{"id":1488,"date":"2011-04-19T19:47:19","date_gmt":"2011-04-19T19:47:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=1488"},"modified":"2011-10-13T14:46:52","modified_gmt":"2011-10-13T14:46:52","slug":"kloster-reichenau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=1488","title":{"rendered":"Kloster Reichenau"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/PirminReichenau.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"Pirmin-Reichenau\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/PirminReichenau_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Pirmin-Reichenau\" width=\"244\" height=\"184\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der heilige Pirminius gilt als der Glaubensbote des s\u00fcdwestdeutschen Raumes und des Elsasses schlechthin. Er ist auch Patron der Pfalz, des Elsasses und der Insel Reichenau. Pirmin wurde um 690 vielleicht in Narbonne geboren. Im Kloster Glanfeuil, dem Kloster des heiligen Maurus, dem Sch\u00fcler Benedikts von Nursia und dessen Nachfolger als Abt von Subiaco soll er die Bildung zum Priester erhalten haben. Wegen seiner guten Kenntnisse und seiner guten Fr\u00f6mmigkeit wurde er zum Priester und Wanderbischof ernannt. Bald genoss er einen gro\u00dfen Ruf und erwirkte zahllose Bekehrungen. Am Bodensee soll er einen alemannischen Adligen namens Sintlaz kennengelernt haben, der auf Schloss Sandegg in Salenstein im Kanton Thurgau gewohnt haben soll und auch auf der Reichenau beg\u00fctert war. Mit ihm soll Pirmin nach Rom gewandert sein und von Papst Gregor II. (Papst von 715-731) als apostolischer Missionar ins Herzogtum Alemannien gesandt worden sein. Unterst\u00fctzt wurde diese Mission von den fr\u00e4nkischen Hausmeiern, insbesondere Karl Martell (ca.689-741). 724 gr\u00fcndet Pirmin das Kloster auf der<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/170pxPirminius_vertreibt_die_Schlangen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"170px-Pirminius_vertreibt_die_Schlangen\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/170pxPirminius_vertreibt_die_Schlangen_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"170px-Pirminius_vertreibt_die_Schlangen\" width=\"174\" height=\"178\" \/><\/a><\/p>\n<p>Reichenau, ger\u00e4t dadurch allerdings rasch in Widerspruch zum alemannischen Herzog Theudebald (vor 709-746). Theudebald war der Sohn des 709 verstorbenen Alemannenherzogs Gotfrid und Bruder des Herzogs Lantfrid (+730)Dieser musste ein Kloster in seinem Machtbereich unterst\u00fctzt von dem fr\u00e4nkischen Hausmeier Karl Martell als Provokation empfinden. So vertrieb er Pirmin 727 aus \u201cHass gegen Karl\u201d, wie Hermann der Lahme in seiner Chronik schreibt, und auch dessen Nachfolger Heddo (727-734). Es war nur folgerichtig, dass Pirmin allen Kl\u00f6stern, die er gr\u00fcndete, die benediktinische Ordensregel gab. Pirmin gilt als Vorl\u00e4ufer des Reformabtes Benedikt von Aniane (vor 750-821). Dieser hatte 782 in Aniane ein Kloster gegr\u00fcndet und war von Ludwig dem Frommen, dem Sohn Karls des Gro\u00dfen, an die Kaiserpfalz in Aachen mitgenommen worden. Er gliederte die M\u00f6nche im Reich Karls des Gro\u00dfen nach der einheitlichen Regel des Heiligen Benedikts in die Reichskirche ein. Die Synode von Aachen (zwischen 816 und 819)schrieb die von Benedikt verfasste Consuetudo als allein verbindliche M\u00f6nchsregel fest. Au\u00dferdem entschied die Aachener Synode auch eine deutliche Trennung von M\u00f6nch und Kanoniker.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Reichenau. Nach verschiedenen K\u00e4mpfen zun\u00e4chst gegen Karl Martell sp\u00e4ter dann gegen Pippin und Karlmann wird Theudebald schlie\u00dflich 744 als Herzog abgesetzt. 727 stiftete Graf Eberhard, Bruder des els\u00e4ssischen Herzogs Liutfried, in Murbach im Elsass am Fu\u00df des Grand Balllon ein Kloster. Er betraute Pirmin mit dem Aufbau einer Klostergemeinschaft. So wurde Murbach praktisch das erste Tochterkloster der Reichenau.<\/p>\n<p>731 wird in Pf\u00e4fers im Kanton St. Gallen ein weiteres Reichenauer Tochterkloster errichtet, wie Hermann der Lahme in seiner Chronik berichtet. Das Kloster wird 761 erstmals urkundlich erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Die \u00c4bte Arnefrid (in Konstanz Bischof von736-746), Sidonius (in Konstanz Bischof von 746 bis 760) und Johannes( in Konstanz Bischof von 760-782), das waren der 4. bis 7. Reichenauer Abt,\u00a0 waren gleichzeitig auch Bisch\u00f6fe von Konstanz.Johannes war au\u00dferdem noch Abt von Sankt Gallen.<\/p>\n<p>Unter Abt Arnefrid wurde 741 das vom Bayernherzog gegr\u00fcndete Niederaltaich an der Donau mit Reichenauer M\u00f6nchen besiedelte Kloster gegr\u00fcndet. Das war das 3. Reichenauer Tochterkloster.<\/p>\n<p>742 hatte Pirmin in Hornbach in der Pfalz sein letztes Kloster gegr\u00fcndet, wo er 753 starb.<\/p>\n<p>Das Kloster auf der Bodenseeinsel erlebt nun eine erste Bl\u00fctezeit. Abt Waldo (786-806) war 782 in St. Gallen Abt geworden.Dort richtetete er eine Bibliothek ein. 786 wurde er Abt der Reichenau. Er war der Gr\u00fcnder der Reichenauer Gelehrtenschule. Und wie in St. Gallen richtete er eine Bibliothek ein und eine Klosterschule. Waldo wurde 791 von Karl dem Gro\u00dfen zum Bischof von Basel und Pavia erhoben. In Pavia war er f\u00fcr die Erziehung des Sohnes von Karl dem Gro\u00dfen,\u00a0 Pippin,\u00a0 zust\u00e4ndig. 805 wurde Waldo Reichsabt. Waldos T\u00e4tigkeit als Erzieher und Berater Pippins zeigt die Verbundenheit der Klosterinsel mit dem fr\u00e4nkischen Herrscherhaus. Abt Waldo erlaubte Egino von Verona, der wohl von 780-799 Bischof von Verona war, die Gr\u00fcndung der Cella St. Peter und Paul an der Westspitze der Insel. Egino war ein enger Vertrauter Karls des Gro\u00dfen und m\u00f6glicherweise Verwandter von Karls 2. Frau Hildegard.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/220pxStiftskirche_St_Peter_und_Paul_Reichenau_Apsis.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"220px-Stiftskirche_St_Peter_und_Paul_Reichenau_Apsis\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/220pxStiftskirche_St_Peter_und_Paul_Reichenau_Apsis_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"220px-Stiftskirche_St_Peter_und_Paul_Reichenau_Apsis\" width=\"191\" height=\"244\" \/><\/a>Waldo wurde 806 als Hausbischof der Abtei\u00a0 St. Denis in Paris berufen. Sein Nachfolger war Abt Haito (806-823) Haito war auch Bischof von Basel von 805-823. Schon als F\u00fcnfj\u00e4hriger war er um 767 von seinen Eltern aufs Inselkloster Reichenau geschickt worden. Als Basler Bischof war er Bauherr des Gr\u00fcndungsbau des Basler M\u00fcnsters. Als Abt der Reichenau war er der erste Bauherr des Reichenauer M\u00fcnsters, einer dreischiffigen Kreuzbasilika mit Zwillingsapsiden. Das M\u00fcnster wurde 816 geweiht. Unter Haito war Reginbert Leiter der Reichenauer Bibliothek, einer damals gr\u00f6\u00dften Bibliotheken des Abendlandes. Er hatte die M\u00f6nche Tatto und Grimald in das Kloster Inden, das sp\u00e4tere Kornelim\u00fcnster geschickt. Von Reginbert bekamen die beiden M\u00f6nche den Auftrag, die Regel zu kopieren. Das machten sie penibel genau und erg\u00e4nzten sie noch mit einem Zusatz,der Erg\u00e4nzungen, Korrekturen alter Schreibfehler und Deutungshilfen enthielt. So hatte auch das Kloster Reichenau eine Kopie der Regula Benedicti. Haito war auch bei der Aachener Synode als Teilnehmer dabei.<\/p>\n<p>Aber auch in diplomatischer Mission war Haito f\u00fcr Karl unterwegs. 811 wurde er nach Konstantinopel geschickt. Gegenstand der Mission war vermutlich die Anerkennung des Kaisertitels durch Kaiser Nikephoros I. 803 war schon eine Gesandtschaft nach Konstantinopel gescheitert. Dass nun Haito mit der erneuten Mission betraut wurde, zeigt, welches Ansehen er bei Karl genoss.Um 819 haben Reginbert und Haito den St. Gallener Klosterplan herstellen lassen und wahrscheinlich an Abt Gozbert von St. Gallen als Hilfe und Anweisung gesandt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/plan01m.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"plan-01-m\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/plan01m_thumb.gif\" border=\"0\" alt=\"plan-01-m\" width=\"244\" height=\"182\" \/><\/a><\/p>\n<p>823 legte Haito seine \u00c4mter als Abt und Bischof nieder, m\u00f6glicherweise wegen einer schweren Erkrankung. In den Reichsannalen wird von einer gro\u00dfen Seuche berichtet, die auch das Kloster heimsuchte. Auf Haito folgte Erlebad (823-838). In seine Regierungszeit fallen die Anf\u00e4nge des Reichenauer Verbr\u00fcderungsbuches. Es ist heute eine wichtige Quelle zur Namensforschung zu einer Vielzahl von Kl\u00f6stern in S\u00fcddeutschland und Nordfrankreich. Mehr als 38.000 Personennamen auf 164 Seiten sind verzeichnet. Es enth\u00e4lt auch Namenslisten der Stifter und Wohlt\u00e4ter des Klosters sowie Personen, die in enger geistiger Bindung zum Kloster standen, so dass ihrer im m\u00f6nchischen Gebet gedacht wurde.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/250pxReichenauer_Verbrderungsbuch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"250px-Reichenauer_Verbr\u00fcderungsbuch\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/250pxReichenauer_Verbrderungsbuch_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"250px-Reichenauer_Verbr\u00fcderungsbuch\" width=\"176\" height=\"244\" \/><\/a> Den ersten H\u00f6hepunkt erlebte die Reichenau unter Walafrid Strabo (842-849). Walafrid ist um 808 in Schwaben in \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen geboren. Er ist fr\u00fch an die Reichenauer Klosterschule \u00fcbergeben worden. Er wird von dem sp\u00e4teren St. Gallener Abt Grimald (841) ausgebildet. Seine Ausbildung setzt er im Kloster Fulda unter Rabanus Maurus (bis 822 Leiter der Klosterschule, von 822-842 Abt in Fulda) fort. Zu seinen Fuldaer Mitsch\u00fclern z\u00e4hlte auch Otfrid von Weissenburg.<\/p>\n<p>In den Jahren 829 und 838 war er als Prinzenerzieher am Hofe Ludwig des Frommen. Ludwig hatte aus 1. Ehe drei S\u00f6hne, n\u00e4mlich Lothar (795-855), der Kaiser wurde und Pippin (803-838), K\u00f6nig von Aquitanien und Ludwig (805- 876), als Ludwig der Deutsche K\u00f6nig des ostfr\u00e4nkischen Reiches. 839 wurde Walafrid Strabo von Ludwig zum Abt des Klosters Reichenau erhoben. Walafrid gilt auch bedeutender Dichter der karolingischen Renaissance. Abt Heito hatte die Visionen seines fr\u00fcheren Sch\u00fclers am Krankenbett aufgezeichnet. Walafrid fasste diese Sterbevisionen, die &#8222;Visio Wettini&#8220;\u00a0 in lateinische Hexameter. Das ist die fr\u00fcheste dichterische Umsetzung mittelalterlicher Jenseitsvisionen. 827 schrieb Walafrid den \u201cHortulus\u201d eines der bedeutendsten botanischen Werke des Mittelalters. In diesem Werk sind 23 Heilpflanzen aufgef\u00fchrt. Ihm zu Ehren wurden in ehemaligen Kl\u00f6stern Klosterg\u00e4rten angelegt, so in Seligenstadt und in Mittelzell.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/kraeutergarten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"kraeutergarten\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/kraeutergarten_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"kraeutergarten\" width=\"244\" height=\"184\" \/><\/a>Zur Zeit Walafrids gab es ca. 20 Kirchen und Kapellen auf der Klosterinsel. Die Klosterbibliothek umfasste mehr als 400 B\u00e4nde.<\/p>\n<p>Am\u00a0 18. August 849 ertrank Walafrid in der Loire. Damit endete zun\u00e4chst eine Epoche der Reichenau als ein wichtiges Zentrum der abendl\u00e4ndischen Religion.<\/p>\n<p>In der 2. H\u00e4lfte des 9. Jahrhunderts hatte der Klosterbesitz der Reichenau eine gewaltige Ausdehnung zumal Karl der Dicke (ostfr\u00e4nkischer K\u00f6nig von 876-887) reiche Schenkungen an das Kloster machte. Karl wurde 888 im M\u00fcnster bestattet.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit 813, m\u00f6glicherweise schon vor 783 hatte Karl der Gro\u00dfe dem Kloster den reichen Fiskalbesitz, also den Besitz, der dem Reich geh\u00f6rte, um Ulm herum \u00fcberlassen. 815 , das war schon drei Jahre vor Sankt Gallen, verbriefte Ludwig der Fromme dem Kloster Reichenau Immunit\u00e4t und freie Abtswahl. 888 wurde Hatto Reichenauer Abt. Er war der m\u00e4chtigste der Reichenauer \u00c4bte. Er war Erzbischof von Mainz, Kanzler Kaiser Arnulfs und gleichzeitig Abt von Ellwangen (bis 905), Lorsch und Wei\u00dfenburg. Nach den Verheerungen des Klostergutes bei den Ungarneinf\u00e4llen begann das Kloster wieder zu bl\u00fchen. Unter Abt Alawich (934-958) festigte sich die staatliche Gewalt unter Otto dem Gro\u00dfen, dem Sieger auf dem Lechfeld. Unter seiner Leitung \u00f6ffnete sich das Bodenseekloster f\u00fcr die Reform von Gorze (ab 943),\u00a0 die f\u00fcr ein Reichsm\u00f6nchtum unter weltlicher Herrschaft pl\u00e4dierte. Die Reichenau zeigte sich aber auch gleichzeitig offen f\u00fcr das Gedankengut von Cluny. Diese betonte eine Losl\u00f6sung der Kl\u00f6ster aus dem Herrschaftsanspruch der Bisch\u00f6fe. Die Kl\u00f6ster wurden direkt dem Schutz des Papstes unterstellt. Die Reformpartei wurde unter Abt Ekkehard (958-972)zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, erstarkte aber unter Ruodmann (972-985) wieder. Abt Ruodmann erhielt gro\u00dfe Schenkungen der letzten Nachkommen der beiden m\u00e4chtigsten schw\u00e4bischen Geschlechter, der Alaholfinger und der Burkhardinger und konnte so den Klosterbesitz au\u00dferordentlich vermehren. Das solide wirtschaftliche Fundament bildete die Ausgangsbasis f\u00fcr eine zweite k\u00fcnstlerische Bl\u00fcte der Reichenau. Abt Witigowo (985-997) fasste die verschiedenen Klosterbauten zu einer baulichen Einheit zusammen. Unter Witigowo erreichte die Reichenauer Malschule ihre h\u00f6chste Bl\u00fcte. Herausragende Maler sind Keralt und Heribert. Illuminierte Codices sind beispielgebend f\u00fcr die<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/reichenau3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: inline; border-width: 0px;\" title=\"reichenau-3\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/reichenau3_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"reichenau-3\" width=\"175\" height=\"244\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/reichenauw.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: inline; border-width: 0px;\" title=\"reichenau-w\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/reichenauw_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"reichenau-w\" width=\"244\" height=\"229\" \/><\/a><\/p>\n<p>Kunst in ganz Europa. Das Perikopenbuch Heinrichs II. Das Buch entstand vermutlich im Auftrag Heinrichs II. (1002-1024) im Kloster Reichenau f\u00fcr den Bamberger Dom anl\u00e4sslich dessen Weihe und z\u00e4hlt zu den Hauptwerken der ottonischen Buchmalerei.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/220pxPerikopenbuch_Heinrich_und_Kunigunde.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"220px-Perikopenbuch_Heinrich_und_Kunigunde\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/220pxPerikopenbuch_Heinrich_und_Kunigunde_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"220px-Perikopenbuch_Heinrich_und_Kunigunde\" width=\"182\" height=\"244\" \/><\/a><\/p>\n<p>K\u00fcnstlerisches Verm\u00e4chtnis sind auch die romanischen Kirchenbauten, vor allem St. Georg mit seinen Wandmalereien. Allerdings kommt Kritik an seinen Aufwendungen f\u00fcr Hofreisen und Bauten auf und so wird er 997 zur Abdankung gezwungen. F\u00fcr seinen Nachfolger Alawich II. (997-1000) erwirkt Otto III. bei Papst Gregor V. (996-999, der erste deutsche auf dem Papstthron, aus dem Geschlecht der Salier stammend) das Recht zum Gebrauch der Pontifikalien. Au\u00dferdem erh\u00e4lt Alawich die privilegierte Stellung eines r\u00f6mischen Abtes. Dessen Weihe steht allein dem Papst zu. Daraus entwickelte sich eine v\u00f6llige Exemtion der Abtei vom Di\u00f6zesanbischof. Au\u00dferdem wurde bestimmt, dass die \u00c4bte an ihrem Weihetag statt des Zinses einen Codex sacramentorum, einen Codex epistolarum und einen Codex evangeliorum sowie zwei Schimmel zum Geschenk machen sollten. Man kann da wohl auch die Wertsch\u00e4tzung der Reichenauer Malschule herauslesen. 1031 best\u00e4tigte Papst Johannes XIX. dieses Privileg und bestimmte, dass der Abt aus dem Konvent genommen werden m\u00fcsse. Das stie\u00df allerdings auf heftigen Widerstand des Konstanzer Bischofs Warmann. Dieser wandte sich an Konrad II. (1024-1039). Abt Berno musste das Privileg ausliefern. Es wurde 1032 \u00f6ffentlich verbrannt.<\/p>\n<p>Heinrich II. (1002-1024), Sohn Heinrich des Z\u00e4nkers, war an der Domschule von Hildesheim zun\u00e4chst f\u00fcr den geistliche Stand ausgebildet werden. Seine Ausbildung beendete er in Regensburg unter Bischof Wolfgang. Beeinflusst wurde er in dieser Zeit auch von Abt Ramwold von St. Emmeran. Beide waren Bef\u00fcrworter der Reform von Gorze. Heinrich betrieb die Reform der Reichskl\u00f6ster. So setzte er auch f\u00fcr Reichenau unter Umgehung des Wahlrechts des Konvents 1006 den aus Gorze stammenden Immo als Abt ein. Wegen seiner Reformstrenge konnte sich dieser aber nicht gegen den adligen Konvent durchsetzen. Der Konvent erzwang von Heinrich die Absetzung Immos. Der wurde durch den aus Pr\u00fcm stammenden Berno, der im franz\u00f6sischen Reformkloster Fleury ausgebildet war, abgel\u00f6st. Der neue Abt konnte die Spannungen im Konvent ausgleichen. Dem Reformgeist Clunys und Gorzes entsprechend hielt sich Berno in milit\u00e4rischen und diplomatischen Aufgaben das Reich betreffend zur\u00fcck. Aber er nahm lebhaften Anteil an den Geschehnissen seiner Zeit, wie man seiner Korrespondenz entnehmen kann.<\/p>\n<p>In den Auseinandersetzungen zwischen Konrad II. und seinem Stiefsohn Herzog Ernst von Schwaben stellte sich die Abtei auf die Seite des K\u00f6nigs.<\/p>\n<p>Unter Abt Berno erlebte das Kloster nochmals eine gro\u00dfe Bl\u00fctezeit. Berno machte sich als Wissenschaftler und Musiker einen Namen. Von ihm sind einige musiktheoretische Schriften erhalten. Sein liturgisches Hauptwerk ist \u201cDe officio missae\u201d. Darin zeigt sich auch das Hauptanliegen Bernos, die Hebung des Gottesdienstes und die F\u00f6rderung der Marienverehrung. Der bedeutendste Sch\u00fcler<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/ae1c6161d910a598.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"ae1c6161d910a598\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/ae1c6161d910a598_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"ae1c6161d910a598\" width=\"139\" height=\"92\" \/><\/a> in der neu erbl\u00fchenden Schule war Hermann der Lahme (1013-1054). Er stammte aus dem schw\u00e4bischen Adelsgeschlecht von Altshausen-Veringen und wurde als Sohn des Grafen Wolfrat und dessen Frau Hiltrud geboren. Er war von Geburt an spastisch gel\u00e4hmt und kam schon mit sieben Jahren in die Klosterschule Reichenau. Er galt nach Arno Borst als der gro\u00dfe Universalgelehrte des 11. Jahrhunderts. Seine Chronik, die von Christi Geburt bis zum Jahr 1054 reicht, ist eine der wichtigsten Quellen des 11. Jahrhunderts. Wichtig war er auch f\u00fcr die Mathematik und Astronomie. M\u00f6glicherweise geht die Einteilung der Stunde in Minuten, vermutlich f\u00fcr astronomische Beobachtungen, auf ihn zur\u00fcck. Auf dem Gebiet der Musik ist das noch heute gesungene \u201cSalve regina\u201d von ihm geblieben.<\/p>\n<p>Auch wirtschaftlich war die Abtei unter Abt Berno sehr erfolgreich. Unter Berno\u00a0 wurde der Markuschor und das Turmwerk erbaut. In Anwesenheit Heinrichs III., zu dem Berno ein enges Verh\u00e4ltnis hatte, wurde das Reichenauer M\u00fcnster 1048 geweiht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/e2b3849409b20bc6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"e2b3849409b20bc6\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/e2b3849409b20bc6_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"e2b3849409b20bc6\" width=\"136\" height=\"149\" \/><\/a> Der Investiturstreit unter Heinrich IV. (ab 1056 deutscher K\u00f6nig, von 1084-1105 deutscher Kaiser) und Papst Gregor VII., der vor seiner Wahl zum Papst im Kloster Cluny M\u00f6nch war, betraf nat\u00fcrlich auch eine so wichtige Abtei wie Reichenau. Er markiert auch in der Geschichte der Reichenau eine Wende. Die Leistungen auf dem Gebiet der Wissenschaft und Kunst wurden geringer. Die Bibliothek wurde vernachl\u00e4ssigt. Die Malschule verlor ihre f\u00fchrende Stellung.<\/p>\n<p>Ekkehard von Nellenburg wurde 1071 Abt der Reichenau. Sein Vater Graf Eberhard von Nellenburg war mit dem salischen Kaiserhaus und Papst Leo IX., der 1049 als Bruno Graf von Egisheim und Dagsburg Papst wurde, verwandt. Die Familie war antikaiserlich eingestellt.Ekkehard hatte sich auch voll auf die Seite des Gegenk\u00f6nig Rudolfs gestellt, der in Forchheim 1077 von den oppositionellen s\u00fcddeutschen Herz\u00f6gen und den drei Erzbisch\u00f6fen von Mainz, Magdeburg und Salzburg zum Gegenk\u00f6nig Heinrichs gew\u00e4hlt worden war, weil er 1076 von Papst Gregor VII. 1076 f\u00fcr abgesetzt erkl\u00e4rt und exkommuniziert worden war.\u00a0 In St. Gallen setzte Rudolf Lutold als Abt ein.Die M\u00f6nche scheinen aber auf Seiten Heinrichs IV. gestanden zu sein.Aus Emp\u00f6rung \u00fcber Rudolf und Lutold zerbrachen sie Lutolds Abtstab. Als Heinrich wieder erstarke setzte er Ulrich von Eppenstein als Abt ein.Obwohl dieser nicht aus dem Konvent kam und auch nicht durch eine Wahl ins Amt kam, wurde dieser von den St. Gallener m\u00f6nchen freudig bnegr\u00fc\u00dft. Lutold konnte sich in St. Gallen nicht mehr halten und suchte Zuflucht auf der Reichenau. Er tat alles, um seinen St. Gallener mitbrer wieder ins Amt zu bringen.  Im Auftrag Rudolfs unternahm Ekkehard 1077 eine Reise nach Rom, w\u00e4hrend der er von K\u00f6nig\u00a0 Heinrich gefangengesetzt wurde. Erst 1079 kam er aus der Gefangenschaft frei. Der Sankt Gallener Abt war 1079 als Gegenabt Ekkehards eingesetzt. Die offene Feindschaft, die zwischen den benachbarten Abteien Sankt Gallen und Reichenau mittlerweile herrschte, wurde in vier Feldz\u00fcgen ausgetragen, bei denen sich Abt Ekkehard gegen Ulrich III. schlie\u00dflich durchsetzen konnte. In Konstanz wurde 1084 Gebhard III., Sohn des Z\u00e4hringerherzogs Bertolds I. zum Bischof ernannt. Gebhard war ein prominenter Vertreter der p\u00e4pstlichen Partei. Er stellte sich schlie\u00dflich auch auf die Seite der S\u00f6hne Heinrichs IV. Er spielte eine nicht unwesentliche Rolle bei der Abdankung Heinrichs IV. und der Wahl seines Sohnes Heinrichs V. Die Wahl eines Reformbischofs minderte die Spannungen in der Nachbarschaft der Reichenau.<\/p>\n<p>Als Abt Ekkehard 1088 stirbt, wird Ulrich II. von Dapfen (1088-1123) Reichenauer Abt. Er war Kustos, Lehrer und Archivar. Er gilt als der gr\u00f6\u00dfte Urkundenkenner seiner Zeit, Historiker sprechen auch vom \u201cTopspezialisten in Urkundenf\u00e4lschung\u201d.<\/p>\n<p>Zu seiner Zeit als Abt war die Reichenau die \u201cber\u00fchmteste F\u00e4lscherwerkstatt des 12. Jahrhunderts&#8220;. Ein sch\u00f6nes Beispiel Reichenauer F\u00e4lscherkunst ist die \u201cReichenauer Schenkung\u201d in Ulm. Dort gibt es eine aufs Jahr 813 datierte Urkunde. Mit dieser Urkunde wurde der k\u00f6nigliche Ort Ulm aus dem Besitz des Reiches dem Kloster Reichenau \u00fcbertragen. Ulrich hatte die Originalurkunde Ludwigs des Deutschen verwendet. Sein Siegel und Rekognitionszeichen verblieben auf der Urkunde. Nur der Text war abge\u00e4ndert. Urspr\u00fcnglich war wohl nur die Ulmer Pfarrkirche und deren Grundbesitz \u00fcbertragen worden. Nun war es aber gesamte Grundbesitz Ulms. Haupts\u00e4chlich aber hatten die F\u00e4lschungen drei Ziele, die \u00dcbermacht der V\u00f6gte sollte zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden, Heerespflicht, Besuch der Hoftage und die Pflicht zum Servitium f\u00fcr den reisenden Kaiser sollte eingeschr\u00e4nkt werden, was die wirtschaftlich angespannte Situation der Abtei etwas gelindert h\u00e4tte. Schlie\u00dflich wollte man auch die Stellung gegen\u00fcber dem Bischof in Konstanz st\u00e4rken. Die Best\u00e4tigung der Exemtion und der Verzicht auf die Weihegewalt sollte die kirchenrechtliche Stellung der Reichenau verbessern. Ulrich konnte schlie\u00dflich auch aufgrund eines Privilegs Heinrichs IV. den Markt Radolfzell gr\u00fcnden, was schon Abt Ekkehart versucht hatte.<\/p>\n<p>1169 wurde Diethelm von Krenkingen als Abt eingesetzt. Er war Reichenauer Abt, bis er 1206 auf alle \u00c4mter verzichtet hatte und als einfacher M\u00f6nch ins Kloster Salem eingetreten war. Diethelm war treuer Gefolgsmann des Kaisers, eine politische Pers\u00f6nlichkeit, die durch ihr Eintreten f\u00fcr die Sache des Kaisers die alte<\/p>\n<p>Einheit von Kirche und Reich verk\u00f6rperte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/229pxDiethelm_von_Krenkingen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"229px-Diethelm_von_Krenkingen\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/229pxDiethelm_von_Krenkingen_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"229px-Diethelm_von_Krenkingen\" width=\"96\" height=\"244\" \/><\/a>1189 wurde Diethelm Bischof von Konstanz. Damit war seit langer Zeit wieder Bistum und Abtei in einer Hand vereint. 1196 \u00fcbertrag ihm Philipp von Schwaben\u00a0 (1177-1208) die Verwaltung des Herzogtum Schwaben. 1197 gab er den Ausschlag bei der Entscheidung,\u00a0 Philipp zum K\u00f6nig zu w\u00e4hlen. In den Folgejahren war er nun meist in der Umgebung Philipps zu finden. Um seine Verpflichtungen im\u00a0 Reichsdienst zu erf\u00fcllen, musste er ein Gut der Oberzeller St. Georgskirche verkaufen. Das zeigt, wie angespannt die finanzielle Lage der Reichenau bereits war. 1183 wurde auf dem Michaelsberg bei Ulm ein Hospital errichtet. Damit unterstrich er die reichenauischen Rechte in Ulm. Seine besondere F\u00f6rderung galt aber der Zisterziensergr\u00fcndung in Salem. Er gestatte ihr den Erwerb vieler reichenauer G\u00fcter. Die Lehenshoheit der Abtei gegen\u00fcber Vasallen und Dienstleuten des Klosters konnte er nochmals durchsetzen. Mit dem Eintritt Diethelms als einfacher M\u00f6nch ins Kloster Salem hatte die Reichenau ihre aktive Rolle in der Reichspolitik verloren.<\/p>\n<p>Konrad von Zimmern wurde der 44. Abt der Reichenau. Unter Konrad erlebte die Abtei eine schwere Zeit. Gleich zu Beginn seiner Zeit brannte das Kloster mit Ausnahme des M\u00fcnsters nieder. Es gab Konflikte zwischen Papst und Kaiser, infolge derer Abt Konrad 1244 gebannt wurde. Es gab wieder einen Konflikt mit dem Bischof, der den Abt vor seiner Haust\u00fcr der bisch\u00f6flichen Gerichtsbarkeit unterstellt sehen wollte und schlie\u00dflich gab es auch Konflikte innerhalb des Klosters, da die Fronten in der M\u00f6nchsgemeinschaft zwischen Kaiser und Papst-Parteien verliefen. Konrad starb 1255. Die Zimmersche Chronik nennt das Datum 1253. Abt Burkhard von Hewen (1253-1259) verwaltete die Abtei sehr schlecht. So traf die allgemeine Wirtschaftskrise der Benediktinerkl\u00f6ster in der Mitte des 12. Jahrhunderts die Abtei besonders hart. Die Mehrheit der M\u00f6nche warfen dem Abt Verschleuderung der Klosterg\u00fcter, Simonie und Zerst\u00f6rung des Ordenslebens vor. Sie baten Papst Alexander IV. (Papst von 1254-1261) um ein Eingreifen. Dieser beauftragte 1256 die \u00c4bte von Ottobeuren, Einsiedeln und Neuweiler (Elsass) mit einer Reform der Reichenau. Der St. Gallener Abt Berchtold von Falkenstein wurde 1258-1259 als Koadjutor eingesetzt. Der Konstanzer Bischof Eberhard II. (1248-1274) wollte die Abtei erwerben, blieb aber erfolglos. Nun wurde Albrecht von Ramstein Abt der Reichenau (1260-1294.) Auch er musste Klosterbesitz weiter verpf\u00e4nden oder ver\u00e4u\u00dfern. Allerdings konnte er das Klostergut konzentrieren und zusammenziehen. Entfernter Besitz wurde weggeben, um die Insel und ihre n\u00e4chste Umgebung von fremden Einfl\u00fcssen freizuhalten.<\/p>\n<p>Zwischen 1253 und 1259 wurde am Bodensee eine Deutschordenskommende gegr\u00fcndet. Ihr musste zugestanden werden, Reichenauer Lehen als Zinseigen zu erwerben. Zwischen 1296 und 1306 war der Konstanzer Bischof Heinrich von Klingenberg Gubernator der Reichenau ,also Verwalter. Au\u00dferdem war Heinrich auch Kanzler des Reiches. 1306 wurde Diethelm von Kastel, der von 1292 bis 1321 Abt von Petershausen war, Reichenauer Abt. Mit ihm wurde erstmals ein Abt an die Spitze berufen, der nicht Angeh\u00f6riger des Hochadels war. Er lie\u00df das Dormitorium und Refektorium wieder aufbauen. Er m\u00fchte sich, die Beschr\u00e4nkung des Nachwuchses auf den Hochadel aufzuheben, blieb aber damit erfolglos. Da diese Adelskreise in der Abtei eine Versorgungsanstalt f\u00fcr j\u00fcngere S\u00f6hne sah, widersetzten sie sich diesem Bestreben. So blieb Diethelm damit erfolglos. Mehr Erfolg hatte er mit seinen Bem\u00fchungen um die wirtschaftliche Sanierung der Abtei. Er inkorporierte die Pfarrkirche in Ulm, die Pfr\u00fcnde der Kirche gingen also an das Kloster. Die Eink\u00fcnfte des Klosters in dieser Zeit betrugen etwa 400 Mark Silber, Ulm erbrachte 61 Mark Silber, ein wichtiger Posten also. (Eine Mark Silber entspricht etwa der Kaufkraft von 15.000 \u20ac) Beim Tod Diethelms verf\u00fcgte die Abtei erstmals wieder \u00fcber Barverm\u00f6gen. Aber schon die Regierung der beiden \u00c4bte Eberhard von Brandis (1343-1379) und Mangold von Brandis (1383-1385). machte die Erfolge Diethelms wieder zunichte. 1367 verkaufte Eberhard von Brandis alle G\u00fcter und Rechte des Klosters an seine Familie. Als Abt Werner von Rosenberg (1385-1402) 1402 starb, waren gerade noch zwei Konventsherren im Kloster, Graf\u00a0 Hans von F\u00fcrstenberg und Friedrich von Zollern. Bei der Wahl w\u00e4hlte der Neffe den Onkel zum Abt.Abt Friedrich von Zollern wurde 1427 abgesetzt. Ihm<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/eb41b0ac52512d28.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"eb41b0ac52512d28\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/eb41b0ac52512d28_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"eb41b0ac52512d28\" width=\"154\" height=\"97\" \/><\/a>folgte Heinrich von Hornberg nach, der aus St. Peter im Schwarzwald kam und\u00a0 nach nur hundertt\u00e4giger Amtszeit starb. Mit ihm endet die Periode hochadliger Exklusivit\u00e4t auf der Reichenau.<\/p>\n<p>Papst Martin V. (1417-1431, auf dem Konstanzer Konzil zum Papst gew\u00e4hlt) bestimmte Friedrich von Wartenberg-Wildenstein (1427-1453) zum Abt. Erstmals wurde so der Angeh\u00f6rige eines Ministerialengeschlechts Reichenauer Abt. Er hatte zuvor die Propstei Klingnau in der Schweiz geleitet. Klingnau war Propstei des Reformklosters St. Blasien. Friedrich hob die Beschr\u00e4nkung des Konvents auf den Hochadel auf. Die beiden letzten M\u00f6nche verlie\u00dfen aus Protest das Kloster. Innerhalb von 2 Jahren waren wieder 13 Konventuale im Kloster. Abt Friedrich gab dem Konvent ein Reformstatut. Er schickte drei M\u00f6nche zum Studium nach Wien. Um ein geordnetes Klosterleben zu erm\u00f6glichen, umgab er den Klosterbezirk mit einer Mauer. Er lie\u00df Dormitorium und Refektorium neu erbauen. Besondere Sorge widmete er der vernachl\u00e4ssigten Bibliothek und erg\u00e4nzte sie durch beachtliche Zuk\u00e4ufe. 1446 verkaufte er das schon lange strittige Patronatsrecht \u00fcber die Stadtkirche in Ulm f\u00fcr 25000 Gulden. Damit verf\u00fcgte er \u00fcber die finanziellen Mittel um die Besitzungen der Reichenau am Untersee auszul\u00f6sen. Bei seinem Tod stand die Abtei wieder auf einer wirtschaftlich soliden Basis. Der \u00fcbern\u00e4chste Abt, Johann Pfuser von Nordstetten (1464-1492), der unter Abt Friedrich Cellerar war, zerst\u00f6rte mit seiner Misswirtschaft den Neuansatz. Erzherzog Sigismund von \u00d6sterreich (1427-1496) und die Stadt Z\u00fcrich n\u00f6tigten Abt und Konvent f\u00fcr 10 Jahre zum Verzicht auf die Verwaltung ihrer G\u00fcter. Die Abtei geriet nun vollends in das Spannungsfeld zwischen Habsburger Interessen und denen des Bischofs von Konstanz.Habsburg wollte seit den Schweizer Kriegen, die Abtei in den \u00f6sterreichischen Herrschaftsverband einzugliedern, die Konstanzer Bisch\u00f6fe wollten das Kloster idem Bistum inkorporieren, um die zerr\u00fctteten\u00a0 bisch\u00f6flichen Finanzen aufzubessern und schlie\u00dflich war noch ein dritter Mitspieler dabei, der Deutschorden, der die Abtei f\u00fcr die Kommende Mainau erwerben wollte. Die \u00c4bte legten es nur noch darauf an, f\u00fcr sich eine m\u00f6glichst hohe Abfindung herauszuhandeln. Beim Tod des Abtes Martin von Wei\u00dfenburg (1492 bis 1508) bestand die Abtei wieder nur noch aus zwei M\u00f6nchen. Der Konstanzer Bischof\u00a0 Hugo von Hohenlandenberg (1496-1531) erlangte von Papst Julius II. (1443-1513) eine Bulle, mit der er die Abtei dem Bistum inkorporierte. Dem widersetzte sich jedoch Habsburg und konnte 1508 die Wahl des Markus von Kn\u00f6ringen (1508-1516) durchsetzen. Die weltliche Verwaltung blieb ihm aber vorenthalten. Eine 1510 zwischen dem Bistum und Habsburg getroffene Vereinbarung, in der Konstanz \u00d6sterreich\u00a0 als ewigen Schirmherr der Reichenau anerkannte, der Kaiser aber dem Bischof die Abtei auf zehn Jahre einr\u00e4umte, konnte wegen des Widerspruchs der Stadt Konstanz nicht wirksam werden. Nach z\u00e4hen, wechselvollen Verhandlungen und Geldzahlungen an den Konstanzer Bischof und den Abt Markus von Kn\u00f6ringen konnte nochmals eine neue L\u00f6sung gefunden werden. Georg Fischer (1516-1519), der ehemalige Zwiefaltener Abt, wurde zum Reichenauer Abt erhoben. Die Reichenau hatte wieder einen f\u00e4higen Abt. Er verbesserte die wirtschaftliche Situation des Klosters erheblich. Auch die kl\u00f6sterliche Disziplin st\u00e4rkte er wieder. Nach nur drei Jahren starb er aber. Der Konvent w\u00e4hlte den bisherigen Subprior Gallus Kalb zum Abt. Markus von Kn\u00f6ringen bestritt aber den Konventualen ein passives Wahlrecht. So wurde 1523 Markus von Kn\u00f6ringen wieder Abt. Das Bistum Konstanz verfolgte seine Inkorporationspl\u00e4ne weiterhin, zumal es aufgrund der Reformation zahllose Pfarreien verloren hatte. Bischof Johann von Lupfen erhielt von Papst Paul III. 1535 die Erlaubnis zur Inkorporation. Abt Markus von Kn\u00f6ringen verzichtete gegen eine j\u00e4hrliche Abfindung von 1400 Gulden, das entspricht einem heutigen Geldwert von etwa 63000 \u20ac + Naturalien. Kaiser Karl V. (Kaiser von 1519-1556) gab dazu 1541 sein Einverst\u00e4ndnis.<\/p>\n<p>An die Stelle der Abtei trat ein Priorat mit 12 M\u00f6nchen, das dem Bischof von Konstanz untergeordnet war. Der Reichenauer Konvent\u00a0 strebte in den Folgejahren nach der Wiedergewinnung der Unabh\u00e4ngigkeit der Abtei. 1757 wurde schlie\u00dflich nach Prior Meinrad Meichelbeck durch p\u00e4pstlichen Erlass ganz aufgehoben. Die M\u00f6nche wurden von der Insel vertrieben. Statt des Konvents wurde eine Reichenauer Mission mit 12 Patres aus verschieden Konventen eingerichtet. 1803 wurde das Bistum Konstanz aufgehoben und damit auch die Reichenauer Mission.<\/p>\n<p>Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bem\u00fchten sich die Benediktiner aus Beuron, die Reichenau dem Orden zur\u00fcckzugewinnen. Doch gelang es ihnen nicht, benediktinische Tradition an einem Ort wieder zu beleben, wo es einmal gr\u00f6\u00dfte Bedeutung im s\u00fcdwestdeutschen Raum gehabt hat.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/220pxKlosterkirche_Mittelzell_Reichenau.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"220px-Klosterkirche_Mittelzell_Reichenau\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/220pxKlosterkirche_Mittelzell_Reichenau_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"220px-Klosterkirche_Mittelzell_Reichenau\" width=\"184\" height=\"244\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der heilige Pirminius gilt als der Glaubensbote des s\u00fcdwestdeutschen Raumes und des Elsasses schlechthin. Er ist auch Patron der Pfalz, des Elsasses und der Insel Reichenau. 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