{"id":1989,"date":"2012-05-02T18:27:49","date_gmt":"2012-05-02T18:27:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=1989"},"modified":"2012-05-02T18:29:41","modified_gmt":"2012-05-02T18:29:41","slug":"joss-fritz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=1989","title":{"rendered":"Joss Fritz"},"content":{"rendered":"<p align=\"center\">&#160;<\/p>\n<p align=\"center\">&#160;<\/p>\n<p align=\"center\">&#160;<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/220px-Joss_Fritz_Holzschnitt_von_Albrecht_Duerer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; border-right-width: 0px; padding-left: 0px; padding-right: 0px; display: inline; border-top-width: 0px; border-bottom-width: 0px; border-left-width: 0px; padding-top: 0px\" title=\"220px-Joss_Fritz_Holzschnitt_von_Albrecht_Duerer\" border=\"0\" alt=\"220px-Joss_Fritz_Holzschnitt_von_Albrecht_Duerer\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/220px-Joss_Fritz_Holzschnitt_von_Albrecht_Duerer_thumb.jpg\" width=\"224\" height=\"222\" \/><\/a><\/p>\n<p>Obwohl im Netz gute Seiten und viel Informationen zu Joss Fritz zu finden sind, will ich ihn dennoch in meinen Blog aufnehmen. Zum einen fasziniert mich gerade die Zeit des Joss Fritz, diese Zeit eines gewaltigen Umbruchs,<\/p>\n<p>zum andern passt er gut ins Umfeld meiner Kategorie \u201cPersonen der Geschichte\u201d, sind da doch Zeitgenossen oder auch Vorl\u00e4ufer versammelt. Auch bei der Besch\u00e4ftigung mit Kl\u00f6stern wird man fast bei jedem Kloster auf Bauernunruhen sto\u00dfen<\/p>\n<p>und so erg\u00e4nzt sich das einfach bestens.<\/p>\n<p>Was war das f\u00fcr eine Zeit, in die Joss oder Jodocus&#160; wie sein Taufnahme lautete, geboren wurde?&#160; Will Erich Peukert nennt sie Zeit der Wende, das apokalyptische Saeculum. Huizinga sieht den Herbst des Mittelalters.<\/p>\n<p>Die Zeit ist aus den Fugen geraten , wie Skaespeare 1602 in seinem Hamlet bemerken wird.<\/p>\n<p>Das Zeitalter der Entdeckungen beginnt. 1487 umsegelt Bertolomeu Diaz(um 1450 bis 1500) die S\u00fcdspitze Afrikas. 1492 entdeckt&#160; Christoph Kolumbus (1451-1506)<\/p>\n<p>Amerika. 1509 entwickelt Kopernikus (1473-1543) sein Heliozentrisches Weltbild, nicht mehr die Erde steht im Mittelpunkt,sondern die Sonne.<\/p>\n<p>Um 1350 hatte Berthold Schwarz, ein Freiburger Franziskaner M\u00f6nch durch Zufall das Schwarzpulver entdeckt. So konnte man die Feuerwaffen, Gewehr und Kanonen entwickeln, was die Kriegstechnik<\/p>\n<p>entscheidend ver\u00e4nderte.<\/p>\n<p>Die wichtigste technische Entwicklung im 15. Jahrhundert war der Satz mit beweglichen Lettern, den der Mainzer Johannes Gutenberg (um 1400-1468) 1440 entwickelte. Die Verwendung dieser (in Europa)<\/p>\n<p>neuen Technik revolutionierte den Buchdruck und l\u00f6ste eine Medienrevolution aus. Man denke nur an die Flugbl\u00e4tter. Reformation, aber auch die Bauernkriege nutzten dieses neue Medium intensiv<\/p>\n<p>und die Reformation h\u00e4tte sich ohne Buchdruck vielleicht nicht so schnell entwickelt.<\/p>\n<p>Die St\u00e4dte begannen sich in dieser Zeit rasant zu entwickeln. Die B\u00fcrger traten als gesellschaftlich wichtige neue Gruppe auf den Plan. N\u00fcrnberg, Augsburg waren die neuen starken Zentren. N\u00fcrnberg, beg\u00fcnstigt durch seine<\/p>\n<p>verkehrstechnische Lage wurde wichtig f\u00fcr den Fernhandel. Zum Handel kamen Finanzgesch\u00e4fte, Beteiligung in Montanunternehmen. Die Unternehmen der Fugger und Welser in Augsburg<\/p>\n<p>hatten Weltgeltung und beeinflussten&#160; die europ\u00e4ische Politik. Die Fugger finanzierten die Habsburger und ohne das Fuggersche Kapital w\u00e4re Karl V. m\u00f6glicherweise nicht Kaiser geworden.<\/p>\n<p>Selbst in kleineren deutschen St\u00e4dten kamen die Kaufleute nach oben, so die Ravensburger Handelsgesellschaft der Humpis, die bis etwa 1530 zu den bedeutendsten Handelsunternehmen des Sp\u00e4tmittelalters z\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Der Aufstieg der St\u00e4dte verlangte aber auch eine Rechtssicherheit. So kam es auch zu einer allm\u00e4hlichen \u00dcbernahme des r\u00f6mischen Rechts. Der Ruf nach dem alten Recht wird in den Bauernkriegen immer wieder laut.<\/p>\n<p>Bauernunruhen sind zu Zeiten von Joss Fritz auch nicht neu. <\/p>\n<p>Der Appenzeller Krieg von 1401-1408 (siehe dazu Beitrag Kloster Sankt Gallen) war auch eine Auseinandersetzung zwischen den Appenzeller Bauern und dem <\/p>\n<p>Landesf\u00fcrsten, in diesem Fall dem Sankt Gallener Abt Heinrich von Gundelfingen.<\/p>\n<p>1476&#160; tritt der Pfeifer von Niklashausen im Taubertal auf. Das war nicht nur eine religi\u00f6se Bewegung sondern auch begleitet von Forderungen nach Abschaffung der Standesunterschiede, Abgabenfreiheit und Befreiung von Frondiensten<\/p>\n<p>und die \u00dcberf\u00fchrung von privatem und hoheitlichen Besitz an Feldern, Wiesen und Gew\u00e4sser&#160; in die Allmende. (siehe dazu Beitrag Der Pfeiffer von Niklashausen)<\/p>\n<p>1491 gibt es Bauernunruhen im Allg\u00e4u und Bereich der F\u00fcrstabtei Kempten. von 1498-1502 g\u00e4rt es im Kloster Ochsenhausen. 1502 schloss Abt Hieronymus Biechelberger mit den Klosterbauern einen Untertanenvertrag ab, der zwar 1525 im Bauernkrieg<\/p>\n<p>wieder zur\u00fcckgenommen wurde, aber der Grund daf\u00fcr sein d\u00fcrfte, dass das Kloster Ochsenhausen relativ unbeschadet durch den Bauernkrieg kam.(siehe dazu Beitrag Kloster Ochsenhausen)<\/p>\n<p>1493 begegnen wir zum ersten Mal dem Bundschuh und zwar im Elsass.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Unbenannt.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; border-right-width: 0px; padding-left: 0px; padding-right: 0px; display: inline; border-top-width: 0px; border-bottom-width: 0px; border-left-width: 0px; padding-top: 0px\" title=\"Unbenannt\" border=\"0\" alt=\"Unbenannt\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Unbenannt_thumb.png\" width=\"244\" height=\"177\" \/><\/a><\/p>\n<p>In Schlettstadt hatten sich 110 Verschw\u00f6rer zusammengetan und w\u00e4hlten den Bundschuh als Symbol. Das Beispiel des Hans B\u00f6hm in Niklashausen vor Augen wollten sie gegen das undurchsichtige Rechtssystem und die hohen Steuern und die damit <\/p>\n<p>einhergehende Verschuldung der Bauern aufbegehren. Der Aufstand wurde aber rasch niedergeschlagen. Die Anf\u00fchrer, Johann Ullman ein ehemaliger B\u00fcrgermeister von Schlettstadt und Jakob Hanser, der Schulthei\u00df von<\/p>\n<p>Blienschweiler bezahlten ihr Aufbegehren mit ihrem Leben.<\/p>\n<p>Kommen wir nun zu Joss Fritz. Er ist um 1470 in Untergrombach als Sohn des Michels und der Magdalena Fritz geboren, beide Leibeigene. Joss Fritz wird Landsknecht. Er kann Lesen und Schreiben und kommt in der Welt herum.<\/p>\n<p>Das Jahr 1501 war ein schweres Hunger-und Pestjahr. In S\u00fcddeutschland w\u00fctetet die Pest. Die Lage der Landbev\u00f6lkerung hat sich enorm verschlechtert. Untergrombach geh\u00f6rte damals zum F\u00fcrstbistum Speyer. Der regierende F\u00fcrstbischof war<\/p>\n<p>Ludwig von Helmstatt (1478-1506). Er entstammt einer Familie, die mit Reinhard und Raban von Helmstatt schon zwei F\u00fcrstbisch\u00f6fe gestellt hat. Ludwig erscheint 1453 als Domherr zu Speyer. 1478 wird er vom Domkapitel einstimmig zum Bischof<\/p>\n<p>gew\u00e4hlt. Papst Sixtus IV. best\u00e4tigt die Wahl und am 13. Dezember 1478 wird er in der Liebfrauenkirche&#160; in Bruchsal von dem Wormser Bischof Reinhard von Sickingen&#160; geweiht. Das Hochstift war zu diesem Zeitpunkt schon stark verschuldet.<\/p>\n<p>Reich und Kurpfalz erhoben weitere finanzielle Forderungen. Der Bischof konnte die Belastung kaum vermindern, konnte sich aber durch Umwandlung von kurzfristigen in langfristige Darlehen und Zinssenkungen&#160; etwas Luft verschaffen.<\/p>\n<p>Er erhob zahlreiche au\u00dferordentliche Steuern, hatte aber immer den R\u00fcckhalt des Domkapitels. Der Bischof wird als Bauherr der Liebfrauenkirche&#160; genannt. Die steigende Steuerlast bei gleichzeitiger Einschr\u00e4nkung der&#160; Forst-Weide-und Fischereirechte weckte den <\/p>\n<p>Unmut der Bauern. Wie schon 1493 sammelten sich die Unzufriedenen unterm Zeichen des Bundschuhs im Bruchrain bei Untergrombach. Ob Joss Fritz schon in Schlettstadt dabei war, ist nicht belegt. In Untergrombach z\u00e4hlte er aber zu den Hauptinitiatoren.<\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Ludwig20von20Helmstatt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; border-right-width: 0px; padding-left: 0px; padding-right: 0px; display: inline; border-top-width: 0px; border-bottom-width: 0px; border-left-width: 0px; padding-top: 0px\" title=\"Ludwig%20von%20Helmstatt\" border=\"0\" alt=\"Ludwig%20von%20Helmstatt\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Ludwig20von20Helmstatt_thumb.jpg\" width=\"152\" height=\"244\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Bewegung wuchs sehr rasch an und z\u00e4hlte bald siebentausend Verschw\u00f6rer. Die Aufnahme in den Bund wurde wie eine religi\u00f6se Zeremonie abgehalten. Wer aufgenommen werden wollte, musste kniend f\u00fcnf Vater unser und Ave Maria beten. <\/p>\n<p>Als Erkennungszeichen diente das Losungswort: \u201cLoset was ist nun f\u00fcr ein Wesen\u201d&#160; Der dazu geh\u00f6rige Antwortreim war:\u201dWir m\u00f6gen vor Pfaffen und Adel nit genesen\u201d. Der Zweck war Umsturz der weltlichen und geistlichen Aristokratie.<\/p>\n<p>Sie forderte Freiheit von Zins und Zehnten weder an \u201cF\u00fcrsten noch Edle noch Pfaffen\u201d. Es sollte kein Zoll und keine Steuer mehr bezahlt werden. Weide, Fischerei, Jagd und Wald sollten f\u00fcr alle offen und frei sein. Kl\u00f6ster und Kircheng\u00fcter sollten bis auf eine <\/p>\n<p>kleine Zahl eingezogen werden und verteilt werden. Als erstes sollte Bruchsal, wo mehr als die H\u00e4lfte der B\u00fcrger im Einverst\u00e4ndnis war, \u00fcberfallen und eingenommen werden. Der gro\u00dfe Haufe aber sollte gleich in die Markgrafschaft<\/p>\n<p>Baden weiter ziehen und dann fort und immer weiter und sich an keinem Ort l\u00e4nger als 24 Stunden aufhalten bis sie alle Lande in ihr B\u00fcndnis eingebracht h\u00e4tten, die urspr\u00fcngliche Freiheit und damit die&#160; Gerechtigkeit Gottes auf Erden<\/p>\n<p>eingef\u00fchrt h\u00e4tten. Die Schlettstatter hatten die Beichte verboten, nicht so die Untergrombacher und das wurde ihnen zum Verh\u00e4ngnis. Ein badischer S\u00f6ldner, Lux Rapp, hatte sich in einer Beichte dem Pfarrer anvertraut und dieser gab <\/p>\n<p>sein Wissen unter Missachtung des Beichtgeheimnisses an die Obrigkeit weiter. Dadurch bekam sie Wind von der Sache. In Schlettstadt versammelten sich nun Vertreter der F\u00fcrsten, Herren und St\u00e4dte und berieten unter Vorsitz des Kaiser <\/p>\n<p>Maximilian \u00fcber das weitere Vorgehen. Es dauerte bis die Maschinerie in Gang kam, was den Anf\u00fchrer der Verschw\u00f6rer Zeit gab, zu entkommen. Nat\u00fcrlich wurden Leute, derer man habhaft werden konnte, grausam bestraft. Zehn Bauern wurden<\/p>\n<p>zur Abschreckung gek\u00f6pft oder gevierteilt oder an der Landstra\u00dfe aufgeh\u00e4ngt. Joss Fritz aber war gefl\u00fcchtet. Die Bauern blieben ruhig, aber nicht, weil sie mutlos waren. Sie wollten die Herren einfach wieder sorglos machen. Die Verh\u00e4ltnisse<\/p>\n<p>und auch die Gesinnungen hatten sich ja nicht ge\u00e4ndert.Die meisten Fl\u00fcchtlinge gingen in die Schweiz, in den Schwarzwald oder nach W\u00fcrttemberg. Joss Fritz zog mehrere Jahre unerkannt in Oberschwaben herum. Er hielt sich im Gebiet des Bodensees <\/p>\n<p>auf, war bei Lenzkirch und bei Stockach. In Nenzingen, heute im Kreis Konstanz, heiratete er um 1510 die Bauerstochter Else Schmid. 1512 zog er in das D\u00f6rfchen Lehen, heute ein Stadtteil von Freiburg. Dort erhielt er sogar eine Anstellung und zwar<\/p>\n<p>als Bannwart des Balthasars von Blumeneck, eines Adligen, der im Schl\u00f6\u00dfchen von Lehen residierte. Dort sammelte er wieder Getreue um sich. Er bestellte sie immer auf die Hartmatte, das ist ein Wiesengrund an der Dreisam gelegen.<\/p>\n<p>Mit dem Ortspfarrer, einem Pater Johannes Schwarz war er im Einverst\u00e4ndnis. Seine ersten Lehener Vertrauten waren Hans und Augustin Enderlin, Hieronymus, einem B\u00e4ckergesellen aus Tirol, der als geschickter Redner galt, Kilian Meyer, ein Bauer aus Lehen,<\/p>\n<p>Hans und Karius Heitz, die Bauern Peter St\u00fcbler und Jakob Hauser, dann Thomas M\u00fcller und Marx Sudlin und&#160; der Schneider Hans Hummel, der aus Feierbach stammte. Ein Stoffel oder Veltlin aus Freiburg galt als weiterer<\/p>\n<p>Hauptmann. Dieser hielt sich oft in Waldkirch auf. Dieser scheint wie Joss eine imposante Pers\u00f6nlichkeit gewesen zu sein. Die neue Bewegung zog rasch viele neue Leute an. Auch rekrutierten sie viele Bettler, damals eine durchaus bedeutende Volksgruppe.<\/p>\n<p>Den Hauptleuten versprachen sie 2000 Gulden, wenn sie in der Markgrafschaft Baden einen Aufstand verursachen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Anders als im Bruhrain hatte der Bundschuh diesmal ein Programm, das 14 Pumnkte umfasste. Joss musste die Rechtm\u00e4\u00dfigkei der Artikel auf der Grundlage der Bibel nachweisen.<\/p>\n<p>Artikel 1 besagte, dass niemand mehr einen Herrn anerkennen solle, als Gott, den Kaiser und den Papst.<\/p>\n<p>2. Sollte jeder nur dort vor Gericht gestellt werden, wo er zuhause war. Das Rottweiler Gericht sollte abgeschafft werden und die geistlichen Gerichte sollten nur noch f\u00fcr das Geistliche zust\u00e4ndig sein.<\/p>\n<p>3. Sollten Zinsen abgeschafft sein wenn die Zinsleistung inzwischen dem Kapital entsprach&#160; und alle Zins-und Schuldbriefe vernichtet werden.<\/p>\n<p>4. Zinsen, die bisher weniger eingebracht hatten sollten so behandelt werden, wie das g\u00f6ttliche Recht anzeige und unterweise<\/p>\n<p>5. Fisch und Vogelfang, Holz,Wald und Weide sollte frei und Armen und Reichen gemein sein.<\/p>\n<p>6. Jeder Geistliche soll auf eine Pfr\u00fcnde beschr\u00e4nkt sein.<\/p>\n<p>7. Kl\u00f6ster und Stifte sollten an Zahl beschr\u00e4nkt sein. Ihre \u00fcberfl\u00fcssigen G\u00fcter genommen werden und daraus eine Kriegskasse des Bundes gebildet werden.<\/p>\n<p>8. Alle unbilligen Steuern und Z\u00f6lle sollten abgeschafft werden.<\/p>\n<p>9.Ein best\u00e4ndiger Friede solle herrschen. Wer sich dagegen widersetze solle get\u00f6tet werden. Wer aber durchaus k\u00e4mpfen wolle, soll mit Handgeld gegen die T\u00fcrken oder ungl\u00e4ubigen geschickt werden.<\/p>\n<p>10. Wer dem Bund anh\u00e4ngt, soll seines Leibes und Gutes sicher sein, wer sich widersetzt gestraft werden.<\/p>\n<p>11. Eine gute Stadt oder Festung soll als Halt und Mittelpunkt des Unternehmens genommen werden.<\/p>\n<p>12. Jedes Bundesmitglied soll das Seinige zu den Mitteln der Ausf\u00fchrung beisteuern.<\/p>\n<p>13. Sobald der Haufen des Bundes sich vereinigt habe, soll man sich an den Kaiser wenden<\/p>\n<p>14. Falls dieser das nicht annehme, soll die Eidgenossenschaft um B\u00fcndnis und Beistand aufgerufen werden.<\/p>\n<p>Einige \u00e4hnliche Forderungen werden 1525 in den Memminger Artikel ebenfalls gestellt.<\/p>\n<p>Gro\u00dfen Wert scheint Joss Fritz auf die Fahne gelegt zu haben. Sie galt als Zeichen der Verschw\u00f6rung&#160; und selbst der zum F\u00e4hnrich gew\u00e4hlte Jakob Huser bekam sie nicht zu Gesicht. Nachdem ein Freiburger&#160; und ein in Lehen<\/p>\n<p>ans\u00e4ssiger Maler es abgelehnt hatten, die Fahne zu malen wurde schlie\u00dflich ein Heilbronner Maler oder ein Maler in Metz \u00fcberredet. Sie enthielt unter anderem den Bundschuh,&#160; ein&#160; wei\u00dfes Kreuz und trug die Inschrift<\/p>\n<p>\u201cHerr steh deiner g\u00f6ttlichen Gerechtigkeit bei\u201d Vor Verrat wurde die Bewegung dadurch gesch\u00fctzt, dass die Mitstreiter jeweils nur ganz wenige Mitglieder kannten.<\/p>\n<p>F\u00fcr den 9. Oktober war der Beginn des Aufstands geplant. Die Erhebung in Biengen, heute ein Ortsteil von Krozingen sollte der Beginn sollte die Ma\u00dfenerhebung ausgel\u00f6st werden.<\/p>\n<p>Aber zwei Wochen nach dem treffen auf der Hartmatte war der Bundschuh verraten. Rasch erfolgten die ersten Festnahmen. Jo\u00df Fritz und Hieronymus flohen in die Schweiz. Dort traf er sich in im solothurnischen Seewen mit<\/p>\n<p>Mayer, Enderlin und Hauser. Von dort schickte Jo\u00df Fritz Augustin Enderlin und Thoma M\u00fcller zur\u00fcck nach Lehen, um die noch nicht endeckten Mitverschw\u00f6rer nach Schaffhausen zu beordern. Sie entledigten sich dort ihres Auftrags.Dann gingen sie durch den <\/p>\n<p>Schwarzwald nach Schaffhausen. Dort wurden sie am 24. Oktober entdeckt und gefangengenommen. Kilian Meyer und Jakob Hauser wurden von Basler H\u00e4schern am 18. Oktober zwischen Liestal und Seewen auf freiem Feld<\/p>\n<p>ergriffen. Joss Fritz aber konnte entkommen, ob viele Stra\u00dfenkontrollen waren und viele Streifen unterwegs waren. Seine Frau Else wurde ebenfalls inhaftiert. Sie wurde am 24. Oktober wieder aus der Haft entlassen und es wird vermutet, dass<\/p>\n<p>ihr Mann \u00f6fters bei ihr war. Hans Hummel konnte sich zun\u00e4chst in Sicherheit bringen. Er wurde sp\u00e4ter gefasst und 1514 in Freiburg hingerichtet. Hingerichtet wurden auch&#160; Hans und Augustin Enderlin (1513 in Schaffhausen, bzw. Freiburg)<\/p>\n<p>Kilian Meyer 1513 in Basel, Jakob Hauser und Thomas M\u00fcller (1513 in Schaffhausen) und Marx Sudlin 1514 in Freiburg.<\/p>\n<p>1517 organisierte Joss Fritz nochmals eine&#160; Verschw\u00f6rung, diesmal \u00fcberwiegend im Stra\u00dfburger Raum aber letztlich auch wieder ohne Erfolg.<\/p>\n<p>Das letzte Mal soll Joss Fritz zwischen 1524 und 1525 am Oberhein gesehen worden sein.<\/p>\n<p>Dort verliert sich seine Spur<\/p>\n<pre>Joss Fritz ist breit und ist leibeigen,\r\nschon dreimal hat man ihn geschasst.\r\nDie Weiber kreischen auf der Tenne,\r\nwenn er beim Tanz die Punze fasst.\r\nUnd rasches Fl\u00fcstern zwischen T\u00fcren,\r\ndas, meinen viele, ist die Brunst.\r\nUnd nachts das Rascheln, Strohgeknister\r\nist heimlich geile Weibergunst.\r\nUnd doch ist das der Bundschuhf\u00fchrer,\r\nder heimlich kommt, organisiert\r\nund agitiert und der auch z\u00fcgelt,\r\nwenn wilde Wut die K\u00f6pfe schn\u00fcrt.\r\nLasst nicht die roten H\u00e4hne flattern\r\nehe der Habicht schreit.\r\nLasst nicht die roten H\u00e4hne flattern\r\nvor der Zeit.\r\n\r\nUnd als die sch\u00f6nen Schl\u00f6sser brannten\r\nim sch\u00f6nen Nachtigallenmai,\r\nund als der bunte Haufe rannte\r\nvor F\u00fcrstenheer und Reiterei,\r\nund wurden K\u00f6pfe abgeschnitten,\r\ngeblendet viele und gehetzt,\r\ndie Organisation verraten,\r\ndie Bundschuhfahne war zerfetzt,\r\nda lernten die, die \u00fcbrigblieben:\r\nes war ein ganzes St\u00fcck zu fr\u00fch,\r\nnoch viel zu stark war dieser Gegner,\r\nund viel zu wenig waren sie.\r\nLasst nicht die roten H\u00e4hne flattern\r\nehe der Habicht schreit.\r\nLasst nicht die roten H\u00e4hne flattern\r\nvor der Zeit.\r\n\r\nJoss Fritz, gejagt auf allen Stra\u00dfen,\r\nim Weiberrock, am Bettlerarm,\r\nwird Fisch und taucht im Volke unter\r\nund wieder auf als Dorfgendarm,\r\nund lernt den Feind und lernt die Schliche,\r\ntaktiert und reorganisiert\r\nund konspiriert mit Pfaff und B\u00fcrger\r\nund mancher Mann sympathisiert.\r\nDen Aufruhr in die K\u00f6pfe tragen\r\nwie kaltes Feuer, hei\u00dfes Eis,\r\ngeduldig, listig und verschlagen,\r\nund warten k\u00f6nnen, weil er wei\u00df:\r\nLasst nicht die roten H\u00e4hne flattern\r\nehe der Habicht schreit.\r\nLasst nicht die roten H\u00e4hne flattern\r\nvor der Zeit.\r\n\r\nUnd als die B\u00e4nkels\u00e4nger sangen,\r\nund als die Nachricht schneller lief,\r\ngeheime Zinken an den T\u00fcren,\r\nund als zu oft die Eule rief,\r\nund als die Bundschuhfahne wehte\r\nbeim wilden Hagebuttenfest,\r\nund als sie fast dreitausend waren\r\nund Waffen \u00fcberall versteckt,\r\nund als ein paar nicht warten wollten,\r\nund einer bei der Folter schrie\r\nund Pl\u00e4ne, Pl\u00e4tze, Namen nannte,\r\nda war es wieder mal zu fr\u00fch.\r\nLasst nicht die roten H\u00e4hne flattern\r\nehe der Habicht schreit.\r\nLasst nicht die roten H\u00e4hne flattern\r\nvor der Zeit.\r\n\r\nVerrat. Und wieder auf den Stra\u00dfen\r\nJoss Fritz gejagt, gesucht, versteckt.\r\nUnd die ihn h\u00f6ren und ber\u00fchren\r\nsind aufger\u00fchrt und angesteckt.\r\nMal ist er M\u00f6nch, mal Landsknecht, Bettler,\r\nmal zieht ein Gaukler \u00fcber Land,\r\nund mal erkennen ihn Genossen\r\nam Muttermal auf seiner Hand.\r\nDas gro\u00dfe B\u00fcndnis will er kn\u00fcpfen\r\nmit Ritter, B\u00fcrger, Bauer, Pfaff,\r\nPlebejer, Bettler und Soldaten,\r\nund immer warnt er vor der Hast.\r\nLasst nicht die roten H\u00e4hne flattern\r\nehe der Habicht schreit.\r\nLasst nicht die roten H\u00e4hne flattern\r\nvor der Zeit.\r\n\r\nUnd als die sch\u00f6nen Sensen gl\u00e4nzten\r\nund Morgensterne gl\u00e4nzten mit,\r\nund als der Hammer Helme knackte,\r\nund als die Sichel schneller schnitt,\r\nund als die sch\u00f6nen Schl\u00f6sser brannten,\r\nund als der Bischof Gnade bat,\r\nund als die Reiterheere flohen\r\nund Mauern brachen vor der Stadt,\r\nda ging die Saat auf, die er s\u00e4te\r\nim sch\u00f6nen Nachtigallenmai.\r\nUnd zieht dahin, der helle Haufe,\r\nJoss Fritz ist irgendwo dabei\r\nund l\u00e4sst die roten H\u00e4hne flattern\r\nbeim hellen Habichtschrei,\r\nund l\u00e4sst die roten H\u00e4hne flattern\r\nund ist dabei,\r\nund war dabei.<\/pre>\n<p><b>Franz Josef Degenhardt<\/b><\/p>\n<p align=\"center\"><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Unbenannt1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"background-image: none; border-bottom: 0px; border-left: 0px; padding-left: 0px; padding-right: 0px; display: inline; border-top: 0px; border-right: 0px; padding-top: 0px\" title=\"Unbenannt\" border=\"0\" alt=\"Unbenannt\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Unbenannt_thumb1.png\" width=\"140\" height=\"244\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#160; &#160; &#160; Obwohl im Netz gute Seiten und viel Informationen zu Joss Fritz zu finden sind, will ich ihn dennoch in meinen Blog aufnehmen. Zum einen fasziniert mich gerade die Zeit des Joss Fritz, diese Zeit eines gewaltigen Umbruchs, zum andern passt er gut ins Umfeld meiner Kategorie \u201cPersonen der Geschichte\u201d, sind da doch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-1989","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-personen-der-geschichte"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1989","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1989"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1989\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1990,"href":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1989\/revisions\/1990"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1989"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1989"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1989"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}