{"id":361,"date":"2010-12-27T19:35:00","date_gmt":"2010-12-27T19:35:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=361"},"modified":"2010-12-31T22:17:41","modified_gmt":"2010-12-31T22:17:41","slug":"der-12-april-1945-in-biberach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=361","title":{"rendered":"Der 12. April 1945 in Biberach"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/mi04934d03b.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"mi04934d03b\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/mi04934d03b_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"mi04934d03b\" width=\"196\" height=\"244\" \/><\/a><\/p>\n<p>Biberach blieb bis im April 1945 von Luftangriffen verschont, da es milit\u00e4risch ohne gro\u00dfe Bedeutung war. Es beherbergte keine kriegswichtige Industrie. Nach der Landung der Alliierten h\u00e4uften sich allerdings die Tieffliegerangriffe. Mehrere Male wurde Z\u00fcge beschossen, wobei einmal ein Lokf\u00fchrer get\u00f6tet wurde, gelegentlich Passagiere verletzt wurden und Loks und Wagen besch\u00e4digt wurden. Der schwerste Zwischenfall ereignete sich am 2. April 1945. Da beschossen Tiefflieger einen Lazarettzug, wobei 14 Verwundete den Tod fanden.<\/p>\n<p>Die Bev\u00f6lkerung gew\u00f6hnte sich allm\u00e4hlich an den immer h\u00e4ufigeren Luftalarm.<\/p>\n<p>Ein geregelter Unterricht aber war fast nicht mehr m\u00f6glich. Man konnte die gro\u00dfen Bomberflotten beobachten, die bei den Angriffen auf Augsburg und M\u00fcnchen die Stadt \u00fcberflogen. Dabei z\u00e4hlte man \u00fcber 1300 Flugzeuge.<\/p>\n<p>Gef\u00fcrchtet waren\u00a0 aber nach wie vor die Tiefflieger. Ich erinnere mich an eine Erz\u00e4hlung meiner Mutter, dass einmal ein Busfahrer des Linienbusses ins Illertal aus dem Bus st\u00fcrzte, den Bus aber abschloss und die Passagiere darin sitzen lie\u00df.<\/p>\n<p>Diese standen Todes\u00e4ngste aus.<\/p>\n<p>Am 12. April gab es gegen 9.30 wieder Luftalarm. Nur wenige hatten es eilig. Erst als die Sirene akute Luftgefahr ank\u00fcndigte, begaben sich Bewohner in den Keller. Der Schutzraum f\u00fcr die Bewohner lag an der Steigstra\u00dfe, also wenn man sich sehr beeilte, immerhin gut 10 Minuten Fu\u00dfmarsch.<\/p>\n<p>Einige Anwohner stellten sich gerade mal am Ulmertor unter.<\/p>\n<p>Dann aber flogen sieben franz\u00f6sische Maschinen die Stadt an und warfen so etwa 60 Bomben ab. Die Kirchturmuhr blieb um 10.16 stehen.<\/p>\n<p>Das Gebiet um die Ulmertorstra\u00dfe, die B\u00fcrgerturmstra\u00dfe, der Obstmarkt, die Pfluggasse und die Bahnhofstrasse waren betroffen. Der Angriff dauerte etwa 10 Minuten. Danach waren 55 Tote und 5 Vermisste zu beklagen. 14 Menschen wurden verletzt. Die Feuerwehren konnten kaum zu den Br\u00e4nden gelangen, da die Stra\u00dfen aufgerissen und mit Tr\u00fcmmern \u00fcbers\u00e4t waren.\u00a0 Die Schwerverletzten wurden sofort nach der Bergung ins Krankenhaus gebracht, die Toten wurden zun\u00e4chst in St. Martin aufgebahrt. Die Identifizierung war oft sehr schwierig, manchmal konnte man die Toten nur an den Ringen, die sie getragen hatten erkennen.<\/p>\n<p>37 Geb\u00e4ude wurden zerst\u00f6rt, davon 10 durch Brand. 24 H\u00e4user wurden schwer besch\u00e4digt. Einige wurden erst Jahre sp\u00e4ter wieder aufgebaut, so die ehemalige Weinhandlung Leichtle (Ulmertorstr.11) oder das Caf\u00e9 Rau (Ulmertorstr.20 Sonne)Das Haus Kiekopf in der B\u00fcrgerturmstra\u00dfe, das \u201cAlte Arbeitsamt\u201d war in den ersten Jahren nach dem Krieg ein abenteuerlicher Spielplatz f\u00fcr Kinder. Der Hof dahinter verwandelte sich bei Regen in einen See , auf dem man auf Brettern herumfahren konnte.<\/p>\n<p>Die Anwohner der Ulmertorstra\u00dfe, die sich in den Luftschutzkeller an der Steigstra\u00dfe gefl\u00fcchtet hatten, konnten diesen erst sehr sp\u00e4t wieder verlassen und als sie dann schlie\u00dflich in ihre H\u00e4user zur\u00fcckkehren konnten, waren einige davon zerst\u00f6rt und dar\u00fcber hinaus auch noch ausgepl\u00fcndert.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass sich dieser Tag\u00a0 tief in das Ged\u00e4chtnis eingegraben hatte.Zum 10-j\u00e4hrigen Jahrestag dieses f\u00fcr die Anwohner denkw\u00fcrdigen Ereignisses gab es kein offizielles Gedenken. Frau Locher, die Schwester von Hans Braunger, der\u00a0 bei dem Angriff ein Bein verlor und dessen haus zerst\u00f6rt worden war, \u00fcbernahm die Initiative und gestaltete auf dem immer noch brachliegenden Gel\u00e4nde der Ulmertorst. 13 eine schlichte kleine Feier.<\/p>\n<p>Die Zeitung von 1945, die \u201cDonau-Bodenseezeitung\u201d durfte keine Zeile \u00fcber das Geschehen am 12. April berichten<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Ulmer-Torstra\u00dfe-Zerst\u00f6rt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-363\" title=\"Ulmer Torstra\u00dfe Zerst\u00f6rt\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Ulmer-Torstra\u00dfe-Zerst\u00f6rt.jpg\" alt=\"\" width=\"470\" height=\"756\" srcset=\"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Ulmer-Torstra\u00dfe-Zerst\u00f6rt.jpg 470w, https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/Ulmer-Torstra\u00dfe-Zerst\u00f6rt-186x300.jpg 186w\" sizes=\"auto, (max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Biberach blieb bis im April 1945 von Luftangriffen verschont, da es milit\u00e4risch ohne gro\u00dfe Bedeutung war. Es beherbergte keine kriegswichtige Industrie. Nach der Landung der Alliierten h\u00e4uften sich allerdings die Tieffliegerangriffe. Mehrere Male wurde Z\u00fcge beschossen, wobei einmal ein Lokf\u00fchrer get\u00f6tet wurde, gelegentlich Passagiere verletzt wurden und Loks und Wagen besch\u00e4digt wurden. Der schwerste Zwischenfall [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-361","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-biberach"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/361","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=361"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/361\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":421,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/361\/revisions\/421"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=361"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=361"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=361"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}