{"id":2446,"date":"2014-07-19T12:56:08","date_gmt":"2014-07-19T12:56:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=2446"},"modified":"2014-09-22T06:49:04","modified_gmt":"2014-09-22T06:49:04","slug":"christoph-martin-wieland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=2446","title":{"rendered":"Christoph Martin Wieland"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Wielands_geburtshaus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; margin: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"220px-Wielands_geburtshaus\" alt=\"220px-Wielands_geburtshaus\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Wielands_geburtshaus_thumb.jpg\" width=\"224\" height=\"161\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Wieland_Elternhaus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"220px-Wieland_Elternhaus\" alt=\"220px-Wieland_Elternhaus\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Wieland_Elternhaus_thumb.jpg\" width=\"184\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Christoph Martin Wieland verstarb am\u00a0 20. Januar 1813 in Weimar.Und so ist es eigentlich folgerichtig, dass 2013 das \u201cWielandjahr\u201d war und als solches in Biberach mit gro\u00dfem Programm begangen wurde.<\/p>\n<p>Das Museum er\u00f6ffnete den Gedenkreigen mit der gro\u00dfen Jubil\u00e4umsaustellung \u201cChristoph Martin Wieland, der Voltaire der Deutschen\u201d.\u00a0 Das \u201c Theater ohne Namen\u201d brachte ein Theaterst\u00fcck zu Wieland.<\/p>\n<p>Eine Abendf\u00fchrung \u201cN\u00e4chtliche Ann\u00e4herung an Wieland\u201d auf den Spuren Wielands folgte den Spuren, die Wieland in Biberach hinterlassen hatte. Ganz zuf\u00e4llig kam f\u00fcr mich noch eine F\u00fchrung<\/p>\n<p>im Schloss Warthausen dazu, das ja auch sehr eng mit Wieland verbunden ist. Eine Fahrt nach Weimar und ein Besuch von O\u00dfmannstedt rundete mein pers\u00f6nliches Wielandjahr ab.<\/p>\n<p>Als ehemaliger Sch\u00fcler des Wielandgymnasiums bietet es sich nat\u00fcrlich an, sich mit Wieland auch in einem Blog n\u00e4her zu befassen. Hingewiesen sei auf die beiden Blogs Sophie La Roche und die Familie von Stadion,<\/p>\n<p>die\u00a0 mit dem Dichter verkn\u00fcpft sind. Am\u00fcsiert hat mich bisher immer, dass der \u201cgro\u00dfe Sohn Biberachs\u201d eigentlich gar nicht in Biberach, sondern in Oberholzheim(siehe oberes Bild, das Geburtshaus von<\/p>\n<p>Christoph Martin Wieland in Oberholzheim) zur Welt kam. Ich hab das immer als Hilfskonstruktion gesehen. Oberholzheim war ein spit\u00e4lisches Dorf, geh\u00f6rte also Biberach. Bei meinen Recherchen zu Wieland habe ich allerdings<\/p>\n<p>verbl\u00fcfft festgestellt, dass \u201cWieland stets Biberach als seinen Geburtsort genannt hat\u201d (in Johann Gottfried Gruber, C.M.Wielands Leben, Leipzig 1827, S.4). Und Wieland ist durchaus stolz auf seine Abstammung.<\/p>\n<p>Im Neuen Teutschen Merkur in der Aprilausgabe von 1800 schreibt er \u201cso findet sich, da\u00df ich, Dank sey dem Himmel! von einer uralten, seit Kaiser Ruperts Zeiten im Gebiete meiner Vaterstadt angesessenen Bauernfamilie<\/p>\n<p>abstamme..\u201d S. 265 und auf der gleichen Seite schreibt er kurz vorher, \u201cwaren meine Voreltern seit zweyhundert Jahren blo\u00dfe B\u00fcrger einer freyen Reichsstadt, die (wie ich) von der Feder Profession machten\u201d<\/p>\n<p>Die Familie Wieland war im Schw\u00e4bischen weit verbreitet, mit Wielands eigenen Worten eine alte Bauernfamilie. Die Sippen, denen Christoph Martin Wieland entstammten, \u00fcbrigens auch die seiner Cousine Sophie Gutermann<\/p>\n<p>waren seit der Reformation in Augsburg und Biberach beheimatet. Beide St\u00e4dte sind etwa zur gleichen Zeit Reichst\u00e4dte geworden. In Augsburg ist seit 1231 die Heranziehung zur Reichssteuer belegt. Seit 1241 wird Augsburg in den Reichsmatrikeln gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Am 9.3.1276 verlieh Rudolf von Habsburg Augsburg das Stadtrecht und Biberach wurde 1281 zur freien Reichsstadt erhoben. Noch eine Gemeinsamkeit haben beide St\u00e4dte, n\u00e4mlich die Parit\u00e4t. Dies ist im Westf\u00e4lischen Frieden in Artikel V \u00a7 3 festgehalten:<\/p>\n<p>\u201c Die St\u00e4dte Augsburg, Dinkelsb\u00fchl, Biberach und Ravensburg sollen ihre G\u00fcter, Rechte und Religions\u00fcbung {nach dem Stand} des besagten Jahres und Tages behalten; aber hinsichtlich der Ratsstellen und anderer \u00f6ffentlicher \u00c4mter soll unter den Anh\u00e4ngern beider<\/p>\n<p>Religionen Gleichheit und gleiche Anzahl sein. \u201c Dies hatte durchaus eine Auswirkung auf das Lebensgef\u00fchl seiner Einwohner. Die Familien geh\u00f6rten zur Oberschicht der Stadtrepubliken.<\/p>\n<p>Beginnen wir die Ahnenreihe von Christoph Martin mit Georg Wieland. Er war Gastwirt in Biberach und B\u00fcchsenmeister der Bauernzunft gewesen. Er hatte auch das Wappen der Familie erworben. Sein 1588 geborener Sohn Sebastian war wie der Vater<\/p>\n<p>Gastwirt auf dem Schwarzen B\u00e4ren (Marktplatz 2) und war Senator in Biberach geworden. Er begr\u00fcndete auch die Familientradition, ein reichst\u00e4dtisches Amt zu \u00fcbernehmen. Aus seiner ersten Ehe mit Apollonia Sp\u00e4t (1590-1622) hatte er sieben Kinder.<\/p>\n<p>Hans Ulrich Wieland, der aus dieser Ehe hervorging, wurde in Augsburg ans\u00e4ssig, daraus wuchs der Augsburger Familienzweig der Familie Wieland. Aus der zweiten Ehe mit Barbara Zoller entstammte Martin Wieland. Dieser studierte in T\u00fcbingen,<\/p>\n<p>Stra\u00dfburg und Basel die Rechte und promovierte zum Dr. utr.jur. Er schlug in Biberach die \u00c4mterlaufbahn ein. Er wird als kr\u00e4ftiger Esser und starker Zecher \u00fcberliefert und verk\u00f6rperte wohl durchaus barockes Lebensgef\u00fchl. Er war dreimal verheiratet.<\/p>\n<p>Seine erste Frau war Maria Walpurga Wern. Ihr Vater und Gro\u00dfvater waren jeweils Mitglieder des Inneren Rats der Reichsstadt. Das Ehepaar hatte sieben S\u00f6hne und f\u00fcnf T\u00f6chter. Der dritte Sohn war Thomas Adam Wieland d.\u00c4., sp\u00e4ter Pfarrer in<\/p>\n<p>Oberholzheim wie sein Sohn Thomas Adam d. J., der Vater von Christoph Martin. Dr. Martin Wieland war Geheimer Rat und Spitalpfleger in Biberach. Im Dezember 1674 wurde er zum evangelischen B\u00fcrgermeister gew\u00e4hlt. 1674 hatte er auch<\/p>\n<p>das Haus in der Gymnasiumstra\u00dfe 27 erworben und umgebaut. Die Portalumrandung und die Haust\u00fcre ist jetzt noch in Biberach zu bewundern.<\/p>\n<p><img style=\"src: &quot;file:\/\/\/G:\/Eigene;\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"136\" \/><\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/abwielandhaus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"abwielandhaus\" alt=\"abwielandhaus\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/abwielandhaus_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"221\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Seine zweite Ehe mit Barbara Lay,der reichen Witwe des Biberacher Handelsmann Johann Jakob Altensteig w\u00e4hrte nur kurz. Denn Barbara Lay war schon kr\u00e4nklich. Sie starb nur ein Vierteljahr nach der Eheschlie\u00dfung am 6.5.1669.<\/p>\n<p>Sie war auch die Tochter eines reichen Ulmer Handelsmanns und hatte nach Dr. Wielands Worten \u201cein gro\u00dfes Verm\u00f6gen hier eingebracht\u201d Kurz nach dem Tode seiner zweiten Ehefrau heiratete Martin Wieland in Augsburg die Witwe seines Halbbruders,<\/p>\n<p>Johann Ulrich,\u00a0 Anna Maria Wieland. Er nahm sich auch der Kinder seines Halbbruders an.<\/p>\n<p>Thomas Adam Wieland studierte Theologie in T\u00fcbingen. Seine Dissertation und Disputation mit dem Thema \u201cDisputatio Theologica Contra Fatuum Ignem Purgatorii Papistarum\u201d erfolgte 1676 in T\u00fcbingen und ist digitalisiert bei der UB Uni Heidelberg<\/p>\n<p>abzurufen. In der Uracher Stiftspflege M\u00fcnsingen \/ 1670-1806 ist 1689 die Bestellung von Thomas Adam Wieland als Pfarrer in Mundingen (heute Teilgemeinde von Ehingen)\u00a0 vermerkt. 1693 tritt er die Pfarrerstelle in Oberholzheim an<\/p>\n<p>und beh\u00e4lt diese bis kurz vor seinem Tod 1729. Als 1680 in Biberach eine Predigerstelle neu besetzt wird konnte Dr. Martin Wieland seinem Sohn nicht zu dieser Stelle verhelfen.Es scheint aber auch, dass Thomas Adam sehr zufrieden war, mit<\/p>\n<p>seiner Pfarrerstelle in Oberholzheim. So schreibt L.F. Ofterdinger in \u201dChristoph Martin Wielands Leben und Wirken in Schwaben und der Schweiz\u201d auf Seite 3: \u201dAllein es gefiel ihm in dem freundlichen, von blumenreichen G\u00e4rten und Wiesen umgebenen Pfarrhause<\/p>\n<p>so wohl,dass er alle Anerbietungen, in seine Vaterstadt\u00a0 zu kommen, ausschlug; lieber \u201cals kleiner Papst\u201d in Oberholzheim hauste und sich mit dem von seinem Vater \u00fcberkommenem\u00a0 und von seiner Frau mitgebrachten Verm\u00f6gen heitere Tage machte\u201d.<\/p>\n<p>Thomas Adam Wieland war mit Anna Maria Brigel verheiratet und hatte mit ihr 12 Kinder, von denen mehrere studierten. Dass die S\u00f6hne ihm doch auf der Tasche lagen, konnte ihn nicht verdrie\u00dfen. Er nannte sie seine \u201cBatzenschmelzer\u201d. Zwei waren\u00a0 in<\/p>\n<p>Halle. Sie schrieben ihm nur, wenn sie neues Geld brauchten, was er ihnen aber immer anstandslos schickte.\u00a0 Der \u00e4ltere studierte\u00a0 Theologie, der j\u00fcngere, er hie\u00df Thomas Adam (1704-1772)wie der Vater, studierte Jura in T\u00fcbingen. Da starb der \u00e4ltere und Thomas<\/p>\n<p>Adam d.J. brach sein Jurastudium ab und begann in Halle ein Theologiestudium. Dort lehrte August Hermann Francke, der Begr\u00fcnder des Pietismus. Laut Jutta Heinz im Wieland-Handbuch war\u00a0 Franckes Frau Anna Magdalena eine Verwandte der Wielands in<\/p>\n<p>Biberach. Insofern bestanden also famili\u00e4re Verbindungen nach Halle. Thomas Adam d. J. war stark vom Pietismus gepr\u00e4gt. Francke weilte 1717 zu Besuch in Biberach. Er war vom evangelischen Rat eingeladen worden und er hielt am zweiten Adventssonntag eine<\/p>\n<p>Predigt\u00a0 in der Martinskirche. Thomas Adam h\u00f6rte diese als Dreizehnj\u00e4hriger und diese beeindruckte ihn so tief, dass er noch im Alter davon erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Sohn Georg Christoph konnte nicht studieren. Er wurde Goldschmied und ist 1684 erstmals in Augsburg nachweisbar. Von ihm sind nur wenige Arbeiten \u00fcberliefert. Diese weisen ihn aber als handwerklichen K\u00f6nner und bedeutenden K\u00fcnstler aus.<\/p>\n<p>Erw\u00e4hnt sei hier auch, dass es enge Familienverbindungenzwischen den Familien Wieland und Dinglinger gab. Johann Melchior Dinglinger war der bedeutendste Goldschmied und Juwelier des Barock und arbeitete zusammen mit seinem Bruder Georg Friedrich, der<\/p>\n<p>Emailleur war,\u00a0 am Dresdner Hof von August dem Starken.(siehe dazu Blog Die Goldschmiedefamilie Dinglinger)<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu Thomas Adam. Er\u00a0 wurde am 5. April 1714 in Halle immatrikuliert. Francke war damals Prorektor. 1724 promovierte er in Halle. Seine Dissertation hatte das Thema \u201cDe Haeresiologia Secvli Post Christvm Natvm Primi Et Secvndi \u201c. Er folgte seinem Vater auf der Pfarrerstelle in Oberholzheim nach. Kurz nach seiner Anstellung heiratete er Regina Katharina Kick, deren Vater Christoph Martin Wieland in dem oben erw\u00e4hnten Artikel im Teutschen Merkur beschreibt. Johann Christian Kick habe sich \u201cunter Eugen von<\/p>\n<p>Savoyen und Prinz Ludwig von Baden vom gemeinen Soldaten bis zum Oberwachtmeister hinaufgearbeitet\u201d aber von seinem martialischen Geist sehr\u00a0 wenig auf seine Tochter und seinen Sohn fortgepflanzt\u201d (s.o.). Sie war von pietistischer Fr\u00f6mmigkeit<\/p>\n<p>gepr\u00e4gt. Sie war lebhaft,geistreich und elegant. Sie putze sich auch gerne, soweit das f\u00fcr eine Pfarrersfrau statthaft war.<\/p>\n<p>Am 5. September 1733 kam Christoph Martin als zweites Kind der Familie zur Welt. Insgesamt hatte die Familie f\u00fcnf Kinder (Johann Gottlieb,Justin Sebastian,Maria Justina Regina) wobei allerdings nur zwei das Erwachsenenalter erreichten, n\u00e4mlich Christoph Martin<\/p>\n<p>und Thomas Adam, der nach Vater und Gro\u00dfvater benannt war. Er kam am 13.12.1735 noch in Oberholzheim zur Welt. Der Taufschein von Christoph Martin belegt, dass die Familie Wieland gut in Biberach vernetzt war. Taufpaten waren der Spitalpfleger und<\/p>\n<p>Geheime Rat in Biberach Johann Gottlieb Gaupp und Maria Christina Rauch Tochter des Biberacher Apothekers und Oberbaumeister Georg Ludwig Rauh. Diese war in zweiter Ehe mit Major Kick dem Vater Regina Katharina verheiratet und somit ihre Stiefmutter.<\/p>\n<p>\u00dcber Georg Ludwig Rauh war die Familie Wieland auch mit der Familie Gutermann verwandt.Thomas Adam hatte das Angebot bekommen, Spitalprediger in Biberach zu werden und anders als sein Vater nahm er dieses Angebot sofort an. Die Familie<\/p>\n<p>zog also 1736 nach Biberach in das Haus in der heutigen Waaghausstra\u00dfe 3 (Bild siehe oben) Kurz nach dem Umzug erkrankte Christoph Martin an Blattern und zwar so schwer, dass man um sein Leben f\u00fcrchten musste. Er selbst schrieb sp\u00e4ter dieser<\/p>\n<p>Erkrankung in Kindertagen sein reizbares Nervensystem sowie eine Schw\u00e4che am linken Auge zu. Das Kind erholte sich und sein Vater begann, ihm Lateinunterricht zu erteilen. Da war der kleine Christoph Martin grade mal drei Jahre alt!<\/p>\n<p>Er wechselte dann an die Biberacher Lateinschule, die er von 1739-1742 besuchte. Dort war Johann Jakob Doll Rektor. Er war klein und dick. Seine Frau war \u201cein kleines,dickes,unf\u00f6rmliches Weibchen, eine streng gebietende, leicht zu erz\u00fcrnende Trutschel\u201d,<\/p>\n<p>wie Wieland sie beschreibt. Auf die Ehefrau seines Rektors brachte er lateinische Verse zu Papier \u201cin genere adonico\u201d. Da zeigte sich wohl auch schon Wielands satirisches Talent. Er nahm eine Juvenal-Stelle zum Motto: \u201cEt levis erecta consurgit ad oscula<\/p>\n<p>planta\u201d (Leicht mit erhobener Sohle hebt sie sich auf zu seinem Kusse).Von seinem 7. bis 14. Lebensjahr hatte Wieland bereits viele Verse in deutsch und lateinisch geschrieben, die viele Schachteln f\u00fcllten und die seine Mutter sorgf\u00e4ltig als<\/p>\n<p>\u201cDichterwindeln\u201d aufbewahrte. Als seine Mutter ihm stolz die Sammlung \u00fcberreichte, als er von Erfurt zur\u00fcckkam, verbrannte er sie aber einfach kurzerhand, so dass von seinen dichterischen Gehversuchen nichts \u00fcbrig ist. Ein Gedicht des 13-J\u00e4hrigen<\/p>\n<p>ist per Zufall entdeckt worden. 1746 feierte Johann Jakob Gutermann sein 50-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um als Prediger. Er hatte in T\u00fcbingen und Wittenberg studiert und war dann Pfarrer in Zaberfeld geworden. Ab 1701 kam er als Siechenprediger wieder in seine Heimatstadt<\/p>\n<p>Biberach. Wieland hatte zu diesem Jubil\u00e4um ein Preisgedicht auf Gutermann verfasst. Es ist im oben erw\u00e4hnten \u201cChristoph Martin Wielands Leben und Wirken in Schwaben und der Schweiz\u201d auf Seite\u00a0 22\/23 abgedruckt.<\/p>\n<p>Christoph Martin las mit 8 schon die vita des Nepos, wie er in einem Brief an an Leonhard Meister am 28. Dezember 1787 schreibt. Auch Rektor Doll scheint die liebe Not mit diesem begabten Sch\u00fcler gehabt zu haben, und als Christoph Martin 13 war<\/p>\n<p>las er Horaz und Virgil und kam damit besser zurecht als sein Lehrer. Mit 14 hatte er eine fundierte Ausbildung in Latein, Griechisch und Hebr\u00e4isch.Aber auch in Mathematik, Logik und Geschichte war er gut ausgebildet. Fortschritte hatte er auch<\/p>\n<p>in Zeichnen und der Musik gemachte. Der Vater hatte das Talent seines Sohnes fr\u00fch erkannt und nach besten Kr\u00e4ften gef\u00f6rdert- eine Parallele \u00fcbrigens zu seiner sp\u00e4teren Verlobten Sophie Gutermann, die ebenfalls hochbegabt war<\/p>\n<p>und die auch \u00a0von ihrem Vater unterrichtet worden war.<\/p>\n<p>Vor wir auf einen Blick auf seine weitere schulische Laufbahn werfen, einen Blick darauf, was der junge Wieland gelesen hat. F\u00fcr seine fr\u00fchen lateinischen Versuche hatte er ja durchaus Vorbilder wie z.B. Juvenal. An deutschen Schriftstellern befasste er sich schon<\/p>\n<p>fr\u00fch mit Johann Christoph Gottsched (1700-1766). Sein Lieblingsautor aber wurde der Hamburger Barthold Heinrich Brockes (1680-1747). Dessen\u00a0wichtigstes Werk war eine Gedichtsammlung \u201cIrdisches Vergn\u00fcgen in Gott\u201d, die zwischen 1721 und 1748 in 9 B\u00e4nden<\/p>\n<p>erschien.Dieses Werk machte ihn schnell weit \u00fcber Hamburg hinaus bekannt und er wurde mit seiner Dichtung das Vorbild der Naturlyrik von Haller bis Klopstock. Aber er wurde auch schnell kritisiert, so von Breitinger und Gottsched und schon zwei Jahrzehnte<\/p>\n<p>nach seinem Tod konnte man ihm nicht mehr viel abgewinnen. Aber schon der junge Wieland wurde mit 10 Jahren von diesem Dichter stark beeindruckt und das hielt sein ganzes Leben an. Sein Vater hatte s\u00e4mtliche Werke Brockes in seinem<\/p>\n<p>Besitz, allerdings lange an einen Biberacher Patrizier ausgeliehen. Als er alle auf einmal zur\u00fcckgab, wurde der junge Wieland mit Brockes bekannt, nachdem er bis dahin seine Sprache nur aus der Bibel und dem Gesangbuch kannte.<\/p>\n<p>Noch 1797 schrieb er im Merkur (1.St\u00fcck 1797\u00a0 S. 96,\u201dIch bewunderte oft und bewundere noch jetzt, die Gewandheit, den hartn\u00e4ckigen Flei\u00df und die ungemeine Sprachfertigkeit, die dieser in der Geschichte unserer Literatur so merkw\u00fcrdige Mann<\/p>\n<p>in seinen Bruchst\u00fccken eines gro\u00dfen, aber nicht ganz zu Stande gekommenen physikalischen Stanzenwerkes bewiesen hat.\u201d und er schreibt weiter zu seinen Naturschilderungen \u201csteht ihm immer unsre ganze Sprache mit allen ihren damals<\/p>\n<p>bekannten und von ihm selbst ansehnlich vermehrten Sch\u00e4tzen zu Gebot.\u201d Ebenfalls stark beindruckt das philosophische Lexikon von Schneider, wie\u00a0 Ofterdinger in seinem Buch auf Seite 24 schreibt. Allerdings habe ich leider nichts \u00fcber dieses Lexikon<\/p>\n<p>herausbekommen auch woher das Wielandzitat stammt geht aus dieser Stelle leider nicht hervor.<\/p>\n<p>Mit 13 war Wieland intellektuell soweit entwickelt, dass das Biberacher Bildungsangebot die F\u00e4higkeiten des jungen Christoph Martins nicht mehr ausreichend gef\u00f6rdert h\u00e4tte. F\u00fcr den Vater war wichtig, dass auch der religi\u00f6se Hintergrund<\/p>\n<p>stimmte. Zwei Bildungsanstalten kamen in Betracht. In Halle hatte Francke eine Vorbereitungs-Anstalt f\u00fcr die Universit\u00e4t gestiftet. Und f\u00fcr Thomas Adam, selbst Francke-Sch\u00fcler, war das nat\u00fcrlich zun\u00e4chst erste Wahl. Aber etwa gleichzeitig machte<\/p>\n<p>ein anderes Institut, n\u00e4mlich Kloster Bergen bei Magdeburg, von sich reden.<\/p>\n<p>Johann Adam Steinmetz war evangelischer Geistlicher und einer der bedeutendsten Schulm\u00e4nner des 18. Jahrhunderts. Steinmetz war zun\u00e4chst Prediger in Teschen. 1738 kam er als Abt nach Kloster Bergen.Sein Vorg\u00e4nger Abt Breithaupt hatte dort eine Schule<\/p>\n<p>eingerichtet, die zur zweiten Bildungsst\u00e4tte des Pietismus wurde und unter Abt Steinmetz ihre volle Bl\u00fcte erreichte.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-J_A_Steinmetz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"220px-J_A_Steinmetz\" alt=\"220px-J_A_Steinmetz\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-J_A_Steinmetz_thumb.jpg\" width=\"184\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Lehrer und vor allem die Rektoren w\u00e4hlte er mit gr\u00f6\u00dfter Sorgfalt aus. Er machte h\u00e4ufige Klassenbesuche. In seiner Amtszeit erlebte die Schule einen enormen Zulauf und wurde zur gesuchten Bildungsst\u00e4tte\u00a0 angesehener Familien des Adels und des gehobenen B\u00fcrgertums.J\u00e4hrlich wurden 30-50 Sch\u00fcler aufgenommen und unter Abt Steinmetz absolvierten dort 930 junge Menschen ihre Schulausbildung. Neben Wieland gingen eine Reihe von Sch\u00fclern aus Kloster Bergen ab, die sp\u00e4ter in Staat oder Kirche Karriere machten.<\/p>\n<p>Erw\u00e4hnt sei noch Johann Christoph Adelung, der nachdem er das Gymnasium in Klosterbergen absolviert hatte, in Halle Theologie studierte und sp\u00e4ter Bibliothekar der kurf\u00fcrstlichen Bibliothek in Dresden wurde. Bekannt ist er vor allem f\u00fcr seine\u00a0 grammatischen<\/p>\n<p>und lexikographischen Schriften. Er hat aber auch historische, naturwissenschaftliche, p\u00e4dagogische und journalistische Arbeiten ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>F\u00fcr Wielands Besuch von Kloster Bergen sprach, dass das Leben dort nicht zu sehr von dem Leben unterscheiden w\u00fcrde, das er bisher gef\u00fchrt hatte. Auch bot Kloster Bergen die M\u00f6glichkeit, die schon in Biberach erworbenen Kenntnisse auszubauen.<\/p>\n<p>In Bergen wurde gro\u00dfes Gewicht auf Cicero gelegt, und ebenso gro\u00dfe Fortschritte machte er im Hebr\u00e4ischen. Noch in sp\u00e4teren Jahren las Wieland die Psalmen in hebr\u00e4ischer Sprache und er hatte sie immer als Taschenbuch auf seinen Spazierg\u00e4ngen dabei.<\/p>\n<p>Die Abiturienten hielten nicht nur Abitursreden. Sie verfassten f\u00f6rmliche Abhandlungen und Disputationsschriften. Das hatte schon durchaus akademischen Charakter.\u00dcber Wielands Zeit in Kloster Bergen hatte Goethe sp\u00e4ter einmal gesagt,<\/p>\n<p>Wieland habe dort in allen konzentrierten jugendlichen Zartgef\u00fchlen gewandelt und er habe dort zu h\u00f6herer literarische Bildung den Grund gelegt. Wieland selbst fasst seine Zeit in Kloster Bergen in einem Brief an einem Brief an Leonhard Meister<\/p>\n<p>Weimar am Dez.1787 so zusammen: \u201cMit 13 1\/2 Jahren ward ich nach Kloster Bergen bey Magdeburg, eine damahls unter des bis zur Schw\u00e4rmerei devoten Abts Steinmetz Aufsicht stehenden ber\u00fchmten Schule geschickt. Ich blieb dort zwey Jahre, machte<\/p>\n<p>starke Progressionen in litteris, schw\u00e4rmte anfangs mit, kam aber bald wieder durch mein damahliges Lieblingsstudium, n\u00e4hmlich durch eine poetische Manier in den metaphyischen Terris incogniti herum zu vagiren, ins freye und von einem System aufs andere.\u201d<\/p>\n<p>In Bergen kam Wieland auch mit Voltaire in Kontakt, obwohl der Freigeist im Kloster nat\u00fcrlich verboten war. Dort lernte er auch die Schriften des Schweizer Kritiker Johann Jacob Breitinger kennen. Und er las Albrecht von Hallers Gedichte. Seine Gedichtsammlung<\/p>\n<p>\u201cVersuch Schweizerischer Gedichte\u201d war 1732 erschienen. Darin befand sich das von Haller auf 1729 datierte Gedicht \u201cDie Alpen\u201d. Es gab zu der Zeit keinen deutschen Dichter, der dieses Gedicht nicht kannte. Wichtig waren aber \u201cNeue Beitr\u00e4ge zum Vergn\u00fcgen<\/p>\n<p>des Verstandes und Witzes\u201d, da diese in Bremen erschienen meist nur Bremische Beitr\u00e4ge genannt. Im 4. Band waren die drei ersten Ges\u00e4nge des Messias von Friedrich Gottlieb\u00a0 Klopstock. Sie erregten sofort gro\u00dfes Aufsehen. Und auch Wieland wurde von<\/p>\n<p>der Klopstockbegeisterung erfasst. \u201cAls ich den Klopstock las, glaubte ich erst mich selbst zu verstehen.\u201d (zitiert nach L.F. Ofterdinger S.31). Seine ersten Dichtungen zeigten auch, wie stark er von Klopstock beeinflusst worden war.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/400px-Kloster_Berge_1780.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"400px-Kloster_Berge_1780\" alt=\"400px-Kloster_Berge_1780\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/400px-Kloster_Berge_1780_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"124\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>An Ostern 1749 verlie\u00df Wieland Kloster Bergen, ohne einen Abschluss gemacht zu haben. Er ging weiter nach Erfurt und lebte dort f\u00fcr ein Jahr bei Johann Wilhelm Baumer, einem Verwandten der Familie Wieland. Baumer hatte in Halle und Jena Philosophie<\/p>\n<p>und Theologie studiert. In Jena hatte er den Grad eines Magister der philosophischen Wissenschaften erhalten. Von 1742 \u2013 1746 war er Pfarrer in Krautheim, heute Ortsteil von Volkach. Diese Stelle gab er aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden auf und ging wieder nach<\/p>\n<p>Halle. Dort promovierte er 1748 zum Doktor der Medizin. Danach unternahm er eine Gelehrtenreise und lie\u00df sich dann als Arzt in Erfurt nieder. Zu der Zeit kam dann Wieland zu ihm. Baumer muss ein durchaus universal gebildeter Mann gewesen sein.<\/p>\n<p>In Erfurt wurde er 1754 Professor der Physik und 1757 Professor der Medizin. 1764 wechselte er als Professor der Medizin nach Gie\u00dfen und wurde dort zugleich Bergrat und Landphysikus. 1777 wurde er in Gie\u00dfen ordentlicher Professor der Mineralogie und<\/p>\n<p>der Chemie. Vor allem als Mineraloge hatte er sich einen Namen in der Wissenschaft gemacht. In Erfurt war er\u00a0 zum geistigen Vater der 1754 gegr\u00fcndeten \u201cChurf\u00fcrstlich-Mayntzischen Gesellschaft oder Academie n\u00fctzlicher Wissenschaften\u201d geworden.<\/p>\n<p>aus der die heutige Akademie gemeinn\u00fctziger Wissenschaften zu Erfurt hervorgegangen ist. Bei Baumer studierte Wieland Philosophie.Er Wurde mit Wolff vertraut gemacht. Als Thomas Adam in Halle Theologie studierte, herrschte dort gerade der Streit zwischen Wolff und seinem aufkl\u00e4rerischen Rationalismus<\/p>\n<p>und pietistischen Dozenten an der Universit\u00e4t. Diese setzten sich durch und Wolff musste sein Amt aufgeben. Wolff war Universalgelehrter, Jurist und Mathematiker. Er entwickelte sich zu einem der wichtigsten Philosophen der Aufkl\u00e4rung zwischen<\/p>\n<p>Leibniz und Kant. Er war ein bedeutender Vertreter des Naturrechts. Er gilt als der eigentliche Begr\u00fcnder der Begriffsjurisprudenz. Ihre Grundlage ist die Anwendung logischer Methoden auf das Recht. F\u00fcr die deutsche Philosophie schuf Wolff die terminologische<\/p>\n<p>Grundlage. F\u00fcr einen 16-J\u00e4hrigen durchaus schwerverdauliche Kost, wie Wieland das selbst empfand oder wie er sich ausdr\u00fcckte \u201cschwere Seelenspeise\u201d. Aber Baumer legte bei Wieland einen soliden Grund in der Philosophie.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Johann_Wilhelm_Baumer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"Johann_Wilhelm_Baumer\" alt=\"Johann_Wilhelm_Baumer\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Johann_Wilhelm_Baumer_thumb.jpg\" width=\"187\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wichtig war f\u00fcr Wieland auch das Privatissimum, das er von Baumer \u00fcber Don Quijote erhielt. Wieland sagt sp\u00e4ter dar\u00fcber,dass Baumer ihn aus Quijote heraus Menschen-und Weltkenntnis gelehrt habe. Baumer stellte Don Quichotte und Sancho Pansa<\/p>\n<p>als die Repr\u00e4sentanten des Menschengeschlechts dar. Sicher war dieses Jahr bei dem umfassend Gebildeten f\u00fcr den jungen Wieland enorm wichtig, wenn gleich er einige Zeit brauchte, um das richtig einzusch\u00e4tzen. In einem Brief an Friedrich Justus\u00a0 Riedel<\/p>\n<p>schreibt er am 10. August 1768 \u201cweil ich das Gl\u00fcck oder Ungl\u00fcck hatte, das ganze Jahr 1749 unter seinen (Baumer) Augen zu leben, an seinem Tische zu hungern (denn vom Essen war nicht viel die Rede) und von seiner Philosophie eine so abscheuliche Menge<\/p>\n<p>von Seelenbl\u00e4hungen zu bekommen\u2026\u201d Und als er in Erfurt Professor wird, liest er \u00fcber den Don Quijote. In einem seiner Romane, der \u201cGeschichte des Don Sylvio von Rosalva\u201c \u00fcbernimmt er das Muster des Don Quijote.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1750 kehrte Wieland nach Biberach zur\u00fcck. Im Sommer kam es zu einer folgenreichen Begegnung. Der\u00a0 Augsburger Arzt Georg Friedrich Gutermann schickte seine Tochter Sophie Marie zu seiner Cousine nach Biberach, n\u00e4mlich<\/p>\n<p>der Mutter von Christoph Martin. Er hatte gerade durchgesetzt, dass die Verlobung von Sophie mit Giovanni Ludovico Bianconi, der Leibarzt des Augsburger F\u00fcrstbischofs war, gel\u00f6st worden war. Der zuk\u00fcnftige Gatte war katholisch, Sophie aber evangelisch.<\/p>\n<p>Die zuk\u00fcnftigen T\u00f6chter Sophies sollten evangelisch erzogen werden, darauf ging Bianconi aber nicht ein. Die Verlobung platzte. (Siehe Blog Sophie von La Roche). Das Verhalten ihres Vaters verletzte Sophie zutiefst. Sie f\u00fcgte sich zwar, verga\u00df das ihrem Vater aber<\/p>\n<p>nie. Dieser Aufenthalt in Biberach sollte Sophie helfen, ihren Geliebten zu vergessen, aber auch ihrem Vater aus den Augen zu kommen. Schlie\u00dflich war das Verh\u00e4ltnis massiv gest\u00f6rt. Sophie war 19, Christoph Martin 17. Was aber nie und nimmer im Plan der Eltern<\/p>\n<p>war, die beiden verliebten sich aufs heftigste. Zum Entsetzen beider Elternteile verlobten die beiden sich sogar. Am Morgen dieses Tages,es war der 23. August 1750, h\u00f6rte Sophie zuf\u00e4llig den jungen Wieland Klavier spielen, was tiefen Eindruck auf sie gemacht<\/p>\n<p>haben muss. In ihren \u201cSchattenrissen abgeschiedener Stunden\u201d erz\u00e4hlt sie auf Seite 44, wie sie Wieland am Abend ihrer Ankunft in Ossmannstedt Klavier spielen h\u00f6rt und erinnert sich an diese Szene in Biberach und das war ja immerhin 49 Jahre zuvor.\u00a0 L.F.<\/p>\n<p>Ofterdinger erz\u00e4hlt wie Sophie im weiteren Tagesverlauf eine Predigt von Thomas Adam Wieland \u00fcber den Text \u201cGott ist die Liebe\u201d h\u00f6rt. Die beiden jungen Leute unterhielten sich \u00fcber diese Predigt. Sophie bat Christoph Martin, die von ihm vorgebrachten<\/p>\n<p>Gedanken zu ordnen und auf zuschreiben. Das Ergebnis wurde 1752 in Halle in Druck gegeben: \u201cDie Natur der Dinge in sechs B\u00fcchern\u201d<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Unbenannt.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"Unbenannt\" alt=\"Unbenannt\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/Unbenannt_thumb.png\" width=\"79\" height=\"102\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Thomas Adam sah das etwas pragmatischer. Der junge Christoph Martin \u00a0sollte erst mal einen Brotberuf erlernen. Die Mutter arbeitete aber gegen das junge Paar. Als Wieland erst in T\u00fcbingen war und sp\u00e4ter in Z\u00fcrich, hielt sie Briefe<\/p>\n<p>an Sophie zur\u00fcck. Als Wieland in Z\u00fcrich bei Bodmer weilte, schrieb seine Mutter am 10. Oktober 1753 an diesen \u201cSie mag ihr nicht ein Loch an dem Strumpf vern\u00e4hen, sie reisst es lieber zusamen und wirfft es in einen Winkel. Wann mein Sohn das Mensch zu seiner<\/p>\n<p>Frau bekomt, so ist er sein Lebtag ein armer Mann und M\u00e4rtherer, er m\u00f6chte so viel Einkommen haben als er wollte, so w\u00fcrde sie vorher allemal mehr verliederlichen, als er einzunehmen h\u00e4te \u2026\u201c Der Brief ist heute im Besitz der Zentralbibliothek Z\u00fcrich.<\/p>\n<p>Christoph Martin soll nun ein Studium beginnen. Er geht nach T\u00fcbingen. Der Vater hatte eigentlich gew\u00fcnscht, dass Christoph Martin Theologie studiert. Da aber der Junge ja von nicht allzu kr\u00e4ftiger Gesundheit war, sprach das eigentlich gegen eine solche<\/p>\n<p>Laufbahn. Also sollte er Jurisprudenz studieren, wie schon sein Gro\u00dfvater, der es ja zum evangelischen B\u00fcrgermeister in der Stadtrepublik gebracht hatte. Die Unterkunft war praktischerweise schon vorgegeben, n\u00e4mlich das Hochmannium in T\u00fcbingen.<\/p>\n<p>In der T\u00fcbinger Pfleghofstr. 13 hatte der 1528 in Biberach geborene Johann Hochmann und sp\u00e4tere Professor des kanonischen Rechts und Universit\u00e4tsrektor ein Wohnheim gestiftet, in dem Studierende aus seiner Familie und der seiner Frau<\/p>\n<p>dort freie Kost und Logis bekamen. Auch Wieland hatte durch Familienanspr\u00fcche das Recht auf ein solches Stipendium, was mit ein Grund war, dass er in T\u00fcbingen studierte. Vorlesungen \u00fcber Jurisprudenz besuchte er nur am Anfang. Da er aber bald<\/p>\n<p>den Eindruck hatte, dass Vorlesungen ihm seine beste Zeit kosteten, ging er bald gar nicht mehr hin. Statt sich mit Rechtswissenschaften zu befassen, las er Pierre Bayle, einen franz\u00f6sischen Schriftsteller und Philosophen, der zu den Zentralfiguren der<\/p>\n<p>franz\u00f6sischen Aufkl\u00e4rung z\u00e4hlt. Sein wichtigstes Werk ist das \u201cDictionnaire historique et critique\u201d erstmals erschienen 1697. Leibniz stand ebenfalls auf seinem Leseplan, dann Lucrez und der Anti-Lucrez von Polinac.Das ist eine Widerlegung des Lucrez<\/p>\n<p>in metrischen Versen, die von Voltaire gelobt wurde und auch von Goethe sehr gesch\u00e4tzt worden sein soll. Und er dichtete selbst. Die oben erw\u00e4hnte Natur der Dinge schrieb er in nur drei Monaten. Das Manuskript schickte er an Professor Georg Friedrich Meyer<\/p>\n<p>in Halle. Ich bin mir nicht ganz schl\u00fcssig, wie ich das bewerten soll \u2013naiv oder frech. Meier war ordentlicher Professor der Philosophie in Halle und\u00a0 lehrte dort Philosophie und \u00c4sthetik. Meier hatte in dem poetologischen Streit, der in der Zeit zwischen Gottsched<\/p>\n<p>und den Schweizern Breitinger und Bodmer die Intellektuellen im deutschen Sprachraum besch\u00e4ftigte (s.u.), \u00a0Partei f\u00fcr die beiden Schweizer ergriffen. Seine sehr positive Stellungnahme \u201cBeurteilung des Heldengedichts der Messias\u201d von Klopstock trug wesentlich zu dessen Anerkennung und auch zur Begeisterung f\u00fcr<\/p>\n<p>sein Werk beim Publikum bei. Dies war sicher auch der Grund, weshalb Wieland sein Manuskript gerade an Meier schickte. Wieland legte ein anonymes Begleitschreiben bei und Meier wusste tats\u00e4chlich nicht, wer der Verfasser dieses Lehrgedichts war.<\/p>\n<p>Er hielt ihn\u00a0 f\u00fcr einen Adligen aus dem Schw\u00e4bischen und w\u00e4re wahrscheinlich mehr als \u00fcberrascht gewesen, wenn er gewusst h\u00e4tte, dass das das Werk eines 17-J\u00e4hrigen ist. Meier ver\u00f6ffentlichte das Werk und versah es zudem mit einem sehr positiven Vorwort.<\/p>\n<p>Er schreibt darin, dass er das Werk anonym erhalten hat, ohne Unterschrift und Angabe des Ortes und dann w\u00f6rtlich \u201cWeil es uns Deutschen bis itzt an gro\u00dfen Original-Lehrgedichten fehlt, und mir dieses Gedicht gefallen hat: so habe ich kein Bedenken getragen,<\/p>\n<p>dasselbe zum Druck zu bef\u00f6rdern.\u201d Seite 4 der Vorrede. Die gute Aufnahme seines Manuskripts spornte ihn an, weiter Neues zu schreiben. Man besang\u00a0 damals gerne Helden der deutschen Urzeit. Und so fasste er den Plan, das Heldengedicht Hermann zu verfassen.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/300px-Hochmannium.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"300px-Hochmannium\" alt=\"300px-Hochmannium\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/300px-Hochmannium_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"164\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auch dieses schickte er ein,\u00a0diesmal an Bodmer in Z\u00fcrich. Er bittet den \u201cHochedelgebornen und Hochgelehrten Hochzuverehrenden Herrn Professor\u201d(Ausgew\u00e4hlte Briefe Von C.M.Wieland an verschiedene Freunde in den Jahren 1751-1810 geschrieben, Brief vom<\/p>\n<p>4.8.1751 an Bodmer) das \u00fcbersandte Gedicht, eben den Hermann, zu beurteilen.Bodmer nahm dieses Gedicht positiv auf, scheint aber einige Anmerkungen gemacht zu haben. In einem Antwortschreiben an Bodmer macht er nun Angaben zu sich \u201cIch bin eines<\/p>\n<p>Predigers Sohn aus Biberach, ohnweit dem Federsee\u201d (ausgew\u00e4hlte Briefe Seite 7). Am 20. Dezember 1751 schreibt er aus T\u00fcbingen, dass das Gedicht nur dazu gedient habe, seine Bekanntschaft zu machen und habe damit seine Bestimmung erreicht.Er gedenke<\/p>\n<p>nicht,diese jugendliche Arbeit umzuarbeiten oder zu verbessern. In T\u00fcbingen entstehen insgesamt 6 Werke und zwar 1.\u201cDie Natur der Dinge\u201d ein Lehrgedicht in 6 B\u00fcchern, Halle 1751, 2. \u201cZw\u00f6lf moralische Briefe\u201d in Versen, Heilbronn 1752<\/p>\n<p>3. \u201cAnti-Ovid oder die Kunst zu lieben\u201d Amsterdam (Heilbronn) 1752. Erz\u00e4hlungen, T\u00fcbingen 1752, 5. Der Fr\u00fchling T\u00fcbingen 1752, 6.Lobgesang auf die Liebe T\u00fcbingen 1753.<\/p>\n<p>Daneben verfasste er Oden, die er auch an Bodmer schickte.<\/p>\n<p>Vom Briefwechsel an Sophie, damals noch Gutermann, aus seiner Verlobungszeit sind nur vier Briefe erhalten. Der erste, den es noch gibt, stammt vom 5. Juni 1572 \u2013 ein flammender Liebesbrief, darin angeh\u00e4ngt die Ode, die er auch an Bodmer schickte.<\/p>\n<p>Darin hei\u00dft es unter anderem: \u201cEnglische Sophie, mein Herz, mein Licht<\/p>\n<p>Du bist selbst, ja Du bist selbst die Tugend;<\/p>\n<p>Aus der Anmuth aufgebl\u00fchter Jugend<\/p>\n<p>Reizt sie selbst in Dir ein klug Gesicht.<\/p>\n<p>O wie strahlt aus Deinen Blicken<\/p>\n<p>wo sich weiser Ernst mit Anmuth paart,<\/p>\n<p>eine Seele von Seraph\u2019scher Art,<\/p>\n<p>F\u00e4hig mehr als Weise zu entz\u00fccken&#8220;\u00a0 (Briefe an Sophie von La Roche von Christoph Martin Wieland, hsg von Franz Horn S.7).<\/p>\n<p>Im Juni 1752 verlie\u00df Christoph Martin T\u00fcbingen und ging zur\u00fcck zu seinen Eltern nat\u00fcrlich auch in der Hoffnung, dort mit Sophie zusammen zu kommen. Christoph Martin gab sein Studium auf, was nat\u00fcrlich nicht im Sinne des Vaters lag.<\/p>\n<p>Er schlug ihm vor, in G\u00f6ttingen Jurisprudenz zu studieren.\u00a0Christoph Martin\u00a0bem\u00fchte sich aber um eine Tutorenstelle in Braunschweig. Dort war der evangelische Theologe Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem als Berater Herzog Karl I. in Verwaltungsangelegenheiten<\/p>\n<p>aber auch f\u00fcr das Kirchen-und Bildungswesen t\u00e4tig. Er schlug dem Herzog eine neuartige Bildungseinrichtung vor, die eine vertiefte Kenntnis der sch\u00f6nen Wissenschaften und vor allem der griechischen und lateinischen Kultur vermitteln und so<\/p>\n<p>einen leichteren Anschluss an das Universit\u00e4tsstudium zu erm\u00f6glichen. 1745 wurde dann das Collegium Carolinum gegr\u00fcndet, aus dem sp\u00e4ter die Technische Universit\u00e4t Braunschweig hervorgegangen ist. Genau f\u00fcr diese Einrichtung bewarb sich Wieland.Allerdings, ein<\/p>\n<p>junger\u00a0 Student mit 19 Jahren, der gerade dabei war, sein Studium abzubrechen, hatte nat\u00fcrlich nicht die besten Karten. Im Sommer 1752 wurde er aber von Bodmer nach Z\u00fcrich eingeladen. Wieland reiste am 15. Oktober in die Schweiz ab, zu einem<\/p>\n<p>Aufenthalt der dann aber 8 Jahre dauern sollte.<\/p>\n<p>Um diese Zeit bewegte eine spannende Auseinandersetzung das literarisch interessierte Deutschland. Auf der einen Seite stand Johann Christoph Gottsched (Bild links), auf der anderen Seite Johann Jakob Bodmer (Bild rechts) und Johann Jakob Breitinger.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Johann_Christoph_Gottsched.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"220px-Johann_Christoph_Gottsched\" alt=\"220px-Johann_Christoph_Gottsched\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Johann_Christoph_Gottsched_thumb.jpg\" width=\"201\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/473px-Johann_Jacob_Bodmer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"473px-Johann_Jacob_Bodmer\" alt=\"473px-Johann_Jacob_Bodmer\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/473px-Johann_Jacob_Bodmer_thumb.jpg\" width=\"194\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gottsched studierte in K\u00f6nigsberg. Er erwarb dort den Magister Artium. Nachdem er aber von den brutalen Methoden preussischer Milit\u00e4rwerber geh\u00f6rt hatte ging er lieber nach Leipzig, das ihm in dieser Hinsicht sicher erschien.<\/p>\n<p>Dort freundete er sich mit dem Historiker Johann Burckhardt Mencke an, der ihn\u00a0 als Hauslehrer f\u00fcr seine S\u00f6hne engagierte. \u00dcber ihn fand er Aufnahme in die \u201cTeutsch\u00fcbende Poetische Gesellschaft\u201d. 1727 wurde er zum Senior gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Er wandelte sie um zur \u201cDeutschen Gesellschaft\u201d. Die Deutsche Gesellschaft sollte auf eine \u00fcberregionale, von mundartlichen F\u00e4rbungen und Fremdw\u00f6rter ges\u00e4uberte deutsche \u00fcberregionale Einheitssprache hinarbeiten. Der deutsche Sprachraum<\/p>\n<p>war in dieser Zeit nicht nur konfessionell sondern auch sprachlich gespalten. In der protestantischen Mitte Deutschlands und im Norden hatte sich ein auf Martin Luther basierendes Fr\u00fch-Neuhochdeutsch durchgesetzt. Im katholischen S\u00fcden<\/p>\n<p>wurde die oberdeutsche Schriftsprache verwendet. So stand \u201cLutherdeutsch\u201d gegen \u201cJesuitendeutsch\u201d, beides bewusst abwertend verwendet. Dazu kam noch mit der reformierten Schweiz alemannisch als dritte Sprache dazu.<\/p>\n<p>Gottsched stand zu der Zeit auf dem H\u00f6hepunkt seiner Popularit\u00e4t und Autorit\u00e4t. Er hatte mit \u201c Die vern\u00fcnftigen Tadlerinnen\u201d 1725 die erste Frauenzeitschrift herausgegeben. Seine Bekanntschaft und Zusammenarbeit mit Johann Neuber und<\/p>\n<p>dessen Frau Friederike Caroline lie\u00df ein regelgerechtes deutsches Nationaltheater entstehen und mit seinen \u201cBeytr\u00e4ge zur critischen Historie der deutschen Sprache, Poesie und Beredsamkeit<em>\u201d <\/em>verschaffte ihm schnell \u00fcberregionale Bekanntschaft.<\/p>\n<p>Er war ma\u00dfgebender Lehrbuchautor. Er war Theoretiker und Gesetzgeber. Er glaubte alle Bereiche der Kunst in erlernbare Regeln systematisieren zu k\u00f6nnen. Wie oben gezeigt wurde, hatte sich ja auch der junge Wieland mit Gottsched auseinandergesetzt.<\/p>\n<p>Als Theaterreformer orientierte er sich vor allem am franz\u00f6sischen Theater, was ihm dann Lessing entschieden vorhielt. \u201cNiemand\u00a0 sagen die Verfasser der Bibliothek, wird leugnen,dass die deutsche Schaub\u00fchne einen gro\u00dfen Theil ihre erste Verbesserung dem<\/p>\n<p>Herrn Professor Gottsched zu danken habe. Ich bin dieser Niemand. Ich leugne es geradezu\u201d (Lessing in \u201cBriefe die neueste Litteratur betreffend, Berlin 1759, S. 97) und er f\u00e4hrt dann fort \u201c er wollte nicht sowohl unser altes Theater verbessern, als der Sch\u00f6pfer eines<\/p>\n<p>ganz neuen seyn. Und was f\u00fcr eines neuen? Eines Franz\u00f6sierenden ohne zu untersuchen, ob dieses franz\u00f6sisierende Theater der deutschen Denkungsart angemessen sey oder nicht\u201d (ebd. S. 99). Und dann schreibt er weiter, dass wir mehr in den Geschmack<\/p>\n<p>der Engl\u00e4nder einschlagen als der Franzosen\u201dund weiter \u201c dass das Gro\u00dfe, das Schreckliche, das Melancholische besser auf uns wirkt, als das Artige, das Z\u00e4rtliche, das Verliebte\u201d und das bedenkend w\u00fcrde geradewegs auf das englische Theater f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die \u00dcbersetzung des Shakespeare h\u00e4tte weit bessere Folgen f\u00fcr das deutsche Theater gehabt \u201c als dass man sie mit dem Corneille und Racine so bekannt gemacht hat\u201d Und dies wurde fast durchg\u00e4ngig so von den Literaturgeschichten \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>In Z\u00fcrich war Bodmer als Professor f\u00fcr helvetische Geschichte und Politik am Gymnasium t\u00e4tig. Dort arbeitete auch sein Freund als Professor f\u00fcr die hebr\u00e4ische und sp\u00e4ter f\u00fcr die griechische Sprache. In den Jahren 1732-1739 stand man in Briefwechsel und ging fast<\/p>\n<p>freundschaftlich mit einander um. 1740 erschien Bodmers\u00a0 \u201cCritische Abhandlung vor dem Wunderbaren\u201d, die als Verteidigung Miltons angek\u00fcndigt war.Er pl\u00e4dierte darin f\u00fcr f\u00fcr eine erweiterte Geltung der Einbildungskraft, des Wunderbaren und der Phantasie.<\/p>\n<p>Und es erschien Breitingers zweib\u00e4ndige \u201cCritische Dichtkunst\u201d. Da zeigte sich schon im Titel die Rivalit\u00e4t zu Gottscheds gleichnamigen Lehrbuch. Gottsched ging 1742 auf das Buch Breitingers ein. Er vermisste hilfreiche Regeln zur Abfassung von Gedichten.<\/p>\n<p>Die Schweizer waren die ersten, die auf Shakespeare hinwiesen, der auf Gottsched sicher barbarisch wirkte. Aber seine Vormacht kam ins Wanken. Die Schweizer pl\u00e4dierten nun f\u00fcr eine Hinwendung zu den neueren englischen Dichtern statt der Geschmacksdiktaturdes franz\u00f6sischen Klassizismus, die Entdeckung poetischen Neulandes statt der Best\u00e4tigung eines Kanons. Bodmer gewann immer mehr Freunde und Anh\u00e4nger aus der deutschen Literaturszene. In Norddeutschland standen Brockes mit ihm Kontakt; aber auch Johann Ulrich von K\u00f6nig, der aus Esslingen stammte, und \u00fcber Hamburg-dort gr\u00fcndete er mit Brockes die Teutsch\u00fcbende Gesellschaft zur Pflege der deutschen Sprache und Literatur- und Leipzig nach Dresden, wo er Hofpoet am Hofe August des Starken wurde. In Dresden war er zun\u00e4chst F\u00f6rderer von Gottsched, \u00fcberwarf sich aber mit ihm und stand dann in enger Verbindung mit Bodmer. Der in Durlach geborene Karl Friedrich Drollinger. Er war als Archivar der Markgrafen von Baden nach der<\/p>\n<p>Ein\u00e4scherung Durlachs t\u00e4tig. In seiner Dichtung war er ein Vorl\u00e4ufer von Haller und stand ebenfalls auf Seite der Z\u00fcricher. Auch Friedrich von Hagedorn geh\u00f6rte zu diesem Kreis. Hagedorn seinerseits stand wieder mit Klopstock und Gleim in Verbindung,\u00a0 aber<\/p>\n<p>auch zu Lessing hatte er Kontakt. Bodmer gab an Hagedorn im Tausch in Z\u00fcrich erschiene Werke weiter und erhielt daf\u00fcr von Hagedorn englische Werke, vor allem Shakespeare, die in Hamburg leichter erh\u00e4ltlich waren.<\/p>\n<p>Gleim, der Gr\u00fcnder des Halberst\u00e4dter Dichterkreis, pflegte einen Briefwechsel mit Bodmer und schlie\u00dflich bat der Z\u00fcricher auch Professor Meier in Halle den Messias zu beurteilen. Diese Beurteilung hatte ja Wieland veranlasst, sein Erstwerk an<\/p>\n<p>Meier zu schicken. Gottsched wurde schlie\u00dflich zum Inbegriff l\u00e4cherlich geistloser Pedanterie und Zeitgenossen sahen die Z\u00fcricher als Sieger in dieser Auseinandersetzung.<\/p>\n<p>1750 hatte Bodmer Klopstock nach Z\u00fcrich eingeladen. Kurz zuvor waren\u00a0 die ersten Teile des Messias in den Bremischen Beitr\u00e4gen erschienen. Danach dichtete er seine ersten Oden, die vor allem bei den Gegnern von Gottscheds \u201cvern\u00fcnftiger\u201d Poetik, also in<\/p>\n<p>Z\u00fcrich einen regelrechten Begeisterungssturm entfachten. Kontakte nach Z\u00fcrich wurden gekn\u00fcpft und das Resultat war die Einladung. Allerdings lag schon von Anfang an ein gewisses Missverst\u00e4ndnis vor. Bodmer erhoffte sich Vervollkommnung seines eigenen<\/p>\n<p>Gedichtes Noah. Und Bodmers Moral und Wertvorstellungen standen denen Klopstocks ziemlich diametral entgegen. Dazu kam sicher noch Eifersucht und Entt\u00e4uschung.\u00a0Der junge Dichter\u00a0zog n\u00e4mlich die Gesellschaft von \u201cJ\u00fcnglingen\u201d und \u201cM\u00e4dchen\u201d der seinigen vor. So etwas war f\u00fcr die zentrale Figur der Z\u00fcricher Aufkl\u00e4rung sicher eine v\u00f6llig neue Erfahrung. Ausl\u00f6sendes Moment f\u00fcr den Bruch war wohl die Fahrt auf dem Z\u00fcricher See, zu der Klopstock \u201cvon einem halben duzend Galopins (franz\u00f6sisch Schlingel, Spitzbube) entf\u00fchrt\u201d<\/p>\n<p>worden war, was dem sittenstrengen Z\u00fcricher M\u00e4zen Erkl\u00e4rung genug war, dass Klopstock mit seinem Messias nicht vorankam. Es kam zum Bruch und Klopstock reiste aus Z\u00fcrich ab. Erleichtert wurde ihm das, da er vom d\u00e4nischen K\u00f6nig ein Jahresgehalt von<\/p>\n<p>400 Reichstalern ausgesetzt bekommen hatte und die Reisekosten nach Kopenhagen. Nach diesen sehr ern\u00fcchternden Erlebnissen war man in Z\u00fcrich nat\u00fcrlich vorsichtig geworden.Wieland hatte sich ja sozusagen in Z\u00fcrich selbst beworben. Zum einen wird<\/p>\n<p>ein Briefwechsel mit\u00a0 dem Theologen Heinrich Schinz eingef\u00e4delt. Schinz stand auch mit Bodmer in sehr engem Briefkontakt. Zwischen Wieland und Schinz entwickelte sich bald sehr reger Briefverkehr. Das wurde noch ausgeweitet. Auch auf Anregung Bodmers<\/p>\n<p>f\u00fchrten die die beiden Verlobten Sophie von Wieland und Barbara Meyer von Schinz ebenfalls einen Briefwechsel. Zudem wurden im Mai noch der Theologe Johann\u00a0 Kaspar Hess, der Arzt Hans Caspar Hirzel und der Theologe Johann Georg Sulzer<\/p>\n<p>nach T\u00fcbingen geschickt. Sie sollten Wieland besuchen und pr\u00fcfen, ob dieser der F\u00f6rderung durch Bodmer w\u00fcrdig sei. Man hatte \u00fcber Martin K\u00fcnzli auch noch Erkundigungen bei dem Professor der griechischen Sprache Johann Adam Osiander eingeholt.<\/p>\n<p>Dieser beurteilt Wieland als\u201dingenium praecox\u201d,\u00a0 wei\u00df aber nur Gutes \u00fcber Wieland zu berichten. Er sagt, der J\u00fcngling stecke immer zu Hause und studiere. Dies schreibt K\u00fcnzli in einem Brief an Bodmer am 14. April 1752 (in Thomas C. Starnes: Christoph Martin<\/p>\n<p>Wieland- Leben und Werk, Sigmaringen 1987, Bd. 1-3\u00a0 I,S.22). Wieland selbst h\u00e4lt sich mit vielen Briefen an Bodmer im Gespr\u00e4ch.Und er macht nat\u00fcrlich auch einige Angaben \u00fcber sich, die Bodmer bestimmt gefallen \u201cIch bin ein gro\u00dfer Wassertrinker, und ein<\/p>\n<p>geborener Feind des Bacchus\u201d\u00a0 ( Am 4. Februar 1752 an Bodmer in ausgew\u00e4hlte Briefe S. 30)Die Einladung erfolgt und Wieland schreibt am 8. Juni 1752 \u00fcbergl\u00fccklich an Bodmer zur\u00fcck \u201cIch danke der Vorsehung mit innigster R\u00fchrung f\u00fcr ihre Freundschaft und ich<\/p>\n<p>m\u00fcsste sehr ungl\u00fccklich seyn, wenn ich mich in der Hoffnung betr\u00f6ge, in etlichen Wochen mehr durch ihren Umgang gebessert werden, als es bisher in ganzen Jahren geschehen konnte\u201d (ebd. S.83).<\/p>\n<p>Die Abreise Wielands nach Z\u00fcrich verz\u00f6gerte sich noch ein bisschen, weil er unbedingt noch mit Sophie zusammen treffen wollte. Wieland hatte inzwischen schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Dass solch in der gesamten literarischen Welt<\/p>\n<p>angesehenen M\u00e4nner wie Bodmer und Breitinger einen Briefwechsel mit dem noch sehr jungen Mann unterhielten, dass sie ihn sogar nach Z\u00fcrich einluden, vers\u00f6hnte auch den Vater damit, dass er allm\u00e4hlich Abschied von den Vorstellungen nehmen musste,<\/p>\n<p>die er vom beruflichen Werdegang seines Sohnes hatte.\u00a0 Ofterdinger erz\u00e4hlt in seinem bereits \u00f6fter erw\u00e4hnten Buch auf Seite 78 von dem Abschiedsfest, das er f\u00fcr seinen Sohn in Birkendorf gab. Am 15. Oktober reiste Christoph Martin ab und wurde<\/p>\n<p>am 18.Oktober von Schinz in Schaffhausen abgeholt. Dann blieben sie f\u00fcr eine Woche in Wespersb\u00fchl bei Johann Christoph Billeter. Das war der Onkel der Braut von Schlinz. In seinem Tagebuch vermerkt Bodmer die Ankunft Wielands am 25. Oktober.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/SetHeight360-bodmerhaus-stich.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"SetHeight360-bodmerhaus-stich\" alt=\"SetHeight360-bodmerhaus-stich\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/SetHeight360-bodmerhaus-stich_thumb.jpg\" width=\"233\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Wieland nach Z\u00fcrich kam,\u00a0\u00a0 erlebte das literarische Leben in der Schweizer Stadt eine absolute Bl\u00fctezeit und der Streit zwischen Z\u00fcrich und Leipzig fand ja im ganzen literarisch interessierten deutschsprachigen Raum gro\u00dfe Anteilnahme.<\/p>\n<p>Die beiden Gelehrten Bodmer und Breitinger, hatten einen literarisch produktiv t\u00e4tigen Kreis um sich gesammelt. Und man hatte ja auch die Szene beobachtet und interessante Talente nach Z\u00fcrich geholt, eben erst Klopstock, dann Wieland.<\/p>\n<p>Ewald von Kleist bemerkt zum Geistesleben Z\u00fcrichs \u201cStatt da\u00df man indem gro\u00dfen Berlin kaum 3-4 Leute von Genie und Geschmack antrifft, trifft man in dem kleinen Z\u00fcrich mehr als 20-30 derselben an.\u201d (Kleist an Gleim in Sauer II, S 213)<\/p>\n<p>Der junge Wieland wurde im Klopstockzimmer untergebracht. In einem ersten Brief an Sulzer schreibt Bodmer dazu \u201dJetzt ist der Verf(asser) der Natur der Dinge in meinem Hause. Ich kann sowohl in Absicht auf den moralischen Charakter als auf die<\/p>\n<p>Gelehrsamk (eit) ohne poetische Entz\u00fcckung sagen: hier ist mehr als K (lopstock) ohne Vergleichung mehr. \u2026 Er ist f\u00e4hig in der Kritik und der Poesie die gr\u00f6\u00dften Verrichtungen zu vollf\u00fchren. \u2026Er trinkt so wenig Wein als ich, raucht nicht Tabak und brauset und tanzt<\/p>\n<p>nicht\u00a0 ..\u201d (Bodmer an Johann Georg Sulzer, 29. Oktober 1752, in Starnes I, S.33. Wieland ist gleich \u00fcberaus produktiv. Er schrieb die \u201cAnk\u00fcndigung einer Dunciade f\u00fcr die Deutschen\u201d. Er schickte sie anonym an Gleim, der sie in Halberstadt drucken lie\u00df. Sie war eine<\/p>\n<p>Antwort, auf die Schriften, die in der Auseinandersetzung zwischen Z\u00fcrich und Leipzig kursierten, hier vor allem \u201cDie ganze \u00c4sthetik in einer Nuss, oder neologisches W\u00f6rterbuch\u201d von Christoph Otto Freiherr von Sch\u00f6naich, einem \u201cgeschworenen<\/p>\n<p>Gottschedianer\u201d, wie in Lessing einordnete. Gleim war darin auch angegangen worden und lie\u00df dieses Werk mit Vergn\u00fcgen drucken. Erst viel sp\u00e4ter gestand Wieland Gleim, dass er der Verfasser war. Im Neuen Teutschen Merkur schreibt er dann auch auf Seite 201<\/p>\n<p>\u201c Ich erinnere mich noch zu gut, was f\u00fcr eine Gem\u00fcthstimmung und welche Beweggr\u00fcnde mich im Jahre 1752 zum Verfasser der Ank\u00fcndigung einer Dunciade f\u00fcr die Teutschen machten, um nicht zu wissen, zu welchen Excessen die schw\u00e4rmerische Verehrung<\/p>\n<p>und Liebe eines wirklich oder vermeintlich gro\u00dfen Mannes einen sonst gutartigen und edeln, aber feurigen und unbesonnen J\u00fcngling hinrei\u00dfen kann\u201d. (Neuer Teutscher Merkur 1. Band 1797). Au\u00dferdem schrieb er eine \u201cNeue Vorrede zu Bodmers Syndflut\u201d,<\/p>\n<p>\u201cAnmerkungen zu Bodmers Milton-\u00dcbersetzung\u201d und die \u201cVorrede zu J.J. Bodmers Gedichten\u201d. Bodmer hatte Wieland auch zu seinem einzigen biblischen Epos veranlasst, das 1753 erschien: \u201c Der gepryfte Abraham, ein Gedicht in vier Ges\u00e4ngen\u201d.<\/p>\n<p>Er wirkte an der Herausgabe der \u201cSammlung Z\u00fcricherischen Streitschriften zur Verbesserung des deutschen Geschmacks wider die Gottsched\u2019sche Schule\u201d mit. Auch das \u201cSchreiben von der W\u00fcrde und Bestimmung eines sch\u00f6nen Geistes\u201d kam heraus.<\/p>\n<p>Das \u201cGebet eines Christen\u201d, \u201cDas Gebet eines Deisten\u201d und \u201cDie Briefe von Verstorbenen an die hinterlassenen Freunde\u201d waren die letzten Schriften, die er sehr pietistisch angehaucht, verfasst hatte. Sowohl Nicolai, als auch Lessing verwiesen auf die<\/p>\n<p>Hohlheit von Wielands Schreiberei- Nicolai schreibt\u00a0 im siebten Brief \u201c \u00dcber den itzigen Zustand der sch\u00f6nen Wissenschaften in Deutschland\u201d auf Seite 66 \u201c Die Muse des Herrn Wielands ist ein junges M\u00e4dgen, das auch die Betschwester spielen will,<\/p>\n<p>und sich der alten Wittwe zu Gefallen in ein altv\u00e4terisches K\u00e4ppgen einh\u00fcllet, welches ihr doch gar nicht kleiden will\u201d im Gegensatz zur Muse Bodmers, \u201ceine betagte Matrone, die die Welt vergisst, weil die Welt sie vergessen hat, die best\u00e4ndig von der Kasteiung<\/p>\n<p>des Fleisches redet, und auf die b\u00f6se verderbte Welt und die verschlimmerten Zeiten schilt\u201d. (ebda)Und Lessing\u00a0 schreibt im 7. seiner \u201cBriefe, die neueste Literatur betreffend\u201d dass Wieland gerne aus dem Ged\u00e4chtnis getilgt habe, dass er der Verfasser der Natur der<\/p>\n<p>Dinge ist und dann \u201dSo viel ist unwiedersprechlich,dass jenes Lehrgedicht und die Moralischen Briefe uns den Herrn Wieland auf einem ganz anderen Wege zeigen, als ihm hernach zu betreten beliebt hat (Seite 15) und weiter im 8. Brief<\/p>\n<p>\u201cAuch mir sind die Empfindungen des Christen das anst\u00f6\u00dfigste gewesen. Er bringt dann Beispiele aus den Empfindungen und schreibt dazu \u201dSch\u00f6n! \u2013 aber sind das Empfindungen? Sind Ausschweifungen der Einbildungskraft Empfindungen?<\/p>\n<p>Wo diese so gesch\u00e4ftig sind, da ist bestimmt das Herz leer,\u00a0 kalt (Seite 17). Er vergleicht dann Wieland mit Johann Wilhelm Petersen, \u201cStimmen aus Zion\u201d und er bringt ebenfalls Beispiele und urteilt dann \u201cK\u00f6nnte ich nicht die\u00a0 Verehrer des Herrn Wielands<\/p>\n<p>(seine Anbeter; er hat dergleichen) mir erhabenere und pathetische Stellen in seinen ganzen Empfindungen zu zeigen ? Herr Wieland ist reich an Bl\u00fchmchen, an poetischem Geschw\u00e4tz; Petersen an starken Gedanken, an gro\u00dfen Gesinnungen; ohne Zwang,<\/p>\n<p>ohne Schwulst\u201d (Seite 18).<\/p>\n<p>Am Anfang verkehrte Wieland nur mit ganz wenigen Leuten Bodmer, Breitinger, Hess und Schinz. Das war ganz im Sinne Bodmers. Er sah schlie\u00dflich Klopstock verf\u00fchrt von den jungen Leuten, mit denen er Umgang hatte. Es kommen dann noch<\/p>\n<p>der Z\u00fcricher Stadthauptmann Hans Blarer von Wartensee dazu sowie der Ratsherr und sp\u00e4tere Z\u00fcricher B\u00fcrgermeister Johann Conrad Heidegger. Aus dem Bodmer Umkreis kam dann der Arzt Laurenz Zellweger aus Trogen in den Freundeskreis,<\/p>\n<p>der von Bodmer \u00fcber Wieland brieflich informiert war. Auch Martin K\u00fcnzli aus Winterhur wurde in den Freundeskreis einbezogen. Wieland lernte ihn im Fr\u00fchjahr 1753 pers\u00f6nlich kennen. K\u00fcnzli hatte bei Osiander in T\u00fcbingen Erkundigungen \u00fcber Wieland<\/p>\n<p>eingezogen.Ein weiterer Arzt aus dem Umfeld Bodmers, n\u00e4mlich Johann Georg Zimmermann, gesellte sich zum Kreis um Wieland. Wichtig wurde schlie\u00dflich auch Salomon Gessner. Dieser war nicht nur Maler und Dichter von Idyllen, er war auch Teilhaber des<\/p>\n<p>Z\u00fcricher Verlags Orell, Gessner, F\u00fcssli und Comp.und brachte \u00fcber Jahre hinweg viele Werke von Wieland heraus. So erschien der Agathon bei OGF &amp; Comp. oder die Shakespeare-\u00dcbersetzungen.<\/p>\n<p>Wieland, nun im Hause Bodmer untergebracht, war nun der finanziellen Sorgen enthoben. Allerdings musste er\u00a0 f\u00fcr Bodmer gegen Gottsched Partei ergreifen. Wie wir aber oben bei der Dunciade gesehen haben, bereitete ihm das keine Probleme.<\/p>\n<p>Aber auch\u00a0 f\u00fcr seine Dichtung waren Regeln vorgegeben, Tabus, die zu beachten waren. So erlaubte ihm Bodmer bei der Sujet-Wahl nur biblische Themen und f\u00fcr die Verswahl nur Hexameter. Diese poetische Bevormundung war doch eine Kreativit\u00e4tsblockade.<\/p>\n<p>Wieland hatte sich\u00a0 Bodmer so angepasst, dass \u201cdie Sprache seiner Z\u00fcrcher Dichtungen oft kaum von derjenigen seiner Freunde und Bewunderer zu unterscheiden ist\u201d wie Martin Bircher feststellt. Ja es geschah sogar, dass einige seiner\u00a0 anonym erschienen<\/p>\n<p>Werke mit Bodmers verwechselt wurden. 1760 lie\u00df Wieland alle seine \u201cpoetischen Werke, die seit 1751 einzeln und ohne Namen erschienen\u201d waren in \u201c3 Oktavb\u00e4nden zusammen herausgeben, teils sie dem Publico in einer verbesserten korrekten Gestalt zu<\/p>\n<p>zeigen, teils um zu verhindern, da\u00df man mir nicht l\u00e4nger S\u00fcndfluten, Patriarchen und Parzivale zur Last legt,an denen ich keinen Anteil habe.\u201d (Wieland in einem Brief an seinen sp\u00e4teren Verlege Phillipp Erasmus Reich, 30. M\u00e4rz 1760 in BW 6.1,S.18)<\/p>\n<p>Mit Bodmers und Breitingers Hilfe vertiefte\u00a0 Wieland seine klassischen Studien. Bodmer hatte ja Homer \u00fcbersetzt und er wurde f\u00fcr Wieland Vorbild als \u00dcbersetzer klassischer Schriftsteller. Aber er hat Wieland ja auch an die mittelalterliche Dichtung herangef\u00fchrt,<\/p>\n<p>wobei Bodmer nicht der Entdecker der Nibelungenhandschrift C war. Das war der Wundarzt Jacob Hermann Oberreit aus Arbon, mit dem Wieland sp\u00e4ter eng befreundet war. Als Milton-\u00dcbersetzer hat Bodmer Wieland auch auf englische Literatur<\/p>\n<p>gebracht. Wie wir oben gesehen haben, hatte sich Bodmer \u00fcber Hagedorn ja Shakespeares Werke kommen lassen.<\/p>\n<p>Bodmer sorgte r\u00fchrend f\u00fcr seinen Sch\u00fctzling. Er warb f\u00fcr ihn einen Freundes-und Verehrerkreis quer durch Deutschland. Er wies seinen Sch\u00fcler Johann Georg Sulzer, der seit 1747 in Berlin t\u00e4tig war und seit 1750 Mitglied der K\u00f6niglichen<\/p>\n<p>Akademie der Wissenschaften war, auf das junge Talent hin, dies schon gleich nachdem er den Hermann erhalten hatte. Er hielt ihn \u00fcber Wielands Arbeiten auf dem Laufenden. Sulzer wiederum war mit Johann Wilhelm Ludwig Gleim befreundet.<\/p>\n<p>Und er machte sich bei Gleim f\u00fcr Wieland stark. Bodmer selbst hatte Gleim Wieland als \u201cden zweiten Klopstock\u201d gepriesen. Er besorgte auch die Hymne mit einer Vorrede in Berlin zum Druck. (Fritz Budde in Wieland und Bodmer S. 30)<\/p>\n<p>Wieland weilte nun schon ein Jahr bei Bodmer. Der Freundeskreis suchte f\u00fcr Wieland eine passende p\u00e4dagogische Bet\u00e4tigung.<\/p>\n<p>Von Bodmer angeregt entwarf Wieland den Plan einer Akademie zur Bildung des Verstandes und junger Leute zu entwerfen. Er schrieb da am 5. Juni 1753 auch Sophie davon. \u201c Die Sache selbst, die ich darin geschrieben habe, inde\u00df verdient alle<\/p>\n<p>Aufmerksamkeit, sonderlich das project des Herrn B\u2026\u201d (C.M. Wielands Briefe an Sophie von La Roche, herausgegeben von Franz Horn S 24\/25). Genaueres \u00fcber dieses Projekt erf\u00e4hrt in einem Brief an M\u00fcchler (abgedruckt in der Nr. 32 des Morgenblatt f\u00fcr gebildete<\/p>\n<p>St\u00e4nde vom 7. Februar 1814) Johann Georg M\u00fcchler war zu der Zeit Hauslehrer bei Herrn von Arnim auf Suckow. Und von dort hatte Wieland eine Angebot erhalten, als Lehrer an einem vom brandenburgischen Adel zu gr\u00fcndenden Erziehungsinstitut<\/p>\n<p>mitzuwirken.. In diesem Brief lehnt er das Angebot ab und erz\u00e4hlt gleichzeitig von seinen Akademiepl\u00e4nen. \u201cIch habe mit einigen Freunden ein Projekt einer Akademie gemacht, welche ein Antipode der deutschen\u00a0 Akademien und Gymnasien.<\/p>\n<p>P\u00e4dagogien und wie sie hei\u00dfen, seyn sollte. Die Wissenschaften, die darin gelehrt werden sollten, w\u00e4ren Philosophie, Geschichte und Mathematik, vor allen die Moral und Politik und die n\u00f6thigste Kunst, die Kenntnis der Menschen.\u201d<\/p>\n<p>Mit \u201ceinigen Freunden\u201d ist mit Sicherheit Bodmer gemeint aber nat\u00fcrlich auch K\u00fcnzli. Er war es, der kurz zuvor ja in Winterthur diesen Plan dort in Druck gegeben hat. (nach L.F. Ofterdinger S. 92). Zwar war der Plan ohne Namensnennung ver\u00f6ffentlicht\u00a0 worden. Aber es war doch bald ruchbar geworden, dass er von Wieland stammte. Und so erhielt er vier Sch\u00fcler, den Sohn des Amtmann Grebel,\u00a0 einen Sohn des Zunftmeister Waser zwei S\u00f6hne des Kaufmanns Ott. So konnte er daran denken, bei Bodmer auszuziehen. Er wohnte zun\u00e4chst bei Doktor Gessner, dem Schwager Bodmers. Vorher war aber etwas f\u00fcr Wieland unfassbares geschehen. Sophie hatte ihre Verlobung gel\u00f6st und Wieland mitgeteilt, dass sie Frank La Roche heiraten werde.<\/p>\n<p>Es war ja schon oben gezeigt, dass Wielands Mutter alles andre als begeistert war mit Christoph Martins Wahl. Ludmilla Assing, die erste Biographin von Sophie (Siehe Blog Sophie von La Roche) bemerkt dazu in \u201cSophie von La Roche, die Freundin Wielands\u201d<\/p>\n<p>auf Seite 61 \u201cDas Betragen von Wieland\u2019s Mutter erreichte einen unertr\u00e4glichen Grad der Geh\u00e4ssigkeit.\u201d Sophie ging also zur\u00fcck zu ihrem Vater nach Augsburg. Aber auch dort hatte sich die Situation total ge\u00e4ndert. Sophies Vater hatte sich wieder verheiratet.<\/p>\n<p>Das ohnehin schon schwierige Vater-Tochter Verh\u00e4ltnis wurde noch zus\u00e4tzlich dadurch belastet, dass er seinen Stiefsohn bei seiner Wiederverheiratung als Erben eingesetzt hatte. Sophie stand nun auch unversorgt da. Sie war \u201cschon\u201d 23 und die gel\u00f6ste<\/p>\n<p>Verlobung mit Bianconi und die eigentlich wenig zukunftstr\u00e4chtige Verbindung mit dem jungen Dichter, der wie Vater Gutermann meinte, nie\u00a0 \u201cBrodwissenschaft\u201d studieren wollte, erh\u00f6hte ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt keineswegs.<\/p>\n<p>Als sie auf Dr\u00e4ngen ihres Vaters die Verlobung mit Bianconi gel\u00f6st hatte, wollte ihr Br\u00e4utigam Sophie zur Flucht \u00fcberreden. Christoph Martin h\u00e4tte diese Kraft und Entschlossenheit, die zu einem solchen Entschluss n\u00f6tig gewesen w\u00e4re,<\/p>\n<p>nicht aufgebracht und Sophie wusste das. Und Wieland sa\u00df ja auch v\u00f6llig gl\u00fccklich in Z\u00fcrich und ahnte nicht, was sich in Biberach und Augsburg anbahnte. Sophie schrieb nun an ihre Stiefmutter in Augsburg und erkl\u00e4rte ihr, dass die Verbindung mit Wieland gel\u00f6st<\/p>\n<p>sei und k\u00fcndigte ihre R\u00fcckkehr nach Augsburg an. Zu dieser Zeit war Frank von La Roche, der kurmainzische Rat und Sohn des Grafen von Stadion in Augsburg. Er lernte die Familie Gutermann und damit auch Sophie kennen. Er warb um sie. Vater und Stiefmutter<\/p>\n<p>setzten Sophie stark unter Druck und schlie\u00dflich gab sie nach. Auch Frank La Roche war katholisch. Aber bei Georg Friedrich Gutermann spielte das diesmal keine Rolle mehr. Es gab auch keinen Ehevertrag wie bei Bianconi, der die Verbindung zum<\/p>\n<p>Platzen brachte.\u00a0 Man hat den Eindruck, dass der Vater einfach froh war, dass die Tochter aus dem Haus kam, zumal der k\u00fcnftige Gemahl ja auch keine schlechte Partie war. F\u00fcr Sophie musste es eigentlich schon befremdlich sein, dass ihr Vater diesmal<\/p>\n<p>seinen protestantischen Religionseifer nicht herauskehrte, obwohl sie ja mit Christoph Martin verlobt war und der ja protestantisch war.<\/p>\n<p>Wieland erfuhr das alles erst im Dezember 1753 eben \u00fcber den Brief, den Sophie an ihre Stiefmutter geschickt hatte. Diesen hatte die Stiefmutter an Wieland geschickt begleitet von der Mitteilung, dass Sophie Herrn von\u00a0 La Roche ihre Hand geben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der junge Wieland ist nat\u00fcrlich aus seinen sch\u00f6nsten Tr\u00e4umen gerissen. Er zertritt Sophies Bild, l\u00e4sst das Glas allerdings gleich am n\u00e4chsten Tag wieder reparieren. Er fasst sich und schreibt am 12. Dezember 1753 an Sophie:<\/p>\n<p>\u201cErlauben sie mir, meine Wertheste, Sie daran zu erinnern, dass wir uns tausendmal in dem Angesicht Gottes zugesagt haben, uns so lange zu lieben, als wir die Tugend lieben und wir meinten damals, dass das soviel sey, als ewig. Sollte diese Zusage<\/p>\n<p>itzt ung\u00fcltig seyn?\u201d (C.M. Wielands Briefe an Sophie von La Roche, herausgegeben von Franz Horn\u00a0 S. 25\/26) 6 Wochen sp\u00e4ter, n\u00e4mlich am 30. Januar 1754 schreibt er wieder an Sophie. Er rekapituliert sein Schreiben vom Dezember \u201cIch kam also dann<\/p>\n<p>zu dem mir sehr angelegenen Punkt, da\u00df ich nicht einsehen k\u00f6nne, da\u00df die z\u00e4rtliche Verbindung unserer Seelen, oder unserer Freundschaft um Ihrer Verm\u00e4hlung willen gebrochen werden m\u00fcsse; indem eine herzliche, edle Freundschaft, welche zugleich<\/p>\n<p>mit vielen unterhalten werden kann, sich mit der ehelichen Liebe zu Einem gar wohl vertr\u00e4gt, und ich Ursache habe zu glauben, da\u00df ich Ihrer Freundschaft noch so w\u00fcrdig bin als vor einem Jahr\u201d (ebda S. 29).\u00a0 Am 19. M\u00e4rz 1754 schreibt er<\/p>\n<p>direkt an La Roche. Er bringt darin zum Ausdruck, dass er sich sehr freut, dass Sophie, \u201cdieses au\u00dferordentliche werthe Gesch\u00f6pf\u201d an einen \u201cso edelm\u00fcthigen und seinen Werth so gut empfinden Besitzer gekommen ist, wie Sie mein vortreffleicher Freund\u201d<\/p>\n<p>(ebda S 32.)Nat\u00fcrlich teilt er seinem v\u00e4terlichen Freund Bodmer mit, dass die Beziehung nicht mehr besteht. Er schreibt ihm am 2. Juni 1754 von Winterthur aus. Er sieht das Aus nicht als Sophies Schuld, sondern \u201cda\u00df es ein Schicksal ist, das mich<\/p>\n<p>des redlichsten und liebensw\u00fcrdigsten M\u00e4dchen beraubt hat\u201d (Ausgew\u00e4hlte Briefe von C. M. Wieland Band 1, Z\u00fcrich 1815 S. 132)<\/p>\n<p>Am 24. Juni 1754 verl\u00e4\u00dft er Bodmers Haus. In seinem Brief an Bodmer mit diesem Datum bringt er seine tiefste Dankbarkeit zum Ausdruck und sagt, dass er eigentlich noch weit mehr sagen wollte, dies aber \u201caus Furcht der geringsten \u00c4hnlichkeit mit einem<\/p>\n<p>Schmeichler\u201d nicht tut und dann weiter \u201cSie haben die ganze G\u00fcte Ihres vortrefflichen Herzens \u00fcber mich ausgebreitet; Sie waren v\u00e4terlich f\u00fcr mich besorgt und nahmen den z\u00e4rtlichsten\u00a0 Antheil an meinen ungl\u00fccklich scheinenden Begebnissen\u201d<\/p>\n<p>(er spielt dabei auf Sophie an) er bezieht in seinen Dank auch Bodmers Frau ein wie wohl er sagt \u201cich bin nicht im Stand mit Worten so viel als ich w\u00fcnsche, alle z\u00e4rtliche Dankbarkeit auszudr\u00fccken, die ich f\u00fcr die ausnehmende G\u00fcte der Frau Professorin<\/p>\n<p>gegen mich in vollem Ma\u00dfe empfinde\u201d (ebda S. 135 ff.)<\/p>\n<p>Au\u00dfer den schon erw\u00e4hnten Werken schrieb Wieland w\u00e4hrend seines Aufenthalts bei Bodmer \u201cDer Fr\u00fchling\u201d (im Mai des Jahres 1752 aufgesetzt und in Band 1 der Poetischen Schriften s.o. gedruckt.) Der Fryhling in Bodmerscher Schreibweise m\u00fcsse<\/p>\n<p>Klopstock in den Schatten stellen. Er schrieb an Zellweger \u201cein allerliebstes Werk, das bei Klopstock den Gedanken erwecken muss, es sei einer da, der ihm gleichkommen oder in gewissen St\u00fccken \u00fcbertreffen k\u00f6nne\u201d am 17. Mai 1752.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu Wielands T\u00e4tigkeit als Erzieher. Er nahm diese T\u00e4tigkeit sehr ernst und er hatte diesbez\u00fcglich schnell einen enormen Ruf in Z\u00fcrich. So erz\u00e4hlt Georg Gessner in seiner Johann Kaspar\u00a0 Lavaters Lebensbeschreibung, Winterthur 1802 Bd. 1<\/p>\n<p>auf Seite 63 von der Zeit als Wieland nach Z\u00fcrich kam, dass auch Lavater von dem Aufsehen erfuhr, das Wieland erregte. \u201cDa erz\u00e4hlten sich die Knaben unter einander von dem Manne, der so viele Sprachen verst\u00fchnde, der mit dem blossen Blick<\/p>\n<p>ein Zimmer ausmessen, und sagen\u00a0 k\u00f6nnte wie viele Linsen d\u2019rin Raum h\u00e4tten. Der Mann n\u00e4hme Sch\u00fcler an aber nur vornehme und ausgesuchte K\u00f6pfe; er lehr\u2019 in Einem Tag mehr als andere in Wochen u.s.w\u201d . Nat\u00fcrlich erregte \u201cdieses Gerede\u201d \u00fcber Wieland<\/p>\n<p>auch Lavaters Interesse ohne dass er zu der Zeit zu n\u00e4herer Bekanntschaft mit ihm kam.<\/p>\n<p>Ab Juni 1754 lebte Wieland im Haus des Amtmann Grebels, dessen Sohn ja schon zu seinen Z\u00f6glingen z\u00e4hlte. Nach Ofterdinger wurde Wieland als h\u00f6heres Wesen betrachtet und Frau von Grebel unterst\u00fctzte ihn in allem.<\/p>\n<p>Es war dies eine Zeit gro\u00dfer Ver\u00e4nderung in Wielands Leben. Er war von seinem v\u00e4terlichen Mentor weg gezogen. Er war nun als Erzieher t\u00e4tig und vor allem , er musste die Trennung von Sophie verarbeiten. In diesen Jahren von 1754 erschienen teils poetische, teils<\/p>\n<p>philosophische Werke. \u00dcber die Kritik an diesem Werk von Nicolai und Lessing ist ja oben schon geschrieben worden.<\/p>\n<p>Wieland studierte die Schriften der griechischen\u00a0 Philosophen, um sich in der griechischen Sprache gr\u00fcndlich auszubilden. Auch englisch lernte er, was er schon in T\u00fcbingen am 26. M\u00e4rz 1752 in einem Brief an Schinz angek\u00fcndigt hatte. \u201c Ich werde<\/p>\n<p>n\u00e4chstens das Englische zu lernen anfangen. Ich brenne vor Begierde, Milton, Pope, Addison, Young, Thomson in ihrer Sprache zu lesen.\u201d (Ausgew\u00e4hlte Briefe, S.55).<\/p>\n<p>Sein neuer Wirkungsbereich war zeitaufwendig f\u00fcr Wieland. In einem Brief an Johann Georg Zimmermann vom\u00a0 15. Dezember schildert er seinen Tagesablauf. Er steht morgens um\u00a0 7 auf, braucht aber nach eigenem Bekunden etwa eine Stunde,<\/p>\n<p>bis er in die G\u00e4nge kommt. \u201cUm acht Uhr dejeunire ich und lese insgemein etwas dazu.\u201d Von neun bis elf unterrichtet er und bis zw\u00f6lf erledigt er kleinere Arbeiten. \u201cBis nachmittags um zwey pflege ich nichts zu arbeiten\u201d. Dann folgt wieder Unterricht.<\/p>\n<p>Danach muss er seinen Freundeskreis pflegen, das hei\u00dft er bekommt Besuche oder er macht Besuche. Auch seine Hausherren (\u201cHauspatrone\u201d) bekommen Besuch und er muss der H\u00f6flichkeit halber dabei sein. Auch gesellschaftliche Pflichten fordern ihren Tribut.<\/p>\n<p>\u201cUeberdem sind etwan ein halb\u00a0 Dutzend H\u00e4user,\u00a0 wo ich um allerley Verbindungen willen von Zeit zu Zeit einen Besuch machen muss.\u201d Er beklagt sich im weiteren, dass zu seinen Arbeiten nur ein paar Abende und \u201cdie Stunden der Nacht, die ich dem Schlaf zu<\/p>\n<p>entwenden pflege\u201d(Ausgew\u00e4hlte Briefe von C. M. Wieland Band 1, Z\u00fcrich 1815 S. 230 ff.) Die wenige Freizeit, die ihm blieb, verbrachte er in Damengesellschaft. In seinem m\u00e4nnlichen Bekanntenkreis stie\u00df sein seraphischer Gedankenflug, auf dem er seit seiner<\/p>\n<p>Trennung von Sophie war,\u00a0 auf leise Ironie. Aber dankbare Zuh\u00f6rerinnen fand er unter Damen reiferen Alters. Da war zum einen\u00a0 eine \u00e4ltere Verwandte im Hause Grebel,\u201dwelche schon l\u00e4ngst mit dieser Welt abgeschlossen hatte und sich nur mit dem Jenseits<\/p>\n<p>befasste\u201d. (zitiert nach L.F. Ofterdinger\u00a0 S. 106). Wieland sagte selbst \u201cer lebte in\u00a0 platonisirenden Morgentr\u00e4umen\u201d harmonierte gut mit \u201cder Devotin\u201d. Ihr zu Gefallen dichtete er die \u201cEmpfindungen eines Christen\u201d, die auf so herbe\u00a0 Kritik Lessings stie\u00dfen. In<\/p>\n<p>Weimar \u00e4u\u00dferte er sich sp\u00e4ter dazu: \u201cAls mir sp\u00e4ter die Schuppen von den Augen fielen, ergrimmte ich besonders \u00fcber diese heilige Pr\u00fcderie und affectirte Z\u00fcchtigkeit und die Marter, die mir damals jene tantalisirende Fromme, mit der ich unter Einem Dache<\/p>\n<p>wohnte, angethan hatte, die Erfahrungen, die ich damals gemacht hatte, haben gewi\u00df vorz\u00fcglich viel dazu beigetragen, da\u00df ich zu meinen Gedichten dem Anschein nach so woll\u00fcstige und lockende Themen genommen und con amore (aber immer mit dem reinsten<\/p>\n<p>sinne) ausgemalt habe.\u201d (Historisches Taschenbuch, Band 10 von Wilhelm Maurenbrecher,Friedrich \u00acvon Raumer S. 398 Wieland \u00fcber seine Geliebten). Wichtig war f\u00fcr Wieland aber vor allem Frau von Grebel-Lochmann. Ihr verstorbener Mann war ein Vetter<\/p>\n<p>des Amtmann Grebel, bei dem er wohnte. Wieland selbst sagt \u00fcber Frau Grebel \u201cMeine feurigste Liebe in Z\u00fcrich war zu einer Frau von Grebel,<\/p>\n<p>einer jungfr\u00e4ulichen Witwe von 40 Jahren\u201d ( Historisches Taschenbuch S. 399)und ab S. 401 \u201cNur hielt es sehr schwer, Sie unter vier Augen zu sprechen. Zu ihr zu gehen, w\u00e4re nach z\u00fcrcher Wohlstandsgesetzen ein Staatsverbrechen gewesen.<\/p>\n<p>Nun hatte sie einen Neffen und man kam \u00fcberein, dass Wieland diesem ein Privatissimum in Philosophie erteilte. Dadurch erhielt Wieland das Recht, ihr Rechenschaft \u00fcber die Fortschritte ihres Neffen zu geben. Dieser fungierte praktisch als Postillon<\/p>\n<p>d\u2019Amour. \u201cDer Herr Vetter brachte nur immer ein zugesiegeltes Buch von seiner Tante und ich schickte ihr eines durch eben diesen Botschafter. Aber in diesen B\u00fcchern lagen immer gegenseitige z\u00e4rtliche Briefchen. Bald kam es soweit, dass fast kein Tag,<\/p>\n<p>ohne in einem Briefchen uns gegenseitig gestreichelt zu haben verflo\u00df.\u201d (Historisches Taschenbuch S. 402). Beiden war klar, dass ihre Beziehung keine Zukunft hatte. \u201cDie Ungleichheit des Alters war das gr\u00f6\u00dfte Hindernis (ebda.) Die Beziehung<\/p>\n<p>dauerte 4 Jahre. Dann warb ein Z\u00fcricher Witwer um sie. Frau Grebel machte Wieland \u201czum Vertrauten dieses Antrags\u201d und er riet \u201cselbst herzlich zu dieser neuen Verbindung\u201d zumal Alter und Verm\u00f6gen daf\u00fcr sprach. Und Wieland konstatierte<\/p>\n<p>\u201cSo endigte diese Liebe\u201d. Nat\u00fcrlich hatte dem sittenstrengen Bodmer diese Frauenbekanntschaft missfallen. Aber Wieland verteidigte diesen Umgang. \u201cIch verdiene keine Vorw\u00fcrfe wegen meines Umgangs mit Frauenzimmern. Es sind wenige,<\/p>\n<p>und Personen von gutem Charakter und bekannten edlen Sitten, mit denen ich umgehe oder umgegangen bin.\u201d (im Brief an Bodmer vom 22. November 1754 Ausgew\u00e4hlte Briefe von C. M. Wieland Band 1, Z\u00fcrich 1815 S. 144). Bodmer war wohl<\/p>\n<p>einfach eifers\u00fcchtig. Er f\u00fchlte sich zur\u00fcckgesetzt und war eben nicht mehr einziger Vertrauter des Dichters. Auch bef\u00fcrchtete er, dass Wieland seine Zeit vergeude statt sich um Poesie und guten Geschmack zu k\u00fcmmern. Zwar blieb der Verkehr immer noch rege.<\/p>\n<p>Wieland kam jeden Sonntag auf Besuch zu\u00a0 Bodmer oder traf ihn bei Breitinger. Er lieh sich nach wie vor B\u00fccher bei Bodmer f\u00fcr sein Studium. Aber die Beziehung war doch br\u00fcchiger geworden. \u00dcber Frau von Grebel kam Wieland in vielerlei Gesellschaften und<\/p>\n<p>sein Bekanntenkreis weitete sich. Er nahm Kontakt auf mit dem Fabeldichter Meyer von Knonau. Schon von T\u00fcbingen aus erkundigte sich Wieland bei Bodmer \u00fcber Meyer von Knonau. Dass Wieland jetzt den Kontakt suchte, verwundert nicht. Wilhelm Scherer<\/p>\n<p>arbeitet in der Zeitschrift f\u00fcr Deutsches Altertum in Heft 20 das Beziehungsgeflecht heraus. (S. 320 ff). Er bezieht sich auf Wielands Brief an Bodmer vom 29. Mai 1754, indem er mitteilt, dass er einen Brief \u201cvon der Frau Gr. G.\u201d erhalten habe und gesagt bekommt,<\/p>\n<p>dass er im Constanzer Haus Unterkommen erhalte. Und dann erl\u00e4utert Scherer, dass Frau Amtmann Grebel die Frau des Amtmann Hans Georg Grebel im Constanzer Haus ist. Er wird Erzieher des Sohnes des Amtmann und Frau Grebel ist wie eine zweite Mutter zu<\/p>\n<p>ihm. Sie ist die 1713 geborene Verena Meyer von Knonau, eine Schwester des Fabeldichters Johann Ludwig Meyer von Knonau, der ja auch mit Bodmer befreundet war. Der Dichter bewohnte das Schloss seiner Gerichtsherrschaft von Weiningen, wo dann Wieland<\/p>\n<p>auch oft zu Gast war. Auch Salomon Gessner wollte Wieland schon lange kennen lernen. So lange er bei Bodmer wohnte, hielt er es allerdings f\u00fcr nicht opportun. Gessner hatte einen gro\u00dfen Ruf als Idyllendichter. In Frankreich wurde er fast\u00a0 noch mehr bewundert<\/p>\n<p>als in Deutschland. Sein Vater Konrad war Verleger. Salomon war seit 1761 Teilhaber des Verlagshauses Orell, Ge\u00dfner &amp; <abbr>Cie bei dem ja auch Wielands fr\u00fche Werke erschienen. Schlie\u00dflich gab es sp\u00e4ter famili\u00e4re Verbindungen, den Salomon Gessners Sohn Heinrich<\/abbr><\/p>\n<p><abbr>heiratete 1795 Wielands Tochter Lotte. Die wichtigste Bekanntschaft die Wieland in dieser Zeit machte, war die mit Johann Georg Zimmermann, der zu der Zeit Stadtarzt in Brugg war.\u00a0 \u00dcber Breitinger hatte Wieland von dem Arzt in Brugg geh\u00f6rt. Was er von ihm <\/abbr><abbr><\/abbr><\/p>\n<p align=\"center\"><abbr>h\u00f6rte, <\/abbr><abbr>lie\u00df ihn auf Seelenverwandtschaft schlie\u00dfen. Der Brief vom 11. Mai 1756 ist der erste erhaltene Brief an Zimmermann. Da schreibt er \u201cEs war mir ausnehmend erfreulich, von Ihnen eine Bet\u00e4tigung meiner eigenen Beobachtungen zu erhalten,dass wir<a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Johann_Georg_Zimmermann.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"220px-Johann_Georg_Zimmermann\" alt=\"220px-Johann_Georg_Zimmermann\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Johann_Georg_Zimmermann_thumb.jpg\" width=\"164\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/abbr><\/p>\n<p>in vielen St\u00fccken mit einander sympathisieren. Wie kann ein Mann, dessen Empfindungen so zart und edel sind, anders als mit mir verwandt seyn.\u201d (Ausgew\u00e4hlte Briefe von C. M. Wieland Band 1, Z\u00fcrich 1815 S. 175 f.) \u00dcber Breitinger\u00a0 hatte Wieland<\/p>\n<p>auch von Zimmermann Gedicht \u201cDie Zerst\u00f6rung Lissabons\u201d geh\u00f6rt, dass dieser \u00fcber alle Ma\u00dfen gelobt hatte. Wieland bot sich im Brief von 19. Mai 1756 an, \u201cdie Correktur des ersten Probebogens besorgen zu d\u00fcrfen\u201d (S. 178) Daraus entwickelte sich eine best\u00e4ndige<\/p>\n<p>Korrespondenz. Sie schickten sich gegenseitig ihre Werke zu und kritisierten sie. Zimmermann hatte in G\u00f6ttingen Medizin studiert, wo er Sch\u00fcler seines Schweizer Landsmanns Albrecht von Haller war, der Mediziner, Botaniker und Wirtschaftspublizist<\/p>\n<p>war. Aber auch als Dichter tat er sich hervor. Auf diesem Gedicht war sein Werk \u201cDie Alpen\u201d das wichtigste. Zimmermann schreibt immer wieder an Haller, gibt ihm Hinweise auf Wielands Werke und m\u00f6chte auch Hallers Meinung zu Johanna Gray erfahren.<\/p>\n<p>Hallers Urteil hat sicher Zimmermanns Einsch\u00e4tzung zu Wieland beeinflusst. Beide beeinflussten sich sehr positiv. Der Spott Zimmermanns brachte Wieland dazu, den \u201cplatonischen und seraphischen Mantel abzuwerfen\u201d (Rudolf Ischer, Johann Georg Zimmermanns<\/p>\n<p>Leben und Werke Bern 1893 S. 65). Nat\u00fcrlich erweiterte der Briefwechsel mit einem Arzt und Naturforscher Wielands Horizont betr\u00e4chtlich.Auch andere Lekt\u00fcre kam allm\u00e4hlich auf Wielands Leseplan. Er las jetzt Xenophon und Lucian, englische Schriftsteller,<\/p>\n<p>Shaftesbury und vor allem Shakespeare. 1758 erscheint das Trauerspiel Lady Johanna Gray. Wieland verfasste es nach Nicolas Rowe. Lessing bemerkt in seinem 64. Literaturbrief, dass Wieland sich bei Rowe bedient habe. Aber im 63. Brief von 1759<\/p>\n<p>schreibt er auch auf Seite 242 \u201cFreuen sie sich mit mir! Herr Wieland hat die aetherischen Sph\u00e4ren verlassen und wandelt wieder unter den Menschenkindern\u201d. Er schreibt dann weiter mit leicht ironischem Ton,<\/p>\n<p>dass es in der Schweiz aufgef\u00fchrt worden sei. Es wurde von der Ackermannschen Theatertruppe am 20. Juli 1758 in Winterthur uraufgef\u00fchrt. Wieland war bei der Auff\u00fchrung anwesend. Wieland hat mit diesem Werk erstmals in der deutschen<\/p>\n<p>Literatur den Blankvers, \u00fcbernommen,der damals auf der englischen B\u00fchne \u00fcblich war. Gleichzeitig arbeitete er an einem Epos, n\u00e4mlich \u201cCyrus\u201d.Es war von Xenophon inspiriert. Cyrus war der persische Herrscher, der das j\u00fcdische Volk aus der<\/p>\n<p>babylonischen Gefangenschaft entlie\u00df.Das Vorbild aber war Friedrich II. von Preu\u00dfen, der im Kreise Bodmers als Streiter gegen den Katholizismus gefeiert wurde.Wieland hielt den Cyrus f\u00fcr sein erstes Hauptwerk. Es folgte das Trauerspiel Clementina von Poretta,<\/p>\n<p>das er nach einer Erz\u00e4hlung von Samuel Richardson dramatisiert hatte. Es erschien 1760 in Z\u00fcrich.<\/p>\n<p>Inzwischen waren Wielands Z\u00f6glinge im Hause Gr\u00f6bel so gro\u00df geworden, dass seine Aufgabe dort zu Ende ging. Er musste sich also nach einer neuen Existenzgrundlage umsehen. Vor einem akademischen Lehramt \u201cgrauete und ekelte es sich ihm\u201d wie er sagt<\/p>\n<p>Er denkt daran, nach Biberach zur\u00fcck zu kehren dort seine angefangenen Werke, vor allem den Cyrus zu beenden und sich eventuell um eine Magistratsstelle zu bewerben, wenn sich die Gelegenheit ergibt oder anderswo als Literat zu leben und eine gelehrte<\/p>\n<p>Zeitschrift zu redigieren. Ganz unverhofft bekam er aber ein Angebot f\u00fcr eine Hofmeisterstelle in Marseille. Zimmermann war 1752 nach Bern gekommen, um dort eine Praxis zu er\u00f6ffnen. Er hatte ein Empfehlungsschreiben seines Lehrers an den Schulthei\u00dfen<\/p>\n<p>Sinner bekommen.Und das war auch der, der einen Erzieher f\u00fcr seinen Sohn suchte. Wieland schwankte zwischen Marseille und Bern. Er entschied sich aber f\u00fcr Bern. Sein doch schon l\u00e4ngerer Aufenthalt in der Schweiz und die Freundschaft zu Zimmermann<\/p>\n<p>haben wohl den Ausschlag gegeben.<\/p>\n<p>Wieland kam 14. Juni 1759 in Bern an. Er war jetzt 26 und hatte auch in Bern einen guten Ruf und jeder wollte ihn kennen lernen. Friedrich Sinner, dessen Kinder der Dichter erziehen sollte, war Ratsherr in Bern und sp\u00e4ter amtierender Schultheiss.<\/p>\n<p>Er hatte eine gro\u00dfe Bibliothek, wie Wieland seinem Freund Zimmermann erz\u00e4hlt und auch eine bedeutende Gem\u00e4lde-und Kupferstichsammlung. \u00dcber seine neue Aufgabe ist er aber nicht sehr gl\u00fccklich. Am 25. Juni 1759 schreibt an seinen Freund:<\/p>\n<p>\u201cDie Kn\u00e4blein * * sind so unwissend, ungeschickt, kindisch und ungelehrig, da\u00df ich nie aufh\u00f6ren werde, mich und meine verlorene Zeit zu bedauern.\u201d (Ausgew\u00e4hlte Briefe von C. M. Wieland Band 2, Z\u00fcrich 1815 S. 41) und am 4. Juli schreibt er \u201c&#8220;:<\/p>\n<p>\u201cWenn das Amt , alle vier Tage vier Stunden in den Elementen der Grammatik zu unterweisen, lange fortdauerte; so w\u00fcrde der Geist, der den Cyrus denken, und mit Shaftesbury Diderot und Rousseau wetteifern soll, g\u00e4nzlich verl\u00f6schen oder<\/p>\n<p>wenigstens zum Pygm\u00e4en werden.\u201d (ebda S. 47) Wieland hatte rasch Freunde gewonnen so die Ratsherren Bonstetten, Fellenberg und Tscharner sowie Professor Stapfer aus der Berner Theologenfamilie Stapfer. Diese sahen, dass die neue T\u00e4tigkeit dem Dichter<\/p>\n<p>Wieland nicht f\u00f6rderlich war. In diesem Sinne wirkten sie auch auf Herrn von Sinner ein. Das Verh\u00e4ltnis im Hause Sinner wurde schon im Juli freundschaftlich gel\u00f6st. Sie verschafften ihm daf\u00fcr ein Kollegium in Philosophie. Er hielt vier jungen Patriziern mit<\/p>\n<p>Vorkenntnissen t\u00e4glich zwei Stunden Vorlesungen. Daf\u00fcr erhielt er 200 Kronen. Seine Existenz war so gesichert und er behielt genug Zeit f\u00fcr sich, zu arbeiten. Wieland wurde gleich von Beginn an in der Berner Gesellschaft herumgereicht. Das war zwar<\/p>\n<p>erfreulich aber eben auch mit sehr viel Ablenkung verbunden. Auch auf zwei Damen wird er hingewiesen und zwar die Freundinnen Marianne Fels und Julie Bondeli. Beide zeichneten sich durch Geist und Gelehrsamkeit aus. Marianne Fels zeigte nach Ofterdinger<\/p>\n<p>allerdings einen so ausgepr\u00e4gten M\u00e4nnerhass, dass sich daraus keine bleibende Beziehung entwickeln konnte,\u00a0\u00a0anders Julie Bondeli. Allerdings war Wielands erster Eindruck nicht besonders gut. \u00dcber sie schreibt er an Zimmermann : \u201c Mademoiselle Bondeli<\/p>\n<p>a parfaitement r\u00e9ussi \u00e0 m\u2019ennuyer pendant deux heures continues. C\u2019est une fille \u00e9ffroyable que cette Mademoiselle Bondeli (ebda. S 49 f.). Aber bei der ersten Begegnung wollte eben jeder einen m\u00f6glichst g\u00fcnstigen Eindruck machen oder wie Ofterdinger<\/p>\n<p>das schildert: \u201csie wollte durch ihre Gelehrsamkeit imponiren, was bei einem Manne wie Wieland l\u00e4cherlich herauskam; er aber zeigte sich als ein ber\u00fchmter Dichter ,\u201cder alle Frauen durch die Superiorit\u00e4t seines Genies zwingen k\u00f6nne, ihn bon gr\u00e9 mal gr\u00e9<\/p>\n<p>zu lieben\u201d (Ofterdinger S.130) Das \u00e4nderte sich aber rasch. Wieland sagte sp\u00e4ter dazu \u201c Meine leidenschaftlichste Liebe war die Bernerin Julie Bondeli, die \u00e4lteste Tochter eines Patriciers von sehr vornehmen Stamme und die witzigste und kl\u00fcgste ihres Geschlechts in der Schweiz. (in Historisches Taschenbuch 10 S. 403 f.) Wer war diese Frau, die Wieland sehr schnell v\u00f6llig anders beurteilte? Julie Bondeli wurde im Dezember 1731 geboren. Die Kirchenb\u00fccher geben nur den Tauftag aber nicht den Geburtstag an.<\/p>\n<p>Julie wurde am 1. Januar 1732 getauft. Sie war also ein Jahr \u00e4lter als seine gro\u00dfe Liebe Sophie. Sie war in ihrer geistigen Entwicklung \u00e4hnlich fr\u00fchreif wie Sophie und auch Christoph Martin. Mit zehn hatte sie den katholischen und den protestantischen Katechismus<\/p>\n<p>auswendig gelernt \u201c da sie in einem parit\u00e4tischen Land lebte\u201d (in Julie Bondeli: Die Freundin Rousseaus und Wielands von P. J. J. Sch\u00e4delin Bern 1838 S.8) Ihre Jugend verbrachte sie auf dem FamiIiengut Buchsi in K\u00f6niz bei Bern. Dort wurde sie von Samuel Henzi<\/p>\n<p>unterrichtet, ein au\u00dferordentlich gebildeter Mann, der auch Bodmer in seinem Streit mit Gottsched unterst\u00fctzte. Henzi wurde 1749 als einer der Henzi-Verschw\u00f6rer hingerichtet. Julies Vater musste Henzi als dieser in Burgdorf\u00a0 war, \u00a0in seiner Eigenschaft als<\/p>\n<p>Schultheiss von Burgdorf verhaften und nach Bern \u00fcberf\u00fchren, obwohl er auf sein sehr freundschaftliches Verh\u00e4ltnis zu Henzi hingewiesen hatte. Als ihr Vater Friedrich Landvogt in Burgdorf wurde, kam sie auch nach Burgdorf. Dort wurde sie von<\/p>\n<p>Pfarrer Johann Rudolf Gruner unterrichtet. Er war Sammler und Chronist. In Burgdorf f\u00fchrte er ein Schulfest ein und begr\u00fcndete die Stadtbibliothek. In 386 B\u00e4nden trug er topografische, historische und genealogische Quellen zusammen u. a. die f\u00fcr die<\/p>\n<p>Anf\u00e4nge des Pietismus in Bern unentbehrlichen \u201cActa pietistica\u201d. Mit 15 wollte\u00a0Julie Philosophin werden. Sie entwickelte sich zu einer Intellektuellen. Sie stand in Austausch mit intellektuellen M\u00e4nnern und Frauen und galt in der europ\u00e4ischen Gelehrtenrepublik als<\/p>\n<p>weibliches Genie. In Bern stand sie\u00a0 in Verbindung mit Bernhard Tscharner, den wir oben schon im Freundeskreis von Wieland sahen, dann Johann Rudolf Tschiffeli, der Mitglied der Helvetischen Gesellschaft war, ein Kreis aufkl\u00e4rerisch gesinnter Schweizer<\/p>\n<p>Pers\u00f6nlichkeiten, wo es auch wieder viele Querverbindungen zu Wieland gibt. Tschiffeli hatte 1759 die \u00f6konomische Gesellschaft begr\u00fcndet. Dieser geh\u00f6rte auch Nicolaus Anton Kirchberger an. Und auch er z\u00e4hlte zu Julie Bondelis Freundeskreis und war seinerseits<\/p>\n<p>wieder eng mit Rousseau, aber auch mit Wieland befreundet. Mitbegr\u00fcnder der \u00d6konomischen Gesellschaft war auch Samuel Engel.\u00a0 Er war Bibliothekar, Geograph und \u00d6konom und war auch in diesem erlesenen Kreis. Hier wurden historische, philosophische und<\/p>\n<p>dichterische Arbeiten vorgelesen und besprochen. Julie beherrschte diesen Kreis. Tscharner schrieb an Zimmermann \u201cMademoiselle Bondeli ist ohne Widerspruch die Seele dieser liebensw\u00fcrdigen Gesellschaft, welche Freundschaft und \u00dcbereinstimmung des<\/p>\n<p>Geschmacks zusammenh\u00e4lt.\u201d (Julie von Bondeli und ihr Freundeskreis von Eduard Bodemann Hannover 1874 S.10).Wieland entflammt f\u00fcr Julie, sie aber h\u00e4lt sich zur\u00fcck, wie er Zimmermann am 24. Juli 1759 schreibt \u201cDie Jungfer Bondeli ist eine prude par<\/p>\n<p>principes, und will nichts von Liebe h\u00f6ren. Sie ist meine Freundin und ich soll ihr Freund seyn. So Sey es denn so\u201d (Ausgew\u00e4hlte Briefe von C. M. Wieland Band 2, Z\u00fcrich 1815 S.59).<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-JulieBondeli.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"220px-JulieBondeli\" alt=\"220px-JulieBondeli\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-JulieBondeli_thumb.jpg\" width=\"185\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Er schreibt an Zimmermann auch \u00fcber die Schwierigkeiten die er sieht, eine Ehe mit Julie einzugehen.\u201dSie w\u00fcrde mich unaussprechlich gl\u00fccklich machen.Aber ich sehe keine M\u00f6glichkeit.Ich m\u00fc\u00dfte auf eine sehr anst\u00e4ndige und vorteilhafte Weise etablirt sein,<\/p>\n<p>wenn ich berechtiget seyn sollte, eine solche Pr\u00e4tension zu machen, und bisher ist kein solcher Anschein zu einem solchen Etablissement\u201d(an Zimmermann ohne Datum Ausgew\u00e4hlte Briefe von C. M. Wieland Band 2, Z\u00fcrich 1815 S 109.)<\/p>\n<p>Eine Zeit lang hoffte er, in Biberach eine Stelle zu erhalten. Wegen des damaligen B\u00fcrgermeisters lie\u00df sich diese Hoffnung nicht realisieren. Wieland wollte auch auf Zuraten seiner Berner Freunde eine Buchhandlung in Zofingen zu erwerben, die dort zum Kauf<\/p>\n<p>angeboten wurde. Eine Buchdruckerei sollte mit angelegt werden. Da wollte er eigene Werke sowie Sammlungen interessanter St\u00fccke aus Philosophie, der sch\u00f6nen Literatur und \u00dcbersetzungen der sch\u00f6nsten Schriften des Altertums und Auslands verlegt werden.<\/p>\n<p>Er dachte zum Beispiel an Xenophon und Shaftesbury. In einem Brief an Zimmermann erz\u00e4hlt er davon (1. Mai 1760).<\/p>\n<p>Aber noch ehe der Kauf get\u00e4tigt werden konnte, erf\u00e4hrt er von seinen Mutter, dass der B\u00fcrgermeister, der Wieland nicht wohl gesonnen war, verstorben sei. Sein Vater teilte ihm dann mit, dass er in Biberach zum Senator gew\u00e4hlt worden ist und zwar einstimmig<\/p>\n<p>und wie der Vater erw\u00e4hnt, \u201czur Freude aller evangelischen B\u00fcrger\u201d (nach Gruber S.308). Beide Elternteile ermahnen ihn, die Stelle anzunehmen. Julie befand sich da gerade in Neufchatel. Die Abreise erfolgte so schnell, dass sich Wieland nicht einmal<\/p>\n<p>verabschieden konnte. Nach seiner Aussage hatten sie sich aber vorher ewige Liebe geschworen und der Briefwechsel wurde fortgesetzt. (in Historisches Taschenbuch 10 S. 408). Der Briefwechsel kam aber sehr rasch zum Erliegen, wohl auch durch Wielands Schuld.<\/p>\n<p>Allerdings bedeutete sein neues Arbeitsfeld sicherlich auch eine enorme Umstellung f\u00fcr ihn, so dass Briefwechsel-egal mit wem- auch zwangsl\u00e4ufig zun\u00e4chst mal eher hinten anstand. Wieland schildert auf der gleichen Seite auch wie er nach Biberach kam.<\/p>\n<p>\u201cEin Herr von Hiller, der N\u00e4chste nach dem B\u00fcrgermeister in Biberach ein roher Mann, der aber gewisse \u00e4u\u00dfere Talente und m\u00e4nnliche Sch\u00f6nheit hatte, bewarb sich um Cateau (die j\u00fcngere Schwester von Sophie La Roche). Sophie w\u00fcnschte ihre j\u00fcngere Schwester in der Nachbarschaft in Biberach zu haben und bef\u00f6rderte diese Heirath. Dies war alles w\u00e4hrend meiner sechsj\u00e4hrigen Abwesenheit in der Schweiz vorgegangen. Die Frau von Hiller hatte eine Stieftochter und legte mit ihrem Manne den Plan an, mich aus der Schweiz nach Biberach zur\u00fcckzuangeln und mit ihrer Tochter so zu verkuppeln, da\u00df ich ihr Schwiegersohn und Anbeter zu gleicher Zeit w\u00fcrde. Darum erhielt ich die Stelle als Stadtsecretair in Biberach und mu\u00dfte sie auf dringendes Bitten meiner Aeltern auch annehmen\u201d. (ebda.S. 407 f.) Die Stelle eines Senators war zwar ehrenvoll und auch mit gro\u00dfem Einfluss versehen, eine Lebensgrundlage bot sie aber nicht. Doch wurde kurz nach Wielands Wahl die Stelle des Kanzleiverwalters frei und Wieland bewarb sich und erhielt die Stelle zum 27. Juli 1760. Das war nun mit erheblichen Vorteilen verbunden. So erhielt er eine\u00a0\u00a0 ger\u00e4umige Amtswohnung direkt neben dem Rathaus (heute Kugler-Maurer, mit einer Gedenktafel versehen, die wegen des Umbaus des Hauses in den 50-iger Jahren so hoch\u00a0 angebracht ist, dass man sie nur bemerkt, wenn man sie sucht), ein f\u00fcr die damalige Zeit gutes Einkommen. In einem Brief an Bodmer sagt er dazu am 1.10. 1760\u00a0 \u201cUnterdessen befinde ich mich im Besitz eines der bequemsten H\u00e4user unserer Stadt, bey einer Besoldung von 1000 Gulden, und bey Gesch\u00e4ften, die, wenn nur einmal die jetzigen Troublen vor\u00fcber sind, mir sehr wenig M\u00fchen machen werden\u201d (ebda S. 148)(um 1700 hatte ein Gulden die Kaufkraft von zwischen 40 und 50 \u20ac) Laut Ofterdinger erf\u00e4hrt Wieland erst sp\u00e4ter w\u00e4hrend der Prozesse, wie er zur Stelle des Kanzleisekret\u00e4rs gekommen ist. Und Wieland erw\u00e4hnt in seiner Erinnerung nicht, dass seine Mutter in dieser Angelegenheit wohl im Verbund mit<\/p>\n<p>Cateau von Hillern tatkr\u00e4ftig mitgemischt hat. Wieland erinnert sich, dass die j\u00fcngere Schwester, \u201cals er mit Sophie umging\u201d schon mit ihm kokettierte. Sie sah auch jetzt, als sie verheiratet war, immer noch gut aus. Aber ihre Ehe war nicht gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Ihr Mann betrank sich damals fast t\u00e4glich. Wieland wurde nun zum Seelentr\u00f6ster. Sie wurde f\u00fcr ihn durch \u201cihre reizende Figur ebenso gut als durch ihr Ungl\u00fcck\u201d\u00a0 interessant und all das schrieb er \u201cin der Aufrichtigkeit meines Herzens immer feuriger und<\/p>\n<p>lobpreisender\u201d an Julie.Sie sah das anders und wohl auch klarer. \u201cund was sie nicht sah, \u201centh\u00fcllte ihr Marianne Flei\u00df\u201d (Wieland in Historisches Tagebuch S. 408)An Zimmermann schreibt Julie am 4. August 1761\u201dEine Schwester der Madame Laroche ist die Schuld<\/p>\n<p>seines ganzen Ungl\u00fccks. Er wurde verliebt in sie, sobald er sie sah; nachdem er drei Wochen in Biberach\u00a0 war, hielt er sie schon f\u00fcr ein Modell der Vollkommenheit und nannte sie eine zweite Panthea. Sie wusste ihn geschickt zu gewinnen und er h\u00e4tte nicht<\/p>\n<p>Wieland sein m\u00fcssen, um ihr zu widerstehen.(zitiert nach Bodemann S.64 f). Und Wieland res\u00fcmiert ern\u00fcchtert \u201dso endete unsere Liebe\u201d (Historisches Tagebuch S. 409) Zwar brachte Zimmermann nochmals eine Vers\u00f6hnung zustande. Aber seine<\/p>\n<p>Anstellung als Stadtschreiber blieb zun\u00e4chst\u00a0 nur vorl\u00e4ufig und\u00a0 das dauerte bis 1764. Ein katholische Ratsherr hatte einen Prozess angestrengt, bei dem es um die Gleichstellung der Kanzlei und des Syndikats ging. In einer Stadt, die streng auf Parit\u00e4t achtete, nat\u00fcrlich ein Politikum ersten Ranges. W\u00e4hrend des Prozesses war seine Stellung unsicher und zudem musste er des \u00f6fteren auch Erfahrungen mit dem Wankelmut seiner G\u00f6nner und Freunde machen. Am\u00a0 7. April 1762 klagt er Zimmermann sein Leid \u201cAch! mein liebster Zimmermann, wenn Sie w\u00fc\u00dften, was ich hier ausstehe, und in was f\u00fcr einem Labyrinth von Verwirrung und verdrie\u00dflichen H\u00e4ndeln ich ohne Ausgang herum irre oder vielmehr herumgetrieben werde\u2026Der verdammte Prozess unserer beyden Magistratsanteile \u00fcber die Parification der Canzley und des Syndicats um\u00a0 dessentwillen ich nun schon zwanzig Monathe lang wie eine Seele im Fegefeuer leide, ist nun dahin gediehen, da\u00df es mich meine Stelle vermuthlich g\u00e4nzlich kosten wird.\u201d (ebda. S. 174)Ganz so schlimm kam es nicht, aber der Prozess zog sich noch zwei Jahre hin und ging wohl erst dann positiv f\u00fcr Wieland aus, als sich Graf von Stadion in Wien sehr energisch\u00a0 eingesetzt hatte. (Ofterdinger S. 154)<\/p>\n<p>Als B\u00fcrgermeister von Hillern 1765 ganz pl\u00f6tzlich verstarb, dachte Wieland eigentlich \u201cdurch diese unerwartete Aufl\u00f6sung des Knotens die sch\u00f6ne Witwe meine Frau werden w\u00fcrde\u201d (Historisches Tagebuch S. 410) Allerdings erkl\u00e4rt ihm Sophie, die so Wieland<\/p>\n<p>\u201cnie mit der Eitelkeit ihrer Schwester zufrieden gewesen war\u201d, dass Cateau \u201czu stolz sei von der Frau B\u00fcrgermeisterin zur Frau eines blossen Officials (dazu geh\u00f6rte der Stadtschreiber) herabzusteigen. (ebda. S. 411)Im R\u00fcckblick meint er,dass bei einer<\/p>\n<p>Heirat mit Julie Bondeli \u201cw\u00e4re ich im ruhigen Selbstgenusse nie der Schriftsteller geworden, der ich bin\u201d (Ebda. S. 412) und weiter \u201cGanz ungl\u00fccklich w\u00e4re ich aber gewesen, wenn ich die Hiller zur Frau bekommen h\u00e4tte. Sie war eine imposante<\/p>\n<p>herrschs\u00fcchtige Frau, die in Weimar \u00fcberall Unmut und Missvergn\u00fcgen erregt h\u00e4tte.\u201d<\/p>\n<p>1761 war Wieland Direktor der Evangelischen Kom\u00f6diantengesellschaft geworden Diese Position war mit seinem Amt als Stadtschreiber verbunden. Im ersten Jahr seiner Theaterleitung lernte er auch die 19-j\u00e4hrige Christine Hogel kennen.\u00a0 Am 22 .<\/p>\n<p>November, dem\u00a0 Fest\u00a0 der Heiligen C\u00e4cilie\u00a0 wurde in Biberach immer ein gro\u00dfes Musikfest veranstaltet, das zwar vom katholischen Teil der Biberacher Bev\u00f6lkerung ausging. Doch auch die evangelische Bev\u00f6lkerung beteiligte sich rege. Es war<\/p>\n<p>ein wirklich gemeinsames Fest. Zun\u00e4chst wurde immer ein Konzert gegeben und zwar ein Teil instrumental und ein Teil vokal. Danach erfolgte ein Ball. Christine war als Solos\u00e4ngerin dabei. Die beiden verliebten sich. Allerdings bezweifelt Michael Zaremba<\/p>\n<p>in \u201cChristoph Martin Wieland,Aufkl\u00e4rer und Poet, K\u00f6ln 2007\u201d auf Seite 118 diese Datierung, da Obereit (der Entdecker der Handschrift C des Nibelungenlieds)\u00a0 Bodmer \u00fcber die neue Beziehung Wielands schon im September informiert hat.<\/p>\n<p>Der anbahnenden Beziehung stellten sich gleich zwei Hindernisse in den Weg. Christines Eltern waren nicht wohlhabend. Der Vater war S\u00e4cklermeister\u00a0 und katholischer Mesmer. Eine erzkatholische Familie der k\u00fcnftigen Braut und eine nicht weniger strenggl\u00e4ubige\u00a0 protestantische Familie des Christoph Martin machte die Lage nicht einfacher. Dazu waren weitere konfessionelle Verwicklungen sozusagen auf h\u00f6herer Ebene zu erwarten. Die Taufpaten Christines waren\u00a0 Hieronymus Eberhard von Brandenburg und Maria Anna Christina von Settelin, beides einflu\u00dfreiche katholische Patrizier. Christines Vater war Mitglied der vom katholischen Patriziats gegr\u00fcndeten Bruderschaft vom Heiligen Blut Christi, die die Biberacher Blutreiter beim Weingartner Blutritt<\/p>\n<p>stellten. Wielands Vater wieder war der h\u00f6chste evangelische Geistliche der Stadt. Wieland stellte nun Christine als Haush\u00e4lterin bei sich ein. Das befl\u00fcgelte nat\u00fcrlich in dem kleinen St\u00e4dtchen den Klatsch. Der Dichter aber erlebte einen wahren Schaffensrausch.<\/p>\n<p>An Zimmermann schreibt er am 20. Dezember 1762 \u201cEs wundert sie billig, da\u00df ich in den unbegreiflich tollen und erm\u00fcdenden Umst\u00e4nden des 1761 und 1762 Jahrs den Agathon schreiben konnte. Verwundern Sie sich weniger oder mehr, wenn ich<\/p>\n<p>Ihnen sage, da\u00df es eine kleine Zauberin war, die dieses Wunder wirkte. Ohne sie w\u00fcrde ich tausendmahl unter der Last der Verzweiflung erlegen, oder in Anst\u00f6\u00dfen von Tr\u00fcbsinn, Unmuth und Wildheyt auf verderbliche Extremit\u00e4ten gefallen seyn\u2026.<\/p>\n<p>aber ich bitte Sie, lassen Sie mir meine Zauberin, ich will Ihnen daf\u00fcr aber auch gewi\u00df versprechen, da\u00df ich nicht bey meiner Haush\u00e4lterin schlafen will\u201d (Ausgew\u00e4hlte Briefe von C. M. Wieland Band 2, Z\u00fcrich 1815 S. 203 f.)<\/p>\n<p>Allerdings hat er sich nicht daran gehalten, denn Christine wurde schwanger.Aber eine Heirat war aus beruflichen, konfessionellen und gesellschaftlichen Gr\u00fcnden heikel. Der katholische Magistrat wollte keine Verbindung katholischer M\u00e4dchen mit<\/p>\n<p>M\u00e4nnern anderer Konfession dulden. Die Protestanten, denen Wieland sein Amt verdankte, waren wegen des Skandals ver\u00e4rgert. Wieland h\u00e4tte wohl nur in einem Prozess gegen beide Magistrate die Heirat erzwingen k\u00f6nnen und das h\u00e4tte ihn wahrscheinlich<\/p>\n<p>Amt und B\u00fcrgerrecht gekostet. \u00dcber Sophie bat er den Grafen von Stadion, ihm eine Dispens zu erwirken. Sophie brachte Christine erst mal bei den Englischen Fr\u00e4ulein in Augsburg unter. Durch eine Indiskretion war Christines Zustand\u00a0 dort bekannt geworden<\/p>\n<p>und sie konnte nicht l\u00e4nger bleiben. Wieland wollte sie durch einen Vertrauten abholen lassen, aber Christines Vater war ihm zuvorgekommen. \u00dcber Kloster Rot reisten sie zur\u00fcck.Dort war ihr Bruder als Pater Sigismund im Kloster. Er vermittelte<\/p>\n<p>Vater und Tochter beim Abt, das war Mauritius Moriz, eine Audienz. Wieland war wohl von seinem Vertrauten \u00fcber die neue Situation informiert. Wieland eilte sofort nach Rot, doch Vater und Tochter waren schon auf dem Weg nach Biberach.<\/p>\n<p>Aber Wieland erhielt nun seinerseits eine Audienz beim Abt. Dieser, ein\u00a0 geb\u00fcrtiger Biberacher,\u00a0 war mit den verzwickten konfessionellen Verh\u00e4ltnissen\u00a0 in der kleinen Reichsstadt vertraut.\u00a0 Abt Mauritius\u00a0 brachte Wieland gro\u00dfes Verst\u00e4ndnis<\/p>\n<p>entgegen und sah eigentlich keinen Hinderungsgrund f\u00fcr eine Ehe unter der Voraussetzung, dass Christoph Martin die Kinder in der katholischen Religion erziehen lie\u00df, was ja auch alles andere als einfach gewesen w\u00e4re. Und dann wies er<\/p>\n<p>darauf hin, dass dieses nicht seiner Kompetenz unterliege, sondern ausschlie\u00dflich dem Dechanten in Biberach. Er habe auch schon Vater und Tochter geraten, sich ausschlie\u00dflich an diesen zu wenden. Wieland\u00a0 hatte nun auch eine<\/p>\n<p>Unterredung mit dem Dechanten, die der B\u00fcchsenmacher Johann Daniel Dettenrieder vermittelte. Dieser war auch Amateurschauspieler. Er entwickelte unter Wieland sein Talent und machte zusammen mit seiner Frau Felicitas unter dem<\/p>\n<p>K\u00fcnstlernamen Abt eine gro\u00dfe Karriere. Wieland machte noch einen zweiten Besuch beim Roter Abt. Da wurde er von dem\u00a0Kenner der Biberacher Verh\u00e4ltnisse davon \u00fcberzeugt, dass es das beste w\u00e4re, auf Christine zu verzichten. Wieland<\/p>\n<p>sagte zu und hielt sich daran. Christine kam in Ulm nieder. Wieland hatte Sophie die Patenschaft angeboten. Die kleine Tochter wurde auf den Namen C\u00e4cilia Christine Sophie getauft, starb aber bald nach der Geburt.<\/p>\n<p>Wielands Mutter sah nun dringenden Handlungsbedarf, zumal es im \u201cWielandschen Prozess\u201d, wie Ofterdinger das nennt, zu einem Vergleich gekommen war und damit Wielands finanzielle Situation gefestigt war.<\/p>\n<p>Zudem war Christoph Martins Bruder gestorben, was ein weiterer Grund war, auf eine Ehe zu\u00a0 dr\u00e4ngen.\u00a0 Er erz\u00e4hlt am 29. August 1764 Gessner vom gl\u00fccklichen Ende des ihn sehr belastenden Prozesses und f\u00e4hrt dann fort:<\/p>\n<p>\u201cnun geht mir von den Bed\u00fcrfnissen des menschlichen Lebens nichts ab, als ein Weib, und da ich durch den Tod meines Bruders die Ehre habe, der einzige von meiner Familie zu seyn, so werde ich von meinen lieben alten Eltern<\/p>\n<p>\u00fcber diesen Punkt so sehr in die Enge getrieben,da\u00df ich bald gen\u00f6thigt seyn werde, in die ganze Welt um ein Weib auszuschreiben.\u201d (Ausgew\u00e4hlte Briefe von C. M. Wieland Band 2, Z\u00fcrich 1815 S. 252) Am\u00a0 5. November 1765<\/p>\n<p>schreibt er ebenfalls an Gessner: \u201c\u2026ich habe ein Weib genommen oder eigentlicher zu reden, ein Weibchen, denn es ist ein kleines, wiewol in meinen Augen ganz artiges, liebensw\u00fcrdiges Gesch\u00f6pf, das ich mir, ich wei\u00df nicht recht wie,<\/p>\n<p>von meinen Eltern und guten Freunden habe beilegen lassen. Es ist nun so, ich bin zufrieden; meine Mitb\u00fcrger auch, denn diese k\u00f6nnen nicht wol leiden, wenn ihre Vorgesetzten unbeweibt sind.-\u201c (abgedruckt bei J.G. Gruber, C.M.Wielands<\/p>\n<p>Leben, Leipzig 1827 S. 400)Anna Dorothea Hillenbrand wurde am 28.07. 1746 als Tochter des Augsburger Bankiers und Kaufmanns geboren. Zwar schreibt Zaremba, dass die neunzehnj\u00e4hrige Anna Dorothea\u00a0 nicht mit Geld aber mit neun Geschwistern gesegnet<\/p>\n<p>war. Zu den Armen Augsburgs hat sie aber sicher auch nicht gez\u00e4hlt. Ihr Vater war Patrizier und Ratsherr und z\u00e4hlte so zur Augsburger F\u00fchrungsschicht und Peter Fassl sagt in seinem Buch Konfession, Wirtschaft und Politik, dass\u00a0\u00a0 die Augsburger Kaufleute Laire,<\/p>\n<p>Hillenbrand und Obwexer, die f\u00fchrende Stellung im Textilgro\u00dfhandel innehatten und 1757 erhielten sie von Kaiser Franz den Adelstitel und im Wappenbrief steht: \u201cSie drey Gebr\u00fcderDavid, Johann Balthasar und Johann Hillenbrand selbsten aber haben sich von<\/p>\n<p>Jugend auf angewendet, in allen und jeden wohlanst\u00e4ndigen Sitten, Tugenden und besonders in dem Wechsel- und Mercantil-Negotio sich wohl erfahren, tauglich und geschickt zu machen; in Betracht dessen auch herrn David Hillenbrand von dem Magistrat<\/p>\n<p>mehrbenandterStadt Augsburg eine b\u00fcrgerliche Stadt Hauptmanns-Stelle ertheilt worden, welche Er zu jedermanns Zufriedenheit, mit allem Ruhm und unerm\u00fcdeten Eifer verwaltet, sofort nebst Seinen zweyen Br\u00fcder Johann Balthasar und Johann Hillenbrand<\/p>\n<p>durch die Gnade Gottes, und mit Ihren unaussezlichen Flei\u00df es dahin gebracht, da\u00df Sie sowohl in ganz Deutschland, als Italien, sonderlich aber in Toskana ein starkes Wechsel und ein gros Mercantil-Negotium treiben, und dabei in bester Reputation und Credit<\/p>\n<p>stehen, auch andurch bey dem Publico sich vieles Lob erworben\u201d\u00a0 (abgedruckt in <a href=\"http:\/\/www.heinle.news.de\">www.heinle.news.de<\/a>) Am 21. Oktober 1765 fand die Heirat in der Biberacher Stadtkanzlei statt. Christoph Martins Vater vollzog die Trauung.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/10_Kl305KSW.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"10_Kl305KSW\" alt=\"10_Kl305KSW\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/10_Kl305KSW_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"191\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gehen wir aber, nachdem wir wie im Historischen Tagebuch 10 ein Kapitel lautet \u201cWieland \u00fcber seine Geliebten \u201c , Wielands Frauenbeziehungen betrachtet haben, wieder chronologisch vor. Ein wichtiges Ereignis gleich<\/p>\n<p>zu Beginn von Wielands Biberacher Zeit war sicher der\u00a0 Kontakt zu Friedrich Graf von Stadion in Schloss Warthausen. Am 11. Februar 1763 schreibt er an Zimmermann:\u201d Biberach ist, ungeachtet verschiedner nicht geringer Vortheile,<\/p>\n<p>die mir selbst gewiss sind, schlechterdings der Ort nicht, wo ich bleiben kann\u2026\u201d und dann weiter \u201d Hier gehen meine Talente f\u00fcr das Publikum verloren. Unter solchen Zerstreuungen, bey einem solchen Amte, ohne Bibliothek,<\/p>\n<p>ohne Aufmunterungen, was kann ich da thun?\u201d (Ausgew\u00e4hlte Briefe von C. M. Wieland Band 2, Z\u00fcrich 1815 S.209 f). Als er Cateau von Hillern diesbez\u00fcglich sein Leid klagte, erz\u00e4hlte sie ihm, wie geistreich das Leben auf<\/p>\n<p>Warthausen sei. Ihre Schwester Sophie war ja Gesellschafterin am Hof des Grafen. Er hatte zwar in dem oben zitierten Brief vom 12. Dezember 1753 geschrieben \u201cund uns ungeachtet wir uns, wie ich hoffe, in dieser Welt nimmer sehen werden\u201d.<\/p>\n<p>Aber das war ja in Anbetracht der geplatzten Verlobung. Er rang sich zu einem Brief an Sophie durch und erhielt postwendend Antwort. Er wurde aufs Schlo\u00df\u00a0 gebeten und bald auch dem Grafen vorgestellt. Man wies ihm ein Zimmer zu<\/p>\n<p>seiner Disposition an und bot ihm an, nach Belieben von der Stadionschen Bibliothek Gebrauch zu machen. Und nun hatte er alles, \u00fcber dessen Fehlen er sich bei Zimmermann beklagt hatte, einen geistreichen Kreis zur Unterhaltung,<\/p>\n<p>eine Bibliothek, die noch heute ein Schmuckst\u00fcck ist (siehe blog Die Familie Stadion). In seiner Trauerrede auf Wieland, die Goethe in der Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen am 18. Februar 1813 hielt sagt er zu Wielands Kontakt zu dem gr\u00e4flichen<\/p>\n<p>Hof in Warthausen : \u201c In diesem angesehenen, w\u00f6hleingerichteten Hause wehte ihn zuerst die Welt- und Hofluft an;\u201d(Text nach Wernekke, Hugo: Goethe und die K\u00f6nigliche Kunst. Leipzig: Poeschel 1905)<\/p>\n<p>Gervinus bemerkt\u00a0 im 4. Band seiner \u201cGeschichte der poetischen National-Literatur der Deutschen\u201d im 4. Band Kapitel \u00fcber Wieland (Seite 270-318) zur Bedeutung der Bekanntschaft mit Graf Stadion (ab Seite 273)\u201dHier nun lernte er eine<\/p>\n<p>Bildungssph\u00e4re kennen, die ihm bisher ganz fremd, und die der grellste Gegensatz gegen jene andere war, an der er sich in Bodmers Haus \u00fcbers\u00e4ttigt hatte. Der Graf imponirte ihm durch Rang, Weltkenntni\u00df und Hofton weit mehr, als es<\/p>\n<p>Bodmer mit Fr\u00f6mmigkeit gekonnt hatte; die geistreiche Unterhaltung erfahrener M\u00e4nner, feiner Gesellschafter und einer gebildeten Dame sagte ihm ganz anders zu, als der einf\u00f6rmige Verkehr mit den Z\u00fcrichern; jene verst\u00e4ndige Richtung<\/p>\n<p>gegen alle Phantasterei und Empfindsamkeit, alles Excentrische und allen Aberglauben\u2026\u201d Und Gervinus wei\u00dft auch auf die Bedeutung der Stadionschen Bibliothek f\u00fcr Wielands weitere geistige Entwicklung hin.<\/p>\n<p>Wir haben oben gesehen, dass sich Wieland nun in einem wahren Schaffensrausch befand und er selbst das \u201cauf die kleine Zauberin\u201d zur\u00fcckf\u00fchrt. Aber das v\u00f6llig andere Umfeld, der geistige Austausch und die M\u00f6glichkeit, eine Bibliothek<\/p>\n<p>zu benutzen \u2013 \u00fcber diesen Mangel hatte er sich ja gegen\u00fcber Zimmermann beklagt- taten sicher ein \u00fcbriges.<\/p>\n<p>1764 erscheinen \u201cDer Sieg der Natur \u00fcber die Schw\u00e4rmerey, oder die Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva. Eine Geschichte worinn alles Wunderbare nat\u00fcrlich zugeht\u201d. Wieland stand wegen seiner Aff\u00e4re mit Bibi Hogel unter gro\u00dfem<\/p>\n<p>finanziellen Druck. Laut Zaremba (s.o. S. 120) hatte er Kanzleigelder zu privaten Zwecken entnommen, die er schnellstens erstatten musste. An Gessner hatte er am 24.6. 1762 geschrieben: \u201cIch mu\u00df von itzt an bis n\u00e4chster Ostern<\/p>\n<p>wenigstens 40 bis 50 Louis haben oder ich bin unwiderbringl. verlohren. Ohne diesen harten Umstand w\u00fcrde ich nimmermehr ein Buch geschrieben haben wie Don Silvio ist\u2026\u201d (Wielands Briefwechsel Bd. 3 S. 197)Kaum hatte er den Brief abgeschickt,<\/p>\n<p>bot ihm der Ulmer Verleger Bartholom\u00e4i 500 Gulden an. Daraufhin schrieb Wieland an Gessner, ihm binnen 14 Tagen 30 Louis zu schicken \u201cso soll der Sylvio Ihnen seyn. Darauf ging Orell &amp; Partner nicht ein. Darauf erschien das Buch in dem Ulmer Verlag. Den Don<\/p>\n<p>Sylvio hatte Wieland auch noch Julie Bondeli geschickt . Gegen\u00fcber Zimmermann sagte sie dar\u00fcber \u201cDer erste Teil des Don Sylvio war noch ein unschuldiger und selbst geistreicher Scherz, der zweite erscheint mir nichts als eine indecente Platit\u00fcde; abgesehen von der lasciven Geschichte des Prinzen Biribinker ist das \u00fcbrige kalt und langweilig\u2026\u201d (in Julie von Bondeli und ihr Freundeskreis von Eduard Bodemann S. 287). \u00c4hnlich scheint sie das auch Wieland direkt mitgeteilt zu haben. Er war dar\u00fcber wohl ziemlich verschnupft,<\/p>\n<p>was wahrscheinlich auch dazu beigetragen hatte, dass der Briefwechsel zum Erliegen kam.<\/p>\n<p>Der Don Sylvio erschien 1764. Ein Jahr darauf erschienen die Komischen Erz\u00e4hlungen jetzt wieder in Z\u00fcrich. Er bringt damit die komischen Romantraditionen von Cervantes in die deutsche Literatur ein. Er war ja in Erfurt durch Baumer auf Don Quichote hingewiesen<\/p>\n<p>worden. Nachdem Don Sylvio bringt er die Verserz\u00e4hlungen heraus. Aber das wichtigste und umfassendste Werk an dem er in dieser Zeit arbeitete, war die \u00dcbersetzung von Shakespeares Werken. 1759 hat Sulzer in einem Brief an Wieland hingewiesen,<\/p>\n<p>dass man sich mit Shakespeare befassen sollte, als er ihm einen Teil des Werkes zur\u00fcckschickte:\u201d Wenn doch ein geschickter Kopf die Arbeit \u00fcbernehmen w\u00fcrde, diese Schauspiele im Deutschen so zu analysiren, wie P\u00e8re Brumoy mit dem griechischen Theater<\/p>\n<p>gethan hat\u2026und weiter \u201cIch glaube, dass ein solcher \u00dcbersetzer vielen Dank verdienen w\u00fcrde. Wie kommt es doch, dass unter so vielen engl\u00e4ndischen \u00dcbersetzern sich noch keiner daran gemacht hat? Es ist wahr, dass ein wenig mehr, als etwas Englisch, Feder und<\/p>\n<p>Dinte dazu erfordert wird.\u201d (Briefe von Wolfang Dieterich Sulzer, weiland Stadtschreiber von Winterthur von W. D. Sulzer, Winterthur 1866, S.9). Wielands Aufenthalt bei Bodmer, der ja Milton \u00fcbersetzt hatte und im Streit mit Gottsched auf den Vorbildcharakter<\/p>\n<p>des englischen Dramas hingewiesen hatte, hatte seine Aufmerksamkeit auf Shakespeare gelenkt. Auch Julie Bondeli war gro\u00dfe Shakespeare-Verehrerin. \u201cSie verk\u00fcndete den Leuten die Wiedergeburt eine Shakespeares, der f\u00fcr die Welt schon fast zwei Jahrhunderte todt lag\u201d (Julie von Bondeli und ihr Freundeskreis<\/p>\n<p>von Eduard Bodemann Hannover 1874 S. 27). Im September 1761 bringt Wieland erstmals Shakespeare in deutsche Sprache auf die B\u00fchne und zwar den Sturm. Als Direktor der Evangelischen Kom\u00f6diantengesellschaft hatte er das St\u00fcck in seiner \u00dcbersetzung<\/p>\n<p>vorgeschlagen. So wurde also im Kom\u00f6dienhaus ein St\u00fcck deutscher Theatergeschichte geschrieben. Die Auff\u00fchrung war ein finanzieller Erfolg wie das \u201cEinschreib-Buch der Comoedien\u201d ausweist (Zaremba S. 112)<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Schlachtmetzig-Biberach.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"220px-Schlachtmetzig-Biberach\" alt=\"220px-Schlachtmetzig-Biberach\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Schlachtmetzig-Biberach_thumb.jpg\" width=\"191\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es ist nicht zuf\u00e4llig,dass Wieland den Sturm auf die B\u00fchne brachte. Der Sturm und der Sommernachtstraum waren die Lieblingsst\u00fccke \u201cder Schweizer\u201d, also dem Kreis um Bodmer.<\/p>\n<p>Vor Wieland gab es nur zwei Einzelwerke Shakespeares auf Deutsch. Das war einmal Caspar Wilhelm von Borcks \u201cTrauerspiel von dem Tode Julius C\u00e4sar\u201d aus dem Jahre 1741 und dann \u201cRomeo und Julia\u201d<\/p>\n<p>von Simon Grynaeus, 1758 .<\/p>\n<p>Zur Herbstmesse 1762 erschien dann der erste Band von Wielands\u00a0 Shakespeare-\u00dcbersetzungen. Zwar stand ihm jetzt die Stadionsche Bibliothek zur Verf\u00fcgung. Seine philologischen Hilfsmittel waren aber eher bescheiden. Die Ausgangsbasis<\/p>\n<p>war die Edition von Pope und Warburton (London 1747). Diese ist allerdings recht freiz\u00fcgig mit Shakespeares Text umgegangen. Dann hatte er noch zwei W\u00f6rterb\u00fccher, n\u00e4mlich ein \u201cDictionnaire Royal Francois-Anglais et Anglais-Francois\u201d,<\/p>\n<p>sowie eines zur Idiomatik Shakespeares. Das f\u00fchrte aber zu vielen neuen Wortsch\u00f6pfungen, die auch heute noch gel\u00e4ufig sind, so Milch-M\u00e4dchen (milk-maid)Steckenpferd (hobby-horse). Aber auch Kriegserkl\u00e4rung, Weltliteratur oder das<\/p>\n<p>politische Barometer gehen auf Wieland zur\u00fcck. Zwar gab es vor Wieland schon drei Texte, die ins Deutsche \u00fcbersetzt worden waren, aber erst seine \u00dcbersetzung, die von 1762-1766 in acht B\u00e4nden erschien und 22 von Shakespeares 38 Werken<\/p>\n<p>umfasste, machte den englischen Dramatiker in Deutschland bekannt und l\u00f6ste eine regelrechte Shakespeare-Begeisterung aus. Lessing, Herder und Goethe entdeckten den Dichter nun als Naturgenie.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr Verlag und \u00dcbersetzer hatte sich die Herausgabe gelohnt. Als die Edition 1766 abgeschlossen war, hatte Wieland etwa ein Jahresgehalt seiner beruflichen T\u00e4tigkeit erhalten.<\/p>\n<p>Aber Wieland hatte diese \u00dcbersetzung auch als sehr anstrengend empfunden, wie er in einem Brief an Gessner am 24. Juni 1762 wissen l\u00e4sst. \u201c Ich glaube nicht, da\u00df irgendeine Art von gelehrter Arbeit der GaleerenSklaven-Arbeit \u00e4hnlicher<\/p>\n<p>sey, als diese\u201d (in Wielands Briefe 3)Da es dabei auch ums Honorar ging, war seine Klage wohl auch bewusst leidend formuliert.<\/p>\n<p>Lessing war im 15. St\u00fcck seiner Hamburger Dramaturgie auf Wielands Shakespeare-\u00dcbersetzung eingegangen und hatte dazu bemerkt: \u201cWir haben eine \u00dcbersetzung vom Shakespeare. Sie ist noch kaum fertig geworden, und niemand bek\u00fcmmert sich schon mehr<\/p>\n<p>darum. Die Kunstrichter haben viel B\u00f6ses davon gesagt. Ich h\u00e4tte gro\u00dfe Lust, sehr viel Gutes davon zu sagen. Nicht, um diesen gelehrten M\u00e4nnern zu widersprechen; nicht, um die Fehler zu verteidigen, die sie darin bemerkt haben: sondern, weil ich glaube, da\u00df man<\/p>\n<p>von diesen Fehlern kein solches Aufheben h\u00e4tte machen sollen. Das Unternehmen war schwer; ein jeder anderer, als Herr Wieland, w\u00fcrde in der Eil noch \u00f6ftrer versto\u00dfen, und aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit noch mehr \u00fcberh\u00fcpft haben; aber was er<\/p>\n<p>gut gemacht hat, wird schwerlich jemand besser machen. So wie er uns den Shakespeare geliefert hat, ist es noch immer ein Buch, das man unter uns nicht genug empfehlen kann. Wir haben an den Sch\u00f6nheiten, die es uns liefert, noch lange zu lernen, ehe uns die<\/p>\n<p>Flecken, mit welchen es sie liefert, so beleidigen, da\u00df wir notwendig eine bessere \u00dcbersetzung haben m\u00fc\u00dften\u201d.<\/p>\n<p>Wieland hat sich schon sehr fr\u00fch mit Shakespeare besch\u00e4ftigt. 1757 schrieb er \u201cDie Theorie und Geschichte der Red-Kunst und Dicht-Kunst\u201d Das war, als er Erzieher im Hause Groebel war. In seiner Theorie nimmt im Kapitel \u201cVon den tragischen Poeten\u201d nimmt<\/p>\n<p>Shakespeare den gr\u00f6\u00dften Raum ein. Da hei\u00dft es \u201cVielleicht ist kein Scribent in der Welt, den man weniger aus Beschreibungen kann kennen lernen, als dieser dramatische Poet. Man findet weder unter den Alten noch Neuern jemand, mit dem er verglichen werden<\/p>\n<p>k\u00f6nnte; er hat keinen seiner Vorg\u00e4nger nachgeahmt, und es ist wahrscheinlich, dass er die Alten nur nicht gelesen hat. Niemals hat einer den Namen eines Originals mehr verdient als er. Die Natur war die einzige Quelle, woraus er sch\u00f6pfte. Sein Genie war seine<\/p>\n<p>einzige Muse und seine Poesie\u00a0 war, wie Pope sagt, in der That Begeisterung. Der weite Umfang, die St\u00e4rke und die Delicatesse seines Genies sind fast unbegreiflich\u201d (zitiert in Shakespeare- Rezeption, Die Diskussion um Shakespeare in Deutschlands,<\/p>\n<p>hsg von Hansj\u00fcrgen Blinn, Berlin 1982 S. 68)<\/p>\n<p>Wielands Besch\u00e4ftigung mit Shakespeare und deren Einfluss l\u00e4sst sich auch in anderen Werken, die gleichzeitig mit den \u00dcbersetzungen entstanden, erkennen, wie Friedrich Gundolf in \u201cShakespeare und der Deutsche Geist\u201d (Berlin 1920) zeigt.<\/p>\n<p>Er sagt, dass im Don Sylvio von Rosalva Shakespeare \u201cals seelische Substanz sp\u00fcrbar bis in die Tonf\u00e4lle hinein\u201d ist (S.179) Sachmotive, die Furcht des Pedrillo vor dem n\u00e4chtlichen Wald (Sommernachtstraum), die Wahrsagung der Zigeunerin aus Pedrillos Hand<\/p>\n<p>(Der Kaufmann von Venedig) aber auch die Requisiten wie n\u00e4chtlich tanzende Feen oder Kobolde verweisen auf Shakespeare (ebda).<\/p>\n<p>Den zweiten Paukenschlag (Heinz Wielandhandbuch, Stuttgart 2008) in seiner Biberacher Zeit ist die Geschichte des Agathon in Z\u00fcrich 1766\/67 in zwei Teilen erschienen. Schon 1762 hatte er \u201csub rosa\u201d Teile an Salomon Gessner, Zimmermann,<\/p>\n<p>Tscharner und Julie Bondeli geschickt. Und Julie Bondeli hatte Wieland auch auf Tristram Shandy von Laurence Sterne und dessen digressive Poetik aufmerksam gemacht. Hier konstituiert sich der Weg aus Abschweifungen. Sie scheinen so<\/p>\n<p>etwas wie eine Haupthandlung zu verhindern um aus m\u00f6glichst vielen Blickwinkeln zum Ziel zu f\u00fchren. Sternes Erz\u00e4hler (22. Kapitel 1. Buch)sagt, er setze zwei entgegengesetzte Bewegungen ins Spiel, die das Werk gleichzeitig abschweifend<\/p>\n<p>und vorw\u00e4rts schreitend gestalten. Wieland verarbeitet das sofort und so hei\u00dfen Kapitel \u201cEin oder zwo Digressionen oder Eine kleine Abschweifung\u201d.<br \/>\nDer Agathon ist der erste moderne deutschsprachige Roman. Er spielt im hellenistischen Zeitalter und ist eine Piraten und Entf\u00fchrungsgeschichte. Aber bald wird aus der Seer\u00e4ubergeschichte ein philosophischer Dialogroman. Das Mittelmeer und der angrenzende<\/p>\n<p>Lebensraum sind Kulisse f\u00fcr geistreiche Diskurse. Die Dialoge die der Titelheld mit dem Sophisten Hippias f\u00fchrt, geh\u00f6ren nach Zaremba (Ebda S. 116) in jedes gute Lehrbuch der Philosophiegeschichte.<\/p>\n<p>Der Agathon begr\u00fcndete eine ganze Reihe von Bildungs-Erziehungs-und Entwicklungsromanen. Goethes Wilhelm Meister folgt der Struktur des Agathon, ver\u00e4ndert sie aber auch und dieser wird dann zum entscheidenden Muster des<\/p>\n<p>deutschen Bildungsroman. Der Agathon ist aber auch der Prototyp des \u201chistory-Romans\u201d, der eigentlich von Henry Fielding, Die Geschichte des\u00a0 Tom Jones eines Findlings (1749) geschaffen wurde.<\/p>\n<p>Lessing, der ja Wielands Entwicklung immer beobachtete, schreibt im 69. St\u00fcck der Hamburgischen Dramaturgie \u201cso kommen sie auch wohl einmal \u00fcber den \u00bbAgathon\u00ab . Dieses ist das Werk, von welchem ich rede, von welchem ich es lieber nicht an dem<\/p>\n<p>schicklichsten Orte, lieber hier als gar nicht, sagen will, wie sehr ich es bewundere: da ich mit der \u00e4u\u00dfersten Befremdung wahrnehme, welches tiefe Stillschweigen unsere Kunstrichter dar\u00fcber beobachten, oder in welchem kalten und gleichg\u00fcltigen Tone sie davon<\/p>\n<p>sprechen. Es ist der erste und einzige Roman f\u00fcr den denkenden Kopf, von klassischem Geschmacke. Roman? Wir wollen ihm diesen Titel nur geben, vielleicht, da\u00df es einige Leser mehr dadurch bek\u00f6mmt. Die wenigen, die es dar\u00fcber verlieren m\u00f6chte, an denen ist<\/p>\n<p>ohnedem nichts gelegen.\u201d<\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis zum\u00a0 Hause Stadion wurde allerdings eingetr\u00fcbt. Zun\u00e4chst ging es um eine rein private Angelegenheit. Graf Stadion besa\u00df das Recht, das Pfalzgrafendiplom zu verleihen. Am 28. September 1765 verlieh er Wieland eine Bestallungsurkunde<\/p>\n<p>zum comes palatinus. Er konnte nun b\u00fcrgerliche Wappenbriefe ausstellen, Notare ernennen, auch unehelich Geborene legitimieren und er konnte \u201cder Freyen K\u00fcnste Magistros, Baccalaureos und Poetas laureatos\u201d ernennen. Nur sich selbst,<\/p>\n<p>das ging nicht, denn Selbstbeg\u00fcnstigung war hier untersagt. Wieland w\u00e4hnte sich vorschnell im Besitz dieses Titels und er trug sich ohne Absprache mit dem Grafen im Adressbuch des Schw\u00e4bischen Kreises ein. Dies ver\u00e4rgerte den Grafen<\/p>\n<p>so, dass er seinen Warthausener Verwalter\u00a0 von La Roche anwies, den noch nicht rechtskr\u00e4ftigen Verwaltungsakt sofort zu annullieren. Wieland reagierte entsetzt und lamentierte. Auch Sophie wurde eingeschaltet. Graf Stadion belie\u00df es bei der<\/p>\n<p>internen Dem\u00fctigung und erlaubte\u00a0 Wieland nun die \u00f6ffentliche F\u00fchrung des Titels. Schwerer wog eine Auseinandersetzung zwischen Warthausen und der Stadt Biberach, in der sich La Roche als\u00a0 Oberamtmann und Wieland als st\u00e4dtischer Kanzleidirektor<\/p>\n<p>sozusagen von\u00a0 Amts wegen gegen\u00fcber standen. Zun\u00e4chst ging es um einen Handelsboykott um die Eink\u00fcnfte der Biberacher Handwerksgilden zu sichern. Versch\u00e4rft wurde der Streit wegen Meinungsverschiedenheiten wegen umstrittener<\/p>\n<p>Gemarkungsrechte beim Holzeinschlag. Wieland verhielt sich in dieser Angelegenheit ziemlich ungeschickt. Mit nichtabgesprochenen Briefen ver\u00e4rgerte er B\u00fcrgermeister und Magistrat. In Warthausen zieh man ihn der Undankbarkeit und<\/p>\n<p>erwog, den Pfalzgrafentitel abzuerkennen. Sophie versuchte zwar zu vermitteln, aber auch sie war ver\u00e4rgert und Wieland sa\u00df zwischen allen St\u00fchlen. Der Graf aber zog sich nach B\u00f6nnigheim zur\u00fcck. Wieland hatte nun keinen Zugang mehr<\/p>\n<p>zur Warthausener Bibliothek und auch der Musenhof mit seiner intellektuellen Atmosph\u00e4re entfiel. In dieser Zeit mietete sich Wieland ein kleines Gartenhaus, ganz nah bei der Stadt gelegen.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Wieland-Gartenhaus-BC.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"220px-Wieland-Gartenhaus-BC\" alt=\"220px-Wieland-Gartenhaus-BC\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Wieland-Gartenhaus-BC_thumb.jpg\" width=\"224\" height=\"190\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es beherbergt heute das Wielandmuseum in Biberach. Er schreibt\u00a0 \u201cNur ein kleines Tusculum geht mir noch ab, und bis ich erben werde (wozu vor den n\u00e4chsten zwanzig Jahren wenig Hoffnung ist), sehe ich auch keine M\u00f6glichkeit eines zu bekommen.<\/p>\n<p>In Ermangelung dessen habe ich ganz nahe an unserer Stadt, aber doch in einem etwas einsamen Orte, ein artiges\u00a0 Gartenhaus gemiethet, wo ich die angenehmste Landaussicht von der Welt habe, und, so nahe es meinem Hause in der Stadt ist,<\/p>\n<p>doch v\u00f6llig auf dem Lande bin.\u201d (Am 24. August 1768 an Riedel in\u00a0 <span style=\"font-size: medium;\">Auswahl denkw\u00fcrdiger Briefe, Band 1von<\/span> Christoph Martin Wieland S. 274)<\/p>\n<p>In diesem Wielands Tusculum\u00a0 vollendete er den 2. Teil des Agathon und hier begann er mit Idris und Zenide.<\/p>\n<p>Auch dem Grafen von Stadion ging der geistreiche Umgang mit Wieland ab. In seinem letzten Lebensjahr kam der Graf\u00a0 nach Warthausen zur\u00fcck. Und dort vers\u00f6hnte man sich auch wieder.\u00a0 Auch hier trat Sophie als Vermittlerin auf.<\/p>\n<p>Sein letztes Biberacher Werk war Musarion oder die Philosophie der Grazien. Es erschien 1768 und zwar erstmals\u00a0 im Verlag Weidmann. Wieland hatte im Januar 1768 eine Korrespondenz mit Justus Riedel begonnen, der zu der Zeit Professor in<\/p>\n<p>Erfurt war. Dieser kn\u00fcpfte auch den Kontakt zu dem Leipziger Verleger Philipp Erasmus Reich. Es gab sicher einige Gr\u00fcnde zu der Trennung von Z\u00fcricher Verlag Orell Gessner &amp; Co. Zum einen hatte Wieland seine\u00a0 W\u00fcnsche und Erwartungen<\/p>\n<p>unverbl\u00fcmt zum Ausdruck gebracht, aber dem wurde nicht entsprochen. Das f\u00fchrte zu Mi\u00dfstimmung. Aber er zweifelte auch an der Konkurrenzf\u00e4higkeit des Verlages. Er war zum Beispiel auch unzufrieden mit dem stockenden Absatz seines<\/p>\n<p>Agathons, wie er 1771 aus Erfurt Gessner vorrechnete und darauf verwies, dass in 6 Jahren nur 1100 Exemplare verkauft worden. Reich habe in einem Drittel der Zeit doppelt so viel umgesetzt (Wieland an Gessner Erfurt 13.12. 1771)<\/p>\n<p>Au\u00dferdem hatte ihm Reich ein weitaus h\u00f6heres Honorar geboten. Nicht zuletzt sprachen auch die Rahmenbedingungen f\u00fcr Leipzig. In Z\u00fcrich griff die Zensur viel st\u00e4rker ein. In M\u00fcnchen, Wien und Z\u00fcrich war der Agathon<\/p>\n<p>verboten, in Leipzig nicht. Dem trug Wieland insoweit Rechnung, als er die Werke, die bis 1768 erschienen waren, in Z\u00fcrich belie\u00df, die neuen Werke aber bei Weidmann drucken lie\u00df. Wielands neue Werke erschienen auch in neuer Ausstattung.<\/p>\n<p>Adam Friedrich Oeser, Maler Bildhauer und Buchillustrator (Goethe z\u00e4hlte von 1765-1768 zu Oesers Sch\u00fclern) zeichnete die Vignetten und Christian Gottlieb Geyser, auch ein Sch\u00fcler Oesers stach die Kupfer und Vignetten. Verskunst und Ausstattung erg\u00e4nzten sich<\/p>\n<p>so ideal. In der zweiten Auflage ist das Dedikationsschreiben an \u201cAn Herrn Crey\u00dfsteuereinnehmer Weisse in Leipzig\u201d abgedruckt. Die Datierung Warthausen den 15. M\u00e4rz 1769 ist sicher auch als Dank an Warthausen zu sehen.<\/p>\n<p>Wieland konnte eigentlich zufrieden sein. Seine Position in Biberach war gesichert. Sein literarischer Ruhm stieg. Und seine Frau hatte nach einer Fehlgeburt, die beide sehr belastet hatte, am 19. Oktober 1768 das erste Kind, die Tochter Sophie<\/p>\n<p>Anna Katharina zur Welt gebracht. Aber Wieland hatte, schon vor der Briefwechsel mit Riedel begonnen hatte, \u00fcber eine Professur in Erfurt nachgedacht. Der alte Graf von Stadion hatte Besuch aus Mainz, seinen fr\u00fcheren Sekret\u00e4r\u00a0 Franz Wilhelm von Loskant,<\/p>\n<p>der jetzt f\u00fcr Kurmainz als Assessor am Reichskammergericht in Wetzlar war. Dann war zugegen der kurf\u00fcrstliche mainzische K\u00e4mmerer Philipp Ernst Freiherr von Gro\u00dfschlag, der erste Minister des Mainzer Erzbischofs Joseph Emerich, dem Nachfolger vom<\/p>\n<p>Dienstherrn des Grafen von Stadion. Beide waren erkl\u00e4rte Verehrer des Agathons. Graf von Stadion und La Roche fanden, dass Wieland gut nach Erfurt passen w\u00fcrde. Loskant machte dann in Warthausen gedeckt durch Minister\u00a0 Gro\u00dfschlag den Vorschlag einer<\/p>\n<p>Professur in Erfurt. Wieland war nicht abgeneigt. Er erkl\u00e4rte nach Ofterdinger (S.232) \u201cda\u00df, wenn er irgend in der Welt eine academische Stelle begleiten wollte, so w\u00e4re es in Erfurt.\u201d Von Gro\u00dfschlag war f\u00fcr Wieland kein Unbekannter. Der Mainzer<\/p>\n<p>Gro\u00dfhofmeister war aus\u00a0 von Stadions Schule hervorgegangen.Vor allem La Roche hatte besten Kontakt zu von Gro\u00dfschlag. Laut Schulze-Maizier (Wieland in Erfurt, 1769-1722 S. 18) \u201cgalt La Roche bei Gro\u00dfschlag alles\u201d.Bei den weiteren Unterhandlungen war<\/p>\n<p>von La Roche ein hervorragender Ratgeber. Dank seiner langj\u00e4hrigen T\u00e4tigkeit in Mainz war er bestens mit den kurmainzischen Verh\u00e4ltnissen vertraut. Er verf\u00fcgte ja aber auch \u00fcber den notwendigen diplomatischen Verstand.<\/p>\n<p>Im Gegenzug verschaffte ihm Wieland den Kontakt zu Salomon Gessner. Der Sohn Fritz kam zur Erziehung zu Wieland nach Erfurt. Die \u201cBriefe \u00fcber das M\u00f6nchswesen\u201d erschienen dann ja auch in Z\u00fcrich. Schnell hatte Wieland aber auch Bedenken.<\/p>\n<p>Zum einen besorgte ihn der Abschied von seinem betagten Vater. Auch die Tatsache, dass er keinen akademischen Grad hatte, was von ihm ja eine Magisterpromotion erfordert h\u00e4tte, machte ihm zu schaffen, zumal er ja Dank seines Pfalzgrafentitels<\/p>\n<p>selbst Magister der freien K\u00fcnste kreieren k\u00f6nne. Den Ausschlag gab ebenfalls nach Ofterdinger (S. 224) ein Reichsratsbeschluss, der Kanzleidirektoren eine hohe Verantwortlichkeit in finanziellen Angelegenheiten aufgeb\u00fcrdet hatte,<\/p>\n<p>etwas, was Wieland verhasst war. Nachdem der Erfurter Senat auch Hindernisse wegen des fehlenden akademischen Grads aus dem Weg ger\u00e4umt hatte, wurde Wieland im Februar 1769 zum ersten Professor der Philosophie ernannt. Verbunden<\/p>\n<p>war das mit der Ernennung zum kurmainzischen Regierungsrat. Diese Stelle wurde mit 600 Talern dotiert. Gleichzeitig wurde ihm bedeutet, dass er keine Vorlesungen halten m\u00fcsse, dass er \u00fcber seine Zeit frei verf\u00fcgen k\u00f6nne und dass man ihn vor allem<\/p>\n<p>seines Namens wegen geholt habe. Dass Wieland gut zu verhandeln wusste, hatte er schon bei seinen Verhandlungen mit seinem Verlag gezeigt. Die 600 Reichstaler waren seine Bedingung gewesen. Aber er verga\u00df auch nicht die<\/p>\n<p>Erstattung der Umzugskosten, die er pr\u00e4numerando\u00a0 \u201c in einem ehrlichen Wechselbrief \u00e0 vue zu Augsburg\u201d (Schulze-Maizier , S. 19) zu erhalten w\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Die Universit\u00e4t Erfurt ist zwar die \u00e4lteste in Deutschland. Ihr Gr\u00fcndungsbelegung stammt aus dem Jahr 1379. Heidelberg folgt dann erst mit 1385 und K\u00f6ln mit 1388. Die gro\u00dfe Zeit der Erfurter Universit\u00e4t war<\/p>\n<p>im Humanismus. 1664 war Erfurt eine kurmainzische Landesuniversit\u00e4t geworden, deren Aufgabe haupts\u00e4chlich darin bestand, Beamte auszubilden. Die Universit\u00e4t sollte im Geist er Aufkl\u00e4rung nochmals neu belebt werden. Vor allem Karl Theodor von Dalberg<\/p>\n<p>machte Erfurt wieder zu einem Zentrum von Kultur und Bildung. Er holte die gro\u00dfen Geister der Zeit an seine Statthalterei. Eine durchgreifende\u00a0 Erneuerung gelang aber nicht und so verlie\u00df auch Wieland nach drei Jahren Erfurt schon wieder.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/370px-StatthaltereiTafel3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"370px-StatthaltereiTafel3\" alt=\"370px-StatthaltereiTafel3\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/370px-StatthaltereiTafel3_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"186\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<h5><\/h5>\n<p>Geradezu enthusiastisch begr\u00fc\u00dfte Riedel in der Erfurtischen gelehrten Zeitung , die er seit 1769 herausgab, in der Ausgabe vom 3. M\u00e4rz im achtzehnten St\u00fcck \u201cIn dieser Zeitung habe ich noch keine so interessante und f\u00fcr alle, die sie lesen und nicht<\/p>\n<p>lesen, so wichtige Nachricht ank\u00fcndigen k\u00f6nnen, als folgende: Derjenige unsrer Teutschen Schriftsteller, mit dem wir am meisten gegen Ausl\u00e4nder trotzen k\u00f6nnen, dieses vaste Genie, wie es der selige Meinhard nennte, der Verfasser<\/p>\n<p>der Natur der Dinge, der Sympathien, des Agathon, der komischen Erz\u00e4hlungen, des Don Silvio von Rosalva, der Musarion, des Idris- mit einem Worte Herr Wieland ist von Sr. Churf\u00fcrstlichen Gnaden zum ersten Professor der Philosophie..<\/p>\n<p>ernennt worden.\u201d (in Christoph Martin Wieland S\u00e4mtliche Werke Bd. 50\/51 Leipzig 182 S. 517)<\/p>\n<p>Kurz vor Wielands Ernennung war Graf von Stadion am 28. Oktober 1768 in Warthausen gestorben. Zum Leichenzug war der gesamte oberschw\u00e4bische Adel zugegen. Die drei oberschw\u00e4bischen Pr\u00e4laten von Ochsenhausen, Rot und Schussenried nahmen<\/p>\n<p>die Aussegnungen vor und auch die Reichsstadt Biberach war mit einer Abordnung vertreten.<\/p>\n<p>Wieland reichte nach seiner Ernennung zum Professor \u00a0seinen Amtsr\u00fccktritt ein, dem der evangelische Rat am 30. M\u00e4rz 1769 entsprach. Das B\u00fcrgerrecht blieb dem nun doch schon recht ber\u00fchmten Sohn erhalten. An Pfingsten verlie\u00df er Biberach.<\/p>\n<p>Die einfachen B\u00fcrger waren mit dem Weggang Wielands unzufrieden. Am 31. Mai schreibt er an Riedel. In dem Brief regelt er zun\u00e4chst Dinge f\u00fcr seinen bevorstehenden Umzug. Seinen Weggang vermerkt er so: \u201c Hier zu Lande<\/p>\n<p>ist gro\u00dfer Lerm \u00fcber mein Fortgehen, und zu Biberach glaubt das Volk, welches mich liebte, da\u00df Gog und Magoz, als die Vorl\u00e4ufer des Antichrists, unmittelbar, sowie ich bey dem einen Thor ausziehe, bei dem gegen\u00fcberstehenden einziehen werde.<\/p>\n<p>Uns\u00e4glich ist der Unwille, den die guten Leute \u00fcber ihre Herren haben, weil man mich, wie sie meinen nicht gehen lassen sollte.\u201d (Auswahl denkw\u00fcrdiger Briefe S. 278)Und auf der vorherigen Seite schreibt er, \u201cda\u00df ich mein\u00a0 ganzes<\/p>\n<p>Domestique mitbringe. Ich kann nicht ohne eine schw\u00e4bische K\u00f6chin seyn.\u201d<\/p>\n<p>Obwohl ihm bei der Anstellung bedeutet wurde, dass er mehr als Aush\u00e4ngeschild dienen sollte, entwarf er f\u00fcr die Universit\u00e4t ehrgeizige Lehrpl\u00e4ne, wobei er von der Kenntnis Schweizer Schul-und Unterrichtspl\u00e4ne profitierte.<\/p>\n<p>Wieland war Gr\u00fcndungsmitglied der 1754 gegr\u00fcndeten Akademie gemeinn\u00fctziger Wissenschaften zu Erfurt. Er arbeitete an der Erfurtischen gelehrten Zeitung mit.<\/p>\n<p>Seine Lehrt\u00e4tigkeit begann er am 3. Juli 1769 mit Vortr\u00e4gen \u00fcber\u00a0 die\u201d Philosophie der Geschichte, oder \u00fcber Iselins Geschichte der Menschheit\u201d Er las au\u00dferdem\u00a0 \u201c\u00dcber griechische, lateinische,englische und franz\u00f6sische Schriftsteller\u201d \u201cGelehrte Geschichte:<\/p>\n<p>griechische Dichter, Redner und Geschichtsschreiber\u201d, \u201cEncyklop\u00e4die der philosophischen Wissenschaften nach einem eigenen Grundrisse\u201d,. Es gab \u201cGeschichtskunde, was\u201cGeschichte von Karl dem Gro\u00dfen bis zum Westf\u00e4lischen Frieden\u201d umfasste.<\/p>\n<p>Die Berufung neuer Lehrkr\u00e4fte lag nicht in der Verantwortung der Universit\u00e4t sondern war, wie ja auch bei Wieland ein hoheitlicher Akt des Landesherrn. Der Lehrk\u00f6rper galt als \u00fcberaltert und sehr konservativ und zog Studenten nicht unbedingt an.<\/p>\n<p>Den Studentenschwund konnte auch Wieland nicht stoppen. Um Wielands Freund, Friedrich Justus Riedel, der in Erfurt einen Lehrstuhl f\u00fcr \u00c4sthetische Wissenschaften innehatte, gab es eine Gruppe freigeistig orientierter Professoren<\/p>\n<p>wie die protestantischen Theologen Carl Friedrich Bahrdt und Johann Christian Lossius, der ab 1770 einen Lehrstuhl f\u00fcr Philosophie in Erfurt hatte und ab 1772 zus\u00e4tzlich f\u00fcr Theologie. Johann Georg Meusel lehrte in Erfurt Geschichte.<\/p>\n<p>Johann Christian Schmid war dort seit 1769 au\u00dferordentlicher Professor der Rechtswissenschaften. Auch Johann Friedrich Herel, Altphilologe geh\u00f6rte zu diesem Kreis. Als Anf\u00fchrer der konservativen Gruppe galt Andreas Nunn, Professor f\u00fcr<\/p>\n<p>Medizin und Philosophie. Er war auch der Hauptgegner der Berufung Wielands zum Professor. In seinen Briefen an Sophie La Roche berichtet Wieland schreibt er ihr von gegen ihn und Riedel gerichteten Kabalen. Aber\u00a0 Der Kurf\u00fcrst habe seine Gegner mit<\/p>\n<p>einem \u201cschrecklichen\u201d Dekret belegt. Er selbst und Riedel seien aber zu Beisitzern des akademischen Senats und der kurf\u00fcrstlichen akademischen Kommission ernannt worden.Was b\u00f6ses Blut verursacht hatte und was man ihnen zum Vorwurf<\/p>\n<p>machte, war, dass Wieland und Barth ihre akademischen Grade nicht auf reellem Wege erlangt h\u00e4tten. Nat\u00fcrlich war auch die Berufung eines Verfassers kom\u00f6diantisch-lasziver Schriften nicht die Traumvorstellung der katholisch-orthodoxen Fraktion<\/p>\n<p>des Erfurter Lehrk\u00f6rpers. Nunn und andere Professoren mussten 1769 die Universit\u00e4t verlassen. Allerdings trat damit keine Ruhe ein, die Relegierten denunzierten nun. Pater Jordan, vorher Professor in Erfurt,\u00a0 war vor seiner Relegation einer der<\/p>\n<p>\u00fcbelsten Verleumder, wenn es darum ging, die freigeistigen Professoren zu bek\u00e4mpfen. Nach seiner Entlassung wandte er sich sogar direkt an den Kaiser, um Bahrdt, Meusel, Riedel und Wieland als Gottesl\u00e4sterer zu denunzieren.<\/p>\n<p>Der Vorwurf der Gottesl\u00e4sterung galt zu der Zeit als schwere Straftat, die entsprechend bestraft werden konnte.<\/p>\n<p>Gleich nach seinem Amtsantritt hatte er sich auch damit ganz konkret zu befassen. Ein Student Joseph Schwarz und Sch\u00fcler Wielands war anonym wegen Gottesl\u00e4sterung denunziert worden\u00a0 und zu Kerkerhaft verurteilt worden. Wieland konnte den Studenten aber<\/p>\n<p>frei bekommen, ihm eine Hofmeisterstelle bei von Laroche in Ehrenbreitstein als Erzieher der Kinder von Laroche verschaffen. Als allerdings Kurf\u00fcrst Emmerich am 11. Juni 1774 verstarb, wurde versucht, das Rad zur\u00fcckzudrehen. Auch Nunn und Jordan bekamen ihre Stellen in Erfurt wieder. Josef Schwarz, mittlerweile Lehrer am Emmerizianischen Gymnasium in Mainz wurde wie zwei seiner Kollegen verhaftet und er kam sogar zu einem Inquisitionsprozess gegen sie. (Siehe dazu Bernd Seuffert,<\/p>\n<p>Wielands Erfurter Sch\u00fcler vor der Inquisition, Euphorion 3 S. 376-389 und 722-) Der Nachfolger Emmerichs Carl Friedrich erwies sich bald als noch freisinniger als sein Vorg\u00e4nger. Schwarz erhielt eine Anstellung am Lehenshof in Mainz.<\/p>\n<p>Es kamen noch weitere Probleme im unmittelbaren Umfeld Wielands vor, die ihm sein Arbeit an der Universit\u00e4t nicht erleichterte. Eine Schrift des Theologen Bahrdt war als ketzerisch verleumdet worden und er musste die Universit\u00e4t verlassen.<\/p>\n<p>Sein Freund Riedel hatte Gelder aus der Universit\u00e4tskasse entnommen und konnte diese nicht zur\u00fcckzahlen. Schuldhaft und Universit\u00e4tsverweis waren die Folge.<\/p>\n<p>Dies und der st\u00e4ndige Widerstand\u00a0 der katholisch-orthodoxen Fraktion an der Universit\u00e4t d\u00fcrften ihn zum dem Sto\u00dfseufzer veranlasst haben, \u201c da\u00df\u00a0 man leichter einen Mohren wei\u00df waschen, als die Erfurter Universit\u00e4t empor<\/p>\n<p>bringen k\u00f6nnte\u201d<\/p>\n<p>Wie auch in Biberach reagierte Wieland auf diese misslichen \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden mit starker literarischer Produktivit\u00e4t. Parallel zum ersten Vorlesungssemester erschien\u00a0 Sokrates Maimonemos oder die Dialogen des Sokrates von Sinope,<\/p>\n<p>eine philosophische Erz\u00e4hlung. Zur gleichen Zeit beendete er den zweiten Teil des Versepos Der neue Amadis, der schon in Biberach begonnen wurde. Er kn\u00fcpft an das popul\u00e4re Genre der Ritterromane an. Es ist eine Verserz\u00e4hlung und Wieland erkl\u00e4rt<\/p>\n<p>im \u201cVorbericht zur gegenw\u00e4rtigen\u00a0 Ausgabe\u201d (das ist die Wiederver\u00f6ffentlichung des Neuen Amadis in der Werksausgabe von 1794 ff.) welches Versma\u00df er verwendet hat und warum er es verwendet hat. Das zeigt dass\u00a0 eine wohlbedachte<\/p>\n<p>Komposition zugrunde liegt. Dabei kommt es so leicht und locker daher und erweckt den Eindruck von locker aus dem \u00c4rmel gesch\u00fcttelten Zeilen. Es gezeugt auch wie die Grazien Wielands Affinit\u00e4t zum Rokoko.<\/p>\n<p>Es folgte 1772 Der goldene Spiegel oder die K\u00f6nige von Seschian. Es war das Hauptwerk seiner Erfurter Zeit. Der Goldene Spiegel ironisiert die Tradition des F\u00fcrstenspiegels. Es ist sein \u201cStaatsroman\u201d. Er illustriert Wielands anthropologische Skepsis.<\/p>\n<p>Ein vollkommener\u00a0 Staat im ewigen Frieden ist unter Menschen nicht denkbar. Versucht mans trotzdem muss das zur Katastrophe f\u00fchren.<\/p>\n<p>Wieland unternahm mit jedem seiner Werke etwas Neues. Keines folgte einer Tradition, die in der deutschen Literatur schon vorhanden war. Darin liegt auch seine Bedeutung. Er hatte an der Entwicklung der deutschen Literatur im<\/p>\n<p>18. Jahrhundert sowohl literarisch als auch publizistisch einen ma\u00dfgeblichen Einflu\u00df. Er ist nach Heinz (Wielandhandbuch Stuttgart 2008). Er ist f\u00fcr Epik und Vers das, was Klopstock f\u00fcr die Lyrik und Lessing f\u00fcr das Drama bedeutete.<\/p>\n<p>Am 11. Mai 1770 wurde seine zweite Tochter Maria Carolina Friederica geboren. Kurz nach der Geburt reiste er, zeitlebens reiseunlustig, nach Leipzig um dort seinen Verleger Philipp Erasmus Reich pers\u00f6nlich kennen zu lernen.<\/p>\n<p>Er kam da auch mit Personen in Kontakt, die an der Herstellung seiner Oktavb\u00e4nde beteiligt waren. Auf Adam Friedrich Oeser wurde bei der Musarion schon hingewiesen. Er war Leipziger Akademiedirektor und kurs\u00e4chsischer Hofmaler.<\/p>\n<p>Oesers Sch\u00fcler Friedrich Heinrich F\u00fcger fertigte eine Portr\u00e4tminiatur Wielands an.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/200w_A112Wieland.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"200w_A112Wieland\" alt=\"200w_A112Wieland\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/200w_A112Wieland_thumb.jpg\" width=\"195\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter am 7. Mai 1771 begann er mit Fritz von La Roche eine 35 t\u00e4gige Reise in die Rheingegend. Grund der Reise war, dass Fritz aus der Wielandschen Obhut wieder zu seinen Eltern nach Ehrenbreitstein zur\u00fcckkehren sollte.<\/p>\n<p>Allerdings waren die Bem\u00fchungen f\u00fcr die Bildung von Fritz nicht besonders erfolgreich. In seinem Brief an Sophie La Roche vom April 1770 schreibt ihr Wieland, dass Fritz nicht viel mehr gelernt habe, als er vor 10 Monaten wusste<\/p>\n<p>\u201caber freylich hat er von der Gelegenheit, bey mir zu , wenig profitirt\u201d und vorher hatte er festgestellt \u201c da es aber unm\u00f6glich ist, einen jungen Menschen mit Gewalt gelehrt zu machen\u201d aber er macht Ihr trotzdem Hoffnung.<\/p>\n<p>\u201cErwarten Sie von dem guten Naturell des jungen Menschen viel Gutes und ich hoffe, sie werden sich nicht betrogen finden.\u201d(Neue Briefe Christoph Martin Wielands, vornehmlich an Sophie von La Roche, Stuttgart 1894 S.192 f.)<\/p>\n<p>Man besuchte Gie\u00dfen, Frankfurt, Wetzlar, Darmstadt, Koblenz, Mainz und D\u00fcsseldorf. F\u00fcr Wieland war es die Gelegenheit,<\/p>\n<p>wichtige Leute aus dem Mainzer Hofstaat pers\u00f6nlich zu treffen. In Mainz besuchte er Carl von Dalberg kurz nach dessen Ernennung zum Statthalter in Erfurt. Das hochkar\u00e4tigste Treffen f\u00fcr Wieland war drei Tage sp\u00e4ter am 30. Mai<\/p>\n<p>1771 eine Audienz beim Mainzer Kurf\u00fcrsten Emmerich Joseph in H\u00f6chst. Bei dieser Gelegenheit besichtigte man auch die Gem\u00e4ldesammlung vom Grafen von Stadion. Sechs Tage verbrachte Wieland bei seinem wichtigsten G\u00f6nner und F\u00f6rderer,<\/p>\n<p>dem Gro\u00dfhofmeister von Groschlag in Dieburg. Das pers\u00f6nlich bedeutendste Treffen war f\u00fcr Wieland sicher das Wiedersehen mit Sophie von La Roche am 13. Mai 1771 in Ehrenbreitstein (siehe dazu auch Blog: Sophie von La Roche).<\/p>\n<p>In seiner Erfurter Zeit ergab sich ein intensiver Briefwechsel zwischen Erfurt und Halberstadt. Im brandenburgischen F\u00fcrstenturm war damals Johann Wilhelm Ludwig Gleim Sekret\u00e4r des Halberst\u00e4dter Domkapitels. Gleim unterhielt Korrespondenz mit allen<\/p>\n<p>literarischen Gr\u00f6\u00dfen seiner Zeit. Er hatte auch den Halberst\u00e4dter Dichterkreis begr\u00fcndet, einem Bund junger Literaten. Zu Gleims Prot\u00e9g\u00e9s geh\u00f6rte auch Johann Georg Jacobi, der in Halberstadt ebenso anakreontische Dichtungen verfasste, wie<\/p>\n<p>sein G\u00f6nner Gleim. Jacobi hatte Wieland brieflich die Freundschaft angetragen,was dieser freudig annahm. Dem schloss sich noch der j\u00fcngere Bruder Johann Georgs an, der Dichter Friedrich Heinrich Jacobi. Man bildete einen literarischen Zirkel,<\/p>\n<p>man las gegenseitig\u00a0 Manuskripte. Man tauschte sich aus. Gleim und die Br\u00fcder Jacobi befassten sich mit Wielands j\u00fcngsten Werken. Bei dieser Reise nun lernten sich die vier endlich pers\u00f6nlich kennen.<\/p>\n<p>Am 11. Juni 1770 kehrt Wieland von seiner Reise zur\u00fcck. Am Tag zuvor wurde seine dritte Tochter Regina Dorothea geboren.<\/p>\n<p>Der Dichterbund kam kurz nach der R\u00fcckkehr in eine heftige Krise, die fast sein Ende bedeutet hatte. Wieland hatte nun mal nicht den Gleichmut, den er in seinen Werken propagierte. Auch bei Fritz hatte er ja eingestehen<\/p>\n<p>m\u00fcssen, dass er mit seiner Geduld \u00fcberfordert war. Eine Schrift, die der anakreontische Dichter Johann Benjamin Michaelis verfasst hatte, hatte Wieland sehr bissig rezensiert. \u201cPastor Amor\u201d hatte in Wielands Augen die Ehre<\/p>\n<p>von Gleim und Georg Jacobi verletzt. Die beiden reagierten jedoch gelassen. Sie bekundeten sogar Verst\u00e4ndnis. Das wiederum konnte Wieland nicht verstehen. Der Streit eskalierte. Und als Jacobi auch noch Sophie um Vermittlung<\/p>\n<p>bat, reagierte Wieland noch verbohrter. Der \u201cGrazienbund\u201d war ratlos und verstummte.<\/p>\n<p>Als Wieland in Ehrenbreitstein war, ging auch die Ver\u00f6ffentlichung von Sophie von La Roches \u201cFr\u00e4ulein Sternheim\u201d voran. Wieland hatte sich ja f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung stark gemacht.<\/p>\n<p>\u201dAllerdings beste Freundin, verdient Ihre Sternheim gedruckt zu werden; und sie verdient es nicht nur; nach meiner vollen \u00dcberzeugung erweisen sie Ihrem Geschlecht<\/p>\n<p>einen wirklichen Dienst dadurch. Sie soll und mu\u00df gedruckt werden, und ich werde Ihr Pflegevater seyn\u201d (zitiert nach MDZ Reader Bayrische Staatsbibliothek digital, Briefe an Sophie von La Roche, S.125)<\/p>\n<p>\u201cDie Geschichte des Fr\u00e4ulein von Sternheim\u201d erschien dann 1771 in Wielands Leipziger Verlag. Er selbst fungierte als Herausgeber. Wieland ist ja der Sch\u00f6pfer des modernen deutschen Romans. Doch als \u201cPflegevater\u201d<\/p>\n<p>verantwortete er auch den ersten deutschen Erfolgsroman, der von einer Frau geschrieben wurde. Er hatte den Kontakt zum Verleger hergestellt.\u00a0 Ohne Datum schreibt er 1770 an Sophie von La Roche \u201c Reich soll sie<\/p>\n<p>in einer nicht \u00fcppig gezierten aber simpel sch\u00f6nen Ausgabe verlegen..\u201d (C.M. Wielands Briefe an Sophie von La Roche, herausgegeben von Franz Horn S. 125)Und auch sonst steht er ihr hilfreich zur Seite \u201c Bek\u00fcmmern Sie<\/p>\n<p>sich nicht um Correction, ich will das N\u00f6thige schon besorgen\u2026Sie machen der Welt und besonders Ihrem Geschlechte ein Geschenk mit einem Originalbuche, das in seinem Wert unsch\u00e4tzbar ist.\u201d (Brief vom 24. November 1770<\/p>\n<p>ebd. S 141). Wieland schreibt das Vorwort und tritt als Herausgeber auf.<\/p>\n<p>Wielands Goldener Spiegel war durchaus auch mit der Absicht verbunden, nach Wien zu kommen. Er hoffte, in die N\u00e4he von Joseph II. berufen zu werden. Sein Roman war aber in unmittelbarer Nachbarschaft sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen,<\/p>\n<p>n\u00e4mlich in Weimar. Im Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach war die Herzogin Anna Amalia (1739-1807) seit dem 28. Mai 1758 verwitwet und hatte zwei S\u00f6hne, Carl August beim Tod seines Vaters 14 und Konstantin 13.<\/p>\n<p>Sie war von ihrem Mann Herzog Ernst August II. Konstantin testamentarisch mit der vormundschaftlichen Landesadministration betraut worden. 1762 setzte sie den Grafen Johann Eustach von Schlitz genannt G\u00f6rtz ein. Die Beziehung war aber best\u00e4ndig von<\/p>\n<p>Misstrauen gepr\u00e4gt. Sie bef\u00fcrchtete, dass G\u00f6rtz ihr ihre S\u00f6hne entfremden wolle. 1772 holte sie Wieland in die Gruppe der Prinzenerzieher und hoffte wohl auch, in ihm einen Verb\u00fcndeten gegen G\u00f6rtz zu finden.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-1739_Anna_Amalia.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"220px-1739_Anna_Amalia\" alt=\"220px-1739_Anna_Amalia\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-1739_Anna_Amalia_thumb.jpg\" width=\"176\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1772 war Wieland erstmals f\u00fcr einige Tage in Weimar. Wieland wurde mit gro\u00dfen Ehren bedacht. Er war t\u00e4glich an der f\u00fcrstlichen Mahlzeit dabei. Man veranstaltete einen Maskenball f\u00fcr ihn<\/p>\n<p>mit einer Auff\u00fchrung t\u00e4nzerischer Szenen aus dem Neuen Amadis. Der Geehrte bedankte sich mit einem ausf\u00fchrlichen Brief an die F\u00fcrstin und f\u00fcgte einen Erziehungsplan f\u00fcr den Erbprinzen bei. Die Antwort der Herzogin<\/p>\n<p>kam eine Woche sp\u00e4ter. Wieland sandte einen weiteren Brief an Anna Amalia. Darin erl\u00e4uterte Wieland der Herzogin seine erzieherischen Pl\u00e4ne. Man empfand gegenseitige Sympathien, aber Wieland blieb abwartend.<\/p>\n<p>Als Wieland im April wieder nach Weimar reiste, wurde man in Erfurt hellh\u00f6rig. Es gab aber auch Debatten im h\u00f6fischen Staatsrat wegen der Prinzenerziehung. Es herrschte durchaus Skepsis, ob ein \u201cB\u00fcrgerlicher\u201d f\u00fcr das Hofleben<\/p>\n<p>geeignet sei. Und auch um Honorarfragen ging es. Aber schlie\u00dflich setzten sich die Bef\u00fcrworter einer Anstellung Wielands durch, wohl auch weil sowohl die Herzogin als auch der Erbprinz\u00a0 zeigten, dass sie Wieland als Erzieher wollten.<\/p>\n<p>Dann erhielt Wieland das Angebot einer Anstellung als Hofrat. Das war naturgem\u00e4\u00df befristet, denn am 3. September 1775 wurde der Erbprinz vollj\u00e4hrig und so lange sollte die Unterweisung dauern. Geboten waren 1000 Taler Gehalt und<\/p>\n<p>600 Taler Rente bis ans Lebensende. Ein Problem stellte sich allerdings f\u00fcr Wieland, n\u00e4mlich wie er \u201cvon guter Art von Erfurt loskommen k\u00f6nne\u201d. Nachdem die Universit\u00e4tsreform in Erfurt nicht sehr erfolgreich verlaufen war, hatten viele Professoren<\/p>\n<p>Erfurt wieder verlassen. Und nat\u00fcrlich wollte Wieland seinen F\u00f6rderer, den kurmainzischen Gro\u00dfhofmeister von Groschlag, nicht vor den Kopf sto\u00dfen. Er hatte ja einigen Anteil am gl\u00fccklichen Ende des \u201cWielandschen Prozesses \u201c, er hatte bei seiner<\/p>\n<p>Berufung zum Professor mitgewirkt, er hatte ihm das Privileg der Postfreiheit verschafft und auch versucht, nicht autorisierte Nachdrucke zu verhindern. Wieland stand also durchaus in der Pflicht.<\/p>\n<p>Nun hatte sich G\u00f6rtz an Groschlag gewandt, die Herzogin Anna Amalia an den Kurf\u00fcrsten. \u201cSie wage zwar viel durch diese Bitte, da sie wisse, wie sehr der Churf\u00fcrst auf Wieland hinsichtlich der Aufnahme der Erfurter Universit\u00e4t rechne,<\/p>\n<p>werde aber die Gew\u00e4hrung dieser Bitte als einen zuverl\u00e4ssigen Beweis von der Wirklichkeit und Fortdauer der freundschaftlichen Gewogenheit des Churf\u00fcrsten betrachten.\u201d (zitiert bei Heinrich D\u00f6ring Christoph Martin Wieland ein biographisches Denkmal,<\/p>\n<p>Sangerhausen 1840 S. 213) Am 25. Juli 1772 bat Wieland den Kurf\u00fcrsten Emmerich schriftlich um seinen R\u00fccktritt und am 4. September 1772 best\u00e4tigte ihm der Weimarer Hof seinen Eintritt in \u201cObervormundschaftliche Dienste.\u201d<\/p>\n<p>Am 17. September 1772 kam er schlie\u00dflich in Weimar an.Vorher hatte er in z\u00e4hen Verhandlungen noch seine Ernennung zum Hofrat auf Lebenszeit durchgesetzt, die Erstattung seiner Umzugskosten und das Ursprungsangebot noch erh\u00f6hen<\/p>\n<p>k\u00f6nnen. Kurz nach seiner \u00dcbersiedlung starb sein Vater Thomas Adam am 26. Dezember 1772 in Biberach. Seine Mutter holte er kurz danach nach Weimar.<\/p>\n<p>In seinem Brief an Sophie La Roche vom 7. August 1772 erl\u00e4utert er seinen Beweggrund, der ihn zum Wechsel nach Weimar veranlasste und auch in seinem Entlassgesuch an Kurf\u00fcrst Emmerich bringt er dies als Hauptgrund vor.<\/p>\n<p>\u201cdass die wenige Verbesserung des Einkommens\u00a0 der Beweggrund nicht gewesen ist, der mich verm\u00f6gen konnte, einen Entschlu\u00df zu fassen, wobei ich in mehr als einer Betrachtung so viel risquiere. \u2026Aber da wider mein ehemaliges Vermuthen,<\/p>\n<p>und ohne, da\u00df ich den kleinsten Schritt gethan\u00a0 h\u00e4tte, sie Sache zu bef\u00f6rdern, der Antrag an mich kam, den Verstand und das Herz eines jungen F\u00fcrsten ausbilden zu helfen, der in wenigen Jahren regieren soll, so konnt\u2019 ich unm\u00f6glich anders,<\/p>\n<p>als denken, dies sey eine Gelegenheit, mehr Gutes zu bewirken, als ich in meinem ganzen bisherigen Leben zu thun im Stande gewesen bin.\u201d (C.M. Wielands Briefe an Sophie von La Roche, herausgegeben von Franz Horn S.\u00a0 162 f.)<\/p>\n<p>Und an Kurf\u00fcrst Emmerich\u00a0 schreibt er\u00a0 zun\u00e4chst, dass eine \u201cschuldige ehrfurchtsvolle Zur\u00fcckhaltung gegen\u00fcber dem Kurf\u00fcrsten, ihm verbiete, alle Beweggr\u00fcnde darzulegen. \u201c Nur dies sei mir erlaubt zu sagen, da\u00df in der Verlegenheit, worin mein<\/p>\n<p>Gem\u00fcth durch diesen v\u00f6llig unerwarteten Antrag (das Angebot der Herzogin, den Erbprinzen zu erziehen) gesetzt ward, nichts als die v\u00f6lligste \u00dcberzeugung meines Gewissens, da\u00df ich die Gelegenheit durch Theilnahme an der Erziehung und Bildung<\/p>\n<p>eines hoffnungsvollen und mit seltenen F\u00e4higkeiten begabten jungen F\u00fcrsten einen vorz\u00fcglichen Nutzen zu stiften, ohne Verletzung meiner wesentlichen Pflichten gegen Gott und Vaterland, nicht von mir abweisen k\u00f6nne\u2026\u201d<\/p>\n<p>(zitiert bei Heinrich D\u00f6ring S.215).<\/p>\n<p>Wieland war noch in Weimar gebeten worden, literarisch zum Geburtstag der Herzogin am 24. Oktober 1772 beizutragen. Er brachte den Text zum Singspiel Aurora mit, das von Anton Schweitzer vertont wurde und zum Geburtstag der<\/p>\n<p>Herzogin seine Urauff\u00fchrung erlebte. Ein knappes halbes Jahr sp\u00e4ter folgte die Oper Alceste, der Text wieder von Wieland und die Musik von Anton Schweitzer . Sie wurde am 28. Mai 1773 am Hoftheater von Weimar erstmals<\/p>\n<p>aufgef\u00fchrt.Sie machte ihren Komponisten,der schon seit seinem Singspiel \u201cDie Dorfgala\u201d kein Unbekannter mehr war, ber\u00fchmt. Alceste wurde allein in Weimar 25 mal aufgef\u00fchrt, danach in Dresden, Leipzig, Mannheim, Frankfurt\/M., M\u00fcnchen, Berlin,<\/p>\n<p>Hamburg aber auch in Danzig und Prag.Sie war in dieser Zeit dann die meistgespielte Oper auf deutschen B\u00fchnen. Sie gilt als Meilenstein auf dem Weg zu einer deutschen Oper. Nach D\u00f6ring hatte Christoph Willibald Gluck Wieland schriftlich<\/p>\n<p>aufgefordert,ihm ebenfalls eine \u00e4hnliche Oper zu schreiben (S. 225)<\/p>\n<p>In einem Brief an Gluck vom 13. Juli 1776 schreibt er:\u201cIch habe Augenblicke, wo ich eifrig w\u00fcnschte, ein lyrisches Werk hervorbringen zu k\u00f6nnen, das werth w\u00e4re,von Gluck Leben und Unsterblichkeit zu empfangen. Zuweilen ist mir aber auch, ich k\u00f6nnt es. Aber dies ist nur ein vor\u00fcbergehendes Gef\u00fchl,nicht Stimme des Genius.\u201d (In Journal f\u00fcr Literatur, Kunst, Luxus und Mode, 1815, S. 261).<\/p>\n<p>Wichtigste Projekt aber wurde der Teutsche Merkur. Eine Zeitschrift war das publikumswirksamste Medium der Zeit und auch daf\u00fcr hatte Wieland schon Erfurt aus die ersten Impulse gegeben. Vorbild war der seit 1762 in Paris erscheinende<\/p>\n<p>\u201cMercure de France\u201d, ein literarisch-politisches Journal. In einem Brief an Riedel vom 17. September erl\u00e4utert er seine Pl\u00e4ne genauer. \u201cIch bin entschlossen, eine Art von Journal zu entrepreniren, welches quo ad formam einige \u00c4hnlichkeit mit<\/p>\n<p>dem Mercure de France haben soll. Prosaische Original-Aufs\u00e4tze,Litterarische Nachrichten,\u00a0 Recensionen und Revisionen unrichtiger Urtheile \u00fcber interessante Schriften, sollen die Hauptartikel davon ausmachen\u201d (Auswahl denkw\u00fcrdiger Briefe S.302)<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/00000004.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"00000004\" alt=\"00000004\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/00000004_thumb.gif\" width=\"141\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es sollte auch eine B\u00fchne f\u00fcr junge Schriftsteller werden, wie Wieland in seiner Vorrede zur ersten Ausgabe sagte. \u201c Die Unternehmer w\u00fcnschen also Beytr\u00e4ge zu erhalten, und laden dazu nicht nur die Schriftsteller ein, welche bereits im Besitz der<\/p>\n<p>allgemeinen Hochachtung sind: Sie sind gar nicht ungeneigt, auch f\u00fcr angehende Schriftsteller einen Schauplatz zu er\u00f6fnen, wo sie sich dem Publico zeigen k\u00f6nnen, und es w\u00fcrde ihnen sehr angenehm seyn, wenn sie durch diese Unternehmung Gelegenheit<\/p>\n<p>erhielten, ein hier und da noch schlummerndes Genie aufzuwecken, oder ein vielleicht unentschlossenes in die ihm angeme\u00dfne Laufbahn einzuleiten.\u201d Weiter sp\u00e4ter bittet der Herausgeber, die Erwartungshaltung nicht zu hoch werden<\/p>\n<p>zu lassen.\u201dAlles was ich noch hinzuzuf\u00fcgen habe, ist eine Erkl\u00e4rung an einige meiner Freunde, welche mir zu erkennen gegeben haben, dass sie Meisterst\u00fccke, und was f\u00fcr den Herausgeber noch f\u00fcrchterlicher ist, lauter Meisterst\u00fccke vom Merkur erwarteten.\u201d\u2026<\/p>\n<p>und weiter \u201cDem sey aber wie es wolle, ich meines Orts verlange von keinem Verfasser, so wenig als von irgend einem K\u00fcnstler ein vollkommenes, ein untadeliges Werk.\u201d (Vorrede zum Teutschen Merkur 1. Bd. 1773, ab S. IV).<\/p>\n<p>Friedrich Heinrich Jaobi hatte Wieland wohl auf diese Idee gebracht. Einiges\u00a0 hemmte das Projekt. Da war einmal die zu knapp bemessene Planungs-und Vorbereitungsphase, was am Anfang einen chronischen Mangel an Textbeitr\u00e4gen bewirkte.<\/p>\n<p>Wieland hatte sich ein enormes Arbeitspensum aufgeb\u00fcrdet. Die Korrespondenz war kaum zu bew\u00e4ltigen. Probleme mit den Papierlieferanten, s\u00e4umige Abonnementzahlungen oder die unzuverl\u00e4ssige Auslieferung der B\u00e4nde waren zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>Ein Netz von Kollekteuren in m\u00f6glichst vielen Teilen des deutschen Reiches musste aufgebaut werden, die als Werber von Abonnenten, Inkassostellen, Distributoren und Ansprechpartner fungierten. Der Leiter der Weimarer Schauspieltruppe Abel Seyler<\/p>\n<p>war Wielands erster Assistent und da er beruflich viel unterwegs war, auch einer der ersten Kollekteure. Zu ihnen kamen sp\u00e4ter Gleim und Goethe dazu. Aber 1774\u00a0 sind schon 121 Kollekteure belegt, unter anderem sein alter Freund<\/p>\n<p>Zimmermann, der mittlerweile in Hannover war, aber auch das Kayersl. Real Zeitungs-und Intelligenz Comptoir in Wien. Um die Attraktivit\u00e4t seines Merkurs zu steigern, suchte er Immanuel Kant, Lessing,\u00a0 Garve, Herder oder M\u00f6ser zu gewinnen.<\/p>\n<p>De Letztgenanten waren aber zu stark mit eigenen literarischen Arbeiten besch\u00e4ftigt, als dass sie ihm dauerhafte Mitarbeit zu sichern h\u00e4tten k\u00f6nnen. Kant konnte als Ersatz einen ostpreussischen Buchh\u00e4ndler vermitteln<\/p>\n<p>Trotzdem hatte der Teutsche Merkur zum Start 2500 Abonnennten. Daf\u00fcr sorgte nat\u00fcrlich der prominente Name des Herausgebers und die popul\u00e4re \u00fcberkonfessionelle Konzeption des neuen Journals. Das hatte er ja auch in seinem<\/p>\n<p>oben zitierten Brief an Riedel herausgestellt. \u201cEin Hauptgesetz soll seyn, alles was irgend einer in Deutschland recipirten Religion anst\u00f6\u00dfig seyn k\u00f6nnte, zu vermeiden; denn mein Merkur soll in den katholische Staaten ebenso gangbar werden,<\/p>\n<p>als in den protestantischen.\u201d (S.303). Um die Kundschaft an sich zu binden, versprach Wieland die Erstver\u00f6ffentlichung s\u00e4mtlicher seiner neuen Werke im Merkur. Zudem brachte er eine Fortsetzungs\u00e4sthetik. An besonders interessanten<\/p>\n<p>Stellen wurde unterbrochen und der Leser auf die n\u00e4chste Lieferung vertr\u00f6stet, also praktisch\u00a0 modernes Literaturmarketing vorweggenommen. Er hatte erkannt, dass man die Leute auf den n\u00e4chsten Band begierig machen musste.<\/p>\n<p>Er hatte die Konkurrenzunternehmen im Blick. Das waren damals \u201cDie Allgemeine deutsche Bibliothek\u201d von Friedrich Nicolai herausgegeben. Das war eine damals ma\u00dfgebliche Rezensionszeitschrift, die viertelj\u00e4hrlich erschien.<\/p>\n<p>Wie oben gezeigt wurde Wieland in seinen Anf\u00e4ngen als Autor von Nicolai kritisch begleitet. Die Bibliothek der sch\u00f6nen Wissenschaften und der freyen K\u00fcnste\u201c , die Christian Felix Wei\u00dfe von 1759 von Nicolai \u00fcbernommen hatte<\/p>\n<p>und bis 1765 weiterf\u00fchrte. Ab 1765 erschien sie dann als \u201cNeue Bibliothek der sch\u00f6nen Wissenschaften und der freyen K\u00fcnste\u201d 1776 hatte Boie\u00a0 \u201cDas Deutsche Museum\u201d gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Die ersten Ausgabe des Merkur startete mit \u201cFl\u00fcchtige poetischen St\u00fccke\u201d, Gedichte und \u00dcbersetzungen der Br\u00fcder Jacobi. Es gab zwei ausf\u00fchrliche Beitr\u00e4ge von Wieland \u00fcber das Singspiel Alceste. Wieland hatte seinen Merkur in den ersten Ausgaben<\/p>\n<p>auch als Forum f\u00fcr die Weimarer Theaterverh\u00e4ltnisse genutzt.Auch in den Folgeheften kamen die meisten Beitr\u00e4ge von den Br\u00fcdern Jacobi und Wieland selbst. Auch Gottfried August B\u00fcrger lieferte einige Beitr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Als es gelang den damals 26 Jahre alten\u00a0 Friedrich Justin Bertuch anzuwerben, entlastete das Wieland ganz enorm. Trotz bescheidener Bezahlung war das ein Gesch\u00e4ftspartner wie ihn Wieland sich besser nicht h\u00e4tte w\u00fcnschen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bertuchs weitere Laufbahn zeigt, welch universales Talent sich um den Merkur k\u00fcmmerte. Als der Hofmeister G\u00f6rtz entlassen worden war, wurde er Geheimsekret\u00e4r und Schatzmeister des jungen Herzogs Carl August. Er war von Anfang an in den<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Bertuch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"220px-Bertuch\" alt=\"220px-Bertuch\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Bertuch_thumb.jpg\" width=\"201\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>in den Kreis um Carl August eingebunden,in dem\u00a0 Goethe die zentrale Figur war. Bertuch war Schriftsteller und \u00dcbersetzer. Die Bekanntschaft mit Wieland hatte er als sein gl\u00fchender Verehrer selbst geschlossen, als dieser noch Professor in Weimar war.<\/p>\n<p>Er legte dem gro\u00dfen Dichter seine ersten dichterischen Versuche vor. Wieland war vom Enthusiasmus des jungen Mannes ger\u00fchrt. Er wurde sein v\u00e4terlicher Freund und ermunterte ihn zu weiterem kreativen Schaffen.<\/p>\n<p>Als Bartuch nun f\u00fcr den Merkur t\u00e4tig wurde, wechselte auf seinen Rat hin der Druckort des Journals von Rudolstadt nach Weimar. Der Vertrieb wurde an den Weimarer Carl Ludolph Hoffmann vergeben. Damit war eine professionelle<\/p>\n<p>verlagsbuchh\u00e4ndlerische Betreuung\u00a0 gesichert. Im November 1774 starb Wielands Sohn Carl Friedrich im Alter von nur sieben Wochen. Wieland, der seine Kinder liebte, litt darunter sehr. In dieser Phase schwerer seelischer<\/p>\n<p>Belastung \u00fcbernahm Bertuch die Druckaufsicht,\u00a0 Textrevision und die st\u00e4ndig wachsende Korrespondenz. Ab 1775 war der statt der bisherigen quartalsweisen Erscheinung eine monatliche Publikation sichergestellt.<\/p>\n<p>Auf der politischen B\u00fchne \u00e4nderte sich einiges. Hofmeister G\u00f6rtz war von Herzogin Anna Amalia entlassen worden. Er hatte, auch von Wieland kritisch beobachte,\u00a0 bei seinem Z\u00f6gling st\u00e4ndig gegen Anna Amalia intrigiert.<\/p>\n<p>Auch Bertuch sah diese Intrigen mit wachsender Entt\u00e4uschung. G\u00f6rtz sah durch die Toleranzpolitik der Herzogin die Privilegien des Adels bedroht und arbeitete auf eine vorzeitige Regierungs\u00fcbernahme von Carl August hin.<\/p>\n<p>Er wurde zwar ihn Ehren entlassen, bekam als wirklich Geheimer Rat ein lebenslanges Jahresgehalt von 1500 Talern. Die Landst\u00e4nde bewilligten zudem ein Geschenk von 20 000 Talern. Auf die F\u00fcrspr<span style=\"background-color: #ffffff;\">a<\/span>che Wielands wurde Bertuch<\/p>\n<p>am 4. September 1775, das war ein Tag nach der Inthronisation Carl August zu dessen Privatsekret\u00e4r und Schatullier ernannt. Das f\u00fchrte allerdings dazu, dass Bertuch im Sommer 1776 als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ausschied. Nun musste Wieland sich<\/p>\n<p>wieder allein um \u201cdas mercurialische Fabrikwesen\u201d k\u00fcmmern, wie er das in seinem Brief an Gleim vom 3. September 1776 nannte.<\/p>\n<p>Im 5. Band 1774 des Teutschen Merkurs\u00a0 wurde mit dem Abdruck der \u201cAbderiten, eine sehr wahrscheinliche Geschichte begonnen\u201d . Die Fortsetzung folgte in Band 6 und 7. Im ersten Vierteljahr 1779 folgte der Prozess um des Esels<\/p>\n<p>Schatten. Im 3. Vierteljahr 1780 folgte mit den \u201cFr\u00f6schen der Latona\u201d der 5. und letzte Teil. Er war Wielands kom\u00f6diantischter Roman und gilt als Meisterwerk satirischer Prosa. In den ersten beiden B\u00fcchern wird Anekdote an Anekdote gereiht.<\/p>\n<p>Die Handlung spielt in Abdera. Abdera ist historisch belegt ebenso wie Demokrit. Er f\u00fchrt Gespr\u00e4che mit seinen Landsleuten und ist der einzige vern\u00fcnftige Mann in Abdera. Es war Wieland aber sicher nicht um eine historische Schilderung zu tun.<\/p>\n<p>Abdera ist einfach Kulisse. Und wie er im \u201cSchl\u00fcssel zur Abderitengeschichte sagt: \u201cund wiewohl man schon l\u00e4ngst nicht mehr sagen kann: siehe hie ist Abdera oder da ist Abdera: so ist doch in Europa, Asia, Africa und America, soweit diese gro\u00dfe Erdviertel policiert<\/p>\n<p>sind, keine Stadt, kein Marktflecken, Dorf noch D\u00f6rfchen, wo nicht einige Glieder dieser unsichtbaren Genossenschaft anzutreffen sein sollten.\u201d Nat\u00fcrlich hat Wieland auf seinen Stationen in Z\u00fcrich, Erfurt und Weimar und vor allem in<\/p>\n<p>seiner Zeit als Biberacher Stadtschreiber Anregungen f\u00fcr seine Abderiten genug gefunden. Aber Abdera ist eben nicht Biberach oder Weimar sondern hat durchaus Modellcharakter.<\/p>\n<p>In den n\u00e4chsten drei B\u00e4nden behandelt jeder Band ein einziges Thema. Der 3. Band wurde im 4. Vierteljahr ver\u00f6ffentlicht und handelte vom abderitischen Theater. Es geht um die Intrigen, die vor, w\u00e4hrend und nach der Auff\u00fchrung stattfinden und sicher<\/p>\n<p>hat Wieland da auch seine Erfahrungen verarbeitet, die er in Mannheim gemacht hatte, als dort eine Oper von ihm aufgef\u00fchrt werden sollte. Im 1. Vierteljahr 1779 erscheint der Prozess um des Esels Schaden. Wieland schildert hier, wie zwei<\/p>\n<p>sture Rechthaber in einem simplen Prozess fast die ganze Stadt ruinieren. Am Schluss wird der v\u00f6llig unbeteiligte Esel dem Mob geopfert. Den Schluss bildet der 5. Band, der von der Verehrung der Stadtpatronin und G\u00f6ttin Latona. Er wird<\/p>\n<p>im 3. Vierteljahr 1780 ver\u00f6ffentlicht. Zu ihrer Verehrung sollen \u00fcberall Froschteiche angelegt werden. Die Stadt versumpft buchst\u00e4blich. Die letzten vern\u00fcnftig gebliebenen Abderiten k\u00f6nnen sich gegen das Gez\u00e4nk, der sich theologisch befehdenden<\/p>\n<p>Parteien nicht durchsetzen. Die Gegend ist f\u00fcr immer unbewohnbar geworden und die Abderiten m\u00fcssen ihre Stadt verlassen.<\/p>\n<p>Die Abderiten sind in einer Zeit geschrieben, in der das B\u00fcrgertum eine hohe Bl\u00fcte erreicht hatte. Seine Ideale Leistung und Bildung begannen sich gegen\u00fcber dem Geburtsadel durchzusetzen. Das Buch ist eine brillante Analyse kleinb\u00fcrgerlicher Lebenspraxis.<\/p>\n<p>Es erweist sich auch\u201cals die unbestechliche Entzauberung eines Systems zu dem Egoismus hinter dem Anschein von Dienstfertigkeit und Amtsanma\u00dfung bei mangelnder Sachautorit\u00e4t ebenso geh\u00f6ren wie der Mi\u00dfbrauch staatlicher Einrichtungen und<\/p>\n<p>eine raffinierte &gt;Kunst&lt; ungeb\u00fchrlicher Einflu\u00dfnahme\u201d (Wolfram Mauser Konzepte aufgekl\u00e4rter Lebensf\u00fchrung W\u00fcrzburg 200 S. 175).<\/p>\n<p>In den Erscheinungszeitraum der ersten beiden Abderitenb\u00e4nde f\u00e4llt auch \u201cDas Leben und die Meinungen des Herrn Magisters Sebaldus Nothanker\u201d (1773-1776)von Friedrich Nicolai und Goethes \u201cLeiden des jungen Werther\u201d (1774).<\/p>\n<p>Alle drei fanden in ganz unterschiedlichen Leserkreisen weite Verbreitung.<\/p>\n<p>Wieland zeigt in seinen Abderiten die Anf\u00e4lligkeit einer Gesellschaft f\u00fcr das Destruktive in ihr. Wieland zeigt die vielf\u00e4ltigen Formen des Sichanpassens und Einordnen, aber auch des Betrugs, Vertrauensbruchs und des zynischen Machtkalk\u00fcls.<\/p>\n<p>Hilfsbereitschaft, Wohlwollen und Loyalit\u00e4t werden nur vorget\u00e4uscht. Dahinter versteckt sich aber Nepotismus, Eigennutz, Selbstgef\u00e4lligkeit und Gewissenlosigkeit. Schon eine pessimistische Weltsicht in dem Buch, das kurz vor der franz\u00f6sischen<\/p>\n<p>Revolution geschrieben wird. Was empfiehlt der Aufkl\u00e4rer Wieland dagegen? Der Einzelne unterwirft sich aus Einsicht einem Regulativ. Ein gegenseitiges Einander-auf die Finger schauen, was letztlich st\u00e4rker ist als die sch\u00e4rfste Kontrolle der<\/p>\n<p>Obrigkeit. Man soll die Welt nicht nur vor den Torheiten der anderen sch\u00fctzen sondern auch vor den eigenen.<\/p>\n<p>In dem Dorf Weende nahe bei\u00a0 G\u00f6ttingen hatten sich am 12. September 1772 Johann Heinrich Vo\u00df. Ludwig Christoph Heinrich H\u00f6lty, Johann Martin Miller, Gottlieb Dietrich von Miller, Johann Friedrich Hahn und Johann Thomas Ludwig Wehrs<\/p>\n<p>versammelt und gr\u00fcndeten dort den \u201cHainbund\u201d. Sie studierten alle in G\u00f6ttingen und hatten sich zum Teil durch ihre literarischen Beitr\u00e4ge in dem von Heinrich Christian gegr\u00fcndeten G\u00f6ttinger Musenalmanach kennengelernt.<\/p>\n<p>Der Name \u201cHainbund\u201d geht auf Klopstocks Ode \u201cDer H\u00fcgel und der Hain\u201d zur\u00fcck. Friedrich Gottfried Klopstock war so etwas wie der \u00dcbervater ihres Bundes. er hatte ihnen Namen und Programm gegeben. Aber sie hatten auch ihre Hassfigur,<\/p>\n<p>n\u00e4mlich Christoph Martin Wieland. Er galt ihnen als \u201cSittenverderber\u201d. Das zeigte sich beider Feier die zu Klopstocks Geburtstag stattfand. \u201c<\/p>\n<blockquote><p>Seinen [Friedrich Gottlieb Klopstocks; P. P.] Geburtstag feierten wir herrlich. Gleich nach Mittag kamen wir auf Hahns Stube, die die gr\u00f6\u00dfte ist (es regnete den Tag) zusammen. Eine lange Tafel war gedeckt, und mit Blumen geschm\u00fcckt. Oben stand ein<\/p>\n<p>Lehnstuhl ledig, f\u00fcr Klopstock, mit Rosen und Levkojen bestreut, und auf ihm Klopstocks s\u00e4mtliche Werke. Unter dem Stuhl lag Wielands Idris zerrissen. Jetzt las Cramer aus den Triumphges\u00e4ngen, und Hahn etliche sich auf Deutschland beziehende<\/p>\n<p>Oden von Klopstocks vor. Und darauf tranken wir Kaffee; die Fidibus waren aus Wielands Schriften gemacht. Boie, der nicht rauchte, mu\u00dfte doch auch einen anz\u00fcnden, und auf den zerrissenen Idris stampfen<\/p><\/blockquote>\n<p>meine Hervorhebung; P. P.] (zit. nach: Der G\u00f6ttinger Hain. Herausgegeben von Alfred Kelletat. Stuttgart 1967, S. 359). Wieland selbst hat diesen Vorfall gar nicht mitbekommen.<\/p>\n<p>Kurz danach wurde aber der literarische Vorbehalt gegen Wieland, den es ja auch gab, \u00f6ffentlich ausgetragen und zwar durch Goethes Farce \u201cG\u00f6tter, Helden und Wieland\u201d, die laut Goethe \u201cw\u00e4hrend eines Sonntags \u2026 bei einer<\/p>\n<p>Flasche Burgunder \u201c verfasst worden war (Goethe Aus meinem Leben, Dichtung und Wahrheit, T\u00fcbingen 1814, S.500). Auf der gleichen Seite sagte er \u201cdass\u00a0 dies einer von\u00a0 Lenzen ersten Schritten gewesen, wodurch er mir zu schaden<\/p>\n<p>und beym Publikum in \u00fcblen Ruf mich zu setzen die Absicht hatte.\u201d Goethe\u00a0 kritisiert vor allem, dass Wieland in der Alceste \u201cHelden und Halbg\u00f6tter nach moderner Art nach moderner Art gebildet\u201d und weiter \u201cAllein in den Briefen,<\/p>\n<p>die er \u00fcber die gedachte Oper\u00a0 in den Merkur einr\u00fcckte, schien er uns diese Behandlungsart allzu parteyisch hervorzuheben und sich an den trefflichen Alten und ihrem h\u00f6hen Stil unverantwortlich zu vers\u00fcndigen, indem er die derbe gesunde Natur,<\/p>\n<p>die jenen Productionen zum Grunde liegt, keineswegs anerkennen wollte.\u201d (ebd. s. 499). Das ist Goethes Version zum Entstehungsgrund seiner Farce. Viele Biographen sehen aber auch eine Ver\u00e4rgerung Goethes \u00fcber eine Rezension seines G\u00f6tz von Berlichingen<\/p>\n<p>als Ursache an. Wielands Schatten in der Nachtm\u00fctze wird an einen Nebenarm des Styx versetzt und begegnet dort den mythischen Opfern seiner Phantasie. Merkur f\u00fchlt sich verletzt durch die ungefragte Verwendung seines Namens f\u00fcr<\/p>\n<p>ein Journal. Euripides, der antike Dichter Alceste-Dichter beklagt die Mittelm\u00e4\u00dfigkeit des vermeintlich epigonalen St\u00fcckes. Dann erscheint auch noch Herckules, der seine wahren Handlungsmotive ebenfalls verkannt\u00a0 sieht. Und er<\/p>\n<p>fasst zusammen. \u201cIch wei\u00df genug. H\u00e4ttest du nicht zu lang unter der Knechtschaft deiner Sittenlehre geseufzt, es h\u00e4tte noch was aus dir werden k\u00f6nnen\u201d<\/p>\n<p>Wieland reagiert souver\u00e4n. Er rezensierte das gegen ihn gerichtete Werk im Teutschen\u00a0\u00a0 Merkur vom Juni 1774 positiv. \u201cDer Herr D. G\u00f6the,\u00a0 Verfasser dieses Werkleins, nachdem er uns in seinem G\u00f6tz von Berlichingen gezeigt hat,<\/p>\n<p>da\u00df er Shakespear seyn k\u00f6nnte, wenn er wollte, hat uns in dieser heroischen-komischen-farcicalischen Pasquinade gewiesen, da\u00df er, wenn er wolle, auch Aristophanes seyn\u00a0 k\u00f6nne. Denn so wie es ihm in\u00a0 diesem kritischen Wrexekek<\/p>\n<p>Koax Koax beliebt hat, mit Wieland und Wielands Alceste sein Spiel zu treiben, so trieb es ehedem Aristophanes mit dem nehmlichen Euripides, welchen Herr G\u00f6the hier, mit der ihm eigenen Laune, dem Verfasser des Singspiels Alceste auf<\/p>\n<p>den Kopf treten l\u00e4\u00dft. Wir empfehlen diese kleine Schrift allen Liebhabern der pasquinischen Manier als ein Meisterst\u00fcck von Persiflage und sophistischem Witze, der sich aus allen m\u00f6glichen Standpunkten sorgf\u00e4ltig denjenigen ausw\u00e4hlt,<\/p>\n<p>aus dem ihm der Gegenstand schief vorkommen mu\u00df, und sich dann recht herzlich dar\u00fcber lustig macht, da\u00df das Ding so schief ist.\u201d (Seite 351 f.).<\/p>\n<p>Die Farce hat in der damals sehr literarisch interessierten Gesellschaft nat\u00fcrlich schon f\u00fcr Aufsehen gesorgt. Heinse, der ja auch zum Sturm und Drang tendierte zeigte sich in einem<\/p>\n<p>Brief an Gleim (D\u00fcsseldorf, 13. Oktober 1774) geradezu begeistert. \u201cer (Goethe)rei\u00dft alle mit sich fort, und seine G\u00f6tter, Helden Wieland- ein Werk von herkulischer St\u00e4rke, wenn man\u2019s recht, und Zeile vor Zeile durchdenkt<\/p>\n<p>und durchf\u00fchlt\u2026\u201d (Wilhelm K\u00f6rte, Briefe deutscher Gelehrten, Z\u00fcrich 1806, S. 201). In den meisten Literaturzeitungen wurde der Angriff Goethes auf Wieland eher negativ betrachtet.<\/p>\n<p>Christian Daniel Schubart, der ja auch eine Neigung zum Sturm und Drang hatte, schrieb in seiner Deutschen Chronik im 19. St\u00fcck auf Seite 150\/51 \u201cHier liegt eine Posse* vor mir, die mich fast zu tod \u00e4rgert-G\u00f6tter Helden und Wieland betittelt.<\/p>\n<p>Nicht als wenn diese Posse schlecht geschrieben w\u00e4re; nein! ein Meisterst\u00fcck ist sie, und niemand kann so dialogisiren, als der Verfasser des G\u00f6z von Berlichingen. Nur der Angrif auf unseren Wieland, dem wir in aller Absicht so<\/p>\n<p>viel zu danken haben, mi\u00dff\u00e4llt mir\u201d und dann f\u00e4hrt er fort, dass Klopstock und Bodmer ja auch solchen Angriffen ausgesetzt waren und weiter \u201cund itzt auch Wieland!-Nicht von einem Kleingeiste, sondern von einem Manne von Genie.<\/p>\n<p>Wenn Liliputier mit ihren Nadelpfeilchen auf einander schie\u00dfen, so lacht man. Wenn aber Brobdingrags ihre Riesenf\u00e4uste heben, dann zittert man vor Gefahr-Und Gefahr ists f\u00fcr unsre Literatur, wenn sich die besten K\u00f6pfe entzweyen,<\/p>\n<p>und ihr Feuer, das sie in unsterblichen Werken verschwenden sollten, in Zank und Schm\u00e4hschriften weglodern lassen.\u201d Auch Nicolai hat sich nat\u00fcrlich in der Allgemeinen Deutschen Bibliothek zu Wort gemeldet.<\/p>\n<p>\u201cWas w\u00fcrde Herr G. sagen, wenn jemand unter dem Namen: Zigeuner, Lumpengesindel und\u00a0 G\u00f6the ein Pasquill auf seinen G\u00f6tz von Berlichingen machte, und f\u00fchrte ihn darinn auf als einen einf\u00e4ltigen Tropf, wie er in diesem st\u00fccke Herrn Wieland auff\u00fchrt.<\/p>\n<p>\u2026 Die Art, wie Hr. Wieland sich in seinem Merkur, \u00fcber dieses plumpe Pasquill, (und keinen andren Namen verdient es) erkl\u00e4rt hat, macht ihm wahre Ehre.\u201d (Allgemeinen Deutschen Bibliothek , Bd 26, 1775 S. 206). Wielands souver\u00e4ne Reaktion<\/p>\n<p>und die Rezensionen zeigten Goethe, dass er \u00fcbers Ziel hinaus geschossen war und das sich die Stimmung gegen ihn wandte. Diese Reaktion erm\u00f6glichte auch, dass sich kurz nachdem die Schm\u00e4hschrift solche Wellen schlug, sich doch eine tiefe Freundschaft<\/p>\n<p>zwischen den beiden entwickeln konnte.<\/p>\n<p>Zu der Zeit als die literarische Auseinandersetzung stattfand, wurde Weimar von einem Ungl\u00fcck heimgesucht. Am 6. Mai 1774 brannte das Weimarer Schloss ab, das bis auf die Au\u00dfenmauern zerst\u00f6rt wurde. Bis auf ein paar B\u00fccher, die er verlor, kam Wieland mit<\/p>\n<p>dem Schrecken davon. Allerdings zog der gesamte Hofstaat ins Barockschloss Belvedere um. Auch Wieland wohnte dort bis Ende September 1774. Das Theater musste seinen Betrieb einstellen und die Schauspielergesellschaft wurde entlassen.<\/p>\n<p>Der Brand hatte die B\u00fchne unbespielbar gemacht und man musste mit Provisorien arbeiten. Bis dahin konnte jeder Weimarer B\u00fcrger dreimal die Woche das Theater unentgeltlich besuchen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Wieland bedeutete der Brand mit Ausnahme der\u00a0 Rosamunde, die in Mannheim aufgef\u00fchrt werden sollte, zun\u00e4chst den Abschied von der Theaterb\u00fchne. Sp\u00e4ter hatte er nochmals antike Dramen von Aristophanes und Euripides \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Kurz vor Carl August die Regierung antrat, reiste Wieland nach Halberstadt zu Gleim. Der Besuch wurde genauestens vorbereitet, denn Wieland hasste \u00dcberraschungen oder mit seinen Worten \u201cich liebe\u00a0 die \u00dcberraschungen nicht;<\/p>\n<p>sie taugen f\u00fcr alle sehr empfindlichen Leute nichts, Voraus zu genie\u00dfen ist ein zu s\u00fc\u00dfes Vorrecht der Menschheit, um sich dessen selbst zu begeben\u201d Brief an Gleim vom 17. M\u00e4rz 1775(Ausgew\u00e4hlte Briefe von C. M. Wieland Band 3, Z\u00fcrich 1815 S.206).<\/p>\n<p>Damit meinte er vor allem das Angebot Gleims, ihm bis Blankenburg entgegenzukommen<\/p>\n<p>Am 10. M\u00e4rz reiste die Gesellschaft schlie\u00dflich los. Christoph Martin mit seiner Frau Anna Dorothea, der siebenj\u00e4hrigen Tochter Sophie Catharina Susanne und seinem Merkur-Mitarbeiter Friedrich Bertuch. Urspr\u00fcnglich terminiert war der 4. Mai.<\/p>\n<p>Aber der Merkur hatte nochmals aufgehalten. \u201cund warum die\u00df? Alles blo\u00df um\u00a0 dieses gebenedeyten Merkurs, den wir, ich und Bertuch, schlechterdings vom Halse haben m\u00fcssen, um mit ganz heiterm, ruhigem, sorgenfreyem Geiste zu unserm Gleim ziehen<\/p>\n<p>und acht ganzer seliger Elisiumstage bei ihm zu leben.\u201d (ebda. S. 212). Das\u00a0 Monatst\u00fcck May\u201d musste noch gedruckt, geheftet und zum Versand gebracht werden. Man besuchte ihn in seinem Haus, direkt am Dom gelegen<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/da5b6392a5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"da5b6392a5\" alt=\"da5b6392a5\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/da5b6392a5_thumb.jpg\" width=\"154\" height=\"130\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>und konnte dort sicher seinen \u201cFreundschaftstempel\u201d bewundern. Das Gleimhaus ist heute \u201cKultureller Ged\u00e4chtnisort mit besonderer nationaler Bedeutung\u201d. Nat\u00fcrlich ist dort ein Bild von Gleim vertreten, aber auch Wieland, direkt neben Sophie von La Roche,aber auch Lavater, Bodmer und auch Klopstock und Bertuch. Wieland blieb 12 Tage in Halberstadt. Am 28. Mai schreibt er an Gleim und berichtet, dass er und seine Frau \u201cunsern langen zw\u00f6lft\u00e4gigen Wonnetraum von Gleim und Geminde, von Freundschaft und Seligkeit,<\/p>\n<p>von Halladat und saphischen Liedern, von Spiegelbergen und Nonnenparadiesen\u2026\u201d(Ebda S. 218). Anna Louisa Karsch, die \u201cpreussische Sappho\u201d (Gleim) war zugegen und man las ihre Gedichte. Im zitierten Brief k\u00fcndigt Wieland an \u201cAn das Wunderweib, unsre Karschin schreibe ich noch diese Woche (ebda. S. 224). Sie ist \u00fcbrigens im\u00a0 Freundschaftstempel auch vertreten und zwar an prominenter Stelle.. Man hatte wohl auch dar\u00fcber diskutiert zusammen zu wohnen. \u201cDas Projekt zusammen zu ziehen, ist wie ich sehe unser beyder Lieblingsprojekt geworden\u201d (Brief vom 3. Juni 1775, ebd. S. 226)<\/p>\n<p>Am 3. September 1775 wurde Carl August \u00f6ffentlich in sein Amt eingef\u00fchrt. Wieland hatte dazu eine \u201cCantate auf den neunzehnten Geburtstag und Regierungs-Antritt des Herzogs von Sachsen-Weimar und Eisenach\u201d verfasst. Bei der Amtseinf\u00fchrung wurde sie<\/p>\n<p>aufgef\u00fchrt. Im 3. Band 1775 des Teutschen Merkur wurde sie auch ver\u00f6ffentlicht. (S. 193-195). Nach seiner Regierungs\u00fcbernahme erh\u00f6hte der junge Herrscher die Wieland vertraglich zugesicherte Rente von 600 Reichstalern auf 1000<\/p>\n<p>unter der Bedingung, dass Wieland in Weimar blieb. Laut Ofterdinger gab dies den Ausschlag, das Wieland nicht nach Oberschwaben zur\u00fcckzog. Er zitiert Wieland mit der Aussage vom 20. Januar 1799 \u201cW\u00e4re die\u00df nicht gewesen,<\/p>\n<p>so w\u00e4re ich aus dem belobten Weimar in mein liebes Schwabenland zur\u00fcckgezogen\u201d. (S. 236)<\/p>\n<p>Carl August hatte 1774 mit seinem Erzieher dem Grafen Johann Eustach von Schlitz genannt G\u00f6rtz eine Bildungsreise unternommen. Auch Ludwig von Knebel war dabei, der ja auch als Erzieher am Hofe von Weimar angestellt war. Die Reise\u00a0 f\u00fchrte \u00fcber<\/p>\n<p>Frankfurt, Mainz, Karlsruhe und Stra\u00dfburg nach Paris. In Frankfurt hatte man einen Zwischenhalt eingelegt, da der Prinz Johann Wolfgang von Goethe kennenlernte wollte. Knebel machte sie miteinander bekannt. Goethe schildert das in<\/p>\n<p>\u201cDichtung und Wahrheit\u201d so: \u201cIch eilte nunmehr mit demselben zu den jungen F\u00fcrsten, die mich sehr frei und freundlich empfingen, so wie auch der F\u00fchrer des Erbprinzen, Graf G\u00f6rtz, mich nicht ungern zu sehen schien.\u201d (1773 3,15)Er reiste, wie abgesprochen der<\/p>\n<p>Reisegesellschaft nach Mainz nach \u201cIch gelangte also in sehr kalter Jahreszeit zur bestimmten Stunde nach Mainz, und wurde von den jungen Herrschaften und ihren Begleitern, der Einladung gem\u00e4\u00df, gar freundlich aufgenommen. Der in Frankfurt gef\u00fchrten Gespr\u00e4che erinnerte man sich, die begonnenen wurden fortgesetzt, und als von der neuesten deutschen Literatur und von ihren K\u00fchnheiten die Rede war, f\u00fcgte es sich ganz nat\u00fcrlich, da\u00df auch jenes famose St\u00fcck, \u00bbG\u00f6tter, Helden und Wieland\u00ab, zur Sprache kam; wobei ich gleich anfangs mit Vergn\u00fcgen bemerkte, da\u00df man die Sache heiter und lustig betrachtete. Wie es aber mit dieser Posse, welche so gro\u00dfes Aufsehn erregt, eigentlich zugegangen, war ich zu erz\u00e4hlen veranla\u00dft, und so konnte ich nicht umhin, vor allen Dingen einzugestehn, da\u00df wir, als wahrhaft oberrheinische Gesellen, sowohl der Neigung als Abneigung keine Grenzen kannten. (ebda).Auf seiner ersten Schweizreise traf Goethe Herzog Carl August nochmals in\u00a0 Karlsruhe,<\/p>\n<p>der dort Luise von Hessen-Darmstadt heiratete. Auch Goethe wurde von dem jungen Paar empfangen. \u201cMeine Gespr\u00e4che mit beiden hohen Personen waren die gem\u00fctlichsten, und sie schlossen sich, bei der Abschiedsaudienz, wiederholt mit der Versicherung: es w\u00fcrde ihnen beiderseits angenehm sein, mich bald in Weimar zu sehn.\u201d (ebda 1775 4,18) Er leistete dieser Einladung Folge und kam am 7. November 1775 in Weimar an.<\/p>\n<p>Wieland war sofort total begeistert und schrieb das auch an seine Freunde. An Friedrich Heinrich Jacobi schreib er am 10. November 1775:<br \/>\n\u201cDienstags, den 7. d. M., morgens um f\u00fcnf Uhr, ist <i>Goethe<\/i> in Weimar angelangt. O bester Bruder, was soll ich Dir sagen? Wie ganz der Mensch beim ersten Anblick nach meinem Herzen war! Wie verliebt ich in ihn wurde, da ich am n\u00e4mlichen Tage an der Seite des herrlichen J\u00fcnglings zu Tische sa\u00df!<br \/>\nAlles, was ich Ihnen (nach mehr als <i>einer<\/i> Krisis, die in mir diese Tage \u00fcber vorging) jetzt von der Sache sagen kann, ist dies: Seit dem heutigen Morgen ist meine Seele so voll von Goethe, wie ein Tautropfe von der Morgensonne. \u201c (zitiert in \u201cLiteraturbrevier\u201d)<\/p>\n<p>und an Zimmermann am 8.Januar 1776: \u201dWas Gott zusammengef\u00fcgt hat,soll\u00a0 der Mensch nicht scheiden. G\u00f6the, Lavater, Herder, warum sollten sie nicht auch meine Freunde seyn? Seit ich diese Kleeblatt kenne, sind sie meine Heiligen. Ich lebe nun<\/p>\n<p>9 Wochen mit G\u00f6then, und lebe seit unserer Seelen-Vereinigung so unvermerkt und ohne allen effort nach und nach zu Stande gekommen ganz in ihm. Er ist in allen Betrachtungen und von allen Seiten das gr\u00f6\u00dfte, beste und herrlichste menschliche Wesen,<\/p>\n<p>das Gott geschaffen hat.\u201d (Ausgew\u00e4hlte Briefe von C. M. Wieland Band 2, Z\u00fcrich 1815 S. 246). An Meusel, Historiker, der ja auch im Merkur mitarbeitete hatte er im November geschrieben \u201cG\u00f6the, den wir seit neun Tagen hier besitzen, ist das gr\u00f6\u00dfte<\/p>\n<p>Genie, und der beste liebenswerthe Mensch, den ich kenne. (ebda. S. 245 f.) An Gleim schreibt er im September 1776. Goethe und Gleim \u201ckonnten\u201d ja nicht miteinander und Goethe ist in Gleims Freundschaftstempel nicht<\/p>\n<p>vertreten. \u201cSie mein liebster haben ja noch einen Pik gegen diesen edlen herrlichen jungen Mann, den ich schon lange wie meinen Augapfel liebe. Sie brauchten ihn aber nur etliche Tage in der N\u00e4he zu sehn, so w\u00fcrde er ihnen fast so lieb<\/p>\n<p>werden, als mir. In diesen zehn Monaten, die ich mit ihm gelebt habe, ist \u2013 ein einziges Mi\u00dfverst\u00e4ndnis ausgenommen, das aber nicht l\u00e4nger als eine Stunde dauerte- (und auch die\u00df begegnete schon vor mehr als sechs Monaten)<\/p>\n<p>kein Augenblick gewesen wo G\u00f6the und ich nicht in der reinsten Harmonie gelebt h\u00e4tten.\u201d \u2026und weiter \u201c Alles in meinem Hause, Mutter Weib und Kinder lieben ihn\u201d (ebda S. 261 f.)<\/p>\n<p>Die Zuneigung war aber durchaus gegenseitig. Zahlreiche Tagebucheintr\u00e4ge Goethes berichten von Besuchen im Hause Wieland. Er war dort oft beim Essen aber auch bei Freunden, zum Beispiel der Familie Keller in\u00a0 Stedten, die aus T\u00fcbingen<\/p>\n<p>stammte.<\/p>\n<p>1776 kaufte Wieland einen Garten vor der Stadt. Da er nun Eigent\u00fcmer einer st\u00e4dtischen Liegenschaft war, Stadtb\u00fcrger werden. Das B\u00fcrgerbuch der Stadt Weimar vermerkt dazu: \u201cden 16 Mart. 1776 der Churf(\u00fcr)stl(ich) Mayntzi(sche)<\/p>\n<p>und F(\u00fcrstlich)und S\u00e4chs(ische)HofRath H(err)Christoph Martin Wieland haben dato das B\u00fcrgerrecht conferirt erhalten.\u201d (Stadtarchiv Weimar HA I-37-4 S.Die Eintragung kostete ihn 10 Mei\u00dfner Gulden, das entspricht etwa 87,50 Reichstaler.<\/p>\n<p>Das w\u00e4ren nach heutiger W\u00e4hrung etwa 1750 \u20ac. Dazu kam noch ein Feuereimer f\u00fcr einen Mei\u00dfner Gulden, also etwa 175 \u20ac. Der Kaufpreis f\u00fcr Grundst\u00fcck und Geb\u00e4ude betrug 1250 Reichstaler. Zwischen\u00a0 1622 und 1775 entsprach ein Reichstaler<\/p>\n<p>zwischen 17 und 22 \u20ac. Das hei\u00dft\u00a0 der Garten kam Wieland auf etwa 25.000 \u20ac zu stehen. Laut Zaremba ( S. 189)bedeutete dies aber nur etwa die H\u00e4lfte des Marktpreises. Wieland musste dazu aber 1000 Taler seines Kapitals bei der Stadtkasse<\/p>\n<p>Biberach zur\u00fcckfordern. Der Betrag an die Stadtkasse Weimar wurde auf einmal beglichen, was zu der Zeit nicht selbstverst\u00e4ndlich war.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich erz\u00e4hlt er auch seinen Freunden von seiner Neuerwerbung. Am 8. Mai 1776 schreibt er an Gleim \u201dHabe einen Garten gekauft, der mir gro\u00dfen Spa\u00df macht, aber auch einen guten Theil meiner Existenz wegstielt, bis ich ihn einigerma\u00dfen so<\/p>\n<p>umgestaltet habe, da\u00df man gerne darin seyn kann. Wollen wir uns mehr als einmal darin wohl seyn lassen. wiewohl er gegen euer Sanssouci nur ein Maulwurfsh\u00e4ufchen ist.\u201d (ebda. S 255) Auch Sophie von La Roche erz\u00e4hlt er im September 1777,<\/p>\n<p>in einem gro\u00dfen Haus vor der Stadt wohnt \u201cund ein paar hundert Schritte davon liegt ein gr\u00f6\u00dferer Garten, den ich vor anderthalb Jahren gekauft habe, und worin ich dieser sch\u00f6nen herbstlichen Tage froh werde, die die Natur uns noch ganz unvermuthet schenkt.\u201d<\/p>\n<p>(zitiert bei D\u00f6ring S. 260)<\/p>\n<p>Am 21. M\u00e4rz 1776 bekommt die Familie Wieland wieder Zuwachs, ein M\u00e4dchen. Es wird auf den Namen Charlotte Wilhelmine getauft und Pate soll Gleim werden. \u201cWir haben uns bester Freund und Bruder, des Rechts bedient, das Sie<\/p>\n<p>uns vor einem Jahr gegeben haben, und Sie, wiewohl abwesend, aber uns im Geiste gegenw\u00e4rtig, zum Pathen des holden kleinen Gesch\u00f6pfs ernannt, in Hoffnung, da\u00df es Ihnen angenehm seyn w\u00fcrde, diese geistliche Paternit\u00e4t<\/p>\n<p>mit unserm G\u00f6the zu teilen\u201d (Ausgew\u00e4hlte Briefe von C. M. Wieland Band 3, Z\u00fcrich 1815 S. 252)<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/index.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"index\" alt=\"index\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/index_thumb.jpg\" width=\"134\" height=\"129\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im Oktober 1776 kam auch Johann Gottfried Herder in Weimar an.Goethe hatte Herder 1771 in Stra\u00dfburg kennen und sch\u00e4tzen gelernt. 1776 wird er von Herzog Carl August nach Weimar berufen. Goethe hatte ihn beim Herzog empfohlen und durchgesetzt.Wieland hatte durchaus die Bedeutung erkannt, die die Berufung f\u00fcr Weimar hatte. An Gleim schreibt er: \u201cDenkt doch was Karl August aus Weimar macht! und machen wird!\u201d (zitiert nach Gottfried Gruber S\u00e4mmtliche Werke: Wielands Leben nebst seinem Portrait,<\/p>\n<p>Band 52 S.171) An Gleim schreibt er am 4. Oktober 1776 \u201cBestes Bruderherz! Der Mann Gottes, mit seinem lieben Engel an der Seite, ist Dienstag Abends gl\u00fccklich bey uns angekommen.- Bey\u2019m ersten flog ihm meine Seele entgegen.\u201d<\/p>\n<p>(Ausgew\u00e4hlte Briefe\u00a0 S. 263). Die Antrittspredigt von Herder in Weimar muss ein richtiges Ereignis gewesen. Die Bewohner Weimars waren gegen ihn voreingenommen. Seine Frau schreibt dar\u00fcber\u00a0 \u201cDenn man hatte unter anderem das Ger\u00fccht verbreitet:<\/p>\n<p>Er k\u00f6nne nicht predigen!\u201d (In Erinnerungen\u00a0 aus dem Leben Joh. Gottfrieds von Herder, Bd. 2 T\u00fcbingen 1820 von Caroline von Herder S.5)und Wieland schreibt begeistert \u00fcber diese Predigt \u201cEr predigt, so wie noch niemand gepredigt hat,so wahr, so simpel,<\/p>\n<p>so fa\u00dflich, und doch alles so tief gedacht, so rein gef\u00fchlt, so schwer an Inhalt!\u201d (zitiert bei S\u00e4mmtliche Werke: Wielands Leben nebst seinem Portrait, Band 52 von Christoph Martin Wieland,Johann Gottfried Gruber. S. 172)Aber er f\u00fchlt sich Herder irgendwie unterlegen, wie er in demselben Brief schreibt:\u201dMeine ganze Seele ist voll von dem herrlichen Manne. Aber er ist mir zu gro\u00df, zu herrlich; (Seite 171) und weiter auf der schon oben zitierten Seite \u201cIch selbst f\u00fchle, wie wenig ich ihm seyn kann. F\u00fchlen,<\/p>\n<p>einsehen, durchschauen, was er ist, und ihn lieben, mehr als ihn noch ein Sterblicher geliebt hat, das kann ich.\u201d Zwischen den beiden Familien entwickelte sich praktisch vom ersten Tag an eine herzliche Freundschaft, wie auch Caroline von Herder in dem oben zitierten Werk weiterf\u00e4hrt: \u201cWielands zarte, gutm\u00fcthige Seele schlo\u00df sich an Herder an, er ehrte und liebte ihn hoch, und unsere Familien verbanden sich immer herzlicher. Wenn auch in Wielands und Herders Freundschaft zuweilen Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse und<\/p>\n<p>Mi\u00dfkl\u00e4nge kamen, so l\u00f6seten sie sich doch immer wieder. Sie achteten und ehrten Jeder des Andern eigenth\u00fcmlichen Genius und Werth ohne Neid, obwohl sie \u00fcber\u00a0 viele Dinge sehr verschieden dachten, und eigentlich doch nie innig sympathisirten,<\/p>\n<p>hervorragend gute Naturen erkennen auch bey jedem Wechsel, da\u00df sie in einer h\u00f6hern geistigen Classe zusammengeh\u00f6ren.Wieland erzeigte bey vielen Anl\u00e4ssen, wo wir seyne Freundschaft ansprachen, th\u00e4tige Dienste unter anderem durch Darlehn:<\/p>\n<p>Denn die Einrichtung an diesem neuen Ort, ohne eigenes Verm\u00f6gen, erschwerte uns die ersten Jahre recht peinlich\u201d<\/p>\n<p>Im Gegenzug lieferte Herder Beitr\u00e4ge f\u00fcr den Teutschen Merkur.1776 Vom Zweiten Vierteljahr an war er in den n\u00e4chsten 4 Ausgaben vertreten und dann nochmal im 4. Vierteljahr 77. Er schrieb Fabeln aber auch Studien \u00fcber Hutten, Kopernikus oder Savanarola.<\/p>\n<p>Die Beziehung zu Herder war sicher nie einfach. Herder war oft krank. Das f\u00f6rderte seine Neigung zur Hypochondrie. Auch trug er manchmal seinen intellektuellen D\u00fcnkel recht offen zur Schau. Aber nicht nur Wieland, auch Goethe hatte mit Herder<\/p>\n<p>Schwierigkeiten.<\/p>\n<p>Der Komponist der Alceste, Anton Schweitzer, war nach dem Weimarer Theaterbrand mit der Seilerschen Truppe nach Gotha gekommen. Dort erhielt er eine Anstellung zum Musikdirektor des Hoftheaters. Von Mannheim erhielt er eine<\/p>\n<p>Auftragskomposition f\u00fcr eine Oper. Und Wieland sollte nun das Libretto f\u00fcr die Oper Rosamunde schreiben. Franz Karl von Hompesch, kurpf\u00e4lzischer Finanzminister hatte die Oper in Auftrag gegeben. Allerdings stand seine\u00a0 Rosamunde unter keinem guten Stern.<\/p>\n<p>Schon Goethe und Jacobi hatten die erste Fassung kritisiert. An Jacobi schreibt er \u201cIch habe nun G\u00f6thens Meinung zu der Sache (gemeint ist die Oper Rosamunde) und sie stimmt v\u00f6llig zu der Deinigen. er hat mir alles sehr begreiflich gemacht.<\/p>\n<p>Seiner Meinung nach liegt das Hauptgebrechen am Sujet selbst. Das proton pseudos liegt aber nach ihm darin, da\u00df ich das Ding anstatt mit dramatischem, mit epischem Sinn gefa\u00dft habe.\u201d (zitiert in Goethe: Begegnungen und Gespraeche: 1777-1785<\/p>\n<p>herausgegeben von Ernst Grumach,Renate Grumach S. 16)Er ist auch bei der Mannheimer Kurf\u00fcrstin Elisabeth Auguste angeeckt. In seiner Alceste lobte Wieland die Ehe, in der Rosamunde wird die Ehebrecherin mit Heirat und Kr\u00f6nung belohnt,<\/p>\n<p>w\u00e4hrend die rechtm\u00e4\u00dfige Gattin das Nachsehen hat.Wieland hatte auch keine gl\u00fcckliche Hand bei der Stoffwahl, wie er sp\u00e4ter sagte. Er war nach langem Suchen in Addisons (\u201cmeines\u00a0 Lieblings\u201d)Spectatorn auf die Rosamunde gesto\u00dfen.<\/p>\n<p>Addison hatte 1707 ein Libretto f\u00fcr eine Oper Rosemond geschrieben. Und dann f\u00e4hrt er fort \u201cFreilich wu\u00dfte ich unh\u00f6fischer Tropf nicht, da\u00df der Kurf\u00fcrst auch so viele Rosamunden hatte und mit ihren Kindern das Land bev\u00f6lkerte\u201d\u2026<\/p>\n<p>und weiter als er nach Mannheim reiste\u00a0 \u201cDort hatte man sich \u00fcber meine Wahl des Themas au\u00dferordentlich gewundert und Beziehungen hineingelegt, die mir nicht im Traume eingefallen waren. Die Kurf\u00fcrstin war erstaunlich dar\u00fcber ungehalten.\u201d<\/p>\n<p>(zitiert bei Literarische Zust\u00e4nde und Zeitgenossen: in Schilderungen aus Karl August B\u00f6ttigers Nachlass, Band 1, Leipzig 1838 S.229) Mitten in die Probenarbeiten platzte die Nachricht vom Tode des bayrischen Kurf\u00fcrsten Max III. Joseph.<\/p>\n<p>Der Kurpf\u00e4lzer Kurf\u00fcrst Karl Theodor musste unverz\u00fcglich nach M\u00fcnchen. Staatstrauer auch in der Kurpfalz wurde angeordnet. Der Kurf\u00fcrst befahl, dass die Proben fortgesetzt wurden \u201cund blos vor Wieland das St\u00fcck bei verschlossenen Th\u00fcren<\/p>\n<p>aufgef\u00fchrt werden sollte.\u201d (ebda.)Am 22. September 1776 hatten Karl Theodor und Max III. Joseph ihre Erbverbr\u00fcderung erneuert, die Bayern und Pfalz als unteilbaren Gesamtbesitz behandelte. Dass die Erbfolge so schnell eintreten sollte, war nicht abzusehen.<\/p>\n<p>Als nun Bayern an die Pfalz fallen sollte, machte \u00d6sterreich einen Anspruch auf Niederbayern und die Oberpfalz gelten. Das l\u00f6ste den Bayerischen Erbfolgekrieg aus. An Theaterst\u00fccke oder Opern war so nat\u00fcrlich nicht zu denken. Die Oper wurde nie aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>F\u00fcr Wieland war das alles zwar ziemlich chaotisch, aber es gab trotzdem auch positive Aspekte. Auf der Anreise\u00a0 nach Mannheim war vier Tage Gast bei Goethes Eltern in Frankfurt. Er war f\u00fcr Goethes Vater ein geduldiger\u00a0 Zuh\u00f6rer (B\u00f6ttiger S.216).<\/p>\n<p>Au\u00dferdem zeigte dieser die Jugendwerke Goethes in \u201ceinem pr\u00e4chtig eingebunden Manuscript\u201d In Darmstadt hatte\u00a0 er wieder pers\u00f6nlichen Kontakt zu Merck, der ja ein eifriger Mitarbeiter des Merkur war.Au\u00dferdem lernte er Wolfgang Amadeus Mozart<\/p>\n<p>pers\u00f6nlich kennen, der zu der Zeit in Mannheim weilte. Wieland war in Mannheim mit gro\u00dfer Begeisterung aufgenommen worden, aber Mozart lie\u00df sich davon nicht irritieren. Am 27. Dezember gibt er seinem Vater eine kurze Beschreibung<\/p>\n<p>von dem Ereignis. \u201cNun bin ich mit Hrn. Wieland auch bekannt; er kennt mich aber noch nicht so, wie ich ihn, denn er hat noch nichts von mir geh\u00f6rt. Ich h\u00e4tte ihn mir nicht so vorgestellt wie ich ihn gefunden. Er kommt mir im Reden ein wenig<\/p>\n<p>gezwungen vor; eine ziemlich kindische Stimme, ein best\u00e4ndiges Gl\u00e4selgucken, eine gewisse gelehrte Grobheit und doch zuweilen eine dumme Herablassung. Mich wundert aber nicht, da\u00df er (wenn auch zu Weimar oder sonst nicht) sich hier zu betragen geruhet,<\/p>\n<p>denn die Leute sehen ihn hier an, wie wenn er vom Himmel herabgefahren w\u00e4re. Man genirt sich ordentlich wegen ihm, man redet nichts, man ist still, giebt auf jedes Wort acht, das er spricht;- nur schade, da\u00df die Leute so oft in der Erwartung seyn m\u00fcssen,<\/p>\n<p>denn er hat einen Defect in der Zunge, verm\u00f6ge er ganz sachte redet und nicht sechs Worte sagen kann ohne einzuhalten. Sonst ist er, wie wir ihn alle kennen, ein vortrefflicher Kopf. Das Gesicht ist von Herzen h\u00e4\u00dflich, mit Blattern angef\u00fcllt, und\u00a0 eine<\/p>\n<p>ziemlich lange Nase, die Statur wird seyn, beyl\u00e4ufig etwas gr\u00f6\u00dfer als der Papa\u201d (zitiert bei Mozart. Zusammengestellt und erl\u00e4utert von Dr. Roland Tenschert. Leipzig, Amsterdam 1931, S. 87-88.) Und im Januar schreibt<\/p>\n<p>Mozart an seinen Vater \u201cDer Herr Wieland ist, nachdem er mich nun 2 mal geh\u00f6rt hat, ganz bezaubert. Er sagte das letztemal nach allen m\u00f6glichen Lobspr\u00fcchen zu mir; es ist ein rechtes Gl\u00fcck f\u00fcr mich, da\u00df ich Sie hier angetroffen habe, und dr\u00fcckte mich bey der Hand. Heut ist die Rosamund im Theater probiert worden. Sie ist \u2013 \u2013 \u2013 \u2013 gut, aber sonst nichts; denn wenn sie schlecht w\u00e4re, so k\u00f6nnte man sie ja nicht auff\u00fchren? \u2013 \u2013\u201d<\/p>\n<p>Wenn man diese Schilderung Mozarts liest, muss man Wielands Leistung als Erzieher umso mehr bewundern. Er hatte ja seit seiner Z\u00fcricher Zeit junge Leute um sich. So ein Sprachfehler erleichterte seine Aufgabe sicher nicht, wird aber nie als Handicap erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Wieland hat dann auch in Weimar die Beisterung der Herzogin f\u00fcr Mozarts Musik geweckt.<\/p>\n<p>Goethe hat dann als Theaterdirektor in Weimar f\u00fcr h\u00e4ufige Auff\u00fchrungen von Mozarts Werken gesorgt. Im Schlosspark von Tieffurt steht das erste Denkmal, das Mozart au\u00dferhalb von \u00d6sterreich gewidmet wurde. Das war<\/p>\n<p>immerhin schon 1799, also nur 8 Jahre nach seinem Tod am 5. Dezember 1791.<\/p>\n<p>Am 24. Januar 1778 war Wieland endlich wieder zur\u00fcck in Weimar. Am 26. Oktober 1778 wurde der Sohn Ludwig Friedrich August geboren.Er studierte sp\u00e4ter in Jena, war Bibliothekar bei F\u00fcrst Esterhazy in Wien, war auch als Dichter und Herausgeber t\u00e4tig.<\/p>\n<p>So gab er auch die Auswahl denkw\u00fcrdiger Briefe heraus, aus der hier ja auch \u00f6fters zitiert wird.<\/p>\n<p>Wieland lebte nun seine Neigung zum l\u00e4ndlichen Leben aus. Allerdings wurde die l\u00e4ndliche Idylle etwas getr\u00fcbt wegen der Gesundheit. Seine Frau und seine Kinder hatten oft Scharlach. Wieland selbst war sehr wetterf\u00fchlig und wurde oft von starken Infekten heimgesucht. Vor allem aber machte ihm Der Teutsche Merkur zu schaffen. Die Auflagenzahl ging zur\u00fcck. Am 28. September 1782 legte Bertuch Wieland einen \u201cEntwurf \u00fcber den Merkur\u201d vor. Zwei Strategien wurden dabei vorgeschlagen, einmal<\/p>\n<p>inhaltliche Erneuerung und zum andern Stabilisierung der Vertriebswege und Erschlie\u00dfung neuer Wege. In einer Soziet\u00e4t sollte Wieland 2 und Bertuch 1 Drittel des Gewinnes erhalten. Der Vertrag wurde am 6. Oktober 1782 unterzeichnet.<\/p>\n<p>Ab 1783 wurde der \u201cTeutsche Merkur\u201d als \u201ceine gemeinschafftliche merkantilistische Entreprise\u201d betrieben und war \u201cgemeinschafftliches Eigenthum von Wieland und Bertuch. Der Merkur erfuhr wieder Auftrieb.Bertuch schied 1786<\/p>\n<p>zugunsten von\u00a0 Karl Leonhard Reinhold (1758-1825)aus dem Vertrag aus. Leonhard war erst Novize im Jesuitenorden, bis dieser im September 1773 in \u00d6sterreich aufgehoben wurde. \u00dcber Leipzig kam er nach Weimar, wurde von Wieland freundlich aufgenommen<\/p>\n<p>und rasch Mitarbeiter beim Merkur. Am 18. Mai 1785 heirate er Wielands erste Tochter Sophie.<\/p>\n<p>Kurz zuvor, am 27. Mai 1783, hatte der Dichter nochmals Familienzuwachs erhalten und zwar eine Tochter. \u201cSie ist, einer ewig theuren Abgeschiedenen Julie genannt worden\u201d, wie er am 1. April Sophie von La Roche mitteilt.<\/p>\n<p>(Briefe an Sophie von La Roche, nebst einem Schreiben von Gellert und Lavater &#8230;<\/p>\n<p>von Christoph Martin Wieland,Franz Horn S. 241)<\/p>\n<p>In der Zeit von 1773 bis 1775 hatte Wieland folgende Werke verfasst: Stilpon oder \u00fcber dieWahl eines Oberzunftmeisters von Megara. Eine Unterredung1774); Das Urtheil des Midas. Ein komisches<br \/>\nSingspiel in einem Aufzug (1775); Geschichte des Philosophen Danischmende (1775); Unterredungen zwischenW** und dem Pfarrer zu *** (1775); Titanomachia oderas neue Heldenbuch (1775).Es folgten Gandalin oder Liebe um Liebe (1776)<\/p>\n<p>Das Winter und Sommerm\u00e4rchen (1776) Pervonte (1778) Der Vogelsang (1778) wichtigste Werk aus dieser Zeit war aber der Oberon, sein vorletztes Versepos. Es erschien 1780 erstmals noch ohne Nennung des Namens des Dichters, dann\u00a0\u00a0 1783-1784<\/p>\n<p>zun\u00e4chst im Merkur, und 1784 als Separatdruck. Es ist ein Ritterroman.\u00a0 Ritter H\u00fcon hat aus Versehen den Sohn seines Herrn erschlagen. Er geht aus einer Art Gottesurteil unversehrt hervor und kann nun von Karl dem Gro\u00dfen zur S\u00fchne eine fast \u00fcbermenschliche<\/p>\n<p>Aufgabe aufgeb\u00fcrdet. Er soll nach Bagdad reisen, dort den Palast des Sultans aufsuchen und bei einem Festbankett denjenigen k\u00f6pfen, der zur Linken des Sultans sitzt. Danach soll er die Tochter des Sultans dreimal k\u00fcssen und sich mit ihr verloben.<\/p>\n<p>Dann soll er von seinem Schwiegervater in spe vier Backenz\u00e4hne erbitten, dazu eine Handvoll seiner grauen Backenhaare. Nur wenn er damit an den Hof Karls zur\u00fcckkehre, sei ihm verziehen. Der Naturgeist Oberon hilft dem Helden bei diesem<\/p>\n<p>aberwitzigen Unterfangen. Die Barthaare des Sultans und seine Backenz\u00e4hne und auch die Tochter des Sultans, die sch\u00f6ne Rezia, r\u00fccken in erreichbare N\u00e4he. Es zeigt Ankl\u00e4nge an den Sommernachtstraum von Shakespeare, den er ja auch \u00fcbersetzt hatte,<\/p>\n<p>bei Wieland \u201cEin St. Johannis Nachts Traum\u201d Er \u00fcberarbeitete sein Werk insgesamt sieben Mal. Es hatte auch Einflu\u00df aus Goethes Faust II, Die Zauberfl\u00f6te und Weber verarbeitete den Stoff in seiner Oper Oberon 1826.<\/p>\n<p>Die politischen Schriften Wielands, die in diesen Jahren im Merkur erschienen waren, befassten sich haupts\u00e4chlich mit \u201cAufkl\u00e4rung\u201d. Diese erscheinen sp\u00e4ter gesammelt als Vermischte Aufs\u00e4tze. Im 2. Vierteljahresheft 1789 wird<\/p>\n<p>\u201cEin paar Goldk\u00f6rner aus Maculatur oder Sechs Antworten auf Sechs Fragen\u201d ver\u00f6ffentlicht. Die Fragen sind \u201c1. Was ist Aufkl\u00e4rung 2. \u00fcber welche Gegenst\u00e4nde kann und muss sie sich verbreiten 3. wo sind ihre Grenzen<\/p>\n<p>4. Durch welche mittel wird sie bef\u00f6rdert 5. Wer ist berechtigt, die Menschheit aufzukl\u00e4ren 6. An welchen Folgen erkennt man ihre Wahrheit\u201d Frage 1 beantwortet er so \u201c Das wei\u00df jedermann, der vermittelst eines Paars sehender Augen erkennen gelernt hat,<br \/>\nworin der Unterschied zwischen Hell und Dunkel, Licht und Finsternis besteht. Im Dunkeln sieht man entweder gar nichts oder wenigstens nicht so klar, da\u00df man die Gegenst\u00e4nde recht<br \/>\nerkennen und voneinander unterscheiden kann: sobald Licht gebracht wird, kl\u00e4ren sich die Sachen auf, werden sichtbar und k\u00f6nnen voneinander unterschieden werden &#8211; doch wird dazu<br \/>\nzweierlei notwendig erfodert: 1) da\u00df Licht genug vorhanden sei, und 2) da\u00df diejenige, welche dabei sehen sollen weder blind noch gelbs\u00fcchtig seien, noch durch irgendeine andere Ursache<br \/>\nverhindert werden, sehen zu k\u00f6nnen oder sehen zu wollen. (S.97). Die zweite Frage beantwortet er, dass f\u00fcr ehrliche Leute im dunkeln nichts zu tun bleibt (\u201cein l\u00f6bliches und gemeinn\u00fctziges Gesch\u00e4ft ausgenommen\u201d) als zu schlafen.<\/p>\n<p>und weiter f\u00fchrt er aus \u201cDas Licht des Geistes, wovon hier die Rede ist, ist die Erkenntnis des Wahren und Falschen, des Guten und B\u00f6sen. Hoffentlich wird jedermann zugeben,<br \/>\nda\u00df es ohne diese Erkenntnis ebenso unm\u00f6glich ist, die Gesch\u00e4fte des Geistes recht zu treiben,als es ohne materielles Licht m\u00f6glich ist, materielle Gesch\u00e4fte recht zu tun. Die Aufkl\u00e4rung, d. i.<br \/>\nso viel Erkenntnis, als n\u00f6tig ist, um das Wahre und Falsche immer und \u00fcberall unterscheiden zuk\u00f6nnen, mu\u00df sich also \u00fcber alle Gegenst\u00e4nde ohne Ausnahme ausbreiten, wor\u00fcber sie sich ausbreiten<br \/>\nkann, d. i. \u00fcber alles dem \u00e4u\u00dfern und innern Auge sichtbare. \u201c (S.98) Die dritte Frage beantwortet er so: \u201cWo, bei allem m\u00f6glichen Lichte, nichts mehr zu sehen ist.\u201d Zu Frage 4 meint er<\/p>\n<p>\u201cDas unfehlbarste Mittel zu machen, da\u00df es heller wird, ist, das Licht zu vermehren, die dunkelnK\u00f6rper, die ihm den Durchgang verwehren, soviel m\u00f6glich, wegzuschaffen und besonders alle<br \/>\nfinstern Winkel und H\u00f6hlen sorgf\u00e4ltig zu beleuchten, in welcher das Nro. 2. erw\u00e4hnte lichtscheue V\u00f6lkchen sein Wesen treibt.\u201d und weiter \u201cEs gibt kein anderes Mittel, die Masse der Irrt\u00fcmer und sch\u00e4dlichen T\u00e4uschungen, die den menschlichen<br \/>\nVerstand verfinstert, zu vermindern als dieses, und es kann kein anderes geben.\u201d (S.101) Und auch 5 beantwortet er einfach \u201cda\u00df jedermann &#8211;<br \/>\nvon Sokrates oder Kant bis zum obskursten aller \u00fcbernat\u00fcrlich erleuchteten Schneider und Schuster,ohne Ausnahme, berechtigt ist, die Menschheit aufzuklaren, wie er kann, sobald ihn sein<br \/>\nguter oder b\u00f6ser Geist dazu treibt. \u201c (S.103)und als Fazit die Antwort auf Frage 6 \u201cWenn es im ganzen heller wird; wenn die Anzahl der denkenden, forschenden, lichtbegierigen<br \/>\nLeute \u00fcberhaupt, und besonders in der Klasse von Menschen, die bei der Nichtaufkl\u00e4rung am meisten zu gewinnen hat, immer gr\u00f6\u00dfer, die Masse der Vorurteile und Wahnbegriffe<br \/>\nzusehends immer kleiner wird;\u201d (S. 104) Damit fasst er eigentlich den Inhalt seiner sp\u00e4ten Werke zusammen.<\/p>\n<p>Am 27. Juli 1787 ist Schiller erstmals in Weimar und lernt dort Wieland und Herder kennen. Schon\u00a0 in Weimar meldete er sich bei Wieland brieflich an:<\/p>\n<p>\u201cMein sch\u00f6nster Wunsch ist endlich erf\u00fcllt, ich bin dem Augenblike nahe, Sie, vortrefflichster Mann, von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Vorgestern traf ich hier ein, aber die Bet\u00e4ubung meines Kopfes von einigen schlaflosen N\u00e4chten untersagte mir diesen Genu\u00df bi\u00df heute. Nicht gern wollt ich eine Freude nur halb empfinden, die ich mir schon so lange aufgespart hatte. Lassen Sie mich durch den \u00dcberbringer erfahren, zu welcher Stunde dieses Nachmittags ich Ihnen nicht ungelegen komme. Wenn ich mir noch eine Bitte an Sie erlauben d\u00fcrfte, so w\u00e4r es diese, da\u00df Sie mir diese Stunde allein schenken m\u00f6chten, weil ich nicht wei\u00df, ob ich in Ihrer n\u00e4hern Gegenwart f\u00fcr einen Dritten Sinn haben w\u00fcrde. Alsdann werde ich Sie auch bitten, mich in den Kreis Ihrer liebensw\u00fcrdigen Familie einzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Nicht wenig verlegen w\u00fcrde ich seyn, mich jetzt Demjenigen zu n\u00e4hern, von dessen guter Meinung und Liebe die besten Freuden meines zuk\u00fcnftigen Lebens, wie ich mir oft tr\u00e4ume, abh\u00e4ngen sollen, vielleicht w\u00fcrde mich diese Furcht f\u00fcr mich selbst um den reinen Genu\u00df Ihrer Gegenwart bringen, wenn ich nicht hoffte, da\u00df Ihre G\u00fcte mich jeder Aufmerksamkeit auf mich selbst \u00fcberheben werde.F. Schiller (Schillers Briefe im Friedrich Schiller Archiv 23.Juli 1787)<\/p>\n<p>Am 27. Juli stellte Wieland Schiller auch Herzogin Anna Amalia vor. \u00dcber seinen Eindruck, den er dort hinterlassen hat, wie er in seinen Erinnerungen schreibt. \u201cDeshalb zweifelte ich daran, der Herzoginmutter \u00fcberhaupt gefallen zu haben.\u201d<\/p>\n<p>(homepage zu Schiller Erinnerungen von Gisela Seidel). Am 30. Juli nahm Wieland ihn den \u201cClub der B\u00fcrgerlichen\u201d mit. Dieser stand nicht nur dem Adel, sondern auch B\u00fcrgerlichen offen. Man spielte dort Karten oder Billard.<\/p>\n<p>Aktuelle Journale\u00a0 auch aus dem Ausland lagen aus. In den folgenden Wochen\u00a0 vertiefte Schiller seine Kontakte zu wichtigen Hofleuten wie Voigt oder Einsiedel. Im November denkt er daran, eine Beziehung zu Wielands zweiter Tochter<\/p>\n<p>Maria Carolina Friederike einzugehen, wie er seinem Freund K\u00f6rner am 19. November 1787 mitteilt. \u201cIch glaube wirklich, Wieland kennt mich noch wenig genug, um mir seinen Liebling, seine zweite Tochter nicht abzuschlagen, selbst jezt nicht, da ich nichts habe. Das M\u00e4dchen kenne ich nicht, gar nicht, aber siehst Du, ich w\u00fcrde sie ihm heute abfordern, abfordern, wenn ich glaubte, da\u00df ich sie verdiente\u201d (Friedrich Schiller @Wissen-im-Netz.info Schillers Briefwechsel mit K\u00f6rner) Aberschon im Dezember schrieb er:<\/p>\n<p>\u201cEs ist m\u00f6glich, da\u00df ein interessanteres M\u00e4dchen mir aufgehoben seyn kann, aber das Schicksal l\u00e4\u00dft es mich vielleicht in sechs oder acht Jahren finden. (ebd.) Das interessante M\u00e4dchen, das ihn\u00a0 jetzt lockte war Charlotte von Lengenfeld, seine sp\u00e4tere Frau.<\/p>\n<p>Die Aff\u00e4re war also beendet, ehe sie \u00fcberhaupt begonnen hatte.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Oer-Weimarer_Musenhof.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"220px-Oer-Weimarer_Musenhof\" alt=\"220px-Oer-Weimarer_Musenhof\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Oer-Weimarer_Musenhof_thumb.jpg\" width=\"224\" height=\"174\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei Schillers R\u00e4ubern schlo\u00df\u00a0 Wieland sich Goethes Meinung an. Goethe hat einen so gro\u00dfen Greuel als ich an der seltsamen Hirnwut, die man itzt am Neckarstrom f\u00fcr Genie zu halten pflegt.\u201d\u00a0 Aber er gewann ihn f\u00fcr die Mitarbeit am Merkur.<\/p>\n<p>So erschienen im 1. Vierteljahr 1788 \u201cDer Abfall der vereinigten Niederlande von Spanien\u201d im 3.und 4. Vierteljahr 1788 \u201cBriefe \u00fcber Don Karlos\u201d sowie 4 1789 \u201cWas hei\u00dft und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im 4. Vierteljahr 1788 schreibt Wieland im Merkur \u201cDas Geheimnis des Kosmopolitenordens\u201d (S. 121-143) Darin pl\u00e4diert er daf\u00fcr, gewaltfrei\u00a0 \u201cgegen unertr\u00e4gliche Mi\u00dfbr\u00e4uche der h\u00f6chsten Gewalt, gegen politischen und religi\u00f6sen Despotismus, gegen<\/p>\n<p>erweislich ungerechte und unvern\u00fcnftige Gesetze \u201c usw. (S. 124). Gewaltsame Ver\u00e4nderungen f\u00e4hrt er fort \u201calle tumultuarischen Wirkungen der Leidenschaften\u2026 wenn sie am Ende auch viel Gutes hervorbringen, zerst\u00f6ren auch zu gleicher Zeit so viel Gutes,<\/p>\n<p>und richten, indem sie gro\u00dfen Uebeln steuern wollen, selbst so gro\u00dfes Uebel an, da\u00df nur ein Gott f\u00e4hig ist, zu entscheiden, ob das Gute oder B\u00f6se, das auf diese Weise gewirkt wird, das Uebergewicht habe.\u201d (S.127) Es gibt schreibt er<\/p>\n<p>weiter , nur eine Regierungsform, gegen die nichts einzuwenden ist, die Regierungsform der Vernunft. Da sah er den gegenw\u00e4rtigen Zustand Europas noch auf gutem Weg.Als die Revolution dann 1789 ausbricht, ver\u00f6ffentlicht er im 3. Vierteljahr 1789 den Artikel \u201cUeber die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Gebrauchs, welchendie Franz\u00f6sische Nation dermalen von ihrer Aufkl\u00e4rung und St\u00e4rke macht\u201d (S. 225-262) Hier diskutieren zwei Personen, Walter und Adelstan. Die beiden repr\u00e4sentieren fiktive Positionen,wobei kein der beiden<\/p>\n<p>Dialogpartner mit Wieland identisch ist. Walter sieht die Aktionen der Nationalversammlung als notwendige Reaktion auf eine politische Krise des Ancien R\u00e9gime, die durch Missbr\u00e4uche und eine schlechte Verwaltung der Staatseink\u00fcnfte verursacht worden sei.<\/p>\n<p>Adelstan akzeptiert die Einberufung, findet aber, da\u00df die weitergehenden Forderungen wie Verfassungs\u00e4nderung und der politischen Gleichstellung des Dritten Standes dazu gef\u00fchrt h\u00e4tten, dass die Ereignisse den Charakter eines Volksaufstandes angenommen<\/p>\n<p>h\u00e4tten . In der n\u00e4chsten Ausgabe erscheint \u201cKosmopolitische Adresse an die franz\u00f6sische Nationalversammlung von\u00a0 Eleutherius Philoceltes\u201d (S. 24-60). Es ist eine direkte Reaktion auf die am 4. August 1789 beschlossene Abschaffung der Adelsprivilegien und<\/p>\n<p>die Aufl\u00f6sung des franz\u00f6sischen Feudalsystems. Diese Schrift wird oft als eine beginnende Ablehnung der Revolution interpretiert (Sengle, B\u00e4ppler) Die G\u00f6ttergespr\u00e4che, die von 1789 bis 1793 im Merkur erschienen, lassen die Entwicklung von Wielands<\/p>\n<p>Verh\u00e4ltnis zur Franz\u00f6sischen Revolution nachvollziehen.<\/p>\n<p>Am 3. Dezember 1787 stirbt Wielands langj\u00e4hriger Verleger Erasmus Reich. Die Rechtsverh\u00e4ltnisse \u00e4ndern sich. Marie Louise Weidmann war Erbin und der\u00a0 Verlag nannte sich wieder \u201cWeidmannsche Buchhandlung\u201d. Nun trat Wieland mit dem jungen Leipziger Buchh\u00e4ndler G\u00f6schen in Leipzig in Verbindung. Wieland hatte im Jahre 1786 den noch sehr jungen G\u00f6schen kennengelernt. Er hatte sich in Leipzig etabliert und besuchte auch Wieland. Er sagte ihm, dass so lange Reich lebe, er nur dort verlegen<\/p>\n<p>lasse. Sie kamen trotzdem ins Gespr\u00e4ch. Wieland erkannte, dass er keinen allt\u00e4glichen Buchh\u00e4ndler vor sich hatte, sondern einen begabten jungen Mann. Er wollte sein Gesch\u00e4ft f\u00fchren, so wie es sich Wieland auch bei seinen Pl\u00e4nen vorstellte, als<\/p>\n<p>er sich mit dem Gedanken trug, einen Verlag zu f\u00fchren. Da kam seine Gattin herein und hatte ein paar Fragen. Wieland konnte auf solche St\u00f6rungen \u00e4u\u00dferst ungn\u00e4dig reagieren. Er nahm die Milde und heitere Gelassenheit , mit der Frau Wieland reagierte,<\/p>\n<p>erstaunt zur Kenntnis und er sagte: \u201cHerr Hofrath, welch einen Engel von Weibe haben sie!\u201d und Wieland darauf \u201cJunger Mann, sie sind f\u00e4hig, den Werth dieses Weibes zu erkennen; damit haben Sie auch auch mein Herz gewonnen. Hier meine Hand!<\/p>\n<p>Ist Reich gestorben, so wird kein anderer mein Verleger als Sie\u201d (J.G. Gruber, C.M. Wielands Leben, Leipzig 1827, 7. Buch S. 13) Ob so geschehen oder eine sch\u00f6ne Anekdote von Wielands erstem Biographen, G\u00f6schen wurde auf jeden Fall der Verleger Wielands.<\/p>\n<p>Kurz nach Reichs Tod schickte Wieland das Manuskript des Peregrinus Proteus an G\u00f6schen.Die Zusammenarbeit war auch nicht so anekdotenhaft. 1786 ging der \u201cHaupt-und Me\u00dfdebit\u201d an G\u00f6schen \u00fcber.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/248_goeschen_georg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"248_goeschen_georg\" alt=\"248_goeschen_georg\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/248_goeschen_georg_thumb.jpg\" width=\"136\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Me\u00dfdebit, das war die finanzielle Abrechnung w\u00e4hrend der Leipziger Buchmesse. Aber es ging bei diesem Debit auch um Verhandlungen mit Verlegern und Buchh\u00e4ndlern zwecks Akquirierung weiterer Abonnenten f\u00fcr die Zeitschrift.<\/p>\n<p>Der Vertrag zwischen Wieland, Bertuch und G\u00f6schen wurde am 24.\/25. Oktober 1785 unterzeichnet. Sein Peregrinus Proteus erschien 1791 bei G\u00f6schen. Auch die G\u00f6ttergespr\u00e4che erscheinen dort. Um seinen Autor an sich zu binden und nicht unbedingt<\/p>\n<p>wirtschaftlicher Vernunft entsprechend schl\u00e4gt G\u00f6schen\u00a0 Wieland eine Gesamtausgabe\u00a0 seiner Werke vor.Er plante eine vierfache Ausgabe in vier Preisstufen. Eine sollte preislich so gestaltet sein, dass \u201c jeder Kaufmannsdiener, jeder<\/p>\n<p>unbemittelte Student, jeder Landpfarrer, jeder m\u00e4\u00dfig besoldete Offizier\u201d\u00a0 (Der Verlag Walter de Gruyter, 1749-1999 herausgegeben von Anne-Katrin Ziesak,Hans-Robert Cram,Kurt-Georg Cram, Berlin 1999 S.66) Wielands Werke kaufen<\/p>\n<p>k\u00f6nnen sollte. Dann gab es noch die Prachtausgabe, eine \u201csogenannte F\u00fcrstenausgabe\u201d. Sie sollte 250 Taler kosten. Damit diese nicht mit Billigangeboten unterboten werden konnte, wurde modernste Drucktechnik eingesetzt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die teuerste Ausgabe hatte er eigens in Basel Velinpapier von der M\u00fchle des Verlegers und Buchh\u00e4ndlers Johann Christoph Imhof-Burckhardt\u00a0 gekauft. Velinpapier ist handgefertigtes Papier, gleichm\u00e4\u00dfig strukturiert und glatt und galt seinerzeit<\/p>\n<p>als Besonderheit. Die Prunkausgabe wurde durch Subskriptionen vorfinanziert. Zu den Subskribenten z\u00e4hlte der Weimarer Herzog Karl August und seine Mutter Anna Amalia bis hin zu denen der K\u00f6nige von England und Neapel, Prinz Ferdinand von Preu\u00dfen, des Kurf\u00fcrsten zu K\u00f6ln und diverser anderer F\u00fcrsten, Grafen und Herz\u00f6ge aus Deutschland und \u00d6sterreich. Dazu kommen zahlreiche Bibliotheken und Privatleute aus ganz Europa \u2013 Basel, Bern, Z\u00fcrich, Triest, Amsterdam, Haarlem, Kopenhagen, Prag, Warschau, Lemberg, Riga, Reval, St. Petersburg, London, Lissabon. Es war eine europ\u00e4ische Sache und verdeutlicht den Stellenwert, den Wieland damals in der gebildeten Welt hatte. Ganz besonders hat ihn gefreut,dass auch der Rat seiner Vaterstadt Biberach subskribiert hatte. Dies<\/p>\n<p>schreibt er an G\u00f6schen : \u201cMeine Biberacher haben mir eine so unverhoffte Freude gemacht, da\u00df ich nicht umhin kann, Ihnen eine Copie des Raths-Conclusi hiermit zu communicieren; womit sie mit einer bonne grace, die diesen wackern biedersinnigen<\/p>\n<p>Schwaben eben so viel Ehre macht als ihrem Mitb\u00fcrger, beschlossen haben, im Namen der Reichsstadt Biberach auf ein Exemplar der Quartausgabe meiner Werke zu pr\u00e4numerieren. Seit langer Zeit hat mir nichts einen so frohen Tag gemacht,<\/p>\n<p>als dieser Beweis der Achtung und Zuneigung meiner Compratioten\u201d (zitiert bei Heinrich D\u00f6ring S. 301 f.) Goethe und Schiller spotteten in ihren Xenien \u00fcber dieses Verfahren.<\/p>\n<h5><span style=\"font-size: medium;\">\u201c284. G\u00f6schen an die deutschen Dichter.<\/span><\/h5>\n<p>Ist nur erst Wieland heraus, so kommt&#8217;s an euch \u00fcbrigen alle,<br \/>\nUnd nach der Lokation! Habt nur einstweilen Geduld!\u201d<\/p>\n<p>Der Anfang lief allerdings nicht reibungslos, denn die Weidmannsche Buchhandlung hatte noch 17 Werke Wielands in Verlag. Und die Buchhandlung<\/p>\n<p>war nicht geneigt, ihre Rechte an den Werken aufzugeben. Es folgte ein Prozess, bei dem es auch darum ging, ob ein Autor berechtigt sei, \u00fcber sein geistiges Eigentum ein zweites Mal verf\u00fcgen zu k\u00f6nnen. G\u00f6schen bekam schlie\u00dflich Recht.<\/p>\n<p>Die Vorsch\u00fcsse auf das Projekt erm\u00f6glichten es Wieland, sich seinen Traum zu erf\u00fcllen und ein eigenes Haus zu erwerben. Er verlie\u00df sein Domizil, das Mietshaus vor dem Frauentor und verkaufte seinen Garten. Am Markt Nr. 18 kaufte er<\/p>\n<p>ein dreist\u00f6ckiges Geb\u00e4ude zwischen Elephant und Erbprinz gelegen. Optimal war es allerdings auch nicht. Schweinequieken und Pferdegetrappel waren deutlich zu h\u00f6ren. Und wie Zeitzeugen berichten vervollst\u00e4ndigten \u201cEnten und Hahnengeschrei<\/p>\n<p>das thierische Konzert\u201d (Nach Zaremba S.207) Wieland war aber sehr l\u00e4rmempfindlich.<\/p>\n<p>Im Jahr 1791 war Karl August B\u00f6ttiger auf Betreiben Herders nach Weimar gekommen und wurde Direktor des Gymnasiums und Oberkonsistorialrat f\u00fcr Schulangelegenheit. Der umfassend gebildete Mann wurde bald<\/p>\n<p>auch mit Wieland bekannt, mit dem ihm dann eine lebenslange Freundschaft verband. Etwa ab 1794 gab er in Wielands Namen den Neuen Teutschen Merkur heraus. Nun hatte Wieland, was den Merkur anging, mal wieder den R\u00fccken<\/p>\n<p>frei und er konnte einer Einladung G\u00f6schens nach Leipzig Folge leisten. Am 30. Juli 1794 fuhr er zusammen mit seiner Frau, begleitet von seinem Diener nach Leipzig. G\u00f6schen verstand es, Auftritte zu inszenieren und die durchaus vorhandene Eitelkeit<\/p>\n<p>seines Autors zu kitzeln. G\u00f6schen hatte in seiner Sommerwohnung\u00a0 einen gro\u00dfen Garten von einem Kanal durchzogen. Auf einer Insel hatte G\u00f6schen in einem transparenten Tempel eine B\u00fcste Wielands aufstellen lassen.Als Wieland dort ankam, \u00fcberreichten ihm zwei\u00a0 in\u00a0 griechische Kost\u00fcme gekleidete Knaben dem \u00fcberraschten Dichter den ersten Band der Prachtausgabe. Wieland war, wie D\u00f6ring berichtet, zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt. (S.305) Die Reise ging weiter nach Dresden. Dort wurde die<\/p>\n<p>Gem\u00e4ldegalerie besucht. Er lie\u00df sich von Hofmaler Anton Graf portr\u00e4tieren. Der aus der Schweiz stammende K\u00fcnstler war seit 1766 kurf\u00fcrstlich s\u00e4chsischer Hofmaler. Es gibt kaum einen Gro\u00dfen seiner Zeit, den er nicht gemalt hat.<\/p>\n<p>Auf Schloss Pillnitz erhielt er eine Audienz vom s\u00e4chsischen Kurf\u00fcrsten Friedrich August III. In Seifersdorf besuchte er die Tina von Br\u00fchl, sie im 18. Jahrhundert eine Seltenheit Landschaftsarchitektin war. Ihr wichtigestes Werk<\/p>\n<p>ist der Englische Garten im Seifersdorfer Tal. Ihr Sohn Carl hatte von Goethe, Herder und Wieland Unterricht erhalten. Als wieland wieder in Weimar zur\u00fcck war, schrieb er \u00fcberschw\u00e4nglich an G\u00f6schen: \u201cIhnen, lieber G\u00f6schen,<\/p>\n<p>verdanken wir so viele Herz und Sinn vergn\u00fcgende Tage, Stunden und Augenblicke, da\u00df sie auch in der Erinnerung noch lange Heiterkeit und Frohsinn und herzerhebende Gef\u00fchle \u00fcber unser Leben verbreiten werden. (bei D\u00f6ring S. 305)<\/p>\n<p>Ein Jahr vorher war Wielands 5. Tochter Charlotte Wilhelmine mit der der Familie Baggesen nach Bern gereist. Baggesen wird auch der \u201cd\u00e4nische Wieland\u201d genannt. Er war mit Sophie von Haller, der Enkelin von Albrecht von Haller verheiratet.<\/p>\n<p>Seit 1790 war er dem Kreis um Wieland in Weimar, und Schiller in Jena\u00a0 verbunden. Auf dieser Reise lernte Charlotte Wilhelmine Heinrich Gessner, den Sohn des inzwischen verstorbenen Salomon Gessners kennen. Es wurde\u00a0 ein Bund f\u00fcrs Leben.<\/p>\n<p>Im Auftrag von Gessner bat Baggesen Wieland\u00a0 um die Hand seiner Tochter. Am 18. 1795 fand auf Schloss Belvedere die Hochzeit statt. Herder traute das Paar. An G\u00f6schen schrieb er am 17. April 1795: \u201cMein Glaube an die Vorsehung ist<\/p>\n<p>durch die h\u00f6chst unerwartete Begebenheit, die dem Aufenthalt meiner guten Tochter Charlotte in der Schweiz gleichsam die Krone aufgesetzt hat, au\u00dferordentlich gest\u00e4rkt worden.-Wenn je eine Ehe im Himmel geschlossen worden ist,<\/p>\n<p>so ist es gewi\u00df diese, die sich aus eine beinahe wunderbare Art, und wieder doch so nat\u00fcrlich durch die entschiedenste Sympathie der Herzen, Gem\u00fcthsart, Neigungen, Sitten-zwischen dem Sohne Salomo Ge\u00dfners, meines liebsten und einzigen Jugendfreundes<\/p>\n<p>und einer Tochter seines Freundes Wielands geschlossen hat\u201d (bei D\u00f6ring S. 310 f.) Das junge Paar sollte im Folgejahr in Z\u00fcrich besucht werden. Herzogin Anna Amalia stellte zu diesem Unternehmen einen bequemen Reisewagen zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Mit Frau und drei Kinder starte Wieland am 23. Mai 1796. In Ulm wollte Wieland einen Abstecher nach Warthausen und Biberach machen. Dort bahnte sich aber das an, was dann sp\u00e4ter als die 1. Schlacht bei Biberach in die<\/p>\n<p>Geschichtsb\u00fccher eingegangen ist. Ganz Oberschwaben war voll mit\u00a0 Truppen des Erzherzog Karl. Au\u00dferdem wurden die Wege durch die Cond\u00e9schen Freisch\u00e4rler, das war die franz\u00f6sische Emigrantentruppe unsicher gemacht.Wieland verzichtete<\/p>\n<p>deshalb darauf, Schloss Warthausen und seine Heimatstadt wieder zu sehen. Man reiste \u00fcber Kempten und Lindau nach Z\u00fcrich. In der Schweiz unternahm Wieland \u201cExkursionen und\u00a0 Land-und See-Parthien\u201d (Zaremba S. 212).<\/p>\n<p>Mit seinen Schwiegers\u00f6hnen Gessner und Reinhold besprach er auch ein neues Projekt \u201cDas Attische Museum\u201d. Es widmete sich der Antike. Im Neuen Teutschen Merkur im 1. Band k\u00fcndigt er es an. (S 339-341) \u201cIch nenne dieses Museum<\/p>\n<p>attisch, weil es gr\u00f6\u00dftentheils aus \u00dcbersetzungen auserlesener Werke der vorz\u00fcglichsten attischen Schriftsteller, haupts\u00e4chlich der Redner Isokrates, Lysias, Demosthenes, Aeschines, der Filosofen der\u00a0 sokratischen Schule, Xenofon und Platon,<\/p>\n<p>und der Dichter Aschylos, Sofokles, Euripides und Aristofanes bestehen wird.\u201d Damit ist das Programm skizziert und es sollte sich an einen kleinen Leserkreis von Kennern griechischer Geistesgr\u00f6\u00dfen richten. Das Journal erschien in 4 B\u00e4nden von 1796<\/p>\n<p>bis 1803 im Verlag Gessner in Z\u00fcrich und Luzern und wurde sp\u00e4ter von den Mitherausgebern Hottinger und Jacobs in Leipzig fortgesetzt. In dieser Zeit\u00a0 lag der Schwerpunkt von Wielands literarischer T\u00e4tigkeit auf der Bearbeitung seiner Werke f\u00fcr die G\u00f6schen-Ausgabe und \u00dcbersetzert\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>Sein Aufenthalt in der Schweiz hat ihn auch wieder von den Vorz\u00fcgen des Landlebens tr\u00e4umen lassen. Er w\u00e4re gerne \u201cwie Horaz durch\u2019s Leben weggeschlichen und der nichts mehr ha\u00dfte, als Stadt-Hof-und Welt (D\u00f6ring S.325)<\/p>\n<p>1797 ergab sich die M\u00f6glichkeit das Gut Ossmanstedt nahe bei Weimar zu erwerben. Zwischen 1762 und 1775 hatte es Herzogin Anna Amalia als Sommersitz genutzt. Ab 1777 \u00fcbernahm es ein P\u00e4chter.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Wielandgut_Omannstedt_-_Gutshaus_mit_Delphinenbrunnen_02.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"220px-Wielandgut_O\u00dfmannstedt_-_Gutshaus_mit_Delphinenbrunnen_02\" alt=\"220px-Wielandgut_O\u00dfmannstedt_-_Gutshaus_mit_Delphinenbrunnen_02\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/220px-Wielandgut_Omannstedt_-_Gutshaus_mit_Delphinenbrunnen_02_thumb.jpg\" width=\"224\" height=\"142\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wieland kaufte das gut f\u00fcr 22.000 Taler von der Gemeinde O\u00dfmannstedt, zahlbar in drei Raten gem\u00e4\u00df Kaufvertrag vom 15. M\u00e4rz 1797.(Zaremba S. 217)Kaufm\u00e4nnisch gesehen war das nicht die kl\u00fcgste Entscheidung. G\u00f6schen hatte schon<\/p>\n<p>vor dem Kauf finanzielle Bedenken angemeldet. Wieland wollte sein Weimarer Haus verkaufen und erhoffte sich ein Darlehen von 14.000 Taler durch Vermittlung von G\u00f6schen (D\u00f6ring S. 328) G\u00f6schens Spielraum war durch seinen Umzug<\/p>\n<p>von Leipzig nach Grimma ebenfalls eingeschr\u00e4nkt und er konnte hypothekenfrei nur 3000 Taler beisteuern.<\/p>\n<p>Ungeachtet der wirtschaftlichen Problem beendete Wieland in Osmannstedt den Agathod\u00e4mon. Er revidierte die Texte seiner T\u00fcbinger und Schweizer Jahre f\u00fcr die Supplementb\u00e4nde seiner Werkausgabe. F\u00fcr das Attische Museum \u00fcbersetzte er<\/p>\n<p>weitere Texte. Neben den finanziellen Sorgen trafen ihn in den Folgejahren rasch auch pers\u00f6nliche Schicksalsschl\u00e4ge. Am 29.\u00a0 April 1798 starb Wielands achte Tochter Wilhelmine Friederike mit 15 Jahren an Auszehrung.<\/p>\n<p>Man hatte zwar versucht, ihn auf den Tod vorzubereiten. aber er war trotzdem tief getroffen. An G\u00f6schen schrieb er \u201cSie war eines der reinsten und liebensw\u00fcrdigsten Gesch\u00f6pfe; mein Herz hing vorz\u00fcglich an ihr, und ich versprach mir von<\/p>\n<p>ihrer ungemeinen Anh\u00e4nglichkeit an mich viel Trost und Freude f\u00fcr meine k\u00fcnftigen Jahre.-Sie ist nun in einer bessern Welt, und ich werde ihr folgen. In diesem Gedanken allein ist heilender Balsam f\u00fcr eine solche Wunde.\u201d<\/p>\n<p>(zitiert in Wissen &#8211; Erz\u00e4hlen &#8211; Tradition: Wielands Sp\u00e4twerk herausgegeben von Walter Erhart,Lothar Laak S. 368)<\/p>\n<p>Im Juli 1799 besuchte Sophie la Roche zusammen mit ihrer Enkelin Sophie Brentano in seinem \u201cOsmantinum\u201d. Sie\u00a0 schildert diesen Besuch in \u201cSchattenrisse abgeschiedener Stunden in Offenbach,Weimar und Sch\u00f6nebeck\u201d Ihre Schilderungen<\/p>\n<p>des Parks zeigen den Park fast so, wie man ihn heute erleben kann. Mit seiner in jungen Jahren hei\u00df angebeteten \u201cg\u00f6ttlichen Sophie\u201d kam Wieland jetzt nicht mehr besonders gut klar. Er fand ihre oft langatmige Sentimentalit\u00e4t oft einfach erm\u00fcdend ,<\/p>\n<p>so wie ja auch die Weimarer Gesellschaft erhebliche Vorbehalte gegen Sophie Laroche hatte. Anders dagegen ihre Enkelin Sophie von Brentano. Die junge Sophie eroberte mit ihrem Liebreiz, den sie ausstrahlte, sehr schnell die Jugendliebe ihrer Mutter und empfand ihn als v\u00e4terlichen Freund. Wieland bewunderte den klaren Verstand des M\u00e4dchens. Er tauschte sich mit Sophie \u00fcber seinen Aristipp aus, an dem er gerade arbeitete. Der Aufenthalt der beiden Frauen dauerte einen Monat.<\/p>\n<p>Aber ein Jahr sp\u00e4ter kam Sophie von Brentano allein nach Ossmannstedt zur\u00fcck. Ab 25. Juli 1800 war Sophie wieder auf dem Wielandgut. Wielands Sekret\u00e4r Christoph Abraham L\u00fctkem\u00fcller schreibt dazu: \u201cWieland liebte Sophie Brentano<\/p>\n<p>zugleich als seine Tochter und Freundin, und sie wirkte auf seinen Aristipp als eine Muse und Grazie\u201d (ebd. S. 368) und an Karl August B\u00f6ttiger schreibt er \u201cWenn die liebensw\u00fcrdige Sofie Brentano nicht w\u00e4re, so wei\u00df ich nicht, was aus meinem<\/p>\n<p>allm\u00e4hlich vergl\u00fchenden L\u00e4mpchen werden k\u00f6nnte&#8220; (ebd. S. 369) Aber Sophie wird Anfang September von einer Nervenkrankheit befallen und stirbt 16 Tage sp\u00e4ter am 19. September 1800. Sie ist nur 24 Jahre alt geworden. Aber Wieland hatte<\/p>\n<p>noch einen weiteren Todesfall zu verkraften, den seiner Ehefrau Anna Dorothea. Sie starb am 8. November 1801 nach 36-j\u00e4hriger Ehe. Sie ist nach au\u00dfen kaum in Erscheinung getreten, war aber immer Halt und St\u00fctze f\u00fcr ihn.<\/p>\n<p>An G\u00f6schen schrieb er am 31. Dezember 1801 \u201cMit mir geht es wie es kann leidlich wenigstens; leidlich wenigstens.Ich arbeite viel; aber es ist, als ob mit die Schwungfedern gestutzt w\u00e4ren. Sonst arbeitete ich mit Freude, mit<\/p>\n<p>Munterkeit, jetzt m\u00fchsam, entgeistert, schwerf\u00e4llig\u201d(D\u00f6ring S.373)Wohl tat ihm in dieser Zeit die mitf\u00fchlende Anteilnahme der F\u00fcrstin Anna Amalia<\/p>\n<p>Die wirtschaftliche Situation aber sicher auch diese Todesf\u00e4lle bringen Wieland dazu, dass er Ossmannstedt 1803 aufgibt und wieder nach Weimar zur\u00fcckkehrt.\u00a0 Er verkaufte das Gut an den Hamburger Hofrat K\u00fchn f\u00fcr 30.000 Taler.<\/p>\n<p>Nur \u201cder Garten soll, so lange es nur immer m\u00f6glich sein wird, bei meiner Familie bleiben, und dies umso mehr, da er das Grab meiner Geliebten, und dereinst auch das meinige, neben ihr, in sich schlie\u00dft.\u201d (D\u00f6ring S.380)<\/p>\n<p>Das war zwar eine Wunschvorstellung, doch der neue Besitzer achtetet das Grabmal.<\/p>\n<p>Als Wieland 1796 gerade bei seinem Besuch in der Schweiz war, kam der junge Jean Paul zum ersten Mal nach Weimar, traf ihn aber leider nicht an, da Wieland ja in Z\u00fcrich weilte. Aber am 25. August 1798 lernten die beiden sich pers\u00f6nlich<\/p>\n<p>kennen und zwar in Osmannstedt. Sie hatten gro\u00dfe Erwartungen an diese Begegnung gekn\u00fcpft und wurden nicht entt\u00e4uscht. Sie fanden so rasch einen gemeinsamen Nenner, dass Wieland dem 30 Jahre j\u00fcngeren Dichter spontan vorschlug,<\/p>\n<p>zu ihm nach Osmannstedt zu ziehen. Nach reiflicher \u00dcberlegung kam Jean Paul aber zu dem Schluss, dass das wohl doch nicht so gut sei. Er meinte, dass zwei Dichter wohl nicht ewig zusammen passen w\u00fcrden. Au\u00dferdem war Jean Paul Junggeselle,<\/p>\n<p>Junge Frauen aber gab es auf dem Wielandgut nicht, wohl aber ein Dutzend Kinder.Man traf sich nun in Weimar. Wieland Herder und Jean Paul sahen eine Auff\u00fchrung der Zauberfl\u00f6te. Auch mit Schiller und Goethe traf Jean Paul<\/p>\n<p>zusammen auch hier in Begleitung Wielands. Das letzte Mal trafen sich Jean Paul und Wieland am im Juli 1802. Jean Paul erlebte Wieland als tr\u00fcben Witwer und ziemlich gealtert. Jean Paul hat dieser Anblick zu schaffen gemacht.<\/p>\n<p>Im Folgejahr verkaufte Wieland sein Gut. Danach sahen sich Jean Paul und Wieland nicht mehr.<\/p>\n<p>In Ossmannstedt war Heinrich von Kleist im Januar 1803 vierzehn Wochen zu Gast. Er hatte Wieland \u00fcber dessen Sohn Ludwig kennengelernt und war von ihm nach Osmannstedt eingeladen worden, nachdem er erfahren hatte, dass er in Weimar sehr schlecht untergebracht war. Er arbeitet an einem St\u00fcck und nach dem Wieland einige Teile davon zu h\u00f6ren bekommen hatte, ermutigte er ihn auf jeden Fall daran weiter zu arbeiten.<\/p>\n<p>Auch der aus Schw\u00e4bisch Hall stammende Nordist Friedrich David Gr\u00e4ter war f\u00fcr einige Zeit Gast in Osmannstedt. Auch Friedrich Gottfried Seume (Spaziergang nach Syrakus), der im Auftrag G\u00f6schens den\u00a0 Aristipp redigierte, war dort. Nie in Osmannstedt<\/p>\n<p>war dagegen Schiller.<\/p>\n<p>Aistipp und einige seiner Zeitgenossen sowie die politische Schrift Gespr\u00e4che unter vier Augen\u00a0 waren die wichtigsten Werke seiner Osmannstedter Zeit<\/p>\n<p>Am 11. Mai 1801 erlie\u00df der Rat der Helvetischen Republik folgendes Dekret: \u201c Dem Hofrath Christoph Martin Wieland in Weimar ist das helvetische B\u00fcrgerrecht ertheilt.\u201d (Tageblatt der Gesetze und Dekrete der gesetzgebenden R\u00e4the der helvetischen<\/p>\n<p>Republik Band 5) Das hatte f\u00fcr Wieland zwar keine praktischen Auswirkungen, war aber eine Auszeichnung der Republik, die ja praktisch unter Napoleons Patronat stand. Sie diente aber auch dazu \u201cdem Vaterland wahrhaft ausgezeichnete B\u00fcrger<\/p>\n<p>zu verschaffen\u201d wie der Schweizer Historiker und Politiker Johann Anton von Tillier schreibt. (Geschichte der helvetischen Republik, von ihrer Gr\u00fcndung im Fr\u00fchjahr 1798 bis zu ihrer Aufl\u00f6sung 1803, Band 2, Bern 1843 S. 354)<\/p>\n<p>Nach Weimar zur\u00fcckgekehrt, bezog er ganz in der N\u00e4he der N\u00e4he des Wittumspalais mit Blick auf das\u00a0 Schauspielhaus er eine Wohnung. W\u00e4hrend des Sommers weilte die F\u00fcrstin in Tieffurt und dort erhielt Wieland sogar einen Ehrenplatz<\/p>\n<p>in der herzoglichen Loge. Am 18. Dezember 1803 hatte er sich allerdings wieder mit dem Tod auseinanderzusetzen. Johann Gottfried Herder verstarb. An Sophie von Laroche schrieb er: \u201cEr war mein bester und gewisserma\u00dfen<\/p>\n<p>einziger Freund in Weimar-ich habe sehr viel an ihm verloren.\u201d (D\u00f6ring S. 384) Die Hochzeit des Erbprinzen Carl Friedrich mit der russischen Zarentochter Maria Palowna fand am 3. August 1804 in St. Petersburg statt. Nat\u00fcrlich wurde in Weimar auch nochmals gefeiert und zwar im November. Das Paar traf am 9. November in Weimar ein. Schiller hatte auf Bitten Goethes \u201cDie Huldigung der K\u00fcnste\u201d verfasst. Es wurde am\u00a0 12. November als Vorspiel des Theaterabends am Hoftheater von Weimar uraufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Aber nur ein paar Monate\u00a0 sp\u00e4ter war auch Schiller tot. Er verstarb am 9. Mai 1805. Nicht nur im eher privaten Bereich gab es einiges zu ertragen.<br \/>\nIm Oktober 1806 fand die Schlacht von Jena und Auerstedt statt. Weimar war von diesem Ereignis stark betroffen. Es musste 60000 pl\u00fcndernde franz\u00f6sische Soldaten beherbergen und verk\u00f6stigen. Zwar war auch bei Wieland Einquartierung.<\/p>\n<p>Und die Franzosen lie\u00dfen sich seinen Wein schmecken, aber er erhielt eine Leibwache und im Namen Murats wurde ihm der unmittelbare kaiserliche Schutz zugesichert. Anna Amalia hatte Tiefurt verlassen m\u00fcssen und<\/p>\n<p>Maria Pawlowna musste in dieser Zeit im Ausland ein Asyl suchen. Am 10. April 1807 verstarb Herzogin Anna Amalia. Die Todesnachricht verarbeitete er, wie er das meist tat, wenn vieles von au\u00dfen auf ihn einst\u00fcrmte. Er arbeitete hart<\/p>\n<p>und diszipliniert. Er \u00fcbersetzte Ciceros Briefe. F\u00fcrst Carl August bot ihm Belvedere als Sommeraufenthalt an. Dort las er viel, meist griechische oder r\u00f6mische Schriftsteller. Seine philosophische Grundhaltung gab ihm einen ruhigen Gleichmut, so da\u00df er<\/p>\n<p>trotz der Schicksalsschl\u00e4ge seinen Lebensabend gelassen verbringen konnte. Aber das Abschiednehmen ging weiter. Am 18. Februar starb seine Jugendliebe Sophie Laroche. An die F\u00fcrstin von Neuwied schrieb er: \u201cIch hielt nichts f\u00fcr sicherer,<\/p>\n<p>als da\u00df sie mich um viele Jahre \u00fcberleben w\u00fcrde. Aber es scheint mein Schicksal, da\u00df ich alles \u00fcberleben soll, was ich am meisten und innigsten liebe. Bald habe ich au\u00dfer meinen gr\u00f6\u00dftentheils weit von mir entfernten\u00a0 Kindern,nichts<\/p>\n<p>mehr zu verlieren\u2026..(und weiter \u00fcber Sophie)Aber die Welt kann zufrieden sein, eine so au\u00dferordentliche Frau- die von ihrer Kindheit an f\u00fcr diese Welt viel zu gut war\u201d (D\u00f6ring S. 394)Doch es gab immer wieder auch sch\u00f6ne<\/p>\n<p>Momente. Sein 76. Geburtstag wurde am 8. September 1808 auf Schlo\u00df Belvedere gro\u00df begangen. Nur einen Monat sp\u00e4ter war in Erfurt der F\u00fcrstenkongress vom 27. September bis 14. Oktober. Zar Alexander I und Napoleon waren zugegen.<\/p>\n<p>In Weimar wird t\u00e4glich Theater gespielt. Napoleon hat die besten Schauspieler aus Paris mitgebracht. Aber auch Carl August will mit der kulturellen Bedeutung Weimars gl\u00e4nzen. Er hat daf\u00fcr Goethe und Wieland nach Erfurt\u00a0 bestellt,<\/p>\n<p>damit sie dem Korsen vorgestellt. werden. Goethe trifft Napoleon erstmals am 2. Oktober in Weimar und zeigt sich als Kenner Werthers. Am 13. Oktober wird ein Hofwagen zu Wieland geschickt. Er hat vor dem Kaiser zu erscheinen.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/index1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"index\" alt=\"index\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/index_thumb1.jpg\" width=\"244\" height=\"155\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wieland erscheint so wie man ihn gerade vorfindet, ungepudert, sein schwarzes Samtk\u00e4ppchen auf dem Kopf in einfachen Tuchstiefeln.<\/p>\n<p>Wie schon auf Goethe machte der Kaiser der Franzosen auch auf Wieland einen m\u00e4chtigen Eindruck. \u201cIn meinem Leben habe ich keinen einfachern, ruhigern, sanftern Menschensohn gesehen. Keine Spur, da\u00df der Mann, der mit mir sprach, ein<\/p>\n<p>gro\u00dfer Monarch zu sein, sich bewu\u00dft war. Er unterhielt sich mit mir wie ein alter Bekannter<\/p>\n<p>s e i n e s Gleichen und (was noch keinem andern meines Gleichen widerfahren war) an anderthalb Stunden in Einem fort und ganz allein,<\/p>\n<p>zu gro\u00dfem Erstaunen aller Anwesenden.\u201d (D\u00f6ring S. 396). Man unterhielt sich \u00fcber C\u00e4sar, d.h. der Kaiser deklamierte meist oder wie Wieland sagt, Napoleon nahm \u201cdie frais de la conversation\u201d fast allein auf sich. Nachdem<\/p>\n<p>das ja ziemlich lange gegangen war, konnte Wieland kaum mehr stehen konnte, bat er, \u201cwas kein anderer Deutscher oder Franzose sich unterstanden h\u00e4tte\u201d darum entlassen zu werden mit dem Hinweis, dass er sich nicht stark genug<\/p>\n<p>f\u00fchle, das Stehen l\u00e4nger auszuhalten-und wurde in Gnaden entlassen.<\/p>\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter werden Goethe und Wieland nach Erfurt geladen um den Kaiser \u201cfr\u00fchst\u00fccken zu sehen\u201d Auch das wird bei D\u00f6ring (und Gruber) ausf\u00fchrlich geschildert. Wieder zur\u00fcck in Weimar wurde Wieland der Orden der Ehrenlegion verliehen.<\/p>\n<p>Goethe erhielt seinen am 14. Oktober. Von Zar Alexander wurde beiden dann noch der St.Annen-Orden verliehen, wozu Gruber bemerkt:\u201dSonderbar genug, da\u00df es zwei Kaiser des Auslands waren, und nicht ein teutscher Kaiser oder K\u00f6nig,<\/p>\n<p>die auf solche Weise sein Verdienst ehrten\u201d (C.M. Wielands s\u00e4mmtliche Werke. Herausg. von J.G. Gruber, 9. Band S. 428)Auch da\u00df Wieland zwar Mitglied des Franz\u00f6sischen Nationalinstituts war aber au\u00dfer der Antiquarischen Gesellschaft<\/p>\n<p>keiner deutschen Akademie angeh\u00f6rte. Wieland hatte zu seinem Orden allerdings gemeint, da\u00df ihm eine m\u00e4\u00dfige Pension lieber gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Im Jahre 1809 trat er noch in die Freimaurerloge Anna Amalia ein. Bertuch hatte zu der Zeit den Logenvorsitz inne. Und auch sein Schwiegersohn Reinhold war Logenmitglied. Das und auch die Tatsache, dass es doch sehr ein sam um den Dichter geworden war, d\u00fcrften ihn zu diesem Schritt veranlasst haben<\/p>\n<p>Allm\u00e4hlich plagten ihn auch k\u00f6rperliche Gebrechen. Im Herbst 1809 hatte er ein solches Augenleiden, da\u00df er mehrere Wochen nicht lesen und schreiben konnte. Auch sonst war er recht schwach geworden. Er konnte kaum mehr stehen und seine Hand war fast unbrauchbar.So nach 1810 ging es ihm aber wieder besser. Allerdings leistete er sich nur noch kleine Ausfl\u00fcge nach Jena oder beschr\u00e4nkte sich auf Spazierfahrten. Bei einer solchen kippte der Wagen<\/p>\n<p>und er brach sich das Schl\u00fcsselbein. Schlimm fand er, das \u00dcbel seiner \u201cCelebrit\u00e4t\u201d. Man kann sich nicht mal den kleinen Finger brechen, geschweige denn das Schl\u00fcsselbein, ohne da\u00df es sogleich in den \u00f6ffentlichen Bl\u00e4ttern verk\u00fcndet wird.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicher Wieland, dem Fernsehen und Internet erspart blieben!<\/p>\n<p>In der Nacht vom 10. auf den Januar 1813 erlitt er einen Schlaganfall.Dazu kam heftiges Fieber. Es konnte zwar kurzfristig gesenkt werden, stieg aber 10 Tage sp\u00e4ter wieder stark an. In der Nacht vom 20. Januar entschlief er.<\/p>\n<p>Er wurde in Weimar aufgebahrt. Die Logenbr\u00fcder\u00a0 geleiteten ihn am 25. Januar\u00a0 1813 zu seiner letzten Ruhest\u00e4tte. Goethe lie\u00df sich von seinem Sohn vertreten. Am 18. Februar fand das Totengedenken in der Loge Anna Amalia statt.<\/p>\n<p>Goethe hielt dabei die Rede \u201cZu br\u00fcderlichen Andenkens Wielands\u201d Er zeichnete Wielands Lebensweg nach. Zu Wielands Wirkung sagte er: \u201cDie Wirkungen Wielands auf das Publikum waren ununterbrochen und dauernd. Er hat sein<br \/>\nZeitalter sich zugebildet, dem Geschmack seiner Jahresgenossen sowie ihrem Urteil eine entschiedene Richtung gegeben, dergestalt, da\u00df seine Verdienste schon genugsam erkannt gesch\u00e4tzt, ja geschildert sind. Er spricht vor allem vom Einflu\u00df<\/p>\n<p>Shaftesbury auf Wieland. Zur seiner \u00dcbersetzert\u00e4tigkeit vermerkt er\u201dNiemand hat vielleicht so innig empfunden, welch verwickeltes Gesch\u00e4ft eine \u00dcbersetzung sei,als er. Wie tief war er \u00fcberzeugt, da\u00df nicht das Wort, sondern der Sinn belebe.<\/p>\n<p>\u00dcber seine Biberacher Kanzleit\u00e4tigkeit sagt er: \u201cUnd so war auch Wieland, als Kanzleiverweser einer der kleinsten Reichsst\u00e4dte, in dem Fall, Patriot und im besseren<br \/>\nSinne Demagog zu sein, wie er denn einmal \u00fcber einen solchen Gegenstand die zeitige Ungnade des benachbarten Grafen Stadion, seines G\u00f6nners, lieber auf sich zu ziehen als unpatriotisch<br \/>\nnachzugeben die Entschlie\u00dfung fa\u00dfte.\u201d Auch seine T\u00e4tigkeit beim Merklur und die Bedeutung dieses Journals spricht er an\u201dWas den Wert und die W\u00fcrde des Teutschen Merkurs viele Jahre hindurch erhielt, war die dem<br \/>\nHerausgeber desselben angeborene Liberalit\u00e4t. Wieland war nicht zum Parteihaupt geschaffen; wer die M\u00e4\u00dfigung als Hauptmaxime anerkennt, darf sich keiner Einseitigkeit schuldig machen. \u201c<\/p>\n<p>(Goethes Rede Text nach Wernekke, Hugo: Goethe und die K\u00f6nigliche Kunst. Leipzig: Poeschel 1905)<\/p>\n<p>Wieland wurde an der Seite seiner Gemahlin und Sophie Brantanos bestattet. Die Inschrift hatte er schon 1806 entworfen : \u201cLieb\u2019 und Freundschaft umschlang die verwandten Seelen im Leben; Und ihr Sterbliches deckt dieser gemeinsame Stein.\u201d<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/WielandgrabOssmann2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-width: 0px;\" title=\"WielandgrabOssmann2\" alt=\"WielandgrabOssmann2\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/WielandgrabOssmann2_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"185\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"center\">Nachtrag Artikel aus der Schw\u00e4bischen Zeitung vom 11.9.09 2014 Lokalausgabe Biberach<\/p>\n<header>\n<h1 itemprop=\"name\">Wieland erh\u00e4lt seinen Platz in der Stadtgeschichte<\/h1>\n<p><small>Am Freitag er\u00f6ffnet die komplett neu gestaltete stadtgeschichtliche Abteilung im Museum Biberach<\/small><\/p>\n<\/header>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Vor der neuen Wieland-Vitrine: Kerstin Buchwald (l.), Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Wieland-Stiftung, und Museumsleiter Frank Brunecker.\" alt=\"Vor der neuen Wieland-Vitrine: Kerstin Buchwald (l.), Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Wieland-Stiftung, und Museumsleiter Frank Brunecker.\" src=\"http:\/\/www.schwaebische.de\/cms_media\/module_img\/4241\/2120689_1_article660x420_B993450064Z.1_20140918191642_000_GI13AF7JQ.2_0.jpg\" width=\"638\" height=\"420\" \/><figcaption>Vor der neuen Wieland-Vitrine: Kerstin Buchwald (l.), Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Wieland-Stiftung, und Museumsleiter Frank Brunecker.<\/p>\n<address>Gerd M\u00e4gerle<\/address>\n<\/figcaption><\/figure>\n<section itemprop=\"articleBody\">Biberach gem Der Dichter Christoph Martin Wieland wird am Freitagabend Teil der Biberacher Stadtgeschichte. Er erh\u00e4lt n\u00e4mlich endlich eine eigene Vitrine in der stadtgeschichtlichen Abteilung des Museums <a title=\"Zum Ort:Biberach\" href=\"http:\/\/www.schwaebische.de\/region_doid,407_ort,Biberach_toid,112_typ,ort.html\" data-rtr-entity=\"Biberach\" data-rtr-score=\"29.2383025027\" data-rtr-etype=\"place\">Biberach<\/a>. Diese wurde in den vergangenen Wochen komplett neu gestaltet.<\/section>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWir sind total gl\u00fccklich, dass Wieland jetzt im Museum seinen Platz hat\u201c, sagt Museumsleiter <a title=\"Zur Person:Frank Brunecker\" href=\"http:\/\/www.schwaebische.de\/suche_suche,Frank+Brunecker.html\" data-rtr-entity=\"Frank Brunecker\" data-rtr-score=\"36.3982589771\" data-rtr-etype=\"person\">Frank Brunecker<\/a>. In einer Vitrine lassen sich bekannte Zitate des Dichters entdecken, Gem\u00e4lde von Wieland und seiner Verlobten Sophie von La Roche schm\u00fccken die R\u00fcckwand. Hinter Glas ist eine prachtvolle Wieland-Gesamtausgabe in 42 B\u00e4nden zu sehen. Diese erwarb die Stadt Biberach 1794 und machte sie sp\u00e4ter K\u00f6nig Wilhelm I. von W\u00fcrttemberg zum Hochzeitsgeschenk. In den 1920er-Jahren kam sie wieder zur\u00fcck nach Biberach und war seither im Wielandarchiv gelagert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie Schwierigkeit besteht darin, Wieland in einer Vitrine mit zwei Quadratmetern Grundfl\u00e4che darzustellen\u201c, sagt Kerstin Buchwald, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Wieland-Stiftung. So kann die Vitrine f\u00fcr alle Besucher des Museums auch nur ein Appetith\u00e4ppchen sein, die paar Schritte an die Saudengasse hin\u00fcber zu gehen, um dort das Wieland-Museum zu besuchen. Einen Hinweis darauf gibt es ebenfalls in der Vitrine.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wieland findet seinen Platz in einer v\u00f6llig neu gestalteten Stadtgeschichte-Abteilung im Erdgeschoss des Museums. Wer es betritt, sieht jetzt an der Wand ein riesiges Luftbild von Biberach prangt, das der Biberacher Motorschirmpilot Armin Appel im M\u00e4rz fotografiert hat und auf dem jedes Haus zu erkennen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine von Anja Heinzel gestaltete, t\u00fcrkisfarbene Bibertapete leitet den Besucher entlang der einzelnen Vitrinen, die alle neu gestaltet wurden. \u201eDiese Tapete ist quasi unser Mantel der Geschichte\u201c, sagt Brunecker.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den einzelnen Vitrinen sind Epochen der Stadtgeschichte in Collagen verschiedener Objekte anschaulich dargestellt. So sieht man beispielsweise ein Faksimile einer pr\u00e4chtigen Urkunde von 1488, mit der Kaiser Friedrich III. der Stadt ihr heutiges Wappen verlieh.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als weiterer Teil der Umgestaltung der Stadtgeschichte-Abteilung werden im kommenden Jahr noch Vitrinen folgen, die sich mit der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts besch\u00e4ftigen. \u201eDenn diese Zeit ist bislang noch gar nicht gew\u00fcrdigt\u201c, sagt Brunecker.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Er\u00f6ffnung beginnt um 18.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Ab 20 Uhr gibt es im Foyer eine Rokoko-Tafel mit Kulinarischem aus dieser Zeit. Der Dramatische Verein spielt dazu<\/p>\n<header>\n<h1 itemprop=\"name\">Zur Er\u00f6ffnung kommt Wieland h\u00f6chstselbst<\/h1>\n<p><small>Museum Biberach pr\u00e4sentiert umgestaltete Stadtgeschichte-Abteilung mit neuer Wieland-Vitrine<\/small><\/header>\n<section id=\"article-detail-selection\" data-count=\"2\">\n<ul>\n<li>\n<figure>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Erlebbare Literaturgeschichte: ein Blick in die neue Wieland-Vitrine im Museum Biberach.\" alt=\"Erlebbare Literaturgeschichte: ein Blick in die neue Wieland-Vitrine im Museum Biberach.\" src=\"http:\/\/www.schwaebische.de\/cms_media\/module_img\/4244\/2122187_1_article660x420_B993453759Z.1_20140921151502_000_GPF3AI3VT.2_0.jpg\" width=\"461\" height=\"420\" \/><\/div><figcaption>Erlebbare Literaturgeschichte: ein Blick in die neue Wieland-Vitrine im Museum Biberach.<\/p>\n<address>G\u00fcnter Vogel<\/address>\n<\/figcaption><\/figure>\n<\/li>\n<li>\n<figure>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Wieland (Volker Angenbauer; v. r.) pers\u00f6nlich er\u00f6ffnete mit Frank Brunecker, Dr. J\u00f6rg Riedlbauer und Kerstin Buchwald die neuges\" alt=\"Wieland (Volker Angenbauer; v. r.) pers\u00f6nlich er\u00f6ffnete mit Frank Brunecker, Dr. J\u00f6rg Riedlbauer und Kerstin Buchwald die neuges\" src=\"http:\/\/www.schwaebische.de\/cms_media\/module_img\/4244\/2122188_1_article660x420_B993453759Z.1_20140921151502_000_GPF3AI3VM.2_0.jpg\" width=\"556\" height=\"420\" \/><\/div><figcaption>Wieland (Volker Angenbauer; v. r.) pers\u00f6nlich er\u00f6ffnete mit Frank Brunecker, Dr. J\u00f6rg Riedlbauer und Kerstin Buchwald die neugestaltete Abteilung.<\/p>\n<address>G\u00fcnter Vogel<\/address>\n<\/figcaption><\/figure>\n<\/li>\n<\/ul>\n<div>1 von 2<\/div>\n<\/section>\n<section itemprop=\"articleBody\">Biberach sz Mit einer Feierstunde ist am Freitagabend die neugestaltete Abteilung Stadtgeschichte des Museums <a title=\"Zum Ort:Biberach\" href=\"http:\/\/www.schwaebische.de\/region_doid,407_ort,Biberach_toid,112_typ,ort.html\" data-rtr-entity=\"Biberach\" data-rtr-score=\"28.7712112346\" data-rtr-etype=\"place\">Biberach<\/a> er\u00f6ffnet worden. Kernst\u00fcck der Umgestaltung ist die neue Vitrine f\u00fcr Christoph Martin Wieland, Dichtergenie und bedeutendster Kopf Biberachs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Klaus Pfalzer (Violine) und Sabina Mark (Fl\u00f6te) hatten den Abend mit einem Duo von Mozart er\u00f6ffnet, und Kulturdezernent J\u00f6rg Riedlbauer leitete seinen Vortrag mit einem Bonmot ein: \u201eWas Anna Amalia in Weimar nicht geschafft hat, haben wir in Biberach fertig gebracht, n\u00e4mlich Mozart und Wieland k\u00fcnstlerisch zusammenzubringen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Riedlbauer ging auf die in Teilen bereits vorgenommene und die noch anzupackende Modernisierung des Museums ein, die in einem \u201e\u00fcberschaubaren Kostenrahmen\u201c erfolgen soll. Einzelne Ma\u00dfnahmen bislang waren unter anderen die Neugestaltung des Lese- und Medienbereichs in der Abteilung Naturkunde und eine moderne Veranstaltungs- und Beschallungstechnik im Foyer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Kulturdezernent hob die Ausstellungseinheit zu Wieland hervor, lobte die lebendig-kreative Weise der Neugestaltung: \u201eLiteratur zu visualisieren geh\u00f6rt zum Schwierigsten, was es an kulturellen Vermittlungsaufgaben gibt.\u201c Ein neues Farbkonzept f\u00fcr die stadtgeschichtliche Abteilung und das Foyer wurde von Anja Heinzel und Sebastian Schr\u00f6ter geschaffen. Dazu geh\u00f6ren die elegante und anmutige Biber-Tapete, und das neue Alpenpanorama, fotografiert von Armin Appel und bearbeitet von Simon Gallus, h\u00e4ngt raumbeherrschend im Foyer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die stadtgeschichtlichen Darstellungen enden derzeit etwa bei 1945. Das heutige Biberach wird folgen. \u201eDamit\u201c, so Museumsdirektor Frank Brunecker, \u201ewird dann die Pr\u00e4sentation unserer Stadt komplett sein.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Wieland-Stiftung, <a title=\"Zur Person:Kerstin Buchwald\" href=\"http:\/\/www.schwaebische.de\/suche_suche,Kerstin+Buchwald.html\" data-rtr-entity=\"Kerstin Buchwald\" data-rtr-score=\"19.8010532475\" data-rtr-etype=\"person\">Kerstin Buchwald<\/a>, wandte sich dann Wieland zu: \u201eWieland war ein Dichter von Weltrang, der bereits zu Lebzeiten in 13 Sprachen \u00fcbersetzt wurde, zu seiner Zeit der meist gelesene deutsche Schriftsteller.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Zitate schweben im Raum<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie erl\u00e4uterte den Zweck der Vitrine mit ihren kostbaren Exponaten und den ausgew\u00e4hlten kurzen und pr\u00e4zisen Zitaten, die wie ein Mobile den Luftraum der Vitrine dominieren. \u201eEs war das Ziel, Wieland als gr\u00f6\u00dften Sohn der Stadt und Bestandteil der Stadtgeschichte zu positionieren, seine Bedeutung zu unterstreichen.\u201c Buchwald: \u201eDa es uns wichtig war, spielerisch einen Fokus zu setzen, steht die Vitrine unter dem Wieland-Zitat, das Sie alle kennen: Die Herren dieser Art blendt oft zu vieles Licht, sie sehn den Wald vor lauter B\u00e4umen nicht.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wielands Verlobte Sophie Gutermann, sp\u00e4tere La Roche, fehlt nicht in der Vitrine. Ihr Gem\u00e4lde h\u00e4ngt ebenb\u00fcrtig neben dem Bild des Dichters. Kerstin Buchwald schlie\u00dft mit Wieland: \u201edamit das Ganze seine geh\u00f6rige Wirkung tue, muss es aus einem gewissen Standpunkt betrachtet werden.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Darsteller des Dramatischen Vereins spielten ein kurze zum Anlass passende Szene, die Edeltraud Garlin geschrieben hatte, und Wieland h\u00f6chstpers\u00f6nlich (Volker Angenbauer) durchschnitt das rote Band, das die Besucher vom Raum mit der Vitrine noch getrennt hatte. Eine Rokokotafel mit Pasteten und Wein rundete die Feier ab.<\/p>\n<\/section>\n<p>Theaterszenen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Christoph Martin Wieland verstarb am\u00a0 20. Januar 1813 in Weimar.Und so ist es eigentlich folgerichtig, dass 2013 das \u201cWielandjahr\u201d war und als solches in Biberach mit gro\u00dfem Programm begangen wurde. Das Museum er\u00f6ffnete den Gedenkreigen mit der gro\u00dfen Jubil\u00e4umsaustellung \u201cChristoph Martin Wieland, der Voltaire der Deutschen\u201d.\u00a0 Das \u201c Theater ohne Namen\u201d brachte ein Theaterst\u00fcck [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[],"class_list":["post-2446","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-schwabische-kunstler"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2446","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2446"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2446\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2547,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2446\/revisions\/2547"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2446"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2446"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2446"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}