{"id":956,"date":"2011-02-07T20:46:24","date_gmt":"2011-02-07T20:46:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=956"},"modified":"2011-02-07T20:53:56","modified_gmt":"2011-02-07T20:53:56","slug":"schmid-von-sulmingen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=956","title":{"rendered":"Schmid von Sulmingen"},"content":{"rendered":"<p>\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/holzschnitt_400x300_75.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"holzschnitt_400x300_75\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/holzschnitt_400x300_75_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"holzschnitt_400x300_75\" width=\"244\" height=\"184\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die genauen Lebensdaten von Ulrich (oder Huldrich) Schmid aus Sulmingen sind nicht bekannt. Sicher ist, dass er 1496\/1497 wohl als Leibeigener des Klosters Heggbach von seinem Vater die Schmiede in Sulmingen \u00fcbernahm. Er war in eine st\u00fcrmische Zeit geboren worden. Unter den Bauern g\u00e4rte es. Die sp\u00fcrbaren Belastungen des Feudalsystems noch verst\u00e4rkt durch Missernten, die f\u00fcr die Jahre vor 1525 nachgewiesen sind, \u00a0f\u00fchrten zu zahlreichen Klagen der Bauern. 1524 konnten die Bauern einen \u201cUntertanenvertrag\u201d mit ihrer Herrschaft, dem Kloster Heggbach, aushandeln. Alle \u201cFall-Lehen\u201d, dort konnte im Todesfall der Hof nicht vererbt werden, sondern fiel an den Grundherren zur\u00fcck, wurden in Erb-Lehen umgewandelt. Im Wirtshaus sa\u00dfen die Baltringer Bauern zusammen und berieten,<\/p>\n<p>\u201cwie sie ire Sachen wellent anfahen\u201d Die Bauern fordern den Sulminger Schmid auf, ihr Anf\u00fchrer zu werden, denn\u00a0 er galt als fromm gutherzig und auch redekundig.<\/p>\n<p>Die Baltringer trafen sich regelm\u00e4\u00dfig zu Zusammenk\u00fcnften im Baltringer Ried. Diese Zusammenk\u00fcnfte haben sich schnell bei der Obrigkeit herumgesprochen.<\/p>\n<p>Der Schw\u00e4bische Bund, der Zusammenschluss von weltlichen und geistlichen F\u00fcrsten, Adeligen und Reichsst\u00e4dten nahm Kontakt mit dem Baltringer Haufen auf.<\/p>\n<p>Verhandlungspartner war der Ulmer B\u00fcrgermeister Neidhart. Er forderte die Bauern auf, ihre Beschwerden nieder zu schreiben. Mitte Februar 1525 \u00fcbergaben die Bauern mehr als 300 Beschwerdeschriften. Beschwerden \u00fcber die Leibeigenschaft standen an erster Stelle, dann sollte Zins und G\u00fclt gemindert werden und die Abgaben bei der Hof\u00fcbergabe sollten abgeschafft werden. Au\u00dferdem wollten sie weniger Belastung bei Frondiensten. Der Baltringer Haufe hatte mittlerweile einen Schreiber und zwar den K\u00fcrschnergesellen Sebastian Lotzer aus Memmingen. Nicht umsonst hatte sich Schmid nach Memmingen orientiert. Die Stadt stellte sich fr\u00fch auf die Seite der Bauern. Dort wirkte auch der Prediger Christoph Schappeler, der der Reformation beim Rat und der B\u00fcrgerschaft zum Durchbruch verhalf. Er war Anh\u00e4nger von Zwingli. In Memmingen trafen sich in den Kramerzunftstuben 50 Vertreter von drei Bauernhaufen, dem Allg\u00e4uer Haufen, dem Baltringer Haufen und dem Seehaufen. Die Allg\u00e4uer wollten \u201cdapfer mit dem Schwert\u201d durchdringen. Die Baltringer hofften immer noch auf einen friedlichen Ausgleich mit den Herren. Nach komplizierten Verhandlungen einigte man sich schlie\u00dflich auf die Verabschiedung von zwei Papieren. Das erste kam unter dem schlagw\u00f6rtlichen Titel \u201cZw\u00f6lf Artikel\u201d rasch in Umlauf wurde in 20 Auflagen gedruckt und als Flugschriften massenhaft verbreitet. Im Schlussartikel wurden alle Einzelforderungen dem Urteil der Heiligen Schrift unterworfen. So war dies zugleich ein Reformprogramm und der Versuch, \u00a0dies in die\u00a0 reformatorische Bewegung zu integrieren. Die Idee der Orientierung am G\u00f6ttlichen Recht stammt von Zwingli. Als die Vertreter vom Schw\u00e4bischen Bund dann\u00a0 Schmid dann fragten, wie er sich das vorstelle, da Gott wohl kaum vom Himmel herabsteige, antwortete er, dass gelehrte M\u00e4nner aus ihrer Bibelkenntnis heraus entscheiden sollten, was G\u00f6ttliches Recht sei. Dann wurde auch die \u201cChristliche Vereinigung&#8220; gegr\u00fcndet, der Zusammenschluss der Bauernhaufen. Dies wurde dem Schw\u00e4bischen Bund mit einem h\u00f6flichen Schreiben mitgeteilt und nochmals ausdr\u00fccklich versichert, keine Gewalt anzuwenden.Diesem m\u00e4\u00dfigenden Einfluss Schmids wird es auch zugeschrieben, dass das Kloster Heggbach nicht zerst\u00f6rt wurde. Die Adelsvertreter im Schw\u00e4bischen Bund hatten sich aber bereits f\u00fcr die Gewalt entschieden, allen voran Georg Truchsess von Waldburg, der \u201cBauernj\u00f6rg\u201d . Herzog Ulrich von W\u00fcrttemberg lag im Kampf mit dem Bund. Er wollte sein Herzogtum zur\u00fcckgewinnen verlor aber die milit\u00e4rische Auseinandersetzung gegen gegen das Bundesheer unter F\u00fchrung des Truchsessen. So besserte sich die Lage f\u00fcr den Bund st\u00e4ndig. Nacheinander wurden die Bauern in blutigen Schlachten niedergemetzelt. Bei der Schlacht von Leipheim kamen mindestens 1000 Bauern vom Baltringer Haufen ums Leben. Bauernf\u00fchrer, deren man habhaft werden konnte, wurden hingerichtet. Ulrich Schmid, Sebastian Lotzer und Christoph Schappeler konnten mit ihren Familien in die Schweiz fliehen und so ihr Leben retten. Schmid kehrte nicht mehr unter die Heggbacher Herrschaft zur\u00fcck.Sein weiterer Verbleib ist unbekannt. Er ist vermutlich vor 1541 gestorben. Lotzers Spuren verlieren sich in Sankt Gallen.<\/p>\n<p>Die Memminger Artikel gelten als erste Niederschrift von Menschen und Freiheitsrechten in Europa.<\/p>\n<p>Das Andenken Ulrich Schmids wird heute noch gewahrt zum Beispiel in dem heimatgeschichtlichen Verein \u201cBaltringer Haufen\u201d, der beim Sulminger Dorffest, beim Biberacher Sch\u00fctzenfest oder beim Laupheimer Heimatfest auftritt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/450pxSulmingen_Statue_Ulrich_Schmied.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"450px-Sulmingen_Statue_Ulrich_Schmied\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/450pxSulmingen_Statue_Ulrich_Schmied_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"450px-Sulmingen_Statue_Ulrich_Schmied\" width=\"184\" height=\"244\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Die genauen Lebensdaten von Ulrich (oder Huldrich) Schmid aus Sulmingen sind nicht bekannt. 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