{"id":3113,"date":"2018-12-28T15:30:42","date_gmt":"2018-12-28T15:30:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=3113"},"modified":"2018-12-28T16:23:21","modified_gmt":"2018-12-28T16:23:21","slug":"kloster-herrenalb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=3113","title":{"rendered":"Kloster Herrenalb"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/0\/03\/AlteSakristBHalb.JPG\/1280px-AlteSakristBHalb.JPG\"><\/p>\n<p>Nach der Stiftungsurkunde wurde das Kloster 1148 gegr\u00fcndet. Die Urkunde liegt allerdings nur in einer wohl verf\u00e4lschten&nbsp; Abschrift aus dem Jahre 1270 vor. Stifter waren&nbsp; Berthold III. von Eberstein und seine Gemahlin Uta, Gr\u00e4fin von Sinsheim.<\/p>\n<p>Die Stiftung erfolgte aus Dankbarkeit f\u00fcr die gesunde R\u00fcckkehr aus dem 2. Kreuzzug (1147-1149). Das neue Kloster wurde den Zisterziensern \u00fcbergeben, die es von Kloster Neuburg (Novum Castrum) in Dauendorf in der N\u00e4he von Haguenau aus besiedelten.<\/p>\n<p>Der Neuburger Abt stand in seelsorgerlicher Beziehung zum Klostergr\u00fcnder<\/p>\n<p>Der 1. Abt Herrenalbs Dieterich(1150) kam wie bei Klostergr\u00fcndungen der Zisterzienser damals \u00fcblich mit 12 M\u00f6nchen im Albtal an. Kurz vorher, 1138, war von Neuburg aus Maulbronn gegr\u00fcndet worden, das 1147 an einen geeigneteren Standort, dem heutigen, verlegt worden.<\/p>\n<p>\u00dcber Kloster L\u00fctzel geh\u00f6rt Neuburg und damit Herrenalb der Filiation der Primarabtei Morimond an. Die Stiftung wurde mit G\u00fctern im Albtal und um Ottersweier sowie dem Dorf Dobel ausgestattet. Der Stifter war kurz nach der Stiftung in den Grafenstand aufgestiegen. Die Abschrift der Stiftungsurkunde wurde von Graf Otto III., dem Enkel des Stifters veranlasst, der damit die Stiftung best\u00e4tigte. Otto war, als die Abschrift angefertigt wurde angeblich 100 Jahre alt und starb 1279. Er ist in Herrenalb bestattet.<\/p>\n<p>Auch die n\u00e4chsten drei \u00c4bte, n\u00e4mlich Ulrich (1147), Konrad und Matth\u00e4us kamen aus Neuburg.<\/p>\n<p>Schon 1177, am 21. Dezember erhielt Herrenalb die erste p\u00e4pstliche Best\u00e4tigung und zwar durch Papst Alexander III.(1159-1181).\u201dPapst Alexander III. nimmt das Kloster Herrenalb mit genannten Besitzungen in seinen Schutz, und verleiht ihm weitere ausgedr\u00fcckte Beg\u00fcnstigungen.\u201d (WUB Bd.II, Nr.407, S.181-182)Best\u00e4tigt werden namentlich die Grangien in Rastatt, \u00d6tigheim,Au am Rhein, Malsch, Scheibenhardt, Bretten, Eck, Moosbronn und Ubstadt.<\/p>\n<p>Die erste kaiserliche Schutzbest\u00e4tigung kam von Kaiser Heinrich VI. 1195 (1191-1197). \u201cKaiser Heinrich VI. nimmt das Kloster Herrenalb mit allen dessen Angeh\u00f6rigen und rechtm\u00e4\u00dfigen Besitzungen in seinen Schutz.\u201d (WUB Bd. II, Nr. 493 S. 311)<\/p>\n<p>P\u00e4pstliche Schutzurkunden wurden wieder am 24. August 1213 durch Papst Innozenz III. (1198-1216) (WUB Bd IV. Nr.86, S. 388-389)Der Nachfolger&nbsp; Papst Honorius III. (1216-1217) stellt kurz danach eine weitere Schutzurkunde aus. (WUB Bd. III, Nr. 598 S. 57-60)<\/p>\n<p>Auch Papst Clemens IV. (1265-1268)best\u00e4tigt am 30. April 1268 den p\u00e4pstlichen Schutz f\u00fcr Herrenalb sowie \u201calle ihm von seinen Vorg\u00e4ngern sowie von K\u00f6nigen, F\u00fcrsten und anderen Christgl\u00e4ubigen bewilligten Rechtsbeg\u00fcnstigungen und Befreiungen von weltlichen Abgaben.\u201d (WUB BD. VI. N.2002, S.397)<\/p>\n<p>Am 30. April 1274 best\u00e4tigt Papst Gregor X. (1271 \u2013 1276) die Schenkung des Patronatsrechts f\u00fcr die Kirche von Merklingen durch den Edlen Ludwig von Liebenzell. Merklingen im Stroh- und Schleheng\u00e4u war zu einem weiteren Schwerpunkt der Besitzungen des Klosters Herrenalb geworden. 1296 war Merklingen der Mittelpunkt eines Klosteramts von Merklingen. Merklingen ist heute der&nbsp; gr\u00f6\u00dfte Stadteil von Weil der Stadt.1296 hatte Herrenalb das ganze Dorf Merklingen erworben und dort einen Klosteramtssitz errichtet. Die Verwaltung galt als musterg\u00fcltig.&nbsp; In Weil der Stadt hatte das Kloster auch einen Stadthof, der 1275 von K\u00f6nig Rudolf von Bede, Steuer und allen Diensten befreite.(WUB Bd.VII, Nr.2545, S. 407-408)Am selben Tag stellt K\u00f6nig Rudolf eine Urkunde f\u00fcr das Kloster aus, \u201cK\u00f6nig Rudolf nimmt das Kloster Herrenalb, nachdem er die seitherigen Pr\u00e4tendenten zum Verzicht auf das Vogtrecht \u00fcber dasselbe bewogen hat, in seinen und des Reiches Schutz und erlaubt ihm, sich aus der Familie der Herren von Eberstein einen Schirmherrn zu erw\u00e4hlen\u201d.(WUB Bd.VII, Nr.2544, S. 406-407). Die Familie von Eberstein hatte schon den H\u00f6hepunkt ihrer Bedeutung \u00fcberschritten. Eine Teilung des Besitzes zwischen den Br\u00fcdern Berthold IV. und Otto I. verst\u00e4rkten den Abstieg. Dazu kamen finanzielle Schwierigkeiten des Hauses. 1240 heiratete Kunigunde von Eberstein den Markgrafen Rudolf von Baden. Als ebersteinischer Miterbe erf\u00fcllte Kunigundes Gemahl also die Bedingung K\u00f6nig Rudolfs als Schirmherr Herrenalbs. 1289 hatten&nbsp; die Markgrafen von Baden die Vogtei von Herrenalb inne.<\/p>\n<p>Am 18. April 1338 stellte Kaiser Ludwig der Bayer in Frankfurt folgende Urkunde aus \u201cKs. Ludwig befiehlt Graf Ulrich (III.) von W\u00fcrttemberg, seinem Landvogt, nachdem Abt und Konvent des Zisterzienserklosters Herrenalb durch gro\u00dfen Unfrieden und wegen etlicher Herren, insbesonders wegen Markgraf Hermann (VIII.) von Baden, von denen sie bedr\u00e4ngt werden, in solche Not gekommen sind, da\u00df sie in ihrem Kloster nicht bleiben und ihr Auskommen finden k\u00f6nnen, sich des Abts und des Konvents anzunehmen, ihr Schirmer zu sein und nicht zu gestatten, da\u00df Markgraf Hermann noch jemand anders sich an ihren G\u00fctern und Leuten vergreifen. Sollte sich der Graf ungehorsam zeigen, m\u00f6ge er wissen, da\u00df er sich gegen den Kaiser vergehe. \u201c( RI VII H.1 n. 287). <\/p>\n<p>Zwar best\u00e4tigte Ludwig in einer am 2. Juni 1388 auch in Frankfurt ausgestellten Urkunde die Vogtfreiheit von Kloster Herrenalb ( RI VII H.1 n. 288). Aber die Schutzvogtei lag nun bei dem Grafen von W\u00fcrttemberg. Baden aber gab seine Anspr\u00fcche nie auf,<\/p>\n<p>anerkannte aber 1344 die frei Wahl von Ludwigs S\u00f6hnen zu Schirmern Herrenalbs. Die ununterbrochene Oberherrschaft bis 1496 war damit eingeleitet.<\/p>\n<p>Herrenalb hatte seinen Besitzschwerpunkt zun\u00e4chst im Albtal. In der Ortenau hatte es Besitz in und um Ottersweier. In der Rheinebene hatte es auch um Malsch herum ausgedienten Besitz. Am Schwarzwaldrand bildete Langensteinbach einen Besitzschwerpunkt.<\/p>\n<p>Das Dorf kam 1296 durch Kauf vom Markgrafen Friedrich von Baden in den Besitz von Kloster Herrenalb. (WUB Bd. X, Nr.4840, S. 479) Der Verkauf erfolgt im April. Am 21. Juli 1296&nbsp; wurde in Urkunde Nr. 4868 (WUB Bd. X, S.504-505) beurkundet: \u201cGraf Eberhard von W\u00fcrttemberg verzichtet zugunsten von Kloster Herrenalb auf alle Rechte an den D\u00f6rfern Langensteinbach, Ittersbach und Wolmarspach.\u201d Das Kloster richtete in Langensteinbach eine Pflege ein. Von dieser Pflege aus wurden auch die heutigen Teilorte, Auerbach, Mutschelbach, Ittersbach und Spielberg mitverwaltet. Alle Teilorte des heutigen Karlsbad kamen etwa zur selben Zeit an Kloster Herrenalb.<\/p>\n<p>Um 1330 erbauten dort M\u00f6nche die St. Barbarakapelle, die sich zu einem Wallfahrtsort der erst nach der Reformation an Bedeutung verlor. Beg\u00fctert war Herrenalb im Kraichgau und in der Gegend von Bruchsal. In Vaihingen an der Enz hatte es einen Pfleghof und einen Fruchtkasten, in dem die Ertr\u00e4ge seiner Besitzungen gelagert wurden. Als Abt regierte zu der Zeit Eberhard (1329-1334).<\/p>\n<p>Das Kloster verf\u00fcgte auch \u00fcber eine Ziegelei, die sich im Bereich des heutigen Bahnhofs befand. Im Museum in Herrenalb werden die \u00e4ltesten in Deutschland gefundenen datierten Ziegel ausgestellt.Sie stammen aus dem Jahr 1452.Gro\u00dfen Besitz hatte das Kloster auch im Kraichgau. Die D\u00f6rfer Ober-und Unterderdingen geh\u00f6rten um 1200 zwei verschiedenen Herrschaften an. Ein Zinsgut wurde schon 1181 an das Kloster vergeben. In der Schutzurkunde von Papst Honorius III. 1216 wird auch schon Besitz in Derdingen erw\u00e4hnt und in den Schutz einbezogen. 1252 kaufte das Kloster die Vogtei \u00fcber Derdingen von dem Edlen Luitfried von Helmsheim. Au\u00dferdem konnte das Kloster fast den gesamten Derdinger Besitz des Werner von Sternenfels und seines Bruders Konrad kaufen, dazu das Patronatsrecht der Kirche von Derdingen. Im Januar 1256 erlaubt Papst Alexander IV., sich die Kirche von Derdingen einzuverleiben. Um seine Besitzungen in und um Derdingen zu verwalten, richtete das Kloster einen Pfleghof ein.<\/p>\n<p>Schon 1308 wurde das \u201cSteinhaus\u201d errichtet, in dem die Abgaben der zinspflichtigen Bauern gelagert wurden. 1391 wurde der Verwaltungssitz des Klosters erbaut. Heute ist das das evangelische Gemeindehaus.1480 richtete das Kloster in seinem Pfleghof das kl\u00f6sterliche Stabsamt ein. In der Zehntscheune mussten die Bauern ihren Zehnten abliefern. Die Gemeinde baute die Zehntscheune dann zum Rathaus um, das 1985 fertiggestellt wurde. Auch in Pforzheim besa\u00df das Kloster am Marktplatz ein 1336 urkundlich erw\u00e4hntes Steinhaus.<\/p>\n<p>Keltern betrieb das Kloster in K\u00fcrnbach und in Derdingen. Damals herrschte Kelterzwang. die Weing\u00e4rtner mussten ihren Wein in der klostereigenen Kelter keltern, f\u00fcr das Kloster von doppeltem Nutzen. Einmal sicherte es Einnahmen und abgabepflichtige Bauern waren \u00fcber das Keltergut einfach zu kontrollieren.<\/p>\n<p>1450 geh\u00f6rten 37 D\u00f6rfer zum Kloster und in 127 Ortschaften erzielte es Einnahmen aus Rechten und G\u00fctern.<\/p>\n<p>\u00dcber einen Pfleghof verf\u00fcgte Herrenalb auch in Vaihingen an der Enz. Er steht in der M\u00fchlstra\u00dfe und von dort aus wurde Herrenalber Besitz in und um Vaihingen verwaltet. Getreide und Wein aus dem Gro\u00dfen Zehnt wurde im Fruchtkasten gesammelt und verwahrt.<\/p>\n<p>Den wichtigsten Stadthof besa\u00df Kloster Herrenalb in Speyer. Die verkehrsg\u00fcnstige Lage am Rhein erm\u00f6glichte \u00fcberregionalen Handel. Dies nutzten 16 Kl\u00f6ster f\u00fcr sich, die in der Reichsstadt ihre Stadth\u00f6fe hatten, davon 11, die dem Zisterzienserorden angeh\u00f6rten.<\/p>\n<p>Allerdings musste der Herrenalber Konvent seinen Stadthof in Speyer 1446 verkaufen, was die angespannte finanzielle Lage des Klosters zeigt. Die Lage des Klosters wird auch durch ein Entschuldigungsschreiben von Abt Heinrich (1425-1449) aus dem Jahr 1429 an den Generalabt von Citeaux illustriert. (abgedruckt in R.Schmidt,Ein Brief des Abtes Heinrich von Herrenalb In: Mitteilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum (1897) S. 105-108)Abt Heinrich entschuldigt sich, weil er nicht am j\u00e4hrlichen Generalkonvent teilnahmen kann und begr\u00fcndet dies, dass&nbsp; \u201cgro\u00dfe und schwere Gesch\u00e4fte, die seinem Kloster obliegen\u201d zwingen in seinem Kloster anwesend zu sein. Zum einen ist es ein Schiedstermin in dem es um Streitigkeiten mit einem benachbarten Kloster geht (wohl Kloster Frauenalb) Zum andern lasten gro\u00dfe Schulden auf dem Kloster und die Gefahr best\u00fcnde, dass Gl\u00e4ubiger seine Abwesenheit nutzen k\u00f6nnten, die G\u00fcter des Klosters in Besitz zu nehmen.<\/p>\n<p>Herrenalb hat es nie geschafft, seine verstreuten G\u00fcter und Rechte zu konzentrieren und so eine wirtschaftlich starke Position zu erreichen. <\/p>\n<p>Als Graf Eberhard im Barte 1496 starb, folgte sein Cousin Eberhard II. auf den w\u00fcrttembergischen Thron. Mit diesem kam der Konvent von Herrenalb nicht gut zurecht und berief sich auf sein Recht auf freie Vogtwahl und stellte sich unter den Schutz des Markgrafen <\/p>\n<p>Christoph von Baden. Graf Eberhard ging daraufhin sogar mit Waffengewalt gegen das Kloster vor. Er nahm auch die badischen D\u00f6rfer Malsch und Langensteinbach ein und pl\u00fcnderte Langensteinbach. Dem Kloster entstand ein Schaden von 5.000 Gulden. Dargestellt in \u201c Grund und Acten-m\u00e4ssige Information Worinnen das von dem Hochf\u00fcrstlichen Haus Baaden-Baaden An das Hochf\u00fcrstliche Haus W\u00fcrttemberg Vor mehr dann hundert Jahren so wohl judicialiter, als extrajudicialiter gestellte-&nbsp; und von Zeit zu Zeit wiederolte Restitutions Gesuch die beede Kl\u00f6ster Herrenalb und reichenbach betreffend Eigentlich und jaupts\u00e4chlich bestehe, mit angef\u00fchrtem klaren Beweis, da\u00df gedachtes Restitutions-Gesuch vollkommen fundirt und diese Sache lediglich ex jure communi zu dijudizieren sey. s.I. ca 1755 , Der Gewaltakt wird auf den Seiten 3 ff geschildert.<\/p>\n<p>Vom Konvent lie\u00df sich Abt Bartholom\u00e4us (1485-1509)eine Vollmacht erteilen und&nbsp; erschien 1497 auf dem Reichstag in Worms.<\/p>\n<p>Notarielle Vollmacht des Konvents f\u00fcr den Abt Bartholom\u00e4us, das Kloster Herrenalb gegen Herzog Eberhard von W\u00fcrttemberg, der ihn &#8222;kurz vergangner tagen mit etlicher macht seiner gnaden volke, zu der were zu Ro\u00df und auch zu fu\u00dfe geruft, ein merklichen Schaden und gewalt mit hynnemmung entwerung unnd w\u00fcstung des Ihren&#8220; zuf\u00fcgen lassen, auf dem von K\u00f6nig Maximilian gesetzten Tag zu Worms zu vertreten\u201d (Urkunde vom&nbsp; 29. M\u00e4rz 1497 Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 489 U 63)  <\/p>\n<p>&nbsp; Er beschwerte sich und berief sich erneut auf die freie Vogtwahl.<\/p>\n<p>K\u00f6nig Maximilian stellte dann folgende Urkunde aus: \u201cUrtheilbrief des r\u00f6mischen K\u00f6nigs Maximilian I. zwischen Markgraf Christoph und Herzog Eberhard zu W\u00fcrtemberg, da\u00df jeder \u00fcber die des Klosters Herrenalb St\u00fcck und G\u00fcter, die in eines jeden Land sich bef\u00e4nden, auf ihre Lebzeit hin Schirmer sein sollten \/ 28. September 1497\u201d (Generallandesarchiv Karlsruhe {D 1042 Verweisung})Am Ende einigten sich die beiden Herrscher von W\u00fcrttemberg und Baden schlie\u00dflich auf einen Vergleich.<\/p>\n<p>\u201cHerzog Eberhard von W\u00fcrttemberg und Markgraf Christoph von Baden vergleichen ihren Streit wegen der Schirmherrschaft \u00fcber das Kloster Herrenalb dahin, dass ersterem dieses Recht zustehen und bleiben solle, mit Ausnahme der D\u00f6rfer: Malsch, Langensteinbach, Uttersburg, Dietenhausen, Auerbach, Spielberg, Stupfenreich halb, Loffenau, Neusatz, Rotensol, Bernbach und G\u00f6brichen.\u201d  <\/p>\n<p>1497 Mai 31 (Mittwoch nach St. Urbanstag) (Urkunde vom 31. Mai 1497 Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 489 U 64).  <\/p>\n<p>Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erlebte das Herrenalber Scriptorium eine Bl\u00fcte. Der aus Neibsheim stammende Kantor des Klosters, Johannes Z\u00fcrn, fertigte mehrere Handschriften. Nur wenige sind erhalten. Sie z\u00e4hlen zu den wenigen, die heute \u00fcberhaupt noch mit dem Kloster Herrenalb in Verbindung gebracht werden k\u00f6nnen. Eine ist das sogenannte Herrenalber Gebetbuch. Z\u00fcrn schuf es f\u00fcr den Herrenalber M\u00f6nch Ludwig von Bruchsal, der in Merklingen das Klostermat verwaltete. Es wird heute <font size=\"3\">in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek Preu\u00dfischer Kulturbesitz in Berlin aufbewahrt. Die Badische Staatsbibliothek besitzt das \u201cBreviarium cisterciense\u201d, das auch von Johannes Z\u00fcrn geschaffen worden ist.Es wird vermutet, dass diese Handschrift von Anfang an f\u00fcr die Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal vorgesehen war. Im Bestand der Lichtentaler sind noch weitere Handschiften aus Herrenalb vorhanden. 6 davon stammen ebenfalls von Z\u00fcrn.<\/font>  <\/p>\n<p>1525 hatte das Kloster schwer unter den Folgen des Bauernkrieges zu leiden. Im F\u00fcrstbistum Speyer brach der Aufstand am 20. April 1925 aus. Die Bauern aus dem Bruhrain, das ist die Gegend um Bruchsal, haben sich auf dem Letzenberg bei Malsch&nbsp; versammelt.  <\/p>\n<p>Von dort zieht der \u201cBruhrainer Haufe \u201c ins Albtal, \u00fcberf\u00e4llt und pl\u00fcndert&nbsp; die Kl\u00f6ster Frauenalb und Herrenalb. Die Stiftsdamen fl\u00fcchten \u00fcber die Berge nach Gernsbach, die Herrenalber M\u00f6nche in die W\u00e4lder. Abt Markus (1518-1527) l\u00e4\u00dft von dem Pforzheimer Stadtschreiber und Notar&nbsp; Alexander Hug von Calw einen Bericht anfertigen, in dem das Geschehen im Kloster festgehalten ist. Der Schaden wird auf 30.000 Gulden gesch\u00e4tzt. (ver\u00f6ffentlicht in Weech Friedrich von: Die Aufhebung des Klosters Herrenalb durch Herzog Ulrich von Wirtemberg. In: Zeitschrift f\u00fcr die Geschichte des Oberrheins 33 (1880) Anhang Herrenalb im Bauernkrieg S. 358-361) Da Kloster wurde schwer besch\u00e4digt. Teile der Ausstattung, der Bibliothek und des Archivs gingen dabei verloren.  <\/p>\n<p>Der Speyrer Bischof Georg von der Pfalz ( 1513 bis 1529), der w\u00e4hrend des Aufstands in der Pfalz nach Heidelberg geflohen war, ritt am 29. April 1925 nach Herrenalb und verhandelte mit den Bauern. F\u00fcr die Bauern sprach der Stadtschreiber von Bruchsal, f\u00fcr den Bischof Bernhard G\u00f6ler von Ravensburg. Die Bauern anerkannten den Bischof als ihren Landesherren, dieser versprach ihnen, sie d\u00fcrften nach Belieben Prediger annehmen. Ein idealisiertes Barockgem\u00e4lde, das die Verhandlungen zeigt,h\u00e4ngt im Schloss Bruchsal.  <\/p>\n<p>Das Kloster erholte sich von den Folgen der Pl\u00fcnderung relativ rasch. Aber nur wenige Jahre kam das aus f\u00fcr das Kloster Herrenalb.  <\/p>\n<p>Herzog Ulrich von W\u00fcrttemberg (1487 \u2013 1550) wurde bereits 1516 von Kaiser Maximilian mit der Reichsacht belegt und vom Schw\u00e4bischen Bund 1519 aus dem Land vertrieben. Nach dem Bauernkrieg versuchte Ulrich sein Land wieder zu gewinnen. Das gelang ihm aber noch nicht. Als er sich 1534 mit dem protestantischen Landgrafen Philipp I. verb\u00fcndete,und dann in der Schlacht bei Lauffen am 13. Mai 1534 siegte, konnte er nach W\u00fcrttemberg zur\u00fcckkehren. In Kaaden bei Eger wurden unter Vermittlung des Erzbischof von Mainz und Magdeburg Albrecht und Herzog Georg von Sachsen verhandelt und am 29. Juni 1534&nbsp; der Friedensvertrag von Kaaden geschlossen. Herzog Ulrich und der s\u00e4schsische Kurf\u00fcrst mussten die umstrittene Wahl Ferdinands zum deutschen K\u00f6nig anerkennen.Aber Ulrich erhielt den Besitz \u00fcber W\u00fcrttemberg best\u00e4tigt und f\u00fchrte dann die Reformation in W\u00fcrttemberg ein.  <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/e\/e3\/Ulrich_wuerttemberg.jpg\/220px-Ulrich_wuerttemberg.jpg\" width=\"220\" height=\"359\">  <\/p>\n<p>Am 5. Juli 1535 kamen zwei Abgesandte von Herzog Ulrich, Edeljunker Hans Friedrich Thum und Meister Erhard Schnepf und verk\u00fcndeten die neue Klosterordnung. Damit waren alle bisherigen Zeremonien abgeschafft. Der Konvent bat zwar, dass er bei allen Zeremonien und Ordensgebr\u00e4uchen bleiben wolle. Das und auch eine Bedenkzeit von 4 Wochen wurde abgelehnt. Den M\u00f6nchen wurde ein Angebot gemacht, zu studieren, eine (evangelische)Pfarrei zu \u00fcbernehmen oder zu Heiraten. Das Angebot war auch finanziell untermauert. Wenn ein M\u00f6nch heiratete, erhielt er 40 Gulden. Wollte&nbsp; er studieren oder ein (evangelisches) Pfarramt antreten, standen ihm 50 Gulden zu. Allerdings gingen nur 7 M\u00f6nche von den insgesamt 23 M\u00f6nchen des Konvent darauf ein. 16 wollten im Kloster Herrenalb bleiben. Er ordnete auch eine Inventur der w\u00fcrttembergischen Kl\u00f6ster an. Denn Herzog Ulrich brauchte Geld. Im Sommer 1534 war er mit Landgraf Philipp wegen der Kriegskosten in Streit geraten. Der Geldbedarf war zun\u00e4chst die Hauptmotivation f\u00fcr die Aufhebung der Kl\u00f6ster. Erst sp\u00e4ter gewannen die religi\u00f6sen Gr\u00fcnde Gewicht f\u00fcr dieses Vorgehen. Das zeigt sich auch in der Forderung vom 9. Juni 1535 an den Herrenalber Abt Lukas, den auf dem Landtag auferlegten Betrag von 20.000 Gulden in Gold f\u00fcr das Halbjahreseinkommen bis zum 4. Juli 1535 an die Rentkammer zu bezahlen. Seine Beamten wies er an, \u201calle aus dem Bereiche des F\u00fcrstentums hinweggef\u00fchrten Barschaften, Kleinodien und Silbergeschirr wieder in ihr Kloster zur\u00fcckzuf\u00fchren\u201d. (Edgar Fleig Die Aufhebung des Kloster Herrenalb in Freiburger Di\u00f6zesanarchiv 47 (1919) S.53) Sie sollten aufgeschrieben und inventarisiert werden und in einem Beh\u00e4ltnis verwahrt werden, zu dem der Abt, der Konvent und der F\u00fcrst je einen Schl\u00fcssel haben sollte. Gleiches galt f\u00fcr alle Titel, Briefe und andere schriftliche Urkunden. Abt und W\u00fcrdentr\u00e4ger des Klosters sollten das G\u00fcterverzeichnis unterschreiben, die Wahrheit und Richtigkeit desselben auf Eid best\u00e4tigen und am Ende des Inventars ihr Siegel anbringen. In einem Schreiben vom 5. November 1934 an Abt Lukas erging das Verbot, mit G\u00fctern oder Fr\u00fcchten ohne Wissen und Genehmigung des F\u00fcrsten eine \u00c4nderung vorzunehmen. Am 3. Dezember 1534 schlossen die Abgesandten Herzog Ulrichs die Inventarisierung ab. Das waren Reinhard von Sachsenheim, Kosmas Wolflin aus Cannstatt der Vogt von Gr\u00f6ningen Philipp Volland und der Vogt von Bietigheim&nbsp; Sebastian Hornmolt. Sie berichteten, dass Abt und Konvent sich gegen\u00fcber der Inventarisierung \u201cgutwillig gezeigt h\u00e4tten\u201d (Fleig S.55) Den Eid aber verweigerten Abt und Konvent. Auch erhob der Abt Bedenken gegen die Einschlie\u00dfung der Barschaft, des Silbergeschirrs und namentlich der Briefe , da dies f\u00fcr eine geordnete Haushalts hinderlich sei.<\/p>\n<p>Am 23. Oktober des darauffolgenden Jahres erschienen die Abgeordneten Ulrichs&nbsp; Reinhard von Sachsenheim und Philipp Volland&nbsp; wieder in Herrenalb mit einem Beglaubigungsschreiben des F\u00fcrsten. Sie erkl\u00e4rten, den m\u00fcndlichen Befehl des F\u00fcrsten zu haben,dass alles im Klosterbesitz, das im Dezember 1934 aufgenommen worden war, in die Rentkammer nach Stuttgart zu f\u00fchren sei. Au\u00dferdem teilten sie dem Konvent mit, dass der F\u00fcrst beabsichtige, alle Klosterinsassen auf Klosterfuhrwerken in sp\u00e4testens 14 Tagen an einen Ort zu bringen, der noch mitgeteilt w\u00fcrde. Der Konvent bat inst\u00e4ndig, dass&nbsp; man ihm wenigstens die Briefe lassen solle und die M\u00f6nche im Kl\u00f6ster verbleiben k\u00f6nnten. aus eigener Vollmacht konnten die Abgeordneten keine Zustimmung geben, empfahlen aber eine Bittschrift an den F\u00fcrsten zu verfassen, bei deren Aufsetzung sie mithalfen. Am 28. Oktober 1535 kamen wieder Beauftragte des F\u00fcrsten unter ihnen Ambrosius Blarer, den Herzog Ulrich mit der Durchf\u00fchrung der Reformation in W\u00fcrttemberg beauftragt hatte.<\/p>\n<p>Insgesamt kamen etwa 30 Berittene und etwa 70-80 Mann Fu\u00dfvolk, alle ausger\u00fcstet mit Hellebarden und B\u00fcchsen . Der Konvent musste sich versammeln. Es wurde nochmals befohlen, den Besitz des Klosters nach Stuttgart zu \u00fcberf\u00fchren. Der Abt verwies zwar auf die Rechte der Schirmherren, der Markgrafen von Baden und der Grafen von Eberstein. Auch erinnerte er an die p\u00e4pstlichen und kaiserlichen Schutzbriefe, beugte sich aber schlie\u00dflich der Gewalt und lieferte die Schl\u00fcssel aus. Auch die Glocken waren beschlagnahmt und im Verlauf des Jahres 1536entfernt worden. Den Taglohn f\u00fcr die Abnahme der Glocken musste das Kloster bezahlen. Auch die kosten f\u00fcr die \u00dcberf\u00fchrung der beschlagnahmten G\u00fcter musste das Kloster tragen. F\u00fcr Anfang 1536 ordnete Herzog Ulrich eine 2. Inventarisierung an. Sie sollte dem inzwischen ernannten Mitverwalter einen Einblick in Besitz und Verwaltung des Klosters verschaffen. Zum 1. Februar 1536 war dem Kloster sie Selbstst\u00e4ndigkeit genommen und der gesamte Besitz in die Hand des Herzogs gegeben worden. Auf die Nachricht der 2. Inventarisierung hatte Graf Wilhelm von Eberstein f\u00fcr das herrenalbische Dorf Langensteinbach \u201cdie Fr\u00fcchte verboten\u201d, was wohl do zu verstehen ist, eine Verkaufssperre verh\u00e4ngt, um ein Eingreifen des w\u00fcrttembergischen Herzogs zu verhindern. Am 11. Mai 1536 verlie\u00dfen die letzten M\u00f6nche Herrenalb. Abt Lukas wurde 1538 unter recht fadenscheinigen Begr\u00fcndung ein Prozess gemacht. Das reichte wohl nicht zur Verurteilung. Vor dem 6. April1540 wurde er <\/p>\n<p>beschuldigt, 30.000 Gulden unterschlagen zu haben und ins Gef\u00e4ngnis geworfen (Crusius Annalaes Sueviae, Pars II Lib-X Cap 8) Dort starb er am 11. September 1546.<\/p>\n<p>Unter Herzog Christoph wurde in Herrenalb ebenfalls eine Klosterschule eingerichtet, die aber 1595 schon wieder geschlossen wurde. <\/p>\n<p>Nach dem Restitutionsedikt 6. M\u00e4rz 1629 von Kaiser Ferdinand II. versuchte der Abt von Salem nochmals M\u00f6nche in Herrenalb anzusiedeln, allerdings ohne Erfolg. Das Kloster wurde im eiteren Verlauf des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges von den Schweden schwer besch\u00e4digt. 1649 wurde das Kloster endg\u00fcltig aufgel\u00f6st.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Nach der Stiftungsurkunde wurde das Kloster 1148 gegr\u00fcndet. Die Urkunde liegt allerdings nur in einer wohl verf\u00e4lschten&nbsp; Abschrift aus dem Jahre 1270 vor. Stifter waren&nbsp; Berthold III. von Eberstein und seine Gemahlin Uta, Gr\u00e4fin von Sinsheim. Die Stiftung erfolgte aus Dankbarkeit f\u00fcr die gesunde R\u00fcckkehr aus dem 2. Kreuzzug (1147-1149). 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