{"id":1364,"date":"2011-03-23T17:20:05","date_gmt":"2011-03-23T17:20:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=1364"},"modified":"2018-02-04T16:28:24","modified_gmt":"2018-02-04T16:28:24","slug":"kloster-weingarten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=1364","title":{"rendered":"Kloster Weingarten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/WeingartenIdealplan.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"Weingarten Idealplan\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/WeingartenIdealplan_thumb.jpg\" alt=\"Weingarten Idealplan\" width=\"151\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das Kloster Weingarten ist als Familiengrablege der Welfen und Hauskloster der Welfen bei ihrer Stammburg in Altdorf, dem heutigen Weingarten, gegr\u00fcndet worden. Die Welfen f\u00fchren in ihrer Familienlegende ihren Stammbaum auf Edekon einen hunnischen oder skythischen F\u00fcrsten zur Zeit Attilas um 450 nach Christus und Vater des Odoakers zur\u00fcck. Geschichtlich gesichert sind sie mit Welf I., der 819 als Graf erw\u00e4hnt wird. Er verheiratet seine T\u00f6chter Judith mit Kaiser Ludwig dem Frommen (778-840) und Hemma mit Ludwig dem Deutschen (um 806-876). Damit sind sie mit dem h\u00f6chsten Adel im fr\u00e4nkischen bzw. deutschen Reich verheiratet. Die \u00e4lteren Welfen teilen sich in zwei Linien, die burgundische und die schw\u00e4bische. Die schw\u00e4bische nimmt ihren Stammsitz in Altdorf. Heinrich mit dem goldenen Wagen gr\u00fcndet um 935 das Kloster Altdorf als Frauenkloster. Heinrich ist Urgro\u00dfvater von Welf III. und Kunigunde. Welf III. stirbt um 1055 als Herzog von K\u00e4rnten ohne m\u00e4nnliche Erben. Seine Schwester Kunigunde ist mit Azzo von Este verheiratet. Mit ihm hat sie einen Sohn, Welf IV. Dieser f\u00fchrt die Linie der Welfen fort.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/220pxStifterbchlein_25v_Welf_IV.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"220px-Stifterb\u00fcchlein_25v_Welf_IV\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/220pxStifterbchlein_25v_Welf_IV_thumb.jpg\" alt=\"220px-Stifterb\u00fcchlein_25v_Welf_IV\" width=\"143\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a>Welf II., der Enkel Heinrichs erneuerte die\u00a0 Stiftung eines M\u00e4nnerklosters in Altom\u00fcnster. Vor 740 hatte dort der iro-schottische M\u00f6nch Alto ein Kloster gegr\u00fcndet. Das Frauenkloster in Altdorf brannte 1053 ab. Nun verlegte Herzog Welf IV. (um 1030\/1040 \u20131101) das M\u00e4nnerkloster in Altom\u00fcnster\u00a0 in das welfische Anwesen auf dem Martinsberg, das Frauenkloster von Altdorf nach Altom\u00fcnster. Das geschah im Jahre 1056. Damit beginnt die 1000-j\u00e4hrige Geschichte der Benediktinerabtei Weingarten. Die Hintergr\u00fcnde f\u00fcr die Verlegung sind unklar. Welf IV. k\u00f6nnte mit der Verlegung des Klosters seinem Hauskloster zu gr\u00f6\u00dferem Prestige und damit mehr Bedeutung und mehr Stabilit\u00e4t verhelfen wollen. Wichtigster Bewegung aber wohl das Testament seines Onkels Welf III. Dieser war ohne direkte Nachkommen verstorben und hatte das gesamte Hausgut dem Kloster vermacht. Seine Mutter protestierte dagegen und rief ihren Enkel Welf IV. aus Italien zur\u00fcck. Dieser trat das Erbe an. Die Schenkung wurde so nie vollzogen. Der Tausch der Konvente k\u00f6nnte also auch dazu gedient haben, rechtlichen Auseinandersetzungen aus dem Wege zu gehen.<\/p>\n<p>Der erste Abt im Kloster Sancti Martini Altdorfiensis wird Heinrich I. (1040, 1055 Umzug nach Altdorf,+ ca. 1070). Das Kloster war dem fr\u00e4nkischen Reichsheiligen Martin geweiht. Auf ihn folgt Beringer, dann Adilheim von Luxemburg.\u00a0Unter dem\u00a04. Abt Walicho (1088- 1105) \u00fcbernimmt das Kloster die Hirsauer Reform. Hirsau hatte sich der Reform Bewegung von Cluny angeschlossen. Das k\u00f6nnte auch den Namen Weingarten erkl\u00e4ren. Ab dem 12. Jahrhundert nannte sich das Kloster Weingarten. Der Name ist erstmals um 1123 urkundlich belegt. Das k\u00f6nnte mit den \u00f6rtlichen Rebpflanzungen zusammenh\u00e4ngen, w\u00fcrde also auf das Kloster im Weingarten hinweisen. Es k\u00f6nnte aber auch biblisch-allegorisch gedeutet werden. Die M\u00f6nche w\u00e4ren dann Arbeiter im Weinberg des Herrn (vergl. Matth 20,1-16) Das w\u00fcrde wieder gut zur monastischen Spiritualit\u00e4t\u00a0 der Cluniazenser passen. Unter Abt Walicho erh\u00e4lt das Kloster seine wichtigste Reliquie, die Heiligblutreliquie. Eine Urkunde vom 12. M\u00e4rz 1094 (WUB Bd. I Nr.245 ) berichtet von der Schenkung von namentlich genannten G\u00fctern und viele aufgez\u00e4hlten K\u00f6stlichkeiten durch Herzog Welfhard und seine Gemahlin Iudita. Herzog Welfhard, das ist Welf IV. und seine Gemahlin Judith von Flandern. Judith hatte diese Reliquie von ihrem Stiefvater\u00a0 Balduin von Flandern geerbt. aus dieser Stiftung heraus entwickelte sich der Blutritt, noch heute Europas gr\u00f6\u00dfte Reiterprozession am &#8222;Blutfreitag&#8220;, dem Freitag nach Christi Himmelfahrt.<\/p>\n<p><!-- x-tinymce\/html --><!-- x-tinymce\/html --><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/index51.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"index5\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/index5_thumb1.jpg\" alt=\"index5\" width=\"102\" height=\"98\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abt Berthold stiftete 1215 das kostbare Reliquiargef\u00e4\u00df und lie\u00df die Wunder-, Auffindungs- und Wallfahrtsgeschichte schriftlich\u00a0niederlegen.<\/p>\n<p>In der Urkunde vom 30. April 1098 (WUB Bd I Nr. 251) nimmt Papst Urban II. die Abtei in seinen Schutz, best\u00e4tigt ihren Besitz und ihre Rechte. Da taucht auch der Name Winegartensem \u00a0abbaciam auf.<\/p>\n<p>Allerdings handelt es sich bei dieser Urkunde wohl um eine F\u00e4lschung. Welf IV.\u00a0hatte ganz im Sinne der cluniazenischen Reform die Abtei dem Heiligen Stuhl \u00fcberlassen und auf fast alle Herrschaftsbefugnisse verzichtet.<\/p>\n<p>Aus dem welfischen Eigenkloster war ein &#8222;freies Kloster&#8220; geworden, hatte gr\u00f6\u00dfere Eigenst\u00e4ndigkei und stand unter dem Schutz des Papstes. Auch wirtschaftlich erlebte die Abtei eine erste Bl\u00fcte. Neben den gro\u00dfen Schenkungen durch das welfische Haus schenkten auch viele welfische Vasallen. Das Kloster hatte Besitz in Vorarlberg und bis nach Tirol.<\/p>\n<p>Der Nachfolger Walichos ist Kuno Truchsess von Waldburg (ca. 1109-1132). Er ist der erste namentlich bekannte Vertreter der Familie von Waldburg, einem welfischen Ministerialengeschlecht.\u00a0Kuno hatte sich vor allem um die Klosterbibliothek verdient gemacht. Auf Schloss Zeil wird der Codex des Kuno aufbewahrt mit Augustinuskommentaren zum Johannesevangelium.In seiner Regierungszeit wurden auch die Gebeine von Welf IV. aus Zypern in die welfische Grablege nach Weingarten \u00fcberf\u00fchrt.\u00a0Nach Pl\u00e4nen von Abt Kuno wurde zwischen 1124 und 1182 eine hochromanische dreischiffige S\u00e4ulenbasilika erbaut. Sie l\u00f6ste die bisher bestehende Leutekirche ab.Unter Abt Werner von Markdorf (ca. 1181-1188) wurde sie 1182 von dem Konstanzer Bischof Berthold von Bu\u00dfnang zu Ehren der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit, des heiligen Kreuzes, der seligen Gottesgeb\u00e4rerin Maria und aller himmlischen Tugenden, besonders aber zu Ehren des hl. Bischofs Martin geweiht.<\/p>\n<p>1178 hatte Welf VI. sein Erbe n\u00f6rdlich der Alpen an Friedrich Barbarossa verkauft. Aber Abt Meingoz regierte nur kurz. Abt Berthold hat gute Beziehungen zu den Staufern. Mindestens zweimal war Friedrich II. in Weingarten.<\/p>\n<p>Das erste Mal 1219 bittet ihn der Propst von Weissenau um Weideland f\u00fcr sein Kloster. Der K\u00f6nig schenkt ihm daraufhin Land zu Honriet im Altdorfer Wald. Bei seinem zweiten Aufenthalt am 4.\u00a0Januar 1220 stellt er dar\u00fcber eine Urkunde aus.\u00a0Am selben Tag best\u00e4tigt er auch in Weingarten ein Privileg von Kaiser Friedrich I. f\u00fcr das Kloster Ottobeuren vom 7. Mai 1171.<\/p>\n<p>Unter Abt Meingoz (ca.1188-1200) und Abt Berthold ( 1200-1232) erlebte das Kloster eine kulturelle Bl\u00fcte. Abt Meingoz wird auch im Heiligenkalender der katholischen Kirche gef\u00fchrt. Er war in Hirsau ins Kloster eingetreten.\u00a0 1188 wurde er nach Weingarten als Abt berufen. In der neuen Kirche lie\u00df er eine Krypta errichten und Buntglasfenster einsetzen. Sein Gedenktag ist der 22. April.\u00a0Auch Berthold, der Nachfolger von Meingoz, z\u00e4hlt zu den Weingartener Heiligen. Sein Gedenktag ist der 19. September. Er folgte 1200 auf Meingoz.\u00a0 Am 25. M\u00e4rz 1215 brannte die Klosterkirche ab. Noch in seiner Regierungszeit schaffte er den glanzvollen Wiederaufbau. Wichtiges Finanzierungsinstrument dieser Zeit war der Ablassbrief. So gibt es eine Urkunde (Baden-W\u00fcrttembergisches Landesarchiv B515 U 66), die Papst Innozenz IV. am 7.5. 1248 in Lyon ausgestellt hat und in der er\u00a0&#8220;\u00a0<span style=\"color: #111111; font-family: Verdana; font-size: small;\">die Angeh\u00f6rigen der Kirchenprovinz Mainz auf Bitte des Bischofs von Konstanz, gegen einen Abla\u00df f\u00fcr das Kloster Weingarten zu spenden, das durch Brand gesch\u00e4digt<\/span> <span style=\"color: #111111; font-family: Verdana; font-size: small;\">wurde &#8222;<\/span><strong><span style=\"color: #111111; font-family: Verdana; font-size: small;\">.<\/span><\/strong>\u00a0Die Verehrung der Heiligen und die Feier des Gottesdienstes war ihm wichtig. So erlie\u00df er f\u00fcr das Kloster Weingarten eingehende Bestimmungen f\u00fcr die Marienverehrung. Neben dem Reliquiar f\u00fcr die Heilig Blutreliquie entstand 1217 das Berthold-Sakramentar, eine prachtvoll illuminierte Handschrift, die heute im Besitz der John Pierpont Morgan Library \u00a0ist, jetzt ein Museum und Forschungsbibliothek\u00a0die\u00a0 der amerikanische Unternehmer und Bankier 1867-1943) aus der Privatbibliothek seines Vaters geschaffen hat.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"thumbimage\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/9\/92\/MiracleOfPentecostBertholdMissalPierpontMorganLibraryM710Fol64f.jpg\/220px-MiracleOfPentecostBertholdMissalPierpontMorganLibraryM710Fol64f.jpg\" srcset=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/9\/92\/MiracleOfPentecostBertholdMissalPierpontMorganLibraryM710Fol64f.jpg\/330px-MiracleOfPentecostBertholdMissalPierpontMorganLibraryM710Fol64f.jpg 1.5x, \/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/9\/92\/MiracleOfPentecostBertholdMissalPierpontMorganLibraryM710Fol64f.jpg\/440px-MiracleOfPentecostBertholdMissalPierpontMorganLibraryM710Fol64f.jpg 2x\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"303\" data-file-height=\"1920\" data-file-width=\"1395\" \/><\/p>\n<p>Aus dem Weingartner Skriptorium stammt auch die\u00a0Weingartener Fassung der Welfengeschichte mit dem ber\u00fchmten Bildnis von Kaiser Barbarossa inmitten seiner S\u00f6hne Heinrich und Friedrich.\u00a0Unter Abt Berthold erlebte Weingarten die wohl gr\u00f6\u00dfte Bl\u00fctezeit im Mittelalter.<\/p>\n<p>In der Regierungszeit von Abt <span style=\"color: #222222;\">Hermann von Biechtenweiler (1266-1299)<\/span> wird die Abtei 1274 zur Reichsabtei erhoben. K\u00f6nig Rudolf I. best\u00e4tigt am 12. April 1274 in Ulm &#8222;dass laut ihm vom abte des klosters <span class=\"spaced\">Weingarten<\/span> vorgelegter privilegien kein k\u00f6nig oder kaiser die vogtei \u00fcber leute und g\u00fcter des klosters bei der kirche Berg oder sonstwo an irgend jemand andern \u00fcbertragen und so dem reich entfremden d\u00fcrfe&#8220; (RI VI I n. 144) Sein Nachfolger, Abt Friedrich Heller von Hellersberg (1300\u20131315) wurde von Papst Clemens V. zusammen mit dem Engelsberger Abt Rudolf von Hertleib sowie den Konstanzer Domherrn L\u00fctold von R\u00f6teln mit der Untersuchung der\u00a0Exkommunikation \u00a0von Schwyzer Bauern bei Auseinandersetzungen zwischen ihnen und dem Stift Einsiedeln. (siehe dazu Blog Einsiedeln)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann allerdings folgen zwei Jahrhunderte der Stagnation und des Niedergangs. Der Streit zwischen Kaisern und P\u00e4psten, die Pest von 1348 und 1449, sowie Br\u00e4nde und Ungl\u00fccksf\u00e4lle machten dem Kloster zu schaffen. Das Pestjahr von 1348 gilt als Geburtsjahr der Weingartner Narrenzunft Pl\u00e4tzler, weil damals angeblich die B\u00fcrger von Altdorf aus Freude \u00fcber die \u00fcberstandene Beulenpest vor dem Rathaus getanzt haben.1470 war wieder ein schlimmes Pestjahr in Oberschwaben. Ganze D\u00f6rfer wurden ausgel\u00f6scht. 1477 war das Kloster infolge eines Brandes hochverschuldet. Nach Elmar Kuhn Reformation in Oberschwaben S.8 verdankte es die Abtei nur der Unterst\u00fctzung Z\u00fcrichs, dass es der Papst nicht einem Kardinal verlieh. Es waren nur noch 15 M\u00f6nche im Kloster, 4 Kleriker und drei Br\u00fcder. Auch mit der Klosterzucht war es nicht mehr besonders.Sie mussten immer wieder zum Chorgebet ermahnt werden, Sie sollten nicht \u201eschreien, singen, zutrinken, spielen und streiten\u201c.(Elmar Kuhn ebda) Alle besa\u00dfen Privateigentum. Den Ordenshabit trugen sie nicht immer. Daf\u00fcr liebten sie &#8222;Kurzweil, Spiel und Gesellschaft mit Laien und die Jagd&#8220; (Elmar Kuhn).Zwar hatte \u00a0Abt\u00a0 Johann Blarer ( 1418-1437)\u00a0schon\u00a0die Erneuerung versucht. Neue Gemeinschaftsr\u00e4ume wie Refektorium, Dormitorium und Bibliothek entstanden. Erst unter Abt Kaspar Schiegg (1477- 1497) erhielt das Klosterleben wieder neue Impulse. Unter seiner Regierungszeit wurde die Hosanna Glocke gegossen, noch heute die schwerste Glocke der Di\u00f6zese Rottenburg.Durch den Bauernkrieg, der schon in die Abtszeit von Abt Gerwig Blarer (1520-1567) fiel, kam Weingarten im Gegensatz zu den anderen oberschw\u00e4bischen Kl\u00f6stern unbeschadet.\u00a0 Abt Gerwig Blarer war der wohl politischste Abt Weingartens. Er stammte aus der Familie des Konstanzer Ratsherren Augustin Blarer und dessen Frau Katharina, je nachdem welcher Quelle man folgt. Es gibt Quellen, die Hans Blarer als Gerwigs Vater angeben oder eben Augustin. Nimmt man\u00a0Augustin als Vater an. Dann hatte Gerwig noch drei Geschwister\u00a0und zwar Ambrosius, Thomas und Margarete. Alle drei spielten in der Reformation eine wichtige Rolle. Ambrosius ist 1492 geboren. Er besuchte die Lateinschule in Konstanz und immatrikulierte sich schon mit 12 an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen. Er brach sein Studium zun\u00e4chst wieder ab und trat 1502 in die Benediktinerabtei Alpirsbach ein. Dort wurde seine Sprachbegabung erkannt uns er wurde zum Studium an die Universit\u00e4t zur\u00fcckgeschickt. Dort war er Studienkollege und Freund von Philipp Melanchthon. Die Freundschaft hielt das ganze Leben.1521 wurde er Prior in Alpirsbach und somit Stellvertreter des Abtes. Sein Bruder Thomas ist sieben Jahre j\u00fcnger, 1499 geboren. Ab 1514 studierte er die Rechte in Freiburg. 1520 wechselte er nach Wittenberg und lernte dort Martin Luther und seine Schriften kennen. Er begleitete ihn 1521 auch auf den Reichstag nach Worms. 1523 kehrte er nach Konstanz zur\u00fcck und machte auch seinen Bruder mit den Schriften Luthers bekannt. Die Auseinandersetzung mit Luther f\u00fchrte dazu, dass Ambrosius das Kloster verlie\u00df. Er\u00a0wurde mit seinem Bruder \u00a0zum Anf\u00fchrer der Reformation in Konstanz und f\u00fchrte sie sp\u00e4ter \u00a0in Augsburg, Ulm, Isny, Lindau und Esslingen ein und im Auftrag Herzog Ulrichs in W\u00fcrttemberg. Die Schwester Margarte ist zwei Jahre j\u00fcnger als Ambrosius, 1494 geboren. Sie hatte wie alle ihrer Geschwister eine hervorragende humanistische Ausbildung. Sie unterst\u00fctze ihre beiden Br\u00fcder bei der Durchf\u00fchrung der Reformation in Konstanz. Sie bewegte sich in den humanistisch gesinnten Kreisen von \u00a0Konstanz und hatte Kontakt zu dem Stra\u00dfburger Reformator Martin Bucer, kannte auch Erasmus von Rotterdam. In Konstanz gr\u00fcndete sie einen Armenverein christlicher Frauen. Nach dem Tod ihrer Eltern f\u00fchrte sie das Gesch\u00e4ft weiter und unterst\u00fctzte aus dem Ertrag auch den Armenverein. Sie unterrichte Kinder, unterst\u00fctzte Witwen und pflegte Kranke. W\u00e4hrend der Pest in Konstanz erkrankte sie selbst und starb 1541.Einen \u00e4hnlichen und doch ganz anderen Werdegang hatte Gerwig. Er ist 1495 geboren.1511 trat er ins Kloster Weingarten als Novize ein. 1520 wurde er Abt von Weingarten. Er hatte in Freiburg, Wien und Ferrara beide Rechte\u00a0 studiert.\u00a0\u00a0Zu seiner weiteren\u00a0Karriere au\u00dferhalb des Ordens siehe Kloster Ochsenhausen. Schon 9 Jahre nach seinem Klostereintritt 1520 wurde er in Weingarten zum\u00a0\u00a0Abt gew\u00e4hlt. Zur L\u00f6sung der Probleme, die die Reichsabtei Ochsenhausen mit seinen reichsst\u00e4dtischen Nachbarn Biberach und Ulm hatte, die auch dem neuen Glauben anhingen, schien er Kaiser Karl V. der richtige Mann zu sein. So wurde er 1547 in Doppelfunktion auch Abt von Ochsenhausen. Er einigte so die m\u00e4chtigsten Stifte Oberschwabens in der Abwehr von reformatorischen und evangelischem Gedankengut. Er war kaiserlicher Rat Kaiser Karls des V. (1500-1558) und p\u00e4pstlicher Legat von Papst Julius III (1550-1555).<\/p>\n<p>Im Schmalkaldischen Krieg 1546 wurde das Kloster allerdings in die Auseinandersetzungen gezogen und von den Schmalkaldischen Truppen gepl\u00fcndert.<\/p>\n<p>Seit 1555 war der Weingartner Abt einer der festgeschriebenen Vertreter beim Reichsdeputationstag, dem f\u00fcr die Erledigung von Gesch\u00e4ften erw\u00e4hlte reichsst\u00e4ndischen Ausschuss.<\/p>\n<p>Die Nachfolger Blarers Johann Habl\u00fczel (1567-1575) und\u00a0 Johann Raitner (1575-1586) waren\u00a0 wie schon Gerwig Blarer echte Vertreter der Renaissancekultur. Sie und ihre Konventualen waren dem weltlichen Treiben nach wie vor offener eingestellt als dem Streben nach kl\u00f6sterlicher Disziplin. Das oben bei Elmar Kuhn abgedruckte Urteil hatte nach wie vor Bestand. Auch Abt Johannes hatte mit Magdalena Wolfurtsberger eine Geliebte, der er 1568 sogar die neue Pr\u00e4latur schenkte, Dieses Geschenk brannte allerdings schon zehn Jahre sp\u00e4ter ab.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"thumbimage\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/f\/f2\/Georg_Wegelin_portrait.jpg\/220px-Georg_Wegelin_portrait.jpg\" srcset=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/f\/f2\/Georg_Wegelin_portrait.jpg\/330px-Georg_Wegelin_portrait.jpg 1.5x, \/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/f\/f2\/Georg_Wegelin_portrait.jpg\/440px-Georg_Wegelin_portrait.jpg 2x\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"345\" data-file-height=\"4247\" data-file-width=\"2709\" \/><\/p>\n<p>Abt Georg Wegelin (1586-1627) gilt als zweiter Gr\u00fcnder Weingartens. Er legte den Grundstein f\u00fcr die neue Bl\u00fcte Weingartens bis zur Aufhebung. Er hatte an der Universit\u00e4t Dillingen studiert, war jesuitisch gepr\u00e4gt und erzogen. Unter ihm hatte der Abt nicht mehr Stiftsvorstand sondern Seelenf\u00fchrer und guter Hirte zu sein. Der M\u00f6nch sollte wieder durch die Gel\u00fcbde gepr\u00e4gt sein. Ein neues Ethos der Regeltreue und des Gemeinschaftslebens entstand. Auch Besitz und Verwaltung wurden neu gesehen.<\/p>\n<p>\u00c4bte und M\u00f6nche waren nicht mehr Herren des Besitzes sondern nur dessen treue Verwalter. Die Fr\u00fcchte dieser neuen Orientierung zeigten sich bald. Papst Clemens VIII.&#8220;lobt den Abt von Weingarten wegen der Abgabe der Stimme der Schw\u00e4bischen Reichspr\u00e4laten beim Reichstag von Regensburg und seiner Verdienste um die Disziplin in seinem Kloster. Er soll anderen Kl\u00f6stern helfen, das M\u00f6nchtum in Deutschland wieder in die H\u00f6he zu bringen.&#8220; in einer am 8.10. 1594 ausgestellten Urkunde (Landesarchiv Baden-W\u00fcrttemberg B 515 U !55)<\/p>\n<p>1603 trafen sich die \u00c4bte von sieben Benediktinerkl\u00f6stern in Weingarten. und beschlossen die Gr\u00fcndung einer Kongregation, die schon\u00a01568 versucht worden war. Papst Clemens VII. hatte allerdings die Approbation nicht erteilt.Abt Georg hatte sich weiter um die Bildung der Kongregation bem\u00fcht. dieser erneute Anlauf war erfolgreich. Papst Clemens VIII. erteilte am 14.August 1603 die Approbation. Zum ersten Pr\u00e4ses und Visitator der oberschw\u00e4bischen Benediktinerkongregation wurde der Weingartener Abt gew\u00e4hlt. Gr\u00fcndungsmitglieder waren die Kl\u00f6ster Weingarten, Ochsenhausen, Isny, Petershauens, Zwiefalten, Mehrerau und Wiblingen. Sp\u00e4ter kamen noch weitere Kl\u00f6ster dazu.<\/p>\n<p>Unter Abt Georg begann das Kloster seine M\u00f6nche auf die 1622 gegr\u00fcndete Benediktineruniversit\u00e4t Salzburg zu schicken. Alfons Stadelmayer, der 1626 seine Ordensgel\u00fcbde in Weingarten abgelegt hatte, wurde 1647 an die Universit\u00e4t berufen und wurde dort zum Doktor der Theologie berufen. Er war dort als Lehrer t\u00e4tig und wurde 1652 der 4. Rektor der Universit\u00e4t. 1673 wurde er Abt in Weingarten<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/1253775636759l.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"1253775636759l\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/1253775636759l_thumb.jpg\" alt=\"1253775636759l\" width=\"244\" height=\"185\" border=\"0\" \/><\/a>Schwer getroffen wurde das Stift vom Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg. 1632, 1646 und 1647 wurde es von den Schweden ausgepl\u00fcndert. Zur milit\u00e4rischen Lage von Kloster Weingarten um 1635 siehe Blog Kloster BaindtWie in den anderen oberschw\u00e4bischen Kl\u00f6stern waren die meisten M\u00f6nche in den Jahren 1632-1634 in sichereren Kl\u00f6stern. Gabriel Bucelinus, wohl der gelehrteste M\u00f6nch, den Weingarten hervorbrachte, hielt sich zum Beispiel ab 1635 und nochmals 1647 im Kloster Admont auf. Abt Georg verstarb 1627. Er musste also die schlimmsten Kriegsjahre in Weingarten nicht mehr erleben. Auf ihn folgte f\u00fcr 10 Jahre Franz Dietrich. Unter Abt Franz kam es zu einem l\u00e4nger andauernden Streit mit Kloster Einsiedeln.1614 hatte Weingarten von den Herren von Sulz die Herrschaft Blumenegg in Vorarlberg erworben. Mitten in der Herrschaft Blumenegg lag die Herrschaft St.Gerold, die Kloster Einsiedeln geh\u00f6rte. Die Vogtei \u00fcber St. Gerold lag schon seit altersher beim Besitzer von Blumenegg, jetzt also dem Kloster Weingarten. Nachdem Einsiedeln in der Zeit mit Plazidus einen neuen Abt erhalten hatte, hatte Abt Franz diesen um die Belehnung mit der Vogtei gebeten, zun\u00e4chst aber keine Antwort erhalten. Der Konflikt wurde langsam gravierender, als Abt Plazidus in St. Gerold die Huldigung seiner Untertanen entgegennehmen wollte. Als dann noch der Propst von St. Gerold auf Schloss Blumenegg einen formellen Protest gegen Weingarten vorbrachte, weil die V\u00f6gte die Gotteshausleute von Einsiedeln mit Frondiensten belastet und damit in die Gerichtsbarkeit der Propstei St. Gerold eingegriffen h\u00e4tten. Die Lage versch\u00e4rfte sich weiter, als sich Weingarten gezwungen sah, wegen der Kriegskosten, die es infolge des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges diese auf seine Untertanten abzw\u00e4lzen und auch die Gotteshausleute von Einsiedeln belasten wollte. Dagegen klagte Einsiedeln zun\u00e4chst in Blumenegg, dann in Weingarten. Es ging dann schlie\u00dflich weiter bis zum Kaiser. Wegen der nun ganz konkret gewordenen Kriegsgefahr legte Weingarten 1632 Truppen in das Gebiet von St. Gerold und forderte die Propstei auf, f\u00fcr den Truppenunterhalt zu zahlen. Der Propst weigerte sich. Im Gegenzug belegte Weigarten Propsteig\u00fcter mit Beschlag. Der Kaiser hatte mittlerweile den Bischof von Augsburg als Vermittler eingeschaltet, allerdings ohne Erfolg. Nun drohte der Bischof von Chur mit dem Kirchenbann und zitierte den Abt von Weingarten nach Chur. Dieser erwirkte allerdings vom Kaiserlichen Hof, dass er dort nicht erscheinen m\u00fcsse. Der Vogt von Blumenegg wurde gebannt, der Kirchenbann an der Kirche von Feldkirch angebracht. Weingarten lie\u00df ihn abrei\u00dfen und eine Gegenerkl\u00e4rung anschlagen. Weingarten forderte wenig sp\u00e4ter eine erneute Kriegssteuer von 1000 Gulden. Wieder landete das beim Kaiser. Der, Ferdinand II. entschied nun, dass der Arrest \u00fcber die G\u00fcter der Propstei aufgehoben wurden und nur ein kaiserlicher Kommiss\u00e4r die in Kriegszeiten n\u00f6tigen Abgaben erheben k\u00f6nne. Damit kehrte f\u00fcr einige Zeit Ruhe ein. Abt Franz starb 1637.Sein Nachfolger war Dominikus Laymann. Als er die Leute von St. Gerold zur Huldigung aufforderte lebte der Streit wieder auf. Einsiedeln war aber stark mit Auseinandersetzungen mit Schwyz besch\u00e4ftigt, so dass es dieses Problem zun\u00e4chst zur\u00fccksetzte.\u00a0 Dominikus wurde nochmals ganz nah mit dem Krieg direkt in seiner Umgebung konfrontiert. Er hatte sich 1645 in Ravensburg in Sicherheit gebracht wurde aber von dem Hohentwieler Festungskommandanten Conrad Widerholdt mit der Drohung, das Kloster Weingarten niederzubrennen dazu gebracht Ravensburg zu verlassen. Er wurde gefangen genommen und gegen einen wichtigen Mann widerrholts ausgetauscht und gegen ein\u00a0L\u00f6segeld\u00a0von 400 Gulden freigelassen.Im letzten Kriegsjahr waren 63 Weiler und einzelne H\u00f6fe des Klosters auf einmal niedergebrannt worden. Einsiedeln hatte 1645 mit Schwyz Frieden geschlossen und konnte sich nun auf die Streitigkeiten mit Weingarten konzentrieren. Die beiden Abteien einigten sich auf einen Schiedsrichter,\u00a0 Weingarten wurde durch Rudolf von der Halden vertreten, Einsiedeln von dem \u00dcberlinger Ratsherrn Nikolaus Th\u00fcring von Erkheim.1648 wurde der Konflikt mit einem Spruch beigelegt. Einsiedeln kaufte das bisherige grundherrliche Gebiet von St. Gerold und zwei benachbarte Berghalden mit allen Bewohnern, Gerichten und Grundherrlichkeiten f\u00fcr Gulden 30.500. Die Hohe Gerichtsbarkeit blieb bei Blumenegg, also bei Weingarten.Dominikus Laymann war Abt bis 1673. Auf ihn folgte der oben erw\u00e4hnte Alfons Stadelmayer, der 1652 Rektor der Universit\u00e4t Salzburg. Dort hatte er 1655 \u00a0die neue Universit\u00e4t mit dem akademischen Theater errichten lassen. Die Lage in Weingarten hatte sich soweit konsolidiert, dass vom Vorarlberger Baumeister Michael Thumb ein neues Noviziatsgeb\u00e4ude erbaut werden kann. Auch Pl\u00e4ne f\u00fcr einen Kirchenumbau sind nicht mehr utopisch. Konkrete Planungen erfolgen aber erst nach dem Tod von Abt Alfons 1683. Sein Nachfolger wurde Willibald Kobold (1683-1697). Sein Bruder Placidus war zwei Jahre vorher in Ochsenhausen zum Abt gew\u00e4hlt worden, \u00fcbte dieses Amt allerdings nur 6 Jahre aus, da eine Geisteskrankheit auftrat und er abgew\u00e4hlt wurde (siehe Reichsabtei Ochsenhausen)<\/p>\n<p>1684 kommt Bruder Caspar Moosbrugger aus Einsiedeln (siehe dort) nach Weingarten und beginnt mit Planungen. Wahrscheinlich stammt der Aufnahmeplan der romanischen Basilika von ihm. Pl\u00e4ne von ihm f\u00fcr den Umbau sind nicht bekannt. Die Bauvorhaben mussten gestoppt werden, da 1695 das Priorat Weingartens in Feldkirch aufgehoben wurde und nach Hofen in das heutige Friedrichshafen verlegt wurde.<\/p>\n<p>In den Jahren 1692\/1693 gibt es nochmals einen engen Kontakt\u00a0 mit dem Kloster Einsiedeln, dieses Mal allerdings einen im besten Einvernehmen. Einsiedeln hatte 1650 von der Stadt \u00dcberlingen die Herrschaft Ittendorf (zwischen Markdorf und Meersburg) g\u00fcnstig erwerben, da sich die Stadt wegen der Kriegslasten zum Verkauf gezwungen sah. F\u00fcr 30.000 Gulden wechselte die Herrschaft den Besitzer. Das Kloster wollte damit Schwierigkeiten mit der Getreideversorgung zuvorkommen, die sich im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg mehrfach gezeigt hatten.1692 wurde in Einsiedeln mit Abt Raphael ein neuer Abt gew\u00e4hlt. Dieser sah sich bei Amtsantritt mit einer enormen Schuldenlast konfrontiert. Deshalb wurde an einen Verkauf von Ittendorf gedacht und man fand im Kloster Weingarten auch schnell einen potenten Kaufinteressenten. Es gab dann eine Reihe von Interessenten, z. B. den Bischof von Chur, der aber nur 70.000 Gulden anlegen wollte. Das Bistum Konstanz schlug einen G\u00fctertausch gegen eine Besitzung des F\u00fcrstbistums im Thurgau vor. Das h\u00e4tte aber die finanziellen Zw\u00e4nge Einsiedelns nicht behoben. Die beiden Kl\u00f6ster einigten sich sehr schnell auf ein Kauf mit einer Kaufsumme von schlie\u00dflich 136.000 Gulden. Nachdem noch einige Einspr\u00fcche von umliegenden Herrschaften abgelehnt worden waren, die irgendwelche Rechtsanspr\u00fcche geltend machten wurde der Kauf 1693 abgewickelt. Die Finanzkraft, die Weingarten so kurz nach dem Krieg schon wieder gewonnen hatte, zeigt sich, dass Weingarten im Mai 1693 die erste Anzahlung leistet und zum Jahresende bereits die komplette Schuld getilgt warAbt Willibald\u00a0beginnt mit einem Klosterneubau in Hofen mit dem Vorarlberger Baumeister Christian Thumb. Er ist Michaels Bruder, der das Noviziatsgeb\u00e4ude in Weingarten errichtet hatte. Sein Bauleiter ist\u00a0Bruder Andreas Schreck (1659-1730) der 1693 ins Kloster eingetreten ist.Der Neubau in Hofen hat die Kraft der Abtei Weingarten absorbiert, so dass die Baupl\u00e4ne f\u00fcr Weingarten erst einmal auf Eis gelegt wurden. Zum Ende des 17. Jahrhunderts wurde in Weingarten nur noch der Fruchtkasten gebaut. Den Klosterneubau in H\u00f6fen beendet erst sein Nachfolger Abt Sebastian Hyller (1697 bis 1730).\u00a0 Er ist am 5.2. 1697 in Pfullendorf als Sohn eines B\u00e4ckers geboren. Nach seinem Eintritt ins Kloster Weingarten studierte er an der Benediktineruniversit\u00e4t Salzburg. .Dort wurde er Professor der Philosophie. 1697 w\u00e4hlte ihn der Weingartener Konvent zum Abt. Auch sein Vorvorg\u00e4nger Abt Alfons hatte ja seine Karriere in Salzburg begonnen. Abt Sebastian wird auch Pr\u00e4ses der Schw\u00e4bischen\u00a0 Benediktinerkongregation, au\u00dferdem des \u00a0schw\u00e4bischen Reichspr\u00e4latenkollegiums und der Universit\u00e4t Salzburg. Er wird der gro\u00dfe Bauabt in der Geschichte Weingartens. Gleich nach seiner Wahl baut er mit dem in Hofen t\u00e4tigen Baumeister Christian Thumb und seinem Palier Bruder Andreas Schreck\u00a0die dort begonnenen Neubauten bis 1701 zu Ende. Schon 1700 beginnt er mit den Planungen f\u00fcr den Klosterneubau. Er hat Kontakt mit Franz Beer II. Die Realisierung der Baupl\u00e4ne werden aber enorm erschwert. Die Pl\u00e4ne werden sofort von Vorder\u00f6sterreich bek\u00e4mpft, das die &#8222;Via Regia&#8220; die Landstra\u00dfe, die nach Altdorf durchs Klostergebiet f\u00fchrt, beeintr\u00e4chtigt sieht. Altdorf ist seit 1486 in vorder\u00f6sterreichischem Besitz. So wird erst 1709 die Pfarrkirche von Krumbach (heute ein Teilort von Obereisenbach zwischen Tettnang und Bodnegg) erbaut. Von 1712-1714 lie\u00df er die Pfarrkirche St. Stephan von Th\u00fcringen bei Bludesch in der Grafschaft\u00a0 Blumenegg neu erbauen, da der Vorg\u00e4ngerbau bauf\u00e4llig war. 1707 war Abt Sebastian bei der Einweihung der Kollegienkirche in Salzburg zugegen und hier entschied er sich wohl endg\u00fcltig f\u00fcr den Bau der Stiftskirche. Wegen der Streitigkeiten mit Vorder\u00f6sterreich beginnt er erst mit dem Kirchenbau, vor er an den Klosterneubau geht. Neben Franz Beer II zieht er auch noch Baumeister Johann Jakob Herkomer aus F\u00fcssen \u00a0bei, der ihm 1713 einen Riss f\u00fcr den Kirchenneubau liefert. Auf diesem Riss von Herkomer basiert die entscheidenden Planung von Beer. Beer ist ein ungemein lernf\u00e4higer Baumeister. Er hat sich 1705 ausf\u00fchrlich mit der Salzburger Kollegienkirche auseinandergesetzt, die <span style=\"text-align: justify; color: #000000; text-transform: none; text-indent: 0px; letter-spacing: normal; font-family: Verdana, 'Verdana Bold', Arial, Helvetica, sans-serif; font-size: 12px; font-style: normal; font-weight: 400; word-spacing: 0px; float: none; display: inline !important; white-space: normal; orphans: 2; widows: 2; background-color: #eeeeee; font-variant-ligatures: normal; font-variant-caps: normal; -webkit-text-stroke-width: 0px; text-decoration-style: initial; text-decoration-color: initial;\">Johann Bernhard Fischer von Erlach\u00a0gebaut hat.<\/span><\/p>\n<p>Das d\u00fcrfte ganz im Sinne von Abt Sebastian gewesen sein, der die neue Kirche wohl auch seinen Baumeistern als Vorbild empfohlen hat. Im M\u00e4rz 1715 beginnt der Abriss des romanischen M\u00fcnsters.Am 22.08. 1715 erfolgt die Grundsteinlegung. Allerdings kommt es ein Jahr sp\u00e4ter zum Bruch mit Beer. Wegen einer Kautionszahlung kommt es zum Streit mit Beer und dieser erl\u00e4sst die Baustelle. Herkommer ist krankheitshalber nicht mehr verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p>So \u00fcbernimmt der bereits 70-j\u00e4hrige Baumeister Christian Thumb unter \u00abOberaufsicht\u00bb von Br. Andreas Schreck die Baustelle. Der Bauherr kennt die beiden bereits aus Hofen.F\u00fcr die weitere planerische Arbeit gewinnt Abt Sebastian den Ludwigsburger Baudirektor Donato Giuseppe Frisoni (1681\u20131735).So\u00a0kann \u00a0Weingarten als Gemeinschaftswerk von mehreren kompetenten Baumeistern, aber auch eines sehr kompetenten Bauherren betrachtet werden. In knapp 19 Monaten ist das Bauwerk eingew\u00f6lbt. Franz Schmuzer, der auch in Hofen gewirkt hat, kann mit der Stuckierung beginnen. Cosmas Damian Asam f\u00fchrt Deckenfresken aus. Es ist sein erster Grossauftrag.. Ein weiterer K\u00fcnstler erh\u00e4lt f\u00fcr Weingarten ebenfalls seinen ersten Gro\u00dfauftrag. Der Bildhauer Josef Anton Feuchtmayer fertigt das Chorgest\u00fchl, das 1724 aufgestellt wird. Am 10.September 1724 wird die neue Stiftskirche eingeweiht. Nicht nur die Bauzeit ist bemerkenswert, auch die Finanzierung. Abt Sebastian kann die gesamten Kosten aus den laufenden Einnahmen bestreiten. 210.000 Gulden wurden insgesamt ausgegeben. Das Kloster ist bei der Einweihung schuldenfrei. Auch das zeigt die wiedergewonnene finanzielle St\u00e4rke des Klosters. Erst vor kurzer Zeit der Kauf der Herrschaft Ittendorf, dann zwei gro\u00dfe Bauvorhaben, Hofen und die Stiftskirche. Dabei herrschte ja schon wieder Krieg. Der Spanische Erbfolgekrieg von 1701-1714 wurde 1704\u00a0ja auch mit Schwerpunkt in S\u00fcddeutschland ausgetragen .Mit Sicherheit fielen auch f\u00fcr Weingarten Kontributionen an. 1727 beginnt Abt Sebastian mit dem Klosterneubau, hat dabei aber nach wie vor Schwierigkeiten mit Vorder\u00f6sterreich. Er stirbt 1730 mit 63 Jahren und erlebt nur noch die Rohbau des Ostfl\u00fcgels. Zu seinem Nachfolger wird Alfons II. Jobst (1730-1738) gew\u00e4hlt. Bei seiner Wahl ist er \u00d6konom. Vorher war er Kustos in Hofen, Dann K\u00fcchenmeister und Cellerar. Seine Klosterlaufbahn l\u00e4sst einen eher wirtschaftlich denkenden Abt als einen Bauherren vermuten. Aber Alfons \u00fcbernimmt die Bauvorhaben seines Vorg\u00e4ngers. Er\u00a0kann den Bau des Ostfl\u00fcgels beenden. Wegen Grundst\u00fccksstreitigkeiten mit \u00d6sterreich muss aber der gesamte Bau eingestellt werden.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr wird in Wien ein enorm kostentr\u00e4chtiger Prozess gef\u00fchrt. Unter der Vierungskuppel der Stiftskirche l\u00e4sst den Heilig-Blut-Altar mit dem Chorgitter errichten. Die wichtigste Entscheidung seiner Regierungszeit ist den jungen Orgelbauer aus Ochsenhausen Josef Gabler nach Weingarten zu holen. In dem noch baufeuchten Neubau war 1722 eine Orgel errichtet worden, die schnell als &#8222;verfault und verderbt&#8220; empfunden wurde. Josef Gabler repariert die Orgel und kann den Konvent von seinen Qualit\u00e4ten \u00fcberzeugen. er kam wohl auch auf Empfehlung des Abtes von Ochsenhausen\u00a0 nach Weingarten. Im dortigen Kloster hatte er sein Erstlingswerk, die Hauptorgel mit 49 Registern erbaut. 1737 erh\u00e4lt Gabler die Hauptorgel zu bauen. Von 1737-1750 ist er mit dem Bau besch\u00e4ftigt. Mit 63 Registern wird sie die gr\u00f6\u00dfte Barockorgel S\u00fcddeutschlands. Die Synthese von Raumarchitektur und Orgel ist Gabler meisterhaft gegl\u00fcckt und obwohl erst Gablers zweites Instrument wird es sein Meisterwerk. Bis zur S\u00e4kularisation wurde die Orgel ausgiebig genutzt. Weingarten hatte, wie die oberschw\u00e4bischen Kl\u00f6ster\u00a0eine<\/p>\n<p>gro\u00dfartige\u00a0 Musikkultur. Um 1800 lebten acht musizierende und komponierende Patres im Kloster.<\/p>\n<p>Abt Alfons verstarb 1738. Sein Nachfolger wurde Placidus Renz (1738-1745). Er tritt ein sehr schwieriges Erbe an. Klosterneubau und vor allem die juristischen Auseinandersetzungen mit \u00d6sterreich hatten die zuvor soliden Finanzen zerr\u00fcttet. Abt\u00a0 Placidus konnte sich zwar mit dem Wiener Hof vergleichen und mit dem Wessobrunner Baumeister Josef Schmuzer den Weiterbau angehen.Der Schuldenberg Weingartens hatte aber 1744 300.000<\/p>\n<p>Gulden erreicht, das war das dreifache des Jahreseinkommens des Klosters. Deshalb resignierte der Abt 1745 und zog sich nach Hofen zur\u00fcck, wo er 1748 verstarb.<\/p>\n<p>Sein Nachfolger wurde Doemicus II. Schwarzer (1745-1784)<\/p>\n<p>Unter Abt Domenicus Schnitzer (1746-1784) gab es nochmals viele Neueintritte. Doch der Schuldenberg wuchs bedingt durch Prozesskosten um den Erwerb und Ausbau der hohen Gerichtsbarkeit sowie Auseinandersetzungen mit der \u00f6sterreichischen Landvogtei und dann Reichskriegssteuern und ab 1795 Kontributionen.<\/p>\n<p>Der letzte Abt war Anselm Rittler (1784-1804). Im Zuge der S\u00e4kularisation ging Weingarten am 15. September 1802 an den F\u00fcrsten Wilhelm von Oranien-Nassau-Dillenburg. Die 48 M\u00f6nche durften noch bis 1809 im Konventsgeb\u00e4ude bleiben. 1806 wurde Weingarten w\u00fcrttembergisch. Das restliche Kirchensilber, Klosterarchiv und Klosterbibliothek wanderten nach Stuttgart.<\/p>\n<p>Der Blutritt war nach der Aufhebung des Klosters bis 1849 kirchlicher-und staatlicherseits verboten. In der Nazizeit war es ein Bekenntnistag, der von den Machthabern nicht unterdr\u00fcckt werden konnte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/tblBilder_KulturgutKulturbild100.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"tblBilder_KulturgutKulturbild100\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/tblBilder_KulturgutKulturbild100_thumb.jpg\" alt=\"tblBilder_KulturgutKulturbild100\" width=\"244\" height=\"175\" border=\"0\" \/><\/a>Das Kloster war 1825 Waisenhaus und 1868 Kaserne. Nach Abschaffung der Monarchie 1918 standen die Geb\u00e4ude leer. Am 10. Mai 1922 siedelten aus England vertriebene M\u00f6nche\u00a0 an. Sie nahmen zusammen mit Beuroner M\u00f6nchen das Klosterleben wieder auf. Abt Ansgar H\u00f6ckelmann (1922-1943) wurde der 41. Abt.<\/p>\n<p>1940 beschlagnahmten die Nazis das Geb\u00e4ude. Ein Gro\u00dfteil der M\u00f6nche wurde eingezogen. Ein kleiner Teil durfte mit Abt Konrad Winter (1934-1953) im Hofgut R\u00f6ssler verbleiben.<\/p>\n<p>2010 endete die Klostergeschichte. Es lebten nur noch 4 M\u00f6nche im Kloster, der \u00e4lteste war 98!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/32478360.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"32478360\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/03\/32478360_thumb.jpg\" alt=\"32478360\" width=\"181\" height=\"244\" border=\"0\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Kloster Weingarten ist als Familiengrablege der Welfen und Hauskloster der Welfen bei ihrer Stammburg in Altdorf, dem heutigen Weingarten, gegr\u00fcndet worden. 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