{"id":933,"date":"2011-02-01T15:26:00","date_gmt":"2011-02-01T15:26:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=933"},"modified":"2011-02-01T15:31:00","modified_gmt":"2011-02-01T15:31:00","slug":"reichskartause-buxheim","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=933","title":{"rendered":"Reichskartause Buxheim"},"content":{"rendered":"<p>\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/478pxReichskartause_Buxheim_coat_of_arms.svg_.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"478px-Reichskartause_Buxheim_coat_of_arms.svg\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/478pxReichskartause_Buxheim_coat_of_arms.svg_thumb.png\" border=\"0\" alt=\"478px-Reichskartause_Buxheim_coat_of_arms.svg\" width=\"236\" height=\"244\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das D\u00f6rflein Buxheim ist eine alemannische Gr\u00fcndung aus dem\u00a0 7. Jahrhundert benannt nach dem Fl\u00fcsschen mit dem keltischen Namen Bux, das in die Iller flie\u00dft.<\/p>\n<p>Im 10. Jahrhundert schenkte Luitgard, vermutlich die Schwester von Bischof Ulrich von Augsburg und Tochter des alemannischen Gaugrafens Hupald von Dillingen, das Dorf Buxheim der Augsburger Domkirche verbunden mit der Auflage, dort ein Kollegiatsstift f\u00fcr Priester zu gr\u00fcnden. Das Stift ist seit 1217 nachweisbar und dem Augsburger Domkapitel inkorporiert. Der letzte Probst des Stifts war Heinrich von Ellerbach aus dem schw\u00e4bischen Ministerialengeschlecht der Herren von Ellerbach.<\/p>\n<p>Sein\u00a0Onkel Burkhard war Bischof in Augsburg.Heinrich erwarb\u00a0 1399 von Heinrich von Eisenburg die Vogtei \u00fcber das Stift und die niedere Gerichtsbarkeit samt der\u00a0 zugeh\u00f6rigen Leute und G\u00fcter. 1402 veranlasst er das Domkapitel von Augsburg zum Verzicht auf seine Rechte und seinen Verwandten, den Augsburger Bischof Burkhard von Ellerbach zur Herausgabe der Verm\u00f6gensmasse Buxheims an den Kart\u00e4userorden. Die neue Kartause wurde in die provincia Alemanniae inferioris<\/p>\n<p>des Ordens eingegliedert. M\u00f6nche aus Christgarten bei N\u00f6rdlingen besiedelten das<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/index1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"index1\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/index1_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"index1\" width=\"112\" height=\"84\" \/><\/a>neue Kloster. Es erhielt mehrere Zustiftungen, die letzte 1516 und hatte dann 24 Zellen, nachdem mit 6 begonnen worden war. 1403 \u00fcbernahm die Stadt Memmingen die Schutzherrschaft. Die Kartause erhielt 1406 von der Grande Chartreuse, der Ordensleitung, den Namen Maria Saal. Die Gemeinschaft hatte t\u00fcchtige Prioren und entwickelte sich g\u00fcnstig. Der Humanist\u00a0 Gregor Reisch (1501-1502) und der fr\u00fchere Rektor der Universit\u00e4t Basel, Jakob Louber (1502-1507) standen ihr vor. Dann aber machten die unruhigen Zeiten nicht vor der Klosterpforte halt. Im Bauernkrieg wurde die Kartause gepl\u00fcndert und viele B\u00fccher zerst\u00f6rt. Die M\u00f6nche verlie\u00dfen ihre Kartause fluchtartig. 1543 lebten nur noch zwei M\u00f6nche und zwei Laienbr\u00fcder im Kloster. Gro\u00dfe Auswirkungen hatte auch die Reformation. Der Prediger Schappeler predigte seit 1521 f\u00fcr die Reformation in Memmingen. 1530 hatte sich die Reformation in der Reichsstadt durchgesetzt. Die Stadt trat dem Schmalkaldischen Bund bei. Man ging an den Sturz der Memminger Kl\u00f6ster. Im Zuge des Schmalkaldischen Krieges wurde Buxheim 1547 von Memmingen besetzt. Messfeier, Chorgebet und Tragen von Ordenskleidung wurden untersagt. Der vom Orden eingesetzte Prior Theodoricus Loher konnte die Versuche zur S\u00e4kularisierung abwehren. Unter dem Schirm des Hauses Habsburg wurde wurde die Kartause 1548 reichsunmittelbar, als einzige von 54 deutschen Kartausen. Sie hatte aber keinen Sitz und keine Stimme beim Schw\u00e4bischen Reichskreis. Die \u00dcbersiedlung aus anderen Ordensniederlassungen, zum Beispiel mehrerer aus Hildesheim vertriebener Kart\u00e4user erm\u00f6glichten das \u00dcberleben und eine Reform der Gemeinschaft. Die Leidenszeit f\u00fcr den Konvent war noch nicht zu Ende. Der Drei\u00dfig-j\u00e4hrige Krieg brachte weitere Pr\u00fcfungen. Die N\u00e4he zur mehrfach belagerten Reichsstadt Memmingen brachten mehrfach Pl\u00fcnderungen und Verw\u00fcstungen \u00fcber den Konvent. W\u00e4hrend des Kriegs fand der schwedische General Wrangel im Buxheimer Bruderchor seine letzte Ruhest\u00e4tte. 1760 erwarb das Kloster f\u00fcr den Ort Buxheim und den Weiler Westerwart die Hochgerichtsbarkeit von der Landvogtei Schwaben. Damit hatte es im engeren Sinne landeshoheitliche Rechte.<\/p>\n<p>Kurz nach 1700 kam die Kartause nochmals zur Bl\u00fcte. Dominikus Zimmermann \u00fcbernahm zwischen 1709 und 1711 die Barockisierung der Kirche St. Maria. Da er zwischen 1738 und 1741 noch die St. Anna Kapelle, auch die \u201ckleine&#8220;Wies\u201d<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/220pxSt_Anna_5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"220px-St_Anna_5\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/220pxSt_Anna_5_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"220px-St_Anna_5\" width=\"184\" height=\"244\" \/><\/a> genannt, durchf\u00fchrte, hat Buxheim noch eine weitere Besonderheit, n\u00e4mlich mit der Kirche St. Maria das Fr\u00fchwerk Zimmermanns und mit der St. Anna Kapelle sein letztes Werk in einer einzigen Anlage vereinigt. Ein weiterer Schatz ist das barocke Chorgest\u00fchl, das Ignaz Waibl, ein bekannter Tiroler Holzbildhauer, von 1687 bis 1691 schuf.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"7\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/7_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"7\" width=\"108\" height=\"82\" \/><\/a> Geradezu abenteuerlich ist auch der R\u00fcckkauf des Chorgest\u00fchls. Nach der S\u00e4kularisation kam es \u00fcber den Grafen von Ostheim an den Grafen Waldbott von\u00a0 Bassenheim. Da dieser in finanzielle Schieflage geraten war, wurde sein Gesamtbesitz gepf\u00e4ndet. Um eine Zwangsversteigerung zu verhindern, versteigerte der Graf fast alle verk\u00e4uflichen kl\u00f6sterlichen Besitzt\u00fcmer. Das Chorgest\u00fchl gelangte nach England. Dort ersteigerte es Edward Howley Palmer, der Direktor der Bank of England. Er schenkte es den Schwestern des St. Saviour Hospitals in London. Diese lie\u00dfen es mit schwarzem Lack \u00fcberstreichen und von 31 St\u00fchlen 18 in der Kapelle ihres Hospitals aufstellen. Dort verblieb es 75 Jahre. Da wegen einer Stra\u00dfenregulierung das Hospital abgebrochen werden musste, verlegten die Schwestern ihren Standort nach Hyte in der Grafschaft Kent. Als der Konvent sich 1979 zur Aufgabe von Hospital und Kapelle entschlossen hatte, sollte das Gest\u00fchl erneut versteigert werden. Die damalige Priorin\u00a0 Slady Cathleen Bush<\/p>\n<p>hatte zwischenzeitlich Verbindung mit Buxheim aufgenommen und die beste L\u00f6sung w\u00e4re gewesen, wenn das Chorgest\u00fchl an seinen urspr\u00fcnglichen Standort zur\u00fcckkehrt. Der Leiter der Restaurierungswerkst\u00e4tten des Bayrischen Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege Dr. Karl-Ludwig Dasser erhielt davon Kenntnis und machte sich f\u00fcr den R\u00fcckkauf stark. Er erhielt dann die Genehmigung\u00a0 f\u00fcr R\u00fcckf\u00fchrungsverhandlungen. Trotz ungekl\u00e4rter finanzieller Risiken sagte der Pr\u00e4sident des Regierungsbezirks Schwaben Georg Simnacher telefonisch zu,dass der Regierungsbezirk Schwaben als K\u00e4ufer auftreten werde. Nur dem absolut unb\u00fcrokratischen und auch mutigen Verhaltens zweier Beamter ist es zu verdanken, dass das Gest\u00fchl wieder zur\u00fcckkehrte.<\/p>\n<p>Nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 kam die Kartause an den Grafen von Ostein. Das Buxheimer Territorium wurde zur Reichsgrafschaft erhoben,<\/p>\n<p>1806 aber mediatisiert und kam an das K\u00f6nigreich Bayern. Der letzte Graf von Ostein starb 1812. 1809 fiel der Besitz durch Erbschaft an den Grafen Waldbott von Bassenheim. Mit dem Tod des letzte Grafen wurde auch der Konvent aufgehoben. Der letzte Vorsteher war Romualdus Geiger aus Ottobeuren.<\/p>\n<p>1860 starb der letzte Buxheimer M\u00f6nch als Pfarrer von Gannertshofen.<\/p>\n<p>Die Klostergeb\u00e4ude wurden 1916 vom Staat \u00fcbernommen. 1926 \u00fcbernahmen die Salesianer die Geb\u00e4ude. W\u00e4hrend des zweiten Weltkriegs war ein Teil des Klosters\u00a0 vom Stab des Reichsleiters der NSDAP Alfred Rosenberg untergebracht. Auch Beutekunst wurde dort gelagert.<\/p>\n<p>1947 er\u00f6ffneten die Salesianer ein Internat, das seit 1964 ein vollwertiges Gymnasium ist, seit 1980 auch von externen Sch\u00fclern und seit 1983 auch von M\u00e4dchen besucht wird.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist ein Museum in der ehemaligen Kartause, das einen ausgezeichneten \u00dcberblick \u00fcber die Geschichte der Kartause, des Kart\u00e4suerordens und der Buxheimer Kunstsch\u00e4tze gibt.<a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/buxheim1a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"buxheim1a\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/buxheim1a_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"buxheim1a\" width=\"204\" height=\"154\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Das D\u00f6rflein Buxheim ist eine alemannische Gr\u00fcndung aus dem\u00a0 7. 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