{"id":968,"date":"2011-02-09T18:45:40","date_gmt":"2011-02-09T18:45:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=968"},"modified":"2011-02-09T19:26:47","modified_gmt":"2011-02-09T19:26:47","slug":"kloster-lorsch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=968","title":{"rendered":"Kloster Lorsch"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/index3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"index3\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/index3_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"index3\" width=\"141\" height=\"70\" \/><\/a> Kloster Lorsch,\u00a0 schnell eines der bedeutendsten Kl\u00f6ster der Karolingerzeit wurde 764 gestiftet. Die Stifter,\u00a0 Graf Cancor und seine Mutter kamen aus der Familie der<\/p>\n<p>Rupertinger, eine wichtige Adelsfamilie im Frankenreich. Die \u00e4lteren S\u00f6hne hie\u00dfen meist\u00a0 Rutbert, Robert oder Ruprecht. Deswegen nennt man sie Rupertinger oder Robertiner. Sie stammten aus dem lothringischen Raum und waren als Beamte der fr\u00e4nkischen K\u00f6nige\u00a0 ins Land gekommen, der Familie, die 752 in einem<\/p>\n<p>\u201cStaatsstreich\u201d die Merowinger vom Thron gejagt hatten und selbst das K\u00f6nigtum des fr\u00e4nkischen Reiches \u00fcbernommen hatten, n\u00e4mlich die Karolinger. Aus der Familie der Robertiner kommen z. B. Graf Robert von\u00a0 Paris, der Stammvater der sp\u00e4teren franz\u00f6sischen aus dem Hause der Capet, Valois und Bourbon oder Ruprecht von Salzburg, der zum Schutzpatron des bairisch-\u00f6sterreichischen Alpenraums wurde. Die Robertiner waren Gefolgsleute der Karolinger. Cancor gr\u00fcndete eine Kirche zum Heiligen Petrus, die Keimzelle zum sp\u00e4teren Kloster wurde. Das Patrozinium ist durchaus Programm, denn Petrus war der Hauptheilige der r\u00f6mischen Kirche und des neuen Karolingerreiches. Es war durchaus keine \u201cnormale\u201d Gr\u00fcndung eines Eigenklosters. Der Lorscher Codex, der einerseits Klosterchronik andrerseits aber auch Urkundensammlung des Klosters war, ist zwischen 1160 und 1197 in der Reichsabtei angelegt worden. \u00dcber 3800 urkundliche Eintragungen sind hier verzeichnet. Er enth\u00e4lt die Ersterw\u00e4hnung von vielen Gemeinden, \u00fcber 1000 Orte sind in ihm verzeichnet und so ist er die \u00e4lteste geschrieben Geschichtsquelle f\u00fcr Hunderte von Orten. F\u00fcr die Klostergr\u00fcndung vermerkt der Codex ausdr\u00fccklich \u201cDie Stifter unterstellten die Neugr\u00fcndung keinerlei Recht oder Herrschaft, weder einem Bistum noch einem Kloster. Sie \u00fcbergaben es dem Metzer Erzbischof Chrodegang, damit er dort eine Schar M\u00f6nche ansiedle.\u201d Es war also als Eigenkloster gegr\u00fcndet und zwar als Kloster des Chrodegang. Chrodegang oder Rutgang geh\u00f6rte, wie der Name schon anzeigt, ebenfalls zur Familie der Rupertinger. Und dieser Bischof war ja im \u201cwho \u2018s who\u201d des jungen Karolingerreiches eine absolut erste Adresse. Er war als Nachfolger des Bischofs Arnulf von Metz die anerkannte kirchliche Autorit\u00e4t im Reich. Um 800 wurden die Nachfahren Arnulfs schon den Vorfahren Karls des Gro\u00dfen zugewiesen, er galt als so etwas wie der Stammvater der Karolinger. Das Kloster wird von den Stiftern gut ausgestattet, aus dem Erbe der Mutter eine Kirche, ein Gut in Mainz und das Dorf Hagenheim. Abt der Neugr\u00fcndung wird Gundeland, der Bruder Chrodegangs und besiedelt wird das Kloster mit M\u00f6nchen aus Gorze, beides Anzeichen daf\u00fcr, welchen hohen Stellenwert das Kloster schon bei der Gr\u00fcndung hatte. Von Chrodegang erh\u00e4lt das Kloster auch die Reliquie des M\u00e4rtyrerheiligen Nazarius. Der Besitz von Reliquien eines Heiligen war so etwas wie eine Garantie auf den schnellen \u00f6konomischen Erfolg eines Klosters, mehrte es doch die Schenkungen, die dem Kloster zukamen. Schon wenige Jahrzehnte nach der Gr\u00fcndung des Klosters geh\u00f6rte es zu den gr\u00f6\u00dften Grundbesitzern \u00f6stlich des<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/klosterumriss.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"klosterumriss\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/klosterumriss_thumb.gif\" border=\"0\" alt=\"klosterumriss\" width=\"144\" height=\"95\" \/><\/a>des Rheins. Das weckte nat\u00fcrlich auch Begehrlichkeiten. Der Sohn des Stifters Cancor, Heimerich beanspruchte das Kloster als Eigentum. Der k\u00f6nigliche Hof, vor den die Sache gebracht worden war, entschied, dass Gundeland der rechtm\u00e4\u00dfige Besitzer war. Die Stifter hatten das Kloster mit einer Urkunde an Chrodegang \u00fcbergeben. Und als dieser das Kloster auf seinen Bruder Gundeland \u00fcbertrug, hatte niemand Einspruch erhoben, also sah der k\u00f6nigliche Hof Gundeland im Recht.<\/p>\n<p>Dieser wiederum schenkte das Kloster nun samt allen Grundbesitzes dem K\u00f6nig, der nun im Jahre 772 neuer Eigent\u00fcmer der Abtei wird. Im Gegenzug sicherte nun Karl die frei Abtswahl zu und die Reichsunmittelbarkeit der Abtei. Ein Kloster ist im Fr\u00fchmittelalter auch immer ein Punkt der Durchdringung des Reiches mit Herrschaft. die \u00c4bte sind hochangesehene Funktion\u00e4re in der engsten\u00a0 Umgebung des Herrschers. Die Abtei war rasch zu beengt worden. Unweit des alten Klosters wird ein neues Kloster erbaut.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/index12.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"index1\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/index1_thumb2.jpg\" border=\"0\" alt=\"index1\" width=\"154\" height=\"118\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die \u00dcbertragung der Mark Heppenheim durch Karl hatte dann aber zu Auseinandersetzungen mit dem Bistum Worms gef\u00fchrt, die 795 in einer \u00f6ffentlichen Gerichtsverhandlung mit der Abgrenzung der Mark Heppenheim beigelegt wurde. Unter K\u00f6nig Ludwig, dem Enkel Karls des Gro\u00dfen wird Lorsch Grablege des ersten \u201cdeutschen\u201d K\u00f6nigs und seiner Dynastie. Von 895- 956 wurde die freie Abtwahl zeitweise au\u00dfer Kraft gesetzt, da die Abtei einfach einen zu hohen Stellenwert f\u00fcr den Herrscher hatte. Aber unter den &#8222;sogenannten Kommendatar\u00e4bten, das waren die vom Herrscher eingesetzten \u00c4bte waren hervorragende Pers\u00f6nlichkeiten<\/p>\n<p>wie der Abtsbischof Adalbero von Augsburg, dann vor allem Erzbischof Brun von K\u00f6ln, der Bruder von Otto dem Gro\u00dfen. Unter ihm wurde in Lorsch der Ordo Gorziensis eingef\u00fchrt und Lorsch wurde eines der Zentren der Reform.\u00a0 Von hier aus wurden Fulda, Corvey, St. Gallen, Amorbach und St. Martin in K\u00f6ln wurden von hier aus reformiert.<\/p>\n<p>An dieser Stelle kann auch ein Blick auf die kulturelle Leistung Lorschs geworfen werden. Kl\u00f6ster spielten in der \u201cKulturpolitik\u201d Karls eine wichtige Rolle. Das Lorscher Skriptorium hatte eine wichtige Rolle f\u00fcr die B\u00fccherproduktion und damit auch f\u00fcr die Bildungsreform im fr\u00e4nkischen Reich. Dem Skriptorium war eine Schreibschule angeschlossen und aus dem Skriptorium, das der vierte Abt Lorschs<\/p>\n<p>Richbod aufbaute, entwickelte sich die weithin bekannte Klosterbibliothek des Hochmittelalters. Es verwundert nicht, dass Ottheinrich von der Pfalz sp\u00e4ter versuchte, diese B\u00fcchersch\u00e4tze f\u00fcr sich zu erwerben. Das Lorscher Arzneibuch ist ein Schl\u00fcsseltext der karolingischen Renaissance, das Lorscher Evangeliar wird<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/280pxLukas_aus_Lorscher_Evangeliar.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"280px-Lukas_aus_Lorscher_Evangeliar\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/280pxLukas_aus_Lorscher_Evangeliar_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"280px-Lukas_aus_Lorscher_Evangeliar\" width=\"178\" height=\"244\" \/><\/a> wird auf 810 datiert und z\u00e4hlt zu den bedeutendsten Texten des abendl\u00e4ndischen Fr\u00fchmittelalters Richbod wurde auch eine gro\u00dfe Vorliebe f\u00fcr Vergil nachgesagt und so ist es nicht verwunderlich, dass das Kloster mehrere Vergilhandschriften besa\u00df. Die \u00e4lteste stammt aus dem ausgehenden 5. oder ganz fr\u00fchen sechsten Jahrhundert. Der Palatinus Latinus z\u00e4hlt heute zu den sorgf\u00e4ltig geh\u00fctetsten Sch\u00e4tzen der Vatikanischen Bibliothek. Ein wichtiges zeitgen\u00f6ssisches Zeugnis f\u00fcr die Kr\u00f6nung Karls sind auch die Lorscher Annalen. Die Lorscher Bibliothek enth\u00e4lt aber auch Sprachdenkm\u00e4ler in althochdeutsch wie den Lorscher Bienensegen.<\/p>\n<p>Noch ein Aspekt soll angef\u00fchrt werden. Nicht ganz sicher belegt ist, dass Tassilo III., der letzte Bayernherzog, in Lorsch gestorben ist.<\/p>\n<p>Tassilo wurde 787 von\u00a0 Karl zum Lehnsmann degradiert. 788 wird er in der Ingelheimer Pfalz zum Tode verurteilt, begnadigt und dann in die Abtei Jumi\u00e8ges verbannt. 794 wird er vor eine Reichssynode in Frankfurt zitiert. Dort musste er f\u00fcr sich und seine Nachkommen den Verzicht auf Bayern beurkunden. M\u00f6glich ist, dass er dann nach\u00a0 Lorsch verbannt wurde und dort starb. Verglichen mit dem \u201cBlutgericht zu Cannstatt\u201d 764 oder dem langj\u00e4hrigen Kampf des Sachsenherzogs Widukind gegen Karl ging es ihm da immer noch gut.<\/p>\n<p>1067 best\u00e4tigt Heinrich IV. in einer Urkunde, die alten Rechte und Privilegien\u00a0 der Abtei und beendet damit zugleich eine Phase der Rechtsunsicherheit. Er hatte n\u00e4mlich zun\u00e4chst vor, die Abtei dem m\u00e4chtigen Erzbischof von Bremen-Hamburg zu \u00fcbereignen. Der Abt Udalrich hatte sich dagegen zur Wehr gesetzt. Allerdings war der immunit\u00e4tsstatus des Abtes angegriffen worden. 1229 verliert die Abtei die Immunit\u00e4t. Papst Gregor iX. unterstellt sie dem Erzstift Mainz.. 1232 stimmt Kiaser Friedrich II. gegen heftigen Widerstand der M\u00f6nche zu. Von 1232 bis 1248 sind die Zisterzienser\u00a0 im Kloster werden aber 1248 durch Pr\u00e4monstratenser aus Allerheiligen ersetzt. 1461 wird das Kloster an die Kurpfalz verpf\u00e4ndet in deren Verf\u00fcgung Lorsch auch 1566 noch war. Ottheinrich, Kurf\u00fcrst von der Pfalz f\u00fchrt in seinem Bereich die Reformation ein und hebt die Kl\u00f6ster auf. 1623 kommt das Kloster an wieder zur\u00fcck an das Erzstift Mainz. 1621 verw\u00fcsten spanische Truppen die Klosteranlage. Nur die K\u00f6nigshalle bleibt stehen. Das Kloster wird als Steinbruch genutzt. 1991 wird das Kloster in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kloster Lorsch,\u00a0 schnell eines der bedeutendsten Kl\u00f6ster der Karolingerzeit wurde 764 gestiftet. Die Stifter,\u00a0 Graf Cancor und seine Mutter kamen aus der Familie der Rupertinger, eine wichtige Adelsfamilie im Frankenreich. Die \u00e4lteren S\u00f6hne hie\u00dfen meist\u00a0 Rutbert, Robert oder Ruprecht. Deswegen nennt man sie Rupertinger oder Robertiner. 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