{"id":1718,"date":"2011-06-25T13:58:21","date_gmt":"2011-06-25T13:58:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=1718"},"modified":"2014-03-22T13:42:54","modified_gmt":"2014-03-22T13:42:54","slug":"hans-multscher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=1718","title":{"rendered":"Hans Multscher"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/9d07196a715c4240.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"9d07196a715c4240\" alt=\"9d07196a715c4240\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/9d07196a715c4240_thumb.jpg\" width=\"142\" height=\"149\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">Die Familie Multscher ist erstmals 1304 in Reichenhofen nachgewiesen. Sie geh\u00f6rte zu den K\u00f6nigsfreien auf der Leutkircher Heide, d.h. sie waren nur dem K\u00f6nig steuerpflichtig und ansonsten keinem Herrn untertan. Von 1405-1437 ist die Familie als Inhaber der Waibelhub bei Reichenhofen nachgewiesen. Hans Multscher ist um 1400 in Reichenhofen geboren. \u00dcber seine Jugend und Ausbildung ist nichts bekannt. Wahrscheinlich hat er im Allg\u00e4u eine Lehre gemacht. Danach begab er sich auf Gesellenfahrt in die Niederlande, Nordfrankreich und Burgund. Dabei hat er die aktuellsten Str\u00f6mungen der franz\u00f6sischen und niederl\u00e4ndischen Bildhauerkunst kennengelernt. M\u00f6glicherweise hatte er dort auch bei Claus Sluter, einem Mitbegr\u00fcnder der burgundischen Kunstschule in Dijon gearbeitet. Eine Zeitlang hielt er sich auch in Paris auf. Nach seinen Meisterzeichen zu schlie\u00dfen hat er die Meisterw\u00fcrde in Aachen erworben. Um 1424\/25 kam er nach Ulm. Nach einer Wartezeit hat er 1427 in Ulm das B\u00fcrgerrecht erhalten. In diesem Jahr heiratete er auch die Ulmer B\u00fcrgerstochter Adelheid Kitzin. Die Werkstatt und Familie Kitzin ist in Ulm seit 1370 nachweisbar. Bei seiner Eheschlie\u00dfung besa\u00df er in Ulm bereits ein Haus und dazu noch verschiedene Grundst\u00fccke.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/8195f87e09c06132.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"8195f87e09c06132\" alt=\"8195f87e09c06132\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/8195f87e09c06132_thumb.jpg\" width=\"149\" height=\"112\" border=\"0\" \/><\/a>Der Ulmer Rat war an einer Ausweitung der Produktion und an der Steigerung des Fernhandels interessiert. Er stellte Hans Multscher vom Zunftzwang frei und da er die Freirechte der Leutkircher Heide besa\u00df, musste er in Ulm zeitlebens keine st\u00e4dtischen Steuern bezahlen. Die Stadt bestellte ihn zum amtlich vereidigten Sachverst\u00e4ndigen, zum \u201cgeschworenen Werckmann\u201d Bald erhielt er vom Rat und Patriziat der Stadt anspruchsvolle Auftr\u00e4ge, was einen geregelten Werkstattbetrieb voraussetzte. Bald nach Erlangung des B\u00fcrgerrechts waren in Multschers Werkstatt mehrere Gesellen aus artverwandten Berufen besch\u00e4ftigt. Auch sein Bruder Heinrich war wohl in der Werkstatt t\u00e4tig. 1427-1430 gestaltete er ein Prunkfenster f\u00fcr das Ulmer Rathaus, dessen Figuren deutlich an Sluters K\u00f6nig David in Dijon oder an den Propheten des Andre Beauneveu in der Ste. Chapelle in Bourges erinnern. Sein Schmerzensmann am Ulmer M\u00fcnster zeigt, wie gut er den Realismus der Monumentalskulptur in Burgund studiert hat.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/220pxUlmMuensterSchmerzensMann061104.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"220px-Ulm-Muenster-SchmerzensMann-061104\" alt=\"220px-Ulm-Muenster-SchmerzensMann-061104\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/220pxUlmMuensterSchmerzensMann061104_thumb.jpg\" width=\"164\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">1430 liefert er den Bozzetto in M\u00fcnchen, eine skizzenhafte Plastik f\u00fcr einen von dem Herzog Ludwig dem Gebarteten von Bayern-Ingolstadt in Auftrag gegebenes Hochgrab, das jedoch nicht ausgef\u00fchrt wurde. Der Herzog bestand auf einer Ausf\u00fchrung in Rotmarmor. Der K\u00fcnstler jedoch dachte eher an einen Bronzegu\u00df, nicht zuletzt wegen der feinen Modellierung \u00e4hnlich der f\u00fcr Georg Truchsess von Waldburg ausgef\u00fchrten Grabplatte. Bis 1433 erfolgte die Planung und der Einbau eines Retabels in die Stirnwand des s\u00fcdlichen Seitenschiffs des Ulmer M\u00fcnsters. Bestellt hatte den Altar Konrad Karg, einer der einflu\u00dfreichsten und dem reichsten Ulmer Patrizier seiner Zeit. Es hat allerdings den Bildersturm in Ulm von 1531 nur schwer besch\u00e4digt \u00fcberstanden. Karg war unter anderem Finanzier des Bayernherzogs Ludwig dem Gebarteteten. Multscher hatte das Retabel wohl selbst entworfen und ausgef\u00fchrt. Er griff dabei auf Anregungen zur\u00fcck, die er in den Niederlanden und Frankreich erhalten hatte, z.B. das Motiv der Halbfiguren, die in den \u201cKapellenschrein\u201d hineinsehen.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/b5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/b5_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"236\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">In seinem Wurzacher Altar von 1437 in Berlin zeigt sich sein Realismus in betonter H\u00e4sslichkeit. Er trat dabei als Meister an der Spitze seiner Werkstatt auf, der einen<\/p>\n<p align=\"justify\">wahrscheinlich vertraglich festgelegten Teil der Skulpturen und Malarbeiten selbst ausf\u00fchrte. Die erhaltene lebensgro\u00dfe Hauptfigur der Mutter Gottes ist heute in der Pfarrkirche von Landsberg am Lech. Die Fl\u00fcgel wurden in acht Einzeltafeln zers\u00e4gt und sind heute in Berlin.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/b761ae2a5302ee34.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"b761ae2a5302ee34\" alt=\"b761ae2a5302ee34\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/b761ae2a5302ee34_thumb.jpg\" width=\"149\" height=\"109\" border=\"0\" \/><\/a>Multschers Ruf hatte sich mittlerweile weit in Deutschland verbreitet. Von 1456-1459 schuf er die Sterzinger Retabel in dem kleinen S\u00fcdtiroler St\u00e4dtchen, das\u00a0 reich wurde durch Silberbergbau, der um 1400 in den T\u00e4lern um Sterzing begann. Es war ein wichtiger Knotenpunkt f\u00fcr den Nord-S\u00fcdhandel und man konnte sich renommierte K\u00fcnstler leisten. An der Sterzinger Retabel waren bis zu 16 Gesellen besch\u00e4ftigt. Zu sehen sind die Altartafeln heute im Sterzinger Multscher-Museum.<\/p>\n<p align=\"justify\">Multscher f\u00fchrte den Werkstattbetrieb zu einem Gro\u00dfunternehmen durch, was dann auch die Syrlins, Hans Sch\u00fcchlin, Friedrich Herlin, J\u00f6rg T\u00f6ber und Nikolaus Weckmann machten. Er ist der bedeutendste Bildhauer in Deutschland in der Mitte des 15. Jahrhunderts. Er wurde Wegbereiter f\u00fcr J\u00f6rg Syrlin, Gregor und Michel Erhart, Veit Stoss, Adam Krafft und Tilmann Riemenschneider.<\/p>\n<p align=\"justify\">Weiter Werke\u00a0 von ihm sind die Stehende Mutter Gottes mit Kind um 1430, die Thronende Mutter Gottes 1435-1437 beide im Bayrischen Nationalmuseum in M\u00fcnchen, Die Heilige Barbara und Katharina 1435-1440 im W\u00fcrttembergischen Landesmuseum in Stuttgart, die Heilige Barbara und Magdalena 1450-1455 aus Heiligkreuztal, heute im Dominikanermuseum in Rottweil<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/erhmagdam.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"erhmagdam\" alt=\"erhmagdam\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/erhmagdam_thumb.jpg\" width=\"100\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a>Die Grabmalsfigur der Gr\u00e4fin Mechthild von W\u00fcrttemberg-Urach 1450-55 heute in der Stiftskirche in T\u00fcbingen, Der Heilige Johannes der T\u00e4ufer 1456-1458 im Bayerischen Nationalmuseum in M\u00fcnchen, Die Bihlafinger Madonna um 1460 im St\u00e4dtischen Museum in Ulm, Christus als Schmerzensmann um 1460 im Hessischen Landesmuseum in Kassel und Die Heilige Magdalena um 1456-1457 im Liebighaus in Frankfurt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Hans Multscher starb 1467 in Ulm. An erinnert ein Sgraffitto an einem Haus beim Friedhof in Reichenhofen, der Name des Leutkircher Gymnasiums, eine Hans Multscher Schule in Ulm sowie Stra\u00dfennamen in verschieden Orten Baden-W\u00fcrttembergs.<\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/maria.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"maria\" alt=\"maria\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/maria_thumb.jpg\" width=\"125\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die Familie Multscher ist erstmals 1304 in Reichenhofen nachgewiesen. Sie geh\u00f6rte zu den K\u00f6nigsfreien auf der Leutkircher Heide, d.h. sie waren nur dem K\u00f6nig steuerpflichtig und ansonsten keinem Herrn untertan. Von 1405-1437 ist die Familie als Inhaber der Waibelhub bei Reichenhofen nachgewiesen. Hans Multscher ist um 1400 in Reichenhofen geboren. \u00dcber seine Jugend und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[],"class_list":["post-1718","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-schwabische-kunstler"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1718","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1718"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1718\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2370,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1718\/revisions\/2370"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1718"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1718"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1718"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}