{"id":2644,"date":"2015-10-10T16:18:00","date_gmt":"2015-10-10T16:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=2644"},"modified":"2015-10-10T16:22:02","modified_gmt":"2015-10-10T16:22:02","slug":"kartause-gterstein","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=2644","title":{"rendered":"Kartause G&uuml;terstein"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\">&#160;<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/leobild_phptyp4e6z584trnr528bild858_jpg_pv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"leobild_phptyp=4e6z584tr&amp;nr=528&amp;bild=858_jpg_pv\" style=\"border-left-width: 0px; border-right-width: 0px; background-image: none; border-bottom-width: 0px; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-top-width: 0px\" border=\"0\" alt=\"leobild_phptyp=4e6z584tr&amp;nr=528&amp;bild=858_jpg_pv\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/leobild_phptyp4e6z584trnr528bild858_jpg_pv_thumb.jpg\" width=\"219\" height=\"244\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"center\">&#160;<\/p>\n<p>In den nur knapp dreihundert Jahren seines Bestehens hatte das&#160; Kloster G\u00fcterstein eine wechselvolle Geschichte. Kardinal Konrad von Urach(um 1180-1227), der auch Generalabt des Zisterzienserordens war,<\/p>\n<p>stiftete im Umkreis seiner Stammburg Hohenurach ein Kloster Zum Stein (ad lapidem). Es sollte ein Zisterzienserkloster sein. Konrads Bruder Johann, Zisterzienserm\u00f6nch in Bebenhausen hatte sich nach 1254<\/p>\n<p>des Projekts angenommen. Die Klostergr\u00fcndung wird in einer am 30. Januar 1254 im Lateran ausgestellten Urkunde von Papst Innozenz IV. gestattet.<\/p>\n<p><em>\u201cPapst Innozenz IV. gestattet dem Bebenhauser M\u00f6nch Rudolf, fr\u00fcheren Grafen von Urach, die von dessen verstorbenem Bruder Bischof Konrad von Porto, damals apostolischem Legaten in Deutschland, begonnene Gr\u00fcndung eines Zisterzienserklosters in G\u00fcterstein zu vollenden und mit zweien seiner Ordensbr\u00fcder dort den Wohnsitz zu nehmen\u201d (<\/em>WUB Band V, Seite 50, Urkunde Nr. 1286<em>)<\/em><\/p>\n<p>Nach dem R\u00fcckzug der Grafen von Urach aus dem Ermstal am Ende der Stauferzeit konnte sich das Projekt aber nie richtig entwickeln. Rund 150 Jahre gibt es keine Quellennachrichten \u00fcber das Kloster.<\/p>\n<p>Es hatte sich dort aber zu einem nicht bekannten Zeitpunkt eine Marienwallfahrt entwickelt, die eine st\u00e4ndige geistliche Betreuung erforderte. Nach J.D. Memminger, W\u00fcrttembergische Jahrb\u00fccher, Jahrgang 1827 S. 353, stand dort eine Wallfahrtskirche,<\/p>\n<p>die 1279 dem Kloster Zwiefalten \u00fcberlassen wurde. Sp\u00e4ter richtete dort das Kloster eine rechtlich selbstst\u00e4ndige Propstei ein. Zun\u00e4chst waren dort ein Propst und vier M\u00f6nche t\u00e4tig.Durch Stiftungen der Grafen von W\u00fcrttemberg aber auch durch den regionalen Niederadel entwickelte sich die Propstei sehr rasch. Eberhard der Greiner schenkte der Niederlassung eine eintr\u00e4gliche Pfr\u00fcnde der Pfarrei Dettingen. Die Herren von Steinhilben stifteten G\u00fcterstein ein gro\u00dfen Teil ihres Besitzes.<\/p>\n<p>1384\/85 wurde der Besitz des Klosters Blaubeuren in \u00d6denwaldstetten gekauft.1390 kauft die Propstei vom Kloster Allerheiligen in Schaffhausen 6 Lehensh\u00f6fe, die es in Bleichstetten besa\u00df, f\u00fcr 210 Gulden. Allerheiligen hatte diesen Besitz 1102 von Eberhard von Metzingen und seiner Gattin Richinza geschenkt bekommen. Sein Sohn Adelbert war seit 1099 Abt des Klosters Allerheiligen.<\/p>\n<p>1439 wurde auf Wunsch der Grafen Ludwig I. und Ulrich V. von W\u00fcrttemberg die bisherige zwiefaltische Propstei in ein Kart\u00e4userkloster umgewandelt. Am 3. Juli 1439 war eine w\u00fcrttembergische Abordnung nach Zwiefalten&#160; gekommen und zwar Meister<\/p>\n<p>Heinrich Tegen, studierter Jurist und Kleriker, Stiftsherr und Probst in Sindelfingen und w\u00fcrttembergischer Rat, Meister Georg Schienlin, Chorherr in Sindelfingen und dem Vogt in Urach Hans Keppeler. Sie forderten die \u00dcbergabe der Propstei G\u00fcterstein an die Kart\u00e4user. Zwar wehrte sich Zwiefalten gegen das Ansinnen, aber Abt Johannes III. musste schlie\u00dflich doch klein beigeben. Zwar hatten die W\u00fcrttemberger Grafen von 1365 die Vogtei \u00fcber Zwiefalten vertragswidrig teilweise von den Habsburger \u00fcberlassen<\/p>\n<p>bekommen. De jure hatte Habsburg aber noch immer die Vogtei inne und die W\u00fcrttemberger Grafen bef\u00fcrchteten, dass die Habsburger ihren Machtbereich ausweiten wollten. Dann spielten bei den Reformbewegungen der Zeit die Kart\u00e4user eine wichtige Rolle,<\/p>\n<p>ein Grund f\u00fcr die Grafen Ludwig I. und Ulrich V., die Kart\u00e4user ins Land zu holen. Nach der Landesteilung wurde das Kloster Grablege der in Urach residierenden Grafenfamilie.Die Kartause wurde mit M\u00f6nchen aus der Freiburger Kartause Johannisberg besiedelt.<\/p>\n<p>Der erste Prior war Heinrich von Gr\u00fcningen. Auf ihn folgte Konrad von M\u00fcnchingen, dessen Amtszeit von 1453 bis 1455 unterbrochen war. In dieser Zeit leitete er die Kartause von Johannisberg. 1455 kehrte er nach G\u00fcterstein zur\u00fcck, was die Generalkapitelsakten.<\/p>\n<p>belegen. Seine Amtszeit endete 1478. Er starb 1481. In der Johannisberger Zeit von Konrad war Albert Rot Prior in G\u00fcterstein. Albert Rot ist vermutlich identisch mit einem Albertus Niffen, der 1405 in Heidelberg immatrikuliert war und dort 1407 Bakkalaureus wurde. <\/p>\n<p>Er trat in die Kartause von Buxheim ein und kam etwa 1440 nach G\u00fcterstein.Von 1453 bis 1455 war er dann dort Prior. Von dort wurde er dann an die neugegr\u00fcndete Kartause nach Ittlingen geschickt. Er starb 1469 vermutlich in G\u00fcterstein. 1466 war Albrecht Hummel aus Donzdorf in G\u00fcterstein ins Kloster eingetreten. 1469 wurde er Prior in N\u00f6rdlingen. 1476 wurde er Prior in G\u00fcterstein. Von 1495 bis 1497 war er dann noch Prior in T\u00fcckelhausen.Er war seit 1479 Ko-Visitator f\u00fcr die niederdeutsche Ordensprovinz der Kart\u00e4user. Generalvisitator war der Erfurter Prior Heinrich Nemritz. 1482 \u00fcbernahm Hummel dieses Amt. Sein Ko-Visitator war Johannes G\u00f6ller aus N\u00f6rdlingen, der ihn 1486 ersetzte. Albrecht Hummel starb 1501.<\/p>\n<p>Die G\u00fctersteiner Prioren spielten eine wichtige Rolle f\u00fcr die Reform der w\u00fcrttembergischen Kl\u00f6ster. Am 6. M\u00e4rz 1459 erhielten die beiden w\u00fcrttembergischen Grafen Eberhard und Ulrich von Papst Pius II. eine&#160; Reformbulle f\u00fcr die w\u00fcrttembergischen Kl\u00f6ster. Darin wurde die Visitation der Kl\u00f6ster den \u00c4bten von Hirsau und Zwiefalten und dem Prior von G\u00fcterstein \u00fcbertragen. Als die Bulle ausgefertigt wurde war das Johannes III. f\u00fcr Zwiefalten, f\u00fcr Hirsau Wolfram Maiser von Berg bis 1460 und dann von 1460-1482 Bernhard aus Gernsbach und f\u00fcr G\u00fcterstein Konrad von M\u00fcnchingen ( + 1481) und sp\u00e4ter Albrecht Hummel aus Donzdorf (+1501). Das ist durchaus bemerkenswert, wenn man denkt, wie stark der Kart\u00e4userorden auf die Abgeschiedenheit ihrer M\u00f6nche achteten.Sie waren ja immer in ihrer Zelle untergebracht, hatten einen eigenen kleinen, abgeschiedenen Garten f\u00fcr sich und die Zelle war so konstruiert, dass das Essen ausgeteilt werden konnte, ohne dass der M\u00f6nch jemanden zu Gesicht bekam- sch\u00f6n zu sehen in der Kartause Buxheim. Der Prior durfte sein Kloster eigentlich nur verlassen, wenn er sich zum Generalkapitel begeben musste oder sich um die wirtschaftlichen Angelegenheiten seines Klosters k\u00fcmmern musste oder als Visitator im Dienst des Ordens unterwegs war. <\/p>\n<p>Das zeigt aber drei Dinge, einmal war der Orden in der Auslegung der Regeln sehr flexibel und passte sich an Anforderungen immer gut an.Die Kart\u00e4user waren von den Stiftern wegen ihres Rufes und des Ansehens, dass der Orden in dieser Zeit genoss und dass sich die w\u00fcrttembergischen Grafen viel von den Kart\u00e4usern f\u00fcr die Reform der Kl\u00f6ster in W\u00fcrttemberg erhofften und die Berufung durch den Papst unterstreicht auch das Ansehen, das die Oberen des Kart\u00e4userordens genossen.<\/p>\n<p>Weiterer Prioren in G\u00fcterstein waren auch Antonius. 1523 war Benedikt Eichel Prior in G\u00fcterstein. Zuvor \u00fcbte er dieses Amt W\u00fcrzburg und&#160; Astheim, dann Buxheim aus. Seine letzte Station war G\u00fcterstein. Thilemann Mosenus war der letzte G\u00fctersteiner Prior. Als das Kloster aufgehoben wurde, ging er nach Buxheim. Dort wurde er ebenfalls Prior. Eichel und Mosenus waren jeweils auch im Definitorium des Ordens vertreten. Es besteht aus acht gew\u00e4hlten Mitgliedern und dem \u201creverendus Pater\u201d, das ist der Prior der <\/p>\n<p>Gro\u00dfen Kartause und entscheidet \u00fcber \u201cPersonen und H\u00e4user\u201d,wie es heute in den Statuten steht (Buch 4, Kap. 31)<\/p>\n<p>Kartausen haben keine \u00c4bte, sondern nur Prioren., da sich das mit der Demut der Kart\u00e4user nicht vertr\u00e4gt. Der Prior tr\u00e4gt auch kein Zeichen seiner W\u00fcrde, da das Amt als B\u00fcrde und Aufgabe gesehen wird und nicht als Ausdruck seiner Macht. Er ist verpflichtet, in den Grenzen seiner Kartause zu bleiben. Ausnahmen gelten eigentlich nur, wenn er sich zum Generalkapitel begeben muss oder wenn er sich um&#160; wirtschaftliche Angelegenheiten seiner Kartause k\u00fcmmern muss, die ihn mehr und mehr zwingt, diese zu verlassen.<\/p>\n<p>Er wird gew\u00e4hlt von den Mitgliedern der Kartause, wobei nur die M\u00f6nche das Wahlrecht haben. Novizen und Laienbr\u00fcder sind ausgeschlossen. Der Kandidat muss seine Profess schon mindestens seit drei Jahren abgelegt haben und ein Mindestalter von 25 Jahren haben.Gew\u00e4hlt werden kann jeder aus jeder Kartause, au\u00dfer der Prior des Gesamtordens. Der neugew\u00e4hlte Prior muss zur Gro\u00dfen Kartause, wo er best\u00e4tigt wird, oder falls das nicht stattfindet durch einen Kandidaten ihrer Wahl ersetzt wird. Der Prior vertritt seine Gemeinschaft w\u00e4hrend der Sitzung des Generalkapitels. Innerhalb seiner Kartause ist er vor allem f\u00fcr die Disziplin seines Klosters verantwortlich. Er verk\u00f6rpert die Ordensregel. Der Prior leitet die Novizen an, nimmt die Beichte ab. Deshalb muss er auch Priester sein. Er f\u00fchrt die Mitglieder seiner Gemeinschaft auf ihrem kontemplativen Weg und hilft ihnen Schwierigkeiten zu \u00fcberwinden. Der Prior muss die Zustimmung zur Profess eines Novizen geben,da nur er die erforderliche Autorit\u00e4t hat, die Reife eines Kandidaten einzusch\u00e4tzen. Ein wichtiges Instrument des Kart\u00e4userordens ist die Visitation. Jedes Kloster wird in einem Turnus von zwei Jahren vom Visitator und einem Kovisitator besichtigt. Es werden Visitationsprotokolle erstellt, die vor der Sitzung des Generalkapitels an<\/p>\n<p>die Gro\u00dfe Kartause geschickt werden. Der Visitator hat zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob die Normen des Ordens in den Gemeinschaften eingehalten werden eingehalten werden. Bei Regelverst\u00f6\u00dfen kann er Strafen verh\u00e4ngen. Das kann bis zur Absetzung eines Priors gehen.<\/p>\n<p>Auch die Wirtschaftslage eines Klosters wird \u00fcberpr\u00fcft. Der Visitator muss auch ein Netzwerk innerhalb seiner Provinz etablieren. Zum Visitator kann jeder Prior aus jeder Gemeinschaft gew\u00e4hlt werden. Wenn ein Kloster den Visitator stellt, strahlt das nat\u00fcrlich<\/p>\n<p>immer auf das einzelne Kloster ab. G\u00fcterstein stellte in der relativ kurzen Zeit seines Bestehens drei Visitatoren, oben wurde schon Albrecht Hummel genannt, der das Amt des Visitator f\u00fcr 4 Jahre aus\u00fcbte. In den Jahren 1523 und 1525 gab es nochmals Visitatoren aus G\u00fcterstein, diesmal jeweils f\u00fcr ein Jahr, n\u00e4mlich erst Benedikt Eichel dann Thilemann Mosenus.<\/p>\n<p>Die Funktion des Priors und der Visitation wurde hier ausf\u00fchrlicher dargestellt, da sie sich doch von anderen Orden unterscheidet, aber f\u00fcr andere Kartausen, z. B. Buxheim nat\u00fcrlich volle G\u00fcltigkeit hatte. (siehe dazu Blogbeitrag)<\/p>\n<p>Die neue Kartause sollte auch f\u00fcr das Ged\u00e4chtnis der Stifter, der \u201cMemoria\u201d sorgen, also f\u00fcr das dauerhafte Totengedenken in Messen und Gebeten f\u00fcr die Stifter. Mit der Stiftung verbunden war eben die Hoffnung verbunden,das ungewisse Los des Gebenden<\/p>\n<p>im Jenseits zum m\u00f6glichst Positiven zu wenden.&#160; Das Totengedenken f\u00fcr die Klosterangeh\u00f6rigen der Kart\u00e4user war sehr umfassend. So musste nach dem Tod eines M\u00f6nches 30 Tage lang eine Messe gelesen werden. Bei dieser Messe sollte jeder Priesterm\u00f6nch<\/p>\n<p>50 Psalmen und jeder Laie 150 Vaterunser beten. Die Statuten legten ausdr\u00fccklich fest, dass das auch f\u00fcr Laien gelten sollte. \u201cNihil pro monacho plus quam per laico\u201d. Der Orden erhielt speziell f\u00fcr das Totengedenken so viele Stiftungen, dass das Totengedenken f\u00fcr<\/p>\n<p>die Stifter bald auch extra in den Statuten festgelegt werden musste. Allm\u00e4hlich konnten&#160; sich au\u00dferhalb der Ordensgemeinschaft stehende \u201cextranei\u201d verdiente Wohlt\u00e4ter bald dasselbe Gebetsgedenken verschaffen wie f\u00fcr die Klosterangeh\u00f6rigen.<\/p>\n<p>Besonders intensiv war das Totengedenken, wenn die Wohlt\u00e4ter im Kloster oder sogar in der Kirche bestattet wurde.<\/p>\n<p>Das Kloster war als Grablege f\u00fcr das Grafenhaus vorgesehen. Schneller als das wohl geplant war, musste dieser Aspekt des Stiftungszweckes erf\u00fcllt werden.<\/p>\n<p>1443 wurde in G\u00fcterstein Ludwigs&#160; neugeborener Sohn Andreas, der kurz nach der Geburt starb, bestattet. aber auch der Vater Ludwig starb fr\u00fch, n\u00e4mlich 1450 an der Pest. Auch er fand seine Ruhest\u00e4tte in der Kartause. Der \u00e4lteste Sohn, Ludwig II. starb auch sehr jung. Schlie\u00dflich wurde auch die Gemahlin von Ludwig I. , Mechthild von der Pfalz nach ihrem Tod 1482 an der Seite ihres Mannes bestattet. Auch Prinzessin Anna, die Tochter Herzog Ulrichs,&#160; wurde nach ihrem Pesttod 1530 in G\u00fcterstein beigesetzt.<\/p>\n<p>Ludwigs 2. Sohn Eberhard zeigte seine starke Bindung an G\u00fcterstein, als er vor seiner Pilgerreise nach Jerusalem im Mai 1468 sein Testament bei den Kart\u00e4usern in G\u00fcterstein hinterlegte und sich dort vor der Abreise seinen Reisesegen holte.<\/p>\n<p>Die Kartause hatte viele Stiftungen erhalten. Um 1525 wurde das Einkommen des Klosters auf 1400 Gulden gesch\u00e4tzt.Das Kloster durfte zwar selbst keine Seelsorge aus\u00fcben. Es hatte aber viele Patronatsrechte inne und konnte so durch die<\/p>\n<p>Besetzung von Pfarrstellen in der Umgebung des Klosters einen gro\u00dfen Einfluss aus\u00fcben.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Mechthild20von20der20Pfalz.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Mechthild%20von%20der%20Pfalz\" style=\"border-left-width: 0px; border-right-width: 0px; background-image: none; border-bottom-width: 0px; padding-top: 0px; padding-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px; border-top-width: 0px\" border=\"0\" alt=\"Mechthild%20von%20der%20Pfalz\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Mechthild20von20der20Pfalz_thumb.jpg\" width=\"202\" height=\"244\" \/><\/a><\/p>\n<p>Werfen wir nun einen Blick auf die G\u00fctersteiner Bibliothek. Ihr Bestand ist im G\u00fctersteiner B\u00fccherkatalog aufgelistet, der sich heut in der W\u00fcrttembergischen Landesbibliothek unter der Signatur Codex theologicus und philosophicus 4\u00b078&#160; befindet.<\/p>\n<p>Der Codex ist wohl von zwei Schreibern w\u00e4hrend der Amtszeit des ersten G\u00fctersteiner Priors Konrad verfasst worden. Er ist wohl nicht als \u201cklassischer\u201d B\u00fccherkatalog und als Bestandsnachweis verfasst worden, sondern diente wohl eher dazu,<\/p>\n<p>Schenkungen festzuhalten. 13 Personen sind als Schenker aufgef\u00fchrt. Die B\u00fccherliste wie man sie wohl korrekter nennen sollte verzeichnet Bibelausgaben, Exegese, Predigten und Schultexte. Der Bestand ist vergleichbar mit den Bibliotheken in<\/p>\n<p>Buxheim, Aggsbach und Schnals. Er verzeichnet wohl die Gr\u00fcndungsausstattung des Hauses. Bis zur Aufl\u00f6sung G\u00fctersteins ist er erheblich angewachsen. Bei den B\u00fccherschenkern handelt es sich um Personen mit meist universit\u00e4rer Bildung, \u00fcberwiegend<\/p>\n<p>Geistliche. <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich haben auch G\u00fctersteiner M\u00f6nche B\u00fccher geschrieben. So gibt es zwei libelli, die in der B\u00fccherliste genannt werden. Sie haben Traktate des Nikolaus von Dinkelsb\u00fchl zum Inhalt. Namentlich ist als Schreiber&#160; Johannes von Messkirch auszumachen.<\/p>\n<p>Von ihm stehen heute zwei Handschriften in der Bayrischen Staatsbibliothek in M\u00fcnchen. Diese Handschrift scheint in G\u00fcterstein sehr gesch\u00e4tzt gewesen zu sein, denn die M\u00f6nche nahmen sie nach buxheim mit, als sie G\u00fcterstein verlassen mussten.<\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Handschriften die, in G\u00fcterstein entstanden sind, stammt aus der Amtszeit Konrads. \u201cGeistlichen Gespr\u00e4ch zwischen einer F\u00fcrstin und einer Kr\u00e4merin\u201d wurde 1447 in G\u00fcterstein niedergeschrieben. <\/p>\n<p>Eine weitere wichtige Quelle ist f\u00fcr G\u00fcterstein vorhanden, n\u00e4mlich das G\u00fctersteiner Anniversar, ebenfalls in der W\u00fcrttembergischen Landesbibliothek verwahrt. Diese Handschrift ist ebenfalls nach der Gr\u00fcndung der Kartause G\u00fcterstein entstanden und d\u00fcrfte um 1560-1565 angelegt worden sein, da bis dahin eingetragene Jahrtage in chronologisch falscher Reihung erscheinen und erst dann chronologisch korrekt werden, was den Schluss nahelegt, das ab dem Datum, an dem die Eintr\u00e4ge korrekt werden, der terminus post quem liegen muss. Das Ende der Laufzeit liegt wohl im Jahr 1533. Zwei Jahre danach werden die M\u00f6nche aus G\u00fcterstein vertrieben. Das Anniversar nennt eine Vielzahl von Wohlt\u00e4tern<\/p>\n<p>des Klosters und die beiden Quellen lassen sich gut abgleichen. Das G\u00fctersteiner Anniversar f\u00fchrt die Wohlt\u00e4ter nicht alphabetisch wie z. B. Freiburg auf, sondern nach St\u00e4nden (sacerdotes, obiles, laiici). Die M\u00f6nche werden nach Prioren, Professm\u00f6nchen, <\/p>\n<p>Konversen, Redditen und Donaten aufgef\u00fchrt. Im G\u00fctersteiner Anniversar befinden sich etwa 340 Personen, 80 Kart\u00e4user, 10 Benediktiner und etwa 250 Wohlt\u00e4ter.<\/p>\n<p>Roland Deigendesch wertet diese Quelle in seinem Aufsatz \u201cMemoria bei den Kart\u00e4usern-Auswertungsm\u00f6glichkeit&#160; kart\u00e4user Memorialquellen am Beispiel des G\u00fctersteiner Anniversars 15-16.Jahrhunderts\u201d (B\u00fccher, Bibliotheken und Schriftkultur der Kart\u00e4user Festgabe zum 65. Geburtstag von Edward Potkowski S. 269-287) aus und zieht R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Gr\u00f6\u00dfe des Konvents. Er gibt f\u00fcr die Jahre vor 1470 eine Konventsst\u00e4rke von 19 Mitgliedern an,1471-1500 50 und f\u00fcr die Jahre nach 1501 61.<\/p>\n<p>In G\u00fcterstein war auch volkssprachliches Schrifttum entstanden so das 1447 niedergeschriebene\u201cGeistlichen Gespr\u00e4ch zwischen einer F\u00fcrstin und einer Kr\u00e4merin\u201d&#160; Es gibt deutsche Heiligenleben und ein gedrucktes Rosenkranzgebet. Diese B\u00fccher zielten darauf ab, gelehrte theologische Inhalte einem Laienpublikum nahezubringen. In G\u00fcterstein hatte auch Johannes Mickel seinen Lebensabend verbracht Der ehemalige Augsburger Benediktiner und Prior trat 1482 in die Kartause Buxheim ein. Er starb 1508 in G\u00fcterstein.<\/p>\n<p>Er hatte den Traktat &quot;Alphabetum divini amoris&quot; ins Deutsche \u00fcbertragen (1493 in Memmingen gedruckt). Ebenfalls seine letzten Lebensjahre verbrachte Dr. med. Thomas Finck in G\u00fcterstein. Nach dem Tod seiner Ehefrau trat er 1486 in das Benediktinerkloster Blaubeuren ein. Dort schrieb er das B\u00fcchlein \u00fcber die Sieben Tagzeiten, das vor allem f\u00fcr die Nonnenseelsorge gedacht war. Er war einer der bedeutendsten volkssprachigen Schriftsteller S\u00fcdwestdeutschlands.Zwischen 1506 und 1505 trat er in den Kart\u00e4userorden ein.1515 vertrat er die Kartause G\u00fcterstein in einem Rechtsstreit. Er ist 1523&#160; verstorben.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/001_nk-1396_wlm-70.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"001_nk-1396_wlm-70\" style=\"border-top: 0px; border-right: 0px; background-image: none; border-bottom: 0px; padding-top: 0px; padding-left: 0px; border-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px\" border=\"0\" alt=\"001_nk-1396_wlm-70\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/001_nk-1396_wlm-70_thumb.jpg\" width=\"85\" height=\"244\" \/><\/a><\/p>\n<p>Oben wurde auf den guten Draht hingewiesen, den Eberhard im Barte zu Kloster G\u00fcterstein hatte. Aber kirchenpolitisch setzte er etwas andere Akzente. 1477 holte er die Br\u00fcder vom Gemeinsamen Leben nach W\u00fcrttemberg. Die Kart\u00e4user betrieben ja keine Seelsorge, die Br\u00fcder vom gemeinsamen Leben sehr wohl. Sie sollten seelsorgerlich auf das Volk einwirken. 1477 gr\u00fcndete Eberhard auch die Universit\u00e4t T\u00fcbingen. Er verlegte das Chorherrenstift in Sindelfingen nach T\u00fcbingen. Acht der zehn ehemaligen Stiftsherren lehrten dann an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen, darunter Johannes Vergenhans nach humanistischer Sitte nannte er sich Johannes Nauclerus. Er war der erste Rektor der T\u00fcbinger Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>In Urach \u00fcbertrag Eberhard die Kirche St. Amandus an die die Br\u00fcder vom Gemeinsamen Leben. Probst wurde 1479 Gabriel Biel,vorher Probst des Br\u00fcderhauses St. Markus in Butzbach. Biel war Gr\u00fcndungsmitglied der Universit\u00e4t T\u00fcbingen und \u00fcbernahm dort den <\/p>\n<p>Lehrstuhl der via moderna.Ebenfalls aus Butzbach kam Wendelin Steinbach nach Urach. Er war ein Sch\u00fcler von Biel, promovierte in T\u00fcbingen zum Doktor der Theologie. Er war sechs mal Rektor der Uni T\u00fcbingen und Beichtvater Herzog Eberhards.<\/p>\n<p>Dies alles f\u00fchrte dazu, dass G\u00fcterstein nicht mehr die so bestimmende Rolle im kirchlichen Leben W\u00fcrttembergs und bei den Reformen der w\u00fcrttembergischen Kl\u00f6ster spielte. Innerhalb des Kart\u00e4userordens hatte das Kloster aber nach wie vor eine bedeutende Stellung inne.<\/p>\n<p>Vor der Reformation hatte 20 Religiosenzellen und nochmals 10 f\u00fcr Laienbr\u00fcder. Wie oben gezeigt stellte G\u00fcterstein immer wieder&#160; Visitatoren und war auch im Definitorenkollegium vertreten.<\/p>\n<p>1534 wurde in W\u00fcrttemberg die Reformation eingef\u00fchrt und als Folge davon 1535 die M\u00f6nche aus G\u00fcterstein vertrieben. 17 gingen nach Buxheim, unter ihnen Thilemann Mosenus, der dann in Buxheim Prior wurde. Zur\u00fcckgeblieben waren nur wenige kranke Knechte und der Prokurator Johannes Frey, der f\u00fcr die G\u00fctersteiner Kloster\u00f6konomie zust\u00e4ndig war. Dieser trat zum lutherischen Glauben \u00fcber. 1538 wurde er erster evangelischer Pfarrer in Metzingen.<\/p>\n<p>Nach dem Sieg Kaiser Karls V. \u00fcber den Schmalkaldischen Bund und dem danach stattfindenden Reichstag 1548 in Augsburg schien es kurze Zeit so, als ob das Kloster zu neuem Leben erweckt werden k\u00f6nne. Restitutionsversuche 1550\/51 blieben ohne Erfolg.<\/p>\n<p>Kloster Zwiefalten und&#160; der Visitator der niederdeutschen Kart\u00e4userpovinz Dietrich Loher verhandelten z\u00e4h mit dem w\u00fcrttembergischen Herzog Christoph um eine R\u00fcckgabe und um Entsch\u00e4digungen. Dieser lie\u00df aber gleichzeitig vollendete Tatsachen schaffen.<\/p>\n<p>Die Kartause wurde bis auf die Grundmauern abgetragen. Die Gebeine von Christophs Vorfahren, soweit sie noch aufzufinden waren,sowie die Grabmahle wurden nach T\u00fcbingen in die Stiftskirche verbracht. So befindet sich dort heute das Grabbild Mechthilds<\/p>\n<p>von der Pfalz, das Hans Multscher zugeschrieben wird. Nur noch ein Gedenkstein erinnert an das Kloster<\/p>\n<p>1710-1715 lie\u00df HerzogEberhard Ludwig durch den Ulmer Glockengie\u00dfer Theodosius Ernst ein bemerkenswertes Wasserhebewerk zur Versorgung des Gest\u00fctshofes St. Johann errichten, was durchaus ein Vorl\u00e4ufer der Albwasserversorgung ist.<\/p>\n<p>In Urach hat sich noch ein Pfleghof der Kartause erhalten.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Kloster-Gterstein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Kloster G\u00fcterstein\" style=\"border-top: 0px; border-right: 0px; background-image: none; border-bottom: 0px; padding-top: 0px; padding-left: 0px; border-left: 0px; display: inline; padding-right: 0px\" border=\"0\" alt=\"Kloster G\u00fcterstein\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Kloster-Gterstein_thumb.jpg\" width=\"244\" height=\"163\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#160; &#160; In den nur knapp dreihundert Jahren seines Bestehens hatte das&#160; Kloster G\u00fcterstein eine wechselvolle Geschichte. 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