{"id":3155,"date":"2020-09-13T13:26:40","date_gmt":"2020-09-13T13:26:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=3155"},"modified":"2020-12-04T13:19:36","modified_gmt":"2020-12-04T13:19:36","slug":"friedrich-v-von-der-pfalz-der-winterknigund-seine-familie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=3155","title":{"rendered":"Friedrich V. von der Pfalz ( der &ldquo;Winterk&ouml;nig&rdquo;)und seine Familie"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/1\/19\/Kurf%C3%BCrst_Friedrich_V._von_der_Pfalz_als_K%C3%B6nig_von_B%C3%B6hmen.jpg\/220px-Kurf%C3%BCrst_Friedrich_V._von_der_Pfalz_als_K%C3%B6nig_von_B%C3%B6hmen.jpg\" width=\"220\" height=\"319\"><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Friedrich V. wurde am 26. August 1596 im Jagdschloss Deinschwang als erster Sohn des pf\u00e4lzischen Kurf\u00fcrsten Friedrich IV. (1574-1610) und Luise Juliane von Nassau Oranien (1576-1644) geboren.<\/p>\n<p>Sein Vater stammte aus der Linie von Pfalz-Simmern. Unter Friedrich IV. wurde in Auhausen (heute im Landkreis Donau-Ries und Teil der Verwaltungsgemeinschaft Oettingen in Bayern)die Protestantische Union (auch Union von Auhausen) gegr\u00fcndet. Das war ein Zusammenschluss von acht protestantischen F\u00fcrsten und&nbsp; 17 protestantischen St\u00e4dten im Heiligen R\u00f6mischen Reich. Bevollm\u00e4chtigter von Friedrich IV.&nbsp; war&nbsp; Christian von Anhalt.<\/p>\n<p>Die pfalzgr\u00e4fliche Abkunft v\u00e4terlicherseits und seine Verwandtschaftsbeziehungen m\u00fctterlicherseits bis in den franz\u00f6sischen Hochadel hinein boten Friedrich V.&nbsp; eine verhei\u00dfungsvolle Ausgangsposition.<\/p>\n<p>Da zu dieser Zeit die Pest in Heidelberg grassierte, verbrachte Friedrich V. die ersten beiden Jahre seiner Kindheit in der Oberpfalz. Er wurde zur Erziehung an den Hof des F\u00fcrsten von Sedan, Heinrich von Bouillon, gegeben.<\/p>\n<p>Neben einer standesgem\u00e4\u00dfen h\u00f6fischen Erziehung&nbsp; erhielt er auf ausdr\u00fccklichen Wunsch seiner Eltern eine gr\u00fcndliche theologische Ausbildung durch Daniel Tilenus, der in&nbsp; Sedan seit 1599 Studiendirektor war. Er galt<\/p>\n<p>galt als Vertreter eines gem\u00e4\u00dfigten, k\u00f6nigstreuen Kalvinismus. Er war durch die Religionskriege in Frankreich massgeblich gepr\u00e4gt. Deshalb forderte er eine grenz\u00fcbergreifende Solidarit\u00e4t unter den Reformierten. Den F\u00fcrsten machte er es geradezu zur Christenpflicht, auch in anderen L\u00e4ndern einzugreifen, wenn Glaubensbr\u00fcder von der Obrigkeit verfolgt oder bedr\u00e4ngt wurden. Neben seiner theologischen Ausbildung sollte er mit der franz\u00f6sischen Hofkultur vertraut gemacht werden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich erlernte er die franz\u00f6sischen Sprache. Das sollte ihn zur Erf\u00fcllung diplomatische Aufgaben, aber auch zur&nbsp; Verheiratung mit einer ausl\u00e4ndischen F\u00fcrstentochter vorbereiten.<\/p>\n<p>Am 19. September 1610 starb Friedrich IV.&nbsp; mit nur 36 Jahren an den Folgen seines unm\u00e4\u00dfigen Lebenswandels. Er hatte schon 1602 entgegen allen Reichsgesetzen die kalvinistischen Pfalz-Grafen von Zweibr\u00fccken als Vorm\u00fcnder und Kuradministratoren bestimmt.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df der Goldenen Bulle von 1356 w\u00e4ren die n\u00e4chsten m\u00e4nnlichen Verwandten, in diesem&nbsp; Fall die Pfalzgrafen von Neuburg dazu berechtigt waren.&nbsp; Nat\u00fcrlich kam es zu einem heftigen Streit zwischen den pf\u00e4lzischen Linien Zweibr\u00fccken und Neuburg.<\/p>\n<p>Johann II. von Pfalz-Zweibr\u00fccken wurde der Vormund von Friedrich V. und war auch Kuradministrator. Der Streit zwischen den beiden pf\u00e4lzischen Linien endete erst mit der Vollj\u00e4hrigkeit Friedrichs. Kanzler war, wie schon unter seinem Vater Christian von Anhalt,<\/p>\n<p>der auch seine Vertrauensperson war. Er hatte auch die Weichen f\u00fcr den jungen Kurf\u00fcrsten gestellt. Ein gro\u00dfer Coup gelang ihm mit der Verm\u00e4hlung Friedrichs mit Elisabeth Stuart, Tochter K\u00f6nig Jakobs I. Sowohl der Heidelberger Oberrat und die F\u00fcrsten der Protestantischen Union begr\u00fc\u00dften diese dynastische Verbindung nicht unbedingt&nbsp; vorbehaltlos. In Deutschland bef\u00fcrchtete man eine st\u00e4rkere ausl\u00e4ndische Einflussnahme auf die Innenpolitik der protestantischen Reichsst\u00e4nde. Auch am Londoner Hof stie\u00df die Pf\u00e4lzer Werbung zun\u00e4chst auf Skepsis. Zum einen&nbsp; konnten sich die Engl\u00e4nder unter dem Titel eines \u201ePfalzgrafen\u201c nichts vorstellen. Schon mehrere Eheangebote waren in London entweder wegen der Religion oder als \u201cnicht standesgem\u00e4\u00df\u201d abgelehnt worden.<\/p>\n<p>Die Mutter Elisabeths Anna von D\u00e4nemark war stark gegen diese Eheschlie\u00dfung und auch die Madrider Diplomaten h\u00e4tten die englische K\u00f6nigstochter lieber mit dem spanischen K\u00f6nig verm\u00e4hlt. Sie streuten das Ger\u00fccht, Friedrich sei k\u00f6rperlich verunstaltet.<\/p>\n<p>So wurde Hans Meinrad von Sch\u00f6nberg zum Jahreswechsel 1611\/12 nach England geschickt, um die Vorteile einer ehelichen Verbindung von Friedrich und Elisabeth herauszustreichen. Meinhard war seit 1611 im Dienste von Kurf\u00fcrst Johann Sigismund von Brandenburg. Auch f\u00fcr die protestantische Union erf\u00fcllte er viele zum Teil brisante Auftr\u00e4ge und diplomatische Aufgaben wie z.B. diese Brautwerbung. Seit dem 1.11. 1611 war er Hofmeister am kurpf\u00e4lzischen Hof in Heidelberg. Seine Werbung war ja auch von Erfolg gekr\u00f6nt. Als er zur Ratifikation des Ehevertrages nach London reiste, lernte er Anna Sutton-Dudley, die Tochter des 5. Baron Dudley, kennen. Sein pers\u00f6nliches Erfolgserlebnis. Er heiratete Anna am 22. M\u00e4rz 1615 in London.<\/p>\n<p>Als Friedrich V. 1612 selbst nach England reiste machte sich seine sorgf\u00e4ltige Erziehung bezahlt. Sein angenehmes \u00c4u\u00dferes und seine vollendeten Umgangsformen beeindruckten. Er gewann auch schnell Elisabeths Herz und aus dieser aus rein politischen Gr\u00fcnden angebahnten Adelsverbindung war eine richtige Liebesheirat geworden.<\/p>\n<p>Elisabeth wurde am 19. August 1596 als \u00e4lteste Tochter Jakobs VI. von Schottland und Anna von D\u00e4nemark geboren. Sie war die Enkelin von Maria Stuart, die 1587 hingerichtet worden war. Sie hatte mehrere Geschwister, die als Kleinkinder starben. Nur zwei Br\u00fcder \u00fcberlebten das Kleinkindalter. Der \u00c4ltere, Henry Frederick, der Thronanw\u00e4rter starb mit 18. Der j\u00fcnger Bruder Karl wurde 1625 als Charles I. K\u00f6nig von England. Sie wurde wie f\u00fcr englische K\u00f6nigst\u00f6chter \u00fcblich von loyal zum K\u00f6nigshaus stehenden Adligen erzogen.<\/p>\n<p>Ihre letzte Erziehungsstation war die Familie von Lord John Harington und seiner Frau Anne. Lord John war ein Patensohn von Elisabeth I. Die Familie war streng protestantisch. Sie lebte auf deren Gut Combe Abbey, einer ehemaligen Zisterzienserabtei, die<\/p>\n<p>Lord John zu einem Herrenhaus umgebaut hatte.Dort lernte sie schreiben, reiten und die Fremdsprachen italienisch und franz\u00f6sisch. 1608 zog sie an den englischen K\u00f6nigshof, wo sie eine enge Bindung zu ihrem Bruder Henry Frederick hatte.<\/p>\n<p>Am 14. Februar 1613 wurde in der Kapelle des Whitehall Palace die Ehe zwischen dem Kurf\u00fcrsten Friedrich V. und Elisabeth Stuart geschlossen. Anl\u00e4sslich der Hochzeit gab es aufw\u00e4ndig inszenierte Feierlichkeiten in London und in England. Dies erschien auch<\/p>\n<p>als ein deutliches Signal gegen die katholisch-habsburgische Vormachtstellung in Europa. Von der protestantischen Bev\u00f6lkerung wurde das euphorisch wahrgenommen, was eine F\u00fclle von Flugbl\u00e4ttern, Pamphleten und Traktaten unterstreicht.<\/p>\n<p>In London wurde die Hochzeit mit einem gro\u00dfen Feuerwerk auf der Themse gefeiert. \u00dcber Vlissingen\/Zeeland reisten sie nach Den Haag weiter, wo sie von Maurits von Nassau, dem Onkel des Kurf\u00fcrsten und Statthalter der Niederlande begr\u00fc\u00dft wurden.<\/p>\n<p>Rheinaufw\u00e4rts fuhr man dann auf drei Schiffen bis Oppenheim. Die Feierlichkeiten in Heidelberg dauerten mehrere Tage. Die prunkvollen Feierlichkeiten verschlangen Unsummen.<\/p>\n<p>Nach der Hochzeit baute das junge Paar seien Hauptstadt Heidelberg&nbsp; zielstrebig zu einer barocken Musterresidenz aus. In der Heidelberger Residenz wurde der \u201cEnglische Bau\u201d errichtet und mit dem 1615 erbauten Elisabethentor erhielt die englische K\u00f6nigstochter einen separaten Eingang in die Residenz. Dann begann man mit dem weithin ber\u00fchmten Hortus Palatinus, einem Hofgarten. Baumeister war der normannische Gartenarchitekt Salomon de Caus.<\/p>\n<p>Am 1. Januar 1614 gebar Elisabeth&nbsp; einen Sohn, das auf den Namen Friedrich Heinrich getaufte&nbsp;&nbsp; erste Kind, dem zw\u00f6lf weitere Folgen sollten.<\/p>\n<p>Der Hochzeitsvertrag hatte der K\u00f6nigstochter Elisabeth eine Sonderstellung zugesichert. Das f\u00fchrte immer wieder zu Reibereien mit ihrer Schwiegermutter&nbsp; Luise Juliane. Die Wogen gl\u00e4ttete dann immer sein Hofrat. Zusammen mit seiner englischen Frau spielte er die Rolle von Ersatzeltern f\u00fcr das junge Kurf\u00fcrstenpaar. Im privaten Umfeld schottete Hans Meinhard von Sch\u00f6nberg den Kurf\u00fcrsten ab, im politischen Bereich stellte Christian von Anhalt die Weichen. Als Meinhard am 3. August 1616 pl\u00f6tzlich starb,war das ein schwerer Verlust f\u00fcr den Kurf\u00fcrsten. Seine Frau war schon kurz nach der Geburt des einzigen Kindes Friedrich von Sch\u00f6nberg, des sp\u00e4teren Feldherrn und Marschall von Frankreich, gestorben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/1\/19\/Christian_I_Anhalt_Bernburg.jpg\/220px-Christian_I_Anhalt_Bernburg.jpg\" width=\"220\" height=\"335\"><\/p>\n<p>Mit seinem 18. Geburtstag \u00fcbernahm Friedrich die Regierung. Die Regierungsgesch\u00e4fte f\u00fchrte aber der Oberrat, ein Gremium aus drei adligen und drei gelehrten b\u00fcrgerlichen R\u00e4ten, au\u00dferdem der Hofmeister, der Marschall und der Kanzler. Unter den R\u00e4ten war<\/p>\n<p>Dr. Ludwig Camerarius der wichtigste Mann. Er war schon Friedrich IV. 1598 in den Oberrat berufen worden. Zun\u00e4chst war er \u00fcberwiegend mit rechtskundlichen Aufgaben betraut. 1603 wurde er in die pf\u00e4lzische Reichsgesandtschaft aufgenommen. Er wurde zum wichtigsten Diplomaten der Kurpfalz f\u00fcr die \u00c4u\u00dfere Politik innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches.<\/p>\n<p>Ein verst\u00f6rendes Erlebnis hatte Friedrich V. kurz nach seiner Regierungs\u00fcbernahme. Er weilte auf einer Sitzung der Union in Heilbronn, als er von einem heftigen Sumpffieber ergriffen wurde. Er erholte sich zwar rasch, doch erlitt er einen R\u00fcckfall, der ihn fast das Leben gekostet h\u00e4tte. Diese Krankheit ver\u00e4nderte auch seine Pers\u00f6nlichkeit. Er Wirkte nun \u00e4u\u00dferlich schon kraftlos, schl\u00e4frig und kr\u00e4nklich. Seiner Umgebung fiel sein melancholischer, ja fast depressiver Charakter auf.<\/p>\n<p>Am 22. Dezember 1617 wurde Karl Ludwig, der zweite Sohn, in Heidelberg geboren. (+ 22.8.1680)<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter kam das dritte Kind, Elisabeth am&nbsp; 26. Dezember 1618 in Heidelberg zur Welt. (+ 8.2. 1680)<\/p>\n<p>Die politische Gro\u00dfwetterlage verd\u00fcsterte sich zunehmend. Der Augsburger Religionsfriede von 1555 wurde immer br\u00fcchiger. Die Lage wurde noch komplizierter durch die Ausbreitung des Calvinismus, der im Religionsfrieden \u201cverfassungsrechtlich\u201d gar nicht ber\u00fccksichtigt war. Ottheinrich (regiert von 1556-1559) f\u00fchrte die lutherische Konfession in der Kurpfalz ein. Sein Nachfolger Friedrich III. von Pfalz-Simmern (reg. 1559-1576) f\u00fchrte den Calvinismus in der Kurpfalz ein. Sein Nachfolger Friedrich IV., der Vater von Friedrich V., f\u00fchrte einen erneuten Bekenntniswechsel zur\u00fcck zum Luthertum durch. Sein fr\u00fcher Tod hatte zur Vormundschaft von Johann II. von Pfalz-Zweibr\u00fccken gef\u00fchrt. (s.o.) Dieser hatte das calvinistische Bekenntnis seines Vaters Friedrichs III. beibehalten.<\/p>\n<p>Er benutzte die Vormundschaft, um das reformierte Bekenntnis erneut in der Kurpfalz einzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>In den katholisch gebliebenen Territorien setzte verst\u00e4rkt die Gegenreformation ein. Die zunehmende Verh\u00e4rtung zeigte sich auch in der illegalen Besetzung der lutherischen Reichsstadt Donauw\u00f6rth durch Truppen des katholischen Herzogs Maximilian von Bayern 1607 . Das wiederum f\u00fchrte zur Gr\u00fcndung der protestantischen Union durch Friedrich IV. (s.o.) Der von 1609 bis 1614 schwelende j\u00fclisch-klevische Erbstreit h\u00e4tte das Reich beinahe in einen Krieg gest\u00fcrzt. Bei diesem Streit mischten auch die kurpf\u00e4lzischen Berater kr\u00e4ftig mit. Christian von Anhalt, seit 1595 in den Diensten von Friedrich IV. einigte sich im Winter von 1609 auf 1610 mit Heinrich IV. auf ein gemeinsames milit\u00e4risches Vorgehen mit Frankreich im j\u00fclisch-klevische Erbstreit. Hans Meinhard von Sch\u00f6nberg nahm an der Belagerung von J\u00fclich als <i>\u201eObrister \u00fcber die Artillerie, Fortification und ein Regiment Fu\u00dfvolk\u201c<\/i> teil und trug entscheidend zum Gelingen bei.&nbsp; Der Streit endete 1614 mit einem Kompromiss. Der n\u00e4chste Konflikt stand schon bevor.<\/p>\n<p>In den b\u00f6hmischen Kronlanden der Habsburger sah sich das Haus Habsburg als Schutzmacht des Katholizismus. B\u00f6hmen war aber \u00fcberwiegend protestantisch. Matthias von Habsburg wurde am 23.Mai 1611 zum K\u00f6nig von B\u00f6hmen gekr\u00f6nt. Matthias, seit 1612 Kaiser, hatte keine Erben.1618 schlug er seinen Cousin Erzherzog Ferdinand zum b\u00f6hmischen K\u00f6nig vor. Er wurde auch von den b\u00f6hmischen St\u00e4ndevertretern gew\u00e4hlt, obwohl bekannt war, dass Erzherzog Ferdinand in seinen \u00f6sterreichischen L\u00e4ndern die Gegenreformation betrieben hatte. Nach der Wahl wurde der Einfluss der Protestanten massiv beschnitten. Sie forderten nun gem\u00e4\u00df den 1609 gew\u00e4hrten \u201eMajest\u00e4tsbriefes\u201c f\u00fcr sich die freie Religionsaus\u00fcbung, K\u00f6nigswahl und Landtagseinberufung. Diese Forderung wurde in Wien ignoriert. Nun brach der b\u00f6hmische St\u00e4ndeaufstand aus, symboltr\u00e4chtiger H\u00f6hepunkt, der zweite Prager Fenstersturz. Am 20. M\u00e4rz 1619 starb Kaiser Matthias in Wien. Nun verweigerten die b\u00f6hmischen St\u00e4nde Ferdinand den Anspruch auf die Wenzelskrone und erkl\u00e4rten ihn f\u00fcr abgesetzt. Der Prager Landtag verabschiedete eine neue St\u00e4ndeverfassung f\u00fcr B\u00f6hmen,wichtigster Punkt die Wahl eine neuen K\u00f6nigs. Nun kam auch der Pf\u00e4lzer Kurf\u00fcrst ins Spiel. Christian von Anhalt hatte von seinem Amtssitz in Amberg aus&nbsp; schon seit 1618&nbsp; geheime Beziehungen nach Prag gepflegt. Er hatte f\u00fcr die b\u00f6hmischen St\u00e4nde Milit\u00e4rhilfe organisiert. Er verhandelte mit den St\u00e4nden auch \u00fcber die Kr\u00f6nung eines neuen Monarchen. Mitte 1619 empfing Friedrich und Christian in Amberg eine Prager Delegation, die Friedrich die b\u00f6hmische Krone antrug. Eine Annahme dieses Gesuchs w\u00fcrde nat\u00fcrlich eine Provokation des Kaiserhauses bedeuten. Auch der Heidelberger Oberrat fand in seinem Gutachten mehr Risiken als Chancen gegen in einer b\u00f6hmischen K\u00fcr. Sein Schwiegervater Jakob sagte Friedrich klar, dass er von England keine Hilfe erwarten d\u00fcrfe. Die \u00fcbrigen F\u00fcrsten der Protestantischen Union reagierten ablehnend auf das Vorhaben. Sein katholischer Verwandter aus der bayrischen Linie der Wittelsbacher, Herzog Maximilian von Bayern (1598\u20131651), warnte ihn brieflich klar und deutlich vor der Annahme der b\u00f6hmischen Krone und erkl\u00e4rte \u201cdass ich der Erste bin, der gegen die B\u00f6hmen undt Ihren unrechtm\u00e4ssigen K\u00f6nig zu Veldte zieht\u201d Sein Kanzler Christian und&nbsp; seine Frau Elisabeth best\u00e4rkten Friedrich in seinem Vorhaben, wobei nicht klar ist, wie stark die Rolle seiner Frau bei dieser Entscheidung war. Als Friedrich zustimmte, w\u00e4hlten ihn die die b\u00f6hmischen St\u00e4nde am 27. August 1619 zu ihrem&nbsp; K\u00f6nig, genau einen Tag vor der Kaiserwahl Ferdinands II. in Frankfurt.&nbsp;<\/p>\n<p>Mit seiner schwangeren Frau und einem Gefolge von \u00fcber 500 Leuten zog Friedrich in Prag ein und wurde begeistert empfangen. Der Jubel w\u00e4hrte aber nicht lange. Die b\u00f6hmischen St\u00e4nde wollten ihre Macht nicht mit einem Monarchen teilen. Das Volk f\u00fchlte sich get\u00e4uscht, weil Friedrich sein Versprechen, die Religionsfreiheit zu achten, brach. Die calvinistischen Ideen wurden mit Gewalt verbreitet.Der Bildersturm im Prager Veitsdom Ende 1619 bildete einen traurigen H\u00f6hepunkt.<\/p>\n<p>Auch au\u00dfenpolitisch war Friedrich schnell isoliert. Die Unionsf\u00fcrsten waren schon im Vorfeld der b\u00f6hmischen K\u00fcr gegen eine solche und lehnten eine milit\u00e4rische Hilfe ab. Sein Schwiegervater hatte ihm im Vorfeld ja auch erkl\u00e4rt, dass er keine Hilfe erwarten k\u00f6nne. Kaiserliche Truppen mit spanischer Verst\u00e4rkung r\u00fcckten in B\u00f6hmen ein. Der s\u00e4chsische Kurf\u00fcrst Johann Georgs I. (1611\u20131656), dem die b\u00f6hmische Krone von den gem\u00e4\u00dfigten protestantischen b\u00f6hmischen St\u00e4nden ebenfalls angetragen worden&nbsp; war, die er aber abgelehnt hatte, \u00fcberrannte die Lausitz und Schlesien.<\/p>\n<p>Friedrich verf\u00fcgte nur \u00fcber eine schlecht ausger\u00fcstete Armee. Vor allem fehlte ihm Geld, so dass er den Sold nicht zahlen konnte. Einige verkauften ihre Waffen an den Feind. Andere desertierten. Durch einen Spion erfuhr Friedrich, dass die Kaiserlichen direkt auf Prag vorr\u00fccken wollten. Er lie\u00df daher sein Heer unter F\u00fchrung Christian von Anhalt auf dem Weissen Berg, einer Anh\u00f6he vor Prag Stellung beziehen. Diese bot zwar einen strategischen Anhalt. Doch das Zahlenverh\u00e4ltnis sprach gegen ihn. 21.000 seiner Soldaten standen 28 000 Mann der Kaiserlichen gegen\u00fcber und wurden auch schnell \u00fcberrannt. Die Schlacht war verloren und Friedrich floh noch in der Nacht mit seiner Familie aus Prag.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst floh er mit seiner Familie nach Brandenburg und Wolfenb\u00fcttel.&nbsp;&nbsp; Als er in K\u00fcstrin in Brandenburg angekommen war, quittierte sein Kanzler Christian von Anhalt seinen Dienst.<\/p>\n<p>Am 29. Januar 1621 wurde die Reichsacht \u00fcber Friedrich&nbsp; verh\u00e4ngt. Das war ein Verfassungsbruch des Kaisers. Die protestantischen F\u00fcrsten protestierten zwar dagegen. Der Protest wurde aber von Ferdinand zur\u00fcckgewiesen und gleichzeitig die Abr\u00fcstung&nbsp; der<\/p>\n<p>protestantischen Truppen verlangt. Im M\u00e4rz floh er schlie\u00dflich ins Exil nach Holland.&nbsp;&nbsp; Seine Gastgeber atmeten auf, denn wer&nbsp; einen Ge\u00e4chteten unterst\u00fctzten,war mit Sanktionen bedroht.Im April 1621 l\u00f6ste sich die Union auf. Im Sommer trat Johann II. von Pfalz Zweibr\u00fccken, der nach dem Tod von Friedrichs Vater die Vormundschaft f\u00fcr Friedrich \u00fcbernommen hatte, als Statthalter der Kurpfalz in Heidelberg zur\u00fcck. Die r\u00e4umliche Distanz Friedrichs verhinderte&nbsp; ein direktes Eingreifen Friedrichs. Weil die Lage aber f\u00fcr seine<br \/>\nErblande immer bedrohlicher geworden war, ging er in der Nacht vom 2. auf den 3. April 1622 heimlich, mit nur zwei Begleitern aus seinem Exil \u00fcber Calais nach Paris. Von dort reiste er weiter in die S\u00fcdpfalz. Dort traf er auf die Truppen seines Heerf\u00fchrers General Ernst von Mansfeld. Diesen gab er sich zu erkennen. Er richtete&nbsp; von dort aus auch gleich mehrere Schreiben an die evangelischen F\u00fcrsten. Er wollte die aufgel\u00f6ste evangelische Union wiederbeleben. Graf von Mansfeld war seit 1610 immer f\u00fcr Gegenspieler des Hauses Habsburg t\u00e4tig. Er hatte auch in B\u00f6hmen gek\u00e4mpft. An der Schlacht am Weissen Berg hatte er aber nicht&nbsp; pers\u00f6nlich teilgenommen, was ihm mit 100.000 Gulden aus der gegnerischen Kasse verg\u00fctet wurde. Seit dem Fr\u00fchjahr 1621 diente er dem ge\u00e4chteten Friedrich. Am 27. April 1622 schlug er bei Mingolsheim den bayerisch-ligistischen Generalleutnant Tilly. Dieser Sieg und die pers\u00f6nliche Anwesenheit Friedrichs gaben der&nbsp; pf\u00e4lzischen Sache nochmals gro\u00dfen Auftrieb. Aber schon am&nbsp; 6. Mai 1622 erlitt&nbsp; Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach bei Wimpfen eine vernichtende Niederlage. In dieser Schlacht waren f\u00fcr Friedrich nur die von Georg Friedrich aufgestellten und angeworbenen Truppen beteiligt. Von Manfelds Armee konnte nicht eingreifen. Einen weiteren Monat sp\u00e4ter konnte Tilly die Vereinigung der Armeen von Mansfeld und Christians von Braunschweig \u2013Wolfenb\u00fcttel verhindern und schlug auch die Armee Christians. Diese beiden Niederlagen sowie ein dramatischer Mangel an Lebensmitteln wendeten das Blatt zu Ungunsten von Friedrich. Im Mai Juni \u00fcberfiel von Mansfeld Darmstadt im Namen des Winterk\u00f6nigs und nahm den Landgrafen als Geisel. Damit brachte Friedrich die lutherischen Staaten Europas gegen sich auf. Sein Schwiegervater Jakob&nbsp; war emp\u00f6rt und forderte Friedrich ultimativ auf, den Landgrafen sofort frei zu geben. Von Mansfeld \u00fcberzeugte Friedrich schlie\u00dflich,dass die pf\u00e4lzischen Erblande nicht mehr zu halten waren. Er kehrte am 18. Juni 1622 nochmals nach Heidelberg zur\u00fcck und lie\u00df die 1619 verbliebenen Wertgegenst\u00e4nde und Akten nach Den Haag transportieren. Nach der Eroberung Heidelbergs im September 1622 fanden die Eroberer nur noch ein leeres Schloss vor. Den Sommer 1622 verbrachte Friedrich in Sedan, wo er ja seine Ausbildung erfahren hatte. Sehr ungern ging er im Oktober zur\u00fcck in die Niederlande. Zum Jahreswechsel 1622\/23 bildete Friedrich in Den Haag eine Exilregierung gebildet, zu deren Chef er Ludwig&nbsp; Camerarius (s.o) ernannte. In Den Haag war Friedrich v\u00f6llig auf die finanzielle Unterst\u00fctzung seiner niederl\u00e4ndischen und englischen Verwandtschaft angewiesen. Und dort befand er sich im Spannungsfeld widerstrebender Forderungen. Seine niederl\u00e4ndischen Gastgeber waren f\u00fcr eine Fortsetzung des Krieges. Sein Schwiegervater wollte, dass Friedrich sich mit seinen Gegnern friedlich verglich. England und Spanien hatten im Mai 1623 einen Waffenstillstand f\u00fcr die Pfalz ausgehandelt. Friedrich weigerte sich zun\u00e4chst von den Niederl\u00e4ndern best\u00e4rkt, diesen zu ratifizieren. Erst als Jakob VI. mit ernsthaften Konsequenzen aus London drohte, musste Friedrich im November 1623 unterschreiben.<\/p>\n<p>Schon im Februar 1623 hatte Kaiser Ferdinand II.die Pf\u00e4lzer Kurw\u00fcrde auf den Bayernherzog Maximilian \u00fcbertragen. Um die politischen Tagesgesch\u00e4fte k\u00fcmmerte sich Friedrich kaum, wor\u00fcber sich Camerarius bitter beklagte. Einen regelrechten Geiz entwickelte er, wenn es um finanzielle Zuwendungen f\u00fcr seine Administration ging. Seine Hofhaltung verschlang aber Unsummen, f\u00fcr die von den Niederl\u00e4ndern und London bewilligten Zahlungen meist nicht reichten. Ende 1620 baute er sich noch eine eigene Residenz in Rhenen<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/a\/ae\/K%C3%B6nigshaus_Rhenen_C-P_038.JPG\/220px-K%C3%B6nigshaus_Rhenen_C-P_038.JPG\" width=\"220\" height=\"164\"><\/p>\n<p>Das hatte f\u00fcr ihn den Vorteil, fernab des politischen Geschehens und der kritischen Blicke seiner Gastgeber zu sein.&nbsp; Den gr\u00f6\u00dften Teil seiner Seit verbrachte er beim Jagen, auf langen Spazierg\u00e4ngen oder beim Schwimmen.<\/p>\n<p>Der h\u00e4rteste Schicksalsschlag traf ihn am 17. Januar 1629, von dem er sich k\u00f6rperlich erst nach 15 Monaten erholte, seelisch aber nicht mehr. Vor Zaandam kam sein erstgeborener Sohn Friedrich Heinrich bei einem Schiffsungl\u00fcck ums Leben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Friedrich Heinrich, Pfalz, Pfalzgraf\" src=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/Special:FilePath\/Frederik%20Hendrik%2C%20circle%20of%20Michiel%20Jansz%20van%20Miereveld.jpg?width=270\"> Auf Friedrich Heinrich hatte nicht nur sein Vater sondern der gesamte pf\u00e4lzische Exilhof gro\u00dfe Hoffnungen gesetzt. In den Pl\u00e4nen zahlreicher Diplomaten spielte er eine wichtige&nbsp; Rolle.<\/p>\n<p>Er war fr\u00fch durch seine au\u00dfergew\u00f6hnliche Intelligenz aufgefallen, die zu den besten Aussichten f\u00fcr seine Zukunft als Herrscher berechtigten. Jakob VI. wollte den Konflikt in der Pfalz durch die Heirat seines Enkels mit einer Infantin des Madrider Hofs friedlich l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Bis dahin waren auch alle Bem\u00fchungen Friedrichs um die R\u00fcckgabe seiner Gebiete in der Pfalz gescheitert. Als Gustav Adolf in den Krieg eingriff, konnte er nochmals Hoffnung sch\u00f6pfen. Als die Schweden im Dezember 1631 Oppenheim eroberten, kehrte Friedrich wieder nach Deutschland zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Im Februar 1632 traf Friedrich mit Gustav Adolf in Frankfurt zusammen, da er aber keine Unterst\u00fctzung aus London und Den Haag erhalten hatte, konnte er dem Schwedenk\u00f6nig nichts anbieten. Friedrich sollte dem schwedischen K\u00f6nig huldigen und die Pfalz quasi als Lehen von dem schwedischen K\u00f6nig<\/p>\n<p>nehmen. Das aber lehnte Friedrich ab und verzichtete auf Restitution. Er begab sich in das schwedisch besetzte Mainz. Am 16. November 1632 starb Gustav Adolf in der Schlacht bei L\u00fctzen.&nbsp; Jetzt erst hatte sich England entschlossen, eine kleine Streitmacht und finanzielle Unterst\u00fctzung zu stellen.<\/p>\n<p>Aber das kam jetzt alles zu sp\u00e4t. Friedrich starb am 29. November in Mainz an der Pest. Die Eingeweide Friedrichs wurden entnommen und im Westchor der Katharinenkirche von Oppenheim beigesetzt. Den Leichnam nahm Friedrichs Bruder Ludwig Philipp von Pfalz-Simmern auf der Flucht vor den anr\u00fcckenden Spaniern ins sichere Sedan mit.&nbsp; Wo Friedrich dort dann beigesetzt wurde, ist bis heute unbekannt.<\/p>\n<p>Der zweite Sohn Karl Ludwig wuchs im holl\u00e4ndischen Exil in den Haag zusammen mit seinen Geschwistern auf. Dort war der Heidelberger Kurpf\u00e4lzer Geheime und Oberrat Vollrad von Plessen, der Kurf\u00fcrst Friedrich ins Exil begleitet hatte, sein Lehrmeister und Tutor.<\/p>\n<p>Nach dem Tode seines Vaters 1632 wurde sein Onkel Ludwig Philipp von Pfalz-Simmern, der j\u00fcngere Bruder Friedrichs zum Vormund von Karl Ludwig. 1633 wurde er als Ritter in den englischen Hosenbandorden aufgenommen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/9\/96\/PaintingJanLievensPrinceCharlesLouisWithHisTutor1631.jpg\" width=\"479\" height=\"514\">&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>Die Schweden hatten die Pfalz 1632 wieder erobert und r\u00fcckten im Mai 1633 wieder in Heidelberg ein. Ludwig Philipp hatte im April 1633 mit dem schwedischen Kanzler Oxenstierna einen Vertrag geschlossen, nach dem die Pfalz bis auf wichtige Pl\u00e4tze, an denen schwedische Garnisonen<\/p>\n<p>verblieben, wieder den Erben Friedrichs V. zur\u00fcckgegeben wurden. Aber schon nach der Schlacht von N\u00f6rdlingen am 6. November 1634 zogen sich die Schweden auf linksrheinisches Gebiet zur\u00fcck. Karl Ludwig fl\u00fcchtete zusammen mit seinem Onkel \u00fcber Saarbr\u00fccken nach Metz. Auf Rat seiner Mutter ging Karl Ludwig nach England, wo sein j\u00fcngerer Bruder Ruprecht am Hofe ihres Onkels Karl I. lebte. Dort war es&nbsp; 1648 zu einem 2. B\u00fcrgerkrieg gekommen, in dem Karl I. von Cromwell verhaftet wurde und nach einem Prozess zum Tode verurteilt und&nbsp; am 30. Januar 1649 enthauptet wurde.<\/p>\n<p>Karl Ludwig ging aufs Festland zur\u00fcck zuerst zu seiner Mutter dann nach Kassel. Dort verlobte er sich mit Charlotte, der Tochter des hessischen&nbsp; Landgrafen Wilhelm V. und der Landgr\u00e4fin Amalie Elisabeth von Hessen. Die Heirat erfolgte am 12.\/22. Februar 1650 in Kassel. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor und zwar Karl II.(1651\u20131685), der sp\u00e4tere Kurf\u00fcrst von der Pfalz.Dann folgte Elisabeth Charlotte, Prinzessin von der Pfalz (1652\u20131722), die1671 Herzog Philipp I. von Orl\u00e9ans, den Bruder von Ludwig XIV. heiratete und als Lieselotte von der Pfalz in die Geschichte einging.Das dritte Kind Friedrich wurde 1653 geboren und starb schon ein Jahr nach der Geburt. Die Ehe war nicht gl\u00fccklich. Nach dem Tod des dritten Kindes verwies Charlotte ihren Mann&nbsp; aus dem Schlafzimmer. Er wollte die Scheidung, doch Charlotte willigte nicht ein. Schlie\u00dflich verstie\u00df sie Karl Ludwig offiziell und proklamierte dies \u00f6ffentlich.<\/p>\n<p>Im September 1652 kam Louise Freifrau von Degenfeld als Kammerfr\u00e4ulein der Kurf\u00fcrstin nach Heidelberg, die er nach der Scheidung von Charlotte in morganatischer Ehe heiratete.<\/p>\n<p>Nach dem Westf\u00e4lischen Frieden&nbsp;&nbsp; erhielt&nbsp;&nbsp; Karl Ludwig 1649 die Kurpfalz in verkleinerter Form wieder zur\u00fcck. In der Religionsfrage wurde der Passauer Vertrag von 1552 sowie der Augsburger Religionsfriede von 1555 best\u00e4tigt.Die Kurpfalz war eines der vom Krieg am schwersten betroffenen Gebiete. Sie hatte fast die H\u00e4lfte ihrer Bev\u00f6lkerung verloren. Er erhielt auch die Kurw\u00fcrde zur\u00fcck, allerdings nicht die bisherige. Diese war&nbsp; mit dem Amt&nbsp;&nbsp; des Reichsvikars und des Erztruchsessenamts verbunden gewesen&nbsp;&nbsp; und die verblieb bei Bayern. In der Causa Palatina (IV. Artikel des&nbsp;&nbsp;&nbsp; Osnabr\u00fccker&nbsp; Friedensvertrag) wurde der 300 Jahre schwelende Konflikt zwischen der pf\u00e4lzischen und bayrischen Wittelsbacher gel\u00f6st, in dem es darum ging, welche Linie als Kurf\u00fcrsten an der Wahl des K\u00f6nigs teilnehmen sollte.&nbsp;&nbsp; Im westf\u00e4lischen Frieden wurde eine achte Kurw\u00fcrde geschaffen. Es gab auch ein neues Amt dazu, das Erzschatzamt. Am 2. August 1652 wurde er Erzschatzmeister. Das war rangm\u00e4\u00dfig ein Abstieg. Die Pfalzgrafen rutschten in der Rangfolge der der weltlichen Kur\u00e4mter vom ersten auf den letzten Platz. Noch schwerer wog auch der Verlust der Oberpfalz an Bayern, denn die war vor dem Krieg wirtschaftlich prosperierend und hatte vor allem, im Bergbau erhebliche \u00dcbersch\u00fcsse erzielt.&nbsp; Ein Erfolg war aber,&nbsp; dass auch die calvinistische Konfession im Westf\u00e4lischen Frieden als prinzipiell gleichberechtigt neben den Lutheranern und Katholiken anerkannt wurde. Karl Ludwig best\u00e4tigt am 10. Dezember 1650 den Lutheranern das Recht, ihre Religion auszu\u00fcben. Er m\u00fchte sich, den Neuaufbau der Kurpfalz nach den Zerst\u00f6rungen des Krieges voranzubringen.<\/p>\n<p>Am 1. November 1652 er\u00f6ffnete Karl Ludwig die Heidelberger Universit\u00e4t wieder und \u00fcbernahm das erste Rektorat. Er berief namhafte Professoren an die Universit\u00e4t wie Friedrich Spanheim den J\u00fcngeren, Theologe und Kirchenhistoriker,Johann Heinrich Hottinger, Professor f\u00fcr das Alte Testament und Hebr\u00e4isch, Johann Ludwig Fabricius, Professor f\u00fcr Systematische Theologie, Samuel von Pufendorf, f\u00fcr den Karl Ludwig einen Lehrstuhl f\u00fcr Natur und V\u00f6lkerrecht einrichtete. Jacob Israel war Stadtphysikus in Heidelberg und lehrte an der Universit\u00e4t Physiologie, Anatomie und Chirurgie. Den einstigen weltruf konnte die universit\u00e4t aber trotz dieser Koryph\u00e4en nicht zur\u00fcckgewinnen. Die Bibliothek musste neu aufgebaut werden nachdem Herzog Maximilian I.1622&nbsp; nach M\u00fcnchen \u00fcberf\u00fchren wollte, nachdem Tilly Heidelberg erobert hatte. Er musste sie aber Papst Gregor XV. auf dessen ausdr\u00fccklichen Wunsch \u00fcberlassen. Die wirtschaftliche Grundlage musste gew\u00e4hrleistet werden, neue Professoren berufen und Studenten angeworben worden. Das erste gedruckte Personal-und Vorlesungsverzeichnis wurde 1655 herausgegeben. Man bem\u00fchte sich vor allem um adlige Studenten, die das Recht auf freie Wohnungswahl und auch das Jagdrecht in den umliegenden W\u00e4ldern erhielten. 1653 lie\u00dfen sich 127 Studenten einschreiben. Die Zahl ging aber st\u00e4ndig zur\u00fcck, da es nicht gelungen war, die Universit\u00e4t auf eine ges\u00fcndere wirtschaftliche Grundlage zu stellen.<\/p>\n<p>Nach dem Tode des Kaisers Ferdinand III. 1657 \u00fcbernahm Karl Ludwig das Amt des Reichsvikars, was allerdings auf heftigen Widerspruch seines Vetters Ferdinand Maria in M\u00fcnchen stie\u00df, was beinahe in einem Waffengang endete.Die \u00fcbrigen Kurf\u00fcrsten vermittelten und verhinderten dies. Der Streit wurde dann erst 1724 endg\u00fcltig beigelegt. Das Vikariat feierte Karl Ludwig mit Vikariatspr\u00e4gungen.<\/p>\n<p>1657 lie\u00df sich Karl Ludwig auch von Charlotte scheiden, die diese Scheidung aber nie anerkannte. In diesem Jahr heiratetet er auch Louise von Degenfeld in Frankenthal. Aus dieser Ehe gingen dreizehn Kinder hervor, die aber nicht erbberechtigt waren, da Louise schon 1667 f\u00fcr sich und ihre Kinder auf alle Erbanspr\u00fcche auf die Pfalz verzichtet hatte. Karl Ludwig gab ihr und den Kindern den Titel Raugrafen und stattete sie mit Lehen der erloschenen Raugrafschaft aus<\/p>\n<p>Am 18. April 1659 wurde der Grundstein zur Providenzkirche gelegt. Sie entstand auf Initiative von Karl Ludwig und seiner Frau Louise. Sie wurde nach Pl\u00e4nen von Theodor Reber errichtet und erhielt den Namen Providenzkirche, nach dem Leitspruch Karl Ludwigs \u201cDominus providebit\u201d (Der Herr wird sorgen) Sie wurde allerdings schon 1693 beim gro\u00dfen Stadtbrand im Rahmen des Pf\u00e4lzischen Erbfolgekriegs zerst\u00f6rt, dann aber von 1715-1721 wieder neu aufgebaut.<\/p>\n<p>Wichtigstes Bauprojekt wurde die Planung einer neuen Residenz, nachdem das Heidelberger Schloss im 30-j\u00e4hrigen Krieg zerst\u00f6rt worden war. Eine neue zeitgem\u00e4\u00dfe Residenz sollte in Mannheim entstehen. Mit der Ausarbeitung der Pl\u00e4ne wurde der franz\u00f6sische Architekt Jean Marot beauftragt.<\/p>\n<p>Es wurde so zwar nie ausgef\u00fchrt. Aber die Bedeutung Mannheims wuchs schlagartig, so sehr dass Karl Ludwig durchaus als zweiter Gr\u00fcnder Mannheims betrachtet werden kann. Mannheim profitierte auch von seiner konsequenten Ansiedlungspolitik. Mit vielen Privilegien und Anreizen wurden Siedler in die Kurpfalz gelockt. Die Konfession spielte kaum eine Rolle. Es kamen holl\u00e4ndische, franz\u00f6sische, englische und Schweizer Immigranten auch Mennoniten und zahlreiche Juden.<\/p>\n<p>Die Verwaltung wurde reorganisiert. Die Kammerg\u00fcter wurden rationell ausgenutzt. F\u00fcr Sicherheit und Ordnung wurde gesorgt. Der Weinbau wurde wieder hergestellt. Tabak-und Kartoffelanbau wurden eingef\u00fchrt. Eine Akzise wurde wieder erhoben, also eine Verbrauchersteuer. Karl Ludwig errichtete Manufakturen, wie z.B. in Frankenthal, wo \u00fcber 20 Manufakturen entstanden z.B. eine Tuchmanufaktur und eine Porzellanmanufaktur.<\/p>\n<p>Der Wiederaufbau der zerst\u00f6rten und darniederliegenden Kurpfalz gelang relativ schnell. Es gelang ihm allerdings nicht trotz eiserner, fast an Geiz grenzender Sparsamkeit sowohl im privaten als auch im \u00f6ffentlichen Bereich die leeren Staatskassen wieder zu f\u00fcllen zumal er auch ein stehendes Heer aufbaute.<\/p>\n<p>1671 heiratete seine 19-j\u00e4hrige Tochter Elisabeth Charlotte von der Pfalz den Bruder des franz\u00f6sischen K\u00f6nigs Ludwig XIV., Philipp von Orl\u00e9ans. Als Liselottes Bruder Karl II. 1685 kinderlos verstarb, machte Ludwig XIV. f\u00fcr seine Schw\u00e4gerin Erbanspr\u00fcche gelten, was zum Pf\u00e4lzischen Erbfolgekrieges von 1688 bis 1697 f\u00fchrte und in dessen Verlauf die Kurpfalz verw\u00fcstet&nbsp; und Schloss Heidelberg zerst\u00f6rt wurde.<\/p>\n<p>Am 18. M\u00e4rz 1677 verstarb Karl Ludwigs Frau Louise Freifrau von Degenfeld mit 42 Jahren. Karl Ludwig heiratete ebenfalls in morganatischer Ehe Elisabeth Holl\u00e4nder von<br \/>\nBerau, Tochter des Tobias Holl\u00e4nder, der S\u00e4ckelmeister und B\u00fcrgermeister von Schaffhausen. Mit ihr hatte er einen Sohn.<\/p>\n<p>Au\u00dfer zu seiner j\u00fcngsten Schwester Sophie von Hannover hatte er zu seinen Geschwistern kein besonders gutes Verh\u00e4ltnis. Seinem Bruder Rupert hatte er 1657 das Betreten des Heidelberger Schlosses ausdr\u00fccklich verboten.<\/p>\n<p>Karl Ludwig starb am 28. August 1680 bei Edingen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/0\/0e\/1636_Elisabeth_of_Bohemia.jpg\/220px-1636_Elisabeth_of_Bohemia.jpg\" width=\"220\" height=\"269\"><\/p>\n<p>Elisabeth wurde am 26. Dezember 1618 in Heidelberg geboren. Sie wurde zun\u00e4chst von ihrer Gro\u00dfmutter Kurf\u00fcrstin Luise Juliane von Oranien in Heidelberg erzogen. Nach der Schlacht am Weissen Berg brachte sie Elisabeth zu ihren nach Berlin geflohenen Eltern.<\/p>\n<p>Die Eltern zogen weiter ins Exil nach Den Haag. Elisabeth blieb 1627 am kurf\u00fcrstlichen Hof in Brandenburg, wo ihre Tante Elisabeth Charlotte (1597-1660) mit dem brandenburgischen Kurf\u00fcrsten Georg Wilhelm lebte, den sie 1616 in Heidelberg geheiratet hatte. Elisabeth lebte 8 Jahre<\/p>\n<p>In Berlin und Kossen. F\u00fcr ihre Erziehung war ihre Gro\u00dfmutter und ihre Tante Katharina Sophie zust\u00e4ndig, die von calvinistischer Fr\u00f6mmigkeit gepr\u00e4gt war. 1627 kam sie zu den Eltern zur\u00fcck in den Exilhof von Den Haag. Die durchweg begabten Kinder des Winterk\u00f6nigs und seiner Frau<\/p>\n<p>erhielten im Prinzenhof in Leiden eine vorz\u00fcgliche Erziehung. Neben Gouvernanten und Erziehern k\u00fcmmerte sich auch Lehrkr\u00e4fte der Universit\u00e4t von Leiden um die umfassende Bildung der Kinder. Der Heidelberger Katechismus stand genauso auf dem Stundenplan wie Lektionen in Geschichte, Mathematik und Recht. Fremdsprachen auf dem Programm aber auch Reiten und Ballett und Gesang f\u00fcr die M\u00e4dchen. Erbprinz Friedrich Heinrich und die Prinzessin Elisabethstachen&nbsp; durch besondere Geistesgaben hervor.&nbsp; Friedrich Heinrich kam ja 1629 bei einem Schiffsungl\u00fcck ums Leben.<\/p>\n<p>Nach dem Tod Friedrichs 1632 kamen alle Kinder an den Hof der Mutter nach Den Haag zur\u00fcck. Die S\u00f6hne verlie\u00dfen nach und nach das Haus der Mutter. Die Prinzessinnen beherrschten verschiedene Sprachen, wie Lateinisch, Italienisch, Spanisch, Holl\u00e4ndisch, Englisch, Franz\u00f6sisch und Deutsch.<\/p>\n<p>Als Elisabeth kaum f\u00fcnfzehn Jahre alt war, warb K\u00f6nig Ladislaus IV. von Polen um ihre Hand. Sie gab ihm nicht das Jawort, auch weil das f\u00fcr sie bedeutet h\u00e4tte, katholisch zu werden, worauf die polnische Geistlichkeit und der Reichstag bestanden.<\/p>\n<p>Elisabeth war die Gelehrteste. Sie wandte sich&nbsp; der Philosophie zu, stand in Briefwechsel mit Anna Maria von Schurmann, einer der gelehrtesten Frauen ihrer Zeit. 1619 begann sie die Schriften von Descartes zu lesen. 1640 wurde Descartes an Elisabeths Hof in Den Haag eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Wegbereiter der Aufkl\u00e4rung nahm seinen Wohnsitz ganz in der N\u00e4he der kurpf\u00e4lzischen Prinzessin. 1644 widmete ihr Descartes sein Hauptwerk \u00fcber die &#8222;Prinzipien der Philosophie&#8220;.&nbsp; Die beiden blieben in jahrelangem Briefwechsel verbunden. Die Verbindung blieb bestehen bis zum Tod von<\/p>\n<p>Descartes im Jahr 1650. Descartes \u00fcbernahm ihre Korrekturen und Vorschl\u00e4ge oft als gute Verbesserungen in seine Arbeiten. 1645 trat ihr Bruder Prinz Eduard von Pfalz zum Katholizismus \u00fcber, was sie als \u00fcberzeugte Kalvinistin stark betroffen gemacht hat.<\/p>\n<p>1646 ermordete ihr Bruder Prinz Philipp von der Pfalz (1627 bis 1650) in Den Haag auf offener Stra\u00dfe den Marquis de l&#8217;Epinay, einen G\u00fcnstling seiner Mutter , die angeblich ein Liebesverh\u00e4ltnis zum dem Franzosen unterhalten hatte. Das f\u00fchrte zum Bruch mit ihrer Mutter und sie ging zusammen mit ihrer Schwester Henriette Marie von der Pfalz (1626-1651) von 1646 bis 1647 und 1648 an den Hof ihres Vetters, des Kurf\u00fcrsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, wieder nach Berlin .<\/p>\n<p>Schwer zu schaffen machte ihr auch das Schicksal ihres Onkels K\u00f6nig Karl I. in England. K\u00f6nig seit 1625 wurde er 1649 zum Tode verurteilt und am 30. Januar hingerichtet.<\/p>\n<p>Nachdem ihr Bruder Karl Ludwig 1649 die Kurpfalz wieder zur\u00fcckerhalten hatte, konnte auch Elisabeth 1650 wieder nach Heidelberg zur\u00fcckkehren. Schnell nahm sie Kontakt zu den Professoren an der wieder er\u00f6ffneten Universit\u00e4t auf. Sie soll sogar Studenten um sich gesammelt haben und mit<\/p>\n<p>ihnen \u00fcber die Lehren von Descartes zu sprechen.<\/p>\n<p>In diesem Jahr wurde auch ihre Schwester Louise Hollandine (1622-1709) als Kanonisse in das Stift Herford aufgenommen. 1652 wurde ihr das Amt als K\u00fcsterin \u00fcbertragen ihre Wahl zur Koadjutorin wurde aber von der regierenden \u00c4btissin, ihrer Cousine&nbsp; Elisabeth Luise Juliane von Pfalz-Zweibr\u00fccken, verhindert.<\/p>\n<p>H\u00e4usliche Zwietracht in Heidelberg, die ungl\u00fcckliche Ehe ihres Bruders und die anschlie\u00dfende Heirat mit Louise Freifrau von Degenfeld veranlassten Elisabeth, aus Heidelberg weg zu gehen. Wieder in Brandenburg betrieb sie von dort aus energisch ihre Aufnahme in das Stift Herford, unterst\u00fctzt<\/p>\n<p>vom Kurf\u00fcrsten Friedrich Wilhelm. Sie sollte dort Koadjutorin werden. Aber wie schon bei Louise Hollandine&nbsp; versuchte die \u00c4btissin dies&nbsp; wohl die Konkurrenz Prinzessin Elisabeths f\u00fcrchtend&nbsp; zu verhindern. Aber schlie\u00dflich konnte Kurf\u00fcrst Friedrich Wilhelm die Wahl durchsetzen und Elisabeth wurde am 01.05.1661&nbsp; zur Koadjutorin der F\u00fcrstabtei Herford gew\u00e4hlt. Aufenthalte der Koadjutorin sind f\u00fcr die Jahre 1661, 1662, 1664, 1665 und 1666 in Herford nachweisbar.<\/p>\n<p>Sie pendelte zwischen ihren Verwandten, der hessischen Landgr\u00e4fin Hedwig Sophie, Tochter des brandenburgischen Kurf\u00fcrstenpaars,&nbsp; dem brandenburgischen Hof in Berlin und ihrer Schwester Sophie in Iburg.<\/p>\n<p>Am 28.03.1667 starb \u00c4btissin Elisabeth Luise . Einen Monat sp\u00e4ter, am 30.04. 1667 wurde Prinzessin Elisabeth von der Pfalz feierlich als neue F\u00fcrst\u00e4btissin des Reichsstiftes Herford inthronisiert.<\/p>\n<p>Zwischen 1657 und 1669 hatte sich unter Jean de Labadie die Glaubensgemeinschaft der Labadisten gebildet. Sie wichen kaum von der Lehre der reformierten Kirche ab, strebten aber einem katholisch-kl\u00f6sterlichen Lebensideal nach und lebten in G\u00fctergemeinschaft von H\u00e4ndearbeit.<\/p>\n<p>Dieser Sekte hatte sich inzwischen Anna Maria von Schurmann angeschlossen, ihre Briefpartnerin aus Leiden. Nach der Ausweisung aus Amsterdam machte sie Labadie und seine Glaubensgenossen auf die F\u00fcrst\u00e4btissin in Herford aufmerksam.<\/p>\n<p>Bei den Labadisten wohnten M\u00e4nner und Frauen in einem Haus, was den Verdacht der Vielweiberei erweckte. Dazu kam, da\u00df die Labadisten die G\u00fctergemeinschaft eingef\u00fchrt hatten.<\/p>\n<p>Die \u00c4bitissin hatte der Gemeinde ein Haus zugewiesen, allerdings ohne den Rat und die Geistlichkeit der Stadt Herford von der \u00dcbersiedlung der Labadisten zu benachrichtigen. Sie sah sich dazu nicht verpflichtet, da sie ja Souver\u00e4n ihres kleinen Territoriums war, das allerdings innerhalb der Stadtmauern lag.&nbsp; Angesichts des schlechten Rufes, den die Labadisten hatten, verlangte die B\u00fcrgerschaft die sofortige Ausweisung und brachte die Angelegenheit vor das kaiserliche Reichskammergericht zu Speyer. Dieses entschied so schnell wie selten,dass die \u00c4btissin&nbsp; bei Androhung der Reichsacht und einer Strafe von 30 Mark Gold die sofortige Ausweisung Labadies zu verf\u00fcgen habe. Sie behielt die Labadisten zwar weiterhin unter ihrem Schutz aber nicht mehr in Herford sondern auf ihrem Landgut au\u00dferhalb der Stadt. Nachdem die Labadisten im Juni 1672 nach Altona weiterzogen, vers\u00f6hnten sich die \u00c4btissin und die Stadt.<\/p>\n<p>Die tolerante Haltung Elisabeths war auch den Qu\u00e4kern nicht verborgen geblieben, einer anderen Religionsgemeinschaft, die in dieser Zeit in England ihren Ursprung nahm. Sie waren ebenfalls verfolgt und unterdr\u00fcckt. Ihr Gr\u00fcnder William Penn reiste auch nach Herford, wo er die \u00c4btissin besuchte und drei Tage lang blieb. Der Briefwechsel dauerte bis zum Lebensende von William Penn.<\/p>\n<p>Auch in in ihren letzten Lebensjahren stand sie mit zwei der bedeutendsten Philosophen in Verbindung.Mit dem Franzosen Malebranche und dem Deutschen Leibniz pflegte sie einen Briefwechsel.<\/p>\n<p>Ihr wissenschaftliches Interesse schlug sich auch im weiteren Ausbau der Herforder Bibliothek nieder, die aber bei der S\u00e4kularisation zugrunde ging.<\/p>\n<p>1679 wurde Elisabeth bettl\u00e4gerig. Sie litt an Wassersucht und seit ihrer Jugend an Rheumatismus.Kurz vor ihrem Tode vers\u00f6hnte sich aber mit ihrem Bruder Karl Ludwig.<\/p>\n<p>Im Februar 1680 verstarb sie.m Im M\u00fcnster von Herford wurde sie bestattet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/4\/46\/Prince_Rupert-Simon_Verelst.jpg\/220px-Prince_Rupert-Simon_Verelst.jpg\" width=\"220\" height=\"236\"><\/p>\n<p>Ruprecht von der Pfalz wurde am 27. Dezember 1619 in Prag geboren. Ein Jahr sp\u00e4ter ging die Schlacht am Wei\u00dfen Berg verloren. Friedrich V. wurde von den kaiserlichen Truppen unter General Tilly vernichtend geschlagen. Die k\u00f6nigliche Familie machte sich auf die Flucht.<\/p>\n<p>Es herrschte wohl ein heilloses Durcheinander. Man vergas sogar, den elf Monate alten S\u00e4ugling Ruprecht mitzunehmen. Ein Kammerherr fand den schlafenden Prinzen und packte ihn auf den letzten Fluchtwagen. Nach der Flucht \u00fcber Brandenburg und Wolfenb\u00fcttel lebte er bei seiner Mutter im holl\u00e4ndischen Exil am Hofe seines Gro\u00dfonkels Friedrich Heinrich von Oranien. Er studierte in Leiden und erhielt nat\u00fcrlich die selbe vorz\u00fcgliche Ausbildung wie seine Geschwister. Er interessierte sich vor allem f\u00fcr milit\u00e4rische Angelegenheiten. Schon im Alter von 13 Jahren schloss er sich 1633 der holl\u00e4ndischen Armee an. In den K\u00e4mpfen gegen Spanien&nbsp; war er bei der Belagerung von Rheinberg dabei. Er war Soldat in der Leibwache des Statthalters Friedrich Heinrich von Oranien, seines Gro\u00dfonkels. Er k\u00e4mpfte bei der Belagerung von Tienen (Tirlemont ) mit, das 1635 fast v\u00f6llig zerst\u00f6rt wurde. Auch an der Belagerung von L\u00f6wen (Louvain) nahm er teil.<\/p>\n<p>1635 begleitete er seinen Bruder Karl Ludwig zu ihrem Onkel Karl I. nach England. Als Neffen des K\u00f6nigs erhielten sie hohe Gnadenbeweise. So wurde Ruprecht von der Universit\u00e4t Oxford zum Magister Artium promoviert. Der Erzbischof von Canterbury und Berater des englischen K\u00f6nigs William Laud<\/p>\n<p>wollte ihm ein Bistum anbieten und Thomas Howard, der 21. Earl of Arundel, der auf der Hochzeitsreise seiner Eltern 1613 von London nach Heidelberg dabei war, wollte ihm eine Expedition nach Madagaskar unterstellen.<\/p>\n<p>1637 kehrten die beiden aus England zur\u00fcck.Ruprecht k\u00e4mpfte wieder ihm holl\u00e4ndischen Heer und nahm an der Belagerung und R\u00fcckeroberung von Breda teil.<\/p>\n<p>Karl Ludwig hatte mittlerweile ein kleines Heer aufgestellt. Zu diesem begab sich Ruprecht nach der Einnahme von Breda. Von Karl Ludwig erhielt Ruprecht den Befehl \u00fcber ein Kavallerieregiment. Milit\u00e4risch war das Unternehmen allerdings nicht erfolgreich.<\/p>\n<p>Seine Herrschaft in Meppen, die Karl Ludwig mit englischem Geld gekauft hatte, verlor er an die Kaiserlichen. Am 7.\/17.10. 1338 wurde er bei Vlotho an der Weser von Melchior Graf Hatzfeldt vernichtend geschlagen. Er entkam konnte \u00fcber Hamburg . Ruprecht aber geriet in Gefangenschaft.<\/p>\n<p>F\u00fcr drei Jahre war er habsburgischer Staatsgefangener in Linz an der Donau. Die Haftbedingungen waren ertr\u00e4glich.Immerhin hatte er Zeit, sich mit Zeichnen und Malen zu besch\u00e4ftigen. Er erfand&nbsp; ein Ger\u00e4t, welches perspektivisches Zeichnen einfacher machte.&nbsp; Er war technisch nicht unbegabt und hat einige Erfindungen gemacht, \u00fcber die noch zu reden sein wird. Sein Onkel Karl erreichte \u00fcber diplomatische Kan\u00e4le die Freilassung bei Kaiser Ferdinand III. Er musste sein Ehrenwort geben, nie wieder gegen Habsburg zu Felde zu ziehen. Daran hielt er sich.<\/p>\n<p>Ruprecht kehrte nach England zur\u00fcck. 1642 wurde er von Karl I. als Ritter in den Hosenbandorden aufgenommen. 1642 brach in England ein blutiger B\u00fcrgerkrieg aus zwischen den K\u00f6nigstreuen, den &#8222;Kavalieren&#8220;, einerseits und auf der anderen Seite den Anh\u00e4ngern des Parlaments, den Republikanern oder Puritanern unter Oliver Cromwell. Er k\u00e4mpfte f\u00fcr seinen Onkel. In den ersten Gefechten errang er wichtige Erfolge f\u00fcr den englischen K\u00f6nig. Ruprecht hatte taktisches Talent und war tollk\u00fchn. 1643 eroberte er Bristol. Sein j\u00fcngerer Bruder Moritz war jetzt immer dabei und focht in allen Schlachten mit.<\/p>\n<p>Im Januar 1644 ernannte ihn Karl I. zum Herzog von Cumberland. Er nahm Lancashire ein. Am 2. Juli 1644 fand in der N\u00e4he von York die Schlacht von Marston Moore statt. Das war eine der entscheidenden Schlachten des englischen B\u00fcrgerkriegs.Die verlor Ruprecht. Ganz Nordengland ging f\u00fcr die Royalisten verloren. Ruprecht hatte am englischen Hof einige Gegner und das war nat\u00fcrlich Wasser auf deren M\u00fchle. 1645 kann er zwar Leicester einnehmen, erlitt aber nur einen Monat sp\u00e4ter bei Naseby eine schwere Niederlage. Die milit\u00e4rische Lage in Bristol wurde aussichtslos und er \u00fcbergab deshalb die Stadt im September 1645 an Lord Fairfax, dem kommandierenden General des Parlamentsheeres. Sein Onkel tobte und entzog ihm das Kommando. Das empfand Ruprecht als Schmach und wollte vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Er wurde zwar freigesprochen, hatte aber die Gunst des K\u00f6nigs verloren. Er bekam ein Angebot der Republik Venedig, die ihn als General haben wollte.Das englische Parlament stellte aber keinen Pass aus. Oxford seit der Vertreibung Karls aus London 1642 Regierungssitz des K\u00f6nigs fiel 1646. Das Parlament verwies nun Ruprecht und seinen Bruder Moritz des Landes. Die beiden gingen nach Frankreich. Er k\u00e4mpfte dann in der franz\u00f6sischen Armee und machte dort den niederl\u00e4ndischen Feldzug mit. Bei der Belagerung von La Bass\u00e9e durch Marschall de Gassion 1647 wurde er verwundet. Er wurde dann von Karl II., dem Prinzen von Wales zum Admiral der k\u00f6niglichen Flotte ernannt. In Irland errichtete er einen St\u00fctzpunkt in Kinsale. Von dort aus versorgte er eine kleine royalistische Garnison unter John Grenville auf den Scilly Inseln. Von dort aus f\u00fchrte er auch einen Kaperkrieg gegen englische Schiffe zwischen Kinsale und Lissabon und Toulon und den Kapverdischen Inseln. Ihr Seekrieg gegen das Parlament wurde allm\u00e4hlich zur Plage. Aber der Kommandeur der englischen Flotte Admiral Blake brachte ihm eine Niederlage bei. Er zog sich dann nach Westindien zur\u00fcck. Von dort aus f\u00fchrte er seinen Kaperkrieg fort. Im Sp\u00e4therbst 1652 sank das Schiff seines Bruders Moritz in einer Sturmnacht bei den westindischen Inseln. Moritz blieb verschollen. Auch auf seinen Kaperfahrten war er immer an Natur und Naturwissenschaft interessiert. Er beobachtet fliegende Fische, Delfine und Haie, staunte \u00fcber riesige B\u00e4ume auf den Inseln und machte wissenschaftliche Beobachtungen &#8211; seine diesbez\u00fcglichen Interessen erwiesen den Prinzen auch als Naturforscher. Geld haben seine Kaperfahrten aber unterm Strich nicht eingebracht. Er brachte nur noch ein Schiff nach Europa zur\u00fcck und das musste versteigert werden, um Schulden zu bezahlen.<\/p>\n<p>Ruprecht gab 1653 seine Kaperfahrten auf und kehrte nach Europa zur\u00fcck. \u00dcber Paris, wo er ostentativ gefeiert wurde, ging er nach Deutschland. Er lie\u00df sich in Mainz nieder . Dort widmete er sich naturwissenschaftlichen Forschungen und der Kunst.<\/p>\n<p>Er entwickelte verschiedene Arten von Schie\u00dfpulver. Auch eine spezielle Legierung f\u00fcr den Kanonenguss stammte von ihm. Sie wurde unter dem Namen Prinzmetall bekannt. Auch die in England als Prince Ruperts Drops bekannten Bologneser Tr\u00e4nen werden mit ihm in Verbindung gebracht.<\/p>\n<p>Er soll sie 1660 nach England gebracht haben. Das sind kleine Glastropfen, deren Kopf eine hohe mechanische Belastbarkeit aufweist. In der Kunst hatte sich Ruprecht die Technik der Schabkunst (Mezzotinto) angeeignet. Er erfand oder perfektionierte auch den \u201crocker\u201d.&nbsp; Damit wird eine zu bearbeitende Metallplatte aufgerauht.Anschlie\u00dfend wird die Farbe auf die gesamte Metallplatte aufgetragen und die Platte sauber gewischt. Die kleinen Vertiefungen, die beim Aufrauhen erreicht werden, behalten jedoch die Farbe und erm\u00f6glichen die Erzeugung von Halbt\u00f6nen, wenn sie durch eine Druckmaschine mit Papier in Kontakt gebracht werden. Mit dieser Methode kann ein hohes Ma\u00df an Qualit\u00e4t und Reichtum erreicht werden.&nbsp; Das ist eine Schl\u00fcsseltechnik im Mezzotinto. Wallerant Vaillant erlernte diese Technik bei Ruprecht, popularisierte sie und wandte sie gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig an.<\/p>\n<p>Ruprecht nahm auch wieder Kontakt zu seinem Bruder Karl Ludwig auf. Er wollte von ihm, dass dieser ihm und seiner Mutter einen Besitz in der Kurpfalz zuweist von dem beide leben k\u00f6nnen. Er lebte ein Jahr auf dem Heidelberger Schloss, beging allerdings den Fehler, mit Luise von Degenfeld anzub\u00e4ndeln. Eine m\u00e4\u00dfige Rente, die ihm Karl Ludwig anbot,schlug er aus. Die Auseinandersetzungen im Hause Wittelsbach eskalierten. Von Testamentf\u00e4lschung ist die Rede. Schlie\u00dflich durfte Ruprecht ohne Erlaubnis des Kurf\u00fcrsten nicht mehr aufs Heidelberger Schloss. Der Zwist wurde erst 1670 beigelegt aber nach Heidelberg kam Ruprecht nie mehr.<\/p>\n<p>Ruprecht trat nun in den Dienst der Habsburger&nbsp; und k\u00e4mpfte als Feldmarschalleutnant mit eigenen Truppen im polnisch-schwedischen&nbsp; Krieg gegen K\u00f6nig Gustav von Schweden.K\u00f6nig Gustav war \u00fcbrigens der \u00e4lteste Sohn des Pfalzgrafen von Zweibr\u00fccken, Johann Casimir und der Schwester Gustav Adolfs. Katharina. Sein Vater ein Freund und Verwandter von Friedrich V.<\/p>\n<p>1660 \u00e4nderten sich die politischen Verh\u00e4ltnisse in England. Dort kam Karl II., der Sohn des hingerichteten Karl I. wieder auf den Thron. Die Monarchie war wieder hergestellt. Ruprecht kehrte nun wieder nach England zur\u00fcck. Der neue englische K\u00f6nig war ein Vetter Ruprechts. In der Thronfolge stand Ruprecht an zweiter Stelle. Die beiden verstanden sich sehr gut. Er wurde Privatsekret\u00e4r des K\u00f6nigs. Er \u00fcbernahm noch einmal ein Flottenkommando. Er war \u201eGeneral-at-Sea\u201c im Rang eines Admirals. In Seeschlachten gegen die Holl\u00e4nder zeichnete er sich aus.<\/p>\n<p>ER war der erste Gouverneur der 1670 gegr\u00fcndeten Hudsons\u2019Bay Company, die so erfolgreich wurde, dass sie bald ein Monopol auf den gesamten Pelzhandel in Kanada haben sollte. Das rund 3,9 Millionen km\u00b2umfassende Territorium trug ihm zu Ehren den Namen Ruperts Land.<\/p>\n<p>Er war nie verheiratet, hatte aber mit seiner Geliebten Frances Bard (1646\u20131708) einen Sohn Dudley Rupert Bard (auch Robert Dudley genannt, der 1686 bei der Belagerung von Ofen fiel. Um 1670 hatte er eine neue Geliebte die Schauspielerin Margaret Hughes (1630\u20131719). Mit ihr hatte er<\/p>\n<p>eine Tochter Ruperta, die 1695 den englischen General und Botschafter in Hannover Emanuel Scrope Howe heiratete.<\/p>\n<p>Ruprecht starb am 29. November 1682 in London und wurde in der Westminsterabtei neben seiner Mutter beerdigt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/d\/d5\/1621_Maurice.jpg\/220px-1621_Maurice.jpg\" width=\"220\" height=\"277\"><\/p>\n<p>Moritz von der Pfalz wurde am 6. Januar 1621 in K\u00fcstrin geboren. Die Familie befand sich auf der Flucht aus Prag nach Brandenburg. Alle mir verf\u00fcgbaren online-Quellen zu Moritz setzen im englische B\u00fcrgerkrieg ein. Ruprecht hat das Kommando \u00fcber die k\u00f6nigliche Reiterei.<\/p>\n<p>Moritz begleitete seinen Bruder treu ergeben auf all seinen Feldz\u00fcgen und er erhielt von ihm immer ein Truppenkommando. Ihm wird ein &#8222;unbez\u00e4hmbarer Raubtierblick&#8220; nachgesagt. Er war in Edgehill (23. Oktober 1642)&nbsp; und Marston Moor (2. Juli 1644) dabei. in Edgehill wurde er verwundet.<\/p>\n<p>Zusammen mit Ruprecht wurde er 1648 des Landes verwiesen. Er k\u00e4mpfte dann ebenfalls in der franz\u00f6sischen und Habsburger Armee. Nat\u00fcrlich beteiligte er sich auch an den Kaperfahrten, die sein Bruder unternahm, erst in Europa und ab 1651 von der Karibik aus. Im Sp\u00e4therbst geriet Moritz mit seinem Schiff in einen Hurrikan Er ging wohl mit Mann und Maus unter und blieb verschollen. Es gibt aber auch eine Legende \u00fcber ihn, er sei mit riesigen Sch\u00e4tzen aus Peru und Mexiko in Richtung eines franz\u00f6sischen Hafens unterwegs gewesen, kurz vorher aber in die H\u00e4nde von Seer\u00e4ubern gefallen, nach Algier verschleppt und im Inneren Afrikas verschwunden.<\/p>\n<p>Er war mit Rose Poltenay verheiratet, mit der er eine Tochter Elisabeth Maria Fielding hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/9\/9b\/Louise_Hollandine_de_Baviere.jpg\"><\/p>\n<p>Luise Hollandine wurde am 16. April 1622 als siebtes Kind von Friedrich V. und Elisabeth Stuart in Den Haag geboren. Sie war das erste Kind der Familie, dass im holl\u00e4ndischen Exil geboren wurde und da die Generalstaaten die Patenschaft \u00fcbernahmen, wurde sie Hollandine genannt.<\/p>\n<p>Sie wuchs in Leiden auf und erhielt wie alle Kinder des Winterk\u00f6nigs eine vorz\u00fcgliche Ausbildung. Auch Malen stand auf dem Bildungsplan.Gerrit van Honthorst, der niederl\u00e4ndische Maler unterrichtete die K\u00f6nigskinder und fand in Luise eine sehr begabte Sch\u00fclerin, deren Talent eigentlich erst in den 80-iger Jahren geb\u00fchrende Aufmerksamkeit fand. Nat\u00fcrlich war sie jetzt auch auf dem Hochzeitsmarkt. Einer ihrer Bewerber war der brandenburgische Kurf\u00fcrst Friedrich Wilhelm.<\/p>\n<p>1650 wurde sie als Kanonisse in das Stift Herford aufgenommen. 1652 wurde ihr bereits das Amt als K\u00fcsterin \u00fcbertragen. Ihre Wahl zur Koadjutorin wurde allerdings von der regierenden \u00c4btissin Elisabeth Luise von der Pfalz-Zweibr\u00fccken, ihrer Verwandten,<\/p>\n<p>verhindert. Da hatte sie wegen ihres Maltalents bereits einen gewissen Ruf erlangt. Sie kehrte dann aber nach Den Haag zu ihrer Mutter zur\u00fcck. Sie war das einzige Kind von Elisabeth Stuart, das noch bei seiner Mutter lebte. Am 19.Dezember 1657 verlie\u00df sie ihre Mutter fluchtartig und ging \u00fcber Antwerpen nach Paris, wo ihre Tante Henriette Marie, die Gattin des hingerichteten englischen K\u00f6nig Karl I. im Exil lebte. Sie trat zum katholischen Glauben \u00fcber, \u00e4hnlich wie ihr Bruder Eduard, der diesen Schritt schon 1645 vollzogen hatte. Trotz der Konversion erhielt sie von den Generalstaaten<\/p>\n<p>ein Gnadengehalt auf Lebenszeit. In Antwerpen war sie zuerst bei den Unbeschuhten Karmelitinnen. Dort wurde sie auch von ihrem Vetter K\u00f6nig Karl II und dessen Schwester besucht und musste einige Vorw\u00fcrfe wegen ihres Konfessionswechsels und die unschickliche Art, wie sie ihre Mutter verlassen hatte, \u00fcber sich ergehen lassen. Ihr Bruder Eduard holte sie zun\u00e4chst nach Rouen. Von dort ging sie dann weiter ins Kloster Chaillot, zu dem ihre Tante Henriette Marie eine besondere Beziehung hatte. Sie hatte in diesem Kloster eine Kapelle errichten lassen. In Chaillot war M\u00e8re Angelique \u00c4btissin, vor ihrem Eintritt ins Kloster Mademoiselle de la Fayette, Vertraute des franz\u00f6sischen K\u00f6nigs Ludwig XIII.. Also neudeutsch \u201cConnections\u201d waren durchaus vorhanden. In Portroyal des Champs, einem zisterziensischen Frauenkloster trat sie im Beisein ihrer Tante am 25. M\u00e4rz 1658 in die katholische Kirche ein.<\/p>\n<p>Wie ihr Bruder Eduard Karl Ludwig berichtete, sei Luise Hollandine nie \u201czufriedener gewesen als jetzt. Auch der Kontakt zu ihren Schwestern wurde wieder enger. Luise wollte ins Kloster eintreten, das stand fest. Aber das kostete Geld. Von ihrer Mutter konnte sie genauso wenig erwarten wie von ihrem Bruder, dem Kurf\u00fcrsten. Ihre Tante steuerte schlie\u00dflich Geld bei und als Karl Ludwig sich bereit erkl\u00e4rte, eine monatliche kleine Pension zu bezahlen, war auch das finanzielle<br \/>\nHindernis f\u00fcr einen Klostereintritt von Luise Hollandine beseitigt. Nach F\u00fcrsprache des franz\u00f6sischen K\u00f6nigs und ihrer Tante wurde sie schlie\u00dflich in das Zisterziensierinnenkloster Maubuisson in der Gemeinde<strong> <\/strong>Saint-Ouen-l\u2019Aum\u00f4ne aufgenommen. Dazu vermerkt ihr Bruder Eduard etwas sp\u00f6ttisch:<\/p>\n<p>\u201eman hat uns eine andere Abtei, welche noch mehr wert ist, versprochen. Die \u00c4btissin ist nur 84 Jahre alt.\u201c (in Anna Wendland Pfalzgraf Eduard und Prinzessin Louise Hollandine, zwei Konvertiten des Kurhauses Pfalz-Simmern, Heidelberger Jahrb\u00fccher 1910, Seite 49-86, hier Seite 65)<\/p>\n<p>Am 25.3.1659 nahm sie in Maubuisson den Schleier und legte am 19.9.1660 ihre Gel\u00fcbde ab. Ludwig XIV. zahlte ihr dann auch eine j\u00e4hrliche Pension von 6000 Livres. Schlie\u00dflich traf auch ein Vers\u00f6hnungsschreiben ihrer Mutter bei Luise Hollandine ein, was f\u00fcr sie sehr wichtig war, denn sie litt darunter, dass sie das Gebot, Du sollst Vater und Mutter ehren mit ihrer Flucht aus Den Haag&nbsp; grob verletzt hatte. Allerdings verlangte ihre Mutter daf\u00fcr ein von Luise Hollandines gemaltes Bild der drei T\u00f6chter Prinz Eduards, wie dieser an seinen Bruder schreibt. Auch im Kloster durfte sie weiter malen.<\/p>\n<p>Im April 1664 wurde sie zur \u00c4btissin gew\u00e4hlt. Sie zeichnete sich durch pers\u00f6nliche Bescheidenheit aus. Als \u00c4btissin war sie um&nbsp; die Klosterzucht und die Einhaltung der Regeln sehr bem\u00fcht. Sie a\u00df nie Fleisch, schlief auf einer harten Matratze und hatte nur einen Strohstuhl in ihrer Zelle. Von ihren Nonnen wurde sie verehrt und geliebt. Sie bew\u00e4hrte sich als kluge Verwalterin.<\/p>\n<p>Ein sehr enges Verh\u00e4ltnis hatte sie zu ihrer Familie. Ihre Schwester Sophie von Hannover besuchte sie 1679 in Maubuisson , als diese in Frankreich war, um ihre Tochter Sophie Charlotte dort zu pr\u00e4sentieren und m\u00f6glicherweise zu verheiraten. Beide nahmen auch regen Anteil an den kirchlichen Reunionsbestrebungen. 1680 versuchte Luise Hollandine die einflussreichen Kleriker und gelehrten&nbsp; Jaques Benigne Bossuet, Bischof von Meaux, Christobal Rojas y Spinola, Bischof von Wiener Neustadt, Gerhard Wolter Molanus,evangelischer Abt von Loccum, Gottfried Wilhelm Leibniz, Hofrat und Bibliothekar in Verbindung zu bringen, wobei Luise Verbindungen zu Bossuet hatte und Sophie zu Molanus und Leibniz. Aber immerhin entwickelte sich daraus eine sich \u00fcber Jahre hinziehende Korrespondenz.<\/p>\n<p>Einen sehr herzlichen Kontakt hatte sie zu ihrer Nichte Liselotte von der Pfalz, Herzogin von Orl\u00e9ans. Diese besuchte sie oft im Kloster und blieb ihr brieflich bis an ihr Lebensende verbunden. Sie erz\u00e4hlt, dass ihre Tante, die Frau \u00c4btissin noch alle Z\u00e4hne, \u201cwenn auch verschlissen\u201d habe, noch ohne Brille lesen k\u00f6nne und die Last der Jahre sp\u00fcre man nur an ihrem gebeugten Gang. (ebda S. 80) 1705 erlitt Luise Hollandine einen Schlaganfall und ist die letzten Jahre ihre Lebens teilweise gel\u00e4hmt. Sie starb am 11. Februar 1709.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/photos.geni.com\/p10\/7344\/070\/53444837e79fe50d\/210px-Eduardo_palatino_large.jpg\"><\/p>\n<p>Eduard von der Pfalz wurde am 05.0ktober 1625 in den Haag geboren. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in den Haag, um dann wie alle seine Geschwister in Leiden seine Erziehung zu&nbsp; erhalten. Im Gegensatz zu seinen Schwestern war seine Neigung zu den Wissenschaften nicht sehr lebhaft.<\/p>\n<p>Er folgte seinen Br\u00fcdern fr\u00fch nach England. Dort entwickelten sich die politischen Verh\u00e4ltnisse aber bald zum B\u00fcrgerkrieg, was Eduard \u00fcberhaupt nicht behagte. Er stand eher auf Lebenslust. Er verlie\u00df England sehr bald wieder. Die st\u00e4ndige Geldnot machte ihn aber zu einem st\u00e4ndigen Gast der Amsterdamer Geldverleiher, was ihn zum Sorgenkind seiner Mutter machte. Heimlich floh er 1645 nach Frankreich. Dort lernte er Prinzessin Anna, die Tochter des Herzogs von Mantua-Gonzaga und Nevers kennen. Er ging eine heimliche Ehe mit ihr ein. Nun war er zwar seiner Geldsorgen ledig,<\/p>\n<p>musste aber zum katholischen Glauben konvertieren, den sonst h\u00e4tte es wohl doch Schwierigkeiten mit dem franz\u00f6sischen Hof gegeben. Gar nicht gut kam sein Schritt nat\u00fcrlich am pf\u00e4lzischen Hof an, zumal der Konfessionswechsel einen Gesichtsverlust f\u00fcr den pf\u00e4lzischen calvinistischen Kurf\u00fcrsten<\/p>\n<p>Karl Ludwig bedeutete, was sicher nicht dadurch gemildert wurde, dass Eduard seine Erb-und Rechtsanspr\u00fcche durch den W\u00fcrzburger F\u00fcrstbischof Johann Philipp von Sch\u00f6nborn vertreten wissen wollte. Die Entfremdung zu seinen Geschwistern nach diesem Schritt war nicht von allzu langer Dauer.<\/p>\n<p>Man nahm wieder F\u00fchlung auf. Selbst die Mutter vergab ihm nach einiger Zeit. 1649 war er trotz seiner Religion in den englischen Hosenbandorden aufgenommen worden. Dank seiner verm\u00f6genden Gemahlin konnte er sich sogar \u201ceine k\u00f6nigliche Haushaltung\u201d gestatten (Anna Wendland&nbsp; S. 49)<\/p>\n<p>So war es auch nicht schwierig , mit seinem Bruder Karl Ludwig 1653 einen Abfindungsvertrag zu schlie\u00dfen. Die H\u00f6he der sehr bescheidenen Eink\u00fcnfte aus der Pfalz sind darin geregelt worden und f\u00fcr den unwahrscheinlichen Fall seiner R\u00fcckkehr in die Pfalz sind ihm H\u00e4user in Speyer oder Worms<\/p>\n<p>angewiesen worden. Er selbst hatte sich nur das erbrecht f\u00fcr sich und seine Familie vorbehalten.<\/p>\n<p>Er verwaltete die G\u00fcter seiner Frau. Er hatte drei T\u00f6chter, die er z\u00e4rtlich liebte und die er auch von seiner Schwester Luise Hollandine&nbsp; portr\u00e4tieren liess (s.o). Die Portraits der kleinen M\u00e4dchen schickte er auch an seinen Bruder. Er hatte auch noch einen Sohn, der allerdings im ersten Lebensjahr starb.<\/p>\n<p>Luise Marie (1647\u20131679) heiratete 1671 den F\u00fcrsten Karl Theodor zu Salm, kaiserlicher Feldmarschall und Oberhofmeister, der Erzieher&nbsp; Josef I. wurde und sp\u00e4ter in dessen Diensten als erster Geheimer Rat t\u00e4tig war.<\/p>\n<p>Anna Heinriette Julia (1648\u20131723) heiratete 1633 Henri III.Jules de Bourbon, Gro\u00dfmeister von Frankreich. Das ist eine der wichtigsten Pers\u00f6nlichkeiten am franz\u00f6sischen Hof. Er leitete alle Dienste des K\u00f6nigshauses. Er ernannte die neuen Offiziere, die vor ihm den Eid auf den K\u00f6nig ablegen mussten Und schlie\u00dflich verwaltete er das Budget des K\u00f6nigs.<\/p>\n<p>Benedicta Henriette Philippine (1652\u20131730), die 1688 Herzog Johann Friedrich zu Braunschweig, der Schloss Herrenhausen zu seiner Sommerresidenz ausbaute. Er holte auch den Philosophen Leibniz und den Mediziner und Naturforscher Niels Stensen an seinen Hof nach Hannover.<\/p>\n<p>In der Ehe Eduard s hatte seine Frau das \u00dcbergewicht. Sie mischte sich in politische Angelegenheiten ein und spielte in der Fronde eine wichtige Rolle. Sie agierte sogar gegen Kardinal Mazarin und soll einen Aufstand angezettelt haben, der Mazarin zwang, den Anf\u00fchrer der Fronde Louis II. de Bourbon,<\/p>\n<p>freizulassen.<\/p>\n<p>Auch ihr Schwager Karl Ludwig bediente sich ihrer Vermittlung. Auf sie soll der Freundschaftsvertrag zur\u00fcckgehen, der 1657 zwischen Frankreich und der Pfalz geschlossen wurde. Auch&nbsp; die Heirat Elisabeth Charlottes mit&nbsp; Prinz Philipp I. von Orleans dem Bruder von Ludwig XIV. soll von ihr angebahnt worden sein.<\/p>\n<p>Das war eine Beziehung mit sp\u00e4teren Folgen. 1688 nahm der franz\u00f6sische K\u00f6nig diese Ehe zum Anlass f\u00fcr den Pf\u00e4lzischen Erbfolgekrieg, in dem die Pfalz sehr zum Kummer von Liselotte mehrmals verw\u00fcstet wurde. Das Heidelberger Schloss wurde von den Franzosen unter General M\u00e9lac in Brand<\/p>\n<p>gesetzt und 1691 von franz\u00f6sischen Pionieren gesprengt.<\/p>\n<p>Eduard erkrankte schon fr\u00fch an Gicht und erlitt immer wieder heftige Anf\u00e4lle. Am 13. M\u00e4rz 1663 starb er im Alter von 37 Jahren in Paris.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/geneee.org\/g?lang=de;m=IM;d=1517593388;p=henriette+marie;n=von+der+pfalz;k=\/henriette_marie.0.von_der_pfalz\"><\/p>\n<p>Henriette Marie&nbsp; von der Pfalz wurde am 17. Juli 1626 in den Haag geboren. Sie wird als vielseitig begabt beschrieben. Sie wuchs zuerst in Leiden und dann am Hof ihrer Mutter in Den Haag auf. Sp\u00e4ter wurde sie zu i9hrer Tante Elisabeth Charlotte von Brandenburg gegeben, die in K\u00f6ssen als Witwe lebte.<\/p>\n<p>1651 wurde sie mit dem Prinzen Sigismund R\u00e1k\u00f3czi verheiratet, Graf von Munk\u00e1cs (in der heutigen Westukraine), Sohn des F\u00fcrsten Georg I.R\u00e1k\u00f3czi&nbsp; von Siebenb\u00fcrgen. Die Familie war ein ungarisches, kalvinistisches Adelsgeschlecht und nach Aussage der Tante unter evangelischen<br \/>\nF\u00fcrsten die beste Partie, die zu machen sei. Auf jeden Fall war er sehr reich, verf\u00fcgte \u00fcber zahlreiche Festungen und nach Aussage der Tante ass das ganze Haus aus Silbergeschirr. Henriette Marie&nbsp; wehrte sich heftig gegen diese Ehe. Sie flehte ihren Bruder Karl Ludwig an, ihr zu helfen. auch bezweifelte sie den Sinn dieses Eheprojekts. aber es half nichts. Sie reiste \u00fcber Schlesien, Polen und Ungarn nach Siebenb\u00fcrgen. Kaum dort angekommen verstarb sie nur wenige Monate nach ihrer Hochzeit. In Weissenburg wurde sie in der Marienkirche bestattet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/9\/9c\/1627_Philipp.jpg\/220px-1627_Philipp.jpg\" width=\"220\" height=\"278\"><\/p>\n<p>Philipp von der Pfalz wurde am 16.September 1627 in Den Haag geboren. Zeitweise wurde er am franz\u00f6sischen Hof erzogen. auf Wunsch von Karl Ludwig kam er aber wieder an den Hof seiner Mutter in Den Haag zur\u00fcck. Er war im Auftrag des englischen Parlaments unterwegs<\/p>\n<p>um in Venedig Truppen auszuheben und diese nach England zu \u00fcberf\u00fchren. Den Auftrag hatte ihm Karl Ludwig verschafft. Am 21. Juni 1646 wurde er in Den Haag&nbsp; eine Auseinandersetzung mit dem Marquis von Epinay verwickelt. Es ist nicht sicher, ob dieser Marquis ein Liebhaber seiner Mutter oder seiner Schwester Luise Hollandine war. Auf jeden Fall war er ein G\u00fcnstling seiner Mutter. Bei dieser Auseinandersetzung&nbsp; starb der Marquis. Philipp musste aus den Generalstaaten fliehen. Elisabeth erkannte ihn nicht mehr als ihren Sohn an und sprach nie mehr ein Wort mit Philipp.<\/p>\n<p>Er war dann in lothringischen Reiterdiensten t\u00e4tig und fiel als Reiteroberst&nbsp; in den Kriegen der Fronde in der Schlacht bei Rethel (am 15. Dezember 1650) Er starb am 16. Dezember 1650. Seine sterblichen \u00dcberreste wurden nach Sedan gebracht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"Sophie von der Pfalz, Portr\u00e4t aus dem Jahr 1650\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/6\/65\/Electress_Sophia%2C_Princess_Palatine.jpg\/440px-Electress_Sophia%2C_Princess_Palatine.jpg\" width=\"220\" height=\"258\"><\/p>\n<p>Sophie wurde am 14. Oktober 1630 als zw\u00f6lftes Kind von&nbsp; Friedrich V. und Elisabeth Stuart in Den Haag geboren. Sie war erst zwei Jahre alt, als ihr Vater verstarb.Bis zu ihrem 10.Lebensjahr wuchs sie in Leiden auf, wo sie streng calvinistisch erzogen worden war. Dann holte die Mutter sie nach Den Haag.<\/p>\n<p>Karl I. von England war ja am 30. Januar 1649&nbsp; hingerichtet worden. Die englischen Subventionen blieben aus. Sophie siedelte zu ihrem Bruder nach Heidelberg \u00fcber. Die Eheprobleme zwischen Karl Ludwig und Charlotte von Hessen-Kassel&nbsp; erschwerten zwar den Aufenthalt Sophies am Heidelberger Hof. Sie k\u00fcmmerte sich um die Kinder der beiden, Elisabeth Charlotte, der sp\u00e4teren Lieselott von der Pfalz und Karl, die unter den st\u00e4ndigen Streitereien ihrer Eltern litten. Bis an Sophies Lebensende schrieb Lieselotte zwei mal w\u00f6chentlich zwei mal 20-bis drei\u00dfig Seiten&nbsp; lange Brief an \u201cma tante\u201d.<br \/>\nAuch zu den Kindern ihres Bruders und Marie Luise&nbsp; Freifrau v. Degenfeld, Raugr\u00e4fin zu Pfalz hatte sie ein enges Verh\u00e4ltnis, was sich auch in einem jahrelangen Briefwechsel zeigte. Sie selbst verfolgte sp\u00e4testens seit 1648 zielstrebig das Ziel einer standesgem\u00e4\u00dfen Verehelichung. Schon das erste Eheprojekt zwischen ihr und ihrem Cousin Karl II. von England war gescheitert. Der regierende Pfalzgraf Adolf Johann von Zweibr\u00fccken, der Bruder des schwedischen K\u00f6nigs Karl X. Gustav hielt um ihre<br \/>\nHand an.N\u00e4chster Bewerber war der regierende hannoversche Herzog.Georg Wilhelm von Braunschweig-L\u00fcneburg, der von seinem Antrag allerdings zur\u00fccktrat und als Tausch seinen j\u00fcngsten Bruder Ernst August anbot. Im Gegenzug verpflichtete sich Georg Wilhelm zu lebenslanger Ehelosigkeit und zum Verzicht auf sein Erbrecht im F\u00fcrstentum Calenberg, was er allerdings nicht einhielt. Am 30. September 1658: heirateten Sophie und Ernst August&nbsp;&nbsp; in der Schlo\u00dfkapelle in Heidelberg. 1662 wurde Ernst August F\u00fcrstbischof von Osnabr\u00fcck. Das Paar zog nach Iburg. Da diese nicht den Anspr\u00fcchen an eine barocke Resident gen\u00fcgte, wurde zwischen 1667\u201373 im Zentrum von Osnabr\u00fcck ein repr\u00e4sentatives Schlo\u00df mit gro\u00dfer Gartenanlage errichtet.&nbsp; F\u00fcr den Garten war Martin Charbonnier zust\u00e4ndig, ein gro\u00dfer aus Frankreich stammender Gartenk\u00fcnstler des Barock. Den Osnabr\u00fccker Garten betreute er sp\u00e4ter<\/p>\n<p>von Herrenhausen aus.<br \/>\n&nbsp; Die ersten beiden S\u00f6hne wurden&nbsp; noch in Hannover geboren. Georg Ludwig(1660\u20131727) wurde als Georg I. 1714 K\u00f6nig von Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<p>Friedrich August (1661\u20131690) fiel im Krieg gegen die T\u00fcrken.<\/p>\n<p>1666 wurde Maximilian Wilhelm geboren(1666\u20131726). Er befehligte ein kaiserliches K\u00fcrassierregiment unter den Truppen des Markgrafen Ludwig Wilelms von Baden, dem \u201cT\u00fcrkenlouis\u201d.<\/p>\n<p>Sophie Charlotte (1668\u20131705) heiratete&nbsp; 1684 den Kurprinzen Friedrich von Brandenburg, der ab 1688 Friedrich III. als Kurf\u00fcrst regierte und sich 1701 zum K\u00f6nig kr\u00f6nte. Ihr Sohn war Friedrich Wilhelm, der sp\u00e4ter Soldatenk\u00f6nig und ihr Enkel Friedrich II., der als Friedrich der Gro\u00dfe in die Geschichte eingegangen ist. Das Schloss Charlottenburg wurde 1699 als Sophie Charlottes Sommerresidenz eingeweiht.<\/p>\n<p>Karl Philipp (1669\u20131690) folgte 1669. Er fiel 1690 im Krieg gegen die T\u00fcrken.<\/p>\n<p>Auch Christian Heinrich (1671\u20131703)kam bei einem Feldzug ums Leben. Er ertrank 1703 beim Feldzug gegen die Franzosen 1703 in der Donau.<\/p>\n<p>Der letzte Sohn Ernst August (1674\u20131728) war von 1716 bis 1728 regierender F\u00fcrstbischof von Osnabr\u00fcck. 1716 wurde zum Ritter des Hosenbandordens erhoben und dann zum Herzog von York und Albany und au\u00dferdem zum<br \/>\nEarl von Ulster.Er starb unverheiratet am 17. August 1728.<\/p>\n<p>1679 siedelte die Familie im August 1679 in die hannoversche Residenz in Herrenhausen um.&nbsp; Hier k\u00fcmmerte Sophie sich besonders um den Schlossgarten. Dieser orientierte sich an den niederl\u00e4ndischen Barockg\u00e4rten, die Sophie ja aus ihrer<br \/>\nJugend kannte. Aber auch ihre franz\u00f6sischen und italienischen Reiseeindr\u00fccke flossen ein<\/p>\n<p>1683 f\u00fchrte Ernst August&nbsp; f\u00fchrte er f\u00fcr seinen Herrschaftsbereich gegen den Widerstand seiner j\u00fcngeren S\u00f6hne die Primogenitur ein. Zum einen wollte er damit die Herrschaft in einer Hand erhalten, da ja alle Besitzungen an den erstgeborenen Sohn fallen sollten.<\/p>\n<p>Zum andern war die Primogenitur auch Voraussetzung f\u00fcr die von ihm angestrebte Kurf\u00fcrstenw\u00fcrde, die ihm Kaiser Leopold I. (1658-1705) 1692 dann auch verlieh.in Opposition zu ihrem Mann diplomatische Beziehungen nach D\u00e4nemark auf. In der Folge wurde sie mit Hausarrest bestraft und ihr Sohn war jetzt Kurf\u00fcrst von Braunschweig-L\u00fcneburg (\u201cKurhannover\u201d) Die f\u00fcnf j\u00fcngeren S\u00f6hne wehrten sich gegen die Enterbung,<\/p>\n<p>was 1691 in der \u201ePrinzenverschw\u00f6rung\u201c ihren H\u00f6hepunkt fand. Sophie ergriff Partei f\u00fcr ihre j\u00fcngeren S\u00f6hne. Diese wollten ihre Erbanspr\u00fcche mittels Interventionen ausl\u00e4ndischer M\u00e4chte durchsetzen. Sophie baute in Opposition zu ihrem Mann diplomatische Beziehungen nach D\u00e4nemark auf.<\/p>\n<p>Sophie wurde mit Hausarrest belegt. Ihr Sohn Maximilian sogar kurzzeitig inhaftiert. Nach dem Tod Ernst Augusts 1698 gewann Sophie ihre politische Stellung wieder zur\u00fcck. Sie residierte vorwiegend in Herrenhausen.<\/p>\n<p>1701 erlie\u00df das britische Parlament das \u201cAct of settlement\u201d. Dieses regelte die protestantische Thronfolge im K\u00f6nigreich England und legte das Recht auf Thronfolge im Hause Stuart unter Umgehung der bis dahin g\u00fcltigen Erbfolgelinie auf Sophie von der Pfalz fest. sie war Cousine 1. Grades der regierenden K\u00f6nigin Anne Stuart. Die Bestimmungen zur Nachfolge waren direkt an die Person von Sophie gekn\u00fcpft. Sophie starb allerdings kurz vor Anne Stuart. So bestieg nicht sie, sondern ihr Sohn Georg Ludwig als Georg I.von England den englischen Thron. Dieser blieb dann bis zur Thronbesteigung K\u00f6nigin Viktorias in Personalunion zwischen Gro\u00dfbritannien und Hannover.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Friedrich V. wurde am 26. August 1596 im Jagdschloss Deinschwang als erster Sohn des pf\u00e4lzischen Kurf\u00fcrsten Friedrich IV. (1574-1610) und Luise Juliane von Nassau Oranien (1576-1644) geboren. Sein Vater stammte aus der Linie von Pfalz-Simmern. 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