{"id":905,"date":"2011-01-30T20:34:15","date_gmt":"2011-01-30T20:34:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=905"},"modified":"2011-01-31T16:05:01","modified_gmt":"2011-01-31T16:05:01","slug":"frststift-kempten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=905","title":{"rendered":"F&uuml;rststift Kempten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/kempten_reg_web.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"kempten_reg_web\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/kempten_reg_web_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"kempten_reg_web\" width=\"201\" height=\"223\" \/><\/a><\/p>\n<p>752 gab es eine Missionszelle, die von St. Gallener M\u00f6nchen besetzt war. Daraus entstand bis 770 das k\u00f6nigliche Eigenkloster Kempten. Es wurde durch Karl den Gro\u00dfen und seine Gemahlin Hildegard aus deren m\u00fctterlichem Erbgut reich beschenkt und bl\u00fchte rasch auf. Es erlangte sehr fr\u00fch Immunit\u00e4t, Besteuerungsrecht und Zwing und Bann \u00fcber die Hintersassen. Es erhielt Befreiung aus \u00f6ffentlichen Diensten und 834 aus der Heeresfolge. 853 gab es Streitigkeiten um Rodungsrechte. Deshalb wurde in k\u00f6niglichem Auftrag die marca Campidonesis genau abgegrenzt. Diese Grenzsetzung hatte bis zur S\u00e4kularisation 1803 Bestand. 839 erhielt das Kloster das Privileg der freien Abtwahl. Doch wurde dies nicht immer beachtet. 941 \u00fcbertrug K\u00f6nig Otto die reformbed\u00fcrftige Abtei Bischof Ulrich von Augsburg. Dieser baute das von den Ungarn zerst\u00f6rte Kloster wieder auf. Seine fr\u00fcheren Freiheiten und Rechte wurden von Otto II. (983) und Otto III. (983) best\u00e4tigt. 1062 best\u00e4tigte Heinrich IV. die Reichsunmittelbarkeit der Abtei, nachdem sie immer wieder gef\u00e4hrdet schien. Mehrfach wurde die Abtei an Bisch\u00f6fe und weltliche Gr\u00f6\u00dfen vergeben. Die Vogtei wurde von\u00a0 vom K\u00f6nig eingesetzten Unterv\u00f6gten wahrgenommen. Allerdings konnten sie die Welfen in den Wirren des Investiturstreits dauerhaft an sich bringen. Beim Tode Welf VI. ging die Vogtei an die Staufer \u00fcber. Die Markgrafen von Ronsberg \u00fcbten im Auftrag der Welfen und dann der Staufer die Vogteirechte \u00fcber Teile des Klosterbesitzes aus. Die Ronsberger starben 1212 aus. Kaiser Friedrich II. verlieh Abt Heinrich die Grafschaftsrechte innerhalb der Grenzmarken von 853 als Reichslehen. Daf\u00fcr erhielt der die Vogteirechte. Aber schon 1218 verzichtete er und 1224 sein Sohn Heinrich VI. auf die Stiftsvogtei. Unter Konrad IV. waren die Vogteirechte wieder in der Hand des K\u00f6nigs. Konradin verpf\u00e4ndete sie dann wieder 1262 an das Stift. Rudolf I. und Karl IV. versuchten die Rechte wieder einzuziehen, aber sie wurden jedes Mal wieder an das Stift selbst verpf\u00e4ndet. Allerdings waren sp\u00e4testens seit Rudolf die Vogtei \u00fcber die Stadt Kempten und die Stiftsvogtei getrennt. Die \u00c4bte waren seit 1197 infuliert und trugen ab 1348 den Titel F\u00fcrstabt.<\/p>\n<p>Die Exemtion, also die Unabh\u00e4ngigkeit von jeglicher bisch\u00f6flichen Gewalt wurde vom Heiligen Stuhl 1419 und 1483 nochmals best\u00e4tigt. Die Stadt Kempten war 1289 reichsfrei geworden und es gab st\u00e4ndige Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Stift. Diese versch\u00e4rften sich, als sich die Stadt 1527 v\u00f6llig vom Stift frei gekauft hatte und protestantisch geworden war. Gro\u00dfe Probleme hatte das Stift auch 1525 im Bauernkrieg. Abt war Sebastian Breitenstein, der ziemlich starrsinnig war, sein b\u00e4uerlicher Gegenspieler J\u00f6rg Schmid von Leubas,\u00a0 der sich mit anderen<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/21.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"2\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/2_thumb1.jpg\" border=\"0\" alt=\"2\" width=\"244\" height=\"176\" \/><\/a>Bauern in Marktoberdorf zum Allg\u00e4uer Bund zusammengeschlossen hatte. Vers\u00f6hnungsversuche des F\u00fcrstbischofs von Stadion scheiterten. Das Kloster von Kempten wurde gepl\u00fcndert und teilweise zerst\u00f6rt.\u00a0 12000 Bauern hatten sich an der Leubas verschanzt. Diesem Haufen standen 1500 Reiter und 6000 Fussknechte unter dem Truchsess von Waldburg, dem Bauernj\u00f6rg, gegen\u00fcber. Georg von Frundsberg schloss sich dem Heer des Truchsessen an. Die \u201cKanonade an der Leubas&#8220; dauerte drei Tage. Die Bauern wurden zusammengeschossen. Die R\u00e4delsf\u00fchrer, unter ihnen J\u00f6rg Schmid, wurden hingerichtet.<\/p>\n<p>Noch schlimmer erging es dem Stift im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg. 1632 verwandelten die B\u00fcrger der protestantischen Reichsstadt Kempten zusammen\u00a0 mit den Schweden das Stift in einen Tr\u00fcmmerhaufen. 1639 wurde der reformfreudige und tatkr\u00e4ftige aber auch eigenwillige\u00a0 Roman Giel von Gielsberg F\u00fcrstabt. Er berief den Vorarlberger Baumeister Michael Beer und lie\u00df ab 1651 die Residenz und Stiftskirche St. Lorenz neu errichten. Er baute damit die erste gro\u00dfe Klosteranlage nach dem\u00a0 Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg nach Vorbildern des italienische Fr\u00fchbarocks in Deutschland. Er war jedoch weiterhin in Zwistigkeiten sowohl mit dem Konvent als auch mit den Untertanen verstrickt. Erst sein Koadjutor und sp\u00e4terer Nachfolger Bernhard Gustav von Baden-Durlach\u00a0 (1669-1677), der zugleich F\u00fcrstabt von Fulda und Kardinal war, konnte die Zust\u00e4nde stabilisieren.<\/p>\n<p>Im Reichstift Kempten fand im jahre 1775 auch der letzte Hexenprozess auf deutschem Boden statt. Angeklagt war Anna Maria Schwegelin, eine Magd aus Lachen, das als eine Enklave zum Territorium der F\u00fcrstabtei geh\u00f6rte. Den Prozess f\u00fchrte der Landrichter Johann Franz Wilhelm Treuchtlinger, der schon vorher Todesurteile erwirkte, die noch 1739 und 1755 vollstreckt wurden. Auch die Angeklagte Schwegelin wurde am 7. April 1775 zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde allerdings nicht mehr vollstreckt. Sie wurde zwar begnadigt, aber im Gef\u00e4ngnis behalten und starb dort am 07.02.1781. Dass der letzte Hexenprozess auf deutschem Boden in Kempten statfand, h\u00e4ngt weniger mir der R\u00fcckst\u00e4ndigkeit der F\u00fcrstabtei als mit der Person des Landrichters Treuchtlinger zusammen. Es war aber schon so, dass die Hexenverfolgung gerade in kirchlichen Territorien oft st\u00e4rker war. Man denke nur an Ellwangen oder W\u00fcrzburg.<\/p>\n<p>Als im Zuge der S\u00e4kularisation das F\u00fcrststift Bayern einverleibt wurde, war es mit Schulden in H\u00f6he von 2,25 Millionen Gulden belastet. Das Stift wurde aufgel\u00f6st. 94 Bilder aus der f\u00fcrstlichen Sammlung gingen nach M\u00fcnchen. Das Archiv wurde ins Allgemeine Reichsarchiv \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Teile der Bibliothek gingen nach Augsburg. Der Rest verkam.<\/p>\n<p>Die Prunkr\u00e4ume der Residenz k\u00f6nnen besichtigt werden. Die R\u00e4ume der Residenz werden als Amts-und Landgericht und von der Staatsanwaltschaft genutzt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/index111.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"index1\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/index1_thumb10.jpg\" border=\"0\" alt=\"index1\" width=\"154\" height=\"117\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>752 gab es eine Missionszelle, die von St. Gallener M\u00f6nchen besetzt war. Daraus entstand bis 770 das k\u00f6nigliche Eigenkloster Kempten. Es wurde durch Karl den Gro\u00dfen und seine Gemahlin Hildegard aus deren m\u00fctterlichem Erbgut reich beschenkt und bl\u00fchte rasch auf. Es erlangte sehr fr\u00fch Immunit\u00e4t, Besteuerungsrecht und Zwing und Bann \u00fcber die Hintersassen. 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