{"id":868,"date":"2011-01-24T15:25:38","date_gmt":"2011-01-24T15:25:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=868"},"modified":"2011-03-20T12:26:40","modified_gmt":"2011-03-20T12:26:40","slug":"kloster-schussenried","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=868","title":{"rendered":"Kloster Schussenried"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/index61.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"index6\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/index6_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"index6\" width=\"111\" height=\"75\" \/><\/a> Die Gegend um Schussenried war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. 1866 fand man an der Schussenquelle einen Lagerplatz von J\u00e4gern und Sammlern. Das war der erste altsteinzeitliche Fund in Europa. Auch der nahegelegene Federsee war eine ergiebige Fundstelle f\u00fcr Arch\u00e4ologen. Im Federseeried wurden jungsteinzeitliche Pfahlbauten und Moordorfsiedlungen entdeckt. Und im Olzreuter Ried wurden R\u00e4der entdeckt, die zu den \u00c4ltesten in ganz Mitteleuropa z\u00e4hlen. Dendrochronolgisch wurden sie auf etwa 2897 vor Christus datiert.<\/p>\n<p>Die schriftlichen Belege sind naturgem\u00e4\u00df wesentlich j\u00fcnger. Um 700 nach Christus war \u201cSuzzenried\u201d ein Pfarrdorf. Die erste urkundliche Erw\u00e4hnung Schussenrieds ist 1153. Um 1150 war Schussenried ein Herrensitz von Konrad und Beringer von Schussenried.\u00a0 Da sie keine Erben hatten, \u00fcbertrugen sie ihren Besitz dem Pr\u00e4monstratenserorden. Das Jahr 1183 gilt als Gr\u00fcndungsjahr des Klosters durch das Pr\u00e4monstratenserstift Rot. Es wurde von Kloster Weissenau, ebenfalls einer Roter Gr\u00fcndung, besiedelt. Zun\u00e4chst kam ein Propst Friedrich mit zw\u00f6lf weiteren Chorherren aus Weissenau. Die Stifter traten dem Konvent ebenfalls bei. Das Familienwappen wurde einfach als Wappen des Klosters \u00fcbernommen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/515pxWappen_Bad_Schussenried.svg_.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"515px-Wappen_Bad_Schussenried.svg\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/515pxWappen_Bad_Schussenried.svg_thumb.png\" border=\"0\" alt=\"515px-Wappen_Bad_Schussenried.svg\" width=\"228\" height=\"244\" \/><\/a><\/p>\n<p>1185 wurde der Bau der Konventskirche begonnen. 1188 wurde der schon vorher verstorbene Propst Friedrich in der neuen Kirche bestattet, ebenso der inzwischen zum Priester geweihte Klosterstifter Beringer. Sein Bruder Konrad\u00a0 von Schussenried wurde 1191 in der Konventskirche beigesetzt. Erste Probleme hatte der junge Konvent in den \u201cWartenbergischen Wirren\u201d zu \u00fcberstehen. Konrad von Wartenberg hatte Erbanspr\u00fcche gestellt. Es kam zu Erbauseinandersetzungen. Der Konvent floh vor\u00fcbergehend nach Weissenau. Der Nachfolger Friedrichs Propst Manegold bat\u00a0 Papst Coelestin III. um Rechtsbeistand. Dieser best\u00e4tigte die Stiftung. Mit Hilfe des Konstanzer Bischofs Diethelm von Krenkingen, der in Personalunion Abt der Reichenau war, konnte 1205 ein Vergleich geschlossen werden. Die vertriebenen Chorherren konnten nach Schussenried zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Am Kloster wurde noch weitergebaut. 1211 erteilte Papst Innozenz III. dem Kloster ein Schutzprivileg. Unter Propst Konrad II.wurde\u00a0 Kirche und Kloster geweiht. Das Kloster konnte weitere G\u00fcter rund um Schussenried erwerben. Im Jahre 1227 wurde dem Kloster Zollfreiheut gew\u00e4hrt und 1240 erhielt es die Vogteirechte. Um 1366 wurde der Schutzpatronin der Klosterkirche, der Mutter Gottes, der Allg\u00e4uheilige Sankt Mang beigef\u00fcgt und so begeht heute noch Schussenried als eine von wenigen Pfarreien au\u00dferhalb des Allg\u00e4us das St.Mang-Fest. Die Kirche wurde nun als \u201cGozhus unser Frawen und Sanct Mang&#8220; bezeichnet. Das Kloster wurde zur Abtei erhoben. Am 11. Januar 1440 wurde der bisherige Propst Konrad V. zum Abt geweiht. Seit 1452 stand das Kloster unter dem Schutz der Truchsessen von Waldburg und der Georgsritterschaft. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts war das Kloster reichsunmittelbar. Seit 1487 war es von fremden Gerichten befreit. 1512 erreichte die Abtei in ihrem Herrschaftsgebiet die Hoch-und Blutgerichtsbarkeit und war damit Reichsabtei. Sp\u00e4testens seit1497 durfte der<\/p>\n<p>Abt an den Versammlungen des Reichstages teilnehmen und seit 1538 geh\u00f6rte das kloster dem Schw\u00e4bischen Pr\u00e4alentkollegium an.Ab 1482 lie\u00df Abt Heinrich \u00d6sterreicher Kloster und Kirche gotisch umgestalten. Eine Bibliothek wurde errichtet und um 1493 der Kirchturm erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Zwischen 1517 und\u00a0 1525 lehnten sich die Bauern gegen die Klosterherrschaft auf. Am 19. M\u00e4rz 1525 wird das Kloster \u00fcberfallen, gepl\u00fcndert und verw\u00fcstet. Der Abt Johann Wittmayer (1505-1544) war mit dem Tode bedroht worden und konnte sich gerade noch durch die Hintert\u00fcr retten.<\/p>\n<p>1596 wurde die Abtei infuliert.<\/p>\n<p>Das Kloster bl\u00fchte und war ein reichsunmittelbarer Kirchenstaat von\u00a0 4100 Hektar Fl\u00e4che. Der 30-j\u00e4hrige Krieg setzte der Bl\u00fctezeit ein abruptes und gewaltsamens Ende. Zwischen 1632 und 1647 wurde es mal von \u00f6sterreichischen und bayrischen Truppen mal von schwedischen besetzt.<\/p>\n<p>Alle wetteiferten in Raub, Pl\u00fcnderung und sonstigen Freveln. Am 19. Januar 1647 setzten abziehende schwedische Truppen das Kloster in Brand,\u00a0 zerst\u00f6rten das Langhaus der Kirche und verw\u00fcsteten das kl\u00f6sterliche Territorium. Dies geschah in der Amtszeit des Matthh\u00e4us Rohrer (1621-1653)<\/p>\n<p>Kaum hatte sich das Kloster von den Kriegslasten erholt, war der Spanische Erbfolgekrieg (1701-1714) heraufgezogen.Die Jahre 1701-1704 (Schlacht von H\u00f6chst\u00e4dt) belasteten das Kloster und seine Untertanen mit 297.000 Gulden, das sind ungef\u00e4hr 14,5 Mio \u20ac. Trotzdem\u00a0 fasste der Abt Didacus Str\u00f6bele (1719-1733) den Entschluss,\u00a0 die Wallfahrtskirche Steinhausen neu zu erbauen. Die kleine Marienkirche war dem Pilgerstrom zum Gnadenbild nicht mehr gewachsen. Der Konvent genehmigte 9000 Gulden f\u00fcr den Bau. Als Baumeister wurde Dominikus Zimmermann gewonnen. Und er erbaute die \u201csch\u00f6nste Dorfkirche der Welt.\u201d Die Baukosten waren aber weit \u00fcber das genehmigte Volumen gestiegen. Die noch unvollendete Kirche wurde am 24. November 1731 von Abt Str\u00f6bele benediziert.<\/p>\n<p>Abt Str\u00f6bele war aber mittlerweile mit seinem Orden in Konflikt geraten und dankte ab. Aber auch das Kloster sollte barock umgestaltet werden. Man beauftragte 1748 Dominikus Zimmermann, eine neue Klosteranlage zu planen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/klostermodell.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"klostermodell\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/klostermodell_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"klostermodell\" width=\"244\" height=\"162\" \/><\/a> Die Zeitgenossen bewunderten den Entwurf, der aber\u00a0 nicht zur Ausf\u00fchrung kam. Der Konvent beschloss 1749 den Neubau \u2013 man spricht ja auch heute noch vom \u201cNeuen Kloster\u201d. Der ortsans\u00e4ssige Baumeister Jacob Emele kam zum Zug unter Abt Magnus Kleber zum Zug. Er realisierte den Neubau der Klosteranlage,\u00a0 deren Herzst\u00fcck der Bibliotheksaal ist.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/index19.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"index1\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/index1_thumb8.jpg\" border=\"0\" alt=\"index1\" width=\"150\" height=\"117\" \/><\/a> Aber auch damit hatten sich die Chorherren ein wenig verhoben. 1763, das Bauvorhaben war gerade mal zu einem Drittel realisiert, wurde das Projekt wegen \u00dcberschuldung eingestellt. Aus den franz\u00f6sischen Revolutionskriegen ginng das Kloster auch nicht unbeschadet heraus, zumal in zwei Schlachten bei Biberach 1796 beim R\u00fcckzug Moreaus durch Oberschwaben und 1800 gek\u00e4mpft wurde und Schussenried jedes Mal Aufmarschgebiet der gegenerischen Heere war.<\/p>\n<p>Wie bei allen oberschw\u00e4bischen Kl\u00f6stern beendete der Reichsdeputationshauptschluss 1803 ein \u00fcber Jahrhunderte dauerndes bl\u00fchendes,\u00a0 kl\u00f6sterliches Leben. Das Kloster fiel als Ausgleich f\u00fcr die linksrheinische Gebietsverluste an die Grafen von Sternberg-Manderscheid ebenso wie das Kloster Weissenau. Die Sternbergs war eine fr\u00e4nkische Adelsfamilie b\u00f6hmischer Abstammung und nach der ehelichen Verbindung mit dem Haus Manderscheid in der Eifel beg\u00fctert. Im Zuge der Mediatisierung 1806 kam Schussenried unter die Staatshoheit des K\u00f6nigreiches W\u00fcrttemberg. Der letzte Abt des Klosters Siard Berchthold(1792-1803)\u00a0 floh vor den herannahenden franz\u00f6sischen Truppen nach Tirol. Er konnte auch noch einen Teil des Klosterschatzes mitnehmen. Eine Erbengemeinschaft der Grafen verkaufte das Kloster 1835 an das K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg. Dieses richtete 1875 in den Klostergeb\u00e4uden eine Pflegeanstalt ein.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Teil der einst reichhaltigen Klosterbibliothek wurde verscherbelt und ist heute verschollen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/215398_1_org_OchsenKloster_Internet.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"215398_1_org_OchsenKloster_Internet\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/215398_1_org_OchsenKloster_Internet_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"215398_1_org_OchsenKloster_Internet\" width=\"244\" height=\"175\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gegend um Schussenried war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. 1866 fand man an der Schussenquelle einen Lagerplatz von J\u00e4gern und Sammlern. Das war der erste altsteinzeitliche Fund in Europa. Auch der nahegelegene Federsee war eine ergiebige Fundstelle f\u00fcr Arch\u00e4ologen. Im Federseeried wurden jungsteinzeitliche Pfahlbauten und Moordorfsiedlungen entdeckt. 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