{"id":1089,"date":"2011-02-28T18:39:48","date_gmt":"2011-02-28T18:39:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=1089"},"modified":"2011-02-28T19:44:51","modified_gmt":"2011-02-28T19:44:51","slug":"kloster-zwiefalten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/?p=1089","title":{"rendered":"Kloster Zwiefalten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/images11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border-width: 0px;\" title=\"images1\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/images1_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"images1\" width=\"93\" height=\"84\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auf der Schw\u00e4bischen Alb flie\u00dfen zwei Fl\u00fcsschen zusammen, die Zwiefaltener Aach und die Kessel-Aach. Daher leitet sich der Name Zwiefalten, das 904 zum ersten Mal erw\u00e4hnt wird, ab.<\/p>\n<p>Im 11. Jahrhundert leben bei Reutlingen die Grafen von Achalm. Kuno von W\u00fclfingen und Liutold, S\u00f6hne und Erben des Grafen Rudolf von Achalm und seiner Gemahlin Adelheid von\u00a0 W\u00fclfingen stiften 1089 das Kloster Zweifalten. Graf Rudolf war der Vollender der Achalm, deren Bau um 1040 begonnen worden war. Eigentlich sollte in Altenburg am Neckar nahe dem Stammsitz ein Kloster gegr\u00fcndet werden. Da dort nicht ausreichend Wasser war, wurde Zweifalten gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Papst Gregor VII., der entschiedene Gegner Heinrich IV., war vor kurzem gestorben (1085). Der Investiturstreit hatte seinen H\u00f6hepunkt \u00fcberschritten. Die beiden Grafen waren Parteig\u00e4nger Gregors. Ratgeber bei dem Klosterprojekt waren der ebenfalls papsttreue Bischof Adalbero von W\u00fcrzburg (um 1010 bis 1090), der wegen seiner Papsttreue aus W\u00fcrzburg vertrieben worden war und Abt Wilhelm von Hirsau (um 1030 bis 1091), w\u00e4hrend des Investiturstreites ebenfalls auf Seite des Papstes und Verfechter der cluniazentischen Reformbewegungen so wie Papst Gregor ja auch aus Cluny kam und dort vor seiner Wahl als Papst als M\u00f6nch Hildebrand gelebt hatte. Au\u00dferdem wurde der Bempflinger Vertrag abgeschlossen. Das war ein m\u00fcndlicher Erbvergleich zwischen den Grafen Kuno und Liutold einerseits und Graf Werner IV. von Gr\u00fcningen andrerseits. Da die beiden Grafen erbrechtlich kinderlos waren, \u2013Kuno hatte drei illegitime Kinder-, war eine solche Absprache n\u00f6tig, um sp\u00e4tere Anspr\u00fcche des Grafen Werners und seiner Erben\u00a0 an das Kloster zu vermeiden. Werner war der Sohn von Willibirg von Achalm, der Schwester der beiden Grafen. Dieser Vertrag wird in der Zwiefaltener Chronik (1135-1138)der M\u00f6nche Ortlieb und Berthold erw\u00e4hnt. Die M\u00f6nche wollten mit dieser schriftlichen Fixierung wohl auch Rechtssicherheit f\u00fcr das Kloster schaffen. Da die Klostergr\u00fcndung sehr rasch vor sich gehen sollte, mussten die Einwohner des Ortes auswandern, um den Ordensbr\u00fcdern Platz zu machen. Ihre H\u00e4user wurden zu Zellen, die Pfarrkirche zu einer Klosterkirche umgewandelt. Aus dem Kloster Hirsau kamen 17 M\u00f6nche nach Zwiefalten. Abt Wilhelm gab ihnen Wezilo zum Propst. Nach zwei Jahren wurde der erst Abt gew\u00e4hlt und jetzt begann man auch mit dem Bau des Klosters. Gew\u00e4hlt wurde Noker (1091-1095)von Zwiefalten, der mit dem \u201cMemento Mori\u201d die erste deutsche Bu\u00dfpredigt in Reimform geschrieben hatte, wohl gegen Ende des 11. Jahrhunderts verfasst und in einer Stra\u00dfburger Handschrift \u00fcberliefert. Die Grafen waren bis jetzt noch Eigent\u00fcmer ihres gestifteten Gutes. Dieses wurde 1092 feierlich \u00fcbergeben, der Sitte gem\u00e4\u00df durch die Hand eines Dritten, hier des Grafen Mangold von Veringen. Graf Mangold stellte das Kloster im Folgejahr unter den Schutz Papst Urbans II. Der Graf erhielt die Best\u00e4tigung des Klosters 1093. Diese ist noch im Original vorhanden. F\u00fcr diesen Schutz musste das Kloster j\u00e4hrlich die symbolische Entrichtung eines Goldst\u00fcckes erbringen. Das war so \u00fcblich. So musste z. B. das Kloster Wiblingen ebenfalls j\u00e4hrlich einen \u201cByzantiner\u201d entrichten. 1092 starb Graf Kuno und 1098 Liutold, der inzwischen ins Kloster eingetreten war. Das Kloster erbte den gr\u00f6\u00dften Teil des Besitzes. Au\u00dferdem folgten viele Mitglieder schw\u00e4bischer Adelsfamilien dem Beispiel Liutolds und traten ins Kloster ein, wie Adalbert von Oberstetten und Otto von Steu\u00dflingen. Dieser war unter Konrad III. in Polen und hat dort von der Mutter der Piastenf\u00fcrsten, die mit Herzog Boleslaus verheiratet war. Reliquien f\u00fcr das Kloster Zwiefalten erhalten. Von dieser Reliquientranslation ist auch in der\u00a0 in der Zwiefaltener Chronik des Ortliebs berichtet. Das Kloster fand neben Herzog Boleslaus und den Grafen von Veringen eine gro\u00dfe Zahl von Wohlt\u00e4tern, die alle bei Ortlieb in der Chronik verzeichnet sind. Zwischen 1095 und 1139 entwickelte sich das Kloster zu einem kulturellen und religi\u00f6sen Zentrum in Oberschwaben und erlebte seine erste Bl\u00fcte. Parallel zum M\u00e4nnerkloster entstand auch ein Frauenkloster. 1101 war Gr\u00e4fin Adelheid von Dillingen, die Witwe des Grafen Ulrich von Gamerdingen eingetreten und hatte das kl\u00f6sterliche Gel\u00fcbde abgelegt. Allerdings fand man in Zwiefalten die zu gro\u00dfe N\u00e4he von M\u00e4nner-und Frauenkloster bald als anst\u00f6\u00dfig. Unter Adelheid wird in der N\u00e4he ein neues Frauenkloster gebaut. Wann es genau zu bestehen aufgeh\u00f6rt hat, wei\u00df man nicht. Mitte des 13. Jahrhunderts besteht es nicht mehr.<\/p>\n<p>Neben den Consuetudinis Hirsaugienses legte die Hirsauer Reform auch die freie Vogtswahl fest. Als Graf Kuno 1092 gestorben war, sein Bruder Liutold schon alt war und au\u00dferdem M\u00f6nch im Kloster, wollte er sich mit der Vogtei nicht mehr befassen. Auf Bitten Luitholds w\u00e4hlten dann die F\u00fcrsten, die wegen des Landfriedens gerade in Ulm versammelt waren, 1093 den Staufer Welf IV. als Schutzvogt des Klosters. Zum einen war er einer der m\u00e4chtigsten F\u00fcrsten der p\u00e4pstlichen Partei, zum andern besa\u00dfen die Welfen die feste Burg Wartstein in der N\u00e4he des Klosters. 80 Jahre blieben die Welfen im Besitz der Vogtei. 1173 wurde sie ihnen jedoch abgenommen und dem Grafen Albert von Hohenberg \u00fcbertragen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Hildegard.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"Hildegard\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/Hildegard_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"Hildegard\" width=\"168\" height=\"244\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Bl\u00fcte der Abtei zeigt sich auch in einem sehr produktiven Skriptorium mit einer sehr gro\u00dfen Zahl von illuminierten Handschriften. Zwiefaltener M\u00f6nche waren auch in dem Kloster der Heiligen Hildegard von Bingen, auf dem Ruppertsberg t\u00e4tig. Es gibt dreizehn erhaltene Briefe Hildegards. Die \u00c4btissin war auch zwischen 1170 und 1173 selbst zu Besuch in Zwiefalten. 1138 z\u00e4hlte das Kloster 70 M\u00f6nche, 130 Laienbr\u00fcder und 62 Klosterfrauen. Bis zur letzten Nennung des Frauenklosters in Urkunden 1358 weisen\u00a0 die Nekrologien 550 Nonnen auf.<\/p>\n<p>1303 \u00fcbertrug die Abtei die Vogtei 1303 den Habsburgern. Diese \u00fcberlie\u00dfen sie 1365 den Grafen von W\u00fcrttemberg. Die W\u00fcrttemberger legten ihre Vogteirechte ziemlich extensiv aus, so dass es immer wieder zu Reibereien kam. 1422 ist die Abtei in den Reichsmatrikeln gef\u00fchrt. Diese regelten, ob und wieviele Truppen die Reichsst\u00e4nde f\u00fcr das Reichsheer stellen mussten oder ob Geldbetr\u00e4ge festgelegt wurden.<\/p>\n<p>1474 wurde Georg Fischer Abt (bis 1515). Er stellte sein Kloster wieder unter \u00f6sterreichischen Schutz<\/p>\n<p>1491 wurde der Vertrag zu N\u00fcrnberg geschlossen. Die Schirm-und Kastenvogtei, sowie die hohe Gerichtsbarkeit wurde W\u00fcrttemberg f\u00fcr immer zuerkannt.\u00a0 Das Kloster sollte dann aber nicht mehr als die alte Vogteiabgabe leisten.Das Kloster wurde nicht lands\u00e4ssig.<\/p>\n<p>In Fischers Amtszeit wurde das Kloster wirtschaftlich saniert. Er lie\u00df moderne Gemeinschaftsr\u00e4ume errichten, Dormitorium, Bibliothek und Krankenhaus. Au\u00dferdem sorgte er f\u00fcr die theologische Bildung der Konventualen durch Studien an der 1477 gegr\u00fcndeten Universit\u00e4t T\u00fcbingen. Seine Nachfolger Sebastian M\u00fcller (Molitor) und Nikolaus Buchner mit je zwei Amtszeiten (insgesamt von 1515 bis 1567) zeigten ebenfalls Reformeifer, alles anlehnend an die Statuten der Bursfelder Reform.<\/p>\n<p>Im Bauernkrieg lagerten auf dem Teutschbuch in der N\u00e4he von Zwiefalten 12000 Bauern. Sie \u00fcberfielen und pl\u00fcnderten das Kloster. Viele Urkunden und die Fahnen der Stifter gingen verloren<\/p>\n<p>Die M\u00f6nche waren so ver\u00e4ngstigt, dass sie auf die Burg Gundelfingen flohen.<\/p>\n<p>Politisches Ziel der Herz\u00f6ge von W\u00fcrttemberg blieb es, die Abtei wieder Grafschaft einzugliedern und nach Einf\u00fchrung der Reformation in W\u00fcrttemberg 1534 auch die Abtei Zwiefalten aufzuheben wie die anderen 14 M\u00e4nnerkl\u00f6ster in W\u00fcrttemberg. Doch das Kloster konnte die Ausbreitung des neuen Glaubens auf sein Territorium verhindern.<\/p>\n<p>Schwere Zeiten brachte der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg \u00fcber die Abtei. Dreimal wurde sie ausgepl\u00fcndert. Besonders hart ging es her, als der schwedische General Horn im Jahre 1633 bei Mochenthal von altringer geschlagen wurde und \u00fcber Zwiefalten floh. Auch bei diesen drei Schwedeneinf\u00e4llen gingen unsch\u00e4tzbare Schiften und Urkunden verloren. Im Jahr 1635 w\u00fctete dann noch die Pest in Oberschwaben.<\/p>\n<p>Ab 1688 begann mit dem Neubau der Klosteranlage unter Abt Johann Martin Gleuz (1675-1692) In zwei weiteren Abschnitten entsandt bis 1700 unter Leitung des Baumeisters Franz Beer. Unter den \u00c4bten\u00a0 Augustin Stegm\u00fcller (1725-1744) und<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/1697127.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"1697127\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/1697127_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"1697127\" width=\"184\" height=\"244\" \/><\/a>Benedikt Mauz (1744-1765) wurde das romanisch-gotische M\u00fcnster durch Baumeister Johann Michael Fischer (1692-1766) komplett neu erbaut, ein Hauptwerk des Sp\u00e4tbarocks. Die Stukkaturen stammen vom dem Wessobrunner Stukkateur Johann Michael Feuchtmayr.<\/p>\n<p>1750 konnte sich das Kloster von den Verpflichtungen gegen wie W\u00fcrttemberger freikaufen und erlangte die Reichsunmittelbarkeit. Ab jetzt waren die Zwiefaltener \u00c4bte reichsfreie Landesherren. Allerdings w\u00e4hrte die neue Freiheit nicht lange. Die S\u00e4kularisation von 1802 beendete das Klosterleben. Das Kloster wurde aufgehoben. Der letzte Abt Gregor Weinemer (1787-1803) ergielt seinen Sitz in Mochenwangen. Zwiefaltens Besitz ging 1806 an das neue K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg. Im ehemaligen Kloster wurde 1812 die \u201cLandesirrenastalt\u201d eingerichtet.<\/p>\n<p>Die gesamte Anlage wurde von 1974-1984 umfassend saniert.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/277415142_d76e30d008.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block; float: none; margin-left: auto; margin-right: auto; border: 0px;\" title=\"277415142_d76e30d008\" src=\"http:\/\/www.transtrend.de\/franzkarl\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/277415142_d76e30d008_thumb.jpg\" border=\"0\" alt=\"277415142_d76e30d008\" width=\"244\" height=\"164\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Schw\u00e4bischen Alb flie\u00dfen zwei Fl\u00fcsschen zusammen, die Zwiefaltener Aach und die Kessel-Aach. Daher leitet sich der Name Zwiefalten, das 904 zum ersten Mal erw\u00e4hnt wird, ab. Im 11. Jahrhundert leben bei Reutlingen die Grafen von Achalm. 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