um mit ihnen zu beraten, wie man der immer feindseliger werdenden Kirchenpolitik in Deutschland begegnen sollte. Ein Brief des Papstes an Adolf Hitler oder eine öffentliche Kundgebung des Papstes gegen den Nationalsozialismus in Form einer Enzyklika wurde besprochen. Der Brief wurde verworfen, die Enzyklika beschlossen.

Kardinalstaatssekretär Pacelli bat Kardinal Faulhaber einen ersten Entwurf zu verfassen. Er arbeitete nur nachts und ohne fremde Hilfe, um die geringste Gefahr oder Indiskretion auszuschließen. Gleichzeitig bereite der Vatikan eine gleichzeitig geplante

Enzyklika gegen den Kommunismus („Divini Redemptoris“) so auffällig vor, daß die NS-Diplomaten nur auf dieses Dokument warteten. Beim Korrekturerlesen kam Faulhaber zu der Meinung, dass sich sein Entwurf vielleicht für einen deutschen Hirtenbrief,keinesfalls aber für ein päpstliches Rundschreiben eigne. Papst Pius XI. und sein Staatssekretär entschieden anders. Pacelli brachte noch geringfügige Änderungen an. Das überarbeitete Manuskript wurde in der Druckerei des Vatikans gedruckt und ging

mit einem diplomatischen Sonderboten an die Nuntiatur nach Berlin. Über Kuriere wurde es direkt an die deutschen Bischöfe übergeben. Der Postweg wurde gemieden.Vertrauenswürdiger Kirchenmitarbeiter transportierten das Papier per Fahrrad und Motorrad in die Pfarrhäuser. Man nutzte Wald- und Feldwege, um kein Aufsehen zu erregen. Die Kopien des geheimen Textes wurden in Beichtstühlen übergeben. Zwar gelangte ein Tag vor der geplanten Verlesung ein Exemplar in die Hände der Gestapo. Aber da war die Zeit zu Beschlagnahme natürlich zu knapp. Der Coup war geglückt. In den 11.500 Gemeinden Deutschlands wurde das Rundschreiben verlesen und 300.000 Kopien verteilt. Es ist diese die einzige päpstliche Enzyklika in deutscher Sprache.

Hitler soll getobt haben, als er am Vorabend der Verlesung von der Enzyklika erfuhr. In der Enzyklika steht zwar weder “Adolf Hitler” noch Nationalsozialismus aber es ist eine klare Lagebeschreibung der katholischen Kirche in Deutschland, wie es in der Überschrift heißt. Nach Abschluss des Konkordats hatten sich die Verstöße gegen die Vereinbarung gehäuft. Kardinalsstaatssekretär Eugenio Pacelli hatte dem Botschafter des Deutschen Reiches am Heiligen Stuhl über 50 diplomatische Protestnoten übergeben-

nun erklärte der Papst “daß in diesen schweren und ereignisvollen Jahren der Nachkonkordatszeit jedes Unserer Worte und jede Unserer Handlungen unter dem Gesetz der Vereinbarungstreue standen.” Und fährt dann fort ”wie von der anderen Seite die Vertragsumdeutung, die Vertragsumgehung, die Vertragsaushöhlung, schließlich die mehr oder minder öffentliche Vertragsverletzung zum ungeschriebenen Gesetz des Handelns gemacht wurden.” Auch zum  zur Rasselehre wird klar Stellung bezogen:

“Wer die Rasse, oder das Volk, oder den Staat, oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte menschlicher Gemeinschaftsgestaltung – die innerhalb der irdischen Ordnung einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz behaupten – aus dieser ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge. Ein solcher ist weit von wahrem Gottesglauben “ Auch zum Führerkult gibt es deutliche Worte: “Wer in sakrilegischer Verkennung der zwischen Gott und Geschöpf, zwischen dem Gottmenschen und den Menschenkindern klaffenden Wesensunterschiede irgend einen Sterblichen, und wäre er der Größte aller Zeiten, neben Christus zu stellen wagt, oder gar über Ihn und gegen Ihn, der muß sich sagen lassen, daß er ein Wahnprophet ist, auf den das Schriftwort erschütternde Anwendung findet: „Der im Himmel wohnt, lachet ihrer“ (Originaltext auf der Internetseite des Vatikans) Natürlich schlug der NS-Staat sofort zurück. Man antwortete mit Hausdurchsuchungen und Verhaftungen.Bistumszeitungen, die den Text gedruckt hatten, wurden beschlagnahmt und für drei Monate verboten. Zwölf der an der Vervielfältigung beteiligte Druckereien wurden entschädigungslos enteignet. Katholische Schulen und Klöster wurden geschlossen. Gegen Priester und Ordensleute wurden Prozesse wegen Unterschlagung und Sittlichkeitsprozesse geführt und publizistisch ausgeschlachtet.

Bürckel griff Bischof Sebastian scharf an. Er bezeichnete ihn als Landesverräter und Staatsfeind. Die Gestapo hatte einen Brief des Bischofs an Pacelli abgefangen, geöffnet und fotografiert in dem er über die Bedrückungen der Kirche berichtet hatte..

Am 15. August 1937 sollte in Speyer das goldene Priesterjubiläum des Bischofs gefeiert werden. 25.000 Frauen wollten zu einer “Jubelmesse” nach Speyer kommen. Sonderzüge waren bei der Reichsbahn angefordert und bereits zugesagt worden.

Nun legte Bürckel eine Großkundgebung von Parteiformationen in Speyer auf den 15. August. Die Reichsbahn zog ihre Zusage für die Sonderzüge zurück. Autobusse, die eigentlich den Frauen zur Verfügung stehen sollten, wurden von der Gauleitung

beansprucht. Bischof Sebastian entschied sich deshalb, seinen Ehrentag im Stift Neuburg gemeinsam mit dem Erzbischof von Bamberg und den Bischöfen von Würzburg und Eichstätt in einer stillen Feier zu begehen. Bürckels

Aktion hatte die die Feier des Bischofs zwar verhindert, war aber doch ins Leere gelaufen.

Auf internationaler Ebene war in der Zeit bedeutsam. Im Februar 1936 hatte die Volksfront in Spanien die Wahlen gewonnen. Daraufhin planten Offiziere nahezu öffentlich einen Putsch. Ihre Aktivitäten wurden von der Regierung praktisch ignoriert.

Als am 13. Juli 1936 der monarchistische Oppositionsführer José Calvo Sotelo ermordet wurde, mischten sich immer mehr Gruppen ein. aus dem Putsch war ein Bürgerkrieg geworden. Zwar gab es unter der Ägide des Völkerbundes ein Nichteinmischungskomitee.

Aber die faschistischen Mächte Italien und Deutschland unterstützten die Putschisten offen.Die Sowjetunion unterstütze die Regierung mit Waffen und Beratern. So wurde Spanien zum Übungsfeld für den Systemkonflikt in Europa. Ab November 1936 kämpfte

die Legion Condor mit 12000 Mann, offiziell nur Freiwillige, in Spanien. Ab Frühjahr 1937 waren auch deutsche Seestreitkräfte beteiligt. Am 26. April 1937 wurde die religiöse Hauptstadt des Baskenlandes Gernika unter massgeblicher Beteiligung der

Legion Condor fast vollständig zerstört.

Im November 1937 hatte Hitler die militärische Führungsspitze und Außenminister von Neurath zu einer Konferenz nach Berlin eingeladen. Dabei ging es zunächst um Versorgungsprobleme der Rüstungswirtschaft insbesondere mit Stahl. Doch Hitler wich von der

Tagesordnung ab und gab in einem mehrstündigen Monolog Einblick in seine außenpolitischen Ziele. Hitlers Wehrmachtsadjutant Oberst Friedrich Hoßbach fasste diese Gedankengänge Hitlers stichwortartig in einer Niederschrift zusammen. Diese wurde später als

“Hoßbachprotokoll” bezeichnet und diente später der Anlagevertretung beim Nürnberger Prozess als Beweismittel, dass die Beschuldigten einen Angriffskrieg geführt hätten. Man kannte schon Hitlers Idee vom “Lebensraum”. Nun gab es aber einen konkreten zeitlichen Rahmen. Da wurde auch klar, dass die Tschechoslowakei und Österreich auf der Agenda standen.

Im Juli 1934 putschten in Österreich Nationalsozialisten. Am 25. Juli ermordete der österreichische Nationalsozialist Otto Planetta den österreichischen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß. Im Anschluss an den missglückten Putsch wurden viele Todesurteile verhängt, von denen 13 auch vollstreckt wurden, unter anderem wurde Otto Planetta durch den Strang hingerichtet. Nachfolger von Dollfuß wurde Kurt Schuschnigg, der bisher Justizminister im Kabinett Dollfuß war.

Für Adolf Hitler bedeutete der Putsch eine enorme außenpolitische Belastung, zumal angenommen wurde, dass Deutschland zu mindestens die Finger im Spiel hatte. Am Grenzübergang Zollerschlag wurde ein Kurier festgenommen, der Dokumente bei sich hatte, das”Kollerschlager Dokument” legt den Verdacht nahe. für die österreichische Regierung war es der Beleg, dass der Juliputsch auf reichsdeutschem Boden geplant und von dort aus geleitet wurde. Hitler ging auf völlige Distanz zu den österreichischen Nationalsozialisten. Die österreichische Landesleitung der NSDAP wurde aufgelöst, der Landesinspekteur Theodor Habicht seiner Ämter enthoben. In Berlin hatte zu der Zeit die Saarabstimmung, dann die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht und

die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes Priorität am 7. März 1936. Weitere personelle Konsequenz war, dass Kurt Heinrich Rieth, der deutsche Botschafter in Wien, in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde.Für ihn wurde von Papen als

Außerordentliche Gesandter nach Wien berufen. Die deutsch-österreichische Vereinigung sollte aus den Schlagzeilen verdrängt werden. Die Beziehungen sollten scheinnormalisiert werden.

Das faschistische Italien hatte sich als Schutzmacht Österreichs gesehen und  die wichtigste außenpolitische Stütze Österreichs. Das faschistische Italien war aber bisher die wichtigste außenpolitische Stütze Österreichs. Österreich war für

Italien ein Puffer, der dem Land die gemeinsame Grenze mit Deutschland ersparte.

Das Eingreifen Deutschlands im spanischen Bürgerkrieg hatte auch zu einer Annäherung an Italien geführt, das General Franco ja ebenfalls unterstützte. Am 2. Oktober 1935 begann Italien den Abesinnienkrieg. Der Völkerverbund verhängte Wirtschaftssanktionen.

Berlin unterstütze nun Italien.

Eine Reaktion auf diese Annäherung der beiden faschistischen Mächte war das Abkommen vom 11.Juli 1936 zwischen Österreich und dem Deutschen Reich. Es bestand aus zwei Teilen, dem offiziellen Kommuniqué. Darin anerkannte die deutsche Regierung “die volle Souveränität des Bundesstaates Österreich”.Jede der beiden Regierungen “betrachtet die in dem anderen Land bestehende innenpolitische Gestaltung… als eine innere Angelegenheit des anderen Landes, auf die sie weder mittelbar noch unmittelbar Einfluss nehmen wird.”. Dann wurde noch vereinbart, dass Österreich ihre Politik auf einer Linie halten wird, die der Tatsache entspricht, dass Österreich sich als deutscher Staat bekennt. (Quellensammlung zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte ,2683)In dem nichtoffiziellen Teil, als Gentlemen Agreement bezeichnet, verpflichtete sich Österreich die seit dem Juliputsch inhaftierten Angehörigen der NSDAP zu amnestieren, einzelne deutsche Zeitungen, den Völkischen Beobachter aber allerdings nicht, wieder zu zu lassen und außerdem “Vertreter der bisherigen sogenannten “nationalen Opposition in Österreich”zur Mitwirkung an der politischen Verantwortung heranzuziehen” (Quellensammlung 2864). Dafür hob Deutschland die “Tausend-Mark-Sperre” auf. Diese wurde am 1.6. 1933 durch die deutsche Reichsregierung als Reaktion auf die Ausweisung des bayrischen Justizministers Hanns Frank erlassen worden. Demnach musste jeder deutsche Staatsbürger, der nach Österreich reisen wollte, vor eine Reise nach Österreich 1000 Reichsmark bezahlen. Der Anteil deutscher Touristen nach Österreich betrug 1932 40 % und dieses Gesetz belastete den österreichischen Fremdenverkehr spürbar.

Edmund Glaisé-Horstenau wurde zum Minister ohne Portefeuille ernannt. Guido Schmidt wurde Staatssekretär des Außenministeriums.

Bei der Tagung im November 1937 war Hitler bei der Skizzierung seiner Außenpolitik auf massive Kritik von Blomberg, Fritsch und Neurath gestoßen. Anfang 1938 tauchten Polizeiakten auf, in denen die Gattin Blombergs als Prostituierte geführt wurde und Fritsch wurde als Homosexueller denunziert. Beide Offiziere wurden daraufhin zum Rücktritt gezwungen. Außenminister von Neurath wurde zum Präsidenten eines nie zusammengetreten Kabinettsrates ernannt und in seinem Amt durch Ribbentrop ersetzt. Das war ein Zeichen, dass Hitler nun gewillt war, die Entwicklung in Österreich nach seinen Vorstellungen voranzutreiben. Auf “Einladung” Hitlers kamen der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg am 12. Februar 1938 in Begleitung des Staatssekretärs für Äußeres, Guido Schmidt auf den Obersalzberg bei Berchtesgaden. Nach einem zweistündigen Gespräch ohne Zeugen legte ihnen Hitler den Entwurf eines Abkommens vor. Die NSDAP sollte in Österreich wieder zugelassen werden.Arthur Seyss-Inquart sollte Innenminister mit absoluter Polizeigewalt werden. Verhandelt wurde nicht. Es war ein Diktat.Hitler: “ich ändere keinen Beistrich. Sie haben zu unterschreiben, oder alles andere ist zwecklos,…” (AdR, BKA/AA, Staatsurkunden, Deutsches Reich 1938 Februar 12)

Schuschnigg erreichte lediglich eine Gnadenfrist von 3 Tagen, da Ministerernennungen verfassungsrechtlich erst vom Bundespräsidenten gebilligt werden müssten. Er unterschrieb. Aber er setzte eine Volksabstimmung für den 13. März an.

Genau in diesen Tagen war Glaisé-Horstenau auf einer Vortragsreise in Stuttgart. Am 9. März fuhr er zu einem Verwandtenbesuch nach Landau. Dort erfuhr er aus Wien telefonisch von der geplanten Volksbefragung. Bürckel hatte von einem Korrespondenten von

der Anwesenheit von Glaisé-Horstenau erfahren. Bürckel lud ihn zu einem Umtrunk nach schweigen und dann zu einem geselligen Abendessen nach Neustadt ein. Dabei hörten beide eine Rundfunkübertragung von Schuschniggs Rede zu der beabsichtigten Volksbefragung. Bürckel rief umgehend in Berlin an. Dort erreichte er den persönlichen Adjutanten Hitlers in der Reichskanzlei und teilte ihm mit, dass sich Glaisé-Horstenau  gerade bei ihm befand. Beide wurden sofort nach Berlin beordert.

Auf Druck Berlins wurde die Volksabstimmung abgesagt. Schuschnigg trat am 11. März zurück. Seyss-Inquart  wurde vom Bundespräsidenten Miklas zum Bundeskanzler ernannt. Am 12. März marschierte die Wehrmacht ohne Widerstand des Bundesheeres in Österreich ein. “Der Anschluss” war vollzogen. Seyss-Inquart legte dem Präsidenten das Anschlussgesetz zur Unterzeichnung vor. Miklas legte aber seine Amtsgeschäfte nieder. Seine Funktionen gingen der Verfassung gemäß auf den Kanzler über und dieser unterzeichnete.Hitler legte eine Volksbefragung für den 10. April fest, um den Anschluss im nachhinein legitimieren zu lassen. Bürckel war ja in diesen Tagen in unmittelbarer Nähe Hitlers. Er stand beim Führer ja in hohem Ansehen. Zuverlässig hatte er immer hervorragende Wahlergebnisse geliefert und auch die Saarabstimmung problemlos und mit einem Wunschergebnis abgeschlossen. Er wurde von Hitler zum Beauftragten für die Volksabstimmung und für die Reorganisation der NSDAP ernannt.

In der Wiener Zeitung vom 14. März wurde veröffentlicht, dass Hitler Gauleiter Bürckel damit beauftragt hat und “Ich habe Gauleiter Bürckel mit der Vollmacht ausgestattet, alle Maßnahmen zu ergreifen oder anzuordnen, die zur verantwortungsvollen Erfüllung des erteilten Auftrags erforderlich (online in anno.onbc.ac.at) sind.”Schon gleich nach dem Amtsantritt von Ribbentrop hatte dieser den aus Heidelberg stammenden Wilhelm Keppler als Staatssekretär für besondere Aufgaben ins Auswärtige Amt übernommen. Ab 1936 war er Berater Hermann Görings für die Durchführung des Vierjahresplan. Am 16. März wurde im Reichsinnenministerium die “Zentralstelle für die Durchführung der Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich” eingerichtet. Innenminister Frick und Göring wollten, dass Keppler dieser Stelle vorstand.

Sie ernannten deshalb Keppler zum “Reichsbeauftragten für Österreich”. Hitler hatte Bürckel ja schon am 13. März mit seiner Aufgabe persönlich beauftragt. Zwar überschnitten sich die Aufgabengebiete der beiden grundsätzlich nicht. Keppler war

für die wirtschaftlichen und politischen Belange zuständig, Bürckel sollte sich mit der Partei und der Vorbereitung der Volksabstimmung befassen.Da sich beide nicht um Zuständigkeitsbereiche kümmerten und beide ehrgeizig waren, waren Interessenkonflikte vorprogrammiert. Bürckel hatte aber schnell die besseren Karten. Er wurde am 23. April von Hitler zum “Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich” ernannt. Die Dienststelle des

Reichsbeauftragten für Österreich wurde dem Reichskommissar untergeordnet. Von Göring und Frick erhielt Keppler nun wenig Rückhalt, da sie beide Hitler mit offener Unterstützung Kepplers nicht brüskieren wollten.

Bürckel war schon am 13. März nach Wien gereist, um dort den Einzug Hitlers vorzubereiten und gleichzeitig erste organisatorische und personelle Maßnahmen für die Volksabstimmung zu treffen. Rund 200.000 Menschen waren am 15. März auf den Heldenplatz gekommen, um Hitler begeistert zu feiern als dieser “den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich” meldete.

Bürckel ging seine Aufgabe mit Elan und von keinerlei Selbstzweifel geplagt an. Es galt zwar 90,8 % aus der Saarabstimmung zu übertreffen, denn in der Heimat des Führers sollte natürlich noch ein weitaus deutlicheres Ergebnis erzielt werden.

Bürckel sah seine Aufgabe als Vertrauensbeweis des Führers, vor allem aber als Chance, sich Gunst und Dankbarkeit Hitlers zu erhalten. Anders als an der Saar hatte er diesmal keine diplomatischen Rücksichten zu nehmen, da dieses Mal kein misstrauischer

Völkerbundsrat zuschaute. Als Dienstsitz wählt er das Parlamentsgebäude aus und ließ es beschlagnahmen, da mit “Der Beschlagnahme des Hauses kein lebenswichtiger Betrieb gestört wird” (zitiert nach Wettstein, S. 379)Politisch gewieft setzte er gleich zu Anfang durch, dass er zwischen Innenminister Frick und ihm ein Abkommen zustande kam,in dem er ausdrücklich als Hitlers politischer Beauftragter anerkannt wurde. In der Praxis bedeutete dies,dass er in Österreich zum obersten Dienstherr geworden war und bis auf

auf Wehrmacht und Polizei über alle staatlichen Stellen und Parteiorganisationen die Kompetenzhoheit besaß und somit die Geschicke Österreichs und vor allem der Stadt Wien beeinflussen konnte.

Am 10. April nun wurde die Volksabstimmung abgehalten. Im “Altreich” stimmten 99,01 Prozent der Deutschen und in Österreich 99,73 Prozent der Österreicher  für den “Anschluss”.

220px-Stimmzettel-Anschluss

Vor der Abstimmung lief die nationalsozialistische Propaganda auf Hochtouren. Auch waren rund 8 % der eigentlich Wahl-und Stimmberechtigten schon ausgeschlossen worden. Juden (200.000) und “Mischlinge” (170.000) durften nicht abstimmen. Es herrschte

ein Klima der Angst und viele wagten es gar nicht mehr, anonym in der Wahlkabine abzustimmen sondern machten ihr Kreuz öffentlich vor dem Wahlhelfer, um ja nicht in den Verdacht geraten, mit Nein gestimmt zu haben.

Wie schon in der Pfalz und dem Saarland hatte Bürckel auch in Österreich wichtige Schlüsselstellungen mit ihm loyal ergebenen Mitarbeiter aus der Pfalz besetzt. Parteibeauftragter der Stadt Wien wurde Karl Kleemann, Lehrer wie Bürckel und schon 1926

in die NSDAP eingetreten. Ab 1936 war er Kreisleiter der Stadt Ludwigshafen. Claus Selzner, der in Ludwigshafen bei der IG Farben (heute BASF) die NS-Betriebszelle gegründet hatte und dann Leiter der NSBO der Pfalz war, übernahm die Organisation der DAF in Österreich.Rudolf Röhrig, Stellvertreter  des OSAF für die Pfalz, Fritz Schwitzgebel und ab 1936 Gauschulungsleiter für den Gau Saarpfalz wurde. Carl Caspary wurde über Bürckel hauptamtlich für die SA tätig. Nach der Vereinigung des Saargebiets war er für die

Neuorganisation der SA im Saarland zuständig. dann war er Brigadeführer der SA-Brigade 151 in Saarbrücken. Nach dem Anschluss holte Bürckel ihn nach Wien. Dort leitete er die neugeschaffene SA-Reichsschule. Natürlich kam das bei den Einheimischen Nazis schlecht an, die sich um die Früchte ihrer Mitgliedschaft in der “Kampfzeit” gebracht sahen. An den Kritiken und Unmutsäußerungen störte er sich nicht. Wie schon im Saarland hatte er auch in Österreich nach dem Anschluss eine Aufnahmesperre. Denn wie in der Pfalz nach der Machtergreifung und an der Saar nach der Vereinigung mit dem Reich hatte auch in Österreich ein Zustrom opportunistischer Mitläufer eingesetzt. Bürckels enger Vertrauter und Berater Karl Barth war von 1938 bis 1940 zu ihm abgeordnet worden.

Er hatte ein Memorandum erarbeitet zu einer Neugliederung Österreichs. Nach den Vorstellungen Bürckels sollte eine reichseinheitliche Lösung angestrebt werden. Partikularistische Interessenwahrung der österreichischen Länder sollte vermeiden werden.

Oberstes Zentrum aller staatlichen und kommunalen Amtsgewalt sollte die Partei sein. Die Länder sollten aufgelöst und in Gaue umgewandelt werden. An der Spitze sollte der Gauleiter stehen, der gleichzeitig Reichsstatthalter war und somit als Reichsorgan

die Befehlsgewalt über jede Landesregierung innehatte. Einheimische Parteifunktionäre sollten ins Reich versetzt werden und somit die immer wieder aufflammenden inneren Streitigkeiten in den NS-Klüngeln ausgeschaltet werden. Bürckel hatte die österreichischen Parteigrößen Kaltenbrunner, Globocnic und Klausner in seine Planungen mit einbezogen um ihre Unterstützung zu bekommen.Bürckel gliederte die “Ostmark”, wie Österreich jetzt genannt wurde, in sieben Gaue.

Salzburg, Oberdonau mit der Hauptstadt Linz, Niederdonau mit der Hauptstadt Krems, Wien, Steiermark mit der Hauptstadt Graz, Kärnten mit der Hauptstadt Klagenfurt und Tirol mit der Hauptstadt Innsbruck. Dabei ging Osttirol im Gau Kärnten auf, Vorarlberg

im Gau Tirol. Das Burgenland wurde zwischen Steiermark und Unterdonau aufgeteilt. Bad Aussee wurde Oberdonau zugeteilt. Großwien wurde in einen eigenen Stadtgau umgewandelt. 97 Gemeinden waren eingemeindet worden und Wien war nun fast fünf mal so groß wie vor dem Anschluss. Am 22. Mai 1938 wurden per Führererlass die Gauleiter ernannt. Wenig Begeisterung fand bei Bürckel die Ernennung Globocnics zum Gauleiter von Wien. Die wichtigsten stellen hatte er ohnehin schon mit ihm ergebenen Leuten aus der Pfalz besetzt. Er wurde nur ein halbes Jahr später aus dem Amt entfernt, wo er ein finanzielles und organisatorisches Chaos hinterlassen hatte. In Wien war er maßgeblich für die Enteignung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung verantwortlich.

In Kärnten wurde Hubert Klausner Gauleiter. Er starb am 12. Februar 1939 ganz plötzlich in Wien. Sein Tod gab Anlass zu Gerüchten und Spekulationen, bis hin zu  von einem von Bürckel veranlassten Giftmord durch die SS, wie sein ehemaliger Adjutant

Erwin Aichinger schrieb (siehe dazu Alfred Elste: Kärntens braune Elite, S. 71f ) In Salzburg wurde Friedrich Rainer Gauleiter, der eng mit Globocnic befreundet war. In Oberdonau wurde August Eigruber Gauleiter und in Niederdonau wurde Hugo Jury Gauleiter, was er bis zu Kriegsende blieb. In der Steiermark wurde der junge promovierte Jurist Siegfried Uiberreither Gauleiter. Den Gau Tirol schließlich leitete Franz Hofer. Er schlug 1944 Hitler vor, ein Kerngebiet in den Alpen als letzte Bastion des Reiches zur

Alpenfestung auszubauen. Sämtliche Gauleiter waren Österreicher und unter ihren Stellvertretern nur ein Reichsdeutscher. Bürckels Vorschlag jedem Gauleiter einen reichsdeutschen Stellvertreter beizuordnen, war Hitler nicht gefolgt. Allerdings gab er dem

telegrafischen Ersuchen Bürckels statt, 26 der besten reichsdeutschen Kreisleiter zu Aufsichtszwecken in den Kreis-und Bezirksverbänden auszuleihen. Die Neugliederung Österreichs war weitgehend nach Bürckels Vorstellungen gelaufen, zumal er sich immer

auf den “Führerwillen” berief und somit jeglicher Kritik den Boden entzog.

Am 28. August 1938 richtete Bürckel in Wien die Zentralstelle für jüdische Auswanderung ein. Formell unterstand sie Franz Walter Stahlecker. Aufgebaut und organisiert wurde sie aber von Adolf Eichmann. In Berlin hatte er seit 1935 beim SD in der Abteilung II (Juden) gearbeitet. Nach dem Anschluss wurde er nach Österreich versetzt.Die Zentralstelle war geschaffen worden, um  Auswanderungswilligen die nötigen Papiere auszustellen. Die Dokumente wurden praktisch im Fließbandverfahren erstellt, nicht ohne die Ausreisenden praktisch bis zum völligen Vermögensverlust auszuplündern. Die Behörde arbeitete so effizient, dass sie schnell zum Vorbild für weitere Auswanderungsstellen wurde, so die Reichszentrale in Berlin oder später die Auswanderungsstellen in Prag oder Amsterdam. Heydrich brüstete sich bei einer Konferenz im Reichsluftfahrtministerium kurz nach der Reichskristallnacht, die Zentralstelle in Wien habe in kurzer Zeit immerhin 50 000 Juden aus Österreich herausgebracht, während es im Altreich nur 19 000 Juden waren.

Am 7. November 1938 hatte Herschel Grynszpan in Paris den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath bei einem Attentat getötet. Zu der Zeit war die Führungsspitze der NSDAP in München versammelt, um den 15. Jahrestag des Hitlerputsches zu begehen.

Von München aus erging nun die Weisung zu den seit der Machtübernahme heftigsten antisemitischen Ausschreitungen, die als Reichskristallnacht in die Geschichte eingegangen sind. 91 Tote, 267 zerstörte Gottes- und Gemeindehäuser und 7.500 verwüstete Geschäfte – das war die “offizielle” Bilanz der “berechtigten und verständlichen Empörung des deutschen Volkes“, wie das NS-Regime dazu erklärte. Tatsächlich starben mehr als 1300 Menschen. Über 1400 Synagogen oder Gebetshäuser, das war mehr als die

Hälfte in Deutschland und Österreich wurde stark beschädigt oder ganz zerstört. Am nächsten Tag wurden mehr als 30 000 männliche Juden in Konzentrationslager verschleppt. Das einzige was Göring daran zu kritisieren hatte war, die “volkswirtschaftlich unsinnige Zerstörung von Sachwerten”.

Wie Hitler schon bei der Tagung ausgeführt hatte, die im Hossbachprotokoll beschrieben wurde, stand jetzt die Tschechoslowakei auf seiner Tagesordnung. Schon vor dem Einmarsch in Österreich hatte er in der Reichstagsrede vom 20. Februar 1938 erklärt “

so wird auch das heutige Deutschland seine wenn auch um soviel begrenzteren Interessen zu vertreten und zu wahren wissen. Und zu diesen Interessen des Deutschen Reiches gehört auch der Schutz jener deutschen Volksgenossen, die aus eigenem nicht in der Lage sind, sich an unseren Grenzen das Recht einer allgemeinen menschlichen, politischen und weltanschaulichen Freiheit zu sichern.” Als Hebel in der Tschechoslowakei sollte Konrad Henlein mit seiner Sudetendeutschen Partei SdP (seit 1935, vorher Sudetendeutsche Heimatfront) Am 24. April 1938 stellte Henlein in Karlsbad ein acht-Punkte-Programm vor, ganz im Sinne Hitlers “immer so viel (zu)fordern, dass wir nicht zufrieden gestellt werden können.“

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Henlein forderte die volle Gleichberechtigung der deutschen Minderheit als Volksgruppe, die Feststellung und Anerkennung des deutschen Siedlungsgebiets innerhalb der Tschechoslowakei,den Aufbau einer deutschen Selbstverwaltung mit ausschließlich deutschen Beamten, die Wiedergutmachung der ab 1918 erlittenen wirtschaftlichen Schäden der deutschsprachigen Bewohner und endlich die „volle Freiheit des Bekenntnisses zum deutschen Volkstums und zur deutschen Weltanschauung”.

Der tschechische Premierminister Milan Hodza war bereit dieser Forderung mit dem Entwurf einer neuen Verfassung entgegenzukommen. Der tschechische Präsident Edvard Benes lehnte dies aber ab. Am 21. Mai nahm die Tschechoslowakei

eine Teilmobilmachung vor, die von Großbritannien und Frankreich gebilligt wurde.

Hinter den Kulissen gab es wegen der Sudetenkrise, die ja die Gefahr eines zunächst nur europäischen Krieges befürchten ließ, hektische diplomatische Aktivitäten. Auch Bürckel hatte sich da eingeschaltet. Er hatte geheime Kontakte zur böhmischen Hocharistokratie geknüpft, vor allem zu Max Egon von Hohenlohe-Langenburg. Dieser hatte sich schon vor der Sudetenkrise für eine Gleichstellung der deutschen Bevölkerung in der Tschechoslowakei eingesetzt. Er hatte hervorragende kontakte

nach allen Seiten. Er bewegte sich ganz ohne offizielle Funktion in den unterschiedlichsten Kreisen, beim britischen Foreign office, beim tschechischen Präsidenten und Ministerpräsidenten aber auch beim Staatsekretär in Berlin. Auch der Wiener Bürgermeister

Neubacher hatte Kontakte nach England und zwar zu dem böhmischen Grafen Alfred Dubsky, der über enge Verbindungen zu Londoner Regierungskreisen verfügte. Über ihn erfuhr Neubacher von deren diplomatischen Schritten zur Lösung der Sudetenkrise.

Neubacher gab seine Informationen dann an Bürckel weiter. Diese deutsch-böhmische Adelsgruppe stand aber auch mit der konservativen, vor allem militärischen Opposition in Kontakt. So blieben dieser die Kontakte Bürckels natürlich nicht verborgen.

Sie hofften, Bürckel für ihre Pläne zur Vermeidung des Krieges zu gewinnen. Es ist alles nichts Näheres bekannt, ob es Kontaktversuche der Militäropposition zu Bürckel gegeben hat. Bürckel hatte in seinen Reden zur Volksabstimmung immer wieder den ehrlichen Friedenswillen des deutschen Reiches betont. Auch als die Sudetenkrise ihrem Höhepunkt zustrebte, betonte Bürckel die feste Entschlossenheit gegen jeden, der den Frieden stören wolle.

In England war Neville Chamberlain seit 1937 Premierminister. Schon sein Vorgänger Ramsay MacDonald begegnete Hitler mit der “Appeasement”-Politik, also einer Beschwichtigungspolitik. Dieses Konzept ein Nachgeben innerhalb bestimmter, als „vernünftig“ geltender Regeln vor und tat gleichzeitig Hitlers Attacken als bloß rhetorisch ab. Auch Edouard Daladier mehrfacher französischer Ministerpräsident, zuletzt wieder von 1938-1940 folgte den Briten mit dieser Politik. Die Tschechoslowakei musste einsehen,

dass sie keinen Bündnispartner mehr hatte, der bereit war, für sie zu kämpfen. Dafür hatte sie einen Nachbarn, der täglich zielstrebig das Feuer weiter schürte. Außerdem schlug Hermann Göring am 1. August dem ungarischen Botschafter vor, Ungarn solle ebenfalls Gebietsforderungen an die Tschechoslowakei stellen und auch Polen wurde ermuntert, dies zu tun.

Am 12. September sagte Hitler in seiner Abschlussrede zum Reichsparteitag. “wenn diese gequälten Kreaturen kein Recht und keine Hilfe selbst finden können, sie beides von uns bekommen können. Die Rechtlosmachung dieser Menschen muss ein Ende nehmen.”

(bezogen auf die Sudetendeutschen)(Aus Max Domarus (Hg)Hitler.Reden und Proklamationen 1932-1942 2 Bde. Neustadt an der Aisch, Bd I, S. 897-906, bes. S. 901). Diese Rede stieß im Sudetenland auf begeisterte Zustimmung, löste aber auch Unruhen aus,

bei denen es Tote gab. Daraufhin erklärte sich Chamberlain bereit, unverzüglich mit Hitler zusammenzutreffen. Obwohl Hitler Chamberlain mehrfach brüskiert. Schon die Tatsache, den Gast nicht an einem Ort in der Mitte zwischen Berchtesgaden und London zu treffen, sondern ihn zwingt, auf den Berghof zu reisen, war eine Zumutung. Dort empfängt er ihn  so, dass er bei der Begrüßung auf der Freitreppe zwei Stufenüber ihm steht, war ein diplomatischer Affront. Als Hitler vorbringt, Benes  wende Gewalt gegen

seine Landsleute im Sudetenland an, er lasse sich das nicht länger bieten und werde diese Frage in kürzester Zeit aus eigener Initiative lösen “so oder so”. Auf diese unverhohlene Drohung von Gewaltanwendung, droht der Gast seinerseits mit der Abreise.

Hitler muss nachgeben und wenigstens grundsätzlich in offenen Verhandlungen einwilligen. Damit war Hitlers Eskalationsstrategie zunächst mal gescheitert. Der geplante Angriff auf die Tschechoslowakei sollte als Reaktion auf vermeintliche antideutsche

Maßnahmen der Prager Regierung kaschiert werden. Lord Walter Runciman  war schon am 8. August als Sonderbotschafter nach Prag geschickt worden um dort den Stand der sudetisch-tschechischen Differenzen zu ermitteln und gegebenenfalls auch zu vermitteln.

Sein Bericht, den er am 21. September abgab, war für die Tschechen nicht sehr gut  “Mein Eindruck ist, dass die tschechische Verwaltung im Sudetengebiet, wenn sie auch in den letzten 20 Jahren nicht aktiv unterdrückend und gewiß nicht “terroristisch” war, dennoch einen solchen Mangel an Takt und Verständnis und so viel kleinliche Intoleranz und Diskriminierung an den Tag legte, dass sich die Unzufriedenheit der deutschen Bevölkerung unvermeidlich zu einem Aufstand fortentwickeln mußte”

Er gibt die Empfehlung ab,die Grenzbezirke mit überwiegend deutscher Bevölkerung unverzüglich von der Tschechoslowakei zu trennen und Deutschland anzugliedern.

Chamberlain hatte Hitler nach dem treffen auf dem Berghof zugesagt, die Frage des Selbstbestimmungsrechts für die Sudetendeutschen sofort mit seinem Kabinett in London zu beraten und dann zu einem zweiten Gespräch nach Deutschland zurückzukommen.

Chamberlain hatte ja kein Mandat der Tschechoslowakei. Er hatte auch noch keine Zustimmung der Tschechen für die Anschlussforderungen Henleins und Hitlers. Hitler sicherte aber zu, die Wehrmacht nicht marschieren zu lassen, so lange die deutsch-britischen Gespräche laufen. Am 19. September forderte die englische und französische Regierung nun auf, Gebiete mit mehr als 50% sudetendeutscher Bevölkerung an das Deutsche Reich zu übergeben. Das lehnte die Tschechoslowakei aber ab. Zwei Stunden später

erklärt Hodza aber, dass die Tschechoslowakei im Falle eines Krieges ohne britische Unterstützung zum nachgeben bereit wäre. Da England und Frankreich klarstellen, den Tschechen beizustehen, falls Deutschland angreift, hat die Tschechoslowakei keine Wahl

und muss nachgeben. Der englisch-französische Plan zur Abtretung der mehrheitlich von Sudetendeutschen bewohnten Gebiete wird akzeptiert, wenn auch “unter Schmerzen”. Der tschechische Staatspräsident Beneš hatte Frankreich noch einen

anderen Vorschlag gemacht, nämlich böhmische Landesteile mit 800-900.000 Sudetendeutschen an Deutschland abzutreten. Im Gegenzug sollten 1,5 bis 2 Millionen Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei nach Deutschland ausgesiedelt werden. Das findet

aber keine Zustimmung. Beneš  sucht nun Hilfe von der Sowjetunion. Da aber Polen und Rumänien keine Durchmarscherlaubnis für die Rote Armee in die Tschechoslowakei geben, ist auch von da keine Hilfe zu erwarten.Dass die Tschechoslowakei am 21. September die Abtretung des Sudetenlands akzeptiert hatte, machte den Weg frei für das zweite Treffen von Chamberlain und Hitler, diesmal in Bad Godesberg vom 22.-24.September. Chamberlain erklärt dass der französisch-britische Plan nur unter großen

Mühen und Druck zustande gekommen ist. Aber statt von Hitler Dank zu ernten sieht sich der englische Premierminister neue Forderungen Hitlers gegenüber. Er verlangt die gleichen Regelungen für die ungarische und die polnische Minderheit sowie die sofortige Besetzung der mehrheitlich von Sudetendeutschen bewohnten Zonen durch die Wehrmacht innerhalb von nur vier Tagen. In die Gespräche hinein wurde, die Nachricht bekannt, die Tschechoslowakei habe mobil gemacht. Chamberlain erklärte dies als tschechische Defensivmassnahme. Hitler interpretierte dies als aggressiven Akt der tschechoslowakischen Staatsführung. Auf deutscher Seite stehen nun sieben Divisionen. Hitler beharrt darauf, dass seine Forderungen bis zum1. Oktober erfüllt werden. Andernfalls so droht er, werde er die Sudetengebiete mit Gewalt besetzen. Dann gibt es plötzlich ein Vermittlungsangebot des italienischen Diktators Mussolini, das Hitler überhaupt nicht zu Pass kommt.Hitler lädt die Staats- und Regierungschefs aus Rom, Paris und London nach München ein.  Hitler sorgt dafür, dass die Tschechoslowakei, um die es ja geht, von den Verhandlungen ausgeschlossen bleibt. Es kommt zum “Münchner Abkommen “von 1938. Es ist keine Vereinbarung zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei sondern der drei Siegermächte des Ersten Weltkriegs. Diese  vereinbaren die Räumung der Sudetenlande mit der Tschechoslowakei. Sie haben ja auch in Saint-Germain-en-Laye die Auflösung der österreichischen Reichshälfte mi dem dort geschlossenen Staatsvertrag nach dem Ende des 1. Weltkriegs die Tschechoslowakei gegründet. Mit dem Abkommen gaben die damaligen Siegermächte ihre Zustimmung zum Anschluss des gesamten Sudetenlandes an das Deutsche Reich.

Teile der Wehrmacht standen zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft Hitler und seinen Kriegsplänen durch aus kritisch gegenüber. Im Laufe der Sudetenkrise bildete sich ein Widerstandskreis an dem Militärs aus dem Heer aber auch Beamte aus dem auswärtigen Amt beteiligt waren. Einer der wichtigsten Planer war der Abwehroffizier Hans Oster. Er hatte schon 1935 begonnen ein Netzwerk von Opponenten des NS-Regimes in Staat, Verwaltung und Sicherheitsorganen zu knüpfen. Auch sein Chef Wilhelm Canaris war an den Plänen für den Umsturz beteiligt. Ranghöchster Militär war Ludwig Beck, Generalstabschef des Heeres. Er hatte nach dem Hossbachprotokoll die Absicht des Führers kritisiert, die Tschechoslowakei so schnell wie möglich anzugreifen. Im August 1938 bat er um Enthebung von seiner Stellung und übergab am 27. August die Dienstgeschäfte an Franz Halder. Alle drei wurden später im Zuge des Attentates vom 20.Juli 1944 getötet, Beck direkt nach dem Attentat, als die ihm zugestandene Selbsttötung nicht glückte, Oster und Canaris kurz vor Kriegsende in Flossenbürg. Bei der “Septemberverschwörung” wurde geplant, dass Hitler am 28. September 1938 gefangen genommen und vor Gericht gestellt werden. Der Plan wurde dann noch so abgeändert, dass Hitler getötet werden sollte. Am 28. September kam aber die überraschende Nachricht von der Münchner Konferenz. Hitler hatte teilgenommen und der friedlichen Lösung der Sudetenfrage zugestimmt. Nicht nur, dass er alle seine Ziele erreicht hatte. Er stand nun auch noch als Wahrer des Friedens da. Die Verschwörer hatten ihre Waffe  Hitlers militärisches Abenteurertum verloren. Die Popularität des Führers hatte einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Verschwörer erholten sich von dieser Wende lange nicht. Nur ein kleiner Kern blieb zusammen. Erst mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg gelang es wieder Staatsstreichpläne zu schmieden, die über ein blosses Attentat hinausgingen. Der Gestapo wurden die Umsturzpläne vom September 1938 erst bekannt, als nach dem 20. Juli

Akten in einer Außenstelle des Amtes Abwehr in Zossen gefunden wurden.

Was hatte Hitler erreicht? Er hatte einen großen Gebietsgewinn erzielt. Er hatte  der Tschechoslowakei das Befestigungssystem abgenommen, neue Industrien gewonnen und Benes ins Exil gezwungen. aber er hatte mehr gewollt. Das Ziel war Prag.

Zwar hatte er in seiner Rede im Sportpalast am 26. September 1938 zwei Tage vor der Münchner Konferenz vollmundig erklärt, was er Chamberlain gesagt habe: “Ich habe ihm weiter versichert und wiederhole es hier, daß es – wenn dieses Problem gelöst ist ist — (gemeint ist das Problem “Sudetenland”)für Deutschland in Europa kein territoriales Problem mehr gibt! “(online in www.ns-archiv.de/krieg/1938 )

Aber  nur drei Wochen später gibt er den Geheimbefehl zur Erledigung der “Resttschechei” Am 1. Oktober besetzen deutsche Truppen das Sudetenland. Vom 2.bis 10. Oktober besetzten polnische Truppen das Olsagebiet. Das ist in etwa das Gebiet des Herzogtums

Teschen im Habsburger Reich. Die Polen leiteten ihren Anspruch aus dem Zusatzabkommen zum Münchner Abkommen ab. “Sobald die Frage der polnischen und ungarischen Minderheiten in der Tschechoslowakei geregelt ist, werden Deutschland und Italien ihrerseits der Tschechoslowakei eine Garantie geben. “ Auch Ungarn machte daraus seine Ansprüche geltend und erhielt durch den Ersten Wiener Schiedsspruch vom 2. November 1938 den die Außenminister des Deutschen Reichs Ribbentrop und Italiens Ciano beschlossen hatten, in der Südslowakei und in der Karpatoukraine, wo eine ungarische Bevölkerungsmehrheit lebte, Gebiete zugesprochen.Berlin arbeitete weiter gezielt an der Destabilisierung der Tschechoslowakei. In der folge der Abtretungen musste die

Regierung den Provinzen Slowakei und Ruthenien eine umfassende Autonomie mit eigenem Parlament und eigener Regierung zugestehen. In der Slowakei war man damit aber nicht zufrieden. Slowakische Extremisten strebten eine Loslösung von der Tschechoslowakei mit totaler Selbstständigkeit an, voll unterstützt von Berlin. In einem Gespräch mit Ďurčanský, 1939-1940 Innen-und Außenminister des Slowakischen Staates sagte Hermann Göring: “Eine Tschechei ohne Slowakei ist uns, noch mehr, restlos

ausgeliefert.”(IMG Internationaler Militärgerichtshof Bd. III S. 171)

Seyss-Inquart schaltete sich ein. Er genoss bei den slowakischen Politikern Sidor, Tiso und Hlinka ein gewisses vertrauen, da er sich bei den Verhandlungen zum Wiener Schiedsspruch erfolgreich für die slowakischen Interessen eingesetzt hatte. Für ihn sprach auch, dass er wie  die slowakischen Politiker  eine katholische, konservative Herkunft hatte. Für Seyss-Inquart war es die Gelegenheit, verlorenen Boden gutzumachen.Aber auch Bürckel  mischte mit.

Am 9. März ließ Hacha, der seit dem Rücktritt von Benes Präsident der Tschechoslowakei war, die Slowakei besetzen. Die Zentralregierung setzte Tiso ab. Neuer slowakischer Regierungschef wurde Sidor. Berlin betrachtete auch nach seiner Absetzung Tiso noch als

legitimen Vertreter. Außerdem lehnte Sidor die Ausrufung der Selbstständigkeit der Slowakei ab.  Nun sollte Tiso den Slowakischen Staat ausrufen. Agenten des SD luden Tiso offiziell ein nach Berlin zu kommen. Auch ein Gespräch mit Hitler wurde in Aussicht gestellt. In Begleitung von Ďurčanský und Keppler traf er am 13. März in Berlin ein. Er hatte sich vorher von der neuen slowakischen Regierung die Zustimmung zur Reise nach Berlin geben lassen. Ribbentrop und Hitler verlangen von Tiso eine unverzügliche Entscheidung ob die Slowakei selbstständig werden wolle. Gleichzeitig informieren sie ihn über den ungarischen Truppenaufmarsch an der Slowakei. Doch auch Tiso will die Selbstständigkeit der Slowokei auf legalem Weg erreichen.

Er hatte schon vor seinem Abflug nach Berlin den slowakischen Landtag für den nächsten Tag einberufen. Tiso ist am nächsten Tag in Pressburg zurück. In einer kurzen Rede informiert er den Landtag über sein Gespräch in Berlin. Die Regierung Sidor tritt zurück.

Tiso erklärt “Kraft des Selbstbestimmungsrecht der Völker erkläre ich hiermit die Unabhängigkeit der Slowokei (nach Benoist-Méchin, Histoire de l’armée allemande Bd. 6, S. 65) Alle Abgeordneten erheben sich zum Zeichen der Zustimmung.

Am 18. März wurde zwischen der Slowakei und dem Deutschen Reich ein “Schutzvertrag” abgeschlossen.

Die Erledigung der  Resttschechei war nun auch rasch über die Bühne gegangen. Schon am 14. März überschreiten deutsche Soldaten die tschechische Grenze und besetzen Mährisch-Ostrau. Hácha war nach Berlin gebeten worden, wobei es so arrangiert worden war,

als ob der Gesprächswunsch von den Tschechen ausgegangen wäre. Es war nun keine Verhandlung die folgte, sondern ein Diktat. Hitler erklärt dem tschechischen Präsidenten, dass er den Befehl gegeben habe, in die Rest-Tschechoslowakei einzurücken und das es nur zwei Möglichkeiten gebe, entweder die tschechische Armee leiste keinen Widerstand, dann würde er der Tschechoslowakei die größtmögliche Autonomie gewähren, mehr als sie im Habsburger Reich gehabt hätte. Falls die Armee widerstand leiste, werde sie mit allen zur Verfügung stehenden Mittel vernichtet werden.Der aus dem Urlaub herbeigerufene Generalfeldmarschall setzt mit der Drohung nach, Prag bombardieren zu lassen. Hácha gibt nach und unterschreibt am frühen morgen eine Erklärung, dass er” das Schicksal des tschechischen Volkes vertrauensvoll in die Hände des Führers des Deutschen Reiches legt” (ADAP, Serie D, Bd.IV, Dokument 229)

Bis zum Abend hat die Wehrmacht die Landesteile Böhmen und Mähren besetzt. Am Abend traf Hitler in Prag ein. aus der Tschechoslowakei war das Protektorat Böhmen und Mähren geworden. Zum Reichsprotektor wird Konstantin Freiherr von Neurath bestellt.

Bürckel wurde Chef der Zivilverwaltung in Mähren mit Sitz in Brünn.

Die Zerschlagung der Tschechoslowakei wird international als Bruch des Münchner Abkommens angesehen. England, Frankreich, Polen, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion erkennen die faktische Annexion nicht an. Die USA verhängten ab dem 17. März

1939 einen Strafzoll in Höhe von 25 % auf alle deutschen Importe. Folgenreichste Entscheidung wie sich bald zeigen sollte, war eine Garantieerklärung, die England und Frankreich dem polnischen Staat am 31. März gaben.

Die Angliederung Böhmens und Mährens ohne Krieg, die Untätigkeit der Regierungen in London, Paris und Moskau sieht Hitler als Schwächezeichen und zieht den falschen Schluss, dass sie nicht in der Lage seien, sich zu einer Abwehr durchzuringen. Bestärkt wird er

in seiner Annahme dass die Botschafter Francois-Poncet und Henderson wiederholt militärisches Eingreifen angedroht hatte. Passiert war aber nichts.

Noch einmal fällt ein weiteres Gebiet ans Reich zurück. 1920 war das Memelland abgetrennt worden. Es wurde als Völkerbundsmandat unter französische Verwaltung gestellt. 1923 drangen litauische Soldaten und Freischärler in das Memelgebiet ein und vertrieben 200 französische Soldaten. Die Ständige Botschafterkonferenz der Siegermächte legt Protest ein. Litauen weigerte sich jedoch, das Memelland herauszugeben. Die Siegerstaaten gaben nach und übertrugen am 16. Februar 1923 die Souveränität über das Memelgebiet an Litauen. Der Völkerbund schloss aber nun mit dem Land Litauen die Memelkonvention .Als Anhang gehörte dazu das Memelstatut. Die litauische Regierung ist durch einem Gouverneur im Memelland vertreten. Ohne dass sie befragt wurden, werden die Memelländer Litauer. Ständige Reibereien sind an der Tagesordnung. Nach dem Österreich und das Sudetenland an das Deutsche Reich angeschlossen worden waren, wollen auch die Memelländer “heim ins Reich”.

Litauen will sich  nun seinen Anspruch auf das Memelland von Frankreich und England garantieren lassen, erhält die Garantie aber nicht.  Am 31. Oktober 1938 will Litauen die deutsch-litauischen Beziehungen neu zu gestalten und bittet um eine

Erklärung  Deutschlands  zur Unverletzbarkeit des litauischen Staatsgebiets. Da dies praktisch einen Verzicht auf das Memelland bedeutet, kommt diese Erklärung natürlich nicht. Vor weiteren Gesprächen verlangt Deutschland aber erst einmal die

völlige Einhaltung der Autonomie für das Memelland. Am 1. Dezember erklärt Litauen die Bereitschaft, dem Memelgebiet die volle Autonomie zu geben. Im Außenministerium werden zwei Vertragsentwürfe entworfen. Im Entwurf I steht

die Rückkehr des Memellands zu Deutschland  als Gegenleistung einen litauischen Freihafen und Wirtschaftsprivilegien in Memel. Entwurf II sieht nur die volle Autonomie für das Memelland vor. Am 11. Dezember 1938 finden wieder Wahlen statt.

die deutsche Liste erhält 87 % der Stimmen, was man auch als Votum der Bevölkerung für den Anschluss an das reich werten könnte. Am 20. März 19139 reist der litauische Außenminister Urbšys  nach Berlin. Dort wird er von Ribbentrop vor die Wahl

gestellt die Streitfrage gütlich zu lösen. Litauen gibt das Memelland zurück, dafür erhält es einen Freihafen. Falls nicht, haben die Militärs das Wort. Am Tag darauf berät das litauische Kabinett darüber. Am 22. März 1939 schließen Litauen und das Deutsche

Reich darüber einen Vertrag ab.

Heimkehr Memel

 

Danach ging es zielstrebig der nächsten militärischen Auseinandersetzung entgegen. Am 11. April gibt Hitler die “Weisung für die einheitliche Kriegsvorbereitung der Wehrmacht für 1939/40”. Darin ist der Fall Weiss, der die Planung für einen Angriff auf Polen enthielt.

Die englisch-französische Garantieerklärung für Polen, sowie die Weigerung Polens Zugeständnisse in der Korridor- Frage zu machen, nahm Hitler zum Anlass, am 28. April sowohl das englisch-deutsche Flottenabkommen als auch den Nichtangriffspakt mit Polen zu kündigen.

Am 23. Mai 1939 berief er die Oberbefehlshaber der Wehrmacht auf dem Oberberghof ein. Dort erklärte er den versammelten Kommandeuren, dass eine Auseinandersetzung mit Polen unvermeidlich sei und auch worum es vor allem gehe.

“Danzig ist nicht das Objekt, um das es geht. Es handelt sich für uns um die Erweiterung des Lebensraumes im Osten und Sicherstellung der Ernährung, sowie der Lösung des Baltikum- Problems. Lebensmittelversorgung ist nur von dort möglich, wo geringe Besiedelung herrscht. Neben der Fruchtbarkeit wird die deutsche, gründliche Bewirtschaftung die Überschüsse gewaltig steigern. “ (NS-Archiv, 23.05.1939).

Am 23. August 1939 unterzeichneten Ribbentrop und Molotow in Moskau in Anwesenheit Stalins den Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt. Er stand zwar im Widerspruch zu Hitlers bisherigen antibolschewistischen Haltung. Aber er vereitelte

die britisch-französischen Bestrebungen die Sowjetunion in eine Allianz gegen das nationalsozialistische Deutschland einzubinden. Vor allem hielt er ihm den Rücken frei zu einem Überfall auf Polen.

Im Geheimen Zusatzprotokoll wird auch die Aufteilung, Ausbeutung und Unterdrückung Europas durch das nationalsozialistische Deutschland und die stalinistische Sowjetunion aktenkundig gemacht.

“Aus Anlass der Unterzeichnung des Nichtangriffsvertrages zwischen dem Deutschen Reich und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben die unterzeichneten Bevollmächtigten der beiden Teile in streng vertraulicher Aussprache die Frage der Abgrenzung der beiderseitigen Interessenssphären in Osteuropa erörtert. Diese Aussprache hat zu folgendem Ergebnis geführt:

  1. Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung in den zu den baltischen Staaten (Finnland, Estland, Lettland, Litauen) gehörenden Gebieten bildet die nördliche Grenze Litauens zugleich die Grenze der Interessenssphären Deutschlands und der UdSSR. Hierbei wird das Interesse Litauens am Wilnaer Gebiet beiderseits anerkannt.
  2. Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung der zum polnischen Staate gehörenden Gebiete werden die Interessenssphären Deutschlands und der UdSSR ungefähr durch die Linie der Flüsse Narew, Weichsel und San abgegrenzt.
    Die Frage, ob die beiderseitigen Interessen die Erhaltung eines unabhängigen polnischen Staates erwünscht erscheinen lassen und wie dieser Staat abzugrenzen wäre, kann endgültig erst im Laufe der weiteren politischen Entwicklung geklärt werden.
    In jedem Falle werden beide Regierungen diese Frage im Wege einer freundschaftlichen Verständigung lösen.
  3. Hinsichtlich des Südostens Europas wird von sowjetischer Seite das Interesse an Bessarabien betont. Von deutscher Seite wird das völlige politische Desinteressement an diesen Gebieten erklärt.
  4. Dieses Protokoll wird von beiden Seiten streng geheim behandelt werden.

Moskau, den 23. August 1939.” (NS-Archiv, 23.8.1939)

Ab Ende August inszenieren SS-angehörige als polnische Freischärler getarnt immer wieder Grenzzwischenfälle. Die bekannteste war der angebliche Überfall auf den Sender Gleiwitz. Am 1. September erfolgt der Angriff auf Polen.

Im Reichstag hält Hitler die berühmte Rede:”Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen! Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten! Wer mit Gift kämpft, wird mit Giftgas bekämpft. Wer selbst sich von den Regeln einer humanen Kriegsführung entfernt, kann von uns nichts anderes erwarten, als dass wir den gleichen Schritt tun. Ich werde diesen Kampf, ganz gleich, gegen wen, so lange führen, bis die Sicherheit des Reiches und bis seine Rechte gewährleistet sind” Er hatte eigentlich fest damit gerechnet, dass

England und Frankreich “nur mit dem Säbel rasseln” würden. Umso mehr war er erschüttert, als ihm die beiden Westmächte noch am Abend des 1. September eindeutige Ultimaten überreichen ließen und am 3. September den Krieg erklärten.

Allerdings griffen sie noch nicht aktiv in den Krieg ein. An Kopfstärke gemessen Angreifer waren der polnischen Armee gleich. Rüstungstechnisch und an Beweglichkeit war die Wehrmacht aber weit überlegen. Das taktische Konzept war von dem Zusammenspiel von Luftwaffe und Heer bestimmt. Vom ersten Tag an führte die Wehrmacht den Krieg mit grausamer Härte. Schon am 6. Oktober kapitulierten die letzten Truppenteile. Die Sowjetunion und Deutschland teilten Polen unter sich auf, wie sie es in ihrer Zusatzvereinbarung zum Nichtangriffspakt abgemacht hatten. Die deutsch besetzten Gebiete wurden als Danzig-Westpreussen und Wartheland als Reichsgaue in das Deutsche Reich inkorporiert. Was nicht in der sowjetischen Interessensphäre lag, wurde

“Restpolen” in einem Generalgouvernement okkupiert und ausgebeutet.

Im Westen kam es zunächst zum Sitzkrieg oder französisch drôle de guerre. Frankreich startete am 9. September die Saaroffensive und überschritt im Saarland die Grenze. Die Wehrmacht zog sich hinter den Westwall zurück. Frankreich war nicht auf einen

Offensivkrieg vorbereitet und auf deutscher Seite gab es einen Führerbefehl, der untersagte, die Grenze ohne ausdrückliche Genehmigung Hitlers zu überschreiten. Man wollte auf jeden fall einen Zweifrontenkrieg vermeiden.

Am 9. April 1940 begann das Unternehmen “Weserübung”. Das war die Besetzung Norwegens und Dänemarks zum einen um sich die Häfen Norwegens zu sichern, zum andern um eine Seeblockade zu verhindern. Außerdem sollte die Kontrolle der Ostseezugänge

und vor allem die Eisenerzversorgung aus Schweden gesichert werden. Am 10. April 1940 begann der insgesamt 29 mal verschobene Westfeldzug. Am 10. Januar gelangten die Belgier und damit auch die Engländer und Franzosen in Besitz des Plans für einen wichtigen Teil des deutschen Einfalls in Frankreich und der Niederlande. Ein Kurier sollte die Unterlagen zu einer Stabsbesprechung nach Köln bringen. Dort wurde er aufgehalten. Er erhielt ein Angebot in einer Kuriermaschine der Luftwaffe mitzufliegen.

Er nahm es an trotz strengen Verbotes, Geheimsachen auf dem Luftweg zu befördern. Der Pilot verflog sich bei dichtem Nebel und landete in Belgien. Bevor die Akten vernichtet werden konnten, trafen belgische Gendarmen ein. Daraufhin wurde ein völlig

neuer Angriffsplan ausgearbeitet. Erich von Manstein erarbeitete den “Sichelschnittplan” . Statt wie leicht vorauszuberechnen ähnlich wie im Schlieffenplan im 1. Weltkrieg in einer Umfassungsbewegung durch Belgien nach Frankreich vorzustoßen,

änderte er die Angriffsrichtung. Der Angriffsschwerpunkt sollte nun in den Ardennen liegen. Diese bewaldete Bergland schien Frankreich nicht für einen Panzerangriff geeignet zu sein. Entsprechend schwach waren die dort postierten Einheiten.

Das Überraschungsmoment war voll auf deutscher Seite. Zwar gelang es den Belgiern fast alle Brücken zu sprengen. Obwohl das Marschtempo so erheblich eingeschränkt wurde, erreichten die Spitzen der Panzertruppe General Guderians bereits am 12. Mai die Maas. Am 18. Mai war bereits die Kanalküste erreicht. Am 24. Mai wurde Dünkirchen erreicht. Dort war das britische Expeditionskorps. Es konnte aber entkommen, nicht zuletzt wegen des Haltebefehls, den Rundstedt gegeben hatte. 338.000 Mann konnten übergesetzt werden. In Frankreich hinterließ die Evakuierung aber auch ein Gefühl des Im Stich gelassen seins. Der Krieg in Frankreich war rasch zu Ende. Am 14. Juni marschierte die Wehrmacht in Paris ein. Am 22. Juni wurde in Compiegne der Waffenstillstand geschlossen. Hitler machte daraus seinen persönlichen Triumph. Schon der Ort war mit Bedacht ausgewählt. Dort hatte 22 Jahre zuvor Matthias Erzberger die deutsche Kapitulation unterschreiben müssen. Sogar den Waggon in dem das stattgefunden hatte,

hatte Hitler aus dem Museum holen lassen und auf die Gleise stellen lassen. Die “Vorrede” zum Waffenstillstandsabkommen drückt genau dieses aus.

“Wenn zur Entgegennahme dieser Bedingungen der historisch Wald von Compiègne bestimmt wurde,  dann geschah es, um durch diesen Akt einer
wiedergutmachenden Gerechtigkeit — einmal für- immer – eine Erinnerung zu löschen, die für Frankreich kein Ruhmesblatt seiner Geschichte war, vom
deutschen Volke aber als tiefste Schande aller Zeiten, empfunden wurde. (online unter www.zaoerv.de)

Der Sieg über Frankreich wurde vom Nationalsozialismus als dreifacher Triumph empfunden. Einmal war es das Ende eines Ringens über drei Jahrhunderte hinweg. Und Deutschland war schließlich siegreich geblieben. Ludwig XIV. hatte den Kampf

um die Rheinlinie begonnen. Stück um Stück ging in dessen Verlauf für das Deutsche Reich verloren. Dann war es der Sieg “über die abgelegten Ideale” von 1789, über die “Untermenschenrevolution” (Zitat aus Das Schwarze Korps, vom 22.08. 1940)

mit Postulaten der Menschenrechte, der parlamentarischen Regierungsform, der Demokratie, “den sanften Idealen und der brutalen Wirklichkeit” (Eugen Mündler im “Reich” vom 21.7. 1940). Auch über die Urheber und Hüter der Versailler Ordnung wurde triumphiert. Frankreich und England hatten ja den Völkerbund dominiert und dabei die kleinstaatliche Klientel bedient. Im kleinen Kreis wurden nun die Pläne für die Aufteilung Frankreichs erörtert. Burgund stand im Blickpunkt der publizistischen Vordenker.

Gehörte es ihrer Meinung nach zum  “germanischen Kreis” wie die Champagne und Elsass-Lothringen. Himmler hatte in Burgund die deutschen Südtiroler ansiedeln wollen. In Elsass-Lothringen wurde eine Politik der Rückgliederung schon in den ersten

Anordnungen der Militärverwaltung im Jahre 1940 erkennbar. Das Vorgehen wurde gleichermaßen bestimmt durch das Verlangen nach Wiedergutmachung der Inbesitznahme von 1681 und 1918 wie auch dem germanischen Blut-und Rassemythos.

Man führte den Begriff des volksdeutschen Elsass-Lothringer ein, um die alteingesessene Bevölkerung von der 1918 zugewanderten französischen Bevölkerung zu unterscheiden. (zu diesem kurzen Abschnitt der Aufsatz “Nationalsozialistische Europaideologie”

von Paul Kluke in Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte online www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1955_3_2_kluke.pdf)

Zurück zu Bürckel.

Am 2. 8. 1940 unterzeichnete Hitler einen Geheimerlass. Damit ernannte er die Gauleiter Bürckel Westmark und Wagner Baden als Chefs der Zivilverwaltung CdZ in Lothringen bzw. im Elsass.(Institut für Zeitgeschichte Fb 91 Fotokopie) Wie das schon bei Bürckel in Österreich geschehen war, wurden sie einerseits Hitler unmittelbar unterstellt andererseits waren sie an die fachlichen Weisungen der obersten Reichsbehörden gebunden. Dies zeigte, dass Hitler gewillt war, Elsass-Lothringen dem Deutschen Reich einzuverleiben. In einer Besprechung mit den beiden Gauleitern erläuterte Hitler seine Zielvorstellung, dass Elsass-Lothringen in 10 Jahren völlig deutsche Gebiete würden.

Am 2. August 1940 wurde Bürckel in seinen Funktionen als Gauleiter und Reichsstatthalter durch Baldur von Schirach abgelöst. Dieser war vorher Reichsjugendführer. Nach seiner Ernennung zum Gauleiter von Wien wird er Beauftragter der für die Inspektion der

gesamten HJ. Außerdem wird er ab September mit der Kinderlandverschickung beauftragt. Während des Zweiten Weltkriegs waren rund 5 Millionen Kinder und Jugendliche aus den durch Luftangriffen bedrohten Städten evakuiert worden.

In Wien wurde Bürckel keine Träne nach geweint, weder von den Wienern noch von vielen Parteifunktionären. Wie schon öfters gezeigt stieß er öfters auch mit Ministern zusammen, da er von niemanden einen Kompetenzrahmen respektierte,

wenn es um die Durchsetzung seiner Vorstellungen ging. Er konnte sich das leisten, da er bei Hitler in höchstem Ansehen stand und von dort praktisch immer Rückendeckung erhielt. In Wien kam seine joviale Pfälzer Art nicht an. Hinter vorgehaltener

Hand sprach man vom “Bierleiter Gauckel”, womit auch auf seine Affinität zum Alkohol angespielt wurde. Am 10. August wurde er offiziell verabschiedet. Von Heß bekam er ein persönliches Schreiben von Hitler überreicht. Er erhielt zahllose Geschenke.

Der Dr.Ignaz-Seipel-Ring wurde in Josef-Bürckel-Ring umbenannt. Allerdings erhielt er am 27. April 1945 seinen alten Namen zurück.

 

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Ein weiteres Kapitel bleibt mit dem Namen der beiden Gauleiter verbunden, nämlich die Deportation von rund 6500 badischer und pfälzer Juden nach Gurs.  In der Nacht vom 20. auf 21. Oktober 1940 zum Abschluss des Laubhüttenfestes musste sich die

jüdische Bevölkerung reisefertig machen. Sie hatte dazu nur rund 2 Stunden Zeit. Nur 50 Kilo Gepäck und eine Barschaft von 100 Reichsmark durfte mitgenommen werden. In sieben Eisenbahnzügen aus Baden und zwei aus der Pfalz wurden die Deportierten nach

Gurs am Fuß der Pyrenäen deportiert. Organisiert hatte die Züge Adolf Eichmann. Gurs war ursprünglich als Internierungslager für politische Flüchtlinge und Kämpfer im Spanischen Bürgerkrieg eingerichtet worden. Für so viele Menschen war

das Lager ursprünglich natürlich nicht vorgesehen. Entsprechend katastrophal waren die hygienischen Bedingungen. Im Schnitt starben täglich sieben Menschen. Die beiden Gauleiter aber konnten am Abend der Deportation stolz nach Berlin

melden “Mein Gau ist judenfrei”. Ab September 1941 wurde mit den ersten Vergasungen in Auschwitz begonnen. Ab August 1942 wurden die Insassen, die bisher in Gurs überlebt hatten, in die Vernichtunsglager im Osten weiter transportiert und

dort umgebracht.

Vor den letzten Lebensjahren von Bürckel nochmal ein Blick auf das Gesamtgeschehen.

Nachdem Frankreich kapituliert hatte, ging der Krieg trotzdem weiter, weil  Großbritannien das sogenannte Friedensangebot vom 19. Juli 1940 nicht annahm. Mit der Weisung 16 vom 16.Juli 1940 hatte Hitler die Vorbereitung zu einer Landungsoperation

gegen England vorzubereiten, die dann unter dem Namen Unternehmen Seelöwe lief. Die Vorbereitung sollte Mitte August abgeschlossen sein. “Die englische Luftwaffe muss moralisch und tatsaechlich so weit niedergekaempft sein, dass sie keine nennenswerte Angriffskraft dem deutschen Uebergang gegenueber mehr zeigt. “ hieß es in der Weisung. Am 2. Juli begann nun Göring die “Luftschlacht um England”. Zunächst erfolgte eine begrenzte Offensive gegen die Schifffahrt im Ärmelkanal. Ziel war auch, die

RAF durch die Vernichtung ihrer Flugzeuge in der Luft zu schlagen.Aber die deutsche Luftwaffe erlitt  sehr schnell große Verluste. Zwar konnte die Luftwaffe die Luftwaffe die Infrastruktur der britischen Armee schädigen, aber sie schaffte es weder die Lufthoheit zu erringen, noch dauerhaft das britische Potential an Flugzeugen und Piloten dauerhaft auszuschalten.Göring und Hitler hatten sich entschieden, London anzugreifen. Auch die Industriestädte Coventry und Birmingham waren Ziel der Angriffe.

Aber man schaffte es nicht, die Industrie entscheidend zu treffen oder die Bevölkerung zu demoralisieren. Die RAF und ihre Stützpunkte blieben durch die Zielverlagerung aber verschont. Die ohnehin bescheidenen Ressourcen an Menschen und Material wurden weiter zersplittert. Die Luftwaffe war so an keiner Front schlagkräftig genug, um den englischen Widerstand zu brechen. Eine weitere Folge war, dass die ins Auge gefasste Landungsoperation auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste.

Erstmals war es Hitler nicht gelungen, einem Land seinen willen aufzuzwingen.

Dafür dachte er an einen Angriff auf die Sowjetunion. “Lebensraum im Osten”. Schon in “Mein Kampf” hatte er geschrieben: “Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewußt einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir schließen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über zur Bodenpolitik der Zukunft. Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Rußland und die ihm untertanen Randstaaten denken” (Adolf Hitler: Mein Kampf. Zwei Bände in einem Band. S. 742.)

So gab er am 18. November 1940 die Weisung Nr. 21 “Fall Barbarossa” heraus

“Die deutsche Wehrmacht muss darauf vorbereitet sein, auch vor Beendigung des Krieges gegen England Sowjetrussland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen (Fall Barbarossa).

Das Heer wird hierzu alle verfügbaren Verbände einzusetzen haben mit der Einschränkung, dass die besetzten Gebiete gegen Überraschungen gesichert sein müssen.” (online www.1000dokumente.de). Das war er konkrete Angriffsplan.

Italien seit dem Dreimächtepakt, der am 27. September 1940 in Berlin zwischen Italien, Japan und Deutschland geschlossen worden war, Deutschlands Kriegsverbündeter führte seit September 1940 einen Parallelkrieg in Nordafrika und im Mittelmeerraum.

Mit Verspätung startete am 9. September eine italienische Offensive gegen das von Großbritannien besetzte Ägypten. Ziel war es, den Suezkanal unter Kontrolle zu bringen. Nach Anfangserfolgen kam die Offensive ins Stocken und blieb weit hinter den

Erwartungen zurück. Am 28. Oktober begann Italien mit der Invasion in Griechenland. Das verbesserte die Lage in Ägypten natürlich nicht, sondern lenkte lediglich die Aufmerksamkeit ab. Mussolini glaubte an einen raschen Sieg. der Einmarsch entwickelte

sich aber zu einem Fiasko für den Duce. Die griechischen Truppen waren gut organisiert und kannten sich in dem schwierigen Gelände natürlich bestens aus. Die Italiener wurden in nur 14 Tagen über die Grenzen Albaniens zurückgedrängt.

In Nordafrika hatte Großbritannien einen erfolgreichen Gegenangriff zur Rückeroberung gestartet. Dieser verlief so erfolgreich, dass die italienische 10. Armee in Nordafrika fast vollständig aufgerieben wurde. Hitler zögerte lange, weil es natürlich den

geplanten Feldzug gegen Russland beeinträchtigte. Am 11. Januar gab er  mit der Weisung Nr. 22 schließlich den Einsatzbefehl für das Afrikakorps unter General Erwin Rommel. Rommels Meinung stand in krassem Gegensatz zu der des italienischen

Generals Gariboldi, der auf Defensive setzte. Rommel begann am 31. März eigenmächtig den Vormarsch und warf mit seiner Taktik des mobilen Wüstenkriegs die englischen Truppen rasch 800 Kilometer zurück und kam erst bei Tobruk zum Stehen.

Rommels Truppen waren allerdings zu schwach, um Tobruk einzunehmen. Nach schweren Verlusten befahl Rommel, die Eroberung dieser Hafenstadt zunächst zurückzustellen. Da das Afrikakorps mit schweren Versorgungsengpässen zu kämpfen hatte,

konnte man keine weiteren Vorstöße in Richtung Osten machen. Es kam zum Stellungskrieg bei Tobruk/Sollum. Im November begann Großbritannien mit der Operation Crusader. Die Besatzung von Tobruk konnte ausbrechen und es gelang den Engländer,

die deutschen Truppen fast auf ihre Ausgangsstellungen in der Cyrenaika zurückzuwerfen. Von Malta aus hatten britische U-Boote und Flieger die italienischen und deutschen Nachschubwege nach Nordafrika massiv gestört.

Anfang Januar flog nun die Luftflotte 2 Angriffe auf wichtige Knotenpunkte in Malta. Nun lief der Nachschub für eine Zeit wieder störungsfrei und Rommel konnte wieder die Initiative zurückgewinnen. Frisch herangeführte Verstärkungen und die Luftunterstützung ermöglichten ihm den Gegenangriff. Am 26. Mai startete eine neue Offensive mit dem Ziel Tobruk zu erobern. Das gelang am 20. Juni 1942. Die NS-Propaganda feierte diesen Handstreich und Rommel wurde zum Generalfeldmarschall befördert.

Die Panzertruppen kamen bis El Alamein. das ist 100 Kilometer vor Alexandria.Die Stadt sollte genommen werden und der Suezkanal besetzt werden. Hitler plante bereits, nach der Einnahme des Suezkanals weiter nach Vorderasien und bis nach Indien

Bundesarchiv_Bild_101I-786-0327-19,_Nordafrika,_Erwin_Rommel_mit_Offizieren

vorzustoßen und von dort die englischen Kolonien zu bedrohen. Soweit kam es aber nicht. die Engländer hatten vor El Alamein einen Verteidigungsgürtel aufgebaut. Südlich davor war sumpfiges Gelände, so dass der Gürtel nicht umgangen werden konnte.

Versorgungsengpässe waren aufgetreten. Die Offensive blieb stecken. Rommel wollte nun im August die Entscheidung erzwingen. Aber entgegen der Erwartungen war die Nachschubversorgung wesentlich schlechter geworden, da britische U-Boote immer mehr Schiffe versenken konnten. Außerdem war es dem britischen Nachrichtendienst gelungen, wichtige Erkenntnisse aus der Entschlüsselung des verschlüsselten geheimen deutschen Nachrichtenverkehrs zu gewinnen. So kannte die britische Armee bereits

vor dem Angriff der Deutschen die Angriffsschwerpunkte. So war der Widerstand wesentlich stärker. die angestrebten Ziele wurden nicht erreicht und der gewonnene Boden musste wieder aufgegeben werden.

Am 13. August 1942 übernahm Bernhard Montgomery den Oberbefehl über die 8. Armee, die in Nordafrika kämpfte. Am 23. Oktober startete er bei El Alamein den Gegenangriff gegen die Achsenmächte. Die kräftemäßig unterlegenen deutschen und Italiener wurden zum Rückzug nach Libyen gezwungen. Am 8. November 1942 landeten in Marokko und Algerien 100.000 Mann frische Kräfte aus Amerika und Großbritannien. Nun wurde ein Zweifrontenkrieg gegen das Afrikakorps eröffnet. Tobruk fiel am

13. November wieder an die Briten zurück. An der Ostfront (dazu später) war die Lage ebenfalls kritisch geworden das Desaster von Stalingrad bahnte sich an. Das Oberkommando der Wehrmacht konnte deshalb dem Afrikakorps kaum Verstärkung anbieten.

Das Kräfteverhältnis hatte sich inzwischen total verändert. Den Truppen der Achsenmächte standen 500.000 alliierte Soldaten gegenüber. Das waren doppelt soviel. Dazu verfügten die Alliierten über die vierfache Zahl an Panzern und die totale Luftüberlegenheit.

Ende Januar musste Libyen aufgegeben worden. Im März und April wurden die Soldaten der Achsenmächte eingeschlossen. Rommel flog nach Deutschland und schlug Hitler vor, das Afrikakorps nach Europa zurückzuziehen. Hitler blieb stur und verweigerte das wütend.Die Folge 230.000 Mann gerieten in Kriegsgefangenschaft. Die alliierten hatten nun die Kontrolle über den Mittelmeerraum und damit gute Voraussetzungen für die Landung auf Sizilien.

Auch auf dem Balkan hatte das militärische Vorgehen Italiens Hitler zum Eingreifen gezwungen, obwohl seit November 1940 Russland das Ziel war. Im Herbst hatten Italien und Deutschland die Balkanländer umworben. Schon vor dem Krieg waren sie wichtige

Rohstoff-und Nahrungsmittellieferanten. Am 27. Mai 1940 wurde der Öl-Waffen Pakt abgeschlossen. Er sah rumänisches Öl gegen deutsche Waffen vor. Es war vor allem für die deutsche Seite ein profitables Geschäft. Der Pakt legte eine feste Preisrelation für die von  Rumänien zu liefernden Mineralölerzeugnissen und den Waffen, die es dafür bekam fest und zwar unabhängig von den jeweiligen Tagespreisen am Markt. Am 23. November schließlich trat Rumänien dem Dreimächtepakt bei, um sich vor einer sowjetischen

aber auch vor einer deutschen Aggression zu schützen. Bulgarien hatte unter Zar Boris der Deutschen Wehrmacht zunächst ein Durchmarschrecht nach Griechenland eingeräumt. Am 1. März 1941 trat es dem Pakt bei. Am 25. März 1941 trat schließlich

noch das Königreich Jugoslawien bei unter Prinz Paul ein. Allerdings kam es zwei Tage später zu einem probritischen Militärputsch. Hitler akzeptierte den Versuch der neuen Regierung unter General Simovic nicht, zu einer neutralen Politik zurückzukehren und

begann am 6. April 1941 mit dem Angriff auf Jugoslawien. In der Weisung 25 vom 27.3.1941 hört sich das so an “Der Militärputsch in Jugoslawien hat die politische Lage auf dem Balkan geändert. Jugoslawien muss auch dann, wenn es zunächst Loyalitätserklärungen abgibt, als Feind betrachtet und daher so rasch als möglich zerschlagen werden.” Der Angriff auf Griechenland begann zur selben Zeit. Beide Staaten waren ohne Kriegserklärung oder vorheriges Ultimatum angegriffen worden. Insgesamt kämpften 33 Divisionen mit

680.000 Mann auf deutscher Seite. Belgrad wurde schon am 12. April eingenommen. Am 17. April kapitulierten die jugoslawischen Streitkräfte. Jugoslawien wurde in 10 Teile mit unterschiedlichem staatsrechtlichen Status aufgeteilt. Kroatien erklärte sich am 15. April zum unabhängigen Staat Kroatien.Dort etablierte sich ein Vasallenstaat unter Führung der Ustascha, auf Deutsch “Der Aufständische-Kroatische revolutionäre Organisation”. Serbien wurde stark verkleinert und umfasste nur noch ein  viertel der

Gesamtfläche des ehemaligen Jugoslawiens. Etwa 180.000 Serben wurden zum Arbeitseinsatz nach Deutschland verschleppt.

In Griechenland marschierten die deutschen Truppen unter Generalfeldmarschall List über Bulgarien ein.Auch hier kamen die Truppen rasch vorwärts. Am 20. April ordneten die Briten die Evakuierung ihrer Truppen zunächst nach Kreta und dann nach Ägypten an. Über 50.000 Mann konnten entkommen. Die griechische Armee kapitulierte am 20. April vor dem SS Obergruppenführer Sepp Dietrich und dann nochmals zwei Tage späte, weil die italienische Armee ihre kämpferische Leistung nicht genügend gewürdigt sah,

offiziell gegenüber Deutschland und Italien. Am 27. April wurde Athen eingenommen. Der Feldzug endete am 29. April mit der Einnahme von Kalamata im Süden der Peloponnes. Kreta wurde in der Zeit vom 21. Mai bis 1. Juni in einer äußerst verlustreichen

Luftlandeoperation eingenommen.

Beide Länder waren besiegt. Doch es folgte ein Partisanenkrieg, der von deutscher Seite aus mit unerbittlicher Härte geführt wurde. In Jugoslawien, in Griechenland und auf Kreta beging die Wehrmacht schwere Kriegsverbrechen.

So wurden in Kalvrita im Aroania-Bergmassiv im Dezember über 800 Jungen und Männer in einer 5 Stunden dauernden Massenhinrichtung erschossen. In dieser gesamten Bergregion wurden in den Dezembertagen über 1300 Griechen umgebracht,

28 Dörfer und Klöster wurden niedergebrannt. In Kommeno in Epirus wurden über 300 Dorfbewohner brutal ermordet. In Distomo am Fuße des Parnass-Gebirges kamen über 200 Menschen ums Leben. Obwohl die Einheitsführer, die die Aktionen

angeordnet hatten, bekannt sind, kam es zu keiner Verurteilung. Zwar wurde bei dem Distomo Massakers ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes eingeleitet, dieses aber nach drei Jahren wegen Verjährung wieder eingestellt.

Der Balkanfeldzug verschob den Angriff auf die Sowjetunion um 4 Wochen. Am 22. Juni 1941 übergibt der deutsche Botschafter Friedrich Werner Graf von der Schulenburg dem sowjetischen Außenminister Molotow ein “Memorandum”.

Darin steht, die Sowjetunion habe den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt durch den Aufmarsch der roten Armee an der Grenze  sowie durch die Annexion Ostpolens und der baltischen Staaten gebrochen. Dieser Bedrohung müsse die Wehrmacht mit allen Machtmitteln entgegentreten. Das Wort “Kriegserklärung” durfte auf Hitlers Befehl nicht verwendet werden. Zu dem Zeitpunkt der Übergabe des Memorandum bombardierte die Luftwaffe sowjetische Städte schon seit drei Stunden.

Juristisch war das Feld schon ab März vorbereitet worden. Am 13. Mai kam der “Erlass über die Ausübung der Kriegsgerichtsbarkeit im Gebiet „Barbarossa“und über besondere Massnahmen der Truppe” heraus. Darin wird festgelegt, dass Straftaten

feindlicher Zivilpersonen der Zuständigkeit von Kriegsgerichten und Standgerichten bis auf weiteres entzogen und dass Freischärler “durch die Truppe im Kampf oder auf der Flucht schonungslos zu erledigen” sind. Gegen Ortschaften

“aus denen die Wehrmacht hinterlistig oder heimtückisch angegriffen wurde” werden unverzüglich kollektive Gewaltmassnahmen durchgeführt, falls ein Täter nicht rasch festgestellt werden kann oder  die Umstände dies nicht zulassen.

Zum Freibrief für Verbrechen wird die durch die Bestimmung “Für Handlungen, die Angehörige der Wehrmacht und des Gefolges gegen feindliche Zivilpersonen begehen, besteht kein Verfolgungszwang, auch dann nicht, wenn die Tat zugleich ein militärisches Verbrechen oder Vergehen ist.”

Die “Aktennotiz über Ergebnis der heutigen Besprechung mit den Staatssekretären über Barbarossa, 2. Mai 1941” lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und wurde  am 26. November 1945 im Nürnberger Prozess von dem amerikanischen Anklagevertreter Sidney S. Alderman verlesen.Er sagte dazu: „Noch niemals ist wohl ein unheilvollerer Satz niedergeschrieben worden, als der Satz in dieser Urkunde” Es geht um die ersten beiden Punkte in diesem Dokument.

“1.) Der Krieg ist nur weiter zu führen, wenn die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr aus Rußland ernährt wir.

2.) Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.”

Komplettiert wurden diese Bestimmungen mit dem sogenannten Kommissarbefehl vom 6. Juni 1941: “Richtlinien für die Behandlung politischer Kommissare. Im Kampf gegen den Bolschewismus ist mit einem Verhalten des Feindes nach den Grundsätzen der Menschlichkeit oder des Völkerrechts nicht zu rechnen. Insbesondere ist von den politischen Kommissaren aller Art als den eigentlichen Trägern des Widerstandes eine hasserfüllte, grausame und unmenschliche Behandlung unserer Gefangenen zu erwarten. Die Truppe muß sich bewußt sein: 1. In diesem Kampf ist Schonung und völkerrechtliche Rücksichtnahme diesen Elementen gegenüber falsch. Sie sind eine Gefahr für die eigene Sicherheit und die schnelle Befriedung der eroberten Gebiete. 2. Die Urheber barbarisch asiatischer Kampfmethoden sind die politischen Kommissare. Gegen diese muß daher sofort und ohne weiteres mit aller Schärfe vorgegangen werden. Sie sind daher, wenn im Kampf oder Widerstand ergriffen, grundsätzlich sofort mit der Waffe zu erledigen. “

(NS-Archiv Dokumente zum Nationalsozialismus –online)

121 Divisionen mit 3 Millionen deutscher Soldaten und weiterer 600.000 aus Italien, Ungarn, Finnland, Rumänien und der Slowakei waren beteiligt. (Zahlen unter anderem bei David Glantz Stumbling Colossus. The Red Army on the Eve of World War. University of Kansas Press, Lawrence 1998, S. 295.) Die Front war 2130 Kilometer lang. Die Heeresgruppe Mitte unter  Generalfeldmarschall von Bock war die stärkste der drei Heeresgruppen. Sie kam auch sehr rasch voran. Am 30. Juni wurde die Grenzstadt Brest-Litowsk eingenommen. Die Kesselschlacht bei Bialystok- Minsk war die erste große Kesselschlacht des Rußlandfeldzugs. An der sowjetischen Westfront standen 46 Divisionen. Elf konnten  ausbrechen.28 Divisionen und 7 Panzerdivisionen mit 325.000 Mann, 1.809 Geschützen und 3.332 Panzern  wurden geschlagen, die Soldaten größtenteils gefangen genommen. Den Kommandanten der Westfront Pawlow machte Stalin für die Niederlage verantwortlich und ließ ihn nach Moskau kommen. dort wurde er vor ein Kriegsgericht gestellt und erschossen. In der Gegend um Smolensk hatte die Rote Armee eine neue Verteidigungslinie aufgebaut. Smolensk ist etwa 330 Kilometer von Minsk entfernt. Auch hier gelang es der Wehrmacht starke Kräfte einzukesseln.

Über 300.000 Rotarmisten und etwa 3000 Panzer waren eingeschlossen. Zeitweise konnte die Rote Armee den Kessel aufbrechen und zahlreiche Truppen verlegen. Auch in der Schlacht bei Smolensk hatte die Rote Armee enorme Verluste

zu verzeichnen. Vom 10. Juli bis 10. September waren das 760.000 Mann, davon 468.000 gefallen, vermisst oder in Gefangenschaft geraten, 274.000 verwundet. Aber auch die Wehrmacht hatte enorme Verluste. Und sie hatte auf dem Weg nach

Moskau viel Zeit verloren, denn die rote Armee hatte rund zwei Monate standgehalten. Das bot Zeit und Gelegenheit die Verteidigung von Moskau auszubauen. Die Wehrmacht war jetzt nur noch 400 Kilometer von Moskau entfernt.

Die Heeresgruppe Süd unter Generalfeldmarschall von Rundstedt konnte am 29. Juni bei der Panzerschlacht von Dubno-Luzk-Riwne fast das gesamte Mechanisierte Korps der Roten Armee vernichten. Darauf folgte die Kesselschlacht bei Uman.

Dabei eroberte sie über 300 Panzer und 850 Geschütze unzerstört. 103.000 Mann kapitulierten. Die Einschließungskräfte für den Kessel waren aber relativ schwach, so dass zehntausende Rotarmisten entkommen konnten. Ihre schweren Waffen und

Ausrüstung mussten sie allerdings zurücklassen. Die Heeresgruppe Süd beherrschte nun den Dnepr-Bogen. Das Hinterland der Ukraine war nun offen. Die verlorene Schlacht war der erste Schritt zur Eroberung der Ukraine.

Die deutsche Generalität sah das vorrangige Ziel nun in einer sofortigen Einnahme Moskaus. Es hatte eine wichtige geographische Bedeutung, war Verkehrs und Nachrichtenzentrale und ein wichtiges Industriegebiet und natürlich

politischer Mittelpunkt. Hitler dagegen wollte die für den Ostseeraum, die Ukraine und den Süden lebenswichtigen Resourcen zerstören oder unter deutsche Kontrolle bringen. Hitler lehnte die Vorschläge des Generalstabs rundheraus ab

Er bestand darauf, nach Leningrad im Norden und Kiew im Süden vorzustoßen, setzte sich durch. – und hatte Erfolg. Am 26. September endete die Kesselschlacht von Kiew. Nochmals waren 600.000 Rotarmisten in Gefangenschaft geraten. Über 800

Panzer waren erbeutet worden,über 400 Pak und über 3000 Geschütze. Die Einnahme bereitete allerdings nachträglich noch große Probleme. Es waren viele durch Funk auszulösende Sprengungen vorbereitet worden. Ein solcher Sprengsatz löste am 25. September

einen Großbrand aus, der erst am 29. September unter Kontrolle gebracht werden konnte und für große Verluste der deutschen Verbände in der Stadt sorgte.

Die frappierend schnellen siege, die enorme zahl an Kriegsgefangenen blendete die deutsche Führung. Schon im Juli hielt General Halder den Feldzug für gewonnen.

Die Zeit war aber knapp geworden. Der russische Winter war nicht mehr allzu fern und erfahrungsgemäß kam vor dem ersten Frost eine mehrwöchige Schlammperiode. Am 30. September startete die Offensive unter dem Decknamen Taifun.

Hitler wollte mit diesem Unternehmen vor Einbruch des Winters die russischen Truppen vor Moskau “entscheidend” schlagen.Seine Soldaten sollten “zu dem letzten gewaltigen Hieb, der noch vor dem Einbruch des Winters diesen Gegner zerschmettern soll“

ansetzen und auch die historische Dimension lieferte Hitler in seinem Tagesbefehl am 2. Oktober 1941 verlesen ließ. Sie sollten nicht nur das deutsche Reich sondern ganz Europa vor einer Gefahr schützen„wie sie seit den Zeiten der Hunnen und später der Mongolenstämme entsetzlicher nicht mehr über dem Kontinent schwebte“ und weiter „Dieser Feind besteht nicht aus Soldaten, sondern zum großen Teil nur aus Bestien.“  (zitiert in Die Zeit vom 13. Dezember 1991)

Zwar warnten auch diesmal die Generale eindringlich, dass weder die Ausrüstung ausreichend noch der Nachschub gewährleistet sei. Aber sie beugten sich auch dieses Mal. Und wieder schien der Führer recht zu behalten in den Kesselschlachten von Wjasma und Brjansk wurden nochmals 673.000 sowjetische Soldaten gefangen genommen und über 1300 Panzer erbeutet.

Die Wehrmacht war nun bis an den äußeren Verteidigungsring Moskaus gelangt. Aber nun setzte die Schlammperiode ein. Der Angriff blieb buchstäblich im Schlamm  stecken.

Unbenannt

Der Nachschub war wegen der aufgeweichten Wege und Straßen kaum mehr zu bewältigen und sank von 900 Tonnen täglich auf 20 Tonnen. Erst als im November leichter Frost einsetzte, waren die Straßen wieder befahrbarer. Aber es dauerte dann fast noch

zwei Wochen, bis genug Treibstoff und Munition angeliefert war, um die Offensive fortzusetzen. Nun setzte strenger Frost ein. Die Temperaturen sanken auf – 35 °, aber die deutschen Soldaten hatten immer noch keine Winterkleidung, was hohe Ausfälle

durch Erfrierungen zur Folge hatte. Die schützende Winterkleidung lagerte irgendwo auf polnischen Bahnhöfen. Die Loks, sofern sie überhaupt noch fahren können, müssen Munition, Treibstoff und Proviant an die Front bringen.

Was erstaunlicherweise aber immer noch funktioniert: jeden zweiten Tag ein Güterzug der Deutschen Reichsbahn jüdische Deportierte ins Ghetto nach Minsk!

Die Rote Armee dagegen war seit November vollständig mit warmer Kleidung ausgerüstet. Die Deutschen waren Ende November noch 18 Kilometer von der Stadtgrenze Moskaus entfernt.

Gleichzeitig hatte die Rote Armee aber auch mit den Planungen für eine Gegenoffensive begonnen.Die Planungen wurden durch einen Funkspruch Richard Sorges erleichtert. Sorge hatte am 1. Juni 1941 Stalin vor einem Angriff Deutschlands

gewarnt  “Der Überfall wird am 22. Juni in aller Frühe auf breiter Front erfolgen” (in  Julius Mader Dr. Sorge Report). Stalin glaubte dies aber nicht. Im September informierte Sorge Moskau, dass Japan nicht Russland angreifen würde, sondern

Indochina. Diesmal wurde ihm geglaubt. Daraufhin ließ Stalin 32 ausgeruhte Divisionen aus dem Fernen Osten in den Westen verlegen. Zwar hatte die deutsche Luftabwehr im November Truppenausladungen erkannt.  Die deutsche Führung hatte dies

aber als Gespenstereien betrachtet. Am 16. November startete der erneute Angriff. Aber er traf auf erbitterten russischen Widerstand. Größere Teile der Luftflotte 2 unter Kesselring waren in den Mittelmeerraum verlegt worden, da dort Libyen verloren zu gehen

drohte. Das ermöglichte aber den sowjetischen Luftstreitkräften in wichtigen Abschnitten die Lufthoheit zu erringen.  Die Generale von Bock und Guderian meldeten dem Oberkommando die bedrohliche Lage und auch, dass die Trupp erschöpft war.

Sie wurden aufgefordert, die Offensive mit einem letzten Kraftaufgebot fortzusetzen, zumal man annahm, dass auch auf russischer Seite mit den “letzten Bataillonen” gekämpft wurde. Halder sah die Entscheidung über Sieg oder Niederlage

immer noch als eine Willensfrage. Er war“durchdrungen von dem Gedanken, daß es bei beiden Gegnern um die letzte Kraftanstrengung geht und der härtere Wille recht behält“. (zitiert nach Der Spiegel ).

Im Divisionsbericht der 7. Infanteriedivision heißt es “Die völlige Verausgabung der Truppe und die Notwendigkeit von Ablösungen “ (Zitat in Die Welt vom 22.06.11)Fedor von Bock konstatierte, dass der Zeitpunkt sehr nahe sei,

„in dem die Kraft der Truppe völlig erschöpft ist“ (Zitat ebd.) Eigentlich hätte die Offensive abgebrochen werden müssen, die Truppe in Winterquartiere überführt werden. Stattdessen befahlen Hitler und die Wehrmachtsführung die weitere Offensive.

Diese kam Anfang Dezember zum völligen Erliegen.

Mit der Verteidigung Moskaus war Marschall Schukow betraut worden.Er und Stalin hatten die Nervenstärke, abzuwarten, bis die deutsche Offensive versiegte. Am 5. Dezember begann der Gegenangriff. Eine Million Mann und 700 Panzer

waren angetreten. Die deutsche Führung war völlig überrascht. Die deutschen Linien werden fast überall durchstoßen. Manche Divisionen entkommen nur mit Mühe der Umzingelung. Die deutsche Führung hatte dies zunächst nicht als Großangriff

der Roten Armee erkannt und befahl erst abends, den Angriff auf Moskau abzubrechen und in den Ausgangsstellungen auf Verteidigung überzugehen.

Am 7. Dezember 1941 überfielen aber auch die Japaner den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii. Am 11. Dezember erklären Italien und Deutschland den USA den Krieg. In seiner Rede vor dem Reichstag am 11. Dezember 1941

spricht er zunächst ausschweifend von den militärischen erfolgen Deutschlands. Dann zählt er eine Reihe “Völkerrechtsverletzungen der USA auf, um “Deutschland endlich zum Kriege zu zwingen”. Und dann bringt er es schließlich

auf den Punkt, was tatsächlich zum Krieg führt. “Wir wissen, welche Kraft hinter Roosevelt steht. Es ist jener ewige Jude, der seine Zeit als gekommen erachtet, um das auch an uns zu vollstrecken, was wir in Sowjetrußland alle schaudernd sehen und erleben mußten. Wir haben das jüdische Paradies auf Erden nunmehr kennengelernt. Millionen deutscher Soldaten haben den persönlichen Einblick gewinnen können in ein Land, in dem dieser internationale Jude Mensch und Gut zerstörte und vernichtete. Der Präsident der Vereinigten Staaten mag das vielleicht selbst nicht begreifen. Dann spricht das nur für seine geistige Beschränktheit.” (in Internet Archive Full text of „Adolf Hitler Krieg gegen die USA und Kriegsbericht 1941)

Am 19. Dezember entließ Hitler von Brauchitsch. Er übernahm selbst das Oberbefehl über das Heer. Am Tag zuvor hatte er Haltebefehle erteilt und die Truppen gezwungen “fanatisch” in ihren Stellungen auszuharren. Als Guderian Ende

Dezember entgegen der Haltebefehle seine Truppen eigenmächtig zurücknahm, wurde er seines Kommandos enthoben und zur Führerreserve versetzt, was praktisch einer vorübergehenden Versetzung in den Ruhestand gleichkam.

Am 8. Januar 1942 musste Generaloberst Hoepner seine Truppen zurücknehmen. Sie wären sonst eingekesselt worden. Hitler enthob ihn nicht nur seines Kommandos. Er wurde wegen „Feigheit und Ungehorsam“ unehrenhaft aus der  Wehrmacht ausgestoßen.

Hoepner meinte dazu “ich habe Pflichten, die höher stehen als die Pflichten Ihnen gegenüber und die Pflichten gegenüber dem Führer. Das sind die Pflichten gegenüber der mir anvertrauten Truppe.” (zitiert bei Janusz Piekalkiewicz: Der Zweite Weltkrieg. Teilband II, Seite 570). Hitler hätte den General eigentlich nicht so einfach entlassen können. Er hätte formaljuristische und beamtenrechtliche Vorschriften einhalten müssen. Am 26. April 1942 erließ der Großdeutsche Reichstag einen Beschluss der den Führer praktisch

von solchen Vorschriften befreit. “Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Führer in der gegenwärtigen Zeit des Krieges, in der das deutsche Volk in einem Kampf um Sein oder Nichtsein steht, das von ihm in Anspruch genommene Recht besitzen muß, alles zu tun, was zur Erringung des Sieges dient oder dazu beiträgt. Der Führer muß daher – ohne an bestehende Rechtsvorschriften gebunden zu sein – in seiner Eigenschaft als Führer der Nation, als Oberster Befehlshaber der Wehrmacht, als Regierungschef und oberster Inhaber der vollziehenden Gewalt, als oberster Gerichtsherr und als Führer der Partei jederzeit in der Lage sein, nötigenfalls jeden Deutschen – sei er einfacher Soldat oder Offizier, niedriger oder hoher Beamter oder Richter, leitender oder dienender Funktionär der Partei, Arbeiter oder Angestellter – mit allen ihm geeignet erscheinenden Mitteln zur Erfüllung seiner Pflichten anzuhalten und bei Verletzung dieser Pflichten nach gewissenhafter Prüfung ohne Rücksicht auf sogenannte wohlerworbene Rechte mit der ihm gebührenden Sühne zu belegen, ihn im besonderen ohne Einleitung vorgeschriebener Verfahren aus seinem Amte, aus seinem Rang und seiner Stellung zu entfernen.“ (Reichsgesetzblatt 1942 I S.247, )

Hoepner wurde im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 am 21. Juli verhaftet und am 8. August unter Roland Freisler zum Tode verurteilt und am selben Tag hingerichtet.

Im Russlandfeldzug hatte die Wehrmacht bis dahin 500.000 Mann an Toten und Verwundeten verloren. Dazu kamen weitere 100.000 Mann die durch Erfrierungen ausfielen.1300 Panzer, 2500 Geschütze und über 15.000 Kfz gingen an Material verloren.

Die Wehrmacht konnte aber bis Ende Januar 1942 eine neue Verteidigungslinie aufbauen. Aber die Blitzkriegsstrategie war gescheitert, der Gegner nicht entscheidend geschwächt.

Zurück zu Bürkels letzten Jahren

Bürckel war so etwas wie Hitlers Fachmann für Anschlüsse geworden. Lothringen war die dritte Rückgliederung, die er durchzuführen hatte und auch hier hatte er wieder weitreichende Vollmachten. Aber in Lothringen wurde nicht gleichgeschaltet.

Es ging um die Liquidierung staatsrechtlicher und administrativer Strukturen eines eroberten Landes. Dazu kam die ideologische Umerziehung unter rassistischen Gesichtspunkten.

Die CdZ sollten die gesamte Verwaltung im zivilen Bereich führen. Die unklare Kompetenzdefinition führte wie auch in Österreich rasch zu heftigen Auseinandersetzungen. In einer Besprechung in der Reichskanzlei am 29. September 1940 bekamen die beiden CdZ weitgehend grünes Licht von Hitler. Er legte fest, dass für die gesamte Neuordnung in Elsass und Lothringen allein die beiden Reichsstatthalter Wagner und Bürkel zuständig und verantwortlich seien und dass die Reichsressorts den CdZ keinerlei Weisungen erteilen könnten. Bürckel begann nun in Lothringen eine rücksichtslose Germanisierungspolitik. “Deutschfeindliche Elemente” ließ er ausweisen.So wurden bis November 1940 aus dem Elsass 105.000 Menschen deportiert, aus Lothringen etwa 50.000, darunter alle lothringischen Juden. (Zahlen nach bpb Krieg und Besatzung in Ost- und Westeuropa)Die Transporte erfolgten unter chaotischen Verhältnissen. Die Ausgewiesenen hatten nur ihr Handgepäck dabei. Das unbewegliche Gut, Höfe, Geschäfte und handwerkerbetriebe mussten zurückgelassen werden und worden sofort entschädigungslos eingezogen. Am 21. November 1940 erklärte Bürckel die Ausweisungsaktion offiziell für beendet. Am 9.10 1941 wurde die Gültigkeit des RAD-Gesetzes für Elsass und Lothringen erklärt.

Allerdings entzogen sich viele Lothringer durch Flucht ihrer “Aufbaupflicht”. Daraufhin arbeitete Bürckel mit dem Mittel der Sippenhaft. Noch härter reagierte Bürckel, als Lothringer nach der Einführung der Wehrpflicht desertierten. Deren Angehörige nahm Bürckel

sofort in Sippenhaft, ließ sie umgehend ins Altreich aussiedeln und ihr Vermögen beschlagnahmen. Eine letzte große Aussiedlungsaktion betraf 8000 Menschen. Sie übertraf an Härte und Brutalität alle bisherigen Massnahmen.

Im August 1942 verlieh Bürckel den Lothringern die deutsche Staatsangehörigkeit.

Die Ausweisungspolitik Bürckels war in Regierungs-und Militärkreisen ihrer innen-und auch außenpolitischen Auswirkungen stark umstritten. So meldete sich der Chef der Präsidialkanzlei Otto Meissner, selbst gebürtiger Elsässer kritisch zu Wort.

Heftigster Kritiker war Dr. Best, der vor er Chef der Abteilung Verwaltung im Verwaltungsstab des Militärbefehlshabers Frankreich wurde, Karriere bei der Gestapo gemacht hatte. Er sah in den Ausweisungen eine Belastung des deutsch-französischen Verhältnisses,

die die notwendige Zusammenarbeit nur unnötig erschwerten. Bürckel war von dieser Kritik allerdings total unbeeindruckt. Allerdings mussten sowohl Bürckel als auch Wagner entscheidende Kompetenzen an den Reichsführer SS, der zugleich

Reichskommissar für die Festigung deutschen  Volkstums (RKF) war. Der durchbürokratisierte Apparat Himmlers beschränkte auf dem Gebiet der Volkstumspolitik die autonome Regionalherrschaft der Gauleiter.

Der Gau Westmark war 1940 gebildet worden. Er sollte den Gau Saarpfalz, also das Saarland und die bayrische Pfalz,

sowie das im Frankreichfeldzug eroberte lothringische Departement Moselle umfassen, das als Lothringen ins Reich eingegliedert werden sollte. Der Plan wurde während des 2. Weltkrieges aber nicht umgesetzt.

Es blieb nach außen hin beim alten Namen und bei der zugehörigen Bezeichnung „CdZ“ (Chef der Zivilverwaltung).

Im März 1941 wurde Bürckel von Hitler offiziell zum Reichsstatthalter ernannt.

Ihm un­ter­stand  nun ein 14.000 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ßes Ter­ri­to­ri­um mit 2,6 Mil­lio­nen Ein­woh­nern. Das war der Höhepunkt seiner politischen Karriere

Im November 1942 wurde Bürckel zum Reichsverteidigungskommissar der „Westmark“ ernannt.

An dieser Aufgabe scheiterte er spätestens mit der Invasion und dem Vordringen der amerikanischen Truppen.

Dazu kamen Kompetenzschwierigkeiten mit Heinrich Himmler, die sich nach dessen   Er­nen­nung zum In­nen­mi­nis­ter erheblich verschärften.

Während der Schlacht um Lothringen Anfang September 1944 kam es in der Debatte um das militärische Vorgehen zum entscheidenden Zer­würf­nis mit Hit­ler.

Auf Veranlassung von Mar­tin Bor­mann (1900-1945) wur­den Bürck­el dar­auf­hin am 8.9.1944 weit rei­chen­de Kom­pe­ten­zen ent­zo­gen

Die Entsendung des Dienstleiters der Berliner Parteikanzlei Willi Stöhr (1903–1994) als „Bevollmächtigten des Reichsverteidigungskommissars für den Stellungsbau im Gau Westmark“ Anfang September 1944 bedeutete den Beginn der Entmachtung Bürckels.

Josef Bürckel verstarb wenig später am am 28.9.1944  in seinem Haus in Neustadt.

Die offizielle Todesursache war ein „Ver­sa­gen des Kreis­lau­fes“ als Fol­ge ei­ner Darm­er­kran­kung und ei­ner Lun­gen­ent­zün­dung dia­gnos­ti­ziert.

Der plötzliche Tod gab Anlass zu Spekulationen.

Ein Nach­weis für den Ver­dacht, Bürck­el sei von der SS er­mor­det oder zum Selbst­mord ge­zwun­gen wor­den, konn­te je­doch nicht er­bracht wer­den.

12 Nov. 2025

Josef Bürckel Gauleiter und Reichsstatthalter

 

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Am 30. März 1895 wurde Josef Bürckel in Lingenfeld als Sohn des Bäckermeisters Michael Bürckel und dessen Ehefrau Magdalena geboren. Er war das jüngste von vier Kindern. In Lingenfeld

besuchte er die Volksschule. Danach ging er auf die Realschule in Karlsruhe. Von 1909 bis 1914 war er in Speyer an der Lehrerbildungsanstalt. Am 28. Juni 1914 wurde in Sarajevo der österreichische

Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau seine Frau Sophie Chotek ermordet. Das führte zur Julikrise und mündete in den 1. Weltkrieg, der am 28. Juli begann. In Deutschland befahl Kaiser Wilhelm am 1. August

die Mobilmachung. Am 3. August 1914 rief der Direktor der Lehrerbildungsanstalt in Speyer seine Schüler auf, freiwillig in die Truppe einzutreten. Die Schule würde dem keine Hindernisse

in den Weg legen, sondern die Anstalt würde sich als Ehre anrechnen, wenn auch ihre Schüler nicht hinter den Gymnasien und Hochschulen zurückstünden. Josef Bürckel war im wehrfähigen Alter und meldete

sich bereits am Mobilmachungstag beim 17b Infanterieregiment freiwillig. Am 3. November 1914 rückte er als Rekrut beim Feldartillerieregiment 12b  ein. Eine erste Not-Abschlussprüfung konnte er wegen seines Heeresdienstes

nicht ablegen. Er legte sie gegen Ende des Jahres 1915 ab. Er bestand mit Erfolg. Wegen eines Herzleidens wurde er am 12. August 1915 in das Kriegslazarett in Péronne (Département Somme) eingeliefert.

Am 4. Dezember 1915 wurde er zum Unteroffizier befördert. Am 17. Mai 1916 wurde er für den Schuldienst zurückgestellt. Er begann seinen Praxisdienst als Schuldienstanwärter an der katholischen Volksschule in Lingenfeld.

Er wurde dann weiter nach Bellheim und dann nach Minfeld versetzt, wo er bis zum Ende des Schulanwärterdienst am 28. Juli 1919 blieb. Danach fand die Prüfung zur Lehreranstellung auf Lebenszeit statt.

Nach seiner Anstellung als Hilfslehrer unterrichtete er bis zum 31. Januar 1920 in Bobenheim – Roxheim. Dann wurde er nach Rodalben versetzt und dort am 1. April 1921 zum Lehrer auf Lebenszeit ernannt.

Er hatte schon am 11. Juni 1920 in Lingenfeld Hilde Spies geheiratet. Zum Zeitpunkt der Eheschließung war sie noch nicht 21.  Am 21. August 1921 kam Josef Artur zur Welt. Josef Artur war während des Krieges Mitglied der Leibstandarde Adolf Hiltler.

Er fiel am 01. August 1944.

Durch Bürckels Anstellung auf Lebenszeit war die materielle Basis für die Familie des Lehrers gesichert. Am 10. März 1925 bekam die Familie nochmals Nachwuchs. Der zweite Sohn Hermann Jakob wurde geboren.

Über Bürckels Familienleben ist sonst nichts bekannt.

Auch zu seinen außerschulischen Aktivitäten, Kontakte zu Kollegen usw. gibt es kaum Informationen. Aber er war Chorleiter im Gesangverein in Rodalben und das lässt darauf schließen, dass er doch einiges Ansehen in Rodalben genoss.

Vermutlich schon 1921 trat er in die NSDAP ein. Es lässt sich nicht nachweisen, ob er in Rodalben schon parteipolitisch tätig war. Er hatte sich aber einseitig positioniert in seiner antiseparatistischen Tätigkeit und war sowohl von deutschen als

auch französischen Behörden verfolgt.

Die separatistische Bewegung setzte in der Pfalz unmittelbar nach Kriegsende ein. Am 11. November 1918 war das  Waffenstillstandsabkommen von Compiègne abgeschlossen worden und ab dem 1. Dezember 1918 besetzte

die französische 8. Armee unter General Augustin Grégoire Arthur Gérard (1857-1926) die Pfalz. Bis zum Ende des Ruhrkampfs unter Reichskanzler Gustav Stresemann waren rund 60.000 Mann in der Pfalz stationiert.

In der Pfalz regten sich nun separatistische Bestrebungen. Sie gingen von bürgerlichen Kräften bis weit in die Zentrumspartei hinein aus. Man hatte Angst vor einer ungewissen Zukunft in einem womöglich bald sozialistischen

Deutschland. auch versprach man sich durch eine Anlehnung an die Sieger bei der Reparationsfrage glimpflicher davon zu kommen. 1919 war in München der bayrische und sozialistische Ministerpräsident ermordet worden.

Ab 1920 rückte Bayern nach rechts und entwickelte sich unter dem Ministerpräsidenten Gustav von Kahr zur nationalistischen “Ordnungszelle” Deutschlands. In München sammelten sich militante Rechtsradikale.

Der innenpolitische Kampf zwischen Bayern und dem Reich erfuhr in dieser Zeit eine scharfe Zuspitzung. Die Pfalz als Teil Bayerns wurde so in die Auseinandersetzung hineingezogen. Auch das ein Grund für die starke separatistische Bewegung.

Das Ende des Ruhrkampfes und die Einführung der Rentenmark und damit  das Stoppen der Inflation entzogen der separatistischen Bewegung schließlich den Boden. Es gab noch zwei gewalttätige Aktionen. Am 5. November 1923 hatte Franz-Josef Heinz in  Speyer die “Autonome Pfalz” ausgerufen und eine Regierung gebildet. Das war wenige Tage vor dem Hitlerputsch in München.Heinz und zwei seiner Mitarbeiter wurden am 9. Januar 1924 in Speyer erschossen. Die Kommandomitglieder stammten aus den rechtsradikalen Kampfbünden in München (Bund Wiking, Bund Oberland, SA). Das Attentat wurde mit Billigung und Geldern der bayrischen Staatsregierung ausgeführt.

Am 17. Oktober fand in Pirmasens der Sturm auf das bayrische Bezirksamt statt. Das Gebäude war in Brand gesteckt worden. 12 Separatisten, die sich in dem Gebäude befunden hatten, kamen ums Leben. Von den Angreifern starben 6 und es gab

zwölf Schwerverletzte. Bei diesem Sturm war Bürckel beteiligt. In Münchweiler und Rodalben war er so etwas wie der geistige Führer des Abwehrkampfes. Am 7. Januar 1924 musste er nach Heidelberg fliehen. Er ging dann weiter nach Niederbayern

Die Regierung von Niederbayern übertrug ihm am 24. März 1924 eine erledigte Hilfslehrerstellung. Mittlerweile war die Separatistenbewegung zusammen gebrochen und Bürckel kehrte am 9. Mai 1924 in die Pfalz zurück und nahm am nächsten Tag seinen Schuldienst in Rodalben wieder auf.

Im März und April war die selbständige Partei NSDAP der Pfalz wiedergegründet worden, nachdem die NSDAP im Juli 1923 von der interalliierten Rheinkommission (IARK) verboten worden war. Man hatte eine eigene Satzung und eigene Mitgliedskarten.

Diese Taktik der Distanzierung von München hatte Erfolg. Am 27. März 1925 erfolgte die Aufhebung des Parteienverbots für die pfälzische NSDAP durch die IARK. Am 13. März 1926 fand der erste Gautag des Jahres in Kaiserslautern statt. Unter der Leitung des Ortsgruppenleiters Richard Mann wurde Bürckel in “demokratischer Versammlung” zum Gauleiter gewählt. Er hatte sich durch ”bahnbrechende Vorarbeit die Anwartschaft” verdient. (zitiert nach Josef Bürckel: Gauleiter Reichsstatthalter Krisenmanager Adolf Hitlers , von Lothar Wettstein S. 68) Am 26. März informierte Bürckel die Reichsleitung von seiner Wahl. Allerdings war Bürckel nicht in den amtlichen Parteiunterlagen als Mitglied geführt. Deshalb forderte die Parteileitung umgehend zur Anmeldung auf. Bürckel meldete sich am 9. April 1926 an und erhielt die Mitgliedsnummer 33979. In einem von der Parteikanzlei verfassten Lebenslauf Bürckels heißt es “Der Aktivist Josef Bürckel entschied sich bereits im Jahre 1921 für den “Aktivisten” Adolf Hitler” (Wettstein S. 69)

Ein publikumswirksames Ereignis hatte Bürckel für den September 1926 geplant.  Es sollte der erste Gauparteitag mit Adolf Hitler als Hauptredner werden. Der bayrische Ministerpräsident Heinrich Held hatte dies aber wegen der zu erwartenden

Auseinandersetzungen verboten. Die Besorgnis war durchaus berechtigt. Bei einer Kundgebung mit Gregor Strasser am 7. September 1926 in Kaiserslautern verhinderte nur beherztes Einschreiten der Polizei ein Blutvergießen. Strasser war in dieser Zeit bis 1928

als Reichspropagandaleiter der NSDAP tätig. Die Auseinandersetzungen mit den politischen Gegner veranlassten Bürckel den Aufbau der pfälzischen SA-Formationen voranzutreiben. Er beauftragte Fritz Schwitzgebel damit, vor allem weil dieser absolut

loyal war. Er war 1926 in die NSDAP eingetreten und wie Bürckel auch Lehrer, allerdings an der Oberrealschule (in Zweibrücken).Das zahlte sich auch für ihn  aus, 1929 war er bereits SA-Standardenführer, das entspricht einem Oberst. Ab 1935 war er Führer der SA-Brigade 51 Saar-Pfalz und wurde schließlich bis zum General befördert. Bürckel hatte in seiner gesamten Laufzeit alle Parteigenossen, die irgendwie Einfluss ausüben konnten, bewusst nach seinen eigenen Kriterien ausgewählt und so sich in seinem

Umfeld eine “Hausmacht” geschaffen.

1926 hatte Bürckel auch “Der Eisenhammer” gegründet und war dessen Herausgeber. Hauptschriftleiter war zunächst Fritz Hess. Es war eine nationalsozialistische Kampfzeitung, die wohl den Stürmer von Julius Streicher zum Vorbild hatte und diesem Pamphlet in nichts nachstand. Populistische Hetze,  Verleumdungen und pauschale Diskriminierungen gehörten zum Instrumentarium des Blattes.Vom 5.5. 1926-30.11. 1932 war Heinrich Förster Schriftleiter. Sowohl Hess, als auch Bürckel und Förster hatten  mehrere Verurteilungen sowohl von deutschen als auch französischen Militärgerichten, meist wegen Verleumdung oder übler Nachrede, Hess auch wegen Angriffen gegen separatistisch eingestellte Beamte und jüdische Richter. Allerdings bereiteten die Prozesse vor allem die von Förster Bürckel allmählich Probleme. Führende Mitglieder aus der pfälzischen NSDAP hatten Förster vorgeworfen, dass sein allzu rüder Ton in den Artikeln immer wieder zu Prozessen führten, die sehr wohl zu vermeiden gewesen wären

und meist verloren gingen. Das verursachte immer höhere Kosten. Der Angriff richtete sich auch direkt gegen Bürckel, da dieser Förster gewähren lasse und nicht einschreite, obwohl dieser seiner Aufgabe als Redakteur nicht gewachsen sei. Damit sei

Bürckel letztlich für das finanzielle Desaster verantwortlich. Nun erklärte Förster um den Monatswechsel Februar/März herum, dass er mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt als verantwortlicher Redakteur ausgeschieden sei. Bürckel ernannte Hess als

Stellvertreter in seinem Amt als Gauleiter und erklärte, er lege seinen Posten bis zur Klärung der Vorwürfe nieder. Das war aber kein Rücktritt sondern lediglich ein “Ruhenlassen”. Es blieb so ohne Wirkung. Bürckel fuhr unvermindert mit seiner populistischen

Parteiarbeit fort. In Pirmasens und Neustadt sollten am 20. April pompöse Feiern zu Hitlers Geburtstag stattfinden. Für den 30. April berief er den Gauparteitag nach Landau. Eingeladen waren Hans Dietrich, der für die Nationalsozialistische Freiheitspartei

den Wahlkreis 26 Franken vertrat. Die NSDAP war ja nach dem Hitlerputsch verboten worden war. Dietrich hatte 1928 auch am Eisenhammer mitgearbeitet. Dann Gottfried Feder, der sich ab 1927 zum Wortführer  der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik gemacht hatte. Der dritte geladene Reichstagsabgeordnete war Georg Strasser. Er hatte den revolutionären Sozialismus geprägt, den ja auch Bürckel vertrat. Strasser vertrat allerdings demokratische Grundsätze, die Bürckel radikal ablehnte.

Auch drei bayrische Landtagsabgeordnete waren eingeladen. Auch Hitler sollte an diesem Gauparteitag teilnehmen. Ob das aber nur ein geschickter Werbetrick war, lässt sich nicht feststellen. Denn die ganze Veranstaltung fand gar nicht statt. Der Stadtrat von Landau lehnte es nämlich ab, den Großen Festhallensaal zur Verfügung zu stellen. Das Reichsbanner, die 1924 gegründete “überparteiliche Schutzorganisation der Republik und der Demokratie im Kampf gegen Hakenkreuz und Sowjetstern” wie der SPD-Politiker Otto Hörsing, der sie ins Leben gerufen hatte, sie 1931 charakterisierte kündigte für 1927 ebenfalls eine Maifeier in Landau an. Da waren Zusammenstöße zu erwarten. Bürckel hatte zwar persönlich beim Stadtrat vorgesprochen, hatte aber keinen Erfolg.

Diese Schlappe war aber wohl einkalkuliert. Er schlachtete das auch sofort aus. Vor allem jüdische Stadträte hatten sich gegen die Überlassung der Stadthalle aus. Natürlich setzte Bürckel seine antijüdischen Hasstiraden fort und im Eisenhammer orakelte

er “Auch für Landauer Juden wird kommen der Tag”.

Er forcierte nun die Parteiorganisation. Er Bezirksgruppen, zuerst in Zweibrücken, Neustadt und Kusel und Ludwigshafen, danach in Landau und Frankenthal. Unabhängige propagandistischen Eigeninitiativen wurden von der Gauleitung nicht mehr geduldet.

Jede geplante Aktion und Tätigkeit musste von ihm gebilligt werden. Natürlich führte er den wachsenden Erfolg auf seine straffe Parteiführung zurück

Im Jahr 1927 hatte die NSDAP in der Pfalz ein deutliches Wachstum und auch einen Machtzuwachs verzeichnet.

Am 1. Juli 1927 wurde die Gauleitung von Lambrecht nach Neustadt verlegt. Ein ehrenamtlicher Geschäftsführer wurde eingestellt, der Bürckel entlasten sollte. Ein Untersuchungs-und Schlichtungsausschuss wurde als Parteigericht eingesetzt.

Er ließ sich zwar beraten. Aber die letzte Entscheidung behielt sich Bürckel immer vor. In seinem Gau galt das Führerprinzip auf Gauebene uneingeschränkt. Gehorsam und Unterordnung waren für Bürckel wichtiger als Eigeninitiative.

Die Querelen mit Förster gingen aber auch 1927 weiter. Er hatte sich mit der französischen Besatzungsmacht angelegt. Er wurde mehrfach zu Freiheitsstrafen verurteilt , vor allem aber drohte die Interalliierte Rheinkommission ein

Verbot des Eisenhammer an. Nun musste Bürckel einschreiten. Er schränkte den redaktionellen Verantwortungsbereich Försters stark ein und nahm die propagandistische Leitung des Verlags selbst in die Hand. Als seinen Stellvertreter

setzte er Ernst Ludwig Leyser ein. Dieser hatte NSDAP-Ortsgruppe in Neustadt  und der SA-Sturm-Ortsgruppe Neustadt gegründet. Leyser stand Bürckel, wie alle, die von ihm auf irgendwelche Posten gesetzt wurden, loyal zur Seite.

Das  Jahr 1928 war ein wichtiges Jahr für die NSDAP in der Pfalz. Am 28. Mai 1928 fand die Reichstagswahl statt und bei dieser Wahl trat die pfälzische NSDAP erstmals mit einer eigenen Liste an.

Mit enormem Aufwand startete die Partei. Zahlreiche öffentliche Veranstaltungen, Flugblätter und Tausende von Plakaten brachten aber einen kaum nennenswerten Mitgliederzuwachs. Bürckel erkannte,dass es taktisch falsch

war, sich mit der Propaganda auf die städtische Mittelschicht zu konzentrieren, die ländliche Bevölkerung, auch als Wählerschicht, aber zu vernachlässigen. Das ländlichen Gebiete der Nordpfalz wurden nun in verstärkte Werbeaktionen einbezogen

und diese waren erfolgreich. Bürckel sah sich bestätigt. In den Städten hatte die Partei bereits Fuss gefasst. Sie war in allen Städten vertreten nur in der Kreishauptstadt Speyer noch nicht. Am 10. März 1928 veranstalte Bürckel eine große Veranstaltung in Speyer mit dem

Reichstagsabgeordneten Friedrich. Nur wenige Tage später wurde die Speyrer Ortsgruppe sowie ein SA-Sturm gegründet. Die Ortsgruppe hatte Rudolf Trampler gegründet, der von Joseph Goebbels später am 21. August 1933 zum Landeskulturwart

der Reichspropagandastelle Rheinpfalz ernannt wurde. In den letzten beiden Kriegsjahren bekleideter er das Amt des Oberbürgermeisters von Speyer.

8709-Rudolf Trampler

Am 28. Mai 1928 fand die Reichstagswahl statt. Für die NSDAP verlief sie enttäuschend. Sie hatte 2,6 % der Stimmen erzielt, 0,4  weniger als bei den letzten Wahlen. Sie verlor auch 2 Abgeordnete und hatte im Reichstag jetzt 12 Sitze.

Zugewonnen hatte dagegen die SPD mit 3,8 % Zuwachs und 22 Mandaten mehr. Auch die KPD verzeichnete Gewinne und zwar 1,7 % und 9 Mandate mehr. Noch etwas mehr konnte die Reichspartei des deutschen Mittelstandes dazu gewinnen,

nämlich 2,2% Stimmenzuwachs und 11 Mandate mehr.  Es war eigentlich ein gefährliches Ergebnis, denn die bürgerlichen Parteien schlossen daraus, die NSDAP habe ihren Zenit bereits überschritten. Bürckel konnte aber mit “seinem”

Ergebnis mehr als zufrieden sein. Die NSDAP hatte in der Pfalz 5,7 % der Stimmen geholt, mehr als doppelt soviel wie auf Reichsebene und das Ergebnis der Wahlen von 1924 hatte er verdreifacht. 1924 entfielen auf die NSDAP 1,9 % der Stimmen.

Das machte natürlich Bürckel innerhalb der NSDAP stark. Bei Hitler stand er ohnehin in hohem Ansehen. Die NSDAP erhöhte ihre Werbeanstrengungen in den Bezirken Landau und Bergzabern. Das zahlte sich bereits ein Jahr später bei den Kommunalwahlen aus.

Zwei Monate nach den Wahlen fand auch der erste Gauparteitag in Pirmasens statt. Auch ein publikumswirksamer Marsch von 300 SA-Leuten durch Pirmasens wurde durchgeführt. Die bürgerliche Presse berichtete darüber nichts.

Sie hatte sich ohnehin für “Totschweigen” entschieden. Die weitere Entwicklung zeigt, dass da nicht unbedingt der richtige Weg war.

Bürckel schliff weiter an seiner Parteiorganisation. In seinem Führungskader sorgte er für rhetorisch besonders geschulte Parteiredner. Damit konnte er die Zahl seiner Veranstaltungen steigern. Der Zustrom potentieller Wähler nahm zu.

Er suchte die Auseinandersetzung mit den anderen Parteien auf seine Art. Öffentliche Kundgebungen ließ er oft -und zeitgleich mit Veranstaltungen der anderen Parteien abhalten. Er hoffte so, die Zuhörer für sich zu gewinnen.

Für das Jahr 1929 verlangte er von seinen Parteigenossen bedingungslosen und rücksichtslosen persönlichen Einsatz. Angst vor Straßenkämpfen oder Saalschlachten durfte es nicht geben. Nur dabei sein,

war nicht genug. Nur die KPD postulierte eine ähnliche Hingabe. Logische Folge war, dass die gewalttätigen Auseinandersetzungen hauptsächlich zwischen dem Roten Frontkämpferbund der KPD und der SA stattfanden.

1929  ließ er wieder prominente NS-Parteiführer auftreten. Goebbels sprach am 6. März 1929 erst in Zweibrücken und einige Stunden später in Pirmasens. Gottfried Feder trat drei Tage später in Speyer auf. Der Erfolg zeigte sich rasch.

In der Nordpfalz entstanden neue Ortsgruppen, in Frankenthal erhöhte sich die Mitgliederzahl um 40 %.

Nach den Kommunalwahlen war die Partei fast in allen Gemeinden vertreten. In Landau hatte die Partei erstmals kandidiert und hatte bei ihrer ersten Wahl sofort mit der SPD gleichgezogen.

1930 scheiterte die letzte parlamentarische Regierung der Weimarer Republik im März 1930. Hindenburg ernannte nun den Zentrumspolitiker Heinrich Brüning, der zunächst mit der Notverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen

regierte. Als auf Antrag der SPD diese gemäß Artikel 48 in der Weimarer Verfassung das Parlament von seinem Recht Gebrauch machte, die Notverordnung wieder aufzuheben, bat Brüning Hindenburg den Reichstag aufzulösen.

Die Neuwahlen wurden für den 14. September 1930 festgelegt. Bei der NSDAP gab es eine Premiere. Erstmals organisierte Joseph Goebbels den Wahlkampf der Nationalsozialisten zentral. Man verzichtete weitgehend auf antisemitistische Parolen.

Man prangerte den Verfall Deutschlands im “System Weimar” an, beschwor die Volksgemeinschaft. Wichtiges Thema war natürlich die Weltwirtschaftskrise, die als Komplott gegen Deutschland dargestellt wurde. Hitler engagierte sich in diesem Wahlkampf enorm. Zwischen dem 3. August und dem 13.September trat er in mehr als 20 Großveranstaltungen als Hauptredner auf. Für Bürckel war diese Wahl in doppelter Hinsicht bedeutsam. Erstens  wollte er natürlich ein beeindruckendes Ergebnis erzielen. Vor allem aber kandidierte er erstmals in einer Listenverbindung mit dem Wahlkreis Franken erstmals als Abgeordneter für die pfälzische NSDAP, und das mit ausdrücklicher Billigung Hitlers. Hitler unterstützte Bürckel auch persönlich. Auf einer der Großveranstaltungen

trat er am 26. August 1930 in der Eberthalle in Ludwigshafen auf. Das war das erste offizielle Auftreten Hitlers in der Pfalz. Am 30. Juni 1930 war Frankreich aus Mainz und der Pfalz abgezogen, nachdem Deutschland am 21. August 1929 den Youngplan angenommen

hatte, der die deutschen Reparationsverpflichtungen neuregelte. Darin war auch der Abzug Frankreichs festgelegt worden.

Es war ein blutiger Wahlkampf mit Zusammenstößen, Straßenschlachten und auch mit Toten. Am 14. September wurde gewählt, mit einer Wahlbeteiligung von 82,0 %, man vergleiche das mal mit der Wahlbeteiligung von heute!

Die NSDAP erzielte erdrutschartige Erfolge. Sie bekam 18, 3 % der Stimmen, was gegenüber der letzten Wahl einen Zuwachs von 15,7 % der Stimmen bedeutete. Mandate erhielt sie 107, also 95 mehr als 1928 und war hinter der SPD zweitstärkste

Kraft. Die SPD hatte 10 Sitze verloren, war aber mit 143 Sitzen immer noch stärkste Kraft. Nur die KPD (+ 2,5 %) und die Christlich-Nationale Bauern-und Landvolkpartei (+ 1,3 %) konnten Zugewinne erzielen.

Die pfälzische NSDAP lag auch bei dieser Wahl mit 22, 8 % der Stimmen deutlich über dem Reichsschnitt und auch über Bayern, wo die Nationalsozialisten 17,9 % errangen. In der Pfalz hatte die NSDAP sogar die SPD mit 0,4 % hinter sich gelassen

und war die stärkste Kraft geworden. Sie hatte 2, die SPD dagegen nur 1 Mandat errungen. Das 4. Pfälzer Mandat erhielt die Bayrische Volkspartei, die mit 12,8 % knapp vor dem Zentrum  (12,1 %)

Eine Sonderstellung nahm das Dorf Darstein ein. Es war die erste Gemeinde deutschlandweit mit 100 % Stimmen für die NSADAP. Das Dorf hatte bei 156 Einwohnern  106 Wähler. Natürlich bejubelte die nationalsozialistische Presse dieses Ergebnis.

Der Eisenhammer schrieb in seinem Artikel “Ein rein nationalsozialistisches Dorf” Darstein sei Vorbild für das ganze Reich. Als die Nazis an der Macht waren, wurde es zum Ehrendorf der NSDAP ernannt,. 1936 wurde in Köpenick sogar eine Straße nach Darstein benannt. Den “Darsteiner Weg” gibt es heute noch, er überdauerte sogar den Sozialismus. Darstein war übrigens protestantisch, die Konfessionsgrenzen waren damals sehr scharf. In katholischen Gemeinden waren meist halb so hoch wie in protestantischen Gemeinden. Auch die Gemeindegröße spielte eine Rolle. Je kleiner der Ort, desto größer die Chance für die Nationalsozialisten. So hatte sich die Strategie, in ländlichen Gegenden zu agitieren,  als richtig erwiesen.

Neben Bürckel kam Wilhelm Frick für die Pfalz in den Reichstag. Er war 1930 Innenminister in Thüringen und damit der erste nationalsozialistische Minister überhaupt in Deutschland. Er hatte am Hitlerputsch teilgenommen und Hitler

schätzte ihn als “durchgekochten Nationalsozialisten”.

Für Bürckel war die Wahl voll aufgegangen. Seine parteiinternen Gegner verstummten.  Nun war er plötzlich über seinen Gau hinaus bekannt geworden. Er wurde öffentlich wahrgenommen.

Ab 1930 hatte Bürckel außer dem Eisenhammer auch die NSZ-Rheinfront herausgegeben. Sehr schnell wandelte er diese in eine GmbH um, die finanziellen Schwierigkeiten des Eisenhammers, die er ja erlebt hatte, hatten ihn zu diesem Schritt gebracht.

Mit Billigung Hitlers hatte er diese Mitte der 30-iger Jahre in die “Josef-Bürckel-Stiftung “ eingebracht. Sie umfasste ein großes Verlagssystem. Seine Pfälzer Parteigenossen trieb er zur ständigen Abonnentenwerbung an. Außerdem erhielten alle Parteigenossen

die Anweisung, nur in der NSZ-Rheinfront zu inserieren. Außerdem wurden alle Parteigenossen mit Parteiausschluss bedroht, wenn sie eine nicht nationalsozialistische oder neben der NSZ-Rheinfront noch eine Nicht-NS-Zeitung abonniert hatten.

Außerdem war es ihnen verboten, in anderen Zeitungen zu inserieren. Gegen die anderen Pfälzer Presseorgane wurde recht hemdsärmelig vorgegangen. Amtliche Bekanntmachungen oder Anzeigen wurden ohne Rücksicht auf bestehende

Verträge entzogen.Dann wurden oft polemisch-verleumderische Vorwürfe gegen Redakteure und Verlagsleitungen erhoben. Man machte den Zeitungen also das Leben schwer, wo es nur ging. Bald war die NSZ-Rheinfront das auflagenstärkste

Presseorgan der Pfalz. Erstaunlich aber ist, dass sich Bürckel mit seinem Verlag, dessen Reichweite sich weit über die Pfalz hinaus erstreckte, über Metz, Nancy,Riga, Kiew, Athen bis nach Tromsoe, der Zentralisierung der regionalen Parteizeitungen

durch die Parteileitung widersetzen konnte. Max Amann war seit 1933 Präsident der Reichspressekammer, einer Unterabteilung der von Goebbels geleiteten Reichskulturkammer. Er kontrollierte praktisch die gesamte deutsche Presse. In diesem Dreigestirn

um die Macht im Pressewesen war noch Dr. Otto Dietrich, der am 30.April 1933 zum Vorsitzenden des Reichsverbandes der Deutschen Presse gewählt wurde. Goebbels setzte sich erst Ende März 1945, kurz vor seinem Selbstmord endgültig durch.

Bürckel hatte aber die Stellung seines Presseimperiums wahren können.

1927 hatte sich in Berliner Großbetrieben so etwas wie eine nationalsozialistische Arbeitnehmervertretung gebildet, die sich an der betriebsbezogenen Organisationstruktur der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition der KPD orientierte.

1928 wurde daraus die NSBO, die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation. Die sich verschärfende Weltwirtschaftskrise hatte auch die NSBO mehr und mehr in ein sozialistisches Fahrwasser gleiten lassen. Die Reichsleitung der NSDAP

konnte sich daher mit der NSBO zunächst nicht anfreunden. Die Reichstagswahlen vom September 1930 hatten aber gezeigt, dass die NSDAP auch bei Arbeitern immer mehr Anklang fand. Bürckel, der ja ohnehin für die sozialistische Ausrichtung

seiner Partei ähnlich wie Georg Strasser stand, erkannte sofort die Chancen, die sich daraus ergaben. Und wie er einige Jahre zuvor dafür gesorgt hatte, dass sich die NSDAP mit ihrer Werbung auf ländliche Bereiche konzentriert hatte, nahm er nun

die Arbeiterschaft ins Visier.

Ende Januar wurde in Kaiserslautern die “NSBO-Pfaff” gegründet. Pfaff war damals die zweitgrößte Nähmaschinenfabrik in Europa.Die Arbeit übernahm für ihn vor allem Claus Selzer. Er war seit 1930 in Ludwigshafen und dort Ortsgruppen und Kreisleiter

der NSDAP. Ab 1932 war er Reichstagsabgeordneter und 1934 war er Stellvertretender Leiter der NSBO. Seine Karriere beendete er als Generalkommissar von Dnjepropetrowsk, wo er 1944 angeblich an einer Fischvergiftung starb.

Bis Mitte 1931 hatte Selzer bereits 11 NSBO gegründet und mit großem Tempo ging es weiter. Im September gab es bereits 31 Betriebszellen, unter anderem in Ludwigshafen bei der IG Farben, der heutigen BASF.

Organisatorisch vereinfacht wurde die Arbeit durch die Umsiedlung de Gaubetriebszelle nach Neustadt in die Räume der Gauleitung, mit Erfolg wie die Zahlen belegen. Zum Jahresende gab es 48 Zellen mit über 1000 organisierten Mitgliedern.

Ein halbes Jahr später gab es 320 Zellen mit 6.698 organisierten Mitgliedern. Eine wichtige Etappe dahin waren die Betriebsratswahlen im März 1931. Diese wurden von der Gauleitung so konzentriert angegangen, als ob es sich um eine Reichstagswahl handelte.

Öffentliche Großveranstaltungen wurden abgehalten. Die Redner waren eigens für die Auseinandersetzung mit den gewerkschaftlichen Gegnern geschult worden. Die NSBO Kandidaten sollten über Kenntnisse verfügen, die es ihnen ermöglichte,

die Aufgabe eines Betriebsrates für alle Arbeitnehmer erfüllen zu können. Er selbst hielt sich bei diesen Veranstaltungen völlig zurück. Es gelang, der breiten Öffentlichkeit den Eindruck zu vermitteln, die NSBO sei eine von der NSDAP unabhängige

und nicht von ihr gesteuerte Organisation. Wieder hatte Bürckel sein politisches Gespür bewiesen, der Partei schon vor 1933 eine neue Zielgruppe zugeführt und sich selbst als fähigen Gauleiter gezeigt und sein persönliches Ansehen beim Führer gesteigert.

Die erste Amtszeit des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg endete am 25. April 1932. Brüning hatte vorher versucht, die Amtszeit Hindenburgs verlängern zu lassen. Das aber hätte eine Verfassungsänderung bedurft, zu der eine Zweidrittelmehrheit

notwendig war. Um diese Mehrheit zu bekommen, brauchte Brüning aber die Stimmen der Rechten. DNVP und NSDAP lehnten Brünings Vorschläge ab, obwohl er vor allem Hitler weitreichende Zugeständnisse gemacht hatte. Hitler schlachtete dies sofort aus

und spielte sogar  den Hüter der Verfassung. Eine vom Gesetz vorgesehene Volkswahl musste also abgehalten werden. Ein “Hindenburgausschuss” wurde ins Leben gerufen, der den bisherigen Präsidenten zur erneuten Kandidatur bewegen sollte.

Schließlich erklärte sich Hindenburg bereit, noch einmal zur Wahl anzutreten. Die Harzburger Front war auseinander gebrochen. DNVP und Stahlhelm. Sie wollten Hitler nicht den Sprung ins Präsidentenamt ermöglichen. Sie stellten mit Theodor Duesterberg einen

eigenen Kandidaten auf. Hitler hatte seinen Hut schon in den Ring geworfen. Göring hatte das schon in einer Rede im Sportpalast angekündigt. Allerdings war Hitler zu der Zeit staatenlos, konnte also gar nicht kandidieren. Ein Kunstkniff machte es

möglich. Im Freistaat Braunschweig regierte eine NSDAP-DNVP-Koalition. Der Freistaat ernannte ihn zum Schein zum Gesandten bei der Landesvertretung in Berlin.Das war ein Staatsbeamter und damit war automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft

verbunden. Für die KPD stand Ernst Thälmann zur Wahl. Außerdem trat noch Gustav A.Winter für die Inflationsgeschädigten an.

Die Wahlbeteiligung war mit 86,2 % hoch. im ersten Wahlgang erreichte aber keiner der Kandidaten die notwendige absolute Mehrheit, so dass ein zweiter Wahlgang erforderlich war.

Jetzt genügte die einfache Mehrheit. Hindenburg gewann mit 53,1 %. Hitler kam auf 36,7 % der Stimmen. Das war zwar ein deutlicher Zuwachs gegenüber der Reichstagswahl, 5 Millionen Stimmen mehr. Aber mit der eigenen Propaganda hatte man die Erwartungen so hoch geschraubt, dass das Ergebnis als Niederlage empfunden wurde. In der Pfalz hatte man gegenüber der Reichstagswahl 90.000 stimmen dazu gewonnen. Man war zwar enttäuscht aber doch stolz auf den Zugewinn. Bürckel erklärte seinen Anhängern “Die Schlacht ist aus, der Krieg geht weiter”

Hindenburg hatte seinen Sieg hauptsächlich den Sozialdemokraten und Katholiken zu verdanken, was er als Schmach empfand. Sein Groll richtete sich aber gegen Brüning, der sich im Wahlkampf wie kein anderer für ihn eingesetzt hatte.

Das Reparationsproblem stand kurz vor seiner endgültigen Lösung. In der vom 16. Juni bis 9. Juli tagenden Konferenz  aller betroffenen Staaten hatte man sich auf völlige Streichung der Reparationsschuld Deutschlands geeinigt. Zuvor aber hatte sich Brüning

die Sympathie der Präsidentenberater verscherzt, vor allem, weil er sich nicht als Marionette benutzen lassen wollte. Das war einmal Otto Meissner, der sowohl Mitarbeiter von Friedrich Ebert als auch von Hindenburg war. Er war engster Mitarbeiter

der Präsidenten Ebert und Hindenburg und arbeitete als Staatssekretär im Büro des Reichspräsidenten. Er war aber auch Chef der Präsidialkanzlei des Führers und das von 1933-1945. Dann ist Hindenburgs Sohn Oskar der  in dieser Zeit als Adjutant seines Vaters gearbeitet hat. Tucholsky sagt über ihn. Es sei der “in der Verfassung nicht vorgesehene Sohn des Reichspräsidenten”. Der Stuttgarter Historiker Wolfram Pyta schreibt in seiner umfassenden Hindenburgbiographie allerdings, dass Hindenburg sehr wohl gewusst habe, was er tue und nicht von “einer Kamarilla” gesteuert gewesen sei.

Brüning hatte auf Wunsch vieler Länder, auch Bayerns und Preussens beim Reichspräsidenten ein Verbot der SA und SS erwirkt, die er als Hauptursache der politischen Gewalt sah. Das war der Hauptgrund, der Brüning zu Fall brachte.

Brüning wollte den ostelbischen Gütern im Mai 1932 eine kräftige Finanzspritze zukommen lassen. Allerdings sollte der Staat nicht mehr sanierungsfähige Güter aufkaufen bzw. ersteigern und diese in Bauernstellen für Arbeitslose aufteilen.

Das wurde beim Präsidenten als “Agrarbolschewismus” denunziert. Der Entlassgrund war gefunden. Hindenburg entzog am 29. Mai dem Kanzler das Recht  auf die Anwendung der Notverordnung (Artikel 48 der Weimarer Verfassung).

Brüning musste zurücktreten “hundert Meter vor dem Ziel”, wie er das selbst empfand. Im Vorfeld hatte es Geheimverhandlungen zwischen Schleicher und Hitler gegeben. Hitler hatte zugesagt, eine neue Regierung parlamentarisch zu tolerieren,

wenn das SA-Verbot aufgehoben würde und Neuwahlen durchgeführt wurden. Brüning wurde also entlassen. Am 31. Juli wurden die Wahlen zum 6. Reichstag festgelegt.

Die Zeit für den Wahlkampf war nun äußerst knapp.

Die NSDAP hatte schon gleich nach der Wahl des Reichspräsidenten ihre Taktik geändert. Sie hielt ihre Versammlungen oft in von Linken bevorzugte Kneipen und nahm bewusst gewalttätige Auseinandersetzungen in Kauf. Außerdem spulte sie ein enormes

Auftrittspensum in der Öffentlichkeit ab. Täglich wurden Kundgebungen, Aufmärsche und öffentliche Versammlungen abgehalten. Das vermittelte den Eindruck großer Tatkraft und man konnte daraus den Schluss ziehen, dass die NSDAP in der Lage sein

werde, die großen Probleme, die anstanden, zum Wohle aller lösen zu können. Auch Anlässe, die nicht mit den Wahlen zusammenhingen, wurden benutzt, Aufmerksamkeit zu erregen.

1932 jährte sich zum Beispiel das Hambacher Fest zum 100. Mal. Reichsinnenminister Dr. Josef Wirth plante zum Jubiläum eine große gesamtdeutsche Feier. Die pfälzische Presse organisierte das Fest und wollte es frei von parteipolitischen

Aspekten halten. Festredner war Theodor Heuss, Mitglied des Reichstages von 1924 bis 1928 und 1930-1933. Bürckel sprach von einem demokratischen Rummel. Er erklärte, es sei das Fest eines ersterbenden Systems. Die 1832 beteiligten

Juden, z.B. Ludwig Börne überschüttete er mit antisemitischen Hasstiraden. Verstärkt wurde das durch Berichte in der nationalsozialistischen Presse, die sich gegen die Demokratie überhaupt wandte. Gleichzeitig wurden die Veranstalter des Festes von 1832 zu

Vorkämpfern für ein Drittes Deutschen Reichs hochstilisiert.

Zu schaffen machte der NSDAP das SA und SS-Uniformverbot, das ja Brüning durchgesetzt hatte. Zwar hatte von Papen gemäß den zwischen Schleicher und Hitler abgemachte Aufhebung des Verbotes am 16. Juni 1932 aufgehoben. Nun setzte der Straßenterror wieder ein. Die bayrische Regierung hatte aber gestützt auf ihre Polizeihoheit das Verbot bis  30. September 1932 verlängert. Für die NSDAP wirkte sich das noch verschärfend aus, da die bayrische Regierung alle Aufmärsche und Versammlungen  unter freiem

Himmel verboten hatte und bei Zuwiderhandlung mit Gefängnisstrafe gedroht hatte. Daraufhin erschienen die bayrischen nationalsozialistischen Abgeordneten in Uniform im Landtag. Trotz mehrfacher Aufforderung verließen sie den Saal nicht.

Daraufhin ließ der Landtagspräsident den Saal von der Polizei räumen. Von Papen war nun gezwungen, das Verbot aufzuheben. Bürckel wurde von der Aufhebung des Verbots noch vor der öffentlichen Verkündigung informiert und organisierte sofort

einen Demonstrationszug von mehr als 300 uniformierten SA und SS Männer.Da die Aufhebung noch nicht bekannt war, wurde in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt, diese Männer seien bereit, für ihre politische Überzeugung auch ins Gefängnis

zu gehen. Punktsieg für Bürckel.

Am 31. Juli wurde schließlich gewählt. Die Wahlbeteiligung war mit 84,1 %  wieder sehr hoch. Klarer Sieger war die NSDAP. Sie hatte 37,2 % der Stimmen errungen, gegenüber 1930 also nochmals ein Zuwachs von 19 % und auch die Zahl ihrer Abgeordneten

hatte sie mehr als verdoppelt. Statt 107 Sitze erhielt sie nun 230, also 123 Mandate mehr als 1930. In der Pfalz aber hatte die NSDAP ein geradezu triumphales Ergebnis erzielt. Sie erzielte 43, 7 % der Stimmen. Sie war stärkste Partei in der Pfalz, lag aber auch in ganz Süddeutschland an der Spitze. Nur Hessen-Nassau kam mit 43,6% ganz knapp an das Pfälzer Ergebnis. Württemberg erzielte 30,3 %, Baden 36,9 % Franken 39,9 %. Nur im Osten hatten einige Wahlkreise noch besser abgeschnitten. Reichsweit das beste Ergebnis für die NSDAP holte Schleswig-Holstein mit 51,0 %. Bürckel hatte mit diesem Resultat die Gunst Hitlers voll erworben und konnte sich nun ständig der Rückendeckung des Führers sicher sein.

Trotz dieses beeindruckenden Wahlergebnisses reichte es nicht zur Übernahme der Regierungsgewalt. Zur absoluten Mehrheit hatte es für die NSDAP nicht gereicht. Hitler beendete nun die Tolerierung von Papens. Von Schleicher bot Hitler eine Regierungsbeteiligung an. Das lehnte dieser aber ab und forderte eine Neubildung der Regierung unter seiner Führung. Aber nur mit BVP und Zentrum  zusammen hätte Hitler genug Sitze für eine Regierungsbildung gehabt. Einen Reichstagspräsidenten

Hermann Göring trug das Zentrum mit, mehr aber nicht. Auf eine Regierung Hitler ließ sich Hindenburg nicht ein. Das hielt er für nicht verantwortbar. Also ernannte er  nun Franz von Papen zum Reichskanzler. In der einzigen regulären Sitzung des  Reichstags erlitt von Papen zwar eine schwere Niederlage, blieb aber zunächst im Amt. Der Reichstag wurde aufgelöst und Neuwahlen für den 6. November 1932 angesetzt.

In den vorausgegangenen  Wahlkämpfen  hatte sich die NSDAP völlig verausgabt und auch kräftemäßig war man bis an die Grenzen gegangen.

Für den nun folgenden Wahlkampf setzte die Pfälzer NSDAP  eigens hergestellte Tonfilme über Auftritte von Hitler, Göring und Straßer und anderen Parteigrößen ein. Das war ein völlig neues Werbemittel.

Am 6. November 1932 wurde gewählt. Die Wahlbeteiligung lag mit 80,6 % deutlich niedriger als noch im Juli. Die Nationalsozialisten mussten Verluste hinnehmen. Sie verlor 4,2 und erhielt 33,1% was auch einen Verlust von 34 Sitzen gegenüber

den Juliwahlen bedeutete. In der Pfalz hatte es immerhin noch für 42,5 % gereicht. Sie lag also mit nur 1,2 % Verlust deutlich unter dem Reichsschnitt. Nur die KPD und die DNVP konnte Zugewinne erzielen. Bemerkenswert sind die Zugewinne der DNVP . Sie hatte nämlich die Regierung von Papen unterstützt. Man kann das also durchaus auch für eine Zustimmung der Regierung von Papen werten. Allerdings hatte die Wahl keine rechnerisch mehr mögliche Mehrheit von NSDAP, BVP und Zentrum mehr ermöglicht. Nur die klar antiparlamentarischen Parteien NSDAP, KPD und DNVP verfügten zusammen über eine Mehrheit.

Von Schleicher hoffte, den gemäßigten Flügel der NSDAP um Gregor Strasser für eine Regierungsbeteiligung zu gewinnen, was der NSDAP auch innerparteiliche Schwierigkeiten bereitet hätte, zumal da ja der Machtkampf zwischen Strasser und Hitler stattfand.

Auch glaubte er, die freien Gewerkschaften ins Boot holen zu können. So hätte er eine Regierung quer durch alle Lager mit parlamentarischer Mehrheit zustande gebracht. Das Konzept überzeugte von Hindenburg. Er entließ von Papen und beauftragte von

Schleicher mit der Regierungsbildung. Die Gewerkschaften zögerten aber. Von Schleicher hatte Strasser die Vizekanzlerschaft und den Posten des preussischen Ministerpräsidenten. Strasser aber fühlte sich Hitler immer noch verbunden und informierte ihn über

die Gespräche mit von Schleicher. Gleichzeitig beschwor er ihn, von der “Alles oder Nichts” Politik abzugehen und die Vizekanzlerschaft anzunehmen. Dazu fühlte sich aber Hitler zu stark und lehnte ab. Enttäuschte legte Strasser am 8. Dezember alle

Parteiämter nieder und reiste nach Italien ab. Hitler übernahm die meisten Ämter selbst, den Rest teilte er unter Goebbels, Darré und Hess auf. Er rief alle Reichstagsabgeordneten der NSDAP ins Palais des Reichspräsidenten und ließ sich dort ein “Gelöbnis

unwandelbarer Treue zum Führer und Schöpfer der Bewegung” geben. Auch die Gauleiter und Landesinspektoren gaben eine öffentliche Treueerklärung ab. Ein möglicher Putschversuch war so im Vorfeld abgeblockt. Von Schleichers Plan war der zweite wichtige Baustein weggefallen. Strasser zog sich nach dem 30. Januar 1933 ins Privatleben zurück und übernahm bei der Firma Schering Kahlbaum mit Hitlers Genehmigung eine Direktionsstelle in Berlin. Im Zuge des Röhmputsches wurde er aber am 30. Juni 1934

von der Gestapo verschleppt und ermordet.

Im gesamten Reich wurden insgesamt 18 Gautagungen durchgeführt, bei denen die Parteigenossen über die Ereignisse informiert wurden. Die Pfälzer Gautagung fand am 11. Dezember 1932 in Neustadt statt. Hauptredner war Dr. Robert Ley, der am

8. Dezember von Hitler zum Reichsorganisationsleiter der NSDAP ernannt worden war. Für die Pfälzer NSDAP sprachen Willy Schmelcher, der bis 1934 Fraktionsvorsitzender der NSDAP im Stadtrat von Neustadt war, dann Schwitzgebel, der ja schon mit dem Aufbau der SA-Formationen von Bürckel betraut worden war. Dann sprach natürlich auch Bürckel, der sich aber immer wieder auf die Gedanken von Gregor Strasser berief.

Nachdem von Schleicher mit seiner Kabinettsbildung nicht vorwärts kam, hatte von Papen sich zwei Mal mit Hitler getroffen und zwar am 4. und 10.Januar, ohne dass das von Schleicher wusste. Am 15. Januar war die NSDAP in Lippe bei der

Landtagswahl stärkste Kraft geworden. Am 18. Januar sprach von Papen nun mit einem größeren Kreis. Auch Himmler und Röhm waren dabei. Am 28. Januar trat von Schleicher zurück, da seine Verhandlungen zur  Unterstützung seiner Regierung  erfolglos geblieben waren.

Von Hindenburg aber lehnte von Schleichers  Staatsnotstandplan ab. Am 29. Januar einigten sich von Papen und Hitler. Von Papen legte  Hindenburg eine Kabinettsliste vor. Am 30. Januar ernannte der Reichspräsident Hitler zum Reichskanzler.

Unbenannt

Die NSDAP und Hitler waren am Ziel. Zunächst waren nur zwei Nationalsozialisten im Kabinett. Wilhelm Frick war Innenminister und Hermann Göring war Minister ohne Geschäftsbereich. Am 10. Februar hielt Hitler seine erste große öffentliche

Rede, nachdem er zum Reichskanzler ernannt worden war.

“Deutsches Volk! Gib uns vier Jahre Zeit, dann richte und urteile über uns. Deutsches Volk, gib uns vier Jahre, und ich schwöre dir: So wie wir, und so wie ich in dieses Amt eintrat, so will ich dann gehen. Ich tat es nicht um Gehalt und nicht um Lohn, ich tat es um deiner selbst wegen.“

Nach  der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war der Reichstag am 1. Februar aufgelöst worden. Deshalb waren Neuwahlen notwendig geworden, die am 5. März 1933 abgehalten wurden.

Die veränderte Lage hatte auch die Parteikassen wieder prall gefüllt, vor allem die Industrie hatte jetzt finanziert. Bürckel setzte bei seinem jetzigen Wahlkampf auch den Rundfunk als neues wirksames Medium ein. Auch neu in der Gaugeschichte,

er band jetzt die Frauen der Parteigenossen aktiv in den Wahlkampf ein.

Vom 27. auf den 28. Februar brannte der Reichstag. Schon am 4. Februar war Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes des Deutschen Volkes erlassen worden. Sie schränkte die Pressefreiheit und die Versammlungsfreiheit

stark ein und wurde vor allem genutzt, den politischen Gegner der NSDAP zu bekämpfen. Am Tag nach dem Reichstagsbrand wurde die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat erlassen, fast gleichlautend wie die Verordnung

vom 4. Februar. Sie setzte die Bürgerrechte der Weimarer Republik weitgehend außer Kraft. Sie war auch als Reichstagsbrandverordnung bezeichnet worden. Die Strukturen der KPD wurden praktisch zerschlagen. Trotz des rigorosen Einetzens dieses Instrumentes

schaffte die NSDAP die absolute Mehrheit nicht. Die Wahlbeteiligung war mit 88,74 % enorm hoch. Die NSDAP legte nochmals enorm zu, kam aber “nur” auf 43,9 %. Die KPD hatte  4,6 % verloren und kam auf 12,3 %. Wenn man aber bedenkt, welch enormem Terror die KPD ausgesetzt war, ist das gerade unter diesen irregulären Bedingungen ein ganz starkes Ergebnis. In der Pfalz wählten 46,5 % die NSDAP. Einen Sitz gewann man wieder dazu und hatte damit wie bei der Wahl vom Juli 1932 wieder 4 Mandate.

Bürckel hatte wieder mehr Stimmen als im Reichsdurchschnitt eingefahren. In 11 pfälzischen Amtsbezirken war die absolute Mehrheit geschafft worden.Ein total aus dem Rahmen fallendes Ergebnis sei aber auch noch erwähnt. War Darstein bei der Wahl von 1930

“ein rein nationalsozialistisches Dorf” geworden, so wählte das nur wenige Kilometer entfernt gelegene Hauenstein im März 1993 mit 92,6 % aller Stimmen die gemeinsame Liste von BVP und Zentrum. Es war damit reichsweit das höchste Ergebnis einer nicht nationalsozialistischen  Partei. Die NSDAP kam in Hauenstein nur auf 4,8 %.

In Ludwigshafen, der “marxistischen Hochburg” wurden 34,3 % erreicht. Das waren zwar gut 10 % unter dem Reichsdurchschnitt. Aber  Bürckel ließ das natürlich von einem Fackelzug durch Ludwigshafen feiern. Dem aus Parteiorganisation bestehende

Demonstrationszug schlossen sich Beamtenorganisationen, Militärvereine und berittene Landespolizei an (Wettstein S. 141). Auch forderte er “die Auflösung des bayrischen Landtages und sämtlicher Selbstverwaltungskörper und unverzügliche Ausschreibung von

Neuwahlen” (Wettstein ebda). Schließlich entsprächen sie nicht mehr der Mehrheit des bayrischen Volkes. In Bayern ging das sehr schnell, wobei Bayern das letzte Land war, in dem die Landesregierung abgesetzt wurde.

Den Anfang machte Hamburg noch am Abend der Reichstagswahl. Am nächsten Tag folgten  Lübeck Bremen und Hessen. Am 8. Mai waren Württemberg, Baden, Sachsen und Schaumburg-Lippe dran.Am 9. März 1933 übertrug Innenminister Frick die vollziehende Gewalt in Bayern auf Franz Ritter von Epp. Sein Freikorps war schon 1920 an der blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik beteiligt. Noch am 9. Mai kamen Adolf Wagner, der Gauleiter von München, Ernst Röhm, Heinrich Himmler und Ritter von Epp den bayrischen Ministerpräsidenten Heinrich Held auf und erklärten ihn für abgesetzt. Am 10. März wurde Ritter von Epp zum Reichskommissar ernannt. Am 15. März legte Held sein Amt nieder und zog sich nach Regensburg ins Privatleben zurück.

Der legislative Teil der “Gleichschaltung der Länder” war mit den beiden Gesetzen vom 31. März und 7. April 1933 abgeschlossen. Nachdem die Länder praktisch ausgeschaltet waren begann die Nazifizierung. In Städten und Dörfern wurden Nationalsozialisten eingesetzt.  Kaiserslautern setzte Bürckel persönlich den ständigen Stellvertreter des Vorstandes der Polizeidirektion Kaiserslautern Dr. Johannes Beck (Personalangabe nach Joachim Lilla: Staatsminister, leitende Verwaltungsbeamte und (NS-)Funktionsträger in Bayern 1918 bis 1945) ab. Vermutlich wurde er kurzzeitig in Schutzhaft genommen. Was hatte Bürckel erzürnt? Dr. Beck  hatte bei einer Wahlversammlung am 20. Februar den Gastredner und ehemaligen Reichskanzler Brüning eigenhändig in seinem Dienstwagen

zum Versammlungsort in Kaiserslautern gefahren, was Bürckel zu Rachedrohungen veranlasst hatte, die er nun nur ein paar Wochen später in die Tat umsetzen konnte. Am 10. März wurde auch schon das ein so genanntes Schutzhaft- und Arbeitslager in Neustadt in der ehemaligen Turennekaserne eingerichtet. Es war eines der ersten Lager dieser Art in Deutschland. In Neustadt wird am 10. März Dr. Forthuber seines Amtes als Oberbürgermeister enthoben und in Schutzhaft genommen. Er wurde durch RA Rudolf Hamann ersetzt. Dieser war seit 1927 niedergelassener Rechtsanwalt in Kaiserslautern. Am 1. 3. 1932 war er in die NSDAP eingetreten. Er war dann als Gauredner und Schulungsredner tätig. Von 1932-1935 war er SA-Rechtsberater bei der Brigade 151.

Mit Dr. Forthuber hatte sich Bürckel eine regelrechte Prozessfehde geliefert, die im Jahr 1926 anfing und die sich über Jahre erstreckte (s.o. den Streit um Förster, Redakteur des Eisenhammer.)

Am 17. März ordnete er Säuberungen an. Gleichzeitig forderte er alle jüdischen Bürgermeister und Stadträte auf, ihre Ämter niederzulegen.Und als Drohung schob er nach, dass wer sich weigere, in Schutzhaft und ins Arbeitslager Neustadt gebracht würde.

Natürlich gab es auch in der Pfalz Bücherverbrennungen, schon am 26. März in Kaiserslautern, dann  am 10. Mai 1933 in Landau, am 13. Mai in Oppau, am 14. Mai in Neustadt.Gaukulturwart war Kurt Kölsch.Er hatte seine Lehrerausbildung an der Lehrerbildungsanstalt in Kaiserslautern gemacht. Er hatte Bürckel kennengelernt, war von diesem 1930 in die NSDAP –Rheinpfalz und in den Nationalsozialistischen Lehrerbund eingeführt worden. Schon im Dezember wurde er von Bürckel zum Leiter der Abteilung Rasse und Kultur ernannt. Dann war er Gaukulturwart der Westmark.

Am 21. März wurde das Parlament feierlich eröffnet. Der Tag ist als “Tag von Potsdam” in die Geschichte eingegangen. Die Abgeordneten mit Ausnahme der SPD und KPD nahmen an einem Festakt teil an dem auch der Reichspräsident anwesend war.

Hitler – in Cut und Zylinder !- verneigte sich vor von Hindenburg und gab ihm die Hand. “Der Gefreite und der Feldmarschall”. Goebbels hatte das alles sehr publikumswirksam inszeniert. Selbst das Datum war mit Bedacht gewählt worden.

Am 21. März 1871 hatte sich nämlich der erste deutsche Reichstag konstituiert. Auch der Ort war mit Potsdam sehr bewusst gewählt worden. Potsdam, die Residenzstadt Friedrichs des Großen. Man versuchte also eine Linie zu ziehen von Friedrich

über Bismarck und dann zu Hitler. Am nächsten Tag fand die konstituierende Sitzung des Reichstages in der Krolloper statt, die Ausweichquartier war, weil der Reichstag wegen des Brandes nicht benützt werden konnte.

Am 22. März wurde das erste Konzentrationslager in Dachau in Betrieb genommen. Der nächste Tag aber ebnete den Weg in die Diktatur. Am 23. März wurde nämlich über das “Ermächtigungsgesetz” abgestimmt,

das “Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich”. Hitler wurde ermächtigt, Gesetze zu erlassen ohne Mitwirkung der Legislative. Das galt auch für Verträge mit dem Ausland. Die so beschlossenen Gesetze konnten von der Verfassung

abweichen. Weder ein Reichstagsausschuss noch der Reichsrat konnten Kontrolle ausüben oder nachträglich die Aufhebung beantragen. Das Gesetz sollte 4 Jahre gelten. Die Abgeordneten der KPD waren bereits alle inhaftiert oder wie Innenminister Frick das süffisant kommentierte “durch nützliche Arbeiten in den Konzentrationslagern” am Erscheinen gehindert. Alle 81 Abgeordneten waren entweder inhaftiert, geflohen oder untergetaucht. Auch von den 120 SPD Abgeordneten konnten nur noch 94 an der Abstimmung teilnehmen. Von der SPD waren 26 Abgeordnete entweder in Haft oder geflohen. Während der Abstimmung waren illegal bewaffnete SA und SS Angehörige im Reichstag anwesend. Otto Wels, Reichstagsabgeordneter und SPD-Vorsitzender,

wandte sich in seiner Rede gegen die Annahme des Gesetzes. Es war praktisch die letzte freie Rede im Parlament. Wels stand dann auch im August 1993 prompt auf der ersten Ausbürgerungsliste des Deutschen Reiches und erhielt die deutsche Staatsangehörigkeit

aberkannt. Zentrum und BVP hatten für ihre Partei Fraktionszwang für die Abstimmung durchgesetzt und stimmte, wenn auch nach langen innerparteilichen Debatten dem Gesetz zu. Der Reichstag hatte sich damit selbst entmachtet.

Der Terror hatte schon seit dem 10. März in Bayern und der Pfalz eingesetzt. Bis zum 13. März waren schon 2000 Menschen in “Schutzhaft” genommen worden. Im April waren es 5000. (Zahlen nach Matthias Becker in Geschichte von unten.de)

Die Gewalt um den 10. März war auch Bürckel aus dem Ruder gelaufen, so stark dass sich der Münchner Gauleiter Adolf Wagner und bayrische Innenminister gezwungen sieht, einen Funkbefehl absenden zu lassen, der besagt “Eigentum und Freiheit der Person

gegen ungesetzliche Eingriffe durch Dritte zu schützen (bei Wettstein S. 145). Mit der Errichtung des KZ Dachau wurde Heinrich Himmler, der Reichsführer SS zum politischen Polizeikommissar in Bayern ernannt.Das beendete die willkürlichen Verhaftungen von

Regimegegner und solche, sie man dafür ansah nicht, sondern brachte sie lediglich in geordnete Bahnen. Bürckel ordnete nach Rundfunkansprachen von Hitler an, dass die gesamte SA und SS, soweit sie nicht in die Hilfspolizei eingegliedert sind, ihrer gewohnten Tätigkeit wieder nachzugehen hätten. auch sollten wachen vor Bezirksämtern eingezogen werden, Gewerkschaftshäusern wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden und Zeitungsgebäude geräumt werden.

Damit die geplanten Säuberungsmassnahmen im Sinne de Nazis laufen konnten, hatte Reichskommissar Ritter von Epp angeordnet, dass jedem der bayrischen Regierungspräsidenten ein Sonderkommissar der SA beigeordnet wurde. Die ernannte

SA-Chef Ernst Röhm. Für die Pfalz war das Fritz Schwitzgebel, ein wie oben schon gezeigt ein Bürckel loyal ergebener SA-Führer, der natürlich sein volles Vertrauen besass. Bürckel hatte es immer verstanden, alle wichtigen Schaltstellen mit seinen Gefolgsleuten zu

besetzen, was ihm half, seine Macht innerhalb des Apparates zu sichern. An ihm ging nichts vorbei und er behielt sich immer die letzte Entscheidung vor, obwohl laut Röhm der Sonderkommissar der “Herr in seinem Bezirk sein soll, dem sich alles unterordnen soll”

(nach Wettstein S. 150)

Ein weiterer Schritt auf dem Weg in die Gleichschaltung war das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, das Wilhelm Frick gedeckt durch das Ermächtigungsgesetz am 7. April 1933 erließ. Das Gesetz legte fest, dass “Beamte nach Maßgabe

der folgenden Bestimmungen aus dem Amt entlassen werden (können), auch wenn die nach dem geltenden Recht hierfür erforderlichen Voraussetzungen nicht vorliegen.” §1. § 3 sagte, “Beamte, die nicht arischer Abstammung sind, sind in den Ruhestand zu versetzen. Nur Frontkämpfer aus den Jahren 1914-1918 waren davon ausgenommen. Dieses “Frontkämpferprivileg” hatte der Reichspräsident von Hindenburg von Hitler eingefordert. Zum Erstaunen er Nazis erfüllten diese Bedingung eine erstaunliche hohe Zahl

von Beamten so dass noch gut die Hälfte der rund 5000 jüdischen Beamten im Amt bleiben konnten. Erst die Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935 schuf die Voraussetzung alle jüdischen Beamten zu entlassen, da sie den Beamtenstatus von

einer neugeschaffenen Reichsbürgerschaft knüpfte. Es gab nun eine gesetzliche Grundlage und bürgerliche Kreise begrüßten, dass die Judenfrage geregelt war, zumal es eine durchaus herrschende Meinung war, dass  ein “übermächtiger Einfluss der jüdischen Fremdkultur” herrsche, und dass es durchaus in Ordnung war, wenn dieser beschnitten wird. Auf Druck der NSDAP wurde der “Arierparagraph” schnell  auf nahezu alle Organisationen, berufsständische Vereinigungen und Verbände ausgedehnt.

Ebenfalls am 7. April wurde das Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft erlassen, allerdings auch mit der Einschränkung des Frontkämpferprivilegs.

Das Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ vom 25. April 1933 begrenzte die Neuzulassung jüdischer Schüler entsprechend dem jüdischen Bevölkerungsanteil auf 1 1/2 % Im September wurde

die Reichskulturkammer gegründet, das bedeutete dass Juden aus der Presse sowie aus künstlerischen und freien Berufen ausgeschlossen wurden.

Am 29. September 1933 folgte das Erbhofgesetz. Der Besitz eines vererbbaren Hofes war nun an arische Abstammung gebunden. In  einem Dreivierteljahr nach der Machtergreifung waren die Juden aus allen beruflichen und gesellschaftlichen Bereichen

per Gesetz verdrängt worden.

Beim Kampf gegen Warenhäuser in “jüdischem Besitz” war man in der Pfalz schneller als bei der Ausgrenzung der Juden per Gesetz aus dem öffentlichen Leben. Der reichsweite “Judenboykott” ab 1. April 1933 begann in Ludwigshafen schon am 13. März.

die 4 (jüdischen) Kaufhäuser Wronker, Rothschild, Brandt und Tietz mussten ihre Erfrischungsräume, also heute die Restaurants  schließen. Der Ludwigshafener Oberbürgermeister Fritz Ecarius schildert das in einem Brief so

„Die Schließung der Erfrischungsräume der hiesigen Warenhäuser erfolgte nicht auf amtliche Anordnung. Es bestand die Gefahr, dass die Geschäfte dazu durch die erregten Volksmassen gezwungen worden wären. Die Geschäftsinhaber haben dann auf eigenen Antrieb die Erfrischungsräume geschlossen.“ (zitiert bei Matthias Becker in Geschichte von unten.de) Der Ludwigshafener OB war zwar kein Parteigenosse. Er galt als unpolitischer Technokrat und zeigte sich in der Öffentlichkeit immer als loyal gegenüber dem nationalsozialistischen Staat. er wurde erst 1937 in den Ruhestand versetzt, nachdem er sich mit Gauleiter Bürckel über die Einführung der Gasfernversorgung von Ludwigshafen überworfen hatte. Der Boykott wurde in Ludwigshafen nicht nur begonnen, er dauerte auch am längsten. Die Warenhäuser wurden schon 1934 “arisiert” und schon Ende März 1933 durften Hermann und Max Wronker die Geschäftsräume ihres Unternehmens nicht mehr betreten. Der Gründer der Kette wurde Ende 1942 zusammen mit seiner Frau in

Auschwitz ermordet, nachdem sie vom französischen Internierungslager in Gurs nach Auschwitz deportiert worden waren.

Natürlich gab es auch Reibereien mit der katholischen Kirche. Anders als sein Württemberger Kollege Gauleiter Murr (siehe diesen Blog) ging Bürckel den pfälzischen Klerus nicht so direkt an. Murr ließ den Rottenburger Bischof Johannes Baptista Sproll

und mehrere Pfarrer des Landes verweisen. Bürckel bestritt im Jahr 1933 das katholische Priester verhaftet worden seien. Auch Misshandlungen hätten nicht stattgefunden. “Wir greifen keine Religion und keine Priester an , sondern nur Parteimenschen in Uniform”

(zitiert bei Wettstein S. 167) In der Nacht vom 26 auf 27. Juli 1933 war in Rheingönnheim der katholische Priester Wilhelm Caroli überfallen und schwer verletzt worden.  Caroli war von 1928-1933 Schriftleiter des „Katholischen Kirchenblattes“ in Ludwigshafen

und hatte schon seit 1930 sehr kritisch zum Nationalsozialismus Stellung bezogen. Er verstarb übrigens 1942 nach einer halbjährigen Lagerhaft im KZ Dachau. Geradezu zynisch hört es sich an, wenn nach dem Überfall die Gauleitung zur Ergreifung der

Täter eine Belohnung von 500 Reichsmark aussetzte. Als Täter wurden übrigens 3 SA-Männer ermittelt. Diese wurden dann parteiintern gemaßregelt. Die staatsanwaltlichen Ermittlungen wurden aber nach der Verordnung vom 7. August 1933 eingestellt,

weil es sich um ein Vergehen zur Durchsetzung des NS-Staates aus politischer Überzeugung gehandelt habe. (zitiert bei Wettstein S. 167).

Die gespannten Beziehungen der katholischen Kirche hatten sich nach dem Ermächtigungsgesetz etwas entspannt. Zentrum und katholische Kirche waren eng verflochten. Nach dem Ermächtigungsgesetz gab Kardinal Adolf Bertram, der seit 1919 Vorsitzender

der Fuldaer Bischofskonferenz war, seelsorgerliche Anweisungen an die Mitglieder der Bischofskonferenz. Die ablehnende Haltung der kath. Kirche gegenüber der nationalsozialistischen Bewegung sollte nach der Erklärung Hitlers  korrigiert werden. So hob die Kirche das Verbot von Katholiken in die NSDAP einzutreten stillschweigend auf. Auch der Ausschluss von den Sakramenten und das Uniformverbot bei Gottesdiensten wurde revidiert.

Im Gemeinsamen Hirtenbrief vom 8. Juni 1933 heißt es unter anderem :”daß kein Gemeinwesen ohne Obrigkeit gedeiht,und nur die willige Einfügung in das Volk und die gehorsame Unterordnung unter die rechtmäßige Volksleitung die Wiedererstarkung der

Volkskraft und Volksgröße gewährleisten.” (zitiert bei Hans Müller: Katholische Kirche und Nationalsozialismus. Dokumente, S. 163)

Schon vorher hatte Adolf Hitler erklärt, wie seine “ nationale Regierung” die Rolle der Konfessionen sah. In seiner Regierungserklärung vom 23.03 1933 sagte er: “Die nationale Regierung sieht in den beiden christlichen Konfessionen wichtigste Faktoren der Erhaltung unseres Volkstums. Sie wird die zwischen ihnen und den Ländern abgeschlossenen Verträge respektieren; ihre Rechte sollen nicht angetastet werden. Sie erwartet aber und hofft, daß die Arbeit an der nationalen und sittlichen Erhebung unseres Volkes, die sich die Regierung zur Aufgabe gestellt hat, umgekehrt die gleiche Würdigung erfährt. Sie wird allen anderen Konfessionen in objektiver Gerechtigkeit gegenübertreten. “ Etwas überraschend  schloss der Vatikan dann am 22.Juli 1933 das Konkordat

mit der neuen Reichsregierung ab. Die katholische Kirche hoffte damit, die deutschen Bischöfe, ihre Bistümer und die Strukturen und die katholischen Verbände vor dem Zugriff des Regimes bewahren zu können. Der Schutz der Verbände schien dringend erforderlich, zumal der Straßenterror gegen die Verbände zunahm. So musste zum Beispiel der Gesellentag des Kolpingswerkes am 11. Juni 1933 in München nach tätlichen Übergriffen der SA abgebrochen werden.

Die Verhandlungen kamen auf Wunsch der Reichsregierung wieder in Gang. Franz von Papen betont, der in dieser Regierung Vizekanzler war, dass das vor allem seiner Initiative zu verdanken war. Hitler wollte vor allem den Klerus von parteipolitischer

Tätigkeit fernhalten. Am 22.6.1933 hatte Innenminister Frick die SPD mit der Begründung, sie sei “volks-und-staatsfeindlich”, aufgelöst. Am 4. Juli gaben die BVP und am 7. Juli das Zentrum auf Druck ihre Selbstauflösung bekannt. Nun musste der Heilige Stuhl

keine Rücksicht mehr auf den politischen Katholizismus nehmen.Am 8. Juli erfolgte die Paraphierung durch Regierungsvertreter und Vertreter der katholischen Kirche.

Bundesarchiv_Bild_183-R24391,_Konkordatsunterzeichnung_in_Rom

Das Konkordat umfasste 34 Artikel. Es regelte die wechselseitigen Rechte und Pflichten des Deutschen Reiches und der katholischen Kirche im Reichsgebiet und wird noch heute für die Bundesrepublik Deutschland als gültig betrachtet.

“Art. 1 Das Deutsche Reich gewährleistet die Freiheit des Bekenntnisses und der öffentlichen Ausübung der katholischen Religion. Es anerkennt das Recht der katholischen Kirche, innerhalb der Grenzen des für alle geltenden Gesetzes, ihre Angelegenheiten selbständig zu ordnen und zu verwalten und im Rahmen ihrer Zuständigkeit für ihre Mitglieder bindende Gesetze und Anordnungen zu erlassen.

Art. 5 Geistliche erhalten den gleichen Schutz des Staates wie Staatsbeamte

Art. 21 Der katholische Religionsunterricht in den Volksschulen, Berufsschulen, Mittelschulen und höheren Lehranstalten ist ordentliches Lehrfach und wird in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der katholischen Kirche erteilt. … “

(zit. nach: Das Zeitalter der Weltkriege und Revolutionen, herausgegeben von Martin Greschat und Hans-Walter Krumwiede (Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen; V), Neukirchen-Vluyn 1999, 75])

Damit waren für die Kirche wichtige Punkte festgeschrieben. Noch am selben Tag hob Adolf Hitler mit einer Verordnung Zwangsmaßnahmen gegen Geistliche und katholische Organisationen auf und bestätigte so die Hoffnungen, die die katholische

Kirche in den Vertrag gelegt hatte.

Nach der Reichstagswahl vom März hatte auf allen Feldern die “Nazifizierung” begonnen. Schnell richtete sich der Terror gegen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Am 13. März waren dem Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes

aus über 20 Orten gewaltsame Übergriffe und Besetzungen von Gewerkschaftshäusern gemeldet worden. Im März waren noch Betriebswahlen angesetzt worden. Es zeichnete sich eine Niederlage der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation ab.

sie kam nur auf 11,7 % der Stimmen, die freigewerkschaftlichen Listen erzielten 73,4 %. so wurden die Wahlen einfach ausgesetzt.

Der 1. Mai war erstmals zum gesetzlichen Feiertag mit Lohnfortzahlung worden erklärt worden. Am 2. Mai begann die Zerschlagung der Gewerkschaften. Um zehn Uhr wurden reichsweit alle Häuser des ADGB und des  Allgemeinen freien Angestelltenbundes AfA

und ihrer Mitgliedgewerkschaften besetzt. Führende Funktionäre wurden in Schutzhaft genommen. Das Vermögen der Gewerkschaften wurde eingezogen. Die Gewerkschaften waren zerschlagen.

Zurück zu Bürckel. Ludwig Siebert war am 12. April 1933 von Ritter von Epp zum bayrischen Ministerpräsidenten ernannt worden.Beide wollten die bayrischen Gauleiter, vor allem aber Bürckel in die Verwaltungshierarchie einbinden und so eine Einheit zwischen Regierung und Partei herstellen. Ludwig Osthelder hatte erst im September 1932 das Amt des Regierungspräsidenten übernommen. Nach Angriffen aus der NSDAP Bezirkstagsfraktion im Juli 1933 verzichtete er auf eine weitere Geschäftsführung und ließ

am 1. Oktober 1933 in den Einstweiligen Ruhestand versetzen. Siebert bot  nach dem Verzicht Ostfelders Bürckel das Amt des Regierungspräsidenten an. Bürckel lehnte dies umgehend ab, hätte es doch für ihn bedeutet sich den beiden Gauleitern

Adolf Wagner, München zugleich bayrischer Innenminister und Hans Schemm, Oberfranken und zugleich bayrischer Kultusminister unterzuordnen und Weisungen entgegen zu nehmen. Das deckte sich nicht mit seinem Machtbewusstsein, gestärkt durch das

Ansehen, das er bei Hitler genoss. Obwohl ihn auch Ritter von Epp inständig bat, ein Regierungsamt in Bayern anzunehmen. Er konnte sich nur eine eigenverantwortliche Staatsführung im Regierungsbezirk Pfalz vorstellen und war nur bereit, sich dem

Führer unterzuordnen. Am 8. Februar 1934 fand in München eine Gauleitertagung statt, bei der alle Gauleiter aufgefordert wurden, ein Ministeramt zu übernehmen.Nach langen Verhandlungen kam am 10. April das Ergebnis zustande, dass alle Gauleiter

als Sonderbeauftragte der Staatsregierung ernannt wurden, ohne Beamtenstatus und ohne jegliche Verwaltungstätigkeit aber mit Sitz und Stimme. Dem stimmte auch Bürckel zu. Am 24. April 1934 wurden die Gauleiter vereidigt, was Bürckel zunächst nicht

wollte-er habe bereits dem Führer den Treueid geleistet- musste aber dann doch nachgeben. Am 1. Mai übernahm Bürckel dann sein Amt als Sonderbeauftragter in Speyer. Auch hier testete er die Grenzen seiner Macht voll aus. Er schlug dem bayrischen Ministerpräsidenten Siebert Richard Imbt, den Kreisleiter und Bürgermeister von Kaiserlautern als kommissarischen Regierungspräsidenten für die Pfalz vor und ernannte ihn kraft seiner Amtsvollmacht auch gleich. Als er Imbt dann auch zu seinem

Stellvertreter als Sonderbeauftragten ernannte, wurde es dem Innenminister Frick zu viel. Er wies Siebert an, Bürckel sofort Imbt von diesem Posten abzuberufen zu lassen. Und Frick forderte Bürckel ultimativ auf, entweder das Amt des Regierungspräsidenten anzunehmen

oder das des Sonderbeauftragten niederzulegen. Bürckel verzichtete. Er hatte aber doch gewonnen. Das Amt des Regierungspräsidenten wurde nicht mehr besetzt. Stellvertretender Leiter der Kreisregierung wurde Oberregierungsrat Wemmer im Innenministerium. Die Zeit der Interimsverwaltung nutzte er, die Kreisbehörde in eine Parteibehörde umzuwandeln und mit ihm ergebenen Mitarbeitern zu besetzen. Er war dort der unangefochtene Chef. Seinen Weisungen wurde bedingungslos Folge geleistet.

Am 14. Oktober folgte ein Paukenschlag Hitlers. Der Deutsche Reichsrundfunk meldete, dass die deutschen Vertreter die in Genf tagende Abrüstungskonferenz verlassen hatten. Delegationsleiter war Rudolf Nadolny.Deutschland war auch aus dem Völkerbund

ausgetreten. Am Tag zuvor hatte Hitler in einer Kabinettssitzung erklärt, das Kabinett aufzulösen und Neuwahlen auszuschreiben und diese mit einem Volksentscheid zu seiner Friedenspolitik zu verbinden.Wahlen ist eigentlich nicht richtig ausgedrückt, denn seit

dem 14. Juli 1933 gab es in Deutschland keine Parteien mehr außer der NSDAP. An diesem Tag wurde nämlich das “Gesetz gegen die Neubildung von Parteien” erlassen.

“§ 1. In Deutschland besteht als einzige politische Partei die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.” war der erste Paragraph. (Quelle: Reichsgesetzblatt 1933 I S. 479)

Ein enormer Wahlfeldzug wurde trotzdem gestartet mit dem üblichen Szenario, Massenaufmärsche, Apelle, Plakatkrieg. Auch Intellektuelle warben für das “Ja”, so der Philosoph Martin Heidegger, der ohnehin nicht durch Distanz zum Nationalsozialismus aufgefallen ist, aber auch Gerhart Hauptmann, Ferdinand Sauerbruch. Auch die deutschen Bischöfe forderten zum Ja auf.Kardinal hatte in einer Wahlstellungnahme gesagt:”Reichskanzler Adolf Hitler hat das deutsche
Volk zu einer Abstimmung am 12. November aufgerufen,um vor der ganzen Welt den Friedenswillen des deutschen Volkes und seine Zustimmung zu den Friedensreden des Reichskanzlers
zu bekunden. Die deutschen Bischöfe, die von jeher in ihren Predigten und Hirtenbriefen für den Völkerfriedeneingetreten sind, begrüßen dieses öffentliche Bekenntnis zum
Frieden. Darum werden die Katholiken aus vaterländischem und christlichem Geist ihre Stimme für den Völkerfrieden, für die Ehre und Gleichberechtigung des deutschen Volkes erheben.
[…] Die Katholiken bekennen damit aufs neue ihre Treue zu Volk und Vaterland und ihren Dank für die weitschauenden und kraftvollen Bemühungen des Führers, dem deutschen
Volk die Schrecken eines Krieges und die Greuel des Bolschewismus
zu ersparen, die öffentliche Ordnung zu sichern und den Arbeitslosen Arbeit zu beschaffen.“ (in Entwurf III Faulhabers, 6.11.1933, in: Volk, Akten Faulhabers 1, S. 800.)

Bürckel forderte auf zur Abstimmung zu gehen und drohte, wer nicht zur Wahl ginge, würde als Separatist betrachtet. Auf den Einsatz einer großen Zahl von Rednern verzichtete er. Er setzte auf “private Gespräche”. Vor Ort

und in den Betrieben sollten die notwendigen Stimmen gesammelt werden. Auch setzte er auf die “Volksgemeinschaft”, diese beschwor er immer wieder. Am 8. November gab er eine Bekanntmachung heraus, die so nur im Gau Pfalz, nicht

aber in anderen Gauen zu finden war. “sämtlichen Bürgermeistern wird nach der Wahl eine Urkunde, unterzeichnet vom Kreiswahlleiter, ausgehändigt, aus welcher ersichtlich ist, wie die Bürger Gemeinde oder Stadt sich am 12. November zu

Deutschland und seinem Führer bekannten und wieviele sich dem Vaterland versagten” Außerdem hatte er ein Belohnungsangebot als Ansporn ausgearbeitet. “Die prozentuale Leistung am 12. November wird zur Grundlage genommen für die künftige

Nummerierung der Kreise, sodass der beste Kreis die Nummer 1 erhält, der zweitbeste die Nummer 2 usw. Die gleiche Nummerierung wird durchgeführt für die Ortsgruppen und Zellen innerhalb der Kreise.” (zitiert bei Wettstein S. 181)

Natürlich spornte das die Parteigenossen zu höchster Leistung an, den keiner wollte nach der Wahl als Versager gebrandmarkt werden. Damit hatte Bürckel auch über die Grenzen der Pfalz Aufsehen erregt.

Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps unterhielt den ganzen Tag eine Fahrbereitschaft, um Alte, Gebrechliche und Kranke zur Wahl zu bringen. Außerdem wurde auf perfide Art ein Grund gegeben, auf jeden Fall zur Wahl zu gehen.

Es wurde die Anordnung erlassen, dass die Wähler gleich nach der Stimmabgabe ein Wahlabzeichen offen zu tragen hatte. Das wurde ihnen aber erst im Wahllokal zum sofortigen Anstecken ausgehändigt.

Das Ergebnis war dann auch sehr eindeutig. 95,1 % billigten die Außenpolitik mit ihrer Zustimmung und in der gleichzeitigen Reichstagswahl erreichte die allein zur Wahl stehende NSDAP 92,2 %. Bürckel konnte mit dem Ergebnis zufrieden sein.

Der Gau Pfalz hatte wieder die Spitzenposition eingenommen. In der Pfalz hatten 97,0 % bei der Volksabstimmung mit Ja gestimmt und 96,87 % bei der gleichzeitigen Reichstagswahl für die NSDAP. Neinstimmen wurden keine verzeichnet.

Natürlich war das Ergebnis auch für Adolf Hitler wichtig. Zeigte es doch dem In-und dem Ausland, dass Hitler die große Mehrheit des deutschen Volkes hinter sich wusste.

Ein gravierendes Problem stand aber an. Es war die Rolle, die die SA im Reich spielen sollte. 1921 hatte Adolf Hitler die Gründung eines Wehrverbandes der NSDAP angeordnet. Die Sturmabteilung war eine auf Hitler eingeschworene

Kampforganisation der Partei. 1922 hatte er Hermann Göring, der auch 1922 in die NSDAP eingetreten war, mit der Führung  der im Aufbau befindlichen SA beauftragt. Sie beteiligte sich am gescheiterten Hitlerputsch.

Nach dem Putsch verbot der Chef der Reichswehr Hans von Seeckt die NSDAP aber auch rechtsextreme Wehrverbände. Als Auffangorganisation gründete Ernst Röhm den Frontbann im Mai 1924. schon im September soll er 30.000 Mitglieder

gehabt haben. Hitler wurde Ende 1924 aus der Haft entlassen. Im Februar 1925 wurde die NSDAP neugegründet. Auch die SA wurde wieder aufgestellt, diesmal in die Partei eingegliedert. Nach der Wiedergründung der Partei

war Hitler mit Röhm über die Rolle der SA in Streit geraten. Hitler vertrat jetzt die “Legalitätstaktik”. Da passte die Zusammenarbeit mit paramilitärischen Verbänden nicht mehr ins Konzept. Hitler brauchte keinen Wehrverband mehr,

sondern lediglich einen Saalschutz. Franz Pfeffer von Salomon übernahm auf Wunsch von Hitler den Posten des Obersten SA-Führers (OSAF). Er war Jurist und war am Ende des 1.Weltkrieg  Hauptmann und Bataillonskommandeur. Er entwickelte die bis zum Ende des „Dritten Reichs“ gültige organisatorische und regionale Gliederung der SA und schuf mit vormilitärischer Ausbildung, einheitlichen Uniformen und militärischer Disziplin eine schlagkräftige Parteimiliz. Außerdem unterstanden ihm auch die HJ und der NS-Studentenbund. Provozierende Aufmärsche, zur Schau gestellte Stärke sollte die nationalsozialistische Geschlossenheit zeigen und waren auch ein Instrument der NS-Propaganda. Gewalttätige Übergriffe auf den politischen Gegner, also vor allem Mitglieder

der KPD und SPD zählten zu ihrem Repertoire, aber auch Juden und christliche Gruppen wurden Ziel von Angriffen. Eine weitere Krise zeichnete sich im Vorfeld der Reichstagswahlen von 1930 ab. Aus der SA war die Forderung laut geworden, führenden Mitgliedern einen sicheren Listenplatz bei der Wahl zu  garantieren. Hitler lehnte das ab. Auch Pfeffer von Salomon bejahte die Trennung von SA-Führerschaft und Mandat. Die Berliner SA trat daraufhin in Streik. SA Männer besetzen am von 30. auf 31. August 1930 sogar die Gaugeschäftsstelle und die Redaktionsräume der Gauzeitung der Berliner NSDAP “Der Angriff” unter dem stellvertretenden OSAF Ost Walter Stennes. Es kam zu einer wilden Prügelei zwischen SA und SS-Männern, erst die herbeigerufenen Polizei konnte die Ordnung wieder herstellen. Pfeffer von Salomon trat zurück. Hitler eilte nach Berlin und übernahm selbst den Posten des OSAF .Zum Ausgleich wurde Pfeffer von Salomon bei der Septemberwahl 1932 als Reichstagskandidat aufgestellt. Für die tägliche Arbeit wurde der Posten des Stabschef neu eingerichtet. Hitler besetzt ihn mit seinem alten Kampfgefährten Ernst Röhm, der schon beim Putsch am 9. November 1923 dabei war. Röhm war nach Südamerika gegangen, hatte 1928 als Militärinstruktor  in Bolivien gearbeitet.

Er war 1930 aus Südamerika zurückgekehrt und trat wieder in die NSDAP ein.  Im Januar 1931 trat er den Posten des Staatschef der SA an. Der Konflikt zwischen Stennes und der SA-Führung war aber nicht ausgestanden. Zum einen lehnte er die unter Röhm gerade begonnene Umorganisation der SA ab. Hauptgrund der Ablehnung durch die NSDAP-Spitze war aber die aktionistische Ausrichtung von Stennes und seiner Leute. Mit der Notverordnung vom 28. März 1931 zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen ,

deutete die Regierung an, dass sie in Zukunft energischer gegen politische Gewalt vorgehen wolle. Das gefährdete die Erfolge, die die NSDAP mit der Reichstagswahl von 1930 errungen hatte. Der Umkreis um Stennes warf der “Hitler-Fraktion” vor, sich von den

alten Idealen des Nationalsozialismus abgewandt zu haben. Die SA weigere sich, sich “auf dem Altar der Legalität opfern” zu lassen. (Flugblatt »Pg., S.A.-Kameraden! Nationalsozialisten!«, 8.4.1931, BArch Bln, NS26) Hitler setzt Stennes schließlich ab, worauf es zum

zweiten “Stennes-Putsch” kam. Mehrere hundert SA-Leute besetzten das NSDAP Parteigebäude in der Berliner Hedemannstraße. Stennes wurde dann aus der Partei ausgeschlossen.

 

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Er und seine Gefolgsleute bemühten sich die Nationalsozialistische Kampfbewegung Deutschlands (NSKD)auf zubauen. Aber schon im Dezember hatten Geldnot und schwindende Mitgliederzahlen für das aus der NSKD gesorgt.Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kam Stennes im Mai 1933 zunächst in Haft. Aber Göring, der ihn noch aus gemeinsamen Kadettenzeiten in Berlin  kannte,unterstützte ihn. Auf Rat Görings wurde Stennes in China als Mitglied einer deutschen Militärmission Berater Tschiang Kai-scheks . Er befehligte dort die Leibgarde des Nationalistenführers und schulte Polizeioffiziere. (zur weiteren Geschichte von Stennes siehe siehe Spiegel online Eines Tages SA-Führer Stennes Von Hitlers Haudrauf zu Stalins Spion).

Unabhängig von diesen inneren Auseinandersetzungen wuchs die SA beständig und rasch an. Weltwirtschaftskrise und Wahlerfolge der NSDAP trugen ihren Teil dazu bei. Der Straßenterror nahm zu  und führte 1932 zu und führte 1932 zum SA und Uniformverbot.

(s.o.) Im Vorfeld der Reichstagswahl von 1932 kam es zu 300 Toten und über 1000 Verletzten. Bis Ende 1932 waren  92 SA-Leute bei Saal- und Straßenschlachten ums Leben gekommen.  Am 14. Januar 1930 wurde Horst Wessel, ein SA-Führer, angeschossen.

Am 23. Februar starb er im Krankenhaus. Eigentlich war es um eine private Auseinandersetzung gegangen. Es ging um Streit mit Mietzahlungen in einer Wohnung wo Wessel zur Untermiete wohnte. Goebbels, damals Berliner Gauleiter, griff das unter anderen Vorzeichen auf und nutzte den Tod Wessels zur hemmungslosen Agitation. Er stilisierte ihn zum “Märtyrer” der Bewegung. Er nannte ihn einen “Christussozialisten”, einen, der durch Taten rufe: »Kommt her zu mir, ich will Euch erlösen “
Zitiert nach R. G. Reuth, Goebbels  S. 162. Goebbels gestaltete ein pompöse Trauerfeier, bei der auch Göring, der SA-Führer von Pfeffer sowie Prinz August Wilhelm von Preußen anwesend waren. Nach der Machtübernahme gab es Horst Wessel Plätze.

Das Krankenhaus, in dem er gestorben war, wurde in “Horst Wessel Krankenhaus” umgetauft. Horst Wessel hatte irgendwann zwischen 1927 und 1929 einen Liedtext gedichtet, der zur offiziellen Parteihymne der NSDAP wurde. Nach der Machtübernahme

wurde es auf Anordnung von Innenminister Frick immer im Anschluss an die erste Strophe der Nationalhymne gesungen.

Nach der Machtübernahme war Göring Minister ohne Geschäftsbereich. Außerdem trat er am 30. Januar in die Kommissariatsregierung von Preussen als Innenminister ein. De jure regierte in Preussen zwar immer noch die Regierung Braun.

Von Papen hatte im Juli 1932 nach dem “Preussenschlag” die Regierung Braun abgesetzt. Doch das war vom Staatsgerichtshof für ungültig erklärt worden. Die Notverordnung „Zur Herstellung geordneter Regierungsverhältnisse in Preußen“ vom 6. Februar 1933

übertrug kurzerhand alle der Regierung Braun noch verbliebenen Befugnisse auf die Kommissariatsregierung von Papens. Es gab keine Neuwahlen. Das war ein zweiter Staatsstreich in Preussen. Per Erlass vom 23. Februar 1933 gründete

Göring die “Hilfspolizei”. Sie war 50.000 Mann stark und setzte sich überwiegend aus SA und SS- Einheiten zusammen. In Preussen galt ein Verteilerschlüssel, nach dem jeder 5. Hilfspolizist noch aus den Reihen des Stahlhelms kommen musste.

Die Gründung einer Hilfspolizei empfahl Göring auch für andere Länder. Das preussische Beispiel machte schnell Schule. Braunschweig richtete ihre HiPo schon am 1. März ein, Bayern stellte am 9./10. März eine HiPo auf, Württemberg am 10. März und Hamburg am 15. März. So wurde der Straßenterror gegen politisch Andersdenkende mit staatlichen Vollmachten durchgeführt. Hitler zog zweifachen nutzen aus der SA  in der Zeit unmittelbar nach der Machtübernahme. Seine Gegner konnte er einschüchtern und terrorisieren.

Bei den Konservativen konnte er sich als die Person geben, die als einzige in der Lage war, die SA zu bändigen.Hitlers Macht war im Lauf des Jahres 1933 vor allem dank der SA gesichert. Der Konflikt zwischen SA und Parteiführung, der ja schon von 1930 bis 1932

ausgetragen wurde (s.o.), war ja durch die Machtübernahme nur aufgeschoben, nicht aber gelöst worden. Röhm hatte-wie schon 1925 einmal- eine andere Vorstellung von der Rolle der SA. Ihm schwebte ein “NS-Volksheer” vor. Die Einheiten der Reichswehr sollten

in denen der SA aufgehen und so das NS-Volksheer bilden. Hitler aber brauchte die Reichswehr für seine zukünftigen Kriegspläne. Röhm hatte aber auch innerparteiliche Rivalen, nämlich Göring und Himmler. Es wurde nun der Eindruck erweckt, Röhm wolle zu einem Aufstand anstiften. Gerüchte wurden geschürt, Zitate bewusst gefälscht.

Am 30. Juni 1934 war Röhm zur Kur in Bad Wiessee, begleitet von mehreren SA-Führern. Der SS-Sturmbann Dachau, am 29. November 1934 in SS-Sturmbann Oberbayern umbenannt und Heinrich Himmler zur ausschließlichen Verfügung unterstellt-

verhaftete die SA-Führung am  30. Juni 1934 in Bad Wiessee. Zwischen 150 und 200 Menschen kommen in der “Nacht der langen Messer” ums Leben. Die in Bad Wiessee verhaftete SA-Führung wurde nach München-Stadelheim gebracht und dort erschossen.

Man hatte aber SA-Führer aus allen Teilen nach München zu einer Konferenz beordert. Die meisten kamen mit Nachtschnellzügen in München an, wurden sofort auf dem Bahnhof verhaftet, auch nach Stadelheim gebracht und erschossen. Nur bei Ernst Röhm, immerhin Hitlers Weggefährte zeigte der Führer noch Skrupel. Er sollte einen “ehrenvollen” Abgang erhalten. Er  wurde aufgefordert, Selbstmord zu begehen. Als er das nicht tat, wurde er auch erschossen. Goebbels war während dieser Aktionen auch in München und gab auf ein Zeichen Hitlers aus dem Braunen Haus das Stichwort “Kolibri” telefonisch nach Berlin durch. Daraufhin setzte auch dort die Mordaktion ein. Aber nicht nur die SA-Führung wurde liquidiert. Alte Gegner, Kritiker und Mitwisser wurden ebenfalls aus dem Weg geräumt. auch alte Rechnungen wurden beglichen. So starb Ritter von Kahr, der als bayerischer Generalstaatskommissar Hitler bei seinem Putsch 1923 die Unterstützung versagt hatte. Der ehemalige NSDAP-Organisationsleiter  Georg Strasser wurde am 30. Juni 1934 in Berlin von der Gestapo verhaftet, in das Gestapo-Hauptquartier in Berlin  in der Prinz-Albrecht-Straße  gebracht und dort liquidiert.Sein Tod wurde zunächst als Suizid deklariert. Gut möglich, dass sich Himmler und Göring eines potentiellen Konkurrenten entledigte, bevor diesem ein Come-Back gelang. Getötet wurden auch Regimegegner aus der katholischen Kirche wie Erich Klausener, der den Vorsitz der Katholischen Aktion in Berlin innehatte. Er war Beamter im preussischen Innenministerium.

Schon vor der Machtergreifung war er überzeugter Gegner linker wie rechter Kampforganisationen und hatte eben auch die SA mit den Mitteln der preussischen Polizei entschieden bekämpft. Auch der Münchner Journalist und Archivar Fritz Gerlich zählte zu den Opfern. Gerlich war von 1920-1928 Chefredakteur der Münchner Neuesten Nachrichten, einer Vorgängerzeitung der Süddeutschen Zeitung. Ab 1930 gab er die Zeitschrift “Illustierter Sonntag’” heraus, die ab 1932 als “Der Gerade Weg” erschien. Verleger war

Erich August Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg, der am Rande erwähnt mit dieser Zeitung eine Menge Geld verlor. Gerlich schrieb in der Ausgabe vom 31.Juli 1932 “Nationalsozialismus heißt: Lüge, Hass, Brudermord und grenzenlose Not”

(Digitalisat der Bayerischen Landesbibliothek)In derselben Ausgabe wird eine Zuschrift veröffentlicht, die sich wie eine Vorwegnahme des weiteren Schicksals von Gerlich liest “Sie erbärmlicher Schmutzfink.Seien sie überzeugt, daß die Stunde bald schlägt,

wo Deutschland von Ihnen und Ihresgleichen befreit wird. Wir werden an Ihnen und Ihrer schwarzen Sippe ein besonderes Exempel statuieren…” Gerlich wurde  am 9. März 1933 von einem SA-Trupp misshandelt, in Schutzhaft genommen und verblieb dort

bis zur Nacht vom 30. Juli, wo er in Dachau erschossen wurde. Von Papen konnte seine Mitarbeiter auch nicht mehr schützen, was seine Machtlosigkeit im Kabinett Hitler illustriert. Edgar Julius Jung wurde wohl in Oranienburg ermordet. Er war

politischer Berater und Redenschreiber von Papens und entwarf die Marburger Rede, die von Papen am 17.Juni 1934 vor Marburger Studenten hielt. Carl Fedor Eduard Herbert von Bose war Oberregierungsrat und Referent von von Papen. Er wurde erschossen, weil ja auch die “Papencique” zerschlagen werden sollte. Auch die Reichswehr hatte tote zu beklagen. So wurde Kurt von Schleicher, der ehemalige Reichskanzler und Ferdinand von Bredow, enger Mitarbeiter und Vertrauter Kurt von Schleichers ermordet.

Hitler hatte allerdings behauptet, von Schleicher und von Bredow hätten Landesverrat betrieben. Das empörte zwar die gesamte Generalität und sie beschwerte sich beim Reichwehrminister von Blomberg. Dieser versprach eine Dokumentation zu den Vorfällen zu liefern. es blieb aber bei dem Versprechen. Der einzige, der Konsequenzen daraus zog, war Generalleutnant Wolfgang Fleck, der seinen Abschied einreichte. Die angespannte Stimmung im Offizierskorps blieb aber und sie veranlasste Hitler zu der

Aussage in einer geschlossenen Versammlung, Untersuchungen hätten ergeben, dass die Generäle von Schleicher und von Bredow irrtümlich erschossen worden seien. Hitler hatte der Reichswehr auch zugesichert, dass sie das militärische Monopol behalten solle.

Trotzdem erhielt die SS schon wenige Monate später die Erlaubnis, eigene bewaffnete Verbände aufzustellen. Am 20. Juli 1934 löste Hitler die SS aus der SA und erhob sie zu einer selbstständigen Organisation im Rahmen der NSDAP. 1934 wurden solche Mordaktionen noch juristisch bemäntelt. Am 3. Juli 1934 erließ die Regierung das Gesetz über Maßnahmen der Staatsnotwehr. Im einzigen Artikel darin heißt es: “ Die zur Niederschlagung hoch- und landesverräterischer Angriffe am 30. Juni, 1. und 2. Juli 1934 vollzogenen Maßnahmen sind als Staatsnotwehr rechtens.”

Und was war mit Bürckel während des Röhmputsches?  Am Tag der Verhaftung Röhms hatte Bürckel die pfälzischen Bauern  zu einer Versammlung auf dem  “Thingplatz” am Königstuhl auf dem Donnersberg eingeladen.Bei dieser Veranstaltung griff er den landwirtschaftlichen Gaufachberater der NSDAP Ludwig Schickert scharf an. Die beiden hatten wohl schon seit 1932 Probleme miteinander.

Auch Walther Darré war anwesend. Er war am 28. Mai 1934 zum Reichsbauernführer und am 29. Juni, also am Vortag zum Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft ernannt worden. Dessen agrarpolitische Vorstellungen empfand er als unsozial. Die Politik

Darrés missachtete nach Bürckels Einschätzung die dringenden Belange der Bauern. Bürckel nahm kein Blatt vor den Mund. In einer im Protokoll nicht vorgesehenen Schlussrede wandte er sich direkt an den neuernannten Minister und bat ihn jede unsoziale, die dringenden Bedürfnisse der pfälzischen Bauern missachtende Politik zu unterlassen. Darré war über dieses unprogrammäßige Schlusswort erzürnt und ließ ihm, nachdem er nach Berlin zurückgekehrt war, ausrichten, sein Schlusswort auf dem Donnersberg

habe ihm so gut gefallen, dass er nicht umhin könnte “Gauleiter Bürckel mitzuteilen, dass gerade Georg Strasser erschossen worden ist.” (Wettstein S. 211). Bürckel hatte aus der Säuberung für sich den Schluss gezogen, dass sie sich gegen den Machtanspruch einer

der Sittenlosigkeit und Korruption verfallenen SA-Führung gerichtet hat. In diesem Sinn fiel auch sein Telegramm aus, das er am nächsten Tag an Hitler schickte. “Die Haltung des Gaus Pfalz ist ganz selbstverständlich. Für die durchgeführte Säuberung dankt das ganze pfälzische Volk, aber auch aufrichtig die SA des Gaues Pfalz.Ihr getreuer Bürckel”. Flankiert wurde das in einem Aufruf, der in allen pfälzischen Tageszeitungen veröffentlicht wurde. “Der Führer hat aufgeräumt und uns damit erlöst…” (Wettstein S. 212).

Hindenburg hatte das Vorgehen gegen die SA durchaus forciert. Als Hitler den kranken Präsidenten auf seinem Gut Neudeck besuchte, forderte Hindenburg Hitler auf, endlich “endlich etwas gegen die revolutionären Unruhestifter zu unternehmen”  und er überlegte wohl, das Kriegsrecht zu verhängen. Am 2. August 1934 starb der Reichspräsident Paul von Hindenburg. Der verstorbene Präsident sollte eigentlich auf seinen  ausdrücklichen Wunsch auf Gut Neudeck bestattet werden. Doch die Nazis ließen sich nicht nehmen, daraus eine perfekte Inszenierung nationalsozialistischer Machtausübung zu machen. Der Leichnam war am 7. August zum Tannenberg überführt worden. Am Tag darauf wurde er in einem pompösen Staatsakt beigesetzt von Hitler mit

“Toter Feldherr, geh‘ nun ein in Walhall!“  Schon am am 1. August Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs erlassen.

Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:

§ 1

  Das Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt. Infolgedessen gehen die bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler über. Er bestimmt seinen Stellvertreter.

§ 2

  Dieses Gesetz tritt mit Wirkung von dem Zeitpunkt des Ablebens des Reichspräsidenten von Hindenburg in Kraft.

Noch am Todestag von Hindenburg lässt Reichswehrminister General von Blomberg alle Soldaten einen Eid auf Hitler ableisten. Der Eid lautete nun “Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“ Dabei hatte der Reichswehrminister gar keine rechtliche Befugnis den Text des Eides zu ändern.

Er lautete bis dahin so: “Ich schwöre der Reichsverfassung und gelobe, daß ich als tapferer Soldat das Deutsche Reich und seine gesetzmäßigen Einrichtungen jederzeit schützen, dem Reichspräsidenten und meinen Vorgesetzten Gehorsam leisten will.“

Von Blomberg erhoffte sich von dieser Änderung der Reichswehr eine starke Position zu sichern. De facto stärkte er aber die Position Hitlers. Auch hatte dies Spätfolgen, die damals natürlich nicht abzusehen waren. Als es um den Widerstand gegen Hitler,

fühlten sich viele Offiziere auch durch den Eid auf Hitler gebunden und das machte den Widerstand für einzelne durchaus auch zu einer Gewissensentscheidung. Die deutsche Bevölkerung sollte die Zusammenlegung der Ämter des Reichspräsidenten und Reichskanzlers in einer Volksabstimmung absegnen, die für den 19. August 1934 angesetzt war. Bürckel war seit 7. August 1934 offizieller Sonderbevollmächtigter der Reichsregierung für die Saarabstimmung im Januar 1935. Schon am 18. Juli hatte Joseph Goebbels

den Pfälzer Gauleiter mit der Durchführung der Saarpropaganda beauftragt. Zwar ging es bei der Volksbefragung am 19. August eigentlich um nichts. Sie diente lediglich der Akklamation. Bürckel aber musste sich beweisen. In allen Wahlen hatte er ja immer

Spitzenergebnisse eingefahren. Und auch jetzt brachte er sein erprobtes Erfolgsrezept. Aufmärsche, Fahnen, Marschmusik und aus den Lautsprechern tönten reden Hitlers oder sonstiger Parteigrößen. Am 14. August fand in Speyer eine Massenkundgebung mit

mehr als 10.000 Teilnehmern statt. Seine Rede ließ er gleichzeitig über Lautsprecher in sämtliche Gemeinden des Kreises übertragen. Er schloss pathetisch “Ich sage, dass ich am Abend des 19. Augusts vor den Führer treten werde mit der Meldung: Mein Führer,

die Kompanie Pfalz steht geschlossen hinter dir! “ (Wettstein S. 214) Seine Prophezeiung  traf ein. Die Pfalz meldete 99,9 %. (Zahl nach Landesgeschichtliches Informationssystem  Hessen).

Das Saargebiet kam nach der Niederlage von 1918 unter die Regierung des Völkerbundes. 1920 wurde es für 15 Jahre unter französische Verwaltung gestellt. Für 1935 war vertragsgemäß eine Volksabstimmung vorgesehen, die den künftigen Status des Gebiets festlegen sollte Im Jahr 1931 hatte Bürckel eine Art Patenschaft für die saarländische NSDAP übernommen. Er ordnete Parteiredner für die Partei, aber auch Saalschutz durch SA und SS-Leute aus der Pfalz ab. Er versorgte sie mit Uniformen. Er gab saarländischen Parteigenossen die Möglichkeit, in der Pfalz zu hospitieren. Er kannte die saarländische NSDAP also genau. So war es nur folgerichtig, dass Hitler Bürckel nach der Machtergreifung zum Gauleiter des Gaus Saar ernannte,

ohne aber den amtierenden Gauleiter Karl Brück seines Amtes zu entheben. Er löste den Gau Saar auf und unterstellte die NSDAP seiner Gauleitung mit der Zentrale in Neustadt. Die Regierungskommission, das war die Behörde, die das Saargebiet im

Auftrag des Völkerbundes verwaltete, verabschiedete kurz darauf ein Gesetz, das die Parteien an der Saar zur rechtlichen Eigenständigkeit gegenüber dem Deutschen Reich verpflichtete. Somit konnte Bürckel nicht Gauleiter für die Saar bleiben. Als Strohmann

für Bürckel wurde Alois Spaniol, 1904 im saarländischen Lisdorf geboren, eingesetzt. Die bürgerlich-liberalen Parteien und das katholische Zentrum schlossen sich unter  auf eine Initiative des VölkIinger Industriellen Herrmann Röchling zur ,,Deutschen Front (DF)“ zusammen. Sie trat für den Anschluss des Saargebiets an das Reich ein. Bürgerliche Politiker und Pfarrer dienten als Aushängeschilder. Nach außen wirkte sie wie eine überparteiliche Bewegung. Tatsächlich aber stand sie vollständig unter der Kontrolle

der NSDAP und die Fäden hielt Bürckel in der Hand. Der DF gehörte als Nationalsozialist Jakob Pirro  an. Die Saar-NSDAP wurde am 26. Februar 1934 aufgelöst Neuer Leiter wurde Pirro. Er gilt als Vertrauter Bürckels, der also seine Strategie bei der Personalauswahl, alle Posten mit seinen Vertrauten zu besetzen fortführte.

Bürckel hatte mit der Saarpropaganda zwei Aspekte abzudecken. Zum einen musste er natürlich die Saarländer für die Rückgliederung begeistern. Er musste aber auch die Reichsbevölkerung für die innen-und außenpolitische Bedeutung sensibilisieren.

Für den Kampf um saarländische Stimmen griff er auf seine bewährten Propagandainstrumente zurück. Presse und Film und natürlich wie immer öffentliche Kundgebungen und Versammlungen wurden genutzt. Wichtigstes Propagandamittel wurde aber mehr und mehr der Reichsrundfunk. Für die Reichsdeutschen kreierte er Saarveranstaltungen und Saarausstellungen. In Zweibrücken fand am ersten Aprilwochenende die wohl erste offizielle Saarlandkundgebung statt. Über 70.000 Menschen waren gekommen.

Auch in Mannheim, Mainz und Ludwigshafen fanden große Kundgebungen statt. Sternfahrten zur saarländischen Grenze von Parteiorganisationen wurden organisiert. Aber auch der Sängerbund Westmark oder die NS-Frauenschaft waren eingebunden.

Der Sängerbund hielt in Zweibrücken eine Kundgebung ab und das Gautreffen der NS-Frauenschaft, auch in der Grenzstadt Zweibrücken hatte 10.000 Teilnehmer/Innen.

Bürckel sah aber auch, dass es außer diesem propagandistischen Trommelfeuer wichtig war, auch die katholische Kirche zu gewinnen. Immerhin waren 73 % der saarländischen Bevölkerung Katholiken. Wichtig war ihm eine offizielle Zustimmung der beiden für das Saarland zuständigen Oberhirten Franz Rudolf Bornewasser in Trier und Ludwig Sebastian in Speyer.

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Zwar waren beide Bischöfe national eingestellt und waren deshalb für die Rückgliederung des Saargebiets ins Reich, doch ganz so glatt lief es nicht, wie Bürckel sich das erhofft hatte. Sebastian hatte sich schon 1933 geweigert, einen von Bürckel vorbereiteten Wahlaufruf zu unterschreiben. Er hatte im März 1933 demonstrativ katholische Schutzhäftlinge in Neustadt besucht. Angesichts der ständig zunehmenden Repressalien gegen den Klerus und Ordensleute hatte er sich auch geweigert nach dem Abschluss des Reichskonkordats einen Dankgottesdienst zu feiern. Auch waren die Ausschreitungen in der Pfalz während der Gleichschaltung, die Schutzhaft für pfälzische Geistliche

und die Verfolgung von Mitgliedern des Zentrums und der BVP im Saarland durchaus registriert worden. Bürckel fuhr nun einen geschmeidigeren Kurs. So wies er die pfälzische Kreisregierung im Juni 1934 an, kein Uniformverbot für die katholischen Jugendverbände zu erlassen. Er verbot die Verbreitung des “Mythus des 20. Jahrhunderts” von Rosenberg, der bei der katholischen Kirche seit Anfang 1934 auf dem Index stand. Am 21. Juni 1934 ordnete er für Fronleichnam  für die Pfalz eine allgemeine Arbeitsruhe an.

Fronleichnam war seit dem Feiertagsgesetz vom 27. Februar 1934 kein Feiertag mehr. Außerdem ordnete im “Interesse des Religionsfriedens” behördlichen Schutz für Fronleichnamsprozessionen an. Auch untersagte er , dass in der Pfälzer und saarländischen

Presse antireligiöse und die Kirche verunglimpfenden Artikel veröffentlicht wurden. Gleichzeitig machte er Druck. Er intervenierte sogar beim Vatikan, um die beiden Kirchenfürsten zu veranlassen, ihre bisherige Neutralität aufzugeben.

Am 6. Januar 1935 wurde im Reich und auf Anordnung der fürs Saargebiet zuständigen Bischöfe von Trier und Speyer ein Hirtenbrief verlesen “Am Sonntag, den 13. Januar 1935, wird im Saargebiet die Volksabstimmung stattfinden über die Frage,

ob dieses deutsche Land seine Bewohner in der durch den Versailler Gewaltfrieden aufgezwungenen Trennung vom deutschen Reich verbleiben sollen (zitiert bei Wettstein S. 264)Bei Bischof Sebastian unterblieb die Formulierung vom “Versailler Gewaltfrieden”.

Aber natürlich hat dieser Hirtenbrief das Abstimmungsergebnis beeinflusst. Das Ergebnis war überzeugend. 90,8 % der Wähler entschied sich für das Rückkehr ins Reich. Für den Status quo stimmten 8,8 % und nur 0,4 % votierten für Frankreich.

Bürckel hatte seine Fähigkeit wieder voll unter Beweis gestellt. Hitler gratulierte zu dem Erfolg persönlich am Telefon und einem persönlich an ihn gerichteten Telegramm “Aufrichtigen Dank für Ihre vorbildliche Arbeit” (Wettstein S. 267)

Auch Goebbels, der sich oft über Bürckels “sozialistische Alleingänge” ärgerte oder Dr. Frey, den er mit seiner Personal-und Verwaltungspolitik in der Pfalz oft brüskierte, gratulierten.

Am 30. Januar wurde “Gesetz über die vorläufige Verwaltung des Saarlandes” erlassen. § 1 lautete: “An der Spitze der Verwaltung des Saarlandes steht bis zur Eingliederung in einen Reichsgau der Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes mit dem Amtssitz in Saarbrücken. Der Reichskommissar wird vom Führer und Reichskanzler ernannt”. Bürckel wurde am 11. Februar  zum Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes  ernannt und am 1. März 1935 in Saarbrücken von Dr. Frick in einem Festakt

in das Amt eingesetzt. Fast alle Parteigrößen waren dabei: Hitler, Heß, Goebbels, Himmler, Rosenberg, Darré, Ley. Auch die beiden Bischöfe Bornewasser und Sebastian waren anwesend. In seiner Antrittsrede versprach Bürckel den Bau von 2000 Häusern und

Siedlungen. Zur Rückgliederung des Saarlandes sagte er klar “diese sei keine bayrische,preußische Angelegenheit, sondern allein (eine)deutsche Angelegenheit (Wettstein S.270)Tatsächlich war das Saargebiet  das erste von den Nationalsozialisten geschaffene „führerunmittelbare Territorium“, in dem der Reichskommissar neben seiner Position als oberster Präsentant der Reichsaufsicht zugleich die Funktion eines Regierungschefs ausübte.Für seine Kirchenpolitik anerkannte er die Aufgabe der Kirche. Doch sagte er auch, dass der Nationalsozialismus als Träger des Staates ungehindert seine Aufgaben erfüllen werde. Jeder sollte auf seine Arbeit beschränkt werden.

Wie er das auch in der Pfalz gemacht hatte, besetzte er die führenden Posten mit ihm loyal ergebenen Parteigenossen. Durch Führererlass vom 17. Juni 1936 wurde Bürckel zum Reichskommissar für das Saarland ernannt. Im selben Jahr wurde er

auch Obergruppenführer der SA, das entspricht dem Rang eines Generals.

Noch ein Blick auf das gesamte Reichsgebiet und die weitere Entwicklung des nationalsozialistischen Herrschaftssystem.

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Auf dem Gebiet der Innenpolitik geschah auch Wichtiges

Mit dem “Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” vom 7. April 1933 hatte die Ausgrenzung der Juden begonnen.

Die “Nürnberger Gesetze”, die am Abend des 15. September 1935 anlässlich des 7. Reichsparteitag der NSDAP, des “Reichsparteitags der Freiheit”, einstimmig angenommen wurden, schlossen die Juden praktisch aus dem deutschen Volk aus.

Die beiden Gesetze, das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (RGBl. I S. 1146) und das “das Reichsbürgergesetz” (RGBl.I S. 1146) gaben der nationalsozialistischen Rassenideologie ihre juristische Grundlage.

An der Erarbeitung von Vorlagen und Gesetzesentwürfen maßgeblich beteiligt- auch für die “Nürnberger Gesetze” war als Referent im Innenministerium Hans Globke. Er gab auch zusammen mit seinem Vorgesetzten dem Staatssekretär

Wilhelm Stuckart den ersten Kommentar zu den Nürnberger Gesetzen und deren Ausführungsverordnungen heraus. Er verfasste auch das Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen vom 17. August 1938 , das Juden zur Führung

des zusätzlichen Vornamens Israel für Männer und Sara für Frauen verpflichtete. Er konzipierte auch das J, das Juden in ihre Pässe eingeprägt bekamen, mit.

Hans Globke brachte es trotz dieser Vorgeschichte zum Zeugen der Anklage im Nürnberger Prozess. Unter Adenauer wurde er Ministerialdirigent. Am Schluss brachte er es sogar zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Er war die Schaltstelle im Kanzleramt

und Adenauers engster Vertrauter. Auch über Ordensverleihungen konnte er sich nicht beklagen. Er erhielt das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Auch eine Karriere!

Mit dem Blutschutzgesetz wurde die Eheschließung sowie der außereheliche Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Nichtjuden verboten. Das Reichsbürgergesetz legte fest, dass nur “Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes“ Reichsbürger

sein konnten. Das hatte zur Folge,dass kein Jude mehr ein öffentliches Amt innehaben durften. Jüdische Beamte, die 1933 wegen des “Frontkämpferprivilegs” noch einmal davon gekommen waren, mussten nun bis zum 31. Dezember 1935 ihren Dienst quittieren.

Juden verloren das politische Wahlrecht und durch weitere Verordnungen zum Reichsbürgergesetz wurde jüdischen Ärzten und Rechtsanwälten auch ihre Zulassung entzogen.

Zu Gauleiter Bürckel. Gleich nach 1933 waren Juden aus ihren Geschäften gedrängt worden. Der Weinhandel war traditionell überwiegend von jüdischen Händlern betrieben und die waren planmässig aus dem Geschäft gedrängt worden, oft mit fadenscheinigen Vorwürfen von Weinbetrug und Weinpanscherei. Im Mainzer Karnevalszug von 1936 fuhr sogar ein Motivwagen mit, der den Vorwurf, dass Juden minderwertige Weine als Spitzenweine verkaufe. Dazu kam ein Weinjahrgang, dessen Mengen

das 2 1/2 fache eines normalen Jahrgangs ausmachte. Die Winzer fürchteten einen Preisverfall. Also proklamierte Bürckel “Die Deutsche Weinstrasse”. Sie verlief von Schweigen nach Bockenheim und sollte die schönsten Winzerdörfer der Pfalz verbinden.

Man musste lediglich neu ausschildern. Orte die an der Route lagen durften den Zusatz “an der Weinstraße” sowie Neustadt- bisher an der Haardt nun an der Weinstraße. Am 19.  Oktober 1935 wurde in Bad Dürkheim die Deutsche Weinstraße feierlich eröffnet.

Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden wurden nur zehn Tage vorher in Kenntnis gesetzt. Ursprünglich war geplant mit einer Pfälzerwald Hochstrasse vom Donnersberg bis zum Hohen Derst, der ist oberhalb von Dörrenbach für den Fremdenverkehr

und damit auch für den Wein zu werben. Bürckel war im Juli 1935mit seinem Gefolge in der Schweigener Gaststätte “Zum Bayerischen Jäger”eingekehrt. Dabei kam man auf die Änderung der Pläne. Am Anfang der Weinstraße steht das Deutsche Weintor,

das die provisorische Holzattrappe, die bei der Eröffnung stand, ersetzt hatte. Es gab einen Architektenwettbewerb, den die Architekten August Josef Peter und Karl Mittel aus Landau gewonnen hatten. Die Grundsteinlegung fand am 27. August 1936 statt, der Abschluss der Bauarbeiten wurde nicht einmal zwei Monate später, am 18. Oktober, gefeiert.

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Entlang der Weinstraße sollten 6 Bauwerke entstehen, die zum einen als Kelterstation, zum anderen als Gaststätte mit Ausflugszielcharakter dienen sollten. Gebaut wurde

aber noch 1936 nur der “Saarhof”. Er sollte so heißen, weil die Stadt Saarbrücken die Trägerschaft übernommen hatte. Der Rohbau wurde bei Kriegsbeginn vollendet. dann nahm ihn die Wehrmacht in Beschlag. 1944/45 kaufte die Gemeinde Leinsweiler das Anwesen von der Stadt Saarbrücken. 1951 übernahm es der Landkreis Landau.Heute ist der “Leinsweiler Hof” in Privatbesitz. Parallel zur Errichtung der Weinstraße begründete Bürckel Partnerschaften Pfälzer Winzergemeinschaften mit deutschen Städten. Natürlich überschritt Bürckel damit seinen Kompetenzrahmen, denn Weinbau und Weinwerbung lagen eigentlich im Zuständigkeitsbereich von Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Darré. Aber um Kompetenzen hat Bürckel sich nie gekümmert, zumal wenn er vom Zuständigen keine hohe Meinung hatte. Für die Weinstraße regelte er vieles mit einer Reihe von Erlassen. Aus Vorgärten mussten Reklameschilder, Leuchtstofftransparente, nicht für die Pfalz typische Pflanzen, selbst Gartenzwerge entfernt werden.

Modische Bauweisen, Edelputz und Mosaiken an den Hauswänden waren verboten. Alte Fachwerkhäuser, alte Wirtshausschilder und alte Zäune waren zu erhalten. Bürckel liess die postalische Bezeichnung “an der Weinstrasse” an die Ortsnamen anhängen-

werbewirksam bis heute.

Das Verhältnis des Nationalsozialismus zur Kirche, vor allem zur katholischen, war von Anfang an ziemlich gespannt. Und wie oben gezeigt gab es gleich zu Beginn massive Übergriffe auf Geistliche und vor allem heftige Verfolgung von Zentrumsmitgliedern.

Das Verhältnis entspannte sich nach dem Konkordat ein wenig und unter Gauleiter Bürckel in der Pfalz als es um die Saarabstimmung ging und Bürckel einfach auch die massive Unterstützung der Bischöfe brauchte, um ein möglichst gutes Stimmergebnis im Saarland zu erreichen. Der Speyrer Bischof Sebastian war von Anfang an nicht auf Konfrontation aus.Wie oben gezeigt wurde, verlief die Zeit kurz vor dem Ermächtigungsgesetz sehr turbulent. Auch in der Pfalz waren sehr viele katholische Geistliche in Schutzhaft genommen worden oder wie der Pfarrer von Rheingönnheim Caroli misshandelt worden. Bischof Sebastian willigte in ein Abkommen mit der Gauleitung ein, das katholischen Priestern strengste Zurückhaltung in politischen Fragen auferlegte. Getragen war dies von der

Hoffnung, die Haftentlassung der Pfarrer zu erreichen. Das Hauptziel des Bischofs lag darin, eine geregelte Seelsorge aufrecht zu erhalten. Nach dem für das Regime günstigen Ausgang der Saarabstimmung war man nicht mehr auf Rücksichtnahme auf die Kirche angewiesen. Eine Atempause verschafften nochmals die Olympischen spiel 1936 in Deutschland. Man wollte sich im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit natürlich gut zeigen. Es kam dann Ende 1936/Anfang 1937 zum Frankenholzer Schulstreik. Es ging hier um den Rang von Schulkreuzen und Hitlerbildern. Als der nationalsozialistische Schulleiter Philipp Klein Kreuze durch Hitlerbilder ersetzen ließ, behielten Eltern ihre Kinder daheim. Als die Gestapo gegen die Rädelsführer ermittelte, schlossen sich Bergleute dem Protest mit

einem Bummelstreik an. Darauf wurden 15 Grubenarbeiter fristlos entlassen, 5 Eltern in U-Haft genommen. Gauleiter Bürckel gab nach, ließ die Geldstrafen für die Schulverweigerung aufheben,

veranlasste, dass die Verhafteten entlassen wurden und machte den Platztausch von Hitlerbild und Kreuz rückgängig.  Bischof Sebastian hatte den Vorfall in seiner ganzen Diözese publik gemacht und mit klaren Worten darauf hingewiesen,dass Frankenholz kein Einzelfall sei sondern symptomatisch für die Gesamtentwicklung im Deutschen Reich war. Die Stellungnahme des Bischofs belegte, dass Bürckels Fiktion vom Religionsfrieden in seinem Gau nicht stimmte.Fast gleichzeitig ließ Bürckel eine Abstimmung über die Einführung einer Gemeinschaftsschule im Gau Saarpfalz durchführen und erhielt ein klares Votum für die Gemeinschaftsschulen. Das wieder zeigte, dass die Bereitschaft vieler Katholiken, sich den Forderungen des Nationalsozialismus zu widersetzen, sehr rasch an ihre Grenzern stieß, wenn konkrete Nachteile drohten. Die Abstimmung war am 19. März angesetzt worden und schon am 20. März abgehalten worden. So wurde den Pfarrern die Möglichkeit genommen, dagegen Stellung zu beziehen, z. b. in Predigten.

Der 20. März war der Samstag vor Palmsonntag. Am 21. März aber wurde in allen katholischen Kirchen die päpstliche Enzyklika “Mit brennender Sorge” verlesen. Schon im Januar 1937 hatte Papst Pius XI. die Kardinäle Faulhaber (München und Freising), Bertram (Breslau zugleich Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz),und Schulte(Köln) sowie die Bischöfe Galen (Münster) und Preysing (Berlin) nach Rom gerufen, um mit ihnen zu beraten, wie man der immer feindseliger werdenden Kirchenpolitik in Deutschland begegnen sollte. Ein Brief des Papstes an Adolf Hitler oder eine öffentliche Kundgebung des Papstes gegen den Nationalsozialismus in Form einer Enzyklika wurde besprochen. Der Brief wurde verworfen, die Enzyklika beschlossen.

Kardinalstaatssekretär Pacelli bat Kardinal Faulhaber einen ersten Entwurf zu verfassen. Er arbeitete nur nachts und ohne fremde Hilfe, um die geringste Gefahr oder Indiskretion auszuschließen. Gleichzeitig bereite der Vatikan eine gleichzeitig geplante

Enzyklika gegen den Kommunismus („Divini Redemptoris“) so auffällig vor, daß die NS-Diplomaten nur auf dieses Dokument warteten. Beim Korrekturerlesen kam Faulhaber zu der Meinung, dass sich sein Entwurf vielleicht für einen deutschen Hirtenbrief,keinesfalls aber für ein päpstliches Rundschreiben eigne. Papst Pius XI. und sein Staatssekretär entschieden anders. Pacelli brachte noch geringfügige Änderungen an. Das überarbeitete Manuskript wurde in der Druckerei des Vatikans gedruckt und ging

mit einem diplomatischen Sonderboten an die Nuntiatur nach Berlin. Über Kuriere wurde es direkt an die deutschen Bischöfe übergeben. Der Postweg wurde gemieden.Vertrauenswürdiger Kirchenmitarbeiter transportierten das Papier per Fahrrad und Motorrad in die Pfarrhäuser. Man nutzte Wald- und Feldwege, um kein Aufsehen zu erregen. Die Kopien des geheimen Textes wurden in Beichtstühlen übergeben. Zwar gelangte ein Tag vor der geplanten Verlesung ein Exemplar in die Hände der Gestapo. Aber da war die Zeit zu Beschlagnahme natürlich zu knapp. Der Coup war geglückt. In den 11.500 Gemeinden Deutschlands wurde das Rundschreiben verlesen und 300.000 Kopien verteilt. Es ist diese die einzige päpstliche Enzyklika in deutscher Sprache.

Hitler soll getobt haben, als er am Vorabend der Verlesung von der Enzyklika erfuhr. In der Enzyklika steht zwar weder “Adolf Hitler” noch Nationalsozialismus aber es ist eine klare Lagebeschreibung der katholischen Kirche in Deutschland, wie es in der Überschrift heißt. Nach Abschluss des Konkordats hatten sich die Verstöße gegen die Vereinbarung gehäuft. Kardinalsstaatssekretär Eugenio Pacelli hatte dem Botschafter des Deutschen Reiches am Heiligen Stuhl über 50 diplomatische Protestnoten übergeben-

nun erklärte der Papst “daß in diesen schweren und ereignisvollen Jahren der Nachkonkordatszeit jedes Unserer Worte und jede Unserer Handlungen unter dem Gesetz der Vereinbarungstreue standen.” Und fährt dann fort ”wie von der anderen Seite die Vertragsumdeutung, die Vertragsumgehung, die Vertragsaushöhlung, schließlich die mehr oder minder öffentliche Vertragsverletzung zum ungeschriebenen Gesetz des Handelns gemacht wurden.” Auch zum  zur Rasselehre wird klar Stellung bezogen:

“Wer die Rasse, oder das Volk, oder den Staat, oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte menschlicher Gemeinschaftsgestaltung – die innerhalb der irdischen Ordnung einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz behaupten – aus dieser ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge. Ein solcher ist weit von wahrem Gottesglauben “ Auch zum Führerkult gibt es deutliche Worte: “Wer in sakrilegischer Verkennung der zwischen Gott und Geschöpf, zwischen dem Gottmenschen und den Menschenkindern klaffenden Wesensunterschiede irgend einen Sterblichen, und wäre er der Größte aller Zeiten, neben Christus zu stellen wagt, oder gar über Ihn und gegen Ihn, der muß sich sagen lassen, daß er ein Wahnprophet ist, auf den das Schriftwort erschütternde Anwendung findet: „Der im Himmel wohnt, lachet ihrer“ (Originaltext auf der Internetseite des Vatikans) Natürlich schlug der NS-Staat sofort zurück. Man antwortete mit Hausdurchsuchungen und Verhaftungen.Bistumszeitungen, die den Text gedruckt hatten, wurden beschlagnahmt und für drei Monate verboten. Zwölf der an der Vervielfältigung beteiligte Druckereien wurden entschädigungslos enteignet. Katholische Schulen und Klöster wurden geschlossen. Gegen Priester und Ordensleute wurden Prozesse wegen Unterschlagung und Sittlichkeitsprozesse geführt und publizistisch ausgeschlachtet.

Bürckel griff Bischof Sebastian scharf an. Er bezeichnete ihn als Landesverräter und Staatsfeind. Die Gestapo hatte einen Brief des Bischofs an Pacelli abgefangen, geöffnet und fotografiert in dem er über die Bedrückungen der Kirche berichtet hatte..

Am 15. August 1937 sollte in Speyer das goldene Priesterjubiläum des Bischofs gefeiert werden. 25.000 Frauen wollten zu einer “Jubelmesse” nach Speyer kommen. Sonderzüge waren bei der Reichsbahn angefordert und bereits zugesagt worden.

Nun legte Bürckel eine Großkundgebung von Parteiformationen in Speyer auf den 15. August. Die Reichsbahn zog ihre Zusage für die Sonderzüge zurück. Autobusse, die eigentlich den Frauen zur Verfügung stehen sollten, wurden von der Gauleitung

beansprucht. Bischof Sebastian entschied sich deshalb, seinen Ehrentag im Stift Neuburg gemeinsam mit dem Erzbischof von Bamberg und den Bischöfen von Würzburg und Eichstätt in einer stillen Feier zu begehen. Bürckels

Aktion hatte die die Feier des Bischofs zwar verhindert, war aber doch ins Leere gelaufen.

Auf internationaler Ebene war in der Zeit bedeutsam. Im Februar 1936 hatte die Volksfront in Spanien die Wahlen gewonnen. Daraufhin planten Offiziere nahezu öffentlich einen Putsch. Ihre Aktivitäten wurden von der Regierung praktisch ignoriert.

Als am 13. Juli 1936 der monarchistische Oppositionsführer José Calvo Sotelo ermordet wurde, mischten sich immer mehr Gruppen ein. aus dem Putsch war ein Bürgerkrieg geworden. Zwar gab es unter der Ägide des Völkerbundes ein Nichteinmischungskomitee.

Aber die faschistischen Mächte Italien und Deutschland unterstützten die Putschisten offen.Die Sowjetunion unterstütze die Regierung mit Waffen und Beratern. So wurde Spanien zum Übungsfeld für den Systemkonflikt in Europa. Ab November 1936 kämpfte

die Legion Condor mit 12000 Mann, offiziell nur Freiwillige, in Spanien. Ab Frühjahr 1937 waren auch deutsche Seestreitkräfte beteiligt. Am 26. April 1937 wurde die religiöse Hauptstadt des Baskenlandes Gernika unter massgeblicher Beteiligung der

Legion Condor fast vollständig zerstört.

Im November 1937 hatte Hitler die militärische Führungsspitze und Außenminister von Neurath zu einer Konferenz nach Berlin eingeladen. Dabei ging es zunächst um Versorgungsprobleme der Rüstungswirtschaft insbesondere mit Stahl. Doch Hitler wich von der

Tagesordnung ab und gab in einem mehrstündigen Monolog Einblick in seine außenpolitischen Ziele. Hitlers Wehrmachtsadjutant Oberst Friedrich Hoßbach fasste diese Gedankengänge Hitlers stichwortartig in einer Niederschrift zusammen. Diese wurde später als

“Hoßbachprotokoll” bezeichnet und diente später der Anlagevertretung beim Nürnberger Prozess als Beweismittel, dass die Beschuldigten einen Angriffskrieg geführt hätten. Man kannte schon Hitlers Idee vom “Lebensraum”. Nun gab es aber einen konkreten zeitlichen Rahmen. Da wurde auch klar, dass die Tschechoslowakei und Österreich auf der Agenda standen.

Im Juli 1934 putschten in Österreich Nationalsozialisten. Am 25. Juli ermordete der österreichische Nationalsozialist Otto Planetta den österreichischen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß. Im Anschluss an den missglückten Putsch wurden viele Todesurteile verhängt, von denen 13 auch vollstreckt wurden, unter anderem wurde Otto Planetta durch den Strang hingerichtet. Nachfolger von Dollfuß wurde Kurt Schuschnigg, der bisher Justizminister im Kabinett Dollfuß war.

Für Adolf Hitler bedeutete der Putsch eine enorme außenpolitische Belastung, zumal angenommen wurde, dass Deutschland zu mindestens die Finger im Spiel hatte. Am Grenzübergang Zollerschlag wurde ein Kurier festgenommen, der Dokumente bei sich hatte, das”Kollerschlager Dokument” legt den Verdacht nahe. für die österreichische Regierung war es der Beleg, dass der Juliputsch auf reichsdeutschem Boden geplant und von dort aus geleitet wurde. Hitler ging auf völlige Distanz zu den österreichischen Nationalsozialisten. Die österreichische Landesleitung der NSDAP wurde aufgelöst, der Landesinspekteur Theodor Habicht seiner Ämter enthoben. In Berlin hatte zu der Zeit die Saarabstimmung, dann die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht und

die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes Priorität am 7. März 1936. Weitere personelle Konsequenz war, dass Kurt Heinrich Rieth, der deutsche Botschafter in Wien, in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde.Für ihn wurde von Papen als

Außerordentliche Gesandter nach Wien berufen. Die deutsch-österreichische Vereinigung sollte aus den Schlagzeilen verdrängt werden. Die Beziehungen sollten scheinnormalisiert werden.

Das faschistische Italien hatte sich als Schutzmacht Österreichs gesehen und  die wichtigste außenpolitische Stütze Österreichs. Das faschistische Italien war aber bisher die wichtigste außenpolitische Stütze Österreichs. Österreich war für

Italien ein Puffer, der dem Land die gemeinsame Grenze mit Deutschland ersparte.

Das Eingreifen Deutschlands im spanischen Bürgerkrieg hatte auch zu einer Annäherung an Italien geführt, das General Franco ja ebenfalls unterstützte. Am 2. Oktober 1935 begann Italien den Abesinnienkrieg. Der Völkerverbund verhängte Wirtschaftssanktionen.

Berlin unterstütze nun Italien.

Eine Reaktion auf diese Annäherung der beiden faschistischen Mächte war das Abkommen vom 11.Juli 1936 zwischen Österreich und dem Deutschen Reich. Es bestand aus zwei Teilen, dem offiziellen Kommuniqué. Darin anerkannte die deutsche Regierung “die volle Souveränität des Bundesstaates Österreich”.Jede der beiden Regierungen “betrachtet die in dem anderen Land bestehende innenpolitische Gestaltung… als eine innere Angelegenheit des anderen Landes, auf die sie weder mittelbar noch unmittelbar Einfluss nehmen wird.”. Dann wurde noch vereinbart, dass Österreich ihre Politik auf einer Linie halten wird, die der Tatsache entspricht, dass Österreich sich als deutscher Staat bekennt. (Quellensammlung zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte ,2683)In dem nichtoffiziellen Teil, als Gentlemen Agreement bezeichnet, verpflichtete sich Österreich die seit dem Juliputsch inhaftierten Angehörigen der NSDAP zu amnestieren, einzelne deutsche Zeitungen, den Völkischen Beobachter aber allerdings nicht, wieder zu zu lassen und außerdem “Vertreter der bisherigen sogenannten “nationalen Opposition in Österreich”zur Mitwirkung an der politischen Verantwortung heranzuziehen” (Quellensammlung 2864). Dafür hob Deutschland die “Tausend-Mark-Sperre” auf. Diese wurde am 1.6. 1933 durch die deutsche Reichsregierung als Reaktion auf die Ausweisung des bayrischen Justizministers Hanns Frank erlassen worden. Demnach musste jeder deutsche Staatsbürger, der nach Österreich reisen wollte, vor eine Reise nach Österreich 1000 Reichsmark bezahlen. Der Anteil deutscher Touristen nach Österreich betrug 1932 40 % und dieses Gesetz belastete den österreichischen Fremdenverkehr spürbar.

Edmund Glaisé-Horstenau wurde zum Minister ohne Portefeuille ernannt. Guido Schmidt wurde Staatssekretär des Außenministeriums.

Bei der Tagung im November 1937 war Hitler bei der Skizzierung seiner Außenpolitik auf massive Kritik von Blomberg, Fritsch und Neurath gestoßen. Anfang 1938 tauchten Polizeiakten auf, in denen die Gattin Blombergs als Prostituierte geführt wurde und Fritsch wurde als Homosexueller denunziert. Beide Offiziere wurden daraufhin zum Rücktritt gezwungen. Außenminister von Neurath wurde zum Präsidenten eines nie zusammengetreten Kabinettsrates ernannt und in seinem Amt durch Ribbentrop ersetzt. Das war ein Zeichen, dass Hitler nun gewillt war, die Entwicklung in Österreich nach seinen Vorstellungen voranzutreiben. Auf “Einladung” Hitlers kamen der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg am 12. Februar 1938 in Begleitung des Staatssekretärs für Äußeres, Guido Schmidt auf den Obersalzberg bei Berchtesgaden. Nach einem zweistündigen Gespräch ohne Zeugen legte ihnen Hitler den Entwurf eines Abkommens vor. Die NSDAP sollte in Österreich wieder zugelassen werden.Arthur Seyss-Inquart sollte Innenminister mit absoluter Polizeigewalt werden. Verhandelt wurde nicht. Es war ein Diktat.Hitler: “ich ändere keinen Beistrich. Sie haben zu unterschreiben, oder alles andere ist zwecklos,…” (AdR, BKA/AA, Staatsurkunden, Deutsches Reich 1938 Februar 12)

Schuschnigg erreichte lediglich eine Gnadenfrist von 3 Tagen, da Ministerernennungen verfassungsrechtlich erst vom Bundespräsidenten gebilligt werden müssten. Er unterschrieb. Aber er setzte eine Volksabstimmung für den 13. März an.

Genau in diesen Tagen war Glaisé-Horstenau auf einer Vortragsreise in Stuttgart. Am 9. März fuhr er zu einem Verwandtenbesuch nach Landau. Dort erfuhr er aus Wien telefonisch von der geplanten Volksbefragung. Bürckel hatte von einem Korrespondenten von

der Anwesenheit von Glaisé-Horstenau erfahren. Bürckel lud ihn zu einem Umtrunk nach schweigen und dann zu einem geselligen Abendessen nach Neustadt ein. Dabei hörten beide eine Rundfunkübertragung von Schuschniggs Rede zu der beabsichtigten Volksbefragung. Bürckel rief umgehend in Berlin an. Dort erreichte er den persönlichen Adjutanten Hitlers in der Reichskanzlei und teilte ihm mit, dass sich Glaisé-Horstenau  gerade bei ihm befand. Beide wurden sofort nach Berlin beordert.

Auf Druck Berlins wurde die Volksabstimmung abgesagt. Schuschnigg trat am 11. März zurück. Seyss-Inquart  wurde vom Bundespräsidenten Miklas zum Bundeskanzler ernannt. Am 12. März marschierte die Wehrmacht ohne Widerstand des Bundesheeres in Österreich ein. “Der Anschluss” war vollzogen. Seyss-Inquart legte dem Präsidenten das Anschlussgesetz zur Unterzeichnung vor. Miklas legte aber seine Amtsgeschäfte nieder. Seine Funktionen gingen der Verfassung gemäß auf den Kanzler über und dieser unterzeichnete.Hitler legte eine Volksbefragung für den 10. April fest, um den Anschluss im nachhinein legitimieren zu lassen. Bürckel war ja in diesen Tagen in unmittelbarer Nähe Hitlers. Er stand beim Führer ja in hohem Ansehen. Zuverlässig hatte er immer hervorragende Wahlergebnisse geliefert und auch die Saarabstimmung problemlos und mit einem Wunschergebnis abgeschlossen. Er wurde von Hitler zum Beauftragten für die Volksabstimmung und für die Reorganisation der NSDAP ernannt.

In der Wiener Zeitung vom 14. März wurde veröffentlicht, dass Hitler Gauleiter Bürckel damit beauftragt hat und “Ich habe Gauleiter Bürckel mit der Vollmacht ausgestattet, alle Maßnahmen zu ergreifen oder anzuordnen, die zur verantwortungsvollen Erfüllung des erteilten Auftrags erforderlich (online in anno.onbc.ac.at) sind.”Schon gleich nach dem Amtsantritt von Ribbentrop hatte dieser den aus Heidelberg stammenden Wilhelm Keppler als Staatssekretär für besondere Aufgaben ins Auswärtige Amt übernommen. Ab 1936 war er Berater Hermann Görings für die Durchführung des Vierjahresplan. Am 16. März wurde im Reichsinnenministerium die “Zentralstelle für die Durchführung der Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich” eingerichtet. Innenminister Frick und Göring wollten, dass Keppler dieser Stelle vorstand.

Sie ernannten deshalb Keppler zum “Reichsbeauftragten für Österreich”. Hitler hatte Bürckel ja schon am 13. März mit seiner Aufgabe persönlich beauftragt. Zwar überschnitten sich die Aufgabengebiete der beiden grundsätzlich nicht. Keppler war

für die wirtschaftlichen und politischen Belange zuständig, Bürckel sollte sich mit der Partei und der Vorbereitung der Volksabstimmung befassen.Da sich beide nicht um Zuständigkeitsbereiche kümmerten und beide ehrgeizig waren, waren Interessenkonflikte vorprogrammiert. Bürckel hatte aber schnell die besseren Karten. Er wurde am 23. April von Hitler zum “Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich” ernannt. Die Dienststelle des

Reichsbeauftragten für Österreich wurde dem Reichskommissar untergeordnet. Von Göring und Frick erhielt Keppler nun wenig Rückhalt, da sie beide Hitler mit offener Unterstützung Kepplers nicht brüskieren wollten.

Bürckel war schon am 13. März nach Wien gereist, um dort den Einzug Hitlers vorzubereiten und gleichzeitig erste organisatorische und personelle Maßnahmen für die Volksabstimmung zu treffen. Rund 200.000 Menschen waren am 15. März auf den Heldenplatz gekommen, um Hitler begeistert zu feiern als dieser “den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich” meldete.

Bürckel ging seine Aufgabe mit Elan und von keinerlei Selbstzweifel geplagt an. Es galt zwar 90,8 % aus der Saarabstimmung zu übertreffen, denn in der Heimat des Führers sollte natürlich noch ein weitaus deutlicheres Ergebnis erzielt werden.

Bürckel sah seine Aufgabe als Vertrauensbeweis des Führers, vor allem aber als Chance, sich Gunst und Dankbarkeit Hitlers zu erhalten. Anders als an der Saar hatte er diesmal keine diplomatischen Rücksichten zu nehmen, da dieses Mal kein misstrauischer

Völkerbundsrat zuschaute. Als Dienstsitz wählt er das Parlamentsgebäude aus und ließ es beschlagnahmen, da mit “Der Beschlagnahme des Hauses kein lebenswichtiger Betrieb gestört wird” (zitiert nach Wettstein, S. 379)Politisch gewieft setzte er gleich zu Anfang durch, dass er zwischen Innenminister Frick und ihm ein Abkommen zustande kam,in dem er ausdrücklich als Hitlers politischer Beauftragter anerkannt wurde. In der Praxis bedeutete dies,dass er in Österreich zum obersten Dienstherr geworden war und bis auf

auf Wehrmacht und Polizei über alle staatlichen Stellen und Parteiorganisationen die Kompetenzhoheit besaß und somit die Geschicke Österreichs und vor allem der Stadt Wien beeinflussen konnte.

Am 10. April nun wurde die Volksabstimmung abgehalten. Im “Altreich” stimmten 99,01 Prozent der Deutschen und in Österreich 99,73 Prozent der Österreicher  für den “Anschluss”.

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Vor der Abstimmung lief die nationalsozialistische Propaganda auf Hochtouren. Auch waren rund 8 % der eigentlich Wahl-und Stimmberechtigten schon ausgeschlossen worden. Juden (200.000) und “Mischlinge” (170.000) durften nicht abstimmen. Es herrschte

ein Klima der Angst und viele wagten es gar nicht mehr, anonym in der Wahlkabine abzustimmen sondern machten ihr Kreuz öffentlich vor dem Wahlhelfer, um ja nicht in den Verdacht geraten, mit Nein gestimmt zu haben.

Wie schon in der Pfalz und dem Saarland hatte Bürckel auch in Österreich wichtige Schlüsselstellungen mit ihm loyal ergebenen Mitarbeiter aus der Pfalz besetzt. Parteibeauftragter der Stadt Wien wurde Karl Kleemann, Lehrer wie Bürckel und schon 1926

in die NSDAP eingetreten. Ab 1936 war er Kreisleiter der Stadt Ludwigshafen. Claus Selzner, der in Ludwigshafen bei der IG Farben (heute BASF) die NS-Betriebszelle gegründet hatte und dann Leiter der NSBO der Pfalz war, übernahm die Organisation der DAF in Österreich.Rudolf Röhrig, Stellvertreter  des OSAF für die Pfalz, Fritz Schwitzgebel und ab 1936 Gauschulungsleiter für den Gau Saarpfalz wurde. Carl Caspary wurde über Bürckel hauptamtlich für die SA tätig. Nach der Vereinigung des Saargebiets war er für die

Neuorganisation der SA im Saarland zuständig. dann war er Brigadeführer der SA-Brigade 151 in Saarbrücken. Nach dem Anschluss holte Bürckel ihn nach Wien. Dort leitete er die neugeschaffene SA-Reichsschule. Natürlich kam das bei den Einheimischen Nazis schlecht an, die sich um die Früchte ihrer Mitgliedschaft in der “Kampfzeit” gebracht sahen. An den Kritiken und Unmutsäußerungen störte er sich nicht. Wie schon im Saarland hatte er auch in Österreich nach dem Anschluss eine Aufnahmesperre. Denn wie in der Pfalz nach der Machtergreifung und an der Saar nach der Vereinigung mit dem Reich hatte auch in Österreich ein Zustrom opportunistischer Mitläufer eingesetzt. Bürckels enger Vertrauter und Berater Karl Barth war von 1938 bis 1940 zu ihm abgeordnet worden.

Er hatte ein Memorandum erarbeitet zu einer Neugliederung Österreichs. Nach den Vorstellungen Bürckels sollte eine reichseinheitliche Lösung angestrebt werden. Partikularistische Interessenwahrung der österreichischen Länder sollte vermeiden werden.

Oberstes Zentrum aller staatlichen und kommunalen Amtsgewalt sollte die Partei sein. Die Länder sollten aufgelöst und in Gaue umgewandelt werden. An der Spitze sollte der Gauleiter stehen, der gleichzeitig Reichsstatthalter war und somit als Reichsorgan

die Befehlsgewalt über jede Landesregierung innehatte. Einheimische Parteifunktionäre sollten ins Reich versetzt werden und somit die immer wieder aufflammenden inneren Streitigkeiten in den NS-Klüngeln ausgeschaltet werden. Bürckel hatte die österreichischen Parteigrößen Kaltenbrunner, Globocnic und Klausner in seine Planungen mit einbezogen um ihre Unterstützung zu bekommen.Bürckel gliederte die “Ostmark”, wie Österreich jetzt genannt wurde, in sieben Gaue.

Salzburg, Oberdonau mit der Hauptstadt Linz, Niederdonau mit der Hauptstadt Krems, Wien, Steiermark mit der Hauptstadt Graz, Kärnten mit der Hauptstadt Klagenfurt und Tirol mit der Hauptstadt Innsbruck. Dabei ging Osttirol im Gau Kärnten auf, Vorarlberg

im Gau Tirol. Das Burgenland wurde zwischen Steiermark und Unterdonau aufgeteilt. Bad Aussee wurde Oberdonau zugeteilt. Großwien wurde in einen eigenen Stadtgau umgewandelt. 97 Gemeinden waren eingemeindet worden und Wien war nun fast fünf mal so groß wie vor dem Anschluss. Am 22. Mai 1938 wurden per Führererlass die Gauleiter ernannt. Wenig Begeisterung fand bei Bürckel die Ernennung Globocnics zum Gauleiter von Wien. Die wichtigsten stellen hatte er ohnehin schon mit ihm ergebenen Leuten aus der Pfalz besetzt. Er wurde nur ein halbes Jahr später aus dem Amt entfernt, wo er ein finanzielles und organisatorisches Chaos hinterlassen hatte. In Wien war er maßgeblich für die Enteignung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung verantwortlich.

In Kärnten wurde Hubert Klausner Gauleiter. Er starb am 12. Februar 1939 ganz plötzlich in Wien. Sein Tod gab Anlass zu Gerüchten und Spekulationen, bis hin zu  von einem von Bürckel veranlassten Giftmord durch die SS, wie sein ehemaliger Adjutant

Erwin Aichinger schrieb (siehe dazu Alfred Elste: Kärntens braune Elite, S. 71f ) In Salzburg wurde Friedrich Rainer Gauleiter, der eng mit Globocnic befreundet war. In Oberdonau wurde August Eigruber Gauleiter und in Niederdonau wurde Hugo Jury Gauleiter, was er bis zu Kriegsende blieb. In der Steiermark wurde der junge promovierte Jurist Siegfried Uiberreither Gauleiter. Den Gau Tirol schließlich leitete Franz Hofer. Er schlug 1944 Hitler vor, ein Kerngebiet in den Alpen als letzte Bastion des Reiches zur

Alpenfestung auszubauen. Sämtliche Gauleiter waren Österreicher und unter ihren Stellvertretern nur ein Reichsdeutscher. Bürckels Vorschlag jedem Gauleiter einen reichsdeutschen Stellvertreter beizuordnen, war Hitler nicht gefolgt. Allerdings gab er dem

telegrafischen Ersuchen Bürckels statt, 26 der besten reichsdeutschen Kreisleiter zu Aufsichtszwecken in den Kreis-und Bezirksverbänden auszuleihen. Die Neugliederung Österreichs war weitgehend nach Bürckels Vorstellungen gelaufen, zumal er sich immer

auf den “Führerwillen” berief und somit jeglicher Kritik den Boden entzog.

Am 28. August 1938 richtete Bürckel in Wien die Zentralstelle für jüdische Auswanderung ein. Formell unterstand sie Franz Walter Stahlecker. Aufgebaut und organisiert wurde sie aber von Adolf Eichmann. In Berlin hatte er seit 1935 beim SD in der Abteilung II (Juden) gearbeitet. Nach dem Anschluss wurde er nach Österreich versetzt.Die Zentralstelle war geschaffen worden, um  Auswanderungswilligen die nötigen Papiere auszustellen. Die Dokumente wurden praktisch im Fließbandverfahren erstellt, nicht ohne die Ausreisenden praktisch bis zum völligen Vermögensverlust auszuplündern. Die Behörde arbeitete so effizient, dass sie schnell zum Vorbild für weitere Auswanderungsstellen wurde, so die Reichszentrale in Berlin oder später die Auswanderungsstellen in Prag oder Amsterdam. Heydrich brüstete sich bei einer Konferenz im Reichsluftfahrtministerium kurz nach der Reichskristallnacht, die Zentralstelle in Wien habe in kurzer Zeit immerhin 50 000 Juden aus Österreich herausgebracht, während es im Altreich nur 19 000 Juden waren.

Am 7. November 1938 hatte Herschel Grynszpan in Paris den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath bei einem Attentat getötet. Zu der Zeit war die Führungsspitze der NSDAP in München versammelt, um den 15. Jahrestag des Hitlerputsches zu begehen.

Von München aus erging nun die Weisung zu den seit der Machtübernahme heftigsten antisemitischen Ausschreitungen, die als Reichskristallnacht in die Geschichte eingegangen sind. 91 Tote, 267 zerstörte Gottes- und Gemeindehäuser und 7.500 verwüstete Geschäfte – das war die “offizielle” Bilanz der “berechtigten und verständlichen Empörung des deutschen Volkes“, wie das NS-Regime dazu erklärte. Tatsächlich starben mehr als 1300 Menschen. Über 1400 Synagogen oder Gebetshäuser, das war mehr als die

Hälfte in Deutschland und Österreich wurde stark beschädigt oder ganz zerstört. Am nächsten Tag wurden mehr als 30 000 männliche Juden in Konzentrationslager verschleppt. Das einzige was Göring daran zu kritisieren hatte war, die “volkswirtschaftlich unsinnige Zerstörung von Sachwerten”.

Wie Hitler schon bei der Tagung ausgeführt hatte, die im Hossbachprotokoll beschrieben wurde, stand jetzt die Tschechoslowakei auf seiner Tagesordnung. Schon vor dem Einmarsch in Österreich hatte er in der Reichstagsrede vom 20. Februar 1938 erklärt “

so wird auch das heutige Deutschland seine wenn auch um soviel begrenzteren Interessen zu vertreten und zu wahren wissen. Und zu diesen Interessen des Deutschen Reiches gehört auch der Schutz jener deutschen Volksgenossen, die aus eigenem nicht in der Lage sind, sich an unseren Grenzen das Recht einer allgemeinen menschlichen, politischen und weltanschaulichen Freiheit zu sichern.” Als Hebel in der Tschechoslowakei sollte Konrad Henlein mit seiner Sudetendeutschen Partei SdP (seit 1935, vorher Sudetendeutsche Heimatfront) Am 24. April 1938 stellte Henlein in Karlsbad ein acht-Punkte-Programm vor, ganz im Sinne Hitlers “immer so viel (zu)fordern, dass wir nicht zufrieden gestellt werden können.“

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Henlein forderte die volle Gleichberechtigung der deutschen Minderheit als Volksgruppe, die Feststellung und Anerkennung des deutschen Siedlungsgebiets innerhalb der Tschechoslowakei,den Aufbau einer deutschen Selbstverwaltung mit ausschließlich deutschen Beamten, die Wiedergutmachung der ab 1918 erlittenen wirtschaftlichen Schäden der deutschsprachigen Bewohner und endlich die „volle Freiheit des Bekenntnisses zum deutschen Volkstums und zur deutschen Weltanschauung”.

Der tschechische Premierminister Milan Hodza war bereit dieser Forderung mit dem Entwurf einer neuen Verfassung entgegenzukommen. Der tschechische Präsident Edvard Benes lehnte dies aber ab. Am 21. Mai nahm die Tschechoslowakei

eine Teilmobilmachung vor, die von Großbritannien und Frankreich gebilligt wurde.

Hinter den Kulissen gab es wegen der Sudetenkrise, die ja die Gefahr eines zunächst nur europäischen Krieges befürchten ließ, hektische diplomatische Aktivitäten. Auch Bürckel hatte sich da eingeschaltet. Er hatte geheime Kontakte zur böhmischen Hocharistokratie geknüpft, vor allem zu Max Egon von Hohenlohe-Langenburg. Dieser hatte sich schon vor der Sudetenkrise für eine Gleichstellung der deutschen Bevölkerung in der Tschechoslowakei eingesetzt. Er hatte hervorragende kontakte

nach allen Seiten. Er bewegte sich ganz ohne offizielle Funktion in den unterschiedlichsten Kreisen, beim britischen Foreign office, beim tschechischen Präsidenten und Ministerpräsidenten aber auch beim Staatsekretär in Berlin. Auch der Wiener Bürgermeister

Neubacher hatte Kontakte nach England und zwar zu dem böhmischen Grafen Alfred Dubsky, der über enge Verbindungen zu Londoner Regierungskreisen verfügte. Über ihn erfuhr Neubacher von deren diplomatischen Schritten zur Lösung der Sudetenkrise.

Neubacher gab seine Informationen dann an Bürckel weiter. Diese deutsch-böhmische Adelsgruppe stand aber auch mit der konservativen, vor allem militärischen Opposition in Kontakt. So blieben dieser die Kontakte Bürckels natürlich nicht verborgen.

Sie hofften, Bürckel für ihre Pläne zur Vermeidung des Krieges zu gewinnen. Es ist alles nichts Näheres bekannt, ob es Kontaktversuche der Militäropposition zu Bürckel gegeben hat. Bürckel hatte in seinen Reden zur Volksabstimmung immer wieder den ehrlichen Friedenswillen des deutschen Reiches betont. Auch als die Sudetenkrise ihrem Höhepunkt zustrebte, betonte Bürckel die feste Entschlossenheit gegen jeden, der den Frieden stören wolle.

In England war Neville Chamberlain seit 1937 Premierminister. Schon sein Vorgänger Ramsay MacDonald begegnete Hitler mit der “Appeasement”-Politik, also einer Beschwichtigungspolitik. Dieses Konzept ein Nachgeben innerhalb bestimmter, als „vernünftig“ geltender Regeln vor und tat gleichzeitig Hitlers Attacken als bloß rhetorisch ab. Auch Edouard Daladier mehrfacher französischer Ministerpräsident, zuletzt wieder von 1938-1940 folgte den Briten mit dieser Politik. Die Tschechoslowakei musste einsehen,

dass sie keinen Bündnispartner mehr hatte, der bereit war, für sie zu kämpfen. Dafür hatte sie einen Nachbarn, der täglich zielstrebig das Feuer weiter schürte. Außerdem schlug Hermann Göring am 1. August dem ungarischen Botschafter vor, Ungarn solle ebenfalls Gebietsforderungen an die Tschechoslowakei stellen und auch Polen wurde ermuntert, dies zu tun.

Am 12. September sagte Hitler in seiner Abschlussrede zum Reichsparteitag. “wenn diese gequälten Kreaturen kein Recht und keine Hilfe selbst finden können, sie beides von uns bekommen können. Die Rechtlosmachung dieser Menschen muss ein Ende nehmen.”

(bezogen auf die Sudetendeutschen)(Aus Max Domarus (Hg)Hitler.Reden und Proklamationen 1932-1942 2 Bde. Neustadt an der Aisch, Bd I, S. 897-906, bes. S. 901). Diese Rede stieß im Sudetenland auf begeisterte Zustimmung, löste aber auch Unruhen aus,

bei denen es Tote gab. Daraufhin erklärte sich Chamberlain bereit, unverzüglich mit Hitler zusammenzutreffen. Obwohl Hitler Chamberlain mehrfach brüskiert. Schon die Tatsache, den Gast nicht an einem Ort in der Mitte zwischen Berchtesgaden und London zu treffen, sondern ihn zwingt, auf den Berghof zu reisen, war eine Zumutung. Dort empfängt er ihn  so, dass er bei der Begrüßung auf der Freitreppe zwei Stufenüber ihm steht, war ein diplomatischer Affront. Als Hitler vorbringt, Benes  wende Gewalt gegen

seine Landsleute im Sudetenland an, er lasse sich das nicht länger bieten und werde diese Frage in kürzester Zeit aus eigener Initiative lösen “so oder so”. Auf diese unverhohlene Drohung von Gewaltanwendung, droht der Gast seinerseits mit der Abreise.

Hitler muss nachgeben und wenigstens grundsätzlich in offenen Verhandlungen einwilligen. Damit war Hitlers Eskalationsstrategie zunächst mal gescheitert. Der geplante Angriff auf die Tschechoslowakei sollte als Reaktion auf vermeintliche antideutsche

Maßnahmen der Prager Regierung kaschiert werden. Lord Walter Runciman  war schon am 8. August als Sonderbotschafter nach Prag geschickt worden um dort den Stand der sudetisch-tschechischen Differenzen zu ermitteln und gegebenenfalls auch zu vermitteln.

Sein Bericht, den er am 21. September abgab, war für die Tschechen nicht sehr gut  “Mein Eindruck ist, dass die tschechische Verwaltung im Sudetengebiet, wenn sie auch in den letzten 20 Jahren nicht aktiv unterdrückend und gewiß nicht “terroristisch” war, dennoch einen solchen Mangel an Takt und Verständnis und so viel kleinliche Intoleranz und Diskriminierung an den Tag legte, dass sich die Unzufriedenheit der deutschen Bevölkerung unvermeidlich zu einem Aufstand fortentwickeln mußte”

Er gibt die Empfehlung ab,die Grenzbezirke mit überwiegend deutscher Bevölkerung unverzüglich von der Tschechoslowakei zu trennen und Deutschland anzugliedern.

Chamberlain hatte Hitler nach dem treffen auf dem Berghof zugesagt, die Frage des Selbstbestimmungsrechts für die Sudetendeutschen sofort mit seinem Kabinett in London zu beraten und dann zu einem zweiten Gespräch nach Deutschland zurückzukommen.

Chamberlain hatte ja kein Mandat der Tschechoslowakei. Er hatte auch noch keine Zustimmung der Tschechen für die Anschlussforderungen Henleins und Hitlers. Hitler sicherte aber zu, die Wehrmacht nicht marschieren zu lassen, so lange die deutsch-britischen Gespräche laufen. Am 19. September forderte die englische und französische Regierung nun auf, Gebiete mit mehr als 50% sudetendeutscher Bevölkerung an das Deutsche Reich zu übergeben. Das lehnte die Tschechoslowakei aber ab. Zwei Stunden später

erklärt Hodza aber, dass die Tschechoslowakei im Falle eines Krieges ohne britische Unterstützung zum nachgeben bereit wäre. Da England und Frankreich klarstellen, den Tschechen beizustehen, falls Deutschland angreift, hat die Tschechoslowakei keine Wahl

und muss nachgeben. Der englisch-französische Plan zur Abtretung der mehrheitlich von Sudetendeutschen bewohnten Gebiete wird akzeptiert, wenn auch “unter Schmerzen”. Der tschechische Staatspräsident Beneš hatte Frankreich noch einen

anderen Vorschlag gemacht, nämlich böhmische Landesteile mit 800-900.000 Sudetendeutschen an Deutschland abzutreten. Im Gegenzug sollten 1,5 bis 2 Millionen Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei nach Deutschland ausgesiedelt werden. Das findet

aber keine Zustimmung. Beneš  sucht nun Hilfe von der Sowjetunion. Da aber Polen und Rumänien keine Durchmarscherlaubnis für die Rote Armee in die Tschechoslowakei geben, ist auch von da keine Hilfe zu erwarten.Dass die Tschechoslowakei am 21. September die Abtretung des Sudetenlands akzeptiert hatte, machte den Weg frei für das zweite Treffen von Chamberlain und Hitler, diesmal in Bad Godesberg vom 22.-24.September. Chamberlain erklärt dass der französisch-britische Plan nur unter großen

Mühen und Druck zustande gekommen ist. Aber statt von Hitler Dank zu ernten sieht sich der englische Premierminister neue Forderungen Hitlers gegenüber. Er verlangt die gleichen Regelungen für die ungarische und die polnische Minderheit sowie die sofortige Besetzung der mehrheitlich von Sudetendeutschen bewohnten Zonen durch die Wehrmacht innerhalb von nur vier Tagen. In die Gespräche hinein wurde, die Nachricht bekannt, die Tschechoslowakei habe mobil gemacht. Chamberlain erklärte dies als tschechische Defensivmassnahme. Hitler interpretierte dies als aggressiven Akt der tschechoslowakischen Staatsführung. Auf deutscher Seite stehen nun sieben Divisionen. Hitler beharrt darauf, dass seine Forderungen bis zum1. Oktober erfüllt werden. Andernfalls so droht er, werde er die Sudetengebiete mit Gewalt besetzen. Dann gibt es plötzlich ein Vermittlungsangebot des italienischen Diktators Mussolini, das Hitler überhaupt nicht zu Pass kommt.Hitler lädt die Staats- und Regierungschefs aus Rom, Paris und London nach München ein.  Hitler sorgt dafür, dass die Tschechoslowakei, um die es ja geht, von den Verhandlungen ausgeschlossen bleibt. Es kommt zum “Münchner Abkommen “von 1938. Es ist keine Vereinbarung zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei sondern der drei Siegermächte des Ersten Weltkriegs. Diese  vereinbaren die Räumung der Sudetenlande mit der Tschechoslowakei. Sie haben ja auch in Saint-Germain-en-Laye die Auflösung der österreichischen Reichshälfte mi dem dort geschlossenen Staatsvertrag nach dem Ende des 1. Weltkriegs die Tschechoslowakei gegründet. Mit dem Abkommen gaben die damaligen Siegermächte ihre Zustimmung zum Anschluss des gesamten Sudetenlandes an das Deutsche Reich.

Teile der Wehrmacht standen zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft Hitler und seinen Kriegsplänen durch aus kritisch gegenüber. Im Laufe der Sudetenkrise bildete sich ein Widerstandskreis an dem Militärs aus dem Heer aber auch Beamte aus dem auswärtigen Amt beteiligt waren. Einer der wichtigsten Planer war der Abwehroffizier Hans Oster. Er hatte schon 1935 begonnen ein Netzwerk von Opponenten des NS-Regimes in Staat, Verwaltung und Sicherheitsorganen zu knüpfen. Auch sein Chef Wilhelm Canaris war an den Plänen für den Umsturz beteiligt. Ranghöchster Militär war Ludwig Beck, Generalstabschef des Heeres. Er hatte nach dem Hossbachprotokoll die Absicht des Führers kritisiert, die Tschechoslowakei so schnell wie möglich anzugreifen. Im August 1938 bat er um Enthebung von seiner Stellung und übergab am 27. August die Dienstgeschäfte an Franz Halder. Alle drei wurden später im Zuge des Attentates vom 20.Juli 1944 getötet, Beck direkt nach dem Attentat, als die ihm zugestandene Selbsttötung nicht glückte, Oster und Canaris kurz vor Kriegsende in Flossenbürg. Bei der “Septemberverschwörung” wurde geplant, dass Hitler am 28. September 1938 gefangen genommen und vor Gericht gestellt werden. Der Plan wurde dann noch so abgeändert, dass Hitler getötet werden sollte. Am 28. September kam aber die überraschende Nachricht von der Münchner Konferenz. Hitler hatte teilgenommen und der friedlichen Lösung der Sudetenfrage zugestimmt. Nicht nur, dass er alle seine Ziele erreicht hatte. Er stand nun auch noch als Wahrer des Friedens da. Die Verschwörer hatten ihre Waffe  Hitlers militärisches Abenteurertum verloren. Die Popularität des Führers hatte einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Verschwörer erholten sich von dieser Wende lange nicht. Nur ein kleiner Kern blieb zusammen. Erst mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg gelang es wieder Staatsstreichpläne zu schmieden, die über ein blosses Attentat hinausgingen. Der Gestapo wurden die Umsturzpläne vom September 1938 erst bekannt, als nach dem 20. Juli

Akten in einer Außenstelle des Amtes Abwehr in Zossen gefunden wurden.

Was hatte Hitler erreicht? Er hatte einen großen Gebietsgewinn erzielt. Er hatte  der Tschechoslowakei das Befestigungssystem abgenommen, neue Industrien gewonnen und Benes ins Exil gezwungen. aber er hatte mehr gewollt. Das Ziel war Prag.

Zwar hatte er in seiner Rede im Sportpalast am 26. September 1938 zwei Tage vor der Münchner Konferenz vollmundig erklärt, was er Chamberlain gesagt habe: “Ich habe ihm weiter versichert und wiederhole es hier, daß es – wenn dieses Problem gelöst ist ist — (gemeint ist das Problem “Sudetenland”)für Deutschland in Europa kein territoriales Problem mehr gibt! “(online in www.ns-archiv.de/krieg/1938 )

Aber  nur drei Wochen später gibt er den Geheimbefehl zur Erledigung der “Resttschechei” Am 1. Oktober besetzen deutsche Truppen das Sudetenland. Vom 2.bis 10. Oktober besetzten polnische Truppen das Olsagebiet. Das ist in etwa das Gebiet des Herzogtums

Teschen im Habsburger Reich. Die Polen leiteten ihren Anspruch aus dem Zusatzabkommen zum Münchner Abkommen ab. “Sobald die Frage der polnischen und ungarischen Minderheiten in der Tschechoslowakei geregelt ist, werden Deutschland und Italien ihrerseits der Tschechoslowakei eine Garantie geben. “ Auch Ungarn machte daraus seine Ansprüche geltend und erhielt durch den Ersten Wiener Schiedsspruch vom 2. November 1938 den die Außenminister des Deutschen Reichs Ribbentrop und Italiens Ciano beschlossen hatten, in der Südslowakei und in der Karpatoukraine, wo eine ungarische Bevölkerungsmehrheit lebte, Gebiete zugesprochen.Berlin arbeitete weiter gezielt an der Destabilisierung der Tschechoslowakei. In der folge der Abtretungen musste die

Regierung den Provinzen Slowakei und Ruthenien eine umfassende Autonomie mit eigenem Parlament und eigener Regierung zugestehen. In der Slowakei war man damit aber nicht zufrieden. Slowakische Extremisten strebten eine Loslösung von der Tschechoslowakei mit totaler Selbstständigkeit an, voll unterstützt von Berlin. In einem Gespräch mit Ďurčanský, 1939-1940 Innen-und Außenminister des Slowakischen Staates sagte Hermann Göring: “Eine Tschechei ohne Slowakei ist uns, noch mehr, restlos

ausgeliefert.”(IMG Internationaler Militärgerichtshof Bd. III S. 171)

Seyss-Inquart schaltete sich ein. Er genoss bei den slowakischen Politikern Sidor, Tiso und Hlinka ein gewisses vertrauen, da er sich bei den Verhandlungen zum Wiener Schiedsspruch erfolgreich für die slowakischen Interessen eingesetzt hatte. Für ihn sprach auch, dass er wie  die slowakischen Politiker  eine katholische, konservative Herkunft hatte. Für Seyss-Inquart war es die Gelegenheit, verlorenen Boden gutzumachen.Aber auch Bürckel  mischte mit.

Am 9. März ließ Hacha, der seit dem Rücktritt von Benes Präsident der Tschechoslowakei war, die Slowakei besetzen. Die Zentralregierung setzte Tiso ab. Neuer slowakischer Regierungschef wurde Sidor. Berlin betrachtete auch nach seiner Absetzung Tiso noch als

legitimen Vertreter. Außerdem lehnte Sidor die Ausrufung der Selbstständigkeit der Slowakei ab.  Nun sollte Tiso den Slowakischen Staat ausrufen. Agenten des SD luden Tiso offiziell ein nach Berlin zu kommen. Auch ein Gespräch mit Hitler wurde in Aussicht gestellt. In Begleitung von Ďurčanský und Keppler traf er am 13. März in Berlin ein. Er hatte sich vorher von der neuen slowakischen Regierung die Zustimmung zur Reise nach Berlin geben lassen. Ribbentrop und Hitler verlangen von Tiso eine unverzügliche Entscheidung ob die Slowakei selbstständig werden wolle. Gleichzeitig informieren sie ihn über den ungarischen Truppenaufmarsch an der Slowakei. Doch auch Tiso will die Selbstständigkeit der Slowokei auf legalem Weg erreichen.

Er hatte schon vor seinem Abflug nach Berlin den slowakischen Landtag für den nächsten Tag einberufen. Tiso ist am nächsten Tag in Pressburg zurück. In einer kurzen Rede informiert er den Landtag über sein Gespräch in Berlin. Die Regierung Sidor tritt zurück.

Tiso erklärt “Kraft des Selbstbestimmungsrecht der Völker erkläre ich hiermit die Unabhängigkeit der Slowokei (nach Benoist-Méchin, Histoire de l’armée allemande Bd. 6, S. 65) Alle Abgeordneten erheben sich zum Zeichen der Zustimmung.

Am 18. März wurde zwischen der Slowakei und dem Deutschen Reich ein “Schutzvertrag” abgeschlossen.

Die Erledigung der  Resttschechei war nun auch rasch über die Bühne gegangen. Schon am 14. März überschreiten deutsche Soldaten die tschechische Grenze und besetzen Mährisch-Ostrau. Hácha war nach Berlin gebeten worden, wobei es so arrangiert worden war,

als ob der Gesprächswunsch von den Tschechen ausgegangen wäre. Es war nun keine Verhandlung die folgte, sondern ein Diktat. Hitler erklärt dem tschechischen Präsidenten, dass er den Befehl gegeben habe, in die Rest-Tschechoslowakei einzurücken und das es nur zwei Möglichkeiten gebe, entweder die tschechische Armee leiste keinen Widerstand, dann würde er der Tschechoslowakei die größtmögliche Autonomie gewähren, mehr als sie im Habsburger Reich gehabt hätte. Falls die Armee widerstand leiste, werde sie mit allen zur Verfügung stehenden Mittel vernichtet werden.Der aus dem Urlaub herbeigerufene Generalfeldmarschall setzt mit der Drohung nach, Prag bombardieren zu lassen. Hácha gibt nach und unterschreibt am frühen morgen eine Erklärung, dass er” das Schicksal des tschechischen Volkes vertrauensvoll in die Hände des Führers des Deutschen Reiches legt” (ADAP, Serie D, Bd.IV, Dokument 229)

Bis zum Abend hat die Wehrmacht die Landesteile Böhmen und Mähren besetzt. Am Abend traf Hitler in Prag ein. aus der Tschechoslowakei war das Protektorat Böhmen und Mähren geworden. Zum Reichsprotektor wird Konstantin Freiherr von Neurath bestellt.

Bürckel wurde Chef der Zivilverwaltung in Mähren mit Sitz in Brünn.

Die Zerschlagung der Tschechoslowakei wird international als Bruch des Münchner Abkommens angesehen. England, Frankreich, Polen, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion erkennen die faktische Annexion nicht an. Die USA verhängten ab dem 17. März

1939 einen Strafzoll in Höhe von 25 % auf alle deutschen Importe. Folgenreichste Entscheidung wie sich bald zeigen sollte, war eine Garantieerklärung, die England und Frankreich dem polnischen Staat am 31. März gaben.

Die Angliederung Böhmens und Mährens ohne Krieg, die Untätigkeit der Regierungen in London, Paris und Moskau sieht Hitler als Schwächezeichen und zieht den falschen Schluss, dass sie nicht in der Lage seien, sich zu einer Abwehr durchzuringen. Bestärkt wird er

in seiner Annahme dass die Botschafter Francois-Poncet und Henderson wiederholt militärisches Eingreifen angedroht hatte. Passiert war aber nichts.

Noch einmal fällt ein weiteres Gebiet ans Reich zurück. 1920 war das Memelland abgetrennt worden. Es wurde als Völkerbundsmandat unter französische Verwaltung gestellt. 1923 drangen litauische Soldaten und Freischärler in das Memelgebiet ein und vertrieben 200 französische Soldaten. Die Ständige Botschafterkonferenz der Siegermächte legt Protest ein. Litauen weigerte sich jedoch, das Memelland herauszugeben. Die Siegerstaaten gaben nach und übertrugen am 16. Februar 1923 die Souveränität über das Memelgebiet an Litauen. Der Völkerbund schloss aber nun mit dem Land Litauen die Memelkonvention .Als Anhang gehörte dazu das Memelstatut. Die litauische Regierung ist durch einem Gouverneur im Memelland vertreten. Ohne dass sie befragt wurden, werden die Memelländer Litauer. Ständige Reibereien sind an der Tagesordnung. Nach dem Österreich und das Sudetenland an das Deutsche Reich angeschlossen worden waren, wollen auch die Memelländer “heim ins Reich”.

Litauen will sich  nun seinen Anspruch auf das Memelland von Frankreich und England garantieren lassen, erhält die Garantie aber nicht.  Am 31. Oktober 1938 will Litauen die deutsch-litauischen Beziehungen neu zu gestalten und bittet um eine

Erklärung  Deutschlands  zur Unverletzbarkeit des litauischen Staatsgebiets. Da dies praktisch einen Verzicht auf das Memelland bedeutet, kommt diese Erklärung natürlich nicht. Vor weiteren Gesprächen verlangt Deutschland aber erst einmal die

völlige Einhaltung der Autonomie für das Memelland. Am 1. Dezember erklärt Litauen die Bereitschaft, dem Memelgebiet die volle Autonomie zu geben. Im Außenministerium werden zwei Vertragsentwürfe entworfen. Im Entwurf I steht

die Rückkehr des Memellands zu Deutschland  als Gegenleistung einen litauischen Freihafen und Wirtschaftsprivilegien in Memel. Entwurf II sieht nur die volle Autonomie für das Memelland vor. Am 11. Dezember 1938 finden wieder Wahlen statt.

die deutsche Liste erhält 87 % der Stimmen, was man auch als Votum der Bevölkerung für den Anschluss an das reich werten könnte. Am 20. März 19139 reist der litauische Außenminister Urbšys  nach Berlin. Dort wird er von Ribbentrop vor die Wahl

gestellt die Streitfrage gütlich zu lösen. Litauen gibt das Memelland zurück, dafür erhält es einen Freihafen. Falls nicht, haben die Militärs das Wort. Am Tag darauf berät das litauische Kabinett darüber. Am 22. März 1939 schließen Litauen und das Deutsche

Reich darüber einen Vertrag ab.

Heimkehr Memel

 

Danach ging es zielstrebig der nächsten militärischen Auseinandersetzung entgegen. Am 11. April gibt Hitler die “Weisung für die einheitliche Kriegsvorbereitung der Wehrmacht für 1939/40”. Darin ist der Fall Weiss, der die Planung für einen Angriff auf Polen enthielt.

Die englisch-französische Garantieerklärung für Polen, sowie die Weigerung Polens Zugeständnisse in der Korridor- Frage zu machen, nahm Hitler zum Anlass, am 28. April sowohl das englisch-deutsche Flottenabkommen als auch den Nichtangriffspakt mit Polen zu kündigen.

Am 23. Mai 1939 berief er die Oberbefehlshaber der Wehrmacht auf dem Oberberghof ein. Dort erklärte er den versammelten Kommandeuren, dass eine Auseinandersetzung mit Polen unvermeidlich sei und auch worum es vor allem gehe.

“Danzig ist nicht das Objekt, um das es geht. Es handelt sich für uns um die Erweiterung des Lebensraumes im Osten und Sicherstellung der Ernährung, sowie der Lösung des Baltikum- Problems. Lebensmittelversorgung ist nur von dort möglich, wo geringe Besiedelung herrscht. Neben der Fruchtbarkeit wird die deutsche, gründliche Bewirtschaftung die Überschüsse gewaltig steigern. “ (NS-Archiv, 23.05.1939).

Am 23. August 1939 unterzeichneten Ribbentrop und Molotow in Moskau in Anwesenheit Stalins den Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt. Er stand zwar im Widerspruch zu Hitlers bisherigen antibolschewistischen Haltung. Aber er vereitelte

die britisch-französischen Bestrebungen die Sowjetunion in eine Allianz gegen das nationalsozialistische Deutschland einzubinden. Vor allem hielt er ihm den Rücken frei zu einem Überfall auf Polen.

Im Geheimen Zusatzprotokoll wird auch die Aufteilung, Ausbeutung und Unterdrückung Europas durch das nationalsozialistische Deutschland und die stalinistische Sowjetunion aktenkundig gemacht.

“Aus Anlass der Unterzeichnung des Nichtangriffsvertrages zwischen dem Deutschen Reich und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben die unterzeichneten Bevollmächtigten der beiden Teile in streng vertraulicher Aussprache die Frage der Abgrenzung der beiderseitigen Interessenssphären in Osteuropa erörtert. Diese Aussprache hat zu folgendem Ergebnis geführt:

  1. Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung in den zu den baltischen Staaten (Finnland, Estland, Lettland, Litauen) gehörenden Gebieten bildet die nördliche Grenze Litauens zugleich die Grenze der Interessenssphären Deutschlands und der UdSSR. Hierbei wird das Interesse Litauens am Wilnaer Gebiet beiderseits anerkannt.
  2. Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung der zum polnischen Staate gehörenden Gebiete werden die Interessenssphären Deutschlands und der UdSSR ungefähr durch die Linie der Flüsse Narew, Weichsel und San abgegrenzt.
    Die Frage, ob die beiderseitigen Interessen die Erhaltung eines unabhängigen polnischen Staates erwünscht erscheinen lassen und wie dieser Staat abzugrenzen wäre, kann endgültig erst im Laufe der weiteren politischen Entwicklung geklärt werden.
    In jedem Falle werden beide Regierungen diese Frage im Wege einer freundschaftlichen Verständigung lösen.
  3. Hinsichtlich des Südostens Europas wird von sowjetischer Seite das Interesse an Bessarabien betont. Von deutscher Seite wird das völlige politische Desinteressement an diesen Gebieten erklärt.
  4. Dieses Protokoll wird von beiden Seiten streng geheim behandelt werden.

Moskau, den 23. August 1939.” (NS-Archiv, 23.8.1939)

Ab Ende August inszenieren SS-angehörige als polnische Freischärler getarnt immer wieder Grenzzwischenfälle. Die bekannteste war der angebliche Überfall auf den Sender Gleiwitz. Am 1. September erfolgt der Angriff auf Polen.

Im Reichstag hält Hitler die berühmte Rede:”Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen! Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten! Wer mit Gift kämpft, wird mit Giftgas bekämpft. Wer selbst sich von den Regeln einer humanen Kriegsführung entfernt, kann von uns nichts anderes erwarten, als dass wir den gleichen Schritt tun. Ich werde diesen Kampf, ganz gleich, gegen wen, so lange führen, bis die Sicherheit des Reiches und bis seine Rechte gewährleistet sind” Er hatte eigentlich fest damit gerechnet, dass

England und Frankreich “nur mit dem Säbel rasseln” würden. Umso mehr war er erschüttert, als ihm die beiden Westmächte noch am Abend des 1. September eindeutige Ultimaten überreichen ließen und am 3. September den Krieg erklärten.

Allerdings griffen sie noch nicht aktiv in den Krieg ein. An Kopfstärke gemessen Angreifer waren der polnischen Armee gleich. Rüstungstechnisch und an Beweglichkeit war die Wehrmacht aber weit überlegen. Das taktische Konzept war von dem Zusammenspiel von Luftwaffe und Heer bestimmt. Vom ersten Tag an führte die Wehrmacht den Krieg mit grausamer Härte. Schon am 6. Oktober kapitulierten die letzten Truppenteile. Die Sowjetunion und Deutschland teilten Polen unter sich auf, wie sie es in ihrer Zusatzvereinbarung zum Nichtangriffspakt abgemacht hatten. Die deutsch besetzten Gebiete wurden als Danzig-Westpreussen und Wartheland als Reichsgaue in das Deutsche Reich inkorporiert. Was nicht in der sowjetischen Interessensphäre lag, wurde

“Restpolen” in einem Generalgouvernement okkupiert und ausgebeutet.

Im Westen kam es zunächst zum Sitzkrieg oder französisch drôle de guerre. Frankreich startete am 9. September die Saaroffensive und überschritt im Saarland die Grenze. Die Wehrmacht zog sich hinter den Westwall zurück. Frankreich war nicht auf einen

Offensivkrieg vorbereitet und auf deutscher Seite gab es einen Führerbefehl, der untersagte, die Grenze ohne ausdrückliche Genehmigung Hitlers zu überschreiten. Man wollte auf jeden fall einen Zweifrontenkrieg vermeiden.

Am 9. April 1940 begann das Unternehmen “Weserübung”. Das war die Besetzung Norwegens und Dänemarks zum einen um sich die Häfen Norwegens zu sichern, zum andern um eine Seeblockade zu verhindern. Außerdem sollte die Kontrolle der Ostseezugänge

und vor allem die Eisenerzversorgung aus Schweden gesichert werden. Am 10. April 1940 begann der insgesamt 29 mal verschobene Westfeldzug. Am 10. Januar gelangten die Belgier und damit auch die Engländer und Franzosen in Besitz des Plans für einen wichtigen Teil des deutschen Einfalls in Frankreich und der Niederlande. Ein Kurier sollte die Unterlagen zu einer Stabsbesprechung nach Köln bringen. Dort wurde er aufgehalten. Er erhielt ein Angebot in einer Kuriermaschine der Luftwaffe mitzufliegen.

Er nahm es an trotz strengen Verbotes, Geheimsachen auf dem Luftweg zu befördern. Der Pilot verflog sich bei dichtem Nebel und landete in Belgien. Bevor die Akten vernichtet werden konnten, trafen belgische Gendarmen ein. Daraufhin wurde ein völlig

neuer Angriffsplan ausgearbeitet. Erich von Manstein erarbeitete den “Sichelschnittplan” . Statt wie leicht vorauszuberechnen ähnlich wie im Schlieffenplan im 1. Weltkrieg in einer Umfassungsbewegung durch Belgien nach Frankreich vorzustoßen,

änderte er die Angriffsrichtung. Der Angriffsschwerpunkt sollte nun in den Ardennen liegen. Diese bewaldete Bergland schien Frankreich nicht für einen Panzerangriff geeignet zu sein. Entsprechend schwach waren die dort postierten Einheiten.

Das Überraschungsmoment war voll auf deutscher Seite. Zwar gelang es den Belgiern fast alle Brücken zu sprengen. Obwohl das Marschtempo so erheblich eingeschränkt wurde, erreichten die Spitzen der Panzertruppe General Guderians bereits am 12. Mai die Maas. Am 18. Mai war bereits die Kanalküste erreicht. Am 24. Mai wurde Dünkirchen erreicht. Dort war das britische Expeditionskorps. Es konnte aber entkommen, nicht zuletzt wegen des Haltebefehls, den Rundstedt gegeben hatte. 338.000 Mann konnten übergesetzt werden. In Frankreich hinterließ die Evakuierung aber auch ein Gefühl des Im Stich gelassen seins. Der Krieg in Frankreich war rasch zu Ende. Am 14. Juni marschierte die Wehrmacht in Paris ein. Am 22. Juni wurde in Compiegne der Waffenstillstand geschlossen. Hitler machte daraus seinen persönlichen Triumph. Schon der Ort war mit Bedacht ausgewählt. Dort hatte 22 Jahre zuvor Matthias Erzberger die deutsche Kapitulation unterschreiben müssen. Sogar den Waggon in dem das stattgefunden hatte,

hatte Hitler aus dem Museum holen lassen und auf die Gleise stellen lassen. Die “Vorrede” zum Waffenstillstandsabkommen drückt genau dieses aus.

“Wenn zur Entgegennahme dieser Bedingungen der historisch Wald von Compiègne bestimmt wurde,  dann geschah es, um durch diesen Akt einer
wiedergutmachenden Gerechtigkeit — einmal für- immer – eine Erinnerung zu löschen, die für Frankreich kein Ruhmesblatt seiner Geschichte war, vom
deutschen Volke aber als tiefste Schande aller Zeiten, empfunden wurde. (online unter www.zaoerv.de)

Der Sieg über Frankreich wurde vom Nationalsozialismus als dreifacher Triumph empfunden. Einmal war es das Ende eines Ringens über drei Jahrhunderte hinweg. Und Deutschland war schließlich siegreich geblieben. Ludwig XIV. hatte den Kampf

um die Rheinlinie begonnen. Stück um Stück ging in dessen Verlauf für das Deutsche Reich verloren. Dann war es der Sieg “über die abgelegten Ideale” von 1789, über die “Untermenschenrevolution” (Zitat aus Das Schwarze Korps, vom 22.08. 1940)

mit Postulaten der Menschenrechte, der parlamentarischen Regierungsform, der Demokratie, “den sanften Idealen und der brutalen Wirklichkeit” (Eugen Mündler im “Reich” vom 21.7. 1940). Auch über die Urheber und Hüter der Versailler Ordnung wurde triumphiert. Frankreich und England hatten ja den Völkerbund dominiert und dabei die kleinstaatliche Klientel bedient. Im kleinen Kreis wurden nun die Pläne für die Aufteilung Frankreichs erörtert. Burgund stand im Blickpunkt der publizistischen Vordenker.

Gehörte es ihrer Meinung nach zum  “germanischen Kreis” wie die Champagne und Elsass-Lothringen. Himmler hatte in Burgund die deutschen Südtiroler ansiedeln wollen. In Elsass-Lothringen wurde eine Politik der Rückgliederung schon in den ersten

Anordnungen der Militärverwaltung im Jahre 1940 erkennbar. Das Vorgehen wurde gleichermaßen bestimmt durch das Verlangen nach Wiedergutmachung der Inbesitznahme von 1681 und 1918 wie auch dem germanischen Blut-und Rassemythos.

Man führte den Begriff des volksdeutschen Elsass-Lothringer ein, um die alteingesessene Bevölkerung von der 1918 zugewanderten französischen Bevölkerung zu unterscheiden. (zu diesem kurzen Abschnitt der Aufsatz “Nationalsozialistische Europaideologie”

von Paul Kluke in Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte online www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1955_3_2_kluke.pdf)

Zurück zu Bürckel.

Am 2. 8. 1940 unterzeichnete Hitler einen Geheimerlass. Damit ernannte er die Gauleiter Bürckel Westmark und Wagner Baden als Chefs der Zivilverwaltung CdZ in Lothringen bzw. im Elsass.(Institut für Zeitgeschichte Fb 91 Fotokopie) Wie das schon bei Bürckel in Österreich geschehen war, wurden sie einerseits Hitler unmittelbar unterstellt andererseits waren sie an die fachlichen Weisungen der obersten Reichsbehörden gebunden. Dies zeigte, dass Hitler gewillt war, Elsass-Lothringen dem Deutschen Reich einzuverleiben. In einer Besprechung mit den beiden Gauleitern erläuterte Hitler seine Zielvorstellung, dass Elsass-Lothringen in 10 Jahren völlig deutsche Gebiete würden.

Am 2. August 1940 wurde Bürckel in seinen Funktionen als Gauleiter und Reichsstatthalter durch Baldur von Schirach abgelöst. Dieser war vorher Reichsjugendführer. Nach seiner Ernennung zum Gauleiter von Wien wird er Beauftragter der für die Inspektion der

gesamten HJ. Außerdem wird er ab September mit der Kinderlandverschickung beauftragt. Während des Zweiten Weltkriegs waren rund 5 Millionen Kinder und Jugendliche aus den durch Luftangriffen bedrohten Städten evakuiert worden.

In Wien wurde Bürckel keine Träne nach geweint, weder von den Wienern noch von vielen Parteifunktionären. Wie schon öfters gezeigt stieß er öfters auch mit Ministern zusammen, da er von niemanden einen Kompetenzrahmen respektierte,

wenn es um die Durchsetzung seiner Vorstellungen ging. Er konnte sich das leisten, da er bei Hitler in höchstem Ansehen stand und von dort praktisch immer Rückendeckung erhielt. In Wien kam seine joviale Pfälzer Art nicht an. Hinter vorgehaltener

Hand sprach man vom “Bierleiter Gauckel”, womit auch auf seine Affinität zum Alkohol angespielt wurde. Am 10. August wurde er offiziell verabschiedet. Von Heß bekam er ein persönliches Schreiben von Hitler überreicht. Er erhielt zahllose Geschenke.

Der Dr.Ignaz-Seipel-Ring wurde in Josef-Bürckel-Ring umbenannt. Allerdings erhielt er am 27. April 1945 seinen alten Namen zurück.

 

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Ein weiteres Kapitel bleibt mit dem Namen der beiden Gauleiter verbunden, nämlich die Deportation von rund 6500 badischer und pfälzer Juden nach Gurs.  In der Nacht vom 20. auf 21. Oktober 1940 zum Abschluss des Laubhüttenfestes musste sich die

jüdische Bevölkerung reisefertig machen. Sie hatte dazu nur rund 2 Stunden Zeit. Nur 50 Kilo Gepäck und eine Barschaft von 100 Reichsmark durfte mitgenommen werden. In sieben Eisenbahnzügen aus Baden und zwei aus der Pfalz wurden die Deportierten nach

Gurs am Fuß der Pyrenäen deportiert. Organisiert hatte die Züge Adolf Eichmann. Gurs war ursprünglich als Internierungslager für politische Flüchtlinge und Kämpfer im Spanischen Bürgerkrieg eingerichtet worden. Für so viele Menschen war

das Lager ursprünglich natürlich nicht vorgesehen. Entsprechend katastrophal waren die hygienischen Bedingungen. Im Schnitt starben täglich sieben Menschen. Die beiden Gauleiter aber konnten am Abend der Deportation stolz nach Berlin

melden “Mein Gau ist judenfrei”. Ab September 1941 wurde mit den ersten Vergasungen in Auschwitz begonnen. Ab August 1942 wurden die Insassen, die bisher in Gurs überlebt hatten, in die Vernichtunsglager im Osten weiter transportiert und

dort umgebracht.

Vor den letzten Lebensjahren von Bürckel nochmal ein Blick auf das Gesamtgeschehen.

Nachdem Frankreich kapituliert hatte, ging der Krieg trotzdem weiter, weil  Großbritannien das sogenannte Friedensangebot vom 19. Juli 1940 nicht annahm. Mit der Weisung 16 vom 16.Juli 1940 hatte Hitler die Vorbereitung zu einer Landungsoperation

gegen England vorzubereiten, die dann unter dem Namen Unternehmen Seelöwe lief. Die Vorbereitung sollte Mitte August abgeschlossen sein. “Die englische Luftwaffe muss moralisch und tatsaechlich so weit niedergekaempft sein, dass sie keine nennenswerte Angriffskraft dem deutschen Uebergang gegenueber mehr zeigt. “ hieß es in der Weisung. Am 2. Juli begann nun Göring die “Luftschlacht um England”. Zunächst erfolgte eine begrenzte Offensive gegen die Schifffahrt im Ärmelkanal. Ziel war auch, die

RAF durch die Vernichtung ihrer Flugzeuge in der Luft zu schlagen.Aber die deutsche Luftwaffe erlitt  sehr schnell große Verluste. Zwar konnte die Luftwaffe die Luftwaffe die Infrastruktur der britischen Armee schädigen, aber sie schaffte es weder die Lufthoheit zu erringen, noch dauerhaft das britische Potential an Flugzeugen und Piloten dauerhaft auszuschalten.Göring und Hitler hatten sich entschieden, London anzugreifen. Auch die Industriestädte Coventry und Birmingham waren Ziel der Angriffe.

Aber man schaffte es nicht, die Industrie entscheidend zu treffen oder die Bevölkerung zu demoralisieren. Die RAF und ihre Stützpunkte blieben durch die Zielverlagerung aber verschont. Die ohnehin bescheidenen Ressourcen an Menschen und Material wurden weiter zersplittert. Die Luftwaffe war so an keiner Front schlagkräftig genug, um den englischen Widerstand zu brechen. Eine weitere Folge war, dass die ins Auge gefasste Landungsoperation auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste.

Erstmals war es Hitler nicht gelungen, einem Land seinen willen aufzuzwingen.

Dafür dachte er an einen Angriff auf die Sowjetunion. “Lebensraum im Osten”. Schon in “Mein Kampf” hatte er geschrieben: “Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewußt einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir schließen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über zur Bodenpolitik der Zukunft. Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Rußland und die ihm untertanen Randstaaten denken” (Adolf Hitler: Mein Kampf. Zwei Bände in einem Band. S. 742.)

So gab er am 18. November 1940 die Weisung Nr. 21 “Fall Barbarossa” heraus

“Die deutsche Wehrmacht muss darauf vorbereitet sein, auch vor Beendigung des Krieges gegen England Sowjetrussland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen (Fall Barbarossa).

Das Heer wird hierzu alle verfügbaren Verbände einzusetzen haben mit der Einschränkung, dass die besetzten Gebiete gegen Überraschungen gesichert sein müssen.” (online www.1000dokumente.de). Das war er konkrete Angriffsplan.

Italien seit dem Dreimächtepakt, der am 27. September 1940 in Berlin zwischen Italien, Japan und Deutschland geschlossen worden war, Deutschlands Kriegsverbündeter führte seit September 1940 einen Parallelkrieg in Nordafrika und im Mittelmeerraum.

Mit Verspätung startete am 9. September eine italienische Offensive gegen das von Großbritannien besetzte Ägypten. Ziel war es, den Suezkanal unter Kontrolle zu bringen. Nach Anfangserfolgen kam die Offensive ins Stocken und blieb weit hinter den

Erwartungen zurück. Am 28. Oktober begann Italien mit der Invasion in Griechenland. Das verbesserte die Lage in Ägypten natürlich nicht, sondern lenkte lediglich die Aufmerksamkeit ab. Mussolini glaubte an einen raschen Sieg. der Einmarsch entwickelte

sich aber zu einem Fiasko für den Duce. Die griechischen Truppen waren gut organisiert und kannten sich in dem schwierigen Gelände natürlich bestens aus. Die Italiener wurden in nur 14 Tagen über die Grenzen Albaniens zurückgedrängt.

In Nordafrika hatte Großbritannien einen erfolgreichen Gegenangriff zur Rückeroberung gestartet. Dieser verlief so erfolgreich, dass die italienische 10. Armee in Nordafrika fast vollständig aufgerieben wurde. Hitler zögerte lange, weil es natürlich den

geplanten Feldzug gegen Russland beeinträchtigte. Am 11. Januar gab er  mit der Weisung Nr. 22 schließlich den Einsatzbefehl für das Afrikakorps unter General Erwin Rommel. Rommels Meinung stand in krassem Gegensatz zu der des italienischen

Generals Gariboldi, der auf Defensive setzte. Rommel begann am 31. März eigenmächtig den Vormarsch und warf mit seiner Taktik des mobilen Wüstenkriegs die englischen Truppen rasch 800 Kilometer zurück und kam erst bei Tobruk zum Stehen.

Rommels Truppen waren allerdings zu schwach, um Tobruk einzunehmen. Nach schweren Verlusten befahl Rommel, die Eroberung dieser Hafenstadt zunächst zurückzustellen. Da das Afrikakorps mit schweren Versorgungsengpässen zu kämpfen hatte,

konnte man keine weiteren Vorstöße in Richtung Osten machen. Es kam zum Stellungskrieg bei Tobruk/Sollum. Im November begann Großbritannien mit der Operation Crusader. Die Besatzung von Tobruk konnte ausbrechen und es gelang den Engländer,

die deutschen Truppen fast auf ihre Ausgangsstellungen in der Cyrenaika zurückzuwerfen. Von Malta aus hatten britische U-Boote und Flieger die italienischen und deutschen Nachschubwege nach Nordafrika massiv gestört.

Anfang Januar flog nun die Luftflotte 2 Angriffe auf wichtige Knotenpunkte in Malta. Nun lief der Nachschub für eine Zeit wieder störungsfrei und Rommel konnte wieder die Initiative zurückgewinnen. Frisch herangeführte Verstärkungen und die Luftunterstützung ermöglichten ihm den Gegenangriff. Am 26. Mai startete eine neue Offensive mit dem Ziel Tobruk zu erobern. Das gelang am 20. Juni 1942. Die NS-Propaganda feierte diesen Handstreich und Rommel wurde zum Generalfeldmarschall befördert.

Die Panzertruppen kamen bis El Alamein. das ist 100 Kilometer vor Alexandria.Die Stadt sollte genommen werden und der Suezkanal besetzt werden. Hitler plante bereits, nach der Einnahme des Suezkanals weiter nach Vorderasien und bis nach Indien

Bundesarchiv_Bild_101I-786-0327-19,_Nordafrika,_Erwin_Rommel_mit_Offizieren

vorzustoßen und von dort die englischen Kolonien zu bedrohen. Soweit kam es aber nicht. die Engländer hatten vor El Alamein einen Verteidigungsgürtel aufgebaut. Südlich davor war sumpfiges Gelände, so dass der Gürtel nicht umgangen werden konnte.

Versorgungsengpässe waren aufgetreten. Die Offensive blieb stecken. Rommel wollte nun im August die Entscheidung erzwingen. Aber entgegen der Erwartungen war die Nachschubversorgung wesentlich schlechter geworden, da britische U-Boote immer mehr Schiffe versenken konnten. Außerdem war es dem britischen Nachrichtendienst gelungen, wichtige Erkenntnisse aus der Entschlüsselung des verschlüsselten geheimen deutschen Nachrichtenverkehrs zu gewinnen. So kannte die britische Armee bereits

vor dem Angriff der Deutschen die Angriffsschwerpunkte. So war der Widerstand wesentlich stärker. die angestrebten Ziele wurden nicht erreicht und der gewonnene Boden musste wieder aufgegeben werden.

Am 13. August 1942 übernahm Bernhard Montgomery den Oberbefehl über die 8. Armee, die in Nordafrika kämpfte. Am 23. Oktober startete er bei El Alamein den Gegenangriff gegen die Achsenmächte. Die kräftemäßig unterlegenen deutschen und Italiener wurden zum Rückzug nach Libyen gezwungen. Am 8. November 1942 landeten in Marokko und Algerien 100.000 Mann frische Kräfte aus Amerika und Großbritannien. Nun wurde ein Zweifrontenkrieg gegen das Afrikakorps eröffnet. Tobruk fiel am

13. November wieder an die Briten zurück. An der Ostfront (dazu später) war die Lage ebenfalls kritisch geworden das Desaster von Stalingrad bahnte sich an. Das Oberkommando der Wehrmacht konnte deshalb dem Afrikakorps kaum Verstärkung anbieten.

Das Kräfteverhältnis hatte sich inzwischen total verändert. Den Truppen der Achsenmächte standen 500.000 alliierte Soldaten gegenüber. Das waren doppelt soviel. Dazu verfügten die Alliierten über die vierfache Zahl an Panzern und die totale Luftüberlegenheit.

Ende Januar musste Libyen aufgegeben worden. Im März und April wurden die Soldaten der Achsenmächte eingeschlossen. Rommel flog nach Deutschland und schlug Hitler vor, das Afrikakorps nach Europa zurückzuziehen. Hitler blieb stur und verweigerte das wütend.Die Folge 230.000 Mann gerieten in Kriegsgefangenschaft. Die alliierten hatten nun die Kontrolle über den Mittelmeerraum und damit gute Voraussetzungen für die Landung auf Sizilien.

Auch auf dem Balkan hatte das militärische Vorgehen Italiens Hitler zum Eingreifen gezwungen, obwohl seit November 1940 Russland das Ziel war. Im Herbst hatten Italien und Deutschland die Balkanländer umworben. Schon vor dem Krieg waren sie wichtige

Rohstoff-und Nahrungsmittellieferanten. Am 27. Mai 1940 wurde der Öl-Waffen Pakt abgeschlossen. Er sah rumänisches Öl gegen deutsche Waffen vor. Es war vor allem für die deutsche Seite ein profitables Geschäft. Der Pakt legte eine feste Preisrelation für die von  Rumänien zu liefernden Mineralölerzeugnissen und den Waffen, die es dafür bekam fest und zwar unabhängig von den jeweiligen Tagespreisen am Markt. Am 23. November schließlich trat Rumänien dem Dreimächtepakt bei, um sich vor einer sowjetischen

aber auch vor einer deutschen Aggression zu schützen. Bulgarien hatte unter Zar Boris der Deutschen Wehrmacht zunächst ein Durchmarschrecht nach Griechenland eingeräumt. Am 1. März 1941 trat es dem Pakt bei. Am 25. März 1941 trat schließlich

noch das Königreich Jugoslawien bei unter Prinz Paul ein. Allerdings kam es zwei Tage später zu einem probritischen Militärputsch. Hitler akzeptierte den Versuch der neuen Regierung unter General Simovic nicht, zu einer neutralen Politik zurückzukehren und

begann am 6. April 1941 mit dem Angriff auf Jugoslawien. In der Weisung 25 vom 27.3.1941 hört sich das so an “Der Militärputsch in Jugoslawien hat die politische Lage auf dem Balkan geändert. Jugoslawien muss auch dann, wenn es zunächst Loyalitätserklärungen abgibt, als Feind betrachtet und daher so rasch als möglich zerschlagen werden.” Der Angriff auf Griechenland begann zur selben Zeit. Beide Staaten waren ohne Kriegserklärung oder vorheriges Ultimatum angegriffen worden. Insgesamt kämpften 33 Divisionen mit

680.000 Mann auf deutscher Seite. Belgrad wurde schon am 12. April eingenommen. Am 17. April kapitulierten die jugoslawischen Streitkräfte. Jugoslawien wurde in 10 Teile mit unterschiedlichem staatsrechtlichen Status aufgeteilt. Kroatien erklärte sich am 15. April zum unabhängigen Staat Kroatien.Dort etablierte sich ein Vasallenstaat unter Führung der Ustascha, auf Deutsch “Der Aufständische-Kroatische revolutionäre Organisation”. Serbien wurde stark verkleinert und umfasste nur noch ein  viertel der

Gesamtfläche des ehemaligen Jugoslawiens. Etwa 180.000 Serben wurden zum Arbeitseinsatz nach Deutschland verschleppt.

In Griechenland marschierten die deutschen Truppen unter Generalfeldmarschall List über Bulgarien ein.Auch hier kamen die Truppen rasch vorwärts. Am 20. April ordneten die Briten die Evakuierung ihrer Truppen zunächst nach Kreta und dann nach Ägypten an. Über 50.000 Mann konnten entkommen. Die griechische Armee kapitulierte am 20. April vor dem SS Obergruppenführer Sepp Dietrich und dann nochmals zwei Tage späte, weil die italienische Armee ihre kämpferische Leistung nicht genügend gewürdigt sah,

offiziell gegenüber Deutschland und Italien. Am 27. April wurde Athen eingenommen. Der Feldzug endete am 29. April mit der Einnahme von Kalamata im Süden der Peloponnes. Kreta wurde in der Zeit vom 21. Mai bis 1. Juni in einer äußerst verlustreichen

Luftlandeoperation eingenommen.

Beide Länder waren besiegt. Doch es folgte ein Partisanenkrieg, der von deutscher Seite aus mit unerbittlicher Härte geführt wurde. In Jugoslawien, in Griechenland und auf Kreta beging die Wehrmacht schwere Kriegsverbrechen.

So wurden in Kalvrita im Aroania-Bergmassiv im Dezember über 800 Jungen und Männer in einer 5 Stunden dauernden Massenhinrichtung erschossen. In dieser gesamten Bergregion wurden in den Dezembertagen über 1300 Griechen umgebracht,

28 Dörfer und Klöster wurden niedergebrannt. In Kommeno in Epirus wurden über 300 Dorfbewohner brutal ermordet. In Distomo am Fuße des Parnass-Gebirges kamen über 200 Menschen ums Leben. Obwohl die Einheitsführer, die die Aktionen

angeordnet hatten, bekannt sind, kam es zu keiner Verurteilung. Zwar wurde bei dem Distomo Massakers ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes eingeleitet, dieses aber nach drei Jahren wegen Verjährung wieder eingestellt.

Der Balkanfeldzug verschob den Angriff auf die Sowjetunion um 4 Wochen. Am 22. Juni 1941 übergibt der deutsche Botschafter Friedrich Werner Graf von der Schulenburg dem sowjetischen Außenminister Molotow ein “Memorandum”.

Darin steht, die Sowjetunion habe den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt durch den Aufmarsch der roten Armee an der Grenze  sowie durch die Annexion Ostpolens und der baltischen Staaten gebrochen. Dieser Bedrohung müsse die Wehrmacht mit allen Machtmitteln entgegentreten. Das Wort “Kriegserklärung” durfte auf Hitlers Befehl nicht verwendet werden. Zu dem Zeitpunkt der Übergabe des Memorandum bombardierte die Luftwaffe sowjetische Städte schon seit drei Stunden.

Juristisch war das Feld schon ab März vorbereitet worden. Am 13. Mai kam der “Erlass über die Ausübung der Kriegsgerichtsbarkeit im Gebiet „Barbarossa“und über besondere Massnahmen der Truppe” heraus. Darin wird festgelegt, dass Straftaten

feindlicher Zivilpersonen der Zuständigkeit von Kriegsgerichten und Standgerichten bis auf weiteres entzogen und dass Freischärler “durch die Truppe im Kampf oder auf der Flucht schonungslos zu erledigen” sind. Gegen Ortschaften

“aus denen die Wehrmacht hinterlistig oder heimtückisch angegriffen wurde” werden unverzüglich kollektive Gewaltmassnahmen durchgeführt, falls ein Täter nicht rasch festgestellt werden kann oder  die Umstände dies nicht zulassen.

Zum Freibrief für Verbrechen wird die durch die Bestimmung “Für Handlungen, die Angehörige der Wehrmacht und des Gefolges gegen feindliche Zivilpersonen begehen, besteht kein Verfolgungszwang, auch dann nicht, wenn die Tat zugleich ein militärisches Verbrechen oder Vergehen ist.”

Die “Aktennotiz über Ergebnis der heutigen Besprechung mit den Staatssekretären über Barbarossa, 2. Mai 1941” lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und wurde  am 26. November 1945 im Nürnberger Prozess von dem amerikanischen Anklagevertreter Sidney S. Alderman verlesen.Er sagte dazu: „Noch niemals ist wohl ein unheilvollerer Satz niedergeschrieben worden, als der Satz in dieser Urkunde” Es geht um die ersten beiden Punkte in diesem Dokument.

“1.) Der Krieg ist nur weiter zu führen, wenn die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr aus Rußland ernährt wir.

2.) Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.”

Komplettiert wurden diese Bestimmungen mit dem sogenannten Kommissarbefehl vom 6. Juni 1941: “Richtlinien für die Behandlung politischer Kommissare. Im Kampf gegen den Bolschewismus ist mit einem Verhalten des Feindes nach den Grundsätzen der Menschlichkeit oder des Völkerrechts nicht zu rechnen. Insbesondere ist von den politischen Kommissaren aller Art als den eigentlichen Trägern des Widerstandes eine hasserfüllte, grausame und unmenschliche Behandlung unserer Gefangenen zu erwarten. Die Truppe muß sich bewußt sein: 1. In diesem Kampf ist Schonung und völkerrechtliche Rücksichtnahme diesen Elementen gegenüber falsch. Sie sind eine Gefahr für die eigene Sicherheit und die schnelle Befriedung der eroberten Gebiete. 2. Die Urheber barbarisch asiatischer Kampfmethoden sind die politischen Kommissare. Gegen diese muß daher sofort und ohne weiteres mit aller Schärfe vorgegangen werden. Sie sind daher, wenn im Kampf oder Widerstand ergriffen, grundsätzlich sofort mit der Waffe zu erledigen. “

(NS-Archiv Dokumente zum Nationalsozialismus –online)

121 Divisionen mit 3 Millionen deutscher Soldaten und weiterer 600.000 aus Italien, Ungarn, Finnland, Rumänien und der Slowakei waren beteiligt. (Zahlen unter anderem bei David Glantz Stumbling Colossus. The Red Army on the Eve of World War. University of Kansas Press, Lawrence 1998, S. 295.) Die Front war 2130 Kilometer lang. Die Heeresgruppe Mitte unter  Generalfeldmarschall von Bock war die stärkste der drei Heeresgruppen. Sie kam auch sehr rasch voran. Am 30. Juni wurde die Grenzstadt Brest-Litowsk eingenommen. Die Kesselschlacht bei Bialystok- Minsk war die erste große Kesselschlacht des Rußlandfeldzugs. An der sowjetischen Westfront standen 46 Divisionen. Elf konnten  ausbrechen.28 Divisionen und 7 Panzerdivisionen mit 325.000 Mann, 1.809 Geschützen und 3.332 Panzern  wurden geschlagen, die Soldaten größtenteils gefangen genommen. Den Kommandanten der Westfront Pawlow machte Stalin für die Niederlage verantwortlich und ließ ihn nach Moskau kommen. dort wurde er vor ein Kriegsgericht gestellt und erschossen. In der Gegend um Smolensk hatte die Rote Armee eine neue Verteidigungslinie aufgebaut. Smolensk ist etwa 330 Kilometer von Minsk entfernt. Auch hier gelang es der Wehrmacht starke Kräfte einzukesseln.

Über 300.000 Rotarmisten und etwa 3000 Panzer waren eingeschlossen. Zeitweise konnte die Rote Armee den Kessel aufbrechen und zahlreiche Truppen verlegen. Auch in der Schlacht bei Smolensk hatte die Rote Armee enorme Verluste

zu verzeichnen. Vom 10. Juli bis 10. September waren das 760.000 Mann, davon 468.000 gefallen, vermisst oder in Gefangenschaft geraten, 274.000 verwundet. Aber auch die Wehrmacht hatte enorme Verluste. Und sie hatte auf dem Weg nach

Moskau viel Zeit verloren, denn die rote Armee hatte rund zwei Monate standgehalten. Das bot Zeit und Gelegenheit die Verteidigung von Moskau auszubauen. Die Wehrmacht war jetzt nur noch 400 Kilometer von Moskau entfernt.

Die Heeresgruppe Süd unter Generalfeldmarschall von Rundstedt konnte am 29. Juni bei der Panzerschlacht von Dubno-Luzk-Riwne fast das gesamte Mechanisierte Korps der Roten Armee vernichten. Darauf folgte die Kesselschlacht bei Uman.

Dabei eroberte sie über 300 Panzer und 850 Geschütze unzerstört. 103.000 Mann kapitulierten. Die Einschließungskräfte für den Kessel waren aber relativ schwach, so dass zehntausende Rotarmisten entkommen konnten. Ihre schweren Waffen und

Ausrüstung mussten sie allerdings zurücklassen. Die Heeresgruppe Süd beherrschte nun den Dnepr-Bogen. Das Hinterland der Ukraine war nun offen. Die verlorene Schlacht war der erste Schritt zur Eroberung der Ukraine.

Die deutsche Generalität sah das vorrangige Ziel nun in einer sofortigen Einnahme Moskaus. Es hatte eine wichtige geographische Bedeutung, war Verkehrs und Nachrichtenzentrale und ein wichtiges Industriegebiet und natürlich

politischer Mittelpunkt. Hitler dagegen wollte die für den Ostseeraum, die Ukraine und den Süden lebenswichtigen Resourcen zerstören oder unter deutsche Kontrolle bringen. Hitler lehnte die Vorschläge des Generalstabs rundheraus ab

Er bestand darauf, nach Leningrad im Norden und Kiew im Süden vorzustoßen, setzte sich durch. – und hatte Erfolg. Am 26. September endete die Kesselschlacht von Kiew. Nochmals waren 600.000 Rotarmisten in Gefangenschaft geraten. Über 800

Panzer waren erbeutet worden,über 400 Pak und über 3000 Geschütze. Die Einnahme bereitete allerdings nachträglich noch große Probleme. Es waren viele durch Funk auszulösende Sprengungen vorbereitet worden. Ein solcher Sprengsatz löste am 25. September

einen Großbrand aus, der erst am 29. September unter Kontrolle gebracht werden konnte und für große Verluste der deutschen Verbände in der Stadt sorgte.

Die frappierend schnellen siege, die enorme zahl an Kriegsgefangenen blendete die deutsche Führung. Schon im Juli hielt General Halder den Feldzug für gewonnen.

Die Zeit war aber knapp geworden. Der russische Winter war nicht mehr allzu fern und erfahrungsgemäß kam vor dem ersten Frost eine mehrwöchige Schlammperiode. Am 30. September startete die Offensive unter dem Decknamen Taifun.

Hitler wollte mit diesem Unternehmen vor Einbruch des Winters die russischen Truppen vor Moskau “entscheidend” schlagen.Seine Soldaten sollten “zu dem letzten gewaltigen Hieb, der noch vor dem Einbruch des Winters diesen Gegner zerschmettern soll“

ansetzen und auch die historische Dimension lieferte Hitler in seinem Tagesbefehl am 2. Oktober 1941 verlesen ließ. Sie sollten nicht nur das deutsche Reich sondern ganz Europa vor einer Gefahr schützen„wie sie seit den Zeiten der Hunnen und später der Mongolenstämme entsetzlicher nicht mehr über dem Kontinent schwebte“ und weiter „Dieser Feind besteht nicht aus Soldaten, sondern zum großen Teil nur aus Bestien.“  (zitiert in Die Zeit vom 13. Dezember 1991)

Zwar warnten auch diesmal die Generale eindringlich, dass weder die Ausrüstung ausreichend noch der Nachschub gewährleistet sei. Aber sie beugten sich auch dieses Mal. Und wieder schien der Führer recht zu behalten in den Kesselschlachten von Wjasma und Brjansk wurden nochmals 673.000 sowjetische Soldaten gefangen genommen und über 1300 Panzer erbeutet.

Die Wehrmacht war nun bis an den äußeren Verteidigungsring Moskaus gelangt. Aber nun setzte die Schlammperiode ein. Der Angriff blieb buchstäblich im Schlamm  stecken.

Unbenannt

Der Nachschub war wegen der aufgeweichten Wege und Straßen kaum mehr zu bewältigen und sank von 900 Tonnen täglich auf 20 Tonnen. Erst als im November leichter Frost einsetzte, waren die Straßen wieder befahrbarer. Aber es dauerte dann fast noch

zwei Wochen, bis genug Treibstoff und Munition angeliefert war, um die Offensive fortzusetzen. Nun setzte strenger Frost ein. Die Temperaturen sanken auf – 35 °, aber die deutschen Soldaten hatten immer noch keine Winterkleidung, was hohe Ausfälle

durch Erfrierungen zur Folge hatte. Die schützende Winterkleidung lagerte irgendwo auf polnischen Bahnhöfen. Die Loks, sofern sie überhaupt noch fahren können, müssen Munition, Treibstoff und Proviant an die Front bringen.

Was erstaunlicherweise aber immer noch funktioniert: jeden zweiten Tag ein Güterzug der Deutschen Reichsbahn jüdische Deportierte ins Ghetto nach Minsk!

Die Rote Armee dagegen war seit November vollständig mit warmer Kleidung ausgerüstet. Die Deutschen waren Ende November noch 18 Kilometer von der Stadtgrenze Moskaus entfernt.

Gleichzeitig hatte die Rote Armee aber auch mit den Planungen für eine Gegenoffensive begonnen.Die Planungen wurden durch einen Funkspruch Richard Sorges erleichtert. Sorge hatte am 1. Juni 1941 Stalin vor einem Angriff Deutschlands

gewarnt  “Der Überfall wird am 22. Juni in aller Frühe auf breiter Front erfolgen” (in  Julius Mader Dr. Sorge Report). Stalin glaubte dies aber nicht. Im September informierte Sorge Moskau, dass Japan nicht Russland angreifen würde, sondern

Indochina. Diesmal wurde ihm geglaubt. Daraufhin ließ Stalin 32 ausgeruhte Divisionen aus dem Fernen Osten in den Westen verlegen. Zwar hatte die deutsche Luftabwehr im November Truppenausladungen erkannt.  Die deutsche Führung hatte dies

aber als Gespenstereien betrachtet. Am 16. November startete der erneute Angriff. Aber er traf auf erbitterten russischen Widerstand. Größere Teile der Luftflotte 2 unter Kesselring waren in den Mittelmeerraum verlegt worden, da dort Libyen verloren zu gehen

drohte. Das ermöglichte aber den sowjetischen Luftstreitkräften in wichtigen Abschnitten die Lufthoheit zu erringen.  Die Generale von Bock und Guderian meldeten dem Oberkommando die bedrohliche Lage und auch, dass die Trupp erschöpft war.

Sie wurden aufgefordert, die Offensive mit einem letzten Kraftaufgebot fortzusetzen, zumal man annahm, dass auch auf russischer Seite mit den “letzten Bataillonen” gekämpft wurde. Halder sah die Entscheidung über Sieg oder Niederlage

immer noch als eine Willensfrage. Er war“durchdrungen von dem Gedanken, daß es bei beiden Gegnern um die letzte Kraftanstrengung geht und der härtere Wille recht behält“. (zitiert nach Der Spiegel ).

Im Divisionsbericht der 7. Infanteriedivision heißt es “Die völlige Verausgabung der Truppe und die Notwendigkeit von Ablösungen “ (Zitat in Die Welt vom 22.06.11)Fedor von Bock konstatierte, dass der Zeitpunkt sehr nahe sei,

„in dem die Kraft der Truppe völlig erschöpft ist“ (Zitat ebd.) Eigentlich hätte die Offensive abgebrochen werden müssen, die Truppe in Winterquartiere überführt werden. Stattdessen befahlen Hitler und die Wehrmachtsführung die weitere Offensive.

Diese kam Anfang Dezember zum völligen Erliegen.

Mit der Verteidigung Moskaus war Marschall Schukow betraut worden.Er und Stalin hatten die Nervenstärke, abzuwarten, bis die deutsche Offensive versiegte. Am 5. Dezember begann der Gegenangriff. Eine Million Mann und 700 Panzer

waren angetreten. Die deutsche Führung war völlig überrascht. Die deutschen Linien werden fast überall durchstoßen. Manche Divisionen entkommen nur mit Mühe der Umzingelung. Die deutsche Führung hatte dies zunächst nicht als Großangriff

der Roten Armee erkannt und befahl erst abends, den Angriff auf Moskau abzubrechen und in den Ausgangsstellungen auf Verteidigung überzugehen.

Am 7. Dezember 1941 überfielen aber auch die Japaner den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii. Am 11. Dezember erklären Italien und Deutschland den USA den Krieg. In seiner Rede vor dem Reichstag am 11. Dezember 1941

spricht er zunächst ausschweifend von den militärischen erfolgen Deutschlands. Dann zählt er eine Reihe “Völkerrechtsverletzungen der USA auf, um “Deutschland endlich zum Kriege zu zwingen”. Und dann bringt er es schließlich

auf den Punkt, was tatsächlich zum Krieg führt. “Wir wissen, welche Kraft hinter Roosevelt steht. Es ist jener ewige Jude, der seine Zeit als gekommen erachtet, um das auch an uns zu vollstrecken, was wir in Sowjetrußland alle schaudernd sehen und erleben mußten. Wir haben das jüdische Paradies auf Erden nunmehr kennengelernt. Millionen deutscher Soldaten haben den persönlichen Einblick gewinnen können in ein Land, in dem dieser internationale Jude Mensch und Gut zerstörte und vernichtete. Der Präsident der Vereinigten Staaten mag das vielleicht selbst nicht begreifen. Dann spricht das nur für seine geistige Beschränktheit.” (in Internet Archive Full text of „Adolf Hitler Krieg gegen die USA und Kriegsbericht 1941)

Am 19. Dezember entließ Hitler von Brauchitsch. Er übernahm selbst das Oberbefehl über das Heer. Am Tag zuvor hatte er Haltebefehle erteilt und die Truppen gezwungen “fanatisch” in ihren Stellungen auszuharren. Als Guderian Ende

Dezember entgegen der Haltebefehle seine Truppen eigenmächtig zurücknahm, wurde er seines Kommandos enthoben und zur Führerreserve versetzt, was praktisch einer vorübergehenden Versetzung in den Ruhestand gleichkam.

Am 8. Januar 1942 musste Generaloberst Hoepner seine Truppen zurücknehmen. Sie wären sonst eingekesselt worden. Hitler enthob ihn nicht nur seines Kommandos. Er wurde wegen „Feigheit und Ungehorsam“ unehrenhaft aus der  Wehrmacht ausgestoßen.

Hoepner meinte dazu “ich habe Pflichten, die höher stehen als die Pflichten Ihnen gegenüber und die Pflichten gegenüber dem Führer. Das sind die Pflichten gegenüber der mir anvertrauten Truppe.” (zitiert bei Janusz Piekalkiewicz: Der Zweite Weltkrieg. Teilband II, Seite 570). Hitler hätte den General eigentlich nicht so einfach entlassen können. Er hätte formaljuristische und beamtenrechtliche Vorschriften einhalten müssen. Am 26. April 1942 erließ der Großdeutsche Reichstag einen Beschluss der den Führer praktisch

von solchen Vorschriften befreit. “Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Führer in der gegenwärtigen Zeit des Krieges, in der das deutsche Volk in einem Kampf um Sein oder Nichtsein steht, das von ihm in Anspruch genommene Recht besitzen muß, alles zu tun, was zur Erringung des Sieges dient oder dazu beiträgt. Der Führer muß daher – ohne an bestehende Rechtsvorschriften gebunden zu sein – in seiner Eigenschaft als Führer der Nation, als Oberster Befehlshaber der Wehrmacht, als Regierungschef und oberster Inhaber der vollziehenden Gewalt, als oberster Gerichtsherr und als Führer der Partei jederzeit in der Lage sein, nötigenfalls jeden Deutschen – sei er einfacher Soldat oder Offizier, niedriger oder hoher Beamter oder Richter, leitender oder dienender Funktionär der Partei, Arbeiter oder Angestellter – mit allen ihm geeignet erscheinenden Mitteln zur Erfüllung seiner Pflichten anzuhalten und bei Verletzung dieser Pflichten nach gewissenhafter Prüfung ohne Rücksicht auf sogenannte wohlerworbene Rechte mit der ihm gebührenden Sühne zu belegen, ihn im besonderen ohne Einleitung vorgeschriebener Verfahren aus seinem Amte, aus seinem Rang und seiner Stellung zu entfernen.“ (Reichsgesetzblatt 1942 I S.247, )

Hoepner wurde im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 am 21. Juli verhaftet und am 8. August unter Roland Freisler zum Tode verurteilt und am selben Tag hingerichtet.

Im Russlandfeldzug hatte die Wehrmacht bis dahin 500.000 Mann an Toten und Verwundeten verloren. Dazu kamen weitere 100.000 Mann die durch Erfrierungen ausfielen.1300 Panzer, 2500 Geschütze und über 15.000 Kfz gingen an Material verloren.

Die Wehrmacht konnte aber bis Ende Januar 1942 eine neue Verteidigungslinie aufbauen. Aber die Blitzkriegsstrategie war gescheitert, der Gegner nicht entscheidend geschwächt.

Zurück zu Bürkels letzten Jahren

Bürckel war so etwas wie Hitlers Fachmann für Anschlüsse geworden. Lothringen war die dritte Rückgliederung, die er durchzuführen hatte und auch hier hatte er wieder weitreichende Vollmachten. Aber in Lothringen wurde nicht gleichgeschaltet.

Es ging um die Liquidierung staatsrechtlicher und administrativer Strukturen eines eroberten Landes. Dazu kam die ideologische Umerziehung unter rassistischen Gesichtspunkten.

Die CdZ sollten die gesamte Verwaltung im zivilen Bereich führen. Die unklare Kompetenzdefinition führte wie auch in Österreich rasch zu heftigen Auseinandersetzungen. In einer Besprechung in der Reichskanzlei am 29. September 1940 bekamen die beiden CdZ weitgehend grünes Licht von Hitler. Er legte fest, dass für die gesamte Neuordnung in Elsass und Lothringen allein die beiden Reichsstatthalter Wagner und Bürkel zuständig und verantwortlich seien und dass die Reichsressorts den CdZ keinerlei Weisungen erteilen könnten. Bürckel begann nun in Lothringen eine rücksichtslose Germanisierungspolitik. “Deutschfeindliche Elemente” ließ er ausweisen.So wurden bis November 1940 aus dem Elsass 105.000 Menschen deportiert, aus Lothringen etwa 50.000, darunter alle lothringischen Juden. (Zahlen nach bpb Krieg und Besatzung in Ost- und Westeuropa)Die Transporte erfolgten unter chaotischen Verhältnissen. Die Ausgewiesenen hatten nur ihr Handgepäck dabei. Das unbewegliche Gut, Höfe, Geschäfte und handwerkerbetriebe mussten zurückgelassen werden und worden sofort entschädigungslos eingezogen. Am 21. November 1940 erklärte Bürckel die Ausweisungsaktion offiziell für beendet. Am 9.10 1941 wurde die Gültigkeit des RAD-Gesetzes für Elsass und Lothringen erklärt.

Allerdings entzogen sich viele Lothringer durch Flucht ihrer “Aufbaupflicht”. Daraufhin arbeitete Bürckel mit dem Mittel der Sippenhaft. Noch härter reagierte Bürckel, als Lothringer nach der Einführung der Wehrpflicht desertierten. Deren Angehörige nahm Bürckel

sofort in Sippenhaft, ließ sie umgehend ins Altreich aussiedeln und ihr Vermögen beschlagnahmen. Eine letzte große Aussiedlungsaktion betraf 8000 Menschen. Sie übertraf an Härte und Brutalität alle bisherigen Massnahmen.

Im August 1942 verlieh Bürckel den Lothringern die deutsche Staatsangehörigkeit.

Die Ausweisungspolitik Bürckels war in Regierungs-und Militärkreisen ihrer innen-und auch außenpolitischen Auswirkungen stark umstritten. So meldete sich der Chef der Präsidialkanzlei Otto Meissner, selbst gebürtiger Elsässer kritisch zu Wort.

Heftigster Kritiker war Dr. Best, der vor er Chef der Abteilung Verwaltung im Verwaltungsstab des Militärbefehlshabers Frankreich wurde, Karriere bei der Gestapo gemacht hatte. Er sah in den Ausweisungen eine Belastung des deutsch-französischen Verhältnisses,

die die notwendige Zusammenarbeit nur unnötig erschwerten. Bürckel war von dieser Kritik allerdings total unbeeindruckt. Allerdings mussten sowohl Bürckel als auch Wagner entscheidende Kompetenzen an den Reichsführer SS, der zugleich

Reichskommissar für die Festigung deutschen  Volkstums (RKF) war. Der durchbürokratisierte Apparat Himmlers beschränkte auf dem Gebiet der Volkstumspolitik die autonome Regionalherrschaft der Gauleiter.

Der Gau Westmark war 1940 gebildet worden. Er sollte den Gau Saarpfalz, also das Saarland und die bayrische Pfalz,

sowie das im Frankreichfeldzug eroberte lothringische Departement Moselle umfassen, das als Lothringen ins Reich eingegliedert werden sollte. Der Plan wurde während des 2. Weltkrieges aber nicht umgesetzt.

Es blieb nach außen hin beim alten Namen und bei der zugehörigen Bezeichnung „CdZ“ (Chef der Zivilverwaltung).

Im März 1941 wurde Bürckel von Hitler offiziell zum Reichsstatthalter ernannt.

Ihm un­ter­stand  nun ein 14.000 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ßes Ter­ri­to­ri­um mit 2,6 Mil­lio­nen Ein­woh­nern. Das war der Höhepunkt seiner politischen Karriere

Im November 1942 wurde Bürckel zum Reichsverteidigungskommissar der „Westmark“ ernannt.

An dieser Aufgabe scheiterte er spätestens mit der Invasion und dem Vordringen der amerikanischen Truppen.

Dazu kamen Kompetenzschwierigkeiten mit Heinrich Himmler, die sich nach dessen   Er­nen­nung zum In­nen­mi­nis­ter erheblich verschärften.

Während der Schlacht um Lothringen Anfang September 1944 kam es in der Debatte um das militärische Vorgehen zum entscheidenden Zer­würf­nis mit Hit­ler.

Auf Veranlassung von Mar­tin Bor­mann (1900-1945) wur­den Bürck­el dar­auf­hin am 8.9.1944 weit rei­chen­de Kom­pe­ten­zen ent­zo­gen

Die Entsendung des Dienstleiters der Berliner Parteikanzlei Willi Stöhr (1903–1994) als „Bevollmächtigten des Reichsverteidigungskommissars für den Stellungsbau im Gau Westmark“ Anfang September 1944 bedeutete den Beginn der Entmachtung Bürckels.

Josef Bürckel verstarb wenig später am am 28.9.1944  in seinem Haus in Neustadt.

Die offizielle Todesursache war ein „Ver­sa­gen des Kreis­lau­fes“ als Fol­ge ei­ner Darm­er­kran­kung und ei­ner Lun­gen­ent­zün­dung dia­gnos­ti­ziert.

Der plötzliche Tod gab Anlass zu Spekulationen.

Ein Nach­weis für den Ver­dacht, Bürck­el sei von der SS er­mor­det oder zum Selbst­mord ge­zwun­gen wor­den, konn­te je­doch nicht er­bracht wer­den.

12 Nov. 2025

Josef Bürckel Gauleiter und Reichsstatthalter

 

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Am 30. März 1895 wurde Josef Bürckel in Lingenfeld als Sohn des Bäckermeisters Michael Bürckel und dessen Ehefrau Magdalena geboren. Er war das jüngste von vier Kindern. In Lingenfeld

besuchte er die Volksschule. Danach ging er auf die Realschule in Karlsruhe. Von 1909 bis 1914 war er in Speyer an der Lehrerbildungsanstalt. Am 28. Juni 1914 wurde in Sarajevo der österreichische

Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau seine Frau Sophie Chotek ermordet. Das führte zur Julikrise und mündete in den 1. Weltkrieg, der am 28. Juli begann. In Deutschland befahl Kaiser Wilhelm am 1. August

die Mobilmachung. Am 3. August 1914 rief der Direktor der Lehrerbildungsanstalt in Speyer seine Schüler auf, freiwillig in die Truppe einzutreten. Die Schule würde dem keine Hindernisse

in den Weg legen, sondern die Anstalt würde sich als Ehre anrechnen, wenn auch ihre Schüler nicht hinter den Gymnasien und Hochschulen zurückstünden. Josef Bürckel war im wehrfähigen Alter und meldete

sich bereits am Mobilmachungstag beim 17b Infanterieregiment freiwillig. Am 3. November 1914 rückte er als Rekrut beim Feldartillerieregiment 12b  ein. Eine erste Not-Abschlussprüfung konnte er wegen seines Heeresdienstes

nicht ablegen. Er legte sie gegen Ende des Jahres 1915 ab. Er bestand mit Erfolg. Wegen eines Herzleidens wurde er am 12. August 1915 in das Kriegslazarett in Péronne (Département Somme) eingeliefert.

Am 4. Dezember 1915 wurde er zum Unteroffizier befördert. Am 17. Mai 1916 wurde er für den Schuldienst zurückgestellt. Er begann seinen Praxisdienst als Schuldienstanwärter an der katholischen Volksschule in Lingenfeld.

Er wurde dann weiter nach Bellheim und dann nach Minfeld versetzt, wo er bis zum Ende des Schulanwärterdienst am 28. Juli 1919 blieb. Danach fand die Prüfung zur Lehreranstellung auf Lebenszeit statt.

Nach seiner Anstellung als Hilfslehrer unterrichtete er bis zum 31. Januar 1920 in Bobenheim – Roxheim. Dann wurde er nach Rodalben versetzt und dort am 1. April 1921 zum Lehrer auf Lebenszeit ernannt.

Er hatte schon am 11. Juni 1920 in Lingenfeld Hilde Spies geheiratet. Zum Zeitpunkt der Eheschließung war sie noch nicht 21.  Am 21. August 1921 kam Josef Artur zur Welt. Josef Artur war während des Krieges Mitglied der Leibstandarde Adolf Hiltler.

Er fiel am 01. August 1944.

Durch Bürckels Anstellung auf Lebenszeit war die materielle Basis für die Familie des Lehrers gesichert. Am 10. März 1925 bekam die Familie nochmals Nachwuchs. Der zweite Sohn Hermann Jakob wurde geboren.

Über Bürckels Familienleben ist sonst nichts bekannt.

Auch zu seinen außerschulischen Aktivitäten, Kontakte zu Kollegen usw. gibt es kaum Informationen. Aber er war Chorleiter im Gesangverein in Rodalben und das lässt darauf schließen, dass er doch einiges Ansehen in Rodalben genoss.

Vermutlich schon 1921 trat er in die NSDAP ein. Es lässt sich nicht nachweisen, ob er in Rodalben schon parteipolitisch tätig war. Er hatte sich aber einseitig positioniert in seiner antiseparatistischen Tätigkeit und war sowohl von deutschen als

auch französischen Behörden verfolgt.

Die separatistische Bewegung setzte in der Pfalz unmittelbar nach Kriegsende ein. Am 11. November 1918 war das  Waffenstillstandsabkommen von Compiègne abgeschlossen worden und ab dem 1. Dezember 1918 besetzte

die französische 8. Armee unter General Augustin Grégoire Arthur Gérard (1857-1926) die Pfalz. Bis zum Ende des Ruhrkampfs unter Reichskanzler Gustav Stresemann waren rund 60.000 Mann in der Pfalz stationiert.

In der Pfalz regten sich nun separatistische Bestrebungen. Sie gingen von bürgerlichen Kräften bis weit in die Zentrumspartei hinein aus. Man hatte Angst vor einer ungewissen Zukunft in einem womöglich bald sozialistischen

Deutschland. auch versprach man sich durch eine Anlehnung an die Sieger bei der Reparationsfrage glimpflicher davon zu kommen. 1919 war in München der bayrische und sozialistische Ministerpräsident ermordet worden.

Ab 1920 rückte Bayern nach rechts und entwickelte sich unter dem Ministerpräsidenten Gustav von Kahr zur nationalistischen “Ordnungszelle” Deutschlands. In München sammelten sich militante Rechtsradikale.

Der innenpolitische Kampf zwischen Bayern und dem Reich erfuhr in dieser Zeit eine scharfe Zuspitzung. Die Pfalz als Teil Bayerns wurde so in die Auseinandersetzung hineingezogen. Auch das ein Grund für die starke separatistische Bewegung.

Das Ende des Ruhrkampfes und die Einführung der Rentenmark und damit  das Stoppen der Inflation entzogen der separatistischen Bewegung schließlich den Boden. Es gab noch zwei gewalttätige Aktionen. Am 5. November 1923 hatte Franz-Josef Heinz in  Speyer die “Autonome Pfalz” ausgerufen und eine Regierung gebildet. Das war wenige Tage vor dem Hitlerputsch in München.Heinz und zwei seiner Mitarbeiter wurden am 9. Januar 1924 in Speyer erschossen. Die Kommandomitglieder stammten aus den rechtsradikalen Kampfbünden in München (Bund Wiking, Bund Oberland, SA). Das Attentat wurde mit Billigung und Geldern der bayrischen Staatsregierung ausgeführt.

Am 17. Oktober fand in Pirmasens der Sturm auf das bayrische Bezirksamt statt. Das Gebäude war in Brand gesteckt worden. 12 Separatisten, die sich in dem Gebäude befunden hatten, kamen ums Leben. Von den Angreifern starben 6 und es gab

zwölf Schwerverletzte. Bei diesem Sturm war Bürckel beteiligt. In Münchweiler und Rodalben war er so etwas wie der geistige Führer des Abwehrkampfes. Am 7. Januar 1924 musste er nach Heidelberg fliehen. Er ging dann weiter nach Niederbayern

Die Regierung von Niederbayern übertrug ihm am 24. März 1924 eine erledigte Hilfslehrerstellung. Mittlerweile war die Separatistenbewegung zusammen gebrochen und Bürckel kehrte am 9. Mai 1924 in die Pfalz zurück und nahm am nächsten Tag seinen Schuldienst in Rodalben wieder auf.

Im März und April war die selbständige Partei NSDAP der Pfalz wiedergegründet worden, nachdem die NSDAP im Juli 1923 von der interalliierten Rheinkommission (IARK) verboten worden war. Man hatte eine eigene Satzung und eigene Mitgliedskarten.

Diese Taktik der Distanzierung von München hatte Erfolg. Am 27. März 1925 erfolgte die Aufhebung des Parteienverbots für die pfälzische NSDAP durch die IARK. Am 13. März 1926 fand der erste Gautag des Jahres in Kaiserslautern statt. Unter der Leitung des Ortsgruppenleiters Richard Mann wurde Bürckel in “demokratischer Versammlung” zum Gauleiter gewählt. Er hatte sich durch ”bahnbrechende Vorarbeit die Anwartschaft” verdient. (zitiert nach Josef Bürckel: Gauleiter Reichsstatthalter Krisenmanager Adolf Hitlers , von Lothar Wettstein S. 68) Am 26. März informierte Bürckel die Reichsleitung von seiner Wahl. Allerdings war Bürckel nicht in den amtlichen Parteiunterlagen als Mitglied geführt. Deshalb forderte die Parteileitung umgehend zur Anmeldung auf. Bürckel meldete sich am 9. April 1926 an und erhielt die Mitgliedsnummer 33979. In einem von der Parteikanzlei verfassten Lebenslauf Bürckels heißt es “Der Aktivist Josef Bürckel entschied sich bereits im Jahre 1921 für den “Aktivisten” Adolf Hitler” (Wettstein S. 69)

Ein publikumswirksames Ereignis hatte Bürckel für den September 1926 geplant.  Es sollte der erste Gauparteitag mit Adolf Hitler als Hauptredner werden. Der bayrische Ministerpräsident Heinrich Held hatte dies aber wegen der zu erwartenden

Auseinandersetzungen verboten. Die Besorgnis war durchaus berechtigt. Bei einer Kundgebung mit Gregor Strasser am 7. September 1926 in Kaiserslautern verhinderte nur beherztes Einschreiten der Polizei ein Blutvergießen. Strasser war in dieser Zeit bis 1928

als Reichspropagandaleiter der NSDAP tätig. Die Auseinandersetzungen mit den politischen Gegner veranlassten Bürckel den Aufbau der pfälzischen SA-Formationen voranzutreiben. Er beauftragte Fritz Schwitzgebel damit, vor allem weil dieser absolut

loyal war. Er war 1926 in die NSDAP eingetreten und wie Bürckel auch Lehrer, allerdings an der Oberrealschule (in Zweibrücken).Das zahlte sich auch für ihn  aus, 1929 war er bereits SA-Standardenführer, das entspricht einem Oberst. Ab 1935 war er Führer der SA-Brigade 51 Saar-Pfalz und wurde schließlich bis zum General befördert. Bürckel hatte in seiner gesamten Laufzeit alle Parteigenossen, die irgendwie Einfluss ausüben konnten, bewusst nach seinen eigenen Kriterien ausgewählt und so sich in seinem

Umfeld eine “Hausmacht” geschaffen.

1926 hatte Bürckel auch “Der Eisenhammer” gegründet und war dessen Herausgeber. Hauptschriftleiter war zunächst Fritz Hess. Es war eine nationalsozialistische Kampfzeitung, die wohl den Stürmer von Julius Streicher zum Vorbild hatte und diesem Pamphlet in nichts nachstand. Populistische Hetze,  Verleumdungen und pauschale Diskriminierungen gehörten zum Instrumentarium des Blattes.Vom 5.5. 1926-30.11. 1932 war Heinrich Förster Schriftleiter. Sowohl Hess, als auch Bürckel und Förster hatten  mehrere Verurteilungen sowohl von deutschen als auch französischen Militärgerichten, meist wegen Verleumdung oder übler Nachrede, Hess auch wegen Angriffen gegen separatistisch eingestellte Beamte und jüdische Richter. Allerdings bereiteten die Prozesse vor allem die von Förster Bürckel allmählich Probleme. Führende Mitglieder aus der pfälzischen NSDAP hatten Förster vorgeworfen, dass sein allzu rüder Ton in den Artikeln immer wieder zu Prozessen führten, die sehr wohl zu vermeiden gewesen wären

und meist verloren gingen. Das verursachte immer höhere Kosten. Der Angriff richtete sich auch direkt gegen Bürckel, da dieser Förster gewähren lasse und nicht einschreite, obwohl dieser seiner Aufgabe als Redakteur nicht gewachsen sei. Damit sei

Bürckel letztlich für das finanzielle Desaster verantwortlich. Nun erklärte Förster um den Monatswechsel Februar/März herum, dass er mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt als verantwortlicher Redakteur ausgeschieden sei. Bürckel ernannte Hess als

Stellvertreter in seinem Amt als Gauleiter und erklärte, er lege seinen Posten bis zur Klärung der Vorwürfe nieder. Das war aber kein Rücktritt sondern lediglich ein “Ruhenlassen”. Es blieb so ohne Wirkung. Bürckel fuhr unvermindert mit seiner populistischen

Parteiarbeit fort. In Pirmasens und Neustadt sollten am 20. April pompöse Feiern zu Hitlers Geburtstag stattfinden. Für den 30. April berief er den Gauparteitag nach Landau. Eingeladen waren Hans Dietrich, der für die Nationalsozialistische Freiheitspartei

den Wahlkreis 26 Franken vertrat. Die NSDAP war ja nach dem Hitlerputsch verboten worden war. Dietrich hatte 1928 auch am Eisenhammer mitgearbeitet. Dann Gottfried Feder, der sich ab 1927 zum Wortführer  der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik gemacht hatte. Der dritte geladene Reichstagsabgeordnete war Georg Strasser. Er hatte den revolutionären Sozialismus geprägt, den ja auch Bürckel vertrat. Strasser vertrat allerdings demokratische Grundsätze, die Bürckel radikal ablehnte.

Auch drei bayrische Landtagsabgeordnete waren eingeladen. Auch Hitler sollte an diesem Gauparteitag teilnehmen. Ob das aber nur ein geschickter Werbetrick war, lässt sich nicht feststellen. Denn die ganze Veranstaltung fand gar nicht statt. Der Stadtrat von Landau lehnte es nämlich ab, den Großen Festhallensaal zur Verfügung zu stellen. Das Reichsbanner, die 1924 gegründete “überparteiliche Schutzorganisation der Republik und der Demokratie im Kampf gegen Hakenkreuz und Sowjetstern” wie der SPD-Politiker Otto Hörsing, der sie ins Leben gerufen hatte, sie 1931 charakterisierte kündigte für 1927 ebenfalls eine Maifeier in Landau an. Da waren Zusammenstöße zu erwarten. Bürckel hatte zwar persönlich beim Stadtrat vorgesprochen, hatte aber keinen Erfolg.

Diese Schlappe war aber wohl einkalkuliert. Er schlachtete das auch sofort aus. Vor allem jüdische Stadträte hatten sich gegen die Überlassung der Stadthalle aus. Natürlich setzte Bürckel seine antijüdischen Hasstiraden fort und im Eisenhammer orakelte

er “Auch für Landauer Juden wird kommen der Tag”.

Er forcierte nun die Parteiorganisation. Er Bezirksgruppen, zuerst in Zweibrücken, Neustadt und Kusel und Ludwigshafen, danach in Landau und Frankenthal. Unabhängige propagandistischen Eigeninitiativen wurden von der Gauleitung nicht mehr geduldet.

Jede geplante Aktion und Tätigkeit musste von ihm gebilligt werden. Natürlich führte er den wachsenden Erfolg auf seine straffe Parteiführung zurück

Im Jahr 1927 hatte die NSDAP in der Pfalz ein deutliches Wachstum und auch einen Machtzuwachs verzeichnet.

Am 1. Juli 1927 wurde die Gauleitung von Lambrecht nach Neustadt verlegt. Ein ehrenamtlicher Geschäftsführer wurde eingestellt, der Bürckel entlasten sollte. Ein Untersuchungs-und Schlichtungsausschuss wurde als Parteigericht eingesetzt.

Er ließ sich zwar beraten. Aber die letzte Entscheidung behielt sich Bürckel immer vor. In seinem Gau galt das Führerprinzip auf Gauebene uneingeschränkt. Gehorsam und Unterordnung waren für Bürckel wichtiger als Eigeninitiative.

Die Querelen mit Förster gingen aber auch 1927 weiter. Er hatte sich mit der französischen Besatzungsmacht angelegt. Er wurde mehrfach zu Freiheitsstrafen verurteilt , vor allem aber drohte die Interalliierte Rheinkommission ein

Verbot des Eisenhammer an. Nun musste Bürckel einschreiten. Er schränkte den redaktionellen Verantwortungsbereich Försters stark ein und nahm die propagandistische Leitung des Verlags selbst in die Hand. Als seinen Stellvertreter

setzte er Ernst Ludwig Leyser ein. Dieser hatte NSDAP-Ortsgruppe in Neustadt  und der SA-Sturm-Ortsgruppe Neustadt gegründet. Leyser stand Bürckel, wie alle, die von ihm auf irgendwelche Posten gesetzt wurden, loyal zur Seite.

Das  Jahr 1928 war ein wichtiges Jahr für die NSDAP in der Pfalz. Am 28. Mai 1928 fand die Reichstagswahl statt und bei dieser Wahl trat die pfälzische NSDAP erstmals mit einer eigenen Liste an.

Mit enormem Aufwand startete die Partei. Zahlreiche öffentliche Veranstaltungen, Flugblätter und Tausende von Plakaten brachten aber einen kaum nennenswerten Mitgliederzuwachs. Bürckel erkannte,dass es taktisch falsch

war, sich mit der Propaganda auf die städtische Mittelschicht zu konzentrieren, die ländliche Bevölkerung, auch als Wählerschicht, aber zu vernachlässigen. Das ländlichen Gebiete der Nordpfalz wurden nun in verstärkte Werbeaktionen einbezogen

und diese waren erfolgreich. Bürckel sah sich bestätigt. In den Städten hatte die Partei bereits Fuss gefasst. Sie war in allen Städten vertreten nur in der Kreishauptstadt Speyer noch nicht. Am 10. März 1928 veranstalte Bürckel eine große Veranstaltung in Speyer mit dem

Reichstagsabgeordneten Friedrich. Nur wenige Tage später wurde die Speyrer Ortsgruppe sowie ein SA-Sturm gegründet. Die Ortsgruppe hatte Rudolf Trampler gegründet, der von Joseph Goebbels später am 21. August 1933 zum Landeskulturwart

der Reichspropagandastelle Rheinpfalz ernannt wurde. In den letzten beiden Kriegsjahren bekleideter er das Amt des Oberbürgermeisters von Speyer.

8709-Rudolf Trampler

Am 28. Mai 1928 fand die Reichstagswahl statt. Für die NSDAP verlief sie enttäuschend. Sie hatte 2,6 % der Stimmen erzielt, 0,4  weniger als bei den letzten Wahlen. Sie verlor auch 2 Abgeordnete und hatte im Reichstag jetzt 12 Sitze.

Zugewonnen hatte dagegen die SPD mit 3,8 % Zuwachs und 22 Mandaten mehr. Auch die KPD verzeichnete Gewinne und zwar 1,7 % und 9 Mandate mehr. Noch etwas mehr konnte die Reichspartei des deutschen Mittelstandes dazu gewinnen,

nämlich 2,2% Stimmenzuwachs und 11 Mandate mehr.  Es war eigentlich ein gefährliches Ergebnis, denn die bürgerlichen Parteien schlossen daraus, die NSDAP habe ihren Zenit bereits überschritten. Bürckel konnte aber mit “seinem”

Ergebnis mehr als zufrieden sein. Die NSDAP hatte in der Pfalz 5,7 % der Stimmen geholt, mehr als doppelt soviel wie auf Reichsebene und das Ergebnis der Wahlen von 1924 hatte er verdreifacht. 1924 entfielen auf die NSDAP 1,9 % der Stimmen.

Das machte natürlich Bürckel innerhalb der NSDAP stark. Bei Hitler stand er ohnehin in hohem Ansehen. Die NSDAP erhöhte ihre Werbeanstrengungen in den Bezirken Landau und Bergzabern. Das zahlte sich bereits ein Jahr später bei den Kommunalwahlen aus.

Zwei Monate nach den Wahlen fand auch der erste Gauparteitag in Pirmasens statt. Auch ein publikumswirksamer Marsch von 300 SA-Leuten durch Pirmasens wurde durchgeführt. Die bürgerliche Presse berichtete darüber nichts.

Sie hatte sich ohnehin für “Totschweigen” entschieden. Die weitere Entwicklung zeigt, dass da nicht unbedingt der richtige Weg war.

Bürckel schliff weiter an seiner Parteiorganisation. In seinem Führungskader sorgte er für rhetorisch besonders geschulte Parteiredner. Damit konnte er die Zahl seiner Veranstaltungen steigern. Der Zustrom potentieller Wähler nahm zu.

Er suchte die Auseinandersetzung mit den anderen Parteien auf seine Art. Öffentliche Kundgebungen ließ er oft -und zeitgleich mit Veranstaltungen der anderen Parteien abhalten. Er hoffte so, die Zuhörer für sich zu gewinnen.

Für das Jahr 1929 verlangte er von seinen Parteigenossen bedingungslosen und rücksichtslosen persönlichen Einsatz. Angst vor Straßenkämpfen oder Saalschlachten durfte es nicht geben. Nur dabei sein,

war nicht genug. Nur die KPD postulierte eine ähnliche Hingabe. Logische Folge war, dass die gewalttätigen Auseinandersetzungen hauptsächlich zwischen dem Roten Frontkämpferbund der KPD und der SA stattfanden.

1929  ließ er wieder prominente NS-Parteiführer auftreten. Goebbels sprach am 6. März 1929 erst in Zweibrücken und einige Stunden später in Pirmasens. Gottfried Feder trat drei Tage später in Speyer auf. Der Erfolg zeigte sich rasch.

In der Nordpfalz entstanden neue Ortsgruppen, in Frankenthal erhöhte sich die Mitgliederzahl um 40 %.

Nach den Kommunalwahlen war die Partei fast in allen Gemeinden vertreten. In Landau hatte die Partei erstmals kandidiert und hatte bei ihrer ersten Wahl sofort mit der SPD gleichgezogen.

1930 scheiterte die letzte parlamentarische Regierung der Weimarer Republik im März 1930. Hindenburg ernannte nun den Zentrumspolitiker Heinrich Brüning, der zunächst mit der Notverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen

regierte. Als auf Antrag der SPD diese gemäß Artikel 48 in der Weimarer Verfassung das Parlament von seinem Recht Gebrauch machte, die Notverordnung wieder aufzuheben, bat Brüning Hindenburg den Reichstag aufzulösen.

Die Neuwahlen wurden für den 14. September 1930 festgelegt. Bei der NSDAP gab es eine Premiere. Erstmals organisierte Joseph Goebbels den Wahlkampf der Nationalsozialisten zentral. Man verzichtete weitgehend auf antisemitistische Parolen.

Man prangerte den Verfall Deutschlands im “System Weimar” an, beschwor die Volksgemeinschaft. Wichtiges Thema war natürlich die Weltwirtschaftskrise, die als Komplott gegen Deutschland dargestellt wurde. Hitler engagierte sich in diesem Wahlkampf enorm. Zwischen dem 3. August und dem 13.September trat er in mehr als 20 Großveranstaltungen als Hauptredner auf. Für Bürckel war diese Wahl in doppelter Hinsicht bedeutsam. Erstens  wollte er natürlich ein beeindruckendes Ergebnis erzielen. Vor allem aber kandidierte er erstmals in einer Listenverbindung mit dem Wahlkreis Franken erstmals als Abgeordneter für die pfälzische NSDAP, und das mit ausdrücklicher Billigung Hitlers. Hitler unterstützte Bürckel auch persönlich. Auf einer der Großveranstaltungen

trat er am 26. August 1930 in der Eberthalle in Ludwigshafen auf. Das war das erste offizielle Auftreten Hitlers in der Pfalz. Am 30. Juni 1930 war Frankreich aus Mainz und der Pfalz abgezogen, nachdem Deutschland am 21. August 1929 den Youngplan angenommen

hatte, der die deutschen Reparationsverpflichtungen neuregelte. Darin war auch der Abzug Frankreichs festgelegt worden.

Es war ein blutiger Wahlkampf mit Zusammenstößen, Straßenschlachten und auch mit Toten. Am 14. September wurde gewählt, mit einer Wahlbeteiligung von 82,0 %, man vergleiche das mal mit der Wahlbeteiligung von heute!

Die NSDAP erzielte erdrutschartige Erfolge. Sie bekam 18, 3 % der Stimmen, was gegenüber der letzten Wahl einen Zuwachs von 15,7 % der Stimmen bedeutete. Mandate erhielt sie 107, also 95 mehr als 1928 und war hinter der SPD zweitstärkste

Kraft. Die SPD hatte 10 Sitze verloren, war aber mit 143 Sitzen immer noch stärkste Kraft. Nur die KPD (+ 2,5 %) und die Christlich-Nationale Bauern-und Landvolkpartei (+ 1,3 %) konnten Zugewinne erzielen.

Die pfälzische NSDAP lag auch bei dieser Wahl mit 22, 8 % der Stimmen deutlich über dem Reichsschnitt und auch über Bayern, wo die Nationalsozialisten 17,9 % errangen. In der Pfalz hatte die NSDAP sogar die SPD mit 0,4 % hinter sich gelassen

und war die stärkste Kraft geworden. Sie hatte 2, die SPD dagegen nur 1 Mandat errungen. Das 4. Pfälzer Mandat erhielt die Bayrische Volkspartei, die mit 12,8 % knapp vor dem Zentrum  (12,1 %)

Eine Sonderstellung nahm das Dorf Darstein ein. Es war die erste Gemeinde deutschlandweit mit 100 % Stimmen für die NSADAP. Das Dorf hatte bei 156 Einwohnern  106 Wähler. Natürlich bejubelte die nationalsozialistische Presse dieses Ergebnis.

Der Eisenhammer schrieb in seinem Artikel “Ein rein nationalsozialistisches Dorf” Darstein sei Vorbild für das ganze Reich. Als die Nazis an der Macht waren, wurde es zum Ehrendorf der NSDAP ernannt,. 1936 wurde in Köpenick sogar eine Straße nach Darstein benannt. Den “Darsteiner Weg” gibt es heute noch, er überdauerte sogar den Sozialismus. Darstein war übrigens protestantisch, die Konfessionsgrenzen waren damals sehr scharf. In katholischen Gemeinden waren meist halb so hoch wie in protestantischen Gemeinden. Auch die Gemeindegröße spielte eine Rolle. Je kleiner der Ort, desto größer die Chance für die Nationalsozialisten. So hatte sich die Strategie, in ländlichen Gegenden zu agitieren,  als richtig erwiesen.

Neben Bürckel kam Wilhelm Frick für die Pfalz in den Reichstag. Er war 1930 Innenminister in Thüringen und damit der erste nationalsozialistische Minister überhaupt in Deutschland. Er hatte am Hitlerputsch teilgenommen und Hitler

schätzte ihn als “durchgekochten Nationalsozialisten”.

Für Bürckel war die Wahl voll aufgegangen. Seine parteiinternen Gegner verstummten.  Nun war er plötzlich über seinen Gau hinaus bekannt geworden. Er wurde öffentlich wahrgenommen.

Ab 1930 hatte Bürckel außer dem Eisenhammer auch die NSZ-Rheinfront herausgegeben. Sehr schnell wandelte er diese in eine GmbH um, die finanziellen Schwierigkeiten des Eisenhammers, die er ja erlebt hatte, hatten ihn zu diesem Schritt gebracht.

Mit Billigung Hitlers hatte er diese Mitte der 30-iger Jahre in die “Josef-Bürckel-Stiftung “ eingebracht. Sie umfasste ein großes Verlagssystem. Seine Pfälzer Parteigenossen trieb er zur ständigen Abonnentenwerbung an. Außerdem erhielten alle Parteigenossen

die Anweisung, nur in der NSZ-Rheinfront zu inserieren. Außerdem wurden alle Parteigenossen mit Parteiausschluss bedroht, wenn sie eine nicht nationalsozialistische oder neben der NSZ-Rheinfront noch eine Nicht-NS-Zeitung abonniert hatten.

Außerdem war es ihnen verboten, in anderen Zeitungen zu inserieren. Gegen die anderen Pfälzer Presseorgane wurde recht hemdsärmelig vorgegangen. Amtliche Bekanntmachungen oder Anzeigen wurden ohne Rücksicht auf bestehende

Verträge entzogen.Dann wurden oft polemisch-verleumderische Vorwürfe gegen Redakteure und Verlagsleitungen erhoben. Man machte den Zeitungen also das Leben schwer, wo es nur ging. Bald war die NSZ-Rheinfront das auflagenstärkste

Presseorgan der Pfalz. Erstaunlich aber ist, dass sich Bürckel mit seinem Verlag, dessen Reichweite sich weit über die Pfalz hinaus erstreckte, über Metz, Nancy,Riga, Kiew, Athen bis nach Tromsoe, der Zentralisierung der regionalen Parteizeitungen

durch die Parteileitung widersetzen konnte. Max Amann war seit 1933 Präsident der Reichspressekammer, einer Unterabteilung der von Goebbels geleiteten Reichskulturkammer. Er kontrollierte praktisch die gesamte deutsche Presse. In diesem Dreigestirn

um die Macht im Pressewesen war noch Dr. Otto Dietrich, der am 30.April 1933 zum Vorsitzenden des Reichsverbandes der Deutschen Presse gewählt wurde. Goebbels setzte sich erst Ende März 1945, kurz vor seinem Selbstmord endgültig durch.

Bürckel hatte aber die Stellung seines Presseimperiums wahren können.

1927 hatte sich in Berliner Großbetrieben so etwas wie eine nationalsozialistische Arbeitnehmervertretung gebildet, die sich an der betriebsbezogenen Organisationstruktur der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition der KPD orientierte.

1928 wurde daraus die NSBO, die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation. Die sich verschärfende Weltwirtschaftskrise hatte auch die NSBO mehr und mehr in ein sozialistisches Fahrwasser gleiten lassen. Die Reichsleitung der NSDAP

konnte sich daher mit der NSBO zunächst nicht anfreunden. Die Reichstagswahlen vom September 1930 hatten aber gezeigt, dass die NSDAP auch bei Arbeitern immer mehr Anklang fand. Bürckel, der ja ohnehin für die sozialistische Ausrichtung

seiner Partei ähnlich wie Georg Strasser stand, erkannte sofort die Chancen, die sich daraus ergaben. Und wie er einige Jahre zuvor dafür gesorgt hatte, dass sich die NSDAP mit ihrer Werbung auf ländliche Bereiche konzentriert hatte, nahm er nun

die Arbeiterschaft ins Visier.

Ende Januar wurde in Kaiserslautern die “NSBO-Pfaff” gegründet. Pfaff war damals die zweitgrößte Nähmaschinenfabrik in Europa.Die Arbeit übernahm für ihn vor allem Claus Selzer. Er war seit 1930 in Ludwigshafen und dort Ortsgruppen und Kreisleiter

der NSDAP. Ab 1932 war er Reichstagsabgeordneter und 1934 war er Stellvertretender Leiter der NSBO. Seine Karriere beendete er als Generalkommissar von Dnjepropetrowsk, wo er 1944 angeblich an einer Fischvergiftung starb.

Bis Mitte 1931 hatte Selzer bereits 11 NSBO gegründet und mit großem Tempo ging es weiter. Im September gab es bereits 31 Betriebszellen, unter anderem in Ludwigshafen bei der IG Farben, der heutigen BASF.

Organisatorisch vereinfacht wurde die Arbeit durch die Umsiedlung de Gaubetriebszelle nach Neustadt in die Räume der Gauleitung, mit Erfolg wie die Zahlen belegen. Zum Jahresende gab es 48 Zellen mit über 1000 organisierten Mitgliedern.

Ein halbes Jahr später gab es 320 Zellen mit 6.698 organisierten Mitgliedern. Eine wichtige Etappe dahin waren die Betriebsratswahlen im März 1931. Diese wurden von der Gauleitung so konzentriert angegangen, als ob es sich um eine Reichstagswahl handelte.

Öffentliche Großveranstaltungen wurden abgehalten. Die Redner waren eigens für die Auseinandersetzung mit den gewerkschaftlichen Gegnern geschult worden. Die NSBO Kandidaten sollten über Kenntnisse verfügen, die es ihnen ermöglichte,

die Aufgabe eines Betriebsrates für alle Arbeitnehmer erfüllen zu können. Er selbst hielt sich bei diesen Veranstaltungen völlig zurück. Es gelang, der breiten Öffentlichkeit den Eindruck zu vermitteln, die NSBO sei eine von der NSDAP unabhängige

und nicht von ihr gesteuerte Organisation. Wieder hatte Bürckel sein politisches Gespür bewiesen, der Partei schon vor 1933 eine neue Zielgruppe zugeführt und sich selbst als fähigen Gauleiter gezeigt und sein persönliches Ansehen beim Führer gesteigert.

Die erste Amtszeit des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg endete am 25. April 1932. Brüning hatte vorher versucht, die Amtszeit Hindenburgs verlängern zu lassen. Das aber hätte eine Verfassungsänderung bedurft, zu der eine Zweidrittelmehrheit

notwendig war. Um diese Mehrheit zu bekommen, brauchte Brüning aber die Stimmen der Rechten. DNVP und NSDAP lehnten Brünings Vorschläge ab, obwohl er vor allem Hitler weitreichende Zugeständnisse gemacht hatte. Hitler schlachtete dies sofort aus

und spielte sogar  den Hüter der Verfassung. Eine vom Gesetz vorgesehene Volkswahl musste also abgehalten werden. Ein “Hindenburgausschuss” wurde ins Leben gerufen, der den bisherigen Präsidenten zur erneuten Kandidatur bewegen sollte.

Schließlich erklärte sich Hindenburg bereit, noch einmal zur Wahl anzutreten. Die Harzburger Front war auseinander gebrochen. DNVP und Stahlhelm. Sie wollten Hitler nicht den Sprung ins Präsidentenamt ermöglichen. Sie stellten mit Theodor Duesterberg einen

eigenen Kandidaten auf. Hitler hatte seinen Hut schon in den Ring geworfen. Göring hatte das schon in einer Rede im Sportpalast angekündigt. Allerdings war Hitler zu der Zeit staatenlos, konnte also gar nicht kandidieren. Ein Kunstkniff machte es

möglich. Im Freistaat Braunschweig regierte eine NSDAP-DNVP-Koalition. Der Freistaat ernannte ihn zum Schein zum Gesandten bei der Landesvertretung in Berlin.Das war ein Staatsbeamter und damit war automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft

verbunden. Für die KPD stand Ernst Thälmann zur Wahl. Außerdem trat noch Gustav A.Winter für die Inflationsgeschädigten an.

Die Wahlbeteiligung war mit 86,2 % hoch. im ersten Wahlgang erreichte aber keiner der Kandidaten die notwendige absolute Mehrheit, so dass ein zweiter Wahlgang erforderlich war.

Jetzt genügte die einfache Mehrheit. Hindenburg gewann mit 53,1 %. Hitler kam auf 36,7 % der Stimmen. Das war zwar ein deutlicher Zuwachs gegenüber der Reichstagswahl, 5 Millionen Stimmen mehr. Aber mit der eigenen Propaganda hatte man die Erwartungen so hoch geschraubt, dass das Ergebnis als Niederlage empfunden wurde. In der Pfalz hatte man gegenüber der Reichstagswahl 90.000 stimmen dazu gewonnen. Man war zwar enttäuscht aber doch stolz auf den Zugewinn. Bürckel erklärte seinen Anhängern “Die Schlacht ist aus, der Krieg geht weiter”

Hindenburg hatte seinen Sieg hauptsächlich den Sozialdemokraten und Katholiken zu verdanken, was er als Schmach empfand. Sein Groll richtete sich aber gegen Brüning, der sich im Wahlkampf wie kein anderer für ihn eingesetzt hatte.

Das Reparationsproblem stand kurz vor seiner endgültigen Lösung. In der vom 16. Juni bis 9. Juli tagenden Konferenz  aller betroffenen Staaten hatte man sich auf völlige Streichung der Reparationsschuld Deutschlands geeinigt. Zuvor aber hatte sich Brüning

die Sympathie der Präsidentenberater verscherzt, vor allem, weil er sich nicht als Marionette benutzen lassen wollte. Das war einmal Otto Meissner, der sowohl Mitarbeiter von Friedrich Ebert als auch von Hindenburg war. Er war engster Mitarbeiter

der Präsidenten Ebert und Hindenburg und arbeitete als Staatssekretär im Büro des Reichspräsidenten. Er war aber auch Chef der Präsidialkanzlei des Führers und das von 1933-1945. Dann ist Hindenburgs Sohn Oskar der  in dieser Zeit als Adjutant seines Vaters gearbeitet hat. Tucholsky sagt über ihn. Es sei der “in der Verfassung nicht vorgesehene Sohn des Reichspräsidenten”. Der Stuttgarter Historiker Wolfram Pyta schreibt in seiner umfassenden Hindenburgbiographie allerdings, dass Hindenburg sehr wohl gewusst habe, was er tue und nicht von “einer Kamarilla” gesteuert gewesen sei.

Brüning hatte auf Wunsch vieler Länder, auch Bayerns und Preussens beim Reichspräsidenten ein Verbot der SA und SS erwirkt, die er als Hauptursache der politischen Gewalt sah. Das war der Hauptgrund, der Brüning zu Fall brachte.

Brüning wollte den ostelbischen Gütern im Mai 1932 eine kräftige Finanzspritze zukommen lassen. Allerdings sollte der Staat nicht mehr sanierungsfähige Güter aufkaufen bzw. ersteigern und diese in Bauernstellen für Arbeitslose aufteilen.

Das wurde beim Präsidenten als “Agrarbolschewismus” denunziert. Der Entlassgrund war gefunden. Hindenburg entzog am 29. Mai dem Kanzler das Recht  auf die Anwendung der Notverordnung (Artikel 48 der Weimarer Verfassung).

Brüning musste zurücktreten “hundert Meter vor dem Ziel”, wie er das selbst empfand. Im Vorfeld hatte es Geheimverhandlungen zwischen Schleicher und Hitler gegeben. Hitler hatte zugesagt, eine neue Regierung parlamentarisch zu tolerieren,

wenn das SA-Verbot aufgehoben würde und Neuwahlen durchgeführt wurden. Brüning wurde also entlassen. Am 31. Juli wurden die Wahlen zum 6. Reichstag festgelegt.

Die Zeit für den Wahlkampf war nun äußerst knapp.

Die NSDAP hatte schon gleich nach der Wahl des Reichspräsidenten ihre Taktik geändert. Sie hielt ihre Versammlungen oft in von Linken bevorzugte Kneipen und nahm bewusst gewalttätige Auseinandersetzungen in Kauf. Außerdem spulte sie ein enormes

Auftrittspensum in der Öffentlichkeit ab. Täglich wurden Kundgebungen, Aufmärsche und öffentliche Versammlungen abgehalten. Das vermittelte den Eindruck großer Tatkraft und man konnte daraus den Schluss ziehen, dass die NSDAP in der Lage sein

werde, die großen Probleme, die anstanden, zum Wohle aller lösen zu können. Auch Anlässe, die nicht mit den Wahlen zusammenhingen, wurden benutzt, Aufmerksamkeit zu erregen.

1932 jährte sich zum Beispiel das Hambacher Fest zum 100. Mal. Reichsinnenminister Dr. Josef Wirth plante zum Jubiläum eine große gesamtdeutsche Feier. Die pfälzische Presse organisierte das Fest und wollte es frei von parteipolitischen

Aspekten halten. Festredner war Theodor Heuss, Mitglied des Reichstages von 1924 bis 1928 und 1930-1933. Bürckel sprach von einem demokratischen Rummel. Er erklärte, es sei das Fest eines ersterbenden Systems. Die 1832 beteiligten

Juden, z.B. Ludwig Börne überschüttete er mit antisemitischen Hasstiraden. Verstärkt wurde das durch Berichte in der nationalsozialistischen Presse, die sich gegen die Demokratie überhaupt wandte. Gleichzeitig wurden die Veranstalter des Festes von 1832 zu

Vorkämpfern für ein Drittes Deutschen Reichs hochstilisiert.

Zu schaffen machte der NSDAP das SA und SS-Uniformverbot, das ja Brüning durchgesetzt hatte. Zwar hatte von Papen gemäß den zwischen Schleicher und Hitler abgemachte Aufhebung des Verbotes am 16. Juni 1932 aufgehoben. Nun setzte der Straßenterror wieder ein. Die bayrische Regierung hatte aber gestützt auf ihre Polizeihoheit das Verbot bis  30. September 1932 verlängert. Für die NSDAP wirkte sich das noch verschärfend aus, da die bayrische Regierung alle Aufmärsche und Versammlungen  unter freiem

Himmel verboten hatte und bei Zuwiderhandlung mit Gefängnisstrafe gedroht hatte. Daraufhin erschienen die bayrischen nationalsozialistischen Abgeordneten in Uniform im Landtag. Trotz mehrfacher Aufforderung verließen sie den Saal nicht.

Daraufhin ließ der Landtagspräsident den Saal von der Polizei räumen. Von Papen war nun gezwungen, das Verbot aufzuheben. Bürckel wurde von der Aufhebung des Verbots noch vor der öffentlichen Verkündigung informiert und organisierte sofort

einen Demonstrationszug von mehr als 300 uniformierten SA und SS Männer.Da die Aufhebung noch nicht bekannt war, wurde in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt, diese Männer seien bereit, für ihre politische Überzeugung auch ins Gefängnis

zu gehen. Punktsieg für Bürckel.

Am 31. Juli wurde schließlich gewählt. Die Wahlbeteiligung war mit 84,1 %  wieder sehr hoch. Klarer Sieger war die NSDAP. Sie hatte 37,2 % der Stimmen errungen, gegenüber 1930 also nochmals ein Zuwachs von 19 % und auch die Zahl ihrer Abgeordneten

hatte sie mehr als verdoppelt. Statt 107 Sitze erhielt sie nun 230, also 123 Mandate mehr als 1930. In der Pfalz aber hatte die NSDAP ein geradezu triumphales Ergebnis erzielt. Sie erzielte 43, 7 % der Stimmen. Sie war stärkste Partei in der Pfalz, lag aber auch in ganz Süddeutschland an der Spitze. Nur Hessen-Nassau kam mit 43,6% ganz knapp an das Pfälzer Ergebnis. Württemberg erzielte 30,3 %, Baden 36,9 % Franken 39,9 %. Nur im Osten hatten einige Wahlkreise noch besser abgeschnitten. Reichsweit das beste Ergebnis für die NSDAP holte Schleswig-Holstein mit 51,0 %. Bürckel hatte mit diesem Resultat die Gunst Hitlers voll erworben und konnte sich nun ständig der Rückendeckung des Führers sicher sein.

Trotz dieses beeindruckenden Wahlergebnisses reichte es nicht zur Übernahme der Regierungsgewalt. Zur absoluten Mehrheit hatte es für die NSDAP nicht gereicht. Hitler beendete nun die Tolerierung von Papens. Von Schleicher bot Hitler eine Regierungsbeteiligung an. Das lehnte dieser aber ab und forderte eine Neubildung der Regierung unter seiner Führung. Aber nur mit BVP und Zentrum  zusammen hätte Hitler genug Sitze für eine Regierungsbildung gehabt. Einen Reichstagspräsidenten

Hermann Göring trug das Zentrum mit, mehr aber nicht. Auf eine Regierung Hitler ließ sich Hindenburg nicht ein. Das hielt er für nicht verantwortbar. Also ernannte er  nun Franz von Papen zum Reichskanzler. In der einzigen regulären Sitzung des  Reichstags erlitt von Papen zwar eine schwere Niederlage, blieb aber zunächst im Amt. Der Reichstag wurde aufgelöst und Neuwahlen für den 6. November 1932 angesetzt.

In den vorausgegangenen  Wahlkämpfen  hatte sich die NSDAP völlig verausgabt und auch kräftemäßig war man bis an die Grenzen gegangen.

Für den nun folgenden Wahlkampf setzte die Pfälzer NSDAP  eigens hergestellte Tonfilme über Auftritte von Hitler, Göring und Straßer und anderen Parteigrößen ein. Das war ein völlig neues Werbemittel.

Am 6. November 1932 wurde gewählt. Die Wahlbeteiligung lag mit 80,6 % deutlich niedriger als noch im Juli. Die Nationalsozialisten mussten Verluste hinnehmen. Sie verlor 4,2 und erhielt 33,1% was auch einen Verlust von 34 Sitzen gegenüber

den Juliwahlen bedeutete. In der Pfalz hatte es immerhin noch für 42,5 % gereicht. Sie lag also mit nur 1,2 % Verlust deutlich unter dem Reichsschnitt. Nur die KPD und die DNVP konnte Zugewinne erzielen. Bemerkenswert sind die Zugewinne der DNVP . Sie hatte nämlich die Regierung von Papen unterstützt. Man kann das also durchaus auch für eine Zustimmung der Regierung von Papen werten. Allerdings hatte die Wahl keine rechnerisch mehr mögliche Mehrheit von NSDAP, BVP und Zentrum mehr ermöglicht. Nur die klar antiparlamentarischen Parteien NSDAP, KPD und DNVP verfügten zusammen über eine Mehrheit.

Von Schleicher hoffte, den gemäßigten Flügel der NSDAP um Gregor Strasser für eine Regierungsbeteiligung zu gewinnen, was der NSDAP auch innerparteiliche Schwierigkeiten bereitet hätte, zumal da ja der Machtkampf zwischen Strasser und Hitler stattfand.

Auch glaubte er, die freien Gewerkschaften ins Boot holen zu können. So hätte er eine Regierung quer durch alle Lager mit parlamentarischer Mehrheit zustande gebracht. Das Konzept überzeugte von Hindenburg. Er entließ von Papen und beauftragte von

Schleicher mit der Regierungsbildung. Die Gewerkschaften zögerten aber. Von Schleicher hatte Strasser die Vizekanzlerschaft und den Posten des preussischen Ministerpräsidenten. Strasser aber fühlte sich Hitler immer noch verbunden und informierte ihn über

die Gespräche mit von Schleicher. Gleichzeitig beschwor er ihn, von der “Alles oder Nichts” Politik abzugehen und die Vizekanzlerschaft anzunehmen. Dazu fühlte sich aber Hitler zu stark und lehnte ab. Enttäuschte legte Strasser am 8. Dezember alle

Parteiämter nieder und reiste nach Italien ab. Hitler übernahm die meisten Ämter selbst, den Rest teilte er unter Goebbels, Darré und Hess auf. Er rief alle Reichstagsabgeordneten der NSDAP ins Palais des Reichspräsidenten und ließ sich dort ein “Gelöbnis

unwandelbarer Treue zum Führer und Schöpfer der Bewegung” geben. Auch die Gauleiter und Landesinspektoren gaben eine öffentliche Treueerklärung ab. Ein möglicher Putschversuch war so im Vorfeld abgeblockt. Von Schleichers Plan war der zweite wichtige Baustein weggefallen. Strasser zog sich nach dem 30. Januar 1933 ins Privatleben zurück und übernahm bei der Firma Schering Kahlbaum mit Hitlers Genehmigung eine Direktionsstelle in Berlin. Im Zuge des Röhmputsches wurde er aber am 30. Juni 1934

von der Gestapo verschleppt und ermordet.

Im gesamten Reich wurden insgesamt 18 Gautagungen durchgeführt, bei denen die Parteigenossen über die Ereignisse informiert wurden. Die Pfälzer Gautagung fand am 11. Dezember 1932 in Neustadt statt. Hauptredner war Dr. Robert Ley, der am

8. Dezember von Hitler zum Reichsorganisationsleiter der NSDAP ernannt worden war. Für die Pfälzer NSDAP sprachen Willy Schmelcher, der bis 1934 Fraktionsvorsitzender der NSDAP im Stadtrat von Neustadt war, dann Schwitzgebel, der ja schon mit dem Aufbau der SA-Formationen von Bürckel betraut worden war. Dann sprach natürlich auch Bürckel, der sich aber immer wieder auf die Gedanken von Gregor Strasser berief.

Nachdem von Schleicher mit seiner Kabinettsbildung nicht vorwärts kam, hatte von Papen sich zwei Mal mit Hitler getroffen und zwar am 4. und 10.Januar, ohne dass das von Schleicher wusste. Am 15. Januar war die NSDAP in Lippe bei der

Landtagswahl stärkste Kraft geworden. Am 18. Januar sprach von Papen nun mit einem größeren Kreis. Auch Himmler und Röhm waren dabei. Am 28. Januar trat von Schleicher zurück, da seine Verhandlungen zur  Unterstützung seiner Regierung  erfolglos geblieben waren.

Von Hindenburg aber lehnte von Schleichers  Staatsnotstandplan ab. Am 29. Januar einigten sich von Papen und Hitler. Von Papen legte  Hindenburg eine Kabinettsliste vor. Am 30. Januar ernannte der Reichspräsident Hitler zum Reichskanzler.

Unbenannt

Die NSDAP und Hitler waren am Ziel. Zunächst waren nur zwei Nationalsozialisten im Kabinett. Wilhelm Frick war Innenminister und Hermann Göring war Minister ohne Geschäftsbereich. Am 10. Februar hielt Hitler seine erste große öffentliche

Rede, nachdem er zum Reichskanzler ernannt worden war.

“Deutsches Volk! Gib uns vier Jahre Zeit, dann richte und urteile über uns. Deutsches Volk, gib uns vier Jahre, und ich schwöre dir: So wie wir, und so wie ich in dieses Amt eintrat, so will ich dann gehen. Ich tat es nicht um Gehalt und nicht um Lohn, ich tat es um deiner selbst wegen.“

Nach  der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war der Reichstag am 1. Februar aufgelöst worden. Deshalb waren Neuwahlen notwendig geworden, die am 5. März 1933 abgehalten wurden.

Die veränderte Lage hatte auch die Parteikassen wieder prall gefüllt, vor allem die Industrie hatte jetzt finanziert. Bürckel setzte bei seinem jetzigen Wahlkampf auch den Rundfunk als neues wirksames Medium ein. Auch neu in der Gaugeschichte,

er band jetzt die Frauen der Parteigenossen aktiv in den Wahlkampf ein.

Vom 27. auf den 28. Februar brannte der Reichstag. Schon am 4. Februar war Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes des Deutschen Volkes erlassen worden. Sie schränkte die Pressefreiheit und die Versammlungsfreiheit

stark ein und wurde vor allem genutzt, den politischen Gegner der NSDAP zu bekämpfen. Am Tag nach dem Reichstagsbrand wurde die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat erlassen, fast gleichlautend wie die Verordnung

vom 4. Februar. Sie setzte die Bürgerrechte der Weimarer Republik weitgehend außer Kraft. Sie war auch als Reichstagsbrandverordnung bezeichnet worden. Die Strukturen der KPD wurden praktisch zerschlagen. Trotz des rigorosen Einetzens dieses Instrumentes

schaffte die NSDAP die absolute Mehrheit nicht. Die Wahlbeteiligung war mit 88,74 % enorm hoch. Die NSDAP legte nochmals enorm zu, kam aber “nur” auf 43,9 %. Die KPD hatte  4,6 % verloren und kam auf 12,3 %. Wenn man aber bedenkt, welch enormem Terror die KPD ausgesetzt war, ist das gerade unter diesen irregulären Bedingungen ein ganz starkes Ergebnis. In der Pfalz wählten 46,5 % die NSDAP. Einen Sitz gewann man wieder dazu und hatte damit wie bei der Wahl vom Juli 1932 wieder 4 Mandate.

Bürckel hatte wieder mehr Stimmen als im Reichsdurchschnitt eingefahren. In 11 pfälzischen Amtsbezirken war die absolute Mehrheit geschafft worden.Ein total aus dem Rahmen fallendes Ergebnis sei aber auch noch erwähnt. War Darstein bei der Wahl von 1930

“ein rein nationalsozialistisches Dorf” geworden, so wählte das nur wenige Kilometer entfernt gelegene Hauenstein im März 1993 mit 92,6 % aller Stimmen die gemeinsame Liste von BVP und Zentrum. Es war damit reichsweit das höchste Ergebnis einer nicht nationalsozialistischen  Partei. Die NSDAP kam in Hauenstein nur auf 4,8 %.

In Ludwigshafen, der “marxistischen Hochburg” wurden 34,3 % erreicht. Das waren zwar gut 10 % unter dem Reichsdurchschnitt. Aber  Bürckel ließ das natürlich von einem Fackelzug durch Ludwigshafen feiern. Dem aus Parteiorganisation bestehende

Demonstrationszug schlossen sich Beamtenorganisationen, Militärvereine und berittene Landespolizei an (Wettstein S. 141). Auch forderte er “die Auflösung des bayrischen Landtages und sämtlicher Selbstverwaltungskörper und unverzügliche Ausschreibung von

Neuwahlen” (Wettstein ebda). Schließlich entsprächen sie nicht mehr der Mehrheit des bayrischen Volkes. In Bayern ging das sehr schnell, wobei Bayern das letzte Land war, in dem die Landesregierung abgesetzt wurde.

Den Anfang machte Hamburg noch am Abend der Reichstagswahl. Am nächsten Tag folgten  Lübeck Bremen und Hessen. Am 8. Mai waren Württemberg, Baden, Sachsen und Schaumburg-Lippe dran.Am 9. März 1933 übertrug Innenminister Frick die vollziehende Gewalt in Bayern auf Franz Ritter von Epp. Sein Freikorps war schon 1920 an der blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik beteiligt. Noch am 9. Mai kamen Adolf Wagner, der Gauleiter von München, Ernst Röhm, Heinrich Himmler und Ritter von Epp den bayrischen Ministerpräsidenten Heinrich Held auf und erklärten ihn für abgesetzt. Am 10. März wurde Ritter von Epp zum Reichskommissar ernannt. Am 15. März legte Held sein Amt nieder und zog sich nach Regensburg ins Privatleben zurück.

Der legislative Teil der “Gleichschaltung der Länder” war mit den beiden Gesetzen vom 31. März und 7. April 1933 abgeschlossen. Nachdem die Länder praktisch ausgeschaltet waren begann die Nazifizierung. In Städten und Dörfern wurden Nationalsozialisten eingesetzt.  Kaiserslautern setzte Bürckel persönlich den ständigen Stellvertreter des Vorstandes der Polizeidirektion Kaiserslautern Dr. Johannes Beck (Personalangabe nach Joachim Lilla: Staatsminister, leitende Verwaltungsbeamte und (NS-)Funktionsträger in Bayern 1918 bis 1945) ab. Vermutlich wurde er kurzzeitig in Schutzhaft genommen. Was hatte Bürckel erzürnt? Dr. Beck  hatte bei einer Wahlversammlung am 20. Februar den Gastredner und ehemaligen Reichskanzler Brüning eigenhändig in seinem Dienstwagen

zum Versammlungsort in Kaiserslautern gefahren, was Bürckel zu Rachedrohungen veranlasst hatte, die er nun nur ein paar Wochen später in die Tat umsetzen konnte. Am 10. März wurde auch schon das ein so genanntes Schutzhaft- und Arbeitslager in Neustadt in der ehemaligen Turennekaserne eingerichtet. Es war eines der ersten Lager dieser Art in Deutschland. In Neustadt wird am 10. März Dr. Forthuber seines Amtes als Oberbürgermeister enthoben und in Schutzhaft genommen. Er wurde durch RA Rudolf Hamann ersetzt. Dieser war seit 1927 niedergelassener Rechtsanwalt in Kaiserslautern. Am 1. 3. 1932 war er in die NSDAP eingetreten. Er war dann als Gauredner und Schulungsredner tätig. Von 1932-1935 war er SA-Rechtsberater bei der Brigade 151.

Mit Dr. Forthuber hatte sich Bürckel eine regelrechte Prozessfehde geliefert, die im Jahr 1926 anfing und die sich über Jahre erstreckte (s.o. den Streit um Förster, Redakteur des Eisenhammer.)

Am 17. März ordnete er Säuberungen an. Gleichzeitig forderte er alle jüdischen Bürgermeister und Stadträte auf, ihre Ämter niederzulegen.Und als Drohung schob er nach, dass wer sich weigere, in Schutzhaft und ins Arbeitslager Neustadt gebracht würde.

Natürlich gab es auch in der Pfalz Bücherverbrennungen, schon am 26. März in Kaiserslautern, dann  am 10. Mai 1933 in Landau, am 13. Mai in Oppau, am 14. Mai in Neustadt.Gaukulturwart war Kurt Kölsch.Er hatte seine Lehrerausbildung an der Lehrerbildungsanstalt in Kaiserslautern gemacht. Er hatte Bürckel kennengelernt, war von diesem 1930 in die NSDAP –Rheinpfalz und in den Nationalsozialistischen Lehrerbund eingeführt worden. Schon im Dezember wurde er von Bürckel zum Leiter der Abteilung Rasse und Kultur ernannt. Dann war er Gaukulturwart der Westmark.

Am 21. März wurde das Parlament feierlich eröffnet. Der Tag ist als “Tag von Potsdam” in die Geschichte eingegangen. Die Abgeordneten mit Ausnahme der SPD und KPD nahmen an einem Festakt teil an dem auch der Reichspräsident anwesend war.

Hitler – in Cut und Zylinder !- verneigte sich vor von Hindenburg und gab ihm die Hand. “Der Gefreite und der Feldmarschall”. Goebbels hatte das alles sehr publikumswirksam inszeniert. Selbst das Datum war mit Bedacht gewählt worden.

Am 21. März 1871 hatte sich nämlich der erste deutsche Reichstag konstituiert. Auch der Ort war mit Potsdam sehr bewusst gewählt worden. Potsdam, die Residenzstadt Friedrichs des Großen. Man versuchte also eine Linie zu ziehen von Friedrich

über Bismarck und dann zu Hitler. Am nächsten Tag fand die konstituierende Sitzung des Reichstages in der Krolloper statt, die Ausweichquartier war, weil der Reichstag wegen des Brandes nicht benützt werden konnte.

Am 22. März wurde das erste Konzentrationslager in Dachau in Betrieb genommen. Der nächste Tag aber ebnete den Weg in die Diktatur. Am 23. März wurde nämlich über das “Ermächtigungsgesetz” abgestimmt,

das “Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich”. Hitler wurde ermächtigt, Gesetze zu erlassen ohne Mitwirkung der Legislative. Das galt auch für Verträge mit dem Ausland. Die so beschlossenen Gesetze konnten von der Verfassung

abweichen. Weder ein Reichstagsausschuss noch der Reichsrat konnten Kontrolle ausüben oder nachträglich die Aufhebung beantragen. Das Gesetz sollte 4 Jahre gelten. Die Abgeordneten der KPD waren bereits alle inhaftiert oder wie Innenminister Frick das süffisant kommentierte “durch nützliche Arbeiten in den Konzentrationslagern” am Erscheinen gehindert. Alle 81 Abgeordneten waren entweder inhaftiert, geflohen oder untergetaucht. Auch von den 120 SPD Abgeordneten konnten nur noch 94 an der Abstimmung teilnehmen. Von der SPD waren 26 Abgeordnete entweder in Haft oder geflohen. Während der Abstimmung waren illegal bewaffnete SA und SS Angehörige im Reichstag anwesend. Otto Wels, Reichstagsabgeordneter und SPD-Vorsitzender,

wandte sich in seiner Rede gegen die Annahme des Gesetzes. Es war praktisch die letzte freie Rede im Parlament. Wels stand dann auch im August 1993 prompt auf der ersten Ausbürgerungsliste des Deutschen Reiches und erhielt die deutsche Staatsangehörigkeit

aberkannt. Zentrum und BVP hatten für ihre Partei Fraktionszwang für die Abstimmung durchgesetzt und stimmte, wenn auch nach langen innerparteilichen Debatten dem Gesetz zu. Der Reichstag hatte sich damit selbst entmachtet.

Der Terror hatte schon seit dem 10. März in Bayern und der Pfalz eingesetzt. Bis zum 13. März waren schon 2000 Menschen in “Schutzhaft” genommen worden. Im April waren es 5000. (Zahlen nach Matthias Becker in Geschichte von unten.de)

Die Gewalt um den 10. März war auch Bürckel aus dem Ruder gelaufen, so stark dass sich der Münchner Gauleiter Adolf Wagner und bayrische Innenminister gezwungen sieht, einen Funkbefehl absenden zu lassen, der besagt “Eigentum und Freiheit der Person

gegen ungesetzliche Eingriffe durch Dritte zu schützen (bei Wettstein S. 145). Mit der Errichtung des KZ Dachau wurde Heinrich Himmler, der Reichsführer SS zum politischen Polizeikommissar in Bayern ernannt.Das beendete die willkürlichen Verhaftungen von

Regimegegner und solche, sie man dafür ansah nicht, sondern brachte sie lediglich in geordnete Bahnen. Bürckel ordnete nach Rundfunkansprachen von Hitler an, dass die gesamte SA und SS, soweit sie nicht in die Hilfspolizei eingegliedert sind, ihrer gewohnten Tätigkeit wieder nachzugehen hätten. auch sollten wachen vor Bezirksämtern eingezogen werden, Gewerkschaftshäusern wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden und Zeitungsgebäude geräumt werden.

Damit die geplanten Säuberungsmassnahmen im Sinne de Nazis laufen konnten, hatte Reichskommissar Ritter von Epp angeordnet, dass jedem der bayrischen Regierungspräsidenten ein Sonderkommissar der SA beigeordnet wurde. Die ernannte

SA-Chef Ernst Röhm. Für die Pfalz war das Fritz Schwitzgebel, ein wie oben schon gezeigt ein Bürckel loyal ergebener SA-Führer, der natürlich sein volles Vertrauen besass. Bürckel hatte es immer verstanden, alle wichtigen Schaltstellen mit seinen Gefolgsleuten zu

besetzen, was ihm half, seine Macht innerhalb des Apparates zu sichern. An ihm ging nichts vorbei und er behielt sich immer die letzte Entscheidung vor, obwohl laut Röhm der Sonderkommissar der “Herr in seinem Bezirk sein soll, dem sich alles unterordnen soll”

(nach Wettstein S. 150)

Ein weiterer Schritt auf dem Weg in die Gleichschaltung war das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, das Wilhelm Frick gedeckt durch das Ermächtigungsgesetz am 7. April 1933 erließ. Das Gesetz legte fest, dass “Beamte nach Maßgabe

der folgenden Bestimmungen aus dem Amt entlassen werden (können), auch wenn die nach dem geltenden Recht hierfür erforderlichen Voraussetzungen nicht vorliegen.” §1. § 3 sagte, “Beamte, die nicht arischer Abstammung sind, sind in den Ruhestand zu versetzen. Nur Frontkämpfer aus den Jahren 1914-1918 waren davon ausgenommen. Dieses “Frontkämpferprivileg” hatte der Reichspräsident von Hindenburg von Hitler eingefordert. Zum Erstaunen er Nazis erfüllten diese Bedingung eine erstaunliche hohe Zahl

von Beamten so dass noch gut die Hälfte der rund 5000 jüdischen Beamten im Amt bleiben konnten. Erst die Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935 schuf die Voraussetzung alle jüdischen Beamten zu entlassen, da sie den Beamtenstatus von

einer neugeschaffenen Reichsbürgerschaft knüpfte. Es gab nun eine gesetzliche Grundlage und bürgerliche Kreise begrüßten, dass die Judenfrage geregelt war, zumal es eine durchaus herrschende Meinung war, dass  ein “übermächtiger Einfluss der jüdischen Fremdkultur” herrsche, und dass es durchaus in Ordnung war, wenn dieser beschnitten wird. Auf Druck der NSDAP wurde der “Arierparagraph” schnell  auf nahezu alle Organisationen, berufsständische Vereinigungen und Verbände ausgedehnt.

Ebenfalls am 7. April wurde das Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft erlassen, allerdings auch mit der Einschränkung des Frontkämpferprivilegs.

Das Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ vom 25. April 1933 begrenzte die Neuzulassung jüdischer Schüler entsprechend dem jüdischen Bevölkerungsanteil auf 1 1/2 % Im September wurde

die Reichskulturkammer gegründet, das bedeutete dass Juden aus der Presse sowie aus künstlerischen und freien Berufen ausgeschlossen wurden.

Am 29. September 1933 folgte das Erbhofgesetz. Der Besitz eines vererbbaren Hofes war nun an arische Abstammung gebunden. In  einem Dreivierteljahr nach der Machtergreifung waren die Juden aus allen beruflichen und gesellschaftlichen Bereichen

per Gesetz verdrängt worden.

Beim Kampf gegen Warenhäuser in “jüdischem Besitz” war man in der Pfalz schneller als bei der Ausgrenzung der Juden per Gesetz aus dem öffentlichen Leben. Der reichsweite “Judenboykott” ab 1. April 1933 begann in Ludwigshafen schon am 13. März.

die 4 (jüdischen) Kaufhäuser Wronker, Rothschild, Brandt und Tietz mussten ihre Erfrischungsräume, also heute die Restaurants  schließen. Der Ludwigshafener Oberbürgermeister Fritz Ecarius schildert das in einem Brief so

„Die Schließung der Erfrischungsräume der hiesigen Warenhäuser erfolgte nicht auf amtliche Anordnung. Es bestand die Gefahr, dass die Geschäfte dazu durch die erregten Volksmassen gezwungen worden wären. Die Geschäftsinhaber haben dann auf eigenen Antrieb die Erfrischungsräume geschlossen.“ (zitiert bei Matthias Becker in Geschichte von unten.de) Der Ludwigshafener OB war zwar kein Parteigenosse. Er galt als unpolitischer Technokrat und zeigte sich in der Öffentlichkeit immer als loyal gegenüber dem nationalsozialistischen Staat. er wurde erst 1937 in den Ruhestand versetzt, nachdem er sich mit Gauleiter Bürckel über die Einführung der Gasfernversorgung von Ludwigshafen überworfen hatte. Der Boykott wurde in Ludwigshafen nicht nur begonnen, er dauerte auch am längsten. Die Warenhäuser wurden schon 1934 “arisiert” und schon Ende März 1933 durften Hermann und Max Wronker die Geschäftsräume ihres Unternehmens nicht mehr betreten. Der Gründer der Kette wurde Ende 1942 zusammen mit seiner Frau in

Auschwitz ermordet, nachdem sie vom französischen Internierungslager in Gurs nach Auschwitz deportiert worden waren.

Natürlich gab es auch Reibereien mit der katholischen Kirche. Anders als sein Württemberger Kollege Gauleiter Murr (siehe diesen Blog) ging Bürckel den pfälzischen Klerus nicht so direkt an. Murr ließ den Rottenburger Bischof Johannes Baptista Sproll

und mehrere Pfarrer des Landes verweisen. Bürckel bestritt im Jahr 1933 das katholische Priester verhaftet worden seien. Auch Misshandlungen hätten nicht stattgefunden. “Wir greifen keine Religion und keine Priester an , sondern nur Parteimenschen in Uniform”

(zitiert bei Wettstein S. 167) In der Nacht vom 26 auf 27. Juli 1933 war in Rheingönnheim der katholische Priester Wilhelm Caroli überfallen und schwer verletzt worden.  Caroli war von 1928-1933 Schriftleiter des „Katholischen Kirchenblattes“ in Ludwigshafen

und hatte schon seit 1930 sehr kritisch zum Nationalsozialismus Stellung bezogen. Er verstarb übrigens 1942 nach einer halbjährigen Lagerhaft im KZ Dachau. Geradezu zynisch hört es sich an, wenn nach dem Überfall die Gauleitung zur Ergreifung der

Täter eine Belohnung von 500 Reichsmark aussetzte. Als Täter wurden übrigens 3 SA-Männer ermittelt. Diese wurden dann parteiintern gemaßregelt. Die staatsanwaltlichen Ermittlungen wurden aber nach der Verordnung vom 7. August 1933 eingestellt,

weil es sich um ein Vergehen zur Durchsetzung des NS-Staates aus politischer Überzeugung gehandelt habe. (zitiert bei Wettstein S. 167).

Die gespannten Beziehungen der katholischen Kirche hatten sich nach dem Ermächtigungsgesetz etwas entspannt. Zentrum und katholische Kirche waren eng verflochten. Nach dem Ermächtigungsgesetz gab Kardinal Adolf Bertram, der seit 1919 Vorsitzender

der Fuldaer Bischofskonferenz war, seelsorgerliche Anweisungen an die Mitglieder der Bischofskonferenz. Die ablehnende Haltung der kath. Kirche gegenüber der nationalsozialistischen Bewegung sollte nach der Erklärung Hitlers  korrigiert werden. So hob die Kirche das Verbot von Katholiken in die NSDAP einzutreten stillschweigend auf. Auch der Ausschluss von den Sakramenten und das Uniformverbot bei Gottesdiensten wurde revidiert.

Im Gemeinsamen Hirtenbrief vom 8. Juni 1933 heißt es unter anderem :”daß kein Gemeinwesen ohne Obrigkeit gedeiht,und nur die willige Einfügung in das Volk und die gehorsame Unterordnung unter die rechtmäßige Volksleitung die Wiedererstarkung der

Volkskraft und Volksgröße gewährleisten.” (zitiert bei Hans Müller: Katholische Kirche und Nationalsozialismus. Dokumente, S. 163)

Schon vorher hatte Adolf Hitler erklärt, wie seine “ nationale Regierung” die Rolle der Konfessionen sah. In seiner Regierungserklärung vom 23.03 1933 sagte er: “Die nationale Regierung sieht in den beiden christlichen Konfessionen wichtigste Faktoren der Erhaltung unseres Volkstums. Sie wird die zwischen ihnen und den Ländern abgeschlossenen Verträge respektieren; ihre Rechte sollen nicht angetastet werden. Sie erwartet aber und hofft, daß die Arbeit an der nationalen und sittlichen Erhebung unseres Volkes, die sich die Regierung zur Aufgabe gestellt hat, umgekehrt die gleiche Würdigung erfährt. Sie wird allen anderen Konfessionen in objektiver Gerechtigkeit gegenübertreten. “ Etwas überraschend  schloss der Vatikan dann am 22.Juli 1933 das Konkordat

mit der neuen Reichsregierung ab. Die katholische Kirche hoffte damit, die deutschen Bischöfe, ihre Bistümer und die Strukturen und die katholischen Verbände vor dem Zugriff des Regimes bewahren zu können. Der Schutz der Verbände schien dringend erforderlich, zumal der Straßenterror gegen die Verbände zunahm. So musste zum Beispiel der Gesellentag des Kolpingswerkes am 11. Juni 1933 in München nach tätlichen Übergriffen der SA abgebrochen werden.

Die Verhandlungen kamen auf Wunsch der Reichsregierung wieder in Gang. Franz von Papen betont, der in dieser Regierung Vizekanzler war, dass das vor allem seiner Initiative zu verdanken war. Hitler wollte vor allem den Klerus von parteipolitischer

Tätigkeit fernhalten. Am 22.6.1933 hatte Innenminister Frick die SPD mit der Begründung, sie sei “volks-und-staatsfeindlich”, aufgelöst. Am 4. Juli gaben die BVP und am 7. Juli das Zentrum auf Druck ihre Selbstauflösung bekannt. Nun musste der Heilige Stuhl

keine Rücksicht mehr auf den politischen Katholizismus nehmen.Am 8. Juli erfolgte die Paraphierung durch Regierungsvertreter und Vertreter der katholischen Kirche.

Bundesarchiv_Bild_183-R24391,_Konkordatsunterzeichnung_in_Rom

Das Konkordat umfasste 34 Artikel. Es regelte die wechselseitigen Rechte und Pflichten des Deutschen Reiches und der katholischen Kirche im Reichsgebiet und wird noch heute für die Bundesrepublik Deutschland als gültig betrachtet.

“Art. 1 Das Deutsche Reich gewährleistet die Freiheit des Bekenntnisses und der öffentlichen Ausübung der katholischen Religion. Es anerkennt das Recht der katholischen Kirche, innerhalb der Grenzen des für alle geltenden Gesetzes, ihre Angelegenheiten selbständig zu ordnen und zu verwalten und im Rahmen ihrer Zuständigkeit für ihre Mitglieder bindende Gesetze und Anordnungen zu erlassen.

Art. 5 Geistliche erhalten den gleichen Schutz des Staates wie Staatsbeamte

Art. 21 Der katholische Religionsunterricht in den Volksschulen, Berufsschulen, Mittelschulen und höheren Lehranstalten ist ordentliches Lehrfach und wird in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der katholischen Kirche erteilt. … “

(zit. nach: Das Zeitalter der Weltkriege und Revolutionen, herausgegeben von Martin Greschat und Hans-Walter Krumwiede (Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen; V), Neukirchen-Vluyn 1999, 75])

Damit waren für die Kirche wichtige Punkte festgeschrieben. Noch am selben Tag hob Adolf Hitler mit einer Verordnung Zwangsmaßnahmen gegen Geistliche und katholische Organisationen auf und bestätigte so die Hoffnungen, die die katholische

Kirche in den Vertrag gelegt hatte.

Nach der Reichstagswahl vom März hatte auf allen Feldern die “Nazifizierung” begonnen. Schnell richtete sich der Terror gegen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Am 13. März waren dem Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes

aus über 20 Orten gewaltsame Übergriffe und Besetzungen von Gewerkschaftshäusern gemeldet worden. Im März waren noch Betriebswahlen angesetzt worden. Es zeichnete sich eine Niederlage der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation ab.

sie kam nur auf 11,7 % der Stimmen, die freigewerkschaftlichen Listen erzielten 73,4 %. so wurden die Wahlen einfach ausgesetzt.

Der 1. Mai war erstmals zum gesetzlichen Feiertag mit Lohnfortzahlung worden erklärt worden. Am 2. Mai begann die Zerschlagung der Gewerkschaften. Um zehn Uhr wurden reichsweit alle Häuser des ADGB und des  Allgemeinen freien Angestelltenbundes AfA

und ihrer Mitgliedgewerkschaften besetzt. Führende Funktionäre wurden in Schutzhaft genommen. Das Vermögen der Gewerkschaften wurde eingezogen. Die Gewerkschaften waren zerschlagen.

Zurück zu Bürckel. Ludwig Siebert war am 12. April 1933 von Ritter von Epp zum bayrischen Ministerpräsidenten ernannt worden.Beide wollten die bayrischen Gauleiter, vor allem aber Bürckel in die Verwaltungshierarchie einbinden und so eine Einheit zwischen Regierung und Partei herstellen. Ludwig Osthelder hatte erst im September 1932 das Amt des Regierungspräsidenten übernommen. Nach Angriffen aus der NSDAP Bezirkstagsfraktion im Juli 1933 verzichtete er auf eine weitere Geschäftsführung und ließ

am 1. Oktober 1933 in den Einstweiligen Ruhestand versetzen. Siebert bot  nach dem Verzicht Ostfelders Bürckel das Amt des Regierungspräsidenten an. Bürckel lehnte dies umgehend ab, hätte es doch für ihn bedeutet sich den beiden Gauleitern

Adolf Wagner, München zugleich bayrischer Innenminister und Hans Schemm, Oberfranken und zugleich bayrischer Kultusminister unterzuordnen und Weisungen entgegen zu nehmen. Das deckte sich nicht mit seinem Machtbewusstsein, gestärkt durch das

Ansehen, das er bei Hitler genoss. Obwohl ihn auch Ritter von Epp inständig bat, ein Regierungsamt in Bayern anzunehmen. Er konnte sich nur eine eigenverantwortliche Staatsführung im Regierungsbezirk Pfalz vorstellen und war nur bereit, sich dem

Führer unterzuordnen. Am 8. Februar 1934 fand in München eine Gauleitertagung statt, bei der alle Gauleiter aufgefordert wurden, ein Ministeramt zu übernehmen.Nach langen Verhandlungen kam am 10. April das Ergebnis zustande, dass alle Gauleiter

als Sonderbeauftragte der Staatsregierung ernannt wurden, ohne Beamtenstatus und ohne jegliche Verwaltungstätigkeit aber mit Sitz und Stimme. Dem stimmte auch Bürckel zu. Am 24. April 1934 wurden die Gauleiter vereidigt, was Bürckel zunächst nicht

wollte-er habe bereits dem Führer den Treueid geleistet- musste aber dann doch nachgeben. Am 1. Mai übernahm Bürckel dann sein Amt als Sonderbeauftragter in Speyer. Auch hier testete er die Grenzen seiner Macht voll aus. Er schlug dem bayrischen Ministerpräsidenten Siebert Richard Imbt, den Kreisleiter und Bürgermeister von Kaiserlautern als kommissarischen Regierungspräsidenten für die Pfalz vor und ernannte ihn kraft seiner Amtsvollmacht auch gleich. Als er Imbt dann auch zu seinem

Stellvertreter als Sonderbeauftragten ernannte, wurde es dem Innenminister Frick zu viel. Er wies Siebert an, Bürckel sofort Imbt von diesem Posten abzuberufen zu lassen. Und Frick forderte Bürckel ultimativ auf, entweder das Amt des Regierungspräsidenten anzunehmen

oder das des Sonderbeauftragten niederzulegen. Bürckel verzichtete. Er hatte aber doch gewonnen. Das Amt des Regierungspräsidenten wurde nicht mehr besetzt. Stellvertretender Leiter der Kreisregierung wurde Oberregierungsrat Wemmer im Innenministerium. Die Zeit der Interimsverwaltung nutzte er, die Kreisbehörde in eine Parteibehörde umzuwandeln und mit ihm ergebenen Mitarbeitern zu besetzen. Er war dort der unangefochtene Chef. Seinen Weisungen wurde bedingungslos Folge geleistet.

Am 14. Oktober folgte ein Paukenschlag Hitlers. Der Deutsche Reichsrundfunk meldete, dass die deutschen Vertreter die in Genf tagende Abrüstungskonferenz verlassen hatten. Delegationsleiter war Rudolf Nadolny.Deutschland war auch aus dem Völkerbund

ausgetreten. Am Tag zuvor hatte Hitler in einer Kabinettssitzung erklärt, das Kabinett aufzulösen und Neuwahlen auszuschreiben und diese mit einem Volksentscheid zu seiner Friedenspolitik zu verbinden.Wahlen ist eigentlich nicht richtig ausgedrückt, denn seit

dem 14. Juli 1933 gab es in Deutschland keine Parteien mehr außer der NSDAP. An diesem Tag wurde nämlich das “Gesetz gegen die Neubildung von Parteien” erlassen.

“§ 1. In Deutschland besteht als einzige politische Partei die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.” war der erste Paragraph. (Quelle: Reichsgesetzblatt 1933 I S. 479)

Ein enormer Wahlfeldzug wurde trotzdem gestartet mit dem üblichen Szenario, Massenaufmärsche, Apelle, Plakatkrieg. Auch Intellektuelle warben für das “Ja”, so der Philosoph Martin Heidegger, der ohnehin nicht durch Distanz zum Nationalsozialismus aufgefallen ist, aber auch Gerhart Hauptmann, Ferdinand Sauerbruch. Auch die deutschen Bischöfe forderten zum Ja auf.Kardinal hatte in einer Wahlstellungnahme gesagt:”Reichskanzler Adolf Hitler hat das deutsche
Volk zu einer Abstimmung am 12. November aufgerufen,um vor der ganzen Welt den Friedenswillen des deutschen Volkes und seine Zustimmung zu den Friedensreden des Reichskanzlers
zu bekunden. Die deutschen Bischöfe, die von jeher in ihren Predigten und Hirtenbriefen für den Völkerfriedeneingetreten sind, begrüßen dieses öffentliche Bekenntnis zum
Frieden. Darum werden die Katholiken aus vaterländischem und christlichem Geist ihre Stimme für den Völkerfrieden, für die Ehre und Gleichberechtigung des deutschen Volkes erheben.
[…] Die Katholiken bekennen damit aufs neue ihre Treue zu Volk und Vaterland und ihren Dank für die weitschauenden und kraftvollen Bemühungen des Führers, dem deutschen
Volk die Schrecken eines Krieges und die Greuel des Bolschewismus
zu ersparen, die öffentliche Ordnung zu sichern und den Arbeitslosen Arbeit zu beschaffen.“ (in Entwurf III Faulhabers, 6.11.1933, in: Volk, Akten Faulhabers 1, S. 800.)

Bürckel forderte auf zur Abstimmung zu gehen und drohte, wer nicht zur Wahl ginge, würde als Separatist betrachtet. Auf den Einsatz einer großen Zahl von Rednern verzichtete er. Er setzte auf “private Gespräche”. Vor Ort

und in den Betrieben sollten die notwendigen Stimmen gesammelt werden. Auch setzte er auf die “Volksgemeinschaft”, diese beschwor er immer wieder. Am 8. November gab er eine Bekanntmachung heraus, die so nur im Gau Pfalz, nicht

aber in anderen Gauen zu finden war. “sämtlichen Bürgermeistern wird nach der Wahl eine Urkunde, unterzeichnet vom Kreiswahlleiter, ausgehändigt, aus welcher ersichtlich ist, wie die Bürger Gemeinde oder Stadt sich am 12. November zu

Deutschland und seinem Führer bekannten und wieviele sich dem Vaterland versagten” Außerdem hatte er ein Belohnungsangebot als Ansporn ausgearbeitet. “Die prozentuale Leistung am 12. November wird zur Grundlage genommen für die künftige

Nummerierung der Kreise, sodass der beste Kreis die Nummer 1 erhält, der zweitbeste die Nummer 2 usw. Die gleiche Nummerierung wird durchgeführt für die Ortsgruppen und Zellen innerhalb der Kreise.” (zitiert bei Wettstein S. 181)

Natürlich spornte das die Parteigenossen zu höchster Leistung an, den keiner wollte nach der Wahl als Versager gebrandmarkt werden. Damit hatte Bürckel auch über die Grenzen der Pfalz Aufsehen erregt.

Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps unterhielt den ganzen Tag eine Fahrbereitschaft, um Alte, Gebrechliche und Kranke zur Wahl zu bringen. Außerdem wurde auf perfide Art ein Grund gegeben, auf jeden Fall zur Wahl zu gehen.

Es wurde die Anordnung erlassen, dass die Wähler gleich nach der Stimmabgabe ein Wahlabzeichen offen zu tragen hatte. Das wurde ihnen aber erst im Wahllokal zum sofortigen Anstecken ausgehändigt.

Das Ergebnis war dann auch sehr eindeutig. 95,1 % billigten die Außenpolitik mit ihrer Zustimmung und in der gleichzeitigen Reichstagswahl erreichte die allein zur Wahl stehende NSDAP 92,2 %. Bürckel konnte mit dem Ergebnis zufrieden sein.

Der Gau Pfalz hatte wieder die Spitzenposition eingenommen. In der Pfalz hatten 97,0 % bei der Volksabstimmung mit Ja gestimmt und 96,87 % bei der gleichzeitigen Reichstagswahl für die NSDAP. Neinstimmen wurden keine verzeichnet.

Natürlich war das Ergebnis auch für Adolf Hitler wichtig. Zeigte es doch dem In-und dem Ausland, dass Hitler die große Mehrheit des deutschen Volkes hinter sich wusste.

Ein gravierendes Problem stand aber an. Es war die Rolle, die die SA im Reich spielen sollte. 1921 hatte Adolf Hitler die Gründung eines Wehrverbandes der NSDAP angeordnet. Die Sturmabteilung war eine auf Hitler eingeschworene

Kampforganisation der Partei. 1922 hatte er Hermann Göring, der auch 1922 in die NSDAP eingetreten war, mit der Führung  der im Aufbau befindlichen SA beauftragt. Sie beteiligte sich am gescheiterten Hitlerputsch.

Nach dem Putsch verbot der Chef der Reichswehr Hans von Seeckt die NSDAP aber auch rechtsextreme Wehrverbände. Als Auffangorganisation gründete Ernst Röhm den Frontbann im Mai 1924. schon im September soll er 30.000 Mitglieder

gehabt haben. Hitler wurde Ende 1924 aus der Haft entlassen. Im Februar 1925 wurde die NSDAP neugegründet. Auch die SA wurde wieder aufgestellt, diesmal in die Partei eingegliedert. Nach der Wiedergründung der Partei

war Hitler mit Röhm über die Rolle der SA in Streit geraten. Hitler vertrat jetzt die “Legalitätstaktik”. Da passte die Zusammenarbeit mit paramilitärischen Verbänden nicht mehr ins Konzept. Hitler brauchte keinen Wehrverband mehr,

sondern lediglich einen Saalschutz. Franz Pfeffer von Salomon übernahm auf Wunsch von Hitler den Posten des Obersten SA-Führers (OSAF). Er war Jurist und war am Ende des 1.Weltkrieg  Hauptmann und Bataillonskommandeur. Er entwickelte die bis zum Ende des „Dritten Reichs“ gültige organisatorische und regionale Gliederung der SA und schuf mit vormilitärischer Ausbildung, einheitlichen Uniformen und militärischer Disziplin eine schlagkräftige Parteimiliz. Außerdem unterstanden ihm auch die HJ und der NS-Studentenbund. Provozierende Aufmärsche, zur Schau gestellte Stärke sollte die nationalsozialistische Geschlossenheit zeigen und waren auch ein Instrument der NS-Propaganda. Gewalttätige Übergriffe auf den politischen Gegner, also vor allem Mitglieder

der KPD und SPD zählten zu ihrem Repertoire, aber auch Juden und christliche Gruppen wurden Ziel von Angriffen. Eine weitere Krise zeichnete sich im Vorfeld der Reichstagswahlen von 1930 ab. Aus der SA war die Forderung laut geworden, führenden Mitgliedern einen sicheren Listenplatz bei der Wahl zu  garantieren. Hitler lehnte das ab. Auch Pfeffer von Salomon bejahte die Trennung von SA-Führerschaft und Mandat. Die Berliner SA trat daraufhin in Streik. SA Männer besetzen am von 30. auf 31. August 1930 sogar die Gaugeschäftsstelle und die Redaktionsräume der Gauzeitung der Berliner NSDAP “Der Angriff” unter dem stellvertretenden OSAF Ost Walter Stennes. Es kam zu einer wilden Prügelei zwischen SA und SS-Männern, erst die herbeigerufenen Polizei konnte die Ordnung wieder herstellen. Pfeffer von Salomon trat zurück. Hitler eilte nach Berlin und übernahm selbst den Posten des OSAF .Zum Ausgleich wurde Pfeffer von Salomon bei der Septemberwahl 1932 als Reichstagskandidat aufgestellt. Für die tägliche Arbeit wurde der Posten des Stabschef neu eingerichtet. Hitler besetzt ihn mit seinem alten Kampfgefährten Ernst Röhm, der schon beim Putsch am 9. November 1923 dabei war. Röhm war nach Südamerika gegangen, hatte 1928 als Militärinstruktor  in Bolivien gearbeitet.

Er war 1930 aus Südamerika zurückgekehrt und trat wieder in die NSDAP ein.  Im Januar 1931 trat er den Posten des Staatschef der SA an. Der Konflikt zwischen Stennes und der SA-Führung war aber nicht ausgestanden. Zum einen lehnte er die unter Röhm gerade begonnene Umorganisation der SA ab. Hauptgrund der Ablehnung durch die NSDAP-Spitze war aber die aktionistische Ausrichtung von Stennes und seiner Leute. Mit der Notverordnung vom 28. März 1931 zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen ,

deutete die Regierung an, dass sie in Zukunft energischer gegen politische Gewalt vorgehen wolle. Das gefährdete die Erfolge, die die NSDAP mit der Reichstagswahl von 1930 errungen hatte. Der Umkreis um Stennes warf der “Hitler-Fraktion” vor, sich von den

alten Idealen des Nationalsozialismus abgewandt zu haben. Die SA weigere sich, sich “auf dem Altar der Legalität opfern” zu lassen. (Flugblatt »Pg., S.A.-Kameraden! Nationalsozialisten!«, 8.4.1931, BArch Bln, NS26) Hitler setzt Stennes schließlich ab, worauf es zum

zweiten “Stennes-Putsch” kam. Mehrere hundert SA-Leute besetzten das NSDAP Parteigebäude in der Berliner Hedemannstraße. Stennes wurde dann aus der Partei ausgeschlossen.

 

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Er und seine Gefolgsleute bemühten sich die Nationalsozialistische Kampfbewegung Deutschlands (NSKD)auf zubauen. Aber schon im Dezember hatten Geldnot und schwindende Mitgliederzahlen für das aus der NSKD gesorgt.Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kam Stennes im Mai 1933 zunächst in Haft. Aber Göring, der ihn noch aus gemeinsamen Kadettenzeiten in Berlin  kannte,unterstützte ihn. Auf Rat Görings wurde Stennes in China als Mitglied einer deutschen Militärmission Berater Tschiang Kai-scheks . Er befehligte dort die Leibgarde des Nationalistenführers und schulte Polizeioffiziere. (zur weiteren Geschichte von Stennes siehe siehe Spiegel online Eines Tages SA-Führer Stennes Von Hitlers Haudrauf zu Stalins Spion).

Unabhängig von diesen inneren Auseinandersetzungen wuchs die SA beständig und rasch an. Weltwirtschaftskrise und Wahlerfolge der NSDAP trugen ihren Teil dazu bei. Der Straßenterror nahm zu  und führte 1932 zu und führte 1932 zum SA und Uniformverbot.

(s.o.) Im Vorfeld der Reichstagswahl von 1932 kam es zu 300 Toten und über 1000 Verletzten. Bis Ende 1932 waren  92 SA-Leute bei Saal- und Straßenschlachten ums Leben gekommen.  Am 14. Januar 1930 wurde Horst Wessel, ein SA-Führer, angeschossen.

Am 23. Februar starb er im Krankenhaus. Eigentlich war es um eine private Auseinandersetzung gegangen. Es ging um Streit mit Mietzahlungen in einer Wohnung wo Wessel zur Untermiete wohnte. Goebbels, damals Berliner Gauleiter, griff das unter anderen Vorzeichen auf und nutzte den Tod Wessels zur hemmungslosen Agitation. Er stilisierte ihn zum “Märtyrer” der Bewegung. Er nannte ihn einen “Christussozialisten”, einen, der durch Taten rufe: »Kommt her zu mir, ich will Euch erlösen “
Zitiert nach R. G. Reuth, Goebbels  S. 162. Goebbels gestaltete ein pompöse Trauerfeier, bei der auch Göring, der SA-Führer von Pfeffer sowie Prinz August Wilhelm von Preußen anwesend waren. Nach der Machtübernahme gab es Horst Wessel Plätze.

Das Krankenhaus, in dem er gestorben war, wurde in “Horst Wessel Krankenhaus” umgetauft. Horst Wessel hatte irgendwann zwischen 1927 und 1929 einen Liedtext gedichtet, der zur offiziellen Parteihymne der NSDAP wurde. Nach der Machtübernahme

wurde es auf Anordnung von Innenminister Frick immer im Anschluss an die erste Strophe der Nationalhymne gesungen.

Nach der Machtübernahme war Göring Minister ohne Geschäftsbereich. Außerdem trat er am 30. Januar in die Kommissariatsregierung von Preussen als Innenminister ein. De jure regierte in Preussen zwar immer noch die Regierung Braun.

Von Papen hatte im Juli 1932 nach dem “Preussenschlag” die Regierung Braun abgesetzt. Doch das war vom Staatsgerichtshof für ungültig erklärt worden. Die Notverordnung „Zur Herstellung geordneter Regierungsverhältnisse in Preußen“ vom 6. Februar 1933

übertrug kurzerhand alle der Regierung Braun noch verbliebenen Befugnisse auf die Kommissariatsregierung von Papens. Es gab keine Neuwahlen. Das war ein zweiter Staatsstreich in Preussen. Per Erlass vom 23. Februar 1933 gründete

Göring die “Hilfspolizei”. Sie war 50.000 Mann stark und setzte sich überwiegend aus SA und SS- Einheiten zusammen. In Preussen galt ein Verteilerschlüssel, nach dem jeder 5. Hilfspolizist noch aus den Reihen des Stahlhelms kommen musste.

Die Gründung einer Hilfspolizei empfahl Göring auch für andere Länder. Das preussische Beispiel machte schnell Schule. Braunschweig richtete ihre HiPo schon am 1. März ein, Bayern stellte am 9./10. März eine HiPo auf, Württemberg am 10. März und Hamburg am 15. März. So wurde der Straßenterror gegen politisch Andersdenkende mit staatlichen Vollmachten durchgeführt. Hitler zog zweifachen nutzen aus der SA  in der Zeit unmittelbar nach der Machtübernahme. Seine Gegner konnte er einschüchtern und terrorisieren.

Bei den Konservativen konnte er sich als die Person geben, die als einzige in der Lage war, die SA zu bändigen.Hitlers Macht war im Lauf des Jahres 1933 vor allem dank der SA gesichert. Der Konflikt zwischen SA und Parteiführung, der ja schon von 1930 bis 1932

ausgetragen wurde (s.o.), war ja durch die Machtübernahme nur aufgeschoben, nicht aber gelöst worden. Röhm hatte-wie schon 1925 einmal- eine andere Vorstellung von der Rolle der SA. Ihm schwebte ein “NS-Volksheer” vor. Die Einheiten der Reichswehr sollten

in denen der SA aufgehen und so das NS-Volksheer bilden. Hitler aber brauchte die Reichswehr für seine zukünftigen Kriegspläne. Röhm hatte aber auch innerparteiliche Rivalen, nämlich Göring und Himmler. Es wurde nun der Eindruck erweckt, Röhm wolle zu einem Aufstand anstiften. Gerüchte wurden geschürt, Zitate bewusst gefälscht.

Am 30. Juni 1934 war Röhm zur Kur in Bad Wiessee, begleitet von mehreren SA-Führern. Der SS-Sturmbann Dachau, am 29. November 1934 in SS-Sturmbann Oberbayern umbenannt und Heinrich Himmler zur ausschließlichen Verfügung unterstellt-

verhaftete die SA-Führung am  30. Juni 1934 in Bad Wiessee. Zwischen 150 und 200 Menschen kommen in der “Nacht der langen Messer” ums Leben. Die in Bad Wiessee verhaftete SA-Führung wurde nach München-Stadelheim gebracht und dort erschossen.

Man hatte aber SA-Führer aus allen Teilen nach München zu einer Konferenz beordert. Die meisten kamen mit Nachtschnellzügen in München an, wurden sofort auf dem Bahnhof verhaftet, auch nach Stadelheim gebracht und erschossen. Nur bei Ernst Röhm, immerhin Hitlers Weggefährte zeigte der Führer noch Skrupel. Er sollte einen “ehrenvollen” Abgang erhalten. Er  wurde aufgefordert, Selbstmord zu begehen. Als er das nicht tat, wurde er auch erschossen. Goebbels war während dieser Aktionen auch in München und gab auf ein Zeichen Hitlers aus dem Braunen Haus das Stichwort “Kolibri” telefonisch nach Berlin durch. Daraufhin setzte auch dort die Mordaktion ein. Aber nicht nur die SA-Führung wurde liquidiert. Alte Gegner, Kritiker und Mitwisser wurden ebenfalls aus dem Weg geräumt. auch alte Rechnungen wurden beglichen. So starb Ritter von Kahr, der als bayerischer Generalstaatskommissar Hitler bei seinem Putsch 1923 die Unterstützung versagt hatte. Der ehemalige NSDAP-Organisationsleiter  Georg Strasser wurde am 30. Juni 1934 in Berlin von der Gestapo verhaftet, in das Gestapo-Hauptquartier in Berlin  in der Prinz-Albrecht-Straße  gebracht und dort liquidiert.Sein Tod wurde zunächst als Suizid deklariert. Gut möglich, dass sich Himmler und Göring eines potentiellen Konkurrenten entledigte, bevor diesem ein Come-Back gelang. Getötet wurden auch Regimegegner aus der katholischen Kirche wie Erich Klausener, der den Vorsitz der Katholischen Aktion in Berlin innehatte. Er war Beamter im preussischen Innenministerium.

Schon vor der Machtergreifung war er überzeugter Gegner linker wie rechter Kampforganisationen und hatte eben auch die SA mit den Mitteln der preussischen Polizei entschieden bekämpft. Auch der Münchner Journalist und Archivar Fritz Gerlich zählte zu den Opfern. Gerlich war von 1920-1928 Chefredakteur der Münchner Neuesten Nachrichten, einer Vorgängerzeitung der Süddeutschen Zeitung. Ab 1930 gab er die Zeitschrift “Illustierter Sonntag’” heraus, die ab 1932 als “Der Gerade Weg” erschien. Verleger war

Erich August Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg, der am Rande erwähnt mit dieser Zeitung eine Menge Geld verlor. Gerlich schrieb in der Ausgabe vom 31.Juli 1932 “Nationalsozialismus heißt: Lüge, Hass, Brudermord und grenzenlose Not”

(Digitalisat der Bayerischen Landesbibliothek)In derselben Ausgabe wird eine Zuschrift veröffentlicht, die sich wie eine Vorwegnahme des weiteren Schicksals von Gerlich liest “Sie erbärmlicher Schmutzfink.Seien sie überzeugt, daß die Stunde bald schlägt,

wo Deutschland von Ihnen und Ihresgleichen befreit wird. Wir werden an Ihnen und Ihrer schwarzen Sippe ein besonderes Exempel statuieren…” Gerlich wurde  am 9. März 1933 von einem SA-Trupp misshandelt, in Schutzhaft genommen und verblieb dort

bis zur Nacht vom 30. Juli, wo er in Dachau erschossen wurde. Von Papen konnte seine Mitarbeiter auch nicht mehr schützen, was seine Machtlosigkeit im Kabinett Hitler illustriert. Edgar Julius Jung wurde wohl in Oranienburg ermordet. Er war

politischer Berater und Redenschreiber von Papens und entwarf die Marburger Rede, die von Papen am 17.Juni 1934 vor Marburger Studenten hielt. Carl Fedor Eduard Herbert von Bose war Oberregierungsrat und Referent von von Papen. Er wurde erschossen, weil ja auch die “Papencique” zerschlagen werden sollte. Auch die Reichswehr hatte tote zu beklagen. So wurde Kurt von Schleicher, der ehemalige Reichskanzler und Ferdinand von Bredow, enger Mitarbeiter und Vertrauter Kurt von Schleichers ermordet.

Hitler hatte allerdings behauptet, von Schleicher und von Bredow hätten Landesverrat betrieben. Das empörte zwar die gesamte Generalität und sie beschwerte sich beim Reichwehrminister von Blomberg. Dieser versprach eine Dokumentation zu den Vorfällen zu liefern. es blieb aber bei dem Versprechen. Der einzige, der Konsequenzen daraus zog, war Generalleutnant Wolfgang Fleck, der seinen Abschied einreichte. Die angespannte Stimmung im Offizierskorps blieb aber und sie veranlasste Hitler zu der

Aussage in einer geschlossenen Versammlung, Untersuchungen hätten ergeben, dass die Generäle von Schleicher und von Bredow irrtümlich erschossen worden seien. Hitler hatte der Reichswehr auch zugesichert, dass sie das militärische Monopol behalten solle.

Trotzdem erhielt die SS schon wenige Monate später die Erlaubnis, eigene bewaffnete Verbände aufzustellen. Am 20. Juli 1934 löste Hitler die SS aus der SA und erhob sie zu einer selbstständigen Organisation im Rahmen der NSDAP. 1934 wurden solche Mordaktionen noch juristisch bemäntelt. Am 3. Juli 1934 erließ die Regierung das Gesetz über Maßnahmen der Staatsnotwehr. Im einzigen Artikel darin heißt es: “ Die zur Niederschlagung hoch- und landesverräterischer Angriffe am 30. Juni, 1. und 2. Juli 1934 vollzogenen Maßnahmen sind als Staatsnotwehr rechtens.”

Und was war mit Bürckel während des Röhmputsches?  Am Tag der Verhaftung Röhms hatte Bürckel die pfälzischen Bauern  zu einer Versammlung auf dem  “Thingplatz” am Königstuhl auf dem Donnersberg eingeladen.Bei dieser Veranstaltung griff er den landwirtschaftlichen Gaufachberater der NSDAP Ludwig Schickert scharf an. Die beiden hatten wohl schon seit 1932 Probleme miteinander.

Auch Walther Darré war anwesend. Er war am 28. Mai 1934 zum Reichsbauernführer und am 29. Juni, also am Vortag zum Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft ernannt worden. Dessen agrarpolitische Vorstellungen empfand er als unsozial. Die Politik

Darrés missachtete nach Bürckels Einschätzung die dringenden Belange der Bauern. Bürckel nahm kein Blatt vor den Mund. In einer im Protokoll nicht vorgesehenen Schlussrede wandte er sich direkt an den neuernannten Minister und bat ihn jede unsoziale, die dringenden Bedürfnisse der pfälzischen Bauern missachtende Politik zu unterlassen. Darré war über dieses unprogrammäßige Schlusswort erzürnt und ließ ihm, nachdem er nach Berlin zurückgekehrt war, ausrichten, sein Schlusswort auf dem Donnersberg

habe ihm so gut gefallen, dass er nicht umhin könnte “Gauleiter Bürckel mitzuteilen, dass gerade Georg Strasser erschossen worden ist.” (Wettstein S. 211). Bürckel hatte aus der Säuberung für sich den Schluss gezogen, dass sie sich gegen den Machtanspruch einer

der Sittenlosigkeit und Korruption verfallenen SA-Führung gerichtet hat. In diesem Sinn fiel auch sein Telegramm aus, das er am nächsten Tag an Hitler schickte. “Die Haltung des Gaus Pfalz ist ganz selbstverständlich. Für die durchgeführte Säuberung dankt das ganze pfälzische Volk, aber auch aufrichtig die SA des Gaues Pfalz.Ihr getreuer Bürckel”. Flankiert wurde das in einem Aufruf, der in allen pfälzischen Tageszeitungen veröffentlicht wurde. “Der Führer hat aufgeräumt und uns damit erlöst…” (Wettstein S. 212).

Hindenburg hatte das Vorgehen gegen die SA durchaus forciert. Als Hitler den kranken Präsidenten auf seinem Gut Neudeck besuchte, forderte Hindenburg Hitler auf, endlich “endlich etwas gegen die revolutionären Unruhestifter zu unternehmen”  und er überlegte wohl, das Kriegsrecht zu verhängen. Am 2. August 1934 starb der Reichspräsident Paul von Hindenburg. Der verstorbene Präsident sollte eigentlich auf seinen  ausdrücklichen Wunsch auf Gut Neudeck bestattet werden. Doch die Nazis ließen sich nicht nehmen, daraus eine perfekte Inszenierung nationalsozialistischer Machtausübung zu machen. Der Leichnam war am 7. August zum Tannenberg überführt worden. Am Tag darauf wurde er in einem pompösen Staatsakt beigesetzt von Hitler mit

“Toter Feldherr, geh‘ nun ein in Walhall!“  Schon am am 1. August Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs erlassen.

Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:

§ 1

  Das Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt. Infolgedessen gehen die bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler über. Er bestimmt seinen Stellvertreter.

§ 2

  Dieses Gesetz tritt mit Wirkung von dem Zeitpunkt des Ablebens des Reichspräsidenten von Hindenburg in Kraft.

Noch am Todestag von Hindenburg lässt Reichswehrminister General von Blomberg alle Soldaten einen Eid auf Hitler ableisten. Der Eid lautete nun “Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“ Dabei hatte der Reichswehrminister gar keine rechtliche Befugnis den Text des Eides zu ändern.

Er lautete bis dahin so: “Ich schwöre der Reichsverfassung und gelobe, daß ich als tapferer Soldat das Deutsche Reich und seine gesetzmäßigen Einrichtungen jederzeit schützen, dem Reichspräsidenten und meinen Vorgesetzten Gehorsam leisten will.“

Von Blomberg erhoffte sich von dieser Änderung der Reichswehr eine starke Position zu sichern. De facto stärkte er aber die Position Hitlers. Auch hatte dies Spätfolgen, die damals natürlich nicht abzusehen waren. Als es um den Widerstand gegen Hitler,

fühlten sich viele Offiziere auch durch den Eid auf Hitler gebunden und das machte den Widerstand für einzelne durchaus auch zu einer Gewissensentscheidung. Die deutsche Bevölkerung sollte die Zusammenlegung der Ämter des Reichspräsidenten und Reichskanzlers in einer Volksabstimmung absegnen, die für den 19. August 1934 angesetzt war. Bürckel war seit 7. August 1934 offizieller Sonderbevollmächtigter der Reichsregierung für die Saarabstimmung im Januar 1935. Schon am 18. Juli hatte Joseph Goebbels

den Pfälzer Gauleiter mit der Durchführung der Saarpropaganda beauftragt. Zwar ging es bei der Volksbefragung am 19. August eigentlich um nichts. Sie diente lediglich der Akklamation. Bürckel aber musste sich beweisen. In allen Wahlen hatte er ja immer

Spitzenergebnisse eingefahren. Und auch jetzt brachte er sein erprobtes Erfolgsrezept. Aufmärsche, Fahnen, Marschmusik und aus den Lautsprechern tönten reden Hitlers oder sonstiger Parteigrößen. Am 14. August fand in Speyer eine Massenkundgebung mit

mehr als 10.000 Teilnehmern statt. Seine Rede ließ er gleichzeitig über Lautsprecher in sämtliche Gemeinden des Kreises übertragen. Er schloss pathetisch “Ich sage, dass ich am Abend des 19. Augusts vor den Führer treten werde mit der Meldung: Mein Führer,

die Kompanie Pfalz steht geschlossen hinter dir! “ (Wettstein S. 214) Seine Prophezeiung  traf ein. Die Pfalz meldete 99,9 %. (Zahl nach Landesgeschichtliches Informationssystem  Hessen).

Das Saargebiet kam nach der Niederlage von 1918 unter die Regierung des Völkerbundes. 1920 wurde es für 15 Jahre unter französische Verwaltung gestellt. Für 1935 war vertragsgemäß eine Volksabstimmung vorgesehen, die den künftigen Status des Gebiets festlegen sollte Im Jahr 1931 hatte Bürckel eine Art Patenschaft für die saarländische NSDAP übernommen. Er ordnete Parteiredner für die Partei, aber auch Saalschutz durch SA und SS-Leute aus der Pfalz ab. Er versorgte sie mit Uniformen. Er gab saarländischen Parteigenossen die Möglichkeit, in der Pfalz zu hospitieren. Er kannte die saarländische NSDAP also genau. So war es nur folgerichtig, dass Hitler Bürckel nach der Machtergreifung zum Gauleiter des Gaus Saar ernannte,

ohne aber den amtierenden Gauleiter Karl Brück seines Amtes zu entheben. Er löste den Gau Saar auf und unterstellte die NSDAP seiner Gauleitung mit der Zentrale in Neustadt. Die Regierungskommission, das war die Behörde, die das Saargebiet im

Auftrag des Völkerbundes verwaltete, verabschiedete kurz darauf ein Gesetz, das die Parteien an der Saar zur rechtlichen Eigenständigkeit gegenüber dem Deutschen Reich verpflichtete. Somit konnte Bürckel nicht Gauleiter für die Saar bleiben. Als Strohmann

für Bürckel wurde Alois Spaniol, 1904 im saarländischen Lisdorf geboren, eingesetzt. Die bürgerlich-liberalen Parteien und das katholische Zentrum schlossen sich unter  auf eine Initiative des VölkIinger Industriellen Herrmann Röchling zur ,,Deutschen Front (DF)“ zusammen. Sie trat für den Anschluss des Saargebiets an das Reich ein. Bürgerliche Politiker und Pfarrer dienten als Aushängeschilder. Nach außen wirkte sie wie eine überparteiliche Bewegung. Tatsächlich aber stand sie vollständig unter der Kontrolle

der NSDAP und die Fäden hielt Bürckel in der Hand. Der DF gehörte als Nationalsozialist Jakob Pirro  an. Die Saar-NSDAP wurde am 26. Februar 1934 aufgelöst Neuer Leiter wurde Pirro. Er gilt als Vertrauter Bürckels, der also seine Strategie bei der Personalauswahl, alle Posten mit seinen Vertrauten zu besetzen fortführte.

Bürckel hatte mit der Saarpropaganda zwei Aspekte abzudecken. Zum einen musste er natürlich die Saarländer für die Rückgliederung begeistern. Er musste aber auch die Reichsbevölkerung für die innen-und außenpolitische Bedeutung sensibilisieren.

Für den Kampf um saarländische Stimmen griff er auf seine bewährten Propagandainstrumente zurück. Presse und Film und natürlich wie immer öffentliche Kundgebungen und Versammlungen wurden genutzt. Wichtigstes Propagandamittel wurde aber mehr und mehr der Reichsrundfunk. Für die Reichsdeutschen kreierte er Saarveranstaltungen und Saarausstellungen. In Zweibrücken fand am ersten Aprilwochenende die wohl erste offizielle Saarlandkundgebung statt. Über 70.000 Menschen waren gekommen.

Auch in Mannheim, Mainz und Ludwigshafen fanden große Kundgebungen statt. Sternfahrten zur saarländischen Grenze von Parteiorganisationen wurden organisiert. Aber auch der Sängerbund Westmark oder die NS-Frauenschaft waren eingebunden.

Der Sängerbund hielt in Zweibrücken eine Kundgebung ab und das Gautreffen der NS-Frauenschaft, auch in der Grenzstadt Zweibrücken hatte 10.000 Teilnehmer/Innen.

Bürckel sah aber auch, dass es außer diesem propagandistischen Trommelfeuer wichtig war, auch die katholische Kirche zu gewinnen. Immerhin waren 73 % der saarländischen Bevölkerung Katholiken. Wichtig war ihm eine offizielle Zustimmung der beiden für das Saarland zuständigen Oberhirten Franz Rudolf Bornewasser in Trier und Ludwig Sebastian in Speyer.

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Zwar waren beide Bischöfe national eingestellt und waren deshalb für die Rückgliederung des Saargebiets ins Reich, doch ganz so glatt lief es nicht, wie Bürckel sich das erhofft hatte. Sebastian hatte sich schon 1933 geweigert, einen von Bürckel vorbereiteten Wahlaufruf zu unterschreiben. Er hatte im März 1933 demonstrativ katholische Schutzhäftlinge in Neustadt besucht. Angesichts der ständig zunehmenden Repressalien gegen den Klerus und Ordensleute hatte er sich auch geweigert nach dem Abschluss des Reichskonkordats einen Dankgottesdienst zu feiern. Auch waren die Ausschreitungen in der Pfalz während der Gleichschaltung, die Schutzhaft für pfälzische Geistliche

und die Verfolgung von Mitgliedern des Zentrums und der BVP im Saarland durchaus registriert worden. Bürckel fuhr nun einen geschmeidigeren Kurs. So wies er die pfälzische Kreisregierung im Juni 1934 an, kein Uniformverbot für die katholischen Jugendverbände zu erlassen. Er verbot die Verbreitung des “Mythus des 20. Jahrhunderts” von Rosenberg, der bei der katholischen Kirche seit Anfang 1934 auf dem Index stand. Am 21. Juni 1934 ordnete er für Fronleichnam  für die Pfalz eine allgemeine Arbeitsruhe an.

Fronleichnam war seit dem Feiertagsgesetz vom 27. Februar 1934 kein Feiertag mehr. Außerdem ordnete im “Interesse des Religionsfriedens” behördlichen Schutz für Fronleichnamsprozessionen an. Auch untersagte er , dass in der Pfälzer und saarländischen

Presse antireligiöse und die Kirche verunglimpfenden Artikel veröffentlicht wurden. Gleichzeitig machte er Druck. Er intervenierte sogar beim Vatikan, um die beiden Kirchenfürsten zu veranlassen, ihre bisherige Neutralität aufzugeben.

Am 6. Januar 1935 wurde im Reich und auf Anordnung der fürs Saargebiet zuständigen Bischöfe von Trier und Speyer ein Hirtenbrief verlesen “Am Sonntag, den 13. Januar 1935, wird im Saargebiet die Volksabstimmung stattfinden über die Frage,

ob dieses deutsche Land seine Bewohner in der durch den Versailler Gewaltfrieden aufgezwungenen Trennung vom deutschen Reich verbleiben sollen (zitiert bei Wettstein S. 264)Bei Bischof Sebastian unterblieb die Formulierung vom “Versailler Gewaltfrieden”.

Aber natürlich hat dieser Hirtenbrief das Abstimmungsergebnis beeinflusst. Das Ergebnis war überzeugend. 90,8 % der Wähler entschied sich für das Rückkehr ins Reich. Für den Status quo stimmten 8,8 % und nur 0,4 % votierten für Frankreich.

Bürckel hatte seine Fähigkeit wieder voll unter Beweis gestellt. Hitler gratulierte zu dem Erfolg persönlich am Telefon und einem persönlich an ihn gerichteten Telegramm “Aufrichtigen Dank für Ihre vorbildliche Arbeit” (Wettstein S. 267)

Auch Goebbels, der sich oft über Bürckels “sozialistische Alleingänge” ärgerte oder Dr. Frey, den er mit seiner Personal-und Verwaltungspolitik in der Pfalz oft brüskierte, gratulierten.

Am 30. Januar wurde “Gesetz über die vorläufige Verwaltung des Saarlandes” erlassen. § 1 lautete: “An der Spitze der Verwaltung des Saarlandes steht bis zur Eingliederung in einen Reichsgau der Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes mit dem Amtssitz in Saarbrücken. Der Reichskommissar wird vom Führer und Reichskanzler ernannt”. Bürckel wurde am 11. Februar  zum Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes  ernannt und am 1. März 1935 in Saarbrücken von Dr. Frick in einem Festakt

in das Amt eingesetzt. Fast alle Parteigrößen waren dabei: Hitler, Heß, Goebbels, Himmler, Rosenberg, Darré, Ley. Auch die beiden Bischöfe Bornewasser und Sebastian waren anwesend. In seiner Antrittsrede versprach Bürckel den Bau von 2000 Häusern und

Siedlungen. Zur Rückgliederung des Saarlandes sagte er klar “diese sei keine bayrische,preußische Angelegenheit, sondern allein (eine)deutsche Angelegenheit (Wettstein S.270)Tatsächlich war das Saargebiet  das erste von den Nationalsozialisten geschaffene „führerunmittelbare Territorium“, in dem der Reichskommissar neben seiner Position als oberster Präsentant der Reichsaufsicht zugleich die Funktion eines Regierungschefs ausübte.Für seine Kirchenpolitik anerkannte er die Aufgabe der Kirche. Doch sagte er auch, dass der Nationalsozialismus als Träger des Staates ungehindert seine Aufgaben erfüllen werde. Jeder sollte auf seine Arbeit beschränkt werden.

Wie er das auch in der Pfalz gemacht hatte, besetzte er die führenden Posten mit ihm loyal ergebenen Parteigenossen. Durch Führererlass vom 17. Juni 1936 wurde Bürckel zum Reichskommissar für das Saarland ernannt. Im selben Jahr wurde er

auch Obergruppenführer der SA, das entspricht dem Rang eines Generals.

Noch ein Blick auf das gesamte Reichsgebiet und die weitere Entwicklung des nationalsozialistischen Herrschaftssystem.

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Auf dem Gebiet der Innenpolitik geschah auch Wichtiges

Mit dem “Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” vom 7. April 1933 hatte die Ausgrenzung der Juden begonnen.

Die “Nürnberger Gesetze”, die am Abend des 15. September 1935 anlässlich des 7. Reichsparteitag der NSDAP, des “Reichsparteitags der Freiheit”, einstimmig angenommen wurden, schlossen die Juden praktisch aus dem deutschen Volk aus.

Die beiden Gesetze, das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (RGBl. I S. 1146) und das “das Reichsbürgergesetz” (RGBl.I S. 1146) gaben der nationalsozialistischen Rassenideologie ihre juristische Grundlage.

An der Erarbeitung von Vorlagen und Gesetzesentwürfen maßgeblich beteiligt- auch für die “Nürnberger Gesetze” war als Referent im Innenministerium Hans Globke. Er gab auch zusammen mit seinem Vorgesetzten dem Staatssekretär

Wilhelm Stuckart den ersten Kommentar zu den Nürnberger Gesetzen und deren Ausführungsverordnungen heraus. Er verfasste auch das Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen vom 17. August 1938 , das Juden zur Führung

des zusätzlichen Vornamens Israel für Männer und Sara für Frauen verpflichtete. Er konzipierte auch das J, das Juden in ihre Pässe eingeprägt bekamen, mit.

Hans Globke brachte es trotz dieser Vorgeschichte zum Zeugen der Anklage im Nürnberger Prozess. Unter Adenauer wurde er Ministerialdirigent. Am Schluss brachte er es sogar zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Er war die Schaltstelle im Kanzleramt

und Adenauers engster Vertrauter. Auch über Ordensverleihungen konnte er sich nicht beklagen. Er erhielt das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Auch eine Karriere!

Mit dem Blutschutzgesetz wurde die Eheschließung sowie der außereheliche Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Nichtjuden verboten. Das Reichsbürgergesetz legte fest, dass nur “Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes“ Reichsbürger

sein konnten. Das hatte zur Folge,dass kein Jude mehr ein öffentliches Amt innehaben durften. Jüdische Beamte, die 1933 wegen des “Frontkämpferprivilegs” noch einmal davon gekommen waren, mussten nun bis zum 31. Dezember 1935 ihren Dienst quittieren.

Juden verloren das politische Wahlrecht und durch weitere Verordnungen zum Reichsbürgergesetz wurde jüdischen Ärzten und Rechtsanwälten auch ihre Zulassung entzogen.

Zu Gauleiter Bürckel. Gleich nach 1933 waren Juden aus ihren Geschäften gedrängt worden. Der Weinhandel war traditionell überwiegend von jüdischen Händlern betrieben und die waren planmässig aus dem Geschäft gedrängt worden, oft mit fadenscheinigen Vorwürfen von Weinbetrug und Weinpanscherei. Im Mainzer Karnevalszug von 1936 fuhr sogar ein Motivwagen mit, der den Vorwurf, dass Juden minderwertige Weine als Spitzenweine verkaufe. Dazu kam ein Weinjahrgang, dessen Mengen

das 2 1/2 fache eines normalen Jahrgangs ausmachte. Die Winzer fürchteten einen Preisverfall. Also proklamierte Bürckel “Die Deutsche Weinstrasse”. Sie verlief von Schweigen nach Bockenheim und sollte die schönsten Winzerdörfer der Pfalz verbinden.

Man musste lediglich neu ausschildern. Orte die an der Route lagen durften den Zusatz “an der Weinstraße” sowie Neustadt- bisher an der Haardt nun an der Weinstraße. Am 19.  Oktober 1935 wurde in Bad Dürkheim die Deutsche Weinstraße feierlich eröffnet.

Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden wurden nur zehn Tage vorher in Kenntnis gesetzt. Ursprünglich war geplant mit einer Pfälzerwald Hochstrasse vom Donnersberg bis zum Hohen Derst, der ist oberhalb von Dörrenbach für den Fremdenverkehr

und damit auch für den Wein zu werben. Bürckel war im Juli 1935mit seinem Gefolge in der Schweigener Gaststätte “Zum Bayerischen Jäger”eingekehrt. Dabei kam man auf die Änderung der Pläne. Am Anfang der Weinstraße steht das Deutsche Weintor,

das die provisorische Holzattrappe, die bei der Eröffnung stand, ersetzt hatte. Es gab einen Architektenwettbewerb, den die Architekten August Josef Peter und Karl Mittel aus Landau gewonnen hatten. Die Grundsteinlegung fand am 27. August 1936 statt, der Abschluss der Bauarbeiten wurde nicht einmal zwei Monate später, am 18. Oktober, gefeiert.

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Entlang der Weinstraße sollten 6 Bauwerke entstehen, die zum einen als Kelterstation, zum anderen als Gaststätte mit Ausflugszielcharakter dienen sollten. Gebaut wurde

aber noch 1936 nur der “Saarhof”. Er sollte so heißen, weil die Stadt Saarbrücken die Trägerschaft übernommen hatte. Der Rohbau wurde bei Kriegsbeginn vollendet. dann nahm ihn die Wehrmacht in Beschlag. 1944/45 kaufte die Gemeinde Leinsweiler das Anwesen von der Stadt Saarbrücken. 1951 übernahm es der Landkreis Landau.Heute ist der “Leinsweiler Hof” in Privatbesitz. Parallel zur Errichtung der Weinstraße begründete Bürckel Partnerschaften Pfälzer Winzergemeinschaften mit deutschen Städten. Natürlich überschritt Bürckel damit seinen Kompetenzrahmen, denn Weinbau und Weinwerbung lagen eigentlich im Zuständigkeitsbereich von Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Darré. Aber um Kompetenzen hat Bürckel sich nie gekümmert, zumal wenn er vom Zuständigen keine hohe Meinung hatte. Für die Weinstraße regelte er vieles mit einer Reihe von Erlassen. Aus Vorgärten mussten Reklameschilder, Leuchtstofftransparente, nicht für die Pfalz typische Pflanzen, selbst Gartenzwerge entfernt werden.

Modische Bauweisen, Edelputz und Mosaiken an den Hauswänden waren verboten. Alte Fachwerkhäuser, alte Wirtshausschilder und alte Zäune waren zu erhalten. Bürckel liess die postalische Bezeichnung “an der Weinstrasse” an die Ortsnamen anhängen-

werbewirksam bis heute.

Das Verhältnis des Nationalsozialismus zur Kirche, vor allem zur katholischen, war von Anfang an ziemlich gespannt. Und wie oben gezeigt gab es gleich zu Beginn massive Übergriffe auf Geistliche und vor allem heftige Verfolgung von Zentrumsmitgliedern.

Das Verhältnis entspannte sich nach dem Konkordat ein wenig und unter Gauleiter Bürckel in der Pfalz als es um die Saarabstimmung ging und Bürckel einfach auch die massive Unterstützung der Bischöfe brauchte, um ein möglichst gutes Stimmergebnis im Saarland zu erreichen. Der Speyrer Bischof Sebastian war von Anfang an nicht auf Konfrontation aus.Wie oben gezeigt wurde, verlief die Zeit kurz vor dem Ermächtigungsgesetz sehr turbulent. Auch in der Pfalz waren sehr viele katholische Geistliche in Schutzhaft genommen worden oder wie der Pfarrer von Rheingönnheim Caroli misshandelt worden. Bischof Sebastian willigte in ein Abkommen mit der Gauleitung ein, das katholischen Priestern strengste Zurückhaltung in politischen Fragen auferlegte. Getragen war dies von der

Hoffnung, die Haftentlassung der Pfarrer zu erreichen. Das Hauptziel des Bischofs lag darin, eine geregelte Seelsorge aufrecht zu erhalten. Nach dem für das Regime günstigen Ausgang der Saarabstimmung war man nicht mehr auf Rücksichtnahme auf die Kirche angewiesen. Eine Atempause verschafften nochmals die Olympischen spiel 1936 in Deutschland. Man wollte sich im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit natürlich gut zeigen. Es kam dann Ende 1936/Anfang 1937 zum Frankenholzer Schulstreik. Es ging hier um den Rang von Schulkreuzen und Hitlerbildern. Als der nationalsozialistische Schulleiter Philipp Klein Kreuze durch Hitlerbilder ersetzen ließ, behielten Eltern ihre Kinder daheim. Als die Gestapo gegen die Rädelsführer ermittelte, schlossen sich Bergleute dem Protest mit

einem Bummelstreik an. Darauf wurden 15 Grubenarbeiter fristlos entlassen, 5 Eltern in U-Haft genommen. Gauleiter Bürckel gab nach, ließ die Geldstrafen für die Schulverweigerung aufheben,

veranlasste, dass die Verhafteten entlassen wurden und machte den Platztausch von Hitlerbild und Kreuz rückgängig.  Bischof Sebastian hatte den Vorfall in seiner ganzen Diözese publik gemacht und mit klaren Worten darauf hingewiesen,dass Frankenholz kein Einzelfall sei sondern symptomatisch für die Gesamtentwicklung im Deutschen Reich war. Die Stellungnahme des Bischofs belegte, dass Bürckels Fiktion vom Religionsfrieden in seinem Gau nicht stimmte.Fast gleichzeitig ließ Bürckel eine Abstimmung über die Einführung einer Gemeinschaftsschule im Gau Saarpfalz durchführen und erhielt ein klares Votum für die Gemeinschaftsschulen. Das wieder zeigte, dass die Bereitschaft vieler Katholiken, sich den Forderungen des Nationalsozialismus zu widersetzen, sehr rasch an ihre Grenzern stieß, wenn konkrete Nachteile drohten. Die Abstimmung war am 19. März angesetzt worden und schon am 20. März abgehalten worden. So wurde den Pfarrern die Möglichkeit genommen, dagegen Stellung zu beziehen, z. b. in Predigten.

Der 20. März war der Samstag vor Palmsonntag. Am 21. März aber wurde in allen katholischen Kirchen die päpstliche Enzyklika “Mit brennender Sorge” verlesen. Schon im Januar 1937 hatte Papst Pius XI. die Kardinäle Faulhaber (München und Freising), Bertram (Breslau zugleich Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz),und Schulte(Köln) sowie die Bischöfe Galen (Münster) und Preysing (Berlin) nach Rom gerufen, um mit ihnen zu beraten, wie man der immer feindseliger werdenden Kirchenpolitik in Deutschland begegnen sollte. Ein Brief des Papstes an Adolf Hitler oder eine öffentliche Kundgebung des Papstes gegen den Nationalsozialismus in Form einer Enzyklika wurde besprochen. Der Brief wurde verworfen, die Enzyklika beschlossen.

Kardinalstaatssekretär Pacelli bat Kardinal Faulhaber einen ersten Entwurf zu verfassen. Er arbeitete nur nachts und ohne fremde Hilfe, um die geringste Gefahr oder Indiskretion auszuschließen. Gleichzeitig bereite der Vatikan eine gleichzeitig geplante

Enzyklika gegen den Kommunismus („Divini Redemptoris“) so auffällig vor, daß die NS-Diplomaten nur auf dieses Dokument warteten. Beim Korrekturerlesen kam Faulhaber zu der Meinung, dass sich sein Entwurf vielleicht für einen deutschen Hirtenbrief,keinesfalls aber für ein päpstliches Rundschreiben eigne. Papst Pius XI. und sein Staatssekretär entschieden anders. Pacelli brachte noch geringfügige Änderungen an. Das überarbeitete Manuskript wurde in der Druckerei des Vatikans gedruckt und ging

mit einem diplomatischen Sonderboten an die Nuntiatur nach Berlin. Über Kuriere wurde es direkt an die deutschen Bischöfe übergeben. Der Postweg wurde gemieden.Vertrauenswürdiger Kirchenmitarbeiter transportierten das Papier per Fahrrad und Motorrad in die Pfarrhäuser. Man nutzte Wald- und Feldwege, um kein Aufsehen zu erregen. Die Kopien des geheimen Textes wurden in Beichtstühlen übergeben. Zwar gelangte ein Tag vor der geplanten Verlesung ein Exemplar in die Hände der Gestapo. Aber da war die Zeit zu Beschlagnahme natürlich zu knapp. Der Coup war geglückt. In den 11.500 Gemeinden Deutschlands wurde das Rundschreiben verlesen und 300.000 Kopien verteilt. Es ist diese die einzige päpstliche Enzyklika in deutscher Sprache.

Hitler soll getobt haben, als er am Vorabend der Verlesung von der Enzyklika erfuhr. In der Enzyklika steht zwar weder “Adolf Hitler” noch Nationalsozialismus aber es ist eine klare Lagebeschreibung der katholischen Kirche in Deutschland, wie es in der Überschrift heißt. Nach Abschluss des Konkordats hatten sich die Verstöße gegen die Vereinbarung gehäuft. Kardinalsstaatssekretär Eugenio Pacelli hatte dem Botschafter des Deutschen Reiches am Heiligen Stuhl über 50 diplomatische Protestnoten übergeben-

nun erklärte der Papst “daß in diesen schweren und ereignisvollen Jahren der Nachkonkordatszeit jedes Unserer Worte und jede Unserer Handlungen unter dem Gesetz der Vereinbarungstreue standen.” Und fährt dann fort ”wie von der anderen Seite die Vertragsumdeutung, die Vertragsumgehung, die Vertragsaushöhlung, schließlich die mehr oder minder öffentliche Vertragsverletzung zum ungeschriebenen Gesetz des Handelns gemacht wurden.” Auch zum  zur Rasselehre wird klar Stellung bezogen:

“Wer die Rasse, oder das Volk, oder den Staat, oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte menschlicher Gemeinschaftsgestaltung – die innerhalb der irdischen Ordnung einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz behaupten – aus dieser ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge. Ein solcher ist weit von wahrem Gottesglauben “ Auch zum Führerkult gibt es deutliche Worte: “Wer in sakrilegischer Verkennung der zwischen Gott und Geschöpf, zwischen dem Gottmenschen und den Menschenkindern klaffenden Wesensunterschiede irgend einen Sterblichen, und wäre er der Größte aller Zeiten, neben Christus zu stellen wagt, oder gar über Ihn und gegen Ihn, der muß sich sagen lassen, daß er ein Wahnprophet ist, auf den das Schriftwort erschütternde Anwendung findet: „Der im Himmel wohnt, lachet ihrer“ (Originaltext auf der Internetseite des Vatikans) Natürlich schlug der NS-Staat sofort zurück. Man antwortete mit Hausdurchsuchungen und Verhaftungen.Bistumszeitungen, die den Text gedruckt hatten, wurden beschlagnahmt und für drei Monate verboten. Zwölf der an der Vervielfältigung beteiligte Druckereien wurden entschädigungslos enteignet. Katholische Schulen und Klöster wurden geschlossen. Gegen Priester und Ordensleute wurden Prozesse wegen Unterschlagung und Sittlichkeitsprozesse geführt und publizistisch ausgeschlachtet.

Bürckel griff Bischof Sebastian scharf an. Er bezeichnete ihn als Landesverräter und Staatsfeind. Die Gestapo hatte einen Brief des Bischofs an Pacelli abgefangen, geöffnet und fotografiert in dem er über die Bedrückungen der Kirche berichtet hatte..

Am 15. August 1937 sollte in Speyer das goldene Priesterjubiläum des Bischofs gefeiert werden. 25.000 Frauen wollten zu einer “Jubelmesse” nach Speyer kommen. Sonderzüge waren bei der Reichsbahn angefordert und bereits zugesagt worden.

Nun legte Bürckel eine Großkundgebung von Parteiformationen in Speyer auf den 15. August. Die Reichsbahn zog ihre Zusage für die Sonderzüge zurück. Autobusse, die eigentlich den Frauen zur Verfügung stehen sollten, wurden von der Gauleitung

beansprucht. Bischof Sebastian entschied sich deshalb, seinen Ehrentag im Stift Neuburg gemeinsam mit dem Erzbischof von Bamberg und den Bischöfen von Würzburg und Eichstätt in einer stillen Feier zu begehen. Bürckels

Aktion hatte die die Feier des Bischofs zwar verhindert, war aber doch ins Leere gelaufen.

Auf internationaler Ebene war in der Zeit bedeutsam. Im Februar 1936 hatte die Volksfront in Spanien die Wahlen gewonnen. Daraufhin planten Offiziere nahezu öffentlich einen Putsch. Ihre Aktivitäten wurden von der Regierung praktisch ignoriert.

Als am 13. Juli 1936 der monarchistische Oppositionsführer José Calvo Sotelo ermordet wurde, mischten sich immer mehr Gruppen ein. aus dem Putsch war ein Bürgerkrieg geworden. Zwar gab es unter der Ägide des Völkerbundes ein Nichteinmischungskomitee.

Aber die faschistischen Mächte Italien und Deutschland unterstützten die Putschisten offen.Die Sowjetunion unterstütze die Regierung mit Waffen und Beratern. So wurde Spanien zum Übungsfeld für den Systemkonflikt in Europa. Ab November 1936 kämpfte

die Legion Condor mit 12000 Mann, offiziell nur Freiwillige, in Spanien. Ab Frühjahr 1937 waren auch deutsche Seestreitkräfte beteiligt. Am 26. April 1937 wurde die religiöse Hauptstadt des Baskenlandes Gernika unter massgeblicher Beteiligung der

Legion Condor fast vollständig zerstört.

Im November 1937 hatte Hitler die militärische Führungsspitze und Außenminister von Neurath zu einer Konferenz nach Berlin eingeladen. Dabei ging es zunächst um Versorgungsprobleme der Rüstungswirtschaft insbesondere mit Stahl. Doch Hitler wich von der

Tagesordnung ab und gab in einem mehrstündigen Monolog Einblick in seine außenpolitischen Ziele. Hitlers Wehrmachtsadjutant Oberst Friedrich Hoßbach fasste diese Gedankengänge Hitlers stichwortartig in einer Niederschrift zusammen. Diese wurde später als

“Hoßbachprotokoll” bezeichnet und diente später der Anlagevertretung beim Nürnberger Prozess als Beweismittel, dass die Beschuldigten einen Angriffskrieg geführt hätten. Man kannte schon Hitlers Idee vom “Lebensraum”. Nun gab es aber einen konkreten zeitlichen Rahmen. Da wurde auch klar, dass die Tschechoslowakei und Österreich auf der Agenda standen.

Im Juli 1934 putschten in Österreich Nationalsozialisten. Am 25. Juli ermordete der österreichische Nationalsozialist Otto Planetta den österreichischen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß. Im Anschluss an den missglückten Putsch wurden viele Todesurteile verhängt, von denen 13 auch vollstreckt wurden, unter anderem wurde Otto Planetta durch den Strang hingerichtet. Nachfolger von Dollfuß wurde Kurt Schuschnigg, der bisher Justizminister im Kabinett Dollfuß war.

Für Adolf Hitler bedeutete der Putsch eine enorme außenpolitische Belastung, zumal angenommen wurde, dass Deutschland zu mindestens die Finger im Spiel hatte. Am Grenzübergang Zollerschlag wurde ein Kurier festgenommen, der Dokumente bei sich hatte, das”Kollerschlager Dokument” legt den Verdacht nahe. für die österreichische Regierung war es der Beleg, dass der Juliputsch auf reichsdeutschem Boden geplant und von dort aus geleitet wurde. Hitler ging auf völlige Distanz zu den österreichischen Nationalsozialisten. Die österreichische Landesleitung der NSDAP wurde aufgelöst, der Landesinspekteur Theodor Habicht seiner Ämter enthoben. In Berlin hatte zu der Zeit die Saarabstimmung, dann die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht und

die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes Priorität am 7. März 1936. Weitere personelle Konsequenz war, dass Kurt Heinrich Rieth, der deutsche Botschafter in Wien, in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde.Für ihn wurde von Papen als

Außerordentliche Gesandter nach Wien berufen. Die deutsch-österreichische Vereinigung sollte aus den Schlagzeilen verdrängt werden. Die Beziehungen sollten scheinnormalisiert werden.

Das faschistische Italien hatte sich als Schutzmacht Österreichs gesehen und  die wichtigste außenpolitische Stütze Österreichs. Das faschistische Italien war aber bisher die wichtigste außenpolitische Stütze Österreichs. Österreich war für

Italien ein Puffer, der dem Land die gemeinsame Grenze mit Deutschland ersparte.

Das Eingreifen Deutschlands im spanischen Bürgerkrieg hatte auch zu einer Annäherung an Italien geführt, das General Franco ja ebenfalls unterstützte. Am 2. Oktober 1935 begann Italien den Abesinnienkrieg. Der Völkerverbund verhängte Wirtschaftssanktionen.

Berlin unterstütze nun Italien.

Eine Reaktion auf diese Annäherung der beiden faschistischen Mächte war das Abkommen vom 11.Juli 1936 zwischen Österreich und dem Deutschen Reich. Es bestand aus zwei Teilen, dem offiziellen Kommuniqué. Darin anerkannte die deutsche Regierung “die volle Souveränität des Bundesstaates Österreich”.Jede der beiden Regierungen “betrachtet die in dem anderen Land bestehende innenpolitische Gestaltung… als eine innere Angelegenheit des anderen Landes, auf die sie weder mittelbar noch unmittelbar Einfluss nehmen wird.”. Dann wurde noch vereinbart, dass Österreich ihre Politik auf einer Linie halten wird, die der Tatsache entspricht, dass Österreich sich als deutscher Staat bekennt. (Quellensammlung zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte ,2683)In dem nichtoffiziellen Teil, als Gentlemen Agreement bezeichnet, verpflichtete sich Österreich die seit dem Juliputsch inhaftierten Angehörigen der NSDAP zu amnestieren, einzelne deutsche Zeitungen, den Völkischen Beobachter aber allerdings nicht, wieder zu zu lassen und außerdem “Vertreter der bisherigen sogenannten “nationalen Opposition in Österreich”zur Mitwirkung an der politischen Verantwortung heranzuziehen” (Quellensammlung 2864). Dafür hob Deutschland die “Tausend-Mark-Sperre” auf. Diese wurde am 1.6. 1933 durch die deutsche Reichsregierung als Reaktion auf die Ausweisung des bayrischen Justizministers Hanns Frank erlassen worden. Demnach musste jeder deutsche Staatsbürger, der nach Österreich reisen wollte, vor eine Reise nach Österreich 1000 Reichsmark bezahlen. Der Anteil deutscher Touristen nach Österreich betrug 1932 40 % und dieses Gesetz belastete den österreichischen Fremdenverkehr spürbar.

Edmund Glaisé-Horstenau wurde zum Minister ohne Portefeuille ernannt. Guido Schmidt wurde Staatssekretär des Außenministeriums.

Bei der Tagung im November 1937 war Hitler bei der Skizzierung seiner Außenpolitik auf massive Kritik von Blomberg, Fritsch und Neurath gestoßen. Anfang 1938 tauchten Polizeiakten auf, in denen die Gattin Blombergs als Prostituierte geführt wurde und Fritsch wurde als Homosexueller denunziert. Beide Offiziere wurden daraufhin zum Rücktritt gezwungen. Außenminister von Neurath wurde zum Präsidenten eines nie zusammengetreten Kabinettsrates ernannt und in seinem Amt durch Ribbentrop ersetzt. Das war ein Zeichen, dass Hitler nun gewillt war, die Entwicklung in Österreich nach seinen Vorstellungen voranzutreiben. Auf “Einladung” Hitlers kamen der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg am 12. Februar 1938 in Begleitung des Staatssekretärs für Äußeres, Guido Schmidt auf den Obersalzberg bei Berchtesgaden. Nach einem zweistündigen Gespräch ohne Zeugen legte ihnen Hitler den Entwurf eines Abkommens vor. Die NSDAP sollte in Österreich wieder zugelassen werden.Arthur Seyss-Inquart sollte Innenminister mit absoluter Polizeigewalt werden. Verhandelt wurde nicht. Es war ein Diktat.Hitler: “ich ändere keinen Beistrich. Sie haben zu unterschreiben, oder alles andere ist zwecklos,…” (AdR, BKA/AA, Staatsurkunden, Deutsches Reich 1938 Februar 12)

Schuschnigg erreichte lediglich eine Gnadenfrist von 3 Tagen, da Ministerernennungen verfassungsrechtlich erst vom Bundespräsidenten gebilligt werden müssten. Er unterschrieb. Aber er setzte eine Volksabstimmung für den 13. März an.

Genau in diesen Tagen war Glaisé-Horstenau auf einer Vortragsreise in Stuttgart. Am 9. März fuhr er zu einem Verwandtenbesuch nach Landau. Dort erfuhr er aus Wien telefonisch von der geplanten Volksbefragung. Bürckel hatte von einem Korrespondenten von

der Anwesenheit von Glaisé-Horstenau erfahren. Bürckel lud ihn zu einem Umtrunk nach schweigen und dann zu einem geselligen Abendessen nach Neustadt ein. Dabei hörten beide eine Rundfunkübertragung von Schuschniggs Rede zu der beabsichtigten Volksbefragung. Bürckel rief umgehend in Berlin an. Dort erreichte er den persönlichen Adjutanten Hitlers in der Reichskanzlei und teilte ihm mit, dass sich Glaisé-Horstenau  gerade bei ihm befand. Beide wurden sofort nach Berlin beordert.

Auf Druck Berlins wurde die Volksabstimmung abgesagt. Schuschnigg trat am 11. März zurück. Seyss-Inquart  wurde vom Bundespräsidenten Miklas zum Bundeskanzler ernannt. Am 12. März marschierte die Wehrmacht ohne Widerstand des Bundesheeres in Österreich ein. “Der Anschluss” war vollzogen. Seyss-Inquart legte dem Präsidenten das Anschlussgesetz zur Unterzeichnung vor. Miklas legte aber seine Amtsgeschäfte nieder. Seine Funktionen gingen der Verfassung gemäß auf den Kanzler über und dieser unterzeichnete.Hitler legte eine Volksbefragung für den 10. April fest, um den Anschluss im nachhinein legitimieren zu lassen. Bürckel war ja in diesen Tagen in unmittelbarer Nähe Hitlers. Er stand beim Führer ja in hohem Ansehen. Zuverlässig hatte er immer hervorragende Wahlergebnisse geliefert und auch die Saarabstimmung problemlos und mit einem Wunschergebnis abgeschlossen. Er wurde von Hitler zum Beauftragten für die Volksabstimmung und für die Reorganisation der NSDAP ernannt.

In der Wiener Zeitung vom 14. März wurde veröffentlicht, dass Hitler Gauleiter Bürckel damit beauftragt hat und “Ich habe Gauleiter Bürckel mit der Vollmacht ausgestattet, alle Maßnahmen zu ergreifen oder anzuordnen, die zur verantwortungsvollen Erfüllung des erteilten Auftrags erforderlich (online in anno.onbc.ac.at) sind.”Schon gleich nach dem Amtsantritt von Ribbentrop hatte dieser den aus Heidelberg stammenden Wilhelm Keppler als Staatssekretär für besondere Aufgaben ins Auswärtige Amt übernommen. Ab 1936 war er Berater Hermann Görings für die Durchführung des Vierjahresplan. Am 16. März wurde im Reichsinnenministerium die “Zentralstelle für die Durchführung der Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich” eingerichtet. Innenminister Frick und Göring wollten, dass Keppler dieser Stelle vorstand.

Sie ernannten deshalb Keppler zum “Reichsbeauftragten für Österreich”. Hitler hatte Bürckel ja schon am 13. März mit seiner Aufgabe persönlich beauftragt. Zwar überschnitten sich die Aufgabengebiete der beiden grundsätzlich nicht. Keppler war

für die wirtschaftlichen und politischen Belange zuständig, Bürckel sollte sich mit der Partei und der Vorbereitung der Volksabstimmung befassen.Da sich beide nicht um Zuständigkeitsbereiche kümmerten und beide ehrgeizig waren, waren Interessenkonflikte vorprogrammiert. Bürckel hatte aber schnell die besseren Karten. Er wurde am 23. April von Hitler zum “Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich” ernannt. Die Dienststelle des

Reichsbeauftragten für Österreich wurde dem Reichskommissar untergeordnet. Von Göring und Frick erhielt Keppler nun wenig Rückhalt, da sie beide Hitler mit offener Unterstützung Kepplers nicht brüskieren wollten.

Bürckel war schon am 13. März nach Wien gereist, um dort den Einzug Hitlers vorzubereiten und gleichzeitig erste organisatorische und personelle Maßnahmen für die Volksabstimmung zu treffen. Rund 200.000 Menschen waren am 15. März auf den Heldenplatz gekommen, um Hitler begeistert zu feiern als dieser “den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich” meldete.

Bürckel ging seine Aufgabe mit Elan und von keinerlei Selbstzweifel geplagt an. Es galt zwar 90,8 % aus der Saarabstimmung zu übertreffen, denn in der Heimat des Führers sollte natürlich noch ein weitaus deutlicheres Ergebnis erzielt werden.

Bürckel sah seine Aufgabe als Vertrauensbeweis des Führers, vor allem aber als Chance, sich Gunst und Dankbarkeit Hitlers zu erhalten. Anders als an der Saar hatte er diesmal keine diplomatischen Rücksichten zu nehmen, da dieses Mal kein misstrauischer

Völkerbundsrat zuschaute. Als Dienstsitz wählt er das Parlamentsgebäude aus und ließ es beschlagnahmen, da mit “Der Beschlagnahme des Hauses kein lebenswichtiger Betrieb gestört wird” (zitiert nach Wettstein, S. 379)Politisch gewieft setzte er gleich zu Anfang durch, dass er zwischen Innenminister Frick und ihm ein Abkommen zustande kam,in dem er ausdrücklich als Hitlers politischer Beauftragter anerkannt wurde. In der Praxis bedeutete dies,dass er in Österreich zum obersten Dienstherr geworden war und bis auf

auf Wehrmacht und Polizei über alle staatlichen Stellen und Parteiorganisationen die Kompetenzhoheit besaß und somit die Geschicke Österreichs und vor allem der Stadt Wien beeinflussen konnte.

Am 10. April nun wurde die Volksabstimmung abgehalten. Im “Altreich” stimmten 99,01 Prozent der Deutschen und in Österreich 99,73 Prozent der Österreicher  für den “Anschluss”.

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Vor der Abstimmung lief die nationalsozialistische Propaganda auf Hochtouren. Auch waren rund 8 % der eigentlich Wahl-und Stimmberechtigten schon ausgeschlossen worden. Juden (200.000) und “Mischlinge” (170.000) durften nicht abstimmen. Es herrschte

ein Klima der Angst und viele wagten es gar nicht mehr, anonym in der Wahlkabine abzustimmen sondern machten ihr Kreuz öffentlich vor dem Wahlhelfer, um ja nicht in den Verdacht geraten, mit Nein gestimmt zu haben.

Wie schon in der Pfalz und dem Saarland hatte Bürckel auch in Österreich wichtige Schlüsselstellungen mit ihm loyal ergebenen Mitarbeiter aus der Pfalz besetzt. Parteibeauftragter der Stadt Wien wurde Karl Kleemann, Lehrer wie Bürckel und schon 1926

in die NSDAP eingetreten. Ab 1936 war er Kreisleiter der Stadt Ludwigshafen. Claus Selzner, der in Ludwigshafen bei der IG Farben (heute BASF) die NS-Betriebszelle gegründet hatte und dann Leiter der NSBO der Pfalz war, übernahm die Organisation der DAF in Österreich.Rudolf Röhrig, Stellvertreter  des OSAF für die Pfalz, Fritz Schwitzgebel und ab 1936 Gauschulungsleiter für den Gau Saarpfalz wurde. Carl Caspary wurde über Bürckel hauptamtlich für die SA tätig. Nach der Vereinigung des Saargebiets war er für die

Neuorganisation der SA im Saarland zuständig. dann war er Brigadeführer der SA-Brigade 151 in Saarbrücken. Nach dem Anschluss holte Bürckel ihn nach Wien. Dort leitete er die neugeschaffene SA-Reichsschule. Natürlich kam das bei den Einheimischen Nazis schlecht an, die sich um die Früchte ihrer Mitgliedschaft in der “Kampfzeit” gebracht sahen. An den Kritiken und Unmutsäußerungen störte er sich nicht. Wie schon im Saarland hatte er auch in Österreich nach dem Anschluss eine Aufnahmesperre. Denn wie in der Pfalz nach der Machtergreifung und an der Saar nach der Vereinigung mit dem Reich hatte auch in Österreich ein Zustrom opportunistischer Mitläufer eingesetzt. Bürckels enger Vertrauter und Berater Karl Barth war von 1938 bis 1940 zu ihm abgeordnet worden.

Er hatte ein Memorandum erarbeitet zu einer Neugliederung Österreichs. Nach den Vorstellungen Bürckels sollte eine reichseinheitliche Lösung angestrebt werden. Partikularistische Interessenwahrung der österreichischen Länder sollte vermeiden werden.

Oberstes Zentrum aller staatlichen und kommunalen Amtsgewalt sollte die Partei sein. Die Länder sollten aufgelöst und in Gaue umgewandelt werden. An der Spitze sollte der Gauleiter stehen, der gleichzeitig Reichsstatthalter war und somit als Reichsorgan

die Befehlsgewalt über jede Landesregierung innehatte. Einheimische Parteifunktionäre sollten ins Reich versetzt werden und somit die immer wieder aufflammenden inneren Streitigkeiten in den NS-Klüngeln ausgeschaltet werden. Bürckel hatte die österreichischen Parteigrößen Kaltenbrunner, Globocnic und Klausner in seine Planungen mit einbezogen um ihre Unterstützung zu bekommen.Bürckel gliederte die “Ostmark”, wie Österreich jetzt genannt wurde, in sieben Gaue.

Salzburg, Oberdonau mit der Hauptstadt Linz, Niederdonau mit der Hauptstadt Krems, Wien, Steiermark mit der Hauptstadt Graz, Kärnten mit der Hauptstadt Klagenfurt und Tirol mit der Hauptstadt Innsbruck. Dabei ging Osttirol im Gau Kärnten auf, Vorarlberg

im Gau Tirol. Das Burgenland wurde zwischen Steiermark und Unterdonau aufgeteilt. Bad Aussee wurde Oberdonau zugeteilt. Großwien wurde in einen eigenen Stadtgau umgewandelt. 97 Gemeinden waren eingemeindet worden und Wien war nun fast fünf mal so groß wie vor dem Anschluss. Am 22. Mai 1938 wurden per Führererlass die Gauleiter ernannt. Wenig Begeisterung fand bei Bürckel die Ernennung Globocnics zum Gauleiter von Wien. Die wichtigsten stellen hatte er ohnehin schon mit ihm ergebenen Leuten aus der Pfalz besetzt. Er wurde nur ein halbes Jahr später aus dem Amt entfernt, wo er ein finanzielles und organisatorisches Chaos hinterlassen hatte. In Wien war er maßgeblich für die Enteignung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung verantwortlich.

In Kärnten wurde Hubert Klausner Gauleiter. Er starb am 12. Februar 1939 ganz plötzlich in Wien. Sein Tod gab Anlass zu Gerüchten und Spekulationen, bis hin zu  von einem von Bürckel veranlassten Giftmord durch die SS, wie sein ehemaliger Adjutant

Erwin Aichinger schrieb (siehe dazu Alfred Elste: Kärntens braune Elite, S. 71f ) In Salzburg wurde Friedrich Rainer Gauleiter, der eng mit Globocnic befreundet war. In Oberdonau wurde August Eigruber Gauleiter und in Niederdonau wurde Hugo Jury Gauleiter, was er bis zu Kriegsende blieb. In der Steiermark wurde der junge promovierte Jurist Siegfried Uiberreither Gauleiter. Den Gau Tirol schließlich leitete Franz Hofer. Er schlug 1944 Hitler vor, ein Kerngebiet in den Alpen als letzte Bastion des Reiches zur

Alpenfestung auszubauen. Sämtliche Gauleiter waren Österreicher und unter ihren Stellvertretern nur ein Reichsdeutscher. Bürckels Vorschlag jedem Gauleiter einen reichsdeutschen Stellvertreter beizuordnen, war Hitler nicht gefolgt. Allerdings gab er dem

telegrafischen Ersuchen Bürckels statt, 26 der besten reichsdeutschen Kreisleiter zu Aufsichtszwecken in den Kreis-und Bezirksverbänden auszuleihen. Die Neugliederung Österreichs war weitgehend nach Bürckels Vorstellungen gelaufen, zumal er sich immer

auf den “Führerwillen” berief und somit jeglicher Kritik den Boden entzog.

Am 28. August 1938 richtete Bürckel in Wien die Zentralstelle für jüdische Auswanderung ein. Formell unterstand sie Franz Walter Stahlecker. Aufgebaut und organisiert wurde sie aber von Adolf Eichmann. In Berlin hatte er seit 1935 beim SD in der Abteilung II (Juden) gearbeitet. Nach dem Anschluss wurde er nach Österreich versetzt.Die Zentralstelle war geschaffen worden, um  Auswanderungswilligen die nötigen Papiere auszustellen. Die Dokumente wurden praktisch im Fließbandverfahren erstellt, nicht ohne die Ausreisenden praktisch bis zum völligen Vermögensverlust auszuplündern. Die Behörde arbeitete so effizient, dass sie schnell zum Vorbild für weitere Auswanderungsstellen wurde, so die Reichszentrale in Berlin oder später die Auswanderungsstellen in Prag oder Amsterdam. Heydrich brüstete sich bei einer Konferenz im Reichsluftfahrtministerium kurz nach der Reichskristallnacht, die Zentralstelle in Wien habe in kurzer Zeit immerhin 50 000 Juden aus Österreich herausgebracht, während es im Altreich nur 19 000 Juden waren.

Am 7. November 1938 hatte Herschel Grynszpan in Paris den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath bei einem Attentat getötet. Zu der Zeit war die Führungsspitze der NSDAP in München versammelt, um den 15. Jahrestag des Hitlerputsches zu begehen.

Von München aus erging nun die Weisung zu den seit der Machtübernahme heftigsten antisemitischen Ausschreitungen, die als Reichskristallnacht in die Geschichte eingegangen sind. 91 Tote, 267 zerstörte Gottes- und Gemeindehäuser und 7.500 verwüstete Geschäfte – das war die “offizielle” Bilanz der “berechtigten und verständlichen Empörung des deutschen Volkes“, wie das NS-Regime dazu erklärte. Tatsächlich starben mehr als 1300 Menschen. Über 1400 Synagogen oder Gebetshäuser, das war mehr als die

Hälfte in Deutschland und Österreich wurde stark beschädigt oder ganz zerstört. Am nächsten Tag wurden mehr als 30 000 männliche Juden in Konzentrationslager verschleppt. Das einzige was Göring daran zu kritisieren hatte war, die “volkswirtschaftlich unsinnige Zerstörung von Sachwerten”.

Wie Hitler schon bei der Tagung ausgeführt hatte, die im Hossbachprotokoll beschrieben wurde, stand jetzt die Tschechoslowakei auf seiner Tagesordnung. Schon vor dem Einmarsch in Österreich hatte er in der Reichstagsrede vom 20. Februar 1938 erklärt “

so wird auch das heutige Deutschland seine wenn auch um soviel begrenzteren Interessen zu vertreten und zu wahren wissen. Und zu diesen Interessen des Deutschen Reiches gehört auch der Schutz jener deutschen Volksgenossen, die aus eigenem nicht in der Lage sind, sich an unseren Grenzen das Recht einer allgemeinen menschlichen, politischen und weltanschaulichen Freiheit zu sichern.” Als Hebel in der Tschechoslowakei sollte Konrad Henlein mit seiner Sudetendeutschen Partei SdP (seit 1935, vorher Sudetendeutsche Heimatfront) Am 24. April 1938 stellte Henlein in Karlsbad ein acht-Punkte-Programm vor, ganz im Sinne Hitlers “immer so viel (zu)fordern, dass wir nicht zufrieden gestellt werden können.“

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Henlein forderte die volle Gleichberechtigung der deutschen Minderheit als Volksgruppe, die Feststellung und Anerkennung des deutschen Siedlungsgebiets innerhalb der Tschechoslowakei,den Aufbau einer deutschen Selbstverwaltung mit ausschließlich deutschen Beamten, die Wiedergutmachung der ab 1918 erlittenen wirtschaftlichen Schäden der deutschsprachigen Bewohner und endlich die „volle Freiheit des Bekenntnisses zum deutschen Volkstums und zur deutschen Weltanschauung”.

Der tschechische Premierminister Milan Hodza war bereit dieser Forderung mit dem Entwurf einer neuen Verfassung entgegenzukommen. Der tschechische Präsident Edvard Benes lehnte dies aber ab. Am 21. Mai nahm die Tschechoslowakei

eine Teilmobilmachung vor, die von Großbritannien und Frankreich gebilligt wurde.

Hinter den Kulissen gab es wegen der Sudetenkrise, die ja die Gefahr eines zunächst nur europäischen Krieges befürchten ließ, hektische diplomatische Aktivitäten. Auch Bürckel hatte sich da eingeschaltet. Er hatte geheime Kontakte zur böhmischen Hocharistokratie geknüpft, vor allem zu Max Egon von Hohenlohe-Langenburg. Dieser hatte sich schon vor der Sudetenkrise für eine Gleichstellung der deutschen Bevölkerung in der Tschechoslowakei eingesetzt. Er hatte hervorragende kontakte

nach allen Seiten. Er bewegte sich ganz ohne offizielle Funktion in den unterschiedlichsten Kreisen, beim britischen Foreign office, beim tschechischen Präsidenten und Ministerpräsidenten aber auch beim Staatsekretär in Berlin. Auch der Wiener Bürgermeister

Neubacher hatte Kontakte nach England und zwar zu dem böhmischen Grafen Alfred Dubsky, der über enge Verbindungen zu Londoner Regierungskreisen verfügte. Über ihn erfuhr Neubacher von deren diplomatischen Schritten zur Lösung der Sudetenkrise.

Neubacher gab seine Informationen dann an Bürckel weiter. Diese deutsch-böhmische Adelsgruppe stand aber auch mit der konservativen, vor allem militärischen Opposition in Kontakt. So blieben dieser die Kontakte Bürckels natürlich nicht verborgen.

Sie hofften, Bürckel für ihre Pläne zur Vermeidung des Krieges zu gewinnen. Es ist alles nichts Näheres bekannt, ob es Kontaktversuche der Militäropposition zu Bürckel gegeben hat. Bürckel hatte in seinen Reden zur Volksabstimmung immer wieder den ehrlichen Friedenswillen des deutschen Reiches betont. Auch als die Sudetenkrise ihrem Höhepunkt zustrebte, betonte Bürckel die feste Entschlossenheit gegen jeden, der den Frieden stören wolle.

In England war Neville Chamberlain seit 1937 Premierminister. Schon sein Vorgänger Ramsay MacDonald begegnete Hitler mit der “Appeasement”-Politik, also einer Beschwichtigungspolitik. Dieses Konzept ein Nachgeben innerhalb bestimmter, als „vernünftig“ geltender Regeln vor und tat gleichzeitig Hitlers Attacken als bloß rhetorisch ab. Auch Edouard Daladier mehrfacher französischer Ministerpräsident, zuletzt wieder von 1938-1940 folgte den Briten mit dieser Politik. Die Tschechoslowakei musste einsehen,

dass sie keinen Bündnispartner mehr hatte, der bereit war, für sie zu kämpfen. Dafür hatte sie einen Nachbarn, der täglich zielstrebig das Feuer weiter schürte. Außerdem schlug Hermann Göring am 1. August dem ungarischen Botschafter vor, Ungarn solle ebenfalls Gebietsforderungen an die Tschechoslowakei stellen und auch Polen wurde ermuntert, dies zu tun.

Am 12. September sagte Hitler in seiner Abschlussrede zum Reichsparteitag. “wenn diese gequälten Kreaturen kein Recht und keine Hilfe selbst finden können, sie beides von uns bekommen können. Die Rechtlosmachung dieser Menschen muss ein Ende nehmen.”

(bezogen auf die Sudetendeutschen)(Aus Max Domarus (Hg)Hitler.Reden und Proklamationen 1932-1942 2 Bde. Neustadt an der Aisch, Bd I, S. 897-906, bes. S. 901). Diese Rede stieß im Sudetenland auf begeisterte Zustimmung, löste aber auch Unruhen aus,

bei denen es Tote gab. Daraufhin erklärte sich Chamberlain bereit, unverzüglich mit Hitler zusammenzutreffen. Obwohl Hitler Chamberlain mehrfach brüskiert. Schon die Tatsache, den Gast nicht an einem Ort in der Mitte zwischen Berchtesgaden und London zu treffen, sondern ihn zwingt, auf den Berghof zu reisen, war eine Zumutung. Dort empfängt er ihn  so, dass er bei der Begrüßung auf der Freitreppe zwei Stufenüber ihm steht, war ein diplomatischer Affront. Als Hitler vorbringt, Benes  wende Gewalt gegen

seine Landsleute im Sudetenland an, er lasse sich das nicht länger bieten und werde diese Frage in kürzester Zeit aus eigener Initiative lösen “so oder so”. Auf diese unverhohlene Drohung von Gewaltanwendung, droht der Gast seinerseits mit der Abreise.

Hitler muss nachgeben und wenigstens grundsätzlich in offenen Verhandlungen einwilligen. Damit war Hitlers Eskalationsstrategie zunächst mal gescheitert. Der geplante Angriff auf die Tschechoslowakei sollte als Reaktion auf vermeintliche antideutsche

Maßnahmen der Prager Regierung kaschiert werden. Lord Walter Runciman  war schon am 8. August als Sonderbotschafter nach Prag geschickt worden um dort den Stand der sudetisch-tschechischen Differenzen zu ermitteln und gegebenenfalls auch zu vermitteln.

Sein Bericht, den er am 21. September abgab, war für die Tschechen nicht sehr gut  “Mein Eindruck ist, dass die tschechische Verwaltung im Sudetengebiet, wenn sie auch in den letzten 20 Jahren nicht aktiv unterdrückend und gewiß nicht “terroristisch” war, dennoch einen solchen Mangel an Takt und Verständnis und so viel kleinliche Intoleranz und Diskriminierung an den Tag legte, dass sich die Unzufriedenheit der deutschen Bevölkerung unvermeidlich zu einem Aufstand fortentwickeln mußte”

Er gibt die Empfehlung ab,die Grenzbezirke mit überwiegend deutscher Bevölkerung unverzüglich von der Tschechoslowakei zu trennen und Deutschland anzugliedern.

Chamberlain hatte Hitler nach dem treffen auf dem Berghof zugesagt, die Frage des Selbstbestimmungsrechts für die Sudetendeutschen sofort mit seinem Kabinett in London zu beraten und dann zu einem zweiten Gespräch nach Deutschland zurückzukommen.

Chamberlain hatte ja kein Mandat der Tschechoslowakei. Er hatte auch noch keine Zustimmung der Tschechen für die Anschlussforderungen Henleins und Hitlers. Hitler sicherte aber zu, die Wehrmacht nicht marschieren zu lassen, so lange die deutsch-britischen Gespräche laufen. Am 19. September forderte die englische und französische Regierung nun auf, Gebiete mit mehr als 50% sudetendeutscher Bevölkerung an das Deutsche Reich zu übergeben. Das lehnte die Tschechoslowakei aber ab. Zwei Stunden später

erklärt Hodza aber, dass die Tschechoslowakei im Falle eines Krieges ohne britische Unterstützung zum nachgeben bereit wäre. Da England und Frankreich klarstellen, den Tschechen beizustehen, falls Deutschland angreift, hat die Tschechoslowakei keine Wahl

und muss nachgeben. Der englisch-französische Plan zur Abtretung der mehrheitlich von Sudetendeutschen bewohnten Gebiete wird akzeptiert, wenn auch “unter Schmerzen”. Der tschechische Staatspräsident Beneš hatte Frankreich noch einen

anderen Vorschlag gemacht, nämlich böhmische Landesteile mit 800-900.000 Sudetendeutschen an Deutschland abzutreten. Im Gegenzug sollten 1,5 bis 2 Millionen Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei nach Deutschland ausgesiedelt werden. Das findet

aber keine Zustimmung. Beneš  sucht nun Hilfe von der Sowjetunion. Da aber Polen und Rumänien keine Durchmarscherlaubnis für die Rote Armee in die Tschechoslowakei geben, ist auch von da keine Hilfe zu erwarten.Dass die Tschechoslowakei am 21. September die Abtretung des Sudetenlands akzeptiert hatte, machte den Weg frei für das zweite Treffen von Chamberlain und Hitler, diesmal in Bad Godesberg vom 22.-24.September. Chamberlain erklärt dass der französisch-britische Plan nur unter großen

Mühen und Druck zustande gekommen ist. Aber statt von Hitler Dank zu ernten sieht sich der englische Premierminister neue Forderungen Hitlers gegenüber. Er verlangt die gleichen Regelungen für die ungarische und die polnische Minderheit sowie die sofortige Besetzung der mehrheitlich von Sudetendeutschen bewohnten Zonen durch die Wehrmacht innerhalb von nur vier Tagen. In die Gespräche hinein wurde, die Nachricht bekannt, die Tschechoslowakei habe mobil gemacht. Chamberlain erklärte dies als tschechische Defensivmassnahme. Hitler interpretierte dies als aggressiven Akt der tschechoslowakischen Staatsführung. Auf deutscher Seite stehen nun sieben Divisionen. Hitler beharrt darauf, dass seine Forderungen bis zum1. Oktober erfüllt werden. Andernfalls so droht er, werde er die Sudetengebiete mit Gewalt besetzen. Dann gibt es plötzlich ein Vermittlungsangebot des italienischen Diktators Mussolini, das Hitler überhaupt nicht zu Pass kommt.Hitler lädt die Staats- und Regierungschefs aus Rom, Paris und London nach München ein.  Hitler sorgt dafür, dass die Tschechoslowakei, um die es ja geht, von den Verhandlungen ausgeschlossen bleibt. Es kommt zum “Münchner Abkommen “von 1938. Es ist keine Vereinbarung zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei sondern der drei Siegermächte des Ersten Weltkriegs. Diese  vereinbaren die Räumung der Sudetenlande mit der Tschechoslowakei. Sie haben ja auch in Saint-Germain-en-Laye die Auflösung der österreichischen Reichshälfte mi dem dort geschlossenen Staatsvertrag nach dem Ende des 1. Weltkriegs die Tschechoslowakei gegründet. Mit dem Abkommen gaben die damaligen Siegermächte ihre Zustimmung zum Anschluss des gesamten Sudetenlandes an das Deutsche Reich.

Teile der Wehrmacht standen zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft Hitler und seinen Kriegsplänen durch aus kritisch gegenüber. Im Laufe der Sudetenkrise bildete sich ein Widerstandskreis an dem Militärs aus dem Heer aber auch Beamte aus dem auswärtigen Amt beteiligt waren. Einer der wichtigsten Planer war der Abwehroffizier Hans Oster. Er hatte schon 1935 begonnen ein Netzwerk von Opponenten des NS-Regimes in Staat, Verwaltung und Sicherheitsorganen zu knüpfen. Auch sein Chef Wilhelm Canaris war an den Plänen für den Umsturz beteiligt. Ranghöchster Militär war Ludwig Beck, Generalstabschef des Heeres. Er hatte nach dem Hossbachprotokoll die Absicht des Führers kritisiert, die Tschechoslowakei so schnell wie möglich anzugreifen. Im August 1938 bat er um Enthebung von seiner Stellung und übergab am 27. August die Dienstgeschäfte an Franz Halder. Alle drei wurden später im Zuge des Attentates vom 20.Juli 1944 getötet, Beck direkt nach dem Attentat, als die ihm zugestandene Selbsttötung nicht glückte, Oster und Canaris kurz vor Kriegsende in Flossenbürg. Bei der “Septemberverschwörung” wurde geplant, dass Hitler am 28. September 1938 gefangen genommen und vor Gericht gestellt werden. Der Plan wurde dann noch so abgeändert, dass Hitler getötet werden sollte. Am 28. September kam aber die überraschende Nachricht von der Münchner Konferenz. Hitler hatte teilgenommen und der friedlichen Lösung der Sudetenfrage zugestimmt. Nicht nur, dass er alle seine Ziele erreicht hatte. Er stand nun auch noch als Wahrer des Friedens da. Die Verschwörer hatten ihre Waffe  Hitlers militärisches Abenteurertum verloren. Die Popularität des Führers hatte einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Verschwörer erholten sich von dieser Wende lange nicht. Nur ein kleiner Kern blieb zusammen. Erst mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg gelang es wieder Staatsstreichpläne zu schmieden, die über ein blosses Attentat hinausgingen. Der Gestapo wurden die Umsturzpläne vom September 1938 erst bekannt, als nach dem 20. Juli

Akten in einer Außenstelle des Amtes Abwehr in Zossen gefunden wurden.

Was hatte Hitler erreicht? Er hatte einen großen Gebietsgewinn erzielt. Er hatte  der Tschechoslowakei das Befestigungssystem abgenommen, neue Industrien gewonnen und Benes ins Exil gezwungen. aber er hatte mehr gewollt. Das Ziel war Prag.

Zwar hatte er in seiner Rede im Sportpalast am 26. September 1938 zwei Tage vor der Münchner Konferenz vollmundig erklärt, was er Chamberlain gesagt habe: “Ich habe ihm weiter versichert und wiederhole es hier, daß es – wenn dieses Problem gelöst ist ist — (gemeint ist das Problem “Sudetenland”)für Deutschland in Europa kein territoriales Problem mehr gibt! “(online in www.ns-archiv.de/krieg/1938 )

Aber  nur drei Wochen später gibt er den Geheimbefehl zur Erledigung der “Resttschechei” Am 1. Oktober besetzen deutsche Truppen das Sudetenland. Vom 2.bis 10. Oktober besetzten polnische Truppen das Olsagebiet. Das ist in etwa das Gebiet des Herzogtums

Teschen im Habsburger Reich. Die Polen leiteten ihren Anspruch aus dem Zusatzabkommen zum Münchner Abkommen ab. “Sobald die Frage der polnischen und ungarischen Minderheiten in der Tschechoslowakei geregelt ist, werden Deutschland und Italien ihrerseits der Tschechoslowakei eine Garantie geben. “ Auch Ungarn machte daraus seine Ansprüche geltend und erhielt durch den Ersten Wiener Schiedsspruch vom 2. November 1938 den die Außenminister des Deutschen Reichs Ribbentrop und Italiens Ciano beschlossen hatten, in der Südslowakei und in der Karpatoukraine, wo eine ungarische Bevölkerungsmehrheit lebte, Gebiete zugesprochen.Berlin arbeitete weiter gezielt an der Destabilisierung der Tschechoslowakei. In der folge der Abtretungen musste die

Regierung den Provinzen Slowakei und Ruthenien eine umfassende Autonomie mit eigenem Parlament und eigener Regierung zugestehen. In der Slowakei war man damit aber nicht zufrieden. Slowakische Extremisten strebten eine Loslösung von der Tschechoslowakei mit totaler Selbstständigkeit an, voll unterstützt von Berlin. In einem Gespräch mit Ďurčanský, 1939-1940 Innen-und Außenminister des Slowakischen Staates sagte Hermann Göring: “Eine Tschechei ohne Slowakei ist uns, noch mehr, restlos

ausgeliefert.”(IMG Internationaler Militärgerichtshof Bd. III S. 171)

Seyss-Inquart schaltete sich ein. Er genoss bei den slowakischen Politikern Sidor, Tiso und Hlinka ein gewisses vertrauen, da er sich bei den Verhandlungen zum Wiener Schiedsspruch erfolgreich für die slowakischen Interessen eingesetzt hatte. Für ihn sprach auch, dass er wie  die slowakischen Politiker  eine katholische, konservative Herkunft hatte. Für Seyss-Inquart war es die Gelegenheit, verlorenen Boden gutzumachen.Aber auch Bürckel  mischte mit.

Am 9. März ließ Hacha, der seit dem Rücktritt von Benes Präsident der Tschechoslowakei war, die Slowakei besetzen. Die Zentralregierung setzte Tiso ab. Neuer slowakischer Regierungschef wurde Sidor. Berlin betrachtete auch nach seiner Absetzung Tiso noch als

legitimen Vertreter. Außerdem lehnte Sidor die Ausrufung der Selbstständigkeit der Slowakei ab.  Nun sollte Tiso den Slowakischen Staat ausrufen. Agenten des SD luden Tiso offiziell ein nach Berlin zu kommen. Auch ein Gespräch mit Hitler wurde in Aussicht gestellt. In Begleitung von Ďurčanský und Keppler traf er am 13. März in Berlin ein. Er hatte sich vorher von der neuen slowakischen Regierung die Zustimmung zur Reise nach Berlin geben lassen. Ribbentrop und Hitler verlangen von Tiso eine unverzügliche Entscheidung ob die Slowakei selbstständig werden wolle. Gleichzeitig informieren sie ihn über den ungarischen Truppenaufmarsch an der Slowakei. Doch auch Tiso will die Selbstständigkeit der Slowokei auf legalem Weg erreichen.

Er hatte schon vor seinem Abflug nach Berlin den slowakischen Landtag für den nächsten Tag einberufen. Tiso ist am nächsten Tag in Pressburg zurück. In einer kurzen Rede informiert er den Landtag über sein Gespräch in Berlin. Die Regierung Sidor tritt zurück.

Tiso erklärt “Kraft des Selbstbestimmungsrecht der Völker erkläre ich hiermit die Unabhängigkeit der Slowokei (nach Benoist-Méchin, Histoire de l’armée allemande Bd. 6, S. 65) Alle Abgeordneten erheben sich zum Zeichen der Zustimmung.

Am 18. März wurde zwischen der Slowakei und dem Deutschen Reich ein “Schutzvertrag” abgeschlossen.

Die Erledigung der  Resttschechei war nun auch rasch über die Bühne gegangen. Schon am 14. März überschreiten deutsche Soldaten die tschechische Grenze und besetzen Mährisch-Ostrau. Hácha war nach Berlin gebeten worden, wobei es so arrangiert worden war,

als ob der Gesprächswunsch von den Tschechen ausgegangen wäre. Es war nun keine Verhandlung die folgte, sondern ein Diktat. Hitler erklärt dem tschechischen Präsidenten, dass er den Befehl gegeben habe, in die Rest-Tschechoslowakei einzurücken und das es nur zwei Möglichkeiten gebe, entweder die tschechische Armee leiste keinen Widerstand, dann würde er der Tschechoslowakei die größtmögliche Autonomie gewähren, mehr als sie im Habsburger Reich gehabt hätte. Falls die Armee widerstand leiste, werde sie mit allen zur Verfügung stehenden Mittel vernichtet werden.Der aus dem Urlaub herbeigerufene Generalfeldmarschall setzt mit der Drohung nach, Prag bombardieren zu lassen. Hácha gibt nach und unterschreibt am frühen morgen eine Erklärung, dass er” das Schicksal des tschechischen Volkes vertrauensvoll in die Hände des Führers des Deutschen Reiches legt” (ADAP, Serie D, Bd.IV, Dokument 229)

Bis zum Abend hat die Wehrmacht die Landesteile Böhmen und Mähren besetzt. Am Abend traf Hitler in Prag ein. aus der Tschechoslowakei war das Protektorat Böhmen und Mähren geworden. Zum Reichsprotektor wird Konstantin Freiherr von Neurath bestellt.

Bürckel wurde Chef der Zivilverwaltung in Mähren mit Sitz in Brünn.

Die Zerschlagung der Tschechoslowakei wird international als Bruch des Münchner Abkommens angesehen. England, Frankreich, Polen, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion erkennen die faktische Annexion nicht an. Die USA verhängten ab dem 17. März

1939 einen Strafzoll in Höhe von 25 % auf alle deutschen Importe. Folgenreichste Entscheidung wie sich bald zeigen sollte, war eine Garantieerklärung, die England und Frankreich dem polnischen Staat am 31. März gaben.

Die Angliederung Böhmens und Mährens ohne Krieg, die Untätigkeit der Regierungen in London, Paris und Moskau sieht Hitler als Schwächezeichen und zieht den falschen Schluss, dass sie nicht in der Lage seien, sich zu einer Abwehr durchzuringen. Bestärkt wird er

in seiner Annahme dass die Botschafter Francois-Poncet und Henderson wiederholt militärisches Eingreifen angedroht hatte. Passiert war aber nichts.

Noch einmal fällt ein weiteres Gebiet ans Reich zurück. 1920 war das Memelland abgetrennt worden. Es wurde als Völkerbundsmandat unter französische Verwaltung gestellt. 1923 drangen litauische Soldaten und Freischärler in das Memelgebiet ein und vertrieben 200 französische Soldaten. Die Ständige Botschafterkonferenz der Siegermächte legt Protest ein. Litauen weigerte sich jedoch, das Memelland herauszugeben. Die Siegerstaaten gaben nach und übertrugen am 16. Februar 1923 die Souveränität über das Memelgebiet an Litauen. Der Völkerbund schloss aber nun mit dem Land Litauen die Memelkonvention .Als Anhang gehörte dazu das Memelstatut. Die litauische Regierung ist durch einem Gouverneur im Memelland vertreten. Ohne dass sie befragt wurden, werden die Memelländer Litauer. Ständige Reibereien sind an der Tagesordnung. Nach dem Österreich und das Sudetenland an das Deutsche Reich angeschlossen worden waren, wollen auch die Memelländer “heim ins Reich”.

Litauen will sich  nun seinen Anspruch auf das Memelland von Frankreich und England garantieren lassen, erhält die Garantie aber nicht.  Am 31. Oktober 1938 will Litauen die deutsch-litauischen Beziehungen neu zu gestalten und bittet um eine

Erklärung  Deutschlands  zur Unverletzbarkeit des litauischen Staatsgebiets. Da dies praktisch einen Verzicht auf das Memelland bedeutet, kommt diese Erklärung natürlich nicht. Vor weiteren Gesprächen verlangt Deutschland aber erst einmal die

völlige Einhaltung der Autonomie für das Memelland. Am 1. Dezember erklärt Litauen die Bereitschaft, dem Memelgebiet die volle Autonomie zu geben. Im Außenministerium werden zwei Vertragsentwürfe entworfen. Im Entwurf I steht

die Rückkehr des Memellands zu Deutschland  als Gegenleistung einen litauischen Freihafen und Wirtschaftsprivilegien in Memel. Entwurf II sieht nur die volle Autonomie für das Memelland vor. Am 11. Dezember 1938 finden wieder Wahlen statt.

die deutsche Liste erhält 87 % der Stimmen, was man auch als Votum der Bevölkerung für den Anschluss an das reich werten könnte. Am 20. März 19139 reist der litauische Außenminister Urbšys  nach Berlin. Dort wird er von Ribbentrop vor die Wahl

gestellt die Streitfrage gütlich zu lösen. Litauen gibt das Memelland zurück, dafür erhält es einen Freihafen. Falls nicht, haben die Militärs das Wort. Am Tag darauf berät das litauische Kabinett darüber. Am 22. März 1939 schließen Litauen und das Deutsche

Reich darüber einen Vertrag ab.

Heimkehr Memel

 

Danach ging es zielstrebig der nächsten militärischen Auseinandersetzung entgegen. Am 11. April gibt Hitler die “Weisung für die einheitliche Kriegsvorbereitung der Wehrmacht für 1939/40”. Darin ist der Fall Weiss, der die Planung für einen Angriff auf Polen enthielt.

Die englisch-französische Garantieerklärung für Polen, sowie die Weigerung Polens Zugeständnisse in der Korridor- Frage zu machen, nahm Hitler zum Anlass, am 28. April sowohl das englisch-deutsche Flottenabkommen als auch den Nichtangriffspakt mit Polen zu kündigen.

Am 23. Mai 1939 berief er die Oberbefehlshaber der Wehrmacht auf dem Oberberghof ein. Dort erklärte er den versammelten Kommandeuren, dass eine Auseinandersetzung mit Polen unvermeidlich sei und auch worum es vor allem gehe.

“Danzig ist nicht das Objekt, um das es geht. Es handelt sich für uns um die Erweiterung des Lebensraumes im Osten und Sicherstellung der Ernährung, sowie der Lösung des Baltikum- Problems. Lebensmittelversorgung ist nur von dort möglich, wo geringe Besiedelung herrscht. Neben der Fruchtbarkeit wird die deutsche, gründliche Bewirtschaftung die Überschüsse gewaltig steigern. “ (NS-Archiv, 23.05.1939).

Am 23. August 1939 unterzeichneten Ribbentrop und Molotow in Moskau in Anwesenheit Stalins den Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt. Er stand zwar im Widerspruch zu Hitlers bisherigen antibolschewistischen Haltung. Aber er vereitelte

die britisch-französischen Bestrebungen die Sowjetunion in eine Allianz gegen das nationalsozialistische Deutschland einzubinden. Vor allem hielt er ihm den Rücken frei zu einem Überfall auf Polen.

Im Geheimen Zusatzprotokoll wird auch die Aufteilung, Ausbeutung und Unterdrückung Europas durch das nationalsozialistische Deutschland und die stalinistische Sowjetunion aktenkundig gemacht.

“Aus Anlass der Unterzeichnung des Nichtangriffsvertrages zwischen dem Deutschen Reich und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben die unterzeichneten Bevollmächtigten der beiden Teile in streng vertraulicher Aussprache die Frage der Abgrenzung der beiderseitigen Interessenssphären in Osteuropa erörtert. Diese Aussprache hat zu folgendem Ergebnis geführt:

  1. Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung in den zu den baltischen Staaten (Finnland, Estland, Lettland, Litauen) gehörenden Gebieten bildet die nördliche Grenze Litauens zugleich die Grenze der Interessenssphären Deutschlands und der UdSSR. Hierbei wird das Interesse Litauens am Wilnaer Gebiet beiderseits anerkannt.
  2. Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung der zum polnischen Staate gehörenden Gebiete werden die Interessenssphären Deutschlands und der UdSSR ungefähr durch die Linie der Flüsse Narew, Weichsel und San abgegrenzt.
    Die Frage, ob die beiderseitigen Interessen die Erhaltung eines unabhängigen polnischen Staates erwünscht erscheinen lassen und wie dieser Staat abzugrenzen wäre, kann endgültig erst im Laufe der weiteren politischen Entwicklung geklärt werden.
    In jedem Falle werden beide Regierungen diese Frage im Wege einer freundschaftlichen Verständigung lösen.
  3. Hinsichtlich des Südostens Europas wird von sowjetischer Seite das Interesse an Bessarabien betont. Von deutscher Seite wird das völlige politische Desinteressement an diesen Gebieten erklärt.
  4. Dieses Protokoll wird von beiden Seiten streng geheim behandelt werden.

Moskau, den 23. August 1939.” (NS-Archiv, 23.8.1939)

Ab Ende August inszenieren SS-angehörige als polnische Freischärler getarnt immer wieder Grenzzwischenfälle. Die bekannteste war der angebliche Überfall auf den Sender Gleiwitz. Am 1. September erfolgt der Angriff auf Polen.

Im Reichstag hält Hitler die berühmte Rede:”Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen! Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten! Wer mit Gift kämpft, wird mit Giftgas bekämpft. Wer selbst sich von den Regeln einer humanen Kriegsführung entfernt, kann von uns nichts anderes erwarten, als dass wir den gleichen Schritt tun. Ich werde diesen Kampf, ganz gleich, gegen wen, so lange führen, bis die Sicherheit des Reiches und bis seine Rechte gewährleistet sind” Er hatte eigentlich fest damit gerechnet, dass

England und Frankreich “nur mit dem Säbel rasseln” würden. Umso mehr war er erschüttert, als ihm die beiden Westmächte noch am Abend des 1. September eindeutige Ultimaten überreichen ließen und am 3. September den Krieg erklärten.

Allerdings griffen sie noch nicht aktiv in den Krieg ein. An Kopfstärke gemessen Angreifer waren der polnischen Armee gleich. Rüstungstechnisch und an Beweglichkeit war die Wehrmacht aber weit überlegen. Das taktische Konzept war von dem Zusammenspiel von Luftwaffe und Heer bestimmt. Vom ersten Tag an führte die Wehrmacht den Krieg mit grausamer Härte. Schon am 6. Oktober kapitulierten die letzten Truppenteile. Die Sowjetunion und Deutschland teilten Polen unter sich auf, wie sie es in ihrer Zusatzvereinbarung zum Nichtangriffspakt abgemacht hatten. Die deutsch besetzten Gebiete wurden als Danzig-Westpreussen und Wartheland als Reichsgaue in das Deutsche Reich inkorporiert. Was nicht in der sowjetischen Interessensphäre lag, wurde

“Restpolen” in einem Generalgouvernement okkupiert und ausgebeutet.

Im Westen kam es zunächst zum Sitzkrieg oder französisch drôle de guerre. Frankreich startete am 9. September die Saaroffensive und überschritt im Saarland die Grenze. Die Wehrmacht zog sich hinter den Westwall zurück. Frankreich war nicht auf einen

Offensivkrieg vorbereitet und auf deutscher Seite gab es einen Führerbefehl, der untersagte, die Grenze ohne ausdrückliche Genehmigung Hitlers zu überschreiten. Man wollte auf jeden fall einen Zweifrontenkrieg vermeiden.

Am 9. April 1940 begann das Unternehmen “Weserübung”. Das war die Besetzung Norwegens und Dänemarks zum einen um sich die Häfen Norwegens zu sichern, zum andern um eine Seeblockade zu verhindern. Außerdem sollte die Kontrolle der Ostseezugänge

und vor allem die Eisenerzversorgung aus Schweden gesichert werden. Am 10. April 1940 begann der insgesamt 29 mal verschobene Westfeldzug. Am 10. Januar gelangten die Belgier und damit auch die Engländer und Franzosen in Besitz des Plans für einen wichtigen Teil des deutschen Einfalls in Frankreich und der Niederlande. Ein Kurier sollte die Unterlagen zu einer Stabsbesprechung nach Köln bringen. Dort wurde er aufgehalten. Er erhielt ein Angebot in einer Kuriermaschine der Luftwaffe mitzufliegen.

Er nahm es an trotz strengen Verbotes, Geheimsachen auf dem Luftweg zu befördern. Der Pilot verflog sich bei dichtem Nebel und landete in Belgien. Bevor die Akten vernichtet werden konnten, trafen belgische Gendarmen ein. Daraufhin wurde ein völlig

neuer Angriffsplan ausgearbeitet. Erich von Manstein erarbeitete den “Sichelschnittplan” . Statt wie leicht vorauszuberechnen ähnlich wie im Schlieffenplan im 1. Weltkrieg in einer Umfassungsbewegung durch Belgien nach Frankreich vorzustoßen,

änderte er die Angriffsrichtung. Der Angriffsschwerpunkt sollte nun in den Ardennen liegen. Diese bewaldete Bergland schien Frankreich nicht für einen Panzerangriff geeignet zu sein. Entsprechend schwach waren die dort postierten Einheiten.

Das Überraschungsmoment war voll auf deutscher Seite. Zwar gelang es den Belgiern fast alle Brücken zu sprengen. Obwohl das Marschtempo so erheblich eingeschränkt wurde, erreichten die Spitzen der Panzertruppe General Guderians bereits am 12. Mai die Maas. Am 18. Mai war bereits die Kanalküste erreicht. Am 24. Mai wurde Dünkirchen erreicht. Dort war das britische Expeditionskorps. Es konnte aber entkommen, nicht zuletzt wegen des Haltebefehls, den Rundstedt gegeben hatte. 338.000 Mann konnten übergesetzt werden. In Frankreich hinterließ die Evakuierung aber auch ein Gefühl des Im Stich gelassen seins. Der Krieg in Frankreich war rasch zu Ende. Am 14. Juni marschierte die Wehrmacht in Paris ein. Am 22. Juni wurde in Compiegne der Waffenstillstand geschlossen. Hitler machte daraus seinen persönlichen Triumph. Schon der Ort war mit Bedacht ausgewählt. Dort hatte 22 Jahre zuvor Matthias Erzberger die deutsche Kapitulation unterschreiben müssen. Sogar den Waggon in dem das stattgefunden hatte,

hatte Hitler aus dem Museum holen lassen und auf die Gleise stellen lassen. Die “Vorrede” zum Waffenstillstandsabkommen drückt genau dieses aus.

“Wenn zur Entgegennahme dieser Bedingungen der historisch Wald von Compiègne bestimmt wurde,  dann geschah es, um durch diesen Akt einer
wiedergutmachenden Gerechtigkeit — einmal für- immer – eine Erinnerung zu löschen, die für Frankreich kein Ruhmesblatt seiner Geschichte war, vom
deutschen Volke aber als tiefste Schande aller Zeiten, empfunden wurde. (online unter www.zaoerv.de)

Der Sieg über Frankreich wurde vom Nationalsozialismus als dreifacher Triumph empfunden. Einmal war es das Ende eines Ringens über drei Jahrhunderte hinweg. Und Deutschland war schließlich siegreich geblieben. Ludwig XIV. hatte den Kampf

um die Rheinlinie begonnen. Stück um Stück ging in dessen Verlauf für das Deutsche Reich verloren. Dann war es der Sieg “über die abgelegten Ideale” von 1789, über die “Untermenschenrevolution” (Zitat aus Das Schwarze Korps, vom 22.08. 1940)

mit Postulaten der Menschenrechte, der parlamentarischen Regierungsform, der Demokratie, “den sanften Idealen und der brutalen Wirklichkeit” (Eugen Mündler im “Reich” vom 21.7. 1940). Auch über die Urheber und Hüter der Versailler Ordnung wurde triumphiert. Frankreich und England hatten ja den Völkerbund dominiert und dabei die kleinstaatliche Klientel bedient. Im kleinen Kreis wurden nun die Pläne für die Aufteilung Frankreichs erörtert. Burgund stand im Blickpunkt der publizistischen Vordenker.

Gehörte es ihrer Meinung nach zum  “germanischen Kreis” wie die Champagne und Elsass-Lothringen. Himmler hatte in Burgund die deutschen Südtiroler ansiedeln wollen. In Elsass-Lothringen wurde eine Politik der Rückgliederung schon in den ersten

Anordnungen der Militärverwaltung im Jahre 1940 erkennbar. Das Vorgehen wurde gleichermaßen bestimmt durch das Verlangen nach Wiedergutmachung der Inbesitznahme von 1681 und 1918 wie auch dem germanischen Blut-und Rassemythos.

Man führte den Begriff des volksdeutschen Elsass-Lothringer ein, um die alteingesessene Bevölkerung von der 1918 zugewanderten französischen Bevölkerung zu unterscheiden. (zu diesem kurzen Abschnitt der Aufsatz “Nationalsozialistische Europaideologie”

von Paul Kluke in Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte online www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1955_3_2_kluke.pdf)

Zurück zu Bürckel.

Am 2. 8. 1940 unterzeichnete Hitler einen Geheimerlass. Damit ernannte er die Gauleiter Bürckel Westmark und Wagner Baden als Chefs der Zivilverwaltung CdZ in Lothringen bzw. im Elsass.(Institut für Zeitgeschichte Fb 91 Fotokopie) Wie das schon bei Bürckel in Österreich geschehen war, wurden sie einerseits Hitler unmittelbar unterstellt andererseits waren sie an die fachlichen Weisungen der obersten Reichsbehörden gebunden. Dies zeigte, dass Hitler gewillt war, Elsass-Lothringen dem Deutschen Reich einzuverleiben. In einer Besprechung mit den beiden Gauleitern erläuterte Hitler seine Zielvorstellung, dass Elsass-Lothringen in 10 Jahren völlig deutsche Gebiete würden.

Am 2. August 1940 wurde Bürckel in seinen Funktionen als Gauleiter und Reichsstatthalter durch Baldur von Schirach abgelöst. Dieser war vorher Reichsjugendführer. Nach seiner Ernennung zum Gauleiter von Wien wird er Beauftragter der für die Inspektion der

gesamten HJ. Außerdem wird er ab September mit der Kinderlandverschickung beauftragt. Während des Zweiten Weltkriegs waren rund 5 Millionen Kinder und Jugendliche aus den durch Luftangriffen bedrohten Städten evakuiert worden.

In Wien wurde Bürckel keine Träne nach geweint, weder von den Wienern noch von vielen Parteifunktionären. Wie schon öfters gezeigt stieß er öfters auch mit Ministern zusammen, da er von niemanden einen Kompetenzrahmen respektierte,

wenn es um die Durchsetzung seiner Vorstellungen ging. Er konnte sich das leisten, da er bei Hitler in höchstem Ansehen stand und von dort praktisch immer Rückendeckung erhielt. In Wien kam seine joviale Pfälzer Art nicht an. Hinter vorgehaltener

Hand sprach man vom “Bierleiter Gauckel”, womit auch auf seine Affinität zum Alkohol angespielt wurde. Am 10. August wurde er offiziell verabschiedet. Von Heß bekam er ein persönliches Schreiben von Hitler überreicht. Er erhielt zahllose Geschenke.

Der Dr.Ignaz-Seipel-Ring wurde in Josef-Bürckel-Ring umbenannt. Allerdings erhielt er am 27. April 1945 seinen alten Namen zurück.

 

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Ein weiteres Kapitel bleibt mit dem Namen der beiden Gauleiter verbunden, nämlich die Deportation von rund 6500 badischer und pfälzer Juden nach Gurs.  In der Nacht vom 20. auf 21. Oktober 1940 zum Abschluss des Laubhüttenfestes musste sich die

jüdische Bevölkerung reisefertig machen. Sie hatte dazu nur rund 2 Stunden Zeit. Nur 50 Kilo Gepäck und eine Barschaft von 100 Reichsmark durfte mitgenommen werden. In sieben Eisenbahnzügen aus Baden und zwei aus der Pfalz wurden die Deportierten nach

Gurs am Fuß der Pyrenäen deportiert. Organisiert hatte die Züge Adolf Eichmann. Gurs war ursprünglich als Internierungslager für politische Flüchtlinge und Kämpfer im Spanischen Bürgerkrieg eingerichtet worden. Für so viele Menschen war

das Lager ursprünglich natürlich nicht vorgesehen. Entsprechend katastrophal waren die hygienischen Bedingungen. Im Schnitt starben täglich sieben Menschen. Die beiden Gauleiter aber konnten am Abend der Deportation stolz nach Berlin

melden “Mein Gau ist judenfrei”. Ab September 1941 wurde mit den ersten Vergasungen in Auschwitz begonnen. Ab August 1942 wurden die Insassen, die bisher in Gurs überlebt hatten, in die Vernichtunsglager im Osten weiter transportiert und

dort umgebracht.

Vor den letzten Lebensjahren von Bürckel nochmal ein Blick auf das Gesamtgeschehen.

Nachdem Frankreich kapituliert hatte, ging der Krieg trotzdem weiter, weil  Großbritannien das sogenannte Friedensangebot vom 19. Juli 1940 nicht annahm. Mit der Weisung 16 vom 16.Juli 1940 hatte Hitler die Vorbereitung zu einer Landungsoperation

gegen England vorzubereiten, die dann unter dem Namen Unternehmen Seelöwe lief. Die Vorbereitung sollte Mitte August abgeschlossen sein. “Die englische Luftwaffe muss moralisch und tatsaechlich so weit niedergekaempft sein, dass sie keine nennenswerte Angriffskraft dem deutschen Uebergang gegenueber mehr zeigt. “ hieß es in der Weisung. Am 2. Juli begann nun Göring die “Luftschlacht um England”. Zunächst erfolgte eine begrenzte Offensive gegen die Schifffahrt im Ärmelkanal. Ziel war auch, die

RAF durch die Vernichtung ihrer Flugzeuge in der Luft zu schlagen.Aber die deutsche Luftwaffe erlitt  sehr schnell große Verluste. Zwar konnte die Luftwaffe die Luftwaffe die Infrastruktur der britischen Armee schädigen, aber sie schaffte es weder die Lufthoheit zu erringen, noch dauerhaft das britische Potential an Flugzeugen und Piloten dauerhaft auszuschalten.Göring und Hitler hatten sich entschieden, London anzugreifen. Auch die Industriestädte Coventry und Birmingham waren Ziel der Angriffe.

Aber man schaffte es nicht, die Industrie entscheidend zu treffen oder die Bevölkerung zu demoralisieren. Die RAF und ihre Stützpunkte blieben durch die Zielverlagerung aber verschont. Die ohnehin bescheidenen Ressourcen an Menschen und Material wurden weiter zersplittert. Die Luftwaffe war so an keiner Front schlagkräftig genug, um den englischen Widerstand zu brechen. Eine weitere Folge war, dass die ins Auge gefasste Landungsoperation auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste.

Erstmals war es Hitler nicht gelungen, einem Land seinen willen aufzuzwingen.

Dafür dachte er an einen Angriff auf die Sowjetunion. “Lebensraum im Osten”. Schon in “Mein Kampf” hatte er geschrieben: “Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewußt einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir schließen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über zur Bodenpolitik der Zukunft. Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Rußland und die ihm untertanen Randstaaten denken” (Adolf Hitler: Mein Kampf. Zwei Bände in einem Band. S. 742.)

So gab er am 18. November 1940 die Weisung Nr. 21 “Fall Barbarossa” heraus

“Die deutsche Wehrmacht muss darauf vorbereitet sein, auch vor Beendigung des Krieges gegen England Sowjetrussland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen (Fall Barbarossa).

Das Heer wird hierzu alle verfügbaren Verbände einzusetzen haben mit der Einschränkung, dass die besetzten Gebiete gegen Überraschungen gesichert sein müssen.” (online www.1000dokumente.de). Das war er konkrete Angriffsplan.

Italien seit dem Dreimächtepakt, der am 27. September 1940 in Berlin zwischen Italien, Japan und Deutschland geschlossen worden war, Deutschlands Kriegsverbündeter führte seit September 1940 einen Parallelkrieg in Nordafrika und im Mittelmeerraum.

Mit Verspätung startete am 9. September eine italienische Offensive gegen das von Großbritannien besetzte Ägypten. Ziel war es, den Suezkanal unter Kontrolle zu bringen. Nach Anfangserfolgen kam die Offensive ins Stocken und blieb weit hinter den

Erwartungen zurück. Am 28. Oktober begann Italien mit der Invasion in Griechenland. Das verbesserte die Lage in Ägypten natürlich nicht, sondern lenkte lediglich die Aufmerksamkeit ab. Mussolini glaubte an einen raschen Sieg. der Einmarsch entwickelte

sich aber zu einem Fiasko für den Duce. Die griechischen Truppen waren gut organisiert und kannten sich in dem schwierigen Gelände natürlich bestens aus. Die Italiener wurden in nur 14 Tagen über die Grenzen Albaniens zurückgedrängt.

In Nordafrika hatte Großbritannien einen erfolgreichen Gegenangriff zur Rückeroberung gestartet. Dieser verlief so erfolgreich, dass die italienische 10. Armee in Nordafrika fast vollständig aufgerieben wurde. Hitler zögerte lange, weil es natürlich den

geplanten Feldzug gegen Russland beeinträchtigte. Am 11. Januar gab er  mit der Weisung Nr. 22 schließlich den Einsatzbefehl für das Afrikakorps unter General Erwin Rommel. Rommels Meinung stand in krassem Gegensatz zu der des italienischen

Generals Gariboldi, der auf Defensive setzte. Rommel begann am 31. März eigenmächtig den Vormarsch und warf mit seiner Taktik des mobilen Wüstenkriegs die englischen Truppen rasch 800 Kilometer zurück und kam erst bei Tobruk zum Stehen.

Rommels Truppen waren allerdings zu schwach, um Tobruk einzunehmen. Nach schweren Verlusten befahl Rommel, die Eroberung dieser Hafenstadt zunächst zurückzustellen. Da das Afrikakorps mit schweren Versorgungsengpässen zu kämpfen hatte,

konnte man keine weiteren Vorstöße in Richtung Osten machen. Es kam zum Stellungskrieg bei Tobruk/Sollum. Im November begann Großbritannien mit der Operation Crusader. Die Besatzung von Tobruk konnte ausbrechen und es gelang den Engländer,

die deutschen Truppen fast auf ihre Ausgangsstellungen in der Cyrenaika zurückzuwerfen. Von Malta aus hatten britische U-Boote und Flieger die italienischen und deutschen Nachschubwege nach Nordafrika massiv gestört.

Anfang Januar flog nun die Luftflotte 2 Angriffe auf wichtige Knotenpunkte in Malta. Nun lief der Nachschub für eine Zeit wieder störungsfrei und Rommel konnte wieder die Initiative zurückgewinnen. Frisch herangeführte Verstärkungen und die Luftunterstützung ermöglichten ihm den Gegenangriff. Am 26. Mai startete eine neue Offensive mit dem Ziel Tobruk zu erobern. Das gelang am 20. Juni 1942. Die NS-Propaganda feierte diesen Handstreich und Rommel wurde zum Generalfeldmarschall befördert.

Die Panzertruppen kamen bis El Alamein. das ist 100 Kilometer vor Alexandria.Die Stadt sollte genommen werden und der Suezkanal besetzt werden. Hitler plante bereits, nach der Einnahme des Suezkanals weiter nach Vorderasien und bis nach Indien

Bundesarchiv_Bild_101I-786-0327-19,_Nordafrika,_Erwin_Rommel_mit_Offizieren

vorzustoßen und von dort die englischen Kolonien zu bedrohen. Soweit kam es aber nicht. die Engländer hatten vor El Alamein einen Verteidigungsgürtel aufgebaut. Südlich davor war sumpfiges Gelände, so dass der Gürtel nicht umgangen werden konnte.

Versorgungsengpässe waren aufgetreten. Die Offensive blieb stecken. Rommel wollte nun im August die Entscheidung erzwingen. Aber entgegen der Erwartungen war die Nachschubversorgung wesentlich schlechter geworden, da britische U-Boote immer mehr Schiffe versenken konnten. Außerdem war es dem britischen Nachrichtendienst gelungen, wichtige Erkenntnisse aus der Entschlüsselung des verschlüsselten geheimen deutschen Nachrichtenverkehrs zu gewinnen. So kannte die britische Armee bereits

vor dem Angriff der Deutschen die Angriffsschwerpunkte. So war der Widerstand wesentlich stärker. die angestrebten Ziele wurden nicht erreicht und der gewonnene Boden musste wieder aufgegeben werden.

Am 13. August 1942 übernahm Bernhard Montgomery den Oberbefehl über die 8. Armee, die in Nordafrika kämpfte. Am 23. Oktober startete er bei El Alamein den Gegenangriff gegen die Achsenmächte. Die kräftemäßig unterlegenen deutschen und Italiener wurden zum Rückzug nach Libyen gezwungen. Am 8. November 1942 landeten in Marokko und Algerien 100.000 Mann frische Kräfte aus Amerika und Großbritannien. Nun wurde ein Zweifrontenkrieg gegen das Afrikakorps eröffnet. Tobruk fiel am

13. November wieder an die Briten zurück. An der Ostfront (dazu später) war die Lage ebenfalls kritisch geworden das Desaster von Stalingrad bahnte sich an. Das Oberkommando der Wehrmacht konnte deshalb dem Afrikakorps kaum Verstärkung anbieten.

Das Kräfteverhältnis hatte sich inzwischen total verändert. Den Truppen der Achsenmächte standen 500.000 alliierte Soldaten gegenüber. Das waren doppelt soviel. Dazu verfügten die Alliierten über die vierfache Zahl an Panzern und die totale Luftüberlegenheit.

Ende Januar musste Libyen aufgegeben worden. Im März und April wurden die Soldaten der Achsenmächte eingeschlossen. Rommel flog nach Deutschland und schlug Hitler vor, das Afrikakorps nach Europa zurückzuziehen. Hitler blieb stur und verweigerte das wütend.Die Folge 230.000 Mann gerieten in Kriegsgefangenschaft. Die alliierten hatten nun die Kontrolle über den Mittelmeerraum und damit gute Voraussetzungen für die Landung auf Sizilien.

Auch auf dem Balkan hatte das militärische Vorgehen Italiens Hitler zum Eingreifen gezwungen, obwohl seit November 1940 Russland das Ziel war. Im Herbst hatten Italien und Deutschland die Balkanländer umworben. Schon vor dem Krieg waren sie wichtige

Rohstoff-und Nahrungsmittellieferanten. Am 27. Mai 1940 wurde der Öl-Waffen Pakt abgeschlossen. Er sah rumänisches Öl gegen deutsche Waffen vor. Es war vor allem für die deutsche Seite ein profitables Geschäft. Der Pakt legte eine feste Preisrelation für die von  Rumänien zu liefernden Mineralölerzeugnissen und den Waffen, die es dafür bekam fest und zwar unabhängig von den jeweiligen Tagespreisen am Markt. Am 23. November schließlich trat Rumänien dem Dreimächtepakt bei, um sich vor einer sowjetischen

aber auch vor einer deutschen Aggression zu schützen. Bulgarien hatte unter Zar Boris der Deutschen Wehrmacht zunächst ein Durchmarschrecht nach Griechenland eingeräumt. Am 1. März 1941 trat es dem Pakt bei. Am 25. März 1941 trat schließlich

noch das Königreich Jugoslawien bei unter Prinz Paul ein. Allerdings kam es zwei Tage später zu einem probritischen Militärputsch. Hitler akzeptierte den Versuch der neuen Regierung unter General Simovic nicht, zu einer neutralen Politik zurückzukehren und

begann am 6. April 1941 mit dem Angriff auf Jugoslawien. In der Weisung 25 vom 27.3.1941 hört sich das so an “Der Militärputsch in Jugoslawien hat die politische Lage auf dem Balkan geändert. Jugoslawien muss auch dann, wenn es zunächst Loyalitätserklärungen abgibt, als Feind betrachtet und daher so rasch als möglich zerschlagen werden.” Der Angriff auf Griechenland begann zur selben Zeit. Beide Staaten waren ohne Kriegserklärung oder vorheriges Ultimatum angegriffen worden. Insgesamt kämpften 33 Divisionen mit

680.000 Mann auf deutscher Seite. Belgrad wurde schon am 12. April eingenommen. Am 17. April kapitulierten die jugoslawischen Streitkräfte. Jugoslawien wurde in 10 Teile mit unterschiedlichem staatsrechtlichen Status aufgeteilt. Kroatien erklärte sich am 15. April zum unabhängigen Staat Kroatien.Dort etablierte sich ein Vasallenstaat unter Führung der Ustascha, auf Deutsch “Der Aufständische-Kroatische revolutionäre Organisation”. Serbien wurde stark verkleinert und umfasste nur noch ein  viertel der

Gesamtfläche des ehemaligen Jugoslawiens. Etwa 180.000 Serben wurden zum Arbeitseinsatz nach Deutschland verschleppt.

In Griechenland marschierten die deutschen Truppen unter Generalfeldmarschall List über Bulgarien ein.Auch hier kamen die Truppen rasch vorwärts. Am 20. April ordneten die Briten die Evakuierung ihrer Truppen zunächst nach Kreta und dann nach Ägypten an. Über 50.000 Mann konnten entkommen. Die griechische Armee kapitulierte am 20. April vor dem SS Obergruppenführer Sepp Dietrich und dann nochmals zwei Tage späte, weil die italienische Armee ihre kämpferische Leistung nicht genügend gewürdigt sah,

offiziell gegenüber Deutschland und Italien. Am 27. April wurde Athen eingenommen. Der Feldzug endete am 29. April mit der Einnahme von Kalamata im Süden der Peloponnes. Kreta wurde in der Zeit vom 21. Mai bis 1. Juni in einer äußerst verlustreichen

Luftlandeoperation eingenommen.

Beide Länder waren besiegt. Doch es folgte ein Partisanenkrieg, der von deutscher Seite aus mit unerbittlicher Härte geführt wurde. In Jugoslawien, in Griechenland und auf Kreta beging die Wehrmacht schwere Kriegsverbrechen.

So wurden in Kalvrita im Aroania-Bergmassiv im Dezember über 800 Jungen und Männer in einer 5 Stunden dauernden Massenhinrichtung erschossen. In dieser gesamten Bergregion wurden in den Dezembertagen über 1300 Griechen umgebracht,

28 Dörfer und Klöster wurden niedergebrannt. In Kommeno in Epirus wurden über 300 Dorfbewohner brutal ermordet. In Distomo am Fuße des Parnass-Gebirges kamen über 200 Menschen ums Leben. Obwohl die Einheitsführer, die die Aktionen

angeordnet hatten, bekannt sind, kam es zu keiner Verurteilung. Zwar wurde bei dem Distomo Massakers ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes eingeleitet, dieses aber nach drei Jahren wegen Verjährung wieder eingestellt.

Der Balkanfeldzug verschob den Angriff auf die Sowjetunion um 4 Wochen. Am 22. Juni 1941 übergibt der deutsche Botschafter Friedrich Werner Graf von der Schulenburg dem sowjetischen Außenminister Molotow ein “Memorandum”.

Darin steht, die Sowjetunion habe den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt durch den Aufmarsch der roten Armee an der Grenze  sowie durch die Annexion Ostpolens und der baltischen Staaten gebrochen. Dieser Bedrohung müsse die Wehrmacht mit allen Machtmitteln entgegentreten. Das Wort “Kriegserklärung” durfte auf Hitlers Befehl nicht verwendet werden. Zu dem Zeitpunkt der Übergabe des Memorandum bombardierte die Luftwaffe sowjetische Städte schon seit drei Stunden.

Juristisch war das Feld schon ab März vorbereitet worden. Am 13. Mai kam der “Erlass über die Ausübung der Kriegsgerichtsbarkeit im Gebiet „Barbarossa“und über besondere Massnahmen der Truppe” heraus. Darin wird festgelegt, dass Straftaten

feindlicher Zivilpersonen der Zuständigkeit von Kriegsgerichten und Standgerichten bis auf weiteres entzogen und dass Freischärler “durch die Truppe im Kampf oder auf der Flucht schonungslos zu erledigen” sind. Gegen Ortschaften

“aus denen die Wehrmacht hinterlistig oder heimtückisch angegriffen wurde” werden unverzüglich kollektive Gewaltmassnahmen durchgeführt, falls ein Täter nicht rasch festgestellt werden kann oder  die Umstände dies nicht zulassen.

Zum Freibrief für Verbrechen wird die durch die Bestimmung “Für Handlungen, die Angehörige der Wehrmacht und des Gefolges gegen feindliche Zivilpersonen begehen, besteht kein Verfolgungszwang, auch dann nicht, wenn die Tat zugleich ein militärisches Verbrechen oder Vergehen ist.”

Die “Aktennotiz über Ergebnis der heutigen Besprechung mit den Staatssekretären über Barbarossa, 2. Mai 1941” lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und wurde  am 26. November 1945 im Nürnberger Prozess von dem amerikanischen Anklagevertreter Sidney S. Alderman verlesen.Er sagte dazu: „Noch niemals ist wohl ein unheilvollerer Satz niedergeschrieben worden, als der Satz in dieser Urkunde” Es geht um die ersten beiden Punkte in diesem Dokument.

“1.) Der Krieg ist nur weiter zu führen, wenn die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr aus Rußland ernährt wir.

2.) Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.”

Komplettiert wurden diese Bestimmungen mit dem sogenannten Kommissarbefehl vom 6. Juni 1941: “Richtlinien für die Behandlung politischer Kommissare. Im Kampf gegen den Bolschewismus ist mit einem Verhalten des Feindes nach den Grundsätzen der Menschlichkeit oder des Völkerrechts nicht zu rechnen. Insbesondere ist von den politischen Kommissaren aller Art als den eigentlichen Trägern des Widerstandes eine hasserfüllte, grausame und unmenschliche Behandlung unserer Gefangenen zu erwarten. Die Truppe muß sich bewußt sein: 1. In diesem Kampf ist Schonung und völkerrechtliche Rücksichtnahme diesen Elementen gegenüber falsch. Sie sind eine Gefahr für die eigene Sicherheit und die schnelle Befriedung der eroberten Gebiete. 2. Die Urheber barbarisch asiatischer Kampfmethoden sind die politischen Kommissare. Gegen diese muß daher sofort und ohne weiteres mit aller Schärfe vorgegangen werden. Sie sind daher, wenn im Kampf oder Widerstand ergriffen, grundsätzlich sofort mit der Waffe zu erledigen. “

(NS-Archiv Dokumente zum Nationalsozialismus –online)

121 Divisionen mit 3 Millionen deutscher Soldaten und weiterer 600.000 aus Italien, Ungarn, Finnland, Rumänien und der Slowakei waren beteiligt. (Zahlen unter anderem bei David Glantz Stumbling Colossus. The Red Army on the Eve of World War. University of Kansas Press, Lawrence 1998, S. 295.) Die Front war 2130 Kilometer lang. Die Heeresgruppe Mitte unter  Generalfeldmarschall von Bock war die stärkste der drei Heeresgruppen. Sie kam auch sehr rasch voran. Am 30. Juni wurde die Grenzstadt Brest-Litowsk eingenommen. Die Kesselschlacht bei Bialystok- Minsk war die erste große Kesselschlacht des Rußlandfeldzugs. An der sowjetischen Westfront standen 46 Divisionen. Elf konnten  ausbrechen.28 Divisionen und 7 Panzerdivisionen mit 325.000 Mann, 1.809 Geschützen und 3.332 Panzern  wurden geschlagen, die Soldaten größtenteils gefangen genommen. Den Kommandanten der Westfront Pawlow machte Stalin für die Niederlage verantwortlich und ließ ihn nach Moskau kommen. dort wurde er vor ein Kriegsgericht gestellt und erschossen. In der Gegend um Smolensk hatte die Rote Armee eine neue Verteidigungslinie aufgebaut. Smolensk ist etwa 330 Kilometer von Minsk entfernt. Auch hier gelang es der Wehrmacht starke Kräfte einzukesseln.

Über 300.000 Rotarmisten und etwa 3000 Panzer waren eingeschlossen. Zeitweise konnte die Rote Armee den Kessel aufbrechen und zahlreiche Truppen verlegen. Auch in der Schlacht bei Smolensk hatte die Rote Armee enorme Verluste

zu verzeichnen. Vom 10. Juli bis 10. September waren das 760.000 Mann, davon 468.000 gefallen, vermisst oder in Gefangenschaft geraten, 274.000 verwundet. Aber auch die Wehrmacht hatte enorme Verluste. Und sie hatte auf dem Weg nach

Moskau viel Zeit verloren, denn die rote Armee hatte rund zwei Monate standgehalten. Das bot Zeit und Gelegenheit die Verteidigung von Moskau auszubauen. Die Wehrmacht war jetzt nur noch 400 Kilometer von Moskau entfernt.

Die Heeresgruppe Süd unter Generalfeldmarschall von Rundstedt konnte am 29. Juni bei der Panzerschlacht von Dubno-Luzk-Riwne fast das gesamte Mechanisierte Korps der Roten Armee vernichten. Darauf folgte die Kesselschlacht bei Uman.

Dabei eroberte sie über 300 Panzer und 850 Geschütze unzerstört. 103.000 Mann kapitulierten. Die Einschließungskräfte für den Kessel waren aber relativ schwach, so dass zehntausende Rotarmisten entkommen konnten. Ihre schweren Waffen und

Ausrüstung mussten sie allerdings zurücklassen. Die Heeresgruppe Süd beherrschte nun den Dnepr-Bogen. Das Hinterland der Ukraine war nun offen. Die verlorene Schlacht war der erste Schritt zur Eroberung der Ukraine.

Die deutsche Generalität sah das vorrangige Ziel nun in einer sofortigen Einnahme Moskaus. Es hatte eine wichtige geographische Bedeutung, war Verkehrs und Nachrichtenzentrale und ein wichtiges Industriegebiet und natürlich

politischer Mittelpunkt. Hitler dagegen wollte die für den Ostseeraum, die Ukraine und den Süden lebenswichtigen Resourcen zerstören oder unter deutsche Kontrolle bringen. Hitler lehnte die Vorschläge des Generalstabs rundheraus ab

Er bestand darauf, nach Leningrad im Norden und Kiew im Süden vorzustoßen, setzte sich durch. – und hatte Erfolg. Am 26. September endete die Kesselschlacht von Kiew. Nochmals waren 600.000 Rotarmisten in Gefangenschaft geraten. Über 800

Panzer waren erbeutet worden,über 400 Pak und über 3000 Geschütze. Die Einnahme bereitete allerdings nachträglich noch große Probleme. Es waren viele durch Funk auszulösende Sprengungen vorbereitet worden. Ein solcher Sprengsatz löste am 25. September

einen Großbrand aus, der erst am 29. September unter Kontrolle gebracht werden konnte und für große Verluste der deutschen Verbände in der Stadt sorgte.

Die frappierend schnellen siege, die enorme zahl an Kriegsgefangenen blendete die deutsche Führung. Schon im Juli hielt General Halder den Feldzug für gewonnen.

Die Zeit war aber knapp geworden. Der russische Winter war nicht mehr allzu fern und erfahrungsgemäß kam vor dem ersten Frost eine mehrwöchige Schlammperiode. Am 30. September startete die Offensive unter dem Decknamen Taifun.

Hitler wollte mit diesem Unternehmen vor Einbruch des Winters die russischen Truppen vor Moskau “entscheidend” schlagen.Seine Soldaten sollten “zu dem letzten gewaltigen Hieb, der noch vor dem Einbruch des Winters diesen Gegner zerschmettern soll“

ansetzen und auch die historische Dimension lieferte Hitler in seinem Tagesbefehl am 2. Oktober 1941 verlesen ließ. Sie sollten nicht nur das deutsche Reich sondern ganz Europa vor einer Gefahr schützen„wie sie seit den Zeiten der Hunnen und später der Mongolenstämme entsetzlicher nicht mehr über dem Kontinent schwebte“ und weiter „Dieser Feind besteht nicht aus Soldaten, sondern zum großen Teil nur aus Bestien.“  (zitiert in Die Zeit vom 13. Dezember 1991)

Zwar warnten auch diesmal die Generale eindringlich, dass weder die Ausrüstung ausreichend noch der Nachschub gewährleistet sei. Aber sie beugten sich auch dieses Mal. Und wieder schien der Führer recht zu behalten in den Kesselschlachten von Wjasma und Brjansk wurden nochmals 673.000 sowjetische Soldaten gefangen genommen und über 1300 Panzer erbeutet.

Die Wehrmacht war nun bis an den äußeren Verteidigungsring Moskaus gelangt. Aber nun setzte die Schlammperiode ein. Der Angriff blieb buchstäblich im Schlamm  stecken.

Unbenannt

Der Nachschub war wegen der aufgeweichten Wege und Straßen kaum mehr zu bewältigen und sank von 900 Tonnen täglich auf 20 Tonnen. Erst als im November leichter Frost einsetzte, waren die Straßen wieder befahrbarer. Aber es dauerte dann fast noch

zwei Wochen, bis genug Treibstoff und Munition angeliefert war, um die Offensive fortzusetzen. Nun setzte strenger Frost ein. Die Temperaturen sanken auf – 35 °, aber die deutschen Soldaten hatten immer noch keine Winterkleidung, was hohe Ausfälle

durch Erfrierungen zur Folge hatte. Die schützende Winterkleidung lagerte irgendwo auf polnischen Bahnhöfen. Die Loks, sofern sie überhaupt noch fahren können, müssen Munition, Treibstoff und Proviant an die Front bringen.

Was erstaunlicherweise aber immer noch funktioniert: jeden zweiten Tag ein Güterzug der Deutschen Reichsbahn jüdische Deportierte ins Ghetto nach Minsk!

Die Rote Armee dagegen war seit November vollständig mit warmer Kleidung ausgerüstet. Die Deutschen waren Ende November noch 18 Kilometer von der Stadtgrenze Moskaus entfernt.

Gleichzeitig hatte die Rote Armee aber auch mit den Planungen für eine Gegenoffensive begonnen.Die Planungen wurden durch einen Funkspruch Richard Sorges erleichtert. Sorge hatte am 1. Juni 1941 Stalin vor einem Angriff Deutschlands

gewarnt  “Der Überfall wird am 22. Juni in aller Frühe auf breiter Front erfolgen” (in  Julius Mader Dr. Sorge Report). Stalin glaubte dies aber nicht. Im September informierte Sorge Moskau, dass Japan nicht Russland angreifen würde, sondern

Indochina. Diesmal wurde ihm geglaubt. Daraufhin ließ Stalin 32 ausgeruhte Divisionen aus dem Fernen Osten in den Westen verlegen. Zwar hatte die deutsche Luftabwehr im November Truppenausladungen erkannt.  Die deutsche Führung hatte dies

aber als Gespenstereien betrachtet. Am 16. November startete der erneute Angriff. Aber er traf auf erbitterten russischen Widerstand. Größere Teile der Luftflotte 2 unter Kesselring waren in den Mittelmeerraum verlegt worden, da dort Libyen verloren zu gehen

drohte. Das ermöglichte aber den sowjetischen Luftstreitkräften in wichtigen Abschnitten die Lufthoheit zu erringen.  Die Generale von Bock und Guderian meldeten dem Oberkommando die bedrohliche Lage und auch, dass die Trupp erschöpft war.

Sie wurden aufgefordert, die Offensive mit einem letzten Kraftaufgebot fortzusetzen, zumal man annahm, dass auch auf russischer Seite mit den “letzten Bataillonen” gekämpft wurde. Halder sah die Entscheidung über Sieg oder Niederlage

immer noch als eine Willensfrage. Er war“durchdrungen von dem Gedanken, daß es bei beiden Gegnern um die letzte Kraftanstrengung geht und der härtere Wille recht behält“. (zitiert nach Der Spiegel ).

Im Divisionsbericht der 7. Infanteriedivision heißt es “Die völlige Verausgabung der Truppe und die Notwendigkeit von Ablösungen “ (Zitat in Die Welt vom 22.06.11)Fedor von Bock konstatierte, dass der Zeitpunkt sehr nahe sei,

„in dem die Kraft der Truppe völlig erschöpft ist“ (Zitat ebd.) Eigentlich hätte die Offensive abgebrochen werden müssen, die Truppe in Winterquartiere überführt werden. Stattdessen befahlen Hitler und die Wehrmachtsführung die weitere Offensive.

Diese kam Anfang Dezember zum völligen Erliegen.

Mit der Verteidigung Moskaus war Marschall Schukow betraut worden.Er und Stalin hatten die Nervenstärke, abzuwarten, bis die deutsche Offensive versiegte. Am 5. Dezember begann der Gegenangriff. Eine Million Mann und 700 Panzer

waren angetreten. Die deutsche Führung war völlig überrascht. Die deutschen Linien werden fast überall durchstoßen. Manche Divisionen entkommen nur mit Mühe der Umzingelung. Die deutsche Führung hatte dies zunächst nicht als Großangriff

der Roten Armee erkannt und befahl erst abends, den Angriff auf Moskau abzubrechen und in den Ausgangsstellungen auf Verteidigung überzugehen.

Am 7. Dezember 1941 überfielen aber auch die Japaner den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii. Am 11. Dezember erklären Italien und Deutschland den USA den Krieg. In seiner Rede vor dem Reichstag am 11. Dezember 1941

spricht er zunächst ausschweifend von den militärischen erfolgen Deutschlands. Dann zählt er eine Reihe “Völkerrechtsverletzungen der USA auf, um “Deutschland endlich zum Kriege zu zwingen”. Und dann bringt er es schließlich

auf den Punkt, was tatsächlich zum Krieg führt. “Wir wissen, welche Kraft hinter Roosevelt steht. Es ist jener ewige Jude, der seine Zeit als gekommen erachtet, um das auch an uns zu vollstrecken, was wir in Sowjetrußland alle schaudernd sehen und erleben mußten. Wir haben das jüdische Paradies auf Erden nunmehr kennengelernt. Millionen deutscher Soldaten haben den persönlichen Einblick gewinnen können in ein Land, in dem dieser internationale Jude Mensch und Gut zerstörte und vernichtete. Der Präsident der Vereinigten Staaten mag das vielleicht selbst nicht begreifen. Dann spricht das nur für seine geistige Beschränktheit.” (in Internet Archive Full text of „Adolf Hitler Krieg gegen die USA und Kriegsbericht 1941)

Am 19. Dezember entließ Hitler von Brauchitsch. Er übernahm selbst das Oberbefehl über das Heer. Am Tag zuvor hatte er Haltebefehle erteilt und die Truppen gezwungen “fanatisch” in ihren Stellungen auszuharren. Als Guderian Ende

Dezember entgegen der Haltebefehle seine Truppen eigenmächtig zurücknahm, wurde er seines Kommandos enthoben und zur Führerreserve versetzt, was praktisch einer vorübergehenden Versetzung in den Ruhestand gleichkam.

Am 8. Januar 1942 musste Generaloberst Hoepner seine Truppen zurücknehmen. Sie wären sonst eingekesselt worden. Hitler enthob ihn nicht nur seines Kommandos. Er wurde wegen „Feigheit und Ungehorsam“ unehrenhaft aus der  Wehrmacht ausgestoßen.

Hoepner meinte dazu “ich habe Pflichten, die höher stehen als die Pflichten Ihnen gegenüber und die Pflichten gegenüber dem Führer. Das sind die Pflichten gegenüber der mir anvertrauten Truppe.” (zitiert bei Janusz Piekalkiewicz: Der Zweite Weltkrieg. Teilband II, Seite 570). Hitler hätte den General eigentlich nicht so einfach entlassen können. Er hätte formaljuristische und beamtenrechtliche Vorschriften einhalten müssen. Am 26. April 1942 erließ der Großdeutsche Reichstag einen Beschluss der den Führer praktisch

von solchen Vorschriften befreit. “Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Führer in der gegenwärtigen Zeit des Krieges, in der das deutsche Volk in einem Kampf um Sein oder Nichtsein steht, das von ihm in Anspruch genommene Recht besitzen muß, alles zu tun, was zur Erringung des Sieges dient oder dazu beiträgt. Der Führer muß daher – ohne an bestehende Rechtsvorschriften gebunden zu sein – in seiner Eigenschaft als Führer der Nation, als Oberster Befehlshaber der Wehrmacht, als Regierungschef und oberster Inhaber der vollziehenden Gewalt, als oberster Gerichtsherr und als Führer der Partei jederzeit in der Lage sein, nötigenfalls jeden Deutschen – sei er einfacher Soldat oder Offizier, niedriger oder hoher Beamter oder Richter, leitender oder dienender Funktionär der Partei, Arbeiter oder Angestellter – mit allen ihm geeignet erscheinenden Mitteln zur Erfüllung seiner Pflichten anzuhalten und bei Verletzung dieser Pflichten nach gewissenhafter Prüfung ohne Rücksicht auf sogenannte wohlerworbene Rechte mit der ihm gebührenden Sühne zu belegen, ihn im besonderen ohne Einleitung vorgeschriebener Verfahren aus seinem Amte, aus seinem Rang und seiner Stellung zu entfernen.“ (Reichsgesetzblatt 1942 I S.247, )

Hoepner wurde im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 am 21. Juli verhaftet und am 8. August unter Roland Freisler zum Tode verurteilt und am selben Tag hingerichtet.

Im Russlandfeldzug hatte die Wehrmacht bis dahin 500.000 Mann an Toten und Verwundeten verloren. Dazu kamen weitere 100.000 Mann die durch Erfrierungen ausfielen.1300 Panzer, 2500 Geschütze und über 15.000 Kfz gingen an Material verloren.

Die Wehrmacht konnte aber bis Ende Januar 1942 eine neue Verteidigungslinie aufbauen. Aber die Blitzkriegsstrategie war gescheitert, der Gegner nicht entscheidend geschwächt.

Zurück zu Bürkels letzten Jahren

Bürckel war so etwas wie Hitlers Fachmann für Anschlüsse geworden. Lothringen war die dritte Rückgliederung, die er durchzuführen hatte und auch hier hatte er wieder weitreichende Vollmachten. Aber in Lothringen wurde nicht gleichgeschaltet.

Es ging um die Liquidierung staatsrechtlicher und administrativer Strukturen eines eroberten Landes. Dazu kam die ideologische Umerziehung unter rassistischen Gesichtspunkten.

Die CdZ sollten die gesamte Verwaltung im zivilen Bereich führen. Die unklare Kompetenzdefinition führte wie auch in Österreich rasch zu heftigen Auseinandersetzungen. In einer Besprechung in der Reichskanzlei am 29. September 1940 bekamen die beiden CdZ weitgehend grünes Licht von Hitler. Er legte fest, dass für die gesamte Neuordnung in Elsass und Lothringen allein die beiden Reichsstatthalter Wagner und Bürkel zuständig und verantwortlich seien und dass die Reichsressorts den CdZ keinerlei Weisungen erteilen könnten. Bürckel begann nun in Lothringen eine rücksichtslose Germanisierungspolitik. “Deutschfeindliche Elemente” ließ er ausweisen.So wurden bis November 1940 aus dem Elsass 105.000 Menschen deportiert, aus Lothringen etwa 50.000, darunter alle lothringischen Juden. (Zahlen nach bpb Krieg und Besatzung in Ost- und Westeuropa)Die Transporte erfolgten unter chaotischen Verhältnissen. Die Ausgewiesenen hatten nur ihr Handgepäck dabei. Das unbewegliche Gut, Höfe, Geschäfte und handwerkerbetriebe mussten zurückgelassen werden und worden sofort entschädigungslos eingezogen. Am 21. November 1940 erklärte Bürckel die Ausweisungsaktion offiziell für beendet. Am 9.10 1941 wurde die Gültigkeit des RAD-Gesetzes für Elsass und Lothringen erklärt.

Allerdings entzogen sich viele Lothringer durch Flucht ihrer “Aufbaupflicht”. Daraufhin arbeitete Bürckel mit dem Mittel der Sippenhaft. Noch härter reagierte Bürckel, als Lothringer nach der Einführung der Wehrpflicht desertierten. Deren Angehörige nahm Bürckel

sofort in Sippenhaft, ließ sie umgehend ins Altreich aussiedeln und ihr Vermögen beschlagnahmen. Eine letzte große Aussiedlungsaktion betraf 8000 Menschen. Sie übertraf an Härte und Brutalität alle bisherigen Massnahmen.

Im August 1942 verlieh Bürckel den Lothringern die deutsche Staatsangehörigkeit.

Die Ausweisungspolitik Bürckels war in Regierungs-und Militärkreisen ihrer innen-und auch außenpolitischen Auswirkungen stark umstritten. So meldete sich der Chef der Präsidialkanzlei Otto Meissner, selbst gebürtiger Elsässer kritisch zu Wort.

Heftigster Kritiker war Dr. Best, der vor er Chef der Abteilung Verwaltung im Verwaltungsstab des Militärbefehlshabers Frankreich wurde, Karriere bei der Gestapo gemacht hatte. Er sah in den Ausweisungen eine Belastung des deutsch-französischen Verhältnisses,

die die notwendige Zusammenarbeit nur unnötig erschwerten. Bürckel war von dieser Kritik allerdings total unbeeindruckt. Allerdings mussten sowohl Bürckel als auch Wagner entscheidende Kompetenzen an den Reichsführer SS, der zugleich

Reichskommissar für die Festigung deutschen  Volkstums (RKF) war. Der durchbürokratisierte Apparat Himmlers beschränkte auf dem Gebiet der Volkstumspolitik die autonome Regionalherrschaft der Gauleiter.

Der Gau Westmark war 1940 gebildet worden. Er sollte den Gau Saarpfalz, also das Saarland und die bayrische Pfalz,

sowie das im Frankreichfeldzug eroberte lothringische Departement Moselle umfassen, das als Lothringen ins Reich eingegliedert werden sollte. Der Plan wurde während des 2. Weltkrieges aber nicht umgesetzt.

Es blieb nach außen hin beim alten Namen und bei der zugehörigen Bezeichnung „CdZ“ (Chef der Zivilverwaltung).

Im März 1941 wurde Bürckel von Hitler offiziell zum Reichsstatthalter ernannt.

Ihm un­ter­stand  nun ein 14.000 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ßes Ter­ri­to­ri­um mit 2,6 Mil­lio­nen Ein­woh­nern. Das war der Höhepunkt seiner politischen Karriere

Im November 1942 wurde Bürckel zum Reichsverteidigungskommissar der „Westmark“ ernannt.

An dieser Aufgabe scheiterte er spätestens mit der Invasion und dem Vordringen der amerikanischen Truppen.

Dazu kamen Kompetenzschwierigkeiten mit Heinrich Himmler, die sich nach dessen   Er­nen­nung zum In­nen­mi­nis­ter erheblich verschärften.

Während der Schlacht um Lothringen Anfang September 1944 kam es in der Debatte um das militärische Vorgehen zum entscheidenden Zer­würf­nis mit Hit­ler.

Auf Veranlassung von Mar­tin Bor­mann (1900-1945) wur­den Bürck­el dar­auf­hin am 8.9.1944 weit rei­chen­de Kom­pe­ten­zen ent­zo­gen

Die Entsendung des Dienstleiters der Berliner Parteikanzlei Willi Stöhr (1903–1994) als „Bevollmächtigten des Reichsverteidigungskommissars für den Stellungsbau im Gau Westmark“ Anfang September 1944 bedeutete den Beginn der Entmachtung Bürckels.

Josef Bürckel verstarb wenig später am am 28.9.1944  in seinem Haus in Neustadt.

Die offizielle Todesursache war ein „Ver­sa­gen des Kreis­lau­fes“ als Fol­ge ei­ner Darm­er­kran­kung und ei­ner Lun­gen­ent­zün­dung dia­gnos­ti­ziert.

Der plötzliche Tod gab Anlass zu Spekulationen.

Ein Nach­weis für den Ver­dacht, Bürck­el sei von der SS er­mor­det oder zum Selbst­mord ge­zwun­gen wor­den, konn­te je­doch nicht er­bracht wer­den.

12 Nov. 2025

Josef Bürckel Gauleiter und Reichsstatthalter

 

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Am 30. März 1895 wurde Josef Bürckel in Lingenfeld als Sohn des Bäckermeisters Michael Bürckel und dessen Ehefrau Magdalena geboren. Er war das jüngste von vier Kindern. In Lingenfeld

besuchte er die Volksschule. Danach ging er auf die Realschule in Karlsruhe. Von 1909 bis 1914 war er in Speyer an der Lehrerbildungsanstalt. Am 28. Juni 1914 wurde in Sarajevo der österreichische

Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau seine Frau Sophie Chotek ermordet. Das führte zur Julikrise und mündete in den 1. Weltkrieg, der am 28. Juli begann. In Deutschland befahl Kaiser Wilhelm am 1. August

die Mobilmachung. Am 3. August 1914 rief der Direktor der Lehrerbildungsanstalt in Speyer seine Schüler auf, freiwillig in die Truppe einzutreten. Die Schule würde dem keine Hindernisse

in den Weg legen, sondern die Anstalt würde sich als Ehre anrechnen, wenn auch ihre Schüler nicht hinter den Gymnasien und Hochschulen zurückstünden. Josef Bürckel war im wehrfähigen Alter und meldete

sich bereits am Mobilmachungstag beim 17b Infanterieregiment freiwillig. Am 3. November 1914 rückte er als Rekrut beim Feldartillerieregiment 12b  ein. Eine erste Not-Abschlussprüfung konnte er wegen seines Heeresdienstes

nicht ablegen. Er legte sie gegen Ende des Jahres 1915 ab. Er bestand mit Erfolg. Wegen eines Herzleidens wurde er am 12. August 1915 in das Kriegslazarett in Péronne (Département Somme) eingeliefert.

Am 4. Dezember 1915 wurde er zum Unteroffizier befördert. Am 17. Mai 1916 wurde er für den Schuldienst zurückgestellt. Er begann seinen Praxisdienst als Schuldienstanwärter an der katholischen Volksschule in Lingenfeld.

Er wurde dann weiter nach Bellheim und dann nach Minfeld versetzt, wo er bis zum Ende des Schulanwärterdienst am 28. Juli 1919 blieb. Danach fand die Prüfung zur Lehreranstellung auf Lebenszeit statt.

Nach seiner Anstellung als Hilfslehrer unterrichtete er bis zum 31. Januar 1920 in Bobenheim – Roxheim. Dann wurde er nach Rodalben versetzt und dort am 1. April 1921 zum Lehrer auf Lebenszeit ernannt.

Er hatte schon am 11. Juni 1920 in Lingenfeld Hilde Spies geheiratet. Zum Zeitpunkt der Eheschließung war sie noch nicht 21.  Am 21. August 1921 kam Josef Artur zur Welt. Josef Artur war während des Krieges Mitglied der Leibstandarde Adolf Hiltler.

Er fiel am 01. August 1944.

Durch Bürckels Anstellung auf Lebenszeit war die materielle Basis für die Familie des Lehrers gesichert. Am 10. März 1925 bekam die Familie nochmals Nachwuchs. Der zweite Sohn Hermann Jakob wurde geboren.

Über Bürckels Familienleben ist sonst nichts bekannt.

Auch zu seinen außerschulischen Aktivitäten, Kontakte zu Kollegen usw. gibt es kaum Informationen. Aber er war Chorleiter im Gesangverein in Rodalben und das lässt darauf schließen, dass er doch einiges Ansehen in Rodalben genoss.

Vermutlich schon 1921 trat er in die NSDAP ein. Es lässt sich nicht nachweisen, ob er in Rodalben schon parteipolitisch tätig war. Er hatte sich aber einseitig positioniert in seiner antiseparatistischen Tätigkeit und war sowohl von deutschen als

auch französischen Behörden verfolgt.

Die separatistische Bewegung setzte in der Pfalz unmittelbar nach Kriegsende ein. Am 11. November 1918 war das  Waffenstillstandsabkommen von Compiègne abgeschlossen worden und ab dem 1. Dezember 1918 besetzte

die französische 8. Armee unter General Augustin Grégoire Arthur Gérard (1857-1926) die Pfalz. Bis zum Ende des Ruhrkampfs unter Reichskanzler Gustav Stresemann waren rund 60.000 Mann in der Pfalz stationiert.

In der Pfalz regten sich nun separatistische Bestrebungen. Sie gingen von bürgerlichen Kräften bis weit in die Zentrumspartei hinein aus. Man hatte Angst vor einer ungewissen Zukunft in einem womöglich bald sozialistischen

Deutschland. auch versprach man sich durch eine Anlehnung an die Sieger bei der Reparationsfrage glimpflicher davon zu kommen. 1919 war in München der bayrische und sozialistische Ministerpräsident ermordet worden.

Ab 1920 rückte Bayern nach rechts und entwickelte sich unter dem Ministerpräsidenten Gustav von Kahr zur nationalistischen “Ordnungszelle” Deutschlands. In München sammelten sich militante Rechtsradikale.

Der innenpolitische Kampf zwischen Bayern und dem Reich erfuhr in dieser Zeit eine scharfe Zuspitzung. Die Pfalz als Teil Bayerns wurde so in die Auseinandersetzung hineingezogen. Auch das ein Grund für die starke separatistische Bewegung.

Das Ende des Ruhrkampfes und die Einführung der Rentenmark und damit  das Stoppen der Inflation entzogen der separatistischen Bewegung schließlich den Boden. Es gab noch zwei gewalttätige Aktionen. Am 5. November 1923 hatte Franz-Josef Heinz in  Speyer die “Autonome Pfalz” ausgerufen und eine Regierung gebildet. Das war wenige Tage vor dem Hitlerputsch in München.Heinz und zwei seiner Mitarbeiter wurden am 9. Januar 1924 in Speyer erschossen. Die Kommandomitglieder stammten aus den rechtsradikalen Kampfbünden in München (Bund Wiking, Bund Oberland, SA). Das Attentat wurde mit Billigung und Geldern der bayrischen Staatsregierung ausgeführt.

Am 17. Oktober fand in Pirmasens der Sturm auf das bayrische Bezirksamt statt. Das Gebäude war in Brand gesteckt worden. 12 Separatisten, die sich in dem Gebäude befunden hatten, kamen ums Leben. Von den Angreifern starben 6 und es gab

zwölf Schwerverletzte. Bei diesem Sturm war Bürckel beteiligt. In Münchweiler und Rodalben war er so etwas wie der geistige Führer des Abwehrkampfes. Am 7. Januar 1924 musste er nach Heidelberg fliehen. Er ging dann weiter nach Niederbayern

Die Regierung von Niederbayern übertrug ihm am 24. März 1924 eine erledigte Hilfslehrerstellung. Mittlerweile war die Separatistenbewegung zusammen gebrochen und Bürckel kehrte am 9. Mai 1924 in die Pfalz zurück und nahm am nächsten Tag seinen Schuldienst in Rodalben wieder auf.

Im März und April war die selbständige Partei NSDAP der Pfalz wiedergegründet worden, nachdem die NSDAP im Juli 1923 von der interalliierten Rheinkommission (IARK) verboten worden war. Man hatte eine eigene Satzung und eigene Mitgliedskarten.

Diese Taktik der Distanzierung von München hatte Erfolg. Am 27. März 1925 erfolgte die Aufhebung des Parteienverbots für die pfälzische NSDAP durch die IARK. Am 13. März 1926 fand der erste Gautag des Jahres in Kaiserslautern statt. Unter der Leitung des Ortsgruppenleiters Richard Mann wurde Bürckel in “demokratischer Versammlung” zum Gauleiter gewählt. Er hatte sich durch ”bahnbrechende Vorarbeit die Anwartschaft” verdient. (zitiert nach Josef Bürckel: Gauleiter Reichsstatthalter Krisenmanager Adolf Hitlers , von Lothar Wettstein S. 68) Am 26. März informierte Bürckel die Reichsleitung von seiner Wahl. Allerdings war Bürckel nicht in den amtlichen Parteiunterlagen als Mitglied geführt. Deshalb forderte die Parteileitung umgehend zur Anmeldung auf. Bürckel meldete sich am 9. April 1926 an und erhielt die Mitgliedsnummer 33979. In einem von der Parteikanzlei verfassten Lebenslauf Bürckels heißt es “Der Aktivist Josef Bürckel entschied sich bereits im Jahre 1921 für den “Aktivisten” Adolf Hitler” (Wettstein S. 69)

Ein publikumswirksames Ereignis hatte Bürckel für den September 1926 geplant.  Es sollte der erste Gauparteitag mit Adolf Hitler als Hauptredner werden. Der bayrische Ministerpräsident Heinrich Held hatte dies aber wegen der zu erwartenden

Auseinandersetzungen verboten. Die Besorgnis war durchaus berechtigt. Bei einer Kundgebung mit Gregor Strasser am 7. September 1926 in Kaiserslautern verhinderte nur beherztes Einschreiten der Polizei ein Blutvergießen. Strasser war in dieser Zeit bis 1928

als Reichspropagandaleiter der NSDAP tätig. Die Auseinandersetzungen mit den politischen Gegner veranlassten Bürckel den Aufbau der pfälzischen SA-Formationen voranzutreiben. Er beauftragte Fritz Schwitzgebel damit, vor allem weil dieser absolut

loyal war. Er war 1926 in die NSDAP eingetreten und wie Bürckel auch Lehrer, allerdings an der Oberrealschule (in Zweibrücken).Das zahlte sich auch für ihn  aus, 1929 war er bereits SA-Standardenführer, das entspricht einem Oberst. Ab 1935 war er Führer der SA-Brigade 51 Saar-Pfalz und wurde schließlich bis zum General befördert. Bürckel hatte in seiner gesamten Laufzeit alle Parteigenossen, die irgendwie Einfluss ausüben konnten, bewusst nach seinen eigenen Kriterien ausgewählt und so sich in seinem

Umfeld eine “Hausmacht” geschaffen.

1926 hatte Bürckel auch “Der Eisenhammer” gegründet und war dessen Herausgeber. Hauptschriftleiter war zunächst Fritz Hess. Es war eine nationalsozialistische Kampfzeitung, die wohl den Stürmer von Julius Streicher zum Vorbild hatte und diesem Pamphlet in nichts nachstand. Populistische Hetze,  Verleumdungen und pauschale Diskriminierungen gehörten zum Instrumentarium des Blattes.Vom 5.5. 1926-30.11. 1932 war Heinrich Förster Schriftleiter. Sowohl Hess, als auch Bürckel und Förster hatten  mehrere Verurteilungen sowohl von deutschen als auch französischen Militärgerichten, meist wegen Verleumdung oder übler Nachrede, Hess auch wegen Angriffen gegen separatistisch eingestellte Beamte und jüdische Richter. Allerdings bereiteten die Prozesse vor allem die von Förster Bürckel allmählich Probleme. Führende Mitglieder aus der pfälzischen NSDAP hatten Förster vorgeworfen, dass sein allzu rüder Ton in den Artikeln immer wieder zu Prozessen führten, die sehr wohl zu vermeiden gewesen wären

und meist verloren gingen. Das verursachte immer höhere Kosten. Der Angriff richtete sich auch direkt gegen Bürckel, da dieser Förster gewähren lasse und nicht einschreite, obwohl dieser seiner Aufgabe als Redakteur nicht gewachsen sei. Damit sei

Bürckel letztlich für das finanzielle Desaster verantwortlich. Nun erklärte Förster um den Monatswechsel Februar/März herum, dass er mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt als verantwortlicher Redakteur ausgeschieden sei. Bürckel ernannte Hess als

Stellvertreter in seinem Amt als Gauleiter und erklärte, er lege seinen Posten bis zur Klärung der Vorwürfe nieder. Das war aber kein Rücktritt sondern lediglich ein “Ruhenlassen”. Es blieb so ohne Wirkung. Bürckel fuhr unvermindert mit seiner populistischen

Parteiarbeit fort. In Pirmasens und Neustadt sollten am 20. April pompöse Feiern zu Hitlers Geburtstag stattfinden. Für den 30. April berief er den Gauparteitag nach Landau. Eingeladen waren Hans Dietrich, der für die Nationalsozialistische Freiheitspartei

den Wahlkreis 26 Franken vertrat. Die NSDAP war ja nach dem Hitlerputsch verboten worden war. Dietrich hatte 1928 auch am Eisenhammer mitgearbeitet. Dann Gottfried Feder, der sich ab 1927 zum Wortführer  der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik gemacht hatte. Der dritte geladene Reichstagsabgeordnete war Georg Strasser. Er hatte den revolutionären Sozialismus geprägt, den ja auch Bürckel vertrat. Strasser vertrat allerdings demokratische Grundsätze, die Bürckel radikal ablehnte.

Auch drei bayrische Landtagsabgeordnete waren eingeladen. Auch Hitler sollte an diesem Gauparteitag teilnehmen. Ob das aber nur ein geschickter Werbetrick war, lässt sich nicht feststellen. Denn die ganze Veranstaltung fand gar nicht statt. Der Stadtrat von Landau lehnte es nämlich ab, den Großen Festhallensaal zur Verfügung zu stellen. Das Reichsbanner, die 1924 gegründete “überparteiliche Schutzorganisation der Republik und der Demokratie im Kampf gegen Hakenkreuz und Sowjetstern” wie der SPD-Politiker Otto Hörsing, der sie ins Leben gerufen hatte, sie 1931 charakterisierte kündigte für 1927 ebenfalls eine Maifeier in Landau an. Da waren Zusammenstöße zu erwarten. Bürckel hatte zwar persönlich beim Stadtrat vorgesprochen, hatte aber keinen Erfolg.

Diese Schlappe war aber wohl einkalkuliert. Er schlachtete das auch sofort aus. Vor allem jüdische Stadträte hatten sich gegen die Überlassung der Stadthalle aus. Natürlich setzte Bürckel seine antijüdischen Hasstiraden fort und im Eisenhammer orakelte

er “Auch für Landauer Juden wird kommen der Tag”.

Er forcierte nun die Parteiorganisation. Er Bezirksgruppen, zuerst in Zweibrücken, Neustadt und Kusel und Ludwigshafen, danach in Landau und Frankenthal. Unabhängige propagandistischen Eigeninitiativen wurden von der Gauleitung nicht mehr geduldet.

Jede geplante Aktion und Tätigkeit musste von ihm gebilligt werden. Natürlich führte er den wachsenden Erfolg auf seine straffe Parteiführung zurück

Im Jahr 1927 hatte die NSDAP in der Pfalz ein deutliches Wachstum und auch einen Machtzuwachs verzeichnet.

Am 1. Juli 1927 wurde die Gauleitung von Lambrecht nach Neustadt verlegt. Ein ehrenamtlicher Geschäftsführer wurde eingestellt, der Bürckel entlasten sollte. Ein Untersuchungs-und Schlichtungsausschuss wurde als Parteigericht eingesetzt.

Er ließ sich zwar beraten. Aber die letzte Entscheidung behielt sich Bürckel immer vor. In seinem Gau galt das Führerprinzip auf Gauebene uneingeschränkt. Gehorsam und Unterordnung waren für Bürckel wichtiger als Eigeninitiative.

Die Querelen mit Förster gingen aber auch 1927 weiter. Er hatte sich mit der französischen Besatzungsmacht angelegt. Er wurde mehrfach zu Freiheitsstrafen verurteilt , vor allem aber drohte die Interalliierte Rheinkommission ein

Verbot des Eisenhammer an. Nun musste Bürckel einschreiten. Er schränkte den redaktionellen Verantwortungsbereich Försters stark ein und nahm die propagandistische Leitung des Verlags selbst in die Hand. Als seinen Stellvertreter

setzte er Ernst Ludwig Leyser ein. Dieser hatte NSDAP-Ortsgruppe in Neustadt  und der SA-Sturm-Ortsgruppe Neustadt gegründet. Leyser stand Bürckel, wie alle, die von ihm auf irgendwelche Posten gesetzt wurden, loyal zur Seite.

Das  Jahr 1928 war ein wichtiges Jahr für die NSDAP in der Pfalz. Am 28. Mai 1928 fand die Reichstagswahl statt und bei dieser Wahl trat die pfälzische NSDAP erstmals mit einer eigenen Liste an.

Mit enormem Aufwand startete die Partei. Zahlreiche öffentliche Veranstaltungen, Flugblätter und Tausende von Plakaten brachten aber einen kaum nennenswerten Mitgliederzuwachs. Bürckel erkannte,dass es taktisch falsch

war, sich mit der Propaganda auf die städtische Mittelschicht zu konzentrieren, die ländliche Bevölkerung, auch als Wählerschicht, aber zu vernachlässigen. Das ländlichen Gebiete der Nordpfalz wurden nun in verstärkte Werbeaktionen einbezogen

und diese waren erfolgreich. Bürckel sah sich bestätigt. In den Städten hatte die Partei bereits Fuss gefasst. Sie war in allen Städten vertreten nur in der Kreishauptstadt Speyer noch nicht. Am 10. März 1928 veranstalte Bürckel eine große Veranstaltung in Speyer mit dem

Reichstagsabgeordneten Friedrich. Nur wenige Tage später wurde die Speyrer Ortsgruppe sowie ein SA-Sturm gegründet. Die Ortsgruppe hatte Rudolf Trampler gegründet, der von Joseph Goebbels später am 21. August 1933 zum Landeskulturwart

der Reichspropagandastelle Rheinpfalz ernannt wurde. In den letzten beiden Kriegsjahren bekleideter er das Amt des Oberbürgermeisters von Speyer.

8709-Rudolf Trampler

Am 28. Mai 1928 fand die Reichstagswahl statt. Für die NSDAP verlief sie enttäuschend. Sie hatte 2,6 % der Stimmen erzielt, 0,4  weniger als bei den letzten Wahlen. Sie verlor auch 2 Abgeordnete und hatte im Reichstag jetzt 12 Sitze.

Zugewonnen hatte dagegen die SPD mit 3,8 % Zuwachs und 22 Mandaten mehr. Auch die KPD verzeichnete Gewinne und zwar 1,7 % und 9 Mandate mehr. Noch etwas mehr konnte die Reichspartei des deutschen Mittelstandes dazu gewinnen,

nämlich 2,2% Stimmenzuwachs und 11 Mandate mehr.  Es war eigentlich ein gefährliches Ergebnis, denn die bürgerlichen Parteien schlossen daraus, die NSDAP habe ihren Zenit bereits überschritten. Bürckel konnte aber mit “seinem”

Ergebnis mehr als zufrieden sein. Die NSDAP hatte in der Pfalz 5,7 % der Stimmen geholt, mehr als doppelt soviel wie auf Reichsebene und das Ergebnis der Wahlen von 1924 hatte er verdreifacht. 1924 entfielen auf die NSDAP 1,9 % der Stimmen.

Das machte natürlich Bürckel innerhalb der NSDAP stark. Bei Hitler stand er ohnehin in hohem Ansehen. Die NSDAP erhöhte ihre Werbeanstrengungen in den Bezirken Landau und Bergzabern. Das zahlte sich bereits ein Jahr später bei den Kommunalwahlen aus.

Zwei Monate nach den Wahlen fand auch der erste Gauparteitag in Pirmasens statt. Auch ein publikumswirksamer Marsch von 300 SA-Leuten durch Pirmasens wurde durchgeführt. Die bürgerliche Presse berichtete darüber nichts.

Sie hatte sich ohnehin für “Totschweigen” entschieden. Die weitere Entwicklung zeigt, dass da nicht unbedingt der richtige Weg war.

Bürckel schliff weiter an seiner Parteiorganisation. In seinem Führungskader sorgte er für rhetorisch besonders geschulte Parteiredner. Damit konnte er die Zahl seiner Veranstaltungen steigern. Der Zustrom potentieller Wähler nahm zu.

Er suchte die Auseinandersetzung mit den anderen Parteien auf seine Art. Öffentliche Kundgebungen ließ er oft -und zeitgleich mit Veranstaltungen der anderen Parteien abhalten. Er hoffte so, die Zuhörer für sich zu gewinnen.

Für das Jahr 1929 verlangte er von seinen Parteigenossen bedingungslosen und rücksichtslosen persönlichen Einsatz. Angst vor Straßenkämpfen oder Saalschlachten durfte es nicht geben. Nur dabei sein,

war nicht genug. Nur die KPD postulierte eine ähnliche Hingabe. Logische Folge war, dass die gewalttätigen Auseinandersetzungen hauptsächlich zwischen dem Roten Frontkämpferbund der KPD und der SA stattfanden.

1929  ließ er wieder prominente NS-Parteiführer auftreten. Goebbels sprach am 6. März 1929 erst in Zweibrücken und einige Stunden später in Pirmasens. Gottfried Feder trat drei Tage später in Speyer auf. Der Erfolg zeigte sich rasch.

In der Nordpfalz entstanden neue Ortsgruppen, in Frankenthal erhöhte sich die Mitgliederzahl um 40 %.

Nach den Kommunalwahlen war die Partei fast in allen Gemeinden vertreten. In Landau hatte die Partei erstmals kandidiert und hatte bei ihrer ersten Wahl sofort mit der SPD gleichgezogen.

1930 scheiterte die letzte parlamentarische Regierung der Weimarer Republik im März 1930. Hindenburg ernannte nun den Zentrumspolitiker Heinrich Brüning, der zunächst mit der Notverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen

regierte. Als auf Antrag der SPD diese gemäß Artikel 48 in der Weimarer Verfassung das Parlament von seinem Recht Gebrauch machte, die Notverordnung wieder aufzuheben, bat Brüning Hindenburg den Reichstag aufzulösen.

Die Neuwahlen wurden für den 14. September 1930 festgelegt. Bei der NSDAP gab es eine Premiere. Erstmals organisierte Joseph Goebbels den Wahlkampf der Nationalsozialisten zentral. Man verzichtete weitgehend auf antisemitistische Parolen.

Man prangerte den Verfall Deutschlands im “System Weimar” an, beschwor die Volksgemeinschaft. Wichtiges Thema war natürlich die Weltwirtschaftskrise, die als Komplott gegen Deutschland dargestellt wurde. Hitler engagierte sich in diesem Wahlkampf enorm. Zwischen dem 3. August und dem 13.September trat er in mehr als 20 Großveranstaltungen als Hauptredner auf. Für Bürckel war diese Wahl in doppelter Hinsicht bedeutsam. Erstens  wollte er natürlich ein beeindruckendes Ergebnis erzielen. Vor allem aber kandidierte er erstmals in einer Listenverbindung mit dem Wahlkreis Franken erstmals als Abgeordneter für die pfälzische NSDAP, und das mit ausdrücklicher Billigung Hitlers. Hitler unterstützte Bürckel auch persönlich. Auf einer der Großveranstaltungen

trat er am 26. August 1930 in der Eberthalle in Ludwigshafen auf. Das war das erste offizielle Auftreten Hitlers in der Pfalz. Am 30. Juni 1930 war Frankreich aus Mainz und der Pfalz abgezogen, nachdem Deutschland am 21. August 1929 den Youngplan angenommen

hatte, der die deutschen Reparationsverpflichtungen neuregelte. Darin war auch der Abzug Frankreichs festgelegt worden.

Es war ein blutiger Wahlkampf mit Zusammenstößen, Straßenschlachten und auch mit Toten. Am 14. September wurde gewählt, mit einer Wahlbeteiligung von 82,0 %, man vergleiche das mal mit der Wahlbeteiligung von heute!

Die NSDAP erzielte erdrutschartige Erfolge. Sie bekam 18, 3 % der Stimmen, was gegenüber der letzten Wahl einen Zuwachs von 15,7 % der Stimmen bedeutete. Mandate erhielt sie 107, also 95 mehr als 1928 und war hinter der SPD zweitstärkste

Kraft. Die SPD hatte 10 Sitze verloren, war aber mit 143 Sitzen immer noch stärkste Kraft. Nur die KPD (+ 2,5 %) und die Christlich-Nationale Bauern-und Landvolkpartei (+ 1,3 %) konnten Zugewinne erzielen.

Die pfälzische NSDAP lag auch bei dieser Wahl mit 22, 8 % der Stimmen deutlich über dem Reichsschnitt und auch über Bayern, wo die Nationalsozialisten 17,9 % errangen. In der Pfalz hatte die NSDAP sogar die SPD mit 0,4 % hinter sich gelassen

und war die stärkste Kraft geworden. Sie hatte 2, die SPD dagegen nur 1 Mandat errungen. Das 4. Pfälzer Mandat erhielt die Bayrische Volkspartei, die mit 12,8 % knapp vor dem Zentrum  (12,1 %)

Eine Sonderstellung nahm das Dorf Darstein ein. Es war die erste Gemeinde deutschlandweit mit 100 % Stimmen für die NSADAP. Das Dorf hatte bei 156 Einwohnern  106 Wähler. Natürlich bejubelte die nationalsozialistische Presse dieses Ergebnis.

Der Eisenhammer schrieb in seinem Artikel “Ein rein nationalsozialistisches Dorf” Darstein sei Vorbild für das ganze Reich. Als die Nazis an der Macht waren, wurde es zum Ehrendorf der NSDAP ernannt,. 1936 wurde in Köpenick sogar eine Straße nach Darstein benannt. Den “Darsteiner Weg” gibt es heute noch, er überdauerte sogar den Sozialismus. Darstein war übrigens protestantisch, die Konfessionsgrenzen waren damals sehr scharf. In katholischen Gemeinden waren meist halb so hoch wie in protestantischen Gemeinden. Auch die Gemeindegröße spielte eine Rolle. Je kleiner der Ort, desto größer die Chance für die Nationalsozialisten. So hatte sich die Strategie, in ländlichen Gegenden zu agitieren,  als richtig erwiesen.

Neben Bürckel kam Wilhelm Frick für die Pfalz in den Reichstag. Er war 1930 Innenminister in Thüringen und damit der erste nationalsozialistische Minister überhaupt in Deutschland. Er hatte am Hitlerputsch teilgenommen und Hitler

schätzte ihn als “durchgekochten Nationalsozialisten”.

Für Bürckel war die Wahl voll aufgegangen. Seine parteiinternen Gegner verstummten.  Nun war er plötzlich über seinen Gau hinaus bekannt geworden. Er wurde öffentlich wahrgenommen.

Ab 1930 hatte Bürckel außer dem Eisenhammer auch die NSZ-Rheinfront herausgegeben. Sehr schnell wandelte er diese in eine GmbH um, die finanziellen Schwierigkeiten des Eisenhammers, die er ja erlebt hatte, hatten ihn zu diesem Schritt gebracht.

Mit Billigung Hitlers hatte er diese Mitte der 30-iger Jahre in die “Josef-Bürckel-Stiftung “ eingebracht. Sie umfasste ein großes Verlagssystem. Seine Pfälzer Parteigenossen trieb er zur ständigen Abonnentenwerbung an. Außerdem erhielten alle Parteigenossen

die Anweisung, nur in der NSZ-Rheinfront zu inserieren. Außerdem wurden alle Parteigenossen mit Parteiausschluss bedroht, wenn sie eine nicht nationalsozialistische oder neben der NSZ-Rheinfront noch eine Nicht-NS-Zeitung abonniert hatten.

Außerdem war es ihnen verboten, in anderen Zeitungen zu inserieren. Gegen die anderen Pfälzer Presseorgane wurde recht hemdsärmelig vorgegangen. Amtliche Bekanntmachungen oder Anzeigen wurden ohne Rücksicht auf bestehende

Verträge entzogen.Dann wurden oft polemisch-verleumderische Vorwürfe gegen Redakteure und Verlagsleitungen erhoben. Man machte den Zeitungen also das Leben schwer, wo es nur ging. Bald war die NSZ-Rheinfront das auflagenstärkste

Presseorgan der Pfalz. Erstaunlich aber ist, dass sich Bürckel mit seinem Verlag, dessen Reichweite sich weit über die Pfalz hinaus erstreckte, über Metz, Nancy,Riga, Kiew, Athen bis nach Tromsoe, der Zentralisierung der regionalen Parteizeitungen

durch die Parteileitung widersetzen konnte. Max Amann war seit 1933 Präsident der Reichspressekammer, einer Unterabteilung der von Goebbels geleiteten Reichskulturkammer. Er kontrollierte praktisch die gesamte deutsche Presse. In diesem Dreigestirn

um die Macht im Pressewesen war noch Dr. Otto Dietrich, der am 30.April 1933 zum Vorsitzenden des Reichsverbandes der Deutschen Presse gewählt wurde. Goebbels setzte sich erst Ende März 1945, kurz vor seinem Selbstmord endgültig durch.

Bürckel hatte aber die Stellung seines Presseimperiums wahren können.

1927 hatte sich in Berliner Großbetrieben so etwas wie eine nationalsozialistische Arbeitnehmervertretung gebildet, die sich an der betriebsbezogenen Organisationstruktur der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition der KPD orientierte.

1928 wurde daraus die NSBO, die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation. Die sich verschärfende Weltwirtschaftskrise hatte auch die NSBO mehr und mehr in ein sozialistisches Fahrwasser gleiten lassen. Die Reichsleitung der NSDAP

konnte sich daher mit der NSBO zunächst nicht anfreunden. Die Reichstagswahlen vom September 1930 hatten aber gezeigt, dass die NSDAP auch bei Arbeitern immer mehr Anklang fand. Bürckel, der ja ohnehin für die sozialistische Ausrichtung

seiner Partei ähnlich wie Georg Strasser stand, erkannte sofort die Chancen, die sich daraus ergaben. Und wie er einige Jahre zuvor dafür gesorgt hatte, dass sich die NSDAP mit ihrer Werbung auf ländliche Bereiche konzentriert hatte, nahm er nun

die Arbeiterschaft ins Visier.

Ende Januar wurde in Kaiserslautern die “NSBO-Pfaff” gegründet. Pfaff war damals die zweitgrößte Nähmaschinenfabrik in Europa.Die Arbeit übernahm für ihn vor allem Claus Selzer. Er war seit 1930 in Ludwigshafen und dort Ortsgruppen und Kreisleiter

der NSDAP. Ab 1932 war er Reichstagsabgeordneter und 1934 war er Stellvertretender Leiter der NSBO. Seine Karriere beendete er als Generalkommissar von Dnjepropetrowsk, wo er 1944 angeblich an einer Fischvergiftung starb.

Bis Mitte 1931 hatte Selzer bereits 11 NSBO gegründet und mit großem Tempo ging es weiter. Im September gab es bereits 31 Betriebszellen, unter anderem in Ludwigshafen bei der IG Farben, der heutigen BASF.

Organisatorisch vereinfacht wurde die Arbeit durch die Umsiedlung de Gaubetriebszelle nach Neustadt in die Räume der Gauleitung, mit Erfolg wie die Zahlen belegen. Zum Jahresende gab es 48 Zellen mit über 1000 organisierten Mitgliedern.

Ein halbes Jahr später gab es 320 Zellen mit 6.698 organisierten Mitgliedern. Eine wichtige Etappe dahin waren die Betriebsratswahlen im März 1931. Diese wurden von der Gauleitung so konzentriert angegangen, als ob es sich um eine Reichstagswahl handelte.

Öffentliche Großveranstaltungen wurden abgehalten. Die Redner waren eigens für die Auseinandersetzung mit den gewerkschaftlichen Gegnern geschult worden. Die NSBO Kandidaten sollten über Kenntnisse verfügen, die es ihnen ermöglichte,

die Aufgabe eines Betriebsrates für alle Arbeitnehmer erfüllen zu können. Er selbst hielt sich bei diesen Veranstaltungen völlig zurück. Es gelang, der breiten Öffentlichkeit den Eindruck zu vermitteln, die NSBO sei eine von der NSDAP unabhängige

und nicht von ihr gesteuerte Organisation. Wieder hatte Bürckel sein politisches Gespür bewiesen, der Partei schon vor 1933 eine neue Zielgruppe zugeführt und sich selbst als fähigen Gauleiter gezeigt und sein persönliches Ansehen beim Führer gesteigert.

Die erste Amtszeit des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg endete am 25. April 1932. Brüning hatte vorher versucht, die Amtszeit Hindenburgs verlängern zu lassen. Das aber hätte eine Verfassungsänderung bedurft, zu der eine Zweidrittelmehrheit

notwendig war. Um diese Mehrheit zu bekommen, brauchte Brüning aber die Stimmen der Rechten. DNVP und NSDAP lehnten Brünings Vorschläge ab, obwohl er vor allem Hitler weitreichende Zugeständnisse gemacht hatte. Hitler schlachtete dies sofort aus

und spielte sogar  den Hüter der Verfassung. Eine vom Gesetz vorgesehene Volkswahl musste also abgehalten werden. Ein “Hindenburgausschuss” wurde ins Leben gerufen, der den bisherigen Präsidenten zur erneuten Kandidatur bewegen sollte.

Schließlich erklärte sich Hindenburg bereit, noch einmal zur Wahl anzutreten. Die Harzburger Front war auseinander gebrochen. DNVP und Stahlhelm. Sie wollten Hitler nicht den Sprung ins Präsidentenamt ermöglichen. Sie stellten mit Theodor Duesterberg einen

eigenen Kandidaten auf. Hitler hatte seinen Hut schon in den Ring geworfen. Göring hatte das schon in einer Rede im Sportpalast angekündigt. Allerdings war Hitler zu der Zeit staatenlos, konnte also gar nicht kandidieren. Ein Kunstkniff machte es

möglich. Im Freistaat Braunschweig regierte eine NSDAP-DNVP-Koalition. Der Freistaat ernannte ihn zum Schein zum Gesandten bei der Landesvertretung in Berlin.Das war ein Staatsbeamter und damit war automatisch die deutsche Staatsbürgerschaft

verbunden. Für die KPD stand Ernst Thälmann zur Wahl. Außerdem trat noch Gustav A.Winter für die Inflationsgeschädigten an.

Die Wahlbeteiligung war mit 86,2 % hoch. im ersten Wahlgang erreichte aber keiner der Kandidaten die notwendige absolute Mehrheit, so dass ein zweiter Wahlgang erforderlich war.

Jetzt genügte die einfache Mehrheit. Hindenburg gewann mit 53,1 %. Hitler kam auf 36,7 % der Stimmen. Das war zwar ein deutlicher Zuwachs gegenüber der Reichstagswahl, 5 Millionen Stimmen mehr. Aber mit der eigenen Propaganda hatte man die Erwartungen so hoch geschraubt, dass das Ergebnis als Niederlage empfunden wurde. In der Pfalz hatte man gegenüber der Reichstagswahl 90.000 stimmen dazu gewonnen. Man war zwar enttäuscht aber doch stolz auf den Zugewinn. Bürckel erklärte seinen Anhängern “Die Schlacht ist aus, der Krieg geht weiter”

Hindenburg hatte seinen Sieg hauptsächlich den Sozialdemokraten und Katholiken zu verdanken, was er als Schmach empfand. Sein Groll richtete sich aber gegen Brüning, der sich im Wahlkampf wie kein anderer für ihn eingesetzt hatte.

Das Reparationsproblem stand kurz vor seiner endgültigen Lösung. In der vom 16. Juni bis 9. Juli tagenden Konferenz  aller betroffenen Staaten hatte man sich auf völlige Streichung der Reparationsschuld Deutschlands geeinigt. Zuvor aber hatte sich Brüning

die Sympathie der Präsidentenberater verscherzt, vor allem, weil er sich nicht als Marionette benutzen lassen wollte. Das war einmal Otto Meissner, der sowohl Mitarbeiter von Friedrich Ebert als auch von Hindenburg war. Er war engster Mitarbeiter

der Präsidenten Ebert und Hindenburg und arbeitete als Staatssekretär im Büro des Reichspräsidenten. Er war aber auch Chef der Präsidialkanzlei des Führers und das von 1933-1945. Dann ist Hindenburgs Sohn Oskar der  in dieser Zeit als Adjutant seines Vaters gearbeitet hat. Tucholsky sagt über ihn. Es sei der “in der Verfassung nicht vorgesehene Sohn des Reichspräsidenten”. Der Stuttgarter Historiker Wolfram Pyta schreibt in seiner umfassenden Hindenburgbiographie allerdings, dass Hindenburg sehr wohl gewusst habe, was er tue und nicht von “einer Kamarilla” gesteuert gewesen sei.

Brüning hatte auf Wunsch vieler Länder, auch Bayerns und Preussens beim Reichspräsidenten ein Verbot der SA und SS erwirkt, die er als Hauptursache der politischen Gewalt sah. Das war der Hauptgrund, der Brüning zu Fall brachte.

Brüning wollte den ostelbischen Gütern im Mai 1932 eine kräftige Finanzspritze zukommen lassen. Allerdings sollte der Staat nicht mehr sanierungsfähige Güter aufkaufen bzw. ersteigern und diese in Bauernstellen für Arbeitslose aufteilen.

Das wurde beim Präsidenten als “Agrarbolschewismus” denunziert. Der Entlassgrund war gefunden. Hindenburg entzog am 29. Mai dem Kanzler das Recht  auf die Anwendung der Notverordnung (Artikel 48 der Weimarer Verfassung).

Brüning musste zurücktreten “hundert Meter vor dem Ziel”, wie er das selbst empfand. Im Vorfeld hatte es Geheimverhandlungen zwischen Schleicher und Hitler gegeben. Hitler hatte zugesagt, eine neue Regierung parlamentarisch zu tolerieren,

wenn das SA-Verbot aufgehoben würde und Neuwahlen durchgeführt wurden. Brüning wurde also entlassen. Am 31. Juli wurden die Wahlen zum 6. Reichstag festgelegt.

Die Zeit für den Wahlkampf war nun äußerst knapp.

Die NSDAP hatte schon gleich nach der Wahl des Reichspräsidenten ihre Taktik geändert. Sie hielt ihre Versammlungen oft in von Linken bevorzugte Kneipen und nahm bewusst gewalttätige Auseinandersetzungen in Kauf. Außerdem spulte sie ein enormes

Auftrittspensum in der Öffentlichkeit ab. Täglich wurden Kundgebungen, Aufmärsche und öffentliche Versammlungen abgehalten. Das vermittelte den Eindruck großer Tatkraft und man konnte daraus den Schluss ziehen, dass die NSDAP in der Lage sein

werde, die großen Probleme, die anstanden, zum Wohle aller lösen zu können. Auch Anlässe, die nicht mit den Wahlen zusammenhingen, wurden benutzt, Aufmerksamkeit zu erregen.

1932 jährte sich zum Beispiel das Hambacher Fest zum 100. Mal. Reichsinnenminister Dr. Josef Wirth plante zum Jubiläum eine große gesamtdeutsche Feier. Die pfälzische Presse organisierte das Fest und wollte es frei von parteipolitischen

Aspekten halten. Festredner war Theodor Heuss, Mitglied des Reichstages von 1924 bis 1928 und 1930-1933. Bürckel sprach von einem demokratischen Rummel. Er erklärte, es sei das Fest eines ersterbenden Systems. Die 1832 beteiligten

Juden, z.B. Ludwig Börne überschüttete er mit antisemitischen Hasstiraden. Verstärkt wurde das durch Berichte in der nationalsozialistischen Presse, die sich gegen die Demokratie überhaupt wandte. Gleichzeitig wurden die Veranstalter des Festes von 1832 zu

Vorkämpfern für ein Drittes Deutschen Reichs hochstilisiert.

Zu schaffen machte der NSDAP das SA und SS-Uniformverbot, das ja Brüning durchgesetzt hatte. Zwar hatte von Papen gemäß den zwischen Schleicher und Hitler abgemachte Aufhebung des Verbotes am 16. Juni 1932 aufgehoben. Nun setzte der Straßenterror wieder ein. Die bayrische Regierung hatte aber gestützt auf ihre Polizeihoheit das Verbot bis  30. September 1932 verlängert. Für die NSDAP wirkte sich das noch verschärfend aus, da die bayrische Regierung alle Aufmärsche und Versammlungen  unter freiem

Himmel verboten hatte und bei Zuwiderhandlung mit Gefängnisstrafe gedroht hatte. Daraufhin erschienen die bayrischen nationalsozialistischen Abgeordneten in Uniform im Landtag. Trotz mehrfacher Aufforderung verließen sie den Saal nicht.

Daraufhin ließ der Landtagspräsident den Saal von der Polizei räumen. Von Papen war nun gezwungen, das Verbot aufzuheben. Bürckel wurde von der Aufhebung des Verbots noch vor der öffentlichen Verkündigung informiert und organisierte sofort

einen Demonstrationszug von mehr als 300 uniformierten SA und SS Männer.Da die Aufhebung noch nicht bekannt war, wurde in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt, diese Männer seien bereit, für ihre politische Überzeugung auch ins Gefängnis

zu gehen. Punktsieg für Bürckel.

Am 31. Juli wurde schließlich gewählt. Die Wahlbeteiligung war mit 84,1 %  wieder sehr hoch. Klarer Sieger war die NSDAP. Sie hatte 37,2 % der Stimmen errungen, gegenüber 1930 also nochmals ein Zuwachs von 19 % und auch die Zahl ihrer Abgeordneten

hatte sie mehr als verdoppelt. Statt 107 Sitze erhielt sie nun 230, also 123 Mandate mehr als 1930. In der Pfalz aber hatte die NSDAP ein geradezu triumphales Ergebnis erzielt. Sie erzielte 43, 7 % der Stimmen. Sie war stärkste Partei in der Pfalz, lag aber auch in ganz Süddeutschland an der Spitze. Nur Hessen-Nassau kam mit 43,6% ganz knapp an das Pfälzer Ergebnis. Württemberg erzielte 30,3 %, Baden 36,9 % Franken 39,9 %. Nur im Osten hatten einige Wahlkreise noch besser abgeschnitten. Reichsweit das beste Ergebnis für die NSDAP holte Schleswig-Holstein mit 51,0 %. Bürckel hatte mit diesem Resultat die Gunst Hitlers voll erworben und konnte sich nun ständig der Rückendeckung des Führers sicher sein.

Trotz dieses beeindruckenden Wahlergebnisses reichte es nicht zur Übernahme der Regierungsgewalt. Zur absoluten Mehrheit hatte es für die NSDAP nicht gereicht. Hitler beendete nun die Tolerierung von Papens. Von Schleicher bot Hitler eine Regierungsbeteiligung an. Das lehnte dieser aber ab und forderte eine Neubildung der Regierung unter seiner Führung. Aber nur mit BVP und Zentrum  zusammen hätte Hitler genug Sitze für eine Regierungsbildung gehabt. Einen Reichstagspräsidenten

Hermann Göring trug das Zentrum mit, mehr aber nicht. Auf eine Regierung Hitler ließ sich Hindenburg nicht ein. Das hielt er für nicht verantwortbar. Also ernannte er  nun Franz von Papen zum Reichskanzler. In der einzigen regulären Sitzung des  Reichstags erlitt von Papen zwar eine schwere Niederlage, blieb aber zunächst im Amt. Der Reichstag wurde aufgelöst und Neuwahlen für den 6. November 1932 angesetzt.

In den vorausgegangenen  Wahlkämpfen  hatte sich die NSDAP völlig verausgabt und auch kräftemäßig war man bis an die Grenzen gegangen.

Für den nun folgenden Wahlkampf setzte die Pfälzer NSDAP  eigens hergestellte Tonfilme über Auftritte von Hitler, Göring und Straßer und anderen Parteigrößen ein. Das war ein völlig neues Werbemittel.

Am 6. November 1932 wurde gewählt. Die Wahlbeteiligung lag mit 80,6 % deutlich niedriger als noch im Juli. Die Nationalsozialisten mussten Verluste hinnehmen. Sie verlor 4,2 und erhielt 33,1% was auch einen Verlust von 34 Sitzen gegenüber

den Juliwahlen bedeutete. In der Pfalz hatte es immerhin noch für 42,5 % gereicht. Sie lag also mit nur 1,2 % Verlust deutlich unter dem Reichsschnitt. Nur die KPD und die DNVP konnte Zugewinne erzielen. Bemerkenswert sind die Zugewinne der DNVP . Sie hatte nämlich die Regierung von Papen unterstützt. Man kann das also durchaus auch für eine Zustimmung der Regierung von Papen werten. Allerdings hatte die Wahl keine rechnerisch mehr mögliche Mehrheit von NSDAP, BVP und Zentrum mehr ermöglicht. Nur die klar antiparlamentarischen Parteien NSDAP, KPD und DNVP verfügten zusammen über eine Mehrheit.

Von Schleicher hoffte, den gemäßigten Flügel der NSDAP um Gregor Strasser für eine Regierungsbeteiligung zu gewinnen, was der NSDAP auch innerparteiliche Schwierigkeiten bereitet hätte, zumal da ja der Machtkampf zwischen Strasser und Hitler stattfand.

Auch glaubte er, die freien Gewerkschaften ins Boot holen zu können. So hätte er eine Regierung quer durch alle Lager mit parlamentarischer Mehrheit zustande gebracht. Das Konzept überzeugte von Hindenburg. Er entließ von Papen und beauftragte von

Schleicher mit der Regierungsbildung. Die Gewerkschaften zögerten aber. Von Schleicher hatte Strasser die Vizekanzlerschaft und den Posten des preussischen Ministerpräsidenten. Strasser aber fühlte sich Hitler immer noch verbunden und informierte ihn über

die Gespräche mit von Schleicher. Gleichzeitig beschwor er ihn, von der “Alles oder Nichts” Politik abzugehen und die Vizekanzlerschaft anzunehmen. Dazu fühlte sich aber Hitler zu stark und lehnte ab. Enttäuschte legte Strasser am 8. Dezember alle

Parteiämter nieder und reiste nach Italien ab. Hitler übernahm die meisten Ämter selbst, den Rest teilte er unter Goebbels, Darré und Hess auf. Er rief alle Reichstagsabgeordneten der NSDAP ins Palais des Reichspräsidenten und ließ sich dort ein “Gelöbnis

unwandelbarer Treue zum Führer und Schöpfer der Bewegung” geben. Auch die Gauleiter und Landesinspektoren gaben eine öffentliche Treueerklärung ab. Ein möglicher Putschversuch war so im Vorfeld abgeblockt. Von Schleichers Plan war der zweite wichtige Baustein weggefallen. Strasser zog sich nach dem 30. Januar 1933 ins Privatleben zurück und übernahm bei der Firma Schering Kahlbaum mit Hitlers Genehmigung eine Direktionsstelle in Berlin. Im Zuge des Röhmputsches wurde er aber am 30. Juni 1934

von der Gestapo verschleppt und ermordet.

Im gesamten Reich wurden insgesamt 18 Gautagungen durchgeführt, bei denen die Parteigenossen über die Ereignisse informiert wurden. Die Pfälzer Gautagung fand am 11. Dezember 1932 in Neustadt statt. Hauptredner war Dr. Robert Ley, der am

8. Dezember von Hitler zum Reichsorganisationsleiter der NSDAP ernannt worden war. Für die Pfälzer NSDAP sprachen Willy Schmelcher, der bis 1934 Fraktionsvorsitzender der NSDAP im Stadtrat von Neustadt war, dann Schwitzgebel, der ja schon mit dem Aufbau der SA-Formationen von Bürckel betraut worden war. Dann sprach natürlich auch Bürckel, der sich aber immer wieder auf die Gedanken von Gregor Strasser berief.

Nachdem von Schleicher mit seiner Kabinettsbildung nicht vorwärts kam, hatte von Papen sich zwei Mal mit Hitler getroffen und zwar am 4. und 10.Januar, ohne dass das von Schleicher wusste. Am 15. Januar war die NSDAP in Lippe bei der

Landtagswahl stärkste Kraft geworden. Am 18. Januar sprach von Papen nun mit einem größeren Kreis. Auch Himmler und Röhm waren dabei. Am 28. Januar trat von Schleicher zurück, da seine Verhandlungen zur  Unterstützung seiner Regierung  erfolglos geblieben waren.

Von Hindenburg aber lehnte von Schleichers  Staatsnotstandplan ab. Am 29. Januar einigten sich von Papen und Hitler. Von Papen legte  Hindenburg eine Kabinettsliste vor. Am 30. Januar ernannte der Reichspräsident Hitler zum Reichskanzler.

Unbenannt

Die NSDAP und Hitler waren am Ziel. Zunächst waren nur zwei Nationalsozialisten im Kabinett. Wilhelm Frick war Innenminister und Hermann Göring war Minister ohne Geschäftsbereich. Am 10. Februar hielt Hitler seine erste große öffentliche

Rede, nachdem er zum Reichskanzler ernannt worden war.

“Deutsches Volk! Gib uns vier Jahre Zeit, dann richte und urteile über uns. Deutsches Volk, gib uns vier Jahre, und ich schwöre dir: So wie wir, und so wie ich in dieses Amt eintrat, so will ich dann gehen. Ich tat es nicht um Gehalt und nicht um Lohn, ich tat es um deiner selbst wegen.“

Nach  der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war der Reichstag am 1. Februar aufgelöst worden. Deshalb waren Neuwahlen notwendig geworden, die am 5. März 1933 abgehalten wurden.

Die veränderte Lage hatte auch die Parteikassen wieder prall gefüllt, vor allem die Industrie hatte jetzt finanziert. Bürckel setzte bei seinem jetzigen Wahlkampf auch den Rundfunk als neues wirksames Medium ein. Auch neu in der Gaugeschichte,

er band jetzt die Frauen der Parteigenossen aktiv in den Wahlkampf ein.

Vom 27. auf den 28. Februar brannte der Reichstag. Schon am 4. Februar war Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes des Deutschen Volkes erlassen worden. Sie schränkte die Pressefreiheit und die Versammlungsfreiheit

stark ein und wurde vor allem genutzt, den politischen Gegner der NSDAP zu bekämpfen. Am Tag nach dem Reichstagsbrand wurde die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat erlassen, fast gleichlautend wie die Verordnung

vom 4. Februar. Sie setzte die Bürgerrechte der Weimarer Republik weitgehend außer Kraft. Sie war auch als Reichstagsbrandverordnung bezeichnet worden. Die Strukturen der KPD wurden praktisch zerschlagen. Trotz des rigorosen Einetzens dieses Instrumentes

schaffte die NSDAP die absolute Mehrheit nicht. Die Wahlbeteiligung war mit 88,74 % enorm hoch. Die NSDAP legte nochmals enorm zu, kam aber “nur” auf 43,9 %. Die KPD hatte  4,6 % verloren und kam auf 12,3 %. Wenn man aber bedenkt, welch enormem Terror die KPD ausgesetzt war, ist das gerade unter diesen irregulären Bedingungen ein ganz starkes Ergebnis. In der Pfalz wählten 46,5 % die NSDAP. Einen Sitz gewann man wieder dazu und hatte damit wie bei der Wahl vom Juli 1932 wieder 4 Mandate.

Bürckel hatte wieder mehr Stimmen als im Reichsdurchschnitt eingefahren. In 11 pfälzischen Amtsbezirken war die absolute Mehrheit geschafft worden.Ein total aus dem Rahmen fallendes Ergebnis sei aber auch noch erwähnt. War Darstein bei der Wahl von 1930

“ein rein nationalsozialistisches Dorf” geworden, so wählte das nur wenige Kilometer entfernt gelegene Hauenstein im März 1993 mit 92,6 % aller Stimmen die gemeinsame Liste von BVP und Zentrum. Es war damit reichsweit das höchste Ergebnis einer nicht nationalsozialistischen  Partei. Die NSDAP kam in Hauenstein nur auf 4,8 %.

In Ludwigshafen, der “marxistischen Hochburg” wurden 34,3 % erreicht. Das waren zwar gut 10 % unter dem Reichsdurchschnitt. Aber  Bürckel ließ das natürlich von einem Fackelzug durch Ludwigshafen feiern. Dem aus Parteiorganisation bestehende

Demonstrationszug schlossen sich Beamtenorganisationen, Militärvereine und berittene Landespolizei an (Wettstein S. 141). Auch forderte er “die Auflösung des bayrischen Landtages und sämtlicher Selbstverwaltungskörper und unverzügliche Ausschreibung von

Neuwahlen” (Wettstein ebda). Schließlich entsprächen sie nicht mehr der Mehrheit des bayrischen Volkes. In Bayern ging das sehr schnell, wobei Bayern das letzte Land war, in dem die Landesregierung abgesetzt wurde.

Den Anfang machte Hamburg noch am Abend der Reichstagswahl. Am nächsten Tag folgten  Lübeck Bremen und Hessen. Am 8. Mai waren Württemberg, Baden, Sachsen und Schaumburg-Lippe dran.Am 9. März 1933 übertrug Innenminister Frick die vollziehende Gewalt in Bayern auf Franz Ritter von Epp. Sein Freikorps war schon 1920 an der blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik beteiligt. Noch am 9. Mai kamen Adolf Wagner, der Gauleiter von München, Ernst Röhm, Heinrich Himmler und Ritter von Epp den bayrischen Ministerpräsidenten Heinrich Held auf und erklärten ihn für abgesetzt. Am 10. März wurde Ritter von Epp zum Reichskommissar ernannt. Am 15. März legte Held sein Amt nieder und zog sich nach Regensburg ins Privatleben zurück.

Der legislative Teil der “Gleichschaltung der Länder” war mit den beiden Gesetzen vom 31. März und 7. April 1933 abgeschlossen. Nachdem die Länder praktisch ausgeschaltet waren begann die Nazifizierung. In Städten und Dörfern wurden Nationalsozialisten eingesetzt.  Kaiserslautern setzte Bürckel persönlich den ständigen Stellvertreter des Vorstandes der Polizeidirektion Kaiserslautern Dr. Johannes Beck (Personalangabe nach Joachim Lilla: Staatsminister, leitende Verwaltungsbeamte und (NS-)Funktionsträger in Bayern 1918 bis 1945) ab. Vermutlich wurde er kurzzeitig in Schutzhaft genommen. Was hatte Bürckel erzürnt? Dr. Beck  hatte bei einer Wahlversammlung am 20. Februar den Gastredner und ehemaligen Reichskanzler Brüning eigenhändig in seinem Dienstwagen

zum Versammlungsort in Kaiserslautern gefahren, was Bürckel zu Rachedrohungen veranlasst hatte, die er nun nur ein paar Wochen später in die Tat umsetzen konnte. Am 10. März wurde auch schon das ein so genanntes Schutzhaft- und Arbeitslager in Neustadt in der ehemaligen Turennekaserne eingerichtet. Es war eines der ersten Lager dieser Art in Deutschland. In Neustadt wird am 10. März Dr. Forthuber seines Amtes als Oberbürgermeister enthoben und in Schutzhaft genommen. Er wurde durch RA Rudolf Hamann ersetzt. Dieser war seit 1927 niedergelassener Rechtsanwalt in Kaiserslautern. Am 1. 3. 1932 war er in die NSDAP eingetreten. Er war dann als Gauredner und Schulungsredner tätig. Von 1932-1935 war er SA-Rechtsberater bei der Brigade 151.

Mit Dr. Forthuber hatte sich Bürckel eine regelrechte Prozessfehde geliefert, die im Jahr 1926 anfing und die sich über Jahre erstreckte (s.o. den Streit um Förster, Redakteur des Eisenhammer.)

Am 17. März ordnete er Säuberungen an. Gleichzeitig forderte er alle jüdischen Bürgermeister und Stadträte auf, ihre Ämter niederzulegen.Und als Drohung schob er nach, dass wer sich weigere, in Schutzhaft und ins Arbeitslager Neustadt gebracht würde.

Natürlich gab es auch in der Pfalz Bücherverbrennungen, schon am 26. März in Kaiserslautern, dann  am 10. Mai 1933 in Landau, am 13. Mai in Oppau, am 14. Mai in Neustadt.Gaukulturwart war Kurt Kölsch.Er hatte seine Lehrerausbildung an der Lehrerbildungsanstalt in Kaiserslautern gemacht. Er hatte Bürckel kennengelernt, war von diesem 1930 in die NSDAP –Rheinpfalz und in den Nationalsozialistischen Lehrerbund eingeführt worden. Schon im Dezember wurde er von Bürckel zum Leiter der Abteilung Rasse und Kultur ernannt. Dann war er Gaukulturwart der Westmark.

Am 21. März wurde das Parlament feierlich eröffnet. Der Tag ist als “Tag von Potsdam” in die Geschichte eingegangen. Die Abgeordneten mit Ausnahme der SPD und KPD nahmen an einem Festakt teil an dem auch der Reichspräsident anwesend war.

Hitler – in Cut und Zylinder !- verneigte sich vor von Hindenburg und gab ihm die Hand. “Der Gefreite und der Feldmarschall”. Goebbels hatte das alles sehr publikumswirksam inszeniert. Selbst das Datum war mit Bedacht gewählt worden.

Am 21. März 1871 hatte sich nämlich der erste deutsche Reichstag konstituiert. Auch der Ort war mit Potsdam sehr bewusst gewählt worden. Potsdam, die Residenzstadt Friedrichs des Großen. Man versuchte also eine Linie zu ziehen von Friedrich

über Bismarck und dann zu Hitler. Am nächsten Tag fand die konstituierende Sitzung des Reichstages in der Krolloper statt, die Ausweichquartier war, weil der Reichstag wegen des Brandes nicht benützt werden konnte.

Am 22. März wurde das erste Konzentrationslager in Dachau in Betrieb genommen. Der nächste Tag aber ebnete den Weg in die Diktatur. Am 23. März wurde nämlich über das “Ermächtigungsgesetz” abgestimmt,

das “Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich”. Hitler wurde ermächtigt, Gesetze zu erlassen ohne Mitwirkung der Legislative. Das galt auch für Verträge mit dem Ausland. Die so beschlossenen Gesetze konnten von der Verfassung

abweichen. Weder ein Reichstagsausschuss noch der Reichsrat konnten Kontrolle ausüben oder nachträglich die Aufhebung beantragen. Das Gesetz sollte 4 Jahre gelten. Die Abgeordneten der KPD waren bereits alle inhaftiert oder wie Innenminister Frick das süffisant kommentierte “durch nützliche Arbeiten in den Konzentrationslagern” am Erscheinen gehindert. Alle 81 Abgeordneten waren entweder inhaftiert, geflohen oder untergetaucht. Auch von den 120 SPD Abgeordneten konnten nur noch 94 an der Abstimmung teilnehmen. Von der SPD waren 26 Abgeordnete entweder in Haft oder geflohen. Während der Abstimmung waren illegal bewaffnete SA und SS Angehörige im Reichstag anwesend. Otto Wels, Reichstagsabgeordneter und SPD-Vorsitzender,

wandte sich in seiner Rede gegen die Annahme des Gesetzes. Es war praktisch die letzte freie Rede im Parlament. Wels stand dann auch im August 1993 prompt auf der ersten Ausbürgerungsliste des Deutschen Reiches und erhielt die deutsche Staatsangehörigkeit

aberkannt. Zentrum und BVP hatten für ihre Partei Fraktionszwang für die Abstimmung durchgesetzt und stimmte, wenn auch nach langen innerparteilichen Debatten dem Gesetz zu. Der Reichstag hatte sich damit selbst entmachtet.

Der Terror hatte schon seit dem 10. März in Bayern und der Pfalz eingesetzt. Bis zum 13. März waren schon 2000 Menschen in “Schutzhaft” genommen worden. Im April waren es 5000. (Zahlen nach Matthias Becker in Geschichte von unten.de)

Die Gewalt um den 10. März war auch Bürckel aus dem Ruder gelaufen, so stark dass sich der Münchner Gauleiter Adolf Wagner und bayrische Innenminister gezwungen sieht, einen Funkbefehl absenden zu lassen, der besagt “Eigentum und Freiheit der Person

gegen ungesetzliche Eingriffe durch Dritte zu schützen (bei Wettstein S. 145). Mit der Errichtung des KZ Dachau wurde Heinrich Himmler, der Reichsführer SS zum politischen Polizeikommissar in Bayern ernannt.Das beendete die willkürlichen Verhaftungen von

Regimegegner und solche, sie man dafür ansah nicht, sondern brachte sie lediglich in geordnete Bahnen. Bürckel ordnete nach Rundfunkansprachen von Hitler an, dass die gesamte SA und SS, soweit sie nicht in die Hilfspolizei eingegliedert sind, ihrer gewohnten Tätigkeit wieder nachzugehen hätten. auch sollten wachen vor Bezirksämtern eingezogen werden, Gewerkschaftshäusern wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden und Zeitungsgebäude geräumt werden.

Damit die geplanten Säuberungsmassnahmen im Sinne de Nazis laufen konnten, hatte Reichskommissar Ritter von Epp angeordnet, dass jedem der bayrischen Regierungspräsidenten ein Sonderkommissar der SA beigeordnet wurde. Die ernannte

SA-Chef Ernst Röhm. Für die Pfalz war das Fritz Schwitzgebel, ein wie oben schon gezeigt ein Bürckel loyal ergebener SA-Führer, der natürlich sein volles Vertrauen besass. Bürckel hatte es immer verstanden, alle wichtigen Schaltstellen mit seinen Gefolgsleuten zu

besetzen, was ihm half, seine Macht innerhalb des Apparates zu sichern. An ihm ging nichts vorbei und er behielt sich immer die letzte Entscheidung vor, obwohl laut Röhm der Sonderkommissar der “Herr in seinem Bezirk sein soll, dem sich alles unterordnen soll”

(nach Wettstein S. 150)

Ein weiterer Schritt auf dem Weg in die Gleichschaltung war das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, das Wilhelm Frick gedeckt durch das Ermächtigungsgesetz am 7. April 1933 erließ. Das Gesetz legte fest, dass “Beamte nach Maßgabe

der folgenden Bestimmungen aus dem Amt entlassen werden (können), auch wenn die nach dem geltenden Recht hierfür erforderlichen Voraussetzungen nicht vorliegen.” §1. § 3 sagte, “Beamte, die nicht arischer Abstammung sind, sind in den Ruhestand zu versetzen. Nur Frontkämpfer aus den Jahren 1914-1918 waren davon ausgenommen. Dieses “Frontkämpferprivileg” hatte der Reichspräsident von Hindenburg von Hitler eingefordert. Zum Erstaunen er Nazis erfüllten diese Bedingung eine erstaunliche hohe Zahl

von Beamten so dass noch gut die Hälfte der rund 5000 jüdischen Beamten im Amt bleiben konnten. Erst die Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935 schuf die Voraussetzung alle jüdischen Beamten zu entlassen, da sie den Beamtenstatus von

einer neugeschaffenen Reichsbürgerschaft knüpfte. Es gab nun eine gesetzliche Grundlage und bürgerliche Kreise begrüßten, dass die Judenfrage geregelt war, zumal es eine durchaus herrschende Meinung war, dass  ein “übermächtiger Einfluss der jüdischen Fremdkultur” herrsche, und dass es durchaus in Ordnung war, wenn dieser beschnitten wird. Auf Druck der NSDAP wurde der “Arierparagraph” schnell  auf nahezu alle Organisationen, berufsständische Vereinigungen und Verbände ausgedehnt.

Ebenfalls am 7. April wurde das Gesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft erlassen, allerdings auch mit der Einschränkung des Frontkämpferprivilegs.

Das Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ vom 25. April 1933 begrenzte die Neuzulassung jüdischer Schüler entsprechend dem jüdischen Bevölkerungsanteil auf 1 1/2 % Im September wurde

die Reichskulturkammer gegründet, das bedeutete dass Juden aus der Presse sowie aus künstlerischen und freien Berufen ausgeschlossen wurden.

Am 29. September 1933 folgte das Erbhofgesetz. Der Besitz eines vererbbaren Hofes war nun an arische Abstammung gebunden. In  einem Dreivierteljahr nach der Machtergreifung waren die Juden aus allen beruflichen und gesellschaftlichen Bereichen

per Gesetz verdrängt worden.

Beim Kampf gegen Warenhäuser in “jüdischem Besitz” war man in der Pfalz schneller als bei der Ausgrenzung der Juden per Gesetz aus dem öffentlichen Leben. Der reichsweite “Judenboykott” ab 1. April 1933 begann in Ludwigshafen schon am 13. März.

die 4 (jüdischen) Kaufhäuser Wronker, Rothschild, Brandt und Tietz mussten ihre Erfrischungsräume, also heute die Restaurants  schließen. Der Ludwigshafener Oberbürgermeister Fritz Ecarius schildert das in einem Brief so

„Die Schließung der Erfrischungsräume der hiesigen Warenhäuser erfolgte nicht auf amtliche Anordnung. Es bestand die Gefahr, dass die Geschäfte dazu durch die erregten Volksmassen gezwungen worden wären. Die Geschäftsinhaber haben dann auf eigenen Antrieb die Erfrischungsräume geschlossen.“ (zitiert bei Matthias Becker in Geschichte von unten.de) Der Ludwigshafener OB war zwar kein Parteigenosse. Er galt als unpolitischer Technokrat und zeigte sich in der Öffentlichkeit immer als loyal gegenüber dem nationalsozialistischen Staat. er wurde erst 1937 in den Ruhestand versetzt, nachdem er sich mit Gauleiter Bürckel über die Einführung der Gasfernversorgung von Ludwigshafen überworfen hatte. Der Boykott wurde in Ludwigshafen nicht nur begonnen, er dauerte auch am längsten. Die Warenhäuser wurden schon 1934 “arisiert” und schon Ende März 1933 durften Hermann und Max Wronker die Geschäftsräume ihres Unternehmens nicht mehr betreten. Der Gründer der Kette wurde Ende 1942 zusammen mit seiner Frau in

Auschwitz ermordet, nachdem sie vom französischen Internierungslager in Gurs nach Auschwitz deportiert worden waren.

Natürlich gab es auch Reibereien mit der katholischen Kirche. Anders als sein Württemberger Kollege Gauleiter Murr (siehe diesen Blog) ging Bürckel den pfälzischen Klerus nicht so direkt an. Murr ließ den Rottenburger Bischof Johannes Baptista Sproll

und mehrere Pfarrer des Landes verweisen. Bürckel bestritt im Jahr 1933 das katholische Priester verhaftet worden seien. Auch Misshandlungen hätten nicht stattgefunden. “Wir greifen keine Religion und keine Priester an , sondern nur Parteimenschen in Uniform”

(zitiert bei Wettstein S. 167) In der Nacht vom 26 auf 27. Juli 1933 war in Rheingönnheim der katholische Priester Wilhelm Caroli überfallen und schwer verletzt worden.  Caroli war von 1928-1933 Schriftleiter des „Katholischen Kirchenblattes“ in Ludwigshafen

und hatte schon seit 1930 sehr kritisch zum Nationalsozialismus Stellung bezogen. Er verstarb übrigens 1942 nach einer halbjährigen Lagerhaft im KZ Dachau. Geradezu zynisch hört es sich an, wenn nach dem Überfall die Gauleitung zur Ergreifung der

Täter eine Belohnung von 500 Reichsmark aussetzte. Als Täter wurden übrigens 3 SA-Männer ermittelt. Diese wurden dann parteiintern gemaßregelt. Die staatsanwaltlichen Ermittlungen wurden aber nach der Verordnung vom 7. August 1933 eingestellt,

weil es sich um ein Vergehen zur Durchsetzung des NS-Staates aus politischer Überzeugung gehandelt habe. (zitiert bei Wettstein S. 167).

Die gespannten Beziehungen der katholischen Kirche hatten sich nach dem Ermächtigungsgesetz etwas entspannt. Zentrum und katholische Kirche waren eng verflochten. Nach dem Ermächtigungsgesetz gab Kardinal Adolf Bertram, der seit 1919 Vorsitzender

der Fuldaer Bischofskonferenz war, seelsorgerliche Anweisungen an die Mitglieder der Bischofskonferenz. Die ablehnende Haltung der kath. Kirche gegenüber der nationalsozialistischen Bewegung sollte nach der Erklärung Hitlers  korrigiert werden. So hob die Kirche das Verbot von Katholiken in die NSDAP einzutreten stillschweigend auf. Auch der Ausschluss von den Sakramenten und das Uniformverbot bei Gottesdiensten wurde revidiert.

Im Gemeinsamen Hirtenbrief vom 8. Juni 1933 heißt es unter anderem :”daß kein Gemeinwesen ohne Obrigkeit gedeiht,und nur die willige Einfügung in das Volk und die gehorsame Unterordnung unter die rechtmäßige Volksleitung die Wiedererstarkung der

Volkskraft und Volksgröße gewährleisten.” (zitiert bei Hans Müller: Katholische Kirche und Nationalsozialismus. Dokumente, S. 163)

Schon vorher hatte Adolf Hitler erklärt, wie seine “ nationale Regierung” die Rolle der Konfessionen sah. In seiner Regierungserklärung vom 23.03 1933 sagte er: “Die nationale Regierung sieht in den beiden christlichen Konfessionen wichtigste Faktoren der Erhaltung unseres Volkstums. Sie wird die zwischen ihnen und den Ländern abgeschlossenen Verträge respektieren; ihre Rechte sollen nicht angetastet werden. Sie erwartet aber und hofft, daß die Arbeit an der nationalen und sittlichen Erhebung unseres Volkes, die sich die Regierung zur Aufgabe gestellt hat, umgekehrt die gleiche Würdigung erfährt. Sie wird allen anderen Konfessionen in objektiver Gerechtigkeit gegenübertreten. “ Etwas überraschend  schloss der Vatikan dann am 22.Juli 1933 das Konkordat

mit der neuen Reichsregierung ab. Die katholische Kirche hoffte damit, die deutschen Bischöfe, ihre Bistümer und die Strukturen und die katholischen Verbände vor dem Zugriff des Regimes bewahren zu können. Der Schutz der Verbände schien dringend erforderlich, zumal der Straßenterror gegen die Verbände zunahm. So musste zum Beispiel der Gesellentag des Kolpingswerkes am 11. Juni 1933 in München nach tätlichen Übergriffen der SA abgebrochen werden.

Die Verhandlungen kamen auf Wunsch der Reichsregierung wieder in Gang. Franz von Papen betont, der in dieser Regierung Vizekanzler war, dass das vor allem seiner Initiative zu verdanken war. Hitler wollte vor allem den Klerus von parteipolitischer

Tätigkeit fernhalten. Am 22.6.1933 hatte Innenminister Frick die SPD mit der Begründung, sie sei “volks-und-staatsfeindlich”, aufgelöst. Am 4. Juli gaben die BVP und am 7. Juli das Zentrum auf Druck ihre Selbstauflösung bekannt. Nun musste der Heilige Stuhl

keine Rücksicht mehr auf den politischen Katholizismus nehmen.Am 8. Juli erfolgte die Paraphierung durch Regierungsvertreter und Vertreter der katholischen Kirche.

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Das Konkordat umfasste 34 Artikel. Es regelte die wechselseitigen Rechte und Pflichten des Deutschen Reiches und der katholischen Kirche im Reichsgebiet und wird noch heute für die Bundesrepublik Deutschland als gültig betrachtet.

“Art. 1 Das Deutsche Reich gewährleistet die Freiheit des Bekenntnisses und der öffentlichen Ausübung der katholischen Religion. Es anerkennt das Recht der katholischen Kirche, innerhalb der Grenzen des für alle geltenden Gesetzes, ihre Angelegenheiten selbständig zu ordnen und zu verwalten und im Rahmen ihrer Zuständigkeit für ihre Mitglieder bindende Gesetze und Anordnungen zu erlassen.

Art. 5 Geistliche erhalten den gleichen Schutz des Staates wie Staatsbeamte

Art. 21 Der katholische Religionsunterricht in den Volksschulen, Berufsschulen, Mittelschulen und höheren Lehranstalten ist ordentliches Lehrfach und wird in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der katholischen Kirche erteilt. … “

(zit. nach: Das Zeitalter der Weltkriege und Revolutionen, herausgegeben von Martin Greschat und Hans-Walter Krumwiede (Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen; V), Neukirchen-Vluyn 1999, 75])

Damit waren für die Kirche wichtige Punkte festgeschrieben. Noch am selben Tag hob Adolf Hitler mit einer Verordnung Zwangsmaßnahmen gegen Geistliche und katholische Organisationen auf und bestätigte so die Hoffnungen, die die katholische

Kirche in den Vertrag gelegt hatte.

Nach der Reichstagswahl vom März hatte auf allen Feldern die “Nazifizierung” begonnen. Schnell richtete sich der Terror gegen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Am 13. März waren dem Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes

aus über 20 Orten gewaltsame Übergriffe und Besetzungen von Gewerkschaftshäusern gemeldet worden. Im März waren noch Betriebswahlen angesetzt worden. Es zeichnete sich eine Niederlage der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation ab.

sie kam nur auf 11,7 % der Stimmen, die freigewerkschaftlichen Listen erzielten 73,4 %. so wurden die Wahlen einfach ausgesetzt.

Der 1. Mai war erstmals zum gesetzlichen Feiertag mit Lohnfortzahlung worden erklärt worden. Am 2. Mai begann die Zerschlagung der Gewerkschaften. Um zehn Uhr wurden reichsweit alle Häuser des ADGB und des  Allgemeinen freien Angestelltenbundes AfA

und ihrer Mitgliedgewerkschaften besetzt. Führende Funktionäre wurden in Schutzhaft genommen. Das Vermögen der Gewerkschaften wurde eingezogen. Die Gewerkschaften waren zerschlagen.

Zurück zu Bürckel. Ludwig Siebert war am 12. April 1933 von Ritter von Epp zum bayrischen Ministerpräsidenten ernannt worden.Beide wollten die bayrischen Gauleiter, vor allem aber Bürckel in die Verwaltungshierarchie einbinden und so eine Einheit zwischen Regierung und Partei herstellen. Ludwig Osthelder hatte erst im September 1932 das Amt des Regierungspräsidenten übernommen. Nach Angriffen aus der NSDAP Bezirkstagsfraktion im Juli 1933 verzichtete er auf eine weitere Geschäftsführung und ließ

am 1. Oktober 1933 in den Einstweiligen Ruhestand versetzen. Siebert bot  nach dem Verzicht Ostfelders Bürckel das Amt des Regierungspräsidenten an. Bürckel lehnte dies umgehend ab, hätte es doch für ihn bedeutet sich den beiden Gauleitern

Adolf Wagner, München zugleich bayrischer Innenminister und Hans Schemm, Oberfranken und zugleich bayrischer Kultusminister unterzuordnen und Weisungen entgegen zu nehmen. Das deckte sich nicht mit seinem Machtbewusstsein, gestärkt durch das

Ansehen, das er bei Hitler genoss. Obwohl ihn auch Ritter von Epp inständig bat, ein Regierungsamt in Bayern anzunehmen. Er konnte sich nur eine eigenverantwortliche Staatsführung im Regierungsbezirk Pfalz vorstellen und war nur bereit, sich dem

Führer unterzuordnen. Am 8. Februar 1934 fand in München eine Gauleitertagung statt, bei der alle Gauleiter aufgefordert wurden, ein Ministeramt zu übernehmen.Nach langen Verhandlungen kam am 10. April das Ergebnis zustande, dass alle Gauleiter

als Sonderbeauftragte der Staatsregierung ernannt wurden, ohne Beamtenstatus und ohne jegliche Verwaltungstätigkeit aber mit Sitz und Stimme. Dem stimmte auch Bürckel zu. Am 24. April 1934 wurden die Gauleiter vereidigt, was Bürckel zunächst nicht

wollte-er habe bereits dem Führer den Treueid geleistet- musste aber dann doch nachgeben. Am 1. Mai übernahm Bürckel dann sein Amt als Sonderbeauftragter in Speyer. Auch hier testete er die Grenzen seiner Macht voll aus. Er schlug dem bayrischen Ministerpräsidenten Siebert Richard Imbt, den Kreisleiter und Bürgermeister von Kaiserlautern als kommissarischen Regierungspräsidenten für die Pfalz vor und ernannte ihn kraft seiner Amtsvollmacht auch gleich. Als er Imbt dann auch zu seinem

Stellvertreter als Sonderbeauftragten ernannte, wurde es dem Innenminister Frick zu viel. Er wies Siebert an, Bürckel sofort Imbt von diesem Posten abzuberufen zu lassen. Und Frick forderte Bürckel ultimativ auf, entweder das Amt des Regierungspräsidenten anzunehmen

oder das des Sonderbeauftragten niederzulegen. Bürckel verzichtete. Er hatte aber doch gewonnen. Das Amt des Regierungspräsidenten wurde nicht mehr besetzt. Stellvertretender Leiter der Kreisregierung wurde Oberregierungsrat Wemmer im Innenministerium. Die Zeit der Interimsverwaltung nutzte er, die Kreisbehörde in eine Parteibehörde umzuwandeln und mit ihm ergebenen Mitarbeitern zu besetzen. Er war dort der unangefochtene Chef. Seinen Weisungen wurde bedingungslos Folge geleistet.

Am 14. Oktober folgte ein Paukenschlag Hitlers. Der Deutsche Reichsrundfunk meldete, dass die deutschen Vertreter die in Genf tagende Abrüstungskonferenz verlassen hatten. Delegationsleiter war Rudolf Nadolny.Deutschland war auch aus dem Völkerbund

ausgetreten. Am Tag zuvor hatte Hitler in einer Kabinettssitzung erklärt, das Kabinett aufzulösen und Neuwahlen auszuschreiben und diese mit einem Volksentscheid zu seiner Friedenspolitik zu verbinden.Wahlen ist eigentlich nicht richtig ausgedrückt, denn seit

dem 14. Juli 1933 gab es in Deutschland keine Parteien mehr außer der NSDAP. An diesem Tag wurde nämlich das “Gesetz gegen die Neubildung von Parteien” erlassen.

“§ 1. In Deutschland besteht als einzige politische Partei die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.” war der erste Paragraph. (Quelle: Reichsgesetzblatt 1933 I S. 479)

Ein enormer Wahlfeldzug wurde trotzdem gestartet mit dem üblichen Szenario, Massenaufmärsche, Apelle, Plakatkrieg. Auch Intellektuelle warben für das “Ja”, so der Philosoph Martin Heidegger, der ohnehin nicht durch Distanz zum Nationalsozialismus aufgefallen ist, aber auch Gerhart Hauptmann, Ferdinand Sauerbruch. Auch die deutschen Bischöfe forderten zum Ja auf.Kardinal hatte in einer Wahlstellungnahme gesagt:”Reichskanzler Adolf Hitler hat das deutsche
Volk zu einer Abstimmung am 12. November aufgerufen,um vor der ganzen Welt den Friedenswillen des deutschen Volkes und seine Zustimmung zu den Friedensreden des Reichskanzlers
zu bekunden. Die deutschen Bischöfe, die von jeher in ihren Predigten und Hirtenbriefen für den Völkerfriedeneingetreten sind, begrüßen dieses öffentliche Bekenntnis zum
Frieden. Darum werden die Katholiken aus vaterländischem und christlichem Geist ihre Stimme für den Völkerfrieden, für die Ehre und Gleichberechtigung des deutschen Volkes erheben.
[…] Die Katholiken bekennen damit aufs neue ihre Treue zu Volk und Vaterland und ihren Dank für die weitschauenden und kraftvollen Bemühungen des Führers, dem deutschen
Volk die Schrecken eines Krieges und die Greuel des Bolschewismus
zu ersparen, die öffentliche Ordnung zu sichern und den Arbeitslosen Arbeit zu beschaffen.“ (in Entwurf III Faulhabers, 6.11.1933, in: Volk, Akten Faulhabers 1, S. 800.)

Bürckel forderte auf zur Abstimmung zu gehen und drohte, wer nicht zur Wahl ginge, würde als Separatist betrachtet. Auf den Einsatz einer großen Zahl von Rednern verzichtete er. Er setzte auf “private Gespräche”. Vor Ort

und in den Betrieben sollten die notwendigen Stimmen gesammelt werden. Auch setzte er auf die “Volksgemeinschaft”, diese beschwor er immer wieder. Am 8. November gab er eine Bekanntmachung heraus, die so nur im Gau Pfalz, nicht

aber in anderen Gauen zu finden war. “sämtlichen Bürgermeistern wird nach der Wahl eine Urkunde, unterzeichnet vom Kreiswahlleiter, ausgehändigt, aus welcher ersichtlich ist, wie die Bürger Gemeinde oder Stadt sich am 12. November zu

Deutschland und seinem Führer bekannten und wieviele sich dem Vaterland versagten” Außerdem hatte er ein Belohnungsangebot als Ansporn ausgearbeitet. “Die prozentuale Leistung am 12. November wird zur Grundlage genommen für die künftige

Nummerierung der Kreise, sodass der beste Kreis die Nummer 1 erhält, der zweitbeste die Nummer 2 usw. Die gleiche Nummerierung wird durchgeführt für die Ortsgruppen und Zellen innerhalb der Kreise.” (zitiert bei Wettstein S. 181)

Natürlich spornte das die Parteigenossen zu höchster Leistung an, den keiner wollte nach der Wahl als Versager gebrandmarkt werden. Damit hatte Bürckel auch über die Grenzen der Pfalz Aufsehen erregt.

Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps unterhielt den ganzen Tag eine Fahrbereitschaft, um Alte, Gebrechliche und Kranke zur Wahl zu bringen. Außerdem wurde auf perfide Art ein Grund gegeben, auf jeden Fall zur Wahl zu gehen.

Es wurde die Anordnung erlassen, dass die Wähler gleich nach der Stimmabgabe ein Wahlabzeichen offen zu tragen hatte. Das wurde ihnen aber erst im Wahllokal zum sofortigen Anstecken ausgehändigt.

Das Ergebnis war dann auch sehr eindeutig. 95,1 % billigten die Außenpolitik mit ihrer Zustimmung und in der gleichzeitigen Reichstagswahl erreichte die allein zur Wahl stehende NSDAP 92,2 %. Bürckel konnte mit dem Ergebnis zufrieden sein.

Der Gau Pfalz hatte wieder die Spitzenposition eingenommen. In der Pfalz hatten 97,0 % bei der Volksabstimmung mit Ja gestimmt und 96,87 % bei der gleichzeitigen Reichstagswahl für die NSDAP. Neinstimmen wurden keine verzeichnet.

Natürlich war das Ergebnis auch für Adolf Hitler wichtig. Zeigte es doch dem In-und dem Ausland, dass Hitler die große Mehrheit des deutschen Volkes hinter sich wusste.

Ein gravierendes Problem stand aber an. Es war die Rolle, die die SA im Reich spielen sollte. 1921 hatte Adolf Hitler die Gründung eines Wehrverbandes der NSDAP angeordnet. Die Sturmabteilung war eine auf Hitler eingeschworene

Kampforganisation der Partei. 1922 hatte er Hermann Göring, der auch 1922 in die NSDAP eingetreten war, mit der Führung  der im Aufbau befindlichen SA beauftragt. Sie beteiligte sich am gescheiterten Hitlerputsch.

Nach dem Putsch verbot der Chef der Reichswehr Hans von Seeckt die NSDAP aber auch rechtsextreme Wehrverbände. Als Auffangorganisation gründete Ernst Röhm den Frontbann im Mai 1924. schon im September soll er 30.000 Mitglieder

gehabt haben. Hitler wurde Ende 1924 aus der Haft entlassen. Im Februar 1925 wurde die NSDAP neugegründet. Auch die SA wurde wieder aufgestellt, diesmal in die Partei eingegliedert. Nach der Wiedergründung der Partei

war Hitler mit Röhm über die Rolle der SA in Streit geraten. Hitler vertrat jetzt die “Legalitätstaktik”. Da passte die Zusammenarbeit mit paramilitärischen Verbänden nicht mehr ins Konzept. Hitler brauchte keinen Wehrverband mehr,

sondern lediglich einen Saalschutz. Franz Pfeffer von Salomon übernahm auf Wunsch von Hitler den Posten des Obersten SA-Führers (OSAF). Er war Jurist und war am Ende des 1.Weltkrieg  Hauptmann und Bataillonskommandeur. Er entwickelte die bis zum Ende des „Dritten Reichs“ gültige organisatorische und regionale Gliederung der SA und schuf mit vormilitärischer Ausbildung, einheitlichen Uniformen und militärischer Disziplin eine schlagkräftige Parteimiliz. Außerdem unterstanden ihm auch die HJ und der NS-Studentenbund. Provozierende Aufmärsche, zur Schau gestellte Stärke sollte die nationalsozialistische Geschlossenheit zeigen und waren auch ein Instrument der NS-Propaganda. Gewalttätige Übergriffe auf den politischen Gegner, also vor allem Mitglieder

der KPD und SPD zählten zu ihrem Repertoire, aber auch Juden und christliche Gruppen wurden Ziel von Angriffen. Eine weitere Krise zeichnete sich im Vorfeld der Reichstagswahlen von 1930 ab. Aus der SA war die Forderung laut geworden, führenden Mitgliedern einen sicheren Listenplatz bei der Wahl zu  garantieren. Hitler lehnte das ab. Auch Pfeffer von Salomon bejahte die Trennung von SA-Führerschaft und Mandat. Die Berliner SA trat daraufhin in Streik. SA Männer besetzen am von 30. auf 31. August 1930 sogar die Gaugeschäftsstelle und die Redaktionsräume der Gauzeitung der Berliner NSDAP “Der Angriff” unter dem stellvertretenden OSAF Ost Walter Stennes. Es kam zu einer wilden Prügelei zwischen SA und SS-Männern, erst die herbeigerufenen Polizei konnte die Ordnung wieder herstellen. Pfeffer von Salomon trat zurück. Hitler eilte nach Berlin und übernahm selbst den Posten des OSAF .Zum Ausgleich wurde Pfeffer von Salomon bei der Septemberwahl 1932 als Reichstagskandidat aufgestellt. Für die tägliche Arbeit wurde der Posten des Stabschef neu eingerichtet. Hitler besetzt ihn mit seinem alten Kampfgefährten Ernst Röhm, der schon beim Putsch am 9. November 1923 dabei war. Röhm war nach Südamerika gegangen, hatte 1928 als Militärinstruktor  in Bolivien gearbeitet.

Er war 1930 aus Südamerika zurückgekehrt und trat wieder in die NSDAP ein.  Im Januar 1931 trat er den Posten des Staatschef der SA an. Der Konflikt zwischen Stennes und der SA-Führung war aber nicht ausgestanden. Zum einen lehnte er die unter Röhm gerade begonnene Umorganisation der SA ab. Hauptgrund der Ablehnung durch die NSDAP-Spitze war aber die aktionistische Ausrichtung von Stennes und seiner Leute. Mit der Notverordnung vom 28. März 1931 zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen ,

deutete die Regierung an, dass sie in Zukunft energischer gegen politische Gewalt vorgehen wolle. Das gefährdete die Erfolge, die die NSDAP mit der Reichstagswahl von 1930 errungen hatte. Der Umkreis um Stennes warf der “Hitler-Fraktion” vor, sich von den

alten Idealen des Nationalsozialismus abgewandt zu haben. Die SA weigere sich, sich “auf dem Altar der Legalität opfern” zu lassen. (Flugblatt »Pg., S.A.-Kameraden! Nationalsozialisten!«, 8.4.1931, BArch Bln, NS26) Hitler setzt Stennes schließlich ab, worauf es zum

zweiten “Stennes-Putsch” kam. Mehrere hundert SA-Leute besetzten das NSDAP Parteigebäude in der Berliner Hedemannstraße. Stennes wurde dann aus der Partei ausgeschlossen.

 

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Er und seine Gefolgsleute bemühten sich die Nationalsozialistische Kampfbewegung Deutschlands (NSKD)auf zubauen. Aber schon im Dezember hatten Geldnot und schwindende Mitgliederzahlen für das aus der NSKD gesorgt.Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten kam Stennes im Mai 1933 zunächst in Haft. Aber Göring, der ihn noch aus gemeinsamen Kadettenzeiten in Berlin  kannte,unterstützte ihn. Auf Rat Görings wurde Stennes in China als Mitglied einer deutschen Militärmission Berater Tschiang Kai-scheks . Er befehligte dort die Leibgarde des Nationalistenführers und schulte Polizeioffiziere. (zur weiteren Geschichte von Stennes siehe siehe Spiegel online Eines Tages SA-Führer Stennes Von Hitlers Haudrauf zu Stalins Spion).

Unabhängig von diesen inneren Auseinandersetzungen wuchs die SA beständig und rasch an. Weltwirtschaftskrise und Wahlerfolge der NSDAP trugen ihren Teil dazu bei. Der Straßenterror nahm zu  und führte 1932 zu und führte 1932 zum SA und Uniformverbot.

(s.o.) Im Vorfeld der Reichstagswahl von 1932 kam es zu 300 Toten und über 1000 Verletzten. Bis Ende 1932 waren  92 SA-Leute bei Saal- und Straßenschlachten ums Leben gekommen.  Am 14. Januar 1930 wurde Horst Wessel, ein SA-Führer, angeschossen.

Am 23. Februar starb er im Krankenhaus. Eigentlich war es um eine private Auseinandersetzung gegangen. Es ging um Streit mit Mietzahlungen in einer Wohnung wo Wessel zur Untermiete wohnte. Goebbels, damals Berliner Gauleiter, griff das unter anderen Vorzeichen auf und nutzte den Tod Wessels zur hemmungslosen Agitation. Er stilisierte ihn zum “Märtyrer” der Bewegung. Er nannte ihn einen “Christussozialisten”, einen, der durch Taten rufe: »Kommt her zu mir, ich will Euch erlösen “
Zitiert nach R. G. Reuth, Goebbels  S. 162. Goebbels gestaltete ein pompöse Trauerfeier, bei der auch Göring, der SA-Führer von Pfeffer sowie Prinz August Wilhelm von Preußen anwesend waren. Nach der Machtübernahme gab es Horst Wessel Plätze.

Das Krankenhaus, in dem er gestorben war, wurde in “Horst Wessel Krankenhaus” umgetauft. Horst Wessel hatte irgendwann zwischen 1927 und 1929 einen Liedtext gedichtet, der zur offiziellen Parteihymne der NSDAP wurde. Nach der Machtübernahme

wurde es auf Anordnung von Innenminister Frick immer im Anschluss an die erste Strophe der Nationalhymne gesungen.

Nach der Machtübernahme war Göring Minister ohne Geschäftsbereich. Außerdem trat er am 30. Januar in die Kommissariatsregierung von Preussen als Innenminister ein. De jure regierte in Preussen zwar immer noch die Regierung Braun.

Von Papen hatte im Juli 1932 nach dem “Preussenschlag” die Regierung Braun abgesetzt. Doch das war vom Staatsgerichtshof für ungültig erklärt worden. Die Notverordnung „Zur Herstellung geordneter Regierungsverhältnisse in Preußen“ vom 6. Februar 1933

übertrug kurzerhand alle der Regierung Braun noch verbliebenen Befugnisse auf die Kommissariatsregierung von Papens. Es gab keine Neuwahlen. Das war ein zweiter Staatsstreich in Preussen. Per Erlass vom 23. Februar 1933 gründete

Göring die “Hilfspolizei”. Sie war 50.000 Mann stark und setzte sich überwiegend aus SA und SS- Einheiten zusammen. In Preussen galt ein Verteilerschlüssel, nach dem jeder 5. Hilfspolizist noch aus den Reihen des Stahlhelms kommen musste.

Die Gründung einer Hilfspolizei empfahl Göring auch für andere Länder. Das preussische Beispiel machte schnell Schule. Braunschweig richtete ihre HiPo schon am 1. März ein, Bayern stellte am 9./10. März eine HiPo auf, Württemberg am 10. März und Hamburg am 15. März. So wurde der Straßenterror gegen politisch Andersdenkende mit staatlichen Vollmachten durchgeführt. Hitler zog zweifachen nutzen aus der SA  in der Zeit unmittelbar nach der Machtübernahme. Seine Gegner konnte er einschüchtern und terrorisieren.

Bei den Konservativen konnte er sich als die Person geben, die als einzige in der Lage war, die SA zu bändigen.Hitlers Macht war im Lauf des Jahres 1933 vor allem dank der SA gesichert. Der Konflikt zwischen SA und Parteiführung, der ja schon von 1930 bis 1932

ausgetragen wurde (s.o.), war ja durch die Machtübernahme nur aufgeschoben, nicht aber gelöst worden. Röhm hatte-wie schon 1925 einmal- eine andere Vorstellung von der Rolle der SA. Ihm schwebte ein “NS-Volksheer” vor. Die Einheiten der Reichswehr sollten

in denen der SA aufgehen und so das NS-Volksheer bilden. Hitler aber brauchte die Reichswehr für seine zukünftigen Kriegspläne. Röhm hatte aber auch innerparteiliche Rivalen, nämlich Göring und Himmler. Es wurde nun der Eindruck erweckt, Röhm wolle zu einem Aufstand anstiften. Gerüchte wurden geschürt, Zitate bewusst gefälscht.

Am 30. Juni 1934 war Röhm zur Kur in Bad Wiessee, begleitet von mehreren SA-Führern. Der SS-Sturmbann Dachau, am 29. November 1934 in SS-Sturmbann Oberbayern umbenannt und Heinrich Himmler zur ausschließlichen Verfügung unterstellt-

verhaftete die SA-Führung am  30. Juni 1934 in Bad Wiessee. Zwischen 150 und 200 Menschen kommen in der “Nacht der langen Messer” ums Leben. Die in Bad Wiessee verhaftete SA-Führung wurde nach München-Stadelheim gebracht und dort erschossen.

Man hatte aber SA-Führer aus allen Teilen nach München zu einer Konferenz beordert. Die meisten kamen mit Nachtschnellzügen in München an, wurden sofort auf dem Bahnhof verhaftet, auch nach Stadelheim gebracht und erschossen. Nur bei Ernst Röhm, immerhin Hitlers Weggefährte zeigte der Führer noch Skrupel. Er sollte einen “ehrenvollen” Abgang erhalten. Er  wurde aufgefordert, Selbstmord zu begehen. Als er das nicht tat, wurde er auch erschossen. Goebbels war während dieser Aktionen auch in München und gab auf ein Zeichen Hitlers aus dem Braunen Haus das Stichwort “Kolibri” telefonisch nach Berlin durch. Daraufhin setzte auch dort die Mordaktion ein. Aber nicht nur die SA-Führung wurde liquidiert. Alte Gegner, Kritiker und Mitwisser wurden ebenfalls aus dem Weg geräumt. auch alte Rechnungen wurden beglichen. So starb Ritter von Kahr, der als bayerischer Generalstaatskommissar Hitler bei seinem Putsch 1923 die Unterstützung versagt hatte. Der ehemalige NSDAP-Organisationsleiter  Georg Strasser wurde am 30. Juni 1934 in Berlin von der Gestapo verhaftet, in das Gestapo-Hauptquartier in Berlin  in der Prinz-Albrecht-Straße  gebracht und dort liquidiert.Sein Tod wurde zunächst als Suizid deklariert. Gut möglich, dass sich Himmler und Göring eines potentiellen Konkurrenten entledigte, bevor diesem ein Come-Back gelang. Getötet wurden auch Regimegegner aus der katholischen Kirche wie Erich Klausener, der den Vorsitz der Katholischen Aktion in Berlin innehatte. Er war Beamter im preussischen Innenministerium.

Schon vor der Machtergreifung war er überzeugter Gegner linker wie rechter Kampforganisationen und hatte eben auch die SA mit den Mitteln der preussischen Polizei entschieden bekämpft. Auch der Münchner Journalist und Archivar Fritz Gerlich zählte zu den Opfern. Gerlich war von 1920-1928 Chefredakteur der Münchner Neuesten Nachrichten, einer Vorgängerzeitung der Süddeutschen Zeitung. Ab 1930 gab er die Zeitschrift “Illustierter Sonntag’” heraus, die ab 1932 als “Der Gerade Weg” erschien. Verleger war

Erich August Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg, der am Rande erwähnt mit dieser Zeitung eine Menge Geld verlor. Gerlich schrieb in der Ausgabe vom 31.Juli 1932 “Nationalsozialismus heißt: Lüge, Hass, Brudermord und grenzenlose Not”

(Digitalisat der Bayerischen Landesbibliothek)In derselben Ausgabe wird eine Zuschrift veröffentlicht, die sich wie eine Vorwegnahme des weiteren Schicksals von Gerlich liest “Sie erbärmlicher Schmutzfink.Seien sie überzeugt, daß die Stunde bald schlägt,

wo Deutschland von Ihnen und Ihresgleichen befreit wird. Wir werden an Ihnen und Ihrer schwarzen Sippe ein besonderes Exempel statuieren…” Gerlich wurde  am 9. März 1933 von einem SA-Trupp misshandelt, in Schutzhaft genommen und verblieb dort

bis zur Nacht vom 30. Juli, wo er in Dachau erschossen wurde. Von Papen konnte seine Mitarbeiter auch nicht mehr schützen, was seine Machtlosigkeit im Kabinett Hitler illustriert. Edgar Julius Jung wurde wohl in Oranienburg ermordet. Er war

politischer Berater und Redenschreiber von Papens und entwarf die Marburger Rede, die von Papen am 17.Juni 1934 vor Marburger Studenten hielt. Carl Fedor Eduard Herbert von Bose war Oberregierungsrat und Referent von von Papen. Er wurde erschossen, weil ja auch die “Papencique” zerschlagen werden sollte. Auch die Reichswehr hatte tote zu beklagen. So wurde Kurt von Schleicher, der ehemalige Reichskanzler und Ferdinand von Bredow, enger Mitarbeiter und Vertrauter Kurt von Schleichers ermordet.

Hitler hatte allerdings behauptet, von Schleicher und von Bredow hätten Landesverrat betrieben. Das empörte zwar die gesamte Generalität und sie beschwerte sich beim Reichwehrminister von Blomberg. Dieser versprach eine Dokumentation zu den Vorfällen zu liefern. es blieb aber bei dem Versprechen. Der einzige, der Konsequenzen daraus zog, war Generalleutnant Wolfgang Fleck, der seinen Abschied einreichte. Die angespannte Stimmung im Offizierskorps blieb aber und sie veranlasste Hitler zu der

Aussage in einer geschlossenen Versammlung, Untersuchungen hätten ergeben, dass die Generäle von Schleicher und von Bredow irrtümlich erschossen worden seien. Hitler hatte der Reichswehr auch zugesichert, dass sie das militärische Monopol behalten solle.

Trotzdem erhielt die SS schon wenige Monate später die Erlaubnis, eigene bewaffnete Verbände aufzustellen. Am 20. Juli 1934 löste Hitler die SS aus der SA und erhob sie zu einer selbstständigen Organisation im Rahmen der NSDAP. 1934 wurden solche Mordaktionen noch juristisch bemäntelt. Am 3. Juli 1934 erließ die Regierung das Gesetz über Maßnahmen der Staatsnotwehr. Im einzigen Artikel darin heißt es: “ Die zur Niederschlagung hoch- und landesverräterischer Angriffe am 30. Juni, 1. und 2. Juli 1934 vollzogenen Maßnahmen sind als Staatsnotwehr rechtens.”

Und was war mit Bürckel während des Röhmputsches?  Am Tag der Verhaftung Röhms hatte Bürckel die pfälzischen Bauern  zu einer Versammlung auf dem  “Thingplatz” am Königstuhl auf dem Donnersberg eingeladen.Bei dieser Veranstaltung griff er den landwirtschaftlichen Gaufachberater der NSDAP Ludwig Schickert scharf an. Die beiden hatten wohl schon seit 1932 Probleme miteinander.

Auch Walther Darré war anwesend. Er war am 28. Mai 1934 zum Reichsbauernführer und am 29. Juni, also am Vortag zum Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft ernannt worden. Dessen agrarpolitische Vorstellungen empfand er als unsozial. Die Politik

Darrés missachtete nach Bürckels Einschätzung die dringenden Belange der Bauern. Bürckel nahm kein Blatt vor den Mund. In einer im Protokoll nicht vorgesehenen Schlussrede wandte er sich direkt an den neuernannten Minister und bat ihn jede unsoziale, die dringenden Bedürfnisse der pfälzischen Bauern missachtende Politik zu unterlassen. Darré war über dieses unprogrammäßige Schlusswort erzürnt und ließ ihm, nachdem er nach Berlin zurückgekehrt war, ausrichten, sein Schlusswort auf dem Donnersberg

habe ihm so gut gefallen, dass er nicht umhin könnte “Gauleiter Bürckel mitzuteilen, dass gerade Georg Strasser erschossen worden ist.” (Wettstein S. 211). Bürckel hatte aus der Säuberung für sich den Schluss gezogen, dass sie sich gegen den Machtanspruch einer

der Sittenlosigkeit und Korruption verfallenen SA-Führung gerichtet hat. In diesem Sinn fiel auch sein Telegramm aus, das er am nächsten Tag an Hitler schickte. “Die Haltung des Gaus Pfalz ist ganz selbstverständlich. Für die durchgeführte Säuberung dankt das ganze pfälzische Volk, aber auch aufrichtig die SA des Gaues Pfalz.Ihr getreuer Bürckel”. Flankiert wurde das in einem Aufruf, der in allen pfälzischen Tageszeitungen veröffentlicht wurde. “Der Führer hat aufgeräumt und uns damit erlöst…” (Wettstein S. 212).

Hindenburg hatte das Vorgehen gegen die SA durchaus forciert. Als Hitler den kranken Präsidenten auf seinem Gut Neudeck besuchte, forderte Hindenburg Hitler auf, endlich “endlich etwas gegen die revolutionären Unruhestifter zu unternehmen”  und er überlegte wohl, das Kriegsrecht zu verhängen. Am 2. August 1934 starb der Reichspräsident Paul von Hindenburg. Der verstorbene Präsident sollte eigentlich auf seinen  ausdrücklichen Wunsch auf Gut Neudeck bestattet werden. Doch die Nazis ließen sich nicht nehmen, daraus eine perfekte Inszenierung nationalsozialistischer Machtausübung zu machen. Der Leichnam war am 7. August zum Tannenberg überführt worden. Am Tag darauf wurde er in einem pompösen Staatsakt beigesetzt von Hitler mit

“Toter Feldherr, geh‘ nun ein in Walhall!“  Schon am am 1. August Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs erlassen.

Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:

§ 1

  Das Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt. Infolgedessen gehen die bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler über. Er bestimmt seinen Stellvertreter.

§ 2

  Dieses Gesetz tritt mit Wirkung von dem Zeitpunkt des Ablebens des Reichspräsidenten von Hindenburg in Kraft.

Noch am Todestag von Hindenburg lässt Reichswehrminister General von Blomberg alle Soldaten einen Eid auf Hitler ableisten. Der Eid lautete nun “Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“ Dabei hatte der Reichswehrminister gar keine rechtliche Befugnis den Text des Eides zu ändern.

Er lautete bis dahin so: “Ich schwöre der Reichsverfassung und gelobe, daß ich als tapferer Soldat das Deutsche Reich und seine gesetzmäßigen Einrichtungen jederzeit schützen, dem Reichspräsidenten und meinen Vorgesetzten Gehorsam leisten will.“

Von Blomberg erhoffte sich von dieser Änderung der Reichswehr eine starke Position zu sichern. De facto stärkte er aber die Position Hitlers. Auch hatte dies Spätfolgen, die damals natürlich nicht abzusehen waren. Als es um den Widerstand gegen Hitler,

fühlten sich viele Offiziere auch durch den Eid auf Hitler gebunden und das machte den Widerstand für einzelne durchaus auch zu einer Gewissensentscheidung. Die deutsche Bevölkerung sollte die Zusammenlegung der Ämter des Reichspräsidenten und Reichskanzlers in einer Volksabstimmung absegnen, die für den 19. August 1934 angesetzt war. Bürckel war seit 7. August 1934 offizieller Sonderbevollmächtigter der Reichsregierung für die Saarabstimmung im Januar 1935. Schon am 18. Juli hatte Joseph Goebbels

den Pfälzer Gauleiter mit der Durchführung der Saarpropaganda beauftragt. Zwar ging es bei der Volksbefragung am 19. August eigentlich um nichts. Sie diente lediglich der Akklamation. Bürckel aber musste sich beweisen. In allen Wahlen hatte er ja immer

Spitzenergebnisse eingefahren. Und auch jetzt brachte er sein erprobtes Erfolgsrezept. Aufmärsche, Fahnen, Marschmusik und aus den Lautsprechern tönten reden Hitlers oder sonstiger Parteigrößen. Am 14. August fand in Speyer eine Massenkundgebung mit

mehr als 10.000 Teilnehmern statt. Seine Rede ließ er gleichzeitig über Lautsprecher in sämtliche Gemeinden des Kreises übertragen. Er schloss pathetisch “Ich sage, dass ich am Abend des 19. Augusts vor den Führer treten werde mit der Meldung: Mein Führer,

die Kompanie Pfalz steht geschlossen hinter dir! “ (Wettstein S. 214) Seine Prophezeiung  traf ein. Die Pfalz meldete 99,9 %. (Zahl nach Landesgeschichtliches Informationssystem  Hessen).

Das Saargebiet kam nach der Niederlage von 1918 unter die Regierung des Völkerbundes. 1920 wurde es für 15 Jahre unter französische Verwaltung gestellt. Für 1935 war vertragsgemäß eine Volksabstimmung vorgesehen, die den künftigen Status des Gebiets festlegen sollte Im Jahr 1931 hatte Bürckel eine Art Patenschaft für die saarländische NSDAP übernommen. Er ordnete Parteiredner für die Partei, aber auch Saalschutz durch SA und SS-Leute aus der Pfalz ab. Er versorgte sie mit Uniformen. Er gab saarländischen Parteigenossen die Möglichkeit, in der Pfalz zu hospitieren. Er kannte die saarländische NSDAP also genau. So war es nur folgerichtig, dass Hitler Bürckel nach der Machtergreifung zum Gauleiter des Gaus Saar ernannte,

ohne aber den amtierenden Gauleiter Karl Brück seines Amtes zu entheben. Er löste den Gau Saar auf und unterstellte die NSDAP seiner Gauleitung mit der Zentrale in Neustadt. Die Regierungskommission, das war die Behörde, die das Saargebiet im

Auftrag des Völkerbundes verwaltete, verabschiedete kurz darauf ein Gesetz, das die Parteien an der Saar zur rechtlichen Eigenständigkeit gegenüber dem Deutschen Reich verpflichtete. Somit konnte Bürckel nicht Gauleiter für die Saar bleiben. Als Strohmann

für Bürckel wurde Alois Spaniol, 1904 im saarländischen Lisdorf geboren, eingesetzt. Die bürgerlich-liberalen Parteien und das katholische Zentrum schlossen sich unter  auf eine Initiative des VölkIinger Industriellen Herrmann Röchling zur ,,Deutschen Front (DF)“ zusammen. Sie trat für den Anschluss des Saargebiets an das Reich ein. Bürgerliche Politiker und Pfarrer dienten als Aushängeschilder. Nach außen wirkte sie wie eine überparteiliche Bewegung. Tatsächlich aber stand sie vollständig unter der Kontrolle

der NSDAP und die Fäden hielt Bürckel in der Hand. Der DF gehörte als Nationalsozialist Jakob Pirro  an. Die Saar-NSDAP wurde am 26. Februar 1934 aufgelöst Neuer Leiter wurde Pirro. Er gilt als Vertrauter Bürckels, der also seine Strategie bei der Personalauswahl, alle Posten mit seinen Vertrauten zu besetzen fortführte.

Bürckel hatte mit der Saarpropaganda zwei Aspekte abzudecken. Zum einen musste er natürlich die Saarländer für die Rückgliederung begeistern. Er musste aber auch die Reichsbevölkerung für die innen-und außenpolitische Bedeutung sensibilisieren.

Für den Kampf um saarländische Stimmen griff er auf seine bewährten Propagandainstrumente zurück. Presse und Film und natürlich wie immer öffentliche Kundgebungen und Versammlungen wurden genutzt. Wichtigstes Propagandamittel wurde aber mehr und mehr der Reichsrundfunk. Für die Reichsdeutschen kreierte er Saarveranstaltungen und Saarausstellungen. In Zweibrücken fand am ersten Aprilwochenende die wohl erste offizielle Saarlandkundgebung statt. Über 70.000 Menschen waren gekommen.

Auch in Mannheim, Mainz und Ludwigshafen fanden große Kundgebungen statt. Sternfahrten zur saarländischen Grenze von Parteiorganisationen wurden organisiert. Aber auch der Sängerbund Westmark oder die NS-Frauenschaft waren eingebunden.

Der Sängerbund hielt in Zweibrücken eine Kundgebung ab und das Gautreffen der NS-Frauenschaft, auch in der Grenzstadt Zweibrücken hatte 10.000 Teilnehmer/Innen.

Bürckel sah aber auch, dass es außer diesem propagandistischen Trommelfeuer wichtig war, auch die katholische Kirche zu gewinnen. Immerhin waren 73 % der saarländischen Bevölkerung Katholiken. Wichtig war ihm eine offizielle Zustimmung der beiden für das Saarland zuständigen Oberhirten Franz Rudolf Bornewasser in Trier und Ludwig Sebastian in Speyer.

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Zwar waren beide Bischöfe national eingestellt und waren deshalb für die Rückgliederung des Saargebiets ins Reich, doch ganz so glatt lief es nicht, wie Bürckel sich das erhofft hatte. Sebastian hatte sich schon 1933 geweigert, einen von Bürckel vorbereiteten Wahlaufruf zu unterschreiben. Er hatte im März 1933 demonstrativ katholische Schutzhäftlinge in Neustadt besucht. Angesichts der ständig zunehmenden Repressalien gegen den Klerus und Ordensleute hatte er sich auch geweigert nach dem Abschluss des Reichskonkordats einen Dankgottesdienst zu feiern. Auch waren die Ausschreitungen in der Pfalz während der Gleichschaltung, die Schutzhaft für pfälzische Geistliche

und die Verfolgung von Mitgliedern des Zentrums und der BVP im Saarland durchaus registriert worden. Bürckel fuhr nun einen geschmeidigeren Kurs. So wies er die pfälzische Kreisregierung im Juni 1934 an, kein Uniformverbot für die katholischen Jugendverbände zu erlassen. Er verbot die Verbreitung des “Mythus des 20. Jahrhunderts” von Rosenberg, der bei der katholischen Kirche seit Anfang 1934 auf dem Index stand. Am 21. Juni 1934 ordnete er für Fronleichnam  für die Pfalz eine allgemeine Arbeitsruhe an.

Fronleichnam war seit dem Feiertagsgesetz vom 27. Februar 1934 kein Feiertag mehr. Außerdem ordnete im “Interesse des Religionsfriedens” behördlichen Schutz für Fronleichnamsprozessionen an. Auch untersagte er , dass in der Pfälzer und saarländischen

Presse antireligiöse und die Kirche verunglimpfenden Artikel veröffentlicht wurden. Gleichzeitig machte er Druck. Er intervenierte sogar beim Vatikan, um die beiden Kirchenfürsten zu veranlassen, ihre bisherige Neutralität aufzugeben.

Am 6. Januar 1935 wurde im Reich und auf Anordnung der fürs Saargebiet zuständigen Bischöfe von Trier und Speyer ein Hirtenbrief verlesen “Am Sonntag, den 13. Januar 1935, wird im Saargebiet die Volksabstimmung stattfinden über die Frage,

ob dieses deutsche Land seine Bewohner in der durch den Versailler Gewaltfrieden aufgezwungenen Trennung vom deutschen Reich verbleiben sollen (zitiert bei Wettstein S. 264)Bei Bischof Sebastian unterblieb die Formulierung vom “Versailler Gewaltfrieden”.

Aber natürlich hat dieser Hirtenbrief das Abstimmungsergebnis beeinflusst. Das Ergebnis war überzeugend. 90,8 % der Wähler entschied sich für das Rückkehr ins Reich. Für den Status quo stimmten 8,8 % und nur 0,4 % votierten für Frankreich.

Bürckel hatte seine Fähigkeit wieder voll unter Beweis gestellt. Hitler gratulierte zu dem Erfolg persönlich am Telefon und einem persönlich an ihn gerichteten Telegramm “Aufrichtigen Dank für Ihre vorbildliche Arbeit” (Wettstein S. 267)

Auch Goebbels, der sich oft über Bürckels “sozialistische Alleingänge” ärgerte oder Dr. Frey, den er mit seiner Personal-und Verwaltungspolitik in der Pfalz oft brüskierte, gratulierten.

Am 30. Januar wurde “Gesetz über die vorläufige Verwaltung des Saarlandes” erlassen. § 1 lautete: “An der Spitze der Verwaltung des Saarlandes steht bis zur Eingliederung in einen Reichsgau der Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes mit dem Amtssitz in Saarbrücken. Der Reichskommissar wird vom Führer und Reichskanzler ernannt”. Bürckel wurde am 11. Februar  zum Reichskommissar für die Rückgliederung des Saarlandes  ernannt und am 1. März 1935 in Saarbrücken von Dr. Frick in einem Festakt

in das Amt eingesetzt. Fast alle Parteigrößen waren dabei: Hitler, Heß, Goebbels, Himmler, Rosenberg, Darré, Ley. Auch die beiden Bischöfe Bornewasser und Sebastian waren anwesend. In seiner Antrittsrede versprach Bürckel den Bau von 2000 Häusern und

Siedlungen. Zur Rückgliederung des Saarlandes sagte er klar “diese sei keine bayrische,preußische Angelegenheit, sondern allein (eine)deutsche Angelegenheit (Wettstein S.270)Tatsächlich war das Saargebiet  das erste von den Nationalsozialisten geschaffene „führerunmittelbare Territorium“, in dem der Reichskommissar neben seiner Position als oberster Präsentant der Reichsaufsicht zugleich die Funktion eines Regierungschefs ausübte.Für seine Kirchenpolitik anerkannte er die Aufgabe der Kirche. Doch sagte er auch, dass der Nationalsozialismus als Träger des Staates ungehindert seine Aufgaben erfüllen werde. Jeder sollte auf seine Arbeit beschränkt werden.

Wie er das auch in der Pfalz gemacht hatte, besetzte er die führenden Posten mit ihm loyal ergebenen Parteigenossen. Durch Führererlass vom 17. Juni 1936 wurde Bürckel zum Reichskommissar für das Saarland ernannt. Im selben Jahr wurde er

auch Obergruppenführer der SA, das entspricht dem Rang eines Generals.

Noch ein Blick auf das gesamte Reichsgebiet und die weitere Entwicklung des nationalsozialistischen Herrschaftssystem.

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Auf dem Gebiet der Innenpolitik geschah auch Wichtiges

Mit dem “Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” vom 7. April 1933 hatte die Ausgrenzung der Juden begonnen.

Die “Nürnberger Gesetze”, die am Abend des 15. September 1935 anlässlich des 7. Reichsparteitag der NSDAP, des “Reichsparteitags der Freiheit”, einstimmig angenommen wurden, schlossen die Juden praktisch aus dem deutschen Volk aus.

Die beiden Gesetze, das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (RGBl. I S. 1146) und das “das Reichsbürgergesetz” (RGBl.I S. 1146) gaben der nationalsozialistischen Rassenideologie ihre juristische Grundlage.

An der Erarbeitung von Vorlagen und Gesetzesentwürfen maßgeblich beteiligt- auch für die “Nürnberger Gesetze” war als Referent im Innenministerium Hans Globke. Er gab auch zusammen mit seinem Vorgesetzten dem Staatssekretär

Wilhelm Stuckart den ersten Kommentar zu den Nürnberger Gesetzen und deren Ausführungsverordnungen heraus. Er verfasste auch das Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen vom 17. August 1938 , das Juden zur Führung

des zusätzlichen Vornamens Israel für Männer und Sara für Frauen verpflichtete. Er konzipierte auch das J, das Juden in ihre Pässe eingeprägt bekamen, mit.

Hans Globke brachte es trotz dieser Vorgeschichte zum Zeugen der Anklage im Nürnberger Prozess. Unter Adenauer wurde er Ministerialdirigent. Am Schluss brachte er es sogar zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Er war die Schaltstelle im Kanzleramt

und Adenauers engster Vertrauter. Auch über Ordensverleihungen konnte er sich nicht beklagen. Er erhielt das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Auch eine Karriere!

Mit dem Blutschutzgesetz wurde die Eheschließung sowie der außereheliche Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Nichtjuden verboten. Das Reichsbürgergesetz legte fest, dass nur “Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes“ Reichsbürger

sein konnten. Das hatte zur Folge,dass kein Jude mehr ein öffentliches Amt innehaben durften. Jüdische Beamte, die 1933 wegen des “Frontkämpferprivilegs” noch einmal davon gekommen waren, mussten nun bis zum 31. Dezember 1935 ihren Dienst quittieren.

Juden verloren das politische Wahlrecht und durch weitere Verordnungen zum Reichsbürgergesetz wurde jüdischen Ärzten und Rechtsanwälten auch ihre Zulassung entzogen.

Zu Gauleiter Bürckel. Gleich nach 1933 waren Juden aus ihren Geschäften gedrängt worden. Der Weinhandel war traditionell überwiegend von jüdischen Händlern betrieben und die waren planmässig aus dem Geschäft gedrängt worden, oft mit fadenscheinigen Vorwürfen von Weinbetrug und Weinpanscherei. Im Mainzer Karnevalszug von 1936 fuhr sogar ein Motivwagen mit, der den Vorwurf, dass Juden minderwertige Weine als Spitzenweine verkaufe. Dazu kam ein Weinjahrgang, dessen Mengen

das 2 1/2 fache eines normalen Jahrgangs ausmachte. Die Winzer fürchteten einen Preisverfall. Also proklamierte Bürckel “Die Deutsche Weinstrasse”. Sie verlief von Schweigen nach Bockenheim und sollte die schönsten Winzerdörfer der Pfalz verbinden.

Man musste lediglich neu ausschildern. Orte die an der Route lagen durften den Zusatz “an der Weinstraße” sowie Neustadt- bisher an der Haardt nun an der Weinstraße. Am 19.  Oktober 1935 wurde in Bad Dürkheim die Deutsche Weinstraße feierlich eröffnet.

Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden wurden nur zehn Tage vorher in Kenntnis gesetzt. Ursprünglich war geplant mit einer Pfälzerwald Hochstrasse vom Donnersberg bis zum Hohen Derst, der ist oberhalb von Dörrenbach für den Fremdenverkehr

und damit auch für den Wein zu werben. Bürckel war im Juli 1935mit seinem Gefolge in der Schweigener Gaststätte “Zum Bayerischen Jäger”eingekehrt. Dabei kam man auf die Änderung der Pläne. Am Anfang der Weinstraße steht das Deutsche Weintor,

das die provisorische Holzattrappe, die bei der Eröffnung stand, ersetzt hatte. Es gab einen Architektenwettbewerb, den die Architekten August Josef Peter und Karl Mittel aus Landau gewonnen hatten. Die Grundsteinlegung fand am 27. August 1936 statt, der Abschluss der Bauarbeiten wurde nicht einmal zwei Monate später, am 18. Oktober, gefeiert.

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Entlang der Weinstraße sollten 6 Bauwerke entstehen, die zum einen als Kelterstation, zum anderen als Gaststätte mit Ausflugszielcharakter dienen sollten. Gebaut wurde

aber noch 1936 nur der “Saarhof”. Er sollte so heißen, weil die Stadt Saarbrücken die Trägerschaft übernommen hatte. Der Rohbau wurde bei Kriegsbeginn vollendet. dann nahm ihn die Wehrmacht in Beschlag. 1944/45 kaufte die Gemeinde Leinsweiler das Anwesen von der Stadt Saarbrücken. 1951 übernahm es der Landkreis Landau.Heute ist der “Leinsweiler Hof” in Privatbesitz. Parallel zur Errichtung der Weinstraße begründete Bürckel Partnerschaften Pfälzer Winzergemeinschaften mit deutschen Städten. Natürlich überschritt Bürckel damit seinen Kompetenzrahmen, denn Weinbau und Weinwerbung lagen eigentlich im Zuständigkeitsbereich von Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Darré. Aber um Kompetenzen hat Bürckel sich nie gekümmert, zumal wenn er vom Zuständigen keine hohe Meinung hatte. Für die Weinstraße regelte er vieles mit einer Reihe von Erlassen. Aus Vorgärten mussten Reklameschilder, Leuchtstofftransparente, nicht für die Pfalz typische Pflanzen, selbst Gartenzwerge entfernt werden.

Modische Bauweisen, Edelputz und Mosaiken an den Hauswänden waren verboten. Alte Fachwerkhäuser, alte Wirtshausschilder und alte Zäune waren zu erhalten. Bürckel liess die postalische Bezeichnung “an der Weinstrasse” an die Ortsnamen anhängen-

werbewirksam bis heute.

Das Verhältnis des Nationalsozialismus zur Kirche, vor allem zur katholischen, war von Anfang an ziemlich gespannt. Und wie oben gezeigt gab es gleich zu Beginn massive Übergriffe auf Geistliche und vor allem heftige Verfolgung von Zentrumsmitgliedern.

Das Verhältnis entspannte sich nach dem Konkordat ein wenig und unter Gauleiter Bürckel in der Pfalz als es um die Saarabstimmung ging und Bürckel einfach auch die massive Unterstützung der Bischöfe brauchte, um ein möglichst gutes Stimmergebnis im Saarland zu erreichen. Der Speyrer Bischof Sebastian war von Anfang an nicht auf Konfrontation aus.Wie oben gezeigt wurde, verlief die Zeit kurz vor dem Ermächtigungsgesetz sehr turbulent. Auch in der Pfalz waren sehr viele katholische Geistliche in Schutzhaft genommen worden oder wie der Pfarrer von Rheingönnheim Caroli misshandelt worden. Bischof Sebastian willigte in ein Abkommen mit der Gauleitung ein, das katholischen Priestern strengste Zurückhaltung in politischen Fragen auferlegte. Getragen war dies von der

Hoffnung, die Haftentlassung der Pfarrer zu erreichen. Das Hauptziel des Bischofs lag darin, eine geregelte Seelsorge aufrecht zu erhalten. Nach dem für das Regime günstigen Ausgang der Saarabstimmung war man nicht mehr auf Rücksichtnahme auf die Kirche angewiesen. Eine Atempause verschafften nochmals die Olympischen spiel 1936 in Deutschland. Man wollte sich im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit natürlich gut zeigen. Es kam dann Ende 1936/Anfang 1937 zum Frankenholzer Schulstreik. Es ging hier um den Rang von Schulkreuzen und Hitlerbildern. Als der nationalsozialistische Schulleiter Philipp Klein Kreuze durch Hitlerbilder ersetzen ließ, behielten Eltern ihre Kinder daheim. Als die Gestapo gegen die Rädelsführer ermittelte, schlossen sich Bergleute dem Protest mit

einem Bummelstreik an. Darauf wurden 15 Grubenarbeiter fristlos entlassen, 5 Eltern in U-Haft genommen. Gauleiter Bürckel gab nach, ließ die Geldstrafen für die Schulverweigerung aufheben,

veranlasste, dass die Verhafteten entlassen wurden und machte den Platztausch von Hitlerbild und Kreuz rückgängig.  Bischof Sebastian hatte den Vorfall in seiner ganzen Diözese publik gemacht und mit klaren Worten darauf hingewiesen,dass Frankenholz kein Einzelfall sei sondern symptomatisch für die Gesamtentwicklung im Deutschen Reich war. Die Stellungnahme des Bischofs belegte, dass Bürckels Fiktion vom Religionsfrieden in seinem Gau nicht stimmte.Fast gleichzeitig ließ Bürckel eine Abstimmung über die Einführung einer Gemeinschaftsschule im Gau Saarpfalz durchführen und erhielt ein klares Votum für die Gemeinschaftsschulen. Das wieder zeigte, dass die Bereitschaft vieler Katholiken, sich den Forderungen des Nationalsozialismus zu widersetzen, sehr rasch an ihre Grenzern stieß, wenn konkrete Nachteile drohten. Die Abstimmung war am 19. März angesetzt worden und schon am 20. März abgehalten worden. So wurde den Pfarrern die Möglichkeit genommen, dagegen Stellung zu beziehen, z. b. in Predigten.

Der 20. März war der Samstag vor Palmsonntag. Am 21. März aber wurde in allen katholischen Kirchen die päpstliche Enzyklika “Mit brennender Sorge” verlesen. Schon im Januar 1937 hatte Papst Pius XI. die Kardinäle Faulhaber (München und Freising), Bertram (Breslau zugleich Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz),und Schulte(Köln) sowie die Bischöfe Galen (Münster) und Preysing (Berlin) nach Rom gerufen, um mit ihnen zu beraten, wie man der immer feindseliger werdenden Kirchenpolitik in Deutschland begegnen sollte. Ein Brief des Papstes an Adolf Hitler oder eine öffentliche Kundgebung des Papstes gegen den Nationalsozialismus in Form einer Enzyklika wurde besprochen. Der Brief wurde verworfen, die Enzyklika beschlossen.

Kardinalstaatssekretär Pacelli bat Kardinal Faulhaber einen ersten Entwurf zu verfassen. Er arbeitete nur nachts und ohne fremde Hilfe, um die geringste Gefahr oder Indiskretion auszuschließen. Gleichzeitig bereite der Vatikan eine gleichzeitig geplante

Enzyklika gegen den Kommunismus („Divini Redemptoris“) so auffällig vor, daß die NS-Diplomaten nur auf dieses Dokument warteten. Beim Korrekturerlesen kam Faulhaber zu der Meinung, dass sich sein Entwurf vielleicht für einen deutschen Hirtenbrief,keinesfalls aber für ein päpstliches Rundschreiben eigne. Papst Pius XI. und sein Staatssekretär entschieden anders. Pacelli brachte noch geringfügige Änderungen an. Das überarbeitete Manuskript wurde in der Druckerei des Vatikans gedruckt und ging

mit einem diplomatischen Sonderboten an die Nuntiatur nach Berlin. Über Kuriere wurde es direkt an die deutschen Bischöfe übergeben. Der Postweg wurde gemieden.Vertrauenswürdiger Kirchenmitarbeiter transportierten das Papier per Fahrrad und Motorrad in die Pfarrhäuser. Man nutzte Wald- und Feldwege, um kein Aufsehen zu erregen. Die Kopien des geheimen Textes wurden in Beichtstühlen übergeben. Zwar gelangte ein Tag vor der geplanten Verlesung ein Exemplar in die Hände der Gestapo. Aber da war die Zeit zu Beschlagnahme natürlich zu knapp. Der Coup war geglückt. In den 11.500 Gemeinden Deutschlands wurde das Rundschreiben verlesen und 300.000 Kopien verteilt. Es ist diese die einzige päpstliche Enzyklika in deutscher Sprache.

Hitler soll getobt haben, als er am Vorabend der Verlesung von der Enzyklika erfuhr. In der Enzyklika steht zwar weder “Adolf Hitler” noch Nationalsozialismus aber es ist eine klare Lagebeschreibung der katholischen Kirche in Deutschland, wie es in der Überschrift heißt. Nach Abschluss des Konkordats hatten sich die Verstöße gegen die Vereinbarung gehäuft. Kardinalsstaatssekretär Eugenio Pacelli hatte dem Botschafter des Deutschen Reiches am Heiligen Stuhl über 50 diplomatische Protestnoten übergeben-

nun erklärte der Papst “daß in diesen schweren und ereignisvollen Jahren der Nachkonkordatszeit jedes Unserer Worte und jede Unserer Handlungen unter dem Gesetz der Vereinbarungstreue standen.” Und fährt dann fort ”wie von der anderen Seite die Vertragsumdeutung, die Vertragsumgehung, die Vertragsaushöhlung, schließlich die mehr oder minder öffentliche Vertragsverletzung zum ungeschriebenen Gesetz des Handelns gemacht wurden.” Auch zum  zur Rasselehre wird klar Stellung bezogen:

“Wer die Rasse, oder das Volk, oder den Staat, oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte menschlicher Gemeinschaftsgestaltung – die innerhalb der irdischen Ordnung einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz behaupten – aus dieser ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge. Ein solcher ist weit von wahrem Gottesglauben “ Auch zum Führerkult gibt es deutliche Worte: “Wer in sakrilegischer Verkennung der zwischen Gott und Geschöpf, zwischen dem Gottmenschen und den Menschenkindern klaffenden Wesensunterschiede irgend einen Sterblichen, und wäre er der Größte aller Zeiten, neben Christus zu stellen wagt, oder gar über Ihn und gegen Ihn, der muß sich sagen lassen, daß er ein Wahnprophet ist, auf den das Schriftwort erschütternde Anwendung findet: „Der im Himmel wohnt, lachet ihrer“ (Originaltext auf der Internetseite des Vatikans) Natürlich schlug der NS-Staat sofort zurück. Man antwortete mit Hausdurchsuchungen und Verhaftungen.Bistumszeitungen, die den Text gedruckt hatten, wurden beschlagnahmt und für drei Monate verboten. Zwölf der an der Vervielfältigung beteiligte Druckereien wurden entschädigungslos enteignet. Katholische Schulen und Klöster wurden geschlossen. Gegen Priester und Ordensleute wurden Prozesse wegen Unterschlagung und Sittlichkeitsprozesse geführt und publizistisch ausgeschlachtet.

Bürckel griff Bischof Sebastian scharf an. Er bezeichnete ihn als Landesverräter und Staatsfeind. Die Gestapo hatte einen Brief des Bischofs an Pacelli abgefangen, geöffnet und fotografiert in dem er über die Bedrückungen der Kirche berichtet hatte..

Am 15. August 1937 sollte in Speyer das goldene Priesterjubiläum des Bischofs gefeiert werden. 25.000 Frauen wollten zu einer “Jubelmesse” nach Speyer kommen. Sonderzüge waren bei der Reichsbahn angefordert und bereits zugesagt worden.

Nun legte Bürckel eine Großkundgebung von Parteiformationen in Speyer auf den 15. August. Die Reichsbahn zog ihre Zusage für die Sonderzüge zurück. Autobusse, die eigentlich den Frauen zur Verfügung stehen sollten, wurden von der Gauleitung

beansprucht. Bischof Sebastian entschied sich deshalb, seinen Ehrentag im Stift Neuburg gemeinsam mit dem Erzbischof von Bamberg und den Bischöfen von Würzburg und Eichstätt in einer stillen Feier zu begehen. Bürckels

Aktion hatte die die Feier des Bischofs zwar verhindert, war aber doch ins Leere gelaufen.

Auf internationaler Ebene war in der Zeit bedeutsam. Im Februar 1936 hatte die Volksfront in Spanien die Wahlen gewonnen. Daraufhin planten Offiziere nahezu öffentlich einen Putsch. Ihre Aktivitäten wurden von der Regierung praktisch ignoriert.

Als am 13. Juli 1936 der monarchistische Oppositionsführer José Calvo Sotelo ermordet wurde, mischten sich immer mehr Gruppen ein. aus dem Putsch war ein Bürgerkrieg geworden. Zwar gab es unter der Ägide des Völkerbundes ein Nichteinmischungskomitee.

Aber die faschistischen Mächte Italien und Deutschland unterstützten die Putschisten offen.Die Sowjetunion unterstütze die Regierung mit Waffen und Beratern. So wurde Spanien zum Übungsfeld für den Systemkonflikt in Europa. Ab November 1936 kämpfte

die Legion Condor mit 12000 Mann, offiziell nur Freiwillige, in Spanien. Ab Frühjahr 1937 waren auch deutsche Seestreitkräfte beteiligt. Am 26. April 1937 wurde die religiöse Hauptstadt des Baskenlandes Gernika unter massgeblicher Beteiligung der

Legion Condor fast vollständig zerstört.

Im November 1937 hatte Hitler die militärische Führungsspitze und Außenminister von Neurath zu einer Konferenz nach Berlin eingeladen. Dabei ging es zunächst um Versorgungsprobleme der Rüstungswirtschaft insbesondere mit Stahl. Doch Hitler wich von der

Tagesordnung ab und gab in einem mehrstündigen Monolog Einblick in seine außenpolitischen Ziele. Hitlers Wehrmachtsadjutant Oberst Friedrich Hoßbach fasste diese Gedankengänge Hitlers stichwortartig in einer Niederschrift zusammen. Diese wurde später als

“Hoßbachprotokoll” bezeichnet und diente später der Anlagevertretung beim Nürnberger Prozess als Beweismittel, dass die Beschuldigten einen Angriffskrieg geführt hätten. Man kannte schon Hitlers Idee vom “Lebensraum”. Nun gab es aber einen konkreten zeitlichen Rahmen. Da wurde auch klar, dass die Tschechoslowakei und Österreich auf der Agenda standen.

Im Juli 1934 putschten in Österreich Nationalsozialisten. Am 25. Juli ermordete der österreichische Nationalsozialist Otto Planetta den österreichischen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß. Im Anschluss an den missglückten Putsch wurden viele Todesurteile verhängt, von denen 13 auch vollstreckt wurden, unter anderem wurde Otto Planetta durch den Strang hingerichtet. Nachfolger von Dollfuß wurde Kurt Schuschnigg, der bisher Justizminister im Kabinett Dollfuß war.

Für Adolf Hitler bedeutete der Putsch eine enorme außenpolitische Belastung, zumal angenommen wurde, dass Deutschland zu mindestens die Finger im Spiel hatte. Am Grenzübergang Zollerschlag wurde ein Kurier festgenommen, der Dokumente bei sich hatte, das”Kollerschlager Dokument” legt den Verdacht nahe. für die österreichische Regierung war es der Beleg, dass der Juliputsch auf reichsdeutschem Boden geplant und von dort aus geleitet wurde. Hitler ging auf völlige Distanz zu den österreichischen Nationalsozialisten. Die österreichische Landesleitung der NSDAP wurde aufgelöst, der Landesinspekteur Theodor Habicht seiner Ämter enthoben. In Berlin hatte zu der Zeit die Saarabstimmung, dann die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht und

die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes Priorität am 7. März 1936. Weitere personelle Konsequenz war, dass Kurt Heinrich Rieth, der deutsche Botschafter in Wien, in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde.Für ihn wurde von Papen als

Außerordentliche Gesandter nach Wien berufen. Die deutsch-österreichische Vereinigung sollte aus den Schlagzeilen verdrängt werden. Die Beziehungen sollten scheinnormalisiert werden.

Das faschistische Italien hatte sich als Schutzmacht Österreichs gesehen und  die wichtigste außenpolitische Stütze Österreichs. Das faschistische Italien war aber bisher die wichtigste außenpolitische Stütze Österreichs. Österreich war für

Italien ein Puffer, der dem Land die gemeinsame Grenze mit Deutschland ersparte.

Das Eingreifen Deutschlands im spanischen Bürgerkrieg hatte auch zu einer Annäherung an Italien geführt, das General Franco ja ebenfalls unterstützte. Am 2. Oktober 1935 begann Italien den Abesinnienkrieg. Der Völkerverbund verhängte Wirtschaftssanktionen.

Berlin unterstütze nun Italien.

Eine Reaktion auf diese Annäherung der beiden faschistischen Mächte war das Abkommen vom 11.Juli 1936 zwischen Österreich und dem Deutschen Reich. Es bestand aus zwei Teilen, dem offiziellen Kommuniqué. Darin anerkannte die deutsche Regierung “die volle Souveränität des Bundesstaates Österreich”.Jede der beiden Regierungen “betrachtet die in dem anderen Land bestehende innenpolitische Gestaltung… als eine innere Angelegenheit des anderen Landes, auf die sie weder mittelbar noch unmittelbar Einfluss nehmen wird.”. Dann wurde noch vereinbart, dass Österreich ihre Politik auf einer Linie halten wird, die der Tatsache entspricht, dass Österreich sich als deutscher Staat bekennt. (Quellensammlung zur österreichischen und deutschen Rechtsgeschichte ,2683)In dem nichtoffiziellen Teil, als Gentlemen Agreement bezeichnet, verpflichtete sich Österreich die seit dem Juliputsch inhaftierten Angehörigen der NSDAP zu amnestieren, einzelne deutsche Zeitungen, den Völkischen Beobachter aber allerdings nicht, wieder zu zu lassen und außerdem “Vertreter der bisherigen sogenannten “nationalen Opposition in Österreich”zur Mitwirkung an der politischen Verantwortung heranzuziehen” (Quellensammlung 2864). Dafür hob Deutschland die “Tausend-Mark-Sperre” auf. Diese wurde am 1.6. 1933 durch die deutsche Reichsregierung als Reaktion auf die Ausweisung des bayrischen Justizministers Hanns Frank erlassen worden. Demnach musste jeder deutsche Staatsbürger, der nach Österreich reisen wollte, vor eine Reise nach Österreich 1000 Reichsmark bezahlen. Der Anteil deutscher Touristen nach Österreich betrug 1932 40 % und dieses Gesetz belastete den österreichischen Fremdenverkehr spürbar.

Edmund Glaisé-Horstenau wurde zum Minister ohne Portefeuille ernannt. Guido Schmidt wurde Staatssekretär des Außenministeriums.

Bei der Tagung im November 1937 war Hitler bei der Skizzierung seiner Außenpolitik auf massive Kritik von Blomberg, Fritsch und Neurath gestoßen. Anfang 1938 tauchten Polizeiakten auf, in denen die Gattin Blombergs als Prostituierte geführt wurde und Fritsch wurde als Homosexueller denunziert. Beide Offiziere wurden daraufhin zum Rücktritt gezwungen. Außenminister von Neurath wurde zum Präsidenten eines nie zusammengetreten Kabinettsrates ernannt und in seinem Amt durch Ribbentrop ersetzt. Das war ein Zeichen, dass Hitler nun gewillt war, die Entwicklung in Österreich nach seinen Vorstellungen voranzutreiben. Auf “Einladung” Hitlers kamen der österreichische Bundeskanzler Kurt Schuschnigg am 12. Februar 1938 in Begleitung des Staatssekretärs für Äußeres, Guido Schmidt auf den Obersalzberg bei Berchtesgaden. Nach einem zweistündigen Gespräch ohne Zeugen legte ihnen Hitler den Entwurf eines Abkommens vor. Die NSDAP sollte in Österreich wieder zugelassen werden.Arthur Seyss-Inquart sollte Innenminister mit absoluter Polizeigewalt werden. Verhandelt wurde nicht. Es war ein Diktat.Hitler: “ich ändere keinen Beistrich. Sie haben zu unterschreiben, oder alles andere ist zwecklos,…” (AdR, BKA/AA, Staatsurkunden, Deutsches Reich 1938 Februar 12)

Schuschnigg erreichte lediglich eine Gnadenfrist von 3 Tagen, da Ministerernennungen verfassungsrechtlich erst vom Bundespräsidenten gebilligt werden müssten. Er unterschrieb. Aber er setzte eine Volksabstimmung für den 13. März an.

Genau in diesen Tagen war Glaisé-Horstenau auf einer Vortragsreise in Stuttgart. Am 9. März fuhr er zu einem Verwandtenbesuch nach Landau. Dort erfuhr er aus Wien telefonisch von der geplanten Volksbefragung. Bürckel hatte von einem Korrespondenten von

der Anwesenheit von Glaisé-Horstenau erfahren. Bürckel lud ihn zu einem Umtrunk nach schweigen und dann zu einem geselligen Abendessen nach Neustadt ein. Dabei hörten beide eine Rundfunkübertragung von Schuschniggs Rede zu der beabsichtigten Volksbefragung. Bürckel rief umgehend in Berlin an. Dort erreichte er den persönlichen Adjutanten Hitlers in der Reichskanzlei und teilte ihm mit, dass sich Glaisé-Horstenau  gerade bei ihm befand. Beide wurden sofort nach Berlin beordert.

Auf Druck Berlins wurde die Volksabstimmung abgesagt. Schuschnigg trat am 11. März zurück. Seyss-Inquart  wurde vom Bundespräsidenten Miklas zum Bundeskanzler ernannt. Am 12. März marschierte die Wehrmacht ohne Widerstand des Bundesheeres in Österreich ein. “Der Anschluss” war vollzogen. Seyss-Inquart legte dem Präsidenten das Anschlussgesetz zur Unterzeichnung vor. Miklas legte aber seine Amtsgeschäfte nieder. Seine Funktionen gingen der Verfassung gemäß auf den Kanzler über und dieser unterzeichnete.Hitler legte eine Volksbefragung für den 10. April fest, um den Anschluss im nachhinein legitimieren zu lassen. Bürckel war ja in diesen Tagen in unmittelbarer Nähe Hitlers. Er stand beim Führer ja in hohem Ansehen. Zuverlässig hatte er immer hervorragende Wahlergebnisse geliefert und auch die Saarabstimmung problemlos und mit einem Wunschergebnis abgeschlossen. Er wurde von Hitler zum Beauftragten für die Volksabstimmung und für die Reorganisation der NSDAP ernannt.

In der Wiener Zeitung vom 14. März wurde veröffentlicht, dass Hitler Gauleiter Bürckel damit beauftragt hat und “Ich habe Gauleiter Bürckel mit der Vollmacht ausgestattet, alle Maßnahmen zu ergreifen oder anzuordnen, die zur verantwortungsvollen Erfüllung des erteilten Auftrags erforderlich (online in anno.onbc.ac.at) sind.”Schon gleich nach dem Amtsantritt von Ribbentrop hatte dieser den aus Heidelberg stammenden Wilhelm Keppler als Staatssekretär für besondere Aufgaben ins Auswärtige Amt übernommen. Ab 1936 war er Berater Hermann Görings für die Durchführung des Vierjahresplan. Am 16. März wurde im Reichsinnenministerium die “Zentralstelle für die Durchführung der Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich” eingerichtet. Innenminister Frick und Göring wollten, dass Keppler dieser Stelle vorstand.

Sie ernannten deshalb Keppler zum “Reichsbeauftragten für Österreich”. Hitler hatte Bürckel ja schon am 13. März mit seiner Aufgabe persönlich beauftragt. Zwar überschnitten sich die Aufgabengebiete der beiden grundsätzlich nicht. Keppler war

für die wirtschaftlichen und politischen Belange zuständig, Bürckel sollte sich mit der Partei und der Vorbereitung der Volksabstimmung befassen.Da sich beide nicht um Zuständigkeitsbereiche kümmerten und beide ehrgeizig waren, waren Interessenkonflikte vorprogrammiert. Bürckel hatte aber schnell die besseren Karten. Er wurde am 23. April von Hitler zum “Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich” ernannt. Die Dienststelle des

Reichsbeauftragten für Österreich wurde dem Reichskommissar untergeordnet. Von Göring und Frick erhielt Keppler nun wenig Rückhalt, da sie beide Hitler mit offener Unterstützung Kepplers nicht brüskieren wollten.

Bürckel war schon am 13. März nach Wien gereist, um dort den Einzug Hitlers vorzubereiten und gleichzeitig erste organisatorische und personelle Maßnahmen für die Volksabstimmung zu treffen. Rund 200.000 Menschen waren am 15. März auf den Heldenplatz gekommen, um Hitler begeistert zu feiern als dieser “den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich” meldete.

Bürckel ging seine Aufgabe mit Elan und von keinerlei Selbstzweifel geplagt an. Es galt zwar 90,8 % aus der Saarabstimmung zu übertreffen, denn in der Heimat des Führers sollte natürlich noch ein weitaus deutlicheres Ergebnis erzielt werden.

Bürckel sah seine Aufgabe als Vertrauensbeweis des Führers, vor allem aber als Chance, sich Gunst und Dankbarkeit Hitlers zu erhalten. Anders als an der Saar hatte er diesmal keine diplomatischen Rücksichten zu nehmen, da dieses Mal kein misstrauischer

Völkerbundsrat zuschaute. Als Dienstsitz wählt er das Parlamentsgebäude aus und ließ es beschlagnahmen, da mit “Der Beschlagnahme des Hauses kein lebenswichtiger Betrieb gestört wird” (zitiert nach Wettstein, S. 379)Politisch gewieft setzte er gleich zu Anfang durch, dass er zwischen Innenminister Frick und ihm ein Abkommen zustande kam,in dem er ausdrücklich als Hitlers politischer Beauftragter anerkannt wurde. In der Praxis bedeutete dies,dass er in Österreich zum obersten Dienstherr geworden war und bis auf

auf Wehrmacht und Polizei über alle staatlichen Stellen und Parteiorganisationen die Kompetenzhoheit besaß und somit die Geschicke Österreichs und vor allem der Stadt Wien beeinflussen konnte.

Am 10. April nun wurde die Volksabstimmung abgehalten. Im “Altreich” stimmten 99,01 Prozent der Deutschen und in Österreich 99,73 Prozent der Österreicher  für den “Anschluss”.

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Vor der Abstimmung lief die nationalsozialistische Propaganda auf Hochtouren. Auch waren rund 8 % der eigentlich Wahl-und Stimmberechtigten schon ausgeschlossen worden. Juden (200.000) und “Mischlinge” (170.000) durften nicht abstimmen. Es herrschte

ein Klima der Angst und viele wagten es gar nicht mehr, anonym in der Wahlkabine abzustimmen sondern machten ihr Kreuz öffentlich vor dem Wahlhelfer, um ja nicht in den Verdacht geraten, mit Nein gestimmt zu haben.

Wie schon in der Pfalz und dem Saarland hatte Bürckel auch in Österreich wichtige Schlüsselstellungen mit ihm loyal ergebenen Mitarbeiter aus der Pfalz besetzt. Parteibeauftragter der Stadt Wien wurde Karl Kleemann, Lehrer wie Bürckel und schon 1926

in die NSDAP eingetreten. Ab 1936 war er Kreisleiter der Stadt Ludwigshafen. Claus Selzner, der in Ludwigshafen bei der IG Farben (heute BASF) die NS-Betriebszelle gegründet hatte und dann Leiter der NSBO der Pfalz war, übernahm die Organisation der DAF in Österreich.Rudolf Röhrig, Stellvertreter  des OSAF für die Pfalz, Fritz Schwitzgebel und ab 1936 Gauschulungsleiter für den Gau Saarpfalz wurde. Carl Caspary wurde über Bürckel hauptamtlich für die SA tätig. Nach der Vereinigung des Saargebiets war er für die

Neuorganisation der SA im Saarland zuständig. dann war er Brigadeführer der SA-Brigade 151 in Saarbrücken. Nach dem Anschluss holte Bürckel ihn nach Wien. Dort leitete er die neugeschaffene SA-Reichsschule. Natürlich kam das bei den Einheimischen Nazis schlecht an, die sich um die Früchte ihrer Mitgliedschaft in der “Kampfzeit” gebracht sahen. An den Kritiken und Unmutsäußerungen störte er sich nicht. Wie schon im Saarland hatte er auch in Österreich nach dem Anschluss eine Aufnahmesperre. Denn wie in der Pfalz nach der Machtergreifung und an der Saar nach der Vereinigung mit dem Reich hatte auch in Österreich ein Zustrom opportunistischer Mitläufer eingesetzt. Bürckels enger Vertrauter und Berater Karl Barth war von 1938 bis 1940 zu ihm abgeordnet worden.

Er hatte ein Memorandum erarbeitet zu einer Neugliederung Österreichs. Nach den Vorstellungen Bürckels sollte eine reichseinheitliche Lösung angestrebt werden. Partikularistische Interessenwahrung der österreichischen Länder sollte vermeiden werden.

Oberstes Zentrum aller staatlichen und kommunalen Amtsgewalt sollte die Partei sein. Die Länder sollten aufgelöst und in Gaue umgewandelt werden. An der Spitze sollte der Gauleiter stehen, der gleichzeitig Reichsstatthalter war und somit als Reichsorgan

die Befehlsgewalt über jede Landesregierung innehatte. Einheimische Parteifunktionäre sollten ins Reich versetzt werden und somit die immer wieder aufflammenden inneren Streitigkeiten in den NS-Klüngeln ausgeschaltet werden. Bürckel hatte die österreichischen Parteigrößen Kaltenbrunner, Globocnic und Klausner in seine Planungen mit einbezogen um ihre Unterstützung zu bekommen.Bürckel gliederte die “Ostmark”, wie Österreich jetzt genannt wurde, in sieben Gaue.

Salzburg, Oberdonau mit der Hauptstadt Linz, Niederdonau mit der Hauptstadt Krems, Wien, Steiermark mit der Hauptstadt Graz, Kärnten mit der Hauptstadt Klagenfurt und Tirol mit der Hauptstadt Innsbruck. Dabei ging Osttirol im Gau Kärnten auf, Vorarlberg

im Gau Tirol. Das Burgenland wurde zwischen Steiermark und Unterdonau aufgeteilt. Bad Aussee wurde Oberdonau zugeteilt. Großwien wurde in einen eigenen Stadtgau umgewandelt. 97 Gemeinden waren eingemeindet worden und Wien war nun fast fünf mal so groß wie vor dem Anschluss. Am 22. Mai 1938 wurden per Führererlass die Gauleiter ernannt. Wenig Begeisterung fand bei Bürckel die Ernennung Globocnics zum Gauleiter von Wien. Die wichtigsten stellen hatte er ohnehin schon mit ihm ergebenen Leuten aus der Pfalz besetzt. Er wurde nur ein halbes Jahr später aus dem Amt entfernt, wo er ein finanzielles und organisatorisches Chaos hinterlassen hatte. In Wien war er maßgeblich für die Enteignung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung verantwortlich.

In Kärnten wurde Hubert Klausner Gauleiter. Er starb am 12. Februar 1939 ganz plötzlich in Wien. Sein Tod gab Anlass zu Gerüchten und Spekulationen, bis hin zu  von einem von Bürckel veranlassten Giftmord durch die SS, wie sein ehemaliger Adjutant

Erwin Aichinger schrieb (siehe dazu Alfred Elste: Kärntens braune Elite, S. 71f ) In Salzburg wurde Friedrich Rainer Gauleiter, der eng mit Globocnic befreundet war. In Oberdonau wurde August Eigruber Gauleiter und in Niederdonau wurde Hugo Jury Gauleiter, was er bis zu Kriegsende blieb. In der Steiermark wurde der junge promovierte Jurist Siegfried Uiberreither Gauleiter. Den Gau Tirol schließlich leitete Franz Hofer. Er schlug 1944 Hitler vor, ein Kerngebiet in den Alpen als letzte Bastion des Reiches zur

Alpenfestung auszubauen. Sämtliche Gauleiter waren Österreicher und unter ihren Stellvertretern nur ein Reichsdeutscher. Bürckels Vorschlag jedem Gauleiter einen reichsdeutschen Stellvertreter beizuordnen, war Hitler nicht gefolgt. Allerdings gab er dem

telegrafischen Ersuchen Bürckels statt, 26 der besten reichsdeutschen Kreisleiter zu Aufsichtszwecken in den Kreis-und Bezirksverbänden auszuleihen. Die Neugliederung Österreichs war weitgehend nach Bürckels Vorstellungen gelaufen, zumal er sich immer

auf den “Führerwillen” berief und somit jeglicher Kritik den Boden entzog.

Am 28. August 1938 richtete Bürckel in Wien die Zentralstelle für jüdische Auswanderung ein. Formell unterstand sie Franz Walter Stahlecker. Aufgebaut und organisiert wurde sie aber von Adolf Eichmann. In Berlin hatte er seit 1935 beim SD in der Abteilung II (Juden) gearbeitet. Nach dem Anschluss wurde er nach Österreich versetzt.Die Zentralstelle war geschaffen worden, um  Auswanderungswilligen die nötigen Papiere auszustellen. Die Dokumente wurden praktisch im Fließbandverfahren erstellt, nicht ohne die Ausreisenden praktisch bis zum völligen Vermögensverlust auszuplündern. Die Behörde arbeitete so effizient, dass sie schnell zum Vorbild für weitere Auswanderungsstellen wurde, so die Reichszentrale in Berlin oder später die Auswanderungsstellen in Prag oder Amsterdam. Heydrich brüstete sich bei einer Konferenz im Reichsluftfahrtministerium kurz nach der Reichskristallnacht, die Zentralstelle in Wien habe in kurzer Zeit immerhin 50 000 Juden aus Österreich herausgebracht, während es im Altreich nur 19 000 Juden waren.

Am 7. November 1938 hatte Herschel Grynszpan in Paris den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath bei einem Attentat getötet. Zu der Zeit war die Führungsspitze der NSDAP in München versammelt, um den 15. Jahrestag des Hitlerputsches zu begehen.

Von München aus erging nun die Weisung zu den seit der Machtübernahme heftigsten antisemitischen Ausschreitungen, die als Reichskristallnacht in die Geschichte eingegangen sind. 91 Tote, 267 zerstörte Gottes- und Gemeindehäuser und 7.500 verwüstete Geschäfte – das war die “offizielle” Bilanz der “berechtigten und verständlichen Empörung des deutschen Volkes“, wie das NS-Regime dazu erklärte. Tatsächlich starben mehr als 1300 Menschen. Über 1400 Synagogen oder Gebetshäuser, das war mehr als die

Hälfte in Deutschland und Österreich wurde stark beschädigt oder ganz zerstört. Am nächsten Tag wurden mehr als 30 000 männliche Juden in Konzentrationslager verschleppt. Das einzige was Göring daran zu kritisieren hatte war, die “volkswirtschaftlich unsinnige Zerstörung von Sachwerten”.

Wie Hitler schon bei der Tagung ausgeführt hatte, die im Hossbachprotokoll beschrieben wurde, stand jetzt die Tschechoslowakei auf seiner Tagesordnung. Schon vor dem Einmarsch in Österreich hatte er in der Reichstagsrede vom 20. Februar 1938 erklärt “

so wird auch das heutige Deutschland seine wenn auch um soviel begrenzteren Interessen zu vertreten und zu wahren wissen. Und zu diesen Interessen des Deutschen Reiches gehört auch der Schutz jener deutschen Volksgenossen, die aus eigenem nicht in der Lage sind, sich an unseren Grenzen das Recht einer allgemeinen menschlichen, politischen und weltanschaulichen Freiheit zu sichern.” Als Hebel in der Tschechoslowakei sollte Konrad Henlein mit seiner Sudetendeutschen Partei SdP (seit 1935, vorher Sudetendeutsche Heimatfront) Am 24. April 1938 stellte Henlein in Karlsbad ein acht-Punkte-Programm vor, ganz im Sinne Hitlers “immer so viel (zu)fordern, dass wir nicht zufrieden gestellt werden können.“

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Henlein forderte die volle Gleichberechtigung der deutschen Minderheit als Volksgruppe, die Feststellung und Anerkennung des deutschen Siedlungsgebiets innerhalb der Tschechoslowakei,den Aufbau einer deutschen Selbstverwaltung mit ausschließlich deutschen Beamten, die Wiedergutmachung der ab 1918 erlittenen wirtschaftlichen Schäden der deutschsprachigen Bewohner und endlich die „volle Freiheit des Bekenntnisses zum deutschen Volkstums und zur deutschen Weltanschauung”.

Der tschechische Premierminister Milan Hodza war bereit dieser Forderung mit dem Entwurf einer neuen Verfassung entgegenzukommen. Der tschechische Präsident Edvard Benes lehnte dies aber ab. Am 21. Mai nahm die Tschechoslowakei

eine Teilmobilmachung vor, die von Großbritannien und Frankreich gebilligt wurde.

Hinter den Kulissen gab es wegen der Sudetenkrise, die ja die Gefahr eines zunächst nur europäischen Krieges befürchten ließ, hektische diplomatische Aktivitäten. Auch Bürckel hatte sich da eingeschaltet. Er hatte geheime Kontakte zur böhmischen Hocharistokratie geknüpft, vor allem zu Max Egon von Hohenlohe-Langenburg. Dieser hatte sich schon vor der Sudetenkrise für eine Gleichstellung der deutschen Bevölkerung in der Tschechoslowakei eingesetzt. Er hatte hervorragende kontakte

nach allen Seiten. Er bewegte sich ganz ohne offizielle Funktion in den unterschiedlichsten Kreisen, beim britischen Foreign office, beim tschechischen Präsidenten und Ministerpräsidenten aber auch beim Staatsekretär in Berlin. Auch der Wiener Bürgermeister

Neubacher hatte Kontakte nach England und zwar zu dem böhmischen Grafen Alfred Dubsky, der über enge Verbindungen zu Londoner Regierungskreisen verfügte. Über ihn erfuhr Neubacher von deren diplomatischen Schritten zur Lösung der Sudetenkrise.

Neubacher gab seine Informationen dann an Bürckel weiter. Diese deutsch-böhmische Adelsgruppe stand aber auch mit der konservativen, vor allem militärischen Opposition in Kontakt. So blieben dieser die Kontakte Bürckels natürlich nicht verborgen.

Sie hofften, Bürckel für ihre Pläne zur Vermeidung des Krieges zu gewinnen. Es ist alles nichts Näheres bekannt, ob es Kontaktversuche der Militäropposition zu Bürckel gegeben hat. Bürckel hatte in seinen Reden zur Volksabstimmung immer wieder den ehrlichen Friedenswillen des deutschen Reiches betont. Auch als die Sudetenkrise ihrem Höhepunkt zustrebte, betonte Bürckel die feste Entschlossenheit gegen jeden, der den Frieden stören wolle.

In England war Neville Chamberlain seit 1937 Premierminister. Schon sein Vorgänger Ramsay MacDonald begegnete Hitler mit der “Appeasement”-Politik, also einer Beschwichtigungspolitik. Dieses Konzept ein Nachgeben innerhalb bestimmter, als „vernünftig“ geltender Regeln vor und tat gleichzeitig Hitlers Attacken als bloß rhetorisch ab. Auch Edouard Daladier mehrfacher französischer Ministerpräsident, zuletzt wieder von 1938-1940 folgte den Briten mit dieser Politik. Die Tschechoslowakei musste einsehen,

dass sie keinen Bündnispartner mehr hatte, der bereit war, für sie zu kämpfen. Dafür hatte sie einen Nachbarn, der täglich zielstrebig das Feuer weiter schürte. Außerdem schlug Hermann Göring am 1. August dem ungarischen Botschafter vor, Ungarn solle ebenfalls Gebietsforderungen an die Tschechoslowakei stellen und auch Polen wurde ermuntert, dies zu tun.

Am 12. September sagte Hitler in seiner Abschlussrede zum Reichsparteitag. “wenn diese gequälten Kreaturen kein Recht und keine Hilfe selbst finden können, sie beides von uns bekommen können. Die Rechtlosmachung dieser Menschen muss ein Ende nehmen.”

(bezogen auf die Sudetendeutschen)(Aus Max Domarus (Hg)Hitler.Reden und Proklamationen 1932-1942 2 Bde. Neustadt an der Aisch, Bd I, S. 897-906, bes. S. 901). Diese Rede stieß im Sudetenland auf begeisterte Zustimmung, löste aber auch Unruhen aus,

bei denen es Tote gab. Daraufhin erklärte sich Chamberlain bereit, unverzüglich mit Hitler zusammenzutreffen. Obwohl Hitler Chamberlain mehrfach brüskiert. Schon die Tatsache, den Gast nicht an einem Ort in der Mitte zwischen Berchtesgaden und London zu treffen, sondern ihn zwingt, auf den Berghof zu reisen, war eine Zumutung. Dort empfängt er ihn  so, dass er bei der Begrüßung auf der Freitreppe zwei Stufenüber ihm steht, war ein diplomatischer Affront. Als Hitler vorbringt, Benes  wende Gewalt gegen

seine Landsleute im Sudetenland an, er lasse sich das nicht länger bieten und werde diese Frage in kürzester Zeit aus eigener Initiative lösen “so oder so”. Auf diese unverhohlene Drohung von Gewaltanwendung, droht der Gast seinerseits mit der Abreise.

Hitler muss nachgeben und wenigstens grundsätzlich in offenen Verhandlungen einwilligen. Damit war Hitlers Eskalationsstrategie zunächst mal gescheitert. Der geplante Angriff auf die Tschechoslowakei sollte als Reaktion auf vermeintliche antideutsche

Maßnahmen der Prager Regierung kaschiert werden. Lord Walter Runciman  war schon am 8. August als Sonderbotschafter nach Prag geschickt worden um dort den Stand der sudetisch-tschechischen Differenzen zu ermitteln und gegebenenfalls auch zu vermitteln.

Sein Bericht, den er am 21. September abgab, war für die Tschechen nicht sehr gut  “Mein Eindruck ist, dass die tschechische Verwaltung im Sudetengebiet, wenn sie auch in den letzten 20 Jahren nicht aktiv unterdrückend und gewiß nicht “terroristisch” war, dennoch einen solchen Mangel an Takt und Verständnis und so viel kleinliche Intoleranz und Diskriminierung an den Tag legte, dass sich die Unzufriedenheit der deutschen Bevölkerung unvermeidlich zu einem Aufstand fortentwickeln mußte”

Er gibt die Empfehlung ab,die Grenzbezirke mit überwiegend deutscher Bevölkerung unverzüglich von der Tschechoslowakei zu trennen und Deutschland anzugliedern.

Chamberlain hatte Hitler nach dem treffen auf dem Berghof zugesagt, die Frage des Selbstbestimmungsrechts für die Sudetendeutschen sofort mit seinem Kabinett in London zu beraten und dann zu einem zweiten Gespräch nach Deutschland zurückzukommen.

Chamberlain hatte ja kein Mandat der Tschechoslowakei. Er hatte auch noch keine Zustimmung der Tschechen für die Anschlussforderungen Henleins und Hitlers. Hitler sicherte aber zu, die Wehrmacht nicht marschieren zu lassen, so lange die deutsch-britischen Gespräche laufen. Am 19. September forderte die englische und französische Regierung nun auf, Gebiete mit mehr als 50% sudetendeutscher Bevölkerung an das Deutsche Reich zu übergeben. Das lehnte die Tschechoslowakei aber ab. Zwei Stunden später

erklärt Hodza aber, dass die Tschechoslowakei im Falle eines Krieges ohne britische Unterstützung zum nachgeben bereit wäre. Da England und Frankreich klarstellen, den Tschechen beizustehen, falls Deutschland angreift, hat die Tschechoslowakei keine Wahl

und muss nachgeben. Der englisch-französische Plan zur Abtretung der mehrheitlich von Sudetendeutschen bewohnten Gebiete wird akzeptiert, wenn auch “unter Schmerzen”. Der tschechische Staatspräsident Beneš hatte Frankreich noch einen

anderen Vorschlag gemacht, nämlich böhmische Landesteile mit 800-900.000 Sudetendeutschen an Deutschland abzutreten. Im Gegenzug sollten 1,5 bis 2 Millionen Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei nach Deutschland ausgesiedelt werden. Das findet

aber keine Zustimmung. Beneš  sucht nun Hilfe von der Sowjetunion. Da aber Polen und Rumänien keine Durchmarscherlaubnis für die Rote Armee in die Tschechoslowakei geben, ist auch von da keine Hilfe zu erwarten.Dass die Tschechoslowakei am 21. September die Abtretung des Sudetenlands akzeptiert hatte, machte den Weg frei für das zweite Treffen von Chamberlain und Hitler, diesmal in Bad Godesberg vom 22.-24.September. Chamberlain erklärt dass der französisch-britische Plan nur unter großen

Mühen und Druck zustande gekommen ist. Aber statt von Hitler Dank zu ernten sieht sich der englische Premierminister neue Forderungen Hitlers gegenüber. Er verlangt die gleichen Regelungen für die ungarische und die polnische Minderheit sowie die sofortige Besetzung der mehrheitlich von Sudetendeutschen bewohnten Zonen durch die Wehrmacht innerhalb von nur vier Tagen. In die Gespräche hinein wurde, die Nachricht bekannt, die Tschechoslowakei habe mobil gemacht. Chamberlain erklärte dies als tschechische Defensivmassnahme. Hitler interpretierte dies als aggressiven Akt der tschechoslowakischen Staatsführung. Auf deutscher Seite stehen nun sieben Divisionen. Hitler beharrt darauf, dass seine Forderungen bis zum1. Oktober erfüllt werden. Andernfalls so droht er, werde er die Sudetengebiete mit Gewalt besetzen. Dann gibt es plötzlich ein Vermittlungsangebot des italienischen Diktators Mussolini, das Hitler überhaupt nicht zu Pass kommt.Hitler lädt die Staats- und Regierungschefs aus Rom, Paris und London nach München ein.  Hitler sorgt dafür, dass die Tschechoslowakei, um die es ja geht, von den Verhandlungen ausgeschlossen bleibt. Es kommt zum “Münchner Abkommen “von 1938. Es ist keine Vereinbarung zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei sondern der drei Siegermächte des Ersten Weltkriegs. Diese  vereinbaren die Räumung der Sudetenlande mit der Tschechoslowakei. Sie haben ja auch in Saint-Germain-en-Laye die Auflösung der österreichischen Reichshälfte mi dem dort geschlossenen Staatsvertrag nach dem Ende des 1. Weltkriegs die Tschechoslowakei gegründet. Mit dem Abkommen gaben die damaligen Siegermächte ihre Zustimmung zum Anschluss des gesamten Sudetenlandes an das Deutsche Reich.

Teile der Wehrmacht standen zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft Hitler und seinen Kriegsplänen durch aus kritisch gegenüber. Im Laufe der Sudetenkrise bildete sich ein Widerstandskreis an dem Militärs aus dem Heer aber auch Beamte aus dem auswärtigen Amt beteiligt waren. Einer der wichtigsten Planer war der Abwehroffizier Hans Oster. Er hatte schon 1935 begonnen ein Netzwerk von Opponenten des NS-Regimes in Staat, Verwaltung und Sicherheitsorganen zu knüpfen. Auch sein Chef Wilhelm Canaris war an den Plänen für den Umsturz beteiligt. Ranghöchster Militär war Ludwig Beck, Generalstabschef des Heeres. Er hatte nach dem Hossbachprotokoll die Absicht des Führers kritisiert, die Tschechoslowakei so schnell wie möglich anzugreifen. Im August 1938 bat er um Enthebung von seiner Stellung und übergab am 27. August die Dienstgeschäfte an Franz Halder. Alle drei wurden später im Zuge des Attentates vom 20.Juli 1944 getötet, Beck direkt nach dem Attentat, als die ihm zugestandene Selbsttötung nicht glückte, Oster und Canaris kurz vor Kriegsende in Flossenbürg. Bei der “Septemberverschwörung” wurde geplant, dass Hitler am 28. September 1938 gefangen genommen und vor Gericht gestellt werden. Der Plan wurde dann noch so abgeändert, dass Hitler getötet werden sollte. Am 28. September kam aber die überraschende Nachricht von der Münchner Konferenz. Hitler hatte teilgenommen und der friedlichen Lösung der Sudetenfrage zugestimmt. Nicht nur, dass er alle seine Ziele erreicht hatte. Er stand nun auch noch als Wahrer des Friedens da. Die Verschwörer hatten ihre Waffe  Hitlers militärisches Abenteurertum verloren. Die Popularität des Führers hatte einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Verschwörer erholten sich von dieser Wende lange nicht. Nur ein kleiner Kern blieb zusammen. Erst mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg gelang es wieder Staatsstreichpläne zu schmieden, die über ein blosses Attentat hinausgingen. Der Gestapo wurden die Umsturzpläne vom September 1938 erst bekannt, als nach dem 20. Juli

Akten in einer Außenstelle des Amtes Abwehr in Zossen gefunden wurden.

Was hatte Hitler erreicht? Er hatte einen großen Gebietsgewinn erzielt. Er hatte  der Tschechoslowakei das Befestigungssystem abgenommen, neue Industrien gewonnen und Benes ins Exil gezwungen. aber er hatte mehr gewollt. Das Ziel war Prag.

Zwar hatte er in seiner Rede im Sportpalast am 26. September 1938 zwei Tage vor der Münchner Konferenz vollmundig erklärt, was er Chamberlain gesagt habe: “Ich habe ihm weiter versichert und wiederhole es hier, daß es – wenn dieses Problem gelöst ist ist — (gemeint ist das Problem “Sudetenland”)für Deutschland in Europa kein territoriales Problem mehr gibt! “(online in www.ns-archiv.de/krieg/1938 )

Aber  nur drei Wochen später gibt er den Geheimbefehl zur Erledigung der “Resttschechei” Am 1. Oktober besetzen deutsche Truppen das Sudetenland. Vom 2.bis 10. Oktober besetzten polnische Truppen das Olsagebiet. Das ist in etwa das Gebiet des Herzogtums

Teschen im Habsburger Reich. Die Polen leiteten ihren Anspruch aus dem Zusatzabkommen zum Münchner Abkommen ab. “Sobald die Frage der polnischen und ungarischen Minderheiten in der Tschechoslowakei geregelt ist, werden Deutschland und Italien ihrerseits der Tschechoslowakei eine Garantie geben. “ Auch Ungarn machte daraus seine Ansprüche geltend und erhielt durch den Ersten Wiener Schiedsspruch vom 2. November 1938 den die Außenminister des Deutschen Reichs Ribbentrop und Italiens Ciano beschlossen hatten, in der Südslowakei und in der Karpatoukraine, wo eine ungarische Bevölkerungsmehrheit lebte, Gebiete zugesprochen.Berlin arbeitete weiter gezielt an der Destabilisierung der Tschechoslowakei. In der folge der Abtretungen musste die

Regierung den Provinzen Slowakei und Ruthenien eine umfassende Autonomie mit eigenem Parlament und eigener Regierung zugestehen. In der Slowakei war man damit aber nicht zufrieden. Slowakische Extremisten strebten eine Loslösung von der Tschechoslowakei mit totaler Selbstständigkeit an, voll unterstützt von Berlin. In einem Gespräch mit Ďurčanský, 1939-1940 Innen-und Außenminister des Slowakischen Staates sagte Hermann Göring: “Eine Tschechei ohne Slowakei ist uns, noch mehr, restlos

ausgeliefert.”(IMG Internationaler Militärgerichtshof Bd. III S. 171)

Seyss-Inquart schaltete sich ein. Er genoss bei den slowakischen Politikern Sidor, Tiso und Hlinka ein gewisses vertrauen, da er sich bei den Verhandlungen zum Wiener Schiedsspruch erfolgreich für die slowakischen Interessen eingesetzt hatte. Für ihn sprach auch, dass er wie  die slowakischen Politiker  eine katholische, konservative Herkunft hatte. Für Seyss-Inquart war es die Gelegenheit, verlorenen Boden gutzumachen.Aber auch Bürckel  mischte mit.

Am 9. März ließ Hacha, der seit dem Rücktritt von Benes Präsident der Tschechoslowakei war, die Slowakei besetzen. Die Zentralregierung setzte Tiso ab. Neuer slowakischer Regierungschef wurde Sidor. Berlin betrachtete auch nach seiner Absetzung Tiso noch als

legitimen Vertreter. Außerdem lehnte Sidor die Ausrufung der Selbstständigkeit der Slowakei ab.  Nun sollte Tiso den Slowakischen Staat ausrufen. Agenten des SD luden Tiso offiziell ein nach Berlin zu kommen. Auch ein Gespräch mit Hitler wurde in Aussicht gestellt. In Begleitung von Ďurčanský und Keppler traf er am 13. März in Berlin ein. Er hatte sich vorher von der neuen slowakischen Regierung die Zustimmung zur Reise nach Berlin geben lassen. Ribbentrop und Hitler verlangen von Tiso eine unverzügliche Entscheidung ob die Slowakei selbstständig werden wolle. Gleichzeitig informieren sie ihn über den ungarischen Truppenaufmarsch an der Slowakei. Doch auch Tiso will die Selbstständigkeit der Slowokei auf legalem Weg erreichen.

Er hatte schon vor seinem Abflug nach Berlin den slowakischen Landtag für den nächsten Tag einberufen. Tiso ist am nächsten Tag in Pressburg zurück. In einer kurzen Rede informiert er den Landtag über sein Gespräch in Berlin. Die Regierung Sidor tritt zurück.

Tiso erklärt “Kraft des Selbstbestimmungsrecht der Völker erkläre ich hiermit die Unabhängigkeit der Slowokei (nach Benoist-Méchin, Histoire de l’armée allemande Bd. 6, S. 65) Alle Abgeordneten erheben sich zum Zeichen der Zustimmung.

Am 18. März wurde zwischen der Slowakei und dem Deutschen Reich ein “Schutzvertrag” abgeschlossen.

Die Erledigung der  Resttschechei war nun auch rasch über die Bühne gegangen. Schon am 14. März überschreiten deutsche Soldaten die tschechische Grenze und besetzen Mährisch-Ostrau. Hácha war nach Berlin gebeten worden, wobei es so arrangiert worden war,

als ob der Gesprächswunsch von den Tschechen ausgegangen wäre. Es war nun keine Verhandlung die folgte, sondern ein Diktat. Hitler erklärt dem tschechischen Präsidenten, dass er den Befehl gegeben habe, in die Rest-Tschechoslowakei einzurücken und das es nur zwei Möglichkeiten gebe, entweder die tschechische Armee leiste keinen Widerstand, dann würde er der Tschechoslowakei die größtmögliche Autonomie gewähren, mehr als sie im Habsburger Reich gehabt hätte. Falls die Armee widerstand leiste, werde sie mit allen zur Verfügung stehenden Mittel vernichtet werden.Der aus dem Urlaub herbeigerufene Generalfeldmarschall setzt mit der Drohung nach, Prag bombardieren zu lassen. Hácha gibt nach und unterschreibt am frühen morgen eine Erklärung, dass er” das Schicksal des tschechischen Volkes vertrauensvoll in die Hände des Führers des Deutschen Reiches legt” (ADAP, Serie D, Bd.IV, Dokument 229)

Bis zum Abend hat die Wehrmacht die Landesteile Böhmen und Mähren besetzt. Am Abend traf Hitler in Prag ein. aus der Tschechoslowakei war das Protektorat Böhmen und Mähren geworden. Zum Reichsprotektor wird Konstantin Freiherr von Neurath bestellt.

Bürckel wurde Chef der Zivilverwaltung in Mähren mit Sitz in Brünn.

Die Zerschlagung der Tschechoslowakei wird international als Bruch des Münchner Abkommens angesehen. England, Frankreich, Polen, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion erkennen die faktische Annexion nicht an. Die USA verhängten ab dem 17. März

1939 einen Strafzoll in Höhe von 25 % auf alle deutschen Importe. Folgenreichste Entscheidung wie sich bald zeigen sollte, war eine Garantieerklärung, die England und Frankreich dem polnischen Staat am 31. März gaben.

Die Angliederung Böhmens und Mährens ohne Krieg, die Untätigkeit der Regierungen in London, Paris und Moskau sieht Hitler als Schwächezeichen und zieht den falschen Schluss, dass sie nicht in der Lage seien, sich zu einer Abwehr durchzuringen. Bestärkt wird er

in seiner Annahme dass die Botschafter Francois-Poncet und Henderson wiederholt militärisches Eingreifen angedroht hatte. Passiert war aber nichts.

Noch einmal fällt ein weiteres Gebiet ans Reich zurück. 1920 war das Memelland abgetrennt worden. Es wurde als Völkerbundsmandat unter französische Verwaltung gestellt. 1923 drangen litauische Soldaten und Freischärler in das Memelgebiet ein und vertrieben 200 französische Soldaten. Die Ständige Botschafterkonferenz der Siegermächte legt Protest ein. Litauen weigerte sich jedoch, das Memelland herauszugeben. Die Siegerstaaten gaben nach und übertrugen am 16. Februar 1923 die Souveränität über das Memelgebiet an Litauen. Der Völkerbund schloss aber nun mit dem Land Litauen die Memelkonvention .Als Anhang gehörte dazu das Memelstatut. Die litauische Regierung ist durch einem Gouverneur im Memelland vertreten. Ohne dass sie befragt wurden, werden die Memelländer Litauer. Ständige Reibereien sind an der Tagesordnung. Nach dem Österreich und das Sudetenland an das Deutsche Reich angeschlossen worden waren, wollen auch die Memelländer “heim ins Reich”.

Litauen will sich  nun seinen Anspruch auf das Memelland von Frankreich und England garantieren lassen, erhält die Garantie aber nicht.  Am 31. Oktober 1938 will Litauen die deutsch-litauischen Beziehungen neu zu gestalten und bittet um eine

Erklärung  Deutschlands  zur Unverletzbarkeit des litauischen Staatsgebiets. Da dies praktisch einen Verzicht auf das Memelland bedeutet, kommt diese Erklärung natürlich nicht. Vor weiteren Gesprächen verlangt Deutschland aber erst einmal die

völlige Einhaltung der Autonomie für das Memelland. Am 1. Dezember erklärt Litauen die Bereitschaft, dem Memelgebiet die volle Autonomie zu geben. Im Außenministerium werden zwei Vertragsentwürfe entworfen. Im Entwurf I steht

die Rückkehr des Memellands zu Deutschland  als Gegenleistung einen litauischen Freihafen und Wirtschaftsprivilegien in Memel. Entwurf II sieht nur die volle Autonomie für das Memelland vor. Am 11. Dezember 1938 finden wieder Wahlen statt.

die deutsche Liste erhält 87 % der Stimmen, was man auch als Votum der Bevölkerung für den Anschluss an das reich werten könnte. Am 20. März 19139 reist der litauische Außenminister Urbšys  nach Berlin. Dort wird er von Ribbentrop vor die Wahl

gestellt die Streitfrage gütlich zu lösen. Litauen gibt das Memelland zurück, dafür erhält es einen Freihafen. Falls nicht, haben die Militärs das Wort. Am Tag darauf berät das litauische Kabinett darüber. Am 22. März 1939 schließen Litauen und das Deutsche

Reich darüber einen Vertrag ab.

Heimkehr Memel

 

Danach ging es zielstrebig der nächsten militärischen Auseinandersetzung entgegen. Am 11. April gibt Hitler die “Weisung für die einheitliche Kriegsvorbereitung der Wehrmacht für 1939/40”. Darin ist der Fall Weiss, der die Planung für einen Angriff auf Polen enthielt.

Die englisch-französische Garantieerklärung für Polen, sowie die Weigerung Polens Zugeständnisse in der Korridor- Frage zu machen, nahm Hitler zum Anlass, am 28. April sowohl das englisch-deutsche Flottenabkommen als auch den Nichtangriffspakt mit Polen zu kündigen.

Am 23. Mai 1939 berief er die Oberbefehlshaber der Wehrmacht auf dem Oberberghof ein. Dort erklärte er den versammelten Kommandeuren, dass eine Auseinandersetzung mit Polen unvermeidlich sei und auch worum es vor allem gehe.

“Danzig ist nicht das Objekt, um das es geht. Es handelt sich für uns um die Erweiterung des Lebensraumes im Osten und Sicherstellung der Ernährung, sowie der Lösung des Baltikum- Problems. Lebensmittelversorgung ist nur von dort möglich, wo geringe Besiedelung herrscht. Neben der Fruchtbarkeit wird die deutsche, gründliche Bewirtschaftung die Überschüsse gewaltig steigern. “ (NS-Archiv, 23.05.1939).

Am 23. August 1939 unterzeichneten Ribbentrop und Molotow in Moskau in Anwesenheit Stalins den Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt. Er stand zwar im Widerspruch zu Hitlers bisherigen antibolschewistischen Haltung. Aber er vereitelte

die britisch-französischen Bestrebungen die Sowjetunion in eine Allianz gegen das nationalsozialistische Deutschland einzubinden. Vor allem hielt er ihm den Rücken frei zu einem Überfall auf Polen.

Im Geheimen Zusatzprotokoll wird auch die Aufteilung, Ausbeutung und Unterdrückung Europas durch das nationalsozialistische Deutschland und die stalinistische Sowjetunion aktenkundig gemacht.

“Aus Anlass der Unterzeichnung des Nichtangriffsvertrages zwischen dem Deutschen Reich und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben die unterzeichneten Bevollmächtigten der beiden Teile in streng vertraulicher Aussprache die Frage der Abgrenzung der beiderseitigen Interessenssphären in Osteuropa erörtert. Diese Aussprache hat zu folgendem Ergebnis geführt:

  1. Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung in den zu den baltischen Staaten (Finnland, Estland, Lettland, Litauen) gehörenden Gebieten bildet die nördliche Grenze Litauens zugleich die Grenze der Interessenssphären Deutschlands und der UdSSR. Hierbei wird das Interesse Litauens am Wilnaer Gebiet beiderseits anerkannt.
  2. Für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung der zum polnischen Staate gehörenden Gebiete werden die Interessenssphären Deutschlands und der UdSSR ungefähr durch die Linie der Flüsse Narew, Weichsel und San abgegrenzt.
    Die Frage, ob die beiderseitigen Interessen die Erhaltung eines unabhängigen polnischen Staates erwünscht erscheinen lassen und wie dieser Staat abzugrenzen wäre, kann endgültig erst im Laufe der weiteren politischen Entwicklung geklärt werden.
    In jedem Falle werden beide Regierungen diese Frage im Wege einer freundschaftlichen Verständigung lösen.
  3. Hinsichtlich des Südostens Europas wird von sowjetischer Seite das Interesse an Bessarabien betont. Von deutscher Seite wird das völlige politische Desinteressement an diesen Gebieten erklärt.
  4. Dieses Protokoll wird von beiden Seiten streng geheim behandelt werden.

Moskau, den 23. August 1939.” (NS-Archiv, 23.8.1939)

Ab Ende August inszenieren SS-angehörige als polnische Freischärler getarnt immer wieder Grenzzwischenfälle. Die bekannteste war der angebliche Überfall auf den Sender Gleiwitz. Am 1. September erfolgt der Angriff auf Polen.

Im Reichstag hält Hitler die berühmte Rede:”Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen! Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten! Wer mit Gift kämpft, wird mit Giftgas bekämpft. Wer selbst sich von den Regeln einer humanen Kriegsführung entfernt, kann von uns nichts anderes erwarten, als dass wir den gleichen Schritt tun. Ich werde diesen Kampf, ganz gleich, gegen wen, so lange führen, bis die Sicherheit des Reiches und bis seine Rechte gewährleistet sind” Er hatte eigentlich fest damit gerechnet, dass

England und Frankreich “nur mit dem Säbel rasseln” würden. Umso mehr war er erschüttert, als ihm die beiden Westmächte noch am Abend des 1. September eindeutige Ultimaten überreichen ließen und am 3. September den Krieg erklärten.

Allerdings griffen sie noch nicht aktiv in den Krieg ein. An Kopfstärke gemessen Angreifer waren der polnischen Armee gleich. Rüstungstechnisch und an Beweglichkeit war die Wehrmacht aber weit überlegen. Das taktische Konzept war von dem Zusammenspiel von Luftwaffe und Heer bestimmt. Vom ersten Tag an führte die Wehrmacht den Krieg mit grausamer Härte. Schon am 6. Oktober kapitulierten die letzten Truppenteile. Die Sowjetunion und Deutschland teilten Polen unter sich auf, wie sie es in ihrer Zusatzvereinbarung zum Nichtangriffspakt abgemacht hatten. Die deutsch besetzten Gebiete wurden als Danzig-Westpreussen und Wartheland als Reichsgaue in das Deutsche Reich inkorporiert. Was nicht in der sowjetischen Interessensphäre lag, wurde

“Restpolen” in einem Generalgouvernement okkupiert und ausgebeutet.

Im Westen kam es zunächst zum Sitzkrieg oder französisch drôle de guerre. Frankreich startete am 9. September die Saaroffensive und überschritt im Saarland die Grenze. Die Wehrmacht zog sich hinter den Westwall zurück. Frankreich war nicht auf einen

Offensivkrieg vorbereitet und auf deutscher Seite gab es einen Führerbefehl, der untersagte, die Grenze ohne ausdrückliche Genehmigung Hitlers zu überschreiten. Man wollte auf jeden fall einen Zweifrontenkrieg vermeiden.

Am 9. April 1940 begann das Unternehmen “Weserübung”. Das war die Besetzung Norwegens und Dänemarks zum einen um sich die Häfen Norwegens zu sichern, zum andern um eine Seeblockade zu verhindern. Außerdem sollte die Kontrolle der Ostseezugänge

und vor allem die Eisenerzversorgung aus Schweden gesichert werden. Am 10. April 1940 begann der insgesamt 29 mal verschobene Westfeldzug. Am 10. Januar gelangten die Belgier und damit auch die Engländer und Franzosen in Besitz des Plans für einen wichtigen Teil des deutschen Einfalls in Frankreich und der Niederlande. Ein Kurier sollte die Unterlagen zu einer Stabsbesprechung nach Köln bringen. Dort wurde er aufgehalten. Er erhielt ein Angebot in einer Kuriermaschine der Luftwaffe mitzufliegen.

Er nahm es an trotz strengen Verbotes, Geheimsachen auf dem Luftweg zu befördern. Der Pilot verflog sich bei dichtem Nebel und landete in Belgien. Bevor die Akten vernichtet werden konnten, trafen belgische Gendarmen ein. Daraufhin wurde ein völlig

neuer Angriffsplan ausgearbeitet. Erich von Manstein erarbeitete den “Sichelschnittplan” . Statt wie leicht vorauszuberechnen ähnlich wie im Schlieffenplan im 1. Weltkrieg in einer Umfassungsbewegung durch Belgien nach Frankreich vorzustoßen,

änderte er die Angriffsrichtung. Der Angriffsschwerpunkt sollte nun in den Ardennen liegen. Diese bewaldete Bergland schien Frankreich nicht für einen Panzerangriff geeignet zu sein. Entsprechend schwach waren die dort postierten Einheiten.

Das Überraschungsmoment war voll auf deutscher Seite. Zwar gelang es den Belgiern fast alle Brücken zu sprengen. Obwohl das Marschtempo so erheblich eingeschränkt wurde, erreichten die Spitzen der Panzertruppe General Guderians bereits am 12. Mai die Maas. Am 18. Mai war bereits die Kanalküste erreicht. Am 24. Mai wurde Dünkirchen erreicht. Dort war das britische Expeditionskorps. Es konnte aber entkommen, nicht zuletzt wegen des Haltebefehls, den Rundstedt gegeben hatte. 338.000 Mann konnten übergesetzt werden. In Frankreich hinterließ die Evakuierung aber auch ein Gefühl des Im Stich gelassen seins. Der Krieg in Frankreich war rasch zu Ende. Am 14. Juni marschierte die Wehrmacht in Paris ein. Am 22. Juni wurde in Compiegne der Waffenstillstand geschlossen. Hitler machte daraus seinen persönlichen Triumph. Schon der Ort war mit Bedacht ausgewählt. Dort hatte 22 Jahre zuvor Matthias Erzberger die deutsche Kapitulation unterschreiben müssen. Sogar den Waggon in dem das stattgefunden hatte,

hatte Hitler aus dem Museum holen lassen und auf die Gleise stellen lassen. Die “Vorrede” zum Waffenstillstandsabkommen drückt genau dieses aus.

“Wenn zur Entgegennahme dieser Bedingungen der historisch Wald von Compiègne bestimmt wurde,  dann geschah es, um durch diesen Akt einer
wiedergutmachenden Gerechtigkeit — einmal für- immer – eine Erinnerung zu löschen, die für Frankreich kein Ruhmesblatt seiner Geschichte war, vom
deutschen Volke aber als tiefste Schande aller Zeiten, empfunden wurde. (online unter www.zaoerv.de)

Der Sieg über Frankreich wurde vom Nationalsozialismus als dreifacher Triumph empfunden. Einmal war es das Ende eines Ringens über drei Jahrhunderte hinweg. Und Deutschland war schließlich siegreich geblieben. Ludwig XIV. hatte den Kampf

um die Rheinlinie begonnen. Stück um Stück ging in dessen Verlauf für das Deutsche Reich verloren. Dann war es der Sieg “über die abgelegten Ideale” von 1789, über die “Untermenschenrevolution” (Zitat aus Das Schwarze Korps, vom 22.08. 1940)

mit Postulaten der Menschenrechte, der parlamentarischen Regierungsform, der Demokratie, “den sanften Idealen und der brutalen Wirklichkeit” (Eugen Mündler im “Reich” vom 21.7. 1940). Auch über die Urheber und Hüter der Versailler Ordnung wurde triumphiert. Frankreich und England hatten ja den Völkerbund dominiert und dabei die kleinstaatliche Klientel bedient. Im kleinen Kreis wurden nun die Pläne für die Aufteilung Frankreichs erörtert. Burgund stand im Blickpunkt der publizistischen Vordenker.

Gehörte es ihrer Meinung nach zum  “germanischen Kreis” wie die Champagne und Elsass-Lothringen. Himmler hatte in Burgund die deutschen Südtiroler ansiedeln wollen. In Elsass-Lothringen wurde eine Politik der Rückgliederung schon in den ersten

Anordnungen der Militärverwaltung im Jahre 1940 erkennbar. Das Vorgehen wurde gleichermaßen bestimmt durch das Verlangen nach Wiedergutmachung der Inbesitznahme von 1681 und 1918 wie auch dem germanischen Blut-und Rassemythos.

Man führte den Begriff des volksdeutschen Elsass-Lothringer ein, um die alteingesessene Bevölkerung von der 1918 zugewanderten französischen Bevölkerung zu unterscheiden. (zu diesem kurzen Abschnitt der Aufsatz “Nationalsozialistische Europaideologie”

von Paul Kluke in Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte online www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1955_3_2_kluke.pdf)

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Am 2. 8. 1940 unterzeichnete Hitler einen Geheimerlass. Damit ernannte er die Gauleiter Bürckel Westmark und Wagner Baden als Chefs der Zivilverwaltung CdZ in Lothringen bzw. im Elsass.(Institut für Zeitgeschichte Fb 91 Fotokopie) Wie das schon bei Bürckel in Österreich geschehen war, wurden sie einerseits Hitler unmittelbar unterstellt andererseits waren sie an die fachlichen Weisungen der obersten Reichsbehörden gebunden. Dies zeigte, dass Hitler gewillt war, Elsass-Lothringen dem Deutschen Reich einzuverleiben. In einer Besprechung mit den beiden Gauleitern erläuterte Hitler seine Zielvorstellung, dass Elsass-Lothringen in 10 Jahren völlig deutsche Gebiete würden.

Am 2. August 1940 wurde Bürckel in seinen Funktionen als Gauleiter und Reichsstatthalter durch Baldur von Schirach abgelöst. Dieser war vorher Reichsjugendführer. Nach seiner Ernennung zum Gauleiter von Wien wird er Beauftragter der für die Inspektion der

gesamten HJ. Außerdem wird er ab September mit der Kinderlandverschickung beauftragt. Während des Zweiten Weltkriegs waren rund 5 Millionen Kinder und Jugendliche aus den durch Luftangriffen bedrohten Städten evakuiert worden.

In Wien wurde Bürckel keine Träne nach geweint, weder von den Wienern noch von vielen Parteifunktionären. Wie schon öfters gezeigt stieß er öfters auch mit Ministern zusammen, da er von niemanden einen Kompetenzrahmen respektierte,

wenn es um die Durchsetzung seiner Vorstellungen ging. Er konnte sich das leisten, da er bei Hitler in höchstem Ansehen stand und von dort praktisch immer Rückendeckung erhielt. In Wien kam seine joviale Pfälzer Art nicht an. Hinter vorgehaltener

Hand sprach man vom “Bierleiter Gauckel”, womit auch auf seine Affinität zum Alkohol angespielt wurde. Am 10. August wurde er offiziell verabschiedet. Von Heß bekam er ein persönliches Schreiben von Hitler überreicht. Er erhielt zahllose Geschenke.

Der Dr.Ignaz-Seipel-Ring wurde in Josef-Bürckel-Ring umbenannt. Allerdings erhielt er am 27. April 1945 seinen alten Namen zurück.

 

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Ein weiteres Kapitel bleibt mit dem Namen der beiden Gauleiter verbunden, nämlich die Deportation von rund 6500 badischer und pfälzer Juden nach Gurs.  In der Nacht vom 20. auf 21. Oktober 1940 zum Abschluss des Laubhüttenfestes musste sich die

jüdische Bevölkerung reisefertig machen. Sie hatte dazu nur rund 2 Stunden Zeit. Nur 50 Kilo Gepäck und eine Barschaft von 100 Reichsmark durfte mitgenommen werden. In sieben Eisenbahnzügen aus Baden und zwei aus der Pfalz wurden die Deportierten nach

Gurs am Fuß der Pyrenäen deportiert. Organisiert hatte die Züge Adolf Eichmann. Gurs war ursprünglich als Internierungslager für politische Flüchtlinge und Kämpfer im Spanischen Bürgerkrieg eingerichtet worden. Für so viele Menschen war

das Lager ursprünglich natürlich nicht vorgesehen. Entsprechend katastrophal waren die hygienischen Bedingungen. Im Schnitt starben täglich sieben Menschen. Die beiden Gauleiter aber konnten am Abend der Deportation stolz nach Berlin

melden “Mein Gau ist judenfrei”. Ab September 1941 wurde mit den ersten Vergasungen in Auschwitz begonnen. Ab August 1942 wurden die Insassen, die bisher in Gurs überlebt hatten, in die Vernichtunsglager im Osten weiter transportiert und

dort umgebracht.

Vor den letzten Lebensjahren von Bürckel nochmal ein Blick auf das Gesamtgeschehen.

Nachdem Frankreich kapituliert hatte, ging der Krieg trotzdem weiter, weil  Großbritannien das sogenannte Friedensangebot vom 19. Juli 1940 nicht annahm. Mit der Weisung 16 vom 16.Juli 1940 hatte Hitler die Vorbereitung zu einer Landungsoperation

gegen England vorzubereiten, die dann unter dem Namen Unternehmen Seelöwe lief. Die Vorbereitung sollte Mitte August abgeschlossen sein. “Die englische Luftwaffe muss moralisch und tatsaechlich so weit niedergekaempft sein, dass sie keine nennenswerte Angriffskraft dem deutschen Uebergang gegenueber mehr zeigt. “ hieß es in der Weisung. Am 2. Juli begann nun Göring die “Luftschlacht um England”. Zunächst erfolgte eine begrenzte Offensive gegen die Schifffahrt im Ärmelkanal. Ziel war auch, die

RAF durch die Vernichtung ihrer Flugzeuge in der Luft zu schlagen.Aber die deutsche Luftwaffe erlitt  sehr schnell große Verluste. Zwar konnte die Luftwaffe die Luftwaffe die Infrastruktur der britischen Armee schädigen, aber sie schaffte es weder die Lufthoheit zu erringen, noch dauerhaft das britische Potential an Flugzeugen und Piloten dauerhaft auszuschalten.Göring und Hitler hatten sich entschieden, London anzugreifen. Auch die Industriestädte Coventry und Birmingham waren Ziel der Angriffe.

Aber man schaffte es nicht, die Industrie entscheidend zu treffen oder die Bevölkerung zu demoralisieren. Die RAF und ihre Stützpunkte blieben durch die Zielverlagerung aber verschont. Die ohnehin bescheidenen Ressourcen an Menschen und Material wurden weiter zersplittert. Die Luftwaffe war so an keiner Front schlagkräftig genug, um den englischen Widerstand zu brechen. Eine weitere Folge war, dass die ins Auge gefasste Landungsoperation auf unbestimmte Zeit verschoben werden musste.

Erstmals war es Hitler nicht gelungen, einem Land seinen willen aufzuzwingen.

Dafür dachte er an einen Angriff auf die Sowjetunion. “Lebensraum im Osten”. Schon in “Mein Kampf” hatte er geschrieben: “Damit ziehen wir Nationalsozialisten bewußt einen Strich unter die außenpolitische Richtung unserer Vorkriegszeit. Wir setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir schließen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über zur Bodenpolitik der Zukunft. Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Rußland und die ihm untertanen Randstaaten denken” (Adolf Hitler: Mein Kampf. Zwei Bände in einem Band. S. 742.)

So gab er am 18. November 1940 die Weisung Nr. 21 “Fall Barbarossa” heraus

“Die deutsche Wehrmacht muss darauf vorbereitet sein, auch vor Beendigung des Krieges gegen England Sowjetrussland in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen (Fall Barbarossa).

Das Heer wird hierzu alle verfügbaren Verbände einzusetzen haben mit der Einschränkung, dass die besetzten Gebiete gegen Überraschungen gesichert sein müssen.” (online www.1000dokumente.de). Das war er konkrete Angriffsplan.

Italien seit dem Dreimächtepakt, der am 27. September 1940 in Berlin zwischen Italien, Japan und Deutschland geschlossen worden war, Deutschlands Kriegsverbündeter führte seit September 1940 einen Parallelkrieg in Nordafrika und im Mittelmeerraum.

Mit Verspätung startete am 9. September eine italienische Offensive gegen das von Großbritannien besetzte Ägypten. Ziel war es, den Suezkanal unter Kontrolle zu bringen. Nach Anfangserfolgen kam die Offensive ins Stocken und blieb weit hinter den

Erwartungen zurück. Am 28. Oktober begann Italien mit der Invasion in Griechenland. Das verbesserte die Lage in Ägypten natürlich nicht, sondern lenkte lediglich die Aufmerksamkeit ab. Mussolini glaubte an einen raschen Sieg. der Einmarsch entwickelte

sich aber zu einem Fiasko für den Duce. Die griechischen Truppen waren gut organisiert und kannten sich in dem schwierigen Gelände natürlich bestens aus. Die Italiener wurden in nur 14 Tagen über die Grenzen Albaniens zurückgedrängt.

In Nordafrika hatte Großbritannien einen erfolgreichen Gegenangriff zur Rückeroberung gestartet. Dieser verlief so erfolgreich, dass die italienische 10. Armee in Nordafrika fast vollständig aufgerieben wurde. Hitler zögerte lange, weil es natürlich den

geplanten Feldzug gegen Russland beeinträchtigte. Am 11. Januar gab er  mit der Weisung Nr. 22 schließlich den Einsatzbefehl für das Afrikakorps unter General Erwin Rommel. Rommels Meinung stand in krassem Gegensatz zu der des italienischen

Generals Gariboldi, der auf Defensive setzte. Rommel begann am 31. März eigenmächtig den Vormarsch und warf mit seiner Taktik des mobilen Wüstenkriegs die englischen Truppen rasch 800 Kilometer zurück und kam erst bei Tobruk zum Stehen.

Rommels Truppen waren allerdings zu schwach, um Tobruk einzunehmen. Nach schweren Verlusten befahl Rommel, die Eroberung dieser Hafenstadt zunächst zurückzustellen. Da das Afrikakorps mit schweren Versorgungsengpässen zu kämpfen hatte,

konnte man keine weiteren Vorstöße in Richtung Osten machen. Es kam zum Stellungskrieg bei Tobruk/Sollum. Im November begann Großbritannien mit der Operation Crusader. Die Besatzung von Tobruk konnte ausbrechen und es gelang den Engländer,

die deutschen Truppen fast auf ihre Ausgangsstellungen in der Cyrenaika zurückzuwerfen. Von Malta aus hatten britische U-Boote und Flieger die italienischen und deutschen Nachschubwege nach Nordafrika massiv gestört.

Anfang Januar flog nun die Luftflotte 2 Angriffe auf wichtige Knotenpunkte in Malta. Nun lief der Nachschub für eine Zeit wieder störungsfrei und Rommel konnte wieder die Initiative zurückgewinnen. Frisch herangeführte Verstärkungen und die Luftunterstützung ermöglichten ihm den Gegenangriff. Am 26. Mai startete eine neue Offensive mit dem Ziel Tobruk zu erobern. Das gelang am 20. Juni 1942. Die NS-Propaganda feierte diesen Handstreich und Rommel wurde zum Generalfeldmarschall befördert.

Die Panzertruppen kamen bis El Alamein. das ist 100 Kilometer vor Alexandria.Die Stadt sollte genommen werden und der Suezkanal besetzt werden. Hitler plante bereits, nach der Einnahme des Suezkanals weiter nach Vorderasien und bis nach Indien

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vorzustoßen und von dort die englischen Kolonien zu bedrohen. Soweit kam es aber nicht. die Engländer hatten vor El Alamein einen Verteidigungsgürtel aufgebaut. Südlich davor war sumpfiges Gelände, so dass der Gürtel nicht umgangen werden konnte.

Versorgungsengpässe waren aufgetreten. Die Offensive blieb stecken. Rommel wollte nun im August die Entscheidung erzwingen. Aber entgegen der Erwartungen war die Nachschubversorgung wesentlich schlechter geworden, da britische U-Boote immer mehr Schiffe versenken konnten. Außerdem war es dem britischen Nachrichtendienst gelungen, wichtige Erkenntnisse aus der Entschlüsselung des verschlüsselten geheimen deutschen Nachrichtenverkehrs zu gewinnen. So kannte die britische Armee bereits

vor dem Angriff der Deutschen die Angriffsschwerpunkte. So war der Widerstand wesentlich stärker. die angestrebten Ziele wurden nicht erreicht und der gewonnene Boden musste wieder aufgegeben werden.

Am 13. August 1942 übernahm Bernhard Montgomery den Oberbefehl über die 8. Armee, die in Nordafrika kämpfte. Am 23. Oktober startete er bei El Alamein den Gegenangriff gegen die Achsenmächte. Die kräftemäßig unterlegenen deutschen und Italiener wurden zum Rückzug nach Libyen gezwungen. Am 8. November 1942 landeten in Marokko und Algerien 100.000 Mann frische Kräfte aus Amerika und Großbritannien. Nun wurde ein Zweifrontenkrieg gegen das Afrikakorps eröffnet. Tobruk fiel am

13. November wieder an die Briten zurück. An der Ostfront (dazu später) war die Lage ebenfalls kritisch geworden das Desaster von Stalingrad bahnte sich an. Das Oberkommando der Wehrmacht konnte deshalb dem Afrikakorps kaum Verstärkung anbieten.

Das Kräfteverhältnis hatte sich inzwischen total verändert. Den Truppen der Achsenmächte standen 500.000 alliierte Soldaten gegenüber. Das waren doppelt soviel. Dazu verfügten die Alliierten über die vierfache Zahl an Panzern und die totale Luftüberlegenheit.

Ende Januar musste Libyen aufgegeben worden. Im März und April wurden die Soldaten der Achsenmächte eingeschlossen. Rommel flog nach Deutschland und schlug Hitler vor, das Afrikakorps nach Europa zurückzuziehen. Hitler blieb stur und verweigerte das wütend.Die Folge 230.000 Mann gerieten in Kriegsgefangenschaft. Die alliierten hatten nun die Kontrolle über den Mittelmeerraum und damit gute Voraussetzungen für die Landung auf Sizilien.

Auch auf dem Balkan hatte das militärische Vorgehen Italiens Hitler zum Eingreifen gezwungen, obwohl seit November 1940 Russland das Ziel war. Im Herbst hatten Italien und Deutschland die Balkanländer umworben. Schon vor dem Krieg waren sie wichtige

Rohstoff-und Nahrungsmittellieferanten. Am 27. Mai 1940 wurde der Öl-Waffen Pakt abgeschlossen. Er sah rumänisches Öl gegen deutsche Waffen vor. Es war vor allem für die deutsche Seite ein profitables Geschäft. Der Pakt legte eine feste Preisrelation für die von  Rumänien zu liefernden Mineralölerzeugnissen und den Waffen, die es dafür bekam fest und zwar unabhängig von den jeweiligen Tagespreisen am Markt. Am 23. November schließlich trat Rumänien dem Dreimächtepakt bei, um sich vor einer sowjetischen

aber auch vor einer deutschen Aggression zu schützen. Bulgarien hatte unter Zar Boris der Deutschen Wehrmacht zunächst ein Durchmarschrecht nach Griechenland eingeräumt. Am 1. März 1941 trat es dem Pakt bei. Am 25. März 1941 trat schließlich

noch das Königreich Jugoslawien bei unter Prinz Paul ein. Allerdings kam es zwei Tage später zu einem probritischen Militärputsch. Hitler akzeptierte den Versuch der neuen Regierung unter General Simovic nicht, zu einer neutralen Politik zurückzukehren und

begann am 6. April 1941 mit dem Angriff auf Jugoslawien. In der Weisung 25 vom 27.3.1941 hört sich das so an “Der Militärputsch in Jugoslawien hat die politische Lage auf dem Balkan geändert. Jugoslawien muss auch dann, wenn es zunächst Loyalitätserklärungen abgibt, als Feind betrachtet und daher so rasch als möglich zerschlagen werden.” Der Angriff auf Griechenland begann zur selben Zeit. Beide Staaten waren ohne Kriegserklärung oder vorheriges Ultimatum angegriffen worden. Insgesamt kämpften 33 Divisionen mit

680.000 Mann auf deutscher Seite. Belgrad wurde schon am 12. April eingenommen. Am 17. April kapitulierten die jugoslawischen Streitkräfte. Jugoslawien wurde in 10 Teile mit unterschiedlichem staatsrechtlichen Status aufgeteilt. Kroatien erklärte sich am 15. April zum unabhängigen Staat Kroatien.Dort etablierte sich ein Vasallenstaat unter Führung der Ustascha, auf Deutsch “Der Aufständische-Kroatische revolutionäre Organisation”. Serbien wurde stark verkleinert und umfasste nur noch ein  viertel der

Gesamtfläche des ehemaligen Jugoslawiens. Etwa 180.000 Serben wurden zum Arbeitseinsatz nach Deutschland verschleppt.

In Griechenland marschierten die deutschen Truppen unter Generalfeldmarschall List über Bulgarien ein.Auch hier kamen die Truppen rasch vorwärts. Am 20. April ordneten die Briten die Evakuierung ihrer Truppen zunächst nach Kreta und dann nach Ägypten an. Über 50.000 Mann konnten entkommen. Die griechische Armee kapitulierte am 20. April vor dem SS Obergruppenführer Sepp Dietrich und dann nochmals zwei Tage späte, weil die italienische Armee ihre kämpferische Leistung nicht genügend gewürdigt sah,

offiziell gegenüber Deutschland und Italien. Am 27. April wurde Athen eingenommen. Der Feldzug endete am 29. April mit der Einnahme von Kalamata im Süden der Peloponnes. Kreta wurde in der Zeit vom 21. Mai bis 1. Juni in einer äußerst verlustreichen

Luftlandeoperation eingenommen.

Beide Länder waren besiegt. Doch es folgte ein Partisanenkrieg, der von deutscher Seite aus mit unerbittlicher Härte geführt wurde. In Jugoslawien, in Griechenland und auf Kreta beging die Wehrmacht schwere Kriegsverbrechen.

So wurden in Kalvrita im Aroania-Bergmassiv im Dezember über 800 Jungen und Männer in einer 5 Stunden dauernden Massenhinrichtung erschossen. In dieser gesamten Bergregion wurden in den Dezembertagen über 1300 Griechen umgebracht,

28 Dörfer und Klöster wurden niedergebrannt. In Kommeno in Epirus wurden über 300 Dorfbewohner brutal ermordet. In Distomo am Fuße des Parnass-Gebirges kamen über 200 Menschen ums Leben. Obwohl die Einheitsführer, die die Aktionen

angeordnet hatten, bekannt sind, kam es zu keiner Verurteilung. Zwar wurde bei dem Distomo Massakers ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes eingeleitet, dieses aber nach drei Jahren wegen Verjährung wieder eingestellt.

Der Balkanfeldzug verschob den Angriff auf die Sowjetunion um 4 Wochen. Am 22. Juni 1941 übergibt der deutsche Botschafter Friedrich Werner Graf von der Schulenburg dem sowjetischen Außenminister Molotow ein “Memorandum”.

Darin steht, die Sowjetunion habe den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt durch den Aufmarsch der roten Armee an der Grenze  sowie durch die Annexion Ostpolens und der baltischen Staaten gebrochen. Dieser Bedrohung müsse die Wehrmacht mit allen Machtmitteln entgegentreten. Das Wort “Kriegserklärung” durfte auf Hitlers Befehl nicht verwendet werden. Zu dem Zeitpunkt der Übergabe des Memorandum bombardierte die Luftwaffe sowjetische Städte schon seit drei Stunden.

Juristisch war das Feld schon ab März vorbereitet worden. Am 13. Mai kam der “Erlass über die Ausübung der Kriegsgerichtsbarkeit im Gebiet „Barbarossa“und über besondere Massnahmen der Truppe” heraus. Darin wird festgelegt, dass Straftaten

feindlicher Zivilpersonen der Zuständigkeit von Kriegsgerichten und Standgerichten bis auf weiteres entzogen und dass Freischärler “durch die Truppe im Kampf oder auf der Flucht schonungslos zu erledigen” sind. Gegen Ortschaften

“aus denen die Wehrmacht hinterlistig oder heimtückisch angegriffen wurde” werden unverzüglich kollektive Gewaltmassnahmen durchgeführt, falls ein Täter nicht rasch festgestellt werden kann oder  die Umstände dies nicht zulassen.

Zum Freibrief für Verbrechen wird die durch die Bestimmung “Für Handlungen, die Angehörige der Wehrmacht und des Gefolges gegen feindliche Zivilpersonen begehen, besteht kein Verfolgungszwang, auch dann nicht, wenn die Tat zugleich ein militärisches Verbrechen oder Vergehen ist.”

Die “Aktennotiz über Ergebnis der heutigen Besprechung mit den Staatssekretären über Barbarossa, 2. Mai 1941” lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und wurde  am 26. November 1945 im Nürnberger Prozess von dem amerikanischen Anklagevertreter Sidney S. Alderman verlesen.Er sagte dazu: „Noch niemals ist wohl ein unheilvollerer Satz niedergeschrieben worden, als der Satz in dieser Urkunde” Es geht um die ersten beiden Punkte in diesem Dokument.

“1.) Der Krieg ist nur weiter zu führen, wenn die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr aus Rußland ernährt wir.

2.) Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.”

Komplettiert wurden diese Bestimmungen mit dem sogenannten Kommissarbefehl vom 6. Juni 1941: “Richtlinien für die Behandlung politischer Kommissare. Im Kampf gegen den Bolschewismus ist mit einem Verhalten des Feindes nach den Grundsätzen der Menschlichkeit oder des Völkerrechts nicht zu rechnen. Insbesondere ist von den politischen Kommissaren aller Art als den eigentlichen Trägern des Widerstandes eine hasserfüllte, grausame und unmenschliche Behandlung unserer Gefangenen zu erwarten. Die Truppe muß sich bewußt sein: 1. In diesem Kampf ist Schonung und völkerrechtliche Rücksichtnahme diesen Elementen gegenüber falsch. Sie sind eine Gefahr für die eigene Sicherheit und die schnelle Befriedung der eroberten Gebiete. 2. Die Urheber barbarisch asiatischer Kampfmethoden sind die politischen Kommissare. Gegen diese muß daher sofort und ohne weiteres mit aller Schärfe vorgegangen werden. Sie sind daher, wenn im Kampf oder Widerstand ergriffen, grundsätzlich sofort mit der Waffe zu erledigen. “

(NS-Archiv Dokumente zum Nationalsozialismus –online)

121 Divisionen mit 3 Millionen deutscher Soldaten und weiterer 600.000 aus Italien, Ungarn, Finnland, Rumänien und der Slowakei waren beteiligt. (Zahlen unter anderem bei David Glantz Stumbling Colossus. The Red Army on the Eve of World War. University of Kansas Press, Lawrence 1998, S. 295.) Die Front war 2130 Kilometer lang. Die Heeresgruppe Mitte unter  Generalfeldmarschall von Bock war die stärkste der drei Heeresgruppen. Sie kam auch sehr rasch voran. Am 30. Juni wurde die Grenzstadt Brest-Litowsk eingenommen. Die Kesselschlacht bei Bialystok- Minsk war die erste große Kesselschlacht des Rußlandfeldzugs. An der sowjetischen Westfront standen 46 Divisionen. Elf konnten  ausbrechen.28 Divisionen und 7 Panzerdivisionen mit 325.000 Mann, 1.809 Geschützen und 3.332 Panzern  wurden geschlagen, die Soldaten größtenteils gefangen genommen. Den Kommandanten der Westfront Pawlow machte Stalin für die Niederlage verantwortlich und ließ ihn nach Moskau kommen. dort wurde er vor ein Kriegsgericht gestellt und erschossen. In der Gegend um Smolensk hatte die Rote Armee eine neue Verteidigungslinie aufgebaut. Smolensk ist etwa 330 Kilometer von Minsk entfernt. Auch hier gelang es der Wehrmacht starke Kräfte einzukesseln.

Über 300.000 Rotarmisten und etwa 3000 Panzer waren eingeschlossen. Zeitweise konnte die Rote Armee den Kessel aufbrechen und zahlreiche Truppen verlegen. Auch in der Schlacht bei Smolensk hatte die Rote Armee enorme Verluste

zu verzeichnen. Vom 10. Juli bis 10. September waren das 760.000 Mann, davon 468.000 gefallen, vermisst oder in Gefangenschaft geraten, 274.000 verwundet. Aber auch die Wehrmacht hatte enorme Verluste. Und sie hatte auf dem Weg nach

Moskau viel Zeit verloren, denn die rote Armee hatte rund zwei Monate standgehalten. Das bot Zeit und Gelegenheit die Verteidigung von Moskau auszubauen. Die Wehrmacht war jetzt nur noch 400 Kilometer von Moskau entfernt.

Die Heeresgruppe Süd unter Generalfeldmarschall von Rundstedt konnte am 29. Juni bei der Panzerschlacht von Dubno-Luzk-Riwne fast das gesamte Mechanisierte Korps der Roten Armee vernichten. Darauf folgte die Kesselschlacht bei Uman.

Dabei eroberte sie über 300 Panzer und 850 Geschütze unzerstört. 103.000 Mann kapitulierten. Die Einschließungskräfte für den Kessel waren aber relativ schwach, so dass zehntausende Rotarmisten entkommen konnten. Ihre schweren Waffen und

Ausrüstung mussten sie allerdings zurücklassen. Die Heeresgruppe Süd beherrschte nun den Dnepr-Bogen. Das Hinterland der Ukraine war nun offen. Die verlorene Schlacht war der erste Schritt zur Eroberung der Ukraine.

Die deutsche Generalität sah das vorrangige Ziel nun in einer sofortigen Einnahme Moskaus. Es hatte eine wichtige geographische Bedeutung, war Verkehrs und Nachrichtenzentrale und ein wichtiges Industriegebiet und natürlich

politischer Mittelpunkt. Hitler dagegen wollte die für den Ostseeraum, die Ukraine und den Süden lebenswichtigen Resourcen zerstören oder unter deutsche Kontrolle bringen. Hitler lehnte die Vorschläge des Generalstabs rundheraus ab

Er bestand darauf, nach Leningrad im Norden und Kiew im Süden vorzustoßen, setzte sich durch. – und hatte Erfolg. Am 26. September endete die Kesselschlacht von Kiew. Nochmals waren 600.000 Rotarmisten in Gefangenschaft geraten. Über 800

Panzer waren erbeutet worden,über 400 Pak und über 3000 Geschütze. Die Einnahme bereitete allerdings nachträglich noch große Probleme. Es waren viele durch Funk auszulösende Sprengungen vorbereitet worden. Ein solcher Sprengsatz löste am 25. September

einen Großbrand aus, der erst am 29. September unter Kontrolle gebracht werden konnte und für große Verluste der deutschen Verbände in der Stadt sorgte.

Die frappierend schnellen siege, die enorme zahl an Kriegsgefangenen blendete die deutsche Führung. Schon im Juli hielt General Halder den Feldzug für gewonnen.

Die Zeit war aber knapp geworden. Der russische Winter war nicht mehr allzu fern und erfahrungsgemäß kam vor dem ersten Frost eine mehrwöchige Schlammperiode. Am 30. September startete die Offensive unter dem Decknamen Taifun.

Hitler wollte mit diesem Unternehmen vor Einbruch des Winters die russischen Truppen vor Moskau “entscheidend” schlagen.Seine Soldaten sollten “zu dem letzten gewaltigen Hieb, der noch vor dem Einbruch des Winters diesen Gegner zerschmettern soll“

ansetzen und auch die historische Dimension lieferte Hitler in seinem Tagesbefehl am 2. Oktober 1941 verlesen ließ. Sie sollten nicht nur das deutsche Reich sondern ganz Europa vor einer Gefahr schützen„wie sie seit den Zeiten der Hunnen und später der Mongolenstämme entsetzlicher nicht mehr über dem Kontinent schwebte“ und weiter „Dieser Feind besteht nicht aus Soldaten, sondern zum großen Teil nur aus Bestien.“  (zitiert in Die Zeit vom 13. Dezember 1991)

Zwar warnten auch diesmal die Generale eindringlich, dass weder die Ausrüstung ausreichend noch der Nachschub gewährleistet sei. Aber sie beugten sich auch dieses Mal. Und wieder schien der Führer recht zu behalten in den Kesselschlachten von Wjasma und Brjansk wurden nochmals 673.000 sowjetische Soldaten gefangen genommen und über 1300 Panzer erbeutet.

Die Wehrmacht war nun bis an den äußeren Verteidigungsring Moskaus gelangt. Aber nun setzte die Schlammperiode ein. Der Angriff blieb buchstäblich im Schlamm  stecken.

Unbenannt

Der Nachschub war wegen der aufgeweichten Wege und Straßen kaum mehr zu bewältigen und sank von 900 Tonnen täglich auf 20 Tonnen. Erst als im November leichter Frost einsetzte, waren die Straßen wieder befahrbarer. Aber es dauerte dann fast noch

zwei Wochen, bis genug Treibstoff und Munition angeliefert war, um die Offensive fortzusetzen. Nun setzte strenger Frost ein. Die Temperaturen sanken auf – 35 °, aber die deutschen Soldaten hatten immer noch keine Winterkleidung, was hohe Ausfälle

durch Erfrierungen zur Folge hatte. Die schützende Winterkleidung lagerte irgendwo auf polnischen Bahnhöfen. Die Loks, sofern sie überhaupt noch fahren können, müssen Munition, Treibstoff und Proviant an die Front bringen.

Was erstaunlicherweise aber immer noch funktioniert: jeden zweiten Tag ein Güterzug der Deutschen Reichsbahn jüdische Deportierte ins Ghetto nach Minsk!

Die Rote Armee dagegen war seit November vollständig mit warmer Kleidung ausgerüstet. Die Deutschen waren Ende November noch 18 Kilometer von der Stadtgrenze Moskaus entfernt.

Gleichzeitig hatte die Rote Armee aber auch mit den Planungen für eine Gegenoffensive begonnen.Die Planungen wurden durch einen Funkspruch Richard Sorges erleichtert. Sorge hatte am 1. Juni 1941 Stalin vor einem Angriff Deutschlands

gewarnt  “Der Überfall wird am 22. Juni in aller Frühe auf breiter Front erfolgen” (in  Julius Mader Dr. Sorge Report). Stalin glaubte dies aber nicht. Im September informierte Sorge Moskau, dass Japan nicht Russland angreifen würde, sondern

Indochina. Diesmal wurde ihm geglaubt. Daraufhin ließ Stalin 32 ausgeruhte Divisionen aus dem Fernen Osten in den Westen verlegen. Zwar hatte die deutsche Luftabwehr im November Truppenausladungen erkannt.  Die deutsche Führung hatte dies

aber als Gespenstereien betrachtet. Am 16. November startete der erneute Angriff. Aber er traf auf erbitterten russischen Widerstand. Größere Teile der Luftflotte 2 unter Kesselring waren in den Mittelmeerraum verlegt worden, da dort Libyen verloren zu gehen

drohte. Das ermöglichte aber den sowjetischen Luftstreitkräften in wichtigen Abschnitten die Lufthoheit zu erringen.  Die Generale von Bock und Guderian meldeten dem Oberkommando die bedrohliche Lage und auch, dass die Trupp erschöpft war.

Sie wurden aufgefordert, die Offensive mit einem letzten Kraftaufgebot fortzusetzen, zumal man annahm, dass auch auf russischer Seite mit den “letzten Bataillonen” gekämpft wurde. Halder sah die Entscheidung über Sieg oder Niederlage

immer noch als eine Willensfrage. Er war“durchdrungen von dem Gedanken, daß es bei beiden Gegnern um die letzte Kraftanstrengung geht und der härtere Wille recht behält“. (zitiert nach Der Spiegel ).

Im Divisionsbericht der 7. Infanteriedivision heißt es “Die völlige Verausgabung der Truppe und die Notwendigkeit von Ablösungen “ (Zitat in Die Welt vom 22.06.11)Fedor von Bock konstatierte, dass der Zeitpunkt sehr nahe sei,

„in dem die Kraft der Truppe völlig erschöpft ist“ (Zitat ebd.) Eigentlich hätte die Offensive abgebrochen werden müssen, die Truppe in Winterquartiere überführt werden. Stattdessen befahlen Hitler und die Wehrmachtsführung die weitere Offensive.

Diese kam Anfang Dezember zum völligen Erliegen.

Mit der Verteidigung Moskaus war Marschall Schukow betraut worden.Er und Stalin hatten die Nervenstärke, abzuwarten, bis die deutsche Offensive versiegte. Am 5. Dezember begann der Gegenangriff. Eine Million Mann und 700 Panzer

waren angetreten. Die deutsche Führung war völlig überrascht. Die deutschen Linien werden fast überall durchstoßen. Manche Divisionen entkommen nur mit Mühe der Umzingelung. Die deutsche Führung hatte dies zunächst nicht als Großangriff

der Roten Armee erkannt und befahl erst abends, den Angriff auf Moskau abzubrechen und in den Ausgangsstellungen auf Verteidigung überzugehen.

Am 7. Dezember 1941 überfielen aber auch die Japaner den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii. Am 11. Dezember erklären Italien und Deutschland den USA den Krieg. In seiner Rede vor dem Reichstag am 11. Dezember 1941

spricht er zunächst ausschweifend von den militärischen erfolgen Deutschlands. Dann zählt er eine Reihe “Völkerrechtsverletzungen der USA auf, um “Deutschland endlich zum Kriege zu zwingen”. Und dann bringt er es schließlich

auf den Punkt, was tatsächlich zum Krieg führt. “Wir wissen, welche Kraft hinter Roosevelt steht. Es ist jener ewige Jude, der seine Zeit als gekommen erachtet, um das auch an uns zu vollstrecken, was wir in Sowjetrußland alle schaudernd sehen und erleben mußten. Wir haben das jüdische Paradies auf Erden nunmehr kennengelernt. Millionen deutscher Soldaten haben den persönlichen Einblick gewinnen können in ein Land, in dem dieser internationale Jude Mensch und Gut zerstörte und vernichtete. Der Präsident der Vereinigten Staaten mag das vielleicht selbst nicht begreifen. Dann spricht das nur für seine geistige Beschränktheit.” (in Internet Archive Full text of „Adolf Hitler Krieg gegen die USA und Kriegsbericht 1941)

Am 19. Dezember entließ Hitler von Brauchitsch. Er übernahm selbst das Oberbefehl über das Heer. Am Tag zuvor hatte er Haltebefehle erteilt und die Truppen gezwungen “fanatisch” in ihren Stellungen auszuharren. Als Guderian Ende

Dezember entgegen der Haltebefehle seine Truppen eigenmächtig zurücknahm, wurde er seines Kommandos enthoben und zur Führerreserve versetzt, was praktisch einer vorübergehenden Versetzung in den Ruhestand gleichkam.

Am 8. Januar 1942 musste Generaloberst Hoepner seine Truppen zurücknehmen. Sie wären sonst eingekesselt worden. Hitler enthob ihn nicht nur seines Kommandos. Er wurde wegen „Feigheit und Ungehorsam“ unehrenhaft aus der  Wehrmacht ausgestoßen.

Hoepner meinte dazu “ich habe Pflichten, die höher stehen als die Pflichten Ihnen gegenüber und die Pflichten gegenüber dem Führer. Das sind die Pflichten gegenüber der mir anvertrauten Truppe.” (zitiert bei Janusz Piekalkiewicz: Der Zweite Weltkrieg. Teilband II, Seite 570). Hitler hätte den General eigentlich nicht so einfach entlassen können. Er hätte formaljuristische und beamtenrechtliche Vorschriften einhalten müssen. Am 26. April 1942 erließ der Großdeutsche Reichstag einen Beschluss der den Führer praktisch

von solchen Vorschriften befreit. “Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Führer in der gegenwärtigen Zeit des Krieges, in der das deutsche Volk in einem Kampf um Sein oder Nichtsein steht, das von ihm in Anspruch genommene Recht besitzen muß, alles zu tun, was zur Erringung des Sieges dient oder dazu beiträgt. Der Führer muß daher – ohne an bestehende Rechtsvorschriften gebunden zu sein – in seiner Eigenschaft als Führer der Nation, als Oberster Befehlshaber der Wehrmacht, als Regierungschef und oberster Inhaber der vollziehenden Gewalt, als oberster Gerichtsherr und als Führer der Partei jederzeit in der Lage sein, nötigenfalls jeden Deutschen – sei er einfacher Soldat oder Offizier, niedriger oder hoher Beamter oder Richter, leitender oder dienender Funktionär der Partei, Arbeiter oder Angestellter – mit allen ihm geeignet erscheinenden Mitteln zur Erfüllung seiner Pflichten anzuhalten und bei Verletzung dieser Pflichten nach gewissenhafter Prüfung ohne Rücksicht auf sogenannte wohlerworbene Rechte mit der ihm gebührenden Sühne zu belegen, ihn im besonderen ohne Einleitung vorgeschriebener Verfahren aus seinem Amte, aus seinem Rang und seiner Stellung zu entfernen.“ (Reichsgesetzblatt 1942 I S.247, )

Hoepner wurde im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 am 21. Juli verhaftet und am 8. August unter Roland Freisler zum Tode verurteilt und am selben Tag hingerichtet.

Im Russlandfeldzug hatte die Wehrmacht bis dahin 500.000 Mann an Toten und Verwundeten verloren. Dazu kamen weitere 100.000 Mann die durch Erfrierungen ausfielen.1300 Panzer, 2500 Geschütze und über 15.000 Kfz gingen an Material verloren.

Die Wehrmacht konnte aber bis Ende Januar 1942 eine neue Verteidigungslinie aufbauen. Aber die Blitzkriegsstrategie war gescheitert, der Gegner nicht entscheidend geschwächt.

Zurück zu Bürkels letzten Jahren

Bürckel war so etwas wie Hitlers Fachmann für Anschlüsse geworden. Lothringen war die dritte Rückgliederung, die er durchzuführen hatte und auch hier hatte er wieder weitreichende Vollmachten. Aber in Lothringen wurde nicht gleichgeschaltet.

Es ging um die Liquidierung staatsrechtlicher und administrativer Strukturen eines eroberten Landes. Dazu kam die ideologische Umerziehung unter rassistischen Gesichtspunkten.

Die CdZ sollten die gesamte Verwaltung im zivilen Bereich führen. Die unklare Kompetenzdefinition führte wie auch in Österreich rasch zu heftigen Auseinandersetzungen. In einer Besprechung in der Reichskanzlei am 29. September 1940 bekamen die beiden CdZ weitgehend grünes Licht von Hitler. Er legte fest, dass für die gesamte Neuordnung in Elsass und Lothringen allein die beiden Reichsstatthalter Wagner und Bürkel zuständig und verantwortlich seien und dass die Reichsressorts den CdZ keinerlei Weisungen erteilen könnten. Bürckel begann nun in Lothringen eine rücksichtslose Germanisierungspolitik. “Deutschfeindliche Elemente” ließ er ausweisen.So wurden bis November 1940 aus dem Elsass 105.000 Menschen deportiert, aus Lothringen etwa 50.000, darunter alle lothringischen Juden. (Zahlen nach bpb Krieg und Besatzung in Ost- und Westeuropa)Die Transporte erfolgten unter chaotischen Verhältnissen. Die Ausgewiesenen hatten nur ihr Handgepäck dabei. Das unbewegliche Gut, Höfe, Geschäfte und handwerkerbetriebe mussten zurückgelassen werden und worden sofort entschädigungslos eingezogen. Am 21. November 1940 erklärte Bürckel die Ausweisungsaktion offiziell für beendet. Am 9.10 1941 wurde die Gültigkeit des RAD-Gesetzes für Elsass und Lothringen erklärt.

Allerdings entzogen sich viele Lothringer durch Flucht ihrer “Aufbaupflicht”. Daraufhin arbeitete Bürckel mit dem Mittel der Sippenhaft. Noch härter reagierte Bürckel, als Lothringer nach der Einführung der Wehrpflicht desertierten. Deren Angehörige nahm Bürckel

sofort in Sippenhaft, ließ sie umgehend ins Altreich aussiedeln und ihr Vermögen beschlagnahmen. Eine letzte große Aussiedlungsaktion betraf 8000 Menschen. Sie übertraf an Härte und Brutalität alle bisherigen Massnahmen.

Im August 1942 verlieh Bürckel den Lothringern die deutsche Staatsangehörigkeit.

Die Ausweisungspolitik Bürckels war in Regierungs-und Militärkreisen ihrer innen-und auch außenpolitischen Auswirkungen stark umstritten. So meldete sich der Chef der Präsidialkanzlei Otto Meissner, selbst gebürtiger Elsässer kritisch zu Wort.

Heftigster Kritiker war Dr. Best, der vor er Chef der Abteilung Verwaltung im Verwaltungsstab des Militärbefehlshabers Frankreich wurde, Karriere bei der Gestapo gemacht hatte. Er sah in den Ausweisungen eine Belastung des deutsch-französischen Verhältnisses,

die die notwendige Zusammenarbeit nur unnötig erschwerten. Bürckel war von dieser Kritik allerdings total unbeeindruckt. Allerdings mussten sowohl Bürckel als auch Wagner entscheidende Kompetenzen an den Reichsführer SS, der zugleich

Reichskommissar für die Festigung deutschen  Volkstums (RKF) war. Der durchbürokratisierte Apparat Himmlers beschränkte auf dem Gebiet der Volkstumspolitik die autonome Regionalherrschaft der Gauleiter.

Der Gau Westmark war 1940 gebildet worden. Er sollte den Gau Saarpfalz, also das Saarland und die bayrische Pfalz,

sowie das im Frankreichfeldzug eroberte lothringische Departement Moselle umfassen, das als Lothringen ins Reich eingegliedert werden sollte. Der Plan wurde während des 2. Weltkrieges aber nicht umgesetzt.

Es blieb nach außen hin beim alten Namen und bei der zugehörigen Bezeichnung „CdZ“ (Chef der Zivilverwaltung).

Im März 1941 wurde Bürckel von Hitler offiziell zum Reichsstatthalter ernannt.

Ihm un­ter­stand  nun ein 14.000 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ßes Ter­ri­to­ri­um mit 2,6 Mil­lio­nen Ein­woh­nern. Das war der Höhepunkt seiner politischen Karriere

Im November 1942 wurde Bürckel zum Reichsverteidigungskommissar der „Westmark“ ernannt.

An dieser Aufgabe scheiterte er spätestens mit der Invasion und dem Vordringen der amerikanischen Truppen.

Dazu kamen Kompetenzschwierigkeiten mit Heinrich Himmler, die sich nach dessen   Er­nen­nung zum In­nen­mi­nis­ter erheblich verschärften.

Während der Schlacht um Lothringen Anfang September 1944 kam es in der Debatte um das militärische Vorgehen zum entscheidenden Zer­würf­nis mit Hit­ler.

Auf Veranlassung von Mar­tin Bor­mann (1900-1945) wur­den Bürck­el dar­auf­hin am 8.9.1944 weit rei­chen­de Kom­pe­ten­zen ent­zo­gen

Die Entsendung des Dienstleiters der Berliner Parteikanzlei Willi Stöhr (1903–1994) als „Bevollmächtigten des Reichsverteidigungskommissars für den Stellungsbau im Gau Westmark“ Anfang September 1944 bedeutete den Beginn der Entmachtung Bürckels.

Josef Bürckel verstarb wenig später am am 28.9.1944  in seinem Haus in Neustadt.

Die offizielle Todesursache war ein „Ver­sa­gen des Kreis­lau­fes“ als Fol­ge ei­ner Darm­er­kran­kung und ei­ner Lun­gen­ent­zün­dung dia­gnos­ti­ziert.

Der plötzliche Tod gab Anlass zu Spekulationen.

Ein Nach­weis für den Ver­dacht, Bürck­el sei von der SS er­mor­det oder zum Selbst­mord ge­zwun­gen wor­den, konn­te je­doch nicht er­bracht wer­den.

11 Nov. 2025

Friedrich V. von der Pfalz ( der “Winterkönig”)und seine Familie

 

 

Friedrich V. wurde am 26. August 1596 im Jagdschloss Deinschwang als erster Sohn des pfälzischen Kurfürsten Friedrich IV. (1574-1610) und Luise Juliane von Nassau Oranien (1576-1644) geboren.

Sein Vater stammte aus der Linie von Pfalz-Simmern. Unter Friedrich IV. wurde in Auhausen (heute im Landkreis Donau-Ries und Teil der Verwaltungsgemeinschaft Oettingen in Bayern)die Protestantische Union (auch Union von Auhausen) gegründet. Das war ein Zusammenschluss von acht protestantischen Fürsten und  17 protestantischen Städten im Heiligen Römischen Reich. Bevollmächtigter von Friedrich IV.  war  Christian von Anhalt.

Die pfalzgräfliche Abkunft väterlicherseits und seine Verwandtschaftsbeziehungen mütterlicherseits bis in den französischen Hochadel hinein boten Friedrich V.  eine verheißungsvolle Ausgangsposition.

Da zu dieser Zeit die Pest in Heidelberg grassierte, verbrachte Friedrich V. die ersten beiden Jahre seiner Kindheit in der Oberpfalz. Er wurde zur Erziehung an den Hof des Fürsten von Sedan, Heinrich von Bouillon, gegeben.

Neben einer standesgemäßen höfischen Erziehung  erhielt er auf ausdrücklichen Wunsch seiner Eltern eine gründliche theologische Ausbildung durch Daniel Tilenus, der in  Sedan seit 1599 Studiendirektor war. Er galt

galt als Vertreter eines gemäßigten, königstreuen Kalvinismus. Er war durch die Religionskriege in Frankreich massgeblich geprägt. Deshalb forderte er eine grenzübergreifende Solidarität unter den Reformierten. Den Fürsten machte er es geradezu zur Christenpflicht, auch in anderen Ländern einzugreifen, wenn Glaubensbrüder von der Obrigkeit verfolgt oder bedrängt wurden. Neben seiner theologischen Ausbildung sollte er mit der französischen Hofkultur vertraut gemacht werden.

Natürlich erlernte er die französischen Sprache. Das sollte ihn zur Erfüllung diplomatische Aufgaben, aber auch zur  Verheiratung mit einer ausländischen Fürstentochter vorbereiten.

Am 19. September 1610 starb Friedrich IV.  mit nur 36 Jahren an den Folgen seines unmäßigen Lebenswandels. Er hatte schon 1602 entgegen allen Reichsgesetzen die kalvinistischen Pfalz-Grafen von Zweibrücken als Vormünder und Kuradministratoren bestimmt.

Gemäß der Goldenen Bulle von 1356 wären die nächsten männlichen Verwandten, in diesem  Fall die Pfalzgrafen von Neuburg dazu berechtigt waren.  Natürlich kam es zu einem heftigen Streit zwischen den pfälzischen Linien Zweibrücken und Neuburg.

Johann II. von Pfalz-Zweibrücken wurde der Vormund von Friedrich V. und war auch Kuradministrator. Der Streit zwischen den beiden pfälzischen Linien endete erst mit der Volljährigkeit Friedrichs. Kanzler war, wie schon unter seinem Vater Christian von Anhalt,

der auch seine Vertrauensperson war. Er hatte auch die Weichen für den jungen Kurfürsten gestellt. Ein großer Coup gelang ihm mit der Vermählung Friedrichs mit Elisabeth Stuart, Tochter König Jakobs I. Sowohl der Heidelberger Oberrat und die Fürsten der Protestantischen Union begrüßten diese dynastische Verbindung nicht unbedingt  vorbehaltlos. In Deutschland befürchtete man eine stärkere ausländische Einflussnahme auf die Innenpolitik der protestantischen Reichsstände. Auch am Londoner Hof stieß die Pfälzer Werbung zunächst auf Skepsis. Zum einen  konnten sich die Engländer unter dem Titel eines „Pfalzgrafen“ nichts vorstellen. Schon mehrere Eheangebote waren in London entweder wegen der Religion oder als “nicht standesgemäß” abgelehnt worden.

Die Mutter Elisabeths Anna von Dänemark war stark gegen diese Eheschließung und auch die Madrider Diplomaten hätten die englische Königstochter lieber mit dem spanischen König vermählt. Sie streuten das Gerücht, Friedrich sei körperlich verunstaltet.

So wurde Hans Meinrad von Schönberg zum Jahreswechsel 1611/12 nach England geschickt, um die Vorteile einer ehelichen Verbindung von Friedrich und Elisabeth herauszustreichen. Meinhard war seit 1611 im Dienste von Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg. Auch für die protestantische Union erfüllte er viele zum Teil brisante Aufträge und diplomatische Aufgaben wie z.B. diese Brautwerbung. Seit dem 1.11. 1611 war er Hofmeister am kurpfälzischen Hof in Heidelberg. Seine Werbung war ja auch von Erfolg gekrönt. Als er zur Ratifikation des Ehevertrages nach London reiste, lernte er Anna Sutton-Dudley, die Tochter des 5. Baron Dudley, kennen. Sein persönliches Erfolgserlebnis. Er heiratete Anna am 22. März 1615 in London.

Als Friedrich V. 1612 selbst nach England reiste machte sich seine sorgfältige Erziehung bezahlt. Sein angenehmes Äußeres und seine vollendeten Umgangsformen beeindruckten. Er gewann auch schnell Elisabeths Herz und aus dieser aus rein politischen Gründen angebahnten Adelsverbindung war eine richtige Liebesheirat geworden.

Elisabeth wurde am 19. August 1596 als älteste Tochter Jakobs VI. von Schottland und Anna von Dänemark geboren. Sie war die Enkelin von Maria Stuart, die 1587 hingerichtet worden war. Sie hatte mehrere Geschwister, die als Kleinkinder starben. Nur zwei Brüder überlebten das Kleinkindalter. Der Ältere, Henry Frederick, der Thronanwärter starb mit 18. Der jünger Bruder Karl wurde 1625 als Charles I. König von England. Sie wurde wie für englische Königstöchter üblich von loyal zum Königshaus stehenden Adligen erzogen.

Ihre letzte Erziehungsstation war die Familie von Lord John Harington und seiner Frau Anne. Lord John war ein Patensohn von Elisabeth I. Die Familie war streng protestantisch. Sie lebte auf deren Gut Combe Abbey, einer ehemaligen Zisterzienserabtei, die

Lord John zu einem Herrenhaus umgebaut hatte.Dort lernte sie schreiben, reiten und die Fremdsprachen italienisch und französisch. 1608 zog sie an den englischen Königshof, wo sie eine enge Bindung zu ihrem Bruder Henry Frederick hatte.

Am 14. Februar 1613 wurde in der Kapelle des Whitehall Palace die Ehe zwischen dem Kurfürsten Friedrich V. und Elisabeth Stuart geschlossen. Anlässlich der Hochzeit gab es aufwändig inszenierte Feierlichkeiten in London und in England. Dies erschien auch

als ein deutliches Signal gegen die katholisch-habsburgische Vormachtstellung in Europa. Von der protestantischen Bevölkerung wurde das euphorisch wahrgenommen, was eine Fülle von Flugblättern, Pamphleten und Traktaten unterstreicht.

In London wurde die Hochzeit mit einem großen Feuerwerk auf der Themse gefeiert. Über Vlissingen/Zeeland reisten sie nach Den Haag weiter, wo sie von Maurits von Nassau, dem Onkel des Kurfürsten und Statthalter der Niederlande begrüßt wurden.

Rheinaufwärts fuhr man dann auf drei Schiffen bis Oppenheim. Die Feierlichkeiten in Heidelberg dauerten mehrere Tage. Die prunkvollen Feierlichkeiten verschlangen Unsummen.

Nach der Hochzeit baute das junge Paar seien Hauptstadt Heidelberg  zielstrebig zu einer barocken Musterresidenz aus. In der Heidelberger Residenz wurde der “Englische Bau” errichtet und mit dem 1615 erbauten Elisabethentor erhielt die englische Königstochter einen separaten Eingang in die Residenz. Dann begann man mit dem weithin berühmten Hortus Palatinus, einem Hofgarten. Baumeister war der normannische Gartenarchitekt Salomon de Caus.

Am 1. Januar 1614 gebar Elisabeth  einen Sohn, das auf den Namen Friedrich Heinrich getaufte   erste Kind, dem zwölf weitere Folgen sollten.

Der Hochzeitsvertrag hatte der Königstochter Elisabeth eine Sonderstellung zugesichert. Das führte immer wieder zu Reibereien mit ihrer Schwiegermutter  Luise Juliane. Die Wogen glättete dann immer sein Hofrat. Zusammen mit seiner englischen Frau spielte er die Rolle von Ersatzeltern für das junge Kurfürstenpaar. Im privaten Umfeld schottete Hans Meinhard von Schönberg den Kurfürsten ab, im politischen Bereich stellte Christian von Anhalt die Weichen. Als Meinhard am 3. August 1616 plötzlich starb,war das ein schwerer Verlust für den Kurfürsten. Seine Frau war schon kurz nach der Geburt des einzigen Kindes Friedrich von Schönberg, des späteren Feldherrn und Marschall von Frankreich, gestorben.

Mit seinem 18. Geburtstag übernahm Friedrich die Regierung. Die Regierungsgeschäfte führte aber der Oberrat, ein Gremium aus drei adligen und drei gelehrten bürgerlichen Räten, außerdem der Hofmeister, der Marschall und der Kanzler. Unter den Räten war

Dr. Ludwig Camerarius der wichtigste Mann. Er war schon Friedrich IV. 1598 in den Oberrat berufen worden. Zunächst war er überwiegend mit rechtskundlichen Aufgaben betraut. 1603 wurde er in die pfälzische Reichsgesandtschaft aufgenommen. Er wurde zum wichtigsten Diplomaten der Kurpfalz für die Äußere Politik innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches.

Ein verstörendes Erlebnis hatte Friedrich V. kurz nach seiner Regierungsübernahme. Er weilte auf einer Sitzung der Union in Heilbronn, als er von einem heftigen Sumpffieber ergriffen wurde. Er erholte sich zwar rasch, doch erlitt er einen Rückfall, der ihn fast das Leben gekostet hätte. Diese Krankheit veränderte auch seine Persönlichkeit. Er Wirkte nun äußerlich schon kraftlos, schläfrig und kränklich. Seiner Umgebung fiel sein melancholischer, ja fast depressiver Charakter auf.

Am 22. Dezember 1617 wurde Karl Ludwig, der zweite Sohn, in Heidelberg geboren. (+ 22.8.1680)

Ein Jahr später kam das dritte Kind, Elisabeth am  26. Dezember 1618 in Heidelberg zur Welt. (+ 8.2. 1680)

Die politische Großwetterlage verdüsterte sich zunehmend. Der Augsburger Religionsfriede von 1555 wurde immer brüchiger. Die Lage wurde noch komplizierter durch die Ausbreitung des Calvinismus, der im Religionsfrieden “verfassungsrechtlich” gar nicht berücksichtigt war. Ottheinrich (regiert von 1556-1559) führte die lutherische Konfession in der Kurpfalz ein. Sein Nachfolger Friedrich III. von Pfalz-Simmern (reg. 1559-1576) führte den Calvinismus in der Kurpfalz ein. Sein Nachfolger Friedrich IV., der Vater von Friedrich V., führte einen erneuten Bekenntniswechsel zurück zum Luthertum durch. Sein früher Tod hatte zur Vormundschaft von Johann II. von Pfalz-Zweibrücken geführt. (s.o.) Dieser hatte das calvinistische Bekenntnis seines Vaters Friedrichs III. beibehalten.

Er benutzte die Vormundschaft, um das reformierte Bekenntnis erneut in der Kurpfalz einzuführen.

In den katholisch gebliebenen Territorien setzte verstärkt die Gegenreformation ein. Die zunehmende Verhärtung zeigte sich auch in der illegalen Besetzung der lutherischen Reichsstadt Donauwörth durch Truppen des katholischen Herzogs Maximilian von Bayern 1607 . Das wiederum führte zur Gründung der protestantischen Union durch Friedrich IV. (s.o.) Der von 1609 bis 1614 schwelende jülisch-klevische Erbstreit hätte das Reich beinahe in einen Krieg gestürzt. Bei diesem Streit mischten auch die kurpfälzischen Berater kräftig mit. Christian von Anhalt, seit 1595 in den Diensten von Friedrich IV. einigte sich im Winter von 1609 auf 1610 mit Heinrich IV. auf ein gemeinsames militärisches Vorgehen mit Frankreich im jülisch-klevische Erbstreit. Hans Meinhard von Schönberg nahm an der Belagerung von Jülich als „Obrister über die Artillerie, Fortification und ein Regiment Fußvolk“ teil und trug entscheidend zum Gelingen bei.  Der Streit endete 1614 mit einem Kompromiss. Der nächste Konflikt stand schon bevor.

In den böhmischen Kronlanden der Habsburger sah sich das Haus Habsburg als Schutzmacht des Katholizismus. Böhmen war aber überwiegend protestantisch. Matthias von Habsburg wurde am 23.Mai 1611 zum König von Böhmen gekrönt. Matthias, seit 1612 Kaiser, hatte keine Erben.1618 schlug er seinen Cousin Erzherzog Ferdinand zum böhmischen König vor. Er wurde auch von den böhmischen Ständevertretern gewählt, obwohl bekannt war, dass Erzherzog Ferdinand in seinen österreichischen Ländern die Gegenreformation betrieben hatte. Nach der Wahl wurde der Einfluss der Protestanten massiv beschnitten. Sie forderten nun gemäß den 1609 gewährten „Majestätsbriefes“ für sich die freie Religionsausübung, Königswahl und Landtagseinberufung. Diese Forderung wurde in Wien ignoriert. Nun brach der böhmische Ständeaufstand aus, symbolträchtiger Höhepunkt, der zweite Prager Fenstersturz. Am 20. März 1619 starb Kaiser Matthias in Wien. Nun verweigerten die böhmischen Stände Ferdinand den Anspruch auf die Wenzelskrone und erklärten ihn für abgesetzt. Der Prager Landtag verabschiedete eine neue Ständeverfassung für Böhmen,wichtigster Punkt die Wahl eine neuen Königs. Nun kam auch der Pfälzer Kurfürst ins Spiel. Christian von Anhalt hatte von seinem Amtssitz in Amberg aus  schon seit 1618  geheime Beziehungen nach Prag gepflegt. Er hatte für die böhmischen Stände Militärhilfe organisiert. Er verhandelte mit den Ständen auch über die Krönung eines neuen Monarchen. Mitte 1619 empfing Friedrich und Christian in Amberg eine Prager Delegation, die Friedrich die böhmische Krone antrug. Eine Annahme dieses Gesuchs würde natürlich eine Provokation des Kaiserhauses bedeuten. Auch der Heidelberger Oberrat fand in seinem Gutachten mehr Risiken als Chancen gegen in einer böhmischen Kür. Sein Schwiegervater Jakob sagte Friedrich klar, dass er von England keine Hilfe erwarten dürfe. Die übrigen Fürsten der Protestantischen Union reagierten ablehnend auf das Vorhaben. Sein katholischer Verwandter aus der bayrischen Linie der Wittelsbacher, Herzog Maximilian von Bayern (1598–1651), warnte ihn brieflich klar und deutlich vor der Annahme der böhmischen Krone und erklärte “dass ich der Erste bin, der gegen die Böhmen undt Ihren unrechtmässigen König zu Veldte zieht” Sein Kanzler Christian und  seine Frau Elisabeth bestärkten Friedrich in seinem Vorhaben, wobei nicht klar ist, wie stark die Rolle seiner Frau bei dieser Entscheidung war. Als Friedrich zustimmte, wählten ihn die die böhmischen Stände am 27. August 1619 zu ihrem  König, genau einen Tag vor der Kaiserwahl Ferdinands II. in Frankfurt. 

Mit seiner schwangeren Frau und einem Gefolge von über 500 Leuten zog Friedrich in Prag ein und wurde begeistert empfangen. Der Jubel währte aber nicht lange. Die böhmischen Stände wollten ihre Macht nicht mit einem Monarchen teilen. Das Volk fühlte sich getäuscht, weil Friedrich sein Versprechen, die Religionsfreiheit zu achten, brach. Die calvinistischen Ideen wurden mit Gewalt verbreitet.Der Bildersturm im Prager Veitsdom Ende 1619 bildete einen traurigen Höhepunkt.

Auch außenpolitisch war Friedrich schnell isoliert. Die Unionsfürsten waren schon im Vorfeld der böhmischen Kür gegen eine solche und lehnten eine militärische Hilfe ab. Sein Schwiegervater hatte ihm im Vorfeld ja auch erklärt, dass er keine Hilfe erwarten könne. Kaiserliche Truppen mit spanischer Verstärkung rückten in Böhmen ein. Der sächsische Kurfürst Johann Georgs I. (1611–1656), dem die böhmische Krone von den gemäßigten protestantischen böhmischen Ständen ebenfalls angetragen worden  war, die er aber abgelehnt hatte, überrannte die Lausitz und Schlesien.

Friedrich verfügte nur über eine schlecht ausgerüstete Armee. Vor allem fehlte ihm Geld, so dass er den Sold nicht zahlen konnte. Einige verkauften ihre Waffen an den Feind. Andere desertierten. Durch einen Spion erfuhr Friedrich, dass die Kaiserlichen direkt auf Prag vorrücken wollten. Er ließ daher sein Heer unter Führung Christian von Anhalt auf dem Weissen Berg, einer Anhöhe vor Prag Stellung beziehen. Diese bot zwar einen strategischen Anhalt. Doch das Zahlenverhältnis sprach gegen ihn. 21.000 seiner Soldaten standen 28 000 Mann der Kaiserlichen gegenüber und wurden auch schnell überrannt. Die Schlacht war verloren und Friedrich floh noch in der Nacht mit seiner Familie aus Prag.

Zunächst floh er mit seiner Familie nach Brandenburg und Wolfenbüttel.   Als er in Küstrin in Brandenburg angekommen war, quittierte sein Kanzler Christian von Anhalt seinen Dienst.

Am 29. Januar 1621 wurde die Reichsacht über Friedrich  verhängt. Das war ein Verfassungsbruch des Kaisers. Die protestantischen Fürsten protestierten zwar dagegen. Der Protest wurde aber von Ferdinand zurückgewiesen und gleichzeitig die Abrüstung  der

protestantischen Truppen verlangt. Im März floh er schließlich ins Exil nach Holland.   Seine Gastgeber atmeten auf, denn wer  einen Geächteten unterstützten,war mit Sanktionen bedroht.Im April 1621 löste sich die Union auf. Im Sommer trat Johann II. von Pfalz Zweibrücken, der nach dem Tod von Friedrichs Vater die Vormundschaft für Friedrich übernommen hatte, als Statthalter der Kurpfalz in Heidelberg zurück. Die räumliche Distanz Friedrichs verhinderte  ein direktes Eingreifen Friedrichs. Weil die Lage aber für seine
Erblande immer bedrohlicher geworden war, ging er in der Nacht vom 2. auf den 3. April 1622 heimlich, mit nur zwei Begleitern aus seinem Exil über Calais nach Paris. Von dort reiste er weiter in die Südpfalz. Dort traf er auf die Truppen seines Heerführers General Ernst von Mansfeld. Diesen gab er sich zu erkennen. Er richtete  von dort aus auch gleich mehrere Schreiben an die evangelischen Fürsten. Er wollte die aufgelöste evangelische Union wiederbeleben. Graf von Mansfeld war seit 1610 immer für Gegenspieler des Hauses Habsburg tätig. Er hatte auch in Böhmen gekämpft. An der Schlacht am Weissen Berg hatte er aber nicht  persönlich teilgenommen, was ihm mit 100.000 Gulden aus der gegnerischen Kasse vergütet wurde. Seit dem Frühjahr 1621 diente er dem geächteten Friedrich. Am 27. April 1622 schlug er bei Mingolsheim den bayerisch-ligistischen Generalleutnant Tilly. Dieser Sieg und die persönliche Anwesenheit Friedrichs gaben der  pfälzischen Sache nochmals großen Auftrieb. Aber schon am  6. Mai 1622 erlitt  Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach bei Wimpfen eine vernichtende Niederlage. In dieser Schlacht waren für Friedrich nur die von Georg Friedrich aufgestellten und angeworbenen Truppen beteiligt. Von Manfelds Armee konnte nicht eingreifen. Einen weiteren Monat später konnte Tilly die Vereinigung der Armeen von Mansfeld und Christians von Braunschweig –Wolfenbüttel verhindern und schlug auch die Armee Christians. Diese beiden Niederlagen sowie ein dramatischer Mangel an Lebensmitteln wendeten das Blatt zu Ungunsten von Friedrich. Im Mai Juni überfiel von Mansfeld Darmstadt im Namen des Winterkönigs und nahm den Landgrafen als Geisel. Damit brachte Friedrich die lutherischen Staaten Europas gegen sich auf. Sein Schwiegervater Jakob  war empört und forderte Friedrich ultimativ auf, den Landgrafen sofort frei zu geben. Von Mansfeld überzeugte Friedrich schließlich,dass die pfälzischen Erblande nicht mehr zu halten waren. Er kehrte am 18. Juni 1622 nochmals nach Heidelberg zurück und ließ die 1619 verbliebenen Wertgegenstände und Akten nach Den Haag transportieren. Nach der Eroberung Heidelbergs im September 1622 fanden die Eroberer nur noch ein leeres Schloss vor. Den Sommer 1622 verbrachte Friedrich in Sedan, wo er ja seine Ausbildung erfahren hatte. Sehr ungern ging er im Oktober zurück in die Niederlande. Zum Jahreswechsel 1622/23 bildete Friedrich in Den Haag eine Exilregierung gebildet, zu deren Chef er Ludwig  Camerarius (s.o) ernannte. In Den Haag war Friedrich völlig auf die finanzielle Unterstützung seiner niederländischen und englischen Verwandtschaft angewiesen. Und dort befand er sich im Spannungsfeld widerstrebender Forderungen. Seine niederländischen Gastgeber waren für eine Fortsetzung des Krieges. Sein Schwiegervater wollte, dass Friedrich sich mit seinen Gegnern friedlich verglich. England und Spanien hatten im Mai 1623 einen Waffenstillstand für die Pfalz ausgehandelt. Friedrich weigerte sich zunächst von den Niederländern bestärkt, diesen zu ratifizieren. Erst als Jakob VI. mit ernsthaften Konsequenzen aus London drohte, musste Friedrich im November 1623 unterschreiben.

Schon im Februar 1623 hatte Kaiser Ferdinand II.die Pfälzer Kurwürde auf den Bayernherzog Maximilian übertragen. Um die politischen Tagesgeschäfte kümmerte sich Friedrich kaum, worüber sich Camerarius bitter beklagte. Einen regelrechten Geiz entwickelte er, wenn es um finanzielle Zuwendungen für seine Administration ging. Seine Hofhaltung verschlang aber Unsummen, für die von den Niederländern und London bewilligten Zahlungen meist nicht reichten. Ende 1620 baute er sich noch eine eigene Residenz in Rhenen

Das hatte für ihn den Vorteil, fernab des politischen Geschehens und der kritischen Blicke seiner Gastgeber zu sein.  Den größten Teil seiner Seit verbrachte er beim Jagen, auf langen Spaziergängen oder beim Schwimmen.

Der härteste Schicksalsschlag traf ihn am 17. Januar 1629, von dem er sich körperlich erst nach 15 Monaten erholte, seelisch aber nicht mehr. Vor Zaandam kam sein erstgeborener Sohn Friedrich Heinrich bei einem Schiffsunglück ums Leben.

Friedrich Heinrich, Pfalz, Pfalzgraf Auf Friedrich Heinrich hatte nicht nur sein Vater sondern der gesamte pfälzische Exilhof große Hoffnungen gesetzt. In den Plänen zahlreicher Diplomaten spielte er eine wichtige  Rolle.

Er war früh durch seine außergewöhnliche Intelligenz aufgefallen, die zu den besten Aussichten für seine Zukunft als Herrscher berechtigten. Jakob VI. wollte den Konflikt in der Pfalz durch die Heirat seines Enkels mit einer Infantin des Madrider Hofs friedlich lösen.

Bis dahin waren auch alle Bemühungen Friedrichs um die Rückgabe seiner Gebiete in der Pfalz gescheitert. Als Gustav Adolf in den Krieg eingriff, konnte er nochmals Hoffnung schöpfen. Als die Schweden im Dezember 1631 Oppenheim eroberten, kehrte Friedrich wieder nach Deutschland zurück.

Im Februar 1632 traf Friedrich mit Gustav Adolf in Frankfurt zusammen, da er aber keine Unterstützung aus London und Den Haag erhalten hatte, konnte er dem Schwedenkönig nichts anbieten. Friedrich sollte dem schwedischen König huldigen und die Pfalz quasi als Lehen von dem schwedischen König

nehmen. Das aber lehnte Friedrich ab und verzichtete auf Restitution. Er begab sich in das schwedisch besetzte Mainz. Am 16. November 1632 starb Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen.  Jetzt erst hatte sich England entschlossen, eine kleine Streitmacht und finanzielle Unterstützung zu stellen.

Aber das kam jetzt alles zu spät. Friedrich starb am 29. November in Mainz an der Pest. Die Eingeweide Friedrichs wurden entnommen und im Westchor der Katharinenkirche von Oppenheim beigesetzt. Den Leichnam nahm Friedrichs Bruder Ludwig Philipp von Pfalz-Simmern auf der Flucht vor den anrückenden Spaniern ins sichere Sedan mit.  Wo Friedrich dort dann beigesetzt wurde, ist bis heute unbekannt.

Der zweite Sohn Karl Ludwig wuchs im holländischen Exil in den Haag zusammen mit seinen Geschwistern auf. Dort war der Heidelberger Kurpfälzer Geheime und Oberrat Vollrad von Plessen, der Kurfürst Friedrich ins Exil begleitet hatte, sein Lehrmeister und Tutor.

Nach dem Tode seines Vaters 1632 wurde sein Onkel Ludwig Philipp von Pfalz-Simmern, der jüngere Bruder Friedrichs zum Vormund von Karl Ludwig. 1633 wurde er als Ritter in den englischen Hosenbandorden aufgenommen.

   

Die Schweden hatten die Pfalz 1632 wieder erobert und rückten im Mai 1633 wieder in Heidelberg ein. Ludwig Philipp hatte im April 1633 mit dem schwedischen Kanzler Oxenstierna einen Vertrag geschlossen, nach dem die Pfalz bis auf wichtige Plätze, an denen schwedische Garnisonen

verblieben, wieder den Erben Friedrichs V. zurückgegeben wurden. Aber schon nach der Schlacht von Nördlingen am 6. November 1634 zogen sich die Schweden auf linksrheinisches Gebiet zurück. Karl Ludwig flüchtete zusammen mit seinem Onkel über Saarbrücken nach Metz. Auf Rat seiner Mutter ging Karl Ludwig nach England, wo sein jüngerer Bruder Ruprecht am Hofe ihres Onkels Karl I. lebte. Dort war es  1648 zu einem 2. Bürgerkrieg gekommen, in dem Karl I. von Cromwell verhaftet wurde und nach einem Prozess zum Tode verurteilt und  am 30. Januar 1649 enthauptet wurde.

Karl Ludwig ging aufs Festland zurück zuerst zu seiner Mutter dann nach Kassel. Dort verlobte er sich mit Charlotte, der Tochter des hessischen  Landgrafen Wilhelm V. und der Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen. Die Heirat erfolgte am 12./22. Februar 1650 in Kassel. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor und zwar Karl II.(1651–1685), der spätere Kurfürst von der Pfalz.Dann folgte Elisabeth Charlotte, Prinzessin von der Pfalz (1652–1722), die1671 Herzog Philipp I. von Orléans, den Bruder von Ludwig XIV. heiratete und als Lieselotte von der Pfalz in die Geschichte einging.Das dritte Kind Friedrich wurde 1653 geboren und starb schon ein Jahr nach der Geburt. Die Ehe war nicht glücklich. Nach dem Tod des dritten Kindes verwies Charlotte ihren Mann  aus dem Schlafzimmer. Er wollte die Scheidung, doch Charlotte willigte nicht ein. Schließlich verstieß sie Karl Ludwig offiziell und proklamierte dies öffentlich.

Im September 1652 kam Louise Freifrau von Degenfeld als Kammerfräulein der Kurfürstin nach Heidelberg, die er nach der Scheidung von Charlotte in morganatischer Ehe heiratete.

Nach dem Westfälischen Frieden   erhielt   Karl Ludwig 1649 die Kurpfalz in verkleinerter Form wieder zurück. In der Religionsfrage wurde der Passauer Vertrag von 1552 sowie der Augsburger Religionsfriede von 1555 bestätigt.Die Kurpfalz war eines der vom Krieg am schwersten betroffenen Gebiete. Sie hatte fast die Hälfte ihrer Bevölkerung verloren. Er erhielt auch die Kurwürde zurück, allerdings nicht die bisherige. Diese war  mit dem Amt   des Reichsvikars und des Erztruchsessenamts verbunden gewesen   und die verblieb bei Bayern. In der Causa Palatina (IV. Artikel des    Osnabrücker  Friedensvertrag) wurde der 300 Jahre schwelende Konflikt zwischen der pfälzischen und bayrischen Wittelsbacher gelöst, in dem es darum ging, welche Linie als Kurfürsten an der Wahl des Königs teilnehmen sollte.   Im westfälischen Frieden wurde eine achte Kurwürde geschaffen. Es gab auch ein neues Amt dazu, das Erzschatzamt. Am 2. August 1652 wurde er Erzschatzmeister. Das war rangmäßig ein Abstieg. Die Pfalzgrafen rutschten in der Rangfolge der der weltlichen Kurämter vom ersten auf den letzten Platz. Noch schwerer wog auch der Verlust der Oberpfalz an Bayern, denn die war vor dem Krieg wirtschaftlich prosperierend und hatte vor allem, im Bergbau erhebliche Überschüsse erzielt.  Ein Erfolg war aber,  dass auch die calvinistische Konfession im Westfälischen Frieden als prinzipiell gleichberechtigt neben den Lutheranern und Katholiken anerkannt wurde. Karl Ludwig bestätigt am 10. Dezember 1650 den Lutheranern das Recht, ihre Religion auszuüben. Er mühte sich, den Neuaufbau der Kurpfalz nach den Zerstörungen des Krieges voranzubringen.

Am 1. November 1652 eröffnete Karl Ludwig die Heidelberger Universität wieder und übernahm das erste Rektorat. Er berief namhafte Professoren an die Universität wie Friedrich Spanheim den Jüngeren, Theologe und Kirchenhistoriker,Johann Heinrich Hottinger, Professor für das Alte Testament und Hebräisch, Johann Ludwig Fabricius, Professor für Systematische Theologie, Samuel von Pufendorf, für den Karl Ludwig einen Lehrstuhl für Natur und Völkerrecht einrichtete. Jacob Israel war Stadtphysikus in Heidelberg und lehrte an der Universität Physiologie, Anatomie und Chirurgie. Den einstigen weltruf konnte die universität aber trotz dieser Koryphäen nicht zurückgewinnen. Die Bibliothek musste neu aufgebaut werden nachdem Herzog Maximilian I.1622  nach München überführen wollte, nachdem Tilly Heidelberg erobert hatte. Er musste sie aber Papst Gregor XV. auf dessen ausdrücklichen Wunsch überlassen. Die wirtschaftliche Grundlage musste gewährleistet werden, neue Professoren berufen und Studenten angeworben worden. Das erste gedruckte Personal-und Vorlesungsverzeichnis wurde 1655 herausgegeben. Man bemühte sich vor allem um adlige Studenten, die das Recht auf freie Wohnungswahl und auch das Jagdrecht in den umliegenden Wäldern erhielten. 1653 ließen sich 127 Studenten einschreiben. Die Zahl ging aber ständig zurück, da es nicht gelungen war, die Universität auf eine gesündere wirtschaftliche Grundlage zu stellen.

Nach dem Tode des Kaisers Ferdinand III. 1657 übernahm Karl Ludwig das Amt des Reichsvikars, was allerdings auf heftigen Widerspruch seines Vetters Ferdinand Maria in München stieß, was beinahe in einem Waffengang endete.Die übrigen Kurfürsten vermittelten und verhinderten dies. Der Streit wurde dann erst 1724 endgültig beigelegt. Das Vikariat feierte Karl Ludwig mit Vikariatsprägungen.

1657 ließ sich Karl Ludwig auch von Charlotte scheiden, die diese Scheidung aber nie anerkannte. In diesem Jahr heiratetet er auch Louise von Degenfeld in Frankenthal. Aus dieser Ehe gingen dreizehn Kinder hervor, die aber nicht erbberechtigt waren, da Louise schon 1667 für sich und ihre Kinder auf alle Erbansprüche auf die Pfalz verzichtet hatte. Karl Ludwig gab ihr und den Kindern den Titel Raugrafen und stattete sie mit Lehen der erloschenen Raugrafschaft aus

Am 18. April 1659 wurde der Grundstein zur Providenzkirche gelegt. Sie entstand auf Initiative von Karl Ludwig und seiner Frau Louise. Sie wurde nach Plänen von Theodor Reber errichtet und erhielt den Namen Providenzkirche, nach dem Leitspruch Karl Ludwigs “Dominus providebit” (Der Herr wird sorgen) Sie wurde allerdings schon 1693 beim großen Stadtbrand im Rahmen des Pfälzischen Erbfolgekriegs zerstört, dann aber von 1715-1721 wieder neu aufgebaut.

Wichtigstes Bauprojekt wurde die Planung einer neuen Residenz, nachdem das Heidelberger Schloss im 30-jährigen Krieg zerstört worden war. Eine neue zeitgemäße Residenz sollte in Mannheim entstehen. Mit der Ausarbeitung der Pläne wurde der französische Architekt Jean Marot beauftragt.

Es wurde so zwar nie ausgeführt. Aber die Bedeutung Mannheims wuchs schlagartig, so sehr dass Karl Ludwig durchaus als zweiter Gründer Mannheims betrachtet werden kann. Mannheim profitierte auch von seiner konsequenten Ansiedlungspolitik. Mit vielen Privilegien und Anreizen wurden Siedler in die Kurpfalz gelockt. Die Konfession spielte kaum eine Rolle. Es kamen holländische, französische, englische und Schweizer Immigranten auch Mennoniten und zahlreiche Juden.

Die Verwaltung wurde reorganisiert. Die Kammergüter wurden rationell ausgenutzt. Für Sicherheit und Ordnung wurde gesorgt. Der Weinbau wurde wieder hergestellt. Tabak-und Kartoffelanbau wurden eingeführt. Eine Akzise wurde wieder erhoben, also eine Verbrauchersteuer. Karl Ludwig errichtete Manufakturen, wie z.B. in Frankenthal, wo über 20 Manufakturen entstanden z.B. eine Tuchmanufaktur und eine Porzellanmanufaktur.

Der Wiederaufbau der zerstörten und darniederliegenden Kurpfalz gelang relativ schnell. Es gelang ihm allerdings nicht trotz eiserner, fast an Geiz grenzender Sparsamkeit sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich die leeren Staatskassen wieder zu füllen zumal er auch ein stehendes Heer aufbaute.

1671 heiratete seine 19-jährige Tochter Elisabeth Charlotte von der Pfalz den Bruder des französischen Königs Ludwig XIV., Philipp von Orléans. Als Liselottes Bruder Karl II. 1685 kinderlos verstarb, machte Ludwig XIV. für seine Schwägerin Erbansprüche gelten, was zum Pfälzischen Erbfolgekrieges von 1688 bis 1697 führte und in dessen Verlauf die Kurpfalz verwüstet  und Schloss Heidelberg zerstört wurde.

Am 18. März 1677 verstarb Karl Ludwigs Frau Louise Freifrau von Degenfeld mit 42 Jahren. Karl Ludwig heiratete ebenfalls in morganatischer Ehe Elisabeth Holländer von
Berau, Tochter des Tobias Holländer, der Säckelmeister und Bürgermeister von Schaffhausen. Mit ihr hatte er einen Sohn.

Außer zu seiner jüngsten Schwester Sophie von Hannover hatte er zu seinen Geschwistern kein besonders gutes Verhältnis. Seinem Bruder Rupert hatte er 1657 das Betreten des Heidelberger Schlosses ausdrücklich verboten.

Karl Ludwig starb am 28. August 1680 bei Edingen.

Elisabeth wurde am 26. Dezember 1618 in Heidelberg geboren. Sie wurde zunächst von ihrer Großmutter Kurfürstin Luise Juliane von Oranien in Heidelberg erzogen. Nach der Schlacht am Weissen Berg brachte sie Elisabeth zu ihren nach Berlin geflohenen Eltern.

Die Eltern zogen weiter ins Exil nach Den Haag. Elisabeth blieb 1627 am kurfürstlichen Hof in Brandenburg, wo ihre Tante Elisabeth Charlotte (1597-1660) mit dem brandenburgischen Kurfürsten Georg Wilhelm lebte, den sie 1616 in Heidelberg geheiratet hatte. Elisabeth lebte 8 Jahre

In Berlin und Kossen. Für ihre Erziehung war ihre Großmutter und ihre Tante Katharina Sophie zuständig, die von calvinistischer Frömmigkeit geprägt war. 1627 kam sie zu den Eltern zurück in den Exilhof von Den Haag. Die durchweg begabten Kinder des Winterkönigs und seiner Frau

erhielten im Prinzenhof in Leiden eine vorzügliche Erziehung. Neben Gouvernanten und Erziehern kümmerte sich auch Lehrkräfte der Universität von Leiden um die umfassende Bildung der Kinder. Der Heidelberger Katechismus stand genauso auf dem Stundenplan wie Lektionen in Geschichte, Mathematik und Recht. Fremdsprachen auf dem Programm aber auch Reiten und Ballett und Gesang für die Mädchen. Erbprinz Friedrich Heinrich und die Prinzessin Elisabethstachen  durch besondere Geistesgaben hervor.  Friedrich Heinrich kam ja 1629 bei einem Schiffsunglück ums Leben.

Nach dem Tod Friedrichs 1632 kamen alle Kinder an den Hof der Mutter nach Den Haag zurück. Die Söhne verließen nach und nach das Haus der Mutter. Die Prinzessinnen beherrschten verschiedene Sprachen, wie Lateinisch, Italienisch, Spanisch, Holländisch, Englisch, Französisch und Deutsch.

Als Elisabeth kaum fünfzehn Jahre alt war, warb König Ladislaus IV. von Polen um ihre Hand. Sie gab ihm nicht das Jawort, auch weil das für sie bedeutet hätte, katholisch zu werden, worauf die polnische Geistlichkeit und der Reichstag bestanden.

Elisabeth war die Gelehrteste. Sie wandte sich  der Philosophie zu, stand in Briefwechsel mit Anna Maria von Schurmann, einer der gelehrtesten Frauen ihrer Zeit. 1619 begann sie die Schriften von Descartes zu lesen. 1640 wurde Descartes an Elisabeths Hof in Den Haag eingeführt.

Der Wegbereiter der Aufklärung nahm seinen Wohnsitz ganz in der Nähe der kurpfälzischen Prinzessin. 1644 widmete ihr Descartes sein Hauptwerk über die „Prinzipien der Philosophie“.  Die beiden blieben in jahrelangem Briefwechsel verbunden. Die Verbindung blieb bestehen bis zum Tod von

Descartes im Jahr 1650. Descartes übernahm ihre Korrekturen und Vorschläge oft als gute Verbesserungen in seine Arbeiten. 1645 trat ihr Bruder Prinz Eduard von Pfalz zum Katholizismus über, was sie als überzeugte Kalvinistin stark betroffen gemacht hat.

1646 ermordete ihr Bruder Prinz Philipp von der Pfalz (1627 bis 1650) in Den Haag auf offener Straße den Marquis de l’Epinay, einen Günstling seiner Mutter , die angeblich ein Liebesverhältnis zum dem Franzosen unterhalten hatte. Das führte zum Bruch mit ihrer Mutter und sie ging zusammen mit ihrer Schwester Henriette Marie von der Pfalz (1626-1651) von 1646 bis 1647 und 1648 an den Hof ihres Vetters, des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, wieder nach Berlin .

Schwer zu schaffen machte ihr auch das Schicksal ihres Onkels König Karl I. in England. König seit 1625 wurde er 1649 zum Tode verurteilt und am 30. Januar hingerichtet.

Nachdem ihr Bruder Karl Ludwig 1649 die Kurpfalz wieder zurückerhalten hatte, konnte auch Elisabeth 1650 wieder nach Heidelberg zurückkehren. Schnell nahm sie Kontakt zu den Professoren an der wieder eröffneten Universität auf. Sie soll sogar Studenten um sich gesammelt haben und mit

ihnen über die Lehren von Descartes zu sprechen.

In diesem Jahr wurde auch ihre Schwester Louise Hollandine (1622-1709) als Kanonisse in das Stift Herford aufgenommen. 1652 wurde ihr das Amt als Küsterin übertragen ihre Wahl zur Koadjutorin wurde aber von der regierenden Äbtissin, ihrer Cousine  Elisabeth Luise Juliane von Pfalz-Zweibrücken, verhindert.

Häusliche Zwietracht in Heidelberg, die unglückliche Ehe ihres Bruders und die anschließende Heirat mit Louise Freifrau von Degenfeld veranlassten Elisabeth, aus Heidelberg weg zu gehen. Wieder in Brandenburg betrieb sie von dort aus energisch ihre Aufnahme in das Stift Herford, unterstützt

vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Sie sollte dort Koadjutorin werden. Aber wie schon bei Louise Hollandine  versuchte die Äbtissin dies  wohl die Konkurrenz Prinzessin Elisabeths fürchtend  zu verhindern. Aber schließlich konnte Kurfürst Friedrich Wilhelm die Wahl durchsetzen und Elisabeth wurde am 01.05.1661  zur Koadjutorin der Fürstabtei Herford gewählt. Aufenthalte der Koadjutorin sind für die Jahre 1661, 1662, 1664, 1665 und 1666 in Herford nachweisbar.

Sie pendelte zwischen ihren Verwandten, der hessischen Landgräfin Hedwig Sophie, Tochter des brandenburgischen Kurfürstenpaars,  dem brandenburgischen Hof in Berlin und ihrer Schwester Sophie in Iburg.

Am 28.03.1667 starb Äbtissin Elisabeth Luise . Einen Monat später, am 30.04. 1667 wurde Prinzessin Elisabeth von der Pfalz feierlich als neue Fürstäbtissin des Reichsstiftes Herford inthronisiert.

Zwischen 1657 und 1669 hatte sich unter Jean de Labadie die Glaubensgemeinschaft der Labadisten gebildet. Sie wichen kaum von der Lehre der reformierten Kirche ab, strebten aber einem katholisch-klösterlichen Lebensideal nach und lebten in Gütergemeinschaft von Händearbeit.

Dieser Sekte hatte sich inzwischen Anna Maria von Schurmann angeschlossen, ihre Briefpartnerin aus Leiden. Nach der Ausweisung aus Amsterdam machte sie Labadie und seine Glaubensgenossen auf die Fürstäbtissin in Herford aufmerksam.

Bei den Labadisten wohnten Männer und Frauen in einem Haus, was den Verdacht der Vielweiberei erweckte. Dazu kam, daß die Labadisten die Gütergemeinschaft eingeführt hatten.

Die Äbitissin hatte der Gemeinde ein Haus zugewiesen, allerdings ohne den Rat und die Geistlichkeit der Stadt Herford von der Übersiedlung der Labadisten zu benachrichtigen. Sie sah sich dazu nicht verpflichtet, da sie ja Souverän ihres kleinen Territoriums war, das allerdings innerhalb der Stadtmauern lag.  Angesichts des schlechten Rufes, den die Labadisten hatten, verlangte die Bürgerschaft die sofortige Ausweisung und brachte die Angelegenheit vor das kaiserliche Reichskammergericht zu Speyer. Dieses entschied so schnell wie selten,dass die Äbtissin  bei Androhung der Reichsacht und einer Strafe von 30 Mark Gold die sofortige Ausweisung Labadies zu verfügen habe. Sie behielt die Labadisten zwar weiterhin unter ihrem Schutz aber nicht mehr in Herford sondern auf ihrem Landgut außerhalb der Stadt. Nachdem die Labadisten im Juni 1672 nach Altona weiterzogen, versöhnten sich die Äbtissin und die Stadt.

Die tolerante Haltung Elisabeths war auch den Quäkern nicht verborgen geblieben, einer anderen Religionsgemeinschaft, die in dieser Zeit in England ihren Ursprung nahm. Sie waren ebenfalls verfolgt und unterdrückt. Ihr Gründer William Penn reiste auch nach Herford, wo er die Äbtissin besuchte und drei Tage lang blieb. Der Briefwechsel dauerte bis zum Lebensende von William Penn.

Auch in in ihren letzten Lebensjahren stand sie mit zwei der bedeutendsten Philosophen in Verbindung.Mit dem Franzosen Malebranche und dem Deutschen Leibniz pflegte sie einen Briefwechsel.

Ihr wissenschaftliches Interesse schlug sich auch im weiteren Ausbau der Herforder Bibliothek nieder, die aber bei der Säkularisation zugrunde ging.

1679 wurde Elisabeth bettlägerig. Sie litt an Wassersucht und seit ihrer Jugend an Rheumatismus.Kurz vor ihrem Tode versöhnte sich aber mit ihrem Bruder Karl Ludwig.

Im Februar 1680 verstarb sie.m Im Münster von Herford wurde sie bestattet.

Ruprecht von der Pfalz wurde am 27. Dezember 1619 in Prag geboren. Ein Jahr später ging die Schlacht am Weißen Berg verloren. Friedrich V. wurde von den kaiserlichen Truppen unter General Tilly vernichtend geschlagen. Die königliche Familie machte sich auf die Flucht.

Es herrschte wohl ein heilloses Durcheinander. Man vergas sogar, den elf Monate alten Säugling Ruprecht mitzunehmen. Ein Kammerherr fand den schlafenden Prinzen und packte ihn auf den letzten Fluchtwagen. Nach der Flucht über Brandenburg und Wolfenbüttel lebte er bei seiner Mutter im holländischen Exil am Hofe seines Großonkels Friedrich Heinrich von Oranien. Er studierte in Leiden und erhielt natürlich die selbe vorzügliche Ausbildung wie seine Geschwister. Er interessierte sich vor allem für militärische Angelegenheiten. Schon im Alter von 13 Jahren schloss er sich 1633 der holländischen Armee an. In den Kämpfen gegen Spanien  war er bei der Belagerung von Rheinberg dabei. Er war Soldat in der Leibwache des Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien, seines Großonkels. Er kämpfte bei der Belagerung von Tienen (Tirlemont ) mit, das 1635 fast völlig zerstört wurde. Auch an der Belagerung von Löwen (Louvain) nahm er teil.

1635 begleitete er seinen Bruder Karl Ludwig zu ihrem Onkel Karl I. nach England. Als Neffen des Königs erhielten sie hohe Gnadenbeweise. So wurde Ruprecht von der Universität Oxford zum Magister Artium promoviert. Der Erzbischof von Canterbury und Berater des englischen Königs William Laud

wollte ihm ein Bistum anbieten und Thomas Howard, der 21. Earl of Arundel, der auf der Hochzeitsreise seiner Eltern 1613 von London nach Heidelberg dabei war, wollte ihm eine Expedition nach Madagaskar unterstellen.

1637 kehrten die beiden aus England zurück.Ruprecht kämpfte wieder ihm holländischen Heer und nahm an der Belagerung und Rückeroberung von Breda teil.

Karl Ludwig hatte mittlerweile ein kleines Heer aufgestellt. Zu diesem begab sich Ruprecht nach der Einnahme von Breda. Von Karl Ludwig erhielt Ruprecht den Befehl über ein Kavallerieregiment. Militärisch war das Unternehmen allerdings nicht erfolgreich.

Seine Herrschaft in Meppen, die Karl Ludwig mit englischem Geld gekauft hatte, verlor er an die Kaiserlichen. Am 7./17.10. 1338 wurde er bei Vlotho an der Weser von Melchior Graf Hatzfeldt vernichtend geschlagen. Er entkam konnte über Hamburg . Ruprecht aber geriet in Gefangenschaft.

Für drei Jahre war er habsburgischer Staatsgefangener in Linz an der Donau. Die Haftbedingungen waren erträglich.Immerhin hatte er Zeit, sich mit Zeichnen und Malen zu beschäftigen. Er erfand  ein Gerät, welches perspektivisches Zeichnen einfacher machte.  Er war technisch nicht unbegabt und hat einige Erfindungen gemacht, über die noch zu reden sein wird. Sein Onkel Karl erreichte über diplomatische Kanäle die Freilassung bei Kaiser Ferdinand III. Er musste sein Ehrenwort geben, nie wieder gegen Habsburg zu Felde zu ziehen. Daran hielt er sich.

Ruprecht kehrte nach England zurück. 1642 wurde er von Karl I. als Ritter in den Hosenbandorden aufgenommen. 1642 brach in England ein blutiger Bürgerkrieg aus zwischen den Königstreuen, den „Kavalieren“, einerseits und auf der anderen Seite den Anhängern des Parlaments, den Republikanern oder Puritanern unter Oliver Cromwell. Er kämpfte für seinen Onkel. In den ersten Gefechten errang er wichtige Erfolge für den englischen König. Ruprecht hatte taktisches Talent und war tollkühn. 1643 eroberte er Bristol. Sein jüngerer Bruder Moritz war jetzt immer dabei und focht in allen Schlachten mit.

Im Januar 1644 ernannte ihn Karl I. zum Herzog von Cumberland. Er nahm Lancashire ein. Am 2. Juli 1644 fand in der Nähe von York die Schlacht von Marston Moore statt. Das war eine der entscheidenden Schlachten des englischen Bürgerkriegs.Die verlor Ruprecht. Ganz Nordengland ging für die Royalisten verloren. Ruprecht hatte am englischen Hof einige Gegner und das war natürlich Wasser auf deren Mühle. 1645 kann er zwar Leicester einnehmen, erlitt aber nur einen Monat später bei Naseby eine schwere Niederlage. Die militärische Lage in Bristol wurde aussichtslos und er übergab deshalb die Stadt im September 1645 an Lord Fairfax, dem kommandierenden General des Parlamentsheeres. Sein Onkel tobte und entzog ihm das Kommando. Das empfand Ruprecht als Schmach und wollte vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Er wurde zwar freigesprochen, hatte aber die Gunst des Königs verloren. Er bekam ein Angebot der Republik Venedig, die ihn als General haben wollte.Das englische Parlament stellte aber keinen Pass aus. Oxford seit der Vertreibung Karls aus London 1642 Regierungssitz des Königs fiel 1646. Das Parlament verwies nun Ruprecht und seinen Bruder Moritz des Landes. Die beiden gingen nach Frankreich. Er kämpfte dann in der französischen Armee und machte dort den niederländischen Feldzug mit. Bei der Belagerung von La Bassée durch Marschall de Gassion 1647 wurde er verwundet. Er wurde dann von Karl II., dem Prinzen von Wales zum Admiral der königlichen Flotte ernannt. In Irland errichtete er einen Stützpunkt in Kinsale. Von dort aus versorgte er eine kleine royalistische Garnison unter John Grenville auf den Scilly Inseln. Von dort aus führte er auch einen Kaperkrieg gegen englische Schiffe zwischen Kinsale und Lissabon und Toulon und den Kapverdischen Inseln. Ihr Seekrieg gegen das Parlament wurde allmählich zur Plage. Aber der Kommandeur der englischen Flotte Admiral Blake brachte ihm eine Niederlage bei. Er zog sich dann nach Westindien zurück. Von dort aus führte er seinen Kaperkrieg fort. Im Spätherbst 1652 sank das Schiff seines Bruders Moritz in einer Sturmnacht bei den westindischen Inseln. Moritz blieb verschollen. Auch auf seinen Kaperfahrten war er immer an Natur und Naturwissenschaft interessiert. Er beobachtet fliegende Fische, Delfine und Haie, staunte über riesige Bäume auf den Inseln und machte wissenschaftliche Beobachtungen – seine diesbezüglichen Interessen erwiesen den Prinzen auch als Naturforscher. Geld haben seine Kaperfahrten aber unterm Strich nicht eingebracht. Er brachte nur noch ein Schiff nach Europa zurück und das musste versteigert werden, um Schulden zu bezahlen.

Ruprecht gab 1653 seine Kaperfahrten auf und kehrte nach Europa zurück. Über Paris, wo er ostentativ gefeiert wurde, ging er nach Deutschland. Er ließ sich in Mainz nieder . Dort widmete er sich naturwissenschaftlichen Forschungen und der Kunst.

Er entwickelte verschiedene Arten von Schießpulver. Auch eine spezielle Legierung für den Kanonenguss stammte von ihm. Sie wurde unter dem Namen Prinzmetall bekannt. Auch die in England als Prince Ruperts Drops bekannten Bologneser Tränen werden mit ihm in Verbindung gebracht.

Er soll sie 1660 nach England gebracht haben. Das sind kleine Glastropfen, deren Kopf eine hohe mechanische Belastbarkeit aufweist. In der Kunst hatte sich Ruprecht die Technik der Schabkunst (Mezzotinto) angeeignet. Er erfand oder perfektionierte auch den “rocker”.  Damit wird eine zu bearbeitende Metallplatte aufgerauht.Anschließend wird die Farbe auf die gesamte Metallplatte aufgetragen und die Platte sauber gewischt. Die kleinen Vertiefungen, die beim Aufrauhen erreicht werden, behalten jedoch die Farbe und ermöglichen die Erzeugung von Halbtönen, wenn sie durch eine Druckmaschine mit Papier in Kontakt gebracht werden. Mit dieser Methode kann ein hohes Maß an Qualität und Reichtum erreicht werden.  Das ist eine Schlüsseltechnik im Mezzotinto. Wallerant Vaillant erlernte diese Technik bei Ruprecht, popularisierte sie und wandte sie geschäftsmäßig an.

Ruprecht nahm auch wieder Kontakt zu seinem Bruder Karl Ludwig auf. Er wollte von ihm, dass dieser ihm und seiner Mutter einen Besitz in der Kurpfalz zuweist von dem beide leben können. Er lebte ein Jahr auf dem Heidelberger Schloss, beging allerdings den Fehler, mit Luise von Degenfeld anzubändeln. Eine mäßige Rente, die ihm Karl Ludwig anbot,schlug er aus. Die Auseinandersetzungen im Hause Wittelsbach eskalierten. Von Testamentfälschung ist die Rede. Schließlich durfte Ruprecht ohne Erlaubnis des Kurfürsten nicht mehr aufs Heidelberger Schloss. Der Zwist wurde erst 1670 beigelegt aber nach Heidelberg kam Ruprecht nie mehr.

Ruprecht trat nun in den Dienst der Habsburger  und kämpfte als Feldmarschalleutnant mit eigenen Truppen im polnisch-schwedischen  Krieg gegen König Gustav von Schweden.König Gustav war übrigens der älteste Sohn des Pfalzgrafen von Zweibrücken, Johann Casimir und der Schwester Gustav Adolfs. Katharina. Sein Vater ein Freund und Verwandter von Friedrich V.

1660 änderten sich die politischen Verhältnisse in England. Dort kam Karl II., der Sohn des hingerichteten Karl I. wieder auf den Thron. Die Monarchie war wieder hergestellt. Ruprecht kehrte nun wieder nach England zurück. Der neue englische König war ein Vetter Ruprechts. In der Thronfolge stand Ruprecht an zweiter Stelle. Die beiden verstanden sich sehr gut. Er wurde Privatsekretär des Königs. Er übernahm noch einmal ein Flottenkommando. Er war „General-at-Sea“ im Rang eines Admirals. In Seeschlachten gegen die Holländer zeichnete er sich aus.

ER war der erste Gouverneur der 1670 gegründeten Hudsons’Bay Company, die so erfolgreich wurde, dass sie bald ein Monopol auf den gesamten Pelzhandel in Kanada haben sollte. Das rund 3,9 Millionen km²umfassende Territorium trug ihm zu Ehren den Namen Ruperts Land.

Er war nie verheiratet, hatte aber mit seiner Geliebten Frances Bard (1646–1708) einen Sohn Dudley Rupert Bard (auch Robert Dudley genannt, der 1686 bei der Belagerung von Ofen fiel. Um 1670 hatte er eine neue Geliebte die Schauspielerin Margaret Hughes (1630–1719). Mit ihr hatte er

eine Tochter Ruperta, die 1695 den englischen General und Botschafter in Hannover Emanuel Scrope Howe heiratete.

Ruprecht starb am 29. November 1682 in London und wurde in der Westminsterabtei neben seiner Mutter beerdigt.

Moritz von der Pfalz wurde am 6. Januar 1621 in Küstrin geboren. Die Familie befand sich auf der Flucht aus Prag nach Brandenburg. Alle mir verfügbaren online-Quellen zu Moritz setzen im englische Bürgerkrieg ein. Ruprecht hat das Kommando über die königliche Reiterei.

Moritz begleitete seinen Bruder treu ergeben auf all seinen Feldzügen und er erhielt von ihm immer ein Truppenkommando. Ihm wird ein „unbezähmbarer Raubtierblick“ nachgesagt. Er war in Edgehill (23. Oktober 1642)  und Marston Moor (2. Juli 1644) dabei. in Edgehill wurde er verwundet.

Zusammen mit Ruprecht wurde er 1648 des Landes verwiesen. Er kämpfte dann ebenfalls in der französischen und Habsburger Armee. Natürlich beteiligte er sich auch an den Kaperfahrten, die sein Bruder unternahm, erst in Europa und ab 1651 von der Karibik aus. Im Spätherbst geriet Moritz mit seinem Schiff in einen Hurrikan Er ging wohl mit Mann und Maus unter und blieb verschollen. Es gibt aber auch eine Legende über ihn, er sei mit riesigen Schätzen aus Peru und Mexiko in Richtung eines französischen Hafens unterwegs gewesen, kurz vorher aber in die Hände von Seeräubern gefallen, nach Algier verschleppt und im Inneren Afrikas verschwunden.

Er war mit Rose Poltenay verheiratet, mit der er eine Tochter Elisabeth Maria Fielding hatte.

 

Luise Hollandine wurde am 16. April 1622 als siebtes Kind von Friedrich V. und Elisabeth Stuart in Den Haag geboren. Sie war das erste Kind der Familie, dass im holländischen Exil geboren wurde und da die Generalstaaten die Patenschaft übernahmen, wurde sie Hollandine genannt.

Sie wuchs in Leiden auf und erhielt wie alle Kinder des Winterkönigs eine vorzügliche Ausbildung. Auch Malen stand auf dem Bildungsplan.Gerrit van Honthorst, der niederländische Maler unterrichtete die Königskinder und fand in Luise eine sehr begabte Schülerin, deren Talent eigentlich erst in den 80-iger Jahren gebührende Aufmerksamkeit fand. Natürlich war sie jetzt auch auf dem Hochzeitsmarkt. Einer ihrer Bewerber war der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm.

1650 wurde sie als Kanonisse in das Stift Herford aufgenommen. 1652 wurde ihr bereits das Amt als Küsterin übertragen. Ihre Wahl zur Koadjutorin wurde allerdings von der regierenden Äbtissin Elisabeth Luise von der Pfalz-Zweibrücken, ihrer Verwandten,

verhindert. Da hatte sie wegen ihres Maltalents bereits einen gewissen Ruf erlangt. Sie kehrte dann aber nach Den Haag zu ihrer Mutter zurück. Sie war das einzige Kind von Elisabeth Stuart, das noch bei seiner Mutter lebte. Am 19.Dezember 1657 verließ sie ihre Mutter fluchtartig und ging über Antwerpen nach Paris, wo ihre Tante Henriette Marie, die Gattin des hingerichteten englischen König Karl I. im Exil lebte. Sie trat zum katholischen Glauben über, ähnlich wie ihr Bruder Eduard, der diesen Schritt schon 1645 vollzogen hatte. Trotz der Konversion erhielt sie von den Generalstaaten

ein Gnadengehalt auf Lebenszeit. In Antwerpen war sie zuerst bei den Unbeschuhten Karmelitinnen. Dort wurde sie auch von ihrem Vetter König Karl II und dessen Schwester besucht und musste einige Vorwürfe wegen ihres Konfessionswechsels und die unschickliche Art, wie sie ihre Mutter verlassen hatte, über sich ergehen lassen. Ihr Bruder Eduard holte sie zunächst nach Rouen. Von dort ging sie dann weiter ins Kloster Chaillot, zu dem ihre Tante Henriette Marie eine besondere Beziehung hatte. Sie hatte in diesem Kloster eine Kapelle errichten lassen. In Chaillot war Mère Angelique Äbtissin, vor ihrem Eintritt ins Kloster Mademoiselle de la Fayette, Vertraute des französischen Königs Ludwig XIII.. Also neudeutsch “Connections” waren durchaus vorhanden. In Portroyal des Champs, einem zisterziensischen Frauenkloster trat sie im Beisein ihrer Tante am 25. März 1658 in die katholische Kirche ein.

Wie ihr Bruder Eduard Karl Ludwig berichtete, sei Luise Hollandine nie “zufriedener gewesen als jetzt. Auch der Kontakt zu ihren Schwestern wurde wieder enger. Luise wollte ins Kloster eintreten, das stand fest. Aber das kostete Geld. Von ihrer Mutter konnte sie genauso wenig erwarten wie von ihrem Bruder, dem Kurfürsten. Ihre Tante steuerte schließlich Geld bei und als Karl Ludwig sich bereit erklärte, eine monatliche kleine Pension zu bezahlen, war auch das finanzielle
Hindernis für einen Klostereintritt von Luise Hollandine beseitigt. Nach Fürsprache des französischen Königs und ihrer Tante wurde sie schließlich in das Zisterziensierinnenkloster Maubuisson in der Gemeinde Saint-Ouen-l’Aumône aufgenommen. Dazu vermerkt ihr Bruder Eduard etwas spöttisch:

„man hat uns eine andere Abtei, welche noch mehr wert ist, versprochen. Die Äbtissin ist nur 84 Jahre alt.“ (in Anna Wendland Pfalzgraf Eduard und Prinzessin Louise Hollandine, zwei Konvertiten des Kurhauses Pfalz-Simmern, Heidelberger Jahrbücher 1910, Seite 49-86, hier Seite 65)

Am 25.3.1659 nahm sie in Maubuisson den Schleier und legte am 19.9.1660 ihre Gelübde ab. Ludwig XIV. zahlte ihr dann auch eine jährliche Pension von 6000 Livres. Schließlich traf auch ein Versöhnungsschreiben ihrer Mutter bei Luise Hollandine ein, was für sie sehr wichtig war, denn sie litt darunter, dass sie das Gebot, Du sollst Vater und Mutter ehren mit ihrer Flucht aus Den Haag  grob verletzt hatte. Allerdings verlangte ihre Mutter dafür ein von Luise Hollandines gemaltes Bild der drei Töchter Prinz Eduards, wie dieser an seinen Bruder schreibt. Auch im Kloster durfte sie weiter malen.

Im April 1664 wurde sie zur Äbtissin gewählt. Sie zeichnete sich durch persönliche Bescheidenheit aus. Als Äbtissin war sie um  die Klosterzucht und die Einhaltung der Regeln sehr bemüht. Sie aß nie Fleisch, schlief auf einer harten Matratze und hatte nur einen Strohstuhl in ihrer Zelle. Von ihren Nonnen wurde sie verehrt und geliebt. Sie bewährte sich als kluge Verwalterin.

Ein sehr enges Verhältnis hatte sie zu ihrer Familie. Ihre Schwester Sophie von Hannover besuchte sie 1679 in Maubuisson , als diese in Frankreich war, um ihre Tochter Sophie Charlotte dort zu präsentieren und möglicherweise zu verheiraten. Beide nahmen auch regen Anteil an den kirchlichen Reunionsbestrebungen. 1680 versuchte Luise Hollandine die einflussreichen Kleriker und gelehrten  Jaques Benigne Bossuet, Bischof von Meaux, Christobal Rojas y Spinola, Bischof von Wiener Neustadt, Gerhard Wolter Molanus,evangelischer Abt von Loccum, Gottfried Wilhelm Leibniz, Hofrat und Bibliothekar in Verbindung zu bringen, wobei Luise Verbindungen zu Bossuet hatte und Sophie zu Molanus und Leibniz. Aber immerhin entwickelte sich daraus eine sich über Jahre hinziehende Korrespondenz.

Einen sehr herzlichen Kontakt hatte sie zu ihrer Nichte Liselotte von der Pfalz, Herzogin von Orléans. Diese besuchte sie oft im Kloster und blieb ihr brieflich bis an ihr Lebensende verbunden. Sie erzählt, dass ihre Tante, die Frau Äbtissin noch alle Zähne, “wenn auch verschlissen” habe, noch ohne Brille lesen könne und die Last der Jahre spüre man nur an ihrem gebeugten Gang. (ebda S. 80) 1705 erlitt Luise Hollandine einen Schlaganfall und ist die letzten Jahre ihre Lebens teilweise gelähmt. Sie starb am 11. Februar 1709.

Eduard von der Pfalz wurde am 05.0ktober 1625 in den Haag geboren. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in den Haag, um dann wie alle seine Geschwister in Leiden seine Erziehung zu  erhalten. Im Gegensatz zu seinen Schwestern war seine Neigung zu den Wissenschaften nicht sehr lebhaft.

Er folgte seinen Brüdern früh nach England. Dort entwickelten sich die politischen Verhältnisse aber bald zum Bürgerkrieg, was Eduard überhaupt nicht behagte. Er stand eher auf Lebenslust. Er verließ England sehr bald wieder. Die ständige Geldnot machte ihn aber zu einem ständigen Gast der Amsterdamer Geldverleiher, was ihn zum Sorgenkind seiner Mutter machte. Heimlich floh er 1645 nach Frankreich. Dort lernte er Prinzessin Anna, die Tochter des Herzogs von Mantua-Gonzaga und Nevers kennen. Er ging eine heimliche Ehe mit ihr ein. Nun war er zwar seiner Geldsorgen ledig,

musste aber zum katholischen Glauben konvertieren, den sonst hätte es wohl doch Schwierigkeiten mit dem französischen Hof gegeben. Gar nicht gut kam sein Schritt natürlich am pfälzischen Hof an, zumal der Konfessionswechsel einen Gesichtsverlust für den pfälzischen calvinistischen Kurfürsten

Karl Ludwig bedeutete, was sicher nicht dadurch gemildert wurde, dass Eduard seine Erb-und Rechtsansprüche durch den Würzburger Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn vertreten wissen wollte. Die Entfremdung zu seinen Geschwistern nach diesem Schritt war nicht von allzu langer Dauer.

Man nahm wieder Fühlung auf. Selbst die Mutter vergab ihm nach einiger Zeit. 1649 war er trotz seiner Religion in den englischen Hosenbandorden aufgenommen worden. Dank seiner vermögenden Gemahlin konnte er sich sogar “eine königliche Haushaltung” gestatten (Anna Wendland  S. 49)

So war es auch nicht schwierig , mit seinem Bruder Karl Ludwig 1653 einen Abfindungsvertrag zu schließen. Die Höhe der sehr bescheidenen Einkünfte aus der Pfalz sind darin geregelt worden und für den unwahrscheinlichen Fall seiner Rückkehr in die Pfalz sind ihm Häuser in Speyer oder Worms

angewiesen worden. Er selbst hatte sich nur das erbrecht für sich und seine Familie vorbehalten.

Er verwaltete die Güter seiner Frau. Er hatte drei Töchter, die er zärtlich liebte und die er auch von seiner Schwester Luise Hollandine  porträtieren liess (s.o). Die Portraits der kleinen Mädchen schickte er auch an seinen Bruder. Er hatte auch noch einen Sohn, der allerdings im ersten Lebensjahr starb.

Luise Marie (1647–1679) heiratete 1671 den Fürsten Karl Theodor zu Salm, kaiserlicher Feldmarschall und Oberhofmeister, der Erzieher  Josef I. wurde und später in dessen Diensten als erster Geheimer Rat tätig war.

Anna Heinriette Julia (1648–1723) heiratete 1633 Henri III.Jules de Bourbon, Großmeister von Frankreich. Das ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten am französischen Hof. Er leitete alle Dienste des Königshauses. Er ernannte die neuen Offiziere, die vor ihm den Eid auf den König ablegen mussten Und schließlich verwaltete er das Budget des Königs.

Benedicta Henriette Philippine (1652–1730), die 1688 Herzog Johann Friedrich zu Braunschweig, der Schloss Herrenhausen zu seiner Sommerresidenz ausbaute. Er holte auch den Philosophen Leibniz und den Mediziner und Naturforscher Niels Stensen an seinen Hof nach Hannover.

In der Ehe Eduard s hatte seine Frau das Übergewicht. Sie mischte sich in politische Angelegenheiten ein und spielte in der Fronde eine wichtige Rolle. Sie agierte sogar gegen Kardinal Mazarin und soll einen Aufstand angezettelt haben, der Mazarin zwang, den Anführer der Fronde Louis II. de Bourbon,

freizulassen.

Auch ihr Schwager Karl Ludwig bediente sich ihrer Vermittlung. Auf sie soll der Freundschaftsvertrag zurückgehen, der 1657 zwischen Frankreich und der Pfalz geschlossen wurde. Auch  die Heirat Elisabeth Charlottes mit  Prinz Philipp I. von Orleans dem Bruder von Ludwig XIV. soll von ihr angebahnt worden sein.

Das war eine Beziehung mit späteren Folgen. 1688 nahm der französische König diese Ehe zum Anlass für den Pfälzischen Erbfolgekrieg, in dem die Pfalz sehr zum Kummer von Liselotte mehrmals verwüstet wurde. Das Heidelberger Schloss wurde von den Franzosen unter General Mélac in Brand

gesetzt und 1691 von französischen Pionieren gesprengt.

Eduard erkrankte schon früh an Gicht und erlitt immer wieder heftige Anfälle. Am 13. März 1663 starb er im Alter von 37 Jahren in Paris.

 

Henriette Marie  von der Pfalz wurde am 17. Juli 1626 in den Haag geboren. Sie wird als vielseitig begabt beschrieben. Sie wuchs zuerst in Leiden und dann am Hof ihrer Mutter in Den Haag auf. Später wurde sie zu i9hrer Tante Elisabeth Charlotte von Brandenburg gegeben, die in Kössen als Witwe lebte.

1651 wurde sie mit dem Prinzen Sigismund Rákóczi verheiratet, Graf von Munkács (in der heutigen Westukraine), Sohn des Fürsten Georg I.Rákóczi  von Siebenbürgen. Die Familie war ein ungarisches, kalvinistisches Adelsgeschlecht und nach Aussage der Tante unter evangelischen
Fürsten die beste Partie, die zu machen sei. Auf jeden Fall war er sehr reich, verfügte über zahlreiche Festungen und nach Aussage der Tante ass das ganze Haus aus Silbergeschirr. Henriette Marie  wehrte sich heftig gegen diese Ehe. Sie flehte ihren Bruder Karl Ludwig an, ihr zu helfen. auch bezweifelte sie den Sinn dieses Eheprojekts. aber es half nichts. Sie reiste über Schlesien, Polen und Ungarn nach Siebenbürgen. Kaum dort angekommen verstarb sie nur wenige Monate nach ihrer Hochzeit. In Weissenburg wurde sie in der Marienkirche bestattet.

Philipp von der Pfalz wurde am 16.September 1627 in Den Haag geboren. Zeitweise wurde er am französischen Hof erzogen. auf Wunsch von Karl Ludwig kam er aber wieder an den Hof seiner Mutter in Den Haag zurück. Er war im Auftrag des englischen Parlaments unterwegs

um in Venedig Truppen auszuheben und diese nach England zu überführen. Den Auftrag hatte ihm Karl Ludwig verschafft. Am 21. Juni 1646 wurde er in Den Haag  eine Auseinandersetzung mit dem Marquis von Epinay verwickelt. Es ist nicht sicher, ob dieser Marquis ein Liebhaber seiner Mutter oder seiner Schwester Luise Hollandine war. Auf jeden Fall war er ein Günstling seiner Mutter. Bei dieser Auseinandersetzung  starb der Marquis. Philipp musste aus den Generalstaaten fliehen. Elisabeth erkannte ihn nicht mehr als ihren Sohn an und sprach nie mehr ein Wort mit Philipp.

Er war dann in lothringischen Reiterdiensten tätig und fiel als Reiteroberst  in den Kriegen der Fronde in der Schlacht bei Rethel (am 15. Dezember 1650) Er starb am 16. Dezember 1650. Seine sterblichen Überreste wurden nach Sedan gebracht.

 

Sophie von der Pfalz, Porträt aus dem Jahr 1650

Sophie wurde am 14. Oktober 1630 als zwölftes Kind von  Friedrich V. und Elisabeth Stuart in Den Haag geboren. Sie war erst zwei Jahre alt, als ihr Vater verstarb.Bis zu ihrem 10.Lebensjahr wuchs sie in Leiden auf, wo sie streng calvinistisch erzogen worden war. Dann holte die Mutter sie nach Den Haag.

Karl I. von England war ja am 30. Januar 1649  hingerichtet worden. Die englischen Subventionen blieben aus. Sophie siedelte zu ihrem Bruder nach Heidelberg über. Die Eheprobleme zwischen Karl Ludwig und Charlotte von Hessen-Kassel  erschwerten zwar den Aufenthalt Sophies am Heidelberger Hof. Sie kümmerte sich um die Kinder der beiden, Elisabeth Charlotte, der späteren Lieselott von der Pfalz und Karl, die unter den ständigen Streitereien ihrer Eltern litten. Bis an Sophies Lebensende schrieb Lieselotte zwei mal wöchentlich zwei mal 20-bis dreißig Seiten  lange Brief an “ma tante”.
Auch zu den Kindern ihres Bruders und Marie Luise  Freifrau v. Degenfeld, Raugräfin zu Pfalz hatte sie ein enges Verhältnis, was sich auch in einem jahrelangen Briefwechsel zeigte. Sie selbst verfolgte spätestens seit 1648 zielstrebig das Ziel einer standesgemäßen Verehelichung. Schon das erste Eheprojekt zwischen ihr und ihrem Cousin Karl II. von England war gescheitert. Der regierende Pfalzgraf Adolf Johann von Zweibrücken, der Bruder des schwedischen Königs Karl X. Gustav hielt um ihre
Hand an.Nächster Bewerber war der regierende hannoversche Herzog.Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg, der von seinem Antrag allerdings zurücktrat und als Tausch seinen jüngsten Bruder Ernst August anbot. Im Gegenzug verpflichtete sich Georg Wilhelm zu lebenslanger Ehelosigkeit und zum Verzicht auf sein Erbrecht im Fürstentum Calenberg, was er allerdings nicht einhielt. Am 30. September 1658: heirateten Sophie und Ernst August   in der Schloßkapelle in Heidelberg. 1662 wurde Ernst August Fürstbischof von Osnabrück. Das Paar zog nach Iburg. Da diese nicht den Ansprüchen an eine barocke Resident genügte, wurde zwischen 1667–73 im Zentrum von Osnabrück ein repräsentatives Schloß mit großer Gartenanlage errichtet.  Für den Garten war Martin Charbonnier zuständig, ein großer aus Frankreich stammender Gartenkünstler des Barock. Den Osnabrücker Garten betreute er später

von Herrenhausen aus.
  Die ersten beiden Söhne wurden  noch in Hannover geboren. Georg Ludwig(1660–1727) wurde als Georg I. 1714 König von Großbritannien.

Friedrich August (1661–1690) fiel im Krieg gegen die Türken.

1666 wurde Maximilian Wilhelm geboren(1666–1726). Er befehligte ein kaiserliches Kürassierregiment unter den Truppen des Markgrafen Ludwig Wilelms von Baden, dem “Türkenlouis”.

Sophie Charlotte (1668–1705) heiratete  1684 den Kurprinzen Friedrich von Brandenburg, der ab 1688 Friedrich III. als Kurfürst regierte und sich 1701 zum König krönte. Ihr Sohn war Friedrich Wilhelm, der später Soldatenkönig und ihr Enkel Friedrich II., der als Friedrich der Große in die Geschichte eingegangen ist. Das Schloss Charlottenburg wurde 1699 als Sophie Charlottes Sommerresidenz eingeweiht.

Karl Philipp (1669–1690) folgte 1669. Er fiel 1690 im Krieg gegen die Türken.

Auch Christian Heinrich (1671–1703)kam bei einem Feldzug ums Leben. Er ertrank 1703 beim Feldzug gegen die Franzosen 1703 in der Donau.

Der letzte Sohn Ernst August (1674–1728) war von 1716 bis 1728 regierender Fürstbischof von Osnabrück. 1716 wurde zum Ritter des Hosenbandordens erhoben und dann zum Herzog von York und Albany und außerdem zum
Earl von Ulster.Er starb unverheiratet am 17. August 1728.

1679 siedelte die Familie im August 1679 in die hannoversche Residenz in Herrenhausen um.  Hier kümmerte Sophie sich besonders um den Schlossgarten. Dieser orientierte sich an den niederländischen Barockgärten, die Sophie ja aus ihrer
Jugend kannte. Aber auch ihre französischen und italienischen Reiseeindrücke flossen ein

1683 führte Ernst August  führte er für seinen Herrschaftsbereich gegen den Widerstand seiner jüngeren Söhne die Primogenitur ein. Zum einen wollte er damit die Herrschaft in einer Hand erhalten, da ja alle Besitzungen an den erstgeborenen Sohn fallen sollten.

Zum andern war die Primogenitur auch Voraussetzung für die von ihm angestrebte Kurfürstenwürde, die ihm Kaiser Leopold I. (1658-1705) 1692 dann auch verlieh.in Opposition zu ihrem Mann diplomatische Beziehungen nach Dänemark auf. In der Folge wurde sie mit Hausarrest bestraft und ihr Sohn war jetzt Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg (“Kurhannover”) Die fünf jüngeren Söhne wehrten sich gegen die Enterbung,

was 1691 in der „Prinzenverschwörung“ ihren Höhepunkt fand. Sophie ergriff Partei für ihre jüngeren Söhne. Diese wollten ihre Erbansprüche mittels Interventionen ausländischer Mächte durchsetzen. Sophie baute in Opposition zu ihrem Mann diplomatische Beziehungen nach Dänemark auf.

Sophie wurde mit Hausarrest belegt. Ihr Sohn Maximilian sogar kurzzeitig inhaftiert. Nach dem Tod Ernst Augusts 1698 gewann Sophie ihre politische Stellung wieder zurück. Sie residierte vorwiegend in Herrenhausen.

1701 erließ das britische Parlament das “Act of settlement”. Dieses regelte die protestantische Thronfolge im Königreich England und legte das Recht auf Thronfolge im Hause Stuart unter Umgehung der bis dahin gültigen Erbfolgelinie auf Sophie von der Pfalz fest. sie war Cousine 1. Grades der regierenden Königin Anne Stuart. Die Bestimmungen zur Nachfolge waren direkt an die Person von Sophie geknüpft. Sophie starb allerdings kurz vor Anne Stuart. So bestieg nicht sie, sondern ihr Sohn Georg Ludwig als Georg I.von England den englischen Thron. Dieser blieb dann bis zur Thronbesteigung Königin Viktorias in Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover.

13 Sep. 2020

DIE FAMILIE VON STADION

Stadion-Wappen

 

Die Familie von Stadion stammte ursprünglich aus Graubünden. Im 13. Jahrhundert erwarb sie Besitz in Schwaben. Erstmals urkundlich erwähnt wird ein Henricus de Lapide in einer Urkunde vom 9. September 1197, die

Herzog Philipp von Schwaben in Rottweil ausstellt und in der er dem Kloster Obermarchtal alle von seinem Vater Friedrich und seinem Bruder Heinrich bewilligten Begünstigungen  bestätigt und erneuert . In dieser Urkunde

tritt ein Henricus de Lapide als Zeuge auf (WUB II, Nr. 503). In Schwaben benennt sich die Familie nach ihrem Herrensitz Oberstadion. In einer Urkunde vom 13. Mai 1270 wird dominus Waltherus de Stadegun genannt. (WUB VII. Nr.119)

Im 14. Jahrhundert erscheinen die Enkel des ober genannten Walters wieder in Rätien und Glarus als bischöfliche und österreichische Lehensträger. Am 14. Dezember 1138 stellen Ludwig und Walter von Stadion
dem Churer Bischof Ulrich V. (Ribi) von Lenzburg (1331-1355) für die Burg(Alt-)Aspermont ob Trimmis einen Pfandrevers aus. Von 1338-1343 sassen sie als Pfandinhaber auf der Burg. 1340 wurde Ludwig österreichischer Vogt in Glarus. Am 3. 1354  urkundet der Churer Bischof Ulrich V. (Ribi) von Lenzburg (1331-1355) , dass Ritter Ludwig von Stadion mit seiner Zustimmung die Feste (Alt-)Aspermont Heinrich und Martin Buwigs um 600 Pfund und zwar unter gleichen Bedingungen wie dieselbe Burg dem Stadion vom Hochstift Chur versetzt worden war. Ludwig wird in der Urkunde allein erwähnt. Sein Bruder Walter war ja 1352 bei Näfels im Kampf gegen die Glarner gefallen. Von 1348-1353 sassen die Stadion auf der Marschlins bei Iglis,die 1337 als Lehen an Herzog Albrecht II gekommen war.

1339 hatten die Brüder Walter und Ludwig zusammen mit seinem Sohn Eitel für drei Jahre von Swigger von Schellenberg die Kastvogtei über das Kloster Ochsenhausen gekauft.

Ludwig war mit Anna von Frielingen (+ 1357  Daten Ludwigs und Annas nach Wilhelm Karl Prinz zu Isenburg, Europäische Stammtafeln) verheiratet und hatte mit ihr 4 Kinder, drei Töchter und den Sohn Eitel. Ludwig starb  1364. Eitel hatte drei Söhne,

Wilhelm, Konrad und Johann. Unter diese wurde der Stadionsche Besitz aufgeteilt. Eitel starb 1386. Konrad begründete die elsässische Linie. Johann der Reiche war württembergischer Landhofmeister und hatte mit Margareta von Stain einen Sohn Ludwig, der aber schon 1472 verstarb (nach Wilhelm Karl Prinz zu Isenburg)Ludwig war mit Margareta von Gravenegg verheiratet, mit der eine Tochter hatte, Waldburg von Stadion. Diese starb1498. Die Söhne Konrad, Burkhard, Wilhelm und Nikolaus hatten keine Nachkommen, bzw. erreichten das heiratsfähige Alter nicht.Damit war die Familie ausgestorben. Johann der Reiche hatte ein  beträchtliches Vermögen erworben, dass alles der Linie von Konrad zufiel.

Konrad hatte drei Söhne, Walter, Pankraz und Johann. Pankraz war mit Agnes von Laubenberg verheiratet. Aus dieser Ehe gingen vier Söhne hervor nämlich Konrad, Nikolaus, Johann und Walter. Nikolaus war mit Agnes von Gültingen verheiratet. Nikolaus von Stadion ließ sich in Schelklingen nieder. Der Bruder von Nikolaus war mit Clara von Wernau  verheiratet. Die Familie war auch in Schelklingen begütert. Außerdem lag die Pfandherrschaft über Schelklingen bei der schwäbischen Linie der Familie Stadion.Das alles mögen Gründe gewesen sein, die Nikolaus veranlasst haben, seinen Wohnsitz in Schelklingen zu nehmen. Dort erwarb er kurz vor 1475 ein Haus.In diesem Haus wurde 1878 sein Sohn Christoph geboren.

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In Schelklingen hat Christoph wohl die Lateinschule besucht. Schon mit 12 Jahren immatrikulierte er sich am 22. April 1490 an der Universität in Tübingen. 1491 wurde er Baccalaureus und am 28. Januar 1494 erhielt er den Magister der Artistenfakultät.

In Tübingen setzte er sich mit dem Humanismus auseinander. Ab 1494 studierte er in Freiburg im Breisgau. 1497 wechselte er nach Bologna und studierte dort Rechtswissenschaften. Nicht vor 1506 machte er in Ferrara den Doktor jur. Er kehrte nach Deutschland zurück und wurde in Augsburg Domherr. 1517 wurde er Domdekan. Auch erhielt er den Rang eines kaiserlichen Rats. Der Augsburger Bischof Heinrich von Lichtenau (1505-1517) wählte in Absprache mit dem Domkapitel bereits todkrank Christoph zu seinem

Koadjudator. Am 10. April 1517 übertrug ihm Papst Leo X. (1513-1521) das Recht auf Nachfolge. Zwei Tage später verstarb Bischof von Lichtenau. Christoph von Stadion wurde am 5.7. 1517 zum Bischof geweiht. Der Beginn seiner Regierung ist zu stürmischen

Zeiten erfolgt. Am 31. Oktober 1517 schlug Luther seine Thesen in Wittenberg an.Auf dem Reichstag in Augsburg 1518 war Martin Luther selbst zugegen. Dort fand vom 12.-14. Oktober die Unterredung mit Kardinal Thomas Cajetan statt, bei der ihn dieser aufforderte, seine 95 Thesen zum Ablass zu widerrufen, da er diese für ketzerisch hielt. Luther widerrief nicht. Seiner drohenden Verhaftung entzog er sich durch Flucht.

220px-Luther-vor-CajetanIn Augsburg hatte Luther schon viele Anhänger. Bischof Christoph nahm aber zunächst eine entschiedene Position gegen diese neue Strömung ein. So belegte er den Pfarrer von Jengen, Caspar Aquila mit dem Bann.

Aquila stammte aus Augsburg und hatte in Wittenberg Theologie studiert. Dann wirkte er als Feldprediger bei Franz von Sickingen. 1516 übernahm er eine Pfarrstelle in Jengen in der Nähe von Buchloe. Dort wurde er mit den Schriften Luthers vertraut.

Er heiratete und predigte im lutherischen Sinn. Die Reformation in Jengen war eingeführt. Bischof Christoph ließ den Pfarrer zudem in Dillingen festsetzen. Bischof Christoph nahm aber eine zunehmend verbindlichere Haltung an. Er näherte sich stark an Erasmus

von Rotterdam an. Erasmus hatte 1516  eine kritische Edition des griechischen Neuen Testaments herausgegeben, die auch Martin Luther als Ausgangstext für seine Bibelübersetzung nutzte und damit natürlich ein wichtiger Wegbereiter für die Reformation war.

Doch Luther hatte die Gegensätzlichkeit der theologischen Standpunkte schon 1516 erkannt. Erasmus sah die Freiheit des Menschen darin, die ihm von Gott angebotene universale Gnade abzulehnen oder anzunehmen. Erasmus sah sehr wohl die Mißstände in der

Kirche und trat auch für eine innere Reform ein. Für ihn war Toleranz und Neutralität wichtig. Die Gefahren der Religionskriege sah er voraus. Bischof Christoph stand mit Erasmus seit 1528 in Verbindung. Als auf dem Augsburger Reichstag 1530 die Confessio Augustana verkündet wurde, nahm Bischof Christoph eine versöhnliche Haltung ein. Er zeigte weitestes Entgegenkommen gegen die Forderungen der Protestanten.Die Confessio Augustana war eine der grundlegenden Bekenntnisschiften der lutherischen Reichsstände. Verfasst worden war sie von Philipp Melanchthon. Kaiser Karl ließ eine  Erwiderung darauf verfassen, die “confutatio”. Federführend war der papsttreue Theologe Johannes Eck, der in der Leipziger Disputation von 1519 das Streitgespräch mit Luther führte. Die Bemühungen Bischof Christophs waren weitgehend erfolglos. Das machte ihn müde und hoffnungslos. Der Bauernkrieg von 1525 hatte auch das Gebiet seines Hochstiftes schwer erschüttert. Am 18. Januar 1537 erließ die Freie Reichsstadt Augsburg ein Dekret, das den Klerus der Stadt zur Ausreise zwang. Bischof Christoph hatte schon vorher einen Sitz in Dillingen. Nun wurde auch der Sitz des Hochstifts nach Dillingen verlegt. Von jetzt an residierte der Bischof im Dillinger Schloss. Beim Reichstag in Nürnberg 1543 war er als Kaiserlicher Kommissar tätig. Beim Reichstag erlitt er einen Schlaganfall, an dem er verstarb. Er wurde in der Dillinger Pfarrkirche bestattet. Als Landesherr hatte er 1519 eine Straf-und Gerichtsordnung für Rettenbach erlassen. Auch hatte er Anläufe zur Reform des Klerus unternommen, allerdings ohne die notwendige Nachhaltigkeit. Er war geprägt von einer erasmisch-humanistischen Auffassung des Christentums. Er war wohl –sicher auch bedingt durch seinen Studiengang- wohl mehr Jurist als Theologe.

Auch war er wohl etwas zaghaft und dem Tumult abgeneigt, keine guten Voraussetzungen für diese stürmischen Zeiten. Und so fällt seine Bilanz auch etwas durchwachsen aus. Er galt aber als einer der gelehrtesten Bischöfe Deutschlands. Er  war geachtet von

Fürsten und vom Kaiser. In Zusmarshausen hatte er Hospital gestiftet, das bis in die Neuzeit Bestand hatte.

Der Bruder Bischofs Christoph Johann war mit Agnes von Stain verheiratet. Mit ihr hatte er sieben Söhne unter anderem Johann Christoph von Stadion und Johann Kaspar von Stadion. Johann Kaspar wurde am 21. Dezember 1567 in Beffort geboren, einem kleinen

Städtchen und Schloss im Sundgau. 1594 trat er in den Deutschen Orden ein. Er kam an den Hof des Hoch und Deutschmeisters Erzherzog Maximilians von Österreich. 1594 zog der Erzherzog nach Ungarn, wo sein Bruder Matthias den Oberbefehl im Kampf

220px-Brunnenfigurstadion

gegen die Türken den Oberbefehl innehatte.Im Jahre 1596 wechselte der Oberbefehl an Maximilian. Johann Kaspar bekam dabei den Befehl über eine Schar mit 1000 Pferden übertragen. Bis 1597 kämpfte er in Ungarn. Dann kehrte er nach Wien zurück.

1606 war Komtur in Freiburg, 1624 – 26 auf der Mainau. 1626 Landkomtur. Bis zum Tode Erzherzogs Maximilian war er auch dessen Oberstkämmerer und Oberhofmeister. Dann war er am Hof des Bruders des Kaisers Ferdinand II., Erzherzog Leopolds

in Innsbruck als kaiserlicher Kämmerer und diesem zugeordneter Assistenzrat. Er hatte seine administrativen Fähigkeiten ja schon unter Beweis gestellt und auch ausreichend Kriegserfahrung im Kampf gegen die Türken erworben. Als dann der kaiserliche

Feldmarschall Hans Freiherr von Molart am 15. Juni 1619 starb, berief ihn Kaiser Ferdinand zum Präsidenten des Hofkriegsrats. Auch Kommandant der Stadt Guardia Wien war er. Diese war eine dem Hofkriegsrat unterstellte Einheit, die den Auftrag hatte,

für die „Ordnung auf den Stadtmauern“ zu sorgen. Er wurde oft zu den Kriegsobersten in die Feldlager geschickt, um ihnen beratend zur Seite zu stehen. Auch als es im österreichischen Heer um Reformprojekte und Operationspläne geht, hat seine Stimme Gewicht.

Am 16. Januar 1622 bestimmte ihn der Kaiser als Mitglied in den Geheimen Rath, in welchem Eggenberg, Trauttmannsdorf,Liechtenstein, Ulm und Stralendorf außer ihm Sitz und Stimme hatten.  Auch im Orden ging sein Aufstieg weiter. 1626 hatte er die Landkomtur

Elsass inne. 1627 wählte ihn das Generalkapitels des Deutschen Ordens zum Hoch und Deutschmeister. Ende März 1621 sollte er das Kommando über die Reichsmiliz übernehmen. Er lehnte jedoch ab. Als Gustav Adolf nach Deutschland vorstieß, war

Johann Kaspar auch bei der Schlacht von Nördlingen 1634 dabei. Für seine Kaisertreue übertrug ihm Ferdinand 1637 die Grafschaft Weikersheim. Mittlerweile hochbetagt wurde ihm Erzherzog Leopold Wilhelm als Koadjudator zur Seite gestellt.

Trotz seines hohen Alters wurde er aber immer als diplomatischer und strategischer Berater gerufen. Auch 1641 machte er sich mit 74 Jahren nochmals auf den Weg zur kaiserlichen Hauptarmee. In dem Dorf Ammern in der Nähe von Mühlhausen in Thüringen

erlitt er einen Schlaganfall und starb. Er wurde nach Mergentheim überführt, wo er bestattet ist.

Der Bruder Johann Kaspars Johann Christoph war mit Margareta von Sickingen verheiratet. Aus dieser Ehe gingen 5 Söhne und eine Tochter hervor. Der Sohn Johann Christoph von Stadion wurde am 15.06. 1610 geboren. Er heiratete Maria Magdalena von Ostein,

die am 22.10. 1610 geboren ist. Aus dieser Ehe gingen 10 Kinder hervor. Zwei davon wollen wir näher betrachten. Am 16.01. 1637 kam Franz Kaspar zur Welt. Er wurde 1673 Bischof von Lavant und war das bis 1704.  Vorher war Franz Kaspar Domherr in Salzburg,

Bamberg und Würzburg. Ernannt hatte ihn der Salzburger Erzbischof Maximilian Gandolph (1668-1687). Der Bischofssitz war in St. Andrä im Lavanttal. Lavant war ein Salzburger Eigenbistum. Am 28. März 1679 schenkte Erzbischof Maximilian Gandolf

Gut und Schloss Thürn im Lavanttal dem Bistum Lavant, da das Einkommen des Bischofs so gering war. Er konnte auch Schloss Kolleg für das Bistum erwerben. Darüber gibt es einen Kaufbrief vom 20. April 1693, indem der Verkauf an den Domprobst bestätigt wird.

Auch Reideben konnte für das Domkapitel erworben werden.

In St. Andrä hatte Bischof Franz die Loreto – Kirche gebaut. Franz Kaspar war wohl  “ein Mann voll wahrer Gottesfurcht,christlicher Liebe und Milde, unermüdlichen Eifers in Erfüllung seiner hohen seelsorgerlichen Pflichten” wie es 1841 bei Karlmann Tangl in der

Reihe der Bischöfe von Lavant auf Seite 304 heißt.

Johann Philipp Joseph, Graf von Stadion-Warthausen, und Thannhausen, der Bruder Franz Kaspars , ist am 6.10.1652 in Maasmünster im Elsass geboren. Er war drei mal verheiratet.  Seine politische Karriere startete er als Würzburger Gesandter in Paris.Dann wurde

mainzischer Kammerpräsident und schließlich kurmainzischer Oberhofmeister. Damit hatte er automatisch großes Gewicht im Deutschen Reich, denn der Mainzer Erzbischof war auch Reichserzkanzler.  Aufgrund seiner herausragenden reichsrechtlichen Stellung war der Erzbischof der zweitwichtigste Mann im Heiligen Römischen Reich. Im Laufe der Jahre war diese Position allmählich unumstritten, aber Ende des 15. Jahrhunderts hatten die Mainzer Erzbischöfe sie wieder erreicht. Der Erzkanzler hatte besondere

Vorzüge und Rechte bei der Kaiserwahl und Krönung. Er hatte das Recht, die Kaiser-oder Königswahl zu leiten. Beim Tod des jeweiligen Reichsoberhaupts war er für die Zeit des Interregnums war er praktisch Reichsverweser. Er war beim Tod des Kaisers sofort zu

benachrichtigen. Er berief dann die Kurfürsten ein und setzte Wahlort und Wahltermin fest.

Kurmainz unterhielt am kaiserlichen Hof eine eigene Kanzlei, die Reichskanzlei oder Reichshofkanzlei genannt wurde. Folglich verfasste also Kurmainz die  Reichskanzleiordnungen. Die Reichskanzlei bewahrte das kaiserliche

Siegel und führte das Reichsarchiv. Eine wichtige Funktion hatte noch das Reichsdirektorium auf dem Immerwährenden Reichstag. Kurmainz führte das Direktorium und in diesem Sinne kann man  Kurmainz  durchaus als Vorgänger des heutigen

Bundesratspräsidenten sehen. Diese exponierte Stellung hatte natürlich auch eine rege Korrespondenz mit dem Kaiser, dem Papst, den Reichsständen und den bedeutenden , kleinen und auswärtigen Herrschern zufolge. Und so hatte der oberste Landesbeamte

eben eine ganz andere Funktion in diesem Apparat wie der eines kleines Kurfürstentums. Johann Philipp von Stadion wirkte bei vielen Türkenhilfen mit. Die Kriege gegen Ludwig XIV. waren natürlich ein Thema. An der Augsburger Liga, ein am 9. Juli

1686 geschlossenes Defensivbündnis zwischen Kaiser Leopold I., König Karl II. von Spanien, König Karl IX. von Schweden, Kurfürst Maximilian II.von Bayern und den Mitgliedern des fränkischen und oberrheinischen Reichskreises, wirkte er mit. Auch beim Ausbruch

des Pfälzischen Erbfolgekriegs war er tätig. Er nahm er  als Gesandter des Rheinkreises an den Friedensverhandlungen  von Utrecht im September 1712 teil. Der Friede wurde 1713 geschlossen. Auch bei den Verhandlungen für den

Frieden von Baden im Aargau war er dabei. Kaiser Leopold I. (1640-1705) erhob ihn am 21. April 1686 zum Freiherrn und am 1. Mai  1705 erfolgte die Standeserhöhung zum Grafen.  1696 erwarb er die Herrschaft Warthausen und 1705 die Herrschaft Thannhausen.

1653 hatte Graf Georg Ludwig von Sinzendorf die Reichsherrschaft Thannhausen  käuflich erworben. Von Sinzendorf war Reichserbschatzmeister, wurde allerdings 1680 wegen Betrugs und Unterschlagung seines Amtes enthoben. Die Familie musste die Herrschaft

verkaufen, um Steuerschulden zu tilgen. Diese Herrschaft erwarb dann Graf Johann Philipp  1705. Infolge dieses Erwerbs wurde er am 3. Mai 1708 in das Schwäbische Reichsgrafenkolleg aufgenommen.

Graf Johann Philipp war dreimal verheiratet. Seine erste Ehefrau Anna Maria Eva Faust von Stromberg verstarb am 10.10.1683. Aus dieser Ehe waren fünf Kinder hervorgegangen, 3 Töchter und zwei Söhne. Franz Konrad von Stadion wurde am 28. August 1679 in

Arnstein geboren.Er startete seine kirchliche Laufbahn sehr früh. Schon 1695 trat er in das Domstift in Bamberg ein. Er studierte in Rom und Angers. Seit 1709 war er kurmainzischer Gesandter am brandenburgischen und sächsischen Hof. Seit 1719 war er auch im

Würzburger Domkapitel vertreten.1727 wurde er in Würzburg Domprobst. Am 23. Juli 1753 wurde er Nachfolger des verstorbenen Fürstbischofs  Johann Philipp Anton von und zu Frankenstein. Er verstarb nach nur vier Jahren im Amt des Bamberger

Bischofs im März 1757. Er galt als religiös. Er veranlasste die Einführung eines neuen Katechismus für den Schulunterricht im Hochstift Bamberg. Auch förderte er die Volksmission der Jesuiten in Bamberg.

Zurück zu Graf Johann Philipp. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau heiratete er Maria Anna Gräfin von Schönborn. Sie war die Nichte seines Dienstherrn, des Erzbischofs Lothar Franz von Schönborn (1655-1729). Aus dieser Ehe gingen 9 Kinder hervor,

für uns im Rahmen des Blogs von Interesse Anton Heinrich Friedrich. In dritter Ehe heiratete Johann Philipp Maria Anna, Freiin Wambolt von Umstadt. Auch diese Ehe war kinderreich. 10 Nachkommen entsprossen ihr.

Kommen wir nun zu Anton Heinrich Friedrich, Graf von Stadion-Warthausen und Thannhausen. Bei einer Schlossführung in Warthausen wurde mein Interesse für dieses Mitglied der Familie von Stadion geweckt. An ihn wird ja auch im Rahmen des Biberacher

Schützenfestes erinnert. Bei der Recherche fand ich aber die gesamte Familie so interessant, dass ich da vieles halt nicht einfach unter den Tisch fallen lassen wollte.

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Anton Heinrich wurde am 5. April 1691 in Würzburg geboren. Er studierte an der Universität Mainz Jura und Kameralwissenschaften. Die Kameralwissenschaften sollten Studierenden, die Kammerbeamte werden wollten, die erforderlichen Kenntnisse

für die Verwaltung in einem absolutistischen Staat vermitteln. Kameralwissenschaft wurde in zwei Teile gegliedert, zum einen Ökonomie, zum anderen Verwaltung. Schon in seinem Studiengang wurde der junge von Stadion also bestens auf den

angestrebten Beruf vorbereitet. Natürlich wurde auch er nach Abschluss seines Studiums auf Kavalierstouren geschickt. Er reiste nach Holland, Italien und Frankreich. Er begegnete dort den größten Geistern seiner Zeit, so in Frankreich Voltaire,

der ihn sehr beeindruckte. Er blieb auch weiter in Verbindung mit Voltaire. Er war sehr begabt und seine Reisen unternahm er mit sehr wachen Augen. Er wurde schon sehr jung in den Staatsdienst aufgenommen. Anton Heinrichs Vater trat 1737 von

allen Ämtern am kurmainzischen Hof zurück. Anton Heinrich begann seine öffentliche Laufbahn auch in kurmainzischen Diensten. Er wurde Geheimer Rat, dann Hofmarschall.In Bischofsheim, dem heutigen Tauberbischofsheim wurde er 1718

Oberamtmann. Dann kam er nach Mainz, wo er Staatsund Hofminister und schließlich  wie sein Vater Oberhofmeister wurde. Der erste Mainzer Erzbischof, unter dem er diente, war Philipp Karl von Eltz-Kempenich. Philipp Karl wurde im Juni 1732 neuer Erzbischof

in Köln und blieb dies bis zu seinem Tod 1743. Auf ihn folgte Johann Friedrich Karl von Ostein, ein Cousin von Anton Heinrich. Beide Herrscher waren schwach und in Staatsgeschäften sehr unerfahren.

1737 , imselben Jahr als Graf Johann Philipp von allen Ämtern zurückgetreten war, hatte Anton Heinrich den Rollingschen Hof erworben. Der Geheime Hofrat Lothar Friedrich von Rollingen hatte ihn in den Jahren 1628 bis 1633 erbauen lassen. Nach dem Erwerb durch

Anton Heinrich wurde er das Gebäude in Stadionscher Hof umbenannt.

Nachdem Tod von Philipp Karl von Eltz-Kempenich am 21. März 1743 wählte das Mainzer Domkapitel auch unter dem Druck der Pragmatischen Armee Johann Friedrich Karl von Ostein zum neuen Mainzer Erzbischof. Der bisherige Domkustos war

ein entschiedener Parteigänger Habsburgs. Nach dem Tod Karls VII. (1742-1745) gelang es ihm, im Bayrisch-Österreichischen Erbfolgekrieg zu vermitteln. In Füssen wurde  am 22. 4. 1745 Frieden geschlossen und damit der  Österreichischen Erbfolgekrieg  zwischen

Österreich und Bayern beendet. Kurfürst Max Joseph verzichtete auf die Kaiserwürde und alle Ansprüche auf österreichische Länder, anerkannte die Pragmatische Sanktion und versprach gegen Rückgabe seiner Länder Franz Stephan, dem Gemahl Maria Theresias,

bei der Kaiserwahl seine Stimme. Formell beendet war der Krieg zwar erst mit dem Frieden von Aachen. Der Füssener Friede hatte zunächst nur die Einigung zwischen Bayern und Österreich gebracht. In Aachen wurden Vereinbarungen zwischen

Österreich und England, die in diesem Krieg verbündet waren und Preussen und Frankreich andererseits getroffen. Im Bereich des Kurstaates war aber der Friede schon mit dem Vertrag in Füssen eingetreten.  Der Mainzer Erzbischof lud als Reichserzkanzler

zur Kaiserwahl nach Frankfurt. Dort wurde am 13. September 1745 Franz Stephan von Lothringen zum Kaiser gewählt. Der bayrische Kurfürst hatte sich in Füssen ja bereit erklärt, der Wahl zu zustimmen. Sieben der neun Kurfürsten stimmten für Franz I. Stephan.

Als er am 4. Oktober 1745 im Kaiserdom zu Frankfurt gekrönt wurde, kniete seine Gemahlin Maria Theresia nicht wie üblich neben ihrem Mann. Sie blieb unter den Zuschauern. Im Gegensatz zum neugewählten Kaiser besaß sie als Monarchin von Ungarn und

Böhmen und regierende Erzherzogin der habsburgischen Erblande wirkliche Macht. Der Kaiser war im 18. Jahrhundert für Zeremonien und Repräsentation zuständig. Er nahm Adels-und Ordensverleihungen vor. Friedrich der Große sagte zur Kaiserwürde, sie sei nur

“leerer Titel”.

Natürlich war die agierende Person immer der Mainzer Erzbischof. Man kann aber annehmen, dass Graf Anton Heinrich die Strippen zog, zumal er gut vernetzt war, während Friedrich Karl von Ostein ja kaum praktische Erfahrung in Staatsgeschäften hatte.

Auch im Kurstaat stellte der Oberhofmeister die Weichen. Er führte ein gültiges Landrecht im Kurstaat ein, das willkürlichen Rechtsabweichungen ein Ende machte. Ergänzt wurde das durch eine neue zeitgemäße Gerichtsordnung. Sie regelte den Verlauf von

Verfahren in Bürgerlichen und Strafsachen. Er erließ für die Förderung von Handel und Verkehr wichtige Verordnungen. Er führte zwei vierzehntägige Messen in Mainz ein. Er erließ Verordnungen zur Regelung des Messkredits und der Zahlungstermine. Er schuf

eine Vertretung des Handelsstandes unter Leitung des Vicedom-Amts. Das ist der Vorläufer einer künftigen Handelskammer. Sie hatte über alles zu beraten, „was zur Aufnahme der Gewerbe und Kauffmannschaft dahier gereichen, und Schaden und Abgang zu

verhindern vermag.“  Begleitet wurde dies von einer Neuregelung des Schiffahrtswesens. Auch über eine Verbesserung des Pfandverkehrs wurde nachgedacht. Das Löschwesen wurde verbessert. Und man versuchte den Bettelunfug in Griff zu bekommen.

1746 wurden die Privilegien der Universität erneuert. Der Erzbischof ließ einen botanischen Garten errichten und ein Anatomisches Institut wurde errichtet. Der Einfluss der Jesuiten wurde allerdings nicht zurückgedrängt.

Wenig Unterstützung hatte der Oberhofmeister von seinem Erzbischof allerdings, wenn es um religiöse Angelegenheiten ging. Als er ein 1720 errichtetes Kreuz entfernen ließ,um Platz für die Messe zugewinnen wurde geschickt Stimmung gegen den

aufklärerischen Oberhofmeister gemacht. Um die aufgebrachte Menge zu beruhigen, ließ die Regierung ein neues Kreuz errichten. Johann Baptist Horix war Doktor beider Rechte, der weltlichen und kirchlichen. Er unterrichtete als Professor an

der Universität Mainz. Er war einer der ersten Dozenten, die ihre Vorlesungen in deutsch hielten. In einer Arbeit “Tractatiuncula in fontibus juris canonici germanici”, kämpfte er gegen die von Rom angestrebte Vermehrung der Machtvollkommenheit an.

Die Geistlichkeit regte sich gegen den Gelehrten und ruhte nicht, bis dieser gemaßregelt wurde. Es gelang auch von Stadion darin zu verwickeln. Dieser musste schließlich eine Erklärung abgeben, er habe an der Arbeit des von ihm protegierten Professors

keinen Anteil.  Dies alles und die Erkenntnis, dass er bei seinem Herrn keinen Rückhalt hatte, veranlassten ihn, sich nach Warthausen zurück zuziehen, ohne aus dem Staatsdienst auszuscheiden.

Christoph Martin Wieland nennt einen anderen Grund für den Rückzug aus Mainz: „Der Graf von Stadion hatte den Cardinalnepoten, wie man ihn damals  am mainzer Hofe nannte, zum Fenster hinauswerfen wollen, und erhielt daher den Befehl, nach Warthausen, eine Stunde von Biberach, wo er Oberamtmann war, sich zu verfügen, und nicht eher als gerufen wieder  bei Hofe zu erscheinen.“(in Historisches Taschenbuch 10 S. 395 f.)

Sein Vater Johann Philipp hatte die Herrschaft Warthausen ja 1695 erworben.

Anton Heinrich hatte am 27. Juni 1724 in Ebnet bei Freiburg Maria Anna Augusta Antonia Euphemia Euphrosyna von Sickingen zu Hohenburg geheiratet. Dieser Ehe entstammten drei Söhne, von denen einer allerdings nur ein Jahr alt wurde und drei Töchter.

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Aus seiner Zeit aus Tauberbischofsheim stammt Georg Michael Anton Frank von Lichtenfels gen. von La Roche, den er zwar nicht legitimierte, der aber beste Ausbildung erhielt.

Zu Schloss Warthausen siehe Blog.  Graf von Stadion hatte sich 1756 ins Biberacher Bürgerrecht eingekauft. Er hatte auch ein Haus in Biberach erworben, das der damalige Biberacher Bürgermeister Wilhelm von Brandenburg erbaut hatte.

(Biberacher Bauchronik von 1928-Preisersche Chronik-S. 174.) Er ließ es kostbar einrichten. Die Rokoko-Stuckdecken im Haus, die Balustertreppe und die Tür mit Messingbeschlägen stammen wohl aus dieser Zeit.

Von Stadion nutzte das Haus als Sommerresidenz, wenn er in Biberach weilte. In diesem Haus hat er wohl auch Christoph Martin Wieland getroffen, der ja nur ein paar hundert Meter davon entfernt wohnte und als Städtischer Kanzleiverwalter

arbeitete. Als Georg Michael La Roche Warthausener Oberamtmann war, bewohnte er dieses Haus in der heutigen Biberacher Hindenburgstraße.

Graf Anton Heinrich hatte auch in Warthausen einige Veränderungen vorgenommen. So ließ er die bis dahin gotische Schlosskapelle barockisieren. Im heute sogenannten Damensalon ist eine aus der Zeit von 1720 original erhaltene Seidentapete zu bewundern.

Dort ist auch viel Porzellan ausgestellt. Vieles  sind Hochzeitsgeschenke zur Vermählung mit Maria Anna Augusta. Es sind alle Manufakturen der damaligen Zeit vertreten. Auch eine beachtliche Chinosoirie-Sammlung ist zusehen.

Ein Schmuckstück ist natürlich die Bibliothek, zum einen der Raum selbst, aber natürlich der Inhalt. Licht erhält der Raum durch zwei Fenster in Ost-West-Richtung. Er hat also den ganzen Tag Tageslicht. Die Fenster sind mit Butzenglas versehen,

das eine fokussierende Wirkung hat und so lange Tageslicht herrscht, optimale Lesebedingungen bietet. Die Bibliothek ist ins Denkmalbuch Baden-Württemberg eingetragen und wird von der Landesbibliothek betreut. Es ist dies ein repräsentatives

Zeugnis süddeutscher und aristokratischer Bibliothekskultur. Zusätzlich interessant ist die Bibliothek natürlich auch durch die Tatsache, dass sich Wieland oft und gerne in Warthausen aufgehalten hat, oder mit Wielands Worten Johann Georg Zimmermann

in einem Brief vom 22. Juni 1762 in Christoph Martin Briefwechsel hsg v. der Dt.Akademie der Wiss. (WB) Bd. III, Berlin 1975,S.93 “ un endroit où je passe de tems en tems quelques jour´s aussi agreablement qu’il le faut oublier ma situation desastreuse dans ma

villaine patrie”. Interessant ist die Bibliothek natürlich vor allem dadurch, dass die Möglichkeit, diese Bibliothek zu nutzen, in die Zeit fiel, in der Wieland an der Geschichte des Agathon und an seinen Shakespeare –Übersetzungen arbeitete. Die Bibliothek umfasst

rund 1400 Bände. Mehr als die Hälfte davon sind Geschichtswerke, Reisebeschreibungen, staatswissenschaftliche und ökonomische Beschreibungen. Sehr vieles davon sind französische Werke. Sie hat auch eine umfangreiche höfische Traktatliteratur,

Werke über Grundlagen der Adelserziehung. Wieland war ja ab 1772 in Weimar als Prinzenerzieher für die beiden Söhne von Anna Amalia von Sachsen-Weimar tätig. Dann sind in der Stadionschen Bibliothek natürlich  politische und philosophische Werke der

europäischen Frühaufklärung vertreten, die meisten in französischer Sprache oder Übersetzung. Francis Bacon Neuf Livres De la Dignité et De l’Acroissement des Sciences, Pierre Bayle, Dictionnaire historique et critique, einige Bücher von Réné Descartes,

Hugo Grotius Le Droit, La Guerre et la Paix,Voltaire, Oeuvres, Anti-Macchiavelli. Nicht verwunderlich ist Voltaire, schließlich ist von Stadion ja schon auf seinen Kavalierstouren begegnet und war von ihm beeindruckt. Dann ist Leibniz in Warthausen zu finden.

Einen großen Rahmen nimmt die französische Literatur von 1600 bis 1750 ein. Englische Literatur ist in Warthausen kaum verzeichnet. Daraus kann man schließen, dass Wielands  Rezeption englischer Literatur schon in seine Schweizer Zeit von 1752-1759

bei Bodmer fiel. Deutsche Dichtung des 18. Jahrhunderts ist in der Stadionschen Bibliotherk kaum präsent. Es ist noch eine handsignierte Aussage von Kant zu finden und natürlich eine komplette Wielandausgabe, die aber möglicherweise erst durch die Enkel

von Anton Heinrich hinzukamen.

Ab 1761 lebte Graf Anton Heinrich in Warthausen. Auch Georg Michael Frank von La Roche ging mit dem Grafen nach Warthausen. Er war dort Oberamtmann und übernahm die Verwaltung des Guts. 1753 hatte er Sophie von Gutermann geheiratet. Sie war

die Tochter des Kaufbeurer Arztes Georg Friedrich Gutermann zu Gutershofen.Sie war von ihrer Familie nach Biberach gebracht worden, weil sie sich in Augsburg mit dem Italiener Giovanni Ludovico Bianconi verlobt hatte. Die Familie wünschte aber die

Eheverbindung auch aus konfessionellen Gründen nicht. In Biberach traf sie den evangelischen Pfarrersohn, ihren Cousin Christoph Martin Wieland. Ihre Seelenverwandschaft führte bald dazu, dass sie sich verlobten. Allerdings löste Sophie diese

Verlobung als Wieland bei Johann Jakob Bodmer in Zürich weilte. Ende 1753 heiratete sie nun Georg Michael Frank von La Roche. Sophie war als Hofdame und Gesellschafterin am Warthauser Hof. Wieland war mittlerweile zunächst Senator und dann

Kanzleiverwalter in Biberach.Nicht weit von Warthausen ist das Kloster Obermarchtal. Dort war  Sebastian Sailer Prämonstratensermönch. Er war gefragter Prediger und vielseitiger Autor. 1764 war Ignaz Valentin Heggelin Pfarrer in Warthausen geworden,

auch er durchaus mit den Schriften der Aufklärung vertraut. Dann war noch Maria Maximiliana, die Tochter des Grafen. Seit 1754 ist sie als Stiftsdame des Freiweltlichen Damenstifts in Buchau verzeichnet. Am 18. Januar 1775 wurde sie dort als letzte Äbtissin

gewählt. Dieser kleine Kreis traf sich regelmäßig zum Gedankenaustausch in Warthausen und ist später als Warthauser Musenhof bekannt geworden. Auch Johann Heinrich Tischbein war immer wieder zugegen und fertigte Porträts des Kreises an. Auch das obige

Bild von Anton Heinrich Johann stammt von ihm. Als Johann Heinrich gerade 14 Jahre alt war, malte er ein Porträt des Kochs des Grafen. Das wurde auch dem Grafen gezeigt. Er erkannte das Talent des Jungen. Er förderte ihn und ermöglichte ihm eine Ausbildung in

Paris. Später stellte er den Kontakt zum Landgrafen Wilhelm VII. her. Er fertigte ein Porträt des Landgrafen an. Obwohl der Maler nur einen Tag zur Verfügung hatte und er außerdem von heftigen Zahnschmerzen geplagt war, gelang das Bild so gut,

dass er zum Hofmaler Wilhelms VII. ernannt wurde.

Auch den aus Reutte in Tirol zugewanderten Tischler Anton Haaf hatte er gefördert. Er hatte ihn auf die Bauakademie nach Wien geschickt. In Warthausen führte er im Auftrag des Grafen einige Umbauten durch. In Bönningheim wurde er mit dem Neubau des

Schlosses beauftragt, das über  Anton Heinrichs Vater in den Besitz der Familie Stadion gelangt war. Die Pläne für das Schloss stammen aber wohl von Anselm Franz Reichsfreiherr von Ritter zu Groenesteyn, der auch den Stadionschen Hof in Mainz gebaut hatte, der

manchmal als der “ große    Bruder “ des Bönnigheimer Schlosses bezeichnet wurde.

Nicht nur Friedrich der Große hatte in seinem Land die Kartoffel eingeführt. Auch Graf von Stadion hatte das in seiner kleinen Herrschaft gemacht. Die Riss hatte ein neues Bett bekommen und auf dem neugewonnenen Land ließ der Graf die Kartoffel

anpflanzen.

Zu von  Ostein’s Nachfolger Emmerich Josef v. Breidbach-Büresheim kam es wieder zu freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem ehemaligen Oberhofmeister und dem Kurfürsten, ohne dass Graf Anton Heinrich wieder in den kurmainzischen Staatsdienst

zurückkehrte. Und dank dieser Beziehung hatte er durchaus noch Einfluß. So wurde auf seinen Rat Christoph Martin Wieland als Professor der Philosophie nach Erfurt berufen, was in konservativen Mainzer Kreisen nicht besonders gut ankam. Auch beim Umbau

des Mainzer Schulwesens  spielten Stadion’s Freunde Freiherr v. Benzel-Sternau und Großhofmeister v. Grosschlag, beide freisinnige Männer, eine hervorragende Rolle.

Die Ehe mit Maria Anna von Sickingen war wohl nicht besonders glücklich. Maria Anna war wohl etwas engstirnig fromm und so ziemlich das Gegenteil ihres freisinnigen Gattens. Das Ehepaar lebte meist getrennt, sie die meiste Zeit in Freiburg.

Graf Anton Heinrich Friedrich verstarb am 26. Oktober 1768 in Warthausen.

Er hatte eine enorme politische Gestaltungskraft gezeigt. Ohne selbst schriftstellerisch tätig zu sein, hat er durch die Förderung Wielands und Sophie La Roches auch der deutschen Literatur Impulse gegeben. Seine Förderung Wielands in Biberach,

die Möglichkeit in Warthausen zu arbeiten und dass von Stadion Wieland den Weg nach Erfurt geebnet hat, hat diesem sicher einiges erleichtert.

Und auch seine Söhne haben wohl einiges von seinem Talent geerbt. La Roche hat in Trier dieselbe Stellung wie der Vater in Mainz eingenommen. Seine Frau Sophie war die bedeutendste Schriftstellerin ihrer Zeit. Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim

gilt als der erste von einer Frau geschriebene Roman. Über ihre Tochter Maximiliane wurde sie zur Großmutter von Bettina von Arnim und Clemens Brentano.

Der Sohn von Graf Anton Heinrich Johann Franz Konrad von Stadion zu Warthausen und Thannhausen wurde  am 15.03.1736 geboren. Er heiratete Maria Ludovica geb. Zobel von Giebelstadt. Am 18. Juni 1763 wurde Johann Philipp Karl Joseph Graf von Stadion

geboren. Sein erster Sohn Friedrich Lothar Graf von Stadion-Warthausen wurde am 6. April 1761 geboren. Er erkrankte früh an Tuberkulose und musste deshalb auf sein Erzgeburtsrecht verzichten. Er wurde für den geistlichen Dienst bestimmt und wurde Domherr in

Mainz. Sein Bruder  Johann Philipp Carl Joseph wurde am 18.06.1763 in Warthausen geboren. Johann Philipp studierte Jura in Nancy und Göttingen. Nach dem Studium ging er mit seinem Bruder auf Kavalierstour begleitet vom gemeinsamen

Erzieher Joseph Hieronymus Karl Kolborn. Für die beiden Brüder blieb er zeitlebens ein enger Berater und Vertrauter.

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Johann Philipp absolvierte ein Praktikum am Wiener Hofrat. 1787 trat er in den österreichischen diplomatischen Dienst ein. von 1787 bis 1790 war er Gesandter in Stockholm. Dann übernahm er die Gesandtschaft in London. Er konnte das angespannte britisch-

österreichische Verhältnis entspannen. Er trug auch maßgeblich zum Eintritt Englands in die Koalitionskriege gegen das revolutionäre Frankreich bei. 1793  Johann Amadeus Franz de Paula Thugut die Leitung der österreichischen Außenpolitik. Von Stadion hatte

sachliche Differenzen mit der österreichischen Politik und quittierte deshalb seinen Dienst. Er lebte auf den böhmischen Gütern der Familie. 1794 vermählte er sich mit Marie Anna Gräfin v. Thannhausen,deren Vater Joseph Johann Nepomuk Georg von Stadion

kurmainzischer  Geheimrat und Obersilberkämmerer war. Aus dieser Ehe gingen acht Kinder hervor.

Als Thugut 1800 zurücktrat folgte Johann Ludwig Graf von Cobenzl auf ihn. Er hatte die Verhandlungen beim Rastatter Kongress geleitet, die zum Friedensvertrag von Lunéville führten. Nun nahm auch von Stadion seine diplomatische Laufbahn wieder auf.

Er wurde 1801 Gesandter in Berlin. Danach folgte ab 1803 die Vertretung in Petersburg. 1805 trug er wesentlich zum Bündnis gegen die Expansionsbestrebungen Napoleons bei. Stadion hatte 1803 geraten, das alte Reich aufzulösen in der Hoffnung,

den Rheinbund verhindern zu können. Allerdings trog die Hoffnung. 1805 war Stadion zum Außenminister ernannt worden. Die Reformen des Schulwesens, innere Reformen, Verwaltungsreformen waren Schwerpunkte der Stadionschen Tätigkeit.

Er  befürwortete den österreichischen Aufstand von 1809. Aber Preußen hatte Stadions Hoffnungen enttäuscht und sich nicht daran beteiligt. Nach der österreichischen Niederlage wurde Stadion durch Metternich abgelöst. Ab 1815 war er als

Finanzminister tätig. Im Zug der Neuordnung des Finanzwesens gründete von Stadion 1816 die Österreichische Nationalbank. Sie hatte das Monopol auf die Emission von Banknoten. Die Wirtschaft hatte eine solide Geldquelle und es trat eine Beruhigung des

österreichischen Geldwesens ein.

Von Stadion gehörte in seiner Eigenschaft als Graf von Warthausen auch der Württembergischen Ständeversammlung an. Mit dem württembergischen König, der seine Standeserhöhung ja Napoleon verdankte, lebte er im Dauerkonflikt.

Das führte dazu, dass Warthausen 1826 verkauft wurde. Graf Philipp Johann starb am 15. Mai 1824 in Baden bei Wien.

Damit soll der Blick auf rund 1000 Jahre interessanter Familiengeschichte abgeschlossen sein.

01 Okt. 2013

Matthias Erzberger

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Am 26. September 1875 wird Matthias Erzberger in dem kleinen Albdörfle bei Münsingen geboren. Er war eines von 6 Kindern des Postboten und Schneiders Josef Erzberger

und dessen Frau Katharina geborene Flad. Sein Geburtshaus ist heute die Erzberger-Gedenkstätte. In Bichishausen, Nachbarort von Buttenhausen und beides Teilorte der Gemeinde Münsingen

besuchte er die Volksschule. Schon dort war seine auffallende Begabung zu erkennen.Von Bichishausen wechselte er in die Präparandenanstalt in Schwäbisch Gmünd. Das war damals die unterste Stufe der Volkschullehrerprüfung.

Danach  besuchte er das katholische Lehrerseminar in Saulgau. Das war eigentlich die einzige Möglichkeit, die sich einem Kind aus so armen Hause bot. Mit 19 Jahren legte er die Volksschullehrerprüfung ab.

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Er war dann in Göppingen, Marbach und Stuttgart als Volksschullehrer tätig. 1896 begann er aber ein Studium des Staatsrechts und der Nationalökonomie in Freiburg im Üechtland. Im gleichen Jahr arbeitete er aber bereits als Redakteur beim

“Deutschen Volksblatt”, einer katholischen Tageszeitung mit dem Untertitel eine politische Zeitung, die seit 1848 in Stuttgart erschien. Sein Studium schloss er deshalb nicht ab. Gleichzeitig engagierte er sich in

katholischen Arbeitervereinen und der Zentrumspartei, die seit 1881 stärkste Reichstagsfraktion war. 1899 beteiligte er sich an der Gründung Christlicher Gewerkschaften.

Er blieb seinem katholischen und sozialen Milieu,  den “Kleinen Leuten” treu und schrieb zahllose Briefe und Eingaben. Seine vielen Zeitungsartikel zeugten von seinem enormen Engagement.

1903 wurde er erstmals in den Reichstag gewählt und zwar für den Wahlkreis 16 in Württemberg. Das waren die Städte Biberach, Bad Waldsee, Leutkirch und Wangen.

In Biberach hielt er seine Wahlveranstaltungen immer im Grünen Baum ab. Dort ist am 20.12. 2012, also an seinem Geburtstag, ein Saal nach ihm benannt worden.

Erzberger war der jüngste Reichstagsabgeordnete und kam  mit 28 Jahren in den Reichstag. Das aktive und passive Wahlrecht lag damals bei 25. Sein politischer Ziehvater war

der Reichstagsabgeordnete Richard Müller, in Fulda geboren und von 1893-1918 im Reichstag. In der ersten Legislaturperiode gab es die sogenannten Kolonialskandale. Ein deutscher Kolonialbeamter Georg Schmidt

hatte in Togo mehrere minderjährige Afrikanerinnen vergewaltigt. Das sollte vertuscht werden. Doch Erzberger deckte dies auf. Als dann der Reichstag einen Nachtragshaushalt von 29 Millionen Reichsmark für den Krieg in Südwestarika forderte,

kritisiert vor allem Erzberger die umfangreichen Ausgaben und die Kolonialkriege. Daraufhin lehnte die Zentrumsfraktion, selbst nicht ganz einig, den Antrag ab. Eine knappe Mehrheit 177:168 votierte gegen den Nachtragshaushalt.

Reichskanzler von Bülow löste noch am selben Tag den Reichstag auf. Es kam zu Neuwahlen, die auch als “Hottentottenwahl” – wegen des Volksaufstands in Südwestafrika bezeichnet wurden. Die Wahlbeteiligung war mit 84,7 % die höchste aller bisherigen

Reichstagswahlen. Das Zentrum konnte knapp dazu gewinnen und erreichte nun 105 statt 100 Sitze.

1909 scheiterte der “Bülow-Block” an der Reichsfinanzreform. Es ging vor allem um die Erbschaftssteuer. Dagegen hatten sich vor allem die Konservativen, aber auch das Zentrum gewandt. Als die Mehrheit gegen Bülows Entwurf stimmte, trat er zurück.

Allerdings brachten er die Finanzreform noch vor dem Ende seiner Kanzlerschaft mit veränderten Inhalten und Mehrheiten doch noch durch.

Eindeutiger Sieger der Reichstagswahl 1912 war die SPD mit 34,8 % der Stimmen und 110 Sitzen. Das Zentrum erreichte 16,4 % und 91 Sitze und war damit zweitstärkste Kraft.

Im Oktober 1914 wurde durch einen Erlass des Reichskanzlers Bethmann von Hollweg die Zentralstelle für Auslandsdienste eingerichtet. Erzberger übernahm  die Leitung. Nach seinen Worten  sollte sie dem Ausland zeigen, wie es in Deutschland aussieht und

was das deutsche Volk in seiner Gesamtheit anstrebt, um hierdurch ein bleibendes Fundament für die gerechte Beurteilung der deutschen Sache zu schaffen.

Anfangs war Erzberger für die Errichtung einer kontinentalen Hegemonie und für Annexionen vor allem in Belgien, dessen Häfen eine Ebenbürtigkeit mit England sichern sollten. Er war auch gegen ein Nachgeben auf amerikanischen Druck und für den U-Bootkrieg.

Er war noch gegen eine Ablehnung aus völkerrechtlichen Gründen, teilte aber auch nicht den blinden Glauben an die Wunderwaffe. Bis 1916 konnte er seine Partei davon abhalten, sich offen für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg auszusprechen.

1916 konnte er sich mit seiner Position auch des sicheren Eintritts der USA in den Krieg bei einem uneingeschränkten U-Boot Krieg nicht mehr durchsetzen. Er hatte sich mittlerweile von einem begeisterten Annexionisten zu einem vorsichtigen Realpolitiker

gewandelt, der das Machtpotential der USA in seine Überlegungen einbezog. Als einer von wenigen bürgerlichen Politikern begrüßte er das Friedensangebot von Bethmann Hollweg und setzte vor allem große Hoffnungen auf das Vermittlungsangebot des

amerikanischen Präsidenten vom 21. Dezember 1916. Er war mittlerweile überzeugt, dass der Krieg mit militärischen Mitteln allein nicht mehr zu gewinnen sei. Er war bereit, Vermittlung egal woher sie käme, zu akzeptieren. In Deutschland lagen nur noch die

Sozialdemokraten auf dieser Linie. Das Friedensangebot der Mittelmächte wurde von der Entente abgelehnt und am 9. Januar 1917 kam es dann zur Entscheidung, den uneingeschränkten U-Boot-Krieg zu eröffnen.

Die militärische Lage wird immer kritischer.  In einer Debatte am 6. Juli 1917 fordert Erzberger den Verzicht auf Annexionen.  Am 19. Juli 1917 wird von den Mehrheitsparteien, dem Zentrum und den Mehrheitssozialisten eine von ihm initiierte Friedensresolution

eingebracht.

“ Der Reichstag erstrebt einen Frieden der Verständigung und der dauernden Versöhnung der Völker. Mit einem solchen Frieden sind erzwungene Gebietserwerbungen und politische, wirtschaftliche oder finanzielle Vergewaltigungen unvereinbar.
Der Reichstag weist auch alle Pläne ab, die auf eine wirtschaftliche Absperrung und Verfeindung der Völker nach dem Kriege ausgehen. Die Freiheit der Meere muß sichergestellt werden. Nur der Wirtschaftsfriede wird einem freundschaftlichen Zusammenleben der Völker den Boden bereiten.”

Dies war über die Proteste des Kanzlers und der Obersten Heeresleitung hinweg geschehen und zeigte erstmals einen ernsthaften Riss durch den innenpolitischen Konsens, den der Krieg hervorgebracht hatte. (Kaiser Wilhelm am 1. August in seiner “Balkonrede”:

“Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche”) Der Krieg aber war verloren. Am 30. September 1918 trat Reichskanzler Georg Graf von Hartling zurück. Ihm folgte Max von Baden nach. Dieser wurde am 3.10.1918 als Reichskanzler und preußischer

Ministerpräsident berufen. Erzberger wurde zum Minister ohne Geschäftsbereich ernannt. Am  6. November übernahm er die Waffenstillstandskommission. Am 8. November begannen die Verhandlungen. Auf alliierter Seite saß der französische General

Foch. Die Waffenstillstandsbedingungen waren so hart, dass die Annahme einer Kapitulation gleichkam. Erzberger versuchte mit Berlin Kontakt aufzunehmen, erreichte aber nur Hindenburg. Der aber forderte die Annahme des Waffenstillstands, wenn nötig unter

allen Bedingungen. Am 11. November 1918 unterzeichneten Foch und Erzberger in dem berühmten Eisenbahnwaggon die Kapitulation. Erzberger wusste sehr wohl, was das für ihn bedeutete. Fortan war er die Hassfigur für die Rechten.

Die Herren Militärs hatten sich aber geschickt aus der Verantwortung gezogen, einen Zivilisten vorgeschickt, der das Desaster, das sie angerichtet hatten, ausbaden durfte, sie aber konnten getrost an der “Dolchstoßlegende” stricken.

Irgendwie ist es bezeichnend, dass es im Hauptort des Erzbergerschen Wahlkreises nur in einem kleinen Ortsteil eine “Erzbergerstraße” gibt. Die “Hindenburgstraße” ist aber nach wie vor die zentralst gelegene Straße Biberachs!

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Ab 16. Oktober mehrten sich die Abtretungsempfehlungen, später Forderung an Kaiser Wilhelm. Am 28. Oktober reiste der Kaiser zum großem Hauptquartier nach Spa in Belgien ab. Das war im 1. Weltkrieg zunächst die militärische Zentrale, später auch

die politische der Führung des deutschen Kaiserreichs. Die Lage im Reich wurde immer undurchsichtiger und schwieriger. Kaiser Wilhelm wollte noch am 8. November im Einklang mit der Obersten Heeresleitung an der Spitze des Heeres

nach Deutschland einmarschieren. Bald aber wurde klar, dass die Truppe mehrheitlich nicht mehr hinter dem Kaiser stand. Am 9. November gab der Kanzler Max von Baden eigenmächtig die Abdankung des Kaisers bekannt. Die Revolution war nach

dem Kieler Matrosenaufstand und der Novemberrevolution in Berlin angekommen. Am 9. November rief Philipp Scheidemann vom Westbalkon des Reichstagsgebäudes die Republik aus, auch um Karl Liebknecht zuvor zu kommen. Dieser hatte kurze Zeit später

vor dem Berliner Stadtschloß die “Freie sozialistische Republik Deutschland ausgerufen.” Am 10. November verließ der Kaiser Spa. Dazu hatte ihm Hindenburg geraten. Am 19. Januar fand die Wahl zur Verfassungsgebenden Deutschen Nationalversammlung statt.

Diese trat am 6. Februar in Weimar zusammen. Erzberger war ebenfalls in die Nationalversammlung gewählt worden. Das Zentrum hatte 19,7 % der Stimmen oder 91 Sitze erhalten und war hinter der SPD mit 163 Sitzen zweitstärkste Kraft.

Die Volksversammlung wählte am 11. Februar Friedrich Ebert zu Reichspräsidenten. Dieser beauftragte Scheidemann mit der Regierung. Erzberger gelang es, in seiner Partei eine Mehrheit für eine Beteiligung für eine Koalition mit der SPD zu organisieren.

Das Zentrum stellte drei Minister. Erzberger war Minister ohne Geschäftsbereich und war weiterhin mit  Friedensverhandlungen betraut. Im Gegensatz zum Außenminister Ulrich Graf von Brockdorf-Rantzau befürwortete er den Versailler Vertrag und wurde deshalb

als” Erfüllungspolitiker” bezeichnet, was ihm ebenso wie später Walther Rathenau zum Verhängnis wurde. Beide wurden zu Opfern von Fememorden der Organisation Consul.

Im Juni ging es vor allem u die Kriegsschuldfrage und ob der Versailler Vertrag unterzeichnet werden solle oder nicht. Erzberger war der Meinung, dass bei einer Ablehnung die völlige Besetzung  Deutschlands drohe. Befürworter und Gegner  waren  etwa gleich

stark. Aber am 19. Juni verhärteten sich die Fronten. Scheidemann und mit ihm Brockdorff-Rantzau und der Justizminister traten zurück. Damit war das Kabinett Scheidemann am Ende. Auf ihn folgte Gustav Bauer. Erzberger wurde Finanzminister im Kabinett Bauer

und setzte die Finanzreform durch.Der Zeitjournalist Robert Leicht meint dazu, “Erzberger setzte in wenigen Monaten durch, was einem Paul Kirchof unter Friedensbedingungen nie gelingen würde”: eine völlig neue Finanzverfassung für Deutschland. Bis 1918 finanzierte sich der Haushalt des Kaiserreichs aus den sogenannten Matrikularbeiträgen. Das waren Abgaben, die die Länder zu zahlen hatten. Dabei wurde die Höhe der Beiträge nicht aufgrund der

Wirtschaftskraft der Länder sondern ihrer Einwohnerzahl festgelegt. Erzberger führte den direkten Lohnsteuerabzug ein. Das ist die Grundlage des Steuersystems, das heute noch in Kraft ist. Das Reich erhielt die ausschließliche Steuerhoheit. Damit war das Reich

nicht mehr wie im Kaiserreich von den Ländern abhängig. Erzberger strebte eine spürbare Entlastung der sozial schwächeren Schichten an. Im Dezember 1919 kam noch das Reichnotopfer hinzu, eine einmalige Abgabe auf Einkommen und Vermögen, die vor allem

im Besitzbürgertum für große Empörung sorgte. Zwar war die Dringlichkeit unumstritten, brachte ihn aber auf der Rechten in den Ruch eines “Konfiskatorischen Sozialisten”(H.A.Winkler). Die Staatschuld hatte 1913 etwa 5 Milliarden Reichsmark betrag. 1919 waren

daraus 153 Milliarden geworden. Das deutsche Reich hatte den Krieg überwiegend über Anleihen finanziert– aber den Krieg verloren. Die Hoffnung dies aus den Reparationen der besiegten Gegner zu bezahlen, war damit geplatzt wie ein schöner Ballon.

Deutschland bat nicht zur Kasse, sondern wurde zur Kasse gebeten. 1921 wurden Deutschland 130 Millionen Goldmark als Reparationszahlungen auferlegt. Das Reichsschatzamt hatte 1919 noch mit maximal 30 Milliarden gerechnet. Einen Staatsbankrott lehnte Erzberger

genau so ab wie Inflation. Beides hätte vor allem die kleinen Leute getroffen, die schon 90 % der Kriegsanleihen gezeichnet hatten. Gerade das Reichsnotopfer belegt, dass dies nicht der Erzbergersche Weg war. Allerdings

verpuffte der Effekt eben wegen der Inflation ziemlich wirkungslos. Flankiert wurden die Maßnahmen durch die Einführung einer einheitlichen Reichssteuerverwaltung. Steuergesetze sind immer nur so gut, wie sie umgesetzt werden.

Eine finanztechnische Schulung der Beamten war vorgesehen. Erzberger strebte an “eine im einheitlichen Geiste erzogene und geschulte Beamtenschaft “ heranzuziehen. Es war absehbar, dass dieses Vorhaben eine Kapitalflucht zur Folge haben würde.

Deshalb hatte Erzberger drastische Grenzkontrollen und drakonische Strafen für Gesetzesverletzungen vorgesehen. Die hohen Steuern waren der Preis für die falsche Führung des Krieges durch die Kreise, die jetzt das lauteste Geschrei anstimmten.

In nur acht Monaten hatte Erzberger seine Reform durchgesetzt. Das ging nur, weil er seit der Friedensresolution von 1917 zum Inneren Führungszirkel der neuen politischen Entscheidungsträger gehörte. Erzberger wurde zum meist gehassten Politiker der

Nachkriegszeit. Aber er wehrte sich wie er zum Beispiel in der parlamentarischen Auseinandersetzung vom 25. Juli 1919 zeigte. Da ging es um die Kriegszielpolitik. Er sagte unter anderem

»Jeder Friedensvertrag ist die Schlußrechnung eines Krieges. Wer den Krieg verliert, verliert den Frieden, und wer hat bei uns den Krieg verloren? Ich habe es Ihnen nachgewiesen: diejenigen, welche den handgreiflichen Möglichkeiten eines maßvollen und würdigen Friedens immer wieder einen unvernünftigen, trotzigen und verbrecherischen Eigensinn entgegenstellten[…]. Die moralische Verantwortung dafür, daß schließlich kein besserer Friede mehr möglich war, tragen diejenigen, welche die alte Regierung unterstützt haben und welche den Kampf gegen die Friedenszielresolution des Reichstags in dieser Weise führten, wie ich sie vorhin zeichnen durfte. Dadurch, daß wir Ihren Waffenstillstand und Ihren Frieden unterzeichnen mußten, haben wir für Ihre Schuld gebüßt. Diese Schuld werden Sie niemals los, und wenn Sie hundertmal Ihre Hände durch ein ›Nein‹ in Unschuld waschen wollen. Sie werden diese Schuld nicht los, weder vor uns, noch vor der Geschichte, noch vor Ihrem eigenen Gewissen“

Natürlich bekämpfte die Rechte Erzberger mit allen Mitteln. Schon als er 1909 um die Auseinandersetzungen über die Kolonien mit Helfferich die Klingen kreuzte, waren harte Debatten im Parlament erfolgt und Erzberger drängte Helfferich aus

seinem Amt. Nun schlug dieser zurück und griff Erzberger in seiner Artikelserie “Fort mit Erzberger” wegen seiner Unterschrift unter das Waffenstillstandsabkommen und seiner Rolle als Befürworter des Versailler Vertrags als Vaterlandsverräter und

Novemberverbrecher an. Infam wurde es, als er Erzberger der Steuerhinterziehung bezichtigte und behauptete, Erzberger hätte Gelder in die Schweiz verschoben. Ein Vorwurf mit höchster Brisanz gerade einem Finanzminister gegenüber,

der Kapitalflucht unnachsichtig bekämpfte. Erzberger blieb gar nichts anderes übrig als eine Beleidigungsklage gegen Helfferich anzustrengen. Erzberger gewann seinen Prozess zwar. Die Begründung war aber so schwach, dass das einer Niederlage

gleich kam. Helfferich wurde nur zu einer Strafe von 300 Mark verurteilt. Noch am Tag der Urteilverkündung, nämlich am 12. März 1920 trat Erzberger zurück. Erzberger zog sich aus der aktiven Politik zurück, um sich mit ganzen Kräften seiner Rehabilitierung zu

widmen.Das war wohl auch einigen Zentrumsleuten nicht ganz unangenehm.

Bereits am 26. Januar hatte es ein Attentat auf Erzberger gegeben, bei dem er nur leicht verletzt wurde, aber zutiefst beunruhigt. Der Täter, ein ehemaliger Fähnrich, Oltwig von Hirschfeld wurde zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. 4 weitere Anschläge wurden

noch  auf ihn verübt. Seiner Tochter sagte er, „die Kugel, die mich töten soll, ist schon gegossen“. Am 26. August 1921 war er mit dem Radolfzeller Reichstagsabgeordneten Carl Diez auf einem Spaziergang bei Bad Griesbach im Schwarzwald unterwegs,

Der Vorwurf des Meineids war schon im Juni bei einer Voruntersuchung zusammengebrochen. Das Verfahren wegen Steuerhinterziehung und Kapitalflucht war am 17. August 1921 ergebnislos eingestellt worden. Einer Rückkehr in die Politik stand nichts mehr im

Wege. Auf dem Weg zum Kniebis lauerten ihm Heinrich Tillesen und Heinrich Schulz, beide ehemalige Marineoffiziere und Mitglieder der rechten Organisation Consul auf.

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Beide konnten fliehen und nach der Machtübernahme durch die Nazis wurden beide 1933 nach der Straffreiheitsverordnung aus demselben Jahr amnestiert  „Für Straftaten, die im Kampfe für die nationale Erhebung des Deutschen Volkes, zu ihrer Vorbereitung oder

im Kampfe für die deutsche Scholle begangen sind, wird Straffreiheit (…) gewährt.“ auch nochmals 1946.

Erst 1947 wurde die  Amnestie nach einem öffentlichen Skandal aufgehoben und Tillesen 1947 in Konstanz zu 15 Jahren Zuchthaus und Schulz in Offenburg zu 12 Jahren  Zuchthaus verurteilt. Beide saßen nur einen Teil der Strafe ab. Tillesen

wurde 1952  Haftverschonung gewährt. Im Dezember wurde die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt.1958 wurde die Strafe auf dem Gnadenweg erlassen. Auch die Witwe von Erzberger hatte sich für die Begnadigung ausgesprochen. Tillesen verstarb mit 90.

Auch bei Heinrich Schulz war die Strafe im Dezember 1952 zur Bewährung ausgesetzt worden.

Matthias Erzberger wird am 31.8. 1921 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem katholischen Friedhof in Biberach beigesetzt. Am selben Tag fanden im ganzen Reich Protestkundgebungen gegen den Rechtsradikalismus statt.

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Matthias Erzberger war einer der gestaltungsmächtigsten Politiker des späten Kaiserreichs und der frühen Republik.Erzbergers Leistung als Finanzminister würdigte schließlich Alex Möller, der bis 1971 Finanzminister in der sozialliberalen Koalition

im Kabinett Brandt war.  Ein Gedenken Erzbergers hat vor allem seine Hauptleistung zu umfassen: das große finanzpolitische Reformwerk, das nachhaltig bis in unsere Gegenwart hereinwirkt. Seine Reform der Finanzverwaltung hat ein geschlossenes Verwaltungssystem geschaffen, das – unbeschadet des Wandels in der Verwaltungshoheit – in dem einheitlichen Behördenaufbau, dem einheitlichen Besteuerungsverfahren, den einheitlichen Verwaltungsrichtlinien und der einheitlichen Fachausbildung der Finanzbeamten fortlebt und damit eine möglichst gleichmäßige Steuererhebung in allen Bundesländern gewährleistet. Seine Reform des Finanzausgleichs hat in Überwindung des entwicklungshemmenden Matrikularbeitragssystems dynamische Lösungsmöglichkeiten der Steuerverwaltung zwischen Oberstaat, Gliedstaaten und Gemeinden eingeleitet; das heutige Steuerverbundsystem in der Bundesrepublik geht im Prinzip auf das Vorbild der  Erzbergerschen  Reform zurück.

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07 Mai 2012

Joss Fritz

 

 

 

220px-Joss_Fritz_Holzschnitt_von_Albrecht_Duerer

Obwohl im Netz gute Seiten und viel Informationen zu Joss Fritz zu finden sind, will ich ihn dennoch in meinen Blog aufnehmen. Zum einen fasziniert mich gerade die Zeit des Joss Fritz, diese Zeit eines gewaltigen Umbruchs,

zum andern passt er gut ins Umfeld meiner Kategorie “Personen der Geschichte”, sind da doch Zeitgenossen oder auch Vorläufer versammelt. Auch bei der Beschäftigung mit Klöstern wird man fast bei jedem Kloster auf Bauernunruhen stoßen

und so ergänzt sich das einfach bestens.

Was war das für eine Zeit, in die Joss oder Jodocus  wie sein Taufnahme lautete, geboren wurde?  Will Erich Peukert nennt sie Zeit der Wende, das apokalyptische Saeculum. Huizinga sieht den Herbst des Mittelalters.

Die Zeit ist aus den Fugen geraten , wie Skaespeare 1602 in seinem Hamlet bemerken wird.

Das Zeitalter der Entdeckungen beginnt. 1487 umsegelt Bertolomeu Diaz(um 1450 bis 1500) die Südspitze Afrikas. 1492 entdeckt  Christoph Kolumbus (1451-1506)

Amerika. 1509 entwickelt Kopernikus (1473-1543) sein Heliozentrisches Weltbild, nicht mehr die Erde steht im Mittelpunkt,sondern die Sonne.

Um 1350 hatte Berthold Schwarz, ein Freiburger Franziskaner Mönch durch Zufall das Schwarzpulver entdeckt. So konnte man die Feuerwaffen, Gewehr und Kanonen entwickeln, was die Kriegstechnik

entscheidend veränderte.

Die wichtigste technische Entwicklung im 15. Jahrhundert war der Satz mit beweglichen Lettern, den der Mainzer Johannes Gutenberg (um 1400-1468) 1440 entwickelte. Die Verwendung dieser (in Europa)

neuen Technik revolutionierte den Buchdruck und löste eine Medienrevolution aus. Man denke nur an die Flugblätter. Reformation, aber auch die Bauernkriege nutzten dieses neue Medium intensiv

und die Reformation hätte sich ohne Buchdruck vielleicht nicht so schnell entwickelt.

Die Städte begannen sich in dieser Zeit rasant zu entwickeln. Die Bürger traten als gesellschaftlich wichtige neue Gruppe auf den Plan. Nürnberg, Augsburg waren die neuen starken Zentren. Nürnberg, begünstigt durch seine

verkehrstechnische Lage wurde wichtig für den Fernhandel. Zum Handel kamen Finanzgeschäfte, Beteiligung in Montanunternehmen. Die Unternehmen der Fugger und Welser in Augsburg

hatten Weltgeltung und beeinflussten  die europäische Politik. Die Fugger finanzierten die Habsburger und ohne das Fuggersche Kapital wäre Karl V. möglicherweise nicht Kaiser geworden.

Selbst in kleineren deutschen Städten kamen die Kaufleute nach oben, so die Ravensburger Handelsgesellschaft der Humpis, die bis etwa 1530 zu den bedeutendsten Handelsunternehmen des Spätmittelalters zählte.

Der Aufstieg der Städte verlangte aber auch eine Rechtssicherheit. So kam es auch zu einer allmählichen Übernahme des römischen Rechts. Der Ruf nach dem alten Recht wird in den Bauernkriegen immer wieder laut.

Bauernunruhen sind zu Zeiten von Joss Fritz auch nicht neu.

Der Appenzeller Krieg von 1401-1408 (siehe dazu Beitrag Kloster Sankt Gallen) war auch eine Auseinandersetzung zwischen den Appenzeller Bauern und dem

Landesfürsten, in diesem Fall dem Sankt Gallener Abt Heinrich von Gundelfingen.

1476  tritt der Pfeifer von Niklashausen im Taubertal auf. Das war nicht nur eine religiöse Bewegung sondern auch begleitet von Forderungen nach Abschaffung der Standesunterschiede, Abgabenfreiheit und Befreiung von Frondiensten

und die Überführung von privatem und hoheitlichen Besitz an Feldern, Wiesen und Gewässer  in die Allmende. (siehe dazu Beitrag Der Pfeiffer von Niklashausen)

1491 gibt es Bauernunruhen im Allgäu und Bereich der Fürstabtei Kempten. von 1498-1502 gärt es im Kloster Ochsenhausen. 1502 schloss Abt Hieronymus Biechelberger mit den Klosterbauern einen Untertanenvertrag ab, der zwar 1525 im Bauernkrieg

wieder zurückgenommen wurde, aber der Grund dafür sein dürfte, dass das Kloster Ochsenhausen relativ unbeschadet durch den Bauernkrieg kam.(siehe dazu Beitrag Kloster Ochsenhausen)

1493 begegnen wir zum ersten Mal dem Bundschuh und zwar im Elsass.

Unbenannt

In Schlettstadt hatten sich 110 Verschwörer zusammengetan und wählten den Bundschuh als Symbol. Das Beispiel des Hans Böhm in Niklashausen vor Augen wollten sie gegen das undurchsichtige Rechtssystem und die hohen Steuern und die damit

einhergehende Verschuldung der Bauern aufbegehren. Der Aufstand wurde aber rasch niedergeschlagen. Die Anführer, Johann Ullman ein ehemaliger Bürgermeister von Schlettstadt und Jakob Hanser, der Schultheiß von

Blienschweiler bezahlten ihr Aufbegehren mit ihrem Leben.

Kommen wir nun zu Joss Fritz. Er ist um 1470 in Untergrombach als Sohn des Michels und der Magdalena Fritz geboren, beide Leibeigene. Joss Fritz wird Landsknecht. Er kann Lesen und Schreiben und kommt in der Welt herum.

Das Jahr 1501 war ein schweres Hunger-und Pestjahr. In Süddeutschland wütetet die Pest. Die Lage der Landbevölkerung hat sich enorm verschlechtert. Untergrombach gehörte damals zum Fürstbistum Speyer. Der regierende Fürstbischof war

Ludwig von Helmstatt (1478-1506). Er entstammt einer Familie, die mit Reinhard und Raban von Helmstatt schon zwei Fürstbischöfe gestellt hat. Ludwig erscheint 1453 als Domherr zu Speyer. 1478 wird er vom Domkapitel einstimmig zum Bischof

gewählt. Papst Sixtus IV. bestätigt die Wahl und am 13. Dezember 1478 wird er in der Liebfrauenkirche  in Bruchsal von dem Wormser Bischof Reinhard von Sickingen  geweiht. Das Hochstift war zu diesem Zeitpunkt schon stark verschuldet.

Reich und Kurpfalz erhoben weitere finanzielle Forderungen. Der Bischof konnte die Belastung kaum vermindern, konnte sich aber durch Umwandlung von kurzfristigen in langfristige Darlehen und Zinssenkungen  etwas Luft verschaffen.

Er erhob zahlreiche außerordentliche Steuern, hatte aber immer den Rückhalt des Domkapitels. Der Bischof wird als Bauherr der Liebfrauenkirche  genannt. Die steigende Steuerlast bei gleichzeitiger Einschränkung der  Forst-Weide-und Fischereirechte weckte den

Unmut der Bauern. Wie schon 1493 sammelten sich die Unzufriedenen unterm Zeichen des Bundschuhs im Bruchrain bei Untergrombach. Ob Joss Fritz schon in Schlettstadt dabei war, ist nicht belegt. In Untergrombach zählte er aber zu den Hauptinitiatoren.

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Die Bewegung wuchs sehr rasch an und zählte bald siebentausend Verschwörer. Die Aufnahme in den Bund wurde wie eine religiöse Zeremonie abgehalten. Wer aufgenommen werden wollte, musste kniend fünf Vater unser und Ave Maria beten.

Als Erkennungszeichen diente das Losungswort: “Loset was ist nun für ein Wesen”  Der dazu gehörige Antwortreim war:”Wir mögen vor Pfaffen und Adel nit genesen”. Der Zweck war Umsturz der weltlichen und geistlichen Aristokratie.

Sie forderte Freiheit von Zins und Zehnten weder an “Fürsten noch Edle noch Pfaffen”. Es sollte kein Zoll und keine Steuer mehr bezahlt werden. Weide, Fischerei, Jagd und Wald sollten für alle offen und frei sein. Klöster und Kirchengüter sollten bis auf eine

kleine Zahl eingezogen werden und verteilt werden. Als erstes sollte Bruchsal, wo mehr als die Hälfte der Bürger im Einverständnis war, überfallen und eingenommen werden. Der große Haufe aber sollte gleich in die Markgrafschaft

Baden weiter ziehen und dann fort und immer weiter und sich an keinem Ort länger als 24 Stunden aufhalten bis sie alle Lande in ihr Bündnis eingebracht hätten, die ursprüngliche Freiheit und damit die  Gerechtigkeit Gottes auf Erden

eingeführt hätten. Die Schlettstatter hatten die Beichte verboten, nicht so die Untergrombacher und das wurde ihnen zum Verhängnis. Ein badischer Söldner, Lux Rapp, hatte sich in einer Beichte dem Pfarrer anvertraut und dieser gab

sein Wissen unter Missachtung des Beichtgeheimnisses an die Obrigkeit weiter. Dadurch bekam sie Wind von der Sache. In Schlettstadt versammelten sich nun Vertreter der Fürsten, Herren und Städte und berieten unter Vorsitz des Kaiser

Maximilian über das weitere Vorgehen. Es dauerte bis die Maschinerie in Gang kam, was den Anführer der Verschwörer Zeit gab, zu entkommen. Natürlich wurden Leute, derer man habhaft werden konnte, grausam bestraft. Zehn Bauern wurden

zur Abschreckung geköpft oder gevierteilt oder an der Landstraße aufgehängt. Joss Fritz aber war geflüchtet. Die Bauern blieben ruhig, aber nicht, weil sie mutlos waren. Sie wollten die Herren einfach wieder sorglos machen. Die Verhältnisse

und auch die Gesinnungen hatten sich ja nicht geändert.Die meisten Flüchtlinge gingen in die Schweiz, in den Schwarzwald oder nach Württemberg. Joss Fritz zog mehrere Jahre unerkannt in Oberschwaben herum. Er hielt sich im Gebiet des Bodensees

auf, war bei Lenzkirch und bei Stockach. In Nenzingen, heute im Kreis Konstanz, heiratete er um 1510 die Bauerstochter Else Schmid. 1512 zog er in das Dörfchen Lehen, heute ein Stadtteil von Freiburg. Dort erhielt er sogar eine Anstellung und zwar

als Bannwart des Balthasars von Blumeneck, eines Adligen, der im Schlößchen von Lehen residierte. Dort sammelte er wieder Getreue um sich. Er bestellte sie immer auf die Hartmatte, das ist ein Wiesengrund an der Dreisam gelegen.

Mit dem Ortspfarrer, einem Pater Johannes Schwarz war er im Einverständnis. Seine ersten Lehener Vertrauten waren Hans und Augustin Enderlin, Hieronymus, einem Bäckergesellen aus Tirol, der als geschickter Redner galt, Kilian Meyer, ein Bauer aus Lehen,

Hans und Karius Heitz, die Bauern Peter Stübler und Jakob Hauser, dann Thomas Müller und Marx Sudlin und  der Schneider Hans Hummel, der aus Feierbach stammte. Ein Stoffel oder Veltlin aus Freiburg galt als weiterer

Hauptmann. Dieser hielt sich oft in Waldkirch auf. Dieser scheint wie Joss eine imposante Persönlichkeit gewesen zu sein. Die neue Bewegung zog rasch viele neue Leute an. Auch rekrutierten sie viele Bettler, damals eine durchaus bedeutende Volksgruppe.

Den Hauptleuten versprachen sie 2000 Gulden, wenn sie in der Markgrafschaft Baden einen Aufstand verursachen würden.

Anders als im Bruhrain hatte der Bundschuh diesmal ein Programm, das 14 Pumnkte umfasste. Joss musste die Rechtmäßigkei der Artikel auf der Grundlage der Bibel nachweisen.

Artikel 1 besagte, dass niemand mehr einen Herrn anerkennen solle, als Gott, den Kaiser und den Papst.

2. Sollte jeder nur dort vor Gericht gestellt werden, wo er zuhause war. Das Rottweiler Gericht sollte abgeschafft werden und die geistlichen Gerichte sollten nur noch für das Geistliche zuständig sein.

3. Sollten Zinsen abgeschafft sein wenn die Zinsleistung inzwischen dem Kapital entsprach  und alle Zins-und Schuldbriefe vernichtet werden.

4. Zinsen, die bisher weniger eingebracht hatten sollten so behandelt werden, wie das göttliche Recht anzeige und unterweise

5. Fisch und Vogelfang, Holz,Wald und Weide sollte frei und Armen und Reichen gemein sein.

6. Jeder Geistliche soll auf eine Pfründe beschränkt sein.

7. Klöster und Stifte sollten an Zahl beschränkt sein. Ihre überflüssigen Güter genommen werden und daraus eine Kriegskasse des Bundes gebildet werden.

8. Alle unbilligen Steuern und Zölle sollten abgeschafft werden.

9.Ein beständiger Friede solle herrschen. Wer sich dagegen widersetze solle getötet werden. Wer aber durchaus kämpfen wolle, soll mit Handgeld gegen die Türken oder ungläubigen geschickt werden.

10. Wer dem Bund anhängt, soll seines Leibes und Gutes sicher sein, wer sich widersetzt gestraft werden.

11. Eine gute Stadt oder Festung soll als Halt und Mittelpunkt des Unternehmens genommen werden.

12. Jedes Bundesmitglied soll das Seinige zu den Mitteln der Ausführung beisteuern.

13. Sobald der Haufen des Bundes sich vereinigt habe, soll man sich an den Kaiser wenden

14. Falls dieser das nicht annehme, soll die Eidgenossenschaft um Bündnis und Beistand aufgerufen werden.

Einige ähnliche Forderungen werden 1525 in den Memminger Artikel ebenfalls gestellt.

Großen Wert scheint Joss Fritz auf die Fahne gelegt zu haben. Sie galt als Zeichen der Verschwörung  und selbst der zum Fähnrich gewählte Jakob Huser bekam sie nicht zu Gesicht. Nachdem ein Freiburger  und ein in Lehen

ansässiger Maler es abgelehnt hatten, die Fahne zu malen wurde schließlich ein Heilbronner Maler oder ein Maler in Metz überredet. Sie enthielt unter anderem den Bundschuh,  ein  weißes Kreuz und trug die Inschrift

“Herr steh deiner göttlichen Gerechtigkeit bei” Vor Verrat wurde die Bewegung dadurch geschützt, dass die Mitstreiter jeweils nur ganz wenige Mitglieder kannten.

Für den 9. Oktober war der Beginn des Aufstands geplant. Die Erhebung in Biengen, heute ein Ortsteil von Krozingen sollte der Beginn sollte die Maßenerhebung ausgelöst werden.

Aber zwei Wochen nach dem treffen auf der Hartmatte war der Bundschuh verraten. Rasch erfolgten die ersten Festnahmen. Joß Fritz und Hieronymus flohen in die Schweiz. Dort traf er sich in im solothurnischen Seewen mit

Mayer, Enderlin und Hauser. Von dort schickte Joß Fritz Augustin Enderlin und Thoma Müller zurück nach Lehen, um die noch nicht endeckten Mitverschwörer nach Schaffhausen zu beordern. Sie entledigten sich dort ihres Auftrags.Dann gingen sie durch den

Schwarzwald nach Schaffhausen. Dort wurden sie am 24. Oktober entdeckt und gefangengenommen. Kilian Meyer und Jakob Hauser wurden von Basler Häschern am 18. Oktober zwischen Liestal und Seewen auf freiem Feld

ergriffen. Joss Fritz aber konnte entkommen, ob viele Straßenkontrollen waren und viele Streifen unterwegs waren. Seine Frau Else wurde ebenfalls inhaftiert. Sie wurde am 24. Oktober wieder aus der Haft entlassen und es wird vermutet, dass

ihr Mann öfters bei ihr war. Hans Hummel konnte sich zunächst in Sicherheit bringen. Er wurde später gefasst und 1514 in Freiburg hingerichtet. Hingerichtet wurden auch  Hans und Augustin Enderlin (1513 in Schaffhausen, bzw. Freiburg)

Kilian Meyer 1513 in Basel, Jakob Hauser und Thomas Müller (1513 in Schaffhausen) und Marx Sudlin 1514 in Freiburg.

1517 organisierte Joss Fritz nochmals eine  Verschwörung, diesmal überwiegend im Straßburger Raum aber letztlich auch wieder ohne Erfolg.

Das letzte Mal soll Joss Fritz zwischen 1524 und 1525 am Oberhein gesehen worden sein.

Dort verliert sich seine Spur

Joss Fritz ist breit und ist leibeigen,
schon dreimal hat man ihn geschasst.
Die Weiber kreischen auf der Tenne,
wenn er beim Tanz die Punze fasst.
Und rasches Flüstern zwischen Türen,
das, meinen viele, ist die Brunst.
Und nachts das Rascheln, Strohgeknister
ist heimlich geile Weibergunst.
Und doch ist das der Bundschuhführer,
der heimlich kommt, organisiert
und agitiert und der auch zügelt,
wenn wilde Wut die Köpfe schnürt.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
ehe der Habicht schreit.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
vor der Zeit.

Und als die schönen Schlösser brannten
im schönen Nachtigallenmai,
und als der bunte Haufe rannte
vor Fürstenheer und Reiterei,
und wurden Köpfe abgeschnitten,
geblendet viele und gehetzt,
die Organisation verraten,
die Bundschuhfahne war zerfetzt,
da lernten die, die übrigblieben:
es war ein ganzes Stück zu früh,
noch viel zu stark war dieser Gegner,
und viel zu wenig waren sie.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
ehe der Habicht schreit.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
vor der Zeit.

Joss Fritz, gejagt auf allen Straßen,
im Weiberrock, am Bettlerarm,
wird Fisch und taucht im Volke unter
und wieder auf als Dorfgendarm,
und lernt den Feind und lernt die Schliche,
taktiert und reorganisiert
und konspiriert mit Pfaff und Bürger
und mancher Mann sympathisiert.
Den Aufruhr in die Köpfe tragen
wie kaltes Feuer, heißes Eis,
geduldig, listig und verschlagen,
und warten können, weil er weiß:
Lasst nicht die roten Hähne flattern
ehe der Habicht schreit.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
vor der Zeit.

Und als die Bänkelsänger sangen,
und als die Nachricht schneller lief,
geheime Zinken an den Türen,
und als zu oft die Eule rief,
und als die Bundschuhfahne wehte
beim wilden Hagebuttenfest,
und als sie fast dreitausend waren
und Waffen überall versteckt,
und als ein paar nicht warten wollten,
und einer bei der Folter schrie
und Pläne, Plätze, Namen nannte,
da war es wieder mal zu früh.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
ehe der Habicht schreit.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
vor der Zeit.

Verrat. Und wieder auf den Straßen
Joss Fritz gejagt, gesucht, versteckt.
Und die ihn hören und berühren
sind aufgerührt und angesteckt.
Mal ist er Mönch, mal Landsknecht, Bettler,
mal zieht ein Gaukler über Land,
und mal erkennen ihn Genossen
am Muttermal auf seiner Hand.
Das große Bündnis will er knüpfen
mit Ritter, Bürger, Bauer, Pfaff,
Plebejer, Bettler und Soldaten,
und immer warnt er vor der Hast.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
ehe der Habicht schreit.
Lasst nicht die roten Hähne flattern
vor der Zeit.

Und als die schönen Sensen glänzten
und Morgensterne glänzten mit,
und als der Hammer Helme knackte,
und als die Sichel schneller schnitt,
und als die schönen Schlösser brannten,
und als der Bischof Gnade bat,
und als die Reiterheere flohen
und Mauern brachen vor der Stadt,
da ging die Saat auf, die er säte
im schönen Nachtigallenmai.
Und zieht dahin, der helle Haufe,
Joss Fritz ist irgendwo dabei
und lässt die roten Hähne flattern
beim hellen Habichtschrei,
und lässt die roten Hähne flattern
und ist dabei,
und war dabei.

Franz Josef Degenhardt

Unbenannt

02 Mai 2012

Lazarus von Schwendi

220px-Siebmacher115-Schwendi Die Herren von Schwendi werden in einer Urkunde des Klosters Ochsenhausen 1128 zum ersten Mal erwähnt. Es war eine niederadlige Familie, die aufgrund ihrer Besitzungen dem Ritterkanton Donau angehörte. Schwendi war damals vorderösterreichisch. 1228 wird ein Heinrich von Schwendi als Teilnehmer am Kreuzzug Friedrichs II. genannt. In Schwendi wird 1406 eine Burg erwähnt, die nach 1406 zerstört wurde. Die Reste wurden um 1561 in der Kirche verbaut.

1406 verkaufte Wilhelm von Schwendi drei Viertel der Herrschaft an das Ulmer Spital. 1475 kauften die Herren von Schwendi die Herrschaft wieder zurück.

Mitglieder der Familie von Schwendi nahmen 1523 am sogenannten fränkischen Krieg teil. Das ist die Strafaktion des Schwäbischen Bundes im Juni und Juli 1523 gegen fränkische Burgen. Die Stadt Nürnberg hatte den Schwäbischen Bund um Hilfe gerufen, da ihre Kaufleute immer wieder Ziel fränkischer Raubritter, vor allem des Hans Thomas von Absberg, waren. Man kann aber durchaus auch einen Zusammenhang zu dem Reichsritteraufstands des Franz von Sickingen 1522 sehen. Dieser war nach der Trierer Fehde auf seiner Burg Nanstein bei Landstuhl belagert worden. Am 7. Mai 1523 starb er an den Folgen einer Verletzung, die er bei der Beschießung erlitten hatte. An den Beteiligten des Aufstands wurde eine Exempel statuiert. Zahlreiche ritterschaftliche Familien gingen ihrer Besitzungen verlustig oder mussten zu  mindestens Einbußen an ihrer Selbstverwaltung hinnehmen.

Bei der “Abconterfeyung 1523” des Kriegsberichterstatters Hans Wandereisen zum fränkischen Krieg wird ein Marquart von Schwendi, ein Philips von Schwendi und ein N. Schwendi erwähnt.

Bekanntester Vertreter derer von Schwendi, der den Namen Schwendi weit über Oberschwaben hinaustrug, war Lazarus von Schwendi. Er wurde 1522 in Mittelbiberach geboren. Sein Vater Rutland von Schwendi war der jüngere von zwei Brüdern. Die Magd seines Vaters,  Apollonia Wencken war seine Mutter. Kaiser Karl V. legitimierte Lazarus 1524.Schon im selben Jahr starb der Vater. Testamentarisch hatte er den Bürgermeister und den Rat der Stadt Memmingen zu den Vormündern seines Kindes und zum Verwalter seines nicht unbeträchtlichen Vermögens bestimmt. Allzu viel Freude hatten die Stadtväter nicht mit ihrem adligen Pflegesohn. Der Rat schickte ihn mit 13 Jahren an die Universität von Basel. Dort lehrte Oeokolampadius, der mit Erasmus von Rotterdam das Neue Testament edierte. Außerdem war zu der Zeit Simon Grynäus an der Basler Universität.  Man darf unterstellen, dass diese hochgerühmten Humanisten und späteren Reformatoren nicht ohne Einfluss auf die geistige Entwicklung des jungen Lazarus waren. Grynäus war in Pforzheim Mitschüler von Philipp Melanchthon und reformierte später im Auftrag Herzog Ulrichs von Württemberg zusammen mit Ambrosius Blarer die Universität Tübingen. Oekolampadius führte die Gespräche gegen Luthers Gegner Johannes Eck und nahm später an der Seite Zwinglis an den Marburger Religionsgesprächen teil.

In Basel studierte der junge Lazarus 1536/37 an der Artistenfakultät. Das war normalerweise das Vorstudium. Das Curriculum bestand aus den sieben freien Künsten. Erst danach entschied sich der Student, ob er Jura, Theologie oder Medizin studierte. In Basel hatte Lazarus eine gründliche humanistische Bildung erhalten. 1538 ging er an die Universität von Straßburg, auch das eine Hochburg von Humanismus und Reformation. Dort studierte er Jura. Außerdem unternahm er Reisen nach Frankreich und lernte so Französisch. Im Alter von 28 Jahren kehrte er

220px-Custos_Lazarus_von_Schwendinach Memmingen zurück, um sich für mündig erklären zu lassen. Aus den Ratsannalen geht hervor, dass der junge Lazarus weder so fleißig, noch so  sparsam oder sittenstreng gewesen war, wie es der Rat gerne gehabt hätte. Er gab sich übermütig und leichtfertig und provozierte die gestrengen  Ratsherren mit einem beabsichtigen Fehltritt. Sie warfen ihn für einige Tage ins Gefängnis. Er erbat sich, nicht wie ein gemeiner Handwerker behandelt zu werden und auch könne er später der Stadt bei Fürsten-und Herrendiensten nützlich sein. Er zog die Stadt bald wegen unregelmäßiger Vermögensverwaltung zur Verantwortung und auch später zeigte er ihr keine Dankbarkeit. 1546 finden wir Lazarus in den Diensten Karls V. Er tritt auf dem Regensburger Reichstag auf, der kurz vor dem Schmalkaldischen Krieg (1546/1547) stattfindet. Im Auftrag des Kaiser soll Lazarus versuchen, die Städte Augsburg, Ulm und Nürnberg dem Schmalkaldischen Bund abtrünnig zu machen, was ihm aber nicht gelingt. Er verhandelt dann weiter in München. Bayern bleibt nach außen neutral, verpflichtet sich aber, Sammelplätze, Verpflegung und Munition für das kaiserliche Heer bereit zu stellen. Als der Krieg dann ausbricht, ist Lazarus an den Schlachten an der Donau und in Sachsen dabei. Nach der Kapitulation von Wittenberg am19. Mai 1547 überwacht er als kaiserlicher Kapitän die Schleifung von Gotha und Grimmenstein.

300px-Gotha1572Dabei bewährt er sich bestens. Karl V., nun auf dem  Höhepunkt seiner Macht, will den Sieg ausnützen. Er will die Reichsverfassung in monarchischem Sinne reformieren und auf dem “Geharnischten Reichstag” 1548 diktiert er das “Augsburger Interim”. Dabei setzt er auch die Todesstrafe durch für die Aufnahme von Diensten bei anderen Machthabern, was damals ja gang und gäbe war. Er lässt in Weissenburg Sebastian Vogelsberg (um 1505 bis 1548), einen bekannten und populären Heerführer aufgreifen und am 7. Februar 1548 in Augsburg hinrichten. Vom Blutgerüst herab beschuldigt Vogelsberg Lazarus “als Erzbösewicht”, der ihn auf die Fleischbank geliefert habe. Zwar verteidigt ihn Karl persönlich und Lazarus wehrt sich mit einer Flugschrift, doch der Vorwurf, er habe hinterlistig und unritterlich gehandelt, bleibt lange an ihm hängen. 1548 war er für Karl in Norddeutschland unterwegs. Niedersachsen konnte er ruhig halten. Magdeburg galt als Zufluchtsstätte aller Interimsgegner. Magdeburg war schon lange mit der Acht belegt und Lazarus hielt es für das Geratenste, die Stadt mit Gewalt zu nehmen. Dazu war Karl aber nicht in der Lage. Das zeigte sich auch, als Markgraf Alcibiades von Brandenburg, dem Lazarus im Auftrag Karls seine offen betriebene Kriegsrüstungen untersagen sollte, einfach keine Audienz erteilte. Auch erschien er nicht auf dem neuen Reichstag. Magdeburg leistet bis 1551 Widerstand. Lazarus überwacht 1552 in kaiserlichem Auftrag die von Moritz von Sachsen durchgeführte Exekution. Da ahnte er allerdings nicht, dass Moritz an der Spitze der Fürstenopposition gegen Karl vorgehen wollte. Bei Innsbruck erlitt er gegen Moritz eine entscheidende Niederlage. Der Passauer Frieden vom 2. August 1552 wurde bereits zwischen Karls Bruder Ferdinand und Moritz von Sachsen verhandelt. Das war die formale Anerkennung des Protestantismus. Reichsrechtlich festgeschrieben wurde diese mit dem Augsburger Religionsfrieden vom 25. September 1525. (Cuius regio, eius religio)

Von 1552 bis 1556 versuchte Karl erfolglos, die Bistümer Metz, Toul und Verdun, die formal zum Kirchenprovinz Trier gehörten, zurück zu erobern. Der französische König Heinrich II. hatte sie nach dem Vertrag von Chambord (15. Januar 1552) besetzt. Der Vertrag war ein zwischen der Fürstenopposition um Moritz von Sachsen und Heinrich II. von Frankreich geschlossenes Abkommen, das sich gegen Karl V. richtete.

Lazarus nahm an den Kämpfen Karls in Frankreich teil.

1553 wird Lazarus vor Metz von Karl zum Ritter geschlagen und in den erblichen Ritterstand erhoben. Im selben Jahr heiratet er Anna Böcklin von Böcklinsau. Ihre Familie stammte aus einem alten elsässischen Adelsgeschlecht, das ursprünglich zum Patriziat der Stadt Straßburg gehörte. Aus dieser Ehe geht der Sohn Hans Wilhelm hervor. Anna verachtet ihren Mann allerdings wegen seiner unehelichen Geburt. 1561 erfolgt die Trennung. 1573 heiratet Lazarus die 1554 geborene Eleonara von Zimmern, mit der er bis zu seinem Tod zusammenlebt. In zweiter Ehe verheiratet sie sich nach dem Tod ihres ersten Mannes mit Johann von Limburg.

1556 dankte Karl zugunsten seines Bruders Ferdinand I. ab, der seit 1531 deutscher König war. Schon im Oktober 1555 hatte Karl die Niederlande und Burgund an seinen Sohn Philipp II. von Spanien übergeben. Am 16. Januar 1556

347px-Tizian_066Kastilien, Aragon, Sizilien und die amerikanischen Kolonien. Karl zog sich in das Kloster San Jerónimo de Juste in Extremadura zurück. Dort starb er am 21. September 1558 an Malaria.

Als Karl 1556 abdankte,  trat Lazarus in die Dienste Philipps. Er kämpfte im niederländischen Herr gegen Frankreich. Er war der erste Festungskommandeur der neu erbauten Festung Philippeville im heutigen Belgien in der Provinz Namur.

Dann nahm er an der Schlacht von St. Quentin teil, die am 10. August 1557 stattfand. Hier besiegte das spanische Heer unter Herzog Emanuel Philibert von Savoyen das französische Heer unter Connétable Anne de Montmerency. Die französische Niederlage war einer der schwersten Verluste für Frankreich. Die Schlacht war das letzte bedeutende Gefecht innerhalb der Auseinandersetzung zwischen Habsburg und Frankreich. In der Schlacht von Graveline am 13. Juli 1558 war Lazarus unter Graf Egmond dabei. Diese Schlacht beendete schließlich den Kampf um die Vorherrschaft in Europa zwischen Frankreich und Philipp. Lazarus stieg in der Gunst Philipps und Margarethes von Parma, eine uneheliche Tochter Karls V., die 1559 von Philipp als Statthalterin der habsburgischen Niederlande eingesetzt worden war, was sie bis 1567 war. Eine vertrauensvolle Beziehung baute Lazarus auch zu Wilhelm von Oranien auf, den er auf mehreren Reisen nach Deutschland begleitete. Er lernte aber auch Kardinal Granvelle und den Herzog Alba kennen, der Margarethe 1567 als Statthalter nachfolgt. Dieser errichtete  ein Schreckensregiment in den spanischen Niederlanden, da seine Vorgängerin der immer stärker werdenden Rebellion nicht mehr Herr geworden war.

Die Einstellung von Lazarus änderte sich allmählich. War er unter Karl noch ein Verfechter der harten Linie gegen den Protestantismus. So sah er das wohl allmählich mit anderen Augen. 1562 nahm er Urlaub und trat 1564 in die Dienste

180px-Lazarus_von_Schwendi_Bartholdi_Colmar_n1 der deutschen Habsburger beziehungsweise des Reiches. Ferdinand I. war inzwischen (1558) von den Kurfürsten auf dem Frankfurter Kurfürstentag zum deutschen Kaiser proklamiert worden. Seinen Neffen Philipp II. hatten die Kurfürsten als hochmütigen und bigotten Spanier abgelehnt. Im Auftrag Kaiser Ferdinands inspizierteLazarus  1565/63 die ungarische Grenze. Inzwischen kam Maximilian II. nach dem Tod seines Vaters am 25. Juli 1564 auf den deutschen Kaiserthron. Lazarus wird zum Generalkapitän der deutschen Truppen in  Ungarn

220px-Nicolas_Neufchâtel_002ernannt. Er kämpfte erfolgreich gegen die osmanische Armee und vor allem gegen Johann Sigismund Zapolya, der schon kurz nach seiner Geburt 1540 zum König von Ungarn gewählt worden war und dies auch als Johann II. bis 1570 blieb. Ab 1570 war er als Johann I. der erste Fürst von Siebenbürgen. 1565 kämpfte Lazarus im nördlichen Ungarn gegen Zapolya. Obwohl numerisch unterlegen,  holte er  verlorene Plätze zurück und eroberte nach längere Belagerung Tokay und die Gegend des heutigen Satu Mare (heute Rumänien. Seine Beute in Tokay waren 4000 Fässchen Tokayer. 1567 eroberte er Mukatschewe, das heute in der Ukraine liegt.

Seine Siege und sein Organisationstalent, das er in der Grenzsicherung zeigte, erregten in Europa Aufsehen,  verschafften ihm hohes Ansehen und begründeten seinen Ruf als Feldherr. In dieser Zeit ist er auch auf die Ruländer Rebe gestoßen, vermutete, dass sie die Grundlages des Tokajer sei und brachte sie nach Baden und ins Elsass. Dort ist sie als Pinot gris bekannt. 1567 bat Lazarus um seine Rückberufung aus Ungarn. Wegen seiner Verdienste wurde er 1568  zum Reichsfreiherren von Hohenlandsberg ernannt. Die Burg Hohenlandsberg ist in der Nähe von Colmar. Er hatte Burg und Herrschaft 1563 von den Erben der Grafen von Lupfen gekauft.Die Herrschaft umfasste die Ortschaften Kientzheim, Ammerschwihr, Niedermorschwihr, Türckheim, Sigolsheim und Wintzenheim. Schon 1560 hatte er die Pfandschaft über Stadt, Schloss und Herrschaft Burkheim am Kaiserstuhl bekommen. Dort errichtete er das Schloss Burkheim, das 1673 von französischen Truppen zerstört wurde. Es ist heute die einzige Ruine eines Renaissanceschlosses in Südbaden.

300px-Haut-Landsbourg_Cour Ruine Hohlandsberg

1568 suchte Lazarus aus unbekannten Gründen um seine Demission nach. Doch von Maximilian II. schickte ihn als Generalkapitän zu einer neuerlichen Inspektionsreise an die ungarische Grenze. Aus dem Dienstverhältnis mit Philipp II, indem er ja immer noch stand – er war ja nur beurlaubt und hatte seine Bezüge weiter erhalten, was die Wertschätzung unterstreicht, die er auch am spanischen Hof genossen hatte. Am 28. Juni 1568 ließ Herzog Alba den Grafen Egmont in den Niederlanden hinrichten, Wilhelm von Oranien, der ja in Dillenburg geboren war, hatte sich nach Deutschland retten können. Mit beiden war er ja seit seiner Dienstzeit unter Philipp in den Niederlanden befreundet. Das harte Vorgehen Philipps in den Niederlanden, aber auch die Hugenottenkriege, die seit 1562 in Frankreich geführt wurden,  beunruhigten ihn. Er hatte Sorge, dass die religiösen Auseinandersetzungen auch auf Deutschland übergreifen könnten, zumal die blutigen Auseinandersetzungen auch in Deutschland erst kurze Zeit zurück lagen.

Auch war er enttäuscht von den Ergebnissen des Konzils von Trient (zwischen 1545 und 1563 in vier Sitzungsperioden) Beim Frankfurter Deputationstag 1569 wurde Lazarus zum Generalleutnant ernannt. Das war die Krönung seiner  militärischen  Laufbahn. Er war damit militärischer Stellvertreter des Kaisers. Er war einer der einflussreichsten Berater Maximilians. Sein Anliegen war die gegenseitige Tolerierung der Konfessionsparteien. Er sprach sich gegen die Erweiterung des Landsberger Bundes unter Einbeziehung Herzog Albas aus, eines auf Veranlassung des bayrischen Herzog Albrechts V. gegründeten Zusammenschlusses katholischer Länder und Städte als Gegengewicht zu den protestantischen Reichständen. Er sah in einer auf den Reichskreisen basierende Wehrverfassung geeignetes Mittel zur Sicherung des Friedens im Reich. Damit gab er sich als Verfechter der Reichseinheit zu erkennen. Ihm schwebte eine zentral gelenkte Monarchie vor. Dafür setzte er sich auch auf den Reichstagen von 1566 und 1576 ein, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Die Reichsstände wollten von ihren erreichten Positionen nichts preisgeben und der Kaiser wollte keine weitere Eskalierung der ohnehin schon bestehenden Spannungen.

In seinem Herrschaftsbereich sorgte er für eine vorbildliche Ordnung.

Lazarus starb am 28. Mai 1854 auf seinem Schloss in Kirchofen. In Kientzheim wurde er nach katholischem Ritus bestattet. Dort erinnert auch ein Epitaph an ihn.

1986 wurde der Lazarus-von-Schwendi- Städtebund gegründet um seine humanistische Gesinnung, seine Toleranz und Klarheit weiter zu geben und zu fördern. Gemeindevertreter treffen sich jährlich abwechselnd an einem der Mitgliedsorte.

Die Orte sind in Belgien Philippeville, in Frankreich alle im Oberelsass Kientzheim, Ingersheim, Logelheim, Sigolsheim, Wintzheim, Turckheim, Munster, Ammerschwihr und Niermorschwihr und in Deutschland Kirchofen, Burkheim, Triberg, Mittelbiberach und Schwendi.

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22 Apr. 2011