Berichte rund um die Pfalz

SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz

Die Städte Schpira (Speyer), Warmaisa (Worms)und Magenza (Mainz), wie sie auf hebräisch heißen, wurden 2021

zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt.

SchUM ist das Akronym, also das aus den (hebräischen Anfangsbuchstaben) der drei Städte zusammengesetzte Wort.

Die Welterbestätte umfasst den Speyerer Judenhof, den Wormser Synagogenkomplex und die Alten Jüdischen Friedhöfe in Worms und Mainz.

Die SchUM-Stätten von Speyer, Mainz und Worms sind Wiege der askenaischen-jüdischen Kultur im Mittelalter.

Ein Aschkenasi ist ein Jude, dessen Vorfahren in Mittel-, Ost- oder Nordeuropa lebten.Diese Juden entwickelten über Jahrhunderte eigene religiöse Bräuche, kulturelle Traditionen und eine eigene Sprache, das Jiddische. Der Begriff „Aschkenasi“ kennzeichnet somit eine spezifische jüdische Identität, die sich von anderen jüdischen Gruppen, wie den Sephardim, unterscheidet.

Am Ende des 10.Jahrhunderts waren in den drei Städten Jeschiwas (Talmudschulen) gegründet worden.

Bis dahin waren die jüdischen Zentren in Mesopotamien die geistliche Autorität der in der Zerstreuung lebenden Juden.

Nun entwickelte sich ein  von der babylonischen Tradition unabhängiges Judentum: das aschkenasische Judentum, mit eigenen Rechtsauslegungen.

Der berühmteste Talmudschüler war Rabbi Schlomo ben Isaak, genannt Raschi, der von 1055 bis 1065 in Worms studierte. Raschi gilt bis heute als der bedeutendste Kommentator der Hebräischen Bibel und des Babylonischen Talmuds. Die SchUM-Gemeinden sind auch wegen ihrer

Rechtsbestimmungen (Takkanot) berühmt. Diese wurden beim Auftreten neuer Rechtsprobleme, für die es nach jüdischem Recht noch keine Verordnungen gab, erlassen. Nicht mehr zeitgemäße Rechtsbestimmungen wurden angepasst.

Während des ersten Kreuzzugs 1096 kam es zu blutigen Judenverfolgungen. Das Kreuzugsheer bestand in erster Linie aus einfachen Menschen, Bauern, aber auch tausende von Bettlern und verarmten Bauern.

Diese zogen plündernd und mordend an Rhein, Main und der Donau entlang. Tausende Juden wurden brutal ermordet, mussten unter Zwang zum Christentum konvertieren oder begingen Selbstmord, um der Zwangstaufe zu entgehen.Das bewirkte eine

Auswanderungswelle unter den verbleibenden Juden. Vom 13. bis ins 15. Jahrhundert verlagerte sich der Mittelpunkt des europäischen Judentums nach Polen und Litauen.

Bekannte askenasische Juden sind z. B. Albert Einstein, Sigmund Freud und Franz Kafka.

Im folgenden werde ich die Geschichte der drei Städte darstellen und dabei auch die jeweiligen SchUM-Stätten, einbetten.

 

1. Mainz

 

                                                                                                                 

Mainz ist heute Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz. Es wurde schon in keltischer Zeit besiedelt. Dann kamen die Römer. Im Jahr 13/12 vor Christus ließ der römische Feldherr Drusus (38 a.C-9 a.C) ein Militärlager für 12.000  Soldaten

errichten. Daraus entstand eine Siedlung, die sich bald zur römischen Stadt „Mogontiacum“, benannt nach dem keltischen Gott Mogon, entwickelte.

Zeitweise lebten hier bis zu 50.000 Menschen.

Das römisch Mainz lag verkehrsgünstig an der Mündung des Main in den Rhein.

Von hier aus ließ sich die nahe gelegene Grenze des Imperium Romanums, der Limes, sehr gut verteidigen und von hier aus ließen sich Feldzüge gegen die Germanen organisieren.

Um 80 p.C. wurde die Stadt zur Hauptstadt der neu eingerichteten  Provinz Germania Superior.

Es gibt noch zahlreiche Funde aus römischer Zeit, so der Isis-Tempel, dessen Fundamente erst zwischen 2000 und 2001 entdeckt wurden.

Die Nachbildung der Jupitersäule steht vor dem Mainzer Landtag. Sie ist wohl zwischen 65-67 p.C. entstanden, wie sich aus Inschriften erschließen lässt.

Beim Bau der Eisenbahn 1884 fand man die Fundamente des Bühnenhauses. Sie wurden vermessen und abgerissen, um die Gleise und Bahnsteige des Südbahnhofs anzulegen.

1914 wurden erneut Mauerreste gefunden, die nun mit dem lange gesuchten Theater in Verbindung gebracht wurden.

1916 bestätigten neue Ausgrabungen die Annahme. Wegen der Not des Ersten Weltkriegs konnte aber nicht weiter gegraben werden.

Seit 1999 laufen nun große Grabungen.

Es war das größte Theater nördlich der Alpen und bot Platz für etwa 10.000 Besucher. Die Breite des Zuschauerraumes betrug 116 m, die der Bühne 42 m.

Es gab wohl auch ein Amphitheater in Mainz, das bisher aber noch nicht lokalisiert werden konnte.

Im Landesmuseum sind in der sogenannten Steinhalle sind viele Steindenkmäler ausgestellt.

Im Museum für Antike Schifffahrt sind  die Römerschiffe ausgestellt sind, die 1980/81 bei den Bauarbeiten für einen Hotelkomplex am Rheinufer gefunden wurden.

Auf dem Kästrich in der Mainzer Oberstadt wurden die Reste eines römischen Stadttores aus dem 3.Jahrhundert gefunden.

Nach dem Zusammenbruch des Limes 259/60 n. Chr. wurde nun eine Stadtmauer für die bis dahin unbefestigte Provinzhauptstadt gebaut. Das Stadttor ist ein Teil davon.

Die Herrschaft der Römer endete so ab 300.

Der Übergang war nicht abrupt. In Mainz lebte eine romanisierte Bevölkerung weiter.

Die fränkische Besiedlung konzentrierte sich vor allem auf Landgemeinden.

Ein wesentliches Element der Kontinuität zwischen Antike und Mittelalter am Rhein war das Christentum.

Nachdem dieses unter Konstantin Anfang des 4. Jahrhunderts im römischen Reich anerkannt war, bildete sich auch in Mainz eine christliche Gemeinde. Mainz wurde Sitz eines Bischofs.

Missionserzbischof Bonifatius (um 673-754)war von 746 bis zu seinem Märtyrertod im Jahre 754 Mainzer Bischof. Nach ihm wurde die Erzbischofswürde fest mit dem

Mainzer Stuhl verbunden.

Nachfolger von Bonifatius wurde Lullus (755-786)

975 wurde Willigis (975-1011) Erzbischof von Mainz. Er wurde Reichserzkanzler und seit Willigis war diese Würde meist mit mit dem Erzbistum Mainz verbunden.

Von Papst Benedikt VII. (974-983) erhielt er ein Privileg mit der Ernennung zum päpstlichen Vikar auf Lebenszeit. Das war verbunden mit der Praezedenz, das ist der Vorrang

vor den übrigen Erzbischöfen und Bischöfen des nordalpinen Reiches besitzen.

983 erhielt er von Otto II. (973-983) beim Reichstag von Verona die Veroneser Schenkung und damit Gebiete von Ingelheim bis nach Heimbach und nach Kaub sowie das Gebiet beiderseits der unteren Nahe und den Rheingau rechts des Rheins.

Das war der Grundstock für den späteren Kurstaat Kurmainz, dessen Landesherr der Mainzer Erzbischof war.

Bischof Willigis ist auch der Bauherr des Mainzer Doms. Er wurde 1009 vollendet und war damals der erste Kirchenbau dieser Größe nördlich der Alpen.

Willigis ließ außerdem die Stiftskirche St. Stephan erbauen, wo er begraben ist, da der Dom bei seinem Tod noch nicht weit genug hergestellt war.

In St. Stephan sind auch die Kirchenfenster von Marc Chagall (1887-1985,die er von 1978 bis zu seinem Tod gestaltete.

Es sind insgesamt 9 Fenster und Chagall wollte diese als Beitrag zur jüdisch-deutschen Aussöhnung verstanden wissen.

Sie sind heute natürlich eine weitere Mainzer Sehenswürdigkeit.

Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken (1111-1137)besaß genug Macht, um 1125 das Königswahlrecht zu reformieren.

Nicht mehr alle deutsche Fürsten sollten den deutschen König wählen sondern nur noch 10 (später 7) aus den vier Provinzen Franken, Sachsen, Schwaben und Bayern.

Einer davon war auch der Erzbischof von Mainz, der sich ab jetzt Kurfürst nennen durfte.

Unter Adalbert erhielten die Mainzer erstmals spezielle Bürgerrechte, insbesondere die Unabhängigkeit von auswärtigen Gerichtsbarkeiten und das Privileg, keine Abgaben an auswärtige Vögte bezahlen zu müssen.

Friederich Barbarossa (1152-1190) kassierte das aber, als Mainzer Bürger wegen einer Steuerstreitigkeit Erzbischof Arnold von Selenhofen (1153-1160) erschlugen.

1184  fand einer der großartigsten Hoftage des ganzen Mittelalters in Mainz statt. Anlass war die Schwertleite der Söhne Heinrich VI.(1191-1197) und  Friedrich VI.(1167-1191) Herzog von Schwaben.

1212 krönte Siegfried II. von Eppstein (1200-1230) den Staufer Friedrich II. (1212-1250) im Mainzer Dom zum König.

1244 verlieh Erzbischof Siegfried III. von Eppstein (1230-1249) den Mainzer Bürgern ein umfassendes Freiheitsprivileg.

Alte Rechte wurden bestätigt. Ein 24 köpfiger Stadtrat, der durch die Bürgerschaft gewählt wurde, wurde eingerichtet.

Dieser erhielt Rechte über die Verwaltung des Spitals. Die Bürger mussten außerhalb der Stadt keinen Kriegsdienst mehr für den Erzbischof leisten.

Der Erzbischof versprach im Umkreis von 7 Kilometern jenseits der Stadtgrenzen keine befestigten Anlagen anzulegen.

Außerdem versprach er das Festhalten am Judenschutz.

Der Erzbischof blieb zwar formal Stadtoberhaupt. Aber Mainz war nun eine Freie Stadt (nicht Freie Reichstadt!), die sich auf kommunaler Ebene selbst verwalten konnte.

Freie Städte hatten sich von ihrem (erz-)bischöflichen Herrn befreit und waren auch dem Kaiser gegenüber nicht mehr zur Abgabe von Steuern und zur Leistung von Kriegsdiensten  verpflichtet.

Reichsstädte  unterstanden keinem Landesherren sondern unmittelbar der Zentralgewalt, also dem König oder Kaiser.

Zu den Freien Städten gehörte neben Mainz auch Basel, Straßburg, Augsburg, Regensburg, Köln, Worms und Speyer.

1254 schlossen Mainz und Worms ein Schutzbündnis, dem sich bald Oppenheim und Bingen anschloss. Dieses Bündnis weitete sich bald zum Rheinischen Städtebund aus,das schließlich

über 100 Städte umfasste.

Nach dem plötzlichen Tod Wilhelms von Holland(1248-1254 deutscher Gegenkönig, 1254-56 König) am 28. Januar 1256 begann rasch der Niedergang des Städtebundes.

Mit dem Erreichen der Stadtfreiheit hatte eine Glanzzeit von Mainz begonnen.

Die Mainzer Stiftsfehde von 1461/62 leitete das Ende der Stadtfreiheit ein.

Mainz wurde kurfürstliche Residenzstadt.

Um 1450 erfand Johannes Gutenberg (um 1400-vor 1468) den Buchdruck mit beweglichen Metallettern und die Druckerpresse.

Natürlich gibt es in Mainz ein Museum, das Gutenberg Museum, Reichklarastraße 1, 55116 Mainz und das Gutenbergdenkmal, vom dänische Bildhauer Berthel Thorvaldsen entworfen und 1837 eingeweiht. es steht am Gutenbergplatz 5.

1477 gründete Erzbischof  Diether von Isenburg (1459-1461 und 1475-1482) die Mainzer Universität.

Die Reformation konnte sich in Mainz nicht durchsetzen.

Mitte des 16. Jahrhunderts erhielt Mainz anstelle der mittelalterlichen Stadtbefestigung eine moderne Stadtbefestigung.

Trotzdem wurde es im Dreißigjährigen Krieg   im Dezember von den Schweden kampflos eingenommen.

1644 besetzten die Franzosen Mainz und zogen erst 1650 wieder ab.

Erzbischof Johann Philipp von Schönborn (1647 – 1673) hatte am Westfälischen Frieden mitgewirkt.

Mainz erhielt seine Besitzungen im Hessischen und Erfurt zurück.

Er ließ Mainz zu einer zusammenhängenden Festung ausbauen.

Von Friedrich von Spee (1591-1635) beeinflusst war er einer der ersten Reichsfürsten, der die Abhaltung von Hexenprozessen auf seinem Territorium verbieten ließ.

Er führte die Allgemeine Schulpflicht wieder ein .

Mit Dekret vom 12. November 1671 begrenzte er die Juden in Mainz zahlenmäßig.

Außerdem wies er sie in ein eigenes, abgeschlossenes Wohnviertel ein.

Die Mainzer Judengasse zählt zu den jüngsten Ghettos im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation.

Von 1695-1729 war Lothar Franz von Schönborn, der Neffe von Johann Philipp von Schönborn, Maiknzer Erzbischof.

Er konzentrierte sich auf den Wiederaufbau des Kurstaates, der im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688-1697 und im Spanischen Erbfolgekrieg 1701-1714 schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war.

Lothar Franz war der große Barockbaumeister von Mainz.

In seiner Zeit entstand der Jüngere Dalberger Hof 1718,  Herrensitz der Freiherren von Dalberg, das Rochusspital (1721- 1729), mit dem Lothar Franz das Problem der Armen und Kranken in den Griff zu bekommen versuchte

Das Lustschloss Favorite am Mainzer Rheinufer wurde 1722 fertiggestellt, allerdings schon während der Belagerung von Mainz 1793 in den Koalitionskriegen vollständig zerstört.

1726 wurde der Neubrunnen errichtet, der den Bürgern des Bleichenviertels ein besseres Trinkwasser garantieren sollte.

Von 1743-1763  war Johann Friedrich Karl von Ostein Kurfürst.

Sein Großhofmeister war Friedrich von Stadion (1691-1768). Er war der Cousin von Johann Friedrich Karl von Ostein .

Friedrich von Stadion hatte bei den Regierungsgeschäften weitgehend freie Hand.

Er war Anhänger der französischen Aufklärung. Er war ein Freund von Voltaire, mit dem er korrespondierte.

Nun setzte im Kurfürstentum Mainz ein Reformprozess nach den Grundsätzen der Aufklärung ein.

1746 wurde die Porzellanmanufaktur Höchst gegründet.

In Mainz wurden ein Pfandhaus, Kaufhaus, Weinmarkt, Zuchthaus und eine Lotterie eingerichtet. Die Landstraßen und Schiffahrtswege wurden verbessert und eine Handelskommission gegründet. 1752 wurden Handelskammer und Handelsgericht eingeführt .

Eine Sammlung von Polizei und Handelssachen wurde veröffentlicht, die bis zum Ende des Kurstaates in Gültigkeit blieben.

Hofrat, Hofkammer und Hofgericht wurden im Geheimen Rat zusammengelegt und so  Verwaltung, Finanzen und Justiz  zentralisiert.

Er war ein Förderer des Malers Johann Heinrich Tischbein und des Dichters  Christoph Martin Wieland, auf dessen Empfehlung er eine Professur in Erfurt erhielt. Von dort aus wurde er zum Prinzenerzieher in Weimar.

Herzogin Anna Amalia, Herzogin von Sachsen-Weimar und Eisenach holte ihn 1772 zur Erziehung ihrer Söhne Carl August und Friedrich Augustin nach Weimar.

Über ihn kam Goethe 1775 nach Weimar. 1776 zog Goethe Johann Gottfried Herder als Generalsuperintendenten nach Weimar. Dann folgte Schiller aus Jena.

1737 erwarb von Stadion in Mainz das Palais des Lothar Franz von Rollingen, der sich mit dem Bau ruiniert hatte. Es war das erste barocke Adelspalais in Mainz und verhalf im zum Namen Stadioner Hof.

Seine Adresse Große Bleiche 15. Er wurde im Krieg schwer beschädigt. Die französische Besatzungsmacht ließ ihn 1949 wieder aufbauen.

Zu Beginn der 1990-er Jahre wurde er renoviert und die barocken Fassaden mit ihrer ursprünglichen Farbgebung wieder hergestellt.

Der letzte Kurfürst von Mainz Friedrich Karl Joseph von Erthal  (1774-1802) trat am 4. August 1792  dem preußisch-österreichischen Bündnis gegen die französischen Revolutionstruppen bei.

1792 fielen die französischen Revolutionstruppen in das Reich ein.

Die französische Revolutionsarmee unter General Adam-Philippe de Custine (1740-1793) begann am 18. Oktober 1792 mit der Einschließung und der Belagerung der Stadt.

Am 22. Oktober 1792 kapitulierte Mainz, Residenz- und Festungsstadt des ranghöchsten Kurfürsten des Reiches, kampflos. Der Erzbischof und das Domkapitel verließen die Stadt. Es brach bis zum Juli 1793 die Zeit der vom Mainzer Jakobinerklub.

Der Mainzer Jakobinerclub gilt als erste demokratische Bewegung Deutschlands und war eine prägende politische Kraft der kurzlebigen Mainzer Republik.

Am 14. April wurde Mainz von 32.000 deutschen, vor allem preußischen Soldaten eingeschlossen und beschossen, was schwere Schäden verursachte.

Ende 1793 verlor Mainz seinen Status als Residenz.

Der Friede von Campo Formio am 17. Oktober 1797 führte zur Aufgabe des linksrheinischen Gebietes.

Am 30. Dezember 1797 wurde Mainz die Hauptstadt des neuen Departements du Mont Tonnere (Donnersberg)

1789 fand die französische Revolution statt, die in Mainz bald Anhänger fand.

1799 war Napoleon der bestimmende Mann Europas geworden.

In Mainz forcierte er den Festungsausbau.

Mainz sollte zum Schaufenster des Empire werden.

Mit dem Code Civil wurde eine einheitliche Rechtsprechung eingeführt. Mainz war als Zweitresidenz Kaiser Napoleons vorgesehen und sollte dementsprechend umgestaltet werden.

Mit der Niederlage Napoleons endete auch die französische Ära von Mainz

1819 kam Mainz zum Großherzogtum Hessen. Dort war es Hauptstadt der Provinz Rheinhessen geworden.

Die Verlust der Residenzfunktion führte zu einer Provinzialisierung der Stadt.

Mainz blieb Bundesfestung des Deutschen Bundes, was die Ausdehnung der Stadt und die Einwohnerzahl stark beeinträchtigte.

Die Stadt wuchs von 22.000 Einwohnern um 1800 auf 64.000 Einwohner um 1890 an, was aber im Vergleich zu anderen Städten wenig war.

Erst die Stadtmauererweiterung und der Bedeutungsverlust der Festung-die Festung Metz diente nun als Bollwerk des Deutschen Reiches- löste einen Bauboom aus.

Nach Abriss der Stadtmauern begann ein kurzer Aufschwung, der aber vom Ersten Weltkrieg beendet wurde.

Im Waffenstillstand von Compiegne am 11.November 1918 musste Deutschland einwilligen, alle deutschen Truppen hinter der Front hinter den Rhein zurückzuziehen.

Stattdessen besetzten Truppen der Siegermächte Frankreich, Belgien, Großbritannien und USA die linksrheinischen Gebiete sowie drei rechtsrheinische „Brückenköpfe“ mit je 30 Kilometer Radius um Köln, Koblenz und Mainz.

Am besetzten Mainz gingen die “Goldenen Zwanziger”“ vorüber.

Der Nationalsozialismus konnte  in Mainz aufgrund des starken Katholizismus in der Stadt und auch einer starken Arbeiterbewegung schwer Fuß fassen,

setzte sich aber bald wie überall im Reich durch.

Die  3000 jüdische Bürger von Mainz wurden fast vollständig deportiert. Über 1000 kamen in Konzentrationslagern um.

Bis 1942 wurde die Stadt vom Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont.

Dann begann der Bombenkrieg, der sich zunehmend steigerte.

Der schlimmste Angriff erfolgte am 27. Februar 1945, als Mainz durch britische Bomber fast völlig zerstört wurde und ca. 1200 Menschen getötet wurden. Durch Brandbomben war ein Feuersturm entfacht worden. Am Ende des Krieges war die nördliche Altstadt zu etwa 80 % zerstört, die

südliche aber beinahe ganz erhalten.

Am 21. März 1945 wurde Mainz  von US-Truppen besetzt.

Der Krieg endete am 8. Mai 1945 durch die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht.

Mainz wurde von den Franzosen besetzt.

Die Grenze zwischen französischer und amerikanischer Besatzungszone bildete auf der Höhe von Mainz der Rhein, weswegen die rechtsrheinischen Stadtteile abgetrennt wurden. Einem Vorschlag aus dem Wiesbadener Regierungspräsidium folgend wurden die Stadtteile nördlich der Mainmündung, Amöneburg, Kastel und Kostheim, nach Wiesbaden eingemeindet.

Die Franzosen gründeten 1946 das Bundesland Rheinland-Pfalz und bestimmten Mainz als Hauptstadt.

Auf ihre Initiative wurde 1946 die Universität, die Johannes Gutenberg-Universität, neu gegründet.

Sie hat heute über 30.000 Studenten und trägt entscheidend zum Rufe der Stadt als als wissenschaftliches Zentrum bei.

Universität und Uniklinik haben über 8.500 Beschäftigte und sind der größte Arbeitgeber der Stadt.

1976 wurde das ZDF auf dem Mainzer Lerchenberg angesiedelt.

Außerdem ist in Mainz ein Studio des SWR. Mainz ist also durchaus eine Medienstadt.

Zum Jüdischen Erbe von Mainz zählt der Judensand in Mainz, ein jüdischer Friedhof mit über 1500 Grabsteinen viele aus dem 11. Jahrhundert und damit neben den Judensand in Worms

der älteste jüdische Friedhof Europas.

Unter dem Rabbiner Gerschom ben Jehuda (ca. 960-1040) wurde in Mainz eine Talmudschule gegründet.  Mainz galt  als bis Westeuropa ausstrahlendes Zentrum der jüdischen Lehre und Wissenschaft.

Gershoms Rechtssprüche hatten einen starken Einfluss einen starken Einfluss auf die Entwicklung des westeuropäischen Judentums.

Seit dem 15.01. 2026 gibt es im Landesmuseum Mainz die Ausstellung “Shalom am Rhein”, die als Dauerausstellung über 1000 Jahre jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz informiert.

Die Neue Synagoge in Mainz wurde 2010 eingeweiht. Sie verbindet  Gegenwart mit dem geistigen Erbe von SchUM.

Mainz ist natürlich untrennbar mit der Fasnacht verbunden.

Am 26. Februar 1838 fand der erste „Fastnachtmontagszug“ statt.

Im Vorfeld der Revolution von 1848 fand eine Politisierung der Fassnacht statt.

Neben der Strassenfasnacht vor allem mit dem Rosenmontagszug finden vor allem Sitzungen statt.

Die im Fernsehen übertragenen Sitzungen wurden zum überregionalen Erlebnis der Fastnacht.

Mainz ist natürlich eng mit dem Weinbau verbunden.

Das kann man am besten in den historischen Weinstuben in der Altstadt erleben.

Mainz ist Landeshauptstadt von Rheinland–Pfalz und mit 224.684  dessen größte Stadt.

Mainz ist Sitz des römisch-katholischen Bistums Mainz.

2. Worms

undefined

Worms liegt in Rheinhessen am Rhein und schon in der Zeit der Kelten besiedelt worden. Auch der  Name ist keltischen Ursprungs. Borbetomagus könnte sich auf die Lage der Siedlung in einem wasserreichen Quellgebiet beziehen.

Zwei keltische Siedlungen bestanden im Stadtgebiet.

Um 80 vor Christus brach die keltische Zivilisation plötzlich zusammen.

Um 30 nach Chr. gab es wohl einen kleinen Militärstützpunkt, um die Straße und den Rheinübergang zu bewachen.

Anders als in Mainz und Speyer wurden aber bauliche Spuren eines Kastells nie gefunden.

Ab etwa 40 n. Chr. ist durch Grabinschriften die Anwesenheit von Auxiliartruppen belegt.

Die keltische Siedlung verlagerte sich allmählich hin zum Militärstützpunkt. Es gab eine rasche Bevölkerungszunahme.

Ende des. 1. Jahrhunderts verlegten die Römer die Grenze vom Rhein an den Neckar-Odenwald-Limes.

Das erübrigte römische Militärpräsenz. Das Militär verließ die Stadt.

Römische Provinz Germania superior („Obergermanien“) eingerichtet wurde.

Aus Borbetomagus und seinem Umland wurde die Civitas Vangionum geschaffen.

Die Vangionen waren ein Volksstamm erstmals bei Caesar erwähnt, wobei es nicht klar ist, ob es Kelten oder Germanen waren.

In der Stadt gab es Produktionsstätten zur Glasherstellung, Steinmetze und Töpfer. Das älteste Zeugnis für einen Rheinschiffer ist ein Grabstein.

In der Schlacht bei Mursa, eine der blutigsten der gesamten römischen Geschichte siegte Constantius II. (317-361) gegen den Aufrührer  Magnentius.

In dieser Schlacht ging die Legio XXII Primigenia zugrunde, die bis dahin von Mainz aus die Grenze der Provinz Germania prima gesichert hatte. Das führte dazu, dass Alemannen schon im folgenden Jahr die Germania prima überfielen und sich dort – linksrheinisch – einige Jahre festsetzen konnten, vermutlich bis 357.

Die Villenkultur im Umland von Worms bestand fort und es gibt Zeugnisse für Fernhandel.

Die Civitas Vangionum kam zunächst unter alemannische Herrschaft und wurde um 500 ins Frankenreich eingegliedert.

Das Christentum ist schon früh in Worms belegt, allerdings teilweise im Legendären.

Das erste belegte christliche Grab in Worms ist das Grab der Paula aus der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts.

Die gesicherte Bischofsliste setzt mit mit Bischof Berchtulf(614 nachweisbar) ein. Er nahm an der Pariser Synode von 614 teil. Dort wurde Chlothar II. (584-629) zum König der Franken eingesetzt.

Unter den Karolingern war Worms eines der Machtzentren des Frankenreichs.

Die Wormser Bischöfe standen im 8. und 9. Jahrhundert dem Königshof nahe.

926 fand der einzige Reichstag in Worms unter Kaiser Heinrich I. (917-936) statt.

An ihm nahm auch Bischof Richowo (914-949) teil.

Auf dem Reichstag von Worms 961 ließ Otto I. (936-973) seinen damals siebenjährigen Sohn Otto II. (973-983) zum König krönen.

976 erhielt Otto von Worms (um 948-1004), Sohn des Saliers Konrad des Roten (um 922-955) das neugeschaffene Herzogtum Kärnten zum Lehen.

Mit den Saliern begann der Aufstieg Worms zur größten Blüte.

Im Winter 1073/74 verblieb die Stadt auf der Seite Heinrichs IV. (1056-1105)

Die Einwohner von Worms vertrieben 1073 den Wormser Bischof Adalbert II. (1070-1107), einen Gegner König Heinrichs.

Sie empfingen Heinrich mit größten Ehren.

Zum Dank stellte Heinrich 1074 für die Wormser Fernhändler eine Urkunde zum Dank für die Wormser Bürger für die erwiesene Treue aus und

befreite die Fernhändler von Zöllen in vielen Orten.

Heinrich übernahm faktisch das Stadtregiment.

1076 fand in Worms ein Reichstag statt, auf dem eigentlich Papst  Gregor VII. (1073-1085) für abgesetzt erklärt werden sollte. Im Gegenzug bannte der Papst den König was zum Gang nach Canossa führte.

1098 fand der nächste Reichstag in Worms statt, dessen Verhandlungen zum Ausgleich zwischen dem Kaiser, den Welfen und den Zähringern dienten.

1122  wurde in Worms das Wormser Konkordat beschlossen, das den Investiturstreit beendete.

Nach dem Erlöschen der Salier 1125  suchten auch die Staufer eine enge Beziehung zur Stadt Worms.

1184 bestätigte Friedrich Barbarossa(1152-1190) die Privilegien der Stadt Worms

Der Dom St. Peter in Worms ist ist der kleinste und schlankste der drei rheinischen Kaiserdome. Er wurde im Wesentlichen von 1130 bis 1181 erbaut, also insgesamt nach dem Speyerer Dom (1025–1106).

Bischof Burchard II. (+ 6. Dezember 1149) ließ bereits 1130 wohl wegen schwerer Bauschäden den von seinem Vorgänger begonnenen Neubau abreißen und durch einen Neubau ersetzen.

Auf seine Initiative wurde 1142 das Zisterzienserkloster Schönau im Odenwald gegründet.

Der Wormser Dom wurde zur Grablege der Salier. 9 sind in der Saliergruft bestattet.

Zum jüdischen Erbe in Worms zählt das jüdische Viertel mit Synagoge, Mikwe und jüdischem Museum.

Die Synagoge geht auf das Gebetshaus zurück, das 1034 gestiftet wurde. Sie war eine der größten im Heiligen Römischen Reich und hatte bis zu 300 Mitgliedern.

Sie wurde erstmals schon während der Judenverfolgungen im Zweiten Kreuzzug 1146 beschädigt.

Der Rabbi Schlomo Jizchaki lebte von 1055 bis  1065 in Mainz und Worms. Er ist einer der bedeutendsten Gelehrten des Mittelalters

und der bekannteste jüdische Bibelexeget überhaupt. Sein Bibelkommentar wird bis heute studiert und in den meisten jüdischen Bibelausgaben abgedruckt; sein Kommentar des babylonischen Talmuds gilt ebenfalls als einer der wichtigsten .

Das Jüdische Museum befindet im Raschi-Haus, das ist das ehemalige Gemeindehaus. Die Wormser Mikwe wurde nach dem Vorbild der Mikwe in Speyer gebaut und ist etwas kleiner.

Der Heilige Sand war der Friedhof der jüdischen Gemeinde in Worms. Er gilt als der älteste erhaltene  jüdische Friedhof in Europa. Die ältesten der etwa 2.500 Grabsteine stammen aus dem 11. Jahrhundert.

Was ich sehr erstaunlich finde, er hat die Zeit des Nationalsozialismus nahezu unbeschädigt überstanden.

Zurück zur Geschichte von Worms.

1233 kam es zu einer “Rachtung”, das ist ein  Vertrag, zwischen Bischof Heinrich II. von Saarbrücken (1217-1234) und den Bürgern,

in dem unter anderem das Verfahren zur Wahl des Stadtrates festgelegt wird, bei dem der Bischof erheblichen Einfluss ausübt.

Am Ende des 15. Jahrhunderts versuchte Bischof Johann von Dalberg (1482-1503) noch einmal, die Stadtherrschaft wieder an den Bischof zu bringen. Das misslang aber.

1489 entschied Kaiser Friedrich III. (1440-1493), dass die Stadt nicht mehr zu einem Huldigungseid gegenüber dem Bischof verpflichtet war.

1494 huldigte die Stadt König Maximilian (1486-1519).

Spätestens jetzt war Worms Freie Reichsstadt. Im Reichsstädtekollegium hatte Worms wie Speyer einen Sitz in der Rheinischen Bank.

1495 fand unter Maximilian ein Reichstag statt. Dabei wurde das Reichskammergericht gegründet, die Reichssteuer eingeführt und ein Fehdeverbot mit dem Ewigen Landfrieden erlassen.

Rechtsansprüche sollten nun nicht mehr im Kampf sondern auf dem Rechtsweg geltend gemacht werden. Allerdings dauerte es noch ziemlich lange, bis der Rechtsweg die Waffe ersetzt.

Um 1500 besitzt die Stadt Worms neben zahlreichen Stiften und Klöstern neun Pfarreien und ca. 15 Kapellen sowie Spitäler und Klosterhöfe. Die Stadt zählt etwa 6000 Einwohner, davon umfasst die jüdische Gemeinde ca. 250 Personen.

1510 verlieh Kaiser Maximilian der Stadt Worms das Recht, Goldmünzen zu prägen.

1513/14 kam es in der Stadt zu heftigen Konflikten um die Verfassung der Stadt.

Es gab Machtkämpfe um die Stadtherrschaft, die sich gegen die überkommene Ratsherrschaft wandten. Die von der Geistlichkeit im Herbst 1513 bei der städtischen Unterschicht geschürten Unruhen richteten sich gegen das patrizische Ratsregiment.

Im Frühjahr 1514 begann die mittelrheinische Ritterschaft unter Führung von  Franz von Sickingen (1481-1523)eine Fehde gegen die Stadt Worms zu führen.Er wurde dabei auch durch Götz von Berlichingen (um 1480- 1562) Für rund drei Jahre geriet deren Handel und agrarische Versorgung durch Wegelagerei in hohe Bedrängnis. Weder das mit Bangen in der Stadt verbliebene Reichskammergericht noch die Landesfriedensbemühungen des jungen oberrheinischen Reichskreises vermochten Abhilfe zu schaffen.

Kaiser Maximilian ächtete Franz von Sickingen deshalb 1515.

Bürgeraufstand und die Fehde zerrütteten die ohnehin geschwächten Finanzen der Stadt weiter.

Am 27. Januar 1521 eröffnete Kaiser Karl V. (1519-1555) den Reichstag von Worms. Hier verteidigte Martin Luther (1483-1546) seine Thesen.

Mit dem Wormser Edikt vom 26. Mai 1526 wurde die Reichsacht über Martin Luther verhängt und die Lektüre und Verbreitung seiner Schriften verboten.

Luther hatte Worms schon am 26. April 1521 verlassen.

Der Reichstag von Worms sind wie der Reichstag von Speyer von 1529 wichtige Ereignisse in der Geschichte der Reformation.

Als Erinnerung an den Wormser Reichstag wurde am 25. Juni 1868  das neue Denkmal eingeweiht.

Es gilt neben dem Internationalen Reformationsdenkmal in Genf als das größte seiner Art.

Im Bauernkrieg 1525 versuchte der Wormser Stadtrat alle bischöflichen Privilegien zu beseitigen. Das gelang nicht, aber Worms wurde evangelisch.

Der Bischof und die Geistlichen behielten ihre Sonderrechte und den Dom, römisch-katholische Gläubige konnten jedoch nicht Mitglied im Stadtrat werden.

1529 erschien die nach ihrem Druckort benannte Wormser Bibel, die erste evangelische deutschsprachige Bibel.

Während des Interims 1548-1552 werden evangelische Gottesdienste untersagt.

Im Augsburger Religionsfrieden von 1555 bleibt die katholische Minderheit von der Ratsmitgliedschaft ausgeschlossen.

Bürgerrecht und Handwerksausübung wird den Katholiken jedoch weiterhin zugestanden.

Am Ostermontag 1615  kam es zum Aufruhr gegen die Juden. Grund war die Verschuldung der Handwerker bei der Judenschaft, die das gesamte Kredit- und Darlehensgeschäft sowie den Pfandhandel in den Händen hatte.

Die Juden wurden über den Rhein vertrieben, ihre Häuser in der Judengasse geplündert und zerstört. Die Synagoge wurde zum Teil abgerissen, auf dem Friedhof wurden Grabsteine umgestürzt und zerschlagen.

1616 sorgte Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz (1596-1632), militärisch dafür, dass die Juden wieder nach Worms zurückkehren konnten.

Die Juden erhielten Schadensersatz durch die Stadt.

1620 ermöglichte David ben Joshua Joseph Oppenheim  durch umfangreiche Stiftungen den Wiederaufbau der Männer- und Frauensynagoge.

1618 beginnt der 30-jährige Krieg, der Worms bald schwer  in Mitleidenschaft ziehen wird.

Am 14. Oktober 1620  überquerte Prinz Heinrich Friedrich von Oranien (1584-1647) mit 5000 Mann zu Pferd und 6000 Mann zu Fuß, sowie 20 Geschützen bei Worms über eine eigens dafür geschlagene Brücke den Rhein.

Am  18. August 1622  erhielt Worms  unter dem Befehl von Erzherzog Leopold(1586-1632) (Bruder Kaiser Ferdinand II.) eine Besatzung von 2400 Mann.

Am 16. Mai 1632 machten die Schweden  das Karmeliterkloster mitsamt der Kirche und der St. Annakapelle dem Erdboden gleich. Die Karmeliter verließen daraufhin Worms und kehrten erst 1657 zurück, als Bischof Hugo Eberhard (1654ä-1663)

sie in die Stadt aufnahm und ihnen die Stephanskirche zum Gebrauch überließ.

Zwischen 1632 und 1644 zerstörten die schwedischen Truppen die Vorstädte und brannten die gesamte Anlage des Heilig-Geist-Hospitals vor der Leonhardspforte an der Straße nach Speyer nieder.

1635 überschritt der kaiserliche General Gallas (1588-1647) den Rhein und nahm Worms kampflos ein.

Eine kaiserliche Garnison wurde eingerichtet. Die Schweden verließen Worms.

1644 besetzte der französische Marschall Turenne (1611-1675)  die mit Flüchtlingen überschwemmte Stadt.

1666/67 starben mehr als 1000 Menschen in Worms beim einer Pestepidemie.

Um 1675 bauten die Jesuiten ihr neues Kollegium mit eigener Kapelle. Bis zu diesem Zeitpunkt diente die Nikolauskapelle als Gotteshaus des an der Seminariumsgasse gelegenen Jesuitengymnasiums.

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688-97 hatte Worms ebenfalls schwer zu leiden.

Im Herbst 1688 standen  französische Truppen  vor den Stadttoren. Angesichts des ungenügenden Verteidigungszustandes schloß der Magistrat mit den Franzosen eine Kapitulation ab. Durch diese wurden der Stadt alte Rechte garantiert, ausgenommen das Obrigkeitsrecht über die Juden. Eine französische Besatzung bezog in der Stadt Quartier.

Im Frühjahr 1689 mussten  trotz aller gegenteiliger Versprechungen die Einwohner die Befestigungen schleifen. Einige Türme und Mauern an der sumpfigen Rheinfront bleiben ausgenommen.

Am 31. Mai 1689 ließ der französische General Mélac (+ 12. Sept. 1709) die Städte Speyer, Worm und Oppenheim in Brand setzen.

Sämtliche öffentliche Gebäude, Spitäler, Kirchen, Klöster (ausgenommen Mariamünster im Süden und Kapuziner im Norden der Stadt) und 964 Bürgerhäuser verbrannten.

1695 lebten in den Ruinen der Stadt nur noch 1000 Menschen.

Der Gesamtschaden wurde mit 3.009.020 Reichsthalern angegeben. Das sind etwa 5.25,604 €

1719 begann Fürstbischof Franz Ludwig von der Pfalz (1694-1732) mit dem Neubau des fürstbischöflichen Residenzschlosses. Außerdem ließ er den Dom wiederherstellen und stiftete den Hochaltar von Balthasar Neumann.

Im August 1743 waren 70.000 Mann des Heeres König Georgs II. (1693-1760)von England, der in Worms sein Hauptquartier eingerichtet hatte,  in der Stadt einquartiert.

Er hatte am Österreichischen Erbfolgekrieg teilgenommen, um Maria Theresia zu unterstützen.

1656 bis 1763 fand der Siebenjährige Krieg statt.

Die Stadt hatte unter Einquartierungen und hohe Kontributionszahlungen zu leiden.

1759 wurde ein französisches Militärhospital eingerichtet.

Am 1.8.1759 trafen bei Minden Truppen aus Großbritannien, Preußen, Braunschweig-Lüneburg (Kurhannover) und Hessen-Kassel auf ein französisch-sächsisches Heer.

Die Franzosen wurden vernichtend geschlagen und erlitten schwere Verluste.

Im Wormser Militärhospital wurden die Verwundeten aufgenommen.

Wegen der großen Anzahl musste man auch auf die Nachbarorte ausweichen.

Die schlechte Lage von Worms- 30-jähriger Krieg- Zerstörung 1689- Kriegslasten im 7-jährigen Krieg

veranlasste Kaiser Franz I. (1745-1765), der Stadt einen Zahlungsaufschub auf 10 Jahre  zu gewähren.

Jährlich sollten 4000 Gulden, das sind immerhin etwa 1.606.410,00 € getilgt werden.

Nach der französischen Revolution wechselte die Stadtherrschaft oft.

1792 war Worms von französischen Truppen besetzt, 1793, von preußischen. 1794 kehrten die Franzosen zurück.

Nach dem Frieden von Campo – Formio am 17. Oktober 1797 wurde Worms Teil der französischen Republik.

Es gehörte nun als Garnisonshauptstadt zum Arrondissement Speyer innerhalb des Departements Donnersberg (Mont Tonnerre) mit Sitz in Mainz.

Worms gehörte nun bis 1814 zum Ersten Französischen Kaiserreich.

Nach dem Wiener Kongress vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 kam Worms zum Großherzogtum Hessen und war Teil der Provinz Rheinhessen.

Die fortschrittlichen Errungenschaften wie wie Gerichtsorganisation, Code Napoléon und Zivilstandsregister wurden beibehalten.

Am 10. Februar 1817 stirbt Carl Theodor von Dalberg, 1802-1803 der letzte Bischof von Worms.

1835 wurden in Rheinhessen die vier Kreise Mainz, Bingen, Alzey und Worms als staatliche Verwaltungsbezirke eingerichtet.

1842 genehmigte Großherzog Ludwig II.(1830-1848) von Hessen die Einrichtung einer Handelskammer in Worms.

Am 25.  Juni 1868 wurde das Lutherdenkmal, das weltweit größte Reformationsdenkmal eingeweiht.

1933 hielt der Nationalsozialismus Einzug in Worms.

In der Reichskristallnacht 1938 wurde die jüdische Synagoge in Brand gesetzt und völlig zerstört.

Worms wurde vom Bombenkrieg nicht verschont.

Am 21. Februar 1945 wurde Worms in einem Nachtangriff bombardiert.

Die Wohnviertel wurden schwer beschädigt, fast alle Kulturdenkmäler werden Raub der Flammen.

239 Menschen kamen ums Leben.

Am 18. März 1945 griffen amerikanische Bomber an.

141 Opfer sind zu beklagen.

Am 20. März 1945 sprengten deutsche Truppen bei ihrem Rückzug die Ernst-Ludwig-Brücke.

Die Amerikaner erreichten Worms.

Am 10. Juli wurden die amerikanischen Truppen von französischen abgelöst.

1946 wurde die vormalige hessische Provinz Rheinhessen  zum Regierungsbezirk Rheinhessen des damals neu gegründeten Landes Rheinland-Pfalz.

Am 4. September 1951 verlaießen die Franzosen Worms

Die Innenstadt wurde nach dem Krieg im modernen Stil wieder aufgebaut.

Worms hat heute 85600 Einwohner (Stand 2063)

3. Speyer

 

 

Worms liegt am Rhein. Das überschwemmungssichere Hochufer machte es schon in frühester Zeit zu einem wichtigen Siedlungsort.

Die ersten Funde stammen schon aus der Jungsteinzeit.

Der wohl bekannteste Fund  entstand wohl zwischen 1400 und 1300 vor Christus.

In Schifferstadt, rund 35 Kilometer von Worms entfernt wurde der Goldene Hut von Schifferstadt gefunden,

einer von vier Goldenen Hüten aus der späten Bronzezeit (1550-1200 vor Christus). Er befindet sich heue im Historischen Museum der Pfalz. Er ist ein wichtiges Zeugnis aus der keltischen Vergangenheit der Gegend.

Die Gegend von Speyer war das Siedlungsgebiet der keltischen Mediomatriker.

An der Mündung des Speyerbachs oberhalb des Floßhafens in Speyer mündet er in den Rhein. Dort legten keltische Siedler eine kleine befestigte, stadtartig angelegte Siedlung an.

Um 70 vor Christus überschritten die Sueben mit anderen germanischen Stämmen, darunter den Nemetern, die Caesar in De bello Gallico erstmals erwähnt, den Rhein.

Um 15 nach Christus ließ Drusus auf Veranlassung von Kaiser Tiberius (42 vor-37 nach) von den Alpen bis zur Nordsee entlang des Rheins Kastelle für Legionen und Hilfstruppen anlegen. Eines dieser Lager und Kastelle war Speyer, das an der römischen Rheintalstraße um 10 v. Chr. vermutlich für eine 500 Mann starke Infanterietruppe errichtet wurde.  Das zweite wurde etwa 10 nach errichtet und daraus entwickelte sich eine ausgedehnte römische Siedlung.

Speyer zählt somit zu den ältesten Städten Deutschlands. Älter ist wohl nur Mainz und Worms, das “halboffiziell” die älteste Stadt ist.

Speyer hatte um 30 n. schon Marktrecht.

Speyer gehörte ab 83 n zur Provinz Germania superior und war Selbstverwaltungssitz mit dem Namen Civitas Nemetum.

Aus dieser Zeit stammt auch der “Römerwein”, die älteste erhaltene und noch verschlossene Weinflasche Deutschlands. Sie ist  ebenfalls im Historischen Museum der Pfalz ausgestellt.

Um 150 erschien die Stadt unter dem keltischen Namen Noviomagus (Neufeld) in der Weltkarte des Griechen Ptolemaios

2013 und 2014 wurden römische Gräber entdeckt, die zu einem Gräberfeld aus dem 1.-5. Jahrhundert zählen.

Die Stürme der Völkerwanderungszeit verschonten auch Speyer nicht.

Ab 260 musste die römische Reichsgrenze auf den Rhein zurückgezogen werden. Speyer war wieder Grenzstadt geworden.

Um 275 wurde Speyer total zerstört wie zahlreiche Skelettfunde und Brandspuren belegen.

Spätestens 369 war Speyer wieder Garnisonstadt geworden. Im Bereich des Domhügels entstand  eine mächtige Festung mit 2,5 m starken Wehrmauern.

Um diese Zeit gab es schon eine Christengemeinde in Speyer.

346 wird Jesse als erster Bischof in Speyer genannt . Ab diesem Zeitpunkt ist Speyer also als Bischofssitz belegt.

Um 500 entwickelte sich das Dorf Altspeyer.

Der Name von Nemetum wechselte auf Spira und deutet darauf hin, dass nicht mehr lateinisch gesprochen wurde.

In einer Schlacht 496/497 bei Zülpich  besiegten die Franken unter Chlodwig (466-511) die Alamannen und Speyer wurde Teil des fränkischen Königreichs.

Wirtschaftlich kam Speyer aus der Isolation und auch das Christentum , das unter den Alamannen bedrängt war, erblühte wieder.

Um 614 wird Hilderich von Speyer  als Bischof von Speyer erwähnt. Er ist der erste konkret fassbare Bischof von Speyer, mit dem auch die zusammenhängende Bischofsliste beginnt.

Mit der Einrichtung des Bistums Speyer muss auch der Bau einer Kathedrale für den Bischof verbunden gewesen sein.

König Sigibert III. (, * 630-  656) sicherte der Speyrer Kirche den Zehnten und befreite sie von der Besteuerung durch den Gaugrafen.

Der Speyrer Bischof war zu der Zeit Dragobodo (660-700), der auch als Gründer von Kloster Weissenburg gilt.

Ihm wurde auch die Immunität durch König  Childerich II. (662-674) zugestanden.

Kaiser Karl der Große (768-814) bestätigte die Privilegien am 25. Juni 782.

Die Karolinger bauten in Speyer eine Königpfalz.

Karl der Große weilte mehrere Male in Speyer.

Ludwig der Fromme (813-840) hielt in Speyer 838 einen Hoftag ab und begann damit eine Serie. In Speyer wurden bis 1570 50 Hof und später Reichstage ausgerichtet.

Stadtherr von Speyer war ein vom König bestellter Gaugraf.

Aber schon im 6. und 7. Jahrhundert wurden dem Bischof Rechte übertragen, so dass er praktisch zum Stadtherren aufstieg.

782 ist von einer Domkirche die Rede.

Mit der Reichsteilung von Verdun 843 lag Speyer nun im ostfränkischen Teil des Reiches.

König war Ludwig der Fromme (813-840)

Auf ihn folgte Ludwig der Deutsche (843-876)

Speyrer Bischöfe nahmen nun an zahlreichen Synoden teil und führten im Auftrag des Kaisers Verhandlungen in Paris und Rom.

846 weihte Bischof Gebhard I. (846–880) einen zweiten Dom.

Um 900 regierte Gaugraf Werner im Speyergau. Er ist der erste historisch fassbare Salier.

Er versuchte sein Territorium auf Kosten der Kirche zu vergrößern. Es kam deshalb zu Auseinandersetzungen mit Bischof Einhard I. (895-913)

Gaugraf Werner ließ ihn 913 blenden. Bischof Einhard starb an den Folgen.

Im Oktober 969 verlieh Otto der Große (936-973) der Speyrer Domkirche das Immunitätsprivileg, eine eigene Gerichtsbarkeit und die Kontrolle über Münze und Zoll.

Mit dem Münzrecht entwickelte sich Speyer bis zum 12. Jahrhundert zu einer der wichtigsten Münzstätten im Reich.

Damit waren die Gaugrafen in Speyer kein Machtfaktor mehr.

Speyer erhielt auch ausdrücklich die Stadtherrschaft übertragen.

Bischof Balderich  (970-986) gründete die Domschule in Speyer, die bald zu einer der bedeutendsten des Reiches wurde.

Sie wurde zu einer Ausbildungsstätte für Diplomaten und Statthalter bzw. Funktionäre des Reiches.

Im 10. Jahrhundert erlebte Speyer einen Bevölkerungszuwachs. Auch die Wirtschaft wuchs, nicht zuletzt begünstigt durch die verkehrsgünstige Lage der Stadt.

Am 4. September 1024 wurde Konrad II. (1024-1039) deutscher König und ab 1027 Kaiser.

Konrad förderte gezielt Stadt und Kirche von Speyer. Die Salier gelten als zweite Gründer Speyers.

Angeblich legte er am 12. Juli 1030 den #Grundstein zu Kloster Limburg bei Dürkheim und noch am gleichen Tag den Grundstein zum Dom von Speyer.

Limburg sollte das Hauskloster der Salier werden und der Speyrer Dom die Grablege. Kloster und Dom sind etwa 40 Kilometer entfernt, für die damalige Zeit also eine beachtliche Strecke.

Die Hauptbaumeisters des Doms waren Bischof Reginbald II. (1033-1039) von Speyer und Gumbert (1035-1038), Abt von Kloster Limburg.

Beide kamen aus der Schule von St. Gallen, in der besonders auch die Kenntnisse der Architektur, Geometrie und Arithmetik gelehrt wurden.

Der Speyrer Dom ist mit einer Gesamtlänge von 134 Metern die größte romanische Kirche weltweit. Seit 1981 gehört er zu den Weltkulturerbestätten der UNESCO und da die SchUM-Städte seit

2021 ebenfalls Weltkulturerbe sind, ist Speyer zweimal im Weltkulturerbe vertreten.

Im Dom sind die Gräber von 5 Bischöfen sowie die Gräber von

Konrad II.  († 1039)

Gisela von Schwaben († 1043), Kaiserin, Gemahlin von Konrad II.

Heinrich III. († 1056), Sohn Konrads II.

Heinrich IV.(† 1106), Sohn Heinrichs III.,

Bertha von Savoyen († 1087), Kaiserin, Gemahlin Kaiser Heinrich IV.

Heinrich V. († 1125), Sohn Heinrichs IV.

Beatrix von Burgund († 1184), zweite Gemahlin Friedrichs Barbarossa, und ihre Tochter Agnes († 1184)

Philipp von Schwaben († 1208), Sohn Friedrich Barbarossas

Rudolf von Habsburg († 1291)

Adolf von Nassau († 1298)

Albrecht von Österreich († 1308), Sohn Rudolfs von Habsburg

Der Dombau brachte der Stadt einen weiteren Aufschwung.  Viele Handwerker, Künstler und Händler waren zugezogen.

Bischof Reginbald hatte die schon fertig gestellte Krypta geweiht und am 3. Juli 1039 Kaiser Konrad im noch nicht fertig gestellten Dom bestattet.

Der Sohn Konrads II., Heinrich III. (1039-1056) setzte den Dombau fort.

Er schenkte dem  Dom das prachtvolle Speyerer Evangeliar, das wahrscheinlich 1046 im Kloster Echternach im Auftrag Heinrichs für den Dom angefertigt worden ist.

Heute  befindet es sich in der Bibliothek des Escorial.

1046 brachte Heinrich von seiner Kaiserkrönung aus Italien die Gebeine  des des seligen Guido von Pomposa mit, die im St. Johannes Stift in Speyer beigesetzt wurden.

Heinrich III. wurde im  Oktober 1056 im Beisein von Papst Viktor II. (1055-10567) im noch immer unvollendeten Dom beigesetzt.

Nach seinem Tod übernahm seine Witwe, Agnes von Poitou (um 1025-1077), die die Regentschaft für ihren sechsjährigen Sohn Heinrich IV.(1056-1105)Unter Heinrich IV. kam es zum Investiturstreit.

Heinrich IV. musste im Winter 1076/77 den Gang nach Canossa antreten.

Die Speyrer Bischöfe, vor allem Rüdiger Huzmann (1074-1090) blieben königtreu.

Er wurde für seine  königstreuen Aktivitäten wurde er von Papst Gregor VII. (1073-1085) gebannt.

Bischof Rüdiger siedelte 1084 erstmals Juden in Speyer an. Er erteilte ihnen auch Privilegien, und verschieden Rechte, wie sie bisher noch nie im Reich üblich waren.

Heinrich der IV. bestätigte diese Privilegien am 19. Februar 1090. (Heinrich IV. – RI III,2,3 n. 1314)

Der Dom zu Speyer bekam bald statische Probleme. Außerdem musste das Fundament gegen Überschwemmungen des nahen Rheins geschützt werden Im Jahr 1080 ließ Heinrich knapp 20 Jahre nach seiner Fertigstellung den Dom zur Hälfte abreißen und ihn noch größer wieder aufbauen.

Im Mittelschiff wurde die Decke abgetragen, der Bau wurde um fünf Meter erhöht. Statt der flachen Holzdecke entstand das größte Kreuzgratgewölbe im damaligen Reichsgebiet.

Heinrich IV. starb 1106, wurde von seinem Sohn Heinrich V. (1106-1125) aber erst am 14. August 1111 im Königschor des Speyerer Doms beigesetzt, da der Umbau des Doms noch nicht beendet war.

Bis dahin hatte Heinrich IV. in der ungeweihten Afrakapelle gelegen.

Anlässlich der Beerdigung erteilte Heinrich V.  den Bürgern der Stadt mit dem Großen Freiheitsbrief den Bürgern der Stadt große Privilegien. Sie befreiten die Speyerer von der drückenden Erbschaftssteuer und gewährte ein Mitspracherecht bei Münzverschlechterungen. Außerdem wurde der Beherbergungs- und Transportzwang (auf dem Rhein) aufgehoben und die Bürger waren nicht mehr gezwungen, den Bannwein zu kaufen. Sie konnten nicht mehr vor außerstädtische Gerichte gestellt werden und wurden von Markt- und Handelsabgaben sowie Zöllen in der Stadt befreit.

Speyer war die erste deutsche Stadt, in der die Bürger solche Freiheiten erhielten.Dieser Brief wurde in goldenen Buchstaben über dem Domportal angebracht.Kaiser Friedrich I. (1152-1190) erneuerte diese Privilegien am 27 Mai 1182. (MGH DDF 827)

Heinrich V. starb 1125 und wurde als letzter salischer Kaiser im Speyrer Dom beigesetzt.

Nach dem Tod Lothars von Supplinburg (1125-1137) wurde mit Konrad III. der erste Staufer deutscher König.Er führte in Speyer die Politik der Salier fort.Die Domschule hatte die Funktion einer Reichskanzlei.

An Weihnachten 1146  predigte Bernhard von Clairvaux (um 1090-1153) im Speyrer Dom und rief zum Kreuzzug auf.

Konrad wurde durch diese Predigt bewogen, am Kreuzzug teil zu nehmen.

Anfang des 13. Jahrhunderts gelang es der Stadt Speyer immer mehr stadtherrliche Rechte auszuüben.

1230 erließ der Rat der Stadt mit dem Einverständnis des Bischofs das erste Speyrer Stadtrecht.

Auch im 13. Jahrhundert gründeten viele Orden Klöster in Speyer oder errichteten bestehende Klöster Stadthöfe in Speyer, so 1212 die Zisterzienser aus Eußerthal.

Schon 1159 hatte Bischof Günter von Henneberg (1146-1161) Kloster Maulbronn einen Hof in Speyer geschenkt, aus dem der Maulbronner Hof an der Johannesstraße in Speyer hervorging. Der Stadthof in Speyer war der wichtigste Handelsplatz des Klosters.

Im Juli 1245 erteilte Friedrich II. (1212-1250)der Stadt Speyer das Privileg einer vierzehntägigen Herbstmesse (Friedrich II. – RI V,1,1 n. 3488), Das kann durchaus als gezielte Wirtschaftsförderung gesehen werden.

Im Juli 1254 schloss sich Speyer mit 58 anderen Städten zum Rheinischen Bund der Städte und Fürsten zusammen.

Dieser Bund wurde von Mainz gegründet.  Auch Köln, Worms,  Straßburg und Basel gehörten dem Bund an.

Am 1. November 1265 wurde die Reichsunmittelbarkeit Speyers bestätigt.

Am 31. Oktober 1293 schlossen Bischof Friedrich von Bonlanden (1272-1302 und der Rat der Stadt einen Vertrag, der alle Forderungen der Stadt festschrieb

und das Ende der bischöflichen Macht festschrieb. Speyer war damit endgültig freie Reichsstadt.

Die Stadt war Mitglied der rheinischen Bank im Reichsstädtekollegium des Reichstages

Maximilian I (1493-1519) besuchte Speyer schon 1494.

Im Vorfeld der Reformation  bestand in Speyer ein humanistischer Freundeskreis. Zu ihm zählte bereits Bischof Matthias von Rammung (1464-1478)

und Bischof Ludwig von Helmstatt (1478-1504). Dieser berief 1483 den Humanisten  Jakob Wimpfeling (1450-1528) als Domprediger nach Speyer.

Erasmus von Rotterdam (zwischen 1466 und 1469-1536) war vier mal in Speyer.

Speyrer Druckereien haben sich früh an der Verbreitung lutherischer Schriften beteiligt.

Papst Hadrian VI. ( 1522-23) forderte 1522 den Rat der Stadt auf, Verbreitung solcher Schriften zu unterlassen.

Auf dem Reichstag von Speyer von 1526 ging es zunächst um die Religionsfrage, die Kaiser Karl in seinem Sinne vorantreiben wollte.

Es sollten Mittel und Wege gefunden werden, die Glaubenseinheit und hergebrachte kirchliche Ordnung bis zu einem freien Konzil zu bewahren, Ketzerei, Missbrauch und Unordnung zu ahnden und schließlich das Wormser Edikt zu exekutieren.

Aber das Wormser Edikt von 1521 wurde praktisch aufgehoben und das Entscheidungsrecht in Glaubensfragen wurde praktisch auf die Reichsstände verlegt.

Außerdem ging es um die Türkenhilfe und die Finanzierung des Reichsregiments und Reichskammergerichts.

Dieses sollte von Esslingen nach Speyer verlegt werden.

1529 fand der Reichstag wieder in Speyer statt.

Den Beschluss zur Glaubensfrage von 1526 hatte Karl V. aufgehoben.

Diese beschloss auf dem Reichstag auch ein Ausschuss aus 18 Mitgliedern.

Die drei einzigen anwesenden lutherischen Mitglieder im Ausschuss stimmten dagegen.

Die Beschwerde der evangelischen Reichsstände am 12. April gegen diesen Beschluss, mit dem das Wormser Edikt wieder in Kraft treten sollte, blieb zwecklos; der Beschluss des Ausschusses ging auch in der Hauptversammlung durch.

Die evangelischen Fürsten und Reichsstädte waren nicht bereit, sich diesem Mehrheitsbeschluss zu unterwerfen und verfassten am 19./20. April 1529 ein Protestschreiben. Sie verwahrten sich nicht nur dagegen, dass der Beschluss von 1526 einfach durch Mehrheitsentscheid aufgehoben werden konnte, sondern vertraten überdies das Prinzip, dass Glaubensangelegenheiten überhaupt nicht durch Mehrheitsvoten entschieden werden können. Der Reichstag verweigerte die Annahme der Appellation, welches daraufhin Kaiser Karl V. übersandt wurde. Mit der gegen den Reichstagsbeschluss gerichteten Protestation zu Speyer der evangelischen wurde die Trennung der der christlichen Kirche West-Europas besiegelt.

Seit dem Reichstag von 1529 nennt man die Anhänger der reformatorischen Bewegung auch Protestanten

Die Verlagerung des Reichskammergerichts nach Speyer bedeutete für die Stadt, dass einschließlich der Familien und des Gesindes

dass zwischen 630 und 800 Personen, die mit dem Gericht in Verbindung standen, in Speyer lebten. Das waren zwischen 8 und 10 % der Stadtbevölkerung .

Die Anwesenheit des Reichskammergerichts bewirkte sicher auch, dass es in Speyer nur zum einer Hexenverbrennung kam.

Zwischen 1530 und 1620 verlief die Zeit in Speyer friedlich, bis auf das Jahr 1552 im 2. Markgrafenkrieg (1552-1555) Markgraf Albrecht Alcibiades (541-1554) das Hochstift

Speyer überfallen und forderte von von Bischof Rudolf von und zu Frankenstein (1552-1560) eine Brandschatzung von 150.000 Gulden, das sind etwa 60.166.779,00 €.

Als ihm diese verweigert wurde, brannte er die Madenburg und das Hambacher Schloss nieder.

Schwere Zeiten brachen für Speyer mit dem Dreißigjährigen Krieg an, der 1618 begann.

Speyer gehörte seit der Gründung 1608 der Protestantischen Union an.

Es hatte aber natürlich Verpflichtungen gegenüber dem Reich, das die katholische Sache vertrat.

Es wurde ständig zum Tragen der Kriegslasten für das Reich herangezogen.

1621 trat Speyer aus der Protestantischen Union aus.

Zwischen 1632 und 1635 wurde Speyer abwechselnd von den Schweden, Kaiserlichen und Franzosen erobert.

Von 1635 – 1644 war Speyer von den Kaiserlichen besetzt, dann nochmals die Franzosen über das Kriegsende hinaus.

Dazu kam 1632 die Pest und 1636/37 eine Hungersnot.

Zwar verfiel die Bausubstanz, doch Speyer überstand den Krieg relativ unzerstört.

Nach dem Frieden von 1648 musste das Reich eine Abfindung von 5 Millionen Goldgulden an Schweden bezahlen, davon entfielen

37.000 Gulden, das sind etwa 14.841.139,00 €.

Nach dem Krieg entwickelte Frankreich eine Vormachtstellung in Europa.

1661 wurde Landau französisch und zur Festung ausgebaut.

Nach dem Tod von Kurfürst Karl II von der Pfalz am 26. Mai 1685 beanspruchte König Ludwig XIV. (1643-1715) von Frankreich rechtswidrig Teile der Kurpfalz

als Erbe seiner Schwägerin Liselotte von der Pfalz (1652-1722) und brach den Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) vom Zaun

1689 ließ Generalleutnant Joseph de Montclar (1625-1690) die Stadtmauern von Speyer abreissen.

Am 23. Mai 1689 erteilte  General Duras(1625-1704) der Befehl, die Stadt innerhalb einer Woche zu räumen.

Der Domschatz wurde auf Veranlassung des Domkapitels nach Mainz gebracht.

Die Bewohner erhielten ein Umsiedlungsangebot ins Elsass oder nach Lothringen, auf das kaum jemand einging.

Am 31. Mai steckten die Franzosen die Stadt in Brand, die fast völlig zerstört wurde. Auch der Dom war schwer beschädigt.

Auf Befehl der Franzosen durfte Speyer nicht länger bewohnt werden.

Die Bevölkerung verteilte sich auf den ganzen süddeutschen Raum mit Schwerpunkt Frankfurt.

Dahin hatte sich auch der Magistrat geflüchtet.

169 machte sich der Stadtrat daran, die verstreute Bevölkerung wieder zu sammeln.

Auch im Spanischen Erbfolgekrieg von 1701-1714 hatte die Stadt schwer zu leiden, vor allem durch Kontributionszahlen.

In diesem Krieg musste Speyer 17.000 Gulden, das sind etwa 6.818.902,00 €.

Die vier Kriege des 18. Jahrhunderts kosteten die Stadt 100.000 Gulden, das sind 40.111.186,00 €.

Die Stadt war hoch verschuldet und die Bürger litten unter einer enormen Steuerlast.

Trotzdem begann man Mitte der 70-iger Jahre mit dem Wiederaufbau des Domes.

Mit der französischen Revolution 1789 endete auch die Reichsstadtgeschichte Speyers.

1792 wurde Speyer von den Revolutionstruppen der Armée du Rhin eingenommen.

Es wurde kurzfristig mehrmals zurückerobert, aber die linksrheinische Pfalz wurde am 21. März 1797 endgültig annektiert.

Speyer wurde Unterpräfektur im Département du Mont-Tonnerre (Donnersberg)

Bis zum Wiener Kongress blieb Speyer französisch.

Dann fiel das Gebiet der späteren Pfalz dem Königreich Bayern zu.

Speyer wurde Kreishauptstadt des Rheinkreises. Es wurde  Sitz des pfälzischen Postwesens, der Verwaltung des Salzmonopols, der Oberzoll-Inspektion, des Landkommissariats für die nördliche Vorderpfalz und das Gendarmeriekommandos für den Rheinkreis.

Die Stadt hatte zu dieser Zeit etwa 6.000 Einwohner

Am 5. Jun  1817 schloss Bayern mit dem Vatikan das Bayrische Konkordat ab.

Speyer wurde wieder Bischofssitz.

Der erste Bischof nach der Wiedereinrichtung des Bistums wurde Matthäus Georg von Chandelle(1818-1826)

Speyer hatte zu dieser Zeit nicht das beste Einvernehmen mit dem Königreich Bayern,

zumal die Münchner Regierung 1819 Waren aus der Pfalz mit Zöllen belegte.

Die Stadt Speyer verfügte über das beste Bildungswesen in der Pfalz.

1817 wurde die allgemeine Schulpflicht eingeführt.

Der Dom wurde notdürftig wieder hergestellt und 1822 wieder eingeweiht.

Auf Initiative König Ludwigs I. von Bayern wurde das Innere des Domes, der durchweg als „Nationaldenkmal“ betrachtet wurde, in den Jahren 1846 bis 1853 durch Johann Schraudolph ausgemalt.

Speyer hatte mit der Neuen Speyrer Zeitung ein sehr liberales Presseorgan und eckte oft in München an und bekam immer wieder Probleme mit der Zensur.

Nach dem Hambacher Fest 1832 wurde die NSZ das Sprachrohr der liberalen Bewegung in der Pfalz.

Nach der Märzrevolution von 1848 marschierten preußische Truppen am am 16. Juni  1849 in der Pfalz ein und besetzten Speyer ohne Widerstand.

Am 21. Juni verhängte die bayrische Regierung den Kriegszustand über die Pfalz. Die alte Regierung wurde wieder eingesetzt.

Der Pfälzische Aufstand, der die Verteidigung der die Verteidigung der Frankfurter Reichsverfassung und die Loslösung vom Königreich Bayern zum Ziel hatte, war

niedergeschlagen. Viele revolutionär gesinnte Speyrer verließen das Land.

1853-56 wurde der Speyrer Hafen gebaut.

Von 1893 bis 1904 wurde Gedächtniskirche der Protestation zur Erinnerung an die auf dem Reichstag von 1529 erfolgte Prostestation erbaut.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Speyer Lazarettstadt.

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges besetzten die Französen das linke Rheinufer.

Die Machtergreifung am 30. Januar 1933  verlief in Speyer praktisch wie im Reich.

Bei der Reichstagswahl vom 5. März 1933 erzählte die NSDAP mit 30,2 % der Stimmen den geringsten Anteil einer pfälzischen Stadt.

In der Reichspogromnacht vom 9. September 1938 wurde die jüdische Synagoge niedergebrannt. Der jüdische Friedhof wurde verwüstet.

Speyer wurde schon während des Frankreichfeldzugs von ersten Bombenangriffen getroffen.

In den Bombenangriffen nach 1944 wurde der Gesamtschaden auf 8-10 % geschätzt.

53 Menschen kamen ums Leben 327 wurden verletzt.

Am 24. März 1945 besetzten Amerikaner Speyer.

Dann folgten die Franzosen.

Speyer wurde wieder französische Garnisonstadt.

Die gesprengte Rheinbrücke wurde durch eine Fährverbindung ersetzt.

Erst 1956 gab es mit der neuen Rheinbrücke wieder eine Straßenverbindung über den Rhein.

Speyer zählte im Jahr 2023 51.203 Einwohner.

19 Apr. 2026

Friedrich V. von der Pfalz ( der “Winterkönig”)und seine Familie

 

 

Friedrich V. wurde am 26. August 1596 im Jagdschloss Deinschwang als erster Sohn des pfälzischen Kurfürsten Friedrich IV. (1574-1610) und Luise Juliane von Nassau Oranien (1576-1644) geboren.

Sein Vater stammte aus der Linie von Pfalz-Simmern. Unter Friedrich IV. wurde in Auhausen (heute im Landkreis Donau-Ries und Teil der Verwaltungsgemeinschaft Oettingen in Bayern)die Protestantische Union (auch Union von Auhausen) gegründet. Das war ein Zusammenschluss von acht protestantischen Fürsten und  17 protestantischen Städten im Heiligen Römischen Reich. Bevollmächtigter von Friedrich IV.  war  Christian von Anhalt.

Die pfalzgräfliche Abkunft väterlicherseits und seine Verwandtschaftsbeziehungen mütterlicherseits bis in den französischen Hochadel hinein boten Friedrich V.  eine verheißungsvolle Ausgangsposition.

Da zu dieser Zeit die Pest in Heidelberg grassierte, verbrachte Friedrich V. die ersten beiden Jahre seiner Kindheit in der Oberpfalz. Er wurde zur Erziehung an den Hof des Fürsten von Sedan, Heinrich von Bouillon, gegeben.

Neben einer standesgemäßen höfischen Erziehung  erhielt er auf ausdrücklichen Wunsch seiner Eltern eine gründliche theologische Ausbildung durch Daniel Tilenus, der in  Sedan seit 1599 Studiendirektor war. Er galt

galt als Vertreter eines gemäßigten, königstreuen Kalvinismus. Er war durch die Religionskriege in Frankreich massgeblich geprägt. Deshalb forderte er eine grenzübergreifende Solidarität unter den Reformierten. Den Fürsten machte er es geradezu zur Christenpflicht, auch in anderen Ländern einzugreifen, wenn Glaubensbrüder von der Obrigkeit verfolgt oder bedrängt wurden. Neben seiner theologischen Ausbildung sollte er mit der französischen Hofkultur vertraut gemacht werden.

Natürlich erlernte er die französischen Sprache. Das sollte ihn zur Erfüllung diplomatische Aufgaben, aber auch zur  Verheiratung mit einer ausländischen Fürstentochter vorbereiten.

Am 19. September 1610 starb Friedrich IV.  mit nur 36 Jahren an den Folgen seines unmäßigen Lebenswandels. Er hatte schon 1602 entgegen allen Reichsgesetzen die kalvinistischen Pfalz-Grafen von Zweibrücken als Vormünder und Kuradministratoren bestimmt.

Gemäß der Goldenen Bulle von 1356 wären die nächsten männlichen Verwandten, in diesem  Fall die Pfalzgrafen von Neuburg dazu berechtigt waren.  Natürlich kam es zu einem heftigen Streit zwischen den pfälzischen Linien Zweibrücken und Neuburg.

Johann II. von Pfalz-Zweibrücken wurde der Vormund von Friedrich V. und war auch Kuradministrator. Der Streit zwischen den beiden pfälzischen Linien endete erst mit der Volljährigkeit Friedrichs. Kanzler war, wie schon unter seinem Vater Christian von Anhalt,

der auch seine Vertrauensperson war. Er hatte auch die Weichen für den jungen Kurfürsten gestellt. Ein großer Coup gelang ihm mit der Vermählung Friedrichs mit Elisabeth Stuart, Tochter König Jakobs I. Sowohl der Heidelberger Oberrat und die Fürsten der Protestantischen Union begrüßten diese dynastische Verbindung nicht unbedingt  vorbehaltlos. In Deutschland befürchtete man eine stärkere ausländische Einflussnahme auf die Innenpolitik der protestantischen Reichsstände. Auch am Londoner Hof stieß die Pfälzer Werbung zunächst auf Skepsis. Zum einen  konnten sich die Engländer unter dem Titel eines „Pfalzgrafen“ nichts vorstellen. Schon mehrere Eheangebote waren in London entweder wegen der Religion oder als “nicht standesgemäß” abgelehnt worden.

Die Mutter Elisabeths Anna von Dänemark war stark gegen diese Eheschließung und auch die Madrider Diplomaten hätten die englische Königstochter lieber mit dem spanischen König vermählt. Sie streuten das Gerücht, Friedrich sei körperlich verunstaltet.

So wurde Hans Meinrad von Schönberg zum Jahreswechsel 1611/12 nach England geschickt, um die Vorteile einer ehelichen Verbindung von Friedrich und Elisabeth herauszustreichen. Meinhard war seit 1611 im Dienste von Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg. Auch für die protestantische Union erfüllte er viele zum Teil brisante Aufträge und diplomatische Aufgaben wie z.B. diese Brautwerbung. Seit dem 1.11. 1611 war er Hofmeister am kurpfälzischen Hof in Heidelberg. Seine Werbung war ja auch von Erfolg gekrönt. Als er zur Ratifikation des Ehevertrages nach London reiste, lernte er Anna Sutton-Dudley, die Tochter des 5. Baron Dudley, kennen. Sein persönliches Erfolgserlebnis. Er heiratete Anna am 22. März 1615 in London.

Als Friedrich V. 1612 selbst nach England reiste machte sich seine sorgfältige Erziehung bezahlt. Sein angenehmes Äußeres und seine vollendeten Umgangsformen beeindruckten. Er gewann auch schnell Elisabeths Herz und aus dieser aus rein politischen Gründen angebahnten Adelsverbindung war eine richtige Liebesheirat geworden.

Elisabeth wurde am 19. August 1596 als älteste Tochter Jakobs VI. von Schottland und Anna von Dänemark geboren. Sie war die Enkelin von Maria Stuart, die 1587 hingerichtet worden war. Sie hatte mehrere Geschwister, die als Kleinkinder starben. Nur zwei Brüder überlebten das Kleinkindalter. Der Ältere, Henry Frederick, der Thronanwärter starb mit 18. Der jünger Bruder Karl wurde 1625 als Charles I. König von England. Sie wurde wie für englische Königstöchter üblich von loyal zum Königshaus stehenden Adligen erzogen.

Ihre letzte Erziehungsstation war die Familie von Lord John Harington und seiner Frau Anne. Lord John war ein Patensohn von Elisabeth I. Die Familie war streng protestantisch. Sie lebte auf deren Gut Combe Abbey, einer ehemaligen Zisterzienserabtei, die

Lord John zu einem Herrenhaus umgebaut hatte.Dort lernte sie schreiben, reiten und die Fremdsprachen italienisch und französisch. 1608 zog sie an den englischen Königshof, wo sie eine enge Bindung zu ihrem Bruder Henry Frederick hatte.

Am 14. Februar 1613 wurde in der Kapelle des Whitehall Palace die Ehe zwischen dem Kurfürsten Friedrich V. und Elisabeth Stuart geschlossen. Anlässlich der Hochzeit gab es aufwändig inszenierte Feierlichkeiten in London und in England. Dies erschien auch

als ein deutliches Signal gegen die katholisch-habsburgische Vormachtstellung in Europa. Von der protestantischen Bevölkerung wurde das euphorisch wahrgenommen, was eine Fülle von Flugblättern, Pamphleten und Traktaten unterstreicht.

In London wurde die Hochzeit mit einem großen Feuerwerk auf der Themse gefeiert. Über Vlissingen/Zeeland reisten sie nach Den Haag weiter, wo sie von Maurits von Nassau, dem Onkel des Kurfürsten und Statthalter der Niederlande begrüßt wurden.

Rheinaufwärts fuhr man dann auf drei Schiffen bis Oppenheim. Die Feierlichkeiten in Heidelberg dauerten mehrere Tage. Die prunkvollen Feierlichkeiten verschlangen Unsummen.

Nach der Hochzeit baute das junge Paar seien Hauptstadt Heidelberg  zielstrebig zu einer barocken Musterresidenz aus. In der Heidelberger Residenz wurde der “Englische Bau” errichtet und mit dem 1615 erbauten Elisabethentor erhielt die englische Königstochter einen separaten Eingang in die Residenz. Dann begann man mit dem weithin berühmten Hortus Palatinus, einem Hofgarten. Baumeister war der normannische Gartenarchitekt Salomon de Caus.

Am 1. Januar 1614 gebar Elisabeth  einen Sohn, das auf den Namen Friedrich Heinrich getaufte   erste Kind, dem zwölf weitere Folgen sollten.

Der Hochzeitsvertrag hatte der Königstochter Elisabeth eine Sonderstellung zugesichert. Das führte immer wieder zu Reibereien mit ihrer Schwiegermutter  Luise Juliane. Die Wogen glättete dann immer sein Hofrat. Zusammen mit seiner englischen Frau spielte er die Rolle von Ersatzeltern für das junge Kurfürstenpaar. Im privaten Umfeld schottete Hans Meinhard von Schönberg den Kurfürsten ab, im politischen Bereich stellte Christian von Anhalt die Weichen. Als Meinhard am 3. August 1616 plötzlich starb,war das ein schwerer Verlust für den Kurfürsten. Seine Frau war schon kurz nach der Geburt des einzigen Kindes Friedrich von Schönberg, des späteren Feldherrn und Marschall von Frankreich, gestorben.

Mit seinem 18. Geburtstag übernahm Friedrich die Regierung. Die Regierungsgeschäfte führte aber der Oberrat, ein Gremium aus drei adligen und drei gelehrten bürgerlichen Räten, außerdem der Hofmeister, der Marschall und der Kanzler. Unter den Räten war

Dr. Ludwig Camerarius der wichtigste Mann. Er war schon Friedrich IV. 1598 in den Oberrat berufen worden. Zunächst war er überwiegend mit rechtskundlichen Aufgaben betraut. 1603 wurde er in die pfälzische Reichsgesandtschaft aufgenommen. Er wurde zum wichtigsten Diplomaten der Kurpfalz für die Äußere Politik innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches.

Ein verstörendes Erlebnis hatte Friedrich V. kurz nach seiner Regierungsübernahme. Er weilte auf einer Sitzung der Union in Heilbronn, als er von einem heftigen Sumpffieber ergriffen wurde. Er erholte sich zwar rasch, doch erlitt er einen Rückfall, der ihn fast das Leben gekostet hätte. Diese Krankheit veränderte auch seine Persönlichkeit. Er Wirkte nun äußerlich schon kraftlos, schläfrig und kränklich. Seiner Umgebung fiel sein melancholischer, ja fast depressiver Charakter auf.

Am 22. Dezember 1617 wurde Karl Ludwig, der zweite Sohn, in Heidelberg geboren. (+ 22.8.1680)

Ein Jahr später kam das dritte Kind, Elisabeth am  26. Dezember 1618 in Heidelberg zur Welt. (+ 8.2. 1680)

Die politische Großwetterlage verdüsterte sich zunehmend. Der Augsburger Religionsfriede von 1555 wurde immer brüchiger. Die Lage wurde noch komplizierter durch die Ausbreitung des Calvinismus, der im Religionsfrieden “verfassungsrechtlich” gar nicht berücksichtigt war. Ottheinrich (regiert von 1556-1559) führte die lutherische Konfession in der Kurpfalz ein. Sein Nachfolger Friedrich III. von Pfalz-Simmern (reg. 1559-1576) führte den Calvinismus in der Kurpfalz ein. Sein Nachfolger Friedrich IV., der Vater von Friedrich V., führte einen erneuten Bekenntniswechsel zurück zum Luthertum durch. Sein früher Tod hatte zur Vormundschaft von Johann II. von Pfalz-Zweibrücken geführt. (s.o.) Dieser hatte das calvinistische Bekenntnis seines Vaters Friedrichs III. beibehalten.

Er benutzte die Vormundschaft, um das reformierte Bekenntnis erneut in der Kurpfalz einzuführen.

In den katholisch gebliebenen Territorien setzte verstärkt die Gegenreformation ein. Die zunehmende Verhärtung zeigte sich auch in der illegalen Besetzung der lutherischen Reichsstadt Donauwörth durch Truppen des katholischen Herzogs Maximilian von Bayern 1607 . Das wiederum führte zur Gründung der protestantischen Union durch Friedrich IV. (s.o.) Der von 1609 bis 1614 schwelende jülisch-klevische Erbstreit hätte das Reich beinahe in einen Krieg gestürzt. Bei diesem Streit mischten auch die kurpfälzischen Berater kräftig mit. Christian von Anhalt, seit 1595 in den Diensten von Friedrich IV. einigte sich im Winter von 1609 auf 1610 mit Heinrich IV. auf ein gemeinsames militärisches Vorgehen mit Frankreich im jülisch-klevische Erbstreit. Hans Meinhard von Schönberg nahm an der Belagerung von Jülich als „Obrister über die Artillerie, Fortification und ein Regiment Fußvolk“ teil und trug entscheidend zum Gelingen bei.  Der Streit endete 1614 mit einem Kompromiss. Der nächste Konflikt stand schon bevor.

In den böhmischen Kronlanden der Habsburger sah sich das Haus Habsburg als Schutzmacht des Katholizismus. Böhmen war aber überwiegend protestantisch. Matthias von Habsburg wurde am 23.Mai 1611 zum König von Böhmen gekrönt. Matthias, seit 1612 Kaiser, hatte keine Erben.1618 schlug er seinen Cousin Erzherzog Ferdinand zum böhmischen König vor. Er wurde auch von den böhmischen Ständevertretern gewählt, obwohl bekannt war, dass Erzherzog Ferdinand in seinen österreichischen Ländern die Gegenreformation betrieben hatte. Nach der Wahl wurde der Einfluss der Protestanten massiv beschnitten. Sie forderten nun gemäß den 1609 gewährten „Majestätsbriefes“ für sich die freie Religionsausübung, Königswahl und Landtagseinberufung. Diese Forderung wurde in Wien ignoriert. Nun brach der böhmische Ständeaufstand aus, symbolträchtiger Höhepunkt, der zweite Prager Fenstersturz. Am 20. März 1619 starb Kaiser Matthias in Wien. Nun verweigerten die böhmischen Stände Ferdinand den Anspruch auf die Wenzelskrone und erklärten ihn für abgesetzt. Der Prager Landtag verabschiedete eine neue Ständeverfassung für Böhmen,wichtigster Punkt die Wahl eine neuen Königs. Nun kam auch der Pfälzer Kurfürst ins Spiel. Christian von Anhalt hatte von seinem Amtssitz in Amberg aus  schon seit 1618  geheime Beziehungen nach Prag gepflegt. Er hatte für die böhmischen Stände Militärhilfe organisiert. Er verhandelte mit den Ständen auch über die Krönung eines neuen Monarchen. Mitte 1619 empfing Friedrich und Christian in Amberg eine Prager Delegation, die Friedrich die böhmische Krone antrug. Eine Annahme dieses Gesuchs würde natürlich eine Provokation des Kaiserhauses bedeuten. Auch der Heidelberger Oberrat fand in seinem Gutachten mehr Risiken als Chancen gegen in einer böhmischen Kür. Sein Schwiegervater Jakob sagte Friedrich klar, dass er von England keine Hilfe erwarten dürfe. Die übrigen Fürsten der Protestantischen Union reagierten ablehnend auf das Vorhaben. Sein katholischer Verwandter aus der bayrischen Linie der Wittelsbacher, Herzog Maximilian von Bayern (1598–1651), warnte ihn brieflich klar und deutlich vor der Annahme der böhmischen Krone und erklärte “dass ich der Erste bin, der gegen die Böhmen undt Ihren unrechtmässigen König zu Veldte zieht” Sein Kanzler Christian und  seine Frau Elisabeth bestärkten Friedrich in seinem Vorhaben, wobei nicht klar ist, wie stark die Rolle seiner Frau bei dieser Entscheidung war. Als Friedrich zustimmte, wählten ihn die die böhmischen Stände am 27. August 1619 zu ihrem  König, genau einen Tag vor der Kaiserwahl Ferdinands II. in Frankfurt. 

Mit seiner schwangeren Frau und einem Gefolge von über 500 Leuten zog Friedrich in Prag ein und wurde begeistert empfangen. Der Jubel währte aber nicht lange. Die böhmischen Stände wollten ihre Macht nicht mit einem Monarchen teilen. Das Volk fühlte sich getäuscht, weil Friedrich sein Versprechen, die Religionsfreiheit zu achten, brach. Die calvinistischen Ideen wurden mit Gewalt verbreitet.Der Bildersturm im Prager Veitsdom Ende 1619 bildete einen traurigen Höhepunkt.

Auch außenpolitisch war Friedrich schnell isoliert. Die Unionsfürsten waren schon im Vorfeld der böhmischen Kür gegen eine solche und lehnten eine militärische Hilfe ab. Sein Schwiegervater hatte ihm im Vorfeld ja auch erklärt, dass er keine Hilfe erwarten könne. Kaiserliche Truppen mit spanischer Verstärkung rückten in Böhmen ein. Der sächsische Kurfürst Johann Georgs I. (1611–1656), dem die böhmische Krone von den gemäßigten protestantischen böhmischen Ständen ebenfalls angetragen worden  war, die er aber abgelehnt hatte, überrannte die Lausitz und Schlesien.

Friedrich verfügte nur über eine schlecht ausgerüstete Armee. Vor allem fehlte ihm Geld, so dass er den Sold nicht zahlen konnte. Einige verkauften ihre Waffen an den Feind. Andere desertierten. Durch einen Spion erfuhr Friedrich, dass die Kaiserlichen direkt auf Prag vorrücken wollten. Er ließ daher sein Heer unter Führung Christian von Anhalt auf dem Weissen Berg, einer Anhöhe vor Prag Stellung beziehen. Diese bot zwar einen strategischen Anhalt. Doch das Zahlenverhältnis sprach gegen ihn. 21.000 seiner Soldaten standen 28 000 Mann der Kaiserlichen gegenüber und wurden auch schnell überrannt. Die Schlacht war verloren und Friedrich floh noch in der Nacht mit seiner Familie aus Prag.

Zunächst floh er mit seiner Familie nach Brandenburg und Wolfenbüttel.   Als er in Küstrin in Brandenburg angekommen war, quittierte sein Kanzler Christian von Anhalt seinen Dienst.

Am 29. Januar 1621 wurde die Reichsacht über Friedrich  verhängt. Das war ein Verfassungsbruch des Kaisers. Die protestantischen Fürsten protestierten zwar dagegen. Der Protest wurde aber von Ferdinand zurückgewiesen und gleichzeitig die Abrüstung  der

protestantischen Truppen verlangt. Im März floh er schließlich ins Exil nach Holland.   Seine Gastgeber atmeten auf, denn wer  einen Geächteten unterstützten,war mit Sanktionen bedroht.Im April 1621 löste sich die Union auf. Im Sommer trat Johann II. von Pfalz Zweibrücken, der nach dem Tod von Friedrichs Vater die Vormundschaft für Friedrich übernommen hatte, als Statthalter der Kurpfalz in Heidelberg zurück. Die räumliche Distanz Friedrichs verhinderte  ein direktes Eingreifen Friedrichs. Weil die Lage aber für seine
Erblande immer bedrohlicher geworden war, ging er in der Nacht vom 2. auf den 3. April 1622 heimlich, mit nur zwei Begleitern aus seinem Exil über Calais nach Paris. Von dort reiste er weiter in die Südpfalz. Dort traf er auf die Truppen seines Heerführers General Ernst von Mansfeld. Diesen gab er sich zu erkennen. Er richtete  von dort aus auch gleich mehrere Schreiben an die evangelischen Fürsten. Er wollte die aufgelöste evangelische Union wiederbeleben. Graf von Mansfeld war seit 1610 immer für Gegenspieler des Hauses Habsburg tätig. Er hatte auch in Böhmen gekämpft. An der Schlacht am Weissen Berg hatte er aber nicht  persönlich teilgenommen, was ihm mit 100.000 Gulden aus der gegnerischen Kasse vergütet wurde. Seit dem Frühjahr 1621 diente er dem geächteten Friedrich. Am 27. April 1622 schlug er bei Mingolsheim den bayerisch-ligistischen Generalleutnant Tilly. Dieser Sieg und die persönliche Anwesenheit Friedrichs gaben der  pfälzischen Sache nochmals großen Auftrieb. Aber schon am  6. Mai 1622 erlitt  Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach bei Wimpfen eine vernichtende Niederlage. In dieser Schlacht waren für Friedrich nur die von Georg Friedrich aufgestellten und angeworbenen Truppen beteiligt. Von Manfelds Armee konnte nicht eingreifen. Einen weiteren Monat später konnte Tilly die Vereinigung der Armeen von Mansfeld und Christians von Braunschweig –Wolfenbüttel verhindern und schlug auch die Armee Christians. Diese beiden Niederlagen sowie ein dramatischer Mangel an Lebensmitteln wendeten das Blatt zu Ungunsten von Friedrich. Im Mai Juni überfiel von Mansfeld Darmstadt im Namen des Winterkönigs und nahm den Landgrafen als Geisel. Damit brachte Friedrich die lutherischen Staaten Europas gegen sich auf. Sein Schwiegervater Jakob  war empört und forderte Friedrich ultimativ auf, den Landgrafen sofort frei zu geben. Von Mansfeld überzeugte Friedrich schließlich,dass die pfälzischen Erblande nicht mehr zu halten waren. Er kehrte am 18. Juni 1622 nochmals nach Heidelberg zurück und ließ die 1619 verbliebenen Wertgegenstände und Akten nach Den Haag transportieren. Nach der Eroberung Heidelbergs im September 1622 fanden die Eroberer nur noch ein leeres Schloss vor. Den Sommer 1622 verbrachte Friedrich in Sedan, wo er ja seine Ausbildung erfahren hatte. Sehr ungern ging er im Oktober zurück in die Niederlande. Zum Jahreswechsel 1622/23 bildete Friedrich in Den Haag eine Exilregierung gebildet, zu deren Chef er Ludwig  Camerarius (s.o) ernannte. In Den Haag war Friedrich völlig auf die finanzielle Unterstützung seiner niederländischen und englischen Verwandtschaft angewiesen. Und dort befand er sich im Spannungsfeld widerstrebender Forderungen. Seine niederländischen Gastgeber waren für eine Fortsetzung des Krieges. Sein Schwiegervater wollte, dass Friedrich sich mit seinen Gegnern friedlich verglich. England und Spanien hatten im Mai 1623 einen Waffenstillstand für die Pfalz ausgehandelt. Friedrich weigerte sich zunächst von den Niederländern bestärkt, diesen zu ratifizieren. Erst als Jakob VI. mit ernsthaften Konsequenzen aus London drohte, musste Friedrich im November 1623 unterschreiben.

Schon im Februar 1623 hatte Kaiser Ferdinand II.die Pfälzer Kurwürde auf den Bayernherzog Maximilian übertragen. Um die politischen Tagesgeschäfte kümmerte sich Friedrich kaum, worüber sich Camerarius bitter beklagte. Einen regelrechten Geiz entwickelte er, wenn es um finanzielle Zuwendungen für seine Administration ging. Seine Hofhaltung verschlang aber Unsummen, für die von den Niederländern und London bewilligten Zahlungen meist nicht reichten. Ende 1620 baute er sich noch eine eigene Residenz in Rhenen

Das hatte für ihn den Vorteil, fernab des politischen Geschehens und der kritischen Blicke seiner Gastgeber zu sein.  Den größten Teil seiner Seit verbrachte er beim Jagen, auf langen Spaziergängen oder beim Schwimmen.

Der härteste Schicksalsschlag traf ihn am 17. Januar 1629, von dem er sich körperlich erst nach 15 Monaten erholte, seelisch aber nicht mehr. Vor Zaandam kam sein erstgeborener Sohn Friedrich Heinrich bei einem Schiffsunglück ums Leben.

Friedrich Heinrich, Pfalz, Pfalzgraf Auf Friedrich Heinrich hatte nicht nur sein Vater sondern der gesamte pfälzische Exilhof große Hoffnungen gesetzt. In den Plänen zahlreicher Diplomaten spielte er eine wichtige  Rolle.

Er war früh durch seine außergewöhnliche Intelligenz aufgefallen, die zu den besten Aussichten für seine Zukunft als Herrscher berechtigten. Jakob VI. wollte den Konflikt in der Pfalz durch die Heirat seines Enkels mit einer Infantin des Madrider Hofs friedlich lösen.

Bis dahin waren auch alle Bemühungen Friedrichs um die Rückgabe seiner Gebiete in der Pfalz gescheitert. Als Gustav Adolf in den Krieg eingriff, konnte er nochmals Hoffnung schöpfen. Als die Schweden im Dezember 1631 Oppenheim eroberten, kehrte Friedrich wieder nach Deutschland zurück.

Im Februar 1632 traf Friedrich mit Gustav Adolf in Frankfurt zusammen, da er aber keine Unterstützung aus London und Den Haag erhalten hatte, konnte er dem Schwedenkönig nichts anbieten. Friedrich sollte dem schwedischen König huldigen und die Pfalz quasi als Lehen von dem schwedischen König

nehmen. Das aber lehnte Friedrich ab und verzichtete auf Restitution. Er begab sich in das schwedisch besetzte Mainz. Am 16. November 1632 starb Gustav Adolf in der Schlacht bei Lützen.  Jetzt erst hatte sich England entschlossen, eine kleine Streitmacht und finanzielle Unterstützung zu stellen.

Aber das kam jetzt alles zu spät. Friedrich starb am 29. November in Mainz an der Pest. Die Eingeweide Friedrichs wurden entnommen und im Westchor der Katharinenkirche von Oppenheim beigesetzt. Den Leichnam nahm Friedrichs Bruder Ludwig Philipp von Pfalz-Simmern auf der Flucht vor den anrückenden Spaniern ins sichere Sedan mit.  Wo Friedrich dort dann beigesetzt wurde, ist bis heute unbekannt.

Der zweite Sohn Karl Ludwig wuchs im holländischen Exil in den Haag zusammen mit seinen Geschwistern auf. Dort war der Heidelberger Kurpfälzer Geheime und Oberrat Vollrad von Plessen, der Kurfürst Friedrich ins Exil begleitet hatte, sein Lehrmeister und Tutor.

Nach dem Tode seines Vaters 1632 wurde sein Onkel Ludwig Philipp von Pfalz-Simmern, der jüngere Bruder Friedrichs zum Vormund von Karl Ludwig. 1633 wurde er als Ritter in den englischen Hosenbandorden aufgenommen.

   

Die Schweden hatten die Pfalz 1632 wieder erobert und rückten im Mai 1633 wieder in Heidelberg ein. Ludwig Philipp hatte im April 1633 mit dem schwedischen Kanzler Oxenstierna einen Vertrag geschlossen, nach dem die Pfalz bis auf wichtige Plätze, an denen schwedische Garnisonen

verblieben, wieder den Erben Friedrichs V. zurückgegeben wurden. Aber schon nach der Schlacht von Nördlingen am 6. November 1634 zogen sich die Schweden auf linksrheinisches Gebiet zurück. Karl Ludwig flüchtete zusammen mit seinem Onkel über Saarbrücken nach Metz. Auf Rat seiner Mutter ging Karl Ludwig nach England, wo sein jüngerer Bruder Ruprecht am Hofe ihres Onkels Karl I. lebte. Dort war es  1648 zu einem 2. Bürgerkrieg gekommen, in dem Karl I. von Cromwell verhaftet wurde und nach einem Prozess zum Tode verurteilt und  am 30. Januar 1649 enthauptet wurde.

Karl Ludwig ging aufs Festland zurück zuerst zu seiner Mutter dann nach Kassel. Dort verlobte er sich mit Charlotte, der Tochter des hessischen  Landgrafen Wilhelm V. und der Landgräfin Amalie Elisabeth von Hessen. Die Heirat erfolgte am 12./22. Februar 1650 in Kassel. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor und zwar Karl II.(1651–1685), der spätere Kurfürst von der Pfalz.Dann folgte Elisabeth Charlotte, Prinzessin von der Pfalz (1652–1722), die1671 Herzog Philipp I. von Orléans, den Bruder von Ludwig XIV. heiratete und als Lieselotte von der Pfalz in die Geschichte einging.Das dritte Kind Friedrich wurde 1653 geboren und starb schon ein Jahr nach der Geburt. Die Ehe war nicht glücklich. Nach dem Tod des dritten Kindes verwies Charlotte ihren Mann  aus dem Schlafzimmer. Er wollte die Scheidung, doch Charlotte willigte nicht ein. Schließlich verstieß sie Karl Ludwig offiziell und proklamierte dies öffentlich.

Im September 1652 kam Louise Freifrau von Degenfeld als Kammerfräulein der Kurfürstin nach Heidelberg, die er nach der Scheidung von Charlotte in morganatischer Ehe heiratete.

Nach dem Westfälischen Frieden   erhielt   Karl Ludwig 1649 die Kurpfalz in verkleinerter Form wieder zurück. In der Religionsfrage wurde der Passauer Vertrag von 1552 sowie der Augsburger Religionsfriede von 1555 bestätigt.Die Kurpfalz war eines der vom Krieg am schwersten betroffenen Gebiete. Sie hatte fast die Hälfte ihrer Bevölkerung verloren. Er erhielt auch die Kurwürde zurück, allerdings nicht die bisherige. Diese war  mit dem Amt   des Reichsvikars und des Erztruchsessenamts verbunden gewesen   und die verblieb bei Bayern. In der Causa Palatina (IV. Artikel des    Osnabrücker  Friedensvertrag) wurde der 300 Jahre schwelende Konflikt zwischen der pfälzischen und bayrischen Wittelsbacher gelöst, in dem es darum ging, welche Linie als Kurfürsten an der Wahl des Königs teilnehmen sollte.   Im westfälischen Frieden wurde eine achte Kurwürde geschaffen. Es gab auch ein neues Amt dazu, das Erzschatzamt. Am 2. August 1652 wurde er Erzschatzmeister. Das war rangmäßig ein Abstieg. Die Pfalzgrafen rutschten in der Rangfolge der der weltlichen Kurämter vom ersten auf den letzten Platz. Noch schwerer wog auch der Verlust der Oberpfalz an Bayern, denn die war vor dem Krieg wirtschaftlich prosperierend und hatte vor allem, im Bergbau erhebliche Überschüsse erzielt.  Ein Erfolg war aber,  dass auch die calvinistische Konfession im Westfälischen Frieden als prinzipiell gleichberechtigt neben den Lutheranern und Katholiken anerkannt wurde. Karl Ludwig bestätigt am 10. Dezember 1650 den Lutheranern das Recht, ihre Religion auszuüben. Er mühte sich, den Neuaufbau der Kurpfalz nach den Zerstörungen des Krieges voranzubringen.

Am 1. November 1652 eröffnete Karl Ludwig die Heidelberger Universität wieder und übernahm das erste Rektorat. Er berief namhafte Professoren an die Universität wie Friedrich Spanheim den Jüngeren, Theologe und Kirchenhistoriker,Johann Heinrich Hottinger, Professor für das Alte Testament und Hebräisch, Johann Ludwig Fabricius, Professor für Systematische Theologie, Samuel von Pufendorf, für den Karl Ludwig einen Lehrstuhl für Natur und Völkerrecht einrichtete. Jacob Israel war Stadtphysikus in Heidelberg und lehrte an der Universität Physiologie, Anatomie und Chirurgie. Den einstigen weltruf konnte die universität aber trotz dieser Koryphäen nicht zurückgewinnen. Die Bibliothek musste neu aufgebaut werden nachdem Herzog Maximilian I.1622  nach München überführen wollte, nachdem Tilly Heidelberg erobert hatte. Er musste sie aber Papst Gregor XV. auf dessen ausdrücklichen Wunsch überlassen. Die wirtschaftliche Grundlage musste gewährleistet werden, neue Professoren berufen und Studenten angeworben worden. Das erste gedruckte Personal-und Vorlesungsverzeichnis wurde 1655 herausgegeben. Man bemühte sich vor allem um adlige Studenten, die das Recht auf freie Wohnungswahl und auch das Jagdrecht in den umliegenden Wäldern erhielten. 1653 ließen sich 127 Studenten einschreiben. Die Zahl ging aber ständig zurück, da es nicht gelungen war, die Universität auf eine gesündere wirtschaftliche Grundlage zu stellen.

Nach dem Tode des Kaisers Ferdinand III. 1657 übernahm Karl Ludwig das Amt des Reichsvikars, was allerdings auf heftigen Widerspruch seines Vetters Ferdinand Maria in München stieß, was beinahe in einem Waffengang endete.Die übrigen Kurfürsten vermittelten und verhinderten dies. Der Streit wurde dann erst 1724 endgültig beigelegt. Das Vikariat feierte Karl Ludwig mit Vikariatsprägungen.

1657 ließ sich Karl Ludwig auch von Charlotte scheiden, die diese Scheidung aber nie anerkannte. In diesem Jahr heiratetet er auch Louise von Degenfeld in Frankenthal. Aus dieser Ehe gingen dreizehn Kinder hervor, die aber nicht erbberechtigt waren, da Louise schon 1667 für sich und ihre Kinder auf alle Erbansprüche auf die Pfalz verzichtet hatte. Karl Ludwig gab ihr und den Kindern den Titel Raugrafen und stattete sie mit Lehen der erloschenen Raugrafschaft aus

Am 18. April 1659 wurde der Grundstein zur Providenzkirche gelegt. Sie entstand auf Initiative von Karl Ludwig und seiner Frau Louise. Sie wurde nach Plänen von Theodor Reber errichtet und erhielt den Namen Providenzkirche, nach dem Leitspruch Karl Ludwigs “Dominus providebit” (Der Herr wird sorgen) Sie wurde allerdings schon 1693 beim großen Stadtbrand im Rahmen des Pfälzischen Erbfolgekriegs zerstört, dann aber von 1715-1721 wieder neu aufgebaut.

Wichtigstes Bauprojekt wurde die Planung einer neuen Residenz, nachdem das Heidelberger Schloss im 30-jährigen Krieg zerstört worden war. Eine neue zeitgemäße Residenz sollte in Mannheim entstehen. Mit der Ausarbeitung der Pläne wurde der französische Architekt Jean Marot beauftragt.

Es wurde so zwar nie ausgeführt. Aber die Bedeutung Mannheims wuchs schlagartig, so sehr dass Karl Ludwig durchaus als zweiter Gründer Mannheims betrachtet werden kann. Mannheim profitierte auch von seiner konsequenten Ansiedlungspolitik. Mit vielen Privilegien und Anreizen wurden Siedler in die Kurpfalz gelockt. Die Konfession spielte kaum eine Rolle. Es kamen holländische, französische, englische und Schweizer Immigranten auch Mennoniten und zahlreiche Juden.

Die Verwaltung wurde reorganisiert. Die Kammergüter wurden rationell ausgenutzt. Für Sicherheit und Ordnung wurde gesorgt. Der Weinbau wurde wieder hergestellt. Tabak-und Kartoffelanbau wurden eingeführt. Eine Akzise wurde wieder erhoben, also eine Verbrauchersteuer. Karl Ludwig errichtete Manufakturen, wie z.B. in Frankenthal, wo über 20 Manufakturen entstanden z.B. eine Tuchmanufaktur und eine Porzellanmanufaktur.

Der Wiederaufbau der zerstörten und darniederliegenden Kurpfalz gelang relativ schnell. Es gelang ihm allerdings nicht trotz eiserner, fast an Geiz grenzender Sparsamkeit sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich die leeren Staatskassen wieder zu füllen zumal er auch ein stehendes Heer aufbaute.

1671 heiratete seine 19-jährige Tochter Elisabeth Charlotte von der Pfalz den Bruder des französischen Königs Ludwig XIV., Philipp von Orléans. Als Liselottes Bruder Karl II. 1685 kinderlos verstarb, machte Ludwig XIV. für seine Schwägerin Erbansprüche gelten, was zum Pfälzischen Erbfolgekrieges von 1688 bis 1697 führte und in dessen Verlauf die Kurpfalz verwüstet  und Schloss Heidelberg zerstört wurde.

Am 18. März 1677 verstarb Karl Ludwigs Frau Louise Freifrau von Degenfeld mit 42 Jahren. Karl Ludwig heiratete ebenfalls in morganatischer Ehe Elisabeth Holländer von
Berau, Tochter des Tobias Holländer, der Säckelmeister und Bürgermeister von Schaffhausen. Mit ihr hatte er einen Sohn.

Außer zu seiner jüngsten Schwester Sophie von Hannover hatte er zu seinen Geschwistern kein besonders gutes Verhältnis. Seinem Bruder Rupert hatte er 1657 das Betreten des Heidelberger Schlosses ausdrücklich verboten.

Karl Ludwig starb am 28. August 1680 bei Edingen.

Elisabeth wurde am 26. Dezember 1618 in Heidelberg geboren. Sie wurde zunächst von ihrer Großmutter Kurfürstin Luise Juliane von Oranien in Heidelberg erzogen. Nach der Schlacht am Weissen Berg brachte sie Elisabeth zu ihren nach Berlin geflohenen Eltern.

Die Eltern zogen weiter ins Exil nach Den Haag. Elisabeth blieb 1627 am kurfürstlichen Hof in Brandenburg, wo ihre Tante Elisabeth Charlotte (1597-1660) mit dem brandenburgischen Kurfürsten Georg Wilhelm lebte, den sie 1616 in Heidelberg geheiratet hatte. Elisabeth lebte 8 Jahre

In Berlin und Kossen. Für ihre Erziehung war ihre Großmutter und ihre Tante Katharina Sophie zuständig, die von calvinistischer Frömmigkeit geprägt war. 1627 kam sie zu den Eltern zurück in den Exilhof von Den Haag. Die durchweg begabten Kinder des Winterkönigs und seiner Frau

erhielten im Prinzenhof in Leiden eine vorzügliche Erziehung. Neben Gouvernanten und Erziehern kümmerte sich auch Lehrkräfte der Universität von Leiden um die umfassende Bildung der Kinder. Der Heidelberger Katechismus stand genauso auf dem Stundenplan wie Lektionen in Geschichte, Mathematik und Recht. Fremdsprachen auf dem Programm aber auch Reiten und Ballett und Gesang für die Mädchen. Erbprinz Friedrich Heinrich und die Prinzessin Elisabethstachen  durch besondere Geistesgaben hervor.  Friedrich Heinrich kam ja 1629 bei einem Schiffsunglück ums Leben.

Nach dem Tod Friedrichs 1632 kamen alle Kinder an den Hof der Mutter nach Den Haag zurück. Die Söhne verließen nach und nach das Haus der Mutter. Die Prinzessinnen beherrschten verschiedene Sprachen, wie Lateinisch, Italienisch, Spanisch, Holländisch, Englisch, Französisch und Deutsch.

Als Elisabeth kaum fünfzehn Jahre alt war, warb König Ladislaus IV. von Polen um ihre Hand. Sie gab ihm nicht das Jawort, auch weil das für sie bedeutet hätte, katholisch zu werden, worauf die polnische Geistlichkeit und der Reichstag bestanden.

Elisabeth war die Gelehrteste. Sie wandte sich  der Philosophie zu, stand in Briefwechsel mit Anna Maria von Schurmann, einer der gelehrtesten Frauen ihrer Zeit. 1619 begann sie die Schriften von Descartes zu lesen. 1640 wurde Descartes an Elisabeths Hof in Den Haag eingeführt.

Der Wegbereiter der Aufklärung nahm seinen Wohnsitz ganz in der Nähe der kurpfälzischen Prinzessin. 1644 widmete ihr Descartes sein Hauptwerk über die „Prinzipien der Philosophie“.  Die beiden blieben in jahrelangem Briefwechsel verbunden. Die Verbindung blieb bestehen bis zum Tod von

Descartes im Jahr 1650. Descartes übernahm ihre Korrekturen und Vorschläge oft als gute Verbesserungen in seine Arbeiten. 1645 trat ihr Bruder Prinz Eduard von Pfalz zum Katholizismus über, was sie als überzeugte Kalvinistin stark betroffen gemacht hat.

1646 ermordete ihr Bruder Prinz Philipp von der Pfalz (1627 bis 1650) in Den Haag auf offener Straße den Marquis de l’Epinay, einen Günstling seiner Mutter , die angeblich ein Liebesverhältnis zum dem Franzosen unterhalten hatte. Das führte zum Bruch mit ihrer Mutter und sie ging zusammen mit ihrer Schwester Henriette Marie von der Pfalz (1626-1651) von 1646 bis 1647 und 1648 an den Hof ihres Vetters, des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, wieder nach Berlin .

Schwer zu schaffen machte ihr auch das Schicksal ihres Onkels König Karl I. in England. König seit 1625 wurde er 1649 zum Tode verurteilt und am 30. Januar hingerichtet.

Nachdem ihr Bruder Karl Ludwig 1649 die Kurpfalz wieder zurückerhalten hatte, konnte auch Elisabeth 1650 wieder nach Heidelberg zurückkehren. Schnell nahm sie Kontakt zu den Professoren an der wieder eröffneten Universität auf. Sie soll sogar Studenten um sich gesammelt haben und mit

ihnen über die Lehren von Descartes zu sprechen.

In diesem Jahr wurde auch ihre Schwester Louise Hollandine (1622-1709) als Kanonisse in das Stift Herford aufgenommen. 1652 wurde ihr das Amt als Küsterin übertragen ihre Wahl zur Koadjutorin wurde aber von der regierenden Äbtissin, ihrer Cousine  Elisabeth Luise Juliane von Pfalz-Zweibrücken, verhindert.

Häusliche Zwietracht in Heidelberg, die unglückliche Ehe ihres Bruders und die anschließende Heirat mit Louise Freifrau von Degenfeld veranlassten Elisabeth, aus Heidelberg weg zu gehen. Wieder in Brandenburg betrieb sie von dort aus energisch ihre Aufnahme in das Stift Herford, unterstützt

vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Sie sollte dort Koadjutorin werden. Aber wie schon bei Louise Hollandine  versuchte die Äbtissin dies  wohl die Konkurrenz Prinzessin Elisabeths fürchtend  zu verhindern. Aber schließlich konnte Kurfürst Friedrich Wilhelm die Wahl durchsetzen und Elisabeth wurde am 01.05.1661  zur Koadjutorin der Fürstabtei Herford gewählt. Aufenthalte der Koadjutorin sind für die Jahre 1661, 1662, 1664, 1665 und 1666 in Herford nachweisbar.

Sie pendelte zwischen ihren Verwandten, der hessischen Landgräfin Hedwig Sophie, Tochter des brandenburgischen Kurfürstenpaars,  dem brandenburgischen Hof in Berlin und ihrer Schwester Sophie in Iburg.

Am 28.03.1667 starb Äbtissin Elisabeth Luise . Einen Monat später, am 30.04. 1667 wurde Prinzessin Elisabeth von der Pfalz feierlich als neue Fürstäbtissin des Reichsstiftes Herford inthronisiert.

Zwischen 1657 und 1669 hatte sich unter Jean de Labadie die Glaubensgemeinschaft der Labadisten gebildet. Sie wichen kaum von der Lehre der reformierten Kirche ab, strebten aber einem katholisch-klösterlichen Lebensideal nach und lebten in Gütergemeinschaft von Händearbeit.

Dieser Sekte hatte sich inzwischen Anna Maria von Schurmann angeschlossen, ihre Briefpartnerin aus Leiden. Nach der Ausweisung aus Amsterdam machte sie Labadie und seine Glaubensgenossen auf die Fürstäbtissin in Herford aufmerksam.

Bei den Labadisten wohnten Männer und Frauen in einem Haus, was den Verdacht der Vielweiberei erweckte. Dazu kam, daß die Labadisten die Gütergemeinschaft eingeführt hatten.

Die Äbitissin hatte der Gemeinde ein Haus zugewiesen, allerdings ohne den Rat und die Geistlichkeit der Stadt Herford von der Übersiedlung der Labadisten zu benachrichtigen. Sie sah sich dazu nicht verpflichtet, da sie ja Souverän ihres kleinen Territoriums war, das allerdings innerhalb der Stadtmauern lag.  Angesichts des schlechten Rufes, den die Labadisten hatten, verlangte die Bürgerschaft die sofortige Ausweisung und brachte die Angelegenheit vor das kaiserliche Reichskammergericht zu Speyer. Dieses entschied so schnell wie selten,dass die Äbtissin  bei Androhung der Reichsacht und einer Strafe von 30 Mark Gold die sofortige Ausweisung Labadies zu verfügen habe. Sie behielt die Labadisten zwar weiterhin unter ihrem Schutz aber nicht mehr in Herford sondern auf ihrem Landgut außerhalb der Stadt. Nachdem die Labadisten im Juni 1672 nach Altona weiterzogen, versöhnten sich die Äbtissin und die Stadt.

Die tolerante Haltung Elisabeths war auch den Quäkern nicht verborgen geblieben, einer anderen Religionsgemeinschaft, die in dieser Zeit in England ihren Ursprung nahm. Sie waren ebenfalls verfolgt und unterdrückt. Ihr Gründer William Penn reiste auch nach Herford, wo er die Äbtissin besuchte und drei Tage lang blieb. Der Briefwechsel dauerte bis zum Lebensende von William Penn.

Auch in in ihren letzten Lebensjahren stand sie mit zwei der bedeutendsten Philosophen in Verbindung.Mit dem Franzosen Malebranche und dem Deutschen Leibniz pflegte sie einen Briefwechsel.

Ihr wissenschaftliches Interesse schlug sich auch im weiteren Ausbau der Herforder Bibliothek nieder, die aber bei der Säkularisation zugrunde ging.

1679 wurde Elisabeth bettlägerig. Sie litt an Wassersucht und seit ihrer Jugend an Rheumatismus.Kurz vor ihrem Tode versöhnte sich aber mit ihrem Bruder Karl Ludwig.

Im Februar 1680 verstarb sie.m Im Münster von Herford wurde sie bestattet.

Ruprecht von der Pfalz wurde am 27. Dezember 1619 in Prag geboren. Ein Jahr später ging die Schlacht am Weißen Berg verloren. Friedrich V. wurde von den kaiserlichen Truppen unter General Tilly vernichtend geschlagen. Die königliche Familie machte sich auf die Flucht.

Es herrschte wohl ein heilloses Durcheinander. Man vergas sogar, den elf Monate alten Säugling Ruprecht mitzunehmen. Ein Kammerherr fand den schlafenden Prinzen und packte ihn auf den letzten Fluchtwagen. Nach der Flucht über Brandenburg und Wolfenbüttel lebte er bei seiner Mutter im holländischen Exil am Hofe seines Großonkels Friedrich Heinrich von Oranien. Er studierte in Leiden und erhielt natürlich die selbe vorzügliche Ausbildung wie seine Geschwister. Er interessierte sich vor allem für militärische Angelegenheiten. Schon im Alter von 13 Jahren schloss er sich 1633 der holländischen Armee an. In den Kämpfen gegen Spanien  war er bei der Belagerung von Rheinberg dabei. Er war Soldat in der Leibwache des Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien, seines Großonkels. Er kämpfte bei der Belagerung von Tienen (Tirlemont ) mit, das 1635 fast völlig zerstört wurde. Auch an der Belagerung von Löwen (Louvain) nahm er teil.

1635 begleitete er seinen Bruder Karl Ludwig zu ihrem Onkel Karl I. nach England. Als Neffen des Königs erhielten sie hohe Gnadenbeweise. So wurde Ruprecht von der Universität Oxford zum Magister Artium promoviert. Der Erzbischof von Canterbury und Berater des englischen Königs William Laud

wollte ihm ein Bistum anbieten und Thomas Howard, der 21. Earl of Arundel, der auf der Hochzeitsreise seiner Eltern 1613 von London nach Heidelberg dabei war, wollte ihm eine Expedition nach Madagaskar unterstellen.

1637 kehrten die beiden aus England zurück.Ruprecht kämpfte wieder ihm holländischen Heer und nahm an der Belagerung und Rückeroberung von Breda teil.

Karl Ludwig hatte mittlerweile ein kleines Heer aufgestellt. Zu diesem begab sich Ruprecht nach der Einnahme von Breda. Von Karl Ludwig erhielt Ruprecht den Befehl über ein Kavallerieregiment. Militärisch war das Unternehmen allerdings nicht erfolgreich.

Seine Herrschaft in Meppen, die Karl Ludwig mit englischem Geld gekauft hatte, verlor er an die Kaiserlichen. Am 7./17.10. 1338 wurde er bei Vlotho an der Weser von Melchior Graf Hatzfeldt vernichtend geschlagen. Er entkam konnte über Hamburg . Ruprecht aber geriet in Gefangenschaft.

Für drei Jahre war er habsburgischer Staatsgefangener in Linz an der Donau. Die Haftbedingungen waren erträglich.Immerhin hatte er Zeit, sich mit Zeichnen und Malen zu beschäftigen. Er erfand  ein Gerät, welches perspektivisches Zeichnen einfacher machte.  Er war technisch nicht unbegabt und hat einige Erfindungen gemacht, über die noch zu reden sein wird. Sein Onkel Karl erreichte über diplomatische Kanäle die Freilassung bei Kaiser Ferdinand III. Er musste sein Ehrenwort geben, nie wieder gegen Habsburg zu Felde zu ziehen. Daran hielt er sich.

Ruprecht kehrte nach England zurück. 1642 wurde er von Karl I. als Ritter in den Hosenbandorden aufgenommen. 1642 brach in England ein blutiger Bürgerkrieg aus zwischen den Königstreuen, den „Kavalieren“, einerseits und auf der anderen Seite den Anhängern des Parlaments, den Republikanern oder Puritanern unter Oliver Cromwell. Er kämpfte für seinen Onkel. In den ersten Gefechten errang er wichtige Erfolge für den englischen König. Ruprecht hatte taktisches Talent und war tollkühn. 1643 eroberte er Bristol. Sein jüngerer Bruder Moritz war jetzt immer dabei und focht in allen Schlachten mit.

Im Januar 1644 ernannte ihn Karl I. zum Herzog von Cumberland. Er nahm Lancashire ein. Am 2. Juli 1644 fand in der Nähe von York die Schlacht von Marston Moore statt. Das war eine der entscheidenden Schlachten des englischen Bürgerkriegs.Die verlor Ruprecht. Ganz Nordengland ging für die Royalisten verloren. Ruprecht hatte am englischen Hof einige Gegner und das war natürlich Wasser auf deren Mühle. 1645 kann er zwar Leicester einnehmen, erlitt aber nur einen Monat später bei Naseby eine schwere Niederlage. Die militärische Lage in Bristol wurde aussichtslos und er übergab deshalb die Stadt im September 1645 an Lord Fairfax, dem kommandierenden General des Parlamentsheeres. Sein Onkel tobte und entzog ihm das Kommando. Das empfand Ruprecht als Schmach und wollte vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Er wurde zwar freigesprochen, hatte aber die Gunst des Königs verloren. Er bekam ein Angebot der Republik Venedig, die ihn als General haben wollte.Das englische Parlament stellte aber keinen Pass aus. Oxford seit der Vertreibung Karls aus London 1642 Regierungssitz des Königs fiel 1646. Das Parlament verwies nun Ruprecht und seinen Bruder Moritz des Landes. Die beiden gingen nach Frankreich. Er kämpfte dann in der französischen Armee und machte dort den niederländischen Feldzug mit. Bei der Belagerung von La Bassée durch Marschall de Gassion 1647 wurde er verwundet. Er wurde dann von Karl II., dem Prinzen von Wales zum Admiral der königlichen Flotte ernannt. In Irland errichtete er einen Stützpunkt in Kinsale. Von dort aus versorgte er eine kleine royalistische Garnison unter John Grenville auf den Scilly Inseln. Von dort aus führte er auch einen Kaperkrieg gegen englische Schiffe zwischen Kinsale und Lissabon und Toulon und den Kapverdischen Inseln. Ihr Seekrieg gegen das Parlament wurde allmählich zur Plage. Aber der Kommandeur der englischen Flotte Admiral Blake brachte ihm eine Niederlage bei. Er zog sich dann nach Westindien zurück. Von dort aus führte er seinen Kaperkrieg fort. Im Spätherbst 1652 sank das Schiff seines Bruders Moritz in einer Sturmnacht bei den westindischen Inseln. Moritz blieb verschollen. Auch auf seinen Kaperfahrten war er immer an Natur und Naturwissenschaft interessiert. Er beobachtet fliegende Fische, Delfine und Haie, staunte über riesige Bäume auf den Inseln und machte wissenschaftliche Beobachtungen – seine diesbezüglichen Interessen erwiesen den Prinzen auch als Naturforscher. Geld haben seine Kaperfahrten aber unterm Strich nicht eingebracht. Er brachte nur noch ein Schiff nach Europa zurück und das musste versteigert werden, um Schulden zu bezahlen.

Ruprecht gab 1653 seine Kaperfahrten auf und kehrte nach Europa zurück. Über Paris, wo er ostentativ gefeiert wurde, ging er nach Deutschland. Er ließ sich in Mainz nieder . Dort widmete er sich naturwissenschaftlichen Forschungen und der Kunst.

Er entwickelte verschiedene Arten von Schießpulver. Auch eine spezielle Legierung für den Kanonenguss stammte von ihm. Sie wurde unter dem Namen Prinzmetall bekannt. Auch die in England als Prince Ruperts Drops bekannten Bologneser Tränen werden mit ihm in Verbindung gebracht.

Er soll sie 1660 nach England gebracht haben. Das sind kleine Glastropfen, deren Kopf eine hohe mechanische Belastbarkeit aufweist. In der Kunst hatte sich Ruprecht die Technik der Schabkunst (Mezzotinto) angeeignet. Er erfand oder perfektionierte auch den “rocker”.  Damit wird eine zu bearbeitende Metallplatte aufgerauht.Anschließend wird die Farbe auf die gesamte Metallplatte aufgetragen und die Platte sauber gewischt. Die kleinen Vertiefungen, die beim Aufrauhen erreicht werden, behalten jedoch die Farbe und ermöglichen die Erzeugung von Halbtönen, wenn sie durch eine Druckmaschine mit Papier in Kontakt gebracht werden. Mit dieser Methode kann ein hohes Maß an Qualität und Reichtum erreicht werden.  Das ist eine Schlüsseltechnik im Mezzotinto. Wallerant Vaillant erlernte diese Technik bei Ruprecht, popularisierte sie und wandte sie geschäftsmäßig an.

Ruprecht nahm auch wieder Kontakt zu seinem Bruder Karl Ludwig auf. Er wollte von ihm, dass dieser ihm und seiner Mutter einen Besitz in der Kurpfalz zuweist von dem beide leben können. Er lebte ein Jahr auf dem Heidelberger Schloss, beging allerdings den Fehler, mit Luise von Degenfeld anzubändeln. Eine mäßige Rente, die ihm Karl Ludwig anbot,schlug er aus. Die Auseinandersetzungen im Hause Wittelsbach eskalierten. Von Testamentfälschung ist die Rede. Schließlich durfte Ruprecht ohne Erlaubnis des Kurfürsten nicht mehr aufs Heidelberger Schloss. Der Zwist wurde erst 1670 beigelegt aber nach Heidelberg kam Ruprecht nie mehr.

Ruprecht trat nun in den Dienst der Habsburger  und kämpfte als Feldmarschalleutnant mit eigenen Truppen im polnisch-schwedischen  Krieg gegen König Gustav von Schweden.König Gustav war übrigens der älteste Sohn des Pfalzgrafen von Zweibrücken, Johann Casimir und der Schwester Gustav Adolfs. Katharina. Sein Vater ein Freund und Verwandter von Friedrich V.

1660 änderten sich die politischen Verhältnisse in England. Dort kam Karl II., der Sohn des hingerichteten Karl I. wieder auf den Thron. Die Monarchie war wieder hergestellt. Ruprecht kehrte nun wieder nach England zurück. Der neue englische König war ein Vetter Ruprechts. In der Thronfolge stand Ruprecht an zweiter Stelle. Die beiden verstanden sich sehr gut. Er wurde Privatsekretär des Königs. Er übernahm noch einmal ein Flottenkommando. Er war „General-at-Sea“ im Rang eines Admirals. In Seeschlachten gegen die Holländer zeichnete er sich aus.

ER war der erste Gouverneur der 1670 gegründeten Hudsons’Bay Company, die so erfolgreich wurde, dass sie bald ein Monopol auf den gesamten Pelzhandel in Kanada haben sollte. Das rund 3,9 Millionen km²umfassende Territorium trug ihm zu Ehren den Namen Ruperts Land.

Er war nie verheiratet, hatte aber mit seiner Geliebten Frances Bard (1646–1708) einen Sohn Dudley Rupert Bard (auch Robert Dudley genannt, der 1686 bei der Belagerung von Ofen fiel. Um 1670 hatte er eine neue Geliebte die Schauspielerin Margaret Hughes (1630–1719). Mit ihr hatte er

eine Tochter Ruperta, die 1695 den englischen General und Botschafter in Hannover Emanuel Scrope Howe heiratete.

Ruprecht starb am 29. November 1682 in London und wurde in der Westminsterabtei neben seiner Mutter beerdigt.

Moritz von der Pfalz wurde am 6. Januar 1621 in Küstrin geboren. Die Familie befand sich auf der Flucht aus Prag nach Brandenburg. Alle mir verfügbaren online-Quellen zu Moritz setzen im englische Bürgerkrieg ein. Ruprecht hat das Kommando über die königliche Reiterei.

Moritz begleitete seinen Bruder treu ergeben auf all seinen Feldzügen und er erhielt von ihm immer ein Truppenkommando. Ihm wird ein „unbezähmbarer Raubtierblick“ nachgesagt. Er war in Edgehill (23. Oktober 1642)  und Marston Moor (2. Juli 1644) dabei. in Edgehill wurde er verwundet.

Zusammen mit Ruprecht wurde er 1648 des Landes verwiesen. Er kämpfte dann ebenfalls in der französischen und Habsburger Armee. Natürlich beteiligte er sich auch an den Kaperfahrten, die sein Bruder unternahm, erst in Europa und ab 1651 von der Karibik aus. Im Spätherbst geriet Moritz mit seinem Schiff in einen Hurrikan Er ging wohl mit Mann und Maus unter und blieb verschollen. Es gibt aber auch eine Legende über ihn, er sei mit riesigen Schätzen aus Peru und Mexiko in Richtung eines französischen Hafens unterwegs gewesen, kurz vorher aber in die Hände von Seeräubern gefallen, nach Algier verschleppt und im Inneren Afrikas verschwunden.

Er war mit Rose Poltenay verheiratet, mit der er eine Tochter Elisabeth Maria Fielding hatte.

 

Luise Hollandine wurde am 16. April 1622 als siebtes Kind von Friedrich V. und Elisabeth Stuart in Den Haag geboren. Sie war das erste Kind der Familie, dass im holländischen Exil geboren wurde und da die Generalstaaten die Patenschaft übernahmen, wurde sie Hollandine genannt.

Sie wuchs in Leiden auf und erhielt wie alle Kinder des Winterkönigs eine vorzügliche Ausbildung. Auch Malen stand auf dem Bildungsplan.Gerrit van Honthorst, der niederländische Maler unterrichtete die Königskinder und fand in Luise eine sehr begabte Schülerin, deren Talent eigentlich erst in den 80-iger Jahren gebührende Aufmerksamkeit fand. Natürlich war sie jetzt auch auf dem Hochzeitsmarkt. Einer ihrer Bewerber war der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm.

1650 wurde sie als Kanonisse in das Stift Herford aufgenommen. 1652 wurde ihr bereits das Amt als Küsterin übertragen. Ihre Wahl zur Koadjutorin wurde allerdings von der regierenden Äbtissin Elisabeth Luise von der Pfalz-Zweibrücken, ihrer Verwandten,

verhindert. Da hatte sie wegen ihres Maltalents bereits einen gewissen Ruf erlangt. Sie kehrte dann aber nach Den Haag zu ihrer Mutter zurück. Sie war das einzige Kind von Elisabeth Stuart, das noch bei seiner Mutter lebte. Am 19.Dezember 1657 verließ sie ihre Mutter fluchtartig und ging über Antwerpen nach Paris, wo ihre Tante Henriette Marie, die Gattin des hingerichteten englischen König Karl I. im Exil lebte. Sie trat zum katholischen Glauben über, ähnlich wie ihr Bruder Eduard, der diesen Schritt schon 1645 vollzogen hatte. Trotz der Konversion erhielt sie von den Generalstaaten

ein Gnadengehalt auf Lebenszeit. In Antwerpen war sie zuerst bei den Unbeschuhten Karmelitinnen. Dort wurde sie auch von ihrem Vetter König Karl II und dessen Schwester besucht und musste einige Vorwürfe wegen ihres Konfessionswechsels und die unschickliche Art, wie sie ihre Mutter verlassen hatte, über sich ergehen lassen. Ihr Bruder Eduard holte sie zunächst nach Rouen. Von dort ging sie dann weiter ins Kloster Chaillot, zu dem ihre Tante Henriette Marie eine besondere Beziehung hatte. Sie hatte in diesem Kloster eine Kapelle errichten lassen. In Chaillot war Mère Angelique Äbtissin, vor ihrem Eintritt ins Kloster Mademoiselle de la Fayette, Vertraute des französischen Königs Ludwig XIII.. Also neudeutsch “Connections” waren durchaus vorhanden. In Portroyal des Champs, einem zisterziensischen Frauenkloster trat sie im Beisein ihrer Tante am 25. März 1658 in die katholische Kirche ein.

Wie ihr Bruder Eduard Karl Ludwig berichtete, sei Luise Hollandine nie “zufriedener gewesen als jetzt. Auch der Kontakt zu ihren Schwestern wurde wieder enger. Luise wollte ins Kloster eintreten, das stand fest. Aber das kostete Geld. Von ihrer Mutter konnte sie genauso wenig erwarten wie von ihrem Bruder, dem Kurfürsten. Ihre Tante steuerte schließlich Geld bei und als Karl Ludwig sich bereit erklärte, eine monatliche kleine Pension zu bezahlen, war auch das finanzielle
Hindernis für einen Klostereintritt von Luise Hollandine beseitigt. Nach Fürsprache des französischen Königs und ihrer Tante wurde sie schließlich in das Zisterziensierinnenkloster Maubuisson in der Gemeinde Saint-Ouen-l’Aumône aufgenommen. Dazu vermerkt ihr Bruder Eduard etwas spöttisch:

„man hat uns eine andere Abtei, welche noch mehr wert ist, versprochen. Die Äbtissin ist nur 84 Jahre alt.“ (in Anna Wendland Pfalzgraf Eduard und Prinzessin Louise Hollandine, zwei Konvertiten des Kurhauses Pfalz-Simmern, Heidelberger Jahrbücher 1910, Seite 49-86, hier Seite 65)

Am 25.3.1659 nahm sie in Maubuisson den Schleier und legte am 19.9.1660 ihre Gelübde ab. Ludwig XIV. zahlte ihr dann auch eine jährliche Pension von 6000 Livres. Schließlich traf auch ein Versöhnungsschreiben ihrer Mutter bei Luise Hollandine ein, was für sie sehr wichtig war, denn sie litt darunter, dass sie das Gebot, Du sollst Vater und Mutter ehren mit ihrer Flucht aus Den Haag  grob verletzt hatte. Allerdings verlangte ihre Mutter dafür ein von Luise Hollandines gemaltes Bild der drei Töchter Prinz Eduards, wie dieser an seinen Bruder schreibt. Auch im Kloster durfte sie weiter malen.

Im April 1664 wurde sie zur Äbtissin gewählt. Sie zeichnete sich durch persönliche Bescheidenheit aus. Als Äbtissin war sie um  die Klosterzucht und die Einhaltung der Regeln sehr bemüht. Sie aß nie Fleisch, schlief auf einer harten Matratze und hatte nur einen Strohstuhl in ihrer Zelle. Von ihren Nonnen wurde sie verehrt und geliebt. Sie bewährte sich als kluge Verwalterin.

Ein sehr enges Verhältnis hatte sie zu ihrer Familie. Ihre Schwester Sophie von Hannover besuchte sie 1679 in Maubuisson , als diese in Frankreich war, um ihre Tochter Sophie Charlotte dort zu präsentieren und möglicherweise zu verheiraten. Beide nahmen auch regen Anteil an den kirchlichen Reunionsbestrebungen. 1680 versuchte Luise Hollandine die einflussreichen Kleriker und gelehrten  Jaques Benigne Bossuet, Bischof von Meaux, Christobal Rojas y Spinola, Bischof von Wiener Neustadt, Gerhard Wolter Molanus,evangelischer Abt von Loccum, Gottfried Wilhelm Leibniz, Hofrat und Bibliothekar in Verbindung zu bringen, wobei Luise Verbindungen zu Bossuet hatte und Sophie zu Molanus und Leibniz. Aber immerhin entwickelte sich daraus eine sich über Jahre hinziehende Korrespondenz.

Einen sehr herzlichen Kontakt hatte sie zu ihrer Nichte Liselotte von der Pfalz, Herzogin von Orléans. Diese besuchte sie oft im Kloster und blieb ihr brieflich bis an ihr Lebensende verbunden. Sie erzählt, dass ihre Tante, die Frau Äbtissin noch alle Zähne, “wenn auch verschlissen” habe, noch ohne Brille lesen könne und die Last der Jahre spüre man nur an ihrem gebeugten Gang. (ebda S. 80) 1705 erlitt Luise Hollandine einen Schlaganfall und ist die letzten Jahre ihre Lebens teilweise gelähmt. Sie starb am 11. Februar 1709.

Eduard von der Pfalz wurde am 05.0ktober 1625 in den Haag geboren. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in den Haag, um dann wie alle seine Geschwister in Leiden seine Erziehung zu  erhalten. Im Gegensatz zu seinen Schwestern war seine Neigung zu den Wissenschaften nicht sehr lebhaft.

Er folgte seinen Brüdern früh nach England. Dort entwickelten sich die politischen Verhältnisse aber bald zum Bürgerkrieg, was Eduard überhaupt nicht behagte. Er stand eher auf Lebenslust. Er verließ England sehr bald wieder. Die ständige Geldnot machte ihn aber zu einem ständigen Gast der Amsterdamer Geldverleiher, was ihn zum Sorgenkind seiner Mutter machte. Heimlich floh er 1645 nach Frankreich. Dort lernte er Prinzessin Anna, die Tochter des Herzogs von Mantua-Gonzaga und Nevers kennen. Er ging eine heimliche Ehe mit ihr ein. Nun war er zwar seiner Geldsorgen ledig,

musste aber zum katholischen Glauben konvertieren, den sonst hätte es wohl doch Schwierigkeiten mit dem französischen Hof gegeben. Gar nicht gut kam sein Schritt natürlich am pfälzischen Hof an, zumal der Konfessionswechsel einen Gesichtsverlust für den pfälzischen calvinistischen Kurfürsten

Karl Ludwig bedeutete, was sicher nicht dadurch gemildert wurde, dass Eduard seine Erb-und Rechtsansprüche durch den Würzburger Fürstbischof Johann Philipp von Schönborn vertreten wissen wollte. Die Entfremdung zu seinen Geschwistern nach diesem Schritt war nicht von allzu langer Dauer.

Man nahm wieder Fühlung auf. Selbst die Mutter vergab ihm nach einiger Zeit. 1649 war er trotz seiner Religion in den englischen Hosenbandorden aufgenommen worden. Dank seiner vermögenden Gemahlin konnte er sich sogar “eine königliche Haushaltung” gestatten (Anna Wendland  S. 49)

So war es auch nicht schwierig , mit seinem Bruder Karl Ludwig 1653 einen Abfindungsvertrag zu schließen. Die Höhe der sehr bescheidenen Einkünfte aus der Pfalz sind darin geregelt worden und für den unwahrscheinlichen Fall seiner Rückkehr in die Pfalz sind ihm Häuser in Speyer oder Worms

angewiesen worden. Er selbst hatte sich nur das erbrecht für sich und seine Familie vorbehalten.

Er verwaltete die Güter seiner Frau. Er hatte drei Töchter, die er zärtlich liebte und die er auch von seiner Schwester Luise Hollandine  porträtieren liess (s.o). Die Portraits der kleinen Mädchen schickte er auch an seinen Bruder. Er hatte auch noch einen Sohn, der allerdings im ersten Lebensjahr starb.

Luise Marie (1647–1679) heiratete 1671 den Fürsten Karl Theodor zu Salm, kaiserlicher Feldmarschall und Oberhofmeister, der Erzieher  Josef I. wurde und später in dessen Diensten als erster Geheimer Rat tätig war.

Anna Heinriette Julia (1648–1723) heiratete 1633 Henri III.Jules de Bourbon, Großmeister von Frankreich. Das ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten am französischen Hof. Er leitete alle Dienste des Königshauses. Er ernannte die neuen Offiziere, die vor ihm den Eid auf den König ablegen mussten Und schließlich verwaltete er das Budget des Königs.

Benedicta Henriette Philippine (1652–1730), die 1688 Herzog Johann Friedrich zu Braunschweig, der Schloss Herrenhausen zu seiner Sommerresidenz ausbaute. Er holte auch den Philosophen Leibniz und den Mediziner und Naturforscher Niels Stensen an seinen Hof nach Hannover.

In der Ehe Eduard s hatte seine Frau das Übergewicht. Sie mischte sich in politische Angelegenheiten ein und spielte in der Fronde eine wichtige Rolle. Sie agierte sogar gegen Kardinal Mazarin und soll einen Aufstand angezettelt haben, der Mazarin zwang, den Anführer der Fronde Louis II. de Bourbon,

freizulassen.

Auch ihr Schwager Karl Ludwig bediente sich ihrer Vermittlung. Auf sie soll der Freundschaftsvertrag zurückgehen, der 1657 zwischen Frankreich und der Pfalz geschlossen wurde. Auch  die Heirat Elisabeth Charlottes mit  Prinz Philipp I. von Orleans dem Bruder von Ludwig XIV. soll von ihr angebahnt worden sein.

Das war eine Beziehung mit späteren Folgen. 1688 nahm der französische König diese Ehe zum Anlass für den Pfälzischen Erbfolgekrieg, in dem die Pfalz sehr zum Kummer von Liselotte mehrmals verwüstet wurde. Das Heidelberger Schloss wurde von den Franzosen unter General Mélac in Brand

gesetzt und 1691 von französischen Pionieren gesprengt.

Eduard erkrankte schon früh an Gicht und erlitt immer wieder heftige Anfälle. Am 13. März 1663 starb er im Alter von 37 Jahren in Paris.

 

Henriette Marie  von der Pfalz wurde am 17. Juli 1626 in den Haag geboren. Sie wird als vielseitig begabt beschrieben. Sie wuchs zuerst in Leiden und dann am Hof ihrer Mutter in Den Haag auf. Später wurde sie zu i9hrer Tante Elisabeth Charlotte von Brandenburg gegeben, die in Kössen als Witwe lebte.

1651 wurde sie mit dem Prinzen Sigismund Rákóczi verheiratet, Graf von Munkács (in der heutigen Westukraine), Sohn des Fürsten Georg I.Rákóczi  von Siebenbürgen. Die Familie war ein ungarisches, kalvinistisches Adelsgeschlecht und nach Aussage der Tante unter evangelischen
Fürsten die beste Partie, die zu machen sei. Auf jeden Fall war er sehr reich, verfügte über zahlreiche Festungen und nach Aussage der Tante ass das ganze Haus aus Silbergeschirr. Henriette Marie  wehrte sich heftig gegen diese Ehe. Sie flehte ihren Bruder Karl Ludwig an, ihr zu helfen. auch bezweifelte sie den Sinn dieses Eheprojekts. aber es half nichts. Sie reiste über Schlesien, Polen und Ungarn nach Siebenbürgen. Kaum dort angekommen verstarb sie nur wenige Monate nach ihrer Hochzeit. In Weissenburg wurde sie in der Marienkirche bestattet.

Philipp von der Pfalz wurde am 16.September 1627 in Den Haag geboren. Zeitweise wurde er am französischen Hof erzogen. auf Wunsch von Karl Ludwig kam er aber wieder an den Hof seiner Mutter in Den Haag zurück. Er war im Auftrag des englischen Parlaments unterwegs

um in Venedig Truppen auszuheben und diese nach England zu überführen. Den Auftrag hatte ihm Karl Ludwig verschafft. Am 21. Juni 1646 wurde er in Den Haag  eine Auseinandersetzung mit dem Marquis von Epinay verwickelt. Es ist nicht sicher, ob dieser Marquis ein Liebhaber seiner Mutter oder seiner Schwester Luise Hollandine war. Auf jeden Fall war er ein Günstling seiner Mutter. Bei dieser Auseinandersetzung  starb der Marquis. Philipp musste aus den Generalstaaten fliehen. Elisabeth erkannte ihn nicht mehr als ihren Sohn an und sprach nie mehr ein Wort mit Philipp.

Er war dann in lothringischen Reiterdiensten tätig und fiel als Reiteroberst  in den Kriegen der Fronde in der Schlacht bei Rethel (am 15. Dezember 1650) Er starb am 16. Dezember 1650. Seine sterblichen Überreste wurden nach Sedan gebracht.

 

Sophie von der Pfalz, Porträt aus dem Jahr 1650

Sophie wurde am 14. Oktober 1630 als zwölftes Kind von  Friedrich V. und Elisabeth Stuart in Den Haag geboren. Sie war erst zwei Jahre alt, als ihr Vater verstarb.Bis zu ihrem 10.Lebensjahr wuchs sie in Leiden auf, wo sie streng calvinistisch erzogen worden war. Dann holte die Mutter sie nach Den Haag.

Karl I. von England war ja am 30. Januar 1649  hingerichtet worden. Die englischen Subventionen blieben aus. Sophie siedelte zu ihrem Bruder nach Heidelberg über. Die Eheprobleme zwischen Karl Ludwig und Charlotte von Hessen-Kassel  erschwerten zwar den Aufenthalt Sophies am Heidelberger Hof. Sie kümmerte sich um die Kinder der beiden, Elisabeth Charlotte, der späteren Lieselott von der Pfalz und Karl, die unter den ständigen Streitereien ihrer Eltern litten. Bis an Sophies Lebensende schrieb Lieselotte zwei mal wöchentlich zwei mal 20-bis dreißig Seiten  lange Brief an “ma tante”.
Auch zu den Kindern ihres Bruders und Marie Luise  Freifrau v. Degenfeld, Raugräfin zu Pfalz hatte sie ein enges Verhältnis, was sich auch in einem jahrelangen Briefwechsel zeigte. Sie selbst verfolgte spätestens seit 1648 zielstrebig das Ziel einer standesgemäßen Verehelichung. Schon das erste Eheprojekt zwischen ihr und ihrem Cousin Karl II. von England war gescheitert. Der regierende Pfalzgraf Adolf Johann von Zweibrücken, der Bruder des schwedischen Königs Karl X. Gustav hielt um ihre
Hand an.Nächster Bewerber war der regierende hannoversche Herzog.Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg, der von seinem Antrag allerdings zurücktrat und als Tausch seinen jüngsten Bruder Ernst August anbot. Im Gegenzug verpflichtete sich Georg Wilhelm zu lebenslanger Ehelosigkeit und zum Verzicht auf sein Erbrecht im Fürstentum Calenberg, was er allerdings nicht einhielt. Am 30. September 1658: heirateten Sophie und Ernst August   in der Schloßkapelle in Heidelberg. 1662 wurde Ernst August Fürstbischof von Osnabrück. Das Paar zog nach Iburg. Da diese nicht den Ansprüchen an eine barocke Resident genügte, wurde zwischen 1667–73 im Zentrum von Osnabrück ein repräsentatives Schloß mit großer Gartenanlage errichtet.  Für den Garten war Martin Charbonnier zuständig, ein großer aus Frankreich stammender Gartenkünstler des Barock. Den Osnabrücker Garten betreute er später

von Herrenhausen aus.
  Die ersten beiden Söhne wurden  noch in Hannover geboren. Georg Ludwig(1660–1727) wurde als Georg I. 1714 König von Großbritannien.

Friedrich August (1661–1690) fiel im Krieg gegen die Türken.

1666 wurde Maximilian Wilhelm geboren(1666–1726). Er befehligte ein kaiserliches Kürassierregiment unter den Truppen des Markgrafen Ludwig Wilelms von Baden, dem “Türkenlouis”.

Sophie Charlotte (1668–1705) heiratete  1684 den Kurprinzen Friedrich von Brandenburg, der ab 1688 Friedrich III. als Kurfürst regierte und sich 1701 zum König krönte. Ihr Sohn war Friedrich Wilhelm, der später Soldatenkönig und ihr Enkel Friedrich II., der als Friedrich der Große in die Geschichte eingegangen ist. Das Schloss Charlottenburg wurde 1699 als Sophie Charlottes Sommerresidenz eingeweiht.

Karl Philipp (1669–1690) folgte 1669. Er fiel 1690 im Krieg gegen die Türken.

Auch Christian Heinrich (1671–1703)kam bei einem Feldzug ums Leben. Er ertrank 1703 beim Feldzug gegen die Franzosen 1703 in der Donau.

Der letzte Sohn Ernst August (1674–1728) war von 1716 bis 1728 regierender Fürstbischof von Osnabrück. 1716 wurde zum Ritter des Hosenbandordens erhoben und dann zum Herzog von York und Albany und außerdem zum
Earl von Ulster.Er starb unverheiratet am 17. August 1728.

1679 siedelte die Familie im August 1679 in die hannoversche Residenz in Herrenhausen um.  Hier kümmerte Sophie sich besonders um den Schlossgarten. Dieser orientierte sich an den niederländischen Barockgärten, die Sophie ja aus ihrer
Jugend kannte. Aber auch ihre französischen und italienischen Reiseeindrücke flossen ein

1683 führte Ernst August  führte er für seinen Herrschaftsbereich gegen den Widerstand seiner jüngeren Söhne die Primogenitur ein. Zum einen wollte er damit die Herrschaft in einer Hand erhalten, da ja alle Besitzungen an den erstgeborenen Sohn fallen sollten.

Zum andern war die Primogenitur auch Voraussetzung für die von ihm angestrebte Kurfürstenwürde, die ihm Kaiser Leopold I. (1658-1705) 1692 dann auch verlieh.in Opposition zu ihrem Mann diplomatische Beziehungen nach Dänemark auf. In der Folge wurde sie mit Hausarrest bestraft und ihr Sohn war jetzt Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg (“Kurhannover”) Die fünf jüngeren Söhne wehrten sich gegen die Enterbung,

was 1691 in der „Prinzenverschwörung“ ihren Höhepunkt fand. Sophie ergriff Partei für ihre jüngeren Söhne. Diese wollten ihre Erbansprüche mittels Interventionen ausländischer Mächte durchsetzen. Sophie baute in Opposition zu ihrem Mann diplomatische Beziehungen nach Dänemark auf.

Sophie wurde mit Hausarrest belegt. Ihr Sohn Maximilian sogar kurzzeitig inhaftiert. Nach dem Tod Ernst Augusts 1698 gewann Sophie ihre politische Stellung wieder zurück. Sie residierte vorwiegend in Herrenhausen.

1701 erließ das britische Parlament das “Act of settlement”. Dieses regelte die protestantische Thronfolge im Königreich England und legte das Recht auf Thronfolge im Hause Stuart unter Umgehung der bis dahin gültigen Erbfolgelinie auf Sophie von der Pfalz fest. sie war Cousine 1. Grades der regierenden Königin Anne Stuart. Die Bestimmungen zur Nachfolge waren direkt an die Person von Sophie geknüpft. Sophie starb allerdings kurz vor Anne Stuart. So bestieg nicht sie, sondern ihr Sohn Georg Ludwig als Georg I.von England den englischen Thron. Dieser blieb dann bis zur Thronbesteigung Königin Viktorias in Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover.

13 Sep. 2020

Einleitung

18 Dez. 2019

Hambacher Schloss

MaxburgDer Vorgängerbau des Hambacher Schlosses ist die Kastanienburg oder Kästenburg (Kestenburg), seit ihrer Frühzeit bis zum Ende der Feudalzeit im Besitz der Bischöfe von Speyer. 1842 erwarb ein Komitee von Pfälzer Abgeordneten die Ruine und machte sie dem bayrischen Kronprinzen zum Hochzeitsgeschenk. Dieser gab 1845 den Wiederaufbau der nun Maxburg genannten Ruine in Auftrag. Seit 1814 war sie immer wieder Schauplatz politischer Kundgebungen. Die bekannteste ist das Hambacher Fest von 1832 und heute trägt dieser für die Demokratiebewegung wichtiger Ort den Namen Hambacher Schloss. Eines der frühesten und umfassendsten Werke über diese Burg ist “Die Maxburg bei Hambach” von Franz Xaver Remling, einer der bedeutendsten pfälzischen Historiker in der Mitte des 19. Jahrhunderts und von 1833 bis 1852 Pfarrer von Hambach. Aus den Ruinenresten schließt Remling auf fünf verschiedene Bauperioden. Die älteste weist auf die Zeit Bischofs Johannes von Speyer, also um das Jahr 1100. Remling setzt die Entstehung der Burg in der Zeit Heinrichs II. (1014-1024 deutscher Kaiser) an.Sie kam wohl über Atzela aus dem Geschlecht der Grafen von Zeisolf-Wolfram in die Hand dieses Grafengeschlechts. Atzela war eine Schwester Heinrichs IV. und Mutter des späteren Bischofs Johannes I. von Speyer (1090-1104).Wolfram und Atzela hatten zwei Töchter, die zwar beide verheiratet waren, aber keine Kinder hinterließen. So fiel die Burg an Johannes, den Heinrich IV. am 7. März als Bischof in Speyer eingesetzt wurde. Bischof Johannes starb relativ jung, schon mit 41 und so kam die Burg ins Eigentum des Hochstifts Speyer. Der erste Burgmann Burkhard von Kestenburg. Er ist als staufischer Ministerialer im Reichsdienst von 1154 bis 1186 nachweisbar. Zusammen mit seinem Bruder Trushard ist er schon 1174 in einer Schenkungsurkunde für das Kloster Eusserthal als Zeuge, ausgestellt von Bischof Konrad II. von Speyer nachweisbar. Beide treten auch in einer Urkunde Friedrich Barbarossa als Zeugen auf.(Friedrich I. – RI IV,2,4 n. 3026.) In dieser Urkunde nimmt Friedrich Barbarossa das Kloster Eusserthal in seinen Schutz. Eine  größere Karriere hatte sein Bruder Trushard.

In der Urkunde Friedrich I. – RI IV,2,4 n. 3194 vom 28. September 1187 wird “Trushard (von Kestenburg), kaiserlicher und königlicher Legat in der Lombardei sowie Podestà von Chieri und Ivrea” genannt. Später war er Kämmerer des Bischofs von Speyer. Die Nachkommen von Trushard und Burkhard hatten dann keine Verbindung  mehr mit der Kestenburg. Unter Bischof Konrad von Eberstein (Bischof in Speyer von 1237-1245)wurden die Ritter Arnold und Ebelin von Deidesheim Burgmannen auf der Kestenburg. Dafür hatten sie jährlich 20 Malter von der Unteren Mühle in Speyerbach zugut. Unter Bischof Heinrich II wird ein Ritter Walter von Schnittlauch Burgherr auf der Kestenburg. Die Familie führen den Beinamen von Kestenburg noch bis ins 15. Jahrhundert. Gegen Ende der Regierung Heinrichs kam es zu einem heftigen Aufruhr in der Stadt, bei dem er Zuflucht auf der Kestenburg fand. Bischof Nikolaus  von Wiesbaden (1381-1395) war 1380 von Papst Urban VI. zum Bischof von Speyer ernannt worden. Allerdings bestellte der Gegenpapst Clemens VII. im gleichen Jahr den Mainzer Bischof Adolf von Nassau zum Administrator des Bistums Speyer. Er musste natürlich um sein Amt kämpfen 1386 kam es zu einem Waffenstillstand zwischen den beiden. Am 29. Juni dieses Jahres belehnte ihn König Wenzel mit den Regalien. Am 12. Juni 1388 empfing er schließlich die Bischofsweihe in der Michaelskapelle der Kestenburg durch Bischof Eckhard von Worms. Die Kestenburg war praktisch sein ständiger Wohnsitz. Er ließ die Burg renovieren und vergrößern. Sein Amtmann auf der Kestenburg wurde Simon von Zeiskam. Unter Bischof Raban von Helmstatt (1438-1456) war die Kestenburg kaum Aufenthaltsort des Speyrer Bischofs, aber kostbare Gefäße und Kleinodien wurden dort aufbewahrt. 1464 ließ Bischof Matthias ein Verzeichnis aller beweglichen Sachen und Einkünfte des Stifts erstellen. Das geschah auch für die Kestenburg. Unter Matthias wurde auch die Kestenburg wieder ausgebessert. Im Jahr 1525 im Großen Bauernkrieg blieb auch die Kestenburg nicht verschont, sie wurde geplündert und gebrandschatzt.Die Bauten selbst schienen allerdings keinen zu großen Schaden genommen zu haben, denn diese wurden rasch wieder hergestellt. Im Zweiten Markgrafenkrieg (1552-1555) befehdete Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach die rheinischen Bischöfe von Mainz Trier und Speyer. Vom Speyrer Bischof Philipp von Flersheim verlangte er eine Brandschatzung von 150.000 Gulden und als diese nicht gezahlt wurde, verwüstete er die Madenburg und die Kestenburg. Die Madenburg wurde bald wieder instand gesetzt. Unter Bischof Marquard von Hattstein (1560-1581) wurde die Kestenburg zwar wieder notdürftig hergestellt. Sie war aber nur noch Sitz eines Waldförsters. Die auf der Burg haftenden Lehen wurden aber weiter vergeben.

Hambach

Der erste Waldförster war Michael Bender. Im Zuge der Revolutionskriege wurde die Pfalz an Frankreich angegliedert und wurde als Département du Mont-Tonerre als integrierter Bestandteil Frankreichs verwaltet. Nach dem Wiener Kongress von 1815 kam das Gebiet als Rheinkreis an das Königreich Bayern. Schon 1814 feierten deutsche Patrioten den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig auf dem Schloss. 1831  begingen Neustädter Bürger den Jahrestag der Julirevolution. Am 27. Mai 1832 kam es schließlich zum Hambacher Fest. 1830 war in Frankreich die Julirevolution ausgebrochen. Sie war Auslöser weiterer Unruhen vor allem in Polen aber auch in den Königreichen Sachsen und Hannover, im Kurfürstentum Hessen-Kassel und im Herzogtum Braunschweig. Vor allem der polnische Aufstand gegen die russische Herrschaft wurde deutschlandweit begeistert aufgenommen. Er genoß breite Sympathien vor allem in der Presse. Unterstützungsvereine wurden gegründet. König Ludwig I von Bayern verfolgte einen reaktionären Kurs. Am 28. Januar 1831 erließ er ein Edikt, dass die Presse verschärfter Zensur unterwarf. Das wiederum rief den Widerstand vor allem der pfälzischen Abgeordneten im bayrischen Landtag hervor und im Juni 1831 musste der König sein Edikt zurücknehmen und den Innenminister, der verantwortlich war , entlassen.

88px-Philipp-Jakob-Siebenpfeiffer 88px-Johann-Georg-August-Wirth-2 99px-FSchuelerimagesRJHSI7PEDie Publizisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Georg August Wirth gründeten 1832 als Reaktion auf die Druckverbote den Deutschen Preß-und Vaterlandsverein. Vorsitzender wurde der pfälzische Rechtsanwalt und Abgeordnete Friedrich Schüler. Dieser Kreis veranstaltete am 27. Mai 1832 ein “Volksfest”, da politische Kundgebungen von der bayrischen Obrigkeit verboten worden waren. 30.000 Menschen  aus allen Ständen und vielen Nationen, vor allem Polen zogen vom Neustädter Marktplatz auf die Hambacher Schlossruine. Dies ging als “Hambacher Fest” in die Geschichte ein. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein und es kam zum Prozess vor dem Landauer Assisengericht ( 29. Juli 1833-16. August 1833). Die Hauptangeklagten wurden in diesem Prozess zwar freigesprochen. Diese wurden jedoch wegen angeblicher Beleidigungsdelikte vor Zuchtpolizeigerichte in Zweibrücken gestellt und verurteilt. 1842 vermachten königstreue Eigentümer der Burgruine diese  dem bayrischen Kronprinzen und späteren König Maximilian II. Im Volksmund wurde das Hambacher Schloss dann auch Maxburg genannt. Es sollte im Stile Hohenschwangaus aufgebaut werden. Aus Geldmangel kamen die Bauarbeiten schnell ins Stocken und wurden nicht beendet. In den Revolutionsjahren 1848/49 kamen sie endgültig zum Erliegen. Zwischen 1980 und 82 wurde das Schloss zum 150 – jährigen Jubiläum des Hambacher Fests restauriert. Von 2006 bis 2010 erfolgten weitere Restaurierungen.

27 Aug. 2014

Villa Ludwigshöhe

panorama-wittelsbacher-1-l

Ludwig I. von Bayern hatte nach dem Tod seines Vaters Maximilian I. Joseph  am 13. Oktober 1825 den bayrischen Königsthron bestiegen. Ab 1837 nannte er sich König von Bayern,

Herzog von Franken, Herzog in Schwaben und Pfalzgraf bei Rhein, um alle neu zu Bayern hinzugekommenen Gebiete zu fördern. Er hatte in Kronprinzenzeit viele Reisen nach Italien

unternommen und er hatte sich auch neben Französisch und Spanisch auch in Italienisch ausgebildet. Ein  Zeugnis seiner Liebe zu Italien ist die Villa Ludwigshöhe oberhalb von Rhodt unter Rietburg.

Ab 1843 trug sich Ludwig mit dem Gedanken, in der Pfalz einen Sommersitz zu erbauen. 1845 wurden die notwendigen Grundstücke von den Gemeinden Rhodt und Edenkoben erworben.

Dann wurde Friedrich Wilhelm Gärtner, der neben Klenze bedeutendste Architekt in der Zeit König Ludwigs beauftragt, eine “Villa italienischer Art” zu planen. Baumeister Joseph Hoffmann aus Ludwigshafen

führte den Bau aus. Es war nicht nur eine Vorliebe, die Ludwig mit dem geplanten Bau zur Schau stellte.  Die Pfälzer hatten durchaus ihre Schwierigkeiten mit der repressiven Politik der bayrischen Verwaltung

in München. So war das Hambacher Fest von 1832 nicht nur Ausdruck vom Wunsch nach Pressefreiheit oder einem einigen Deutschland. Es hatte seinen Ursprung auch in dem Missbehagen, das man mit der Politik

aus München empfand. Hambach und die Ludwigshöhe liegen ja ganz nah beieinander. Ludwig fuhr nun praktisch zweigleisig. Er führte ab den Jahren 1840 ein strenges politisches Regiment. Schon 1832 hatte er 142 “Unruhestiftern”

nach dem Hambacher Fest den Prozess machen lassen. Begleitet wurde die restriktive Politik aber von einem forcierten wirtschaftlichen  Ausbau. Der Rheinhafen wurde ausgebaut und nach ihm “Ludwigshafen”

benannt. Eine Eisenbahnlinie von Neustadt ins Saarland wurde gebaut. Der Ausbau der Festung Germersheim oder die Restaurierung des Speyrer Doms war eines seiner Projekte. Auch ein Wiederaufbau der Burg Trifels oder des Hambacher Schlosses

war geplant. Mit dem Trifels wollte er seine Verbundenheit mit der Größe der Salier und Stauferzeit unter Beweis stellen und mit dem Ausbau von Hambach sollte ein Symbol der Demokratiebewegung demontiert werden.

Ludwig_I_of_Bavaria

Der Bau der Ludwigshöhe hatte allerdings einige Hindernisse zu  überwinden. Zunächst verstarb 1847 der Architekt Friedrich Wilhelm Gärtner.  Für ihn übernahm Leo von Klenze die Bauleitung. Gravierendstes

Ereignis, was die Ludwigshöhe betraf, war die Revolution von 1848. Vor allem seine Affäre mit Lola Montez hatte zunächst ausgehend von der Universität zu Unruhen geführt. Die Geliebte des Königs wurde ausgewiesen.

Das verhinderte weitere Unruhen aber nicht. Am 4. März erfolgte der Sturm aufs Zeughaus. Am 6. März unterschrieb Ludwig die sogenannte Märzproklamation, in der er erhebliche Zugeständnisse machen musste.

Am 16. März kam Lola Montez aus der Verbannung zurück. Am 20. März trat Ludwig zugunsten seines Sohnes Maximilian II. zurück. Die Bauarbeiten an der Ludwigshöhe waren immer wieder unterbrochen worden. Die Fertigstellung wurde nun nicht mehr aus der

Staatskasse finanziert. Jetzt musste sie Ludwig privat finanzieren. Erst 1852 war der Bau schließlich vollendet. Ludwig besuchte seine Villa erstmals 1852 zusammen mit seiner Frau. Er verbrachte jeden zweiten Sommer in der Pfalz,

um am 25. August dort seinen Geburtstag zu feiern. Nachdem Tod seiner Frau 1854 kam er immer alleine in die Pfalz. Bis zu seinem Tod 1866 kam Ludwig regelmäßig an seinen Sommersitz.

Der Ludwigshöhe verdankt die Stadt Edenkoben letztlich auch ihren Bahnhof. Zunächst war an der Maximiliansbahn, also der Bahnstrecke über Neustadt-Landau und dann verlängert nach Weissenburg im Elsass in Edesheim und Kirrweiler

Bahnhöfe gebaut werden, nicht aber in Edenkoben, was dort zu heftigen Protesten führte. Man argumentierte mit der Ludwigshöhe und wollte schließlich den abgedankten Monarchen angemessen empfangen. So bekam die Pfälzer

Stadt ihren Bahnhof. Das Empfangsgebäude lehnte sich historisch auch an die Villa Ludwigshöhe an.

Edenkoben_Hoefle

Die Villa, obwohl Sommersitz, besitzt keinen Park oder Garten und das auf ausdrücklichen Wunsch Ludwigs. Er fand, ein besonderer Garten sei überflüssig, denn alles Land ringsumher sei, soweit das Auge reicht, ein einziger Garten.

In unmittelbarer Nachbarschaft der Villa ist ein Kastanienwald. Die Stadt Edenkoben wollte anstatt der Kastanien profitablere Weinberge anlegen lassen. Das war nicht im Sinne Ludwigs. Er bot an, die Waldgrundstücke zu kaufen,

der Preis erschien ihm aber viel zu hoch. Nun drohte Ludwig die Bauarbeiten an der Villa einzustellen. Die erschreckte Stadt gab nach und der Wald steht heute noch. Was heute noch bei jeder Führung mit Stolz gezeigt wird, ist die Küche.

Sie ist nahezu unverändert erhalten geblieben, was in deutschen Schlössern nur noch selten zu sehen ist. Auch damals schon war die Küche höchst energieeffizient. Der Hauptherd diente natürlich zum Kochen. Von dort gab es auch über einen Boiler fließend

heißes Wasser. Der Rauch zog durch einen durch den Fußboden verlaufenden Rauchabzug, heizte noch einen externen Backofen und stieg dann zur Räucherkammer auf.

Nach Ludwigs Tod war Ludwig II. Besitzer, der sich allerdings mehr um seine Märchenschlösser kümmerte. Auf ihn folgte Prinzregent Luitpold und dann schließlich Ludwig III. Die Wandgemälde schuf Adalbert  Hock um 1900.

Im 1. Weltkrieg wurde die Villa als Militärlazarett genutzt. Nach dem 1. Weltkrieg setzte sich Kronprinz Rupprecht dafür ein, dass die Villa in den Wittelsbacher Ausgleichsfond kam und bewohnte sie mehrfach.

Auch nachdem 2. Weltkrieg ließ er die Villa wieder instand setzen und möblierte sie mit Möbeln aus dem Münchner Leuchtenberg-Palais.

1975 kaufte das Land Rheinland-Pfalz die Villa. In der Villa wurde dann der Gemäldenachlass des Malers Max Slevogt untergebracht, der auch dem Land gehört. Auch Sonderausstellungen werden veranstaltet. Konzerte und Vorträge

werden in der Villa veranstaltet und man kann dort auch heiraten, ein Angebot, das gerne genutzt wird.

villa-ludwigsh_he

12 Aug. 2014

Die Rietburg

220pxRietburg_Rekonstruktion_thumb

Namensgeber der Burg oberhalb des Dorfes Rhodt sind die Herren von Riet. Das pfälzische Geschlecht stammte aus der Gegend zwischen Germersheim und Speyer. Sie waren erst

Lehnsleute der Benediktinerabtei Weissenburg. Erstmals taucht Konrad von Riet in einer Schenkungsurkunde auf. Es ist eine auf 1150 datierte und von Bischof Rapodo von Speyer in

Würzburg ausgestellte Urkunde. Dabei geht es um eine Schenkung des Bischofs und seiner Brüder Hartmann und Otto für das Kloster Eußerthal. Als Zeuge wird ein Konrad von Riet genannt.

Dieser tritt selbst als Schenkender auf und zwar schenkt er seine Güter in Offenbach dem Kloster Hördt. 1195 bestätigt Heinrich VI. diese Schenkung, als er das Kloster in seinen Schutz nimmt.

“Heinrich VI. “nimmt das Stift Hördt (ecclesiam in Herde) mit allen Besitzungen und allen Personen in seinen Schutz, wie es schon sein verstorbener Vater, Kaiser Friedrich, getan habe, und verbietet, das Stift in seinen Besitzungen zu belästigen, namentlich in denen zu Offenbach und Altheim, die Konrad von Riet dem Stift übertragen habe (in Offenbach et Altheim, que allodia Cůnradus de Riet eidem ecclesie contulit). “ (Heinrich VI. – RI IV,3 n. 473 vom 25. September 1195, in Kaiserslautern

ausgestellt). Konrad hatte mit seiner Gattin Adelheid 6 Söhne nämlich  Konrad, Hermann, Bertold, Heinrich, Friederich und Eberhart. Der älteste Konrad baute zwischen  1200 und 1204 die Rietburg. In der Urkunde, die Philipp am

29. April 21200 in Spigelberg ausstellt, bestätigt er fast gleichlautend die Urkunde, die Heinrich VI. ausgestellt hatte (RI V,1,1 n. 47). Konrad, der hier als Zeuge auftritt, nennt sich in der Urkunde noch von Ried.

In einer Urkunde des Speyrer Bischofs Conrad III.  wird er aber “von Riethberg” genannt. Man kann also annehmen, dass dort jetzt eine Burg steht. Aus den Lehensleuten des Kloster Weissenburg waren nun Lehensleute und Ministeriale

der Staufer geworden. Als Konrad II. starb, übernahm sein Vetter Hermann die Herrschaft über die Burg. Die Staufertreue der Herren von Riet brachte sie aber letztlich um Burg und Herrschaft. 1245 hatte Papst Innozenz IV. den Staufer

Friedrich II. für abgesetzt erklärt. Die deutschen Fürsten hielten aber bis auf wenige geistliche Fürsten zum Kaiser. Unter Führung der Erzbischöfe von Mainz und Köln wählten diese den Thüringer Landgrafen Heinrich Raspe zum Gegenkönig.

Er ließ 1247 Reutlingen und Ulm belagern, wurde bei einem Scharmützel verletzt und zog sich auf die Wartburg zurück. Dort starb am 16. Februar 1247. Die antistaufische Opposition gab aber noch nicht klein bei. Sie wählte nun Wilhelm von Holland zum Gegenkönig.

Wilhelm  und seine Gemahlin Elisabeth von Braunschweig, eine Welfin, waren 1255 auf einer Fürstenversammlung. In Begleitung  des Reichstatthalters Graf Adolf von Waldeck und ihrer Hofdamen  reiste Elisabeth im November von Worms auf den Trifels. Hermann von Riet lauerte ihr und der Reisegesellschaft in Edesheim auf, nahm sie gefangen und brachte sie auf die Rietburg.  Aber regionale Fürsten und Städte zwangen Hermann seine Gefangene freizugeben. Er selbst blieb am Leben, die Burg wurde möglicherweise 1255 zerstört.1256 wurde sie Reichsburg.  Zusammen mit seiner Gemahlin Christina von Strahlenberg und seinen 3 Schwestern, Jutta von Magenheim, Elisabeth von Steinach und Susanna, Gemahlin Rudolphs von Batzendorf verkauft er den noch verbliebenen Rietburgschen Besitz um 700 Pfund Heller. Was weiter aus Hermann von Riet geworden ist, ist nicht bekannt.

Die Gefangennahme Elisabeths liest sich den Regesten zu Wilhelm  so :”Befreiung der königin aus der gefangenschaft der Hermann von Rietberg. Dieser überfiel die königin, welche sich nach der abreise des königs mit graf Adolf von Waldeck nach Trifels begab, bei Edesheim (zwei stunden nördlich von Landau), beraubte sie ihrer kleinode, und führte sie gefangen auf seine nordwestlich von Edesheim gelegene burg Rietberg. Indessen wurden sie am 4 dec. wieder befreit, nachdem Ludwig herzog von Baiern, Friedrich graf von Leiningen, die Raugrafen, Philipp von Hohenfels, Philipp von Falkenstein und Werner von Bolanden mit den bürgern von Worms Oppenheim und Mainz vor die burg gezogen waren und den Hermann von Rietberg zur unbedingten übergabe genöthigt hatten. “

(Wilhelm – RI V,1,2 n. 5285a vom 4. Dezember 1255)

Rudolf von Habsburg übergibt die Burg an Otto III. von Ochsenstein. Rudolfs Schwester Kunigunde war in zweiter Ehe mit Otto verheiratet. Rudolf hatte seinen Verwandten zum Landvogt vom Elsass und Breisgau  ernannt.

Otto III. Tochter, Agnes  heiratet den Grafen Joffried von Leiningen . Dadurch kam die Rietburg wohl an Leiningen. Joffrieds Vater hatte diese zusammen mit den Orten Weiher, Fischlingen und
Schifferstadt an das Bistum Speyer verkauft. Wann genau das geschehen ist, lässt sich nicht sagen, aber 1325 befand sich dort der bischöfliche Burggraf Johannes. 1330 war Walram in Speyer Bischof. Wegen der finanziellen Schieflage des Bistums

verpfändete er in diesem Jahr die Burg und die Dörfer Weyher und St. Martin an die Witwe seines Neffen  und deren Kinder, des verstorbenen Grafen Friedrichs von Veldenz um dreitausend Pfund Heller. Die Witwe verpflichtete sich aber, in einer

am selben Tag ausgestellten Urkunde, diese für dieselbe Summe wieder an den Bischof oder dessen Nachfolger auszulösen.Das schaffte dann aber erst sein Nachfolger, Bischof Gerhard. Er hatte dafür einen Teil des Ertrages des Bienwalds an Ritter

Eberhard von Kageneck versetzt. Es reichte nicht ganz. Er mußte noch zusätzlich Geld vom Propst Peter von der Mur zu Wimpfen aufnehmen. 1349 war die fürs Hochstift wichtige Burg wieder im Besitz des Hochstifts. Allerdings konnte der Bischof

die Finanznot des Bistums nicht dauerhaft   lindern und so musste er weiter schauen, wie er zu Geld kam. Damit die Burg Rietburg nicht in fremde Hände kam, verkaufte er sie zusammen mit Weyher und St. Martin für 3000 Pfund Heller an das eigene Domkapitel mit dem Recht, diese für dieselbe Summe wieder zu kaufen. Erzbischof Gerlach von Mainz segnete 1366 diesen Handel ab. Die Zeiten blieben aber schlecht.  1349 wütete die Pest in Speyer, was unter anderem ein Pogrom gegen die Juden in der Stadt zur Folge hatte. Güter konnten nicht bestellt werden. Die Rietburg war in ziemlich schlechtem Zustand. Gebäude, Gräben und Mauern

hätten eigentlich renoviert werden müssen. Zwar hatte Kaiser Karl IV. am 19. April 1366 dem Bischof Lambrecht von Speyer alle Rechte und Besitzungen, die in einer umfassenden Urkunde aufgeführt sind bestätigt (Karl IV. – RI VIII n. 4298)

Lambrecht war enger Berater Kaiser Karls.

Das änderte aber nichts an dem Reparaturbedarf der Burg. Aber auch das Domkapitel hatte wegen ”wersals und kriege” nicht das dazu nötige Geld. Im Dezember 1373 besiegelte Bischof Adolf von Nassau seinem Domkapitel die Erlaubnis zum

Verkauf der Rietburg und der der Dörfer Weyher und St. Martin für 3800 Gulden an den “ehrsamen und frommen Ritter” Arnold von Engassen mit dem Vorbehalt des Rückkaufs für diese Summe. Der Ritter musste

sich verpflichten, 400 Gulden für die Ausbesserung der Burg einzusetzen, mit dem Recht, diese bei Rückkauf auf die Kaufsumme aufzuschlagen. Es wurde außerdem vereinbart, dass Arnold und seine Nachkommen stets Mannen des Stiftskapitels

sein müssen.

466fe32103

Inzwischen war Nikolaus Bischof von Speyer geworden. Dem neuen Speyrer Oberhirten fehlte das nötige Geld, die verpfändeten Burgen des Hochstifts einzulösen. Er genehmigte aber den Ankauf eines Drittels des Anteils an der Rietburg an Hans

Contzmann, den Vogt von Pforzheim. Er verwendete auch viel Geld, um die Speyrischen Burgen, darunter die Rietburg wieder auszubessern. Kurz danach konnte er auch die Verpfändung der Rietburg einlösen und so kam sie wieder ganz an das Hochstift.

Allerdings musste sein Nachfolger Raban die Burg wieder verpfänden und zwar an Graf Friedrich von Zweibrücken-Bitsch. Bis 1434 hatte Bischof Raban die Pfandsumme bei den Grafen von Zweibrücken-Bitsch abgelöst und nun setzte er seinen

Neffen Hanns von Helmstatt als Burgvogt ein. Bischof Reinhard, der Nachfolger  aus der Familie von Helmstatt war der Sohn des Amtmanns Hanns von Helmstatt. Er setzte Simon von Zeiskam als Burgvogt auf der Rietburg ein.

In den Jahren um 1460 war es zu zahlreichen Fehden zwischen dem Kurfürsten Friedrich I. von der Pfalz und Herzog Ludwig von Pfalz-Zweibrücken gekommen. Die Pfalz hatte die Grafschaft Veldenz an Ludwig zu Lehen gegeben, war aber mit der

Vererbung in weiblicher Linie nicht einverstanden, war Ludwig in einen prinzipiellen Gegensatz zu seinem Vetter, dem Kurfürsten geraten, der auch in militärische Auseinandersetzungen ausgetragen wurden.

Auch die Rietburg wurde davon betroffen. Deer Speyrer Bischof war mit dem Kurfürsten verbündet. Auf der Gegenseite standen die Grafen von Leiningen. Die Haufen des Grafen von Leiningen nahmen die Burg ein. Zu dieser Zeit waren viele Vorräte und auch Geld auf der Burg. Bewohner der bischöflichen Dörfer zogen vor die Burg. Man einigte sich mit den Leiningern auf Abzug.Diese ließen die Burg leer und geplündert zurück.

Den Bauernkrieg von 1525 hatte die Burg unbeschadet überstanden.

Albrecht II. Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach war der Markgraf, der es auf kirchliche Güter abgesehen hatte auch in das Gebiet des Hochstift Speyer eingefallen und dort viele Orte gebrandschatzt. Er hatte auch die Rietburg besetzt. Auf die Kunde

vom Anrücken des Heeres von Karl V. zog er dann allerdings ab, ohne weiteren Schaden anzurichten.

Im Dreißigjährigen Krieg aber kam das Ende für die Burg. Sie wurde zerstört. In einem amtlichen Bericht von 1681 wird sie als Ruine genannt.

1822 kaufte Rhodt den Burgberg mitsamt der Ruine.

1931 errichte der Pfälzer Waldverein in den Ruinen eine Hütte.

1954 wurde der Sessellift erbaut. Die Talstation ist oberhalb der Villa Ludwigshöhe. Das ist das Schloss, das der bayrische König Ludwig I. von 1846-1852 errichten ließ.

Unbenannt

12 Aug. 2014

Reichsburg Trifels

Unbenannt

Die Burg ist eine der populärsten Burgen der Pfalz, was mit ihrer wichtigen Rolle in der Zeit der Salier und Staufer zusammenhängt. Erstmals urkundlich wird 1081 und so sie für uns greifbar Ein Diemar von Trifels

wird 1081. genannt.Allerdings gibt es Funde aus der Kelten-und der Römerzeit, die belegen, dass es auf dem Sonneberg über dem heutigen Annweiler schon Wehranlagen gegeben hat. 1937 wurde ja intensiv

am Trifels gegraben und dabei wurden Reste einer hölzernen Burganlage entdeckt, die aus dem 10. Jahrhundert stammen, also schon in die Zeit der Sachsenkaiser zurückgehen.

Diemar von Trifels stammt aus der Familie der Reginbodonen, einem mittelrheinisch-fränkischen Adelsgeschlecht. Er war wahrscheinlich mit Adelheid,einer Schwester des Speyrer Bischofs Johann (1063-1104)

verheiratet.Ihre Mutter Azela war nach den Speyrer Annalen eine Schwester Kaiser Heinrichs IV. Diese Eheschließung brachte ihn auch in den Besitz der Burg Trifels. Dieser Diemar gehörte der Opposition gegen

Heinrich IV. an. Er übergab sein Erbgut an seine Neffen mit der Maßgabe, es an Kloster Hirsau weiterzureichen. Mit den Schenkungen an die Hirsauer Mönche, die damals gerade ihre Tochtergründung Reichenbach in der Nähe gründeten, wurde das einfacher.

So erscheint Diemar auch im Schenkungsbuch des Klosters, das zwischen 1099 und 1105 und ein zweites das 1145-1153 verfasst wurde. Dort wird der Trifels erstmals erwähnt und zwar im Jahre 1081. Als Besitzer wird Diemar genannt,

der sich schon nach dem Trifels nannte. Das Schenkungsbuch vermerkt auch, dass dieser Diemar in Hirsau ins Kloster eintrat. Die Burg hat er, wie das Schenkungsbuch berichtet, dem König übergeben. Das war allerdings Heinrichs Gegenkönig

Hermann von Salm (um 1035-1088). Die Sachsen und Schwaben haben ihn 1081 in Ochsenfurt als Gegenkönig zu Heinrich gewählt, während dieser in Italien weilte.

Die Schenkung wird auch im Hirsauer Codex angeführt: “Diemar von Trifels [gab] 12 Hufen und einen Weingarten und eine Mühle in Obernkeim und zehn Hufen und eine halbe Mühle in Zuzenhausen und drei Hufen in [Neckar-] Katzenbach mit dem ganzen Recht und Eigentum unter der Bedingung, dass dies den Brüdern des heiligen Gregor zugestanden wird [n.1082]”

Der Nachfolger von Bischof Johann, Bruno von Saarbrücken (1107-1123) gab Ansprüche auf den Trifels und die Madenburg an seinen Bruder Adalbert I. weiter, der Erzbischof in Mainz war. Kaiser Heinrich V. hatte diesen 1112 gefangen genommen und von ihm

die Herausgabe des Trifels erzwungen, der sich also in seinem Besitz befunden haben muss. Er war zunächst entschiedener Parteigänger des Königs. Er hatte ihn auch in seinem Kampf gegen seinen Vater Heinrich IV. unterstützt.

Heinrich V. hatte ihn 1110 zum Erzbischof von Mainz ernannt und war bis 1112 auch sein Kanzler. Dann  allerdings kam es zu Bruch, wohl auch weil er zu eigenständige Territorialpolitik in seinem Bistum verfolgte. Vor allem aber ging es

um Besitzrechte und zwar auf der Madenburg und dem Trifels. Er setzte ihn auf dem Trifels fest. Die Gründe erschienen schon den Zeitgenossen fadenscheinig. Ihm wurde Hochmut, charakterliche Verkommenheit

aber auch eine Verschwörung vorgeworfen. Allerdings vermerkt der Chronist Ekkehard von Aura “quod vix quisquam crederet” (was kaum jemand glauben wollte). Er wurde 1113 kurz freigelassen, aber nur, um den Trifels zurückzugeben.

Das geschah an Ostern 1113, als Heinrich V. in Worms war. In Urkunden aus der Zeit von 1113 bis 1116 treten ein Konrad, Werner und Heinrich  “von Trifels” als Zeugen auf.Wahrscheinlich waren sie von Heinrich auch mit der Burgverwaltung betraut

worden. Der Kaiser nutzte die Burg zu mehreren Zwecken. Sie war Gefängnis. Bischof Adalbert war ja dort inhaftiert, bis er die Burg übergab. Von 1113-1115 war Wiprecht von Groitzsch auf dem Trifels gefangen. Er hatte an der Seite Heinrichs IV.gekämpft,

war auch Gefolgsmann des Sohnes. Als er aber ein Bündnis mit dem Landgrafen Ludwig von Thüringen und Graf Siegfried von Orlamünde gegen Heinrich geschlossen hatte, wurde er 1113  bei Warnstedt unter der Führung Hoyers von Mansfeld geschlagen.

Über Wiprecht wurde die Todesstrafe verhängt, dies dann allerdings gegen Einziehung seiner Güter wieder aufgehoben. Er wurde dann auf dem Trifels inhaftiert.

Kurz vor seinem Tod in Utrecht am 23. Mai 1125 übergab Heinrich  die Reichsinsignien seinem Gefolgsmann Friedrich von Schwaben. Dieser verbrachte sie auf den Trifels, wo sie bis 1298 dreimal verwahrt wurden.

220px-Reichskleinodien

Seine Hochzeit erlebte der Trifels in der Stauferzeit. Man liest zwar öfter, der Trifels sei die Lieblingsburg Kaiser Friedrich I. Gemessen an der Zahl seiner Aufenthalte scheint das nicht zu untermauern zu sein. Er war nur zweimal auf dem Trifels.

Auch gibt es nur zwei Urkunden, die auf dem Trifels ausgestellt worden sind, eine am 11.12. 1155. Sie betrifft das Augustinerchorherrenstift  Hördt. Die andere ist 2.8. 1174 ausgestellt und  dort wird den Bürgern Zollfreiheit gewährt.

Am 11,11.1186 stellte Friedrich das Kloster Eußerthal, das 1148 gegründet worden war, unter den Schutz des Reiches. Das ist im Zusammenhang mit dem Trifels interessant, da die Mönche als Burgkaplan auf dem Trifels tätig waren und während der

Aufbewahrungszeit der Reichskleinodien auf dem Trifels, diese auch zu bewachen hatten. Unter seine Sohn Heinrich rückte die Burg ins Zentrum des politischen Geschehens. Er suchte die Burg öfters auf. Auch er stellte Urkunden auf dem Trifels aus.

So nahm auch er das Kloster Eußerthal  mit der Urkunde vom 12. Mai 1194 in seinen Schutz und den Abt Wichmann, wobei die besondere Frömmigkeit dieses Abtes gerühmt wir. Auch unter Heinrich gab es Gefangene. Da war einmal

der berüchtigte normannische Seeräuber Margeritos von Brindisi, der im Dienste von Wilhelm II. von Sizilien stand. Bei der Belagerung von Palermo wurde er gefangen genommen und geblendet.Mit ihm kam auch ein naher Verwandter seiner Frau,

ein Graf Richard in Haft. Er wurde ebenfalls geblendet. Beide waren bis zu ihrem Lebensende auf dem Trifels eingekerkert.  Der prominenteste Häftling war aber sicher Richard Löwenherz. Der 3. Kreuzzug endete nicht nur für Friedrich Barbarossa

unglücklich, der ja 1190 im Fluss Saleph ertrunken war. Richard hatte sich bei Akkon mit Leopold von Österreich, der nun die deutschen Kreuzfahrer anführte, überworfen. Auch anderen Kreuzzugteilnehmern gegenüber hatte er sich recht undiplomatisch verhalten,

so gegen den französischen König Philipp II. Er handelte einen Waffenstillstand mit Saladin aus. Philipp war nach der Schlacht von Akkon schon nach Frankreich zurückgekehrt. Dort hatte er mit Richards Bruder Johann Ohneland, der England während Richards

Kreuzzug England verwaltete, einen Vertrag abgeschlossen. Dieser gab dem französischen König einen Teil der englischen Besitzungen in Frankreich. Im Gegenzug sicherte er Johann für die restlichen Gebiete Verwaltungshoheit zu.

Auf diese Nachrichten aus der Heimat  hin, brach Richard den Kreuzzug ab. Auf der Fahrt übers Mittelmeer erfuhr Richard, dass der französische König alle Häfen sperren lassen hatte. Der Sage nach wurde Richards Schiff von Piraten angegriffen. Sein Schiffskoch und

der Piratenkapitän kannten sich aber. So konnte Richard auf das Piratenschiff umsteigen. Auf der Halbinsel Istrien wurde er zusammen mit einem Begleiter abgesetzt. Er zog nach Kärnten, wurde dort zwar erkannt aber nicht gefasst.

Er wollte weiter nach Bayern zu seinem Verwandten Heinrich dem Löwen. Er entschied sich, nicht über die verschneiten Alpen, sondern über den Semmering nach Bayern zu gelangen. Dazu musste er über Wien. In Erdberg, einem Vorort von Wien,  fiel er wieder auf und

wurde dieses Mal gefasst. Er wurde Leopold vorgeführt und dann nach Dürnstein gebracht. Dort wurde er längere Zeit festgehalten. Inzwischen hatte Leopold Heinrich VI. über seinen Fang informiert. Dieser hatte mit dem französischen König

vereinbart gehabt, Richard gefangen zu nehmen.

Heinrich und Leopold schlossen nun einen Vertrag, dass Richard erst nach Zahlung einer stattlichen Lösegeldsumme frei kam. Richard sollte nämlich 100.000 “Kölner Mark” zahlen. Das entspricht 23 Tonnen Silber!

Das führte dazu, dass bis heute keine größeren Gegenstände aus Silber aus dieser Zeit in England vorhanden sind.

Außerdem sollte Richard Waffenhilfe für einen Feldzug Heinrichs nach Sizilien leisten. Es wurden noch einige Heiratsvereinbarungen getroffen. Richard sollte sich beim Papst, dafür einsetzen, dass Leopold nicht exkommuniziert wurde.

Einen Mann gefangen zu nehmen, der das Kreuz genommen hatte, noch dazu einen, der als Kreuzzugsheld galt, war ein schwerer Verstoß gegen den Kreuzzugsgedanken.

Leopold erklärte sich nun bereit, Richard gegen einen Anteil des Lösegelds nach Deutschland auszuliefern. Auf dem Reichstag von Speyer im März 1193 wurde Richard übergeben und danach auf dem Trifels in Gefangenschaft gebracht.

Richard wurde natürlich in allen Ehren behandelt. Er schmachtete keineswegs bei Wasser und Brot. Er konnte sich, zwar unter Bewachung frei bewegen, sogar Besucher und Abordnungen empfangen und Verhandlungen führen.

König Philipp von Frankreich und Richards Bruder Johann Ohneland wollten eine Freilassung natürlich verhindern. Das versetzte Heinrich in eine sehr komfortable Lage, die er rücksichtslos ausnützte. Neben der Fahrt auf dem Piratenschiff ranken sich auch sonst

einige Sagen um den Aufenthalts Richards auf dem Trifels. Die bekannteste ist die von dem Minnesänger Blondel. Er reiste auf der Suche nach seinem König von Burg zu Burg und sang dort immer ein Lied, das nur Richard bekannt war.

Auf dem Trifels erklang nun die Antwort des Königs auf die Erkennungsmelodie. So wusste der Sänger, dass Richard auf dem Trifels ist und konnte befreit werden. Das allerdings ist nicht die historische Realität.

170px-Richard_and_PhilipIm Winter traf dann das Lösegeld ein und Richard Löwenherz wurde zu dem Reichstag nach Mainz eingeladen. Von dort konnte er in Begleitung vieler englischer Adliger das Land verlassen. Zuvor hatte er sein eigenes Land

aus der Hand des Staufers entgegennehmen müssen. Er wurde am 17. April 1194 in Winchester nochmals festlich gekrönt, um keinen Zweifel an der Souveränitat aufkommen zu lassen. Nach seiner nochmaligen Krönung musste Richard seine französischen

Besitzungen verteidigen. Er kam bei Kämpfen bei Limoges 1199 ums Leben. Heinrich aber war auf dem Höhepunkt seiner Macht angelangt. Er konnte nicht zuletzt dank des Lösegelds das Normannenreich erobern. Auch der dabei in die Hände der Staufer gefallene

Normannenschatz wurde auf dem Trifels verwahrt. Auch hochrangige sizilianische Gefangene, darunter Erzbischof Nikolaus von Salerno, kamen auf die Burg.  Nikolaus war Berater von Tankred und Wilhelm II.von Sizilien. Er wurde der Verschwörung gegen Heinrich verdächtigt und kam auf den Trifels. Erst Philipp von Schwaben hatte die sizilianischen Gefangenen 1198 freigelassen. Nikolaus ist dann in der Umgebung des Papstes Innozenz III. (1198 bis 1216) nachzuweisen. Wezel von Berg, ein Reichsministerialer, war zu der Zeit Burgverwalter. Das muss er schon in Barbarossas Zeiten gewesen sein, den er tritt in Urkunden als Zeuge auf, zum Beispiel im
November 1186(RI IV,2,4 n. 3028) und wird dort als Wezel von Berg/Trifels aus der Reihe der Ministerialen aufgeführt.

1206 beherbergte der Trifels einen weiteren prominenten Gefangenen, den Kölner Erzbischof Bruno IV. Der Thronstreit zwischen Philipp und Otto zeigte sich im ganzen Reich. Als der Kölner Erzbischof Adolf I, bisher Parteigänger Ottos, die Seiten

wechselte und zu Philipp überging, wurde er exkommuniziert. Die welfische Partei wählte dann Bruno Graf von Sayn zum Kölner Bischof. Bei der Schlacht von Wessenberg 1206, bei der das welfische Heer vernichtet wurde, fiel er in die Hände Philipps.

Er wurde auf den Trifels verbracht und blieb dort für ein Jahr gefangen. Dann wurde er in Richtung Rom entlassen. Erst nach der Ermordung Philipps konnte er in sein Bistum nach Köln zurückkehren.

Heinrich VI. starb früh, schon im Alter von 32 Jahren 1197 im September 1197 wohl an Malaria. Allerdings ging auch das Gerücht um, seine Frau Konstanze habe ihn vergiften lassen.

Als Philipp 1208 in Bamberg ermordet wurde (siehe dazu auch Blog Andechs) verwaltete der Speyrer Bischof Konrad von Scharfenberg die Reichsinsignien. Er war kurz vor seinem Tod von Philipp zum Reichskanzler ernannt worden.

Er stammte von der Burg Scharfenberg, das ist die Burg, die direkt neben dem Trifels liegt. Das Königtum war zwischen Philipp von Schwaben und seinem Gegenspieler Otto IV. aus der Familie der Welfen  bisher strittig.1198 waren mit Philipp und Otto

zwei Könige gewählt worden. Otto wurde am 12. Juli 1198 in Aachen zum König gekrönt. Die Insignien befanden sich allerdings in der Hand des Staufers Philipp. Zur Krönung hatte sich Otto von niederrheinischen und französischen Goldschmieden

neue anfertigen lassen. Reichsschwert und Reichsapfel sind bis heute erhalten. Nach der Ermordung Philipps wurde der Speyrer Bischof auch von Otto ausdrücklich als Reichskanzler bestätigt.

Daraufhin übergab er die Insignien an Otto, nun König ohne Gegenspieler. Allerdings machte nun auch Friedrich II., “das Kind von Pülle”, der Sohn Kaiser Heinrichs VI. seinen Anspruch geltend. Er war beim Tod seines Vaters erst 2 Jahre alt und kam somit für die Thronfolge natürlich noch nicht in Frage. 1211 hatte das Reich wieder zwei Herrscher, denn die Erzbischöfe von Mainz und Magdeburg, Siegfried und Albrecht, Landgraf Ludwig von Thüringen und der böhmische König Ottokar wählten ihm zum “anderen König”.

Von Italien aus begab sich Friedrich nach Deutschland. Am Bodensee konnte Friedrich mit Konstanz eine bedeutende Stadt im Südwesten gewinnen, nur weil er ein bisschen früher in Konstanz war und dort durch Bischof Konrad eingelassen wurde.

Bei Bouvines erlitt Otto eine vernichtende Niederlage als er zur Unterstützung seines englischen Bündnispartners Johann Ohneland mit seinem Heer nach Frankreich aufgebrochen war. Damit war die Partie für Friedrich entschieden.

1215 befand sich der Trifels in der Hand Friedrichs. Er maß der Burg und der Stadt, die sich unterhalb des Trifels befand, Annweiler große Bedeutung zu. 1219 erhob Friedrich II. Annweiler zur freien Reichsstadt. Es ist damit zweitälteste Stadt der Pfalz.

Außerdem verlieh er seiner neuen Stadt das Münzrecht. Zunächst hatten nur Bischofskirche und Abteien das Münzrecht. Annweiler war die erste Stadt überhaupt, die das Münzrecht erhielt. Der Ertrag aus dem Münzrecht sollte ausdrücklich für

den baulichen Unterhalt des Trifels verwendet werden. Es wurden dann auch wirklich umfassende Baumaßnahmen durchgeführt. Der 12111 geborene Sohn Friedrichs Heinrich war 1220, also mit 9, zum römisch-deutschen König gewählt worden.

Die Reichsverweserschaft übernahm der Kölner Erzbischof Engelbert von Köln. Als dieser 1225 starb, übernahm Ludwig der Bayer dieses Amt. 1228 wechselte er aber auf die Seite des Papstes. Nun übernahm Heinrich selbst die Regierung.

1232 kam es aber auch zum Bruch mit dem Vater. 1235 verweigerte Heinrich dem Vater die Herausgabe des Trifels und damit auch der Reichsinsignien. Im Swiggerstal schlug Friedrich seinen Sohn. Er musste sich in Wimpfen unterwerfen.

Er setzte mit Konrad von Osternohe einen Parteigänger als Burgverwalter auf dem Trifels ein. Er war ein Deutschordensritter und verwalte wohl auch das Amt Trifels mit. Laut Reichssteuerverzeichnis von 1241 war das Amt eines der ergiebigsten

Besitztümer des Reiches. Auf ihn folgte 1242 der Reichsministeriale Konrad Kropf von Flüglingen, der Konradin nach Italien begleitet hatte und in der Schlacht bei Tagliacozzo mit ihm als sein Marschall in Gefangenschaft geriet und dann in Neapel hingerichtet wurde. 1246 war Reichstruchsess Philipp I. von Falkenstein Burgverwalter. Dieser stammte aus der Familie von Bonlanden. Verwalter der Reichsinsignien auf dem Trifels war mit Unterbrechungen bis 1259. Konrad IV., der einzige Sohn Friedrichs aus der Ehe mit

dessen zweiter Ehefrau Isabella von Brienne war von 1235-1254 Herzog von Schwaben. 1237 war er als 8-Jähriger zum römisch-deutschen König gewählt worden.

In einer am 17. September 1246 auf dem Trifels ausgestellten Urkunde bestätigte König Konrad IV.  “dass Isengard, die hausfrau seines truchsessen Philipp von Falkenstein, ihm geantwortet habe die burg Trivels und die kaiserlichen zeichen, mit namen unsers herrn holz mit einem goldnen kreutz, St. Johann baptisten zahn, St. Mauricien speer, unsers herrn nagel, das kreuz mit der ketten und dem heiligthum, die goldene krone mit goldenem kreuze, zwei schwerter mit zwei scheiden, den goldenen fingerring mit dem rubin und vier saphiren, den goldnen apfel mit einem kreutz, den kaiserlichen mantel, drei goldne sporn, eine albe von weissem sammt, zwei scharlachene hosen und zwei schuhe mit steinen geziert, und andere angegebene gegenstände” übergeben hat.

Der Ministeriale Wilhelm von Wimpfen wird 1251 von Konrad zum Burggrafen vom Trifels ernannt und in einer Urkunde vom 19. September 1253, die Bischof Hermann von Würzburg ausstellt (WUB Band V., Nr. 1269, Seite 33-34) wird Wilhelm als Hüter der Reichsinsignien in Trifels bezeichnet.

Auch nach dem Tod Konrads 1254 waren die Reichsinsignien auf dem Trifels.  König Wilhelm von Holland “schreibt dem abt von Egmond seinem vicecanzler, dass als er kürzlich nach Oberdeutschland kam, er dort eine ihm sehr günstige stimmung gefunden habe, dass alle über seinen anblick sich freuen wie eine mutter sich freut über den ihres todt geglaubten sohnes, dass die burg Trifels mit den kaiserlichen zierden, den reichsheiligthümern, der lanze und der krone nunmehr in seinem besitze sei. “

(Regestae Imperii Wilhelm – RI V,1,2 n. 5239 )inzwischen war wieder Philipp I. von Falkenstein Burgverwalter. Nachdem Wilhelm von Holland 1256 in einer Schlacht fiel, gab es wieder eine Doppelwahl. Der Burgverwalter übergab die Insignien an

Richard von Cornwall. Er wurde dann wieder mit der Bewachung der Insignien betraut. Dieses Amt ging an seinen Sohn Philipp II. über. 1273 endete die Amtszeit der Falkensteiner. Auf ihn folgte Reinhard von Hohenecken. Reinhard übergab dem

neugewählten König Rudolf von Habsburg nach dessen Wahl Burg Trifels und die Reichsinsignien. Nun verlor die Burg ziemlich schnell die Bedeutung, die sie während der Stauferzeit gehabt hatte. König Rudolf ließ die Insignien auf Burg Kyburg in der Schweiz bringen, die sich in seinem Besitz befand. Dort wurden die Insignien von 1273-1325 verwahrt. Albrecht von Habsburg, der nach der kurzen Königszeit von Adolf von Nassau auf den Thron kam, ließ 1298 auch den Reichsschatz abtransportieren.

König Rudolf hatte die Burg nach wie vor von einem Burggrafen verwalten lassen. Er machte sie aber auch zu dem Sitz eines hohen Beamten, des Landvogts im Speyergau. Der erste Landvogt unter Rudolf war Graf Friedrich IV. von Leiningen.

Vom  28. Februar 1309 gibt es folgende in Speyer ausgestellte Urkunde: “König Heinrich teilt dem Adligen Raugraf Georg, seinem Getreuen (nobili viri Georgio co­mi­ti Irsuto fideli suo dilecto), mit, daß er den Grafen Georg von Veldenz zum Landvogt für den Speyergau er­nannt hat (per Spirkowiam provincialem fecimus advocatum); daher befiehlt er ihm, diesem sämt­liche Befestigungen und Burgen, die sein verstorbener Vater im Namen des Reiches in­ne­hatte, unverzüglich und ohne Widerspruch zu übergeben. – Nobili viro […]. Quia de circumspeccionis industria.” (Heinrich VII. – RI VI,4,1 n. 60)Raugraf Georg war der Sohn  des Landvogtes im Speyergau. Er hatte sich in seinem Amt wohl Erpressungen zuschulden kommen lassen. Die Übertragung des Amtes auf den neuen Landvogt könnte durchaus eine Reaktion darauf sein. Am selben Tag  hatte er die Ernennung auch den Schultheißen, Schöffen, Ratsherren und allen Bürgern von Kaisers­lautern, Weißenburg, Landau, Selz, Hagenbach, Germersheim und Annweiler, seinen Ge­treuen “ mitgeteilt.

(Heinrich VII. – RI VI,4,1 n. 59#)

Ludwig der Bayer traf am 22. Januar 1330 eine für die Burg folgenschwere Entscheidung: “Ks. Ludwig verpfändet den Pfalzgrafen Rudolf [II.] und Ruprecht [I.] bei Rhein für 6000 Mark Silber die Städte Neckargemünd, Eberbach, Mosbach, Sinsheim sowie die Burgen Trifels, Neukastel, Germersheim, Annweiler, Guttenberg, Falkenburg, Wegelnburg und die Dörfer Haßloch und Böhl.” (Ludwig – [RI VII] H. 4 n. 33).

Die beiden Pfalzgrafen machten Ludwig auf den ungenügenden Bauzustand der als Pfand genommenen Reichsburgen aufmerksam. Da erteilte Ludwig den beiden die Ermächtigung, alles was an den Reichsburgen verbaut würde mit “rechter Kundschaft” zu dem Pfandschilling zu schlagen, also praktisch das Guthaben beim Reich um diese Summe zu erhöhen.Auch Karl IV. anerkannte 1359 eine Höhe der Reichsschuld um 1000 Gulden. Sicher reizten die Pfalzgrafen das auch aus, denn es lag ja durchaus in deren Interesse,

die Wiedereinlösung möglichst zu erschweren oder gar unmöglich zu machen. Die Pfalzgrafen betrachteten die Burg mehr und mehr als ihr Eigentum, wenn sie auch 1353 von Karl darauf hingewiesen wurden, dass der Trifels Reichseigentum war und

kein Erbgut der Pfalzgrafen. Aber einlösen konnte er die Burg nicht. Dazu hatte er schlicht das Geld nicht. Die Pfalzgrafen aber behandelten den Trifels ähnlich wie ihr sonstiges Eigentum. Sie ließen Burg und Amt durch ihre Burgverwalter verwalten.

Da auch die Pfalzgrafen klamm waren, nutzten die Pfalzgrafen 1402 und 1407 die Burg selbst als Pfandobjekt. Sie verpfändeten sie ebenfalls. 1410 gab es einen Besitzwechsel.

Kurfürst Ruprecht III. von der Pfalz, der 1400 zum deutschen König gewählt worden war, hatte 4 Söhne Ludwig (III.), Johann, Stefan und Otto (I.) Im Mai 1410 machte er sein Testament und verfügte die Aufteilung seines Familienbesitzes unter seinen

4 Söhnen. Er starb nur ein halbes Jahr nach der Erstellung seines Testaments und gemäß dem Testament wurde sein Herrschaftsgebiet unter seinen Söhnen aufgeteilt. Das ist die pfälzische Erbteilung von 1410. Der Trifels und die benachbarte Burg Scharfeneck fielen

an Stephan von Simmern- Zweibrücken. Für den Trifels änderte sich zunächst nichts. Nur die Verwaltung wurde ausgetauscht. Nun saßen Amtsleute von Simmern-Zweibrücken auf dem Trifels. Auch die Unterverpfändungen

gingen weiter, so 1427, 1432 und vor 1442.

Der 15. Februar 1486 ist ein weiteres wichtiges Datum für den Trifels. In einer in Frankfurt ausgestellten Urkunde bestätigt Friedrich III. den versammelten Fürsten und Kurfürsten alle vom Reich erhaltenen Ämter und Pfandschaften und zählt diese auf.

Darunter ist auch der Trifels. Das bedeutet für die Burg, dass sie nicht mehr Reichsburg ist. Die Bedeutung der Burg ging aber weiter zurück. Seit 1509 wurde Burg Trifels und Neukastel in Personalunion mit einem Burgverwalter verwaltet und der saß auf

Neukastel.Zwischen 1558-1565 wurde auch das Amt Trifels aufgehoben. Es wurde dem Amt Neukastel inkorporiert.

Im Bauernkrieg 1525 kam der Trifels vergleichsweise glimpflich davon. Die Nachbarburg Scharfeneck war zerstört worden. Der Nussdorfer Haufe hatte zwar Neukastel und den Trifels eingenommen. Da sie aber freiwillig eingelassen worden waren, kam es kaum zu Zerstörungen.Die Burg blieb acht Tage besetzt und die Bauern hielten sich an den Vorräten schadlos. Die geringen Schäden wurden noch im Jahr 1525 repariert.

Seit 1565 lag auch das militärische Kommando bei einem Hauptmann mit Sitz auf Neukastel.1568 ließ Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken die Räumlichkeiten der Burg wieder instand setzen, vor allem aber Fenster und Türen

diebstahlsicher machen. Aus dem Jahr 1595 ist eine Inventarliste überliefert, die die geradezu armselige Ausstattung der Burg belegt. 1602 wurde die Burg bei einem schweren Unwetter vom Blitz getroffen und brannte weitgehend aus. Die Schäden wurden wohl nur noch notdürftig behoben.

Im Dreißigjährigen Krieg waren um 1632 die Truppen des Grafen Mansfeld in der Gegend . Die Bevölkerung suchte in diesen Zeiten Schutz und Unterschlupf auf dem Trifels. Als dann 1635 die Pest ausbrach, wurde auch der Trifels aufgegeben.

Er wurde 1706 der Stadt Annweiler als Steinbruch überlassen. Schon 1660 ließ Herzog Friedrich Ludwig Marmorplatten und Marmorsäulen aus der Burg  nach Annweiler in die dortige Kirche verbringen, weil ihr der Einsturz drohte.

Ab 1841 führte die bayrische Staatsregierung Sicherungsmaßnahmen durch. 1866 wurde der Trifelsverein gegründet. Der Verein hatte sich zur Aufgabe gemacht die Verbesserung der Aufgänge, die Aufräumung der Anlage, die Burgruine den Freunden der Natur und den Verehrern der historischen Vergangenheit näher zu bringen, die Beschwerden beim Bergsteigen zu mindern. Man begann dann auch mit den Aufräumarbeiten, wie es der Vereinszweck vorsah.

Zur Zeit des Nationalsozialismus traf der Trifels plötzlich wieder auf gesteigertes Interesse. Die Nazis sahen den Symbolwert dieser geschichtsträchtigen Burg und nutzten ihn für ihre politische Selbstdarstellung. 1935 wurden wissenschaftliche Grabungen durchgeführt und 1937/38 mit dem Wiederaufbau begonnen. Architekt war Rudolf Esterer. Von 1937 bis 1945 wirkte er als Berater des bayerischen Finanzministeriums in Baufragen. Von 1945 bis 1952  war er Präsident der Schlösserverwaltung .

Er orientierte sich nicht am historischen Bauzustand. Kriegsbedingt stockte der Aufbau sehr rasch und kam nicht zum Ende. 1966 war der Bau weitgehend abgeschlossen. Es erfolgten dann noch weitere Sanierungsmaßnahmen.

Der Ausbau erfolgte dann nicht mehr so, wie Esterer ihn geplant hatte. Man kann aber an dem heutigen Ausbau durchaus nachvollziehen, nach welchen Gestaltungsprinzipien in der Zeit des Nationalsozialismus gebaut wurde

Und das als solches zu dokumentieren, ist ja auch denkmalwürdig.

imagesYZ18QB0K

01 Aug. 2014

Ruine Guttenberg

guttenberg1

Die Ruine liegt im Mundatwald etwa3 Kilometer westlich von Oberotterbach. Erstmals urkundlich erwähnt wird sie 1150 als staufische Reichsburg. Als Ministeriale wird Landolf von Guttenburc genannt. Ab 1292 war die Burg ein attraktives Reichslehen der Grafen von Leiningen. Zum Lehen gehörten die Dörfer Dierbach, Dörrenbach, Ober-und Niederotterbach, Freckenfeld, Kandel und Minderslachen.

1330 verpfändet Kaiser Ludwig der Bayer für 6000 Mark Silber die Burg an die Kurpfalz. Diese kann die Pfandsumme aber nicht aufbringen und so bleibt die Burg im Besitz der Leininger. Nach einer Fehde gehört sie aber dann doch ab 1379 zur Hälfte der Kurpfalz, zur Hälfte Leiningen. Nach dem Tode Ruprechts von der Pfalz 1410 wird in der pfälzischen Teilung die Burg Herzog Stephan von Pfalz-Simmern-Zweibrücken zugeschlagen. 220px-Guttenberg_Burghof Die Leininger

verlieren 1463 ihren Besitzanteil. Über die Hanau – Lichtensteiner gelangt dieser auch an die Herzöge von Zweibrücken. Im Bauernkrieg 1525 wird die Burg vom Lothringer Bauernhaufen zerstört und anschließend nicht wieder aufgebaut. 1559 stirbt die Heidelberger Linie aus und die andere Hälfte der Herrschaft Guttenberg fällt ebenfalls an Pfalz-Zweibrücken. Das Amt wird nach Dörrenbach verlegt. Im Zweiten Pariser Frieden fällt die Burg an Bayern. Nach dem Zeiten Weltkrieg kam die Ruine an Rheinland-Pfalz stand aber von 1949 bis 1986 unter französischer Verwaltung. Der Mundatwald war 1949 durch französische Besatzungsverordnung aus dem Staatsgebiet des Deutschen Reiches ausgegliedert worden, um die Wasserversorgung  der Statd Weissenburg sicher zu stellen. 1986 wurde diese Ausgliederung gegen Geldleistung aufgehoben.

Von der Burg stehen nur noch Reste der Ringmauern, der Vorburg ,Teile des Bergfrieds und eine Felsentreppe. Die Ruine bietet einen guten Ausblick über den Mundatwald.

guttenberg2

05 Jan. 2011

Burgruine Hardenburg

 

220px-Hardenburg_1580

Die Ruine Hardenburg zählt zu den größten und eindrucksvollsten Burganlagen der Pfalz. Sie liegt auf einer Felsnase im Ortsteil Hardenburg von Bad Dürkheim über dem Tal der Isenach. Sie diente zur Kontrolle der Öffnung zur Rheinebene.

Rund um die Hardenburg sind einige geschichtsträchtige Plätze der Region, so das Kloster Limburg knapp zwei Kilometer von der Burg entfernt. Dann ist oberhalb des linken Isenachufers ein keltischer Ringwall, die Heidenmauer oder der römische Steinbruch Kriemhildenstuhl. Im Museum in Speyer sind Abbildungen der römischen Inschriften im Steinbruch zu sehen.

Zwischen 1205 und 1214 erbauten die Grafen von Leiningen unweit ihrer Stammburg Altleiningen die Burg Hardenburg. Sie waren Schutzvögte des Klosters Limburg.  Das Gelände, auf dem die Burg errichtet wurde, hatten sie sich aber widerrechtlich angeeignet. 1237 gab es eine erste Erbteilung. 1317 entstand bei einer weiteren Erbteilung die Linie Leiningen-Hardenburg unter

1  Graf Jofried. Nach dessen Tod kam es zu Erbstreitigkeiten und 1345 spaltete sich die Linie Leinigen-Rixingen ab. 1512 wurde über einen den Grafen Emich IX die Reichsacht verhängt und im Zuge dieser Auseinandersetzung belagerte Ludwig V., Kurfürst von der Pfalz die Burg. Die Leininger übergaben die Burg rasch, damit diese keinen Schaden nahm. 1519 erhielten sie sie zurück. Die Leininger ließen sie dann von den bekannten Festungsbaumeistern Hans Jacob von Ettlingen und Caspar Weitz ausbauen. Allerdings wurde die Anlage im Laufe der 100-jährigen Bauzeit von der waffentechnologischen Entwicklung überholt und im 17. Jahrhundert hatte sie nicht mehr die gewünschte Verteidugungskraft. Allerdings bot sie während des 30-jährigen Kriegs den Bewohnern der umliegenden Orte Zuflucht und auch den Pfälzischen Erbfolgekrieg überstand die Burg nahezu unversehrt. Von 1560-1725 war sie Hauptsitz der Leininger und wurde zum Residenzschloss umgebaut. Erst 1794 wurde sie von französischen Revolutionstruppen besetzt und in Brand gesteckt.

Nach 1950 wurde sie aufwendig saniert. Das Ende der Sanierung soll 2011 sein.

In der Burg wurde auch ein Turm zugemauert.  Er ist jetzt ein Fledermausbiotop

2

04 Jan. 2011

Die Dahner Burgen

 

ALTDAH08

Die Dahner Burgen, die auch Dahner Schlösser genannt werden, liegen nebeneinander auf 5 Sandsteinfelsen östlich von Dahn. Eine solche Burgengruppe ist in den benachbarten Vogesen öfters zu finden wie dem Dreistein am Odilienberg oder den drei Exen bei Egisheim. Diese drei Burgen Altdahn, Grafendahn und Tanstein sind die größte Burganlage der Pfalz. Nach den archäologischen Befunden geht man davon aus, dass Tanstein der ältestes Teil der Burgengruppe ist.

Heinrich von Dahn ist der erste Ministeriale der mit der Burg in Verbindung gebracht werden kann. Er ist erstmals 1189 urkundlich nachzuweisen. Die Familie hat enge Beziehungen zur Kirche und mehrere Familienmitglieder gelangen in hohe und höchste kirchliche Ämter. Seit dieser Zeit ist die Burg Lehen des Bistums Speyer.                                   

 altdahn

1240 spaltet sich ein Seitenlinie ab und benennt nach der nordwestlich von Dahn gelegenen Burg Neudahn.

Den mittleren Burgfelsen,  erhält durch Erbteilung Konrad Mursel. Nach dem Verkauf an die Grafen von Sponheim erhält er den Namen Grafendahn.1287 sterben die Familien von Grafendahn und Neudahn im Mannesstamm aus und so kommt es zu einer vorübergehenden Vereinigung des verzweigten Familienbesitzes. Ausgenommen davon ist die Burg Grafendahn, da der Bischof von Speyer die Burg den Töchtern des verstorbenen Besitzers Konrad von Dahn zusprach. Ab 1288 ist die Burg Ganerbenburg und auch durch Burggräben getrennt. 1339 kaufen die Sponheimer die Burg endgültig. Im 15.  Jahrhundert wird die Burg mehrmals zerstört. Ab 1543 ist die Burg unbewohnbar. Die französischen Truppen des Generals Melac zerstören die Burgengruppe 1689 endgültig.

Altdah03

02 Jan. 2011